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Region Informationen Region: Korsika

Informationen:


Korsika (korsisch und italienisch Corsica, französisch Corse) ist die nach Sizilien, Sardinien und Zypern viertgrĂ¶ĂŸte Insel im Mittelmeer. Sie besteht zu einem großen Teil aus einem Hochgebirge und liegt westlich der Apenninhalbinsel, nördlich von Sardinien und sĂŒdöstlich der CĂŽte d’Azur. Die Insel ist eine französische Gebietskörperschaft mit Sonderstatus. Sie liegt deutlich nĂ€her an Italien als am französischen Festland.

Sie hat eine FlĂ€che von 8.760 kmÂČ und rund 340.440 Einwohner (Stand 1. Januar 2019). Hauptstadt und Verwaltungssitz ist die Hafenstadt Ajaccio. Weitere grĂ¶ĂŸere StĂ€dte am Meer sind Bastia und Calvi sowie im Inselinneren die UniversitĂ€tsstadt Corte. Korsika wird im Französischen auch als Île de BeautĂ© (Insel der Schönheit) bezeichnet.

Geografie

Korsika ragt als imposante Gebirgslandschaft stellenweise aus 2500 m Meerestiefe empor. 24 km von der WestkĂŒste entfernt erreicht die Insel im Massiv des Monte Cinto (2706 m) ihre höchste Erhebung. Die GelĂ€ndemorphologie ermöglicht einzigartige Ausblicke und gab Korsika den Beinamen „Gebirge im Meer“. Aufgrund der zahlreichen Buchten, insbesondere auf der Westseite der Insel, hat Korsika eine ĂŒber 1000 km lange KĂŒste. Ein Drittel davon besteht aus StrĂ€nden, der Rest ist felsig.

Lage

Korsika liegt zwischen 43° 01â€Č und 41° 22â€Č nördlicher Breite und 9° 34â€Č und 8° 33â€Č östlicher LĂ€nge. Die Insel wird im Norden vom Ligurischen Meer, im Osten und SĂŒden vom Tyrrhenischen Meer und im Westen vom westlichen Mittelmeer begrenzt. Von Norden (Cap Corse) bis SĂŒden (Capo Pertusato) misst die Insel 183 km, von Osten (Alistro) nach Westen (Capo Rosso) 83 km.

Die Entfernung nach Frankreich (Nizza) betrĂ€gt 180 km, die Italienische Halbinsel ist 83 km (Livorno) und die italienische Insel Sardinien im SĂŒden nur 12 km entfernt.

Gebirge

Zum Großteil besteht die Insel aus einem Hochgebirge im Westen und einem Mittelgebirge im Osten. Etwa 86 % der Insel sind Bergland und nur 14 % KĂŒstentiefland. Lediglich die OstkĂŒste besitzt einen ebenen Streifen, der an manchen Stellen bis zu 10 km breit ist. Korsika hat eine durchschnittliche Höhe von 568 m (Sardinien: 344 m, Sizilien: 441 m). Auf Korsika befinden sich mehr als 50 Berge mit einer Höhe von mehr als 2000 m.

Das Grundgebirge im Westen besitzt einen von Nordwesten nach SĂŒdosten ziehenden ĂŒber 2000 m hohen, meist gratförmigen Hauptkamm mit S-förmigem Verlauf und zeigt typischen Hochgebirgscharakter. Vom Hauptkamm aus, der gleichzeitig die Wasserscheide bildet, laufen zahlreiche steil abfallende SeitenkĂ€mme und SeitentĂ€ler hinunter bis zur buchtenreichen WestkĂŒste. Der Hauptkamm wird auf seiner ganzen LĂ€nge durch den Weitwanderweg GR 20 (im Regionalen Naturpark Korsika) durchquert.

Unmittelbar im Hauptkamm befinden sich die beiden höchsten Berge der Insel:

  • Monte Cinto (2706 m)
  • Monte Rotondo (2622 m).

ErwĂ€hnenswert sind ferner die schroffen FelstĂŒrme der Aiguilles de Bavella, die auch als korsische Dolomiten bezeichnet werden, obwohl sie im Gegensatz zu den Dolomiten aus Graniten aufgebaut sind. Der Hauptkamm wird von insgesamt vier GebirgspĂ€ssen durchquert (Col de Bavella, Col de Verde, Col de Vergio, Col de Vizzavona), von denen der Col de Vergio mit einer Höhe von 1470 m der höchste und der Col de Vizzavona (1163 m) der verkehrsreichste ist. Weitere Passstraßen erschließen in ĂŒber 1000 m Höhe die SeitenauslĂ€ufer.

Nach SĂŒden hin nimmt die Schartenhöhe des Reliefs deutlich ab. Am SĂŒdende bei Bonifacio trifft man großflĂ€chig sedimentierte Dolomitkalke an, die vermutlich durch sekundĂ€re Dolomitisierung von Kalkschlamm marinen Ursprungs entstanden. Die verkarsteten Kalkfelsen von Bonifacio sind sowohl von den Gezeiten als auch von StĂŒrmen eindrucksvoll gezeichnet.

Geologie

Korsika entstand wie die Alpen im TertiĂ€r und besteht zu zwei Dritteln aus einem kristallinen Granitsockel, vor allem im Westen und SĂŒden; man spricht daher vom „kristallinen Korsika“. Der Nordosten, das „alpine Korsika“, besteht ĂŒberwiegend aus Schiefern, die sich aus Meeressedimenten gebildet haben, und Schwemmland. Die Grenze dazwischen verlĂ€uft ungefĂ€hr entlang einer Linie von Saint-Florent im Norden ĂŒber Corte in der Inselmitte bis Sari-Solenzara im SĂŒdosten. Die Gesteine des Hauptkamms bestehen ĂŒberwiegend aus variszischen Graniten und Vulkaniten, wie Rhyolith und Quarzporphyr, aus dem Karbon bis Perm. Das östlich gelegene „alpine“ Schiefergebirge bleibt mit seinen Gipfelhöhen deutlich unter 2000 m und besitzt damit den Charakter eines Mittelgebirges. Es besteht aus untermeerisch abgelagertem und spĂ€ter gefaltetem Schiefer (Tonschiefer, Glanzschiefer, metamorphe Ophiolithe), dessen Entstehung auf die gewaltigen Landmassenbewegungen wĂ€hrend der Auffaltung der Alpen in der geologischen Epoche des EozĂ€n zurĂŒckgeht. Stellenweise weist der Tonschiefer fein verteilte Pyrit­einschlĂŒsse auf. Die Glanzschieferdecke ist weniger klastisch geprĂ€gt und enthĂ€lt dafĂŒr zahlreiche Radiolaritvorkommen.

Ganz im Nordosten gibt es auch noch vereinzelt junge Vulkanite der Korsischen Magmenprovinz, an die weiter östlich die Toskanische Magmenprovinz (inkl. Elba) anschließt.

WĂ€hrend der Hochzeit der letzten Eiszeit des PleistozĂ€ns, also vor 30.000 bis 20.000 Jahren, war Korsika stark vergletschert. Als Überbleibsel dieser Zeit finden sich in den Bergen Kare, die zum Teil mit Wasser gefĂŒllte Karseen bilden, und zahlreiche durch Gletscher geformte TĂ€ler mit EndmorĂ€nen. In den Zungenbereichen der ehemaligen Gletscher liegen noch ausgedehnte Schutt- und Geröllhalden, die nicht selten bis in die Sommermonate hinein von abfließendem Schmelzwasser durchströmt werden.

Geologisch interessant ist der KĂŒstenabschnitt im Westen zwischen Porto und Piana, der als „Calanche de Piana“ und fĂŒr seine Tafoni-Verwitterungen bekannt ist. Die wissenschaftliche Bezeichnung Tafone wurde der korsischen Sprache entlehnt.

StÀdte

Die bevölkerungsreichsten StÀdte Korsikas sind:

Die HauptstĂ€dte der beiden frĂŒheren DĂ©partements waren Ajaccio (die Geburtsstadt Napoleons) an der WestkĂŒste und die Hafenstadt Bastia im Nordosten. Calvi im Nordwesten ist eine weitere wichtige Hafenstadt. In Corte, der frĂŒheren Hauptstadt im Zentrum der Insel, befindet sich der Sitz der UniversitĂ€t Pascal Paoli Korsika.

Weitere bedeutende StĂ€dte im SĂŒden sind:

  • Bonifacio (Bunifaziu): sĂŒdlichste Stadt Korsikas
  • SartĂšne (SartĂš): gilt als die „korsischste aller korsischen StĂ€dte“

Politische Gliederung

Bereits von 1793 bis 1811 war die Insel in zwei DĂ©partements gegliedert, Golo und Liamone. Die beiden DĂ©partements der Region Corse bestanden seit dem 1. Januar 1976 und wurden am 1. Januar 2018 fĂŒr die AusĂŒbung staatlicher Kompetenzen abgeschafft. Die beiden DĂ©partements selber blieben aber als statistische Einheiten bestehen.

