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Staat Informationen : Thailand

Informationen:


Thailand (thailĂ€ndisch àž›àžŁàž°àč€àž—àžšàč„àž—àžą [pratÊ°ĂȘːt tÊ°aj]), offiziell Königreich Thailand ( [rùːtÍĄÉ•Ê°ĂĄÊ”aːnaːt͡ɕàk tÊ°aj], umgangssprachlich: [mɯːaƋ tÊ°aj]), ist ein Staat in SĂŒdostasien. Er grenzt an Myanmar, Laos, Kambodscha, Malaysia, das Andamanische Meer (Teil des Indischen Ozeans) und den Golf von Thailand (Teil des Pazifischen Ozeans). Die Hauptstadt Thailands und mit Abstand grĂ¶ĂŸte Stadt des Landes ist Bangkok. Das Land ist de jure eine konstitutionelle Monarchie. König Bhumibol Adulyadej war von 1946 bis zu seinem Tod im Jahr 2016 Staatsoberhaupt. Seit 1. Dezember 2016 ist sein Sohn Maha Vajiralongkorn thailĂ€ndischer König.

Bis 1939 wurde das Land, das ungefĂ€hr auf dem Gebiet des heutigen Staates lag, als Siam bezeichnet. Die etwa 69 Millionen Bewohner sind zu 75 % ethnische Thai und zu 14 % Chinesen; in den drei sĂŒdlichsten Provinzen leben ĂŒberwiegend Malaien. Der Buddhismus ist die dominierende Religion, fast 94 % der ThailĂ€nder bekennen sich zu ihm, er wird vom Staat besonders gefördert, ist aber keine offizielle Staatsreligion; 5,1 % sind Muslime.

Thailand ist ein Schwellenland mittleren Einkommens, das vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen als Land mit einer hohen menschlichen Entwicklung eingestuft wird. Das Land konnte in den letzten Jahrzehnten die Armut deutlich senken. Dabei profitierte es vom Konsum einer wachsenden Mittelklasse und der zunehmenden Integration in den Welthandel. Thailands wichtigste Einnahmequelle ist jedoch der Tourismus. 2017 besuchten 35 Millionen Touristen das Land. Seine Hauptstadt Bangkok war 2016 die meistbesuchte Stadt der Welt.

Geographie

Das Territorium Thailands nimmt einen betrĂ€chtlichen Teil der LandflĂ€che SĂŒdostasiens ein und erstreckt sich sĂŒdöstlich der letzten AuslĂ€ufer des Himalaya bis auf die Malaiische Halbinsel und umschließt dabei den Golf von Thailand, ein Randmeer des SĂŒdchinesischen Meeres. Die LandflĂ€che Thailands erinnert in ihrer Gestalt entfernt an den Kopf eines Elefanten. Die maximale Ausdehnung in Nord-SĂŒd-Richtung liegt bei 1770 Kilometer, in Ost-West-Richtung bei 780. Die Grenze ist insgesamt 5326 Kilometer lang. Die KĂŒste ist im Golf von Thailand 1878 Kilometer und im andamanischen Meer 937 Kilometer lang. Insgesamt hat Thailand eine FlĂ€che von 513.115 kmÂČ. Thailand liegt zwischen 5° 37’ und 20° 27’ nördlicher Breite und zwischen 97° 22’ und 105° 37’ östlicher LĂ€nge.

Die Nordregion ist bergig, dort findet sich der höchste Punkt des Landes: Doi Inthanon (2565 m). Der Nordosten (Isan) besteht aus der Khorat-Hochebene, einer im Sommer staubtrockenen und in der Regenzeit ĂŒberschwemmten Landschaft, die keine intensive Landwirtschaft zulĂ€sst. BewĂ€sserungsprojekte und StaudĂ€mme sollen hier Abhilfe schaffen. Die dortige Bevölkerung ist Ă€rmer als der Durchschnitt des Landes. Im Norden und Osten des Isan bildet der Mekong die Grenze zu Laos.

Die Zentralregion wird beherrscht vom Mae Nam Chao Phraya (Chao-Phraya-Fluss), der dem fruchtbaren Land Wasser zufĂŒhrt und sĂŒdlich von Bangkok in den Golf von Thailand mĂŒndet. Die Ostregion ist landwirtschaftlich geprĂ€gt und liegt am Golf von Thailand. Die schönen StrĂ€nde und vorgelagerten Inseln fĂŒhrten zu einem verstĂ€rkten Tourismus. Die Zentralebene und die OstkĂŒste (Eastern Seaboard) sind das wirtschaftliche Herz des Landes. Die SĂŒdregion liegt auf der langgestreckten malaiischen Halbinsel, die den Pazifischen Ozean vom Indischen Ozean trennt. Der Isthmus von Kra bildet die schmalste Stelle zwischen den beiden Meeren und ist nur 64 km breit. Daher wird er in Thailand auch als „dĂŒnner Hals“ bezeichnet. Berglandschaften (im nördlichen Teil das Tenasserim-Gebirge an der Grenze zu Myanmar, im Ă€ußersten SĂŒden das Grenzgebirge Sankalakhiri zu Malaysia), Regenwald und TraumstrĂ€nde wechseln sich ab.

GrĂ¶ĂŸere StĂ€dte sind neben der Hauptstadt Bangkok: Chiang Mai, Nonthaburi, Samut Prakan, Nakhon Ratchasima (frĂŒher Khorat), Khon Kaen und Chon Buri.

Thailand unterteilt sich in sechs Regionen mit 76 Provinzen; die Namen der Provinzen und ihrer HauptstÀdte sind identisch. Die sechs thailÀndischen Regionen sind:

  • Nordthailand mit Provinzen wie Chiang Mai und Chiang Rai
  • Nordost-Thailand (auch als Isan bekannt) mit Provinzen wie Khon Kaen und Nakhon Ratchasima
  • Zentralthailand mit Provinzen wie Bangkok, deren Hauptstadt gleichzeitig Hauptstadt von ganz Thailand ist, und Phra Nakhon Si Ayutthaya
  • Ostthailand mit Provinzen wie Chon Buri und Trat (hier liegen das Seebad Pattaya und Inseln wie Ko Chang und Ko Samet)
  • Westthailand mit Provinzen wie Kanchanaburi mit der BrĂŒcke am Kwai und Phetchaburi mit Cha-am
  • SĂŒdthailand mit Provinzen wie Phuket und Surat Thani mit der Insel Ko Samui

GewÀsser

Mehr als zwei Drittel des Territoriums von Thailand werden von zwei Flusssystemen entwĂ€ssert. Es sind dies der Mae Nam Chao Phraya mit seinen NebenflĂŒssen Mae Nam Ping, Mae Nam Yom, Mae Nam Nan und Mae Nam Wang sowie der Mekong mit seinen NebenflĂŒssen Mae Nam Mun, Mae Nam Chi und Mae Nam Ing. Im bergigen Norden Thailands greifen die EntwĂ€sserungsgebiete dieser beiden FlĂŒsse sehr stark ineinander, in Zentralthailand bildet das Phetchabun-Gebirge die Wasserscheide.

Die WasserfĂŒhrung beider Flusssysteme ist jeweils starken jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen. Ihre UnterlĂ€ufe sind durch ein sehr geringes GefĂ€lle gekennzeichnet, was zu hĂ€ufigen Überschwemmungen, Sedimentablagerungen und Verlagerungen der FlusslĂ€ufe fĂŒhrt. Beide FlĂŒsse werden durch zahlreiche StaudĂ€mme und -seen reguliert, an ihren Ufern wird intensiver Reisanbau betrieben.

Im SĂŒden Thailands gibt es nur kurze FlĂŒsse, nennenswert sind Tapi, Phum Duang und Pattani. Sie fĂŒhren wĂ€hrend des Nordostmonsuns, also im Winter, regelmĂ€ĂŸig Hochwasser.

Bedeutende Seen sind der Songkhla-See, der Nong Han, Phayao-See und der Bueng Boraphet.

Klima

Das Klima ist tropisch-monsunal. Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen zwischen 28 °C im SĂŒden und 19 °C am Doi Inthanon, Thailands kĂŒhlstem Punkt im Ă€ußersten Norden. Die jahreszeitlichen Schwankungen sind ĂŒberall gering; wĂ€hrend im Norden drei Jahreszeiten festgestellt werden können (relativ kĂŒhl zwischen November und Februar, sehr heiß mit Temperaturen von deutlich ĂŒber 35 °C von MĂ€rz bis Mai und heiß von Mai bis November), sind im SĂŒden die Temperaturen ganzjĂ€hrig etwa gleich. Die Tagesamplituden liegen zwischen 6 °C und 10 °C im SĂŒden und in der feuchten Jahreszeit im Norden, in der trockenen Jahreszeit des Nordens liegt die Tagesamplitude zwischen 9 °C und 19 °C.

Die Monsunwinde haben regional verschiedene Auswirkungen: Der Nordostmonsun im Winter bringt kontinentale Luft und bewirkt Trockenheit in Nordthailand, wĂ€hrend sich die Luft ĂŒber dem Golf von Thailand mit Feuchtigkeit anreichert und Regen in SĂŒdthailand verursacht. Der sommerliche SĂŒdwestmonsun bringt generell feuchte Luftmassen und bewirkt NiederschlĂ€ge im ganzen Land. Der SĂŒden kennt somit 8 bis 11 humide Monate pro Jahr, wĂ€hrend der Nordosten nur auf viereinhalb bis fĂŒnfeinhalb humide Monate kommt.

Vereinzelt und in viel geringerer Frequenz als in den Nachbarstaaten treten in Thailand tropische Zyklone auf, die aus dem sĂŒdchinesischen Meer und dem Golf von Thailand kommend auf das thailĂ€ndische Festland treffen.

Geomorphologie

Das Gebiet des heutigen Thailand war zwischen PalĂ€ozoikum und oberem Jura von einem flachen Meer bedeckt. In dieselbe Epoche fallen die ersten Nord-SĂŒd-Faltungen. Zwischen Mesozoikum und mittlerem TertiĂ€r fand eine intensive Verwitterung der OberflĂ€che bei gleichzeitig wenig tektonischer AktivitĂ€t statt. Das Ergebnis sind Sandsteingebirge mit Tafelbergen und Turmkarst-Landschaften. In der jĂŒngsten Epoche, beginnend mit dem jungen TertiĂ€r, begann die Kollision der indisch-australischen Platte mit dem eurasisch-chinesischen Festland. Es kam zur Faltung und Hebung bei gleichzeitiger Entstehung von nord-sĂŒdlich verlaufenden GebirgszĂŒgen mit Kerbtalreliefs und intramontanen Ebenen. Die seitdem durch Sedimentablagerungen entstandenen AufschĂŒttungsebenen sind fĂŒr die Besiedlung von Bedeutung.

In ihnen herrschen Fluvisole vor, die intensiv zum Nassreisanbau genutzt werden und deshalb grĂ¶ĂŸtenteils in Anthrosole verwandelt wurden. Auf den RumpfflĂ€chen findet man Ferralsole, Plinthosole und Acrisole, welche bereits wenige Jahre nach ihrer Rodung nicht mehr ertragreich sind. In Hanglagen herrschen Acrisolen und Cambisolen vor, welche sehr stark zu Erosion neigen.

Flora

Die natĂŒrliche Vegetation Thailands besteht aus Wald; noch fĂŒr das Jahr 1960 wurde eine Waldbedeckung von 75 bis 80 Prozent angegeben. Dieser Wert ist bis heute, je nach Quelle, auf 18 bis 26 Prozent gesunken, was auf das starke Bevölkerungswachstum, Maßnahmen zur Steigerung der LebensqualitĂ€t und den strategischen Straßenbau und die damit verbundene Kolonisierung in Ostthailand wĂ€hrend des Vietnamkriegs zurĂŒckzufĂŒhren ist.

In SĂŒd- und Westthailand herrschen artenreiche tropische RegenwĂ€lder vor, die gerade aufgrund ihrer hohen BiodiversitĂ€t wirtschaftlich wenig genutzt werden. Sie haben jedoch ein hohes Potenzial etwa fĂŒr Pharmaunternehmen. Pflanzenarten, die genutzt werden, sind der Holzölbaum und FruchtbĂ€ume wie der Durian. In den Berggebieten herrschen ebenfalls artenreiche WĂ€lder vor, die einen gewissen Anteil laubabwerfender Arten haben, lokal kommen auch KiefernwĂ€lder, Eichenarten und Kastanien vor. In jenen Regionen mit saisonaler Trockenheit herrschen WĂ€lder mit Laubabwurf vor. Die fĂŒr den Menschen bedeutendste Baumart in diesen WĂ€ldern ist der Teakbaum; er wird fĂŒr Exportzwecke hĂ€ufig in Plantagen angebaut. Wirtschaftlich interessant, aber ökologisch problematisch, sind Plantagen der in Thailand ursprĂŒnglich nicht heimischen Eukalyptus-Arten. Nach Rodung dieser WĂ€lder siedelt sich eine SekundĂ€rvegetation an, die von Bambus-Arten und Silberhaargras (Imperata cylindrica) dominiert wird.

Die MangrovenwĂ€lder, die in den KĂŒstengewĂ€ssern Thailands gedeihen, sind artenarm und bestehen ĂŒberwiegend aus Rhizophora-Arten. Vom Menschen genutzt wird die in den Mangroven vorkommende Nipapalme.

Fauna

Die Fauna Thailands ist Teil der orientalischen Faunenregion. Noch heute beherbergt das Land zahlreiche GroßsĂ€uger, wie Asiatische Elefanten, Tiger, Leoparden, Nebelparder, Sambarhirsche, Muntjaks, Wildrinder wie Gaure und Bantengs, Wildschweine und verschiedene Affenarten (vor allem Gibbons). Einige wilde WasserbĂŒffel leben offenbar noch an der Grenze zu Myanmar, Schabrackentapire im SĂŒden Thailands. Andere Arten, wie das Sumatra-Nashorn, das Java-Nashorn und der Leierhirsch, sind wahrscheinlich ausgestorben. Besonderer Artenreichtum herrscht unter den Eidechsen und Schlangen Thailands, unter anderem kommen verschiedene Pythons sowie Königskobra und Brillenschlange vor. Viele Arten Amphibien, Kröten und Frösche bereichern die Fauna Thailands. Außerdem wurden mehr als 1200 Arten von Tag- und Nachtfaltern sowie ĂŒber 10.000 Spezies von KĂ€fern gezĂ€hlt.

Vögel kommen in großer Zahl in den WĂ€ldern Thailands vor (hier vor allem Nektarvögel, Papageien, Fasane, wilde Pfauen, Beos und Nashornvogel). Die Kulturlandschaften werden von Störchen, Ibissen, Reihern, Kranichen und Tauben, wie GrĂŒntauben, bevölkert.

In den BinnengewĂ€ssern Thailands sind die Karpfenfische bedeutend, sie spielen vor allem fĂŒr die menschliche ErnĂ€hrung eine große Rolle. Die KĂŒstengewĂ€sser sind planktonreich und haben reiche BestĂ€nde an Heringen und Makrelen, ferner kommen Haie verschiedener Arten vor. Weitere in Thailand vorkommende Wasserbewohner sind Krokodile, vor allem das Leistenkrokodil, das mittlerweile fast ausgestorbene Siam-Krokodil, der (wahrscheinlich bereits ausgestorbene) Sunda-Gavial und verschiedene Schildkrötenarten, die Unechte Karettschildkröte und Landschildkröten.

Über 60.000 kmÂČ der LandflĂ€che und mehr als 6000 kmÂČ MeeresflĂ€che und Inseln sind als Nationalpark, Wildschutzgebiet oder Meerespark ausgewiesen, siehe dazu Nationalparks in Thailand. Zu den bekanntesten Schutzgebieten zĂ€hlt der Khao-Yai-Nationalpark sowie die Wildreservate Thung Yai und Huai Kha Khaeng, letztere zĂ€hlen zum Schutzgebietssystem des Western Forest Complex.

Verwaltungsgliederung

Thailand ist ein Einheitsstaat. Die heutige Verwaltungsgliederung erfolgte 1897 unter König Rama V. (Chulalongkorn). Zahlreiche Provinzen wurden seitdem verÀndert oder neu geschaffen. Im Jahre 2008 gab es in Thailand:

  • 76 Changwat (àžˆàž±àž‡àž«àž§àž±àž” – ‚Provinzen‘), wobei die Provinz nach der jeweiligen Hauptstadt benannt ist,
  • 877 Amphoe (àž­àžłàč€àž àž­ – ‚Bezirke‘ oder ‚Landkreise‘),
  • 7.255 Tambon (àž•àžłàžšàž„ – ‚Unterbezirke‘ oder ‚Gemeinden‘),
  • 74.944 Muban (àž«àžĄàžčàčˆàžšàč‰àžČàž™ – ‚Dorfgemeinschaften‘ oder ‚Dörfer‘).

