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Gebirge Karte: Madeira

Gebirge Lage und Zugehörigkeit

Zugehörigkeit: Europa » Kanarische Inseln » Madeira
 

Gebirge Informationen zur Gebirgsgruppe: Madeira

Informationen zur Lage und Bezeichnung:


ausführliche Beschreibung:

Madeira [ma'da…™ŐĮ…ĺa] (von portugiesisch madeira f√ľr ‚ÄěHolz‚Äú) ist eine portugiesische Insel, 951¬†km s√ľdwestlich von Lissabon und 737¬†km westlich der marokkanischen K√ľste im Atlantischen Ozean. Sie geh√∂rt mit der kleineren Insel Porto Santo und der unbewohnten kleineren Inselgruppe Ilhas Desertas zur Inselgruppe Madeira, die gemeinsam mit den ebenfalls unbewohnten Ilhas Selvagens die Autonome Region Madeira bildet.

Die Bewohner von Madeira heißen Madeirer, das Adjektiv zu Madeira lautet madeirisch. Madeira hat etwa 250.000 Einwohner auf einer Fläche von 801 km². Davon entfallen 741 km² auf die Hauptinsel Madeira und 42,5 km² auf die kleinere Insel Porto Santo, 14,2 km² auf die Ilhas Desertas sowie 3,6 km² auf die Ilhas Selvagens.

Als Teil Portugals geh√∂rt Madeira zum Gebiet der Europ√§ischen Union. Die Zeitzone ist wie im Mutterland Portugal WEZ und entspricht im Winter der koordinierten Weltzeit (UTC¬†+¬†0, gegen√ľber Mitteleuropa ‚ąí¬†1 Stunde). F√ľr die Zeit von Ende M√§rz bis Ende Oktober ist wie im √ľbrigen Europa die Sommerzeit eingef√ľhrt, so dass die Zeitdifferenz das ganze Jahr √ľber unver√§ndert bleibt.

Geographie

Landschaft

Die gesamte Insel hat Mittel- bis Hochgebirgscharakter. Die K√ľste Madeiras f√§llt steil ins Meer ab. In der Mitte der Insel ragen die h√∂chsten Gipfel empor. Der h√∂chste Berg ist der Pico Ruivo mit 1862¬†m. Dieser bildet zusammen mit dem Pico do Arieiro, dem Pico das Torres und dem Pico Grande das Hochgebirge der Insel. Hier ist das Lavagestein sehr zerkl√ľftet und zeigt interessante Felsformationen.

Im westlichen Teil der Insel liegt das Hochmoor Paul da Serra. Es handelt sich dabei um eine relativ ebene Hochfl√§che in einer H√∂he von 1300¬†m bis 1500¬†m √ľber dem Meer. N√∂rdlich der Hochfl√§che schlie√üt sich mit dem Tal des Ribeira da Janela das tief eingeschnittene Tal des mit zw√∂lf¬†Kilometer l√§ngsten Flusses der Insel an.

Geologie

Madeira liegt auf der Afrikanischen Platte und ist, wie auch seine Nachbarn, die Azoren und die Kanarischen Inseln, vulkanischen Ursprungs und z√§hlt mit den Kanaren, den Kapverden und den Azoren zur Gruppe der makaronesischen (‚Äěgl√ľckseligen‚Äú) Inseln. Der Madeira-Archipel ist durch einen Hotspot entstanden. Die Insel ist nur das oberste Viertel des gesamten Vulkansystems. Die Klippen fallen unter der Wasseroberfl√§che bis zu 4000¬†m zum Meeresgrund ab.

Madeira entstand in mehreren vulkanisch aktiven Phasen, wobei die genaue Lage der jeweiligen Krater nicht mehr auszumachen ist. In jeder vulkanischen Phase gab es an mehreren Stellen der Insel Ausbruchszentren. √úberbleibsel dieser Phase sieht man an einigen Stellen im Inselinnern, an denen pyroklastisches Gestein von mit basaltischem Material gef√ľllten Eruptivg√§ngen durchzogen ist. An einigen Stellen im Hochgebirge sieht man au√üerdem auff√§llige Kuppeln oder Felsklippen. Hierbei handelt es sich um ehemalige Schlotg√§nge, die anders als das umgebende Gestein noch nicht von der Erosion abgetragen wurden.

Die erste Phase der vulkanischen Aktivit√§t begann vor etwa 18 Millionen Jahren und endete im Plioz√§n vor etwa drei Millionen Jahren. Sie war durch sehr starke eruptive Ausbr√ľche gekennzeichnet. In der zweiten Phase der vulkanischen Aktivit√§t, die vor etwa 740.000 Jahren endete, vergr√∂√üerten Lavaausw√ľrfe und pyroklastische Sedimente den Inselumfang vor allem am s√ľdlichen, westlichen und s√ľd√∂stlichen Rand. Zwei weitere vulkanische Phasen bildeten die Steilh√§nge im Norden und S√ľden sowie die Basaltdecken der Hochebene aus. Die letzte vulkanisch aktive Phase begann vor etwa 500.000 Jahren. Da man in einigen Gesteinen Holzkohlest√ľcke gefunden hat, die man mit der Radiokarbonmethode datieren konnte, sch√§tzt man, dass diese letzte Phase erst vor 6450 Jahren endete. Die heute als Touristenattraktion vermarkteten Lavah√∂hlen Grutas de S√£o Vicente entstanden in dieser letzten Phase vulkanischer Aktivit√§t. Sie blieben als r√∂hrenf√∂rmiger Hohlraum zur√ľck, als die bei dem Ausbruch abflie√üende Lava an der Oberfl√§che abk√ľhlte und sich verfestigte. Unterhalb der Oberfl√§che dagegen floss die Lava mit hoher Temperatur und gro√üer Flie√ügeschwindigkeit durch diese R√∂hre, bis der Vulkan kein weiteres Material mehr ausspie.

Kalksedimente, die sich aus miozänen Korallenriffen gebildet haben, finden sich ebenfalls an einigen Stellen der Insel. Sie enthalten teilweise fossile Schneckenschalen, anhand derer man nachweisen konnte, dass das Klima im Miozän auf Madeira deutlich wärmer als das heutige Klima war.

Da Madeira eine verh√§ltnism√§√üig junge Insel ist, haben die Fl√ľsse der Insel meist ein sehr starkes Gef√§lle, weisen zahlreiche Wasserf√§lle auf und die Flussl√§ufe f√ľhren ohne m√§andernde Schleifen direkt zum Meer. Der Pico Ruivo ist mit 1862¬†m der h√∂chste Gipfel der Insel und zugleich einer der h√∂chsten Berge Portugals. Die K√ľste von Madeira ist steil und felsig. Westlich von C√Ęmara de Lobos erhebt sich das Cabo Gir√£o, eine der h√∂chsten Steilklippen Europas, 580¬†m √ľber den Atlantik.