Klima

Übersicht

Auf Korsika herrscht ein typisches Mittelmeerklima: Heiße, trockene Sommer und milde, feuchte Winter. Dabei wirkt im Winter das Mittelmeer (13–24 °C) als WĂ€rmespeicher. Aufgrund der hohen Berge und der starken Winde gibt es auf Korsika allerdings einige Abweichungen.

Die Niederschlagsmenge ist abhĂ€ngig von der Höhe. Auf 2000 m Höhe ist der Niederschlag etwa viermal so stark wie an der KĂŒste, wo im Sommer fast kein Regen fĂ€llt. Sommerliche GewittergĂŒsse lassen nur kurz die FlĂŒsse anschwellen. Korsika hat mit etwa 2750 Stunden mehr Sonnenschein als das französische Festland.

Die Winter sind an der KĂŒste mit Tagestemperaturen um 12 °C recht mild, wenn auch gelegentlich Nachtfrost auftritt. Im höheren Bergland gibt es regelmĂ€ĂŸig SchneefĂ€lle und geschlossene Schneedecken, wobei Wintersport bis ins FrĂŒhjahr durchaus möglich ist. Das FrĂŒhjahr ist mit Werten zwischen 15 und 20 °C recht angenehm, wobei es nachts noch recht frisch werden kann. Ab Juni steigt die Temperatur jedoch auf Werte von 25 °C und mehr. Im Juli und August ist es mit rund 30 °C heiß, allerdings kĂŒhlt es nachts auf um die 20 °C ab. Auch im Sommer ist auf den hohen Bergen noch oft Schnee zu sehen. Der Herbst ist mit rund 20 °C wieder wesentlich angenehmer, jedoch können wie im FrĂŒhling die NĂ€chte deutlich kĂŒhler (teils unter 10 °C) werden.

Die Extremwerte in Ajaccio liegen bei −8,1 °C im Januar und +40,5 °C im August.

Im Zeitraum 1981–2010 wurde die höchste mittlere Jahrestemperatur von ganz Metropolitan-Frankreich an der Messstation in Sari-Solenzara im SĂŒdosten Korsikas gemessen: 16,41 °C. Die tiefste je gemessene Temperatur an dieser Station betrug −5,9 °C am 7. MĂ€rz 1971. Die höchste Temperatur betrug 39,9 °C, gemessen am 4. Juli 1965.

Winde auf Korsika

Die in den Sommermonaten am hÀufigsten wehenden Winde:

  • Nord: Tramontana, kalt und trocken; von jenseits der Alpen
  • Nordwest: Mistral (Maestrale), kalt und trocken; bringt klare Sicht
  • Nordost: Grecale, feucht und schwĂŒl
  • Ost: Levante, warm und feucht; ist verantwortlich fĂŒr die DĂŒnen­bildung und die Entstehung der Lagunen an der OstkĂŒste
  • SĂŒdost: Scirocco, feucht und heiß; bringt GewitterstĂŒrme
  • SĂŒdwest: Libeccio (Libecciu), weht am hĂ€ufigsten, mĂ€ĂŸig stark, große Temperaturschwankungen; sagt Regen voraus
  • West: Poniente: sehr selten, heiß

ZusÀtzlich gibt es auch Land- und Seewinde, die sich aufgrund der unterschiedlich starken tageszeitlichen ErwÀrmung ergeben:

  • Die Seebrise Mezziornu setzt etwa zwei bis vier Stunden nach Sonnenaufgang ein, erreicht ihren Höhepunkt zwischen 13 und 14 Uhr und endet ein bis zwei Stunden vor Sonnenuntergang.
  • Die Landbrise Terranu weht in der Nacht und trĂ€gt hĂ€ufig den Duft der Macchia ins Meer hinaus.

Bei einer Fahrt entlang der KĂŒste sollte man immer im Hinterkopf haben, dass der Wind von einem Kap zum anderen aus unterschiedlicher Richtung und in unterschiedlicher StĂ€rke wehen kann. Die steil aufragenden Berge verursachen besonders dort, wo sie direkt aus dem Meer aufsteigen, eine starke Kreuzsee. Bei schwerem Seegang erreicht diese enorme Ausmaße und glĂ€ttet sich erst weit draußen auf dem offenen Meer.

Gezeiten und WasserstÀnde

Wie ĂŒberall auf der Erde treten auch im westlichen Mittelmeer gleiche Gezeiten in AbstĂ€nden von knapp zwölfeinhalb Stunden auf. Der Tidenhub an der KĂŒste Korsikas betrĂ€gt bei Springtide 30 cm, bei Nipptide 10 cm. Abweichungen zwischen Morgen- und Abendpegel können bis zu 10 cm betragen. Winde erhöhen oder vermindern, je nach Richtung, den Wasserstand erheblich.

Vegetation

Höhenstufen

Mediterrane Stufe (0–900/1000 m)
  • Eumediterraner Olivenbaum-Johannisbrotbaum-Wald (Olea europaea ssp. sylvestris-Ceratonia siliqua), fragmentarisch.
  • Tiefmediterraner Hartlaubwald mit Steineiche und Korkeiche, lokal Pinie, Aleppo-Kiefer auf kalkreichen Standorten, sekundĂ€r tiefmediterrane Macchie.
  • Hochmediterraner Steineichen-Pinien-Wald, hochmediterrane Macchia.
Submediterrane Stufe
  • Tiefere hoch- bis submediterrane Übergangsstufe (600–1100 m) mit Edelkastanie (anthropogen, meist in Selven) und regelmĂ€ĂŸig Steineiche, kleinflĂ€chig Flaumeiche und Traubeneichen-Wald.
  • Mittlere bis höhere Stufe (900–1400/1800 m) mit Schwarzkiefern-Wald.
Mediterran-montane Stufe (1100–1800 m)
  • Tieferer Rotbuchen-Wald.
  • Höherer Weiß-Tannen-Wald.
Waldfreie hochmontane Stufe (1600–2000 m)
  • Subalpine Schattseiten mit GrĂŒn-Erlen-GebĂŒschen.
  • Hochmontane Sonnseite mit Zwerg-Wacholder-Salzmanns-Ginster-Ätna-Berberitzen-Heide.
Alpine (Nordseiten) bis kulminale (Sonnseiten) Stufe (2000–2700 m)
  • GebĂŒsche, Grasheiden, Schutt- und Felsengesellschaften.

Macchia

Die Macchie, auf Korsisch Macchia genannt, ist ein immergrĂŒner Buschwald, der rund die HĂ€lfte der Insel bedeckt. Dieser Vegetationstyp ist typisch fĂŒr mediterrane Winterregenklimate und ist fĂŒr die Insel besonders prĂ€gend. Die Pflanzen haben oft ledrige BlĂ€tter und sind unterseits behaart, um die Verdunstung möglichst gering zu halten. Ölhaltige und stark duftende Pflanzen sind ebenfalls typisch fĂŒr die Macchia.

Schon im ausgehenden Winter erblĂŒht die Macchia in bunten Farben, und ein intensiver Duft entströmt der Insel, der auch vom Meer her wahrnehmbar ist. Napoleon Bonaparte soll gesagt haben, er könne seine Heimatinsel schon allein daran erkennen. Wichtige Pflanzen sind Lavendel, Ginster, Zistrose, Myrte, Baumheide und Erdbeerbaum. In den heißen Sommermonaten vertrocknet die Vegetation in vielen Bereichen, sodass die Landschaft ein steppenhaftes Aussehen erreicht.

AlljĂ€hrlich kommt es im Hochsommer zu WaldbrĂ€nden, die meistens auf Brandstiftung oder FahrlĂ€ssigkeit zurĂŒckzufĂŒhren sind. Hirten legen absichtlich BrĂ€nde, um die „wertlose“ Macchia zu Weideland aufzuwerten. In der Vergangenheit war Brandstiftung auch Mittel von Bauspekulanten, die so die Macchia als Natur entwerteten und dann leichter Baugenehmigungen erhielten. Ein kleiner Teil dieser BrĂ€nde entsteht auch durch SelbstentzĂŒndung der ausgetrockneten Vegetation (Umweltfaktor Feuer). Zum Löschen grĂ¶ĂŸerer WaldbrĂ€nde werden spezielle Löschflugzeuge eingesetzt, die im kĂŒstennahen Bereich Seewasser aus dem Meer aufnehmen, um es im Landesinneren direkt ĂŒber den Brandherden abzuwerfen. Dies kann stellenweise zu Versalzungen des Oberbodens fĂŒhren und das Wiederaufkommen der Vegetation erschweren.

Garrigue

Die Garrigue wird oft mit der Macchia verwechselt. Die Vegetation ist aber niedriger und erreicht meist nur eine Höhe von bis zu einem Meter; außerdem sind andere Pflanzen zu finden. Auf besonders dĂŒnnen Böden finden sich Zistrosen, Wolfsmilchsarten, verschiedene Ginster, Rosmarin, Thymian, Lavendel, Salbei und Geophyten wie Orchideen, Affodill oder die Merendera.

