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Staat Informationen : Vietnam

Informationen:


Vietnam ([viÌŻÉ›tˈna[ː]m], vietnamesisch Việt Nam [in Hanoi viɜʔt̚˧ˀ˚ʔ naːm˧˧], Bedeutung „Viet des SĂŒdens“, amtlich Sozialistische Republik Vietnam, vietnamesisch Cộng hĂČa XĂŁ hội chủ nghÄ©a Việt Nam, Chữ NĂŽm ć…±ć’Œç€Ÿæœƒäž»çŸ©è¶Šć— [in Hanoi kɜwƋ͡m˧ˀ˚ʔ hwaː˚˩ sÌȘaːˊˀ˄ hoj˧ˀ˚ʔ áčŻÉ•u˧˩ Ƌiɜˊˀ˄ viɜʔt̚˧ˀ˚ʔ naːm˧˧]) ist ein langgestreckter KĂŒstenstaat in SĂŒdostasien. Er grenzt an China, Laos, Kambodscha, den Golf von Thailand und das SĂŒdchinesische Meer.

Das erste historisch belegte Königreich auf dem Gebiet des heutigen Vietnams entstand im 1. Jahrtausend v. Chr. Danach entwickelte sich ein friedliches Zusammenleben zwischen den Yue und den Han wĂ€hrend der Trieu-Dynastie. 111 v. Chr. kam die Dynastie unter die Kontrolle der Han-Chinesen als Provinz der Han-Dynastie und blieb dies – unterbrochen von kurzen ZeitrĂ€umen der UnabhĂ€ngigkeit – bis 938 n. Chr., als sie nach der Schlacht am BáșĄch Đáș±ng-Fluss die UnabhĂ€ngigkeit errang. Danach folgte eine BlĂŒtezeit der Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. In den folgenden Jahrhunderten expandierte Vietnam nach SĂŒden. Im 19. Jahrhundert kam das Gebiet nach und nach als Teil von Französisch-Indochina unter französische Kolonialherrschaft.

Im Zweiten Weltkrieg besetzte Japan die Region. Von 1946 bis 1954 versuchte Frankreich im Ersten Indochinakrieg ohne Erfolg, seine Kolonialherrschaft wiederherzustellen. Als Folge der französischen Niederlage wurde 1954 aus Tonkin und dem nördlichen Teil Annams das sozialistische Nordvietnam mit der Hauptstadt Hanoi und aus Cochinchina und dem sĂŒdlichen Teil Annams das von den WestmĂ€chten unterstĂŒtzte SĂŒdvietnam mit der Hauptstadt Saigon. Von 1964 bis 1973 scheiterten die Vereinigten Staaten von Amerika im Vietnamkrieg, Nordvietnam und die mit ihm verbĂŒndete Nationale Front fĂŒr die Befreiung SĂŒdvietnams zu besiegen. Stattdessen wurden die beiden vietnamesischen Staaten 1976 unter kommunistischer FĂŒhrung wiedervereinigt. Seit 1986 laufen im Rahmen des Đổi mới marktwirtschaftliche Reformen, die aber bislang nur in AnsĂ€tzen zu einer politischen Liberalisierung fĂŒhrten. Hanoi wurde 1976 Hauptstadt des wiedervereinigten Vietnams, grĂ¶ĂŸte Stadt nach Einwohnern ist Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon); Haiphong, Cáș§n ThÆĄ und Đà Náș”ng sind ebenfalls bedeutende Metropolen des Landes.

Geographie

Vietnams FlĂ€che entspricht ungefĂ€hr 93 % jener Deutschlands. Das Land umfasst die weiten Ebenen der Flussdeltas von Rotem Fluss und Mekong, die gesamte östliche FestlandkĂŒste SĂŒdostasiens sowie die langen GebirgszĂŒge und Hochebenen des Hinterlandes. Die Nord-SĂŒd-Ausdehnung betrĂ€gt etwa 1650 km, die Ost-West-Breite bis zu 600 km, wĂ€hrend die schmalste Stelle in Mittelvietnam nur 50 km breit ist.

Die Geographie Vietnams wird auch als „Bambusstange mit zwei Reisschalen“ beschrieben: Im Norden und SĂŒden liegen zwei fruchtbare reisliefernde Flussdeltas, dazwischen als Verbindung ein schmales, eher karges, von Wald und Gebirge geprĂ€gtes Gebiet. Insgesamt ist Vietnam zu drei Vierteln von Bergen und Hochebenen ĂŒberzogen.

Landschaften

Von Nord nach SĂŒd werden fĂŒnf Landschaften unterschieden:

  • Yunnan-Hochland: Gebirgslandschaft im Norden, wo Vietnam an China grenzt und sein höchster Berg Phan-xi-păng (3144 m) liegt. Diese Region ist Siedlungsgebiet von vielen ethnischen Minderheiten, wobei die Stadt Sa Pa am Fuße des Phan-xi-păng die meisten Touristen anzieht.
  • Delta des Roten Flusses: Diese fruchtbare Gegend rund um die Hauptstadt Hanoi (HĂ  Nội) erstreckt sich bis zum Golf von Tonkin (BáșŻc Bộ). Touristenattraktionen sind hier die Kalksteinfelsen um Ninh BĂŹnh sĂŒdlich von Hanoi, und die Halong-Bucht östlich der Hauptstadt.
  • Annamitisches Hochland: Das bergige, dĂŒnn besiedelte Hinterland Mittel- und SĂŒdvietnams ist vor allem Siedlungsgebiet ethnischer Minderheiten.
  • Annamitischer KĂŒstenstreifen: der schmale, relativ dicht besiedelte KĂŒstenraum zwischen dem Gebirge und dem SĂŒdchinesischen Meer in Mittel- und SĂŒdvietnam. Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte Annams sind Huáșż und Đà Náș”ng.
  • Mekongdelta: fruchtbare, dichtbesiedelte Schwemmlandebene, an deren nordöstlichem Rand die Millionenstadt Ho-Chi-Minh-Stadt (ThĂ nh phố Hồ ChĂ­ Minh, bis 1976 Saigon) liegt.

Klima

Das Klima unterscheidet sich erheblich zwischen Nord- und SĂŒdvietnam. Der Norden weist ein gemĂ€ĂŸigtes tropisches Wechselklima auf, es gibt eine kĂŒhle Jahreszeit von November bis April und eine heiße von Mai bis Oktober. Der SĂŒden ist tropisch: warm bis sehr heiß wĂ€hrend des ganzen Jahres, etwas kĂŒhler von November bis Januar, heiß von Februar bis Mai und mit einer Regenzeit zwischen Mai und Oktober. Die Wetterscheide zwischen diesen Gebieten bildet der Wolkenpass nördlich von Đà Náș”ng.

WĂ€hrend der Regenzeit wĂŒten hĂ€ufig Taifune, die besonders im Mekongdelta, aber auch in anderen KĂŒstenregionen Überschwemmungen anrichten können.

Tierwelt

Vietnam hat eine artenreiche Tierwelt, die jedoch durch die fortschreitende Zerstörung der WĂ€lder und Wilderei bedroht ist. So leben nach neueren SchĂ€tzungen nur mehr rund 200 Tiger und weniger als 60 Asiatische Elefanten dort, deren Überleben fraglich ist. Die Java-Nashörner, die in Vietnam lange nur noch auf das Gebiet des Cat-Tien-Nationalparks beschrĂ€nkt waren, sind bereits 2010 durch Wilderei ausgerottet worden. Außerhalb Vietnams leben die seltenen Tiere nur noch im Ujung-Kulon-Nationalpark auf der Insel Java. Weitere SĂ€ugetiere umfassen Primaten (Schopfgibbons, Plumploris, Languren, Makaken), Raubtiere (darunter MalaienbĂ€ren, Marmorkatzen sowie etliche Schleichkatzenarten), Paarhufer (Kantschile, Muntjaks, Hirsche, Bantengrinder, Gaure) sowie zahlreiche Fledermaus- und Nagetiergattungen. Die Vogelwelt ist ebenfalls artenreich, dazu gehören Fasane, Nashornvögel, Eulen, Greifvögel, Reiher und zahlreiche Singvögel. Auch Krokodile, Schlangen, Echsen und Frösche sind in diesem Land beheimatet, dazu zahllose Arten von Insekten und Wirbellosen. In den 1990er-Jahren wurden mehrere neue Arten Vietnams beschrieben, darunter das Vu-Quang-Rind und mehrere Muntjakarten. Das Vu-Quang-Rind wird im Vu-Quang-Nationalpark geschĂŒtzt.

Umwelt

Der Einsatz von Umweltgiften durch die USA wĂ€hrend des Vietnamkrieges hat die vietnamesische Natur nachhaltig geschĂ€digt. Vor allem dioxinhaltige Herbizide wie Agent Orange, von dem die US-Luftwaffe ĂŒber 45 Millionen Liter ĂŒber dem Land versprĂŒhte, zeigen in großen Landstrichen nach wie vor Wirkung, da sie sich nur sehr langsam zersetzen und eine Halbwertszeit von etwa einem Jahrzehnt haben. So wurde wĂ€hrend des Krieges etwa die HĂ€lfte der MangrovensĂŒmpfe zerstört, die sich nicht selbst regenerieren können. Die entlaubten HĂ€nge im Landesinneren können nach wie vor nicht aufgeforstet werden, denn es können sich nur sehr widerstandsfĂ€hige GrĂ€ser halten, die wĂ€hrend der Trockenzeit sehr anfĂ€llig fĂŒr FlĂ€chenbrĂ€nde sind. In der Regenzeit kommt es in diesen Regionen deshalb zu extrem starker Erosion.

Unter den SpĂ€tfolgen des Dioxineinsatzes haben nicht nur jene immer noch zu leiden, die damals direkt damit in BerĂŒhrung kamen (HautverĂ€tzungen, Chlorakne, Krebs). Das Gift fand auch seinen Weg in die Nahrungskette, was durch die dadurch verursachte SchĂ€digung des Erbgutes unter anderem zu signifikant erhöhten Zahlen an Fehl-, Tot- und Missgeburten fĂŒhrt.

Neben Umweltgiften sind in den lĂ€ndlichen Gebieten auch noch eine große Zahl von BlindgĂ€ngern und Landminen zu finden. Nach wie vor werden jedes Jahr Bauern und Altmetallsucher von explodierender Munition getötet oder verletzt.

Millionen Hektar der tropischen WĂ€lder, die zuvor bereits unter den Herbiziden zu leiden hatten, wurden seit den 1960er Jahren durch Brandrodung und Abholzung zerstört. Besonders betroffen hiervon ist der teils schwer zugĂ€ngliche Norden. Zwar versucht die Regierung dem Einhalt zu gebieten, aber der Druck der schnell wachsenden Bevölkerung und die Armut in den Bergprovinzen veranlasst die Bevölkerung immer wieder dazu, Wald niederzubrennen, um Ackerland zu gewinnen. Tropenhölzer wie Teakholz werden in Vietnam wie in ganz SĂŒdostasien trotz inzwischen strenger gesetzlicher Regelungen nach wie vor illegal gewonnen, um daraus Möbel fĂŒr den europĂ€ischen, US-amerikanischen und japanischen Markt zu fertigen.

Es gibt Programme mit teils großer auslĂ€ndischer Hilfe, die das Umweltbewusstsein der Vietnamesen stĂ€rken sollen. Regierung und Umweltorganisationen setzen große Hoffnungen in die Entwicklung des Ökotourismus. Sie haben bereits mehrere Nationalparks eingerichtet – den Ă€ltesten davon schon 1962 –, und einige Landschaften des Landes stehen unter besonderem Schutz der UNESCO.

Verwaltungsgliederung

Vietnam ist in 58 Provinzen und fĂŒnf MunizipalitĂ€ten unterteilt. Unter dieser Ebene folgen StĂ€dte, Distrikte und Dörfer. Die VolksrĂ€te der Provinzen und MunizipalitĂ€ten sind direkt der Zentralregierung unterstellt. Auf Distrikts- und Gemeindeebene gibt es ebenfalls gewĂ€hlte VolksrĂ€te, gegenĂŒber welchen die lokalen Behörden bis zu einem gewissen Maß gebunden sind. Die VolksrĂ€te wĂ€hlen außerdem die Volkskomitees, welche die regionalen Regierungen darstellen.

StÀdte

Die zwei mit Abstand wichtigsten StĂ€dte sind die Hauptstadt Hanoi (HĂ  Nội) und die grĂ¶ĂŸte Stadt Vietnams Ho-Chi-Minh-Stadt (ThĂ nh phố Hồ ChĂ­ Minh, frĂŒher Saigon). WĂ€hrend letztere eine der schnellstwachsenden BoomstĂ€dte der Welt ist und als wirtschaftliches Zentrum des ASEAN verstanden wird, hat HĂ  Nội den Ruf, ruhiger und eleganter zu sein. In der Tat ist HĂ  Nội in wirtschaftlichen Belangen gegenĂŒber der sĂŒdlichen Metropole recht weit im Hintertreffen.

Die HafenstĂ€dte Đà Náș”ng, HáșŁi PhĂČng und Nha Trang sind in ihrem Stadtbild teilweise stark französisch geprĂ€gt. Dies ist unter anderem an den Kirchen und Villen der StĂ€dte zu erkennen. Die StĂ€dte Huáșż als Hauptstadt wĂ€hrend der letzten Kaiserdynastie und die kaiserliche Sommerresidenz Đà LáșĄt im sĂŒdlichen Hochland sind von großer geschichtlicher Bedeutung und ziehen viele Besucher an. FĂŒr Touristen ist auch die Handelsstadt Hội An interessant, da ihre zum UNESCO-Weltkulturerbe erklĂ€rte Altstadt sehr gut erhalten ist. Reine IndustriestĂ€dte sind hingegen Vinh, Ninh BĂŹnh, Má»č Tho oder Báșżn Tre.