Tiefgr√ľndige, fruchtbare B√∂den findet man auf Madeira am Fu√ü von H√§ngen. Sie werden von den Einwohnern Madeiras als Faj√£s bezeichnet und ebenso wie die ebenfalls fruchtbaren Achadas, die kleinen Hochplateaus, als Ackerbaufl√§chen genutzt. Im Hochgebirge sind die B√∂den dagegen sehr d√ľnn und bestehen gelegentlich nur aus Steinen und Kies.

Klima

Madeira verf√ľgt √ľber mehrere Mesoklimata. Im Norden der Insel regnet es h√§ufig, der S√ľden ist dagegen subtropisch warm. Im Sommerhalbjahr liegt die Insel im Einflussbereich des Nordostpassats, im Winterhalbjahr liegt sie im Westwindg√ľrtel. Der vorherrschende Wind kommt aus Nordost. Er entsteht vor der K√ľste Portugals und zieht in Richtung auf die Kapverdischen Inseln. Dieser Wind bringt Feuchtigkeit mit sich und verursacht hohe Wellen an der Nordk√ľste und oft, besonders morgens, unbest√§ndiges Wetter an der Ostseite der Insel. Bei westlicher Windrichtung kann es im Osten der Insel sonnig und trocken sein, w√§hrend es im S√ľden und im Westen regnet.

Die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur schwankt zwischen 19 Grad Celsius im Januar und Februar und 26 Grad Celsius im August und September.

In ausgekl√ľgelten, offenen Bew√§sserungsanlagen, den Levadas, wird Wasser aus dem regenreicheren Norden in den S√ľden, zu den Plantagen und G√§rten, gef√ľhrt.

Flora und Fauna

Die nat√ľrliche Besiedelung durch Pflanzen und Tiere

Da Madeira niemals eine Verbindung zum Festland aufwies und 630 Kilometer westlich der afrikanischen K√ľste liegt, erfolgte die Besiedelung der Insel durch Pflanzen und Tiere vorwiegend √ľber drei Mechanismen:

  • Die passive Verdriftung durch Wind: Durch diese erreichten Pflanzensporen, Flugsamen, Spinnen sowie mikroskopisch kleine Tiere wie Einzeller, R√§der- und B√§rtierchen die Insel. Gelegentlich werden jedoch auch Landv√∂gel oder auch Flederm√§use vom Wind mitgetragen und gelangten so auf die Insel. Goldh√§hnchen, Grasm√ľcken, Amsel und Buchfink gelangten dadurch nach Madeira und haben sich hier erfolgreich fortgepflanzt. Verh√§ltnism√§√üige Neuank√∂mmlinge sind die beiden Schmetterlingsarten Kleiner Kohlwei√üling und Waldbrettspiel, die erst im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts nach Madeira gelangten und sich erfolgreich hier vermehrt haben. Extrem selten oder bereits ausgestorben ist der Madeira-Kohlwei√üling, eine Unterart des Gro√üen Kohlwei√ülings, der seit 1977 nicht mehr gesichert nachgewiesen wurde.
  • Die passive Verdriftung durch die Meeresstr√∂mung: Auf Treibholz gelangen sowohl Tiere als auch Pflanzensamen auf Inseln. Unter den Tieren sind es vor allem Reptilien, Insekten, Spinnen, Tausendf√ľ√üler, Asseln und Schnecken, die eine l√§ngere Seereise √ľberstehen k√∂nnen. Die Vorfahren der endemischen Madeira-Eidechse sind auf diese Weise von Afrika nach Madeira gelangt. Die n√§chststehende verwandte Art dieser Eidechse ist die in Marokko vorkommende Brilleneidechse. Schlangen sind auf Madeira nicht pr√§sent.
  • Das passive Verschleppen durch V√∂gel und Flederm√§use: Die Entstehung der meisten Arten des madeirischen Lorbeerwaldes ist darauf zur√ľckzuf√ľhren, dass fruchtfressende V√∂gel Pflanzensamen in ihrem Darm mit sich tragen. V√∂geln und auch Flederm√§usen haften dar√ľber hinaus im Gefieder und im Fell gelegentlich auch die Samen von Klett- und Klebfr√ľchten sowie Eier von Insekten und Spinnen an.

Seevögel sowie Zugvögel erreichen Madeira auch durch aktives Fliegen. Die Mönchsrobbe hat als einziges Säugetier die Insel schwimmend erreicht.

Artenzahlen

Arten, die sich auf Madeira ansiedeln konnten, haben sich im Laufe der Zeit teilweise zu Unterarten und gelegentlich zu eigenst√§ndigen Arten, sogenannten Endemiten, entwickelt. Als urspr√ľnglich heimische Pflanzen gelten etwa 793 h√∂here Pflanzen, dies umfasst die Farnpflanzen, Nacktsamer, Zweikeimbl√§ttrige und Einkeimbl√§ttrige. Etwa 118 davon gelten als Endemiten Madeiras, 69 weitere Arten sind endemisch f√ľr die Region Makaronesien, also neben Madeira auch die Azoren, Selvagens, die Kanaren und Kapverdischen Inseln. Deutlich gr√∂√üer ist die Anzahl niederer Pflanzen, also Algen, Pilze, Flechten, Moose. Diese Anzahl wird auf etwa 1890 gesch√§tzt. Wie viele davon nur auf dem Madeira-Archipel vorkommen, ist unbekannt. Die Zahl der auf Madeira lebenden Tierarten wird auf mehr als 3340 gesch√§tzt, davon gelten 900 als endemische Arten Madeiras beziehungsweise Makaronesiens. Die gr√∂√üte Anzahl der endemischen Arten stellen K√§fer und Schnecken. Lediglich 20 h√∂here Wirbeltiere ‚Äď √ľberwiegend V√∂gel ‚Äď sind eine endemische Art oder Unterart.

Seit der Mensch Madeira besiedelt, hat sich die Zusammensetzung der Arten auf Madeira deutlich gewandelt. Neben den etwa 793 urspr√ľnglich hier vorkommenden h√∂heren Pflanzen sind mehr als 540 weitere Pflanzenarten bewusst oder unbewusst durch den Menschen angesiedelt worden. Die Anzahl eingef√ľhrter Tierarten ist niedriger, hat sich aber deutlich auf die Zusammensetzung der Arten ausgewirkt.