Diese Einheiten bilden das hierarchische und zentralistische System der Provinzverwaltung, das in erster Linie einer landesweit einheitlichen Umsetzung von Vorgaben der Zentralregierung dient. Daneben besteht noch das System der Lokalverwaltung, deren Einheiten mehr SelbststĂ€ndigkeit und in denen die Bewohner grĂ¶ĂŸere Mitbestimmungsmöglichkeiten haben. Es hat im Rahmen der Dezentralisierung seit den 1990er-Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Es besteht (Stand 2013) aus:

  • 76 Provinz-Verwaltungsorganisationen (thailĂ€ndisch àž­àž‡àž„àčŒàžàžČàžŁàžšàžŁàžŽàž«àžČàžŁàžȘàčˆàž§àž™àžˆàž±àž‡àž«àž§àž±àž”, kurz àž­àžšàžˆ. — Ongkan Borihan suan Changwat), deren ZustĂ€ndigkeitsbereiche deckungsgleich mit den Provinzen sind,
  • 2.283 Thesaban (àč€àž—àžšàžšàžČàž„ — ‚Kommunen‘), darunter
    • 30 Thesaban Nakhon (àč€àž—àžšàžšàžČàž„àž™àž„àžŁ — ‚Großstadt-Kommunen‘)
    • 172 Thesaban Mueang (àč€àž—àžšàžšàžČàž„àč€àžĄàž·àž­àž‡ — ‚Stadt-Kommunen‘)
    • 2.081 Thesaban Tambon (àč€àž—àžšàžšàžČàž„àž•àžłàžšàž„ — ‚Kleinstadt-Kommunen‘)
  • 5.492 Tambon-Verwaltungsorganisationen (àž­àž‡àž„àčŒàžàžČàžŁàžšàžŁàžŽàž«àžČàžŁàžȘàčˆàž§àž™àž•àžłàžšàž„, kurz àž­àžšàž•. — Ongkan Borihan suan Tambon), fĂŒr die lĂ€ndlichen Gemeinden, die zu keiner Thesaban gehören.

ZusÀtzlich gibt es zwei Sonderverwaltungseinheiten: Die Landeshauptstadt Bangkok und der international bekannte Badeort Pattaya. Bangkok ist auf einer Ebene mit den Provinzen und wird daher auch manchmal als Provinz gezÀhlt. Die Stadt ist gegliedert in

  • Khet (Thai: àč€àž‚àž•, dies entspricht den Amphoe der Provinzen) und
  • Khwaeng (Thai: àčàž‚àž§àž‡, dies entspricht den Tambon der Provinzen).

Die Zuordnung der Provinzen zu grĂ¶ĂŸeren Regionen ist uneinheitlich, so kann eine Provinz manchmal der einen, manchmal einer benachbarten Region zugeordnet werden.

StÀdte

2016 lebten 51,5 Prozent der Bevölkerung in StĂ€dten oder stĂ€dtischen RĂ€umen. Die mit Abstand grĂ¶ĂŸte Stadt in Thailand ist Bangkok. Die Metropolregion Bangkok beherbergt knapp 16 Millionen Menschen, wĂ€hrend die Stadt selbst 5,6 Millionen Einwohner hat. Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind (Stand 2017):

  1. Bangkok (Krung Thep): 5.686.646 Einwohner
  2. Nonthaburi: 255.793 Einwohner
  3. Pak Kret: 189.258 Einwohner
  4. Hat Yai: 159.627 Einwohner
  5. Nakhon Ratchasima: 131.286 Einwohner
  6. Udon Thani: 131.192 Einwohner
  7. Chiang Mai: 131.091 Einwohner
  8. Surat Thani: 130.114 Einwohner

Bevölkerung

Seit 1911 werden in Thailand VolkszĂ€hlungen durchgefĂŒhrt, und das Nationale Statistische BĂŒro, das mit zahlreichen internationalen Organisationen zusammenarbeitet, war in den 1980er Jahren eine der ergiebigsten Quellen fĂŒr statistische Daten in Asien.

Im Jahr 2019 wurde die Bevölkerung Thailands auf 69,6 Millionen Menschen geschĂ€tzt. Thailand ist damit einer der 20 bevölkerungsreichsten Staaten der Erde. 1850 hingegen lebten in Thailand nur 5,5 Millionen Einwohner, 1911 8,2 Millionen, 1960 26 Millionen und 1987 etwa 53 Millionen. Das Bevölkerungswachstum, welches in den 1960er Jahren bei 3,2 Prozent pro Jahr lag, sank bis 2015 auf 0,34 Prozent. Rund 50,4 Prozent der Menschen lebten in StĂ€dten, 49,6 Prozent auf dem Land. Am dichtesten besiedelt ist der Großraum Bangkok mit 4000 Einwohnern pro kmÂČ; am dĂŒnnsten besiedelt sind die Berggebiete des Nordens.

Seit den 1960er Jahren entwickelt sich Thailand zu einem Industrieland und zu einem der touristisch attraktivsten LĂ€nder der Erde. Die zunehmende Industrialisierung fĂŒhrte zu BeeintrĂ€chtigung und Zerstörung landwirtschaftlich genutzter FlĂ€chen und zur Reduzierung wertvollen Waldbestands; ebenso wurden Teile der WasserlĂ€ufe geschĂ€digt. Dies veranlasste die Regierung 1968 dazu, mit internationaler Hilfe durch eine konzertierte Aktion das Bevölkerungswachstum zu verlangsamen. Man schuf eine Behörde fĂŒr Familienplanung, und im MĂ€rz 1970 wurde die offizielle Familienpolitik vorgestellt, die die Zwei-Kind-Familie propagierte, den Slogan „Viele Kinder machen dich arm“ und weitere wirtschaftliche Argumente ins Feld fĂŒhrte. Diese Politik erreichte ihr Ziel: Wuchs 1960 die Bevölkerung noch durchschnittlich um 3,4 Prozent, sank dieser Wert bis 1986 auf 1,9 Prozent.

Die Altersstruktur der Bevölkerung Thailands hat sich in den letzten Jahren stark verĂ€ndert. 22 % der Bewohner des Landes sind unter 15 Jahren; 1970 noch war knapp die HĂ€lfte der Bevölkerung unter 14 Jahren. 70 % sind heute zwischen 15 und 64 Jahren und 8 % ĂŒber 65 Jahren. FĂŒr 2016 wurde eine Geburtenrate von 11,1 Geburten pro 1000 Menschen gezĂ€hlt und eine Sterberate von 7,9 pro 1000. Die Kindersterblichkeit lag etwa bei 9,4 pro 1000 Lebendgeburten. Eine Frau bekam im Durchschnitt 1,4 Kinder (1970: 6,9 Kinder). Aufgrund der niedrigen FertilitĂ€tsrate könnte Thailand laut UN-Zahlen 2050 eine der Ă€ltesten Gesellschaften der Welt sein.

Volksgruppen

Die thailĂ€ndische Regierung erhebt keine Daten ĂŒber die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung. Alle StaatsbĂŒrger werden ungeachtet ihrer Abstammung als „Thai“ bezeichnet. Forscher schĂ€tzen, dass ethnische Thai etwa 75 % der Bevölkerung ausmachen (dazu werden auch die Lao im Nordosten und die Tai Yuan im Norden gezĂ€hlt). Etwa 14 % sind ethnische Chinesen, die grĂ¶ĂŸtenteils assimiliert und kaum noch von den Thai zu unterscheiden sind, 4 % Malaien, die restlichen 7 % verteilen sich auf Khmer, verschiedene Bergvölker, FlĂŒchtlinge und Arbeitsmigranten aus Myanmar, Kambodscha und Vietnam, sowie Einwanderer aus aller Welt. Die Nettomigration wird mit Null angegeben, es verlassen (offiziell) etwa so viele Menschen Thailand, wie nach Thailand einwandern. Es halten sich jedoch bereits seit Mitte der 1970er Jahre FlĂŒchtlinge aus Myanmar in Lagern entlang der Westgrenze Thailands auf. Zudem sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Gastarbeiter, vor allem aus Myanmar, Laos und Kambodscha nach Thailand gekommen, die fĂŒr das Wachstum der Wirtschaft Thailands von großer Bedeutung sind. Erst 2004 wurden 1,28 Millionen Personen vom Innenministerium registriert, es wird geschĂ€tzt, dass sich weitere 1,5 Millionen unregistrierte Migranten in Thailand aufhalten.

Der auf Thailand spezialisierte Anthropologe Charles Keyes gibt den Anteil der „echten Thai“ (das heißt Thai, die zu Hause Standard- oder Zentralthai sprechen) an der einheimischen Bevölkerung mit 36 Prozent an, hinzu kommen 27 Prozent Isan-, 10 Prozent Nord- und 8 Prozent SĂŒd-Thai sowie 1 Prozent sonstige Tai-Sprachige. Die „assimilierten“ Minderheiten der thaisprachigen Sino-ThailĂ€nder und (bilingualen) Mon-Khmer-Sprecher gibt er mit 6,5 bzw. 2,5 Prozent an. Lediglich die nicht assimilierten Chinesen (2 Prozent), Malaien (6 Prozent) und „Bergvölker“ (1 Prozent) unterscheiden sich in ethnischer und sprachlicher Hinsicht erheblich von der Mehrheitsbevölkerung und werden daher von dieser teilweise als „problematische ThailĂ€nder“ gesehen. Hinzu kommen noch die in Thailand lebenden AuslĂ€nder: im Jahr 2004 waren dies ca. 300.000 FlĂŒchtlinge, mehr als 1 Million legal registrierte Arbeitsmigranten sowie hunderttausende illegale Migranten. Alle drei Gruppen werden hauptsĂ€chlich von Burmesen und Laoten gestellt. Im Jahre 2017 waren offiziell 5,1 Prozent der Bevölkerung Migranten.

Bergvölker

Die Bergvölker siedeln vor allem in Nordthailand. Sie sind ethnisch sehr heterogen; die wichtigsten sind Hmong, Karen, Lahu, Lisu, Akha, Lawa und Khmu. Einige dieser Völker siedelten in Thailand bereits vor der Einwanderung der Thai, andere wiederum gelangten durch die politischen Wirren in den Nachbarstaaten in neuester Zeit nach Thailand. Aus diesem Grund unterscheiden sich deren soziale Organisationen und Traditionen teils erheblich. Fast alle dieser Völker betreiben traditionell Landwirtschaft im Schwendbau, was durch die Zunahme der Bevölkerung zu erheblichen Umweltproblemen fĂŒhrt. DarĂŒber hinaus sind die SiedlungsrĂ€ume der Bergvölker Zielgebiet der Einwanderung von thailĂ€ndischen Bauern. Programme der Regierung zielen darauf ab, den Schwendbau durch umweltschonendere Landbearbeitungsformen zu ersetzen und den verbreiteten Mohnanbau sowie die DrogenabhĂ€ngigkeit zurĂŒckzudrĂ€ngen. Eine Sprachen- und Schriftpolitik fĂŒr diese Minderheiten hat die Regierung (Stand 2015) bisher noch nie definiert. Die Entwicklungsprogramme, Einwanderung von Thai und die touristische Erschließung fĂŒhren dazu, dass einige der Völker davon bedroht sind, kulturell wie sprachlich in der thailĂ€ndischen Bevölkerung aufzugehen. Ende Dezember 2009 hat die thailĂ€ndische Regierung ĂŒber 4000 Angehörige der in den 1970er Jahren nach Thailand geflohenen Hmong-Minderheit nach Laos abgeschoben.

Chinesen

Chinesen, die 8,5 bis 15 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, leben in Thailand seit dem 14. Jahrhundert, als kleine Gruppen von HĂ€ndlern sich in SĂŒdostasien ansiedelten. Die chinesische Einwanderung erfolgte grĂ¶ĂŸtenteils im 19. Jahrhundert, als die Qing-Dynastie und damit das gesamte Land in eine tiefe Krise gerieten. In den ersten Einwanderungswellen kamen fast ausschließlich MĂ€nner nach Thailand, die thailĂ€ndische Frauen heirateten und sich assimilierten. Die ethnische Verwandtschaft und die religiösen Gemeinsamkeiten begĂŒnstigten dies. Chinesen errangen in der Folge hohe Posten in der königlichen Verwaltung und – insbesondere Nachkommen aus Mischehen – nahmen in der Regel die thailĂ€ndische StaatsbĂŒrgerschaft und einen thailĂ€ndischen Familiennamen an. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, zeitgleich mit einer starken Einwanderungswelle aus China, kam ein antichinesischer Nationalismus auf, welcher sich wĂ€hrend des Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieges besonders offen Ă€ußerte und unter anderem 1945 zu blutigen ZusammenstĂ¶ĂŸen in Bangkok fĂŒhrte. Mit dem Ziel, die chinesische Vormachtstellung in der Wirtschaft zu brechen, wurden Chinesen von einer großen Zahl Berufe ausgeschlossen und der Besuch thailĂ€ndischer Schulen obligatorisch gemacht; chinesische Bildungseinrichtungen wurden geschlossen. Nur jene Chinesen, die nach thailĂ€ndischen Werten erzogen worden sind und die thailĂ€ndische StaatsbĂŒrgerschaft haben, sind den Thai gleichgestellt. Trotz dieser Maßnahmen sind die Chinesen dominierend im thailĂ€ndischen Wirtschaftsleben.

Sprachen

Die Amtssprache Thailands ist Thai, daneben werden 73 weitere Sprachen gesprochen. Etwa 94 Prozent der Bewohner Thailands sprechen eine der Tai-Kadai-Sprachen, die restlichen 6 Prozent teilen sich auf die austroasiatischen, austronesischen, tibetobirmanischen und Hmong-Mien-Sprachen auf. Standardthai beruht auf jenem Dialekt, welcher in der Region rund um Bangkok gesprochen wird. Diese Sprache hat ein eigenes Alphabet mit 44 Konsonanten und 32 Vokalen, die wĂ€hrend der Regierungszeit König Ramkhamhaengs eingefĂŒhrt wurde und auf der indischen Devanagari, Mon- und Khmer-Schriften aufbaut. Englisch ist unter dem gebildeten Teil der Bevölkerung die Zweitsprache und wird vor allem in den StĂ€dten weithin verstanden. Viele ThailĂ€nder chinesischer Abstammung sprechen einen der sĂŒdchinesischen Dialekte, wobei infolge der Thaiisierung viele ThailĂ€nder chinesischer Abstammung heutzutage kein Chinesisch, sondern nur noch Thai sprechen. Der Dialekt des Isan steht dem Laotischen nahe. In SĂŒdthailand wird von der malaiischen Minderheit Malaiisch gesprochen.

Religionen

Der Theravada-Buddhismus ist die dominierende Religion Thailands, etwa 94 % der Bevölkerung bekennen sich dazu (siehe Buddhismus in Thailand). Daneben gibt es bis zu 5 % Muslime (ĂŒberwiegend Malaien in SĂŒdthailand), 0,6 % Christen und 0,1 % (etwa 65.000) Hindus (meist Inder). Nur 0,4 % bezeichnen sich als religionslos. Die Verfassung Thailands legt fest, dass der Staat den Buddhismus und alle anderen Religionen schĂŒtzen und fördern sowie zur Harmonie unter den AnhĂ€ngern aller Religionen beitragen soll. Der König muss immer ein Buddhist sein, der Buddhismus ist aber nicht als Staatsreligion festgeschrieben.

Vor Ankunft der Thai waren im heutigen Thailand Hinduismus, Shivaismus und Mahayana-Buddhismus der Khmer vorherrschend. Im 11. Jahrhundert ĂŒbernahmen die einwandernden Thai, die schon vorher Kontakt mit dem Mahayana gehabt hatten, den Theravada-Buddhismus von den Birmanen und von den Mon in Nordthailand. Dieser dominiert in Thailand bis heute. Auch wenn er offiziell nicht den Status eine Staatsreligion hat, ist er doch eng mit staatlichen Institutionen verwoben: der König ist oberster Schutzherr des Sangha, der buddhistischen Mönchsgemeinde. Ihre Struktur und Hierarchie ist gesetzlich garantiert und reglementiert. An der Spitze steht der Oberste Sangha-Rat, dem der Sangharaja („Oberster Mönchspatriarch“) vorsteht. Jeder Mann darf sich – auch fĂŒr eine gewisse Zeit – zum Bhikkhu (buddhistischer Mönch) ordinieren lassen. Es ist normal, dass mĂ€nnliche Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren Novizen werden und sich fĂŒr ein oder mehrere Jahre dem Studium heiliger Schriften widmen. Die GrĂ¶ĂŸe des Sangha ist deshalb nicht genau zu ermitteln. Das religiöse Leben spielt sich vor allem in den Wat ab, von denen es im ganzen Land 30.678 gibt. Sie sind zugleich Klöster der Mönche, Ort der Verehrung des Buddhas, seiner Lehre (Dharma) und seiner Gefolgschaft (Sangha) durch buddhistische Laien sowie soziale Begegnungszentren. Im vormodernen Thailand waren die Wat auch Bildungseinrichtungen und sorgten dafĂŒr, dass die Alphabetisierung auch vor EinfĂŒhrung eines staatlichen Bildungswesens relativ hoch war. Der Bau neuer Wat wird meist ausschließlich mit Spenden aus der Bevölkerung finanziert. Es spiegelt das Streben nach religiösen Verdiensten wider, was ein positives Karma und eine spĂ€tere komfortablere Wiedergeburt ermöglichen soll.

