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Gebirge Karte: Kanarische Inseln

Gebirge Lage und Zugehörigkeit

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Untergruppen:
 

Gebirge Informationen zur Gebirgsgruppe: Kanarische Inseln

Informationen zur Lage und Bezeichnung:


ausführliche Beschreibung:

Die Kanarischen Inseln (spanisch Islas Canarias) oder Kanaren sind eine geologisch zu Afrika, politisch zu Spanien (und damit zur EU) und biogeografisch zu Makaronesien geh√∂rende, aus acht bewohnten und einer Reihe unbewohnter Inseln bestehende Inselgruppe im √∂stlichen Zentralatlantik, etwa 100 bis 500¬†Kilometer westlich der K√ľste von Marokko. Die Autonome Gemeinschaft der Kanaren (spanisch Comunidad Aut√≥noma Canarias) ist eine der 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens.

Die Kanarischen Inseln geh√∂ren zum Schengen-Raum und zum Zollgebiet der Europ√§ischen Union, nicht aber zum Steuergebiet f√ľr Verbrauchsteuern und Mehrwertsteuern. W√§hrend Personengrenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums nicht mehr stattfinden, sind Zollkontrollen mit Ziel oder mit Herkunft von den Kanarischen Inseln weiterhin m√∂glich.

Geographie

Die Kanarischen Inseln liegen im Atlantik in einer geographischen Region, die als Makaronesien bezeichnet wird. Dazu z√§hlen au√üerdem die Kapverden, die Azoren, der Madeira-Archipel und die unbewohnten Inseln von Selvagens. Zwischen rund 27¬į¬†38' und 29¬į¬†30' n√∂rdlicher Breite sowie 13¬į¬†22' und 18¬į¬†11' westlicher L√§nge befinden sich die Kanaren zwischen 1028 und 1483¬†Kilometer vom Mutterland Spanien (mit dem Kap Trafalgar als √§u√üersten Punkt) entfernt, auf gleicher Breite mit der Sahara, Kuwait und Florida. Es gilt, im Gegensatz zum spanischen Festland, die westeurop√§ische Zeit.

Die Kanaren bestehen aus sieben Inseln mit eigener Inselverwaltung (Cabildo Insular), einer weiteren bewohnten Insel (La Graciosa) und f√ľnf unbewohnten Inseln. Dar√ľber hinaus gibt es direkt an der K√ľste viele kleine unbewohnte Felseninseln wie zum Beispiel die Roques de Salmor (0,035¬†km¬≤) vor El Hierro, die Roques de Anaga (0,01¬†km¬≤) und den Roque de Garachico (0,05¬†km¬≤) vor Teneriffa. Der h√∂chste Berg der Kanarischen Inseln und zugleich auch Spaniens ist der 3715 Meter hohe Pico del Teide auf Teneriffa.

Geologie

Die Kanarenschwelle

Die Inselgruppe der Kanaren geh√∂rt geologisch zu Afrika. Sie befindet sich auf der Afrikanischen Platte, am Ostrand des Kanarischen Beckens, das bis in 6501¬†Meter Tiefe abf√§llt. Dieses Seebecken im Atlantik besteht aus dem kleineren Nordbecken und dem gr√∂√üeren S√ľdbecken, die durch die Kanarenschwelle getrennt sind, an deren √∂stlichem Ende sich die Kanaren erheben. Die Grenzen des gesamten Beckens bilden im Norden die Azorenschwelle, im S√ľden die Kapverdenschwelle und im Westen der Nordatlantische R√ľcken.

Vulkanismus und Erosion

Die Kanarischen Inseln sind ein Archipel, der seine Entstehung dem Intraplattenvulkanismus und einem unter ihm liegenden Hotspot verdankt. Sowohl seismische Tomographie als auch geochemische Analysen deuten auf eine tief im Erdmantel liegende Anomalie als Quelle der Magmen hin. Die unstete zeitliche Entwicklung der Inseln kann am besten mit einer sogenannten Edge-Driven Convection (Plattenrandkonvektion) erklärt werden, welche einen aufsteigenden Plume durcheinanderwirbelt.

Geologisch sind die Inseln bis noch in j√ľngerer Zeit aktiv gewesen, bzw. zum Teil sind sie noch vulkanisch aktiv. Die √∂stlichen Inseln Fuerteventura und Lanzarote sind mit 22¬†Mio. Jahren bzw. 15,5¬†Mio. Jahren die √§ltesten. Gran Canaria entstand vor etwa 14,5¬†Mio. Jahren, La Gomera vor etwa 11¬†Mio. und Teneriffa vor etwa 12¬†Mio. Jahren. La Palma und El Hierro sind mit 2 bzw. 1,2¬†Mio. Jahren die j√ľngsten Inseln des Archipels.

Die Hotspot-Wanderung wird als die schl√ľssigste Erkl√§rung f√ľr die Entstehung der Kanarischen Inselkette angesehen: √úber dem ortsfesten Hotspot wandert die Afrikanische Platte mit einer Driftgeschwindigkeit von 1,2¬†cm/Jahr nordostw√§rts. Der Wert leitet sich aus dem Entstehungszeitraum der Kanarischen Inseln bis zur j√ľngsten Insel El Hierro und dem Abstand zwischen den Inseln ab. Die im GPS ermittelte Driftgeschwindigkeit am Standort La Palma im Zeitabschnitt 2008 bis 2012 betr√§gt 1,7¬†cm/Jahr und 1,6¬†cm/Jahr (gemessen √ľber die Verschiebung auf dem Breiten- und dem L√§ngengrad).

Jede Insel weist eine individuelle Entstehungsgeschichte auf, au√üer Lanzarote und Fuerteventura, die eine √§hnliche geologische Geschichte durchlaufen haben. Die beiden Inseln und die dazwischen liegende Nebeninsel Lobos waren √ľber Jahrtausende hinweg w√§hrend des niedrigen Wasserstands in den Kaltzeiten zu einer einzigen Insel verbunden. Auch heute trennt sie nur eine etwa 40¬†Meter tiefe und etwa 10¬†Kilometer breite Meerenge.

Allgemein gehen Geologen von einer dreiphasigen Entstehungsgeschichte aus, die mit Hilfe der Argon-Isotop-Datierung der vulkanischen Gesteine belegt ist: Sie begann vor mindestens 142 Millionen Jahren mit unterseeischen Eruptionen, wobei sich aus Kissenlaven, Hyaloklastiten und Intrusionen zun√§chst unterseeische Berge aufbauten. Nach etlichen Millionen Jahren ragten diese √ľber die Meeresoberfl√§che hinaus und es bauten sich in anhaltenden Eruptionsserien Schildvulkane auf (vgl. Hawaii oder Surtsey). Danach gab es auf den √§ltesten Vulkaninseln Fuerteventura, Lanzarote, Gran Canaria und La Gomera eine mehrere Millionen Jahre andauernde eruptive Pause, die durch starke Erosion oberhalb des Meeresspiegels nachweisbar ist. Sp√§terer erneuter Vulkanismus im Plioz√§n und Quart√§r formte die Inseln. Auch hier sind Ruhephasen mit Erosionsschichten nachweisbar.

In der Folge kam es auf allen Inseln wiederholt zum Flankenkollaps und zu Tr√ľmmerlawinen, deren Schuttf√§cher bis weit ins Meer hinaus noch heute nachweisbar sind. Zusammen mit gro√üen explosiven Ausbr√ľchen bildeten sich dabei auch die gro√üen Calderen auf Gran Canaria, Teneriffa und La Palma.

Die vulkanischen Aktivit√§ten halten mit gro√üen Ausbr√ľchen im 18. Jahrhundert auf Lanzarote und dem letzten Ausbruch zu Lande auf La Palma 1971 bis in die heutige Zeit an: Ab dem 10. Oktober 2011 entstand, etwa 270¬†Meter unter dem Meeresspiegel und wenige Kilometer s√ľdlich der K√ľste vor der Insel El Hierro, ein neuer Vulkan, dessen Auswurfprodukte auch die Meeresoberfl√§che erreichten; die unterseeischen Eruptionen endeten Anfang M√§rz 2012.

Klima

Das subtropische Klima der Kanaren ist aufgrund seiner N√§he zum n√∂rdlichen Wendekreis zwischen dem 27. und 29.¬†Breitengrad das ganze Jahr √ľber angenehm, was dem Archipel den Beinamen Inseln des ewigen Fr√ľhlings eingebracht hat. Der gleichbleibend k√ľhle Kanarenstrom, ein Teil des Golfstroms, gleicht die Temperaturen aus, und der Nordostpassat h√§lt die hei√üen Luftmassen aus der nahen Sahara meist fern und bringt vor allem an den Nordk√ľsten der Inseln bisweilen Niederschl√§ge. Eine Ausnahme bildet die mit Calima bezeichnete Wetterlage, die bei S√ľdostwind trockene, hei√üe Luft mit feinem Saharasand auf die Inseln bringt. Grunds√§tzlich kann zwischen einer Trockenzeit im Sommer und einer regenreicheren Zeit im Winter unterschieden werden; die s√ľdlichen Regionen der Inseln sind trockener als die n√∂rdlichen. In den K√ľstenregionen liegen die Durchschnittstemperaturen im Sommer kaum h√∂her als 25¬†¬įC, im Winter um 18¬†¬įC.

Hinzu kommt eine wesentliche Abh√§ngigkeit des Klimas von der Topografie der Inseln. Der Nordostpassat hat dabei wesentlichen Einfluss auf die hohen westlichen Inseln, deren Nordosten durch starke Wolkenbildung an den Gebirgen deutlich feuchter und k√ľhler ist als deren S√ľden. Da auf diesen Inseln die H√∂henunterschiede im Vergleich zur Fl√§che sehr gro√ü sind, gibt es deutlich zu differenzierende vertikale Klimazonen. Diese reichen von den trocken-hei√üen K√ľstenregionen √ľber die feucht-k√ľhle und deshalb oft bewaldete Zone bis hin zu k√ľhl-trockenen Zonen mit teilweisem Hochgebirgsklima. Wenig Einfluss hat der Passat auf die flachen √∂stlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura, auf denen durchweg ein arides (trockenes) Klima herrscht. Au√üerdem existieren auf allen Inseln in Bereichen tiefer Schluchten und hoher Felsw√§nde Mikroklimata mit gro√üer Pflanzenvielfalt.

Flora

Die Flora der Kanarischen Inseln zeichnet sich sowohl durch eine hohe Artenvielfalt als auch durch einen hohen Anteil an ortsspezifischen Pflanzenarten aus. Nach aktuellen Schätzungen gibt es auf den Kanaren rund 2000 Pflanzenarten, von denen 514 kanarische Endemiten sind, wovon wiederum 57 Prozent ausschließlich auf einer der Inseln vorkommen. Auf dem Archipel ist die Pflanzenwelt stark von der Höhenlage, der Regenmenge und der Bodenbeschaffenheit abhängig. Sie ist daher von Insel zu Insel äußerst unterschiedlich. Untersuchungen der Pflanzen auf den Kanarischen Inseln von Manuel Steinbauer zeigen deutliche Unterschiede in dem Vorkommen der endemischen Pflanzen. Während weltweit einmalige Arten im Flachland rund 25 Prozent der Vegetation ausmachen, sind es am 2400 Meter hohen Roque de los Muchachos von La Palma mehr als 50 Prozent. Auf Teneriffa sind im Flachland etwa 30 Prozent der Pflanzenarten endemisch, auf 3.000 Metern am Teide steigt dieser Anteil auf bis zu 65 Prozent.