Die Flora

Das zum holarktischen Florenreich geh√∂rende Madeira wird heute als Blumeninsel beworben. Weder die Strelitzien noch die Hortensien, die Afrikanischen Liebesblumen, Kaplilien oder andere Arten mit gro√üen, attraktiven Bl√ľten, die man h√§ufig in Reisef√ľhrern oder Prospekten von Reiseunternehmen abgebildet findet, sind jedoch auf Madeira urspr√ľnglich heimisch gewesen. F√ľr Botaniker interessanter als diese eingef√ľhrten Pflanzen sind die hier urspr√ľnglich vorkommenden Pflanzenarten, die als Terti√§rrelikte bezeichnet werden, sowie die hier entstandenen endemischen Arten.

Auffällig sind die Lorbeerwälder und Riesenformen von Pflanzen, die man im Kleinen auch vom europäischen Festland kennt, wie zum Beispiel den Löwenzahn.

Die Flora der K√ľstenzone

Madeira weist in der K√ľstenzone nur noch Restbest√§nde der urspr√ľnglichen Vegetation auf, da sich hier menschliche Eingriffe seit der Besiedelung durch den Menschen besonders stark ausgewirkt haben. B√§ume sind in diesem Bereich, in dem die Temperaturen ganzj√§hrig mild und wenig Niederschl√§ge fallen, selten. Fr√ľher war hier h√§ufiger der Drachenbaum (Dracaena draco) zu finden, eine Baumart, die ein f√ľr einkeimbl√§ttrige Pflanzen ungew√∂hnliches Dickenwachstum aufweist. H√§ufiger als an nat√ľrlichen Standorten kann man diesen ungew√∂hnlichen Baum in Gartenanlagen und Parks sehen.

Typischer f√ľr die K√ľstenregion sind niedrige Str√§ucher, Kr√§uter und sukkulente Pflanzen. Auch hier finden sich eine Reihe von Pflanzen, die in ihrer nat√ľrlichen Verbreitung auf Madeira beziehungsweise auf Makaronesien beschr√§nkt sind. Auffallend ist die Fischfang-Wolfsmilch (Euphorbia piscatoria), die bis zu zwei Meter hoch werden kann und an einigen Stellen der k√ľstennahen Klippen dichte Gestr√ľppe ausbildet. Wie viele Wolfsmilchgew√§chse sondert auch sie einen giftigen Milchsaft ab. Dieser wurde fr√ľher von den Madeirern verwendet, um im seichten K√ľstengew√§sser Fische zu fangen. In den Felsenregionen finden sich zwei Dickblattgew√§chse, die nur auf Madeira vorkommen. Das Dr√ľsen-Aeonium (Aeonium glandulosum) hat sich auf Standorte an senkrechten Felsw√§nden spezialisiert, wo es eine bis zu 20 Zentimeter breite, aber sehr flache Blattrosette ausbildet. Das Kleb-Aeonium (Aeonium glutinosum) dagegen w√§chst zu einem kleinen und stark verzweigten Strauch heran. Beide Arten sind sehr h√§ufig zu finden. Besonders zahlreich sind in dieser Region au√üerdem endemische Korbbl√ľtler. Zu ihnen z√§hlen unter anderem eine Reihe von Arten der Strohblumen (Helichrysum), der Wucherblumen (Argyranthemum), der G√§nsedisteln (Sonchus) und des Pippaus (Crepis).

Die √úbergangszone zum Lorbeerwald, die etwa ab 300 H√∂henmeter zu finden ist, weist im Gegensatz zur unmittelbaren K√ľstenzone mehr Baumbestand auf. Hier finden sich unter anderem Wachsmyrte, die ersten Vertreter des Barbusanos (Apollonias barbujana) und der Kanarischen Weide (Salix canariensis).

Der Lorbeerwald Laurisilva

Der Laurisilva Madeiras bedeckt etwa 20 % der Inselfläche und hat eine Ausbreitung von etwa 150 Quadratkilometern. Er weist Pflanzenarten auf, die im klimatisch wärmeren Tertiär auch in Europa heimisch waren. Während in Europa diese Pflanzen durch die Eiszeiten verschwanden, konnte sich diese Pflanzengesellschaft teilweise auf Madeira halten.

Wegen seiner Einzigartigkeit steht dieses Gebiet unter dem Schutz der UNESCO.

Bedingt durch den Nebelniederschlag sind die Wälder sehr feucht.

Zu den charakteristischen Baumarten z√§hlen der Azoren- oder Kanaren-Lorbeer (Laurus azorica), eine Isoplexis-Art, der Barbusano (Apollonias barbujana), die Kanaren-Stechpalme (Ilex canariensis), die Baumheide (Erica arborea), der Madeira-Holunder (Sambucus lanceolata) sowie der Madeira-Lorbeer (Persea indica). Im Unterwuchs des Lorbeerwaldes findet man vor allem Farne und Moose. Durch Aufforstung sind auch urspr√ľnglich nicht heimische Eukalyptus-W√§lder entstanden.

Der Heidewald Madeiras

Als Heidewald bezeichnet man die √úbergangszone zwischen dem Lorbeerwald Madeiras und dem Hochgebirge. Da er an deutlich wind- und sonnenexponierteren Stellen als der Lorbeerwald w√§chst, werden die hier vorkommenden Pflanzen nur selten h√∂her als vier Meter und bleiben an einigen Stellen buschartig niedrig. Alle Arten, die hier vorkommen, sind auch im Lorbeerwald zu finden. Allerdings dominieren hier die Baumheide und die Besenheide (Erica scoparia). Auch die Madeira-Heidelbeere ‚Äď eine endemische Strauchart, die bis zu sechs Meter hoch werden kann ‚Äď ist hier h√§ufig zu finden.

Die Flora der Hochlagen

Das h√∂her gelegene Gebirge Madeiras ist durch karge und sehr d√ľnne B√∂den gekennzeichnet. An vielen Stellen sind Erosionssch√§den zu sehen. Als gr√∂√üere Baum- und Straucharten sind neben Madeira-Heidelbeere und Baumheide an gesch√ľtzten Stellen noch der Madeira-Vogelbeerbaum (Sorbus maderensis), die Eibe (Taxus baccata) und der Zedern-Wacholder (Juniperus cedrus) zu finden. Zu den an die besonderen Bedingungen angepassten Pflanzen geh√∂rt die Madeira-Glockenheide (Erica maderensis). Zu den seltensten Gebirgspflanzen Madeiras z√§hlt der Madeira-Augentrost (Odontites hollianus) und das gelbbl√ľhende Madeira-Veilchen (Viola paradoxa). Das Hochplateau Paul da Serra war vor Besiedelung durch Menschen √ľberwiegend mit Zedern-Wacholder bewachsen. Abholzungen haben dazu gef√ľhrt, dass hier fast nur noch Gr√§ser, Adlerfarn und der auf Madeira eingef√ľhrte Stechginster zu sehen sind.