Die gesamte KĂŒste ist mit touristisch teils unerschlossenen StrĂ€nden ĂŒbersĂ€t. Beispiele dafĂŒr sind MĆ©i NĂ©, Long HáșŁi und VĆ©ng TĂ u am SĂŒdchinesischen Meer sowie HĂ  TiĂȘn am oder die Insel PhĂș Quốc im Golf von Thailand.

2016 lebten 34,2 % der Bevölkerung in StĂ€dten oder stĂ€dtischen RĂ€umen. Die 5 grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind (Stand 2016):

  1. Ho-Chi-Minh-Stadt: 6.642.000 Einwohner
  2. Hanoi: 3.442.000 Einwohner
  3. Da Nang: 915.000 Einwohner
  4. Hai Phong: 842.000 Einwohner
  5. Bien Hoa: 821.000 Einwohner

Bevölkerung

Demografie

Die Vietnam hatte im Jahr 2019 geschĂ€tzt 96,5 Millionen Einwohner. Die Bevölkerung ist im Schnitt sehr jung: Landesweit waren 2005 etwa 32 % der Menschen unter 14 Jahre alt und nur etwa 5,6 % sind ĂŒber 65. Das Bevölkerungswachstum wird auf 1,3 % bis 1,4 % geschĂ€tzt. Tendenziell sinkt die Geburtenrate (2005: 17,07 Geburten pro 1000 und 1,94 Kinder pro Frau), wĂ€hrend aufgrund verbesserter medizinischer Bedingungen die Sterberate ebenfalls sinkt (2005: 6,2 pro 1000). Die Lebenserwartung lag im Zeitraum von 2010 bis 2015 bei insgesamt 75,7 Jahren (70,7 Jahren fĂŒr MĂ€nner und 80,3 Jahren fĂŒr Frauen).

WĂ€hrend die vietnamesische Bevölkerung von westlichen Beobachtern als durchweg jung wahrgenommen wird, beginnt Vietnam sich darauf einzustellen, dass die Bevölkerung in eine Phase der Alterung eingetreten ist. Am 1. April 2010 erreichte die Zahl der ĂŒber 60-JĂ€hrigen den Stand von 8,1 Millionen; das sind 9,4 % der Gesamtbevölkerung und bedeutet einen Zuwachs von 4 % gegenĂŒber 2009. Vietnam gehört damit zu den LĂ€ndern mit einer außergewöhnlich schnellen Alterung der Gesamtbevölkerung. WĂ€hrend es in Schweden 85 Jahre, in Japan 26 Jahre und in Thailand 22 Jahre dauerte, um den Status alternde Bevölkerung nach den Richtlinien der UNFPA (United Nations Population Fund) zu erreichen, dauerte dies in Vietnam nur 20 Jahre. Die schnelle Alterung der Bevölkerung ist darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass die FertilitĂ€tsrate von ĂŒber 5 Kinder pro Frau in den 70er Jahren auf heute noch 2,0 Kinder zurĂŒckgegangen ist.

Die Mehrheit der Bevölkerung lebt in den dichtbesiedelten Gebieten der MĂŒndungsdeltas von Rotem Fluss und Mekong, in denen Landwirtschaft vorherrscht. Trotz der agrarischen PrĂ€gung lebten 2016 bereits rund 34 % der Vietnamesen in den urbanen Regionen der großen StĂ€dte (in den 1980er Jahren waren es nur 15 %), und die Zuwanderung aus den wirtschaftlich wenig entwickelten lĂ€ndlichen Gebieten nimmt stetig zu. Dazu kommt eine Wanderungsbewegung von Norden in Richtung SĂŒden. In Vietnam existiert selbst kein privates Eigentum an Grund und Boden. Der vietnamesische Staat erteilt Landnutzungsrechte, deren durchschnittliche bewilligte Nutzungsdauer rund 50 Jahre betrĂ€gt.

Knapp 2,5 Millionen leben im Ausland, die meisten davon sind im Vietnamkrieg geflĂŒchtet oder mussten das Land aufgrund von politischer Verfolgung verlassen. Knapp 1,3 Millionen davon leben in den Vereinigten Staaten und 125.000 in der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich. Die RĂŒckĂŒberweisungen der Exil-Vietnamesen sind eine Ă€ußerst wichtige Einnahmequelle fĂŒr die Verwandten in der Heimat. In Vietnam selbst sind nur 0,1 % der Einwohner im Ausland geboren, womit das Land eines der homogensten weltweit ist.

Entwicklung der Bevölkerung ĂŒber Zeit

Quelle: UN, Zahlen fĂŒr 2030 und 2050 sind Prognosen

Völker

Etwa 88 % der Bevölkerung sind ethnische Vietnamesen (Việt oder Kinh). Daneben sind 53 ethnische Minderheitengruppen anerkannt. Die grĂ¶ĂŸte davon sind die „Auslandschinesen“ (vietnam.: Hoa), deren Zahl auf etwa 1,2 Millionen geschĂ€tzt wird. Die Mehrzahl von ihnen sind Nachfahren von Einwanderern, die 1644, nach dem Zusammenbruch der Ming-Dynastie, ins Land gekommen waren. Weitere Volksgruppen sind ThĂĄi, Khmer (vor allem im SĂŒden, der Region des Mekongdelta, die ĂŒber Jahrhunderte zu Kambodscha gehörte) und die unter der Sammelbezeichnung Montagnards („Bergvölker“) bekannten Bewohner der Bergregionen. Letztere, die als die ursprĂŒnglichen Bewohner des kontinentalen SĂŒdostasien gelten, wurden im Verlauf der Geschichte in Vietnam, Thailand, Myanmar und Laos von den zugewanderten Mehrheitsvölkern aus den fruchtbareren Regionen der Flussebenen und KĂŒsten in die unzugĂ€nglichen Bergregionen verdrĂ€ngt.

Da einige Angehörige der „Bergvölker“ im Indochinakrieg und im Vietnamkrieg jeweils auf Seiten Frankreichs bzw. der USA kĂ€mpften, gab es nach der Wiedervereinigung Vietnams Repressionen gegen diese Völker und sie sind in der vietnamesischen Gesellschaft teils nicht gut angesehen. Aber auch Minderheitenvölker, die auf vietnamesischer Seite gekĂ€mpft haben, finden kaum positive Beachtung. Diese Völker sind bis heute von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes weitgehend abgeschnitten und leben vergleichsweise in Armut. Kultur und Sprache der Minderheiten unterscheiden sich meist sehr stark von jener der Vietnamesen.

Sprachen

Die Amtssprache ist Vietnamesisch, das 88 % der Bevölkerung als Muttersprache beherrschen. Geschrieben wird die vietnamesische Sprache seit 1945 in einer eigenen, lateinbasierten Schrift. Aus vietnamesischer Sicht werden die zahlreichen ethnischen Minderheiten anerkannt, die Sprachen der Minderheiten erlaubt und auch gefördert.

Die französische Sprache hatte nach der französischen Kolonialzeit schrittweise ihren offiziellen Status verloren, hat aber weiterhin hohe Bedeutung, da sie in vielen Schulen als erste Fremdsprache unterrichtet wird. Vietnam ist zudem Vollmitglied der Gemeinschaft frankophoner Staaten. Viele Vietnamesen sind wĂ€hrend der Indochinakriege nach Frankreich ausgewandert und bilden dort eine französischsprachige Diaspora. Russisch – und in geringerem Ausmaß auch Deutsch, Tschechisch und Polnisch – werden von vielen Vietnamesen beherrscht, die wĂ€hrend des Kalten Krieges in den Staaten des Ostblocks studiert oder gearbeitet haben. Mittlerweile werden die russische und die französische Sprache durch das Englische aus dem öffentlichen und dem Schulleben verdrĂ€ngt, weil viele Touristen aus dem angelsĂ€chsischen Raum kommen und der Handel mit dem ehemaligen „Erzfeind“ USA zunimmt. Das Erlernen des Englischen ist heute in den meisten Schulen obligatorisch, obwohl Französisch immer noch in manchen Bildungseinrichtungen angeboten wird.

Religion

Genaue Angaben ĂŒber die Religionszugehörigkeit in Vietnam sind schwer zu machen. Die große Mehrheit der Vietnamesen bekennt sich zu keinem Glauben. Laut einer 2004 veröffentlichten Studie sind 81,5 Prozent der Vietnamesen Atheisten. SchĂ€tzungen gehen von ca. 20 Millionen Buddhisten und 6 Millionen Katholiken aus. Weitere Konfessionen sind Cao Dai (2 Millionen AnhĂ€nger), Hoa Hao (1 Million), Protestantismus (500.000) und Islam (50.000). Im ReligionsverstĂ€ndnis der Vietnamesen gibt es keine strikte Trennung verschiedener Konfessionen. Die ReligiositĂ€t ist zumeist eine historisch gewachsene Mischung mit vielen Aspekten unterschiedlicher religiöser UrsprĂŒnge. Es ist fĂŒr Vietnamesen nicht unĂŒblich, regelmĂ€ĂŸig buddhistische Pagoden zu besuchen und ihre Ahnen zu verehren.

Die AlltagsreligiositĂ€t – bzw. vielmehr die Lebensweise – ist im Allgemeinen am ehesten durch den Theravada- und Mahayana-Buddhismus, den Taoismus, den Konfuzianismus, sowie animistische Vorstellungen und insbesondere auch einen Ahnenkult beeinflusst, ohne dass es dabei zu Dogmen kommt. Geisterglaube ist verbreitet. Rituelle Handlungselemente der unterschiedlichen EinflĂŒsse können beim Einzelnen je nach Alltagssituation auftreten. In den ursprĂŒnglich konfuzianistisch geprĂ€gten Volksreligion ĐáșĄo Máș«u und Cao Đài gibt es auch heute noch Stadtschamanen (Dong), die vielfĂ€ltige Rituale des Opfers und der Inspiration ausfĂŒhren. Besonders beliebt bei allen Vietnamesen unabhĂ€ngig von ihrer Konfession ist das LĂȘn đồng-Ritual, bei dem die Schamanin die Geister in Trance um Gesundheit und Wohlstand fĂŒr die Gastgeber des Rituals bittet. Dabei spielt das KostĂŒm eine wichtige Rolle: Es spiegelt die klassische Hoftracht der Vormoderne und wird dem Geist „angezogen“, um ihn in dieser Weise zu ehren. Der Geist tritt dann ĂŒber das Medium mit den Anwesenden in Kontakt, um Opfergaben in Empfang zu nehmen und die Musik zu genießen.

Anders als in anderen asiatischen Staaten existiert in (SĂŒd-)Vietnam seit 1963 auch eine zentrale Vereinigung von Ordensleuten und Laien aller buddhistischen Schulen, die „Kongregation der Vereinigten Vietnamesischen Buddhistischen Kirche“ (KVVBK).

Die Verfassung Vietnams sieht generell eine Religions- bzw. Glaubensfreiheit vor. Da religiöse Institutionen aber immer auch eine gewisse Konkurrenz zum staatlichen Einfluss auf die Bevölkerung darstellen, wurden Religion und deren Institutionen zumindest in der Vergangenheit seitens der Kommunistischen Partei Vietnams mit Misstrauen behandelt.

Der katholische Glaube kam erstmals im 16. Jahrhundert mit französischen, spanischen und portugiesischen Missionaren ins Land. Er wurde unter Druck der französischen Kolonialherrschaft verbreitet. Nachdem der Katholizismus in den ersten Jahren der kommunistischen Herrschaft aktiv bekĂ€mpft wurde, bemĂŒht sich die Regierung nun um ein besseres VerhĂ€ltnis zum Heiligen Stuhl. Der Besuch des damaligen Premierministers Nguyễn Táș„n DĆ©ng bei Papst Benedikt XVI. 2007 hat die Hoffnung auf eine weitere Öffnung hin zu einer grĂ¶ĂŸeren Religionsfreiheit gestĂ€rkt, aber die katholische Kirche wird weiterhin als „reaktionĂ€r“ angesehen.

Bildungswesen

Im Jahr 2000 wurden laut SchĂ€tzungen 92 % aller Kinder eingeschult. Jedoch nur zwei Drittel absolvierten die fĂŒnf Grundschuljahre. Speziell auf dem Land verlassen viele Kinder vorzeitig die Schule, wobei die GrĂŒnde in den Kosten fĂŒr Schulmaterial, BĂŒcher und Uniformen sowie der Notwendigkeit, Geld fĂŒr den Familienunterhalt verdienen zu mĂŒssen, zu suchen sind. Regional gibt es riesige Unterschiede: In einigen lĂ€ndlichen Gegenden gehen nur 10 bis 15 % der Kinder lĂ€nger als drei Jahre zur Schule, wĂ€hrend in Ho-Chi-Minh-Stadt 96 % der SchĂŒler die Grundschuljahre beenden. Nur 62,5 % der Kinder beginnen die Mittelschule. In Vietnam stieg die mittlere Schulbesuchsdauer der ĂŒber 25-JĂ€hrigen von 3,9 Jahren im Jahr 1990 auf 8 Jahre im Jahr 2015 an. Die aktuelle Bildungserwartung betrĂ€gt bereits 12,6 Jahre.