Eine Besonderheit stellt die endemische Kanarische Kiefer dar. Seit ihrer Existenz auf den Kanarischen Inseln unterlag sie einem hohen Evolutionsdruck infolge der wiederkehrenden Vulkanausbr√ľche und den damit verbunden verheerenden Feuern (nach Anke Jentsch, Forschungsgebiet Gest√∂rte √Ėkosysteme, in). Die Kiefer widersteht den Feuern, indem sie ihre Stammesknospen unter ihrer sehr dicken Borke gegen die Flammen sch√ľtzt. Kurze Zeit nach Beendigung des Brandes treiben die Knospen wieder aus dem schwarzverkohlten Stamm heraus.

In der Vegetationskunde werden die Kanaren zusammen mit Madeira der makaronesischen Region zugerechnet. Ganz allgemein betrachtet bestehen heute zur nordafrikanischen und mediterranen Flora enge verwandtschaftliche Beziehungen.

Fauna

Die Tierwelt wird auf den Kanaren hauptsächlich von Reptilien und Vögeln bestimmt.

Die Eidechsengattung Gallotia ist auf der Inselgruppe endemisch. Sie umfasst insgesamt acht Arten (Ostkanareneidechse (G. atlantica), La-Palma-Rieseneidechse (G. auaritae), La-Gomera-Rieseneidechse (G. bravoana), Kleine Kanareneidechse (G. caesaris), Kanareneidechse (G. galloti), Teneriffa-Rieseneidechse (G. intermedia), El-Hierro-Rieseneidechse (G. simonyi), Gran-Canaria-Rieseneidechse (G. stehlini)). Darunter sind einige sehr groß werdende Formen bis 80 Zentimeter Gesamtlänge, daher werden die Tiere auch als Rieseneidechsen bezeichnet.

Weitere dort vorkommende Reptiliengattungen sind:

  • die Walzenskinke (Chalcides) mit vier Arten: S√ľdlicher Kanarenskink (C.¬†coeruleopunctatus), N√∂rdlicher Kanarenskink (C.¬†viridanus), Gestreifter Kanarenskink (C.¬†sexlineatus) und Purpurarien-Skink (C.¬†simonyi)
  • die Geckogattung Tarentola mit f√ľnf Arten: Kanarischer Mauergecko (T.¬†angustimentalis), Kanarengecko (T.¬†delalandii), Gestreifter Kanarengecko (Tarentola boettgeri) Gomera-Gecko (T.¬†gomerensis) und Mauergecko (T.¬†mauritanica)
  • der Europ√§ische Halbfinger (Hemidactylus turcicus).

Schlangen lebten urspr√ľnglich nicht auf den Inseln, mittlerweile wurden jedoch auf Gran Canaria durch den Menschen ungiftige Kettennattern eingef√ľhrt, die sich stark vermehrt haben. Ein Projekt mit einem Budget von etwa einer Million Euro und einer Laufzeit vom 1.¬†September 2011 bis 1.¬†September 2015 soll ihre Population deutlich und nachhaltig reduzieren.

Die gr√∂√üten Reptilien der Kanaren sind die in K√ľstenn√§he lebenden Meeresschildkr√∂ten (Cheloniidae). √úberhaupt ist die Meeresfauna mit fast 550 Fischarten artenreich. Erw√§hnenswert sind unter anderem einige Rochenarten, zahlreiche Haiarten wie Engelhaie, mehrere Hammerhaiarten, Makohaie, Wei√üe Haie, aber auch Schwertfische und Barrakudas sowie gro√üe Thunfische, Meerbrassen, Papageifische, Zacken- und Ziegelbarsche, Fl√ľgelbutte und der Pollack. Zudem konnten bisher 28¬†Wal- und Delfinarten im Archipel nachgewiesen werden, darunter auch das gr√∂√üte lebende Raubtier¬†‚Äď der Pottwal.

In den dauerfeuchten Nebelwäldern haben sich auch Amphibien angesiedelt (Mittelmeer-Laubfrosch (Hyla meridionalis), Iberischer Wasserfrosch (Pelophylax perezi)).

Die Vogelwelt der Kanaren setzt sich aus Endemiten der Kanaren und Madeiras, typischen Arten des Mittelmeerraums und Nordafrikas sowie paläarktischen Kosmopoliten zusammen. Von den Letzteren haben sich hier bei zahlreichen Arten endemische Unterarten herausgebildet.

Zu den endemischen Arten, die auch auf Madeira heimisch sind, z√§hlen der Einfarbsegler, der Kanarenpieper und der Kanarengirlitz, die wilde Stammform des Kanarienvogels. Der Kanaren-Zilpzalp (Phylloscopus canariensis) br√ľtet auf allen Kanareninseln, das Kanarengoldh√§hnchen lediglich auf den westlich gelegenen. Die Lorbeertaube und Bolles Lorbeertaube kommen nur auf La¬†Palma, Teneriffa und Gomera, die letztere Art zudem auf El¬†Hierro vor. Der Teydefink ist nur auf Teneriffa und Gran Canaria zu finden, der Kanarenschm√§tzer (Saxicola dacotiae) br√ľtet mit etwa 1000¬†Paaren lediglich auf Fuerteventura.

Beispiele f√ľr typische Vogelarten aus dem Mittelmeerraum sind der Eleonorenfalke, die Mittelmeerm√∂we (ssp. atlantis), Samtkopf-Grasm√ľcke (ssp. leucogastra) und Brillengrasm√ľcke (ssp. orbitalis), der Weidensperling und der S√ľdliche Raubw√ľrger (ssp. koeningi). Beispiele f√ľr Vertreter der nordafrikanischen Avifauna sind das Felsenhuhn, der W√ľstenfalke, die Kragentrappe, das Sandflughuhn, der Rennvogel und der W√ľstengimpel. Bei den hier endemischen Unterarten europ√§isch verbreiteter V√∂gel sind vor allem die des Buchfinken (F.¬†c.¬†canariensis und palmae) zu nennen, die von den Nominatformen deutlich abweichen. Weitere endemische Unterarten gibt es von Turmfalke, Schleier- und Waldohreule, Buntspecht, Gebirgsstelze, Amsel, Bluth√§nfling, M√∂nchsgrasm√ľcke und Rotkehlchen. Die Meisen werden auf den Kanaren durch die Kanarenmeise vertreten, die urspr√ľnglich als Unterart der Blaumeise galt.

Mit mehreren tausend Arten ist die Insektenwelt vertreten. Dazu gehören zahlreiche Schmetterlinge mit endemischen Arten wie der Kanaren-Weißling (Pieris cheiranthi), der Kanarische Admiral (Vanessa vulcania) und das Kanaren-Waldbrettspiel (Pararge xiphioides). Häufig anzutreffen sind Libellen. Auch Heuschrecken sind häufig. Lästig werden konnten aus Afrika kommende gefräßige Heuschreckenschwärme bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Heute werden diese schon draußen auf dem Meer mit Insektiziden so traktiert, dass es diese Bedrohung praktisch nicht mehr gibt.

Aus wirtschaftlichen Gr√ľnden wurde aus Mittelamerika die Cochenilleschildlaus nebst ihrer Wirtspflanze, der Opuntie, eingef√ľhrt. Aus den L√§usen wurde ein karminroter Farbstoff gewonnen, der mittlerweile aber synthetisch hergestellt wird.

Die wenigen freilebenden S√§ugetiere sind mit Ausnahme der meisten Flederm√§use (wie der Madeira-Fledermaus, der Alpenfledermaus oder der Wei√ürandfledermaus) erst nach der Eroberung ausgesetzt worden oder als Mitreisende eingewandert. Erst in den 1980er Jahren wurde auf Fuerteventura und nachfolgend auch auf Lanzarote eine endemische Spitzmausart entdeckt und als eigenst√§ndige Art erfasst. Insbesondere die Wildziege, der Europ√§ische Mufflon, der M√§hnenspringer und das Wildkaninchen richten an der endemischen Pflanzenwelt der Kanaren schwere Sch√§den an. Verwilderte Hauskatzen werden daf√ľr verantwortlich gemacht, dass die gro√üen Echsen der westlichen Inseln heute vom Aussterben bedroht sind.

Als Haustiere gehalten werden: Ziegen, Schafe, Pferde, Esel, Mulis, Schweine, K√ľhe, Hunde, Katzen, Dromedare (als Lasttier gehalten auf Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria), H√ľhner und Puten.

Naturschutzgebiete

Insgesamt gibt es auf dem Archipel 146 Naturschutzgebiete, die sich auf 301.335 Hektar ausdehnen. Darunter sind elf Naturparks mit einer Gesamtfläche von 111.022 Hektar sowie 131 verschiedene Naturreservate, Naturdenkmäler, Landschaftsschutzgebiete, Orte von wissenschaftlichem Interesse und ländliche Parks. Ebenfalls dazugehörig, haben die Kanaren in ihrer autonomen Gemeinschaft die meisten Nationalparks in Spanien, vier von insgesamt 13, mit einer Gesamtfläche von 32.681 Hektar:

  • Nationalpark Caldera de Taburiente (La Palma)
  • Nationalpark Garajonay (La Gomera)
  • Nationalpark Teide (Teneriffa)
  • Nationalpark Timanfaya (Lanzarote)

Seit Dezember 2006 geh√∂ren die Kanaren zur Gruppe der besonders schutzbed√ľrftigen Meeresgebiete der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO. Das bedeutet, dass ein Umkreis von zw√∂lf Seemeilen (rund 22,2¬†Kilometer) f√ľr den Transit von Schiffen mit gef√§hrlicher Fracht komplett gesperrt ist.

Bevölkerung

Bis ins 15.¬†Jahrhundert war der Archipel von den Altkanariern, einzelnen Inselbev√∂lkerungen, die keinen Kontakt zueinander hatten, bewohnt. Obwohl sie sich in Sprache und Kultur unterschieden, wird in der popul√§rwissenschaftlichen Literatur h√§ufig f√ľr alle Insulaner der Name der gr√∂√üten Gruppe Guanchen, der Ureinwohner der Insel Teneriffa, verwendet. Durch die spanische Eroberung wurde zwar deren Kultur nahezu vernichtet, jedoch vermischten sich viele dieser Ureinwohner mit den neuen Siedlern. Etwa ein Drittel der heutigen Bev√∂lkerung der Inseln stammt in weiblicher Linie von den Altkanariern ab. Die neuen Siedler, die im 16. Jahrhundert auf die Inseln kamen, wanderten aus dem S√ľden der spanischen Halbinsel und aus dem heutigen Portugal ein.

Bevölkerungsentwicklung

Die Bev√∂lkerung der Kanarischen Inseln ist im vergangenen Jahrhundert stetig angestiegen. Der Trend verst√§rkt sich weiter, sodass laut spanischem Statistikamt im Mai 2006 die Zwei-Millionen-Einwohner-Marke √ľberschritten worden ist. Die Entwicklung der Bev√∂lkerung nach dem Einwohnermelderegister (Padr√≥n Municipal de habitantes) ab 2003 stellt sich wie folgt dar:

Das starke Bev√∂lkerungswachstum in der ersten Dekade des Jahrtausends resultiert haupts√§chlich aus Einwanderung, angef√ľhrt von B√ľrgern aus der Europ√§ischen Union (ohne Spanien: 129.039) und den L√§ndern Lateinamerikas (77.502).