Geschichte

Fr√ľhgeschichte

Laut Diodor wurde Madeira im 6. Jahrhundert v. Chr. durch die Ph√∂nizier entdeckt. Plinius der √Ąltere berichtet in seiner Naturgeschichte von einer Insel Atlantis gegen√ľber dem vorspringenden Kap des Hohen Atlas, die mit Madeira identifiziert werden kann. Plutarch hat wahrscheinlich in seiner Biographie des Sertorius auch bereits die beiden Inseln Madeira und Porto Santo erw√§hnt. Plinius bezeichnet die Inselgruppe als die Purpurinseln. Bei Claudius Ptolem√§us wird die Hauptinsel von Madeira ‚ÄěErythia‚Äú und die n√∂rdlichere kleinere Insel Porto Santo mit ‚ÄěPaena‚Äú bezeichnet. Hinweise auf st√§ndige Besuche oder eine Besiedlung in dieser Zeit gibt es allerdings nicht. Die sogenannte Medici-Karte von 1351 zeigt drei der afrikanischen K√ľste vorgelagerte Inseln, Porto S√©o, Deserta und Isola de Lolegname.

Mittelalter

Das Jahr 1419 gilt als Jahr der Wiederentdeckung durch den portugiesischen Seefahrer Jo√£o Gon√ßalves Zarco. Es ist jedoch bekannt, dass schon im 14. Jahrhundert Schiffe auf ihrer R√ľckfahrt von den Kanaren regelm√§√üig hier anlegten. Ab 1420 wurde Madeira auf Betreiben Heinrichs des Seefahrers von den Portugiesen besiedelt. Madeira ist daher die erste Insel au√üerhalb Europas, die dauerhaft von Europ√§ern besiedelt wird. Die einfachen Siedler kamen haupts√§chlich aus den portugiesischen Regionen Algarve und Minho, aber auch Adlige und Spezialisten aus Frankreich, Italien, Spanien, England und Flandern lie√üen sich auf den Inseln nieder. Sklaven von der Guineak√ľste, von den kanarischen Inseln und sp√§ter aus Nordamerika wurden auf die Insel gebracht. Das kostbare Lorbeerbaumholz wurde vor allem f√ľr den Schiffbau gebraucht.

In nur wenigen Jahrzehnten gelang es, den Archipel erfolgreich zu besiedeln. Aufbauend auf den vorhandenen Ressourcen Holz und Fisch wurden recht schnell Getreide- und Weinwirtschaft eingef√ľhrt sowie Viehzucht betrieben. Das daf√ľr notwendige Land wurde durch Brandrodung gewonnen. Das Feuer, das Zarco 1420 daf√ľr legen lie√ü, soll noch sieben Jahre sp√§ter gew√ľtet haben. Auch der Anbau des aus Sizilien eingef√ľhrten Zuckerrohrs spielte eine immer wichtigere Rolle. Bereits 1452 wurde die erste Wasserm√ľhle zur Zuckerrohrverarbeitung errichtet, nahezu zur selben Zeit wurden die ersten Bew√§sserungskan√§le (Levadas) angelegt. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts war Madeira zum Zentrum des portugiesischen Zuckerrohranbaus aufgestiegen, das einen gro√üen Teil des (noch kleinen) europ√§ischen Zuckerbedarfs befriedigte. Im Jahre 1456 gingen die Exporte bis ins englische Bristol.

Christoph Kolumbus besuchte die Insel 1478 als Zuckerh√§ndler. Die √ľppige Fruchtbarkeit und der gro√üe Wohlstand lockten ab 1480 viele Europ√§er an. Vor allem italienische und fl√§mische H√§ndler lie√üen sich auf der Insel nieder. Jeasnin Essmerandt avancierte zum bedeutendsten Vertreter der fl√§mischen Gemeinde Madeiras und verband sich durch eine geschickte Heiratspolitik mit der lokalen Aristokratie.

Papst Leo X. erhob Madeira 1514 zu einer eigenen Di√∂zese, die k√ľnftig f√ľr alle √ľberseeischen portugiesischen Besitzungen zust√§ndig sein sollte. Im Jahr 1515 verzeichnete Madeira 19.000 Einwohner, darunter waren etwa 3.000 Sklaven. Der ausgelaugte Boden der Insel brachte nach 1521 immer schlechtere Ertr√§ge, und es gab einen drastischen Niedergang der Zuckerrohrproduktion. Viele Pflanzungen wurden in Weinberge umgewandelt. Im 16. Jahrhundert wurde Madeira ein Exporteur von Weinen. Die Reben stammten urspr√ľnglich aus Zypern, Kreta und Sizilien.

Portugal wurde 1580 mit Spanien in einer Personalunion verbunden. Die Verwaltung von Madeira wurde zentralisiert. Die Portugiesen revoltierten 1640 gegen Spanien und wurden wieder ein unabh√§ngiges K√∂nigreich. Auf Madeira behielten die Portugiesen die von den Spaniern eingef√ľhrte Zentralverwaltung der Insel bei. F√ľr die Segler in die Neue Welt, nach Amerika oder Indien war Madeira eine wichtige Station. Madeira war ebenfalls ein Umschlagplatz f√ľr aus Westafrika kommende Sklavenh√§ndler.

Englischer Einfluss

Im Vertrag von Lissabon erhielt Portugal 1668 endg√ľltig seine Unabh√§ngigkeit zur√ľck, musste aber zahlreiche Zugest√§ndnisse an England machen. Englische H√§ndler lie√üen sich auf Madeira nieder, um Wein zu exportieren. Portugiesen war der Weinexport nicht erlaubt. In den Napoleonischen Kriegen wurde Madeira von 1801 bis 1814 von England besetzt, um die Insel vor den Franzosen zu sch√ľtzen. Weitere englische Familien lie√üen sich auf der Insel nieder.

Neuzeit

In der Folge von Mehltau- und Reblausplagen, die den Großteil der Weinpflanzungen vernichteten, verließen ab 1852 zahlreiche Menschen die Insel. Ab 1860 fand die Stickerei immer größere Verbreitung, die Handarbeiten wurden nach England exportiert.

Ab dem 19. November 1921 waren der abgesetzte Kaiser von √Ėsterreich und K√∂nig von Ungarn, Karl I., und seine Frau, Kaiserin Zita, im Exil auf Madeira. Karl starb hier am 1. April 1922 an einer Lungenentz√ľndung.

Nach einem Milit√§rputsch wurde 1926 in Portugal der Estado Novo etabliert. Nach Niederschlagung einer ‚ÄěHungerrevolte‚Äú wurden 1931 zahlreiche Madeirer auf die Azoren und die Kapverdischen Inseln verbannt.

Vom 21. Juli bis 13. August 1940 wurden 2000 Einwohner von Gibraltar nach Madeira evakuiert, die in Hotels und anderen Unterk√ľnften bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Funchal untergebracht wurden.