Etwa 6 % der Einwohner ĂŒber 15 Jahre sind Analphabeten; Analphabetismus betrifft 3,7 % der MĂ€nner und 7,2 % der Frauen, insgesamt liegt sie bei 4,5 % (Stand: 2015). In Vietnam gibt es keine Schulpflicht. Da die Ausbildung selbst bezahlt werden muss und einige Familien dafĂŒr nicht genug Geld haben, schicken sie ihre Kinder nicht in die Schule. Im PISA-Ranking von 2015 erreichen vietnamesische SchĂŒler Platz 22 von 72 LĂ€ndern in Mathematik, Platz 8 in Naturwissenschaften und Platz 30 beim LeseverstĂ€ndnis. Vietnam erreichte damit ein, fĂŒr ein Entwicklungsland, außergewöhnlich gutes Ergebnis.

Die Grundschule geht bis zur 5. Klasse, die Mittelschule bis zur 9.; dann muss man eine PrĂŒfung bestehen, um in die Oberschule zu kommen (10., 11. und 12. Klasse). Wird diese nicht bestanden, bleibt man immer wieder sitzen. Dies gilt fĂŒr Gymnasium und Realschule (vorausgesetzt, man bricht die Ausbildung nicht ab).

Besucht man ein Gymnasium bzw. eine Realschule, kann und darf man nicht mehr wechseln.

Es gibt staatliche und private UniversitĂ€ten, die renommiertesten davon sind die Staatliche UniversitĂ€t HĂ  Nội und die Staatliche UniversitĂ€t Hồ-ChĂ­-Minh-Stadt; der Zugang wird durch eine AufnahmeprĂŒfung der jeweiligen UniversitĂ€t geregelt. Seit 2008 befindet sich in Hồ-ChĂ­-Minh-Stadt auch die Vietnamesisch-Deutsche UniversitĂ€t.

Die verbreitetste Fremdsprache in Vietnam ist heute Englisch. Aus GrĂŒnden, die mit der Geschichte des Landes und der frĂŒheren Einbindung in den Ostblock zusammenhĂ€ngen, trifft man oft Leute an, die Französisch, Russisch oder Deutsch sprechen; so haben etwa 100.000 Vietnamesen in der DDR studiert, gearbeitet oder eine Ausbildung genossen. Immer mehr Vietnamesen lernen auch Japanisch und Chinesisch.

Gesundheitswesen

Im Jahr 2001 gab die Regierung 0,9 % des BIP fĂŒr das Gesundheitssystem aus. Im Jahr 2000 gab es 14,8 Krankenhausbetten pro 10.000 Einwohner, was auch fĂŒr Asien ein sehr niedriger Wert ist. 80 % aller Aufwendungen fĂŒr das Gesundheitssystem stammen von den Patienten selbst.

Nachdem in den 1980er und 1990er Jahren Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose, Denguefieber, Typhus und Cholera große Probleme darstellten, hat Vietnam auslĂ€ndische Hilfe angenommen und diese Epidemien weitgehend zurĂŒckgedrĂ€ngt. Die HIV-PrĂ€valenz lag 2005 offiziell bei 0,35 %, was dem weltweiten Durchschnitt entspricht. HIV/AIDS-Patienten werden gesellschaftlich geĂ€chtet, was eine effiziente BekĂ€mpfung der Epidemie erschwert.

Eine Gesundheitsstudie aus dem Jahr 2007 zeigt, dass 87 % der Vietnamesen aus der Altersgruppe der 60- bis 69-JĂ€hrigen an Krankheiten leidet. In den noch Ă€lteren Bevölkerungsschichten ist die Krankheitsrate noch grĂ¶ĂŸer.

Nach den zahlreichen Kriegen in Vietnams Vergangenheit sind 5 Millionen Vietnamesen bzw. 6 % der Bevölkerung behindert.

Der Anteil der unterernÀhrten Bevölkerung konnte von 24,3 % im Jahr 2000 auf 10,7 % im Jahr 2015 gesenkt werden.

Quelle: UN

Geschichte

Altertum

Die frĂŒhesten Spuren menschlicher AktivitĂ€t auf dem Gebiet des heutigen Vietnam lassen sich bis vor 300.000 bis 500.000 Jahren zurĂŒckdatieren. Die Ă€lteste bisher bekannte Kultur dieser Region war die mehr als 30.000 Jahre alte Dieu-Kultur sĂŒdlich von Hanoi, von wo aus sich auch die 16.000 Jahre alte Hoa-Binh-Kultur weit ausbreitete. Die letzte altsteinzeitliche Kultur der Region war die Bac-son-Kultur (ca. 10.000 v. Chr.), die auch bereits Keramik anfertigte. Der BewĂ€sserungsanbau von Reis war etwa ab 3000 v. Chr. bekannt.

Die Bronzezeit begann hier etwa 1500 v. Chr. mit der Sa-Huynh-Kultur, deren Mitglieder die KĂŒstenregion bevölkerten. Zugleich existierte im Delta des Roten Flusses die Dong-Son-Kultur, bekannt vor allem fĂŒr ihre reich verzierten Bronzetrommeln. Aus dieser Kultur ging Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. das erste bekannte Königreich der Việt (chinesisch 越, Pinyin YuĂš) hervor, das den grĂ¶ĂŸten Teil des heutigen Nordvietnam umfasste.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. wanderten Âu Việt aus dem Gebiet des heutigen SĂŒdchina ein und vermischten sich mit den ansĂ€ssigen LáșĄc Việt. Im Jahr 258 v. Chr. grĂŒndete ThỄc PhĂĄn das Königreich Âu LáșĄc (aus der Vereinigung von Âu Việt und LáșĄc Việt) und erklĂ€rte sich selbst zum König. Nach einem langen Krieg mit den QĂ­n wurde er 208 v. Chr. von dem QĂ­n-General 趙䜗 / 蔔䜗, ZhĂ o TuĂł (vietnamesisch: Triệu Đà) besiegt. Dieser rief sich selbst zum König aus und nannte sein Königreich Nam Việt (ć—è¶Š, NĂĄnyuĂš = SĂŒdviệt oder SĂŒdyuĂš).

Im Jahr 111 v. Chr. wurde Nam Việt von Truppen HĂ n WǔdĂŹs erobert und als PrĂ€fektur (郥, jĂčn (quáș­n)) äș€è¶Ÿ, Jiāozhǐ (Giao Chỉ) in das chinesische Reich eingegliedert. Unter dieser Herrschaft wurden technische Errungenschaften im Reisanbau, in der Viehhaltung und in der Baukunst ĂŒbernommen. Es kam aber auch zu zahlreichen AufstĂ€nden und kurzen Phasen der UnabhĂ€ngigkeit. Im Jahr 679 wurde die PrĂ€fektur in An Nam (漉捗, Ān NĂĄn – „friedlicher SĂŒden“) umbenannt.

FrĂŒhe Dynastien

Am Anfang des 10. Jahrhunderts brach in China die Tang-Dynastie zusammen. Annam nutzte die SchwĂ€chephase, um sich der chinesischen Macht zu entziehen. Der erste vietnamesische Staat entstand 938 unter dem Strategen NgĂŽ Quyền. Bis 968 wurde der Staat unter Đinh Bộ LÄ©nh konsolidiert; bis 1009 wechselten sich jedoch mehrere kurzlebige Dynastien an der Macht ab.

Von 1010 bis 1225 wurde der Staat Dai Viet von der LĂœ-Dynastie beherrscht. Ihr GrĂŒnder LĂœ ThĂĄi Tổ verteidigte ihn erfolgreich gegen Chinesen, Khmer und Cham. Die Ly stĂ€rkten das Staatswesen nach chinesischem Vorbild und passten es an vietnamesische BedĂŒrfnisse an.

Nach Unruhen ĂŒbernahm im Jahr 1225 die Tráș§n-Dynastie die Macht. Sie verteidigte 1257/58 in Allianz mit den Cham das Land erfolgreich gegen drei Angriffe der Chinesen und Mongolen unter Kublai Khan (Yuan-Dynastie). Unter der FĂŒhrung von Tráș§n HÆ°ng ĐáșĄo gelang es den Vietnamesen, eine Armee von angeblich 500.000 Mongolen zu besiegen und die UnabhĂ€ngigkeit Vietnams zu sichern. Um 1400 löste die Hồ-Dynastie die Tráș§n ab und es kam zu einer kurzzeitigen chinesischen Herrschaft unter den Ming. Diese versuchten, Vietnam bewusst weiter zu sinisieren, beispielsweise wurde das vietnamesische Literaturerbe systematisch zerstört.

Im Jahr 1427 grĂŒndete LĂȘ Lợi die LĂȘ-Dynastie, die bis 1789 regierte. Unter den Le wurden wieder die vietnamesischen Traditionen bewusst betont, dennoch blieb der Konfuzianismus die dominante SĂ€ule der Staatsorganisation. Champa wurde erobert und die vietnamesische Macht bis an den Mekong ausgedehnt. Bereits ab dem Ende des 15. Jahrhunderts erodierte die Macht des Königshauses. Nutznießer waren einflussreiche HĂ€ndlerfamilien (vor allem die Trinh und Nguyen) und die seit 1516 prĂ€senten EuropĂ€er. Das vietnamesische Königshaus musste zahlreiche Jesuiten und Franziskaner im Land dulden. Die europĂ€ischen Missionare brachten neben der neuen Religion auch neue Technologien ins Land, beispielsweise entwickelte der Jesuit Alexandre de Rhodes die bis heute gebrĂ€uchliche, auf den lateinischen Buchstaben basierende vietnamesische Schrift Quốc ngữ.

Im Jahr 1765 brach die TĂąy-SÆĄn-Rebellion aus. Aus dem nachfolgenden BĂŒrgerkrieg ging 1789 der Prinz Nguyễn Ánh aus der einflussreichen HĂ€ndlerfamilie Nguyễn mit französischer Hilfe als Sieger hervor. Er rief sich zum Kaiser Gia Long aus, verlegte die Hauptstadt des Landes nach Huáșż und initiierte erstmals die Namensgebung Việt Nam fĂŒr das Land. 1802 ersuchte er den chinesischen Kaiser JiāqĂŹng um die Erlaubnis, das Land von ĐáșĄi Việt ć€§è¶Š in Nam Việt ć—è¶Š umbenennen zu dĂŒrfen. Dieser tauschte allerdings die beiden Silben zu Việt Nam è¶Šć—, um Verwechslungen mit dem alten Königreich Nam Việt unter QĂ­n-General ZhĂ o TuĂł (vietn.: Triệu Đà) zu verhindern, da dieses Reich einen Teil des Gebietes umfasste, das spĂ€ter SĂŒdchina wurde.

Unter der Herrschaft Gia Longs wurden mit französischer Beratung große Infrastruktur- und Verteidigungsprojekte in Angriff genommen, die die Staatskasse leerten. Das Territorium des Reiches wurde erweitert, ab 1834 gehörten Teile des heutigen Kambodscha als Provinz Tráș„n TĂąy thĂ nh zu Vietnam.

Französische Kolonialherrschaft

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verstĂ€rkten die Franzosen ihren Druck auf die Nguyen-Kaiser, was zu Ausschreitungen der verarmten Bevölkerung gegen französische Missionare fĂŒhrte. Um als Schutzmacht der christlichen Missionen StĂ€rke zu demonstrieren, griffen französische Kanonenboote 1858 den Hafen Đà Náș”ng und das Mekongdelta an und tauchten auch auf dem ParfĂŒm-Fluss auf, der durch die Hauptstadt Huáșż fließt. Ab 1862 musste Vietnam Gebiete an die Franzosen abtreten. Bis 1883 wurden drei Protektorate namens Annam, Cochinchina und Tonkin gegrĂŒndet, die der vietnamesische Kaiser akzeptieren musste. Damit stand Vietnam unter französischer Kolonialherrschaft. Mit der EinfĂŒhrung der Geldwirtschaft schritt die Verarmung der Bevölkerung voran, wĂ€hrend auf dem Land eine schmale Großgrundbesitzerschicht entstand. Die chinesische Minderheit dominierte die Ökonomie des Landes. Bereits ab 1905 waren vietnamesische nationalistische FreiheitskĂ€mpfer um Phan Bội ChĂąu (1868–1940) und Cuong De in Japan und SĂŒdchina aktiv.

In der Folgezeit kamen vietnamesische Studenten und Intellektuelle in Europa, vor allem in Frankreich, mit den Ideen des Nationalismus und Kommunismus in Kontakt. Der bedeutendste unter ihnen war Hồ ChĂ­ Minh (1890–1969), der 1929 die in Annam, Cochinchina und Tonkin tĂ€tigen kommunistischen Parteien zu einer Einheitspartei vereinigte. Die Partei wurde 1930 nach dem missglĂŒckten Yen-Bai-Aufstand und der Hinrichtung vieler ihrer Mitglieder dezimiert und geschwĂ€cht.

WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges geriet 1941 ganz Indochina und damit auch Vietnam verstĂ€rkt unter den Einfluss Japans (geteilte Herrschaft mit dem Vichy-Regime). Nachdem Hồ ChĂ­ Minh 1941 aus dem Exil zurĂŒckgekehrt war, wurde bald aus ĂŒber 40 lokalen Widerstandsgruppen eine Liga fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit Vietnams unter der Kurzbezeichnung Việt Minh zur Abwehr des japanischen Imperialismus und französischen Kolonialismus gebildet. Im MĂ€rz 1945 besetzten die Japaner Indochina, beendeten die französische Kolonialverwaltung und setzten Kaiser BáșŁo ĐáșĄi ein. Die USA unterstĂŒtzten die Việt Minh, die bei der BekĂ€mpfung der japanischen Okkupation einige Erfolge erzielten. Nach der Kapitulation Japans musste BáșŁo ĐáșĄi am 25. August 1945 abdanken. Am 2. September 1945 proklamierte Hồ ChĂ­ Minh nach der erfolgreichen Augustrevolution die Demokratische Republik Vietnam. Die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung berief sich auf die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung der Vereinigten Staaten von 1776 und auf die Deklaration der Menschen- und BĂŒrgerrechte der französischen Revolution. Vietnam war damit die erste unabhĂ€ngige Republik SĂŒdostasiens.