BĂ€ume und Kulturpflanzen

Die wichtigsten forstlichen ErtragswaldbĂ€ume Korsikas sind Laricio-Kiefern (31 %), Steineichen (21 %), Seestrandkiefern (29 %), Buchen (15 %), Korkeichen (4 %) und Weiß-Tanne (1 %).

Die Laricio-Kiefer, auch Korsische Schwarzkiefer (Pinus nigra ssp. laricio) genannt, kann eine Wuchshöhe von bis zu 50 Meter und ein Alter von nahezu tausend Jahren erreichen. Der Baum ist auf Korsika in den höheren Gebirgslagen ab etwa 800 bis 1800 m stark verbreitet. Die Korsische Schwarzkiefer ist sehr anspruchslos. Auf den kargen, felsigen Böden der Hochlagen wĂ€chst sie naturgemĂ€ĂŸ sehr langsam. Sie ĂŒbersteht ohne Probleme lĂ€ngere Frostperioden.

Die Edelkastanie, die auch als Esskastanie bezeichnet wird, bedeckt allein im Gebiet der Castagniccia etwa eine FlĂ€che von 15.000 ha, auf der gesamten Insel sind 40.000 ha mit Edelkastanienpflanzungen bestanden. Die Anlage von siedlungsnahen Edelkastanien-Selven wurde maßgeblich von den Genuesen auf der gesamten Insel gefördert, um die damals immer wieder auftretenden Hungersnöte zu lindern. DafĂŒr wurden auch zahlreiche frischere Stein- und Flaumeichenstandorte gerodet und in die noch charakteristische mediterrane Kastanienlandschaft umgewandelt. Neben der Viehzucht (Schafe, Ziegen) waren die Kastanien die Hauptnahrungsquelle der Korsen – deshalb auch die Bezeichnung als „Brotbaum“.

Im SĂŒden der Insel rund um Porto-Vecchio und Figari ist die Korkeiche verbreitet. Kleinere Vorkommen gibt es auch im Norden, zum Beispiel bei Saint Florent. Alle 10 bis 20 Jahre kann der Baum zur Gewinnung von Naturkork geschĂ€lt werden.

In den zur MalariabekĂ€mpfung trockengelegten Sumpfgebieten wurde vielfach Eukalyptus angepflanzt, der schnell wĂ€chst und sehr viel Wasser verdunstet. Eukalyptus wird bis zu 40 m hoch und hat eine silbrig graue Rinde, deren abgestorbene Teile meist in senkrechten Fetzen und Streifen vom Stamm herab hĂ€ngt. Die BlĂ€tter sind lang sichelförmig gebogen und verströmen den typischen „Husten-Bonbon“-Duft, ebenso die FrĂŒchte. Eine Anpflanzung mit teils stattlichen BĂ€umen befindet sich im Golf von Porto an der WestkĂŒste, der Hain beherbergt unter anderem den örtlichen „Camping Municipal d'Ota Porto“.

Soweit die BodenverhĂ€ltnisse es zulassen, gedeihen bis auf eine Höhe von etwa 400 Meter weitere typische Pflanzen, die im gesamten Mittelmeerraum anzutreffen sind. Dazu gehören beispielsweise Zypressen, ÖlbĂ€ume, Oleander, Platanen, Mimosen und Dattelpalmen. Wichtige landwirtschaftliche Kulturen sind in dieser Höhenstufe ZitrusfrĂŒchte (Zitronen, Orangen, Clementinen, Limonen), FeigenbĂ€ume, Mandel- und PfirsichbĂ€ume sowie der Anbau von Wein.

Fauna

Korsika beherbergt mehrere endemische, also ausschließlich auf dieser Insel vorkommende Tierarten.

Amphibien

Unter den Amphibien sind als Endemiten der Korsische Gebirgsmolch, der Korsische Feuersalamander und der Korsische ScheibenzĂŒngler zu nennen, sĂ€mtlich Arten, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in mittleren und großen Höhenlagen haben.

Die tieferen Lagen sind Verbreitungsschwerpunkt von Arten, die auch andernorts im Mittelmeerraum anzutreffen sind: Sardischer ScheibenzĂŒngler, Wechselkröte, Tyrrhenischer Laubfrosch sowie Italienischer Wasserfrosch.

Reptilien

Zu den Reptilienarten Korsikas, die vor allem die tieferen Lagen besiedeln, gehören die Griechische Landschildkröte, die EuropĂ€ische Sumpfschildkröte, EuropĂ€ischer Halbfinger, Mauergecko sowie die Ruineneidechse. Je nach Relief kommt die Tyrrhenische Gebirgseidechse auch in MeeresnĂ€he vor, so beispielsweise an der teils sehr schroffen WestkĂŒste. Generell besiedelt sie eher die hohen Lagen und ist als einzige Eidechse noch in den Gipfellagen jenseits von 2500 m regelmĂ€ĂŸig anzutreffen. Tyrrhenische Mauereidechse, GelbgrĂŒne Zornnatter sowie die Ringelnatter, die hier als eigene Unterart vorkommt, sind in beinahe jeder Höhenstufe der Insel zu finden, nur die Gipfellagen werden nicht besiedelt. Sehr selten kommen auf Korsika noch EuropĂ€ischer Blattfinger und Zwerg-Kieleidechse vor, beides Arten, die nur noch RefugiallebensrĂ€ume besetzen können.

Vögel

Da Korsika eine wichtige Zwischenstation des europĂ€ischen Vogelzugs ist, lassen sich in den Lagunen der OstkĂŒste zwischen Oktober bis MĂ€rz große SchwĂ€rme von Wasser- und Watvögeln beobachten, darunter sehr seltene Arten wie Großer Brachvogel, Bekassine, KnĂ€kente, Rotschenkel, Trauerente und Zwergseeschwalbe, aber auch Flamingos. Die meisten Arten sind durch die EG-Vogelschutzrichtlinie geschĂŒtzt und dĂŒrfen auch auf Korsika nicht bejagt werden. Der Triel wurde auf Korsika stellenweise auch als Brutvogel festgestellt.

Greifvögel sind oft zu beobachten, zum Beispiel Fischadler (an der WestkĂŒste, beispielsweise im Naturreservat La Scandola), Steinadler und Bartgeier (vor allem im Hochgebirge), Rotmilan, MĂ€usebussard, Schlangenadler und Turmfalke. Einzige nur auf Korsika vorkommende, also endemische Vogelart ist der Korsenkleiber.

Tiere in GewÀssern

Die KĂŒstengewĂ€sser sind fischreich, man kennt hier etwa 300 Brack- und Salzwasserarten. In den FließgewĂ€ssern sind Forellen und Aale anzutreffen, die zum Teil eingesetzt werden. Dies bereitet vor allem der ursprĂŒnglich heimischen Mittelmeer-Bachforelle Probleme, die nur noch in wenigen FließgewĂ€ssersystemen der Insel hĂ€ufiger zu finden ist. Eine weitere Besonderheit der SĂŒĂŸgewĂ€sser Korsikas sind SĂŒĂŸwassergarnelen, die in den UnterlĂ€ufen kleinerer FlĂŒsse stellenweise hĂ€ufig anzutreffen sind.

SĂ€ugetiere

Die wildlebenden SĂ€ugetiere sind aufgrund der Insellage, der gebirgigen Topografie und der intensiv betriebenen Bejagung nicht sehr artenreich. Der heute auf Korsika dominierende SĂ€uger ist das Wildschwein. Selten ist der EuropĂ€ische Mufflon geworden, der durch starke Bejagung in ganz Europa ausgerottet war und einzig auf Korsika und Sardinien ĂŒberleben konnte. Auf Korsika sind nur zwei Populationen erhalten geblieben, und zwar im Monte-Cinto-Massiv nördlich von Calacuccia und in der Umgebung des Col de Bavella zwischen Zonza und Solenzara. In der NĂ€he von Venaco am Monte Rotondo-Massiv wurden Mufflons wieder angesiedelt, um nach und nach wieder den gesamten Hauptkamm des korsischen Hochgebirges zu besiedeln.

Der Korsische Zwerghirsch wurde auf Korsika ausgerottet und konnte als Unterart nur auf Sardinien ĂŒberleben. Inzwischen wurden sardische Tiere auf der nördlichen Nachbarinsel wieder angesiedelt. In den Macchie- und Garrigue-Landschaften trifft man auf Hasen, Mauswiesel sowie FĂŒchse und Wildkatzen. Pottwale und Delfine sind besonders hĂ€ufig am Cap Corse und in der Straße von Bonifacio zu beobachten, wenn sie von einem in ein anderes Becken des Mittelmeeres wechseln.

Spinnen

Bemerkenswerte Spinnentiere sind die EuropÀische Schwarze Witwe und die Tarantel.

Insekten und Malaria

Unter der großen Gruppe der auf Korsika verbreiteten Insekten befindet sich auch die EuropĂ€ische Gottesanbeterin.

