Lšnder Länder/Staaten > Asien > Kambodscha Kambodscha

Land Karte: Kambodscha | Grenzen der Regionen auf der Karte anzeigen | Nachbarstaaten auf der Karte anzeigen

Staaten Nachbarstaaten: (3)

Nachbarstaaten Info Die Nachbarstaaten werden automatisch anhand der Grenzen errechnet. Daher kann es vorkommen, dass ein Nachbarstaat fehlt oder zu viel angezeigt wird.
Wir versuchen diese im Laufe der Zeit manuell anzupassen. Bei Fehlern kŲnnt ihr euch jederzeit an uns wenden Łber das Kontaktformular.

Staat Informationen : Kambodscha

Informationen:


Das K√∂nigreich Kambodscha (Khmer: ŠěĖŠüíŠěöŠüáŠěöŠě∂ŠěáŠě∂ŠěéŠě∂ŠěÖŠěÄŠüíŠěöŠěÄŠěėŠüíŠěĖŠěĽŠěáŠě∂, PreńÉh R√©ach√©anach√Ęk K√ĘmpŇ≠ch√©a) ist ein Staat in S√ľdostasien. Das Land liegt am Golf von Thailand zwischen Thailand, Laos und Vietnam. Die Hauptstadt Phnom Penh liegt im S√ľden des Landes. Das Landschaftsbild wird durch eine Zentralebene gepr√§gt, die teilweise von Gebirgen umgeben ist. In ihr liegt im Westen Kambodschas der See Tonle Sap, durch den Osten flie√üt der Mekong, einer der zw√∂lf l√§ngsten Fl√ľsse der Welt.

Kambodscha ist aus dem Reich Kambuja hervorgegangen, das seine Bl√ľte vom 9. bis zum 15. Jahrhundert erlebte. Seine Ruinen in Angkor, Roluos, Banteay Srei und Preah Vihear und die noch √§lteren in Sambor Prei Kuk wurden ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. 1863 kam Kambodscha unter franz√∂sische Vorherrschaft und wurde sp√§ter Teil Franz√∂sisch-Indochinas. Nach der Unabh√§ngigkeit im Jahr 1953 blieb Kambodscha zun√§chst von den milit√§rischen Konflikten in Indochina verschont, wurde aber nach einem Milit√§rputsch 1970 in den Zweiten Indochinakrieg hineingezogen. Nach Jahren des B√ľrgerkriegs errichteten 1975 die Roten Khmer eine Schreckensherrschaft, die nach unterschiedlichen Sch√§tzungen 1,7 bis weit √ľber 2 Millionen Menschenleben forderte, bis die Roten Khmer 1979 von vietnamesischen Truppen entmachtet wurden. Kambodscha blieb zehn Jahre von Vietnam besetzt, die entmachteten Roten Khmer leisteten mit Guerillataktik Widerstand. Nach 1989 folgten unter der Mitwirkung der UNO ein Friedensabkommen und der Neuaufbau staatlicher Strukturen, die 1993 mit einer neuen Verfassung und der Wiederherstellung der Monarchie endeten. Kambodscha, zu diesem Zeitpunkt nach zwei Jahrzehnten Krieg, Schreckensherrschaft und Besatzung eines der √§rmsten L√§nder der Welt, konnte seitdem erhebliche Fortschritte im Kampf gegen Armut und Unterentwicklung erzielen und ist heute eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Asiens.

Geographie

Kambodscha liegt auf der Indochinesischen Halbinsel, am Nordostufer des Golfs von Thailand. Die K√ľste hat eine L√§nge von 443 Kilometern. Kambodscha grenzt im Westen und Nordwesten auf 803 Kilometern an Thailand, im Norden an Laos (541¬†km) sowie √∂stlich und s√ľd√∂stlich an Vietnam (1.228¬†km). Die gesamte Fl√§che betr√§gt 181.040¬†km¬≤, davon sind 176.520¬†km¬≤ Landfl√§che.

Landschaftsbild

Zwei Drittel Kambodschas werden vom Kambodschanischen Becken eingenommen, das sich 5 bis 30¬†m √ľber dem Meeresspiegel befindet und in dessen westlichem Zentrum der Tonle Sap liegt. In √∂stlicher Richtung schlie√üen sich die Schwemmlandebene und die ersten Ausl√§ufer des ansonsten in Vietnam liegenden Mekongdeltas an, das das Zentralbecken entw√§ssert.

Von drei Seiten schlie√üen sich an das Becken Gebirge und Hochebenen an. S√ľdwestlich des Tonle Sap finden sich die Kardamom- und die Elefantenberge, auf die eine schmale K√ľstenebene folgt. An der n√∂rdlichen Grenze zu Thailand findet sich das Dongrek-Gebirge. Die haupts√§chlich in Laos und Vietnam verlaufende Annamitische Kordillere reicht mit ihren Ausl√§ufern bis nach Nordostkambodscha.

Gewässer

In der Mitte des Kambodschanischen Beckens befindet sich der Tonle Sap, der durch den Tonle-Sap-Fluss mit dem Mekong verbunden ist. W√§hrend der Regenzeit von Juli bis Oktober f√ľhrt der Mekong so viel Hochwasser, dass das Wasser entgegen seiner Flie√ürichtung den Tonle-Sap-Fluss hinaufgedr√ľckt wird und den See speist, der dadurch von 2.500¬†km¬≤ auf bis zu 20.000¬†km¬≤ anschwillt. Dadurch wird er zum gr√∂√üten See S√ľdostasiens. Der Mekong, der gr√∂√üte Fluss S√ľdostasiens, durchflie√üt Kambodscha in Nord-S√ľd-Richtung auf 500 Kilometern. Dabei ist er meistens √ľber 1,6 Kilometer breit. In Kambodscha spaltet sich der Bassac vom Mekong ab.

Weitere Fl√ľsse sind der Sreng und der Sangke (Sangker), die in den westlichen Grenzgebirgen entspringen und auf dem Weg zum Nordende des Tonle Sap zusammenflie√üen. Der Pursat m√ľndet am s√ľdlichen Ufer in den See, der Sen und der Chinit in den Tonle-Sap-Fluss. Vom √∂stlichen Hochland wird der Mekong durch den Kong (Sekong), den San und den Srepok gespeist.

Gebirge

Das Kardamomgebirge verl√§uft in ostwestlicher Richtung. Im √∂stlichen Teil befindet sich mit dem Phnom Aural (1813¬†m) der h√∂chste Berg des Landes. Das zweite s√ľdliche Gebirge, das Elefantengebirge, schlie√üt im S√ľdosten des Kardamomgebirges an und verl√§uft von dort aus nach S√ľden bis ans Ufer des Golfs von Thailand. Es erreicht seine h√∂chste Erhebung mit dem Phnom Popok (1079¬†m).

Das n√∂rdliche Massiv Chu«ír Phnom D√Ęngr√™k setzt sich aus Sandstein zusammen, f√§llt nach S√ľden hin steil ab und wird nicht h√∂her als 756¬†m. Das √∂stliche Chlong-Plateau (bis 942¬†m) und ein bis auf 1500¬†m ansteigender Streifen Bergland im Nordosten bilden die Ausl√§ufer der Annamitischen Kordillere. Dort leben noch immer kaum bekannte Bergv√∂lker.

Inseln

Zu Kambodscha geh√∂ren 64 Inseln. Die gr√∂√üte ist Ka√īh KŇŹng nahe der thail√§ndischen Grenze, gefolgt von Koh Rong vor der K√ľste Sihanoukvilles, die unter anderem mit Koh Rong Sanloem ein Archipel bildet. Weitere gr√∂√üere Inseln sind Koh Thmei an der Grenze zu Vietnam sowie Koh Samit, Koh Tang und Koh Tonsay.

Klima

Allgemein herrschen im Monsunklima in Kambodscha gleichm√§√üig hohe Temperaturen. Im Dezember sinken sie auf einen Tiefstand von 26¬†¬įC und erreichen im April ihr Maximum mit 30¬†¬įC. Die Niederschl√§ge werden von den Monsunen bestimmt; von Mai bis September/Oktober weht der feuchte S√ľdwestmonsun und bringt Regen, im restlichen Jahr bringen Nordostwinde trockene Kontinentalluft. Die geringsten Niederschl√§ge werden am Tonle Sap mit durchschnittlich 1.000¬†mm im Jahr gemessen; im √ľbrigen Tiefland betragen sie 1.300‚Äď2.000¬†mm j√§hrlich. An den Westh√§ngen der Gebirge steigen die Regenmengen auf 4.000¬†mm und mehr an, die H√∂chstwerte werden im Elefantengebirge mit 5.300¬†mm erreicht.

Flora und Fauna

Je nach Quelle sind zwischen 30 und 76¬†% Kambodschas bewaldet. In H√∂hen √ľber 700¬†m mit feuchtk√ľhlem Klima w√§chst ein immergr√ľner Bergwald, dessen B√§ume bis zu 20 Meter H√∂he erreichen. Die Vegetation der niederschlagsreichen Westh√§nge der Gebirge ist durch tropischen Regenwald gepr√§gt, der 40 bis 50 Meter hoch wird. Im Unterholz finden sich niedrigere Pflanzen wie kleinere B√§ume, B√ľsche oder Palmen. Das Tiefland ist, wenn es nicht landwirtschaftlich genutzt wird, durch Monsun- und Trockenw√§lder bedeckt, die in der Trockenzeit ihr Laub verlieren. In Regionen, in denen √úberschwemmungswald und sumpfige Savannen dominieren, sind die B√∂den n√§hrstoffarm und trocken. An der K√ľste finden sich Mangrovenw√§lder. Verbreitet sind auch noch rar gewordene Baumarten wie der Schwarzholzbaum, der Ebenholzbaum und der Rosenholzbaum (Dalbergia cochinchinensis).

Die Fauna Kambodschas ist artenreich, insgesamt leben in Kambodscha 630 gesch√ľtzte Arten. Besonders die nord√∂stlichen Provinzen sollen noch immer gro√üe Wildpopulationen aufweisen. In den bev√∂lkerungsarmen Wald- und Gebirgsgebieten leben beispielsweise Indische Elefanten, Tiger, Leoparden, Flughunde sowie diverse B√§renarten. Auch gibt es hier viele Schlangen wie die K√∂nigskobra und die hochgiftige Krait. M√∂glicherweise bereits ausgestorben ist der erst 1937 entdeckte Kouprey, eine Art Wildrind.

Der Tonle Sap ist reich an Wasserv√∂geln und Wassertieren, darunter mehr als 850 Fischarten. Im unteren Abschnitt des Mekong befinden sich die letzten R√ľckzugsgebiete des Irawadidelfins. Au√üerdem entdeckte man hier im Mai 2007 erwachsene Tiere sowie Jungtiere und Gelege der bereits ausgestorben geglaubten Cantors Riesen-Weichschildkr√∂te wieder.

Durch einen königlichen Erlass wurden 2005 der Kouprey (Bos sauveli), der Riesenibis (Pseudibis gigantea), die Batagur-Schildkröte (Batagur baska), die Riesenbarbe (Catlocarpio siamensis), die Palmyrapalme (Borassus flabellifer), die Rumdrul-Blume (Mitrella mesnyi) und die Bananenart Musa aromatica zu Nationalsymbolen erklärt und unter besonderen Schutz gestellt.

Umwelt

Probleme

Das gr√∂√üte Umweltproblem Kambodschas ist seit den 1980er Jahren der Holzeinschlag. 1995 erlie√ü die Regierung Hun Sen ein neues Umweltgesetz, das als ein erster Schritt zur nachhaltigeren Nutzung von Kambodschas W√§ldern und anderen Ressourcen betrachtet wurde; Ende 1996 wurde der Export von ganzen St√§mmen verboten. Die Regierung vergab aber weiterhin ausgiebig Konzessionen; auf dem H√∂hepunkt Ende 1997 waren 35¬†% des gesamten kambodschanischen Staatsgebietes zur Abholzung freigegeben, was fast dem gesamten Waldgebiet au√üerhalb der Schutzgebiete entsprach. Laut einem Weltbank-Bericht von 1998 ging die Bewaldung Kambodschas in den Jahren von 1969 bis 1997 von 73 auf 58¬†% zur√ľck.

Seit Ende der 1990er Jahre wurden ausl√§ndische Geldgeber vermehrt auf das Problem aufmerksam und √ľbten Druck auf die kambodschanische Regierung aus. Aus diesem Grund wird seit 1999 h√§rter gegen illegale Holzf√§ller vorgegangen: seit Januar 2002 wurden alle vergebenen Konzessionen f√ľr den Holzeinschlag eingefroren. Diese Ma√ünahme wird umgangen, indem einerseits der illegale Holzschlag in geringem Ma√üe weiterging und andererseits Konzessionen f√ľr Cash-Crop-Plantagen beantragt werden, die ungenutzt bleiben und nur als Vorwand f√ľr einen Kahlschlag gebraucht werden. Korruption und Selbstbereicherung einflussreicher Beamter oder von Mitgliedern der Milit√§rf√ľhrung sind Teil des Problems. Manche Organisationen agieren auch aus den Nachbarl√§ndern heraus. Aus den Provinzen Oddar Meanchey, Battambang, Pursat und Koh Kong wird das geschlagene Holz √ľber die Grenze nach Thailand geschleust, aus Ratanakiri und Mondulkiri nach Vietnam. Auch kommt es vor, dass Kritiker eingesch√ľchtert und Forstaufseher ermordet werden.

Folge des extensiven Holzschlages ist Erosion, so bei den Mangrovenw√§ldern an der K√ľste, die der Holzkohlegewinnung und Garnelenfarmen zum Opfer fallen. Durch den eingeschwemmten Boden versanden Binnengew√§sser. Besonders betroffen ist der Tonle Sap, dessen durchschnittliche Tiefe w√§hrend der Trockenzeit bereits von 50¬†cm 1960 auf 30¬†cm im Jahr 1993 zur√ľckgegangen ist, w√§hrend sich die j√§hrliche Ablagerung in der gleichen Zeit verdoppelt hat. Auch der Mekong transportiert gro√üe Mengen an Sediment, das er vor allem bei Monsunregenf√§llen aus den entwaldeten Gebieten mitnimmt. Dammprojekte an den chinesischen Zufl√ľssen des Mekong gef√§hrden zudem den Fischreichtum und beeintr√§chtigen die erneute Ablagerung von fruchtbarer Erde an den Ufern. Betroffen sind auch jene Einwohner, die ihren Lebensunterhalt aus dem Wald bestreiten, zum Beispiel mit dem Sammeln von Baumharz.

Die Umweltverschmutzung h√§lt sich dagegen in Grenzen. Fluss- und Seewasser sind weitgehend sauber, die einzige von Luftverschmutzung betroffene Stadt ist Phnom Penh. Auch der Tourismus bereitet noch keine gro√üen Probleme, wenngleich die ungen√ľgende Entsorgung von Plastikabf√§llen sowie Flaschen im ganzen Land problematisch ist.

Naturschutzgebiete

Kambodscha war das erste Land S√ľdostasiens, in dem ein Naturschutzgebiet eingerichtet wurde. 1925 wurde das Land um die Tempelanlage von Angkor zum Nationalpark erkl√§rt. 1969 gab es sechs R√ľckzugsgebiete f√ľr Wildtiere, vor allem gro√üe S√§uger. Sie nahmen insgesamt 2,2 Millionen Hektar oder 12¬†% der Landesfl√§che ein. Das w√§hrend der B√ľrgerkriegszeit verfallene System wurde 1993 durch ein k√∂nigliches Dekret erneuert, das zur Schaffung von 23 Schutzgebieten f√ľhrte, die jetzt mit 3.402.203 Hektar √ľber 21¬†% der Gesamtfl√§che Kambodschas einnehmen. Allerdings befanden sie sich zu gro√üen Teilen in von den Roten Khmer kontrolliertem Gebiet und waren deshalb weder kontrollierbar noch finanzierbar. Seit 1993 kamen noch einige gesch√ľtzte W√§lder hinzu, so dass heute 43.000¬†km¬≤ oder 25¬†% des Landes unter Schutz stehen. Noch heute, nach dem Ende der Roten Khmer, gibt es in vielen Schutzgebieten Zugangsprobleme. Gef√§hrdet sind sie durch die Erschlie√üung von Siedlungsr√§umen, illegale Abholzung und die Nachfrage nach Tierorganen f√ľr die traditionelle Medizin. Au√üerdem fehlen die Ressourcen und teilweise auch der Wille zu einem effektiven Schutz.

Bevölkerung

Demografie

Kambodscha hat rund 16,5 Millionen Einwohner. Der Altersdurchschnitt betr√§gt 24,9 Jahre, die Lebenserwartung bel√§uft sich auf 69,5 Jahre (2000: 54 Jahre). Der Geburtenrate von 23,4 pro 1.000 Einwohner steht eine Sterberate von 7,6 pro 1.000 gegen√ľber, dabei betr√§gt die Kindersterblichkeit 31 pro 1.000 Lebendgeburten. Eine Frau bekommt durchschnittlich 2,6 Kinder. Das Bev√∂lkerungswachstum betr√§gt 1,6¬†%. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 77,2¬†% (Sch√§tzung 2015), wobei M√§nner mit 84,5¬†% deutlich besser alphabetisiert sind als Frauen mit 70,5¬†%. Die Bev√∂lkerungsdichte betr√§gt 78 Einwohner pro Quadratkilometer. Nach Sch√§tzungen von UNICEF leben in Kambodscha etwa 670.000 Waisenkinder.

Ethnien

Die Hauptbev√∂lkerungsgruppe Kambodschas sind die Khmer, die offiziell 85‚Äď90¬†% der Gesamtbev√∂lkerung stellen. Damit ist Kambodscha das ethnisch homogenste Land S√ľdostasiens. Gr√∂√üte Minderheiten sind die Vietnamesen (5¬†%), die Cham (bis 3¬†%) und die Chinesen (etwa 1¬†%). Kleinere Minderheiten gibt es von Thais, Laoten sowie einer Reihe von Bergv√∂lkern, die fr√ľher Moi genannt wurden und heute unter dem Namen Khmer Loeu (‚ÄěHochland-Khmer‚Äú) zusammengefasst werden. Die offiziellen von der Regierung ver√∂ffentlichten Zahlen √ľber den Anteil der Minderheiten an der Bev√∂lkerung werden als etwas zu niedrig eingesch√§tzt.