Da der Buddhismus keine ExklusivitĂ€t fordernde Religion ist, spielen neben dem Buddhismus eine ganze Reihe von anderen Kulten eine wichtige Rolle. Götter und Geister, die aus vorbuddhistischen Zeiten stammen oder hinduistischen oder chinesischen Vorstellungen entspringen, werden in verschiedenen Ritualen verehrt. Dies findet seinen Ausdruck in den GeisterhĂ€uschen, die praktisch vor jedem GebĂ€ude aufgestellt werden sowie in der großen Rolle von Amuletten und TĂ€towierungen.

Die Muslime, fast ausschließlich Sunniten, machen etwa 5 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Sie stellen die Bevölkerungsmehrheit in den vier SĂŒdprovinzen Narathiwat, Pattani, Yala und Satun an der Grenze zu Malaysia. In den drei erstgenannten sind es vorwiegend Malaien (die sich fast ausnahmslos zum Islam bekennen), in der letzten dagegen thaisprachige Muslime. In der Provinz Songkhla machen Muslime kaum ein Viertel aus, allerdings haben mindestens fĂŒnf der 16 Distrikte (Amphoe) dieser Provinz muslimische Mehrheiten. Im Rest des Landes sind Muslime als Minderheit verbreitet, sie sind meist Nachfahren von Einwanderern aus SĂŒd- und Vorderasien oder Thai, die den Islam angenommen haben.

Gesundheit

Die Bewohner Thailands erfreuen sich generell guter Gesundheit. Thailands Lebenserwartung betrug im Zeitraum 2010–2015 74,1 Jahre (MĂ€nner: 70,8, Frauen: 77,6). Dank verbesserter Gesundheitsversorgung stieg sie in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich an. WĂ€hrend noch Ende der 1970er Jahre besonders auf dem Land so gut wie keine medizinische Versorgung existierte und traditionelle Heilkundige eine bedeutende Rolle spielten, hat sich der Zugang zum Gesundheitssystem seitdem stark verbessert. Seit November 2006 gibt es eine kostenlose Ă€rztliche Grundversorgung. DafĂŒr werden etwa 4,4 Prozent des BIP aufgewendet, davon 57 Prozent von staatlicher Seite und der Rest von privater Hand.

Dank dieser Fortschritte konnten Krankheiten wie Cholera, Malaria oder Tuberkulose (128 FĂ€lle pro 100.000 Einwohner (Stand 2010)) weitgehend zurĂŒckgedrĂ€ngt werden. Im Jahr 2007 waren 610.000 Personen in Thailand HIV-positiv, 2001 waren es 660.000, was rund einem Prozent der Bevölkerung entspricht. Seit 1984 der erste Aidsfall in Thailand registriert wurde, sind an dieser Krankheit etwa 600.000 Personen gestorben (2001: 66.000, 2007: 30.000). Die Regierung hat mittlerweile mit einem wohlfinanzierten Programm reagiert, was zu einem Sinken der Neuansteckungen gefĂŒhrt hat. Die Lage ist aber nach wie vor in den Tourismuszentren und in den Zielorten von Binnenmigration sehr akut. Die hĂ€ufigste Todesursache bei Kindern unter 5 Jahren ist: Geburtsfehler (27 Prozent), FrĂŒhgeburt (24 Prozent), LungenentzĂŒndung (9 Prozent).

Herausforderungen, denen sich das Gesundheitssystem Thailands gegenĂŒbersieht, sind neue Epidemien wie die Vogelgrippe H5N1 oder Wohlstandskrankheiten wie Fettleibigkeit. Ein ebenfalls relativ neues PhĂ€nomen ist der Medizintourismus: Mehr als 1 Million Menschen jĂ€hrlich, vor allem aus Asien, aber in steigendem Maße auch aus Europa und Amerika, reisen nach Thailand, um sich dort kostengĂŒnstig medizinisch behandeln zu lassen.

Entwicklung der Lebenserwartung

Quelle: UN

Bildung

In den frĂŒhen Tagen der thailĂ€ndischen Geschichte oblag die Bildung einerseits den Klöstern und andererseits dem Königshaus. Buddhistische Mönche in Klosterschulen des ganzen Landes sorgten fĂŒr grundlegende Bildung der Jungen, wĂ€hrend die Kinder der königlichen Familie und auch die des Adelsstandes eine höhere Bildung erhielten, da nur sie fĂŒr den Dienst fĂŒr das Land in Ministerien und bei Hofe in Frage kamen. Nur wenige Frauen erhielten die Gelegenheit, eine Schule zu besuchen, um wenigstens Lesen und Schreiben zu lernen. Der weitaus grĂ¶ĂŸte Teil der Gesellschaft bestand aus Bauern, die wenig Sinn darin sahen, BĂŒcher lesen zu können. Die Geschichte des Dorfes oder der Familien sowie lokale Philosophie wurden mĂŒndlich ĂŒbermittelt.

Auf Initiative von König Phra Nang Klao (Rama III., reg. 1824–1851) wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Bangkok eine „Offene UniversitĂ€t“ eingerichtet, in der jedermann unabhĂ€ngig von Geburt und Rang lernen konnte. Er hatte von 1832 bis 1848 den Wat Pho von Grund auf renoviert und stellte sich den Tempel nicht nur als eine heilige StĂ€tte vor, sondern als ein demokratisches Lernzentrum, auch fĂŒr Studenten, denen bisher der Zugang zu speziellen Wissensgebieten verwehrt war. Dies war in der thailĂ€ndischen Geschichte einzigartig. Er versammelte eine große Gruppe Gelehrter, die vorhandene TextbĂŒcher zusammenstellte und viele neue BĂŒcher schrieb. Der König begutachtete die Selektion und ließ anschließend die Texte in der geschwungenen Rattanakosin-Schrift auf Marmortafeln gravieren und in dem gesamten Phutthawat des Wat Pho ausstellen. So kann noch heute ein jeder, der sich fĂŒr religiöse oder sĂ€kulare Themen interessiert, fĂŒr Literatur, ArchĂ€ologie, Astrologie oder Medizin, aus einer FĂŒlle von Informationen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts auswĂ€hlen.

Erst in der Regierungszeit von König Chulalongkorn (Rama V.) wurde die Notwendigkeit von weitreichender Ausbildung erkannt, um den Personalbedarf der wachsenden BĂŒrokratie zu befriedigen. In der Bildungsproklamation von 1898, die stark vom britischen System beeinflusst war, wurde zunĂ€chst ein zweigliedriges System eingefĂŒhrt, unterteilt in akademische und Berufsausbildung. Bereits 1902 wurde die höhere Bildung durch Anleihen beim japanischen und amerikanischen System erweitert. 1932 wurde ein umfangreicher Bildungsplan vorgestellt, der von vier Grundschuljahren ausging. Darauf aufbauend gab es eine achtjĂ€hrige Sekundarstufe.

Die letzte grĂ¶ĂŸere Änderung am Bildungssystem wurde durch den Bildungsplan von 1977/78 eingefĂŒhrt. Er sah sechs obligatorische Grundschuljahre und drei Jahre unterer Sekundarstufe vor. Weitere drei Jahre folgen fĂŒr diejenigen, die einen besonderen Beruf ergreifen oder zur UniversitĂ€t wechseln wollen. Erst 1983 war die EinfĂŒhrung dieses Plans abgeschlossen. Um mit dem starken Wachstum auf den Gebieten der Technik und der Landwirtschaft Schritt halten zu können, wurde in den 1990er Jahren geplant, die sechs Grundschuljahre auf neun Jahre zu erweitern. Die drei Jahre der Sekundarstufe sollten dann um weitere vier Jahre höherer Schulausbildung ergĂ€nzt werden. In Thailand stieg die mittlere Schulbesuchsdauer von 4,6 Jahren im Jahr 1990 auf 7,9 Jahre im Jahr 2015 an.

Seit 2009 wird ĂŒber Satellit und Internet E-Learning mit DLTV in thailĂ€ndischen Schulen eingefĂŒhrt.

Schulsystem

In Thailand herrscht allgemeine Schulpflicht fĂŒr neun Jahre. Die von der UNESCO ermittelte Analphabetenrate liegt bei nur etwa 4,5 Prozent (2000) und damit auf dem Niveau der EuropĂ€ischen Union. Die Weltbank ging 2015 von einem Alphabetisierungsgrad von 96,7 Prozent in Thailand aus. Im PISA-Ranking von 2015 erreichen die SchĂŒler des Landes Platz 55 von 72 LĂ€ndern in Mathematik, Platz 55 in Naturwissenschaften und Platz 58 beim LeseverstĂ€ndnis.

Der Besuch der sechsjĂ€hrigen Grundschule ist verbindlich und im Prinzip kostenfrei, in den letzten Jahren haben die SchĂŒler jedoch immer mehr die Kosten fĂŒr Unterrichtsmaterialien und Uniformen fĂŒr die unterschiedlichen Wochentage selber zu zahlen. Die Unterrichtsmethoden entsprechen nicht dem modernen westlichen Standard. Eigenverantwortliches Lernen wird nur wenig gefördert. DemgegenĂŒber steht – gerade auf dem Land – ein stark ausgeprĂ€gtes AutoritĂ€tsdenken. AutoritĂ€re Lehrmethoden und einfaches Auswendiglernen sind ĂŒblich. Es findet meist Frontalunterricht statt.

Es gibt neben den staatlichen auch Privatschulen, die entweder christlich ausgerichtet oder Auslandsschulen (Internationale Schule) sind. SĂ€mtliche Schulen nach der Grundschule sind kostenpflichtig. Lehrer mĂŒssen an bestimmten Tagen Uniformen tragen. SchĂŒler mĂŒssen immer eine Schuluniform tragen. Lehrer tragen verschiedene Abzeichen und Schulterklappen entsprechend ihrer Amtsbezeichnung, Funktion und Dienstzeit, ferner gehört außerhalb des Unterrichts das Barett zur Uniform.

Wohl einzigartig in der Welt ist, dass das Pfadfindertum (thailĂ€ndisch Luk Suea, wörtlich „Tigerjunge“) Teil des Curriculums ist. Alle SchĂŒler einer Schule kommen an einem festgelegten Tag jeder Woche in ihren Pfadfinderuniformen in die Schule. Wehrerziehung ist – wenn auch freiwillig – ebenfalls in die Schulen integriert. OberschĂŒler der zehnten bis zwölften Klasse können sich zur Reserve (thailĂ€ndisch Nak Sueksa Wicha Thahan, wörtlich „Studenten der MilitĂ€rkunde“) melden und werden dann – zumeist auf dem SchulgelĂ€nde – militĂ€risch ausgebildet. Die meisten Jungen nehmen daran teil, weil sie dadurch vom spĂ€teren Vollzeit-Wehrdienst befreit werden.

Ab Mitte MÀrz bis Ende April sind im ganzen Land Schulferien, es gibt zusÀtzlich noch drei Wochen Schulferien im Oktober.

WeiterfĂŒhrende Schulen

Nach Abschluss der Grundschule haben die SchĂŒler die Möglichkeit, eine weiterfĂŒhrende Schule oder eine Berufsausbildung zu beginnen, die im Wesentlichen schulisch durchgefĂŒhrt wird. Dabei fallen Kosten fĂŒr Lehrmittel und oft mehr oder weniger lange Anfahrtswege in die nĂ€chste grĂ¶ĂŸere Stadt an, insbesondere bei Kindern vom Land. Bei der hohen Zahl privater Institute und Fachhochschulen sind zudem KursgebĂŒhren zu entrichten. Besonders begabte SchĂŒler aus armen Familien, die an staatlichen UniversitĂ€ten studieren, können sich um ein Stipendium oder ein langfristiges, zinsloses Darlehen bewerben.

Geschichte

Die Thai wanderten möglicherweise erst im 11. Jahrhundert in das heutige Thailand ein. Sie grĂŒndeten mehrere Königreiche, die in den folgenden Jahrhunderten vereinigt wurden. Es gab jedoch bis ins 19. Jahrhundert keinen Nationalstaat Thailand, sondern die vielen lokalen FĂŒrstentĂŒmer (MĂŒang) blieben bestehen und waren lediglich den Herrschern im Zentrum zu Tribut verpflichtet. Diese Netzwerke von einem Herrscher abhĂ€ngiger MĂŒang werden Mandala genannt. Deren Einflussgebiet hatte keine festen Grenzen, sondern konnte sich im Laufe der Zeit ausdehnen und wieder zusammenziehen. In der Epoche des Kolonialismus gelang es Thailand, die UnabhĂ€ngigkeit zu wahren und es entwickelte sich zu einem modernen Zentralstaat. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Thailand hĂ€ufig vom MilitĂ€r diktatorisch regiert, gleichzeitig erlebte es einen Wirtschaftsboom und entwickelte sich zu einem der wirtschaftlich fĂŒhrenden Staaten SĂŒdostasiens. Innenpolitische Auseinandersetzungen erschĂŒtterten die Gesellschaft in den vergangenen Jahren wiederholt. In SĂŒdthailand gibt es gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen separatistischen muslimischen Malaien und der Zentralmacht.

Die ersten Reiche

Die ersten Reiche im Gebiet des heutigen Thailand wurden von Mon-Völkern gegrĂŒndet. Diese Reiche standen im Einfluss des indisierten Funan-Reiches. Funan umfasste im dritten Jahrhundert, dem Zeitpunkt seiner grĂ¶ĂŸten Ausdehnung, auch bedeutende Teile von Thailand. Etwa im 6. Jahrhundert wurde es von Dvaravati abgelöst, einem buddhistischen Netzwerk von Stadtstaaten der Mon im heutigen Zentralthailand, das bis ins 11. Jahrhundert bestand. Etwa zur gleichen Zeit hatten die Mon in Nordthailand das Königreich Haripunjaya. Vom 9. bis 12. Jahrhundert wurden weite Teile SĂŒdostasiens durch die Khmer beherrscht. Diese dehnten bereits unter König Jayavarman II. ihre Macht ĂŒber das gesamte Nordostthailand aus. Bedeutende StĂ€dte der Khmer im heutigen Thailand befanden sich im heutigen Lop Buri und Phimai. Der SĂŒden Thailands gehörte zur gleichen Zeit zum buddhistischen Seereich Srivijaya.

Die Einwanderung der Tai-Völker in das Gebiet des heutigen Thailand begann einer Hypothese zufolge im 11. Jahrhundert. Nach anderer Ansicht lebten zu dieser Zeit schon Tai im heutigen Thailand, hatten aber keine eigenen Staaten, weshalb ihre Anwesenheit nicht dokumentiert ist. Es ist nicht ganz geklĂ€rt, von wo sie ihre Wanderung antraten, wahrscheinlich stammen sie aus dem heutigen sĂŒdlichen China (Guangdong, Guangxi) oder aus dem Nordwesten Vietnams.

Sukhothai

Sie grĂŒndeten im 13. Jahrhundert erste Staaten, darunter waren Lan Na und Sukhothai. Dieses Reich, das sich in ursprĂŒnglich von den Khmer besiedelten Gebieten befand, wurde von Sri Indraditya gegrĂŒndet und beherrschte unter Ramkhamhaeng fĂŒr kurze Zeit ein Territorium, das etwa dem heutigen Thailand entsprach. Nur in Nordthailand gab es selbststĂ€ndige, aber befreundete FĂŒrstentĂŒmer. Sukhothai wurde recht bald zum Tributzahler an China, das 1287 im benachbarten Birma die Tempelstadt Bagan fast restlos zerstört hatte. Nach dem Tode Ramkhamhaengs begann der Niedergang Sukhothais aufgrund von Nachfolgestreitigkeiten, aber auch aufgrund des 1351 gegrĂŒndeten Ayutthaya.

Ayutthaya

Ayutthaya wurde zur bedeutendsten Macht in KontinentalsĂŒdostasien, wĂ€hrend das Khmerreich von Angkor, das bis dahin den Raum dominierte, niederging und Ayutthaya letzten Endes tributpflichtig wurde. König Ramathibodi, vor allem aber Trailok machten den Theravada-Buddhismus zur Religion Ayutthayas, das Königtum wurde zu einer Art Absolutismus mit gottgleicher Verehrung fĂŒr den Monarchen reformiert, eine vom indischen Manusmriti inspirierte Rechtsprechung und eine Verwaltung, die auf dem Sakdina-System basierte, wurden eingefĂŒhrt. Diese Regierungsform hatte im Wesentlichen bis in das 19. Jahrhundert Bestand.

Die ersten EuropĂ€er, die Ayutthaya besuchten, waren die Portugiesen, die im Jahre 1511 Malakka erobert hatten. Kurz danach wurden erste HandelsvertrĂ€ge geschlossen und Missionen nach Europa entsandt. Ayutthaya erreichte seine BlĂŒte in der Mitte des 18. Jahrhunderts, dann schwĂ€chten innere Konflikte den Staat und er wurde vom benachbarten erstarkten Birma bedroht. Ayutthaya wurde mehrmals angegriffen und letzten Endes 1767 zerstört.