Nachdem 1947 die erste reguläre Flugverbindung zwischen England und Madeira mittels Wasserflugzeugen aufgenommen worden war, wurde 1960 ein Flughafen auf Porto Santo und 1964 ein weiterer in Santa Cruz eröffnet.

Die Milit√§rdiktatur in Portugal endete 1974 mit der Nelkenrevolution. Madeira erhielt 1976 innere Autonomie mit weitgehenden Selbstverwaltungsrechten (eigene Regierung und Parlament). Bei den ersten freien Wahlen ergab sich eine Mehrheit f√ľr die christlich-konservative Sozialdemokratische Partei PSD des katholischen Zeitungsherausgebers Alberto Jo√£o Jardim, der mit einer kurzen Unterbrechung 2007 von 1978 bis 2015 Pr√§sident der Inselregierung war.

Seit 1986 ist Portugal und damit Madeira Mitglied der Europäischen Union. Gefördert wird vor allem der Bau neuer Straßen. Die Zahl der Urlauber stieg von 180.000 im Jahr 1976 auf 500.000 im Jahr 1995 und auf etwa eine Million im Jahr 2005.

Am 20. Februar 2010 wurde die Hauptinsel von einem schweren Unwetter betroffen. Nach stundenlangem Regen und Sturm sowie folgenden √úberschwemmungen und Erdrutschen kamen mindestens 40 Menschen ums Leben, 120 weitere wurden verletzt. Die Wassermassen konzentrierten sich vor allem auf die dichtbesiedelte s√ľdliche K√ľstenregion. Insbesondere in Funchal und den Orten bis zum Flughafen rissen sie B√§ume, Ger√∂ll, Schlamm, Masten aller Art und viele Automobile von den Bergen und H√§ngen in die Tiefe. In den tiefer gelegenen Stra√üen, Parks und Pl√§tzen Funchals stieg das Wasser vor√ľbergehend zum Teil meterhoch an und drang in Geb√§ude ein. Einige Ortsteile, exponierte Hangsiedlungen und abgelegene D√∂rfer wurden durch zerst√∂rte oder unpassierbar gewordene Stra√üen unerreichbar.

Im August 2016 vernichtete ein Waldbrand ca. 150 Häuser in der Nähe von Funchal und tötete mindestens drei Menschen. Ein 23-Jähriger stand unter Verdacht, das Feuer gelegt zu haben. Mehr als 1000 Menschen wurden evakuiert.

Verwaltungsgliederung

Der Archipel bildet eine portugiesische Autonome Region Madeira (Região Autónoma da Madeira), die wiederum in elf Kreise (municípios) aufgeteilt ist.

Kreise

Größte Gemeinden

(2010)

Wirtschaft

Im Vergleich mit dem BIP pro Kopf der EU ausgedr√ľckt in Kaufkraftparit√§t erreicht die Region einen Index von 72 (EU-28=100) (2015). Im Jahr 2017 betrug die Arbeitslosenquote 10,4¬†%.

Tourismus

Besucher aus Gro√übritannien dominieren unter den G√§sten vor allem in Funchal und C√Ęmara de Lobos, wo Churchill gemalt hat. Er stieg im 1891 er√∂ffneten Luxushotel Reid‚Äôs Palace ab, das eines der Leading Hotels of the World und weit √ľber die Insel hinaus das bekannteste Hotel Madeiras ist.

F√ľr Briten ist Madeira ein traditionelles Urlaubsziel. Man trifft auf Madeira jedoch auch Touristen aus ganz Europa ‚Äď insgesamt aber in nicht zu hoher Anzahl und dann vornehmlich √∂stlich der Hauptstadt (Funchal), in Cani√ßo. Das Zahlenverh√§ltnis der britischen zu den deutschen Besuchern hat sich verschoben, denn in den letzten drei Jahren ist die Zahl der deutschen Touristen stark gestiegen. An drei bis vier Wochentagen wird Funchal von Deutschland aus angeflogen (Stand: 2007).

Madeira ist als Wanderparadies bekannt, mit fr√ľhlingshaft bis sommerlich angenehmen Temperaturen das ganze Jahr hindurch. Entlang den Levadas (kleine Wasserkan√§le, besonders im Nordteil der Insel) sind vor gut 300 Jahren von maurischen Sklaven Wege zur Wartung und Pflege angelegt worden, die bis heute als Wanderwege gut gepflegt werden und grandiose Ein- und Ausblicke in die Sch√∂nheit der Insel gew√§hren. Kerngebiet ist die Gegend zwischen Porto da Cruz und Santana im Norden (Weltnaturerbe der UNESCO). Bemerkenswert ist auch die Bergwanderroute zwischen dem dritth√∂chsten Gipfel Pico do Arieiro und dem h√∂chsten Berg Pico Ruivo. Diese Wanderung sollte man am fr√ľhen Morgen beginnen ‚Äď gegen Mittag liegen die Berge oft in den Wolken.

Auf Madeira gibt es kaum Badestr√§nde. In den letzten (Stand 2006) Jahren wurden jedoch gesch√ľtzte Badebuchten errichtet. Diese sind entweder befestigte nat√ľrliche Felsbadebuchten (zum Beispiel Lido Galomar in Cani√ßo), nat√ľrliche Felsbadebecken wie in Porto Moniz oder kleine k√ľnstliche Sandstr√§nde (Calheta). In Cani√ßo gibt es seit 25 Jahren einen Unterwasser-Nationalpark, in dem man tauchen kann.

Insgesamt besuchten im Jahr 2005 zirka eine Million Touristen die Insel, wobei ungefähr 200.000 mit Kreuzfahrtschiffen kamen und daher nur kurz verweilten.

Sehensw√ľrdigkeiten

  • Funchal mit Markt, Kathedrale S√©
  • Blandy‚Äôs Garden, ein gepflegter Park
  • Botanischer Garten in Funchal, eine Parkanlage mit Volieren
  • Monte (Funchal), Ausflugsort oberhalb von Funchal, Seilbahn, Korbschlittenfahrt, Tropischer Garten mit Azulejos, Kirche mit dem Grab Karl I., des letzten Kaisers von √Ėsterreich-Ungarn
  • Laurazeenw√§lder
  • Levadas, Bew√§sserungskan√§le, die an den Gebirgsh√§ngen und durch Tunnel verlaufen
  • Cabo Gir√£o, eine der h√∂chsten Steilklippen Europas
  • Lavah√∂hle in S√£o Vicente (Grutas e Centro do Vulcanismo)
  • Naturschwimmb√§der und Meeresaquarium in Porto Moniz
  • die Hochebene Paul da Serra
  • der h√∂chste Berg Pico Ruivo
  • Halbinsel und Inseln im Osten, das Naturreservat Ponta de S√£o Louren√ßo, mit sehenswerten geologischen Formationen
  • der Leuchtturm von Ponta do Pargo an der Westspitze von Madeira
  • Korbflechterzentrum Camacha

Energieversorgung

Da Madeira √ľber keine fossilen Brennstoffe verf√ľgt, ist es vom Transport vom Festland abh√§ngig. Dabei werden nur Fertigdestillate wie √Ėl und Gas auf die Insel transportiert. Der Strom wird zu 70¬†% aus √Ėl, 27¬†% von drei aus Levadas gespeisten Wasserkraftwerken und zu 3¬†% aus Windkraftanlagen erzeugt.