Die Khmer leben seit dem 2. Jahrhundert n.¬†Chr. in ihren heutigen Siedlungsgebieten; woher sie kamen, ist nicht vollst√§ndig gekl√§rt. Vietnamesen leben bereits seit Ende des 17. Jahrhunderts als Reisbauern in Kambodscha, weitere kamen im 19. und fr√ľhen 20. Jahrhundert ins Land, da die franz√∂sischen Kolonialherren √Ąmter bevorzugt an sie vergaben. W√§hrend der vietnamesischen Besatzung nach dem Sturz Pol Pots von 1979 bis 1989 folgte eine zweite Einwanderungswelle. Aus historischen Gr√ľnden gibt es noch immer Konflikte zwischen Vietnamesen und Khmer, die ihre H√∂hepunkte immer wieder in Pogromen erreichten, zuletzt in den 1990er Jahren; auch in der Politik gelten antivietnamesische Parolen als normal, beispielsweise von Seiten der Sam-Rainsy-Partei oder der FUNCINPEC. Heute leben viele Vietnamesen als Fischer in schwimmenden D√∂rfern auf dem Tonle Sap.

Chinesen leben seit der fr√ľhen Neuzeit vor allem in den St√§dten, wo sie als H√§ndler und Handwerker t√§tig sind. Bis 1975 kontrollierten sie die Wirtschaft und das Verkehrswesen des Landes, unter der Herrschaft der Roten Khmer aber wurden viele von ihnen, genau wie Angeh√∂rige anderer Ethnien, get√∂tet oder sie flohen. Seit Anfang der 1990er Jahre kehren sie langsam wieder zur√ľck und sind mittlerweile, dank chinesischem Investment aus anderen L√§ndern, wieder eine wichtige √∂konomische Kraft.

Die muslimischen Cham sind ein malaiisches Volk. Sie leben vor allem an den K√ľstengebieten und dem Unterlauf des Mekong, seit ihr Reich 1471 von Vietnam zerst√∂rt und annektiert wurde und viele von ihnen flohen. Ihr spirituelles Zentrum befindet sich in Chur-Changvra bei Phnom Penh. Die Cham sind traditionell Viehh√§ndler, Seidenweber und Schlachter, da letzteres den buddhistischen Khmer traditionell nicht gestattet ist.

Die Bergv√∂lker, die heute unter dem Namen Khmer Loeu (Hochland-Khmer) gef√ľhrt werden, sind austroasiatisch- und malayo-polynesisch-sprachige V√∂lker (u. a. Bunong, Kuy, Jarai), die in den bergigen Grenzgebieten zu Thailand und auch Vietnam leben. Die 21 St√§mme leben traditionell als Halbnomaden, bauen Reis und Gem√ľse an, betreiben Brandrodung, halten K√ľhe, H√ľhner und Schweine als Nutztiere und sind animistischen Glaubens. Diese traditionelle Lebensweise wird immer mehr durch Sesshaftigkeit und Gebr√§uche der Khmer ersetzt. Im Gebiet um Battambang leben kleine Minderheiten der Shan, Thai und Lao. Sie sind Nachfahren von Bergleuten und Juwelieren, die zur Kolonialzeit in den Rubinminen von Pailin angestellt waren.

Mit nur 0,5 % ist der Ausländeranteil im Land sehr gering.

Sprachen

Die Amtssprache Kambodschas ist Khmer, eine austroasiatische Sprache, die von 95 % der Einwohner des Landes gesprochen wird. Weitere Sprachen sind Vietnamesisch, Chinesisch, Cham sowie verschiedene andere Minderheitensprachen: Brao, Chong, Jarai, Kaco, Kraol, Kravet, Kr'ung, Lamam, Mnong, Pear, Samre, Sa'och, Somray, Stieng, Suoy und Tampuan.

Franz√∂sisch war wegen der franz√∂sischen Kolonialvergangenheit √ľber ein Jahrhundert lang die beliebteste Fremdsprache und wurde bis 1975 auch in gebildeten Kreisen gesprochen, heute wird es auch aufgrund des vermehrten Tourismus aus englischsprachigen L√§ndern zunehmend durch Englisch abgel√∂st. Seit 1990, als das Lehren der englischen Sprache wieder legalisiert wurde, hat es dem Franz√∂sischen an Beliebtheit deutlich den Rang abgelaufen. Zwischen Anh√§ngern der beiden Sprachen entwickelten sich dadurch Spannungen, da die Franzosen weiterhin versuchen, ihre Kultur und Sprache in Kambodscha zu verbreiten, sowohl um das kulturelle Erbe zu bewahren, als auch um den Einflussverlust gering zu halten. Diese Bem√ľhungen werden auch von der franz√∂sischen Regierung finanziell unterst√ľtzt; obwohl sie einer der gr√∂√üten ausl√§ndischen Geldgeber ist, blieb der Erfolg gering: So verbrannten Studenten der Technischen Universit√§t Phnom Penh 1995 aus Protest gegen die Unterrichtssprache ihre franz√∂sischen Lehrb√ľcher.

Religionen

In Kambodscha sind rund 96,3 % der Bevölkerung Anhänger des Theravada-Buddhismus, der außer in Kambodscha auch in Thailand, Laos und Myanmar sowie Sri Lanka verbreitet ist. Weitere vertretene Glaubensrichtungen sind der Islam mit etwa 1,9 % (vor allem Sunniten bei den Cham) und das Christentum mit 0,4 bis einem Prozent, wovon die Neuapostolische Kirche die größte vertretene Konfession ist. Die katholische Kirche Kambodschas ist vor allem bei der Minderheit der Vietnamesen verbreitet. Bei manchen Bergvölkern haben sich auch ethnische Religionen gehalten, die Chinesen sind hauptsächlich Konfuzianer, Taoisten oder Mahayana-Buddhisten.

Der Theravada-Buddhismus, der ab dem 14. Jahrhundert den Hinduismus und den Mahayana-Buddhismus verdr√§ngte, war bis 1975 und wieder ab den sp√§ten 1980er Jahren Staatsreligion. Heute ist er gesetzlich in der Verfassung verankert. Unter den Roten Khmer wurden etwa 25.000 buddhistische M√∂nche get√∂tet. Ein Teil der M√∂nche wurde dazu gezwungen, die Robe abzulegen. Fast alle Wats und Moscheen wurden zerst√∂rt. In den 1990er Jahren wurden die meisten Glaubensst√§tten wieder aufgebaut ‚Äď heute gibt es wieder 59.500 M√∂nche und 3.980 Wats. In Phnom Penh wurde mit saudi-arabischem Geld eine internationale Moschee gebaut.

Städte und Bevölkerungsverteilung

Die größten Städte Kambodschas sind:

Die Bev√∂lkerung Kambodschas lebt zu 70¬†% in der Zentralebene, die Gebirgsregionen sind nur vereinzelt besiedelt. In den St√§dten leben heute nur etwa 20¬†% der Einwohner, was teilweise auch auf die Politik der Roten Khmer zur√ľckzuf√ľhren ist, die die St√§dte evakuierten. So lebten 1978 nur noch 20.000 Menschen in Phnom Penh, nachdem es 1974 noch 2,5 Millionen gewesen waren.

Geschichte

Fr√ľhe Staaten und Khmer-Reich

Der Unterlauf des Mekong war bereits im 4. Jahrhundert v.¬†Chr. von Khmer, Cham und Funanesen besiedelt. Im 1. Jahrhundert n.¬†Chr. entstanden in Indochina die Reiche Funan und Chenla, wobei letzteres ein Vasallenstaat Funans war. Im 6. Jahrhundert √ľbernahm Chenla das hinduistisch gepr√§gte Funan, und es entstand ein Gro√üreich, das 250 Jahre lang die wichtigste Macht in der Region war und nach Unruhen wieder in zwei Teile zerfiel. Im 9. Jahrhundert entstand ein neues Khmer-Reich, dessen Hauptstadt seit 889 Angkor war und das seinen Machth√∂hepunkt im 12. Jahrhundert erreichte: Es beherrschte S√ľdostasien von Malakka bis zum Isthmus von Kra sowie Laos und Teile Vietnams. In diese Zeit f√§llt auch die kulturelle Bl√ľte; der damals errichtete Tempelkomplex Angkor Wat steht noch heute. Um 1200 hatte Angkor etwa eine Million Einwohner und war damit wohl die damals gr√∂√üte Stadt der Welt.

Jayavarman VII. war der erste K√∂nig, der den hinduistisch orientierten Linga-Kult durch den bereits im 9. Jahrhundert durch das Reich Srivijaya nach Kambodscha gekommenen Buddhismus ersetzte. Dadurch verloren die K√∂nige ihren gottgleichen Status, was zu einer innenpolitischen Schw√§chung f√ľhrte. Im 13. Jahrhundert entstand im Westen das Sukhothai-Reich, das sich zu einem starken regionalen Konkurrenten entwickelte. Dessen Nachfolgereich Ayutthaya eroberte 1353 Angkor. Die Thai-Besatzer zogen sich zwar bald wieder zur√ľck, doch Kriege mit Cham und Shan verhinderten eine Stabilisierung des Angkor-Reichs. 1431 wurde Angkor erneut erobert, woraufhin die Hauptstadt nach Phnom Penh verlegt wurde. In den Jahrhunderten darauf herrschte st√§ndig Krieg mit Thai und Vietnamesen; die einzige Ausnahme war das 16. Jahrhundert, als der Druck von Westen durch ein Erstarken Burmas gemildert wurde und das Khmer-Reich eine Sp√§tbl√ľte erlebte. Im 17. und 18. Jahrhundert eroberte Vietnam gro√üe Teile des Mekongdeltas, w√§hrend Thailand die Nordgebiete des Reichs besetzte.

Französische Kolonialherrschaft und Vietnamkrieg

Um eine v√∂llige √úbernahme des Reichs durch Thailand und Vietnam zu verhindern, wandte sich Kambodscha an Frankreich, das 1859 das s√ľdliche Vietnam eingenommen hatte. 1863 wurde das Land unter K√∂nig Norodom I. zum Protektorat Frankreichs, 1887 ging es gemeinsam mit Vietnam und sp√§ter auch Laos in der Indochinesischen Union auf. Ab 1884 war Kambodscha praktisch eine Kolonie Frankreichs, wenngleich die Monarchie bestehen blieb. Unter franz√∂sischer F√ľhrung wurden Kautschukplantagen angelegt und Eisenbahnen gebaut, abgesehen davon unternahm Frankreich kaum Anstrengungen, das Land zu modernisieren. Im Jahre 1884 wurde die Sklaverei abgeschafft, im Jahre 1913 ein Konsultativrat geschaffen, der den K√∂nig kontrollieren sollte. Gemeindeverwaltungen, die die Gemeinden im Auftrag der Kolonialmacht leiten sollten, wurden gegr√ľndet. Die an Einheimische zu vergebenden Posten wurden zumeist mit Vietnamesen besetzt. Da die Franzosen aber auch hohe Abgaben verlangten und einen nicht entlohnten Arbeitsdienst einf√ľhrten, bildeten sich Widerstandsbewegungen wie etwa die Khmer Issarak (Freie Khmer).

W√§hrend des Zweiten Weltkriegs musste Frankreich dem Japanischen Kaiserreich erlauben, in Kambodscha Truppen zu stationieren. Der 1941 von den Franzosen eingesetzte K√∂nig Norodom Sihanouk folgte den panasiatischen Aufrufen Japans, k√ľndigte am 12. M√§rz 1945 noch unter dem Schutz japanischer Truppen einseitig alle Vertr√§ge mit Frankreich und erkl√§rte die Unabh√§ngigkeit. Dies musste nach der Kapitulation Japans zur√ľckgenommen werden. Die Khmer Issarak verb√ľndeten sich mit den vietnamesischen Vietminh und f√ľhrten gemeinsam mit ihnen einen Guerillakrieg gegen die Franzosen. Kambodscha bekam im Jahre 1947 eine Verfassung und im Jahre 1949 die Unabh√§ngigkeit im Rahmen der franz√∂sischen Union. Im Jahre 1953 erhielt es seine vollst√§ndige staatliche Souver√§nit√§t.

In den ersten Jahren nach der Unabh√§ngigkeit regierte Sihanouk das Land als Autokrat. Sowohl die b√ľrgerliche als auch die kommunistische Opposition wurden unterdr√ľckt. Wenngleich er im Vietnamkrieg um Neutralit√§t bem√ľht war, tolerierte er die Aktivit√§ten S√ľdvietnams und der Vietminh im Osten des Landes. Im Jahre 1970 st√ľrzten kambodschanische Offiziere unter General Lon Nol mit amerikanischer Hilfe die Regierung und gr√ľndeten die Republik Khmer. Die Regierungszeit von Lon Nol war chaotisch: Sihanouk verb√ľndete sich mit den Kommunisten und bek√§mpfte die Lon-Nol-Regierung im Kambodschanischen B√ľrgerkrieg. Sihanouk schuf daf√ľr eine Exilregierung in Peking. Im Laufe der Zeit verlor die Regierung die Kontrolle √ľber gro√üe Teile des Landes. Am 17. April 1975 eroberten die kommunistischen Truppen, die sich mittlerweile als Rote Khmer bezeichneten, die Hauptstadt Phnom Penh, w√§hrend parallel dazu die ViŠĽát cŠĽông die s√ľdvietnamesische Hauptstadt Saigon einnahmen. Neuer Staatschef wurde Khieu Samphan, neuer Ministerpr√§sident Pol Pot.

Rote Khmer bis Friedensabkommen von Paris

Die Roten Khmer errichteten ein extrem repressives Regime mit dem Ziel, eine egalit√§re Gesellschaft nach maoistischem Muster zu schaffen. Es kam zu Zwangsumsiedelungen von der Stadt auf das Land, zu Zwangsarbeit, Kollektivierung und Massent√∂tungen. Gewalt richtete sich gegen Beamte und Repr√§sentanten der vorhergegangenen Regierungen, gegen Intellektuelle und Lehrer und Menschen, die man f√ľr solche hielt, und gegen ethnische Minderheiten. Mehrere politische S√§uberungswellen richteten sich auch gegen das Regime selbst. Dies und die starke Misswirtschaft f√ľhrten zu einem schnellen Zerfall des Regimes. Die Zahlen √ľber die Opfer des Regimes der Roten Khmer variieren je nach Quelle und reichen von 740.800 Opfern bis zu 2,2 Millionen Get√∂teten. Das Rote-Khmer-Tribunal nennt eine Zahl von 1,7 bis 2,2 Mio. Opfern.

Die Gewalt der xenophoben Roten Khmer richtete sich insbesondere gegen die ethnischen Vietnamesen in Kambodscha und in zunehmendem Ma√üe gegen den Nachbarstaat Vietnam. Dies f√ľhrte zum Einmarsch der vietnamesischen Armee im Dezember 1978 und zum Sturz des Regimes der Roten Khmer wenige Wochen sp√§ter. Damit begann die Herrschaft der sozialistischen Kampucheanischen Revolution√§ren Volkspartei, die sich auf die Unterst√ľtzung des vietnamesischen Milit√§rs und auf sowjetische Wirtschafts- und Finanzhilfe st√ľtzte. Im Jahre 1985 √ľbernahm Hun Sen das Amt des Premierministers. Die Roten Khmer hatten sich nach Nordwestkambodscha zur√ľckgezogen, von wo aus sie die Regierung der Volkspartei bek√§mpften und mit Royalisten und b√ľrgerlichen Gruppierungen eine Exilregierung namens Koalitionsregierung des Demokratischen Kampuchea bildeten. Diese Exilregierung wurde von der Volksrepublik China, den USA, Thailand und Teilen der ASEAN-Staaten unterst√ľtzt. Das Ende des Kalten Krieges er√∂ffnete die M√∂glichkeit zur L√∂sung dieses Konfliktes. Die Regierung Indonesiens vermittelte Gespr√§che zwischen den beiden Kriegsparteien, die im Jahre 1991 im Pariser Friedensvertrag und einer politischen Neuordnung mit Hilfe der Vereinten Nationen m√ľndeten.

Heutiges Kambodscha

Der am 23. Oktober 1991 geschlossene Friedensvertrag sah vor, dass eine √úbergangsregierung unter F√ľhrung der UNO (UNTAC) w√§hrend eines Zeitraumes von 18 Monaten einen Waffenstillstand durchsetzen und die Sicherheit garantieren sollte, dass Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung durchgef√ľhrt und alle Kriegsparteien ihre Truppen demobilisieren w√ľrden. Auf kambodschanischer Seite wurde ein Oberster Nationalrat gegr√ľndet, dem alle ma√ügeblichen Parteien angeh√∂rten und der die Direktiven der UNTAC umzusetzen hatte. Die UNTAC konnte die von der Kambodschanischen Volkspartei dominierten Beh√∂rden jedoch nur teilweise unter eine neutrale Aufsicht stellen. Bereits 1992 zogen sich die Roten Khmer aus dem Friedensprozess zur√ľck und es wurde nur ein Viertel der Soldaten demobilisiert. Aus den Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung im Jahre 1993 ging die Volkspartei als Verlierer hervor. Hun Sen k√ľndigte an, das Ergebnis nicht anzuerkennen und drohte mit Krieg. Einige von der Volkspartei kontrollierte Provinzen erkl√§rten sich von Kambodscha unabh√§ngig. Vor diesem Hintergrund wurde eine Gro√üe Koalition der royalistischen FUNCINPEC unter Sihanouks Sohn Norodom Ranariddh mit Hun Sens Volkspartei ausverhandelt. Die verfassungsgebende Versammlung verabschiedete eine Verfassung, die Kambodscha als parlamentarische Monarchie und demokratischen Verfassungsstaat definierte. Norodom Sihanouk wurde K√∂nig, die UNO-Mission endete.