Über 60 Arten der Tag- und Dickkopffalter sind bisher auf dieser Insel nachgewiesen worden. Davon sind mindestens vier Arten Endemiten der tyrrhenischen Inseln, kommen also nur auf Korsika und Sardinien vor: Korsischer Schwalbenschwanz, Euchloe insularis (eine Weißlingsart), Korsischer Perlmutterfalter und Korsischer Waldportier. Das Korsische Wiesenvögelchen hat auch Populationen auf Elba und umgebenen Inseln, sowie in kĂŒstennahen Gebieten der Toskana. Die dort vertretene Unterart elbana wird jedoch manchmal auch als eigene Art eingestuft, in diesem Fall ist die Nominatform corinna ein echter tyrrhenischer Endemit. Die in Hochlagen vertretene Unterart ichnusa des Kleinen Fuchses ist leicht am Fehlen schwarzer Flecke auf der VorderflĂŒgel-Oberseite zu erkennen. Auch dieses Taxon soll manchmal als Art bewertet werden.

Bis in die 1950er Jahre war die Malaria auf Korsika noch ein großes Problem, insbesondere an den ausgedehnten BrackwasserflĂ€chen der OstkĂŒste. Diese eigentlich landwirtschaftlich interessante weil ertragreiche KĂŒstenebene war traditionell zwar nie dicht besiedelt, weil die Korsen in der Vergangenheit die Piraten fĂŒrchteten. Aber die vor allem durch die Anopheles-MĂŒcken ĂŒbertragene Krankheit war auch ein Hinderungsgrund, vor der sich die Korsen traditionell wĂ€hrend des Hochsommers in höhere Lagen zurĂŒckzogen. Ab 1944 bekĂ€mpfte die amerikanische Luftwaffe im MĂŒndungsdelta des Stabiacco bei Porto-Vecchio die MalariamĂŒcke durch VersprĂŒhen von DDT, was die Ansiedlung der ehemaligen Algerienfranzosen (pieds-noirs) und die Urbarmachung der KĂŒstenebene und spĂ€ter den Tourismus erst möglich machte. Bis 1973 gab es jedoch immer wieder aufkeimende Malaria, heute gilt die Insel als malariafrei.

Geschichte

Herkunft des Namens

Die Griechen nannten die Insel ÎšÏÏÎœÎżÏ‚ (Kyrnos), auch ÎšÎżÏÏƒÎŻÏ‚ (Korsis). Als Beinamen gaben sie ihr die Bezeichnung Kalliste, die Schönste.

PrÀhistorie und Antike

Die korsische Urbevölkerung, JĂ€ger und Sammler, wurde um 6000 v. Chr. von einwandernden Neolithikern der Impresso-Kultur verdrĂ€ngt. Im SĂŒden der Insel entwickelte sich etwa 3000 v. Chr. eine mehrphasige Megalith-Kultur (Filitosa), die auch zahlreiche Menhire errichtete und um 1800 v. Chr. von der Kultur der Torreaner abgelöst wurde, die Torren, nuraghenartige Turmbauten eigener PrĂ€gung, errichteten.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. gelangten zuerst punisch-karthagische Siedler auf die Insel, danach Griechen (PhokĂ€er), die um 565 v. Chr. eine Niederlassung namens Alalia, das heutige AlĂ©ria, grĂŒndeten. Die vorherrschenden SeemĂ€chte dieser Zeit, Karthago und die Etrusker, besiegten um 540 v. Chr. gemeinsam die Griechen in der Seeschlacht vor Alalia. Danach wurde Alalia bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. von den Etruskern beherrscht. Nachdem Karthago kurzfristig die Vorherrschaft wiedererlangte, wurde Alalia 259 v. Chr. im Ersten Punischen Krieg von den Römern erobert. Mit GrĂŒndung der Kolonie Sardinia et Corsica im Jahr 227 v. Chr. wurde Korsika fĂŒr rund 650 Jahre Teil des Römischen Reiches und – dauerhaft – des romanischen Sprach- und Kulturraums.

Mittelalter

Noch in der Endphase des Bestehens des Weströmischen Reichs begannen im 5. Jahrhundert KĂ€mpfe zwischen Vandalen und Goten um die Insel, aus denen der Vandalenkönig Geiserich als Sieger hervorging. Nach der Eroberung Italiens durch das Oströmische Reich (Byzanz) wurde Korsika 536 Teil des Exarchats von Karthago. In den folgenden Jahrhunderten war die Insel unter wechselnden RegionalmĂ€chten umstritten, doch gelang es Byzantinern, Langobarden, Sarazenen, Franken, den Markgrafen von Tuszien (Toskana, ab 828) und den Seerepubliken Pisa (ab ca. 1050) und Genua (ab 1284) stets nur, sich an den KĂŒsten der Insel festzusetzen. Vor allem die ÜberfĂ€lle sarazenischer Piraten fĂŒhrten dazu, dass ein Großteil der Bevölkerung Korsikas sich ins Binnenland zurĂŒckzog und die Insel allmĂ€hlich verarmte. Mit der Zeit bildete sich ein Feudalsystem. Zudem gewann die katholische Kirche politische AutoritĂ€t.

UnabhÀngigkeitsbestrebungen und Anschluss an Frankreich

Im Jahr 1729 begannen auf der Insel mehrjĂ€hrige AufstĂ€nde gegen die Herrschaft der Genuesen. Am 15. April 1736 machten korsische Rebellen den deutschen Abenteurer Baron Theodor von Neuhoff (1694–1756) im Kloster von Alesani (in der Castagniccia) zum König. Das Königreich Korsika bestand jedoch kaum ein Jahr.

1755 wurde erneut die staatliche UnabhĂ€ngigkeit ausgerufen. Unter FĂŒhrung von Pasquale Paoli, der als „Babbu di a Patria“ (Vater des Vaterlandes) verehrt wird, gaben sich die Korsen eine demokratische Verfassung. Diese war die erste Verfassung im Zeitalter der AufklĂ€rung, lange vor den Verfassungen der Vereinigten Staaten (1776) und Frankreichs (1791). Daraufhin verkaufte Genua die Insel an Frankreich, das 1769 die korsischen Truppen in der Schlacht bei Ponte Novu besiegte. Seither ist Korsika – abgesehen von einem kurzen Intervall wĂ€hrend der Französischen Revolution, als die Insel unter englische Oberhoheit geriet – französisches Staatsgebiet. Gleichwohl beeindruckte das korsische Bestreben nach UnabhĂ€ngigkeit zahlreiche Intellektuelle jener Zeit, darunter Jean-Jacques Rousseau und die GrĂŒndungsvĂ€ter der Vereinigten Staaten.

Die korsische Stadt Ajaccio ist der Geburtsort des spĂ€teren französischen Kaisers, Napoleon Bonaparte (1769–1821), dessen Eltern dem niederen korsischen Adel angehörten. Die französischen Besatzer boten den korsischen Adeligen an, französische Adelstitel zu erwerben, sofern sie ihre Herkunft lĂŒckenlos nachweisen konnten. Um dem nachzukommen, reisten die Bonapartes auf das französische Festland und ließen den jungen Napoleon dort erziehen.

Vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg

Durch die EinfĂŒhrung der allgemeinen Schulpflicht (1882, loi Ferry), den Bau der Eisenbahn (1888–1894) und andere administrative Maßnahmen festigte sich die französische Herrschaft ĂŒber Korsika, und die französische Sprache begann durch den Einfluss von Schule und Verwaltung das Korsische zu verdrĂ€ngen. Zugleich drĂ€ngte die bittere Armut viele Korsen zur Auswanderung, die um das Jahr 1900 ihren Höhepunkt erreichte. Insbesondere das Viertel Quartier du Panier am Alten Hafen von Marseille entwickelte sich zu einem Zentrum der korsischen Diaspora, in dem Sprache und Kultur der Insel und die engen Familienbande ihrer Dörfer weiterlebten.

Innerhalb dieser entwickelte sich zwischen den beiden Weltkriegen auch die korsische Mafia, die im Waffen- und Drogenhandel tÀtig wurde und betrÀchtlichen Einfluss auf die örtliche Politik nahm, indem sie sich verschiedenen politischen Gruppierungen als Miliz andiente. Diese AktivitÀten erreichten in den 1930er Jahren ihren Höhepunkt, blieben aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg virulent. In den 1950er und 1960er Jahren nahmen Netzwerke der korsischen Mafia sogar Einfluss auf die nationale Politik Frankreichs.

Korsen profitierten in vielen Funktionen von der Ausdehnung des französischen Kolonialreiches, einerseits als Soldaten und Kolonialbeamte, andererseits indem sie in den Kolonien als HĂ€ndler und GeschĂ€ftsleute tĂ€tig wurden. In Französisch-Nordafrika ließen sich viele Korsen nieder.