Nach der Potsdamer Konferenz fiel Vietnam in den Herrschaftsbereich der Briten. Diese mussten jedoch die besiegten Japaner bitten, im aufstĂ€ndischen SĂŒden einzuschreiten. Im Norden wiederum marschierten ab September 1945 nationalchinesische Truppen mit dem Auftrag ein, die Japaner zu entwaffnen. Trotz eines Friedensvertrages mit den Việt Minh erzwangen die Franzosen am 23. September 1945 die Wiedererrichtung ihres kolonialen Regimes in SĂŒdvietnam, so dass am 5. Oktober französische Truppen in der Stadt Saigon landeten. Chinesen und Briten ĂŒbergaben Vietnam wieder an Frankreich.

Indochinakrieg und Teilung in zwei Staaten

Der Versuch Frankreichs, auch das inzwischen unabhĂ€ngige Nordvietnam wieder unter seine Kontrolle zu bringen, fĂŒhrte 1946 zum Ausbruch des Ersten Indochinakrieges. In SĂŒdvietnam wurde 1948 eine unter französischer Aufsicht stehende Gegenregierung eingesetzt, der ab 1949 der ehemalige Kaiser BáșŁo ĐáșĄi als Staatsoberhaupt vorstand. Nach jahrelangem Guerillakampf gelang es den Việt Minh unter General VĂ” NguyĂȘn GiĂĄp am 7. Mai 1954, die Franzosen in der Schlacht um Điện BiĂȘn Phủ zu besiegen. Dieser Sieg markierte das Ende der französischen Kolonialherrschaft in Indochina. Es folgten ein Waffenstillstand und die Genfer Konferenz vom 21. Juli 1954, auf der die Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrades in die (nördliche) Demokratische Republik Vietnam (Hauptstadt Hanoi) und die (sĂŒdliche) Republik Vietnam (Hauptstadt Saigon) beschlossen wurde. Bis Mai 1955 hatte Frankreich alle Truppen aus Indochina abzuziehen.

In SĂŒdvietnam beauftragte BáșŁo ĐáșĄi am 16. Juni 1954 den KatholikenfĂŒhrer Diệm mit der Regierungsbildung. Im Jahr darauf entmachtete Diệm BáșŁo ĐáșĄi und erhob sich selbst zum Staatschef. Landreformen, die die Việt Minh veranlasst hatten, wurden zurĂŒckgenommen. Die Regierung Diệms war unpopulĂ€r, Studenten und Buddhisten protestierten gegen die Regierungspolitik. Die USA verstĂ€rkten ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr SĂŒdvietnam, um den Sturz des Regimes zu verhindern. Bis 1960 versank SĂŒdvietnam immer mehr in Korruption und Chaos. Am 1. November 1963 wurde Diệm gestĂŒrzt und ermordet. Darauf folgten mehrere kurzlebige MilitĂ€rregierungen, bis sich ab 1967 unter dem von den USA protegierten PrĂ€sidenten Nguyễn Văn Thiệu eine neue, stabile Regierung etablieren konnte.

Vietnamkrieg

Am 2. und 4. August 1964 ereignete sich der Zwischenfall im Golf von Tonkin. Die USA starteten ab 1965 massive „Vergeltungsangriffe“ auf Nordvietnam. Die erst 1971 veröffentlichten sogenannten Pentagon-Papiere zeigten auf, dass die USA diesen Krieg unter anderem seit lĂ€ngerem geplant hatten, um in SĂŒdvietnam eine Beteiligung der Kommunisten an der Regierung zu verhindern. Ab 1965 fĂŒhrten die USA einen systematischen Luftkrieg gegen Nordvietnam; im SĂŒden operierten US-Bodentruppen. Bis 1968 eskalierte der Krieg, obwohl die USA Nordvietnam militĂ€risch weit ĂŒberlegen galten. Auf der Seite der Nationalen Front fĂŒr die Befreiung SĂŒdvietnams kĂ€mpften rund 230.000 Partisanen und 50.000 Angehörige der offiziellen nordvietnamesischen StreitkrĂ€fte. Ihnen standen rund 550.000 Amerikaner, ungefĂ€hr die gleiche Zahl ARVN-Soldaten, 50.000 SĂŒdkoreaner und kleinere Kontingente VerbĂŒndeter (darunter auch aus Australien und Neuseeland) gegenĂŒber.

Am 31. Januar 1968 gelang den Viet Cong ein politisch wichtiger Sieg: In der Tet-Offensive nahmen die kommunistischen Partisanen SĂŒdvietnams vorĂŒbergehend Teile Saigons und weiterer StĂ€dte ein, die gut gesicherte Botschaft der USA in Saigon wurde angegriffen. In den USA konnte nun die Regierung nicht mehr behaupten, dass der Konflikt unter Kontrolle sei. Trotz schwerer Verluste der Vietcong schien offensichtlich, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden konnte. Die öffentliche Meinung in den USA schwenkte um, nicht zuletzt aufgrund von Presseberichten und Bildreportagen ĂŒber KriegsgrĂ€uel, Massaker und Napalm-Opfer. Die USA beschlossen deshalb 1969 die Vietnamisierung des Krieges und den Abzug ihrer Truppen in mehreren Schritten. Die Bombardierungen und Luftangriffe, insbesondere die Verwendung von Entlaubungsmitteln, dauerten bis 1973 an.

Am 2. September 1969 starb Hồ ChĂ­ Minh, der PrĂ€sident Nordvietnams. Am 27. Januar 1973 vereinbarten Henry Kissinger und LĂȘ Đức Thọ, der Nachfolger von Hồ ChĂ­ Minh, einen Waffenstillstand. Damit endete die direkte Kriegsbeteiligung der USA, die Waffenlieferungen an SĂŒdvietnam gingen jedoch weiter. Die Nordvietnamesen setzten den Kampf gegen SĂŒdvietnam erfolgreich fort. Am 21. April 1975 stand Saigon vor dem Fall, Staatschef Nguyễn Văn Thiệu legte sein Amt nieder, die letzten verbliebenen Vertreter der USA wurden evakuiert. Am 30. April wurde Saigon eingenommen, SĂŒdvietnam kapitulierte bedingungslos am 1. Mai 1975, der Vietnamkrieg war damit zu Ende. Bis zur Wiedervereinigung ĂŒbernahm eine Provisorische RevolutionĂ€re Regierung die Macht im SĂŒden.

Sozialistische Republik Vietnam

Am 2. Juli 1976 wurden Nord- und SĂŒdvietnam unter dem Namen Sozialistische Republik Vietnam wiedervereint. Saigon, die ehemalige Hauptstadt SĂŒdvietnams, wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt (ThĂ nh phố Hồ ChĂ­ Minh) umbenannt.

Das in der Folge des Vietnamkrieges entstandene kommunistisch-maoistische Regime der Roten Khmer in Kambodscha und vor allem deren Attacken auf vietnamesisches Gebiet veranlassten Vietnam, in Kambodscha einzumarschieren. Anfang 1979 eroberten vietnamesische Truppen Phnom Penh und errichteten einen von Vietnam abhĂ€ngigen „RevolutionĂ€ren Volksrat“ unter Heng Samrin. Die Volksrepublik China, die die Regierung der Roten Khmer unterstĂŒtzt hatte, provozierte daraufhin angesichts der moskautreuen Politik Vietnams entlang der Grenze zu Vietnam bewaffnete Auseinandersetzungen, die als Erziehungskrieg bekannt wurden. WĂ€hrend der mehrwöchigen KĂ€mpfe erlitten beide Seiten hohe Verluste. China zog sich schließlich wieder zurĂŒck und gab an, seine Ziele erreicht zu haben. Der Konflikt endete ohne klaren Sieger. Erst 1989 zog sich Vietnam aus Kambodscha zurĂŒck.

Im Jahr 1983 befanden sich rund 2000 sowjetische MilitĂ€rberater im Land, die Luft- und SeestĂŒtzpunkte (u. a. in Cam Ranh) sowie eine Abhörstation betrieben, deren Nutzung vertraglich vereinbart war.

Ab 1986 veranlasste die Kommunistische Partei Vietnams wirtschaftliche Reformen, genannt Đổi mới (Erneuerung). WĂ€hrend der 1990er Jahre wuchs die Wirtschaft stark und Vietnam wurde wieder in die internationale Staatengemeinschaft aufgenommen. Am 3. Februar 1994 hob die Regierung Clinton das seit dem Vietnamkrieg bestehende Handelsembargo auf. 1995 nahmen Vietnam und die USA wieder diplomatische Beziehungen auf; 2001 trat ihr bilaterales Handelsabkommen in Kraft.

Politik

Vietnam ist ein Einparteienstaat, in welchem die Kommunistische Partei Vietnams die Einheitspartei darstellt und somit das Monopol auf die Macht innehat. Die Menschenrechtslage ist problematisch. Die Presse wird entsprechend der Regierungsmeinung zensiert und die Zivilgesellschaft stark ĂŒberwacht.

Regierungssystem

Vietnam wird hauptsĂ€chlich von einem Kollegium aus drei Personen gefĂŒhrt, welches aus dem GeneralsekretĂ€r der KPV, dem Premierminister und dem StaatsprĂ€sidenten besteht. Alle drei sind ParteifunktionĂ€re und treffen ihre Entscheidungen in der Regel einstimmig. Der GeneralsekretĂ€r ist nicht nur Leiter des Sekretariats, sondern in der Regel auch Vorsitzender des PolitbĂŒros der KPV, welches momentan aus 14 Mitgliedern besteht.

Laut Verfassung ist die Nationalversammlung, das Einkammerparlament Vietnams, das höchste Organ staatlicher Macht. Die 493 Abgeordneten werden fĂŒr eine Legislaturperiode von fĂŒnf Jahren gewĂ€hlt. Mindestens zweimal jĂ€hrlich muss die Nationalversammlung eine Vollversammlung abhalten. In der ĂŒbrigen Zeit werden ihre Aufgaben vom StĂ€ndigen Ausschuss der Nationalversammlung (SANV) ausgefĂŒhrt. Die Nationalversammlung ernennt den StaatsprĂ€sidenten, den Premierminister und die Regierung (Exekutive) sowie die Prokuratur des Obersten Volksgerichtshofes und des Obersten Volkskontrollamtes (Judikative). Die Nationalversammlung hat seit den letzten VerfassungsĂ€nderungen stark an politischem Einfluss gewonnen. Sie kann jetzt Gesetze Ă€ndern, kann Minister zur Verantwortung ziehen und muss den Staatshaushalts- und ProduktionsplĂ€nen zustimmen. Die grĂ¶ĂŸte politische Macht liegt weiterhin bei der kommunistischen Partei, welche durch die Vietnamesische Vaterlandsfront – einen Dachverband fĂŒr Massenorganisationen – den Wahlprozess unter ihrer Kontrolle hat. Sie steuert mit ihrem Zentralkomitee und dem PolitbĂŒro die Politik des Landes. Durch den etwa 90-prozentigen Anteil an KPV-Mitgliedern in der NV sind alle ranghohen Regierungsmitglieder ebenfalls Teil der KPV.

Wahlen finden in Vietnam alle fĂŒnf Jahre auf mehreren Ebenen statt: Auf Zentralebene (Nationalversammlung) sowie auf Provinz-, Distrikts- und Gemeindeebene (VolksrĂ€te). Die Kandidaten, die sich zur Wahl stellen wollen, werden von der Vietnamesischen Vaterlandsfront und der Kommunistischen Partei nach strengen Kriterien ausgewĂ€hlt. Trotzdem sind momentan ca. 10 % der Abgeordneten keine Parteimitglieder, nachdem bei der Wahl 2002 ungefĂ€hr 15 % Nicht-Parteimitglieder zugelassen wurden. Allerdings hatten sich zuvor 69 UnabhĂ€ngige beworben, und nur 13 wurden angenommen. Seit 2003 mĂŒssen von Rechts wegen in jedem Wahlkreis mindestens zwei Kandidaten mehr antreten als Mandate zu vergeben sind.

Frauenwahlrecht

Nach Goscha verlautbarten die Việt Minh bei GrĂŒndung der Demokratischen Republik Vietnam (DRV) das allgemeine Wahlrecht unabhĂ€ngig von den Geschlechtern. Der Autor nennt kein konkretes Datum, aber benennt die Dekrete No. 14 und No. 51 als Rechtsgrundlagen und schildert, dass dies im Rahmen der MachtĂŒbernahme wĂ€hrend der Augustrevolution (UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung 2. September 1945) geschehen sei. Am 2. September 1945 wurde die Demokratische Republik Vietnam ausgerufen. Frauen erhielten im Rahmen der MachtĂŒbernahme wĂ€hrend der Augustrevolution (UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung 2. September 1945) erstmals gleiche Rechte wie MĂ€nner, auch das Wahlrecht. Rechtsgrundlage hierfĂŒr waren die Dekrete Nummer 14 und Nummer 51. AusgeĂŒbt wurde das Recht erstmals bei den Wahlen vom 6. Januar 1946. 1946 waren in der gesetzgebenden Versammlung nur 2,5 Prozent der Abgeordneten Frauen. Die Demokratische Republik Vietnam umfasste nur kurz das ganze Gebiet des Landes. 1946 kehrte in den SĂŒden die französischen Kolonialmacht zurĂŒck. WĂ€hrend der Kolonialzeit bis 1954 gab es kein Wahlrecht fĂŒr nicht-naturalisierte Indigene der Kolonie. Eine Quelle berichtet von einem aktiven Frauenwahlrecht in SĂŒdvietnam zur Wahl von Ngo Dinh Diem 1955.