Die Roten Khmer, die den Vertrag mitunterzeichnet hatten, boykottierten die Wahlen in den von ihnen besetzten Nordprovinzen und lie√üen sich nicht entwaffnen. Die UN reagierten 1992 mit Wirtschaftssanktionen, die vor allem den Verkauf von Tropenholz und Erd√∂l betrafen, wobei Ersteres eine wichtige Einnahmequelle der Roten Khmer darstellte. Au√üerdem wurde die Beschlagnahmung von Auslandsverm√∂gen angedroht. Die Roten Khmer antworteten mit der Entf√ľhrung von UN-Truppenangeh√∂rigen und setzten ihren Guerillakampf fort. Tausende flohen aus Angst vor neuen Massenmorden. Nach einer letzten Versch√§rfung der K√§mpfe begann die Gruppe ab 1996 auseinanderzubrechen. Ieng Sary, der Statthalter von Pailin, lief zur Regierung √ľber. Im selben Jahr wurde Pol Pot durch die Gruppe in einem Schauprozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Durch die sich zur√ľckziehenden Roten Khmer inzwischen als Verr√§ter angesehen starb er als ihr Gefangener im April 1998 im Hausarrest unter nicht vollst√§ndig gekl√§rten Umst√§nden. Ende 1998 ergaben sich die letzten Einheiten der Roten Khmer im kambodschanisch-thail√§ndischen Grenzgebiet.

Ende der 1990er Jahre wuchsen die Spannungen zwischen den beiden Ministerpr√§sidenten; der Kompromiss, der zur Machtteilung gefunden worden war, erwies sich als zu schwach. Es kam im Jahre 1997 zu offenen kriegerischen Auseinandersetzungen, aus denen Hun Sen als Sieger hervorging. Damit begann die Errichtung eines Regimes, in dem Hun Sens Volkspartei autorit√§r regiert und den politischen Wettbewerb so zu ihren Gunsten manipuliert, dass sie die Kontrolle √ľber Parlament und Kommunalr√§te beh√§lt. Das Regime erkauft sich die Gefolgschaft der Beamtenschaft, des Milit√§rs, von Unternehmern und auch von Oppositionspolitikern durch die Vergabe von Posten, die der pers√∂nlichen Bereicherung dienen k√∂nnen. Gegen die Zivilgesellschaft, Journalisten und kritische Oppositionspolitiker wird mit Repression vorgegangen, gleichzeitig stellt sich die Volkspartei ‚Äď vor allem gegen√ľber Gebern von Entwicklungshilfe ‚Äď als jene Kraft dar, die als einzige in der Lage ist, Kambodscha wirtschaftlich und sozial voranzubringen und den Frieden sicherzustellen.

Politik

Politisches System

Die Verfassung Kambodschas definiert Kambodscha als parlamentarische Wahlmonarchie, in der die Exekutive aus dem K√∂nig und einem vom Ministerpr√§sidenten gef√ľhrten Ministerrat besteht und die Legislative aus einer direkt gew√§hlten Nationalversammlung und einem indirekt gew√§hlten Senat besteht. Trotz der formellen Gewaltenteilung tr√§gt das politische System Kambodschas autorit√§re Elemente in sich, die zu einer √ľberm√§√üigen Dominanz des Ministerpr√§sidenten f√ľhrt. Die Volkspartei des Ministerpr√§sidenten schafft es, durch Manipulation des politischen Lebens und durch die Gew√§hrung von M√∂glichkeiten zur pers√∂nlichen Bereicherung die Kooptation von Beamten, Unternehmern und Oppositionellen ihre Vormachtstellung zu sichern.

Die Spielr√§ume f√ľr Pluralismus schrumpfen deutlich und kontinuierlich, die B√ľrger haben in die politischen Institutionen ein unterdurchschnittliches Vertrauen und die Fr√ľchte der wirtschaftlichen Entwicklung kommen nur einem kleinen Kreis von politischen G√ľnstlingen der Regierungspartei zugute.

Exekutive

Das Staatsoberhaupt Kambodschas ist der vom Thronrat gew√§hlte K√∂nig, seit dem 29. Oktober 2004 ist dies K√∂nig Norodom Sihamoni. Der Thronfolger muss ein Mindestalter von 30 Jahren haben und der k√∂niglichen Familie angeh√∂ren, w√§hrend dem Thronrat die Pr√§sidenten und Vizepr√§sidenten von Nationalversammlung und Senat, der Premierminister sowie die Oberh√§upter des Mahayana- und des Theravada-Buddhismus angeh√∂ren. Der K√∂nig symbolisiert die Einheit und Ewigkeit der kambodschanischen Nation und hat dar√ľber hinaus nur zeremonielle und repr√§sentative Funktionen. Er schlichtet bei Verfassungskonflikten, ernennt die Regierung, hohe Beamte und Botschafter, unterschreibt Gesetze und internationale Vertr√§ge und ist Vorsitzender des Verteidigungsrates. Er darf jedoch nicht regieren, die Regierung entlassen, er hat keine Pr√ľfungs- oder Auswahlkompetenzen und keinen politischen Ermessensspielraum. Der Einfluss des K√∂nigs auf das politische Geschehen ist mithin niedrig, mit sinkender Tendenz. Unabh√§ngig ist er nur bei der Aus√ľbung der Macht des Wortes und bei Begnadigungen.

Die K√∂nigliche Regierung wird vom Ministerrat mit dem Ministerpr√§sidenten gebildet. Ministerrat und Ministerpr√§sident werden von der Nationalversammlung bestimmt und vom K√∂nig ernannt. Der Ministerpr√§sident spielt in der Regierungsf√ľhrung die zentrale Rolle, das Gesetz gibt ihm uneingeschr√§nkte Organisations- und Leitungsfunktion. Abgesehen davon ist der Regierungsapparat √ľberdimensioniert, es wurden zahlreiche Posten mit stark fragmentierten Zust√§ndigkeiten geschaffen, um Mitglieder oder Freunde der Regierungspartei mit Posten zu versorgen und um den Machterhalt des Ministerpr√§sidenten abzusichern.

Legislative

Die Legislative besteht aus zwei Kammern. Die erste ist die Nationalversammlung mit mindestens 120 Abgeordneten. Die Abgeordneten werden f√ľr eine Legislaturperiode von f√ľnf Jahren direkt nach Verh√§ltniswahlrecht mit geschlossenen Parteilisten gew√§hlt. Die Nationalversammlung w√§hlt den Premierminister und die Mitglieder des Ministerrates mit absoluter Mehrheit. Ihre Aufgabe ist es, die Regierung zu kontrollieren, sie hat das Recht, dem Premierminister oder anderen Regierungsmitgliedern das Misstrauen auszusprechen. Sie beschlie√üt die Zustimmung zu internationalen Vertr√§gen und best√§tigt die Ernennung hochrangiger Beamter oder Offiziere.

Der Senat, der h√∂chstens halb so gro√ü ist wie die Nationalversammlung, wird f√ľr eine Legislaturperiode von sechs Jahren gew√§hlt. Zwei der Senatoren werden vom K√∂nig und zwei weitere von der Nationalversammlung bestimmt; der Rest wird von den Gemeinder√§ten gew√§hlt. Der Senatspr√§sident vertritt den K√∂nig bei dessen Abwesenheit oder Krankheit. Die Rolle des Senates im politischen Leben Kambodschas ist vernachl√§ssigbar. Da seine Mitglieder in der Regel von der Regierungspartei, die die Gemeinden beherrscht, gew√§hlt werden, √ľbt er √ľber die Regierung keine parlamentarische Kontrolle aus. Er gilt deshalb als Instrument, mit dem die Regierungspartei Personen mit Posten, Status und Zugang zu geldwerten Vorteilen versorgt.

Gesetze werden mit absoluter Mehrheit in der Nationalversammlung beschlossen (Verfassungsgesetze mit Zweidrittelmehrheit), wobei das Recht zu Gesetzesinitiativen beim Premierminister, den Senatoren oder Abgeordneten liegt. Der Senat hat das Recht, gegen Gesetze Einspruch zu erheben, wird das Gesetz in diesem Fall von der Nationalversammlung erneut beschlossen und vom K√∂nig unterschrieben, erlangt es G√ľltigkeit. In der Praxis √ľbt nur der Premierminister das Recht zu Gesetzesinitiativen aus. Die Regierung verwehrt der Opposition ‚Äď sofern im Parlament vertreten ‚Äď ihre Rechte, indem sie sie nicht in Aussch√ľsse einbindet und ihrer Berichtspflicht gegen√ľber dem Parlament nicht oder nur eingeschr√§nkt nachkommt.

Nach der umstrittenen Parlamentswahl in Kambodscha 2018 stellt die Kambodschanische Volkspartei alle 125 Abgeordneten der Nationalversammlung, nachdem die größte Oppositionspartei, die Nationale Rettungspartei Kambodschas, aufgelöst worden war.

Parteien

Die ersten kambodschanischen Parteien entstanden in den 1950er Jahren, keine der Parteien hat jedoch die politischen Umw√§lzungen der vergangenen Jahrzehnte √ľberdauert. Heute ist Kambodscha ein asymmetrisches Zweiparteiensystem, bei der die Hegemonie der Volkspartei strukturell verankert ist. Politischen Mitbewerbern wird keine Chancengleichheit einger√§umt.

Die regierende Kambodschanische Volkspartei ist die mit gro√üem Abstand wichtigste Partei Kambodschas. Sie ging aus dem provietnamesischen Fl√ľgel der marxistischen Kambodschanischen Arbeiterpartei hervor, die Umbenennung erfolgte 1989. Wenngleich sie sich zur Monarchie und zum Privateigentum bekennt, ist sie bis heute nach leninistischem Muster aufgebaut, bei dem das Politb√ľro das eigentliche F√ľhrungszentrum darstellt. Sie hat die Rolle einer dominierenden Partei, kontrolliert Milit√§r, Staatsfunktion√§re und staatsnahe Medien. Ihre f√ľhrenden Mitglieder sind Hun Sen, der seit 1985 Regierungschef ist und dank einem System aus Patronage und Kooptation zum unbestrittenen F√ľhrer der Partei geworden ist. Als Regierungspartei hat die Volkspartei den Vorteil, auf staatliche Strukturen zur√ľckgreifen zu k√∂nnen, wo die parteieigenen Strukturen zu schwach oder nicht vorhanden sind. Dadurch ist sie in den l√§ndlichen Regionen besonders stark verankert. Ihr Generalsekret√§r ist Chea Sim. Sie besetzt nach den Wahlen zur Nationalversammlung vom 29. Juli 2018 und den Senatswahlen vom 25. Februar 2018 s√§mtliche Sitze in beiden Kammern.

Die Opposition konnte seit 1993 nie solide Strukturen aufbauen und litt unter h√§ufigen Abspaltungen. Die FUNCINPEC ging auf die 1980er Jahre zur√ľck, als sie unter K√∂nig Sihanouk am Kampf gegen die vietnamesische Besatzung teilnahm. Sie war in den 1990er Jahren in einer Koalition mit Hun Sens Volkspartei und hat seitdem best√§ndig zugunsten der Volkspartei an Macht verloren. Die Sam-Rainsy-Partei war eine Abspaltung der Kambodschanischen Nationalpartei, die sich ihrerseits 1995 von der FUNCINPEC abgespalten hatte. Sie war Mitglied der Liberalen Internationalen und schloss sich im Jahre 2013 mit der Menschenrechtspartei zur Nationalen Rettungspartei Kambodschas zusammen. Die Rettungspartei betrieb eine wenig konstruktive Oppositionspolitik und bediente vor allem anti-vietnamesische Vorbehalte. Die W√§hler der Oppositionsparteien befanden sich vor allem im Bildungsb√ľrgertum der Hauptstadt und angrenzenden Provinzen. Mitte November 2017 wurde die Partei vom Obersten Gerichtshof Kambodschas verboten, weil sie ihre Anh√§nger nach den letzten Wahlen im Jahr 2013 zu Demonstrationen aufgestachelt habe, um damit den Sturz der Regierung herbeizuf√ľhren.

Die zahlreichen Kleinparteien spielen im politischen Leben Kambodschas keine nennenswerte Rolle.

Wahlen

Die ersten Wahlen in Kambodscha fanden 1946 statt, danach wurden bis 1992 zehn Parlaments- und eine Präsidentschaftswahl abgehalten. Beim größten Teil dieser Wahlen gab es aber keinen wirklichen politischen Wettbewerb.

Das aktive und passive Frauenwahlrecht wurde am 25. September 1956 eingef√ľhrt. Im M√§rz 1958 sa√ü erstmals eine Frau im nationalen Parlament. Keine Frau wurde ins Unterhaus gew√§hlt, bevor 1976 das Einkammersystem eingef√ľhrt wurde.

Seit 1993 finden alle f√ľnf Jahre Wahlen zur Nationalversammlung statt, seit 2003 werden Gemeinderatswahlen durchgef√ľhrt. Dabei sind alle B√ľrger ab 18 Jahren aktiv und ab 25 Jahren passiv wahlberechtigt. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung wird nach kantonalem Verh√§ltniswahlrecht mit starren Parteilisten gew√§hlt. Das Niveau der Gewalt, das die Wahlg√§nge begleitet, ist seit den 1990er Jahren stark zur√ľckgegangen.

In der Praxis werden alle Wahlg√§nge vom Regime manipuliert. Das Wahlrecht bevorzugt Gro√üparteien, indem es eine relativ hohe nat√ľrliche Sperrh√ľrde aufbaut. Vor den Wahlen werden W√§hlerlisten verf√§lscht, W√§hler oder Oppositionelle werden eingesch√ľchtert, und Stimmen gekauft. So konnten an den Parlamentswahlen 2013 1,5 Millionen von 9,6 Millionen Wahlberechtigten aufgrund fehlerhafter W√§hlerverzeichnisse ihre Stimme nicht abgeben. F√ľr die regierende Volkspartei dienen Wahlen somit der Machtkonsolidierung, in deren Zuge sie die Zustimmung zu ihrer Herrschaft ermittelt und Legitimation nach au√üen darstellt. Dar√ľber hinaus wird potentiellen Oppositionsparteien der Zugang zu Medien verwehrt. Da die Parteienfinanzierung ungeregelt ist, sind die Oppositionsparteien finanziell schwach, w√§hrend die Regierungspartei auf Ressourcen des Staates zur√ľckgreifen kann.

Judikative und Recht

Die w√§hrend der franz√∂sischen Herrschaft eingerichteten Grundz√ľge eines Justizsystems wurden w√§hrend der Herrschaft der Roten Khmer vollst√§ndig zerst√∂rt; ab 1979 wurde ein formell marxistisch-sozialistisches Rechtssystem aufgebaut, das in gro√üen Teilen des Landes jedoch nie durchgesetzt wurde.

Seit 1991 wird eine Gesetzgebung bestehend aus der Verfassung, einem Strafrecht nach franz√∂sischem Vorbild, einem b√ľrgerlichen Recht nach japanischem Vorbild, k√∂niglichen Dekreten und Verordnungen des Ministerrates und des Ministerpr√§sidenten geschaffen. Auf dem Land sind dar√ľber hinaus Gewohnheitsrecht und informelle Mediation weit verbreitet. Das Gerichtswesen kennt drei Stufen, wobei die Kreis- und Provinzgerichte die unterste Instanz darstellen. Die dar√ľberliegende Ebene bildet das Berufungsgericht, das Oberste Gericht ist die h√∂chste Instanz. Ein Verfassungsrat mit neun Mitgliedern √ľberpr√ľft die Verfassungskonformit√§t aller Gesetze, w√§hrend der Oberste Magistrat die Funktionsf√§higkeit der Gerichte sicherstellt und die Richter beaufsichtigt.

In der Praxis ist die Funktionsfähigkeit der Justiz Kambodschas schwach: Es fehlt an ausgebildetem Personal, die Infrastruktur ist schlecht. Investitionen in eine leistungsfähige Justiz werden von der Regierung absichtlich vernachlässigt. Die Trennung zwischen Exekutive und Judikative existiert weitgehend nur auf dem Papier, in der Realität sind die meisten Richter Mitglied in der regierenden Kambodschanischen Volkspartei, wodurch die Justiz Teil des Herrschaftssystems ist. Korruption ist integraler Bestandteil nicht nur des politischen Systems, sondern auch des Rechtssystems.

Einen Sonderstatus innerhalb der kambodschanischen Judikative nimmt das Rote-Khmer-Tribunal ein. Aufgrund des Widerstandes der kambodschanischen Regierung gab es nur wenige Anklagen bzw. Verurteilungen. Es ist fraglich, ob dieses Tribunal jemals den Anstoß zur gesellschaftlichen Aufarbeitung der Rote-Khmer-Zeit geben kann.

Landrechte

Bereits seit Jahren berichten internationale Beobachter von systematischen Zwangsvertreibungen und illegaler Landnahme durch staatliche Stellen und private Landentwickler. So berichtete der UN-Sondergesandte Yash Ghai 2008 an den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen

Nach Angaben von LICADHO sind in den von der Organisation beobachteten 13 Provinzen ‚Äď ungef√§hr die H√§lfte des Landes ‚Äď seit 2003 mehr als eine viertel Million Menschen unmittelbar von staatlicher Landnahme und zwangsweisen Vertreibungen betroffen. Allein im Jahr 2008 erhielt Amnesty International Berichte von 27 zwangsweisen Vertreibungen im Land mit etwa 23.000 betroffenen Personen. 2009 fanden insbesondere die Vertreibungen in Phnom Penh rund um den Boeng-Kak-See im Norden der Stadt und am Tonle Sap ein gro√ües mediales Echo.

Auch die deutsche Bundesregierung befasste sich bereits mit der Thematik. Auf eine Kleine Anfrage von Abgeordneten der Gr√ľnen hin gab sie an, die Besorgnis des UN-Sondergesandten Yash Ghai zu teilen und durch eine Unterst√ľtzung des Aufbaus des Katasterwesens dazu beizutragen, Haushalte mit Rechtsanspr√ľchen auf Land wieder in den Besitz von rechtlich abgesicherten Landtiteln zu bringen.