Insgesamt leben im Jahr 2019 (Stand: 1.¬†Januar) 276.680 beh√∂rdlich registrierte B√ľrger ohne spanische Staatsangeh√∂rigkeit auf den Kanaren, das entspricht einem Anteil von 12,9¬†%, der gr√∂√üte Teil davon stammt aus Italien (49.170), gefolgt von Deutschen (25.619) und Briten (25.521). Hinzu kommen noch 333.621 B√ľrger aus anderen autonomen Gemeinschaften Spaniens (15,5¬†% der Bev√∂lkerung; Stand: 2019).

Die größten Gemeinden

Die folgende Liste enthält die 25 größten Gemeinden der Kanarischen Inseln (Stand: 1. Januar 2019). Die jeweils größte Gemeinde einer Insel ist in Fettschrift. Zum Vergleich wurden die beiden größten Gemeinden von La Gomera und El Hierro in die Liste aufgenommen.

Religion

Der größte Teil der kanarischen Bevölkerung ist römisch-katholisch getauft. Gemäß einer Erhebung anlässlich der Regional- und Kommunalwahlen im Jahr 2019 bekennen sich 77 % der Bevölkerung zum römisch-katholischen Glauben, wobei eine Mehrheit der Katholiken angibt, den Gottesdienst (abgesehen von gesellschaftlichen Anlässen wie beispielsweise Hochzeiten) nur selten oder nie zu besuchen. Die Anzahl der Kultstätten wurde 2012 in einer Untersuchung festgestellt. Evangelische Kirchen 155, Zeugen Jehovas 45, Muslime 29, Buddhisten 14, Adventisten 10, Mormonen 9, Bahá'í 8, Anglikaner 5, Juden 5.

Römisch-katholische Kirche

Die r√∂misch-katholische Kirche auf den Kanaren besteht seit der Aufteilung eines bis dahin gemeinsamen Bistums im Jahre 1819 aus zwei dem Erzbistum Sevilla als Suffraganbist√ľmer unterstellten Di√∂zesen:

Die Di√∂zese der Kanarischen Inseln (Di√≥cesis de Canarias) erstreckt sich √ľber die Provinz Las Palmas und ist damit f√ľr die √∂stlichen Inseln Lanzarote, Fuerteventura und Gran Canaria zust√§ndig. Bischofskirche ist die Kathedrale Santa Ana. Sitz des Bischofs ist der Bischofspalast (Palacio Episcopal) am Plaza de Santa Ana gegen√ľber der Kathedrale.

Die Di√∂zese San Crist√≥bal de La Laguna (Di√≥cesis Nivariense oder Di√≥cesis de Tenerife) wurde am 1.¬†Februar 1819 von Papst Pius¬†VII. errichtet und ist mit dem Gebiet der Provinz Santa Cruz de Tenerife deckungsgleich. Sie hat ihren Sitz in San Crist√≥bal de La Laguna auf Teneriffa und ist f√ľr die westlichen Inseln Teneriffa, La¬†Palma, La¬†Gomera und El¬†Hierro zust√§ndig. Die Kathedrale Santa Mar√≠a de los Remedios war vor der Aufteilung des Archipels auf zwei Di√∂zesen eine Gemeindekirche. Der Wohnsitz des Bischofs und Sitz des Ordinariates ist der Palacio Salazar.

Die Jungfrau von Candelaria ist die Schutzheilige der Kanarischen Inseln. Ihr zu Ehren wurde in der Gemeinde Candelaria die Basilika von Candelaria als Wallfahrtskirche gebaut.

Die beiden von der katholischen Kirche heiliggesprochenen Missionare in Brasilien und Guatemala Jos√© de Anchieta (1534‚Äď1597) und Peter von Betancurt (1626‚Äď1667) waren auf Teneriffa geboren und werden an ihren Geburtsorten verehrt.

Sprache

Die offizielle Landessprache auf den Kanarischen Inseln ist heute Spanisch. Die auf der kanarischen Inselgruppe gesprochene Art der spanischen Sprache bildet zusammen mit dem in Andalusien und Mittel- und S√ľdamerika gesprochenen Spanisch eine Sprachgruppe, die mit dem Begriff Atlantisches Spanisch (espa√Īol atl√°ntico) oder S√ľdliches Spanisch (espa√Īol meridional) bezeichnet wird. Typische Besonderheiten sind das h√§ufige Fehlen des Buchstabens s in der Aussprache besonders am Wortende und der Ersatz der 2.¬†Person Plural durch die 3.¬†Person Plural. Es gibt auch einige W√∂rter, die auf dem Festland nicht gebr√§uchlich sind. (Beispiel: guagua statt autob√ļs).

Vor der spanischen Eroberung wurde auf jeder Kanareninsel eine eigene Variet√§t der Sprache Guanche gesprochen. Durch die systematische Vernichtung der Kultur der Altkanarier durch die Eroberer im 15. und 16. Jahrhundert sind nur noch wenige Sprachst√ľcke √ľberliefert. Dabei handelt es sich in erster Linie um Ortsbezeichnungen und Namen von auf den Inseln endemischen Pflanzen. Es wurden auch in Stein geritzte Zeichen gefunden, die gro√üe √Ąhnlichkeit mit dem Libysch-Berberischen haben. Es handelt sich dabei aber nicht um zusammenh√§ngende Texte. Auf der Insel La¬†Gomera hat sich eine Kommunikationsform der Ureinwohner erhalten, bei der die akustischen Merkmale einer gesprochenen Sprache durch Pfiffe dargestellt werden. Die Basissprache des Silbo Gomero ist heute nicht mehr Guanche, sondern Spanisch.

Geschichte

Antike

Die Meerenge von Gibraltar bildete in der griechisch-r√∂mischen Antike die Grenze der bewohnten Welt. Dahinter, im √§u√üersten Westen, der Gegend, in der die Sonne unterging, lag nach der griechischen Mythologie die Welt der Finsternis. Gem√§√ü dem Mythos muss Herakles im Laufe seiner Arbeiten √ľber die S√§ulen des Herakles hinausfahren. Er beschafft dort f√ľr die G√∂ttin Athene die Unsterblichkeit bringenden √Ąpfel der Hesperiden mit Hilfe des Titanen Atlas, dem Herakles solange das Himmelsgew√∂lbe abnimmt. Ebenso wurde im Atlantik das Heim der Gorgo Medusa verortet, der Perseus im Mythos das Haupt abschl√§gt, wobei er sich mit einer Tarnkappe gegen ihren versteinernden Blick wappnet. Ferner vermuteten die griechischen Dichter im Atlantik die Elysischen Gefilde, auf die jene Helden entr√ľckt wurden, die von den G√∂ttern geliebt wurden oder denen sie Unsterblichkeit schenkten. Bei diesen Inseln handelte es sich um die Inseln der Gl√ľcklichen oder Gl√ľckseligen. Ein gro√üer Teil der Begriffe der griechischen Mythologie wurde sp√§ter auf die Kanarischen Inseln, aber auch auf Madeira oder die Kapverdischen Inseln bezogen, die ebenfalls im Westen au√üerhalb der S√§ulen des Herakles liegen.

Erste historisch glaubhafte Berichte √ľber Fahrten durch die Stra√üe von Gibraltar in den Atlantik stammen aus dem 5. Jahrhundert v.¬†Chr. von den karthagischen Seefahrern Hanno und Himilkon (beide Berichte sind heute verloren), von der K√ľstenbeschreibung (Periplus) des Pseudo-Skylax sowie von dem Griechen Pytheas, den Herodot ebenso erw√§hnt wie Hannos Reise. Herodot berichtet in seinen Historien zudem, dass Ph√∂nizier schon um etwa 600 v.¬†Chr. im Auftrag des √§gyptischen Pharaos Necho II. von Ost nach West um Afrika gesegelt seien. Da Herodot schreibt, die Ph√∂nizier h√§tten hinterher berichtet, die Sonne dabei zeitweilig auf der anderen Seite des Himmels gesehen zu haben, m√ľssen die Seefahrer tats√§chlich zumindest den √Ąquator √ľberquert haben.

R√∂mische Quellen erw√§hnten die Kanarischen Inseln erstmals ausdr√ľcklich in der Kaiserzeit, namentlich bei Pomponius Mela und Plinius Major; sie identifizierten sie als die Inseln der Gl√ľckseligen (Fortunatae insulae). Plinius Major bezieht sich dabei auf Beschreibungen des mauretanischen K√∂nigs Juba II., der nach dem Jahr 25¬†v.¬†Chr. die Fortunatae insulae erforschen lie√ü. Plinius Major unterscheidet klar die vergleichsweise gut bekannten Fortunatae insulae von den Gorgonen-Inseln (Gorgaden, d.¬†h. Kapverden, gegen√ľber dem als Hesperu Ceras bezeichneten Cap Vert in Senegal) und von den Hesperiden. N√∂rdlich der Kanaren liegen nach Plinius Major die Inseln Atlantis (Madeira) und die Purpur-Inseln.

Erste Besiedlung

√úber die Herkunft der Ureinwohner der Kanarischen Inseln, der Altkanarier, aber auch √ľber die Art und Weise, wie sie auf die Inseln gelangten, gibt es viele Spekulationen und Vermutungen. Arch√§ologische Fundst√ľcke auf Lanzarote, die auf die Zeit des 10. Jahrhunderts v. Chr. datiert werden, f√ľhren dazu, dass heute die Hypothese vertreten wird, dass die ersten Kontakte der Ph√∂nizier, vermutlich mit der Gr√ľndung eines St√ľtzpunktes auf dieser Insel, etwa zur gleichen Zeit wie die Gr√ľndung von Lixus und Gades (etwa im 10. Jahrhundert v.¬†Chr.) stattfand. Dabei handelte es sich zu Beginn nicht um Siedlungen, die sich selbst unterhalten konnten, sondern sie waren von regelm√§√üigen Kontakten zum Mittelmeergebiet abh√§ngig.

Durch arch√§ologische Funde l√§sst sich auf den meisten Inseln eine dauerhafte Besiedlung sp√§testens ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. nachweisen. Die Siedler kamen mit gro√üer Wahrscheinlichkeit aus den damals unter r√∂mischer Oberhoheit stehenden Gebieten Nordafrikas und S√ľdspaniens. Bei der Ansiedlung handelte es sich nicht um eine einmalige Aktion. In einem kontinuierlichen Vorgang wurden unterschiedliche Gruppen von Siedlern mit der f√ľr sie notwendigen Ausr√ľstung auf die Inseln gebracht. Arch√§ologische Funde zeigen, dass zumindest zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 3. Jahrhundert n. Chr. enge Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Kanarischen Inseln und Teilen des r√∂mischen Kulturkreises bestanden. Ab der r√∂mischen Reichskrise des 3. Jahrhunderts wurden diese Beziehungen weniger bis sie, sp√§testens im 4. Jahrhundert, vollst√§ndig eingestellt wurden. Da die Bewohner der Inseln keine F√§higkeiten im Schiffbau und keine Kenntnisse der Navigation besa√üen, brachen zu dieser Zeit auch die Beziehungen der Inseln untereinander ab.