Verfassung und Menschenrechte

Die erste Verfassung Vietnams wurde im November 1946 verabschiedet. Sie legte die Unteilbarkeit des Landes sowie die Gleichheit aller BĂŒrger des Landes vor dem Gesetz fest. Das Frauenwahlrecht wurde 1946 ebenfalls eingefĂŒhrt. Seitdem gab es 1959, 1980 und 1992 neue Verfassungen. Die heutige vietnamesische Verfassung gilt in ihrer Version vom 15. April 1992, welche 2001 modifiziert wurde. Mit einem zusĂ€tzlichen Abschnitt im Artikel 4 stellt sich die kommunistische Partei, im Unterschied zur Verfassung von 1980, formell unter die Verfassung und das Gesetz, wĂ€hrend sie bis dahin die Autorisierung dazu hatte, alles zu tun, was sie zum Aufbau des Sozialismus fĂŒr notwendig erachtete. Die heutige Verfassung hat ihren Schwerpunkt in Richtung der Entwicklung von Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und Technologie und des Schutzes des privaten Sektors und von auslĂ€ndischen Investoren verschoben.

Artikel 4 der Verfassung legt jedoch nach wie vor die fĂŒhrende Rolle der Kommunistischen Partei Vietnams fest und verbietet alle Oppositionsparteien. Die PrĂ€ambel der Verfassung beschreibt die Partei als FĂŒhrer, das Volk als Herrscher und den Staat als Verwalter.

Die vor dem Verbot bestehenden oder nach dem Verbot gegrĂŒndeten Parteien im Ausland bestehen weiter. Diese haben zwar keinen Einfluss auf das politische Geschehen in Vietnam, veranstalten aber viele Demonstrationen im Inland und Ausland. Zudem besitzen manche Parteien eigene Parteizeitungen, die zumeist kritische EnthĂŒllungen gegen die kommunistische Regierung in Vietnam beinhalten.

(Siehe auch: Liste der politischen Parteien in Vietnam)

Des Weiteren rĂ€umt die Verfassung Vietnams formell allen BĂŒrgern Grundrechte wie z. B. Redefreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit und Glaubensfreiheit ein. Aufgrund der staatlichen Zensur und Kontrolle durch die kommunistische Partei ist es den BĂŒrgern allerdings nur in beschrĂ€nktem Umfang möglich, diese Grundrechte in Anspruch zu nehmen. So wurden bereits mehrere kritische Blogger verhaftet. Der bekannte Blogger und Dissident Le Quoc Quan, ein Anwalt, der sich fĂŒr die Menschenrechte einsetzt, wurde im Herbst 2013 aufgrund des Vorwurfs der Steuerhinterziehung zu einer zweieinhalbjĂ€hrigen Haftstrafe verurteilt. Daraufhin kam es zu einer Protestdemonstration.

Am 19. September 2015 wurde die Bloggerin Ta Phong Tan nach drei Jahren Haft unter bloßer Suspendierung des Rests auf zehn Jahre Haftstrafe ins Exil gezwungen. Pen International fordert freie Einreise und Erlassen dieser Strafe fĂŒr sie genauso wie Freilassung einer Reihe anderer Blogger.

Rechtssystem

Vietnam verfĂŒgt de facto ĂŒber keine unabhĂ€ngige Judikative. Die im vietnamesischen Rechtssystem handelnden Personen sind alle unmittelbar oder mittelbar durch die kommunistische Partei bzw. die Vietnamesische Vaterlandsfront ausgewĂ€hlt, wobei politische ZuverlĂ€ssigkeit ein wichtiges Auswahlkriterium darstellt. Die Partei nimmt auch auf Rechtsentscheidungen Einfluss, welche die Monopolstellung der KPV in Frage stellen könnten. DarĂŒber hinaus fehlt es an Richtern und AnwĂ€lten mit adĂ€quater Ausbildung. Allerdings haben die Schöffen in Vietnam im Gegensatz zum deutschen System eine juristische Ausbildung.

Die oberste Instanz des vietnamesischen Rechtssystems ist der Oberste Volksgerichtshof, welcher der Nationalversammlung unterstellt ist und dessen Mitglieder auf Vorschlag des StaatsprÀsidenten von der Nationalversammlung ernannt werden. Die Nationalversammlung bestimmt auch das Budget der Judikative. Dem Obersten Volksgerichtshof sind die Volksgerichte auf Distrikts- und Provinzebene, die MilitÀrtribunale sowie die Verwaltungs-, Wirtschafts- und Arbeitsgerichte unterstellt.

Die Todesstrafe ist in Vietnam nicht abgeschafft; sie wird unter anderem gegen Personen verhĂ€ngt, die der Korruption oder des Drogenhandels ĂŒberfĂŒhrt wurden.

Politische Indizes

Außenpolitik

WĂ€hrend des Vietnamkrieges und danach war Vietnam in SĂŒdostasien weitgehend isoliert. Die USA hatten ein Wirtschaftsembargo verhĂ€ngt und drĂ€ngten auch andere Staaten, Vietnam zu boykottieren. Speziell nach dem Einmarsch in Kambodscha (1978–1989) waren auch die Beziehungen zur Volksrepublik China so gespannt, dass an der vietnamesisch-chinesischen Grenze ein Krieg ausbrach. Vietnam integrierte sich deshalb sehr stark in den Rat fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Aus der Isolierung kam das Land erst nach dem RĂŒckzug aus Kambodscha 1991 heraus.

In den 1990er Jahren entspannten sich die Beziehungen zu allen Nachbarstaaten. Im Jahr 1991 nahm das Land wieder diplomatische Beziehungen zu China sowie den meisten LĂ€ndern Europas und Ostasiens auf. Unterhielt Vietnam vor dem Ende des Kalten Krieges nur zu 23 nicht-kommunistischen Staaten diplomatische Beziehungen, sind es heute 172. Es gibt Handelsabkommen mit 76 LĂ€ndern sowie eine ebenso hohe Anzahl an LĂ€ndern mit MeistbegĂŒnstigtenstatus. Die USA haben ihr Embargo gegen Vietnam aufgehoben und so wurde der Beitritt zur Weltbank, dem Internationalen WĂ€hrungsfonds und zur Asiatischen Entwicklungsbank möglich. Im Juli 1995 trat Vietnam der ASEAN bei, 1998 der APEC. Seit dem 11. Januar 2007 ist Vietnam 150. Mitglied der WTO. Von 2008 bis 2009 war das Land eines von zehn nicht-stĂ€ndigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats.

Von besonderem Interesse fĂŒr Vietnam sind die Beziehung zur asiatisch-pazifischen Region, und hier besonders zu China, als ebenfalls sozialistischem Staat und Hauptordnungsmacht in der Region. Auch mit Deutschland gibt es einige Kooperationen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und das Goethe-Institut haben Außenstellen in Vietnam. Im Jahr 2010 riefen mehrere Organisationen das Veranstaltungsjahr „Deutschland in Vietnam“ aus, bei dem diverse Veranstaltungen deutscher Kultur in Vietnam stattfanden. Parallel dazu wurde auch ein Veranstaltungskalender „Vietnam in Deutschland“ erstellt. Die mutmaßliche EntfĂŒhrung des vietnamesischen Managers Trịnh XuĂąn Thanh, der sich als Asylbewerber in Deutschland aufhielt, am 23. Juli 2017 durch den vietnamesischen Geheimdienst, veranlasste die Bundesregierung, einen vietnamesischen Diplomaten auszuweisen.

Grenzstreitigkeiten gibt es mit einer Reihe von Staaten um die Paracel-Inseln sowie die Spratly-Inseln im SĂŒdchinesischen Meer.

MilitÀr

Die Vietnamesische Volksarmee ging auf die GrĂŒndung eines vietnamesischen kommunistischen Staates wĂ€hrend der Augustrevolution zurĂŒck. Die StreitkrĂ€fte spielten im Indochinakrieg und Vietnamkrieg die entscheidende Rolle zum Erreichen der UnabhĂ€ngigkeit und Einheit des Landes im Rahmen eines kommunistischen Staates. Im Kambodschanischen BĂŒrgerkrieg besetzten die StreitkrĂ€fte Teile des Nachbarlandes. 1979 verteidigten die StreitkrĂ€fte den Nordteil des Landes gegen eine chinesische Invasion. Die StreitkrĂ€fte unterliegen einer rigorosen politischen Kontrolle durch die kommunistische Partei. DarĂŒber hinaus besitzen die StreitkrĂ€fte eigene Unternehmen, etwa das Telekommunikationsunternehmen Viettel.

Die LandstreitkrĂ€fte haben eine StĂ€rke von etwa 412.000 Mann; es existiert eine allgemeine Wehrpflicht fĂŒr alle MĂ€nner, die in der Regel zwei Jahre dauert. Die Marine hat 42.000 Mann; die modernste Teilstreitkraft Vietnams ist die Luftwaffe mit 30.000 Mann. Ihre HauptstĂ€rke besteht aus 124 MiG-21, 53 Su-22, 12 Su-27 und 24 Su-30.

Vietnam sieht sich momentan keinen Bedrohungen von außen gegenĂŒbergestellt. Die Regierung hat deshalb in den vergangenen Jahren die TruppenstĂ€rke und Verteidigungsausgaben reduziert. Es wird geschĂ€tzt, dass Vietnam 2017 knapp 2,3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 5,1 Milliarden Dollar fĂŒr seine StreitkrĂ€fte ausgab. Trotzdem gehört das vietnamesische MilitĂ€r zu den mĂ€chtigsten und schlagkrĂ€ftigsten in der Region. Auch innenpolitisch ist das MilitĂ€r stark, viele ranghohe MilitĂ€rs nehmen einflussreiche Positionen in Partei- und StaatsfĂŒhrung ein. Nach den militĂ€rischen Auseinandersetzungen mit Frankreich, den USA und China hat es in der Bevölkerung starken RĂŒckhalt. Vietnam lag 2018 auf Platz 16 von 155 LĂ€ndern im Globalen Militarisierungsindex (GMI). GemĂ€ĂŸ dem Ranking von Global Firepower (2018) gehört das Land zu den 20 stĂ€rksten MilitĂ€rmĂ€chten der Welt.

Neben der regulÀren Armee gibt es paramilitÀrische Reserveeinheiten, deren StÀrke auf 4 bis 5 Millionen Mann geschÀtzt wird. Hierzu gehören die SelbstverteidigungskrÀfte und die Volksmiliz.

Wirtschaft

Vietnam gehört zu jenen Staaten, die sich in einer Transformation von der Zentralverwaltungswirtschaft zur sozialistischen Marktwirtschaft befinden. Dieser Prozess hat in Vietnam ein rasantes Wirtschaftswachstum ausgelöst und das Land zu einem attraktiven Investitionsstandort fĂŒr internationale Unternehmen werden lassen. Die Weltbank stuft Vietnam seit Beginn 2011 als Schwellenland ein.

GemĂ€ĂŸ dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) zĂ€hlt Vietnam zu den LĂ€ndern mittlerer Entwicklung. Mit einem HDI von 0,693 steht es an der Schwelle zu den LĂ€ndern hoher menschlicher Entwicklung. Seit 1990 ist der HDI von Vietnam stark angestiegen. Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Vietnam Platz 67 von 141 LĂ€ndern (Stand 2019). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegte das Land 2018 Platz 141 von 180 LĂ€ndern und wurde als „grĂ¶ĂŸenteils unfrei“ eingestuft.

Wirtschaftsgeschichte

Nach der Wiedervereinigung Vietnams stand die Wirtschaft des Landes vor dem Problem, in zwei HĂ€lften geteilt zu sein, die nach komplett verschiedenen Mustern organisiert waren: Im Norden gab es die kommunistische, planwirtschaftlich organisierte HĂ€lfte, deren Landwirtschaft in Kooperativen betrieben wurde und dessen Land zudem durch die Armee der USA im Vietnamkrieg stark zerbombt worden war. Der SĂŒden hingegen war einige Zeit marktwirtschaftlich organisiert, hatte aber wĂ€hrend der vergangenen zwei Jahrzehnte eine Wirtschaft entwickelt, die vollstĂ€ndig vom Zustrom amerikanischen Geldes abhing, das bedingt durch die MilitĂ€rprĂ€senz zufloss.

Der SĂŒden wurde nach sowjetischem Vorbild restrukturiert, die Landwirtschaft kollektiviert und die Betriebe wurden verstaatlicht. Im Jahr 1978 trat Vietnam dem Rat fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe bei, wĂ€hrend die USA ein Wirtschaftsembargo ĂŒber Vietnam verhĂ€ngten, das nicht nur Amerikanern verbot, mit Vietnam Handel zu treiben, sondern auch den IWF, die Weltbank und Ă€hnliche Organisationen daran hinderte, Vietnam Aufbaukredite zu geben.