Adoptionswesen

Aufgrund des in der Vergangenheit vergleichsweise stark ausgepr√§gten grenz√ľberschreitenden Adoptionsverkehrs zwischen Kambodscha und westlichen L√§ndern hat das kambodschanische Adoptionswesen eine intensive Beobachtung erfahren. Nationale wie internationale Menschenrechtsorganisationen haben hierbei gravierende Missst√§nde herausgearbeitet.

So erlaubt zwar das kambodschanische Recht die zwischenstaatliche Adoption allein f√ľr verwaiste Kinder, doch gelangen h√§ufig auch solche Kinder zur zwischenstaatlichen Adoption, die lediglich von ihren Eltern vernachl√§ssigt oder aber nur zur nationalen Adoption freigegeben wurden. Mitunter werden Kinder auch aus Krankenh√§usern entf√ľhrt und zur Adoption gegeben. Die Ausstellung inhaltlich falscher Dokumente, die den Waisenstatus der Kinder vort√§uschen, ist allgemeine Praxis. Um die Herkunft der Kinder zu verschleiern und somit das Aufdecken von Missst√§nden zu erschweren, werden sie zwischen den Provinzen verschoben sowie mit neuen Identit√§ten ausgestattet.

Die Entscheidung, welche Kinder zur internationalen Adoption gelangen und welche Kinder in welchen konkreten Fällen den ausländischen Eltern angeboten werden, wird vom kambodschanischen Sozialministerium (MoSAY) getroffen. Dessen Mitarbeiter sitzen zu einem großen Teil in den Aufsichtsgremien der staatlichen Waisenhäuser und kontrollieren damit jeden Adoptionsvorgang auf allen beteiligten Ebenen. Schmiergeldzahlungen der Adoptionseltern sind ein in nahezu jedem Adoptionsfall erforderliches Mittel, um das Verfahren einzuleiten, voranzutreiben und abzuschließen.

Aufgrund der Missst√§nde haben mittlerweile die USA (seit Dezember 2001), das Vereinigte K√∂nigreich (seit Juni 2004), die Niederlande (seit 2003) sowie Australien den Adoptionsverkehr mit Kambodscha suspendiert, sodass eine Anerkennung der kambodschanischen Adoption in diesen L√§ndern derzeit nicht m√∂glich ist und damit dort auch keine Rechtswirkungen entfaltet. Die Adoption ihres sp√§ter in Maddox umbenannten kambodschanischen Sohnes im Jahr 2002 durch Angelina Jolie und ihren damaligen Ehemann Billy Bob Thornton war nur m√∂glich, weil die Papiere zur Einleitung des Anerkennungsverfahrens noch kurz vor der Suspendierung des Adoptionsverkehrs bei der US-Botschaft in Phnom Penh eingereicht worden waren. Deutschland h√§lt den Adoptionsverkehr mit Kambodscha derzeit noch aufrecht, sodass deutsche Eltern nach wie vor eine kambodschanische Adoption in Deutschland anerkennen lassen k√∂nnen. Diese richtet sich nach dem Adoptionswirkungsgesetz, wonach die Entscheidung √ľber die Anerkennung den Vormundschaftsgerichten obliegt.

Mit Wirkung zum 1. August 2007 ist Kambodscha dem √úbereinkommen √ľber den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption vom 29. Mai 1993 beigetreten. Nach Art. 23 Abs. 1 dieses √úbereinkommens entfalten Adoptionen in einem Vertragsstaat automatische Wirkung in allen anderen Vertragsstaaten, ohne dass es einer zus√§tzlichen Anerkennung bedarf. Deutschland, die Niederlande und das Vereinigte K√∂nigreich haben einen Vorbehalt gegen das Inkrafttreten f√ľr Kambodscha geltend gemacht, sodass dieser Automatismus insoweit nicht greift. Die kambodschanischen Beh√∂rden nehmen derzeit (September 2018) keine neuen Adoptionsgesuche entgegen, bis die Arbeiten zur Umsetzung des Haager Adoptions√ľbereinkommens abgeschlossen sind.

Politische Indizes

Innenpolitik

In der Innenpolitik hat sich die Lage unter Hun Sen seit 1997 stabilisiert. Die Kriminalit√§t ist zur√ľckgegangen, es kommen wieder Touristen ins Land, die Inflation ist auf einem Tiefststand, und die ausl√§ndische Entwicklungshilfe flie√üt. Jedoch ist die Korruption weiterhin ein gro√ües Problem. Auch ausl√§ndische Investitionen sind wegen mangelnden Vertrauens in die Regierung zur√ľckgegangen. Au√üerdem l√§sst sich ein autorit√§rer Trend bei Hun Sen feststellen: Durch Edikte setzt er seinen Willen in Gesetze um. Am 7. Juli 2002 wurden auf diese Weise √ľber 50 Zeitungen und Magazine verboten.

Schlechte Arbeitsbedingungen in Textilunternehmen, die ihren Sitz in Hongkong und Taiwan haben, f√ľhren zu politischen Spannungen und Streiks. Hier hat sich Sam Rainsy zum F√ľrsprecher der Arbeiter erkl√§rt. Auch politische Gewalt bleibt ein Thema, da Oppositionspolitiker mehrmals Ziel von Mordanschl√§gen wurden.

Ein gro√üer innenpolitischer Erfolg war das Ende der Roten Khmer, die 1998 endg√ľltig die Waffen niederlegten. Jetzt stehen Aufarbeitung und Bew√§ltigung der Vergangenheit an, was aber nicht ganz einfach ist, weil fast jede politische Macht in der Vergangenheit mit den Roten Khmer paktiert hat und bei n√§heren Untersuchungen fast das ganze Parlament angeklagt werden m√ľsste. Auch international k√∂nnte es zu Spannungen kommen, da China, Thailand und die USA die Roten Khmer zeitweise unterst√ľtzt haben. Am 4. Oktober 2004 billigte die Nationalversammlung den Vertrag mit den Vereinten Nationen √ľber die Einrichtung eines international gest√ľtzten Sondergerichts. Au√üerdem wurde ein Kompromiss √ľber Kompetenzen und Zusammensetzung des Rote-Khmer-Tribunals gefunden ‚Äď kambodschanische Richter stellen im f√ľnfk√∂pfigen Gericht die Mehrheit, einer der ausl√§ndischen Richter muss jedoch dem Urteil zustimmen, um der Korruption vorzubeugen. Das Tribunal, dessen Richter im Juli 2006 nach Sicherung der Finanzierung vereidigt wurden, unterliegt der kambodschanischen Strafprozessordnung.

Zwei der Hauptverantwortlichen, Khieu Samphan und Nuon Chea, entschuldigten sich offiziell f√ľr die Massenmorde in den 1970er Jahren unter Pol Pot und wurden vom K√∂nig auf Ersuchen von Hun Sen begnadigt. Ta Mok, der letzte Kommandant der Roten Khmer, wurde 1999 festgenommen und verstarb 2006, w√§hrend er die Anklage erwartete. Erst 2007 wurden die ersten Beschuldigten vor das Rote-Khmer-Tribunal gestellt. Im Laufe des Jahres wurden verschiedene hochrangige Funktion√§re der Roten Khmer verhaftet und angeklagt.

Das fr√ľhere Toul-Sleng-Gef√§ngnis in Phnom Phenh ist heute eine vor allem von Touristen besuchte Gedenkst√§tte. Am Rande der Hauptstadt befindet sich au√üerdem die ehemalige Hinrichtungsst√§tte Choeung Ek, in der die Sch√§del von mehreren Tausend Opfern in einem Turm aufgebahrt sind. Das private Documentation Center of Cambodia (DCCAM) sammelt vor allem Dokumente und unterst√ľtzt die Bildungsarbeit.

Presse- und Meinungsfreiheit

W√§hrend der Phase der UNTAC-Verwaltung ab 1993 wurde die Gr√ľndung unabh√§ngiger Medien uneingeschr√§nkt erlaubt. Die Medienlandschaft Kambodschas wurde in der Folge als eine der freiesten in S√ľdostasien bezeichnet: Ende der 1990er Jahre waren 80 Presseerzeugnisse, inklusive zahlreicher regierungskritischer Medien, registriert. Um 2008 gab es sieben landesweit empfangbare Fernsehsender und eine gro√üe Zahl an Radiostationen. Seit Beginn der Alleinregierung der Kambodschanischen Volkspartei versucht die Regierung, unabh√§ngige Berichterstattung und freien Journalismus einzuschr√§nken. Sie versucht dies zu erreichen, indem sie die staatlichen Medien kontrolliert und indem sie sie sicherstellt, dass privatwirtschaftliche Medienunternehmen in den Besitz von regierungsnahen Unternehmern kommen. Der einzige staatliche Fernsehsender des Landes namens Television of Kampuchea wird von der Armee betrieben, alle anderen Sender geh√∂ren Familienmitgliedern oder Gesch√§ftsfreunden von Hun Sen.

Artikel 41 der Verfassung Kambodschas garantiert die Meinungs-, Presse-, Ver√∂ffentlichungs- und Versammlungsfreiheit. Das Pressegesetz best√§tigt diese Freiheiten und verbietet explizit jede Zensur. In der Praxis gelten gesetzliche Bestimmungen wie die Strafbarkeit von Informationen, die die Stabilit√§t des Landes beeintr√§chtigen k√∂nnen, die Strafbarkeit von Beamtenbeleidigung oder Verbreitung falscher Informationen. Aber auch Einsch√ľchterungen, gewaltsame √úbergriffe bis hin zu Mord oder Verschwindenlassen f√ľhren zu Selbstzensur bei den Journalisten und Medien. Von 1993 bis 2009 wurden ‚Äď je nach Z√§hlweise ‚Äď zehn Journalisten als Folge von staatlich veranlassten Ma√ünahmen gegen unliebsame Berichterstattungen get√∂tet und in keinem dieser F√§lle wurden die T√§ter zur Verantwortung gezogen. Dar√ľber hinaus gibt es in Kambodscha keine wirtschaftliche Grundlage f√ľr das Gedeihen von Journalismus, so dass die politische Einflussnahme auf Journalisten und Medien allgegenw√§rtig ist.

Menschenrechtslage

Eine in j√ľngster Zeit massiv auftretende Form der Einflussnahme auf die politische Opposition sowie kritische Personen und Organisationen stellen von der kambodschanischen Regierung initiierte gerichtliche Klagen und andere rechtliche Schritte dar. Insbesondere seit Mitte 2009 sehen nationale wie internationale Nichtregierungsorganisationen, zahlreiche internationale Medien sowie der Menschenrechtskommissar der Vereinten Nationen darin den seit einigen Jahren festzustellenden R√ľckgang in der demokratischen Kultur des Landes best√§tigt. Die Verfahren seien ein konzertierter Angriff auf das Pressewesen und die Meinungsfreiheit, auf die Unabh√§ngigkeit der Gerichte und der Anwaltschaft, auf die politische Opposition sowie auf die Arbeit der Nichtregierungsorganisationen. Der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen √ľber die Unabh√§ngigkeit von Richtern und Anw√§lten Leandro Despouy √§u√üerte sich besorgt √ľber die Beschr√§nkung der freien Mandatsaus√ľbung von Anw√§lten in Kambodscha und ermahnte die Regierung, die United Nations Basic Principles on the Role of Lawyers zu beachten.

Unmittelbarer Ausl√∂ser f√ľr die Kritik war ein Gerichtsverfahren gegen Mu Sochua, Abgeordnete der kambodschanischen Nationalversammlung, die den Premierminister Hun Sen verklagt hatte und deswegen ihrerseits verklagt wurde. Anl√§sslich dieses Verfahrens wandten sich in zwei schriftlichen Anfragen Abgeordnete der Fraktion Allianz der Liberalen und Demokraten f√ľr Europa im Europ√§ischen Parlament an den Rat der Europ√§ischen Union und die Europ√§ische Kommission mit der Bitte, diese m√∂gen sich gegen√ľber der kambodschanischen Regierung √∂ffentlich zu den Verfahren positionieren mit dem Ziel, die Klagen fallen zu lassen.

Angesichts der j√ľngsten Entwicklungen sch√§tzt das Kambodschanische Zentrum f√ľr Menschenrechte die demokratische Situation mit den Worten ein: Die kambodschanische Demokratie befindet sich im Abw√§rtsstrudel.

Außenpolitik

Die Verfassung Kambodschas definiert das Land als neutral und blockfrei und tritt damit in die Tradition der Au√üenpolitik der ersten Jahre nach der Unabh√§ngigkeit ein. Nach dem Putsch Lon Nols von 1970 richtete sich das Land zun√§chst auf die USA und das kapitalistische S√ľdvietnam aus. W√§hrend der Herrschaft der Roten Khmer war das Land stark isolationistisch, und bilaterale au√üenpolitische Beziehungen bestanden nur mit der Volksrepublik China. Nach der Offensive Vietnams zur Beendigung des Terror-Regimes der Roten Khmer orientierte man sich in den 1980er Jahren an Vietnam und damit an der Sowjetunion und den Volksdemokratien Osteuropas. Da die Regierung inzwischen auch wieder durch die Vereinten Nationen anerkannt wird, bestehen mittlerweile auch wieder bessere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, Europa und den √ľbrigen ASEAN-L√§ndern. Da ein nicht zu vernachl√§ssigender Teil der Staatsausgaben durch Entwicklungshilfegelder bestritten wird, muss die Regierung unter Hun Sen innenpolitische Entscheidungen gegen die Wahrnehmung nach au√üen abw√§gen. In den letzten Jahren hat sich allerdings die Volksrepublik China zum Hauptgeldgeber entwickelt, so dass man auf Kritik von einzelnen L√§ndern oder Organisationen wie Weltbank und IMF nicht mehr so sehr achten muss.

Kambodscha ist Mitglied in einer Reihe von internationalen Organisationen, darunter die FAO, die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, der Internationale W√§hrungsfonds, die Interpol, das IOC, die Bewegung der Blockfreien Staaten, seit 1955 die UN, die UNESCO, die WHO und die WTO. Im Mai 1999 wurde auch der ASEAN-Beitritt realisiert, auf den lange hingearbeitet wurde und der durch den Putsch Hun Sens von 1997 zun√§chst in weite Ferne ger√ľckt war. Dank der F√ľrsprache Vietnams gelang schlie√ülich der Beitritt. Damit hat Kambodscha seinen festen Platz in der Gemeinschaft der Staaten der Region gefunden und seine politische Isolation beendet. Auch die dadurch entstehende M√∂glichkeit, sich an Treffen und Initiativen zu regionalen Themen zu beteiligen, wird beispielsweise durch Ausrichtung von Konferenzen eingehend genutzt.

Au√üenpolitische Probleme entstehen durch Korruption in Verbindung mit dem Drogenhandel, die sich angeblich bis in Regierungs-, Polizei- und Milit√§rkreise zieht. Zudem ist Kambodscha wegen seiner bargeldbasierten Wirtschaft und seiner durchl√§ssigen Grenzen anf√§llig f√ľr Geldw√§sche.

Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten, die von historischen Spannungen belastet sind, verbessern sich allm√§hlich. Nach einem Besuch von Funktion√§ren der Kommunistischen Partei Vietnams im Juli 1999 beschloss man, die Grenzstreitigkeiten um Gebiete im Mekongdelta und um Inseln vor der K√ľste, die unter Norodom Ranariddh als Premierminister noch f√ľr kleinere milit√§rische Auseinandersetzungen gesorgt hatten, ein f√ľr alle Mal beizulegen. Auch mit Thailand gibt es Grenzstreitigkeiten, zu deren L√∂sung eine 1997 gegr√ľndete bilaterale Grenzkommission 2000 die Arbeit aufnahm. Zu Problemen f√ľhren Abschnitte, in denen Grenzmarkierungen fehlen. Auch hat Kambodscha thail√§ndischen Soldaten vorgeworfen, sie h√§tten im Nordgebiet Grenzsteine zugunsten Thailands verr√ľckt. Anfang 2003 kam es zu einer schweren Krise, als am 29. Januar die thail√§ndische Botschaft niedergebrannt und Gesch√§fte von Thail√§ndern verw√ľstet wurden. Anlass daf√ľr war die angebliche √Ąu√üerung einer thail√§ndischen Fernsehschauspielerin, die Tempel von Angkor Wat seien Thailand gestohlen worden beziehungsweise Angkor Wat geh√∂re zu Thailand. Der thail√§ndische Premierminister Thaksin Shinawatra beschuldigte seinen Kollegen Hun Sen, zu langsam auf die Ausschreitungen reagiert und diese noch verbal weiter angeheizt zu haben. In der Folge wurden thail√§ndische Staatsb√ľrger mit Milit√§rflugzeugen ausgeflogen. Trotz der Verhandlungen um die Landesgrenze gibt es bis heute immer wieder Scharm√ľtzel zwischen den Streitkr√§ften beider L√§nder.

Bei der Drogenbek√§mpfung, kambodschanischen Wirtschaftsfl√ľchtlingen und der R√ľckf√ľhrung gestohlener Kunstwerke aus kambodschanischen Tempeln arbeiten Thailand und Kambodscha zusammen. Sehr freundschaftliche Beziehungen bestehen mit der Volksrepublik China, die zwar die Roten Khmer bis 1992 unterst√ľtzt hat, heute aber neben Hilfsgeldern und medizinischer Unterst√ľtzung auch Feuerwerke f√ľr Festlichkeiten bereitstellt.

Militär und Sicherheit

Kambodscha unterh√§lt einen der gr√∂√üten Sicherheitsapparate S√ľdostasiens. Er dient nicht nur der Verteidigung gegen Angriffe von au√üen, sondern bindet potenziell gewaltt√§tige Gruppen ein und unterdr√ľckt Gruppen, die politisch in Opposition zu den regierenden Eliten stehen.