Verkehr

Straßennetz

Ende der 1990er Jahre wurde das bis dato unzureichende Stra√üennetz von Madeira unter Einsatz von EU-Mitteln aus dem Regionalfonds stark modernisiert sowie ein Schnellstra√üennetz eingerichtet, das die engen und zum Teil steilen Stra√üen der Ortschaften entlastet. F√ľr dieses Stra√üennetz wurden zirka 140 Tunnelanlagen und zum Teil aufwendige Br√ľcken sowie zahlreiche Hangabst√ľtzbauwerke gebaut. Die topographisch schwierige Insel ist damit ‚Äď vor allem in ihrem touristisch stark frequentierten s√ľdlichen Teil ‚Äď dem modernen Stra√üenverkehr weitgehend gewachsen. Von besonderer Bedeutung ist die rund 42 Kilometer lange, autobahnartig ausgebaute Schnellstra√üe Via r√°pida 1 (VR1), die n√∂rdlich von Ribeira Brava beginnt und dann parallel zur S√ľdk√ľste an C√Ęmara de Lobos, Funchal und Machico vorbei bis nach Cani√ßal f√ľhrt und dabei den Flughafen erschlie√üt. Der Pkw-Bestand wuchs im Zuge der Verst√§dterung und ansteigender Einkommen von einstmals gering ab etwa 1975 auf europ√§isches Durchschnittsniveau. Die Kfz-Kennzeichen beginnen mit M.

√Ėffentlicher Busverkehr

Auf Madeira gibt es mehrere Busgesellschaften im Linienverkehr. Horarios do Funchal betreibt das Stadtbusnetz von Funchal mit vielen Linien und einem relativ dichten Angebot. Selbst viele Nebenstra√üen der Hauptstadt werden befahren. Das gesamte √úberlandliniennetz ist auf Funchal ausgerichtet. Im Osten der Insel existiert ein dichtes Netz von Linien, die h√§ufig auch die Autobahn bis Machico benutzen. Der Westen und der Norden der Insel sind aufgrund der d√ľnnen Besiedlung nur schlecht angebunden. Die wenigen Busse am Tag benutzen die alten Gebirgsstra√üen und ben√∂tigen daher ein Vielfaches der Fahrzeit, die man auf den Tunnelstra√üen erreicht. Das insbesondere f√ľr Touristen interessante Hochland im Inselinneren ist nicht mit Linienbussen zu erreichen.

Bahnverkehr

Von 1893 bis 1943 gab es eine Zahnradbahn von Funchal nach Monte, die Caminho de Ferro do Monte. Eine Eisenbahn gibt es nicht.

Seilbahnen

Auf Madeira gibt es sieben Luftseilbahnen. Die beiden gr√∂√üeren befinden sich in Funchal. Sie verbinden die Altstadt (Telef√©rico Funchal-Monte) und seit 2005 den botanischen Garten (Telef√©rico do Jardim Bot√Ęnico da Madeira) mit Monte.

Daneben bestehen noch f√ľnf kleinere Seilbahnen, die urspr√ľnglich gebaut wurden, um Bauern den Zugang zu ihren Feldern zu erleichtern und landwirtschaftliche Erzeugnisse zu transportieren oder den Zugang zu einem Strand zu erleichtern:

  • Die Seilbahn von Achadas da Cruz (Porto Moniz) verbindet den Ort Achadas da Cruz mit dem Strand.
  • Die Seilbahn von Rancho (nahe Cabo Gir√£o) ist seit August 2003 in Betrieb und verbindet mit zwei Kabinen zu je sechs Pl√§tzen den Ort Rancho mit dem Landstrich Faj√£s do Cabo Gir√£o.
  • Die Seilbahn zum Naturpark Rocha do Navio befindet sich an der Nordk√ľste bei Santana. Die Fahrt in der 1927 gebauten Seilbahn dauert circa 5 Minuten.
  • Die Seilbahn am Ponta do Garajau mit zwei Kabinen, die seit 2007 im Betrieb ist und von der Statue Christo Rei zum Strand f√ľhrt.
  • Die Seilbahn von Faj√£ dos Padros mit zwei Kabinen wurde 2016 errichtet, um eine Strecke von etwa 300 Metern entlang eines Steilhangs zu √ľberbr√ľcken.

Luftverkehr

Der 1963 er√∂ffnete Flughafen Madeira Cristiano Ronaldo in Santa Cruz im Osten der Insel bildet den Hauptverkehrsknotenpunkt Madeiras. Im Jahr 2000 wurde die Landebahn f√ľr 520 Millionen Euro auf 2781 Meter verl√§ngert, wodurch der Flughafen auch von Gro√üraumflugzeugen angeflogen werden kann. 2,3 Millionen Passagiere nutzten 2005 den Flughafen, wobei die maximale Kapazit√§t bei 3,5 Millionen Flugg√§sten pro Jahr liegt. Da das absch√ľssige Gel√§nde n√∂rdlich des Flughafens keine Verl√§ngerung zulie√ü, wurde eine 1000 Meter lange Br√ľckenkonstruktion gebaut, die die Landebahn durch 180 Betonpfeiler abst√ľtzt.

Trotz der verl√§ngerten Landebahn darf der Flughafen auch heute noch nur von Piloten mit Spezialeinweisung angeflogen werden. Der Anflug aus s√ľdwestlicher Richtung erfordert immer noch h√∂chste Konzentration von den Piloten, da man kurz vor dem Aufsetzen bedrohlich nahe an die bebauten H√§nge ger√§t und h√§ufig Scherwinde auftreten. Au√üerdem fehlt ein Instrumentenlandesystem.

Von Deutschland ist Madeira etwa vier Flugstunden, von Lissabon eineinhalb Flugstunden entfernt.

Schifffahrt

Bis zum Ausbau des Stra√üennetzes spielte die K√ľstenschifffahrt auf Madeira eine wichtige Rolle f√ľr den Waren- und Personentransport, da der Transport mit Schiffen oft viel einfacher war. Bis Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die K√ľstenschifffahrt mit Segel- und Ruderbooten, dann √ľbernahmen kleine Dampfschiffe diese Aufgabe wie die Gavi√£o.