Das Resultat aus der UnproduktivitĂ€t der Staatsbetriebe und der kollektivierten Landwirtschaft, den Handelshindernissen und den massiven UmweltschĂ€den aus dem Vietnamkrieg war schreckliche Armut. Repressionen der kommunistischen FĂŒhrung gegen die frĂŒheren Feinde, Armut und Enteignungen der Privatwirtschaft im SĂŒden veranlassten mehr als eine halbe Million Vietnamesen dazu, als Boatpeople unter Lebensgefahr das Land zu verlassen. Die Anzahl Überlebender wird auf nur 20 % bis 40 % geschĂ€tzt. Angesichts offensichtlicher ökonomischer Probleme entschied sich die Kommunistische Partei 1979 dazu, private Wirtschaftssubjekte stĂ€rker zu fördern und 1981 wurden in der Landwirtschaft die ersten Reformschritte gesetzt. Weitere Reformen blieben jedoch wirkungslos, es kam zu wirtschaftlicher Stagnation und Hyperinflation sowie zu schwerwiegenden VersorgungsengpĂ€ssen. 1980 lag die Reisproduktion pro Kopf mit 265 kg unter der Subsistenzgrenze von 300 kg pro Kopf und Jahr. Das Einzige, was Vietnam halbwegs am Leben hielt, war Wirtschaftshilfe der RGW-Staaten, die sich auf geschĂ€tzte drei Milliarden Dollar jĂ€hrlich belief.

Im Jahr 1986 starb LĂȘ Duáș©n und machte Platz fĂŒr eine reformorientierte, jĂŒngere Generation. Unter Nguyễn Văn Linh wurde Đổi mới (Wirtschaftserneuerung) angekĂŒndigt und ab 1989 wurden die ersten Maßnahmen dieser Reformpolitik verwirklicht. Das bedeutete, dass die zentrale Planung aufgegeben, die Kollektivierung schrittweise abgeschafft und marktwirtschaftliche Reformen eingefĂŒhrt wurden. Allerdings gab die KPV keineswegs ihre sozialistische PrĂ€gung auf, denn es wurde betont, dass eine sozialistische Marktwirtschaft aufgebaut werde, welche die erste Stufe des Übergangs zum Kommunismus sei. AuslĂ€ndischen Firmen wurde erlaubt, in Vietnam zu investieren. Als Vietnam am Beginn der 1990er Jahre aus der internationalen Isolation fand, in die es durch die Intervention in Kambodscha gekommen war, und die Amerikaner 1993 ihr Wirtschaftsembargo aufhoben, flossen so viele auslĂ€ndische Investitionen und Finanzhilfe in das Land, dass das Wirtschaftswachstum zeitweise 10 % pro Jahr ĂŒberstieg. Aus dem frĂŒheren Mangelland Vietnam wurde, speziell durch die Reformen in der Landwirtschaft, der zweitgrĂ¶ĂŸte Reisexporteur der Welt. 2003 lag die Reisjahresproduktion pro Kopf bei rund 470 kg.

Ein betrĂ€chtlicher Teil der Wirtschaftsleistung wird durch finanzielle UnterstĂŒtzung, Waren und Investitionen von Auslandsvietnamesen (vor allem aus den USA) erbracht; fĂŒr das Jahr 2000 wurde dieser Betrag auf eine Milliarde US$ geschĂ€tzt.

Vietnam hat 2009 die Grenze von 1000 USD Jahreseinkommen pro Kopf ĂŒberschritten und ist seitdem ein „Middle Income Country“. 2018 wurde das Bruttoinlandsprodukt auf 241 Mrd. USD geschĂ€tzt, demnach 2546 USD pro Kopf. Allerdings ist das Volkseinkommen zwischen Stadt und Land sehr ungleich verteilt. Nach wie vor leben 60 Prozent der Bevölkerung auf dem Land, erwirtschaften dort aber nur 20 Prozent des Volkseinkommens. Die Inflationsrate lag in Vietnam 2017 bei 3,52 %.

Das um die KaufkraftparitÀt bereinigte BIP pro Person lag 1999 noch bei 410 US$ (Stadt 640, Land 180), 2016 schon bei etwa 6530 US$, was ca. 18 Dollar/Tag entspricht. Immer noch etwa 6 % der Bevölkerung verdienen weniger als einen US$ pro Tag.

Auf dem X. Parteikongress der KPV, der vom 18.–25. April 2006 in Hanoi stattfand, verabschiedeten 1178 Delegierte den FĂŒnf-Jahres-Plan fĂŒr den Zeitraum 2006–2010 (Socio-Economic Development Plan for the Five Year Period 2006–2010). GemĂ€ĂŸ diesem Plan soll Vietnam bis 2020 ein Industrieland werden; das Wirtschaftswachstum soll bis dahin zwischen 8 und 8,5 % bleiben. Bezeichnenderweise hielt sich gleichzeitig der ehemalige Microsoft-Chef Bill Gates auf Einladung der vietnamesischen Regierung ebenfalls in Hanoi auf.

Im Mai 2006 wurde bekannt, dass Vietnam und die USA im Juni 2006 ein bilaterales Handelsabkommen abschließen wollen. Im November 2006 fand in Hanoi zudem das Gipfeltreffen der APEC-Staaten statt, an dem auch US-PrĂ€sident George W. Bush teilnahm. Zum 11. Januar 2007 trat Vietnam der Welthandelsorganisation WTO bei.

Landwirtschaft

Vietnam war bis vor wenigen Jahren ein fast ausschließlich agrarisch geprĂ€gtes Land. Bis heute sind in der Landwirtschaft 40 % der ArbeitskrĂ€fte Vietnams tĂ€tig, jedoch trĂ€gt dieser Sektor nur mehr 15 % des BIPs bei. FĂŒr 2007 verzeichnete man einen Zuwachs von 3,4 %, trotz zahlreicher Naturkatastrophen.

Der von den französischen Kolonialherren 1857 in Vietnam eingefĂŒhrte Kaffeeanbau hat sich in den letzten 25 Jahren rasant entwickelt, von einer AnbauflĂ€che von 22.000 Hektar 1980 auf heute eine halbe Million Hektar. Damit ist Vietnam hinter Brasilien der weltweit zweitgrĂ¶ĂŸte Kaffeeproduzent geworden. Auslöser fĂŒr diese Entwicklung war die DDR. Wegen der in den 1980er Jahren stetig gestiegenen Preise fĂŒr Rohkaffee und dem immensen Bedarf der DDR an diesem wurde ein Ausweg aus dem Problem gesucht, wertvolle harte WĂ€hrung fĂŒr Kaffee ausgeben zu mĂŒssen. Das damalige sozialistische Bruderland Vietnam bietet gute klimatische Voraussetzungen fĂŒr den Kaffeeanbau in mittlerweile auch weltmarktfĂ€higer QualitĂ€t. Eines der Zentren des vietnamesischen Kaffeeanbaus ist die sĂŒdliche Hochland-Provinz ĐáșŻk LáșŻk (durchschnittlich bei einer Höhe von 600 m).

Vietnam ist der fĂŒnft-grĂ¶ĂŸte Reisproduzent (Stand: 2016). In den letzten Jahren ist Vietnam zum viert-grĂ¶ĂŸten Fischproduzenten aufgestiegen. Die Mehrheit der jĂ€hrlichen Produktion von 6,4 Mio. Tonnen (2016) stammt bereits aus der Zucht und nicht mehr aus der traditionellen Fischerei.

Rohstoffe und Energie

Vietnam verfĂŒgte Ende 2017 ĂŒber bekannte Erdölreserven in Höhe von etwa 600 Millionen Tonnen (bzw. 4400 Millionen Barrel). 2017 wurden tĂ€glich ca. 335.000 Barrel gefördert und 486.000 Barrel verbraucht. Die Erdölförderung stagnierte in den letzten 10 Jahren, wĂ€hrend der Verbrauch stark zugenommen hat (2007 lag der tĂ€gliche Verbrauch noch bei 283.000 Barrel). In Vietnam gibt es eine Raffinerie, die Dung Quáș„t Raffinerie, und eine zweite ist in Bau. Die RaffineriekapazitĂ€t lag 2017 bei 167.000 Barrel pro Tag.

In Vietnam gibt es weiterhin große Vorkommen von Anthrazitkohle (Reserven von 3.116 Millionen Tonnen) und Erdgas sowie Antimon, Bauxit, Chrom, Gold, Eisen, Phosphaten, Zinn und Zink.

2014 war Vietnam mit 41 Mio. t weltweit dreizehntgrĂ¶ĂŸter Steinkohleförderer.

2017 wurden in Vietnam 190,3 Milliarden Kilowattstunden elektrischer Energie erzeugt. 2005 waren es noch 51,3 Milliarden kWh und 1995 gar nur 14,3 Milliarden. 70,2 Milliarden kWh (37 %) entfielen auf Wasserkraft, 74,3 Milliarden kWh (39 %) auf Kohle und 44,4 Milliarden kWh (23 %) auf Erdgas. Im November 2016 wurden PlĂ€ne, ein Kernkraftwerk in der Provinz Ninh Thuáș­n zu errichten, aufgegeben.

Industrie

Die Industrie trug 2007 42 % zum BIP bei und ist HauptsĂ€ule des Wirtschaftswachstums des Landes mit 10,6 % Zuwachs in diesem Jahr. Der wichtigste Industriezweig ist die Herstellung von Textilien und Schuhen, daneben sind die Herstellung von Zement, Stahl und die Montage von Automobilen bedeutend. Etwa 40 % der Industriebetriebe Vietnams befinden sich nach wie vor in staatlicher Hand und mindestens ein Viertel davon arbeitet defizitĂ€r; trotzdem hat die Regierung 2002 beschlossen, dass alle Betriebe, die in sensitiven Bereichen tĂ€tig sind, zu 100 % unter staatlicher Kontrolle bleiben. Die vietnamesischen Betriebe sind in der Regel sehr klein und kapitalschwach. Es wird erwartet, dass viele davon die schnell fortschreitende wirtschaftliche Öffnung Vietnams nicht ĂŒberleben werden.

Wirtschaftsstruktur

Vor der EinfĂŒhrung von Đổi mới waren private Unternehmen, abhĂ€ngig vom Wirtschaftssektor, entweder verboten oder vernachlĂ€ssigbar. Nur Familienbetriebe waren legal. Einige Zeit nach dem Beginn der Reformen, im Jahr 2002, betrug der Anteil des privaten Sektors am BIP etwa 40 %, wobei der Anteil in der Landwirtschaft besonders hoch war und der Anteil an der Industrieproduktion etwa ein Drittel ausmachte.

Die Asienkrise 1998 hat auch Vietnam stark getroffen und das Wirtschaftswachstum (2001: etwa 5 %) sowie das Interesse auslĂ€ndischer Investoren hatten zwischenzeitlich merklich nachgelassen. Die Regierung war nun gezwungen eine Reihe von Reformen umzusetzen, um der Wirtschaft weiterhin ein starkes Wachstum zu ermöglichen. Dies beinhaltet vor allem eine Reform der Rechtsordnung, denn rechtliche Unsicherheit schreckte viele potentielle Investoren ab. Ebenso war die Frage von Eigentum an Grund und Boden nicht restlos geklĂ€rt und die Unmöglichkeit, landwirtschaftliche FlĂ€chen in IndustrieflĂ€chen umzuwidmen, hat dazu gefĂŒhrt, dass die Preise fĂŒr Industrieland jene in Japan zeitweise ĂŒberstiegen.

Die staatlichen Unternehmen stellen fĂŒr die vietnamesische Wirtschaft ein Problem dar: Sie sind meist unrentabel, international nicht konkurrenzfĂ€hig und haben eine hohe Menge an Krediten, die sie wahrscheinlich nicht zurĂŒckzahlen werden können und damit das ganze Bankensystem bedrohen. Eine Anzahl von Staatsbetrieben wurde bereits mit anderen Staatsbetrieben fusioniert, oder geschlossen. Der Prozess lĂ€uft aber wegen der sozialen Auswirkungen (Arbeitslosigkeit) recht schleppend.

Die Wirtschaft ist durch einen starken Unterschied zwischen dem Norden und dem SĂŒden geprĂ€gt, wobei die Wirtschaft im SĂŒden bedeutend dynamischer ist als im Norden. Dies wird meist damit begrĂŒndet, dass die strategische Lage des SĂŒdens besser ist und dass dort Đổi mới – aufgrund der kĂŒrzer zurĂŒckliegenden Erfahrung mit den Marktmechanismen – schneller gegriffen hat als im Norden.

Die Inflation, die in den 1980er Jahren ein großes Problem darstellte, ist mittlerweile unter Kontrolle. Als Erinnerung an die Inflation bleiben astronomisch wirkende Preise mit vielen Nullen. Es gibt Scheine von 500 bis 500.000 Dong Nennbetrag und mittlerweile auch MĂŒnzen ab 500 Dong. Ein Euro ist etwa 25.000 Dong wert (2017), der grĂ¶ĂŸte Schein also nur gut 20 €, so dass es normal ist, dass man es bei großen BetrĂ€gen mit BĂŒndeln, in GeschĂ€ften und Banken bei der Abrechnung auch mit SĂ€cken von Geldscheinen zu tun hat.

Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2017 bei nur 2,2 %, allerdings sind viele BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse informeller Natur und UnterbeschĂ€ftigung ist verbreitet. 2017 arbeiteten 40,3 % aller ArbeitskrĂ€fte in der Landwirtschaft, 25,7 % in der Industrie und 34 % im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der BeschĂ€ftigten wird fĂŒr 2017 auf 54,8 Millionen geschĂ€tzt.