In Abwehr der Vereinnahmungsversuche des italienischen Faschismus, insbesondere des Diktators Benito Mussolini, der Korsika 1936 zum integralen Bestandteil Italiens erklĂ€rte, definierten korsische Schriftsteller und Intellektuelle in den 1930er und 1940er Jahren das Korsische erstmals als eigenstĂ€ndige Sprache und nicht mehr, wie vorher ĂŒblich, als italienischen Dialekt. Ihre IdentitĂ€t sollte korsisch, nicht italienisch sein. Zum Ausdruck kam diese Haltung am 30. November 1938 im „Eid von Bastia“, mit dem der Politiker Jean-Louis Ferracci vor 20.000 Korsen die Zugehörigkeit Korsikas zu Frankreich beschwor und italienische AnsprĂŒche zurĂŒckwies.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Korsika am 11. November 1942 als Reaktion auf die Landung alliierter Truppen in Nordafrika von deutschen Truppen besetzt. Im April 1943 begannen VerbÀnde des Freien Frankreichs, der Forces françaises libres (FFL), mit der Bewaffnung der Inselbevölkerung, die als Partisanen gegen die Besatzer kÀmpfen sollten. Am 8. September 1943 landeten VerbÀnde unter dem Kommando von General Henri Giraud auf Korsika. Die korsischen Partisanen und die Soldaten der FFL befreiten bis zum 4. Oktober 1943 gemeinsam die Insel. Die Erinnerung an den korsischen Beitrag zur Résistance ist auf Korsika noch lebendig.

Von 1945 bis zur Jahrtausendwende

Nach 1945 konnte die wirtschaftlich rĂŒckstĂ€ndige Insel in bescheidenem Maße vom französischen Wirtschaftswunder, den Trente Glorieuses, profitieren, das aber auch die Einwanderung von Festlandfranzosen verstĂ€rkte, wĂ€hrend noch mehr Korsen als frĂŒher als Arbeitsmigranten die Insel verließen.

Das drohende Ende des französischen Kolonialreichs fĂŒhrte in den 1950er Jahren bei vielen Korsen zu wirtschaftlichen Ängsten, sodass dem Putsch von Algier gegen die UnabhĂ€ngigkeit Algeriens im Mai 1958 Sympathien entgegengebracht wurden. Die Hoffnungen vieler Korsen richteten sich auf Charles de Gaulle, der diese jedoch enttĂ€uschte, indem er nach der GrĂŒndung der FĂŒnften Französischen Republik mit UnterstĂŒtzung der Mehrheit der Franzosen der Beendigung des Algerienkrieges und der UnabhĂ€ngigkeit Algeriens (1962) zustimmte. Danach wurden etwa 16.000 Algerienfranzosen (Pieds-noirs) vor allem entlang der korsischen OstkĂŒste angesiedelt, sodass viele Korsen fĂŒrchteten, eines Tages zur Minderheit auf der Insel zu werden. Gleichzeitig wurde durch die restriktive Sprachenpolitik des französischen Staates (UnterdrĂŒckung aller Dialekte und Regionalsprachen) das Korsische aus dem öffentlichen Leben der Insel weiter verdrĂ€ngt.

Die BefĂŒrchtungen um die eigene IdentitĂ€t sowie um Wohlstand und Einfluss bewirkten einen Aufschwung des korsischen Nationalismus, der sich anfangs insbesondere gegen eine mögliche Bevorzugung der Pieds-noirs richtete. Ab 1964, vermehrt ab 1968, kam es zu Übergriffen auf Eigentum derselben. In den frĂŒhen 1970er Jahren grĂŒndeten sich mehrere Parteien als politischer Arm der Nationalbewegung. Eine davon, der Front rĂ©gionaliste corse, gab 1971 das Buch Main basse sur une Ăźle heraus, in dem die ökonomische Situation Korsikas mit der einer Kolonie verglichen und ein korsischer Sozialismus gefordert wurde. Initiativen zu Erhalt und Belebung der korsischen Sprache und Kultur entstanden im Rahmen der Bewegung des Riacquistu („Wiederaneignung“) und schufen ein neues Bewusstsein fĂŒr die kulturelle EigenstĂ€ndigkeit.

In der allgemeinen Wirtschaftskrise der 1970er Jahre (vgl. Ölkrise) radikalisierten sich einige korsische Nationalisten. Als Fanal galt die Besetzung des Weinguts eines Pied-noir nahe AlĂ©ria im Jahr 1975. Unter anderem forderten die Nationalisten die Wiedereröffnung der korsischen UniversitĂ€t, die im 18. Jahrhundert unter Pasquale Paoli (siehe oben) bestanden hatte; 1981 wurde das Anliegen verwirklicht. Hinzu kamen Dezentralisierungsmaßnahmen des französischen Staates wie die GrĂŒndung der CollectivitĂ© rĂ©gionale mit Einrichtung eines Regionalparlaments (1982), doch lehnte die französische Regierung Forderungen nach offizieller Zweisprachigkeit, Autonomie oder gar UnabhĂ€ngigkeit aus Sorge um die Einheit Frankreichs strikt ab. Einige UnterstĂŒtzer der korsischen UnabhĂ€ngigkeit, insbesondere der am 5. Mai 1976 gegrĂŒndete Frontu di Liberazione Naziunalista Corsu (FLNC), versuchten mit BombenanschlĂ€gen und Mord die UnabhĂ€ngigkeit zu erzwingen; siehe auch Korsikakonflikt.

Gleichzeitig nahm der Fremdenverkehr auf Korsika merklich zu. Die Insel wurde wegen ihrer unberĂŒhrten Landschaft besonders bei Festlandfranzosen, Italienern und Deutschen ein beliebtes Reiseziel. Die touristische Erschließung und die Errichtung von Zweitwohnsitzen von Franzosen und AuslĂ€ndern stießen bei Teilen der Inselbevölkerung auf Ablehnung. In den 1990er Jahren eskalierte die Gewalt, als sich bewaffnete Gruppierungen auch gegenseitig bekĂ€mpften und mafiöse Netzwerke Einfluss zu gewinnen suchten. Im Februar 1998 wurde der PrĂ€fekt der Insel, Claude Erignac, in Ajaccio ermordet. Diese Bluttat schreckte die französische Öffentlichkeit auf; es war der Eindruck entstanden, dass der französische Staat die Kontrolle ĂŒber Korsika verloren hatte.

Seit 2000

Im Jahr 2000 stimmte der französische MinisterprĂ€sident, Lionel Jospin, im Rahmen des „Prozesses von Matignon“, der die Spannungen auf Korsika lösen sollte, einer grĂ¶ĂŸeren Autonomie der Insel zu. Unterdessen befĂŒrchtete die gaullistische Opposition in der französischen Nationalversammlung, andere Regionen (etwa die Bretagne, das Baskenland, das Elsass) könnten Ă€hnliche AnsprĂŒche erheben und letztlich den Bestand der französischen Republik gefĂ€hrden (vgl. Minderheiten in Frankreich). Die vorgeschlagene Autonomie Korsikas schloss einen grĂ¶ĂŸeren Schutz der korsischen Sprache als zentralem Identifikationsfaktor ein, trotzdem stimmten bei dem Referendum, das am 6. Juli 2003 auf der Mittelmeerinsel abgehalten wurde, knapp 51 % der Bevölkerung dagegen. Obwohl der Ausgang der Befragung keinen bindenden Charakter hatte, stoppte die Regierung das Projekt. Das Scheitern wurde vor allem Jospin angelastet – er habe durch Verhandlungen mit Vertretern der UnabhĂ€ngigkeitsbewegung deren Gewalt legitimiert und damit die Reform diskreditiert.

Die bewaffneten Gruppierungen sind heute weitgehend inaktiv. Allerdings haben sie in den letzten Jahren nach den RĂŒckschlĂ€gen der 2000er Jahre wieder Zulauf erhalten, auch aus EnttĂ€uschung ĂŒber die Korruption einiger etablierter Politiker. Bei den Regionalwahlen im November 2015 gewann ein BĂŒndnis gemĂ€ĂŸigter und radikaler korsischer Nationalisten, die sich fĂŒr eine Autonomie bzw. die staatliche UnabhĂ€ngigkeit einsetzten, die Mehrheit im Regionalparlament, der AssemblĂ©e de Corse. Bei der Parlamentswahl in Frankreich 2017 gewannen korsische Nationalisten drei der vier Parlamentssitze, die Korsika in der französischen Nationalversammlung reprĂ€sentieren.

Korsika litt lange unter einer Mafia-Ă€hnlichen organisierten KriminalitĂ€t. Ein typisches Beispiel ist die sogenannte Bande der Petit Bar, benannt nach einer GaststĂ€tte in Ajaccio – eine informelle Gruppe von Kriminellen, Nationalisten, GeschĂ€ftsleuten und Politikern, die ab den 2000er Jahren mit Erpressungen, Drogenhandel, Auftragsmorden und Ă€hnlichem viel Geld verdiente. Die polizeilichen Ermittlungen wurden immer wieder durch politische Einflussnahme behindert. Erst als eine neue Spezialeinheit in Marseille die Ermittlungen ĂŒbernahm, konnte die Gruppe im Jahr 2020 zerschlagen werden.

2017 wurden SĂŒdfrankreich und Korsika von verheerenden WaldbrĂ€nden heimgesucht.