Regelm√§√üige F√§hrverbindungen von Europa oder dem Afrikanischen Festland nach Madeira bestanden lange nicht. Nur zwischen Madeira und der Nachbarinsel Porto Santo f√§hrt t√§glich eine F√§hre der Porto Santo Line. Seit dem 9. Juli 2006 verbindet eine weitere F√§hre Madeira mit der kanarischen Insel Gran Canaria. Ab Juni 2008 bis Fr√ľhjahr 2012 existierte eine w√∂chentliche Autof√§hre ab/bis Portimao (Algarve/Portugal) mit Funchal. Die √úberfahrt nach Porto Santo dauert etwa zwei bis drei Stunden, nach Gran Canaria etwa 14 Stunden.

Madeira ist ein beliebtes Ziel von Kreuzfahrtschiffen, die vornehmlich den Hafen von Funchal in den Fr√ľhlingsmonaten ansteuern. Der gesamte Frachtverkehr der Insel wird √ľber den Hafen Cani√ßal abgewickelt.

Madeira ist oft Zwischenstation f√ľr Segler bei der Atlantik√ľberquerung. Neben dem Yachthafen in Funchal wurden in vielen Orten neue Anlagen gebaut.

Steuererleichterungen

Zur Erleichterung von Unternehmensansiedlungen wird eine Vielzahl von finanziellen Anreizen gew√§hrt. Bis 2012 bestand auf der Insel eine Steuerfreizone, seit 2013 betr√§gt die K√∂rperschaftsteuer f√ľnf Prozent. Madeira wird deshalb als Steueroase bezeichnet. Zu den angeworbenen Firmen (insgesamt 2700 Unternehmen) geh√∂rte auch die Swatch Group. Auf dem Papier war der Schweizer Uhrenkonzern zeitweise der zweitgr√∂√üte Warenexporteur der Insel. Die Niedrigsteuerpolitik, die von der EU-Kommission bis 2027 genehmigt ist, sollte die Wirtschaft auf Madeira ankurbeln. Tats√§chlich profitieren internationale Gro√ükonzerne und Verm√∂gende, wie eine medien√ľbergreifende Recherche des Bayerischen Rundfunks BR zusammen mit der spanischen Zeitung La Vanguardia, der franz√∂sischen Zeitung Le Monde und dem √Ėsterreichischen Rundfunk ORF belegt.

Kunst und Museen

Azulejos

Azulejos sind Mosaiken aus zumeist quadratischen, bunt bemalten und glasierten Keramikfliesen. Diese wetterfesten Fliesen sind an öffentlichen Gebäuden, Hausfassaden und Kirchen, auch auf Innenwänden zu sehen. Häufig sind alte Blumen-, Vogel- und Schiffsmotive verarbeitet.

Die Azulejos wurden erstmals um 1500 aus maurischen Werkst√§tten in S√ľdspanien nach Portugal eingef√ľhrt. Im 16. Jahrhundert entstanden die ersten portugiesischen Keramikmanufakturen. Ab dem 17. Jahrhundert kam √ľber die Niederlande in Mode, Keramikerzeugnisse nach chinesischem Vorbild in Blau und Wei√ü zu dekorieren. Die meisten Azulejos in den Kirchen Madeiras stammen aus dieser Zeit.

Moderne Azulejos sind in der Hauptpost von Funchal sowie im Schlossgarten von Monte zu sehen.

Korbflechtarbeiten

Korbflechtarbeiten aus Weidenruten haben auf Madeira eine lange Tradition. Die Weidenrute eignet sich aufgrund ihrer Biegsamkeit sowohl f√ľr feine und leichte Gegenst√§nde als auch f√ľr die Herstellung von M√∂belst√ľcken wie zum Beispiel K√∂rbe oder Sessel.

Museen

  • Fotomuseum Vicentes, Funchal (seit dem 5. Mai 2014 dauerhaft geschlossen)
  • Kulturgeschichtliches Museum in der Quinta das Cruzes, Funchal
  • Museu de Arte Sacra (Funchal)
  • Museu Henrique e Francisco Franco, Funchal
  • Museu de Arte Contempor√Ęnea, Funchal
  • Sammlungen Frederico de Freitas, Funchal
  • Stickereimuseum im Instituto do Vinho, do Bordado e do Artesanato da Madeira, Funchal
  • Museu da Electricidade, Funchal
  • Madeira Story Centre, Funchal
  • CR7 Museu, Funchal

Sport

  • Nacional Funchal (Jugendverein von Cristiano Ronaldo)
  • Mar√≠timo Funchal
  • Uni√£o Madeira
  • Madeira Andebol SAD, Handballverein

Ber√ľhmte Besucher und Einwohner

Gem√§√ü einer portugiesischen Legende √ľberlebte der K√∂nig von Polen, Ungarn und Kroatien WŇāadysŇāaw die Schlacht bei Warna 1444 und lie√ü sich anschlie√üend unter dem Namen Henrique Alem√£o auf der Insel Madeira nieder.Christoph Kolumbus lebte vor der Entdeckung Amerikas 1492 hier und war in Madeira mit der aus dem Hochadel stammenden Dona Felipa Perestrelo e Moniz verheiratet, der Tochter von Bartolomeu Perestrelo, Gouverneur der Insel Porto Santo. Ob sein Sohn Diego Kolumbus hier oder in Lissabon auf die Welt kam, ist umstritten.

Die √∂sterreichische Novara-Expedition ankerte vom 8. bis 17. Juni 1857 vor Madeira. √Ėsterreichs Kaiserin Elisabeth (Sisi) (1837‚Äď1898) verbrachte im Winter 1860/61 ein halbes Jahr auf Madeira, um sich von einem Lungenleiden zu erholen.

Im Jahr 1879 wanderte der Musiker Joao Fernandez auf dem Emigrantenschiff ‚ÄěRavenscrag‚Äú wegen des Zusammenbruchs des Zuckerrohr-Marktes aus Madeira nach Honolulu auf O Ľahu (Hawaii) aus. Mit ihm kam die Braguinha, eine kleine viersaitige Gitarre aus Madeira, auf die Insel. Aus ihr entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit die hawaiische Ukulele.

Vom 6. bis 9. September 1910 machte die Antarktisexpedition unter der Leitung von Roald Amundsen mit ihrem Schiff Fram auf dem Weg zum S√ľdpol hier ihre letzte Zwischenstation, bevor sie zur Bucht der Wale aufbrach. Auch die Terra-Nova-Expedition von Robert Falcon Scott, die 1912 tragisch enden sollte, legte im Sommer 1910, vom 23. bis 26. Juni, einen Zwischenstopp auf der Insel ein.

Der letzte Kaiser √Ėsterreichs, Karl I., wurde 1921 mit seiner Frau Zita (1892‚Äď1989) nach Madeira ins Exil verbannt. Er starb, praktisch mittellos geworden, am 1. April 1922 in Monte oberhalb Funchals an einer Grippe und wurde in der dortigen Kirche Nossa Senhora do Monte beigesetzt.