Außenwirtschaft

Vietnams Außenhandel hat sich in den Jahren seit seiner Integration in die Weltwirtschaft rasant entwickelt und die vietnamesische Volkswirtschaft hat einen Offenheitsgrad erreicht, der etwa dem Thailands entspricht. 2016 wurden Waren im Wert von 176,6 Milliarden US-Dollar exportiert, was gegenĂŒber 2015 einer Steigerung von 9,0 % entspricht. Wichtigste Exportprodukte sind Rohöl, GĂŒter der Leichtindustrie, wie etwa Textilien, Schuhe oder Elektro- und ElektronikgerĂ€te, Holzprodukte und landwirtschaftliche Erzeugnisse wie MeeresfrĂŒchte, Fisch, Reis und Kaffee. Im Jahr 2008 war Vietnam der zweitgrĂ¶ĂŸte Kaffeeproduzent der Welt. Hauptabnehmer fĂŒr vietnamesische Erzeugnisse sind die USA, die EU-LĂ€nder, China und die anderen ASEAN-Staaten.

Vietnams Importe machten 2016 einen Wert von 174,1 Milliarden US-Dollar aus, sie stiegen gegenĂŒber 2016 um 5,0 %. Importiert werden vor allem Maschinen und Fahrzeuge, Erdölprodukte, Eisen und Stahl, Textil- und Ledermaterialien sowie Computer und IT-AusrĂŒstungen. Die wichtigsten Lieferanten sind die VR China, die anderen ASEAN-Staaten, die EU, SĂŒdkorea und Japan. Die USA spielen als Lieferanten fĂŒr Vietnam eine nur sehr untergeordnete Rolle.

Mit einem Warenhandelsvolumen von gut 50 Milliarden Euro war Vietnam zuletzt der zweitwichtigste EU-Handelspartner in SĂŒdostasien, die EU ist ihrerseits global der viertwichtigste Handelspartner Vietnams. Zwischen 2014 und 2018 wuchs der gegenseitige Warenhandel bereits durchschnittlich um 15 % jĂ€hrlich. Um das volle Potenzial der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen zu heben, haben sich die EU und Vietnam auf ein umfangreiches Freihandelsabkommen zwischen Vietnam und der EuropĂ€ischen Union (EVFTA) geeinigt, dem nach dem Europaparlament nun auch der Rat der EuropĂ€ischen Union zugestimmt hat. Nach der noch notwendigen Ratifizierung durch die vietnamesische Nationalversammlung könnte das EVFTA im FrĂŒhsommer 2020 in Kraft treten.

Vietnam hat ein relativ hohes Handelsbilanzdefizit, das durch die Einnahmen aus dem Tourismus, durch ZuflĂŒsse von auslĂ€ndischen Direktinvestitionen, Entwicklungshilfe (2007: 5,4 Milliarden US-Dollar) und Überweisungen von Auslandsvietnamesen (2007: mehr als 5,5 Milliarden US-Dollar) ausgeglichen wird. Deshalb sind Leistungs- und Zahlungsbilanz unter Kontrolle. Aufgrund seiner AttraktivitĂ€t als Produktionsstandort ist die Handelsbilanz Vietnams inzwischen positiv (Stand 2016). Sogar chinesische Unternehmen haben aufgrund der niedrigeren Lohnkosten ihre Produktion nach Vietnam verlagert.

Vietnam bleibt ein bevorzugtes Ziel fĂŒr auslĂ€ndische Direktinvestitionen. Der grĂ¶ĂŸte Investor Vietnams 2016 war SĂŒdkorea mit einem neu registrierten Investitionsbetrag in Höhe von 5,518 Mrd. USD, entsprechend 36,3 % des gesamten Investitionsvolumens. Danach folgten Singapur mit 1,59 Mrd. USD, Hong Kong mit 1,1 Mrd. USD und Japan 868 Mio. USD. Deutschland steht mit ca. 300 in Vietnam aktiven Unternehmen und einem kumulierten Investitionsbetrag von 1,357 Mrd. USD auf Rang 21 der Investorenliste.

Die Auslandsverschuldung ist mit etwa 16,6 Milliarden US-Dollar bzw. 37 % des BIP (2005) relativ niedrig. Dies liegt vor allem daran, dass Vietnam bis 1993 fast keine Kredite aus dem westlichen Ausland bekommen konnte. Bis 2016 stieg sie auf knapp 60 % des BIP an.

Die vietnamesische WĂ€hrung ist inoffiziell an den US-Dollar gekoppelt (Crawling Peg).

Tourismus

In Europa wurde Vietnam eher mit Vietnamkrieg, Kommunismus und Armut assoziiert und zĂ€hlte zunĂ€chst nicht zu den klassischen UrlaubslĂ€ndern. Bis vor wenigen Jahren wurde Vietnam deshalb fast ausschließlich von Leuten besucht, die sich fĂŒr die Kultur interessieren, Abenteuer erleben wollten oder mit dem Land nach dem Vietnamkrieg in der einen oder anderen Art emotional verbunden waren.

Seit etwa 1999 erlebt Vietnam einen Boom im Tourismus. Neben Studienreisenden kommen auch immer mehr Rucksack-, Pauschal- und Badetouristen, letztere vor allem aus anderen asiatischen LĂ€ndern. Dies beruht z. T. auf einem „Ausweich-Effekt“, der mit der anhaltenden Gewalt und den TerroranschlĂ€gen auf den Philippinen und in Indonesien begrĂŒndet ist, wohingegen Vietnam ein sicheres Land mit niedriger KriminalitĂ€t ist. Mittlerweile fahren auch Kreuzfahrtschiffe vietnamesische HĂ€fen an bzw. ankern vor der KĂŒste und bieten TagesausflĂŒge nach Ho-Chi-Minh-Stadt, Nha Trang, Đà Náș”ng oder Huáșż an.

In den letzten Jahren wurden in einigen Fischerdörfern eilig einige internationale Hotels und Resorts hochgezogen, Restaurants fĂŒr AuslĂ€nder eröffnet und der Aufbau einer touristischen Infrastruktur in Angriff genommen. Mehrere hunderttausend Menschen sind bereits im Tourismus beschĂ€ftigt.

Die am meisten besuchten Reiseziele in Vietnam sind Ho-Chi-Minh-Stadt mit rund 5,8 Millionen internationalen Besuchern, gefolgt von Hanoi mit 4,6 Millionen und der HáșĄ Long Bucht mit 4,4 Millionen Besuchern. Alle drei befinden sich in den Top 100 der meistbesuchten StĂ€dte der Welt. In Vietnam gibt es 8 UNESCO-WelterbestĂ€tten. In SĂŒdostasien gibt es kein Land mit mehr WelterbestĂ€tten. Im Jahr 2018 wurde Hội An vom bekannten Reisemagazin "Travel and Leisure" zu den 15 besten Reisezielen der Welt gewĂ€hlt.

Ab dem Jahr 2020 ist der Hanoi Street Circuit Teil der Formel-1-Rennserie. Dieser befindet sich in der Hauptstadt Vietnams und sollte am ersten GP-Wochenende Anfang April 2020 stattfinden und 300.000 Zuschauern Unterhaltung bieten; allerdings wurde das Rennen aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt, so dass der erste vietnamesische Grand Prix im Jahre 2021 stattfinden soll.

Wirtschaftskennzahlen

Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt, Inflation, Haushaltssaldo und Außenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaßen:

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 57,2 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 48,0 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 4,5 % des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2016 126 Mrd. US-Dollar oder 62,4 % des BIP.

Die Staatsausgaben entfielen in % des BIP unter anderem auf folgende Bereiche:

  • Gesundheit: 6,6 % (2006)
  • Bildung: 4,6 % (2016)
  • MilitĂ€r: 2,3 % (2018)

Infrastruktur

Erreichbarkeit

In den letzten Jahren konnte die Infrastruktur des Landes, dank hoher Investitionen, deutlich verbessert werden. Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird, belegte Vietnam 2018 den 39. Platz unter 160 LĂ€ndern.

Die zwei grĂ¶ĂŸten StĂ€dte des Landes, Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt haben internationale FlughĂ€fen, die von wenigen europĂ€ischen (unter anderem Frankfurt, London und Paris), aber den meisten asiatischen GroßstĂ€dten direkt angeflogen werden. Daneben gibt es Eisenbahnverbindungen von und nach China und Straßenverbindungen in alle NachbarlĂ€nder. Die GrenzĂŒbergĂ€nge sind meist nur am Tag geöffnet. AuslĂ€nder können, sofern sie alle notwendigen Papiere haben, jeden beliebigen GrenzĂŒbergang zur Einreise benutzen.

Straßenverkehr

Vietnams Straßen haben eine LĂ€nge von insgesamt etwa 210.000 Kilometern, wovon nur etwa 13,5 % in einem guten Zustand und 29 % asphaltiert sind. 10 % der vietnamesischen Dörfer sind jĂ€hrlich wegen unpassierbarer Straßen mehr als einen Monat von der Außenwelt abgeschnitten.

Durch starke Anstrengungen im Tiefbau wĂ€chst der Anteil, der internationalen Standards entspricht, stetig; vorerst meist in den Einzugsgebieten von GroßstĂ€dten. Trotz der fortschreitenden Asphaltierung ist der grĂ¶ĂŸere Teil in eher schlechtem Zustand. Straßen in einer QualitĂ€t, die man als Autobahn bezeichnen könnte, gibt es nur wenige. Die wichtigste Straße Vietnams, die ĂŒber 2100 km als verkehrstechnisches RĂŒckgrat durch das gesamte Land von der chinesischen Grenze bis ins Mekongdelta verlĂ€uft, ist die Nationalstraße 1, vietnamesisch Quốc lộ 1A.

Derzeit wird an einer zweiten Nord-SĂŒd-Verbindung gebaut, dem so genannten Ho-Chi-Minh-Highway, der auf weiten Strecken entlang der Strecke des berĂŒhmten Ho-Chi-Minh-Pfads verlĂ€uft. Nach ihrer Fertigstellung soll diese 1690 km lange und 500 Millionen US-Dollar teure Straße Hanoi mit Ho-Chi-Minh-Stadt verbinden. 2006 waren bereits 960 km der Strecke zwischen den Orten Khe Co (Provinz Ha Tinh) und Ngoc Hoi (Provinz Kon Tum) in Form einer meist zweispurigen Asphaltstraße fertig gestellt. Nach der Fertigstellung wird diese Route eine attraktive Alternative zur Nationalstraße 1 darstellen. Zum einen wird der Verkehr weniger dicht sein, zum anderen fĂŒhrt die geplante Strecke durch reizvolle Landschaften. Dabei wird sie allerdings auch einige der letzten, bisher unberĂŒhrten Wildnisgebiete und Nationalparks an der laotischen Grenze durchschneiden.

In Vietnam herrscht offiziell Rechtsverkehr. In der Regel wird jedoch gefahren, wo gerade Platz ist. Kreuzungen, die mit Ampeln geregelt sind, kommen eher in den StĂ€dten vor. Auch wenn die Regierung versucht, den Busverkehr zu fördern, ist das bedeutendste Nahverkehrsmittel das Moped, das bei wohlhabenderen Familien zunehmend vom Auto abgelöst wird. Die bis vor wenigen Jahren allgegenwĂ€rtigen Fahrrad-Rikschas (Cyclo) richten sich in den GroßstĂ€dten heute meist an die Touristen. Auch andere Formen des „Taxifahrens“ sind bei Touristen populĂ€r, so in den InnenstĂ€dten das Mopedtaxi (Xe Ôm). Seit 2007 gilt in Vietnam die Helmpflicht, und die Bußgelder sind recht hoch. Es ist erlaubt, maximal zwei schwere oder drei leichte Personen mit einem Moped zu befördern.

Schienenverkehr

Das vietnamesische Eisenbahnnetz besteht aus sechs Linien mit 3260 Kilometern Schiene, stammt grĂ¶ĂŸtenteils aus der Kolonialzeit und wird nur langsam modernisiert. Die lĂ€ngste Linie fĂŒhrt von Hanoi nach Ho-Chi-Minh-Stadt; fĂŒr die 1730 Kilometer benötigt der Reunification Express 29,5 Stunden. Das Bahnnetz ist ĂŒberwiegend in Meterspur ausgefĂŒhrt, zwischen Hanoi und der chinesischen Grenze gibt es ein Dreischienengleis mit Normalspur. GrenzĂŒberschreitende Verbindungen gibt es zurzeit nur nach China ĂŒber den GrenzĂŒbergang Đồng Đăng.

Die ZĂŒge sind ausschließlich dieselbetrieben. Ältere Fahrzeuge stammen großteils aus sowjetischer Produktion, in den letzten Jahren ist China der Hauptlieferant. PlĂ€ne zur Errichtung einer Hochgeschwindigkeitsstrecke wurden aufgrund zu hoher Kosten nicht umgesetzt.

Fahrkarten werden in verschiedenen Klassen verkauft (drei Sitzplatzkategorien, Schlafabteile mit zwei bis sechs PlĂ€tzen pro Abteil). Alle Klassen außer der billigsten sind klimatisiert. Die ZĂŒge fahren recht langsam, sind dafĂŒr sicher und vergleichsweise pĂŒnktlich. FĂŒr lĂ€ngere Fahrten empfehlen sich Liege- oder Schlafwagen, die man lĂ€ngere Zeit im Voraus buchen sollte.

In Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt werden U-Bahn-Systeme gebaut und geplant, die ab 2021 in Betrieb gehen sollen.