Von April bis Mai 2018 litt die Insel unter einer MĂŒllkrise. In den Vorjahren war das MĂŒllaufkommen stark gewachsen, ohne dass geeignete administrative Maßnahmen zur Verarbeitung des Abfalls getroffen wurden. Mitte April drohten die zwei grĂ¶ĂŸten Deponien ĂŒberzulaufen. In den folgenden Wochen hĂ€ufte sich MĂŒll auf den Straßen der Insel. Eine vorlĂ€ufige Besserung ergab sich, als die beiden ĂŒberlasteten Deponien wieder öffneten. EndgĂŒltig gelöst wurde das Problem bislang nicht.

Nach dem gewaltsamen Tod des in Arles lebenslĂ€nglich inhaftierten korsischen Nationalisten Yvan Colonna, der 1998 in die Ermordung des PrĂ€fekten Erignac verwickelt war, kam es im FrĂŒhjahr 2022 zu Ausschreitungen auf der Insel. AnlĂ€sslich seiner Beerdigung ordnete der korsische RegionalratsprĂ€sident Trauerbeflaggung an; der französische StaatsprĂ€sident, Emmanuel Macron, rĂŒgte dies.

Sprache

Französisch ist in fast allen Bereichen des Alltags die vorherrschende Sprache auf Korsika. Daneben sprechen etwa 60.000 bis 100.000 Einwohner Korsikas auch Korsisch. Der französische Staat erhebt die Sprecherzahlen der in Frankreich gesprochenen Sprachen statistisch nicht, da die Verfassung das Französische zur alleinigen Sprache der unteilbaren Republik bestimmt hat. Angaben zu Sprechern anderer Sprachen beruhen auf SchÀtzungen.

Die offizielle Bezeichnung der meisten StĂ€dte, Ortschaften, Berge und anderer geografischer Punkte Korsikas ist italienisch. Damit erfĂŒllt der französische Staat eine Bedingung fĂŒr den Verkauf der Insel durch die Republik Genua an Frankreich im Jahr 1768. Meist werden die Namen französisch ausgesprochen, doch anders als fĂŒr viele Ortsnamen im Elsass wurde keine spezifisch französische Schreibung festgelegt. Vielerorts existiert außerdem eine Bezeichnung in korsischer Sprache, die in der öffentlichen Beschilderung als Zusatz zum offiziellen Namen verwendet werden kann.

Nachdem die Zahl der korsischsprachigen Muttersprachler seit dem 19. Jahrhundert geschrumpft ist, trĂ€gt die im Rahmen der Regionalisierung des französischen Staates seit den 1980er Jahren eingeleitete Förderung des Korsischen im Bildungswesen FrĂŒchte: Im Schuljahr 2020/21 boten 62 Prozent der korsischen Grundschulen einen zweisprachigen französisch-korsischen Zweig an, den 45 % der SchĂŒler besuchten. 98 Prozent aller SchĂŒler im ersten Jahr des anschließenden CollĂšge (Sekundarstufe I) wĂ€hlten Korsisch als Unterrichtsfach, davon 30 Prozent im zweisprachigen französisch-korsischen Zweig; im zweiten Jahr lernten weiterhin 58 Prozent Korsisch. Im ersten Jahr des LycĂ©e (Sekundarstufe II) belegten noch 20 Prozent der SchĂŒler die Regionalsprache, im zweiten und dritten Jahr 15 Prozent.

Als neue Herausforderung fĂŒr die Sprachendidaktik wird die Tatsache betrachtet, dass viele KorsischschĂŒler Korsisch nicht als Muttersprache sprechen, zugleich aber im zweisprachigen Zweig Korsisch als eine der Unterrichtssprachen dienen soll. An der UniversitĂ€t von Corti ist Korsisch obligatorisches Nebenfach in sĂ€mtlichen Studienrichtungen. Dem Korsischen förderlich kann des Weiteren die sehr ausgeprĂ€gte regionale IdentitĂ€t der Korsen sein, durch die sich Korsika von anderen Sprachregionen Frankreichs unterscheidet. Die UNESCO klassifiziert das Korsische daher nur als potentiell gefĂ€hrdet („vulnerable“).

Religion

Das Christentum auf Korsika ist von der katholischen Kirche geprÀgt. Ihr gehören 92 Prozent der Korsen an. Das Bistum Ajaccio umfasst die gesamte Insel. Der Vereinigten Protestantischen Kirche Frankreichs gehören auf Korsika nur 230 Familien an.

Politik

Tendenzen

Korsika war traditionell eine Bastion der konservativen Parteien, insbesondere des Gaullismus. Als GrĂŒnde hierfĂŒr werden die tiefe Verankerung der Bevölkerung in einer lĂ€ndlich-traditionellen Lebensweise und Gesellschaftsstruktur sowie die starke Rolle der katholischen Kirche angefĂŒhrt. Bei allen PrĂ€sidentschaftswahlen zwischen 1965 und 2012 gewannen die konservativen Kandidaten auf Korsika die Mehrheit der Stimmen. Erstmals von 2010 bis 2015 wurde die Insel von einem LinksbĂŒndnis regiert. Eine Ausnahme bildete zuvor u. a. der Stadtrat von Bastia, das wĂ€hrend Jahrzehnten von BĂŒrgermeistern der politischen Linken regiert wurde.

Seit den 1970er Jahren gewann der korsische Nationalismus in seinen verschiedenen Spielarten Einfluss. Die Nationalisten fordern die EindĂ€mmung der Immobilienspekulation, Befreiung der Korsen von der Erbschaftssteuer, Mittel fĂŒr die Förderung der korsischen Sprache und eine stĂ€rkere Wirtschaftsförderung fĂŒr die Insel.

Bei nationalen Wahlen erhielt zuletzt der Front National (jetzt Rassemblement National) Zulauf; bei der PrĂ€sidentschaftswahl 2017 gewann in beiden korsischen DĂ©partements dessen Spitzenkandidatin, Marine Le Pen, die meisten Stimmen. Dies wird mit der ablehnenden Haltung der Korsen gegenĂŒber der Einwanderung erklĂ€rt; doch spielt die Partei, die sich strikt gegen regionale Selbstbestimmungsrechte und die Anerkennung von Regionalsprachen ausspricht, bei den korsischen Regionalwahlen kaum eine Rolle.

Bei den Regionalwahlen 2015 wurde erstmals eine korsisch-nationalistische Gruppierung (PĂ© a Corsica) mit 35 Prozent stĂ€rkste Gruppierung in der AssemblĂ©e de Corse, dem Regionalparlament. Die Parteien Femu a Corsica (FaC, gemĂ€ĂŸigte Autonomisten) und Corsica libera (CL, Separatisten) waren dazu ein WahlbĂŒndnis eingegangen. Der Rechtsanwalt und bisherige BĂŒrgermeister von Bastia, Gilles Simeoni (FaC), fĂŒhrt seit 2016 auch die Regionalregierung, den Conseil exĂ©cutif. Der landesweit dominierende Kampf zwischen dem Front National (FN), dem Parti socialiste (PS) und Les RĂ©publicains (LR) spielte auf Korsika eine untergeordnete Rolle.

Regionalwahlen

Ergebnisse 2017

Zusammensetzung des Regionalparlaments Assemblée de Corse ab 2017:

Regierungsmehrheit

  • die Partei Femu a Corsica FaC (autonomistisch, gegrĂŒndet 2017, Vorsitz Gilles Simeoni): 18 Sitze
  • die Partei Corsica libera CL (independentistisch, gegrĂŒndet 2009, Vorsitz Jean-Guy Talamoni): 13 Sitze
  • die Partei Partitu di a nazione corsa/Parti de la nation corse PNC (autonomistisch, gegrĂŒndet 2002, Vorsitz Jean-Christophe Angelini): 10 Sitze;

Opposition

  • Divers droite DVD (Dissidenten konservativer Parteien, darunter Laurent Marcangeli, ehemals Les RĂ©publicains, jetzt ComitĂ© central bonapartiste, zentralstaatlich-republikanisch): 10 Sitze
  • die Partei La RĂ©publique en marche LREM (liberale Regierungspartei auf gesamtstaatlicher Ebene): 6 Sitze
  • die Partei Les RĂ©publicains LR (konservative Oppositionspartei auf gesamtstaatlicher Ebene): 6 Sitze.

Ergebnisse 2021

Zusammensetzung des Regionalparlaments Assemblée de Corse seit 2021:

Regierungsmehrheit

  • die Partei Femu a Corsica FaC (autonomistisch, Spitzenkandidat Jean Biancucci), Listenname FĂ  populu inseme: 32 Sitze;

Opposition

  • die Parteien ComitĂ© central bonapartiste CCB (zentralstaatlich-republikanisch), Les RĂ©publicains LR (konservative landesweit agierende Oppositionspartei), Horizons (rechtsliberal, UnterstĂŒtzer von La RĂ©publique en marche auf nationaler Ebene), vereinigt in der Liste Un soffiu novu/Un nouveau souffle pour la Corse, gefĂŒhrt von Laurent Marcangeli (CCB): 17 Sitze
  • die Parteien Partitu di a nazione corsa PNC (independentistisch) und Corsica libera (autonomistisch), vereinigt in der Liste Avanzemu, gefĂŒhrt von Jean-Christophe Angelini (PNC): 8 Sitze
  • die Partei Core in fronte in der gleichnamigen Liste (2018 von mehreren nationalistischen Gruppen gegrĂŒndet, gemĂ€ĂŸigt independentistisch, die korsische UnabhĂ€ngigkeit nach einem abgestuften Autonomieprozess anstrebend), gefĂŒhrt von Paul-FĂ©lix Benedetti: 6 Sitze.