Der polnische Staatsmann J√≥zef PiŇāsudski verweilte auf Madeira vom 21. Dezember 1930 bis 22. M√§rz 1931. An seinen Kuraufenthalt erinnert eine Erinnerungstafel in der Villa Quinta Bettencourt im Vorort von Funchal.

Auch der britische Staatsmann Winston Churchill besuchte Madeira. Er logierte im mond√§nen Hotel Reid‚Äôs Palace in Funchal. Oberhalb von C√Ęmara de Lobos befindet sich eine Gedenktafel, die daran erinnert, dass Churchill an diesem Platz einige Bilder malte.

Der Fußballspieler Cristiano Ronaldo wurde 1985 in Funchal geboren und begann seine Karriere bei CD Nacional Madeira, bis er 1997 im Alter von zwölf Jahren aufs Festland zog, um bei Sporting Lissabon zu spielen. Am 15. Dezember 2013 eröffnete er in Funchal sein eigenes Museum.

Kulinarisches

Espada und Espetada

Eine der originalen Spezialit√§ten der madeirischen K√ľche ist der Schwarze Degenfisch, der hier Espada genannt wird. Er wird meist als gebratenes Filet serviert, typischerweise zusammen mit halbierten Bananen. Der Degenfisch lebt meso- bis bathypelagisch in 200 bis 1700 m Tiefe im Nordatlantik zwischen den Bermudas, Neufundland, Labrador, der Diskoinsel, Island, den Orkney-Inseln und Madeira sowie √ľber mehreren unterseeischen Gebirgen dazwischen. Er steigt nachts ins freie Wasser auf und sinkt morgens wieder ab. Weitere sechs sehr √§hnliche Arten, die man seit Lowe abgegrenzt hat, machen die Gattung fast zirkumglobal.

Nicht zu verwechseln mit der Espada ist die Espetada, ein etwa ein Meter langer Fleischspieß. Traditionellerweise ist der Spieß aus Lorbeerholz gefertigt. Da der Lorbeerwald jedoch mittlerweile unter Naturschutz steht, wird von der traditionellen Zubereitung normalerweise Abstand genommen.

Maronen

In den Monaten Oktober bis Dezember werden Maronen (Esskastanien) angeboten, die auf Holzkohle ger√∂stet und mit Meerwasser √ľbergossen werden.

Madeirawein

Der Madeirawein, oft auch nur kurz ‚ÄěMadeira‚Äú genannt, ist eine bekannte Spezialit√§t, die auch in der traditionell gehobenen K√ľche genutzt wird. Mindestens ebenso bekannt wie das Ausgangsprodukt ist die auf seiner Grundlage zubereitete Madeirasauce.

Nach der verwendeten Rebsorte werden folgende vier Arten unterschieden: vom trockenen Sercial √ľber Verdelho (halbtrocken) und Boal (Bual) (halbs√ľ√ü) zum s√ľ√üen Malvasia (Malmsey). Daneben findet man selten auch noch die Rebsorte Terrantez, die √§hnlich wie Verdelho als halbtrocken einzuordnen ist. Die Lese des Weins beginnt Mitte August und dauert rund sechs Wochen. Abgef√ľllt werden pro Jahr etwa 5,3¬†Millionen Flaschen. Die alkoholische G√§rung wird zun√§chst mit hochprozentigem Alkohol (Weinbrand) gestoppt, dadurch bleibt eine gewisse Rests√ľ√üe im Wein erhalten. Anschlie√üend wird der Wein durch Erhitzen in sogenannten Estufas weiterbehandelt und f√ľr mehrere Jahre im Fass gelagert, dieses gilt jedoch nur f√ľr die Weinqualit√§ten die √§lter als f√ľnf Jahre sind. Bei den dreij√§hrigen Qualit√§ten wird das Estufa Verfahren im Edelstahltank herbeigef√ľhrt. Im Unterschied zum Sherry, der oft im Solera-Verfahren weiter veredelt wird, bleibt der Wein eines Jahrgangs unangetastet. Als voroxydierter Wein gewinnt er nicht durch die anschlie√üende Flaschenlagerung, kann aber gut 100 Jahre gelagert werden, wenn der Korken alle 15¬†Jahre erneuert wird. Auch eine ge√∂ffnete Flasche Madeira ist sehr haltbar und kann noch nach einem Jahr ohne Qualit√§tsverlust getrunken werden. Der Alkoholgehalt liegt zwischen 18¬†und 21¬†Vol.¬†%.

Poncha

Das Nationalgetr√§nk Madeiras ist die Poncha, eine Mischung mit s√ľ√ülichem Geschmack aus zu je einem Drittel aus Zuckerrohrschnaps (Aguardente-Cana), Honig und Zitronensaft. Die Poncha wird neben der klassischen Variante mit Zitrone auch mit Maracuja, Orange, Tamarillo oder im Fischerort C√Ęmara de Lobos mit Absinth angeboten.

Anona

Die Insel Madeira ist ber√ľhmt f√ľr die Qualit√§t der Anona-Fr√ľchte (Cherimoya). Das Festa da Anona (Annona Festival) ist traditionell und findet j√§hrlich in der Pfarrgemeinde Faial statt. Diese Veranstaltung f√∂rdert den Verzehr dieser Fr√ľchte und ihrer Derivate wie Lik√∂re, Pudding, Eis und Smoothies.

Siehe auch

  • In Madeira, Zeitung

Literatur

  • Peter Sziemer: Eine kurze Naturgeschichte Madeiras. Ribeiro, Funchal 2000, ISBN 972-9177-30-9; englische Version ISBN 972-9177-31-7.
  • Alfred Wirthmann: Zur Klimageomorphologie von Madeira und anderen Atlantikinseln. In: Karlsruher Geographische Hefte Nr. 2, Karlsruhe 1970.
  • R. Jardim, D. Francisco: Flora end√©mica da Madeira / Flore End√©mique de Mad√®re / Endemic flora of Madeira / Endemische Flora Madeiras, Muchia, Funchal 2000, ISBN 972-8622-00-7 (portugiesisch / franz√∂sisch / englisch / deutsch).

Weblinks

  • Website der Regierung der autonomen Region Madeira
  • Literatur √ľber Madeira im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Madeira im Global Volcanism Program der Smithsonian Institution (englisch)

Einzelnachweise

 

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Staaten die sich in dieser Gebirgsgruppe befinden (1):
Portugal Portugal

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 32.883047
südlichster Punkt: 32.628388
westlichster Punkt: -17.2814940
östlichster Punkt: -16.6415409


Das Gebirge hat eine Fläche
von etwa
953 km²

Die Länge der Grenze
beträgt ca.
132 km
 
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