Die K√∂niglichen Streitkr√§fte Kambodschas unterstehen laut Verfassung dem K√∂nig, der den Vorsitz im Obersten Rat f√ľr Verteidigung innehat. Bei den Teilstreitkr√§ften Heer, Marine und Luftstreitkr√§fte standen 2020 insgesamt etwa 110.000 Soldaten unter Waffen. Mit der politischen Notwendigkeit, Gruppen, die potentiell Gewalt gegen die Regierung einsetzen k√∂nnten, in die Streitkr√§fte einzubinden, wurde das Offizierskorps aufgebl√§ht. Im Jahre 2014 gab es etwa 2200 Gener√§le. Viele Armeeoffiziere verdienen mit privaten Sicherheitsfirmen oder kriminellen Gesch√§ften Geld und kooperieren im Gegenzug f√ľr diese Einnahmequellen mit dem Regime. Seit 2006 besteht eine allgemeine Wehrpflicht von 18 Monaten f√ľr M√§nner von 18 bis 30 Jahren. Die Leibwache des Premierministers steht au√üerhalb der regul√§ren Streitkr√§fte und ist als Gegengewicht zu diesen konzipiert. Sie umfasst zwischen 4000 und 15.000 Mann, die mit schwerem Ger√§t ausger√ľstet sind. Sie kommt nicht zuletzt bei der √úberwachung und Eind√§mmung von Protesten und Demonstrationen zum Einsatz und wird f√ľr zahlreiche Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht. Die Pagoda Boys sind eine Schl√§gertruppe, die dem Premierminister loyal sind und zur Einsch√ľchterung missliebiger Personen herangezogen werden.

Die Nationale Polizei untersteht dem Innenministerium, umfasst etwa 60.000 Mann und wird von einem Polizeigeneral gef√ľhrt. Die Milit√§rpolizei ist hingegen Teil der Streitkr√§fte, √ľbernimmt jedoch auch zivile Funktionen. Die Gendarmerie mit etwa 7000 Mann dient vor allem der Regimesicherung, indem sie Aufst√§nde und Terrorismus bek√§mpft, Anordnungen der Gerichte durchsetzt und die Strafverfolgungsbeh√∂rden unterst√ľtzt. Sie untersteht dem Generalstab der Armee und dem Verteidigungsministerium, berichtet jedoch direkt an den Premierminister.

Art. 53 der Verfassung schreibt dem Land eine dauernde Neutralit√§t vor und verbietet den Beitritt zu milit√§rischen B√ľndnissen, soweit dies der Neutralit√§t widerspr√§che. Auch d√ľrfen die Streitkr√§fte keine St√ľtzpunkte im Ausland unterhalten. Eine Ausnahme hierf√ľr besteht lediglich f√ľr die Teilnahme Kambodschas an Operationen der Vereinten Nationen. Von dieser M√∂glichkeit wurde in der Vergangenheit wiederholt Gebrauch gemacht. So engagierte sich Kambodscha von 2006 bis 2011 mit Spezialisten zur Minenr√§umung an der UNMIS; hierf√ľr wurden mehr als 400 Soldaten in den Sudan entsandt.

Verwaltungsgliederung

Kambodscha ist in 21 Provinzen (Khaet), drei provinzfreie Städte und das Sonderverwaltungsgebiet Phnom Penh unterteilt. Die Provinzen setzen sich weiterhin aus Bezirken/Distrikten (Srok) und Kommunen/Gemeinden (Khum) und Dörfern (phum), die Städte aus Stadtbezirken (Khan) und Stadtteilen (Sangkat) zusammen. Per 2015 gab es 1633 Gemeinden bzw. Stadtviertel und 197 Bezirke.

Die Gouverneure der Provinzen und provinzfreien St√§dte und die Distriktchefs werden von der Regierung in Phnom Penh ernannt, deren Verwaltungen unterstehen dem Innenministerium. Die Zust√§ndigkeiten zwischen Zentralregierung und nachgeordneten Verwaltungseinheiten sind stark fragmentiert, dar√ľber hinaus werden die Gouverneure und Distriktchefs h√§ufig ausgetauscht. Dies ist politisch gewollt, um das Entstehen von lokalen Machtbasen zu vermeiden. Bei den Gouverneurs- und Distriktchef-Posten handelt es sich deshalb tendenziell um Versorgungsposten.

Von Entwicklungshilfegebern wird eine Dezentralisierung des stark auf die Zentralregierung zugeschnittenen Staatswesens in Kambodscha verlangt und vorangetrieben. Im Land selbst gibt es hierf√ľr jedoch keinen gesellschaftlichen Konsens.

Wirtschaft

Entwicklung und Daten

Kambodscha wies vor dem B√ľrgerkrieg den h√∂chsten Lebensstandard S√ľdostasien auf und trug den Beinamen ‚ÄěSchweiz S√ľdostasiens‚Äú, jedoch sorgten B√ľrgerkrieg, das Terrorregime der Roten Khmer und die vietnamesischen Besatzung f√ľr einen drastischen Abstieg. Wirtschaftliche Hilfe kam nur aus den L√§ndern des Ostblocks und versiegte nach dem Zerfall der Sowjetunion fast v√∂llig. Zus√§tzlich traf das bis 1994 geltende westliche Wirtschaftsembargo gegen Vietnam auch Kambodscha. Das Land z√§hlte zu den am wenigsten entwickelten L√§ndern. Nach dem Abzug der Vietnamesen 1989 und der Einf√ľhrung der Marktwirtschaft 1993 begann ein Wirtschaftsaufschwung, der mit der Versorgung der 22.000 Angeh√∂rigen der UN-Mission begann und sich durch Wachstumsraten von 5,6¬†% pro Jahr zwischen 1995 und 1997 manifestierte. Der Staatsstreich von 1997 war ein Einschnitt, der ein Wirtschaftswachstum in diesem Jahr vollst√§ndig verhinderte. Die Zuwachsraten erholten sich jedoch rasch wieder und erreichten durch Entwicklungshilfe und ein Freihandelsabkommen mit den USA zwischen 1999 und 2002 durchschnittlich 6,8¬†% und zwischen 2005 und 2007 den zweistelligen Bereich. Kambodscha z√§hlt damit zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt, bleibt aber eines der √§rmsten L√§nder Asiens.

2016 lag das BIP bei 19,4 Milliarden USD, wovon 26,7¬†% auf die Landwirtschaft, 29,8¬†% auf die Industrie und 43,5¬†% auf das Dienstleistungsgewerbe entfielen. 2013 arbeiteten 48,7¬†% der Kambodschaner in der Landwirtschaft, 19,9¬†% in der Industrie und 31,5¬†% im Dienstleistungsgewerbe. Die Arbeitslosigkeit betrug 2016 nach offiziellen Zahlen nur 0,3¬†%, allerdings gilt Unterbesch√§ftigung als h√§ufig. Die Inflationsrate konnte von 34¬†% vor den Wahlen von 1993 auf 4‚Äď5¬†% Mitte 1996 gedr√ľckt werden und blieb bis 2006 stabil. Seit 2007 steigt sie allerdings verh√§ltnism√§√üig steil an und erreichte im August 2008 einen Hochpunkt von 38¬†% (22¬†% laut offiziellen Zahlen), bevor sie im Oktober wieder zur√ľckging. 2007 wurden G√ľter im Wert von 4,089 Milliarden USD exportiert, haupts√§chlich Bekleidung, Holz, Gummi, Reis, Fisch, Tabak und Fu√übekleidung. Die wichtigsten Exportpartner sind die USA (58,1¬†%), Deutschland (7,3¬†%), das Vereinigte K√∂nigreich (5,2¬†%) und Vietnam (4,5¬†%). Importiert wurden Waren f√ľr 5,424 Milliarden USD, vor allem Petroleumprodukte, Zigaretten, Gold, Baumaterialien, Maschinen, motorisierte Fahrzeuge und pharmazeutische Produkte. Die wichtigsten Herkunftsl√§nder sind Thailand (23,1¬†%), Vietnam (16,9¬†%), China (15¬†%), Hongkong (10,4¬†%), Singapur (7,5¬†%), Taiwan (7,2¬†%) und S√ľdkorea (4,8¬†%).

Seit Juli 2011 verf√ľgt Kambodscha mit der Cambodia Securities Exchange √ľber eine Wertpapierb√∂rse. Vor ihrer Gr√ľndung war bezweifelt worden, dass die Grundvoraussetzungen f√ľr einen Wertpapierhandel rechtzeitig geschaffen werden k√∂nnen. So fehlte es bislang an einer hinreichenden Zahl entsprechend qualifizierter Kr√§fte, an technischen Voraussetzungen und an der Gew√§hrleistung effektiver Kontrollmechanismen durch eine B√∂rsenaufsicht und Gerichte. Mit Hilfe der Korea Exchange aus S√ľdkorea, die im M√§rz 2009 als Kooperationspartner gewonnen wurde, konnten diese Hindernisse bew√§ltigt werden. Im April 2012 nahm die B√∂rse den Handel auf.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegte Kambodscha Platz 94 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegte das Land 2018 Platz 101 von 180 L√§ndern.

Wirtschaftliche Stärken und Schwächen

Ausl√§ndische Investitionen flie√üen haupts√§chlich ins Dienstleistungsgewerbe, den Bekleidungssektor, Besitzspekulationen und in zahlreiche Hoteler√∂ffnungen in und um Phnom Penh, Sihanoukville und Siem Reap. Der Wirtschaftszweig mit den h√∂chsten Wachstumszahlen ist das Textilgewerbe, das auch bei den Exporten einen Anteil von √ľber 70¬†% hat. Mehr als 350.000 Menschen arbeiten hier, die schlechten Arbeitsbedingungen sorgen allerdings f√ľr sozialen Sprengstoff. Nahezu der komplette Sektor untersteht ausl√§ndischen Firmen. Gro√üe Bedeutung hat der Reisanbau und -export. Seit 1999 ist Kambodscha hier Selbstversorger; die √∂kologisch-geografischen Gegebenheiten im zentralen Tiefland machen drei Ernten pro Jahr m√∂glich. In den Urw√§ldern gibt es Hartholzvorkommen, die von Investoren genutzt werden. Dies kann zu Umweltproblemen f√ľhren. Vor der K√ľste vergibt Kambodscha Konzessionen zur Erd√∂lf√∂rderung. Im Norden verf√ľgt das Land √ľber bisher wenig erforschte Vorkommen verschiedener Bodensch√§tze wie Gold, Kohle, Edelsteine (vor allem Saphire), Bauxit, Eisen und Phosphate, deren Abbau sich m√∂glicherweise lohnt. Die Kautschukproduktion, die unter den Franzosen noch von prim√§rer Bedeutung war, ist heute weniger wichtig, tr√§gt aber immer noch zum Export bei. Weitere bedeutende Agrarprodukte sind Mais, Maniok, Bananen, Tabak, Sojabohnen, Mangos, Cashewn√ľsse, Tapioka und Ananas. Die Baubranche und ihre Zulieferer erlebten einen Aufschwung, genau wie handwerkliche Bereiche, unter anderem die Souvenirherstellung. Zudem profitiert Kambodscha vom Wirtschaftswachstum der Nachbarn Thailand und Vietnam.

Ein weiteres Zugpferd der Industrie ist der Tourismus, der Wachstumsraten von um die 50¬†% verzeichnet. Vor allem die alte Khmerkultur mit Angkor Wat als Aush√§ngeschild und ihrem traditionellen Tanz lockt die Touristen ins Land. Nach der √Ėffnung 1992 kamen Mitte der 1990er Jahre etwa 200.000 Touristen pro Jahr nach Kambodscha. 1997 ging diese Zahl wegen eines Granatenanschlages auf eine politische Veranstaltung in Phnom Penh und der innenpolitischen Instabilit√§t stark zur√ľck. Dazu kam die Wirtschaftskrise in Asien. 1998 kamen bereits wieder 150.000 Ausl√§nder. Mit √Ėffnung der thail√§ndischen Grenze und der Aufnahme von internationalen Fl√ľgen nach Siem Reap kamen 1999 schon 300.000 Touristen, 2007 zwei Millionen. Die Touristen stammen meist aus den USA oder aus Frankreich sowie aus ostasiatischen Staaten wie China, Japan und Taiwan.

Negativ wirken sich auf die Wirtschaft Umweltkatastrophen wie die √úberflutungen 2000/2001 oder die D√ľrren 2004 und 2005 aus. Die Steuereintreibung, gerade bei Reichen, gestaltet sich immer wieder als schwierig, was zu Einnahmeverlusten f√ľr den Staat f√ľhrt. Gleiches bewirkt die Korruption. Weitere Hemmnisse f√ľr die wirtschaftliche Entwicklung sind Landbesitzrechtstreitigkeiten sowie die Abh√§ngigkeit von Wirtschaftshilfe und Investitionen aus dem Ausland. Das Vertrauen der Investoren, die vor allem aus Malaysia, Taiwan, Singapur und Thailand kommen, geht momentan eher zur√ľck. Die Regierung will zwar Gro√üunternehmen mit arbeitsintensiven Prozessen anlocken, etwa durch den Beschluss der Nationalversammlung von 1994, dass ausl√§ndische Unternehmen acht Jahre lang keine Steuern bezahlen mussten und hundertprozentig in ausl√§ndischer Hand sein durften, doch Korruption, unsichere Gesetzeslage, B√ľrokratie und innenpolitische Instabilit√§t wirken abschreckend. Trotzdem machten ausl√§ndische Investitionen 2007 immer noch 19,2¬†% des BIP aus. In den n√§chsten zehn Jahren sieht sich Kambodscha vor der Aufgabe, gen√ľgend Arbeitspl√§tze im Dienstleistungssektor zu schaffen, um dem demografischen Ungleichgewicht Rechnung zu tragen. √úber 50¬†% der Bev√∂lkerung sind unter 21 Jahren alt. Auf dem Land fehlt es an einer ausreichenden Infrastruktur. Zudem ist die dortige Bev√∂lkerung unzureichend ausgebildet, und es fehlt ihr an den n√∂tigen Produktionsf√§higkeiten.

Korruption

Korruption pr√§gt das Land wie kaum ein anderes und durchdringt nahezu jeden Bereich staatlichen Handelns. Die US-amerikanische Botschafterin Carol Rodley √§u√üerte 2009, Kambodscha w√ľrden durch Korruption jedes Jahr bis zu 500 Millionen USD Steuergelder entgehen. Auf internationaler Ebene ist bekannt, dass die Korruption zu den Ph√§nomenen mit den gr√∂√üten Auswirkungen auf das kambodschanische Staatswesen geh√∂rt. Ebenso wird regelm√§√üig bem√§ngelt, dass sich ein Korruptionsbek√§mpfungsgesetz (loi contre la corruption) bereits seit 1994 im Gesetzgebungsverfahren befindet.

Ein Aspekt der Korruption ist die M√∂glichkeit, nahezu jedes amtliche Dokument zu kaufen. Die offensichtliche Unrichtigkeit sowohl der hierf√ľr vorgelegten Dokumente als auch der auszustellenden Dokumente ist v√∂llig belanglos. Die deutsche Botschaft in Phnom Penh erkennt (Stand 2017) kambodschanische Urkunden nicht mehr f√ľr den innerdeutschen Rechtsverkehr an; ihre Rechtswirkungen m√ľssen von den insoweit befassten deutschen Beh√∂rden oder Gerichten individuell festgestellt werden.

Ein weiteres Beispiel ist ein massiver Ausverkauf nat√ľrlicher Ressourcen an Investoren, denen s√§mtlich pers√∂nliche Verbindungen zur staatlichen F√ľhrungsebene nachgesagt werden. Zudem w√ľrden deren Aktivit√§ten keine oder nur minimale Steuerertr√§ge generieren. Auch der Armee wird (Stand 2009) eine nicht offizielle, aber dennoch geduldete bzw. gef√∂rderte Teilnahme an dem Raubbau vorgeworfen, insbesondere im Zusammenhang mit dem illegalen Schlagen wertvoller Tropenh√∂lzer.

Breite internationale Aufmerksamkeit erfuhren 2009 Korruptionsvorw√ľrfe gegen das Rote-Khmer-Tribunal, wonach sich Mitarbeiter des Gerichts als Bedingung f√ľr ihre Anstellung damit einverstanden erkl√§ren mussten, einen Teil ihrer Geh√§lter an die F√ľhrungsebene des Gerichts abzuf√ľhren. Im August 2009 wurde im Einverst√§ndnis mit den Vereinten Nationen die Position eines Beraters geschaffen, der den Vorw√ľrfen nachgehen soll. Zuvor hatten zahlreiche internationale Geldgeber ihre Zahlungen an das Tribunal eingefroren, was dieses kurzzeitig an den Rand der Zahlungsunf√§higkeit brachte.

Geb√§udeeinst√ľrze

Baut√§tigkeiten sind kaum reglementiert, Arbeiter sind oft Tagel√∂hner ohne entsprechende Ausbildung, tragen kaum Schutzausr√ľstung und √ľbernachten h√§ufig auf Baustellen.

Wiederholt wird √ľber den Einsturz von Geb√§uden berichtet. In der Provinz Sihanoukville kamen im Juni 2019 beim Einsturz einer Hausbaustelle mindestens 28 Personen ums Leben, was zum R√ľcktritt des Provinzgouverneurs f√ľhrte.

Anfang Januar 2020 starben beim Einsturz eines im Bau befindlichen siebenstöckigen Gebäudes in der Provinz Kep (mind.) 36 Menschen, darunter Kinder.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 3,56 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 3,38 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 0,9¬†% des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2016 6,37 Mrd. Dollar 32,9¬†% des BIP.