Zeit der isolierten Entwicklung

In der Zeit vom 4. Jahrhundert bis zur Wiederentdeckung der Kanarischen Inseln durch die Europ√§er im 14. Jahrhundert entwickelten sich auf den einzelnen Inseln unabh√§ngig voneinander unterschiedliche Kulturen. Diese beruhten zwar auf den gleichen Grundlagen, wiesen aber so viele Besonderheiten auf, dass man nicht von einer ‚ÄěKultur der Guanchen der Kanarischen Inseln‚Äú sprechen kann. Es gab die Kultur der Majos auf Lanzarote, die der Majoreros auf Fuerteventura, die der Bimbaches auf El Hierro, die der Gomeros auf La Gomera, die der Canarios auf Gran Canaria, die der Benahoaritas auf La Palma und die der Guanchen auf Teneriffa. Die Benennung der Ureinwohner aller Inseln mit der Bezeichnung der Ureinwohner der Insel Teneriffa, als Guanchen, die lange Zeit √ľblich war, ignoriert die differenzierten kulturellen Entwicklungen auf den verschiedenen Inseln. Diese ergaben sich aus der Verschiedenartigkeit der Topografie, der Fruchtbarkeit der B√∂den, des Klimas, der Fl√§che der Inseln und der Gr√∂√üe der Gesamtbev√∂lkerung.

Aussehen

Das Aussehen der Ureinwohner der Inseln wurde seit Beginn des 14. Jahrhunderts von den Besuchern unterschiedlich beschrieben. In einigen Berichten wird besonders die helle Haut genannt, die f√ľr die Europ√§er daher so erstaunlich erschien, weil sie so weit im S√ľden vor der afrikanischen K√ľste mit dunkelh√§utigen Afrikanern rechneten. Aus anthropologischen Untersuchungen der menschlichen √úberreste, die auf den Inseln gefunden wurden, ergibt sich, dass die Altkanarier dunkle Haare hatten und nur in wenigen F√§llen, besonders als Kinder blond waren. Blaue Augen kamen vor, waren aber nicht die Regel. Mit einer K√∂rpergr√∂√üe von etwa 1,70¬†m waren die Altkanarier gr√∂√üer als die durchschnittlichen Kastilier des 15. Jahrhunderts. Die schriftlichen √úberlieferungen machen √ľber die Bekleidung der Ureinwohner der Inseln widerspr√ľchliche Angaben. W√§hrend √§ltere Informationen meist die vollkommene Nacktheit erw√§hnen, wird sp√§ter von Bekleidung aus Fellen und gegerbtem Leder berichtet.

Sprache

Die Sprachen der Ureinwohner, die zusammenfassend als Guanche bezeichnet werden, waren so unterschiedlich, dass die Europäer, die im 15. Jahrhundert die Inseln unterwarfen, feststellen mussten, dass ihre Dolmetscher, die auf der einen Insel Kontakte zu den Ureinwohnern herstellten, die Bewohner der anderen Inseln nicht verstanden. Nach der Eroberung und der erzwungenen Assimilierung der Urbevölkerung im 15. Jahrhundert waren die Sprachen spätestens am Ende des 16. Jahrhunderts verschwunden. Durch die Untersuchung von alten Ortsbezeichnungen, Bezeichnungen von Objekten und Personennamen konnte eine Verwandtschaft der Sprachen mit den Berbersprachen festgestellt werden.

Sozialordnung

Jede Insel hatte ein eigenes System der sozialen und politischen Organisation, das sich nicht in allen seinen Elementen in der benachbarten Gemeinschaft wiederholte. Das Sozialsystem der stark bev√∂lkerten Inseln Teneriffa und Gran Canaria war erheblich st√§rker durch hierarchische Unterschiede gepr√§gt als das der nur gering bev√∂lkerten Inseln wie El Hierro. Die Bedeutung der Frauen in diesen Sozialsystemen ist nicht durch zeitgen√∂ssische Berichte belegt. Zumindest auf einigen Inseln wurden die soziale Stellung und der Besitz matrilinear weitergegeben. Auf Gran Canaria, Teneriffa und Fuerteventura gibt es Anzeichen daf√ľr, dass Frauen auch Funktionen im Bereich der Religion aus√ľbten.

Ernährung

Lebensgrundlage auf allen Inseln war die Haltung von Ziegen, Schafen und Schweinen. Dar√ľber hinaus war das Sammeln und auf einigen Inseln der Anbau von Getreide, besonders einer speziellen Art von Gerste, eine wichtige Nahrungsquelle. Die K√∂rner wurden ger√∂stet, mit Handm√ľhlen gemahlen und als Gofio gegessen. F√ľr den Anbau des Getreides gab es auf einigen Inseln Bew√§sserungssysteme. Die Lagerhaltung und die Aufbewahrung von Getreidereserven und Saatgut war, der Bedeutung der Agrarwirtschaft entsprechend, unterschiedlich geregelt. Fischfang fand nur im nahen Uferbereich statt. Au√üer den damals auf Lanzarote und Fuerteventura und der dazwischen liegenden Insel Lobos vorkommenden M√∂nchsrobben gab es als jagdbares Wild nur Eidechsen und V√∂gel. Dar√ľber hinaus waren die Fr√ľchte der Kanarischen Dattelpalme, die, wie wahrscheinlich auch Feigen, auf den Inseln wild wuchsen, Teil der Ern√§hrung.

Religion

Die ersten Aussagen √ľber den Glauben der Ureinwohner der Kanarischen Inseln finden sich in der p√§pstlichen Bulle "Ad hoc semper" des Papstes Urban V. (1369). In diesem Dokument wurde festgestellt, dass die Bewohner dieser Inseln Anbeter der Sonne und des Mondes waren. Von den verschiedenen Gruppen der Ureinwohner auf den Inseln sind unterschiedliche Namen f√ľr die jeweils oberste Gottheit √ľberliefert. Die Forschung geht davon aus, dass es sich dabei nicht nur um unterschiedliche Bezeichnungen ein und derselben Gottheit handelte, sondern dass die Ureinwohner mit den Namen auch sehr unterschiedliche Vorstellungen verbanden.

Bestattung

Der gr√∂√üte Teil der Beisetzungen der Altkanarier fand vermutlich in H√∂hlen statt. Auf verschiedenen Inseln wurden auch Erdgr√§ber und H√ľgelgr√§ber gefunden. Auf den Inseln El Hierro, Teneriffa, La Palma, Fuerteventura und Lanzarote gibt es arch√§ologische Hinweise auf Feuerbestattungen. Konservierungen der Leichname durch Trocknen oder auch zus√§tzliche Mumifizierungen sind von einigen Inseln bekannt. Die Verstorbenen wurden offenbar entsprechend ihrem sozialen Status getrocknet oder mumifiziert und in eine gro√üe Anzahl von Ziegenfellen eingen√§ht. Die Bedeutung, die eine Person zu Lebzeiten hatte, zeigt sich auch in der Reichhaltigkeit der Grabbeigaben. In der Arch√§ologie gelten Grabbeigaben als offensichtlicher Beweis f√ľr den Glauben an ein Leben nach dem Tod.

Wohnstätten

Auf den Kanarischen Inseln gibt es aufgrund des vulkanischen Ursprungs eine gro√üe Anzahl von Blasenh√∂hlen und Lavar√∂hren. Der gr√∂√üte Teil der Altkanarier lebte in nat√ľrlichen H√∂hlen. Auf Gran Canaria wurde eine gro√üe Anzahl von k√ľnstlichen H√∂hlen gefunden. Auf den Inseln, auf denen es aufgrund der geologischen Gegebenheiten weniger geeignete H√∂hlen gibt, oder in Gebieten, die ohne das Vorhandensein von H√∂hlen g√ľnstige Lebensbedingungen boten, bauten die Ureinwohner auch H√§user aus Stein. Bauart, Gr√∂√üe und Grundriss der Geb√§ude sind auf jeder Insel unterschiedlich. Gemeinsam ist nur, dass die W√§nde aus Trockenmauerwerk errichtet wurden.

Gegenstände des täglichen Gebrauchs

Da es auf den Kanarischen Inseln keine nutzbaren Metalllagerst√§tten gibt, besa√üen die Ureinwohner keine Gegenst√§nde aus Metall. Die Schneidewerkzeuge bestanden aus Feuerstein und auf einigen Inseln aus Obsidian. Speere, Spie√üe und Hirtenst√§be wurden aus Holz hergestellt. Die Spitzen wurden im Feuer geh√§rtet. Gef√§√üe aus Keramik, die ohne T√∂pferscheibe hergestellt wurden, sind von allen Inseln bekannt. Sie wurden f√ľr den Transport von Fl√ľssigkeiten, die Lagerung von Vorr√§ten, aber auch beim R√∂sten des Getreides f√ľr die Herstellung von Gofio verwendet. Bei den Formen als auch bei den Dekorationen bestehen zwischen den Produkten der Ureinwohner der verschiedenen Inseln kaum √Ąhnlichkeiten. Aus Tierknochen wurden in gro√üen Mengen gefundene Ahlen hergestellt. Sie wurden verwendet, um L√∂cher zum Zusammenf√ľgen des Leders f√ľr die Bekleidung zu stechen oder um Muscheln und andere Weichtiere zu √∂ffnen und essbare Teile aus den Schalen herauszuholen. Es wurden auch aus Knochen hergestellte Angelhaken gefunden.

Felsbilder und Felsinschriften

Wandmalereien, d.¬†h. auf die Wand aufgebrachte Farbmittel, wurden bisher nur auf Gran Canaria gefunden. Einige Petroglyphen waren bereits im 18. Jahrhundert bekannt. Sie wurden aber von den damaligen Historikern als ‚Äěreine Kritzeleien, Spiele des Zufalls oder der Fantasie der alten Barbaren‚Äú beurteilt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden auf allen Inseln weitere Fundstellen von Petroglyphen bekannt. Die Erforschung beschr√§nkte sich weitgehend auf h√§ufig fehlerhafte Wiedergaben, die dann mit Petroglyphen in Nordafrika, Europa und Amerika verglichen wurden. Ab dem Jahr 2008 wurden Projekte zur Inventarisierung der mehreren hundert bekannten Felsinschriften der Kanarischen Inseln durchgef√ľhrt, um alle Informationen √ľber die Fundstellen zu sammeln und zu aktualisieren. Die Petroglyphen zeigen zum Teil gro√üfl√§chige geometrische Muster oder figurative Darstellungen. Auf allen Inseln haben die Ureinwohner Felsinschriften hinterlassen. Die Schriftzeichen werden zur Gruppe der Libysch-berberischen Schriften gez√§hlt und haben gro√üe √Ąhnlichkeit mit den Schriftzeichen, wie man sie auf alten Inschriften in Nordtunesien und Nordostalgerien gefunden hat.