Wiederaufbau und Schaffung der Chakri-Dynastie

Der nicht mit der bisherigen Dynastie verwandte General Taksin, der der Belagerung entkommen war, grĂŒndete eine neue Hauptstadt in Thonburi und organisierte erfolgreich den Widerstand gegen die Birmanen. Die Thai erholten sich rasch von der Invasion der Birmanen, nicht zuletzt aufgrund der harten Politik Taksins. Das Reich wurde wiedervereinigt, auch Lan Na wurde eingegliedert. Taksin wurde jedoch abgesetzt und 1782 hingerichtet.

Neuer König wurde der General Chao Phraya Chakri (spĂ€ter Phra Phutthayotfa Chulalok oder Rama I.), der das noch heute regierende Königshaus, die Chakri-Dynastie begrĂŒndete, die Hauptstadt in das heutige Bangkok verlegte und den Staat zu konsolidieren vermochte. Zugleich mussten den europĂ€ischen KolonialmĂ€chten Handelsniederlassungen zugestanden werden. König Mongkut (Rama IV.) war angesichts der Entwicklungen in den NachbarlĂ€ndern zu Verhandlungen ĂŒber HandelsvertrĂ€ge gezwungen; gleichzeitig erkannte er den Bedarf fĂŒr Reformen und Modernisierungen, um nicht von einer europĂ€ischen Macht kolonisiert zu werden. Ab 1855 wurde das Land offiziell Siam genannt.

Modernisierung und Entwicklung zum Nationalstaat

Mongkuts Nachfolger Chulalongkorn (Rama V.) war der große Reformer in der Geschichte Thailands. In seiner Regierungszeit wurden zahlreiche westliche Errungenschaften nach Thailand eingefĂŒhrt, wie Schulen, die Wehrpflicht und ein Steuersystem; die Verwaltung wurde zentralisiert, die Sklaverei abgeschafft und mit dem Bau von Eisenbahnen und anderer Infrastruktur begonnen. Die Einwanderung aus China erreichte bald ihren Höhepunkt und anti-chinesische Tendenzen entstanden. Siam blieb ein unabhĂ€ngiger Staat und erfĂŒllte eine Pufferfunktion zwischen dem britischen Kolonialreich, das Malaya, Indien und Birma erobert hatte, und Französisch-Indochina, das Laos, Kambodscha und Vietnam umfasste.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, blieb das Land zunĂ€chst neutral. Erst 1917 stellte sich Siam auf die Seite der Alliierten und entsandte ein Kontingent an die Westfront. Es wurde mit besseren Vertragsbedingungen belohnt; nach Ende des Krieges gehörte Siam zu den GrĂŒndungsmitgliedern des Völkerbundes.

Übergang zur Konstitutionellen Monarchie

1932 kam es zu einem Umsturz durch fortschrittliche, europĂ€isch geprĂ€gte KrĂ€fte, die der absoluten Monarchie ein Ende setzten. Das Frauenwahlrecht wurde bereits in der ersten Verfassung 1932 eingefĂŒhrt. Phibunsongkhram und Pridi Phanomyong besetzten in den Folgejahren die wichtigsten Posten und leiteten eine der Shƍwa-Zeit Japans Ă€hnliche Entwicklung ein: Der Nationalismus wurde gefördert, was sich in der Umbenennung in ‚Thailand‘ widerspiegelte und was gemĂ€ĂŸ einer beliebten Volksetymologie „Land der Freien“ bedeute, auslĂ€ndische Unternehmen wurden hoch besteuert, Opium und Betel wurden verboten und GebietsansprĂŒche gegenĂŒber den angrenzenden französischen und britischen Kolonien gestellt.

Thailand forderte bereits im Jahr 1938 von Frankreich eine Neuverhandlung ĂŒber die gemeinsamen Grenzen. Der Krieg zwischen beiden dauerte von Oktober 1940 bis 9. Mai 1941 und endete mit thailĂ€ndischen Gebietsgewinnen in den französischen Kolonien Laos und Kambodscha.

Zweiter Weltkrieg

Die AnnÀherung an Japan ging bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs weiter. Das Ziel der Japaner war der Zugang zu den britischen Kolonien Birma und auf der malaiischen Halbinsel.

Japanische Truppen drangen ab dem 8. Dezember 1941 auf thailĂ€ndisches Gebiet vor. Ein BĂŒndnisangebot Japans wurde erst am 20. Dezember 1941 angenommen, nachdem japanische Truppen bereits tief ins Land eingedrungen waren. Thailand musste Japan den Durchzug seiner Truppen auf dem Weg zur Eroberung Birmas und Indiens erlauben. Um Transporte zwischen Thailand und Birma zu vereinfachen und den Überfall auf Britisch-Indien vorzubereiten, wurde ab Mitte 1942 unter unmenschlichen Bedingungen von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen die Thailand-Burma-Eisenbahn gebaut, die den Beinamen „Eisenbahn des Todes“ erhielt.

Die Regierung in Bangkok erklĂ€rte den Alliierten Januar 1942 den Krieg. Einer der Kronregenten weigerte sich jedoch, die KriegserklĂ€rung zu unterzeichnen, weshalb sie nach Kriegsende rĂŒckwirkend fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt wurde. Als Belohnung fĂŒr das BĂŒndnis mit Japan bekam Thailand kleinere Gebiete der im Zuge des Krieges eroberten Unfederated Malay States und Birmas zugeschlagen. Gleichzeitig formierte sich mit Wissen der Regierung der Widerstand gegen die faktische japanische Besatzung. Durch diese Taktik blieb Thailand von grĂ¶ĂŸeren Kampfhandlungen weitgehend verschont, allerdings gab es von 1942 bis 1945 alliierte Bombenangriffe auf Bangkok. Premier Phibunsongkhram musste 1944 sein Amt niederlegen und nach Kriegsende gab Thailand die neugewonnenen Provinzen zurĂŒck.

Nachkriegszeit: Demokratie, MilitĂ€rregierungen und „Halbdemokratie“

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Thailand fĂŒr eine kurze Zeit Demokratie. 1946 wurde eine neue Verfassung angenommen, die ein Zweikammerparlament vorsah und den Namen Siam wieder einfĂŒhrte. In der Folge des bis heute ungeklĂ€rten Todes von König Ananda Mahidol wurde 1947 die Zivilregierung gestĂŒrzt, das MilitĂ€r ĂŒbernahm unter den FeldmarschĂ€llen Phibunsongkhram, Sarit Thanarat und Thanom Kittikachorn die Macht bis 1973. Diese Periode war geprĂ€gt von einer stĂ€rkeren Förderung westlicher Normen in der Gesellschaft, Antikommunismus, StĂ€rkung des Königshauses und von Durchdringung der Gesellschaft durch das MilitĂ€r und die Polizei in allen Ebenen. 1949 wurde das Land erneut in Thailand zurĂŒckbenannt. Außenpolitisch lehnte man sich an die USA, an deren Seite Thailand Einheiten in den Koreakrieg sandte und denen es erlaubte, bedeutende MilitĂ€rbasen fĂŒr den Vietnamkrieg aufzubauen. Thailand wurde GrĂŒndungsmitglied von SEATO, ASA und ASEAN.

1973 erschĂŒtterten Protestwellen das ganze Land. Im Oktober 1973 schoss die Armee auf Demonstranten, was zahlreiche Todesopfer forderte. Der König zwang daraufhin die Regierung abzudanken. Sanya Dharmasakti, Rektor der Thammasat-UniversitĂ€t wurde Übergangspremierminister. Die folgenden Wahlen brachten kein klares Ergebnis; die Zivilregierungen von Seni Pramoj und Kukrit Pramoj blieben instabil. Nach dem Massaker an protestierenden Studenten der Thammasat-UniversitĂ€t im Oktober 1976 putschte das MilitĂ€r erneut.

Es folgte eine Phase von Repressionen und politischer SĂ€uberungen gegen vermutete Kommunisten. Die folgenden MilitĂ€rregierungen waren ebenfalls kurzlebig, es herrschten wirtschaftliche Probleme, soziale Unruhe, Korruption und Machtmissbrauch. In die Regierungsperioden dieser MilitĂ€rregierungen fielen dennoch wichtige Wirtschaftsreformen und die Normalisierung der Beziehungen zu den kommunistischen Nachbarstaaten Kambodscha, Laos und Vietnam. Unter der „halbdemokratischen“ Regierung des Generals Prem Tinsulanonda von 1980 bis 1988 kehrte wieder StabilitĂ€t ein. Der kommunistische Aufstand wurde beendet, Wirtschaft und Gesellschaft schrittweise liberalisiert. Gleichzeitig gab es einen wirtschaftlichen Boom. Thailand wurde als einer der Pantherstaaten (oder “Tiger Cub Economies”) zum Schwellenland. Von 1988 an hatte Thailand eine gewĂ€hlte Regierung, die allerdings 1991 wieder durch einen MilitĂ€rputsch gestĂŒrzt wurde. Die durch diesen Putsch an die Macht gekommene Regierung von Suchinda Kraprayoon war mit heftigen BĂŒrgerprotesten konfrontiert, die sie im „Schwarzen Mai“ 1992 gewaltsam niederzuschlagen versuchte. Kurz darauf musste sie zurĂŒcktreten.

Im Jahr 1992 ging die Macht wieder an eine Zivilregierung ĂŒber. Unter Chuan Leekpai wurden VerfassungsĂ€nderungen durchgesetzt, die eine stabilere Demokratie fördern sollten. So wurde das Wahlalter gesenkt, ein Verfassungsgericht eingefĂŒhrt und der Senat verkleinert. Die Regierung von Chavalit Yongchaiyudh stĂŒrzte 1997 ĂŒber die Asienkrise, die durch ĂŒberhitzte Wirtschaft, Spekulation, Missmanagement in den Banken und falsche Wirtschaftspolitik hervorgerufen worden war. Mit Hilfe des IWF wurde die Wirtschaft ab 1998 wieder stabilisiert.

Politische Polarisierung seit 2001

Die Wahlen im Jahr 2001 gewann der Telekommunikationsmogul Thaksin Shinawatra mit seiner Thai-Rak-Thai-Partei („Thai lieben Thai“) erdrutschartig. Mit einem Programm zur Ausweitung des Zugangs zu Gesundheitsversorgung, einem Schuldenmoratorium fĂŒr Bauern und Kleinkrediten zur Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen im strukturschwachen Raum erlangte er große PopularitĂ€t, besonders bei der Landbevölkerung. Hervorzuheben ist das Programm One Tambon One Product – Eine Gemeinde, ein Produkt zur Förderung privaten Unternehmertums. Er erklĂ€rte einen „Krieg gegen Drogen“, in dem binnen drei Monaten ĂŒber 2000 Menschen starben, darunter auch viele Unbeteiligte. Auch wĂ€hlte er ein repressives Vorgehen gegenĂŒber den Separatisten im muslimisch-malaiischen SĂŒden. Das fĂŒhrte zu einer VerschĂ€rfung des Konflikts mit fast tĂ€glichen AnschlĂ€gen der islamistischen und separatistischen KĂ€mpfer und gewaltsamen Reaktionen der thailĂ€ndischen SicherheitskrĂ€fte, wobei ebenfalls tausende starben. Am 26. Dezember 2004 wurde die WestkĂŒste Thailands schwer vom Tsunami im Indischen Ozean getroffen.

2005 wurde Thaksin mit Zwei-Drittel-Mehrheit wiedergewĂ€hlt, seine Partei konnte erstmals in der demokratischen Geschichte Thailands eine Alleinregierung bilden. Er versuchte seine Position zu sichern, indem er wichtige Positionen im Staat mit seinen Vertrauten (und sogar Verwandten) besetzte, und behinderte kritischen Journalismus. Ihm wurde ein Missbrauch seines Amts zum eigenen Vorteil vorgeworfen. Es bildete sich eine BĂŒrgerbewegung gegen Thaksin, die als „Gelbhemden“ bekannt wurde. Vorgezogene Neuwahlen scheiterten aufgrund eines Boykotts der Opposition. Am 19. September 2006 putschte das MilitĂ€r. Thaksin Shinawatra hĂ€lt sich seitdem im Ausland auf. Die Junta setzte eine Übergangsregierung ein, die ein Jahr lang amtierte, und ließ eine neue Verfassung ausarbeiten, die vom Volk in einem Referendum angenommen wurde.

Bei darauffolgenden Wahlen gewannen erneut die UnterstĂŒtzer Thaksins. Es kam zu neuerlichen Protesten der „Gelbhemden“ gegen Thaksins fortgesetzten Einfluss auf die thailĂ€ndische Politik. Sie belagerten wochenlang das RegierungsgebĂ€ude und besetzten den Flughafen von Bangkok. Durch ein Verfassungsgerichtsurteil gegen die Regierungspartei und das Überlaufen einiger Abgeordneter kam es im Dezember 2008 zu einem Regierungswechsel ohne Wahlen. Das weckte wiederum den Zorn der Thaksin nahestehenden „Rothemden“, die sich ihrer Stimmen beraubt fĂŒhlten. Ihre in Unruhen umschlagenden Proteste im April 2009 und April und Mai 2010 wurden vom MilitĂ€r niedergeschlagen. Dabei starben ĂŒber 90 Menschen. Der alte Grenzkonflikt zwischen Kambodscha und Thailand um den Tempel Prasat Preah Vihear eskalierte im FrĂŒhjahr 2011, es kam zu Feuergefechten mit Toten und Verletzten.

Im Juli 2011 gewann Thaksins Schwester Yingluck Shinawatra die Wahlen. Bald nach ihrer RegierungsĂŒbernahme ereignete sich in der zweiten JahreshĂ€lfte 2011 die schwerste Flutkatastrophe seit 50 Jahren. Weite Gebiete entlang des Mae Nam Chao Phraya (Chao-Phraya-Fluss) waren ĂŒberschwemmt, fast 400 Menschen kamen ums Leben. Im Oktober 2013 schlug die Regierung Yingluck eine Amnestie fĂŒr alle Beteiligten des politischen Konflikts der vorangegangenen Jahre vor, die auch Thaksin Shinawatra die straflose RĂŒckkehr erlaubt hĂ€tte. Das löste neuerliche Proteste der Thaksin-Gegner aus. Von der Regierung vorgezogene Neuwahlen wurden behindert und deshalb fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt. Am 22. Mai 2014 putschte erneut das MilitĂ€r. Seither ĂŒbt General Prayut Chan-o-cha die Regierungsgewalt aus.

Mit der Ablehnung des ersten Verfassungsvorschlags der MilitĂ€rregierung im September 2015 waren Wahlen in weitere Ferne gerĂŒckt. Die Wahlen fanden erst am 24. MĂ€rz 2019 statt. Nach der Wahl wurde der bisherige Regierungschef, General Prayut, von einer Koalition aus 19 Parteien im Amt bestĂ€tigt.

Seit Juni 2020 kam es vermehrt zu Protesten gegen die Regierung. Zehntausende Menschen demonstrierten im September 2020 gegen die politische FĂŒhrung trotz Warnungen der Polizei fĂŒr Neuwahlen sowie demokratische Reformen im politischen System, die mit einer neuen Verfassung herbeigefĂŒhrt werden sollen. Premierminister Chan-o-Cha wird kritisiert, wĂ€hrend der COVID-19-Pandemie in Thailand nicht angemessen gehandelt zu haben. Die Polizei entsandte etwa 10.000 Beamte, die Demonstrationen blieben jedoch friedlich.

Politik

Thailand ist politisch stark gespalten und zeitweise instabil. Seit 2014 wird das Land vom MilitĂ€r regiert. Ein Referendum im Jahre 2016 erlaubt dem MilitĂ€r langfristige MachtausĂŒbung und leitete den Umbau in ein autoritĂ€res System ein.

Politisches System

Thailand ist seit einem unblutigen Umsturz im Jahr 1932 eine konstitutionelle Monarchie. Staatsoberhaupt ist der König, der gleichzeitig oberster Schirmherr des Buddhismus in Thailand ist. Die KönigswĂŒrde ist erblich; gemĂ€ĂŸ dem Thronfolgegesetz aus dem Jahr 1924 bestimmt der König allein seinen Nachfolger. Er wird beraten und vertreten durch den Kronrat, den er selbst ernennt und entlĂ€sst. Der König hat keinen direkten Einfluss auf die Tagespolitik, sondern nimmt im Wesentlichen reprĂ€sentative Aufgaben wahr. In Krisenzeiten (wie dem Volksaufstand im Oktober 1973 und dem „Blutigen Mai“ 1992) hat er aber direkt interveniert und auch spĂ€ter – teilweise sehr deutlich – in Reden Stellung zu politischen Fragen bezogen. Die Monarchie in Thailand wird in dem von Korruption und großem Unterschied zwischen Arm und Reich geprĂ€gten Land als wichtigster StabilitĂ€tsfaktor angesehen.