Das korsische Wappen

Das korsische Wappen zeigt einen Maurenkopf mit krausem Haar und weißem Stirnband. Dieses Wappen ist eigentlich ein Freiheitssymbol der Korsen, allerdings ist nicht sicher, wer dargestellt ist. Es gibt zahlreiche Legenden um die Entstehung und Bedeutung des Symbols.

Der einen Legende nach entfĂŒhrte im 13. Jahrhundert ein maurischer Herrscher eine junge Korsin nach Spanien. Deren korsischer Verlobter reiste hinterher, um sie zu befreien, woraufhin der Maure einen seiner tapfersten Getreuen gegen ihn in den Kampf schickte. Der Korse schlug jedoch dem Mauren den Kopf ab und hielt diesen als Zeichen des Triumphs hoch.

Ein weiterer ErklĂ€rungsansatz geht in Richtung der Reformen von Pascal Paoli: Ähnlich wie bei der Nachbarinsel Sardinien zeigte das korsische Wappen ursprĂŒnglich einen Maurenkopf mit verbundenen Augen. Pascal Paoli verschob die Binde in Richtung Stirn und entfernte auch den Ohrring, denn beides galt als Zeichen der Sklaverei, von der sich die Korsen durch seine Reformen befreit hatten.

Wirtschaft und Infrastruktur

Eine echte Großindustrie gibt es auf Korsika nicht. Das produzierende Gewerbe beschrĂ€nkt sich im Wesentlichen auf landwirtschaftliche Produkte, Bau- und Dienstleistungen. Die meisten auf der Insel hergestellten Produkte wie die traditionellen heimischen Taschenmesser werden an Ort und Stelle an Touristen verkauft. Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt der EuropĂ€ischen Union, ausgedrĂŒckt in Kaufkraftstandards, erreichte Korsika im Jahr 2006 einen Index von 85,8 (EU-27: 100). Im Jahr 2017 betrug die Arbeitslosenquote 7,8 Prozent. Eine korsische Besonderheit ist der hohe Anteil der nicht gezahlten Sozialabgaben: wĂ€hrend in Frankreich gesamt der Anteil bei 3,8 % liegt, betrĂ€gt er in Korsika 14,4 % (2020).

Tourismus

Korsika ist trotz des idealen Naturpotenzials touristisch relativ wenig erschlossen. Von der korsischen Bevölkerung wird befĂŒrchtet, dass eine weitere Erschließung durch den Massentourismus die EigenstĂ€ndigkeit der korsischen Kultur gefĂ€hrden könnte. Nach korsischer Tradition ist der Strand ĂŒberall allgemein zugĂ€nglich; es gibt kaum grĂ¶ĂŸere Hotelkomplexe oder Hotels mit auslĂ€ndischen EigentĂŒmern. An der OstkĂŒste gibt es sĂŒdlich von Phare d’Alistro und sĂŒdlich von Porto-Vecchio zahlreiche FKK-Urlaubsanlagen und -StrĂ€nde. 1995 waren 73 Prozent aller Touristen, die Korsika besuchten, Festlandfranzosen. 38 Prozent aller HĂ€user und Wohnungen werden als Zweitwohnung genutzt; dies ist im Vergleich zum französischen Durchschnitt sehr viel.

Verkehr

Straßenverkehr

Die Straßen in Korsika sind, was ihre Breite und QualitĂ€t betrifft, sehr unterschiedlich. Im felsigen Gebiet der WestkĂŒste und im Gebirge sind teilweise enge Straßen in schlechtem Zustand vorhanden, die nur einspurig genutzt werden können. Zum Teil ist ein Befahren mit Wohnmobilen nicht möglich. Etwas besser ist die Verkehrssituation an der flachen OstkĂŒste. Zwischen den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten gibt es teilweise gut ausgebaute Schnellstraßen. Im Jahr 2016 lag der Motorisierungsgrad (Personenkraftwagen pro 1000 Einwohner) bei 558.

Eisenbahn

Das Schienennetz Korsikas ist ein eingleisiges, nicht elektrifiziertes Meterspurnetz mit einer StreckenlÀnge von 231 km. Es hatte ehemals drei, heute noch zwei Strecken:

  • Bahnstrecke Bastia–Ajaccio
  • Bahnstrecke Ponte-Leccia–Calvi
  • Bahnstrecke Casamozza–Porto-Vecchio (seit 1943/1953 ohne Verkehr)

Die Strecken gehören der CollectivitĂ© de Corse (Korsischen Gemeinschaft) als Eisenbahninfrastrukturunternehmen. Einziges Eisenbahnverkehrsunternehmen auf der Insel sind die Chemins de fer de la Corse (CFC). Auf allen Strecken wird Personenverkehr angeboten, der GĂŒterverkehr ist von untergeordneter Bedeutung. Streckenendpunkte sind Bastia an der OstkĂŒste, Ajaccio an der WestkĂŒste und Calvi an der NordkĂŒste der Insel. Die LĂ€nge des Netzes betrĂ€gt 232 km. Herausragende Bauwerke sind die Vecchio-BrĂŒcke von Gustave Eiffel, ein Kulturdenkmal, und der knapp 4 km lange Vizzavona-Tunnel.

Luftverkehr

Korsika verfĂŒgt ĂŒber FlughĂ€fen in folgenden StĂ€dten:

  • AĂ©roport de Bastia-Poretta (IATA-Code BIA), 20 km von Bastia entfernt
  • AĂ©roport de Campo dell’Oro (IATA-Code AJA), 12 km von Ajaccio entfernt
  • AĂ©roport de Figari (IATA-Code FSC), 24 km von Porto-Vecchio entfernt
  • AĂ©roport de Sainte Catherine (IATA-Code CLY), 7 km von Calvi entfernt

GrĂ¶ĂŸere Fluggesellschaften, die Korsika anfliegen, sind Air France und Air Corsica sowie aus dem deutschsprachigen Raum Eurowings, TUIfly, Lufthansa und easyJet.

Schiffsverkehr

Die FĂ€hrhĂ€fen Ajaccio, Porto-Vecchio, Propriano und Bonifacio bedienen SĂŒd-Korsika, wĂ€hrend die in Bastia, Calvi und L’Île-Rousse vor allem Nord-Korsika mit dem europĂ€ischen Festland verbinden.

AutofÀhrverbindungen gibt es beispielsweise von Marseille, Nizza und Toulon in Frankreich sowie von Sardinien, Savona Vado, Livorno und Genua in Italien. Die wichtigsten Schifffahrtsgesellschaften sind Moby Lines und Corsica Ferries.

Rundfunk

In Ajaccio und Bastia sind starke Mittelwellen- und UKW-Sender zur Ausstrahlung von France Bleu RCFM (Radio Corse Frequenza Mora), dem lokalen Programm des staatlichen Rundfunksenders Radio France, installiert. Ein Teil der ProgrammbeitrÀge erfolgt in korsischer Sprache.

  • Ajaccio: 97,0 MHz (4 kW), 100,5 MHz (10 kW), 1404 kHz (20 kW)
  • Bastia: 101,7 MHz (10 kW), 1494 kHz (20 kW).

Auf weiteren Frenquenzen sendet Radio France die landesweit verbreiteten ĂŒberregionalen Programme, France Inter, France Culture, France Musique, France Info.

Von Cervione aus sendet die ADECEC (Association pour le DĂ©veloppement des Etudes ArchĂ©ologiques, Historiques, Linguistiques et Naturalistes du Centre-Est de la Corse – „Vereinigung fĂŒr die Entwicklung der ArchĂ€ologischen, Historischen, Linguistischen und Natur-Studien des Zentral-Östlichen Korsika“) mit dem Sender Voce Nustrale ein Programm ausschließlich in korsischer Sprache auf UKW 105,1 und 95,1 MHz.

DarĂŒber hinaus gibt es weitere, zum Teil kommerzielle Lokalradios und landesweite Sender, die ihre Programme auf Korsika verbreiten oder vom Festland aus hier empfangbar sind.

Internet

Seit 2016 ist fĂŒr Personen, Institutionen oder Firmen, die ihre Verbindung mit Korsika demonstrieren möchten, die gesponserte Top-Level-Domain .corsica reserviert. Die TLD wird vom CollectivitĂ© Territoriale de Corse, der Korsischen Gebietskörperschaft, verwaltet.