Wiederentdeckung der Kanarischen Inseln im 14. Jahrhundert

Im 14. Jahrhundert entwickelten Seefahrer der italienischen Handelszentren Initiativen, den Handel mit Indien durch den Seeweg um Afrika von den arabischen L√§ndern im vorderen Orient unabh√§ngig zu machen. Die Fortschritte der Schifffahrtskunde erm√∂glichten es, die Kanarischen Inseln nicht nur zu erreichen, sondern auch einen R√ľckweg nach Europa zu finden. Von dem Genuesen Lancelotto Malocello wird angenommen, dass er auf der Insel Lanzarote eine Handelsstation errichtete. Ein Eintrag in einer Seekarte des mallorquinischen Kartografen Angelino Dulcert aus dem Jahr 1339 bezeichnet diese Insel als Insel des Genuesen Lancelotto Malocello. Sie tr√§gt seither den Namen Lanzarote. In der Folge gab es verschiedene Reisen mit dem Ziel, die Inseln im Auftrag verschiedener Herrscher zu erforschen und zu erobern. Dar√ľber hinaus gab es auch Unternehmungen mit dem Ziel, die Einwohner der Inseln zu fangen und als Sklaven auf den M√§rkten Spaniens und des Mittelmeerraums zu verkaufen.

Der Navigator der 1341 von dem portugiesischen K√∂nig Alfons IV. ausger√ľsteten Forschungsreise zu den Kanarischen Inseln, der Genuese Niccoloso da Recco, schrieb einen ausf√ľhrlichen Bericht √ľber die Inseln, in dem er auch Angaben √ľber die Bev√∂lkerung machte.

Im Jahr 1344 gr√ľndete Papst Clemens VI. das F√ľrstentum der Gl√ľcklichen Inseln als Lehen des Heiligen Stuhls. Er ernannte Luis de la Cerda, einen Adeligen, der den K√∂nigsfamilien Kastiliens und Frankreichs entstammte, zum F√ľrsten und √ľbergab ihm eine goldene Krone und ein Zepter. Luis de la Cerda verpflichtete sich, seine Untertanen zum wahren Glauben zu bekehren. Nachdem er 1346 oder 1348 gestorben war, ohne sein F√ľrstentum gesehen zu haben, wurde dieses in keinem p√§pstlichen Dokument mehr genannt.

Als mallorquinische Gl√§ubige einen Neubeginn der Christianisierung der Kanarischen Inseln mit friedlichen Mitteln planten, gab Papst Clemens VI. dazu seinen Segen und gr√ľndete 1351 das Bistum der Gl√ľcklichen Inseln (Fortunatae Insulae), das sp√§ter den Namen Bistum Telde erhielt. Die friedliche Missionsarbeit durch Mallorquiner und Katalanen endete vermutlich 1393, als Einheimische als Reaktion auf r√§uberische √úberf√§lle durch westeurop√§ische Piraten die Missionare umbrachten.

Inbesitznahme der Inseln durch Kastilien

Im Jahr 1402 brachten die franz√∂sischen Adeligen Jean de B√©thencourt und Gadifer de La Salle die Insel Lanzarote durch den Abschluss von Vertr√§gen mit den Ureinwohnern unter ihre Herrschaft. Da ihre Mittel f√ľr die Unterwerfung weiterer Inseln nicht ausreichten, unterstellte sich Jean de B√©thencourt im Jahr 1403 als Vasall K√∂nig Heinrich III. von Kastilien. Im Verlauf der n√§chsten Jahre gelang es ihm, meist nahezu kampflos, die Oberhoheit der Krone von Kastilien auch auf den Inseln Fuerteventura und El Hierro durchzusetzen. Die Inbesitznahme der Inseln La Gomera, Gran Canaria, Teneriffa und La Palma scheiterte am Widerstand der Einwohner. √úber den Ablauf der Inbesitznahme gibt es einen Bericht mit dem Titel Le Canarien, der in zwei Versionen √ľberliefert ist.

Am 7. Juli 1404 gr√ľndete Papst Benedikt XIII. ein neues Bistum f√ľr die Kanarischen Inseln auf der Insel Lanzarote, das Bistum San Marcial del Rubic√≥n, ohne dabei einen Bezug auf das untergegangene Bistum Telde herzustellen.

Im Jahr 1418 √ľbertrug Maciot de B√©thencourt, ein Verwandter Jean de B√©thencourts, die Anspr√ľche auf die Herrschaft √ľber die Inseln auf Enrique de Guzm√°n, Graf von Niebla. Im Verlauf der n√§chsten Jahre gingen die Rechte mehrfach auf andere Personen √ľber. Im Jahr 1445 erhielt Hern√°n Peraza (der √Ąltere, 1390‚Äď1452) die Regierungsgewalt √ľber die eroberten Inseln und den Anspruch auf die noch zu erobernden Inseln. Seine Versuche die Inseln Gran Canaria, Teneriffa und La Palma zu erobern blieben erfolglos. Am Ende seines Lebens musste Hern√°n Peraza einsehen, dass das Unternehmen, die bev√∂lkerungsreichen Kanarischen Inseln zu erobern, seine wirtschaftlichen M√∂glichkeiten √ľberstieg. Seine Tochter In√©s Peraza de las Casas erbte 1454 die Herrschaft. Im Jahr 1477 √ľbernahmen die Katholischen K√∂nige das Recht zur Eroberung der drei gro√üen Inseln Gran Canaria, La Palma und Teneriffa wieder f√ľr die Krone von Kastilien. Sie entsch√§digten die Familie Peraza-Herrera mit f√ľnf Millionen Maraved√≠es und dem Recht sich Grafen von Gomera und El Hierro zu nennen.

Im Verlauf des Kastilischen Erbfolgekrieges versuchten die Katholischen K√∂nige ihre Anspr√ľche auf ein Recht des Handels mit Afrika zu bekr√§ftigen. Sie schickten Handelsflotten, die aus Schiffen von H√§ndlern aus den L√§ndern der Krone von Kastilien bestanden, auf Fahrten, die √ľber die Kanarischen Inseln an die K√ľste Afrikas gingen, um dort Waren gegen Gold und Sklaven einzutauschen. Alle Versuche Handelsbeziehungen zwischen Afrika und Kastilien aufzubauen wurden aber von Portugal mit milit√§rischer Gewalt verhindert. Die Katholischen K√∂nige mussten einsehen, dass sie das portugiesische Monopol auf den Afrikahandel nicht durchbrechen konnten. Daher verzichtete Kastilien in den Vertr√§gen von Alc√°√ßovas auf die Seefahrt s√ľdlich des Kaps Bojador und bekam daf√ľr die Garantie auf die Herrschaft √ľber die Kanarischen Inseln und einen Streifen der Afrikanischen K√ľste zwischen Kap Nun und Kap Bojador zugesprochen. S√ľdlich des Kaps Bojador war kastilischen Schiffen jegliche Zufahrt verboten. Die erste Reise des Christoph Kolumbus verlief daher auch genau auf dieser Grenze nach Westen.

W√§hrend die Kanarischen Inseln im 14. bis 16. Jahrhundert haupts√§chlich als Ausgangspunkt eines Handels mit Afrika gesehen wurde, bekamen sie nach 1492 eine Bedeutung als Ausgangspunkt f√ľr die Erschlie√üung Amerikas. Der Hauptgrund daf√ľr war, dass von den Inseln aus Wind und Str√∂mung die √úberfahrt nach Amerika leichter machten als von Europa aus. Auch zur Zeit der Dampfschifffahrt liefen die Verkehrswege √ľber die Kanarischen Inseln, auf denen vor der √úberfahrt nach Amerika Wasser und Kohle, die aus England importiert war, gebunkert werden konnte.

Integration der Inseln in die Reiche der Krone von Kastilien

1478 begannen die Katholischen K√∂nige damit, ihre Herrschaft auch √ľber die Inseln Gran Canaria, La Palma und Teneriffa durchzusetzen. Durch Capitulaciones wurden die Kosten f√ľr die Eroberung nicht durch die Krone, sondern durch die Konquistadoren bzw. durch private Geldgebern aufgebracht. Diese sollten aus den zuk√ľnftigen Gewinnen der eroberten Territorien entsch√§digt werden. Nach einigen Schwierigkeiten gelang es bis 1483 die Insel Gran Canaria zu unterwerfen. Im Jahr 1493 eroberten Truppen unter dem Befehl von Alonso Fern√°ndez de Lugo die Insel La Palma. Bei der Unterwerfung der Einwohner der Insel Teneriffa wurden die Truppen 1494 in der Ersten Schlacht von Acentejo nahe dem heutigen Ort La Matanza de Acentejo von den Guanchen geschlagen. Bei einem neuen Angriff 1495 siegten die Truppen der Invasoren in der Schlacht von Aguere bei der heutigen Stadt La Laguna und der zweiten Schlacht von Acentejo bei der heutigen Stadt La Victoria. Die Guanchen ergaben sich 1496. Bei beiden Eroberungsfeldz√ľgen k√§mpften auf der Seite der Kastilier auch Altkanarier von anderen Kanarischen Inseln und Mitglieder der Guanchenst√§mme aus dem S√ľden der Insel Teneriffa.

In der folgenden Zeit entwickelten sich die Kanarischen Inseln zu einem Teil des K√∂nigreiches Kastiliens bzw. zu einem gesonderten K√∂nigreich der Krone von Kastilien. Im Jahr 1494 erhielt Las Palmas de Gran Canaria Stadtrechte wie sie bei St√§dten in Kastilien √ľblich waren. Die st√§dtischen Verwaltungen wurden nach dem Muster von Sevilla organisiert. Es galt kastilisches Recht. Die Altkanarier traten nicht, wie sp√§ter die Ureinwohner Amerikas, als zu ber√ľcksichtigende ethnische Minderheit auf. Rechtliche Bestimmungen, die von den auf dem Festland g√ľltigen abwichen, wie zum Beispiel das zeitweise gew√§hrte Recht des direkten Handels mit Amerika, wurden mit der geografischen Lage gerechtfertigt.

Kanarische Inseln als fester Bestandteil Spaniens

W√§hrend des Spanischen Erbfolgekrieges lie√üen sich die Einwohner auch durch den Angriff des englischen Admirals John Jennings auf Santa Cruz de Tenerife nicht von ihrer Unterst√ľtzung des K√∂nigs Philipp V. abbringen. Von den Napoleonischen Kriegen auf der Iberischen Halbinsel gegen eine franz√∂sische Macht√ľbernahme in Spanien war die Inselgruppe aufgrund ihrer Lage kaum betroffen. In La Laguna bildete sich die ‚ÄěJunta Suprema de Canarias‚Äú die auch in der Junta Suprema Central auf der spanischen Halbinsel vertreten war. In den verfassungsgebenden Cortes von C√°diz waren die Kanarischen Inseln wie andere Teile Festlandspaniens vertreten. Bei der Neueinteilung des K√∂nigreiches Spanien in 49 Provinzen im Jahr 1833 stand die Provinz Santa Cruz de Tenerife, die damals noch alle Kanarischen Inseln umfasste, in einer Reihe mit den Provinzen der Halbinsel. Die Provinz Santa Cruz de Tenerife war, bei den Wahlen im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, abgesehen von dem geografisch bedingten abweichenden Wahltermin, ein Wahlkreis wie alle anderen Provinzen.