Die Macht teilt sich der König seit 1932 mit einem Parlament. Dieses war zunĂ€chst ein Einkammerparlament, seit 1997 bestand es aus zwei Kammern. Die Verfassung von 2007 ist infolge des MilitĂ€rputsches vom 22. Mai 2014 außer Kraft gesetzt und durch eine Interimsverfassung ersetzt. Die Gesetzgebung wird vorĂŒbergehend von einer Nationalen Legislativversammlung mit 220 vom MilitĂ€r ausgewĂ€hlten Mitgliedern ausgeĂŒbt. Ein Nationaler Reformrat mit 250 Mitgliedern, ebenfalls vom MilitĂ€r ausgewĂ€hlt, soll VorschlĂ€ge fĂŒr politische VerĂ€nderungen geben. Ein 36-köpfiger Ausschuss hat den Auftrag, eine neue Verfassung auszuarbeiten. Über alle politischen AktivitĂ€ten wacht der von der MilitĂ€rfĂŒhrung gebildete „Nationale Rat zur Erhaltung des Friedens“, der durch das geltende Kriegsrecht mit außerordentlichen Befugnissen ausgestattet ist. Der Vorsitzende des Nationalen Rats zur Erhaltung des Friedens, General Prayut Chan-o-cha, ist zugleich Premierminister. Seinem Kabinett gehören grĂ¶ĂŸtenteils aktive oder pensionierte MilitĂ€rs an.

Seit der Parlamentswahl am 24. MĂ€rz 2019 stellt eine Koalition aus 19 Parteien die Regierung unter Prayut Chan-o-cha.

Ministerien

Die königlich thailÀndische Regierung beherbergt 20 Ministerien und ihre Minister, die seit dem Restructuring of Government Agencies Act 2002 unverÀndert sind.

Politische Indizes

Politischer Konflikt und Polarisierung

Seit der Regierungszeit von Thaksin Shinawatra (2001–2006) ist die Politik des Landes von einem anhaltenden Konflikt und einer tiefen Polarisierung zwischen zwei Lagern, die ĂŒblicherweise mit den Farbcodes „gelb“ und „rot“ bezeichnet werden, geprĂ€gt. Von verschiedenen Autoren werden mehrere Ursachen und HintergrĂŒnde des Konflikts (oder der Konflikte) genannt: GegensĂ€tze zwischen Stadt und Land, Zentrum und Peripherie oder Norden und SĂŒden, unterschiedliche Konzepte von politischer LegitimitĂ€t, Einfluss der zentralistischen BĂŒrokratie, des MilitĂ€rs und/oder des Palasts auf die Politik sowie Sorge der Mittelschicht vor Statusverlust.

Trotz der Wahrnehmung einer tiefen Spaltung bekannten sich in einer reprĂ€sentativen Umfrage Ende 2010 nur insgesamt 24 Prozent der ThailĂ€nder zu einem der beiden Lager, 73 Prozent identifizierten sich als neutral; nur 2 Prozent erklĂ€rten, in den letzten Jahren an einer politischen Demonstration teilgenommen zu haben. Eine Mehrheit Ă€ußerte sich entnervt vom politischen Konflikt und den lĂ€hmenden Massenprotesten, egal von welchem Lager diese kamen.

Thaksin erlangte mit Programmen zur ArmutsbekĂ€mpfung und zur Entwicklung des wirtschaftlich rĂŒckstĂ€ndigen Landesinneren (u. a. allgemeiner Zugang zum Gesundheitswesen, staatlich finanzierte Mikrokredite) in Verbindung mit populistischer Rhetorik und geschicktem politischem Marketing große PopularitĂ€t, vor allem bei der Landbevölkerung der Nord- und Nordostregion. Diese fĂŒhlten sich durch Thaksins Politik ernstgenommen und emanzipiert, wĂ€hrend sie zuvor oft den Eindruck hatten, benachteiligt oder ausgegrenzt zu werden. Andererseits machte er sich Gegner durch seinen autoritĂ€ren FĂŒhrungsstil, EinschrĂ€nkung von Freiheitsrechten und demokratischen Partizipationsmöglichkeiten (abgesehen von Wahlen), Behinderung der Opposition und kritischer Presse; Menschenrechtsverletzungen im „Krieg gegen Drogen“ und im ab 2004 eskalierenden Konflikt in den SĂŒdprovinzen; die Privatisierung von Staatsunternehmen und neoliberale Reformen zur Straffung der Verwaltung sowie ein Freihandelsabkommen mit den USA. Außerdem stellte sein durch Wahlen legitimierter Machtanspruch nach Analyse mehrerer Politikwissenschaftler die Dominanz der sogenannten „Netzwerk-Monarchie“, einer lockeren und informellen Allianz aus dem Palast nahestehenden Personen und Gruppen im Kronrat, Politik, MilitĂ€r und Verwaltung, in Frage.

Folglich schlossen sich in der gegen Thaksin gerichteten Volksallianz fĂŒr Demokratie (PAD) – den sogenannten „Gelbhemden“ – Menschen- und BĂŒrgerrechtler, Gewerkschaften und Graswurzelbewegungen, aber auch Royalisten, Nationalisten und Religiöse zusammen. Sie warfen ihm Aushöhlung der Demokratie, Menschenrechtsverletzungen, Amtsmissbrauch und Korruption, Verrat an der Nation und mangelnden Respekt vor der Monarchie (bis hin zur MajestĂ€tsbeleidigung) vor. Das konservativ-monarchistische und nationalistische Element in dieser Bewegung gewann zunehmend die Überhand ĂŒber die liberalen Vertreter. Ab 2008 Ă€ußerten fĂŒhrende Vertreter der PAD offene Ablehnung der reprĂ€sentativen Demokratie und des Mehrparteiensystems und bezogen aggressiv-nationalistische Positionen im Grenzstreit mit Kambodscha. Die AnhĂ€ngerschaft der PAD ging deutlich zurĂŒck. 2010 identifizierten sich noch 5,1 Prozent als „gelb“, weitere 5,2 Prozent als „eher gelb“. Die meisten „(eher) Gelben“ gab es in der SĂŒdregion (insgesamt 24 Prozent), die wenigsten im Norden (7 Prozent) und Nordosten (8 Prozent). 2013 löste sich die PAD auf, an ihre Stelle trat die „Volksarmee zum Sturz des Thaksin-Systems“ (Pefot), deren AnhĂ€nger aber nicht mehr an gelben Hemden erkennbar sind.

Auf der anderen Seite steht die Nationale Demokratische Allianz gegen Diktatur (UDD) der „Rothemden“. Ihre Erkennungsfarbe geht auf die Kampagne zur Ablehnung der unter Ägide des MilitĂ€rs ausgearbeitete Verfassung zurĂŒck. Diese wurde im Referendum zwar mit landesweit 57,8 % (bei 57,6 % Wahlbeteiligung) angenommen, in mehreren Provinzen Nord- und Nordostthailands aber mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Die meisten ihrer AnhĂ€nger kommen zwar aus der Provinz, gehören aber nicht zu den allerĂ€rmsten Landlosen, sondern zu einer wachsenden und zunehmend selbstbewussten und politisierten unteren Mittelschicht, sie können als „urbanisierte Dorfbewohner“ bezeichnet werden. Die „Rothemden“ sind trotz ihres rhetorischen Eintretens fĂŒr die angeblich unterprivilegierten Schichten keine sozialistische oder kapitalismuskritische Bewegung. Im Gegenteil: viele von ihnen sind (ehemalige) Bauern, die sich dank Thaksins Mikrokrediten selbststĂ€ndig gemacht und kleine Unternehmen gegrĂŒndet haben. Auch diese Bewegung steht aber nur fĂŒr eine Minderheit der Gesamtbevölkerung: 2010 nannten sich 6,6 % der befragten ThailĂ€nder „rot“, weitere 7 % „eher rot“. Am stĂ€rksten waren die „(eher) Roten“ im Norden (insgesamt 20 %) und Nordosten (18 %), am schwĂ€chsten im SĂŒden (3 %).

Im Großraum Bangkok (12 % rot, 11 % gelb) und der Zentralregion (9 % gelb, 8 % rot) hielten sich die beiden Lager ungefĂ€hr die Waage. Dort gab es auch den grĂ¶ĂŸten Anteil Neutraler (76 bzw. 80 Prozent).

Außenpolitik

Thailand hat mit einigen seiner Nachbarn Grenzstreitigkeiten: Mit Laos gibt es keinen Vertrag ĂŒber den Verlauf der Grenze, da der Status einiger Inseln im Mekong ungeklĂ€rt ist. Mit Myanmar und Kambodscha gibt es ebenso schwerwiegende Differenzen ĂŒber den genauen Grenzverlauf. An den Grenzen zu Laos und Kambodscha liegen nach wie vor zahlreiche Landminen im Boden. Lediglich mit Malaysia gibt es keinen Grenzkonflikt, die angespannte Sicherheitslage in SĂŒdthailand begrĂŒndet jedoch hĂ€ufige vorĂŒbergehende Schließungen der GrenzĂŒbergĂ€nge.

Außenpolitisch lehnt sich Thailand traditionell sehr stark an die USA an. Es unterstĂŒtzte die USA formell im Vietnamkrieg, war GrĂŒndungsmitglied der von den USA gefĂŒhrten SEATO und ist heute Mitglied in der ASEAN. Die USA zĂ€hlen Thailand zum Kreise ihrer wichtigsten VerbĂŒndeten außerhalb der NATO. Dennoch hat Thailand auch traditionell gute Beziehungen zur Volksrepublik China. Seit den 1990er Jahren spielt das Land eine aktivere Rolle in der internationalen Staatengemeinschaft. Die erste Teilnahme thailĂ€ndischer StreitkrĂ€fte an einer multinationalen Friedenstruppe fand nach der UnabhĂ€ngigkeit Osttimors statt, als Thailand ein Kontingent fĂŒr die INTERFET stellte.

MilitÀr

Das thailĂ€ndische MilitĂ€r ist in die LandstreitkrĂ€fte Royal Thai Army (240.000 Soldaten), die SeestreitkrĂ€fte Royal Thai Navy (65.000 Soldaten) und die LuftstreitkrĂ€fte Royal Thai Air Force (45.000 Soldaten) gegliedert. Hinzu kommt eine Reserve von 200.000 Soldaten. Formelle Oberbefehlshaber sind der Verteidigungsminister und der Supreme commander of the armed forces, wobei die Oberkommandierenden der drei TeilstreitkrĂ€fte den meisten Einfluss haben. Das MilitĂ€rbudget wurde nach dem Staatsstreich vom September 2006 um 35 % erhöht, fĂŒr 2007 waren dann 3,2 Mrd. US-Dollar budgetiert. Im Jahr 2021 gab Thailand knapp 1,4 % seiner Wirtschaftsleistung oder 7,2 Milliarden Dollar fĂŒr seine StreitkrĂ€fte aus.

Die StreitkrĂ€fte werden hauptsĂ€chlich in den existierenden Grenzkonflikten eingesetzt. An der burmesischen Grenze bekĂ€mpfen sie das Eindringen von Rebellen und Schmugglern aus dem Nachbarland. Wiederholt kam es hier zu bewaffneten ZwischenfĂ€llen mit Karen-Gruppierungen auf thailĂ€ndischem Gebiet, was zu Spannungen in den politischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten fĂŒhrte. In SĂŒdthailand soll das MilitĂ€r die muslimischen AufstĂ€ndischen bekĂ€mpfen, hier gibt es eine weitgehende Zusammenarbeit mit dem benachbarten Malaysia. An der Grenze zu Kambodscha tauchen kommunistische Rebellen gegen die Regierung in Phnom Penh unter, wobei Thailand zuweilen der Komplizenschaft mit den Rebellen beschuldigt wird.

Wehrpflicht besteht fĂŒr junge MĂ€nner ab 21 Jahren. MĂ€nner ĂŒber 18 dĂŒrfen sich freiwillig melden. Frauen dĂŒrfen sich ebenso freiwillig verpflichten, ihre Karrieremöglichkeiten sind jedoch eingeschrĂ€nkt.

Politische Parteien

Die politischen Parteien sind in Thailand, anders als in Europa oder Amerika, keine politische Vertretung aggregierter Interessen in der Gesellschaft. An deren Stelle treten persönliche Beziehungen wie Familie, Verwandtschaft und Patronage. Hierbei versammeln sich um eine einflussreiche Person Menschen mit geringerem Status, um Schutz und Förderung zu suchen und um im Gegenzug LoyalitĂ€t zu bieten. Im besten Fall stellt eine politische Partei in Thailand eine Pyramide dar, welche sich vertikal durch die gesamte Gesellschaft erstreckt. Das Schicksal der Partei ist in der Regel fest an jenes der FĂŒhrungsperson geknĂŒpft: das Ende der politischen Karriere eines ParteifĂŒhrers bedeutet auch das Ende seiner Partei. Parteien sind aufgrund dessen in Thailand ausgesprochen kurzlebig. Die einzige Ausnahme stellt hier die seit 1946 existierende Demokratische Partei dar. Bei Wahlen treten in der Regel eine hohe Anzahl von Parteien an, von denen die Mehrzahl kein kohĂ€rentes Programm, keinen Mitgliederstamm und keine KontinuitĂ€t haben; alle werben mit populistischen Parolen um WĂ€hler. Lediglich die Demokratische Partei hat ein vage liberalkonservativ orientiertes Programm entwickelt. Nach den Wahlen kommt es aufgrund der Kurzlebigkeit der Parteien hĂ€ufig zu Machtverschiebungen im Parlament. Neben der Demokratischen Partei ist momentan die 2007 gegrĂŒndete Pheu-Thai-Partei („Partei fĂŒr Thais“) einflussreich. Letztere stellte von 2011 bis zum Putsch 2014 in Koalition mit mehreren kleineren Parteien die Regierung.

Menschenrechte

Menschenrechtsverletzungen werden vor allem der Polizei vorgeworfen, die GefĂ€ngnisinsassen misshandelt oder verhaftete Personen, vor allem im Konflikt in SĂŒdthailand, foltert oder verschwinden lĂ€sst. Das MilitĂ€r schrĂ€nkt nach jedem MilitĂ€rputsch erfolgreich die Rede-, Versammlungs- und Pressefreiheit ein; die Behörden zwingen mit Gerichtsverfahren um RufschĂ€digung oder Verrat die Medien zur Selbstzensur. Neben China und Kambodscha setzt auch die ThailĂ€ndische Polizei Schlagstöcke mit Metallspitzen ein, die in jedem Fall zu schweren Verletzungen beim Einsatz fĂŒhren. Die massivsten Menschenrechtsverletzungen werden von nicht-staatlichen Stellen, jedoch mit Billigung der zustĂ€ndigen Behörden begangen.

Amnesty International berichtet in seinem Report 2017, dass Folter und andere Misshandlungen weiterhin verbreitet seien. Politiker, Landrechtsaktivisten und Menschenrechtsverteidiger sind mit Verfolgung, Inhaftierung, Schikanen und physischer Gewalt konfrontiert. MilitĂ€rangehörigen ist es erlaubt, Personen wegen eines breiten Spektrums von Straftaten ohne gerichtliche Genehmigung festzunehmen. Zahlreiche Personen wurden wegen MajestĂ€tsbeleidigung angeklagt und zu GefĂ€ngnisstrafen von bis zu 60 Jahren verurteilt. Das Gesetz gegen ComputerkriminalitĂ€t ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung und Kontrolle der sozialen Medien und die Inhaftierung von Facebook-Nutzern, wenn sie mit Regierungskritikern in Kontakt treten. Am 11. Dezember 2018 verschwanden drei thailĂ€ndische Dissidenten, die sich im benachbarten Laos in Sicherheit gewĂ€hnt hatten. Zwei von ihnen wurden spĂ€ter tot und gefesselt im Mekong gefunden; vom dritten fehlt jede Spur.

Vorsichtige SchĂ€tzungen gehen von 200.000 bis 300.000 thailĂ€ndischen Prostituierten aus, von denen 30.000 bis 40.000 minderjĂ€hrig sind. Dazu kommen zahlreiche Prostituierte aus den NachbarlĂ€ndern. Öffentliches Werben fĂŒr Prostitution und Ansprechen von potentiellen Freiern ist in Thailand offiziell illegal, faktisch wird es aber zumeist geduldet.

Thailand ist auch ein Zielland fĂŒr den Menschenhandel; die meist aus den NachbarlĂ€ndern illegal ins Land gekommenen Menschen werden ausgebeutet. FĂŒr die gleichen Zwecke werden auch Menschen aus Thailand in andere LĂ€nder Europas, Amerikas und des nahen Ostens sowie nach Japan geschmuggelt. Die USA haben Thailand in ihrem jĂŒngsten Bericht ĂŒber Menschenhandel (Trafficking in Persons Report – TIP-Report) auf Stufe zwei ihrer Beobachtungsliste gesetzt.

In Thailands Fischereiflotten sind Zwangsarbeit und andere Menschenrechtsverletzungen weitverbreitet. Laut einem Bericht von Human Rights Watch werden Fischer, die aus sĂŒdostasiatischen NachbarlĂ€ndern nach Thailand einwandern, als ArbeitskrĂ€fte an Fischereiflotten verkauft. Sie erhalten ihr Gehalt nicht pĂŒnktlich, werden unterhalb des Mindestlohns bezahlt und werden in Schuldknechtschaft gehalten, um zu verhindern, dass sie den Arbeitgeber wechseln. ThailĂ€ndisches Arbeitsrecht gewĂ€hrt den Arbeitsmigranten keinen Schutz und erlaubt ihnen nicht, sich gewerkschaftlich zu organisieren.

In Thailand gibt es die Todesstrafe, die seit 2003 durch die Giftspritze vollzogen wird. Im Jahr 2012 warteten etwa 2500 Menschen – hauptsĂ€chlich wegen Drogendelikten – in thailĂ€ndischen GefĂ€ngnissen auf ihre Hinrichtung.