Infrastruktur

Kommunikation und Medien

In Kambodscha erscheinen insgesamt √ľber 300 Zeitungen, doch nur weniger als zwanzig k√∂nnen als ernsthafte Bl√§tter mit bezahlten Angestellten und regelm√§√üigem Erscheinen betrachtet werden. Die t√§gliche Zeitungsauflage pro 1.000 Einwohner betr√§gt zwei Exemplare. Nur wenige Zeitungen verf√ľgen √ľber einen Abonnentenkreis, sodass die meisten Bl√§tter mit ihren Schlagzeilen und den Bildern auf der Frontseite t√§glich neu um ihre Leser werben m√ľssen. Koh Santepheap (‚ÄěInsel des Friedens‚Äú), Rasmei Kampuchea (‚ÄěLicht Kambodschas‚Äú) und Kampuchea Thmei gelten als die auflagenst√§rksten Tageszeitungen mit jeweils etwa 20.000 bis 25.000 Exemplaren t√§glich. Weitere wichtige Tageszeitungen sind Moneaksear Khmer (‚ÄěKhmer-Gewissen‚Äú), das Freizeitmagazin Pracheaprey und Samleng Yuvachhun Khmer (‚ÄěStimme der Khmer-Jugend‚Äú). Weiterhin gibt es sieben fremdsprachige Zeitungen, darunter die englischsprachigen The Cambodia Daily (seit September 2017 nur noch online), The Phnom Penh Post und Khmer Times. Die franz√∂sischsprachige Wochenzeitung Cambodge Soir wurde 2010 eingestellt. Die chinesischsprachigen Zeitungen Cambodia Sin Chew Daily und Jian Hua Daily erreichen eine gemeinsame Auflage von etwa 10.000. Die offizielle staatliche Presseagentur ist die Agence Kampuchea Presse (AKP). Seit Februar 2013 erschien f√ľr kurze Zeit das erste deutschsprachige Nachrichtenmagazin unter dem Namen Kambodschanische Allgemeine Zeitung (KAZ).

Seit Mitte der 1950er Jahre gibt es in Kambodscha Radio√ľbertragungen. Landesweit existieren etwa 40 Radiosender, von denen 25 aus Phnom Penh senden, darunter auch ausl√§ndische Sender wie RFI, BBC und ABC. Der nationale Radiosender ist seit 1978 Radio National of Kampuchea (RNK). Weitere wichtige Sender sind Bayon Radio, Royal Cambodia Armed Forces Radio, Apsara Radio, Radio FM¬†90, Radio FM¬†99, Radio Khmer, Radio Beehive, Radio Sweet und Radio Love. Zahlreiche Sender aus den Provinzen sind mit Sendern aus der Hauptstadt verbunden und √ľbernehmen zumindest teilweise deren Programminhalte.

Die Fernseh√ľbertragung begann in Kambodscha im Jahre 1966. Seit 1986 sendet das kambodschanische Nationalfernsehen National Television of Kampuchea (TVK) auch in Farbe. Daneben gibt es die Sender Apsara Television, Bayon Television (TV27), Cambodian Television Network (CTN), MyTV, Phnom Penh Municipal Television (TV3), Royal Cambodia Armed Forces Television (TV5) und Cambodian Television (CTV9). Alle Sender werden in Phnom Penh ausgestrahlt; ihre Reichweite liegt bei jeweils etwa bis zu 200¬†km au√üerhalb der Hauptstadt. Einige Sender verf√ľgen √ľber Relaystationen in verschiedenen Teilen des Landes und erreichen somit auch Zuschauer in den Provinzen. Apsara, Bayon, CTN und TVK sind auch √ľber Satellit zu empfangen. Aufgrund der geringen Verbreitung von Satellitensch√ľsseln haben selbst in Phnom Penh sch√§tzungsweise nur zehn Prozent der Haushalte Zugang zu Fernsehinhalten, auf dem Land sind Fernseher kaum verbreitet.

Das Internet wurde in Kambodscha bereits unter der Verwaltung der UNTAC 1992/93 eingef√ľhrt. Behindert wurde die Entwicklung durch die Khmer-Schrift, f√ľr die es lange Zeit eine Vielzahl von Schrifts√§tzen gab, die untereinander nicht kompatibel waren. Vor kurzem wurde allerdings ein Unicode-Schriftsatz entwickelt, der √ľber 20 Schriftsysteme nutzbar macht. Heute (2018) gibt es 4,1 Millionen Nutzer (25,6¬†% der Bev√∂lkerung), 2016 waren es noch 1,756,824 (11,1¬†%). Die Top-Level-Domain des Landes lautet .kh.

Mobiltelefone sind in Kambodscha deutlich weiter verbreitet als Festnetzanschl√ľsse. Letztere werden vor allem in den St√§dten gebraucht. Auf hundert Einwohner kommen nur 1,5 Festnetzanschl√ľsse, aber 123 Mobiltelefone. Insgesamt gibt es rund 230.000 Telefonhauptleitungen und rund 20 Millionen Handys (Stand 2016). Die internationale Vorwahl Kambodschas lautet 855.

Die Pressefreiheit wurde bis ins Jahr 2018 immer mehr eingeschränkt, alleine im Jahr 2017 wurden 32 Radiostationen geschlossen. Eine Kritik an der Regierung hatten nur noch englischsprachige Medien gewagt; eine davon, die Cambodia Daily stellte den Betrieb 2017 nach einer horrend hohen Steuerrechnung ein, die andere wurde von den australischen Eignern 2018 an einen regierungsfreundlichen malaysischen Unternehmer verkauft.

Verkehr

Flugverkehr

Kambodscha besitzt drei internationale Flugh√§fen: Phnom Penh, Siem Reap, und der Flughafen von Sihanoukville. Im Bau befinden sich ein neuer internationaler Gro√üflughafen zirka 20 km s√ľdlich von Phnom Penh, und zirka 30 km √∂stlich von Siem Reap ein neuer internationaler Flughafen. In der Provinz Koh Kong sind zwei weitere Flugh√§fen im Bau. Des Weiteren existieren in den jeweiligen Provinzen diverse Airfields und Airstrips, teils asphaltiert. Regul√§re internationale Direktfl√ľge finden √ľberwiegend innerhalb der Region statt. Wichtige Knoten- und Umsteigepunkt f√ľr interkontinentale Fl√ľge sind Bangkok, Kuala Lumpur und Singapur. Qatar Airways bietet eine interkontinentale Direktverbindung nach Doha an, und Emirates nach Dubai (jeweils mit Zwischenstops). Lokale Luftfahrtgesellschaften sind oft kurzlebig; so setzte etwa die Siem Reap Airways am 1. Dezember 2008 ihren Betrieb aus. Die PMTair hat ihren Heimatflughafen in Siem Reap. Weitere kambodschanische Fluggesellschaften sind Angkor Airways, Imtrec Aviation und Royal Khmer Airlines. Zudem haben viele weitere ostasiatische Fluggesellschaften Vertretungen in Kambodscha und bieten Fl√ľge an. Eine nationale Fluggesellschaft ist in Zusammenarbeit mit einem indonesischen Konsortium geplant.

Straßenverkehr

Das kambodschanische Stra√üennetz umfasst 28.257 Kilometer, wovon 2.406 Kilometer asphaltiert sind (2004). In den letzten Jahren wurden mit japanischen Entwicklungsgeldern umfassende Verbesserungsarbeiten vorgenommen. Der zentrale Knotenpunkt ist Phnom Penh, von wo aus sechs von acht Nationalstra√üen sternf√∂rmig ausgehen. Sie sind von eins bis acht einstellig nummeriert. Von diesen Hauptachsen wegf√ľhrende Stra√üen erhalten zweistellige Nummern, deren erste Ziffer jener der zugeh√∂rigen Hauptstra√üe entspricht. In Kambodscha gelten Rechtsverkehr und F√ľhrerscheinpflicht.

Eisenbahn

Das kambodschanische Schienennetz umfasste 602¬†km einspurige Strecken, deren Spurweite die Meterspur ist. Die Nordstrecke verband Phnom Penh mit Poipet an der Grenze zu Thailand, sie ist derzeit (2016) im Wiederaufbau. Die 1969 fertiggestellte S√ľdstrecke verl√§uft von Phnom Penh nach Sihanoukville. Diese Verbindung wird (2015) t√§glich von mehreren G√ľterz√ľgen befahren. Seit April 2016 verkehren wieder Reisez√ľge. Das Rollmaterial der staatlichen Eisenbahngesellschaft ist alt und befindet sich in Modernisierung. Absichten bestehen mit dem Projekt der Trans-Asian Railway.

In den B√ľrgerkriegszeiten der 1980er und 1990er Jahre begleitete ein Maschinengewehrwagen jeden Zug, die ersten beiden Waggons dienten zur Minenr√§umung.

√Ėffentlicher Busverkehr

G√§ngige √∂ffentliche Verkehrsmittel sind Busse, Sammeltaxis und Pick-ups. Zwischen den gr√∂√üeren St√§dten gibt es mittlerweile regelm√§√üige Busverbindungen. Pick-ups, Taxis und Minibusse decken sowohl regul√§re Verbindungen als auch Einzelauftr√§ge ab. St√§dtische Nahverkehrssysteme existieren kaum, in Phnom Penh sind 13 √∂ffentliche Buslinien verf√ľgbar, die auch Vororte einbeziehen.

Wasserwege

Kambodscha besitzt ungef√§hr zwischen 2000 und 3500 Kilometer Wasserwege. Die gr√∂√üte Rolle spielt der Mekong, der bis Kratie problemlos schiffbar ist, in der Regenzeit sogar bis Stung Treng und weiter zur laotischen Grenze. Der √úberseehafen befinden sich in Sihanoukville am Meer. Als Hauptverkehrsmittel werden Boote in den meisten Regionen allm√§hlich von Fahrzeugen abgel√∂st, allerdings fahren zwischen Phnom Penh und Siem Reap immer noch regelm√§√üig Verkehrsschiffe, ebenso zwischen Battambang und Siem Reap. Die Strecke zwischen Koh Kong und Sihanoukville wurde inzwischen eingestellt, da die Stra√üe zwischen den beiden Orten fertiggestellt wurde und die Busverbindungen schneller und g√ľnstiger sind. Es existiert auch ein Grenz√ľbergang auf dem Fluss Tonle Bassac nach Ch√Ęu ńźŠĽĎc (Vietnam) der per Schiff passierbar ist.

Energie

Der kambodschanische Energiesektor wird durch zwei Institutionen verwaltet: zum einen das Ministry of Industry, Mines and Energy, das den staatlichen Rahmen f√ľr den Energiesektor setzt und entsprechende technische Standards definiert, und zum anderen die Energiebeh√∂rde Electricity Authority of Cambodia, die durch die Vergabe von Lizenzen an mittlerweile mehr als 240 Elektrizit√§tsunternehmen die Versorgung des Landes mit Strom sicherstellt.

Insgesamt produzierte Kambodscha 2009 1.235 GWh Strom. Davon entfielen 93,36 % auf die Verbrennung von Diesel, 3,84 % auf die Nutzbarmachung von Wasserkraft, 2,27 % auf Kohlekraftwerke und 0,53 % auf die Verbrennung von Biomasse. Zur Versorgung von grenznahen Orten wurden zusätzlich 324,2 GWh aus Thailand und 842,4 GWh aus Vietnam importiert.

Der durchschnittliche Jahresverbrauch liegt bei 100,68¬†kWh pro Einwohner, wobei allerdings nur 16,41¬†% der Haushalte an die Stromversorgung angeschlossen sind (Stand: 2007). Die Versorgung √ľbernehmen zahlreiche, untereinander unabh√§ngig arbeitende Stromnetze; nur das gr√∂√üte Netz, das Phnom Penh System, und das North-West Grid System (Banteay Meanchey ‚Äď Siem Reap ‚Äď Battambang System) sind miteinander verbunden.

Die technischen Installationen befinden sich zu einem großen Teil in einem maroden Zustand. Weite Teile des Landes sind daher von regelmäßigen Stromausfällen betroffen. Im Jahr 2007 gingen landesweit 11,05 % der Energie während der Durchleitung verloren; in ländlichen Gebieten betrug der Verlust sogar bis zu ein Viertel. Ein weiteres Problem ist der rasant wachsende Energiebedarf. In Phnom Penh lag dieser im Jahr 1995 noch bei 30 MW und stieg bis auf derzeit (Juli 2009) 230 MW, binnen 14 Jahren also auf mehr als das Siebenfache. Gleichzeitig erlaubt das Phnom Penh System eine maximale Durchleitung von nur etwa 190 MW. Diese Differenz wird ausgeglichen durch koordinierte Unterbrechungen der Versorgung zwischen den Stromunternehmen in wechselnden Teilen der Stadt. Im Landesdurchschnitt wird eine Versorgung zu lediglich 75 % des Bedarfs erreicht.

Aufgrund der fast vollst√§ndigen Abh√§ngigkeit des Landes von Dieselimporten sind die Kosten f√ľr Strom in Kambodscha die h√∂chsten in S√ľdostasien. Eine Kilowattstunde kostet aktuell (Juli 2009) 0,18 USD, in Vietnam hingegen nur 0,05 USD. Zur Minderung der Importabh√§ngigkeit sind derzeit ein Kohlekraftwerk bei Sihanoukville sowie vier Wasserkraftwerke am Mekong geplant.

Bildung

Mindestens seit dem 13. Jahrhundert wurden zumeist Jungen von buddhistischen M√∂nchen in Wats in Religion, in Grundlagen von Lesen und anderen f√ľr das Leben im l√§ndlichen Kambodscha wichtigen F√§higkeiten ausgebildet. Ein erstes Erziehungsgesetz wurde 1917 von den Franzosen erlassen und umfasste prim√§re und sekund√§re Ausbildung in einem an das franz√∂sische Modell angelehnten System, das allerdings sehr elit√§r war und vor allem dazu diente, Beamte f√ľr Franz√∂sisch-Indochina auszubilden. Die erste Hochschule √∂ffnete Ende der drei√üiger Jahre. Nach der Unabh√§ngigkeit wurde ein allgemeines Bildungssystem eingerichtet, das in den 1950er Jahren zun√§chst durch h√∂here technische Schulen und in den 1960er Jahren auch durch die Erm√∂glichung einer terti√§ren Bildung vervollst√§ndigt wurde. Die prim√§ren, niedrigen sekund√§ren und hohen sekund√§ren Schulen dauerten hier nach ungef√§hrem franz√∂sischem Vorbild sechs, vier bzw. drei Jahre.

Die Roten Khmer setzten nach ihrer Machtergreifung 1975 das alte Bildungssystem aus, zerst√∂rten Lehrmaterialien systematisch und funktionierten die meisten Schulen zu anderen Zwecken um. Einige Primarschulen blieben offen, f√ľr √§ltere Sch√ľler fanden unregelm√§√üig politische und technische Kurse statt. Zwar gab es ein Erziehungsministerium, und einige Lehrb√ľcher wurden herausgegeben, doch alles in allem wirkten sich die Jahre von 1975 bis 1979 verheerend auf die durchschnittliche Bildung in der Bev√∂lkerung aus; auch, da Intellektuelle systematisch verfolgt wurden. Beispielsweise wurden 75 bis 80¬†% der Erzieher get√∂tet oder flohen. Nach dem Sturz der Roten Khmer 1979 wurden die alten Einrichtungen nach und nach wieder in Betrieb genommen, zun√§chst Vor-, Primar und Sekundarschulen, sp√§ter auch die terti√§re Ausbildung und die Erwachsenenbildung. Der Verlust an Lehrkr√§ften wurde dadurch kompensiert, dass Menschen mit jeder Art von Bildung als Lehrer eingesetzt wurden. Unterricht fand teilweise im Freien statt. Auch gab es Raten f√ľr die Sch√ľler, die die obere Sekundarschule und Universit√§ten besuchen durften, wodurch Korruption, Beg√ľnstigung und Vetternwirtschaft entstanden, ein Problem, das heute noch besteht. Mit dem Ende der 1980er Jahre waren die bildungspolitischen Folgen des Regimes der Roten Khmer weitgehend √ľberwunden.

Die Lage verbesserte sich ab 1990, als neue Schulen gebaut wurden und der f√ľr Bildungszwecke verwendete Anteil des Budgets stieg. Heute garantiert die Verfassung jedem Kambodschaner eine kostenlose, mindestens neun Jahre andauernde Schulbildung, ‚Äědas Ministerium f√ľr Bildung, Jugend und Sport gibt aber zu, dass es sehr unwahrscheinlich sei, in der nahen Zukunft f√ľr jedes Kind die Gelegenheit zu schaffen, eine neunj√§hrige Ausbildung zu erm√∂glichen‚Äú. Die Ausbildung soll seit 1996 aus einer lediglich regional durchgesetzten Vorschule und sechs Jahren Grundschule sowie drei Jahren unterer Sekundarschule bestehen. Nach der neunten Klasse kann man √ľber eine Pr√ľfung die h√∂here Sekundarschule erreichen, die weitere drei Jahre umfasst und mit einem weiteren Examen abgeschlossen wird, das zum Hochschulstudium berechtigt. Die Pr√ľfungen sowie die knappen, begehrten Studienpl√§tze f√ľhren wiederum zur Korruption.

Das Ministerium f√ľr Bildung, Jugend und Sport ist f√ľr nationale Richtlinien zust√§ndig, auf unterer Ebene ist das Bildungssystem stark dezentralisiert. Es sieht sich vielen Schwierigkeiten gegen√ľber, darunter einem Mangel an qualifizierten Lehrern und Lehrmaterialien sowie fehlender Arbeitsmoral bzw. fehlendem p√§dagogischem Ethos aufgrund niedriger L√∂hne. Dies kann so weit gehen, dass Lehrer von Sch√ľlern Geld verlangen, damit diese am Unterricht teilnehmen k√∂nnen, oder dass der Unterricht aufgrund von Nebenbesch√§ftigungen des Lehrers teilweise ausf√§llt. Der Schulbesuch in l√§ndlichen Gebieten bleibt begrenzt, da von den Kindern erwartet wird, auf den Feldern zu helfen. Daraus resultieren Qualit√§tsunterschiede zwischen der Bildung in st√§dtischen und l√§ndlichen Gebieten. Insgesamt bezahlen die Eltern im Vergleich zum Staat sechs Mal so viel f√ľr die Ausbildung der Kinder, was dazu f√ľhrt, dass manchmal nicht alle Kinder einer Familie zur Schule gehen k√∂nnen. Dadurch erkl√§ren sich der √úberschuss an m√§nnlichen Sch√ľlern, besonders an weiterf√ľhrenden Schulen, und das allgemein schlechtere Bildungsniveau der Frauen. Auf allen Ebenen existieren zus√§tzlich Privatschulen, etwa f√ľr die Kinder ethnischer Minderheiten oder westlicher Ausl√§nder. Buddhistische Schulen sollen staatliche F√∂rdergelder erhalten.