W√§hrend der Zeit der Zweiten Republik wurden verschiedene Autonomiestatute f√ľr die Kanarischen Inseln entworfen von denen aber keines bis 1937 in Kraft treten konnte. W√§hrend des Spanischen B√ľrgerkriegs kam es auf den Kanarischen Inseln nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Sehr viele Anh√§nger der gew√§hlten Regierung und Gegner der franquistischen Putsches wurden in besonders hierf√ľr eingerichteten Lagern interniert. Viele wurden ermordet bzw. verschwanden. W√§hrend des Zweiten Weltkrieges waren die Inseln von nahezu allen wirtschaftlichen Beziehungen abgeschnitten. Sowohl die deutsche Wehrmacht als auch die Alliierten hatten Pl√§ne die Inseln als St√ľtzpunkt zu besetzen. Nach dem Tod Francisco Francos beschloss das Spanische Parlament 1982, wie f√ľr die anderen Comunidades Aut√≥nomas, f√ľr die Kanarischen Inseln ein erstes Autonomiestatut (√§hnlich einer deutschen Landesverfassung). Die ‚ÄěComunidad Aut√≥noma de Canarias‚Äú ist heute eine der 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens. Am 30. Mai 1983 trat das erste Parlament der Comunidad Aut√≥noma de Canarias zusammen. Der 30. Mai, der D√≠a de Canarias, ist seitdem der Feiertag der Kanarischen Inseln.

Migranten aus Afrika

Die Inseln wurden und werden von Migranten aus Afrika mit Booten angesteuert; dabei queren sie den Kanarenstrom. 2005 waren es nach Angaben des spanischen Innenministeriums 4.751 Menschen. Im Jahr 2006 waren es fast 32.000 Migranten (Cayuco-Krise); im September wurden erstmals auch asiatische Migranten aufgegriffen. 2007 waren es etwa 10.000 illegale Migranten. Durch verschiedene Ma√ünahmen (wie Patrouillenboote und Abschiebevereinbarungen) wurde die Zahl der Fl√ľchtlinge im Jahr 2016 auf 663 Menschen reduziert.

Von Januar bis November 2020 sind mehr als 18.000 Migranten auf den Kanaren gelandet; jeden Tag kommen Hunderte neue an. Sie starteten in Marokko, Mauretanien oder Senegal; einige stechen im 2400 km entfernten Gambia in See. Die COVID-19-Pandemie gilt als ein Push-Faktor der Migration.

Wappen und Symbole

Wappen

Das Wappen zeigt im blauen Wappenschild zweimal drei pfahlweise gestellte silberne Dreiecke und ein Dreieck im Schildfu√ü, die die sieben Hauptinseln symbolisieren. Eine goldene Krone ruht auf dem Schild, dar√ľber im schwebenden silbernen Band die Devise in Majuskeln ‚ÄöOc√©ano‚Äė.

Schildhalter sind zwei braune Hunde mit blauem Halsband. Dem Wappen fehlt das Postament.

Flagge

Die Flagge der Kanarischen Inseln wurde 1982 im Artikel 6 des Autonomiestatutes der Comunidad Aut√≥noma de Canarias festgelegt: ‚ÄěDie Flagge der Kanaren besteht aus drei gleichen, senkrechten Streifen. Die Farben sind, vom Flaggenmast aus gesehen, Wei√ü, Blau und Gelb.‚Äú

Hymne

Ein mit Arrorr√≥ betiteltes St√ľck aus Teobaldo Powers Orchesterwerk Cantos Canarios ist seit 2003 die Melodie der offiziellen Hymne der autonomen Gemeinschaft der Kanarischen Inseln. Der Text stammt von Benito Cabrera.

Offizielle Symbole

Im Jahr 1991 hat die Regierung der Kanarischen Inseln den Kanarengirlitz (Serinus canaria) und die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) zu Symbolen der Kanarischen Inseln erklärt.

Regierung und Verwaltung

Vertretung der Kanarischen Inseln im Parlament in Madrid (Cortes Generales)

Das gesamtspanische Parlament in Madrid (Cortes Generales) besteht aus zwei Kammern: dem Abgeordnetenhaus (350 Sitze) und dem Senat (266 Sitze).

  • Abgeordnetenhaus: Die Bev√∂lkerung der Kanarischen Inseln ist im Abgeordnetenhaus (Congreso de los Diputados) in Madrid durch 15 Abgeordnete vertreten. Im Wahlkreis, der die Provinz Las Palmas de Gran Canaria umfasst, werden acht Abgeordnete, im Wahlkreis, der die Provinz Santa Cruz de Tenerife umfasst, werden sieben Abgeordnete in einer Listenwahl nach dem Verh√§ltniswahlrecht gew√§hlt.
  • Senat: Bei den Wahlen zum Senat w√§hlen die Bewohner der Inseln Gran Canaria und Teneriffa je drei Senatoren, die von Fuerteventura, La Gomera, El Hierro, Lanzarote und La¬†Palma je einen Senator in einer direkten Verh√§ltniswahl. Drei weitere Senatoren werden vom Parlament der Autonomen Gemeinschaft der Kanarischen Inseln bestimmt.

Autonome Gemeinschaft der Kanarischen Inseln

Parlament

Im Artikel 39 des Autonomiestatutes der Kanarischen Inseln vom November 2018 wurde das Wahlsystem zur Wahl des Parlamentes neu geregelt. Der erste Zusatzartikel des Statutes bestimmt das Wahlverfahren bis zum Inkrafttreten eines neuen Wahlgesetzes.

Wahlverfahren nach dem Autonomiestatut von 1982

Die Kanarischen Inseln haben ein Einkammerparlament. Wahlberechtigt sind alle volljährigen Spanier, die auf dem Gebiet der Kanarischen Inseln mit Erstwohnsitz gemeldet sind. Das Parlament wird in allgemeinen, direkten, gleichen, freien und geheimen Wahlen beschickt. Wahlkreise sind die einzelnen Inseln. Innerhalb dieser Wahlkreise werden die Abgeordneten in einer Verhältniswahl bestimmt. Nach dem Autonomiestatut muss das Parlament 50 bis 70 Abgeordnete haben.

Die Inseln entsenden entsprechend ihrer Einwohnerzahl unterschiedlich viele Abgeordnete in das Parlament:

  • Teneriffa und Gran Canaria je 15
  • La Palma und Lanzarote je 8
  • Fuerteventura 7
  • La Gomera 4
  • El Hierro 3

Bei der Sitzverteilung werden nur die Parteien ber√ľcksichtigt, auf die auf der jeweiligen Insel mindestens 30¬†% oder aber auf den Kanaren insgesamt mindestens 6¬†% der Stimmen entfallen sind.

Der Sitz des Parlaments ist in Santa Cruz de Tenerife.

Parlament seit 2015

Bei der Wahl vom 24.¬†Mai 2015 haben 931.876 W√§hler von 1.661.272 Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, was einer Wahlbeteiligung von 56,1¬†% entspricht. Es formte sich eine Regierungskoalition aus Coalici√≥n Canaria ‚Äď Partido Nacionalista Canario (CC-PNC) und PSOE die aus folgender Sitzverteilung resultiert:

Regierung

Die Regierung der Kanarischen Inseln besteht aus dem Präsidenten (Presidente del Gobierno), dem Vizepräsidenten und den Ministern (Consejeros).

Der Pr√§sident wird vom Parlament gew√§hlt. Er muss Mitglied des Parlaments sein und wird nach der Wahl vom K√∂nig ernannt. Der Pr√§sident ernennt und entl√§sst den Vizepr√§sidenten und die √ľbrigen Regierungsmitglieder. Der Vizepr√§sident muss Mitglied des Parlamentes sein. Die Zahl der Regierungsmitglieder ist auf elf begrenzt.

Der Sitz des Präsidenten wechselt mit jeder Legislaturperiode des Parlamentes. In der Zeit von 2015 bis 2019 ist der Sitz Las Palmas de Gran Canaria, der des Vizepräsidenten Santa Cruz de Tenerife.

Regierung seit 2015

Pr√§sident der Autonomen Gemeinschaft der Kanarischen Inseln ist seit 2015 Fernando Clavijo Batlle von der regionalen Partei Coalici√≥n Canaria (CC). Nach den Wahlen am 24.¬†Mai 2015 bildete die Coalici√≥n Canaria ‚Äď Partido Nacionalista Canario mit der PSOE eine Koalitionsregierung:

Provinz

Im Jahr 1927 wurden die seit 1833 bestehende Provinz Santa Cruz de Tenerife (Provinzen wurden √ľblicherweise nach der Provinzhauptstadt benannt) aufgeteilt und damit eine neue Provinz Las Palmas de Gran Canaria geschaffen. √úber diesen beiden Provinzen gab es auf den Kanarischen Inseln keine √ľbergeordnete Verwaltungseinheit. Die Regierung in Madrid war in beiden Provinzen durch einen Zivilgouverneur vertreten.

Die Verfassung des K√∂nigreichs Spanien von 1978 sieht in Artikel¬†141 Provinzen grunds√§tzlich als Verwaltungseinheiten mit einem Provinzialrat und eigener Provinzverwaltung vor. Im Absatz¬†4 des Artikels wird allerdings f√ľr die ‚Äěarchipi√©lagos‚Äú, also f√ľr die Balearischen Inseln und die Kanarischen Inseln, die Bildung von Inselregierungen (‚ÄěConsejos‚Äú bzw. ‚ÄěCabildos‚Äú) bestimmt. Daraus ergibt sich, dass die Einteilung der Kanarischen Inseln in Provinzen nahezu bedeutungslos ist, da es keine Provinzverwaltungen gibt. Die Provinzen sind weiterhin Wahlkreise bei der Wahl zum gesamtspanischen Parlament (Cortes Generales).

Die autonome Gemeinschaft der Kanaren besteht aus zwei Provinzen:

Cabildo Insular

Die Verfassung von 1978 sieht f√ľr die Kanarischen Inseln Cabildos Insulares als auf die einzelnen Inseln begrenzte Regierungs-, Verwaltungs- und Repr√§sentationsorgane vor. Die Cabildos werden in allgemeinen Wahlen gew√§hlt.

Stadt

Die Verfassung von 1978 garantiert die Selbständigkeit der Städte. Das Rathaus (Ayuntamiento) besteht aus der Ratsversammlung (Pleno) und der Stadtregierung (Junta de Gobierno Local).

Die Ratsversammlung wird in allgemeiner, gleicher, freier, direkter und geheimer Wahl beschickt. Bei dieser Wahl sind auch B√ľrger der Europ√§ischen Union wahlberechtigt, wenn sie mit ihrem ersten Wohnsitz in der Gemeinde gemeldet sind (sogenannte Residentes). Der B√ľrgermeister ist Vorsitzender der Ratsversammlung (Presidente del Ayuntamiento).

Die Stadtregierung besteht aus dem B√ľrgermeister und seinen Stellvertretern, die Ratsmitglieder sein m√ľssen, und weiteren Mitgliedern. Die Stadtregierung (Junta de Gobierno) leitet die Stadtverwaltung.

Die Städte der Kanarischen Inseln sind sehr unterschiedlich groß: Von 8,73 km² (Puerto de la Cruz) bis zu 383,52 km² (Pájara) und von 770 Einwohnern (Betancuria) bis zu 381.271 Einwohnern (Las Palmas de Gran Canaria). Daraus ergibt sich eine sehr unterschiedlich Bedeutung der Aktivitäten der Ayuntamientos.

Außenpolitische Beziehungen

Alle wichtigen L√§nder der Welt sind mit Konsulaten vertreten, von denen einige dar√ľber hinaus ein Wirtschafts- und Handelsb√ľro unterhalten.