Frauenwahlrecht

Nach Sri Lanka war Thailand eines der ersten LĂ€nder in Asien, die das allgemeine Wahlrecht einfĂŒhrten.

Bis 1932 regierte in Thailand ein absolutistischer Herrscher ohne politische Institutionen, die das Volk reprĂ€sentierten. Im Juni 1932 wurde die absolute Monarchie durch einen Staatsstreich in eine konstitutionelle Monarchie umgewandelt. In Thailand gab es keine KĂ€mpfe um das aktive und passive Frauenwahlrecht, sondern es wurde zusammen mit dem Wahlrecht der MĂ€nner am 10. Dezember 1932 eingefĂŒhrt. Damals wurde eine Assembly of Representatives, ein Parlament, geschaffen. Bis 1933 wurden alle 70 Abgeordneten von der Partei des Volkes ernannt. 1933 wurde das allgemeine Wahlrecht erstmals indirekt ausgeĂŒbt, als die HĂ€lfte der Abgeordneten gewĂ€hlt wurde. 1937 erfolgte die direkte Wahl der HĂ€lfte der Abgeordneten, aber die Regierung löste das Parlament auf, als es Widerstand zeigte. Erst 1952 wurde das Parlament als Ganzes gewĂ€hlt.

Bei den Lokalwahlen gab es BeschrĂ€nkungen fĂŒr Frauen, die fast zwei Jahrzehnte vor 1932 geschaffen wurden und erst 1982 aufgehoben wurden. Frauen durften bei lokalen Wahlen, in denen die DorfoberhĂ€upter bestimmt wurden, nicht kandidieren. Es sieht so aus, als seien Frauen damals wegen ihres Geschlechts fĂŒr unfĂ€hig erachtet worden, die Kontrollfunktionen eines Dorfoberhaupts auszuĂŒben. Genauso wenig durften Frauen einer Gruppe von Dörfern vorstehen.

Korruption

Korruption gehört in Thailand seit jeher zum alltĂ€glichen Leben. Über die HĂ€lfte der thailĂ€ndischen Haushalte erleben Korruption als Alltag. Im Vergleich zu 2014 hat sich die Lage bis 2016 weiter verschlechtert.

Über 75 Prozent der Firmen geben an, regelmĂ€ĂŸig bis immer bestechen zu mĂŒssen. Über 10 Prozent der Privatpersonen geben an, Bestechungszahlungen leisten zu mĂŒssen. Insbesondere gilt die thailĂ€ndische Polizei als Drahtzieher krimineller Machenschaften und als korrupt. So wird zum Beispiel bei Verkehrsvergehen in der Provinz Chon Buri die Geldstrafe, ohne Quittung an Ort und Stelle durch die Polizeibeamten kassiert. Eigentlich mĂŒssen Geldstrafen in Thailand grundsĂ€tzlich auf dem nĂ€chsten Polizeirevier beglichen werden. Besondere öffentliche Aufmerksamkeit erlangten im Juni 2009 FĂ€lle von 150 Erpressungen, bei denen Touristen des Ladendiebstahls bezichtigt wurden und sich freikaufen mussten. Verschiedene europĂ€ische LĂ€nder warnen mittlerweile vor solchen Betrugsmaschen der thailĂ€ndischen Polizei.

Wirtschaft

Thailands Wirtschaft ist marktwirtschaftlich-liberal orientiert. Sie hat sich dank der Strategie der exportorientierten Industrialisierung in hoher Geschwindigkeit von einer landwirtschaftlich orientierten Ökonomie zu einem schnellwachsenden Schwellenland entwickelt. Eine weitere Steigerung der internationalen WettbewerbsfĂ€higkeit und Stimulierung der heimischen Wirtschaft durch gesteigerte Ausgaben zugunsten der benachteiligten Regionen Thailands prĂ€gten die Wirtschaftspolitik des ehemaligen MinisterprĂ€sidenten Thaksin. Die „zweigleisige“ („dual-track-“) Wirtschaft soll den Strukturwandel von der Landwirtschaft hin zu dienstleistungs-, industrie- und technikorientierten Bereichen der Wirtschaft aktiv unterstĂŒtzen. Die Wirtschaftsleistung wuchs seit Überwindung der Folgen der Asienkrise moderat, bis Ende des Jahres 2008 die Folgen der Finanzkrise auch Thailand erreichten. Aufgrund von EinbrĂŒchen im Export und schwacher Binnennachfrage schrumpfte die thailĂ€ndische Wirtschaft 2009. Neben dem Export stellt der Tourismus in Thailand einen weiteren Wirtschaftsfaktor dar, der etwa 10 % zum Bruttoinlandsprodukt beitrĂ€gt.

Das Bruttoinlandsprodukt lag 2016 bei 406,9 Milliarden US-Dollar (12 Billionen Baht), dies entspricht 5.899 US-Dollar pro Kopf. Es wurde zu 11,6 % in Landwirtschaft und Fischerei und zu 35,8 % in Bergbau und Industrie erwirtschaftet. Die Inflation bewegte sich in den vergangenen Jahren immer unter 3 %, wĂ€hrend die Arbeitslosigkeit sehr gering war (2008: 0,7 %). Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Thailand Platz 32 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegte Thailand 2017 Platz 55 von 180 LĂ€ndern.

Wirtschaftsgeschichte

Die Wirtschaft von Thailand beruhte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts auf agrarischer Subsistenz. Das Land hatte damals 5–6 Millionen Einwohner, die sich hauptsĂ€chlich von Reisanbau und Fischfang ernĂ€hrten und daneben fĂŒr den Eigenbedarf Zuckerrohr, GemĂŒse, GewĂŒrze, Tabak, KokosnĂŒsse und BetelnĂŒsse anbauten sowie Seide und Baumwolle produzierten. Es gab keine entwickelte Geldwirtschaft, sondern nur Naturalhandel, Steuern mussten in Form von Naturalabgaben an den König beziehungsweise Feudalherren bezahlt werden. Auch Sklaverei war verbreitet, zu ihr kam es durch Nichtbezahlen von Abgaben oder durch NichtrĂŒckzahlung von Krediten. Es gab einen begrenzten Außenhandel mit den Nachbarstaaten. Es wurden Naturprodukte ausgefĂŒhrt und im Gegenzug Gold, Silber und LuxusgĂŒter eingefĂŒhrt.

Änderungen an diesem Wirtschaftssystem geschahen aufgrund von Impulsen von außen sowie der Bereitschaft zur Übernahme von auslĂ€ndischen Entwicklungen. Thailand integrierte sich somit langsam in die Weltwirtschaft. Der Bowring-Vertrag von 1855 öffnete Thailand fĂŒr den Import von auslĂ€ndischen Waren, begrenzte die ZollsĂ€tze und legte den Grundstein fĂŒr den Export von Reis, Teak, Zinn und spĂ€ter Kautschuk. Erstmals in der Geschichte Thailands wurde Reis nicht nur fĂŒr den Eigenverbrauch produziert, sondern fĂŒr den Markt. Es kam zu einer starken Ausweitung der landwirtschaftlich genutzten FlĂ€che, wĂ€hrend zunĂ€chst keine technischen Weiterentwicklungen im Reisanbau stattfanden. Handel, Transport und andere Dienstleistungen blieben in auslĂ€ndischer Hand. Ab 1884 begann König Chulalongkorn mit dem Aufbau von Staatsinfrastruktur, fĂŒhrte ein geldbasiertes Steuersystem ein, schuf Ministerien, öffentliche Bildungseinrichtungen, Infrastruktur (Eisenbahn, ElektrizitĂ€t) und es entstanden erste Fabriken mit dem Ziel der Importsubstitution. Nach der Palastrevolte des Jahres 1926 wurden chinesische Betriebe enteignet und der Staat engagierte sich in der Industrie, vor allem der Papiererzeugung, der Textilindustrie und der Zuckerherstellung. Im Außenhandel und im Kapitalverkehr herrschte Dirigismus.

Da die Staatswirtschaft sich als zu ineffizient herausstellte, zog sich in den 1950er Jahren der Staat aus den Betrieben zurĂŒck und ĂŒberließ der Privatwirtschaft mehr Raum. WĂ€hrungs- und Handelskontrollen wurden abgeschafft. Thailand erfuhr starke UnterstĂŒtzung aus dem Westen, vor allem den USA und der Weltbank. Die 1960er Jahre waren dann von einem starken Wachstum (durchschnittlich 8 % pro Jahr) geprĂ€gt. Das Wachstum wurde vor allem von KapitalzuflĂŒssen getragen, wie Krediten und Direktinvestitionen, aber auch den Ausgaben des im Vietnamkrieg engagierten amerikanischen MilitĂ€rs und dessen Soldaten. Die Wirtschaftspolitik konzentrierte sich auf den Aufbau von Infrastruktur und Importsubstitution.

Die 1970er Jahre brachten Thailand wirtschaftliche Schwierigkeiten. Infolge der weltweiten Wirtschaftskrise sank die Nachfrage an den thailĂ€ndischen Exportprodukten, deren Preise fielen, und gleichzeitig zog sich das amerikanische MilitĂ€r aus Thailand zurĂŒck. 1984/85 befand sich Thailand dann in einer schweren Rezession. Als Reaktion darauf gab es eine StrategieĂ€nderung in der Wirtschaftspolitik: der Staat zog sich aus der Wirtschaft zurĂŒck, Importzölle und Devisenkontrollen wurden abgeschafft, und es wurde der Entwicklungsweg der Exportindustrialisierung eingeschlagen. Ende der 1980er Jahre gehörte Thailand dann zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaften der Welt (Pantherstaat), wobei das Wachstum nun von Investitionen aus Japan, SĂŒdkorea, Hongkong und Singapur getragen wurde. Überhitzung und wirtschaftspolitische Fehler fĂŒhrten dazu, dass Thailand zur Mitte der 1990er Jahre zum Zentrum der Asienkrise gehörte: Spekulationen gegen den festen Wechselkurs des Baht gegenĂŒber dem US-Dollar fĂŒhrten 1997 zur Aufgabe des Wechselkurssystems, massiver Abwertung des Baht und einer Bankenkrise. 1998 schrumpfte die Wirtschaft massiv um 10,4 %. Thailand benötigte in der Folge zur Überwindung der Krise massive Hilfe von IWF und Weltbank.

Landwirtschaft

Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei trugen im Jahr 2006 weniger als 10 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, sie beschĂ€ftigten aber etwa 39 % der ArbeitskrĂ€fte. 1960 hingegen waren noch 82 % der ArbeitskrĂ€fte in diesen Sektoren beschĂ€ftigt und sie erwirtschafteten 38 % des BIP. Die landwirtschaftlich genutzte FlĂ€che ist bis in die frĂŒhen 1980er Jahre stark gestiegen und seitdem praktisch gleich geblieben. 2007 wurden 19,7 Millionen Hektar Land bebaut.

Die Hauptnutzpflanze des Landes ist der Reis. Die Kultur der Thai entwickelte sich ursprĂŒnglich auf Basis des Nassreisanbaus. Reis wird vor allem im Becken des Mae Nam Chao Phraya (Chao-Phraya-Fluss) und in den BewĂ€sserungsgebieten Nordostthailands angebaut. Die jĂ€hrliche Reisernte stieg von 10 Millionen Tonnen im Jahr 1962 auf 32 Millionen Tonnen im Jahr 2007. Thailand ist der sechstgrĂ¶ĂŸte Produzent und bedeutendste Reisexporteur der Welt, wobei fĂŒr den Export in der Regel weißer Reis angebaut wird, fĂŒr den Binnenmarkt zusĂ€tzlich Klebreis.

Thailand ist der weltweit grĂ¶ĂŸte Produzent von Naturkautschuk (2007: 3 Mio. Tonnen), der vor allem auf Plantagen in SĂŒdthailand gewonnen wird, sowie Ananas (2007: 2,8 Mio. Tonnen). Bei der Produktion von Maniok (27 Mio. Tonnen) nimmt es den zweiten Platz ein. Weitere wichtige Produkte der thailĂ€ndischen Landwirtschaft sind Mais (3,6 Mio. Tonnen), Zuckerrohr (64 Mio. Tonnen), Sojabohnen und Kenaf, die im Trockenfeldbau im Nordosten Thailands angebaut werden.

Die Forstwirtschaft war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein sehr bedeutender Wirtschaftsfaktor und Teak war das zweitwichtigste Exportgut Thailands nach dem Reis. Seit 1968 ist Thailand ein Netto-Holzimporteur. Der Grund hierfĂŒr liegt in der starken Ausweitung der landwirtschaftlichen NutzflĂ€che.

Thailand gehört zu den wichtigsten Lieferanten von Garnelen; es produzierte 2007 insgesamt fast 2,5 Millionen Tonnen Fisch und Krustentiere, bei leicht fallendem Trend aufgrund von Überfischung und Verschmutzung der GewĂ€sser.

Industrie

Die thailÀndische Industrie trÀgt etwa 45 % zur gesamten Wirtschaftsleistung bei, beschÀftigt aber nur ein Viertel der Arbeitnehmer. Der wichtigste Industriezweig ist die Herstellung von Kraftfahrzeugen und deren Einzelteile. Er trÀgt etwa 10 % zum Bruttoinlandsprodukt bei, dominiert wird er von japanischen Konzernen. Thailand hat KapazitÀten zur Herstellung von 1,8 Millionen Fahrzeugen pro Jahr und gehört zu den zehn wichtigsten HerstellerlÀndern von Kraftfahrzeugen. Ziel ist es, das Zentrum der Automobilindustrie des ASEAN zu werden. Weitere wichtige Wirtschaftszweige sind die Stahlproduktion, die Herstellung von Elektro- und ElektronikgerÀten, die Textilindustrie und die Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten.

Finanzsektor

Zu den Ursachen der Asienkrise 1997/98 gehörten Probleme im thailĂ€ndischen Finanzsektor wie faule Kredite und ĂŒberhöhte Kreditaufnahme in FremdwĂ€hrungen. Die Reformen, die seitdem umgesetzt worden sind, haben zu einer Konsolidierung im Finanzsektor gefĂŒhrt, die Banken haben weniger faule Kredite in ihren Bilanzen und arbeiten profitabel. Im Jahr 2007 gab es in Thailand drei staatliche GeschĂ€ftsbanken und fĂŒnf staatliche Spezialbanken, daneben 15 einheimische und 17 auslĂ€ndische GeschĂ€ftsbanken (siehe Liste der Banken in Thailand).

Die Zentralbank des Landes ist die Bank von Thailand. Diese 1942 gegrĂŒndete Institution betreibt die Geldpolitik, agiert als Notenbank, unterhĂ€lt die WĂ€hrungsreserve und fungiert als Bankenaufsicht.

Außenwirtschaft

Die Handelsbilanz Thailands war ĂŒber Jahrzehnte negativ, erst das schnelle Wachstum der exportorientierten Industriezweige hat dem Land zu einer ausgeglichenen, inzwischen sogar leicht positiven Handelsbilanz verholfen – die von Thailand ausgefĂŒhrten Waren haben also einen höheren Wert als die eingefĂŒhrten. Die Einnahmen aus dem Tourismus sowie die Direktinvestitionen sorgten dafĂŒr, dass Leistungsbilanz und Zahlungsbilanz in der Vergangenheit fast immer positiv waren. Um den Außenhandel weiter zu fördern hat Thailand mit Staaten wie Australien, Neuseeland, China, Indien und Bahrain bilaterale Freihandelsabkommen unterzeichnet. Es ist Mitglied bei Organisationen wie der ASEAN, Asiatischen Entwicklungsbank, dem APEC, der Welthandelsorganisation und der ASEAN-Freihandelszone.

2013 wurden Waren im Wert von 238 Mrd. US-Dollar exportiert. Thailand ist damit auf Platz 23 der grĂ¶ĂŸten Exportnationen. Die wichtigsten ExportgĂŒter waren Maschinen, Elektronik und Elektrotechnik (vor allem Computer-Datenspeicher, also Festplatten u. Ă€.), Fahrzeuge und Fahrzeugteile (v. a. Kleinlastwagen und PKW), Nahrungsmittel (v. a. verarbeiteter Fisch und Rohrzucker), chemische Erzeugnisse und Rohstoffe (v. a. Naturkautschuk, Mineralölerzeugnisse). Thailand ist – mit großem Abstand hinter China, aber fast gleichauf mit den USA – einer der bedeutendsten Exporteure von Computerteilen der Welt. Speziell im Bereich der Datenspeichereinheiten trĂ€gt es 22 % des Weltmarkts bei. Außerdem ist das Land der weltgrĂ¶ĂŸte Kautschukexporteur.

Importiert wurden Waren im Wert von 232 Mrd. US-Dollar, vor allem Elektronik, Metallerzeugnisse, chemische Erzeugnisse, Maschinen, Elektrotechnik, Nahrungsmittel sowie Fahrzeuge und Fahrzeugteile.