Gesundheit

Das kambodschanische Gesundheitssystem hat auf weiten Strecken mit √§hnlichen Problemen zu k√§mpfen wie das Bildungssystem. Eine staatliche Krankenversorgung fehlt ebenso wie technische Ausr√ľstung; die niedrigen L√∂hne in staatlichen Krankenh√§usern geben den Angestellten Anlass zur Korruption, zur F√§lschung von Statistiken, um mehr Geld und Medikamente zu erhalten, und zum Verkauf von Medizin auf dem Schwarzmarkt. Verbreitet ist dazu das System, viele teure Spritzen zu verabreichen, was durch die Mehrfachverwendung von Nadeln wiederum eine Mitschuld an der Verbreitung von HIV tr√§gt. Die meistverbreitete Darstellung zur Einf√ľhrung des HI-Virus besagt, dass dieses durch an der UN-Mission von 1993 teilnehmende Soldaten eingeschleppt wurde. Heute leiden etwa 2,6¬†% der Bev√∂lkerung an der Immunschw√§che. Nachbehandlungen und Pflege finden kaum in staatlichen Krankenh√§usern statt, vielmehr sind die Familien der Kranken f√ľr die Versorgung mit Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten zust√§ndig. In Phnom Penh gibt es auch eine Reihe westlich ausgerichteter Privatkliniken, die einen h√∂heren Standard erreichen; in den Provinzhauptst√§dten werden die Einrichtungen h√§ufig von westlichen Entwicklungsgesellschaften wie den M√©decins sans fronti√®res geleitet und betrieben. Kantha Bopha betreibt f√ľnf Spit√§ler, die Kinder kostenlos versorgen.

Die h√§ufigsten Todesursachen sind Kreislauf- und Infektionskrankheiten sowie Krebs. Die Malaria ist ein Problem, da die Erreger in einigen Gebieten an der Grenze zu Thailand fast vollst√§ndig resistent gegen Antibiotika sind. Insgesamt kommt ein Arzt auf 3.333 Einwohner, lediglich 50 √ľberlebten das Regime der Roten Khmer.

Auf dem Land ist nach wie vor die traditionelle Medizin (thnam boran) popul√§r. Medizinm√§nner und Schamanen sind weit verbreitet und genie√üen manchmal mehr Vertrauen als die √Ąrzte. Auch in den St√§dten sind noch verschiedene Rituale zur Austreibung b√∂ser Geister beliebt, etwa das Schr√∂pfen. Weitere Alternativen zur Schulmedizin sind die traditionelle Medizin der Wats mit Kr√§utern, Segnungen und Zeremonien sowie die traditionelle chinesische Medizin.

Nachdem das Gesundheitssystem unter den Roten Khmer komplett zusammengebrochen war, konnten in den letzten Jahren deutliche Fortschritte im Kampf gegen Kinder- und M√ľttersterblichkeit sowie bei der Steigerung der Lebenserwartung gemacht werden. Im Jahr 1975 starben 31¬†% der Kinder vor ihrem 5. Geburtstag, im Jahr 2016 waren es noch 3¬†%. Ebenfalls zur√ľckgegangen ist der Anteil der unterern√§hrten Bev√∂lkerung (von 31¬†% im Jahre 1991 auf 14¬†% im Jahre 2015).

Kultur

Die Kultur Kambodschas beruht weitestgehend auf jener des antiken Khmer-Reichs. Architektur und Ikonografie, aber auch Tanz und Literatur zeigen den starken indischen Einfluss in der damaligen Zeit. Den modernen Khmer dient sie der nationalen Identifikation und als Aush√§ngeschild f√ľr den Tourismus. So ist die Pflege der traditionellen Kultur in Kambodscha von gro√üer Wichtigkeit und richtet sich vor allem auf die Tempelanlagen von Angkor aus. Auch Musik, traditionelle T√§nze und Schattenspiele zeugen von der fr√ľhen Auspr√§gung einer eigenst√§ndigen Kultur, die bis heute teilweise in ihrer urspr√ľnglichen Form gepflegt wird und auch als Grundlage f√ľr neue Entwicklungen dient. Seit 1979 gibt es eine Wiederbelebung in der Kunst. Monumente und Stupas werden mit staatlichen Mitteln restauriert, l√§ndliche buddhistische Tempel (Wat) auch mit lokalen Spenden. Die zwei Schulen f√ľr Kunst in Phnom Penh sind wieder offen und werden rege besucht. Das Nationalmuseum zeigt viele Kunstwerke, die der Zerst√∂rung durch die Roten Khmer entgingen.

Feiertage

Der Unabhängigkeitstag am 9. November ist der Nationalfeiertag Kambodschas. Wenn ein Feiertag auf einen Samstag oder Sonntag fällt, wird er am nächsten Werktag nachgeholt. Mit einem Sternchen (*) markierte Anlässe variieren entsprechend dem buddhistischen Mondkalender. Die Daten werden jährlich durch Dekrete des Ministerpräsidenten festgelegt.

K√ľche

Die kambodschanische K√ľche beruht stark auf Einfl√ľssen aus anderen L√§ndern, etwa Vietnam, China (wegen der Gesch√§ftsverbindungen), Malaysia, Frankreich (daher stammt das franz√∂sische Brot, das in Kambodscha gegessen wird), Laos und Thailand. Die Gerichte sind √ľblicherweise nicht besonders scharf und werden mit Kr√§utern wie Zitronengras oder Koriander verfeinert. Zum Braten wird Palm√∂l verwendet. Gekocht und gebraten wird traditionell in einem Wok auf einem Holzkohleofen; in den St√§dten setzen sich vermehrt Gasbrenner durch. Das Grundnahrungsmittel ist wei√üer Reis, der oft aus der Battambang-Provinz kommt; auch Nudeln sind beliebt. Popul√§r sind s√ľ√ü-saure Gerichte aus Fisch, Huhn oder Gem√ľse mit Ananas, Zwiebeln und gr√ľnen oder roten Tomaten. Ged√§mpfte Gerichte basieren auf einer leichten Br√ľhe mit Rind, Fisch oder Gem√ľse und h√§ufig einem hart gekochten Ei. Currys bestehen meist aus Rind und sind nur leicht scharf. Wichtigste Proteinquelle ist Fisch. Er wird gebraten, gegrillt, gep√∂kelt, als Suppe oder ged√§mpft gegessen. An Fleisch sind vor allem Schwein und Rind verbreitet.

Kambodschanische Spezialit√§ten sind zum Beispiel ein fondueartiges Gericht, bei dem Fleischb√§llchen in eine von unten beheizte Br√ľhe getunkt und mit anderen Zutaten verspeist werden, oder ein Huhn, das in seinem Saft mit Zucker und Gew√ľrzen angemacht als Festessen verspeist wird. Als frittierte Snacks oder Suppenbeigaben beliebt sind K√§fer und Grillen, regional auch Vogelspinnen und Wasserwanzen. In gehobenen Restaurants kann man Schlangen, Schildkr√∂ten, Eidechsen, Ameiseneier, Spatzen und andere kleinere V√∂gel verzehren. Aus kleinen getrockneten und fermentierten Fischen wird die allgegenw√§rtige Prahok-Paste hergestellt, die wei√ülich schillert und einen stechenden Geruch hat.

Das beliebteste Getr√§nk ist gr√ľner Tee, der stark gezuckert wird. Roter Tee wird mit Limonensaft und Zucker gemischt. Von morgens bis zum Nachmittag wird Kaffee entweder schwarz oder mit viel Kondensmilch getrunken. Einheimische Fruchts√§fte bestehen beispielsweise aus Zuckerrohr oder Kokosnuss, verbreitet ist auch Sojabohnenmilch. An alkoholischen Getr√§nken gibt es mehrere einheimische Sorten Bier wie etwa das Angkor-Bier, Anchor und ABC-Stout. Aus Reis werden s√ľ√üe, starke Weine hergestellt. Auch rasch g√§render Zuckerpalmsaft wird ausgeschenkt.

Ratten

In der Regenzeit verlassen die Ratten ihre unterirdischen G√§nge, fl√ľchten auf B√ľsche und B√§ume und ern√§hren sich dort vegetarisch. In dieser Phase gelten sie als ‚Äěrein‚Äú und werden gejagt. Sie dienen als Tierfutter auf Krokodilfarmen und auch zum menschlichen Verzehr.

Kleidung

Traditionelles Universalkleidungsst√ľck der Kambodschaner ist der Krama. Fast jeder Einwohner des Landes besitzt eines der Baumwollt√ľcher. Sie sind vielf√§ltig benutzbar: sie bieten Schutz vor Sonne oder Staub, werden als Trage-, Nasen- oder Schwei√üt√ľcher eingesetzt oder beim Baden als Sichtschutz verwendet. In der Zeit der Roten Khmer waren sie sogar ein Teil der Milit√§runiform. Der Sarong ist ein bis zum Kn√∂chel reichendes, buntes Baumwolltuch, das sich die Frauen als Alltagskleidungsst√ľck um die H√ľfte wickeln. F√ľr die M√§nner gibt es den entsprechenden Sarong Sot, der aus Seide besteht und seltener getragen wird als der Krama. Bei Festen tragen Frauen einen Houl oder einen Phamung, die den Schnitt eines Sarong haben, aber aus Seide hergestellt sind. Der Houl ist bunt und gebl√ľmt, der Phamung einfarbig. Als Arbeitskleidung sind bei den Frauen einfarbige R√∂cke in Gr√ľn, Blau oder Grau √ľblich, dazu wei√üe Blusen. M√§nner tragen graue Stoffhosen und helle Hemden.

Architektur

Klassische Khmer-Architektur

Die Wurzeln der klassischen Khmer-Architektur finden sich in den Reichen von Funan und Chenla. Sie wiesen einen starken indischen Einfluss auf. In Funan wurden die Geb√§ude haupts√§chlich aus Holz errichtet, weshalb kaum √úberreste vorhanden sind. Chenla √ľbernahm die indianisierte Kunst und Architektur Funans und entwickelte sie weiter. Ab dem 7. Jahrhundert wurden Geb√§ude aus Ziegeln und Stein errichtet. Typische Relikte aus dieser Zeit sind Prasats, vier- oder achteckige Ziegelt√ľrme mit Kraggew√∂lben und einem Schrein auf einem Podest, das aus Etagen bestand, die nach oben ansteigend kleiner wurden.

Unter Jayavarman II. fand im 9. Jahrhundert der √úbergang vom Stil Chenlas in die angkorianische Zeit statt. Im Vergleich zu fr√ľheren Epochen entwickelte sich nun der eigenst√§ndige, kambodschanische Stil. Jayavarman II. f√ľhrte die Verehrung der indischen Gottheit Shiva ein, weswegen nun bis ins Jahr 1219 fast jeder Gottk√∂nig einen Staatstempel f√ľr seinen Linga baute. Der Linga, h√§ufig als Phallus interpretiert, war als Symbol Shivas auch das Symbol des Kultes. In ihm wurde die Seele des Gottk√∂nigs bewahrt. Die Tempel fungierten als Quelle und Zentrum der Macht sowie als spirituelles R√ľckgrat des Reiches. Weitere Tempel dienten der Ahnenverehrung oder als Kl√∂ster, insbesondere aufgegebene Staatstempel.

Aufgrund ihrer indischen Wurzeln repr√§sentieren auch die Tempel aus dem angkorianischen Zeitalter durch ihre Architektur den Berg Meru, das Heim der indischen G√∂tter. Im 9. Jahrhundert entstanden f√ľnfstufige Pyramiden, und zu den Hauptt√ľrmen gesellten sich im Laufe der Zeit die vier typischen Nebent√ľrme, die in Quincunx-Anordnung gehalten sind und durch Verbindungen die Gestalt eines Kreuzes annehmen. Dieses innerste Heiligtum ist aus astrologischen Gr√ľnden nach einer Ost-West-Achse ausgerichtet und hat gew√∂hnlich nur eine nach Osten weisende √Ėffnung und falsche T√ľren an den anderen Seiten. Weitere Geb√§ude sind Empfangs- und Meditationshallen sowie Bibliotheken f√ľr die heiligen Schriften, die oft paarweise angeordnet wurden und sich in Richtung des Heiligtums √∂ffnen. Um die zentralen Geb√§ude herum finden sich Dammwege und Gr√§ben. Das ganze Gel√§nde umgeben zumeist nicht verzierte, konzentrische Einfassungsmauern, normalerweise ein bis drei, in seltenen F√§llen auch mehr. An Kardinalpunkten sind Tore eingelassen, die im Laufe der Zeit immer pr√§chtiger wurden und in der Sp√§tphase die Form von Torbauten (gopuram) mit Vorkammern und T√ľrmen annahmen.

In den Heiligt√ľmern befanden sich Ikonen jener hinduistischen Gottheiten, denen die Tempel gewidmet waren. Nach der √úbernahme des Buddhismus wurde der Gottk√∂nig durch Buddhastatuen symbolisiert. W√§hrend die ersten Tempel sehr einfach gestaltet waren, kamen mit der Zeit T√ľren und Galerien hinzu. An den Seiten und R√ľckw√§nden der Geb√§ude befanden sich falsche Fenster und T√ľren. F√ľr Gem√§cher wurden Konsolen verwendet, da keine B√∂gen bekannt waren, was nur kleine R√§ume zulie√ü. Die inneren W√§nde sind im Gegensatz zu den √§u√üeren nicht verziert, was zu Spekulationen √ľber ehemalige Wandbilder gef√ľhrt hat.

Als Material wurden bis Ende des 10. Jahrhunderts Holz und sp√§ter vor allem Ziegel benutzt, die teilweise mit Stuck ummantelt und mit einer Art nat√ľrlichem Klebstoff verbunden wurden. F√ľr St√ľrze und S√§ulen wurde bereits seit funanesischen Zeiten Sandstein benutzt, etwa aus Phnom Kulen, der mit besseren Bautechniken auch f√ľr T√ľrme und sp√§ter ganze Tempelanlagen √ľbernommen wurde. In der Sandsteinarchitektur finden sich auch Hinweise auf fr√ľhere Holzstrukturen ‚Äď Galeried√§cher tragen falsche Dachplatten, w√§hrend Holzfenster imitiert werden. F√ľr Fundamente, Becken und Gr√§ben, umschlie√üende Mauern und Mauerkerne wurde Laterit verwendet, ein leicht verf√ľgbares und schneidbares Oberfl√§chenprodukt. Kupfer- und Bronzebleche dienten als Zierde, Tonziegel wurden neben Schindelimitaten aus Sandstein zum Decken der D√§cher verwendet. Die Steine wurden oft so angeordnet, dass die vertikalen Schnittstellen nicht gestaffelt waren. Da kein M√∂rtel verwendet wurde und nur das Gewicht und die passgenaue Anordnung der Steine die Tempel zusammenhielten, brachen sie bei mangelnder Pflege schnell ein.

Durch den exzessiven Tempelbau, mit denen jeder Gottk√∂nig versuchte, seinen Vorg√§nger zu √ľbertrumpfen, waren die Vorkommen des qualitativ guten Sandsteins um 1219 ersch√∂pft. Zusammen mit einem sinkenden Wohlstand f√ľhrte dies zu schlechter gebauten Tempeln. Da mit der √úbernahme des Buddhismus als Staatsreligion auch die Geb√§ude allgemein schlichter wurden, kam es schlie√ülich zu einer weitgehenden Einstellung der Bauaktivit√§ten. Schlie√ülich folgte die postangkorianische Periode, in der wieder vermehrt mit Holz gearbeitet wurde.

Moderne, nichtreligiöse traditionelle Architektur

In den 1950er und 1960er Jahren wurden von chinesischen Unternehmern in den Stadtzentren drei- bis f√ľnfst√∂ckige Wohnblocks aus Beton gebaut, die unter den Roten Khmer verlassen wurden und nun wieder bewohnt werden ‚Äď so dicht, dass sich auf den D√§chern slumartige Siedlungen bilden. Bausubstanz und elektrische und sanit√§re Einrichtungen sind in einem sehr schlechten Zustand, h√§ufig gibt es nur im Erdgeschoss Toiletten und flie√üendes Wasser. In den √§u√üeren Stadtkernen ist der franz√∂sische Einfluss noch sichtbar; hier gibt es Villen aus der Sp√§tphase der Kolonialherrschaft, die im franz√∂sischen Kolonialstil gehalten sind, der mit dem Art d√©co verwandt ist. Auf dem Land sind einfache H√§user aus Bambus und Holz auf Holz- oder Betonpfeilern gegen √úberflutungen verbreitet. Unter den H√§usern befindet sich offener Stauraum, der auch als Haustierstall und Arbeitsraum genutzt wird. Den Zugang ins Wohngeb√§ude gew√§hrleistet eine Au√üentreppe. Im Inneren befinden sich √ľblicherweise ein gro√üer Gemeinschaftsraum sowie das Elternschlafzimmer und die K√ľche. Die Au√üenw√§nde werden durch geflochtene Gras- oder Palmmatten gebildet. D√§cher bestehen aus Schilf oder Gras, selten auch aus Ziegeln.