Kulinarisches

Lebensmittel/KĂŒche

Korsika besitzt eine sehr reichhaltige und meist deftige mediterrane KĂŒche. Typisch sind die oft halbwilden Hausschweine, die frei im Wald oder in der Macchie laufen und sich von Kastanien, Eicheln und Bucheckern ernĂ€hren. Ihr Fleisch wird ĂŒber Kastanienholz gerĂ€uchert oder mit KrĂ€utern in Wein geschmort. Korsische FleischereispezialitĂ€ten sind:

  • Coppa – gerĂ€ucherter Schweinenacken und -filet;
  • Figatellu – gerĂ€ucherte, krĂ€ftige Leberwurst mit KrĂ€utern;
  • Lonzu – gerĂ€uchertes Schweinefilet.

Nudelgerichte und Nudeln als Beilage zu Fleischgerichten sind verbreiteter als in den meisten anderen Provinzen Frankreichs. Es gibt zahlreiche Sorten Schafs- und ZiegenkÀse, zum Beispiel Brocciu, ein MolkenkÀse aus Schafs- oder Ziegenmilch.

Weinbau

Auf Korsika wird eine große Vielfalt an Weinen produziert: Rotwein, RosĂ©, Weißwein, still und schĂ€umend, trocken und sĂŒĂŸ. Das Relief sowie unterschiedliche Böden sind fĂŒr diese Vielfalt verantwortlich. Reben werden bis in einer Höhe von ca. 300 m kultiviert. Traditionell verwendet man die Rebsorten Cinsault, Carignan, Grenache, Ugni Blanc und Syrah. Inzwischen sind Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Viognier, Merlot sowie Pinot noir hinzugekommen. Regionale Bedeutung haben die Sorten Niellucciu, Sciaccarellu und Vermentinu.

Weine aus acht Weinbaugebiete dĂŒrfen das PrĂ€dikat Appellation d’Origine ContrĂŽlĂ©e (AOC) tragen. Diese Appellationen sind:

  • Ajaccio – AOC Coteaux d’Ajaccio: WestkĂŒste nördlich von SartĂšne bis Ajaccio, Hauptrebsorten: Sciaccarellu, Grenache, Verentinu
  • Balagne – AOC Calvi Balagne: zwischen Calvi und der DĂ©sert des Agriates, sandige Tonböden, Hauptrebsorten: Syrah, Sciaccarellu, Vermentinu, Ugni Blanc
  • Cap Corse – AOC Coteaux du Cap Corse: die schroffe Felshalbinsel nördlich von Bastia, Hauptrebsorten: Niellucciu, Grenache, Malvoisie, Vermentinu, Muscatellu
  • Cote orientale – AOC Vin de Corse: die OstkĂŒste zwischen Bastia und Solenzara. Hauptrebsorten: Niellucciu und Vermentinu
  • Figari – AOC Figari-Pianottoli: SĂŒdspitze Korsikas, Hauptrebsorten: Carcajolo, Barbarossa, Sciaccarellu, Malvoisie de Corse
  • Patrimonio – AOC Patrimonio: Gegend zwischen Cap Corse und der DĂ©sert des Agriates, schiefrige Sand- und Tonböden, Hauptrebsorten: Nielluciu, Grenache, Vermentinu
  • Porto-Vecchio – AOC Porto-Vecchio: Gegend um Porto-Vecchio, Granitböden, Hauptrebsorten: Niellucciu, Sciaccarellu, Malvoisie de Corse
  • SartĂšne – AOC SartĂšne: um SartĂšne im SĂŒdwesten von Korsika, ton- und kieselhaltige Böden, Hauptrebsorten: Niellucciu, Sciaccarellu, Barbarossa, Cinsault, Vermentinu

Weitere GetrÀnke

  • Cap Corse (KrĂ€uter-Aperitif Destillerie MatteĂŻ, Bastia)
  • Eau de vie und Whisky (P&M) der Destillerie Mavela, AlĂ©ria
  • Kastanien- und Myrtenbier (Pietra, Furiani)
  • Mineralwasser aus Orezza
  • Pastis Dami (Anisschnaps), Furiani

Musik

Paghjella ist der polyphone MÀnnergesang der traditionellen korsischen Volksmusik. Dabei trÀgt die mittlere Stimme die Melodie, die zweite, tiefere bildet die Begleitung, die dritte und höchste singt die Koloratur. In dieser Tradition stehen unter anderem die Gruppen I Muvrini und A Filetta.

Sport

Rad-/Motorradfahren

Besonders beliebt ist Korsika bei Fahrrad- und Motorradfahrern, nicht zuletzt wegen der Kombination von Bergstraßen und Meerblick. Die Rennradfahrer schĂ€tzen an der Insel den Trainingseffekt der anspruchsvollen Passstraßen.

Wandern/Klettern

Der umfangreiche Fernwanderweg GR 20 mit zahlreichen Kletterpartien zieht viele Wanderer an. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gewinnt das Klettern an Bedeutung. Die zahlreichen bizarren Felsformationen, die auch als „Tafoni“ bezeichnet werden, sind extrem griffig. Die bekanntesten Kletterzentren sind das Restonica-Tal und der Bavella-Pass.

Skisport

Trotz der sĂŒdlichen Lage kann im Winter mancherorts ein Skibetrieb aufrechterhalten werden. Am Col de Vergio zwischen Porto und Calacuccia, unterhalb des Monte Renoso bei Ghisoni (Capannelle), sowie auf dem Plateau d’Ese nordöstlich von Bastelica gibt es drei kleinere Skigebiete mit jeweils drei bis sechs Schleppliften. Ein kleines Skigebiet befindet sich bei Haut-Asco nördlich des Monte Cinto. Skilanglauf kann man auf dem Plateau de Coscione zwischen Zicavu und Monte Incudine sowie oberhalb von Évisa betreiben.

Fußball

Die Insel hat mit GazĂ©lec FC Ajaccio, AC Ajaccio, CA Bastia und SC Bastia vier Fußballvereine in der französischen Liga.

Tour de France

2013 gastierte die Tour de France mit ihrer 100. Auflage zum ersten Mal auf Korsika. Im Rahmen der sogenannten Grand DĂ©part (große Abfahrt) begann die Grande Boucle mit drei Etappen auf der Mittelmeerinsel:

  • erste Etappe am Samstag, den 29. Juni, ĂŒber 200 km von Porto-Vecchio nach Bastia
  • zweite Etappe am Sonntag, den 30. Juni, ĂŒber 155 km von Bastia nach Ajaccio
  • dritte Etappe am Montag, den 1. Juli, ĂŒber 145 km von Ajaccio nach Calvi

Segeln/Windsurfen

Die gesamte Insel ist aufgrund ihres Klimas und der vorherrschenden Winde nicht nur bei Franzosen ein beliebtes Segel- und Windsurfrevier. Es gibt zahlreiche gut ausgerĂŒstete HĂ€fen und Marinas als Ausgangspunkte fĂŒr diese Sportarten.

Gesundheit

Seit 2011 ist das Auftreten von Schistosomiasis (Bilharziose) in Korsika gesichert nachgewiesen. Betroffen sind Personen, die Kontakt mit dem Wasser des FlĂŒsschens Cavo nahe dem Ort Sainte-Lucie-de-Porto-Vecchio nördlich von Porto-Vecchio im SĂŒdosten von Korsika hatten. Es wurden FĂ€lle bei Einheimischen und Touristen diagnostiziert. Dieser Schistosomiasis-Ausbruch ist inzwischen auf Korsika erloschen (Stand 2017).

Persönlichkeiten

Literatur

  • Ferdinand Gregorovius: Corsica. 1854. SocietĂ€ts-Verlag, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-7973-0274-6.
  • Michel Delaugerre, Marc Cheylan: Atlas de Repartition des Batraciens et Reptiles de Corse. Parc Naturel Regional de Corse/Ecole Pratique des Hautes Etudes, o. O. 1992, ISBN 2-905468-09-2.
  • Nicole Luzar, Volker Roth: KletterfĂŒhrer Korsika. Topoguide.de, Betzenstein 2008, ISBN 978-3-00-024237-3.
  • Hannes Mayer: Die WĂ€lder Korsikas. Wanderungen durch ein Waldparadies. 2., durchgesehene Auflage. Fischer, Stuttgart u. a. 1990, ISBN 3-437-30624-3.
  • Monika Siegfried-Hagenow: Korsika – Ein Reisebuch. VSA, Hamburg 1991, ISBN 3-87975-551-5.

Weblinks

  • Offizielle WebprĂ€senz der CollectivitĂ© de Corse (korsisch)
  • WebprĂ€senz der PrĂ€fektur Korsika (französisch)
  • Offizielle Webseite des französischen Tourismusverbandes zu Korsika (mehrsprachig)
  • Offizielles Tourismusportal Korsikas (mehrsprachig)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

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auch: Corsica; Corse, Corse, CÂąrcega, CÂąrsega, Corsica
Wappen/Flagge: Korsika

ISO 3166-2: FR-COR
Bezeichnung der Region: Region

Fläche ca.: 8665.60 km²

Länge der Grenze ca.: km


Ausdehnung / Grenzen (dezimale Koordinaten nach WGS 84):
nördlichster Punkt: 43.027678
südlichster Punkt: 41.333543
westlichster Punkt: 8.5346879
östlichster Punkt: 9.5600799

 
Frankreich - Region Korsika: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Region Korsika in Frankreich. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

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