Luftverkehr

Die wichtigste Fluglinie des Landes ist die staatliche Vietnam Airlines. Sie bietet zahlreiche FlĂŒge in andere asiatische LĂ€nder sowie einige Interkontinentalstrecken an und bedient die meisten FlughĂ€fen in Vietnam. Besonders hier sind neben den Strecken zwischen den großen StĂ€dten des Landes auch die abgelegenen kleineren StĂ€dte im eher schwach erschlossenen Bergland von Bedeutung, die hier zumeist ĂŒber einen eigenen Flugplatz verfĂŒgen. Die Flotte von Vietnam Airlines entspricht internationalem Niveau. Im regionalen Flugverkehr SĂŒdvietnams ist die Vietnam Air Service Company (VASCO) aktiv, eine Tochtergesellschaft der Vietnam Airlines.

Überwiegend auf den Inlandsmarkt sind die Billigfluglinien Jetstar Pacific Airlines und VietJet Air fokussiert. Anfang 2019 nahm auch Bamboo Airways den Betrieb auf. Diese Fluglinien besitzen westlichem Standard entsprechende Flotten mit nur einer Beförderungsklasse und haben relativ gĂŒnstige Tarife, die jedoch die GepĂ€ckbeförderung nicht einschließen.

Wasserverkehr

Vietnam verfĂŒgt ĂŒber etwa 5000 Kilometer Wasserstraßen, die ganzjĂ€hrig befahrbar sind. Besonders im Mekongdelta ist der Wassertransport wichtig, und die Straßen werden durch zahlreiche Flussarme unterbrochen, die mittels FĂ€hre ĂŒberbrĂŒckt werden mĂŒssen.

Die wichtigsten SeehĂ€fen sind Ho-Chi-Minh-Stadt, HáșŁi PhĂČng, Đà Náș”ng, Quang Ninh, Qui Nhon sowie Cáș§n ThÆĄ. 2005 wurden etwa 15 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen, nach 4,5 Millionen im Jahr 1993.

Telekommunikation

Im Telefonnetz Vietnams gab es in den letzten Jahren viele Investitionen. Wo investiert wurde, kommt modernste Technologie zum Einsatz, dementsprechend zuverlĂ€ssig und komfortabel ist das Netz. Wo noch nicht investiert wurde, ist das Telekommunikationsnetz weit zurĂŒckgeblieben. FĂŒr Mitte 2004 wurden 4,9 Millionen FestnetzanschlĂŒsse, 3,4 Millionen Mobiltelefone und 5,1 Millionen Internet-Benutzer gezĂ€hlt. Im Jahr 2019 nutzten 69 Prozent der Einwohner Vietnams das Internet.

Im Jahr 2016 gibt es in fast allen grĂ¶ĂŸeren Orten Breitbandinternet. StandardmĂ€ĂŸig kommt hier Glasfaserkabel bis zum Endkunden zum Einsatz. Fast ĂŒberall finden sich offene WLANs. In Lokalen oder Hotels gibt es standardmĂ€ĂŸig Gratis-WLAN.

Es existieren mehrere gut ausgebaute Mobilfunknetze mit 3G- und HSDPA-Internet. Sim-Karten mit reichlich Datenvolumen werden praktischerweise an jeder Ecke angeboten. Die Tarife sind auch fĂŒr Einheimische ziemlich gĂŒnstig. Praktisch jeder Vietnamese verfĂŒgt inzwischen ĂŒber ein Mobiltelefon oder zunehmend ĂŒber Smartphones.

Die Internet-CafĂ©s, von denen es im ganzen Land eine hohe Anzahl gibt, werden ĂŒberwiegend fĂŒr Onlinespiele besucht. Ähnlich wie in China ist die Regierung besorgt, dass durch das Internet das staatliche Informationsmonopol untergraben wird und letzten Endes die LegitimitĂ€t der Alleinregierung der Kommunistischen Partei in Frage gestellt werden könnte. Deshalb kommt fĂŒr das ganze Land ein Gateway (Vietnam Data Communications) mit Filtersystem zum Einsatz, welches unerwĂŒnschte Inhalte blockieren soll. Dazu gehörte in der Vergangenheit mehrmals die vietnamesischsprachige WebprĂ€senz der BBC.

Kultur

Die vietnamesische Kultur hat ihre AnfĂ€nge in der Dong-Son-Kultur vor etwa 3000 Jahren. Sie war anderen sĂŒdostasiatischen Kulturen sehr Ă€hnlich.

Die heutige vielfÀltige Kultur Vietnams ist eine Mischung aus originÀren lokalen Kulturen der Vietnamesen und anderer Völker des Landes, sowie chinesischen und westlichen Elementen.

KĂŒche

Feiertage

Medien

Alle Medien Vietnams werden vom Staat und damit der Kommunistischen Partei Vietnams gesteuert, und nur Informationen, die von der Regierung genehmigt sind, dĂŒrfen veröffentlicht werden. Zeitungen, die sich diesen Regeln entzogen haben, sind wiederholt geschlossen worden; ebenso sind Dissidenten, die kritische Informationen ĂŒber das Internet verbreitet haben, in Haft genommen worden. In Vietnam saßen 2018 zwanzig Online-Aktivisten und BĂŒrgerjournalisten im GefĂ€ngnis. Die Situation der Pressefreiheit im Land wird von Reporter ohne Grenzen als „schwierig“ eingestuft.

In den BĂŒchereien der GroßstĂ€dte ist auslĂ€ndische Literatur in verschiedenen Sprachen als Lehrmaterial erhĂ€ltlich. Auch englischsprachige Printmedien werden in Vietnam angeboten. Dies sind zum einen Zeitschriften, die sich an Touristen richten und Reise- oder Unterhaltungsmöglichkeiten bewerben. Die meisten englischsprachigen Publikationen richten sich an GeschĂ€ftsleute und verkĂŒnden die neuesten Errungenschaften der Wirtschaftspolitik Vietnams. AuslĂ€ndische Publikationen werden nicht zensiert, sind aber fĂŒr die durchschnittlichen Vietnamesen sehr teuer. Man findet sie dort, wo sich Touristen konzentrieren. Alte Exemplare von auslĂ€ndischen Zeitungen werden hĂ€ufig von StraßenhĂ€ndlern angeboten.

Das vietnamesische Radio und Fernsehen strahlt mehrere teils landesweite, teils regionale Programme aus. Im Fernsehen VTV 1 bis 7 gibt es am spÀteren Abend englische Kurznachrichten, der Rest des Programmes wird mit vietnamesischen Shows und auslÀndischen Filmen bestritten, die meist in der Originalsprache mit vietnamesischen Untertiteln gezeigt werden. Zudem sind auslÀndische Fernsehsender (z. B. ESPN, BBC, CNN, TV5 oder Deutsche Welle TV) mit entsprechenden digitalen Decodern empfangbar.

Es gibt einen vietnamesischen Kurzwellensender namens Voice of Vietnam, der seit der Augustrevolution existiert und wĂ€hrend des Vietnamkrieges hauptsĂ€chlich Propaganda gegen die Vereinigten Staaten ausstrahlte. Heute werden halbstĂŒndige Programme auf Englisch, Französisch, Russisch, und seit dem 1. MĂ€rz 2006 auch in deutscher Sprache produziert, die auch in Europa gehört werden können.

Siehe auch

Literatur

BĂŒcher

  • Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs - Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums. C.H. Beck, MĂŒnchen 2016, ISBN 978-3-406-69912-2. 
  • Ben Kiernan: Viet Nam: A History from Earliest Times to the Present. Oxford University Press, Oxford 2017, ISBN 978-0-19-516076-5. 
  • Ulrich Brinkhoff: AlbtrĂ€ume am Saigon-Fluss. SĂŒdvietnam 1965–1968. Agenda-Verlag, MĂŒnster 2014, ISBN 978-3-89688-516-6.
  • Susanne My Giang, Andreas Grimmel, Eckhard Grimmel: Vietnam – Natur, Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-631-60447-2.
  • Heinz Kotte, RĂŒdiger Siebert: Vietnam. Die neue Zeit auf 100 Uhren. Lamuv, Göttingen 2001, ISBN 3-88977-604-3.
  • Andreas Margara: Der Amerikanische Krieg – Erinnerungskultur in Vietnam. Regiospectra, Berlin 2012, ISBN 978-3-940132-48-2.

Zeitschriften

  • Vietnam Cultural Window (Cua-sĂą-van-HĂła-ViĂȘt-Nam). The Gioi Publishers, Hanoi 1998ff. (monatlich)
  • Vietnamese Studies. The Gioi Publishers, Hanoi 1964ff. (vierteljĂ€hrlich) ISSN 1859-0985
  • VietNam Kurier. Freundschaftsgesellschaft Vietnam e. V., DĂŒsseldorf 1977ff. (vierteljĂ€hrlich) ISSN 0946-0691
  • SĂŒdostasien Aktuell. Institut fĂŒr Asienkunde, Hamburg 1982ff. (zweimonatlich) ISSN 0722-8821

Weblinks

  • Linkkatalog zum Thema Vietnam bei curlie.org (ehemals DMOZ)
  • LĂ€nderinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes zu Vietnam
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Vietnam
  • Vietnam im Human Development Report der Vereinten Nationen (Memento vom 19. Februar 2013 im Internet Archive) (vietnamesisch, englisch)
  • Vietnam in the News (englisch)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (61)

Bezeichnung der Regionen: Provinz
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
An Giang 10.947 10.2 104.724 105.583  
BĂ  Rịa-VĆ©ng TĂ u 10.802 10.323 107.009 107.587  
Bac Giang 21.633 21.134 105.921 107.065  
BáșŻc KáșĄn 22.724 21.779 105.489 106.26  
BáșĄc LiĂȘu 9.61 9.008 105.278 105.868  
Bac Ninh 21.247 20.986 105.918 106.316  
Ben Tre 10.592 9.817 105.839 106.799  
BĂŹnh DÆ°ÆĄng 11.553 10.875 106.341 106.976  
BĂŹnh Phước 12.311 11.284 106.394 107.4  
BĂŹnh Thuáș­n 11.564 10.503 107.431 108.967  
BĂŹnh Ðinh 14.683 13.538 108.635 109.308  
CĂ  Mau 9.534 8.566 104.72 105.425  
Cao Báș±ng 23.099 22.376 105.296 106.799  
Dak Lak 13.389 11.743 107.228 109.037  
Delta des Roten Flusses 21.002 20.615 105.895 106.257  
Gia Lai 14.641 12.996 107.435 108.877  
HĂ  Giang 23.367 22.168 104.362 105.568  
HĂ  Nam 20.713 20.337 105.786 106.184  
HĂ  TĂąy 21.312 20.568 105.282 106.007  
Ha Tinh 18.759 17.908 105.08 106.519  
Hai Duong 21.233 20.696 106.122 106.605  
Ho-Chi-Minh-Stadt 11.137 10.371 106.364 107.023  
HĂČa BĂŹnh 21.101 20.321 104.838 105.841  
KhĂĄnh HĂČa 12.853 11.786 108.665 109.473  
KiĂȘn Giang 10.534 9.406 103.846 105.529  
Kon Tum 15.41 13.922 107.32 108.618  
LĂąm Đồng 12.303 11.203 107.281 108.719  
Lang Son 22.446 21.361 106.114 107.334  
LĂ o Cai 22.825 21.709 103.545 104.648  
Long An 11.025 10.414 105.524 106.744  
Mekongdelta 10.342 9.587 105.241 105.902  
Nam Định 20.491 19.965 105.951 106.556  
Nghe An 19.992 18.57 103.848 105.806  
Ninh BĂŹnh 20.442 19.965 105.543 106.162  
Ninh Thuáș­n 12.181 11.31 108.607 109.243  
PhĂș Thọ 21.704 20.914 104.829 105.458  
PhĂș YĂȘn 13.699 12.753 108.661 109.468  
QuáșŁng BĂŹnh 18.071 16.951 105.594 107.008  
QuáșŁng Nam 16.093 14.956 107.149 108.762  
QuáșŁng NgĂŁi 15.429 14.596 108.276 109.095  
QuáșŁng Ninh 21.658 20.601 106.417 107.999  
QuáșŁng Ninh 21.705 21.705 108.495 108.498  
Quang Tri 17.162 16.291 106.533 107.412  
SĂłc Trăng 9.917 8.651 105.569 106.669  
Son La 22.042 20.574 103.224 105.093  
TĂąy Ninh 11.771 10.961 105.79 106.49  
ThĂĄi BĂŹnh 20.719 20.283 106.112 106.629  
ThĂĄi NguyĂȘn 22.033 21.328 105.518 106.257  
ThĂĄi NguyĂȘn 21.373 20.91 105.73 106.014  
Thanh HĂła 20.643 19.274 104.36 106.071  
Thừa ThiĂȘn Huáșż 16.75 16.014 107.063 108.205  
TrĂ  Vinh 10.078 9.541 105.997 106.581  
TuyĂȘn Quang 22.648 21.496 104.848 105.611  
Vinh Long 10.301 9.889 105.692 106.247  
VÄ©nh PhĂșc 21.544 21.105 105.317 105.78  
YĂȘn BĂĄi 22.269 21.326 103.911 105.112  
Đà Náș”ng 16.223 15.975 107.856 108.349  
Điện BiĂȘn 22.791 20.825 102.119 103.802  
ĐÎng Nam Bộ 11.566 10.518 106.747 107.61  
Đồng ThĂĄp 10.963 10.301 105.209 105.963  
Đồng ThĂĄp 10.447 10.123 105.499 105.916  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Vietnam

Name englisch: Vietnam
Hauptstadt: Hanoi
Kfz: VN
ISO: VN
ISO3: VNM
Fläche: 329560 km²
Tld: .vn
Wärung Einheit: VND
Währung: Dong
Vorwahl: 84

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 23.393395
südlichster Punkt: 8.4127295
westlichster Punkt: 102.14441
östlichster Punkt: 109.4689751


 
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