Literatur

Khmer-Literatur

Die traditionelle Khmer-Literatur vereinigt Unterhaltung mit erzieherischen Inhalten. Das bekannteste Werk fr√ľher kambodschanischer Literatur ist das Reamker, eine lokale Adaption des indischen Epos Ramayana. Das Reamker wirkt sich bis heute pr√§gend auf neue musikalische, choreografische und theatralische Entwicklungen aus. Ein weiterer Text aus der Zeit des Khmer-Reiches ist das Gedicht von Angkor Wat, das in die W√§nde des Tempels geschrieben wurde. Eine historische Rolle spielt auch die religi√∂se Literatur, die sich von den Niederschriften der Regeln des in S√ľdostasien vorherrschenden Theravada-Buddhismus ableitet und Gl√§ubige anleitet. Verbreitet sind heute noch buddhistische ‚ÄěGeburtsgeschichten‚Äú (Jataka), die haupts√§chlich das Leben Buddhas erz√§hlen; auch sie haben moderne Werke inspiriert. Durch seit Jahrhunderten √ľberlieferte Fabeln und M√§rchen wurden und werden Normen und Werte an die n√§chste Generation weitergegeben. Die wichtigsten √ľberlieferten Tugenden sind Hilfsbereitschaft, Gemeinschaftsgef√ľhl und die friedliche L√∂sung von Konflikten. Auch Landesgeschichte und geografische Namen werden so weitergegeben.

Inschriften an Monumenten reichen bis ins 6. Jahrhundert zur√ľck, aber auch einige Palmbl√§tter, auf denen die historischen Werke zumeist niedergeschrieben wurden, haben in Paris die Zeiten √ľberdauert. Die meisten Exemplare in Kambodscha fielen den Zerst√∂rungen der Roten Khmer zum Opfer. Wichtige verbliebene Dokumente sind zum Beispiel die K√∂niglichen Chroniken.

Die moderne kambodschanische Literatur, deren erster Roman ‚ÄěSophat‚Äú (1938) wenige Jahre vor der Kr√∂nung Norodom Sihanouks ver√∂ffentlicht wurde, gilt als Bruch mit der Vergangenheit, da sie erstmals Prosa verwendet und auf gew√∂hnliche Menschen fokussiert ist. Die √ľberwiegend √§lteren Autoren leben vor allem im Ausland, da Schriftsteller unter den Roten Khmer als Staatsfeinde galten, sodass es keine wirkliche Literaturszene mehr gibt. Beeinflusst wurden sie von der franz√∂sischen Literatur des 19. und fr√ľhen 20. Jahrhunderts. Fiktion ist verbreitet, etwa die Ipaen-Volksgeschichten.

Skulpturen

Aus der Funan-Zeit sind wenige Artefakte verblieben, lediglich vier Inschriften auf Stelen, sowie einige Kunstwerke aus dem 6. Jahrhundert, die vor allem Vishnu mit einheimischen Gesichtern darstellen. Auch in den Statuen aus Chenla erkennt man im Stil den indischen Einfluss. Als Materialien wurden Stein und Bronze verwendet. Die Skulpturen aus fr√ľhen Tempeln in Angkor waren relativ steif und flach, dienten aber als Basis f√ľr die sp√§teren ausgeschm√ľckten Basreliefs. Das Behauen von T√ľrst√ľrzen war in jener fr√ľhen Phase eine wichtige Kunst. Wie die Basisreliefs erz√§hlen ausgearbeitete Giebeldreiecke aus dem Ramayana und anderen indischen Epen, teilweise auch vom Alltagsleben. Auch in dieser Zeit wurden Stein und Bronze als Materialien verwendet. Die postangkorianische Periode wird durch anspruchsvoll gestaltete und dekorierte Holzstatuen gepr√§gt, von denen aus klimatischen Gr√ľnden wenig erhalten ist. Die heutige bildende Kunst orientiert sich noch immer stark an der Bl√ľtezeit des Khmer-Reichs.

Theater

Der Ursprung des kambodschanischen Theaters liegt im 6. Jahrhundert. Gezeigt werden Szenen aus dem Reamker, regionalen Legenden, indischen und Epen aus dem Theravada-Buddhismus. Die Theater bedienen sich kunstvoller Masken und Kost√ľme und sind nach den Schauspielern in M√§nner- und Frauentheater unterteilt. Schauspieler sprechen und singen, dazu kommen ein Erz√§hler und ein Orchester zur musikalischen Untermalung. Auf dem Lande sind Volkstheater und Schattenspiele als Unterhaltung beliebt. Der Inhalt des Schattenspiels Sbek thom beruht auf Geschichten aus dem Reamker. Die Charaktere sind aus Rindshaut geschnitten, an langen Bambusstangen befestigt und oft bemalt. Das k√∂nigliche Theater beruht ebenfalls auf dem Reamker. Im Nationaltheater wird nur ein modernes St√ľck gespielt, n√§mlich ‚ÄěDie Geschichte des Landes Kambodscha‚Äú.

Tanz

In Kambodscha gibt es eine lange Tanztradition. Die Urspr√ľnge des klassischen Tanzes liegen in den heiligen T√§nzen der Apsaras, den mythologischen Verf√ľhrerinnen des alten Khmer-Reichs; m√∂glicherweise gehen sie bis auf Funan zur√ľck. Der H√∂hepunkt des klassischen Tanzes in der Angkor-Periode st√ľtzte sich auf Interpretationen der indischen Epen, insbesondere des Ramayanas ‚Äď Inhalte waren etwa Prinzessinnen in Not, Kriegshelden, Sklaven, Riesen oder mystische Tiere. Der Tanz galt als religi√∂se Tradition, um dem K√∂nig und seinem Volk Segen zu bringen und auch als eine Form der Unterhaltung; hier stammen die T√§nzerinnen zumeist aus h√∂heren sozialen Schichten und hatten im k√∂niglichen Harem eine besondere Stellung. Mit dem Niedergang des Angkor-Reichs ging auch ein Niedergang des Tanzes einher. Unter dem thail√§ndischen Patronat wurde er aber als Kunstform weitergef√ľhrt. Die Franzosen belebten das Khmer-Ballett im 20. Jahrhundert wieder, wobei die ersten T√§nzerinnen aus Thailand kamen. Heute ist der kambodschanische Tanz eines der Markenzeichen Kambodschas und ein Tourismusmagnet.

Die T√§nze sind sehr symbolisch und einer strengen Ordnung unterworfen. Vorgef√ľhrt werden sie zumeist von Frauen, Geschlechtsunterschiede werden mit verschiedenen Kost√ľmen dargestellt. Die T√§nzerinnen werden von einem Orchester und einem erz√§hlenden Chor begleitet. Als nationaler Tanz gilt der Lamthon, auch der Apsara-Tanz (Robam Tep Apsara), ein Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelter Stil, der auf der klassischen Khmer-Tradition beruht, ist bekannt. Die Regierung und ausl√§ndische Geldgeber versuchen momentan, die Tanztraditionen wiederzubeleben, indem sie √§ltere Kambodschaner, die das Regime der Roten Khmer √ľberlebten, befragen und auf Video aufnehmen. Bis 1997 konnten auf diese Weise etwa 50¬†% des klassischen Tanzrepertoires gerettet werden.

Der Volkstanz hat die 1970er Jahre √ľberlebt, auch wenn er als g√§ngige Unterhaltung auf dem Lande allm√§hlich vom Fernsehen abgel√∂st wird. Im Volkstanz, der deutlich individueller ist als die traditionellen T√§nze und mehr pers√∂nlichen Spielraum l√§sst, werden kambodschanische Volkserz√§hlungen dargestellt. Weiterhin gibt es den folkloristischen Tanz, der aus Mystik, Naturglauben und Bauernalltag entstanden ist und mit dem die Bauern um gute Ernte oder Regen baten. Trotz seiner rituell-zeremoniellen Handlungen ist auch er lebhafter als der klassische Khmertanz.

Musik

Die kambodschanische Musik ist Teil der von Indonesien ausgegangenen ‚ÄěGlockenspiel‚Äú-Musikkultur (Verwendung von Xylophonen und Buckelgongs), die im Norden Burma, Thailand, Laos, das westliche Bergland von Vietnam und im Osten am Rand die Philippinen einschlie√üt. Obwohl einige der an Basreliefs von Angkor Wat abgebildeten Musikinstrumente noch heute in der Volksmusik gespielt werden, ist ein indischer Einfluss auf die kambodschanische Musik nicht mehr vorhanden. Nur die alte einsaitige Zither kse diev, die aus einem langen Stab und einer Kalebasse besteht und zur Resonanzverst√§rkung an die Brust gepresst wird, ist eindeutig indischen Ursprungs. Der chinesische Einfluss beschr√§nkt sich ebenfalls im Wesentlichen auf die Bauform einiger Instrumente. So ist das trapezf√∂rmige Hackbrett khim mit 14 dreich√∂rigen Saiten vom chinesischen yangqin abgeleitet und die Langhalslaute chapey dang veng und ihre thail√§ndische Entsprechung krajappi sind wegen ihres ann√§hernd kreisrunden Resonanzk√∂rpers mit einigen ostasiatischen Mondlauten verwandt.

Ab dem 16. Jahrhundert wurden h√∂fische Rituale, Tanzauff√ľhrungen und die in Angkor von riesigen Orchestern gespielte Musik nicht mehr gepflegt. Die kambodschanische Musiktradition √ľberlebte nur auf Volksebene und unter thail√§ndischem Einfluss. Einen ersten Anlauf zur Erneuerung der h√∂fischen Musik gab es Mitte des 19. Jahrhunderts unter K√∂nig Ang Duong (regierte 1841‚Äď1869). Eine besondere F√∂rderung erfuhr die klassisch-kambodschanische Kultur w√§hrend des franz√∂sischen Protektorats durch K√∂nigin Sisowath Kossamak in den 1940er Jahren. Nach der Unabh√§ngigkeit 1953 konnte sich wieder eine nationale Musikkultur, die von thail√§ndischen Stilelementen gereinigt war, mit kleineren Orchestern als zur Angkor-Zeit entfalten. W√§hrend der Herrschaft der Roten Khmer wurden Musiker systematisch ermordet und alle auffindbaren Instrumente zerst√∂rt. Was anschlie√üend an der zuvor selten notierten Musikkultur wieder entstand, verdankt sich dem Ged√§chtnis der wenigen im Land √ľberlebenden Musiker und den ins Ausland geflohenen Exilgemeinden.

Vergleichbar mit dem indonesischen Gamelan lassen sich verschiedene Orchesterbesetzungen nach Spielweise und sozialer Funktion unterscheiden. Das offizielle k√∂nigliche Orchester Pinpeat, das dem thail√§ndischen Pi Phat entspricht und zur religi√∂sen Musik geh√∂rt, wird am h√§ufigsten in l√§ndlich reduzierter Besetzung gespielt. Es besteht aus einem Metallophon (roneat dek) aus 21 Eisenst√§ben, zwei bootf√∂rmigen Xylophonen mit Bambusst√§ben: roneat ek und dem tiefer gestimmten roneat thung; zwei verschiedenen Gongs; dem Vierfachrohrblattinstrument sralay (abgeleitet von persisch surnai) oder der Bambusfl√∂te khloy; verschiedenen Trommeln und kleinen Becken. Zur konzertanten leichten Musik bei k√∂niglichen Festen, auch beim j√§hrlichen Wasserfest Bon Om Tuk am Tonle Sap, geh√∂rt das sanfte Orchester Mohori, das neben Xylophon und Trommeln mit Gesang und Saiteninstrumenten, darunter mehreren, mit der javanischen rebab verwandten Stachelfideln tro khmer, gespielt wird. Die im Mohori verwendete F√ľnftonleiter zeigt einen chinesischen Einfluss. Deutlich lauter klingt das zur Geisteranrufung ben√∂tigte Arak-Ensemble, mit dem die Ursache von Krankheiten festgestellt werden soll, das √§hnlich wie das Hochzeitsorchester Phleng Kar von Bechertrommeln, Rohrblattinstrument und Saiteninstrumenten bestimmt wird.

Unter franz√∂sischer Herrschaft wurde Jazz eingef√ľhrt, der zusammen mit kambodschanischen Streichinstrumenten und popmusikalischem Gesang zu einem eigenen leichten Unterhaltungsgenre wurde. Heute noch beliebte S√§nger dieser Musik aus den 1950er und 1960er Jahren sind der Star Sinn Sisamouth, der 1976 von den Roten Khmer ermordet wurde, Em Yeng, Pov Vannary oder Meas Samoun. Noy Vanneth und Menh Sothivan schlossen an diese Tradition an, w√§hrend seit der Jahrtausendwende verst√§rkt thail√§ndische Rockbands ihren Einfluss aus√ľben.

Mediale Rezeption

  • The Killing Fields ‚Äď Schreiendes Land (1984, Regie: Roland Joff√©).
  • Das Reisfeld (1994, Regie: Rithy Panh).
  • Eine Liebe nach dem Krieg (1998, Regie: Rithy Panh).
  • Kambodscha: Ein Kabel spaltet das Land (Dokumentation, 2000, Regie: Rithy Panh).
  • City of Ghosts (2002, Regie: Matt Dillon).
  • S-21: The Khmer Rouge Death Machine (2003, Regie: Rithy Panh).
  • Same same but different (2009, Regie: Detlev Buck).

Literatur

B√ľcher

  • Bernd St√∂ver: Geschichte Kambodschas: Von Angkor bis zur Gegenwart. C.H.Beck, M√ľnchen 2015, ISBN 978-3-406-67432-7.¬†
  • David P. Chandler: A History of Cambodia. Westview Press, Boulder (CO)/Sydney 2007, ISBN 978-0-8133-4363-1.
  • John Amos Marston, Elizabeth Guthrie: History, Buddhism, and New Religious Movements in Cambodia. University of Hawaii Press, Honolulu 2004, ISBN 978-0-8248-2868-4.
  • Erich Follath: Die Kinder der Killing Fields. Kambodschas Weg vom Terrorland zum Touristenparadies. Deutsche Verlagsanstalt, M√ľnchen 2009, ISBN 978-3-421-04387-0.
  • Martin Ritter: Medien und Demokratisierung in Kambodscha. Frank & Timme, Berlin 2008, ISBN 978-3-86596-178-5.
  • Milton Osborne: Phnom Penh. A Cultural History. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-534248-2.
  • Alexander Goeb: Das Kambodscha-Drama. Gottk√∂nige, Pol Pot und der Prozess der sp√§ten S√ľhne. Laika, Hamburg 2016, ISBN 978-3-944233-50-5.
  • Fran√ßois Ponchaud: Br√®ve histoire du Cambodge (= Je est ailleurs). Magellan & Cie, Paris 2014, ISBN 978-2-35074-292-2.
  • Bastian Bretthauer, Susanne Lenz, Jutta Werdes: Kambodscha. Ein politisches Lesebuch. regiospectra, Berlin 2017, ISBN 978-3-940132-99-4.

Online-Publikationen

  • John Tully: A short history of Cambodia. From Empire to Survival (Memento vom 18. Juli 2012 im Internet Archive). Higher Intellect (PDF; 3,4¬†MB).
  • Lucy Keller: UNTAC in Cambodia ‚Äď from Occupation, Civil War and Genocide to Peace. Max-Planck-Institut f√ľr ausl√§ndisches √∂ffentliches Recht und V√∂lkerrecht (PDF; 271¬†kB).
  • Teri Shaffer Yamada: Von den R√§ndern der Gesellschaft aus schreiben. Literatur in Kambodscha. In: S√ľdostasien. Zeitschrift f√ľr Politik, Kultur, Dialog. Themenheft R√§ume der Imagination ‚Äď Literatur im (Kon)text. 3-2015, S. 25‚Äď27 (PDF; 260¬†kB).
  • Anne Taupitz: Der Buchmarkt in Kambodscha. Schwierigkeiten des Wiederaufbaus. In: S√ľdostasien. Zeitschrift f√ľr Politik, Kultur, Dialog. Themenheft R√§ume der Imagination ‚Äď Literatur im (Kon)text. 3-2015 (PDF; 91¬†kB; zus√§tzlicher Artikel zur gedruckten Ausgabe, nur online).

Weblinks

  • K√∂nigliche Botschaft von Kambodscha in der Bundesrepublik Deutschland
  • L√§nder√ľbersicht Kambodscha auf Webpr√§senz Ausw√§rtiges Amt
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Kambodscha
  • CIA World Factbook: Cambodia (englisch)
  • Cambodia country profile auf BBC News (englisch)
  • Cambodia from UCB Libraries GovPubs (englisch)
  • Cambodian Information Center CIC ‚Äď Nachrichten, Kunst, Kultur, Kontakte, Links aus und um Kambodscha(englisch, khmer)
  • National Institute of Statistics of Cambodia ‚Äď Statistiken (englisch, khmer)
  • Destatis Statistisches Bundesamt Kambodscha ‚Äď Fakten

Einzelnachweise


 

Region Regionen (0)

Abk Name O
KH.BA Batd√Ęmb√Ęng  
KH.OM B√Ęnt√©ay M√©anchey  
KH.KK Ka√īh Kong  
KH Kep  
KH.PL Krong Pailin  
KH.KA Krong Preah Sihanouk  
KH.KA Krong Preah Sihanouk  
KH.KH Kr√Ęch√©h  
KH.KM K√Ęmp√≥ng Cham  
KH.KG K√Ęmp√≥ng Chhnang  
KH.KS K√Ęmp√≥ng SpŇď  
KH.KT K√Ęmp√≥ng Thum  
KH.KP K√Ęmp√īt  
KH.KN K√Ęndal  
KH.MK M√īnd√≥l Kiri  
KH.OC Otdar Mean Chey  
KH.PP Phnom Penh  
KH.PO Pouthisat  
KH.PH Preah Vih√©ar  
KH.PY Prey V√™ng  
KH.RO R√īt√Ęn√īkiri  
KH.SI Siemr√©ab  
KH.ST StŇďng Tr√™ng  
KH.SR Svay Rieng  
KH.TA Tak√™v  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Cambodia

Name englisch: Cambodia
Hauptstadt: Phnom Penh
Kfz: K
ISO: KH
ISO3: KHM
Fläche: 181040 km²
Tld: .kh
Wärung Einheit: KHR
Währung: Riels
Vorwahl: 855

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 14.6901791
südlichster Punkt: 9.2768081
westlichster Punkt: 102.333542
östlichster Punkt: 107.627687


 
Kambodscha: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Kambodscha. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

Twitter twitter.com/deinebergede Instagram instagram.com/deineberge.de Facebook facebook.com/DeineBerge Frage Kontakt Fragen, Fehler, Lob, Kritik?
Schreib uns eine Nachricht.