Wirtschaft

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der kanarischen Wirtschaft betrug im Jahr 2007 rund 42,4¬†Mrd. Euro. Rund 71¬†% davon wurden im Dienstleistungssektor (inklusive Tourismus) erwirtschaftet, gefolgt vom Baugewerbe (4,7¬†Mrd.), Industrie und Handel (1,7¬†Mrd.), Energie (1,1¬†Mrd.) sowie Landwirtschaft, Viehwirtschaft und Fischerei (0,5¬†Mrd.). Im Vergleich mit dem BIP pro Kopf der EU, ausgedr√ľckt in Kaufkraftstandards, erreichen die Kanarische Inseln einen Index von 74 (EU-28:100, Stand 2015).

Insgesamt wuchs das kanarische BIP von 2006 auf 2007 um 7,17 %.

Auf den Inseln gibt es Zweigstellen der wichtigsten spanischen und einiger ausländischer Banken.

Personen, auch EU-Ausl√§nder, die auf den Kanaren mit Erstwohnsitz gemeldet sind, erhalten mit ihrer Meldebescheinigung Verg√ľnstigungen, wie beispielsweise Erm√§√üigungen auf interinsul√§re Fl√ľge und F√§hren sowie f√ľr Fl√ľge auf das spanische Festland und die Balearen.

Landwirtschaft

Vor dem Aufkommen des Massentourismus in den 1960er Jahren lebten die Kanarios vor allem von Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei. Dieser Wirtschaftszweig spielt heute, gemessen am BIP, eine vergleichsweise geringe Rolle.

Der Gro√üteil der landwirtschaftlichen Produktion wird durch den Anbau von Bananen erzielt; weitere nennenswerte Erzeugnisse sind Tomaten, Gurken, Schnittblumen, Kartoffeln und Wein. Es werden aber auch andere S√ľdfr√ľchte wie Clementinen, Zitronen, Papaya und Mango angebaut. Die gesamte landwirtschaftliche Nutzfl√§che im Jahr 2006 belief sich auf 51.867¬†Hektar.

Tourismus

Der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig ist der Tourismus. Die wichtigsten touristischen Zentren befinden sich auf Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote. Im Jahr 2007 wurden rund 14,2 Mrd. Euro, also 31,09¬†% des BIP in der Tourismusbranche umgesetzt (2006: 13,5¬†Mrd.). Die Zahl der G√§ste ging von 2006 auf 2007 um 6,6¬†% auf rund 9,33 Millionen zur√ľck. Die weitaus meisten Touristen kommen aus Gro√übritannien, gefolgt von Deutschland, den Niederlanden und Irland; davon reisten 3.410.165 nach Teneriffa, 2.713.728 nach Gran Canaria, 1.471.979 nach Fuerteventura und 1.618.335 nach Lanzarote.

Im Jahr 2012 sank die Zahl der Besucher vom spanischen Festland aufgrund der Wirtschaftskrise um rund 2,1 %. Insgesamt waren es mit 10.101.493 Touristen jedoch nur 0,4 % weniger Gäste. Im Jahr 2014 entspannte sich diese Lage wieder. Doch noch immer werden die Kanaren von 0,7 % weniger Festland-Spaniern besucht als vor der Krise. Bei Kreuzfahrern ist der Trend deutlich positiver: Allein Teneriffa verzeichnete mit 301 Schiffen und 545.000 Kreuzfahrern 2014 erneut einen Rekord. Insgesamt wurden die Kanarischen Inseln im Jahr 2014 von 11,4 Millionen ausländischen Besuchern besucht. Dies entspricht einem Plus von 8 % im Vergleich zum Vorjahr.

Anzahl der Touristen nach Destination

Industrie, Bauwirtschaft und Energie

Die Industrie konzentriert sich haupts√§chlich auf die Energie- und Wasserwirtschaft, aber auch auf Lebensmittel-, Tabak- und andere Leichtindustrien. Insgesamt ging die Industrieproduktion im Jahr 2007 um 0,3¬†% zur√ľck (2006: ‚ąí1,48¬†%). Das Baugewerbe steht mit einem Anteil von 11,2¬†% am BIP an zweiter Stelle nach dem Dienstleistungssektor. Die Anzahl der Baugenehmigungen ist von 2006 auf 2007 von 5.053 auf 4.012 zur√ľckgegangen.

Außenhandel

Der wichtigste Handelspartner der Kanaren ist die Europ√§ische Union, und hier besonders Spanien. Das Au√üenhandelsdefizit der Kanaren betrug im Jahr 2007 rund 14¬†Mrd. Euro; der gr√∂√üte Teil davon, rund 10¬†Mrd., ist auf Importe aus Spanien zur√ľckzuf√ľhren.

Arbeitsmarkt und Beschäftigung

Die Arbeitslosenquote lag im Oktober 2014 bei 33,36 %, womit sie sich seit 2007 verdreifacht hatte, aber im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent gefallen war. Zum Ende des Jahres 2013 stieg die Anzahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr um 3,81 % und 10.862 Personen, was die Arbeitslosenquote erstmals seit 1997 reduzierte. Bis 2017 sank die Arbeitslosenquote auf 23,5 %.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist auf den Kanaren die h√∂chste in Europa. Sie lag 2013 bei den 16- bis 24-J√§hrigen bei rund 70¬†Prozent. Dabei lie√üen sich etwa 44.000 Jugendliche in den Arbeits√§mtern der beiden Provinzen aufgrund der Perspektivlosigkeit gar nicht mehr registrieren. Viele versuchen im Ausland, haupts√§chlich in Deutschland und S√ľdamerika, Fu√ü zu fassen.

Laut Nationalem Statistikamt (INE) betrug das Brutto-Monatsgehalt eines Arbeitnehmers auf den Kanaren im Jahr 2006 durchschnittlich 1300 Euro und ist damit das zweitniedrigste spanienweit. Hinzu kommt, dass ein kanarischer Arbeitnehmer mit durchschnittlich 146,1 Monatsstunden die drittlängste Arbeitszeit des Landes hat. 2005 hatte die autonome Region Kanarische Inseln den zweithöchsten Anstieg der Arbeitslosenquote Spaniens.

Steuerliche Sonderregelungen

Seit Januar 2000 existiert die Sonderzone ZEC (Zona Especial Canaria), die zun√§chst bis 31.¬†Dezember 2008 von der Europ√§ischen Union genehmigt war, und im Januar 2007 von der EU bis ins Jahr 2019 verl√§ngert wurde. Diese von der spanischen Zentralregierung und der Regionalregierung gegr√ľndete und dem spanischen Wirtschaftsministerium angegliederte Organisation hat zur Aufgabe, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Archipels zu f√∂rdern und zu erweitern, damit sie nicht nur von den vorherrschenden Wirtschaftszweigen Tourismus und Bau abh√§ngt. Deshalb gibt es sogenannte ZEC-Unternehmen, die sich zu bestimmten Investitionen und zur Schaffung von Arbeitspl√§tzen verpflichten, und somit beispielsweise von einem reduzierten Satz der spanischen K√∂rperschaftsteuer von nur vier Prozent profitieren k√∂nnen (normal in Spanien 30¬†%). Auf den Inseln Gran Canaria und Teneriffa ist eine Mindestinvestition von 100.000¬†Euro und die Schaffung von f√ľnf Arbeitspl√§tzen Voraussetzung, auf den anderen Inseln mit geringerer Wirtschaft sind es 50.000¬†Euro und drei Neueinstellungen. Eine Hauptaufgabe der ZEC ist es, ausl√§ndisches Kapital auf die Kanaren zu holen. Bereits √ľber 78¬†% der Investitionen im Niedrigsteuergebiet stammen aus dem Ausland, davon √ľber 13¬†% aus Deutschland, was damit nach Spanien zum gr√∂√üten Investor unter den zugelassenen ZEC-Unternehmen wurde.

Im Gesetz √ľber die wirtschaftlichen und steuerlichen Regelungen der Kanaren vom 22. Juli 1972 wurde eine vom Festland abweichende Mehrwertsteuer eingef√ľhrt. Diese abweichende Steuer wurde auch nach dem Beitritt Spaniens zur EU beibehalten. Nach der √Ąnderung im Jahr 2019 gibt es sieben verschiedene Steuers√§tze:

  • Tipo cero = 0¬†% Dieser Satz gilt unter anderem f√ľr alle Arten von Brot und nicht verarbeitete Lebensmittel (Obst, Gem√ľse, Fleisch, Fisch, Milch und K√§se, Eier), Speise√∂l, Nudeln, elektrische Energie, Wasserversorgung, Medikamente der Humanmedizin, B√ľcher, Zeitungen, Zeitschriften.
  • Tipo de gravamen reducido del 2,75 por ciento = 2,75¬†% Dieser Satz gilt f√ľr die Renovierungsarbeiten an bestimmten H√§usern.
  • Tipo de gravamen reducido del 3 por ciento =3% Dieser Satz gilt unter anderem f√ľr die Herstellung, den Transport und die Verteilung von elektrischer Energie und Gas, Textilien und Schuhe, Papier und Papierprodukte, Medikamente der Veterin√§rmedizin.
  • Tipo general del 6,5 por ciento = 6,5¬†% Dieser Satz gilt f√ľr alle Einnahmen, die nicht durch gesonderte Regelungen des Gesetzes erfasst sind. Es ist der Normalsteuersatz.
  • Tipo incrementado del 9,5 por ciento = 9,5¬†% Dieser Satz gilt unter anderem f√ľr Arbeiten bei der Beladung von Schiffen und Flugzeugen.
  • Tipo de gravamen incrementado del 13,5 por ciento = 13,5¬†% Dieser Satz gilt unter anderem f√ľr Zigarren, die mehr als 1,80¬†‚ā¨ das St√ľck kosten und f√ľr verschiedene alkoholhaltige Getr√§nke, Gewehre und Jagdmunition, Perlen und Edelsteine.
  • Tipo de gravamen incrementado del 20 por ciento = 20¬†% Dieser Satz gilt f√ľr Tabakwaren au√üer Zigarren.

Kleinunternehmen mit einem Umsatz unter 30.000 ‚ā¨ pro Jahr sind von der Steuerpflicht ausgenommen. Dar√ľber hinaus gelten auf den Kanaren andere Steuers√§tze unter anderem bei der Mineral√∂lsteuer, der Tabaksteuer und der Branntweinsteuer. Die Erbschaftssteuer ist in allen autonomen Gemeinschaften unterschiedlich geregelt.

Infrastruktur

Der Archipel ist rund zwei Flugstunden von der iberischen Halbinsel und etwa vier Flugstunden von Mitteleuropa entfernt. Es gibt Direktfl√ľge in die wichtigsten St√§dte Spaniens, Europas und Lateinamerikas. Jede Insel besitzt inzwischen einen eigenen Flughafen:

  • Flughafen Teneriffa Nord
  • Flughafen Teneriffa S√ľd
  • Flughafen Gran Canaria
  • Flughafen La Palma
  • Flughafen Lanzarote
  • Flughafen El Hierro
  • Flughafen La Gomera
  • Flughafen Fuerteventura

W√§hrend die Flugh√§fen von La Gomera und El Hierro nur Interinsularfl√ľge abwickeln, verf√ľgen die anderen Inseln √ľber internationale Flugh√§fen. Dabei z√§hlen die Flugh√§fen Teneriffa S√ľd und Gran Canaria zu den verkehrsreichsten Spaniens. Untereinander sind die Inseln durch zahlreiche Fluglinien verbunden. Diese werden haupts√§chlich von der in Telde auf Gran Canaria ans√§ssigen kanarischen Fluggesellschaft Binter Canarias √ľbernommen. Eine weitere, im Jahre 2001 gegr√ľndete, kanarische Fluggesellschaft war Islas Airways, die ihren Flugbetrieb 2012 eingestellt hat.