Die bedeutendsten Handelspartner Thailands sind die ASEAN-Staaten (zusammen ĂŒber 23 % der Exporte und ĂŒber 17 % der Importe), die Volksrepublik China (mit Hongkong 18 % bzw. 16,6 %), Japan (9,1 % bzw. 16 %), die USA (11 % bzw. 5,6 %), sowie die Staaten des Nahen Ostens. Mit Deutschland wickelt Thailand 2,8 % seiner Exporte und 2,4 %b seiner Importe ab, mit der Schweiz 0,7 % der Ex- und 3,9 % der Importe. Deutschland exportiert vor allem Maschinen und Elektronik, chemische Erzeugnisse sowie Fahrzeuge und Fahrzeugteile nach Thailand; im Gegenzug werden Maschinen und Elektronikprodukte wie Datenspeicher und integrierte Schaltkreise, außerdem Silberschmuck sowie Gummiprodukte – vor allem Reifen – aus Thailand nach Deutschland verkauft. Die Schweiz liefert vor allem Gold nach Thailand.

Thailand ist Zielland von zahlreichen auslĂ€ndischen Direktinvestitionen, die sich 2005 auf 3,3 Mrd. US-Dollar beliefen. Die Investitionen stammen vor allem aus den USA, Japan, Singapur und der EuropĂ€ischen Union. Die Weltbank finanziert in Thailand vor allem Projekte im Sozial- und Bildungswesen sowie im Energiesektor, diese beliefen sich 2005 auf fast eine Milliarde US-Dollar. Die Auslandsverschuldung betrug im Juni 57,83 Mrd. US-Dollar (34 % des BIP), was Devisenreserven von 59 Mrd. US-Dollar gegenĂŒberstand.

Der Wechselkurs des Bahts war bis zum Ausbruch der Asienkrise fest an den US-Dollar gebunden. Seitdem gilt das Wechselkurssystem des Managed Floating gegenĂŒber einem WĂ€hrungskorb der wichtigsten Handelspartner.

Tourismus

Thailand hat sich seit den 1960er Jahren zu einem der Hauptziele des internationalen Tourismus entwickelt. WĂ€hrend des Vietnamkriegs lieferte das amerikanische MilitĂ€r mit seinen Rest-and-recreation-Programmen starke Nachfrage. Die wirtschaftliche Entwicklung und Liberalisierung in Asien ermöglichte weiteres Wachstum, und die Möglichkeiten von LangstreckenflĂŒgen machte Thailand fĂŒr Touristen aus Europa und Amerika erreichbar. Parallel dazu gab es immer eine auf Tourismusförderung ausgerichtete Politik der Regierung, die mit den Einnahmen aus dem Tourismus das Leistungsbilanzdefizit auszugleichen suchte.

2010 verzeichnete das Land 15.936.400 AnkĂŒnfte, davon etwas mehr als die HĂ€lfte (8.167.164) aus Asien (ohne Russland) und ein weiteres Viertel (4.442.375) aus Europa (mit Russland). Es wurden 606.874 Deutsche, 90.026 Österreicher und 155.761 Schweizer gezĂ€hlt. Die durchschnittliche Verweildauer betrug 9,66 Tage. 2016 war die Anzahl der AnkĂŒnfte auf 32.530.000 gestiegen, was vor allem an der gestiegenen Anzahl an Touristen aus der Volksrepublik China lag. Der internationale Tourismus ist somit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor fĂŒr Thailand, die Einnahmen fĂŒr 2016 lagen bei mehr als 52 Milliarden US-Dollar. Die Sickerrate wird auf relativ niedrige 20 Prozent geschĂ€tzt. FĂŒr 1996 wurde angenommen, dass etwa vier Millionen ArbeitsplĂ€tze direkt oder indirekt vom Tourismus abhĂ€ngen. ZusĂ€tzlich zum internationalen Tourismus gibt es auch lebhaften Binnentourismus; 2006 gab es bei 81 Millionen AnkĂŒnften Einnahmen von 356 Milliarden Baht.

Die bedeutendsten Tourismusarten sind Erholungsreisen (an den KĂŒsten oder im nördlichen Bergland), Besichtigungsreisen (Bangkok und Umgebung, Nordthailand, Zentralebene mit den historischen StĂ€tten von Ayutthaya, Sukhothai usw.), GeschĂ€ftsreisen und Sextourismus. Der grĂ¶ĂŸte Anteil des Massentourismus beschrĂ€nkt sich auf Bangkok und einige Badeorte an der KĂŒste wie Pattaya, Phuket, Krabi oder Ko Samui. Die negativen Auswirkungen des Massentourismus sind deshalb auf rĂ€umlich relativ kleine Gebiete beschrĂ€nkt, treten allerdings dort umso geballter auf.

Energie

Thailands Energieversorgung basiert maßgeblich auf fossilen EnergietrĂ€gern: 2007 entfielen 42 % des Gesamtenergieverbrauchs auf Rohöl, 38 % auf Erdgas und 15 % auf Kohle, wobei Erdöl vorrangig aus der Golfregion importiert wird. Erdgas spielt bei der Erzeugung elektrischer Energie eine wichtige Rolle und wird zu 20 % aus Myanmar bezogen. Thailand gehört zu den wichtigsten FörderlĂ€ndern von Weichbraunkohle. 2009 wurden 17,9 Millionen Tonnen gefördert, die Ressourcen werden auf 1390 Millionen Tonnen geschĂ€tzt. Der grĂ¶ĂŸte Kohletagebau Thailands befindet sich in Mae Mo (Provinz Lampang), wo tĂ€glich 40.000 Tonnen Kohle produziert werden.

ElektrizitÀtsversorgung

2006 wurden in Thailand 130,8 Milliarden kWh elektrischer Energie erzeugt, davon 120 Milliarden aus herkömmlicher thermischer Erzeugung, 7,8 Milliarden aus Wasserkraft, und nur 3 Milliarden stammten aus anderen erneuerbaren Quellen. Der Markt fĂŒr elektrische Energie wird von dem staatlichen Unternehmen Electricity Generating Authority of Thailand dominiert.

Im Jahre 2016 lag Thailand bzgl. der installierten Leistung mit 44,89 GW an Stelle 24 und bzgl. der jÀhrlichen Erzeugung mit 181,5 Mrd. kWh an Stelle 23 in der Welt. Der Elektrifizierungsgrad lag 2016 bei 100 %. Thailand war 2016 ein Nettoimporteur von ElektrizitÀt; es exportierte 2,267 Mrd. kWh und importierte 19,83 Mrd. kWh.

Photovoltaik, Windenergie und Wasserkraft spielen bisher eine untergeordnete Rolle, letztere aufgrund von Protesten gegen das notwendige Anlegen von Stauseen. Allerdings wurde der Energiegewinnung aus Biomasse fĂŒr die Zukunft eine wichtige Rolle vorausgesagt. Auch die Windenergie sowie die Photovoltaik sollen deutlich ausgebaut werden, um den Importbedarf fossiler EnergietrĂ€ger reduzieren zu können. 2012 erhielt Siemens hierzu einen ersten Auftrag ĂŒber 90 Windkraftanlagen mit zusammen rund 200 MW Leistung. Die Gesamtleistung der thailĂ€ndischen Windkraftanlagen lag Ende 2019 bei 1.532 MW. Solarenergie erreichte schon 2015 1.299 GW, Biomasse 2.452 GW und kleine Wasserkraftwerke 0,14 GW, so dass 2015 die installierte Gesamtleistung der regenerativen Quellen 4.494 GW betrug.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste im Fiskaljahr 2016 Ausgaben von umgerechnet 86,9 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 76,7 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,5 % des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2016 171,7 Mrd. US-Dollar oder 42,2 % des BIP. Von der Ratingagentur Standard & Poor’s werden die Staatsanleihen des Landes mit der Note BBB+ bewertet (Stand November 2018).

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 3,5 Prozent
  • Bildung: 4,2 Prozent (2005)
  • MilitĂ€r: 1,8 Prozent (2005)

Infrastruktur

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die QualitÀt der Infrastruktur misst, belegte Thailand 2018 den 32. Platz unter 160 LÀndern.

Thailand plant in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren, von 2012 bis 2016, die Infrastruktur des Landes stark auszubauen. Dies geschieht ĂŒber ein Investitionsprogramm, das ein Volumen von rund 56 Mrd. Euro aufweist. Die am stĂ€rksten betroffenen Sektoren sind Transport (im stĂ€dtischen Raum), Energie und öffentlicher Transport (bessere Bahnverbindungen, vier Hochgeschwindigkeitstrassen der Eisenbahn, neue Massentransportsysteme).

Infrastrukturplan 2014–2016

Verkehr

Straßenverkehr

Thailand verfĂŒgt, je nach Quelle, ĂŒber ein Straßennetz von 45.000 km bis 57.000 km, die zum grĂ¶ĂŸten Teil asphaltiert sind. Es ist seit 1960, als nur 7450 km existierten, stark angewachsen. Es herrscht Linksverkehr. Mehr als 60 Prozent der PKWs sind in Bangkok registriert, das an tĂ€glichen ausgedehnten Staus leidet. Im Rest des Landes ist das Motorrad nach wie vor das am meisten verbreitete Transportmittel; 2002 waren 67,6 Prozent aller in Thailand registrierten Fahrzeuge MotorrĂ€der. Über die Straße wird auch der grĂ¶ĂŸte Teil des öffentlichen Verkehrs abgewickelt; das staatliche Unternehmen BKS betreibt ein ausgedehntes Netzwerk an Linienbussen.

Sicherheit im Straßenverkehr ist ein brennendes Thema in Thailand; 2003 waren VerkehrsunfĂ€lle unter den drei hĂ€ufigsten Todesursachen. Mit 38 Todesopfern von VerkehrsunfĂ€llen pro 100.000 Einwohner (Stand 2013) hat Thailand eine der höchsten Verkehrstotenraten der Welt. Hauptursachen sind die Missachtung von Sicherheitsvorschriften wie das Motorradfahren ohne Helm, Benutzung von Handys und Smartphones wĂ€hrend der Fahrt und Fahren unter Alkoholeinfluss. Viele ThailĂ€nder glauben, dass Amulette oder TĂ€towierungen sie beschĂŒtzen. Unfallflucht und unterlassene Hilfeleistung sind weit verbreitet, Rettungsfahrzeuge werden oft nicht durchgelassen.

Die Beimischung von 10 bis 20 Prozent Ethanol zum Benzin („Gasohol“) ist verpflichtend vorgeschrieben. Viele Fahrzeuge – vor allem Taxis, Busse und Lkws – fahren auch mit Autogas (LPG).

Schienenverkehr

Mit dem Bau von Eisenbahnstrecken wurde in Thailand bereits im Jahr 1892 begonnen. Damals benötigte man ein Verkehrsmittel, das im Fall einer Invasion einer Kolonialmacht schnelle Truppen- und Materialbewegungen erlauben wĂŒrde. Heute betreibt die staatliche Eisenbahn ein Schienennetz von mehr als 4000 Kilometer in Schmalspur, welches sternförmig von Bangkok ausgeht. Die SRT verbindet 47 der 76 Provinzen des Landes. Im Jahr 2002 wurde 55,7 Millionen Passagiere und 9,9 Millionen Tonnen Fracht befördert. Bangkok Skytrain (BTS), Suvarnabhumi Airport Rail Link und Bangkok Metro (MRT) sind die einzigen schienengebundenen Nahverkehrssysteme des Landes.

Die State Railway of Thailand gilt neben Thai Airways International zu den Staatsunternehmen mit den schlechtesten wirtschaftlichen Kennziffern. Die Passagierzahlen entsprechen nur 6 Prozent der Personen, die auf der Straße befördert werden, und nur 2 Prozent des GĂŒterverkehres wird auf der Schiene abgewickelt. Der Grund fĂŒr die nicht zufriedenstellenden Dienstleistungen sind zu hohe Preise. Eine Modernisierung des Netzes, zweigleisiger Ausbau, Anschaffung besserer Fahrzeuge und eine Erhöhung der Durchschnittsgeschwindigkeit wie der Sicherheit wĂŒrde in den kommenden Jahren etwa 15 Milliarden Euro kosten. Ende 2009 wurde von der Regierung grundsĂ€tzlich beschlossen, die notwendigen Investitionen zu tĂ€tigen.

Luftverkehr

Thailand verfĂŒgt ĂŒber mehr als 30 FlughĂ€fen, auf denen regelmĂ€ĂŸiger kommerzieller Flugverkehr stattfindet. Der internationale Großflughafen von Thailand ist seit Oktober 2006 der Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi. Er liegt sĂŒdöstlich der Hauptstadt Bangkok in der Provinz Samut Prakan und ist ein wichtiges Luftfahrt-Drehkreuz SĂŒdostasiens. Er wird von ĂŒber 80 Fluglinien angeflogen und fertigte 2013 50 Millionen Passagiere und 1.200.000 Tonnen Fracht ab. Die wichtigsten Fluggesellschaften Thailands sind die 1960 gegrĂŒndete staatliche Thai Airways International, die 1968 gegrĂŒndete private Bangkok Airways und die 2003 gegrĂŒndete Billigfluglinie Thai AirAsia.

Telekommunikation

Das Telefonnetz Thailands ist speziell auf dem Land nicht sehr gut ausgebaut, lange Wartezeiten auf einen Telefonanschluss können die Folge sein. Dagegen ist der Gebrauch von Mobiltelefonen sehr weit verbreitet, im Jahr 2015 kamen bereits 105 Mobiltelefone auf 100 Einwohner. Im Jahr 2019 nutzten 67 Prozent der Einwohner Thailands das Internet. Die digitale Infrastruktur konnte in den letzten Jahren stark ausgebaut werden, die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit war Anfang 2017 schneller als die Kanadas oder Deutschlands.

Kultur

Die Kultur Thailands ist stark von den Kulturen jener Völker beeinflusst, die das Land vor der Ankunft der Thai besiedelten, sowie von seinen Nachbarn. Es sind dies vor allem die indische, kambodschanische und chinesische Kultur. Religiöse Vorstellungen aus dem Buddhismus, aber auch dem Hinduismus, Ahnenkult, ethnischen Religionen und dem chinesischen Volksglauben sind stark im Denken und Handeln der ThailĂ€nder verwurzelt. Dies findet seinen Ausdruck zum Beispiel darin, dass der Kopf der heiligste Teil des Körpers ist. Die FĂŒĂŸe gelten hingegen als schmutzig; ĂŒber jemanden hinĂŒberzusteigen oder etwas mit dem Fuß festzuhalten gilt als Beleidigung.

SenioritĂ€t spielt in der thailĂ€ndischen Gesellschaft eine ganz bedeutende Rolle. Ältere Geschwister sind den jĂŒngeren gegenĂŒber verpflichtet, im Gegenzug schuldet der JĂŒngere dem Älteren Gehorsam. Der traditionelle Gruß Wai wird Höhergestellten entgegengebracht; der König als am höchsten gestellte Person des ganzen Landes wird, ebenso wie seine Bildnisse, grenzenlos verehrt. Thailand hat einen eigenen Kalender, der dem gregorianischen Kalender um 543 Jahre voraus ist.

Architektur

Das traditionelle WohngebĂ€ude in Thailand ist das hölzerne Pfahlhaus. Es stellt eine Anpassung an das Klima des Landes dar, denn es schĂŒtzt vor den regelmĂ€ĂŸig auftretenden Überschwemmungen und vor wilden Tieren. Das hohe Dach erlaubt eine optimale DurchlĂŒftung. Der Raum unter dem Haus kann als Lager oder als Stall fĂŒr die Haustiere genutzt werden. PfahlhĂ€user sind auf dem Land zwar noch hĂ€ufig anzutreffen, allerdings ist Holz als Baustoff mittlerweile sehr teuer geworden. Daher ĂŒberwiegen heutzutage Betonbauten oder GebĂ€ude aus Fertigbauteilen.

Die religiöse Architektur der frĂŒhen Sukhothai-Periode ist stark von Khmer-Elementen durchdrungen. Die erhaltenen DenkmĂ€ler sind durch die Verwendung von Sandstein und an ihren rechteckigen Fenstern zu erkennen. SpĂ€ter entwickelten die Architekten Siams ihren eigenen Stil mit mehrstöckigen DĂ€chern und zahlreichen TĂŒrmen. Stuck ersetzte den Sandstein und der chinesische Einfluss brachte in neuerer Zeit unter anderem die Verwendung von Porzellanornamenten in vielerlei Farben. Die thailĂ€ndische Architektur brachte historische DenkmĂ€ler wie den Wat Phra Kaeo hervor, der mit feinster Schnitzerei und Verzierungen geradezu ĂŒberladen ist. Der Wat Benchamabophit ist eines der bedeutendsten Beispiele buddhistischer Architektur des letzten Jahrhunderts. Er wurde 1899 aus italienischem Marmor erbaut und ist mit mehrstöckigen orangefarbenen DĂ€chern gedeckt.

Zum UNESCO-Welterbe gehören die historischen Parks der Ruinenstadt von Sukhothai, die zusammen mit Si Satchanalai und Kamphaeng Phet nominiert wurde, sowie der Geschichtspark Ayutthaya und die bronzezeitliche AusgrabungsstÀtte Ban Chiang.