Zwischen den Inseln verkehren F√§hren, unter anderem der Reedereien Fred. Olsen Express, Compa√Ī√≠a Trasmediterr√°nea und Naviera Armas.

Bereits von 1904 bis 1959 fuhr auf Teneriffa eine Straßenbahn. Seit März 2007 fährt als einzig schienengebundenes Verkehrsmittel der Kanaren wieder eine Straßenbahn, die Tranvia Tenerife zwischen der Hauptstadt Santa Cruz und der Universitätsstadt La Laguna. Zudem befindet sich eine Eisenbahnstrecke zwischen Santa Cruz und Adeje in Planung.

Stromversorgung

Die Stromerzeugung auf den einzelnen Kanarischen Inseln erfolgt jeweils autark. Ein Verbundnetz oder Stromverbindungen zwischen den Inseln gibt es nicht. Zwischen Teneriffa und La Gomera laufen Vorbereitungsarbeiten f√ľr die Installation eines Unterseekabels, um die Effizienz und Zuverl√§ssigkeit der Stromversorgung auf beiden Inseln zu verbessern. Die Wassertiefe des Unterseekabels betr√§gt an einigen Abschnitten 1200¬†Meter.

Den gr√∂√üten Anteil an der Stromversorgung auf den Inseln liefern fossile Kraftwerke, die sich jeweils aus einer gr√∂√üeren Anzahl von Dieselgeneratoren, Dampf- und Gasturbinen zusammensetzen. Entsprechend der Zunahme der Bev√∂lkerung und des Tourismus auf den Inseln stieg auch der Strombedarf, der schrittweise durch zus√§tzliche Stromgeneratoren kompensiert werden musste. Auf Teneriffa befinden sich an zwei Kraftwerksstandorten 23 Stromgeneratoren mit einer installierten Gesamtleistung von 1.018 MW. Auf La Palma setzt sich die installierte Kraftwerksleistung aus 11 fossil betriebenen Stromgeneratoren mit insgesamt 105 MW sowie Windkraft- und Photovoltaikanlagen mit 7 MW bzw. 5 MW zusammen. Demgegen√ľber betrug 2015 der Spitzenverbrauchswert auf La Palma 43,4 MW.

Der Gesamtanteil der erneuerbaren Energieerzeugung aus Wind- und Solaranlagen auf den Kanaren betrug 2016 7,8¬†%, der in den folgenden drei Jahren mit 280 MW zus√§tzlich installierter Leistung auf 20¬†% erh√∂ht wurde. Der h√∂chste Anteil erneuerbarer Energie an der Stromversorgung wird auf El Hierro erzielt, der im Jahr 2018 mit 25,0 GWh bei 56,7¬†% lag, gegen√ľber der fossilen Energie mit 19,2 GWh (43,3¬†%). Die Energieanteile schwanken je nach Wetterlage stark. Der monatliche Maximalwert erneuerbarer Energie lag im Juli 2018 bei 95,4¬†% und der Minimalwert lag im Oktober bei 24,7¬†%.

Stromversorgunganlagen auf den Kanarischen Inseln:

Kultur

Durch den jahrhundertelangen Kulturaustausch ist der Archipel geprägt durch eine Vermischung der Kulturen der Guanchen, Berbergruppen, europäischen Kolonialherren und der Gebräuche, die durch Handelsschifffahrt, hauptsächlich vom amerikanischen Kontinent, auf die Inseln gebracht wurden. Es gibt zahlreiche archäologische Fundstätten, deren Funde in ethnographischen und anthropologischen Museen zu sehen sind. Einzigartig ist die Pfeifsprache El Silbo, die die Ureinwohner der Kanaren entwickelten, und die heute wieder in Schulen auf La Gomera gelehrt wird.

Historische und k√ľnstlerische Monumente bringen durch ihre Architektur, Bildhauerei und Malerei die kanarische Identit√§t zum Ausdruck. Hier sind insbesondere die Werke des K√ľnstlers und Natursch√ľtzers C√©sar Manrique von der Insel Lanzarote zu erw√§hnen. Zu den Traditionen geh√∂ren Feste mit typischen Trachten und kanarischer Folklore in den einzelnen D√∂rfern, bei denen das typische Saiteninstrument der Kanaren, die Timple, wichtig ist. Religion und heidnische Riten der Ureinwohner vermischen sich. Dazu geh√∂ren der lateinamerikanisch inspirierte Karneval mit Samba-Rhythmen und vielen Farben genauso wie Hahnenk√§mpfe und der Ringkampf Lucha Canaria.

K√ľche

Die kanarische K√ľche ist stark an die spanische angelehnt mit verschiedenen Einfl√ľssen. Als Grundlage der h√§ufig einfachen Gerichte dienen Kartoffeln und H√ľlsenfr√ľchte.

Medien

Es gibt eine eigene öffentlich-rechtliche Radio- und Fernsehanstalt, TV Canaria, mit Sitz in Las Palmas de Gran Canaria, außerdem den Radiosender Radio ECCA und die Tageszeitungen Canarias7, Diario de Avisos, El Día, La Opinión de Tenerife und La Provincia (in alphabetischer Reihenfolge).

Die Kanaren sind ein wichtiger Kommunikationsknoten zwischen Europa, Afrika und Amerika¬†‚Äď dort findet sich die h√∂chste Dichte an √úberseekabeln weltweit.

Bildung

Die Kanaren verf√ľgen √ľber zwei staatliche Universit√§ten, die Universit√§t La Laguna und die Universit√§t Las Palmas de Gran Canaria, denen verschiedene Fernstudienzentren angeschlossen sind. Die Universit√§t Las Palmas de Gran Canaria wurde 1989 aus Teilen der von 1979 bis 1989 existierenden Universidad Polit√©cnica de Canarias und einigen Standorten der Universit√§t La Laguna gebildet; sie ist √ľberwiegend auf Technik, Wirtschaft und Verwaltung ausgerichtet, w√§hrend die naturwissenschaftlichen F√§cher in La Laguna konzentriert sind.

Es gibt auch zwei private Universit√§ten: die Universidad Europea de Canarias (UEC) in La Orotava auf Teneriffa ist die √§lteste Privatuniversit√§t auf dem Archipel. Die Universidad Fernando Pessoa-Canarias auf Gran Canaria bietet in erster Linie Studieng√§nge f√ľr Medien- und Gesundheitsberufe an.

Literatur

Allgemeines

  • Richard Pott, Joachim H√ľppe, Wolfredo Wildpret de la Torre: Die Kanarischen Inseln. Natur- und Kulturlandschaften. Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-3284-2 (bebilderte Darstellung der Geobotanik).

Geschichte

  • Martial Staub: Die ‚ÄöWiederentdeckung‚Äė der Kanarischen Inseln. In: Andreas Speer, David Wirmer: 1308. Eine Topographie historischer Gleichzeitigkeit (= Miscellanea Mediaevalia. Band 35). De Gruyter, Berlin 2010, ISBN 978-3-11-021874-9, S. 27‚Äď38.
  • Wolfgang Reinhard: Die Unterwerfung der Welt. Globalgeschichte der europ√§ischen Expansion 1415‚Äď2015 (=¬†Historische Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung). C. H. Beck, M√ľnchen 2016, ISBN 978-3-406-68718-1, S.¬†1648.¬†
  • Jos√© Manuel Castellano Gil, Francisco J. Mac√≠as Mart√≠n: Die Geschichte der Kanarischen Inseln. Hrsg.: C. Otero Alonso. 7. Auflage. Centro de la Cultura Popular Canaria, Santa Cruz de Tenerife, Las Palmas de Gran Canaria 2012, ISBN 978-84-7926-115-3 (√úbersetzer Ernesto J. Zinsel).¬†
  • Antonio de B√©thencourt Massieu (Hrsg.): Historia de Canarias. Cabildo Insular de Gran Canaria, Las Palmas de Gran Canaria 1995, ISBN 84-8103-056-2 (spanisch).¬†
  • Jos√© Juan Su√°rez Acosta; F√©lix Rodr√≠gez Lorenzo: Carmelo L. Quintero Padr√≥n: Conquista y colonisaci√≥n. Centro de la Cultura Popular Canaria, La Laguna 1988 (spanisch, Conquista y colonisaci√≥n [abgerufen am 20.¬†Juni 2016]).¬†
  • Luis Su√°rez Fern√°ndez: La conquista del trono (=¬†Forjadores de hist√≥ria). Ediciones Rialp, S.A., Madrid 1989, ISBN 84-321-2476-1 (spanisch).¬†

Flora und Fauna

  • Peter Sch√∂nfelder, Ingrid Sch√∂nfelder: Die Kosmos-Kanarenflora. √úber 850 Arten der Kanarenflora und 48 tropische Ziergeh√∂lze. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1997, ISBN 3-440-06037-3.
  • Martin Wiemers: The Butterflies of the Canary Islands.¬†‚Äď A Survey on their Distribution, Biology and Ecology (Lepidoptera: Papilionoidea and Hesperioidea). In: Linneana Belgica. Band 15, 1995, S.¬†63‚Äď84, 87‚Äď118 (online).

Geologie

  • Peter Rothe: Kanarische Inseln (= Sammlung Geologischer F√ľhrer. Band 81). Gebr. Borntr√§ger, Berlin/Stuttgart 2008, ISBN 978-3-443-15081-5.
  • Kaj Hoernle, Juan-Carlos Carracedo: Canary Islands Geology. In: Rosemary D. Gillespie, David A. Clague: Encyclopedia of Islands. University of California Press, Berkeley CA 2009, S.¬†133‚Äď143, ISBN 978-0-520-25649-1 (PDF; 8¬†MB).
  • Juan Carlos Carracedo, Simon Day: Canary Islands (= Classic Geology in Europe. Band 4). Terra, Harpenden 2002, ISBN 978-1-903544-07-5.
  • Vicente Arana, Juan C. Carracedo: Los Volcanes de las Islas Canarias. Editorial Rueda, Madrid 1978‚Äď1979, ISBN 84-7207-011-5 (f√ľr das Gesamtwerk).
    • Band I: Tenerife.
    • Band II: Lanzarote y Fuerteventura.
    • Band III: Gran Canaria.
    • Band IV: Gomera, La Palma, Hierro.

Kultur

  • Jos√© Carlos Delgado D√≠az: Die Folkore-Musik der Kanaren. Publicaciones Turquesa, Santa Cruz de Tenerife 2004, ISBN 84-95412-29-2.

Weblinks

  • Gobierno de Canarias. Webpr√§senz der Regionalregierung (Regierung der Autonomen Gemeinschaft Canarias).
  • Karten der Kanarischen Inseln, ausgehend von Satellitenbildern (interaktiv)
  • Carlos M√ľller: Die Kanarischen Inseln. (private Website des Buchautors Carlos M√ľller zur Geschichte der Kanarischen Inseln)
  • Scientific Voyages to the Canary Islands in the Eighteenth and Nineteenth Centuries. Digitalisierungsprojekt der HU Berlin (englisch)

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westlichster Punkt: -18.0436710
östlichster Punkt: -15.3506469


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Die Länge der Grenze
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