Theater

Das traditionelle thailĂ€ndische Theater unterscheidet sich grundlegend vom westlichen Theater. Es besteht aus der Rezitation eines Textes durch einen ErzĂ€hler, meist von Musik untermalt, wĂ€hrend auf der BĂŒhne Pantomimen auftreten oder getanzt wird. Die Schauspieler fĂŒhren zuweilen einen Sprechgesang auf. Der Stoff fĂŒr die StĂŒcke entstammt meist den thailĂ€ndischen Epos Ramakian oder anderen mĂ€rchenhaften oder fantastischen Legenden.

Von der traditionellen Theaterform Lakhon gibt es zwei Strömungen. Lakhon Nok ist das alte thailĂ€ndische Volkstheater, wĂ€hrend Lakhon nai nur im königlichen Palast aufgefĂŒhrt wurde. Die Schauspieler, die meist prachtvolle KostĂŒme und Masken tragen, stellen ihre Figur mit einer komplizierten Mimik und Tanzfiguren dar, die lange trainiert werden mĂŒssen. EigentĂŒmlich ist, dass das Ideal von Weichheit und Geschmeidigkeit des Tanzes durch Überdehnung der Gliedmaßen entgegen den Gelenken erreicht wird. Typisch ist das Auftreten eines Spaßmachers, der meist derbe Scherze zur Belustigung des Publikums von sich gibt.

Das traditionelle thailĂ€ndische Maskenspiel Khon ist bedeutend Ă€lter als Lakhon und wurde wahrscheinlich von den Khmer oder anderen indisierten Völkern ĂŒbernommen. Hier wird Ramakian dargestellt und wurde in der Ayutthaya-Zeit ausschließlich von MĂ€nnern aufgefĂŒhrt.

Das traditionelle Schattentheater Nang yai wurde möglicherweise aus dem heutigen Indonesien in die thailĂ€ndische Kultur eingefĂŒhrt. Die Akteure des StĂŒckes tanzen mit großen Figuren in den HĂ€nden vor und hinter einer durchscheinenden Leinwand, hinter der ein Feuer brennt oder eine andere Lichtquelle installiert ist. Hierbei wird ein Text rezitiert und gesungen und durch ein Orchester untermalt. Nang yai durfte frĂŒher nur am Königshof aufgefĂŒhrt werden. FĂŒr das jĂŒngere und bis heute populĂ€re, sĂŒdthailĂ€ndische Schattentheater Nang talung, werden kleinere Figuren von durchschnittlich 50 cm Höhe verwendet.

Diese einst in der thailĂ€ndischen Gesellschaft tief verwurzelten Kulturformen sind heute durch das Fernsehen weitgehend verdrĂ€ngt. AuffĂŒhrungen werden zwecks Kulturpflege nur gelegentlich veranstaltet.

Literatur

Die frĂŒhe thailĂ€ndische Literatur wurde sehr von der indischen Kultur geprĂ€gt. Sie war vor allem religiöser oder mythologischer Natur und wurde bis in zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Versform geschrieben. Bis dorthin waren die Angehörigen der Aristokratie die einzigen, die sich mit Literatur beschĂ€ftigten. So gehört Chaofa Thammathibet, Sohn von König Borommakot, zu den bedeutendsten Dichtern in der Geschichte Thailands; seine Ruderlieder und Nirats gehören bis heute zur StandardlektĂŒre in ThailĂ€ndischen Schulen.

Das bedeutendste Werk der thailĂ€ndischen Literatur ist das Epos Ramakian. Dieses Epos basiert auf dem Nationalepos Ramayana und wurde am Ende des 18. Jahrhunderts durch König Phra Phutthayotfa Chulalok (Rama I.) erweitert. Es ist die wichtigste historische Quelle ĂŒber die Sitten am Hofe des mittelalterlichen Thailand. König Phra Phutthaloetla (Rama II.) schuf zwei klassische Dramen auf Basis von Ramakian-Episoden sowie des Inao. Die Werke von Sunthon Phu hingegen bedienen sich einer Sprache, die jener des einfachen Volkes Ă€hnelt.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Versform verworfen und durch Prosa ersetzt. Viele bedeutende Schriftsteller und Autoren brachten in den 1950er Jahren zahlreiche bekannte BĂŒcher heraus. Zu den bekanntesten Vertretern der modernen thailĂ€ndischen Literatur zĂ€hlen Phya Anuman Rajadhon, Dokmaisod, Malai Choopinit, Mai Muang Doem, Chot Praephan, Kulap Saipradit, der ehemalige Premierminister Kukrit Pramoj, Krisna Asokesin, Seni Saowaphong, Suwanee Sukhontha, Suwat Woradilok, Kampoon Boonthavi, Angkarn Kalayanapong und Pira Sudham.

Musik

Die Geschichte der Musik Thailands ist nicht genau zu rekonstruieren. Sie vereint EinflĂŒsse der chinesischen und indischen Musik und ist mit jener der Khmer und Mon verwandt. Bereits die Steininschrift König Ramkhamhaengs berichtet, dass in ganz Sukhothai viel Musik erklang. Auch im Königreich Ayutthaya im 15. Jahrhundert war Musik in der Bevölkerung außerordentlich populĂ€r. Die höfische thailĂ€ndische Musik klingt fĂŒr das westliche Ohr ungewohnt, da die Oktave in sieben gleich große Tonschritte unterteilt wird. Die Melodien sind zudem motivisch aufgebaut, was viele Passagen sich wiederholend erscheinen lĂ€sst. Es gab in Thailand niemals eine Notation, die Musiktradition wurde durch Hören und Nachahmen weitergegeben.

Das bekannteste klassische thailĂ€ndische Orchester ist das Pi Phat, das traditionell fĂŒr die Begleitung von BĂŒhnenstĂŒcken bestimmt ist und in seiner Grundform aus einem Vierfachrohrblattinstrument (pi nai), einem Kreis aus Buckelgongs (gong wong), einem Xylophon (ranat ek), Zimbeln (ching), einer Fasstrommel (taphon) und einer grĂ¶ĂŸeren Fasstrommel (klong that) besteht. Daneben gibt es zahlreiche weitere Orchesterformen, darunter das KhrĂŒang Sai, bestehend aus der BambuslĂ€ngsflöte khlui, Saiteninstrumenten (so duong, so u und chakhe), der Rahmentrommel rammana, der Bechertrommel thon und Handzimbeln (ching). Das Mahori begleitet typischerweise Gesang und hat eine Ă€hnliche Besetzung wie das Khruong Sai.

Nach 1932 wurde thailÀndische Musik vermehrt mit westlichen Instrumenten gespielt. Westliche Musik hat die klassische thailÀndische Musik bis heute weitgehend verdrÀngt. Kommerzielle thailÀndische, asiatische und westliche Popmusik ist allgegenwÀrtig, wÀhrend die traditionelle Musik als Kulturerbe gepflegt und erhalten wird. Hier ist etwa Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn engagiert, wÀhrend der verstorbene König Rama IX. Jazz-Musiker war.

In der Nordostregion lebt das kulturelle Erbe der laotischstÀmmigen Bevölkerung unter anderem in der typischen Mor-Lam-Musik fort. Den typischen Klang produziert die Mundorgel khaen.

Malerei

Mit Malereien wurden die WĂ€nde von Tempeln und PalĂ€sten verziert, um die Schönheit der von ihnen umgebenen Objekte zu betonen. Im Unterschied zur westlichen Malerei kennt die traditionelle thailĂ€ndische Malerei fast keine Perspektive. Alle Figuren wurden zweidimensional dargestellt und ihre GrĂ¶ĂŸe in der Darstellung hing von ihrer Bedeutung fĂŒr das dargestellte Geschehen ab (Bedeutungsperspektive). Motive waren vor allem religiöser Art, wie Szenen aus dem Leben Buddhas. Gemalt wurde mit Temperafarben, wobei anfĂ€nglich Pigmente in fĂŒnf Farben zur VerfĂŒgung standen. Die Wandmalereien in den Tempeln Wat Suthat (Bangkok) oder Wat Suwannaram (Thonburi) sind besonders bedeutend.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann man, Farbpigmente aus China zu importieren, spÀter wurden chemische Pigmente verwendet. Die Malereien wurden nun farbenfroher. Gleichzeitig hielten westliche Konzepte wie Schatten und Perspektive in die thailÀndische Malerei Einzug.

Bedeutende Maler der traditionellen Technik sind Fua Hariphitak, Chalerm Nakiraks, Sanit Ditthaphan oder Tawee Nanthakwang, die auch als NationalkĂŒnstler ausgezeichnet wurden. Zeitgenössische Maler Thailands sind etwa Chakrabhand Posayakrit oder Thawan Duchanee.

Kunsthandwerk

Die Weberei, besonders die Seidenweberei, ist in der Kultur der Bewohner Nordostthailands tief verwurzelt. Sie erlebte einen vorĂŒbergehenden Niedergang, nachdem billigere Seide aus China und Japan importiert wurde. Heute werden SpezialitĂ€ten wie Matmi-Seide (auch: „Mutmee“-Seide, Thai: àžĄàž±àž”àž«àžĄàž”àčˆ) oder Brokat mit eingewebten Gold- und SilberfĂ€den hergestellt, die hohes Können erfordern, hohe Preise erzielen und von den KĂ€ufern fĂŒr spezielle AnlĂ€sse verwendet werden. Seidenstickereien haben bei einigen Bergvölkern, speziell den Yao und Hmong, eine lange Tradition.

Es gibt in Thailand zahlreiche regional verschiedene Stilrichtungen der Töpferkunst. Die Töpferei hatte bereits im 13. Jahrhundert einen Höhepunkt ihrer Entwicklung, als der Herrscher Sukothais 300 Töpfer aus China ins Land holen ließ. In der Folge wurden die Erzeugnisse nach ganz SĂŒdostasien exportiert.

Reich verzierte GegenstÀnde wie Möbel, Schwerter, Becher, Kannen oder religiöse Symbole haben in Thailand eine lange Tradition. Sie können aus Silber gefertigt sein; die bedeutendsten Silberschmieden befinden sich in Chiang Mai. GegenstÀnde aus Niello, Lackschnitzereien oder solche mit Perlmutt-Einlagen werden ebenso hergestellt.

Film

Die thailĂ€ndische Filmgeschichte reicht bis ins Jahr 1897 zurĂŒck, als der Besuch König Chulalongkorns in Bern von François-Henri Lavancy-Clarke gefilmt wurde. Als dieser Film spĂ€ter in Bangkok vorgefĂŒhrt wurde, stieg das Interesse der königlichen Familie Thailands an diesem Medium. Daraufhin wurde die nötige Filmtechnik ins Land gebracht, um weitere auslĂ€ndische Filme zeigen zu können. In den 1920er Jahren wurde die thailĂ€ndische Filmindustrie begrĂŒndet und in den 1930er Jahren erlebte diese ihr erstes „goldenes Zeitalter“. Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sahen ein Wiederaufleben des thailĂ€ndischen Films, in denen hunderte 16-mm-Filme produziert wurden, vor allem Action-Filme. Die Konkurrenz Hollywoods brachte die Filmlandschaft Thailands in den 1980er und 1990er Jahren auf einen Tiefpunkt.

Heutige thailĂ€ndische Filme sind in der Regel kommerzielle Produkte, die nur zu Unterhaltungszwecken dienen. Die Schauspieler werden nach AttraktivitĂ€t fĂŒr das Publikum ausgewĂ€hlt. Anspruchsvollere Produktionen, die eine soziale Botschaft haben, sind selten und haben in der Regel keinen wirtschaftlichen Erfolg. Hierzu zĂ€hlen beispielsweise die Arbeiten von Wichit Khunawut. Weitere populĂ€re Regisseure, die zur neuen Welle gehören, sind Nonzee Nimibutr, Pen-Ek Ratanaruang und Apichatpong Weerasethakul sowie Kampfkunst-Star Tony Jaa.

Thailand ist ein beliebter Drehort fĂŒr auslĂ€ndische Filme, Streifen wie Der Mann mit dem goldenen Colt, The Killing Fields – Schreiendes Land, Die durch die Hölle gehen, The Beach oder Air America wurden an verschiedenen Orten des Landes aufgenommen.

Feste und Feiertage

In Thailand werden sowohl traditionelle thailÀndische, buddhistische wie auch westliche Feiertage begangen. Die thailÀndischen Feiertage richten sich nach dem Mondkalender und fallen somit von Jahr zu Jahr auf ein jeweils anderes Datum. FÀllt ein Feiertag auf einen Samstag oder Sonntag, so ist der erste Wochentag danach arbeitsfrei.

Der bedeutendste Feiertag in Thailand ist das Neujahrsfest Songkran, das zwischen dem 13. und 15. April stattfindet und vor allem fĂŒr den Brauch, sich gegenseitig mit Wasser zu bespritzen, bekannt ist. Loi Krathong fĂ€llt in der Regel in den November, hier werden mit Blumen und Kerzen geschmĂŒckte kleine FlĂ¶ĂŸe in die FlĂŒsse und KanĂ€le gesetzt. Regional werden leuchtende kleine Heißluftballons aus Papier steigen gelassen (siehe Kong-Ming-Laterne). Buddhistische Feiertage sind Visakha Puja, an dem an die Geburt, die Erleuchtung und den Tod Buddhas gedacht wird, Magha Puja, der mit Kerzenprozessionen in den Tempeln gefeiert wird, oder Ok Phansa. Des Weiteren sind die Geburtstage des Königs, der Königin sowie der Jahrestag der Krönung des Königs offizielle Feiertage. FĂŒr die chinesische Minderheit ist das chinesische Neujahrsfest der bedeutendste Feiertag.

Medien

Fernsehen

Das Fernsehen ist fĂŒr die meisten ThailĂ€nder das wichtigste Medium zum Empfang von Nachrichten und anderen wichtigen Informationen. RegelmĂ€ĂŸige Fernsehsendungen gibt es in Thailand seit 1955. 2003 wurde der Bestand von Fernsehern in Thailand auf ĂŒber 15 Millionen geschĂ€tzt. Es gibt sechs landesweite, frei empfangbare Fernsehsender, die von sechs verschiedenen Gesellschaften betrieben werden. Meist stehen dahinter aber die Armee und andere staatliche Organisationen.

Weiterhin können ĂŒber Kabel und Satellit zahlreiche kommerzielle Sender empfangen werden. Nach dem UNDP sind die Nachrichten hĂ€ufig politisch einseitig und die populĂ€ren Fernsehdramen und Seifenopern (Lakhon) verfolgten alte Klischees und zeigten auch Gewalt gegen Frauen.

In Bangkok wird ĂŒber den UHF-Kanal 60, DVB-T (digitales Antennenfernsehen) verbreitet. Ab 2015 wurde das analoge terrestrische Fernsehen in Thailand nach und nach abgeschaltet. Digitale, Satelliten-, Kabel- und Internetfernsehsender sind auf dem Vormarsch. Dennoch hatten die vier „großen“, frei empfangbaren KanĂ€le 3, 5, 7 und 9 im Jahr 2014 noch eine Einschaltquote von insgesamt 70 Prozent.

Landesweite, frei empfangbare Fernsehsender

  • Kanal 3, privat (Lizenz von der teilstaatlichen Medienorganisation MCOT)
  • Thai TV5, betrieben vom thailĂ€ndischen Heer
  • BBTV Channel 7, privat (Lizenz vom Heer)
  • Modernine TV (ehemals Kanal 9), betrieben von der teilstaatlichen Medienorganisation MCOT
  • NBT TV (ehemals Kanal 11), betrieben vom Amt fĂŒr Öffentlichkeitsarbeit der Regierung
  • Thai PBS, betrieben vom staatlichen Thai Public Broadcasting Service

Auslandsfernsehsender

  • Thai Global Network

Radio

Radiosendungen werden in Thailand seit 1928 ausgestrahlt, der staatliche Sender Radio Thailand wurde 1929 gegrĂŒndet. Alle der zahlreichen Radiosender mĂŒssen ein tĂ€gliches 30-minĂŒtiges Nachrichtenprogramm ausstrahlen, das von Radio Thailand produziert wird. Neben landesweiten staatlichen und kommerziellen Radiostationen gibt es zwischen 2000 und 3000 Gemeinderadios.

Zeitungen

Tageszeitungen erscheinen auf Thai, Chinesisch und Englisch; es gibt zwei bedeutende englischsprachige, die Bangkok Post und The Nation, vier chinesischsprachige und 18 thaisprachige Tageszeitungen. Von den thaisprachigen sind Thai Rath, Daily News, Khao Sod und Matichon die einflussreichsten.

Die Medienfreiheit ist erheblich eingeschrĂ€nkt. Die Organisation Freedom House bewertete 2014 sowohl Presse als auch Internet in Thailand als „unfrei“. Das MilitĂ€r versucht hĂ€ufig erfolgreich, speziell nach Staatsstreichen Zensur direkt oder indirekt durchzusetzen. Dies geschieht meistens durch EinschĂŒchterung oder gerichtliches Vorgehen gegen kritische Journalisten. Es herrscht auf Grundlage des „Gesetzes gegen ComputerkriminalitĂ€t“ von 2007 Internetzensur, blockiert werden vor allem pornographische, aber auch politisch nicht akzeptierte Inhalte, etwa (angebliche) Beleidigungen des Königs oder der Monarchie oder Inhalte bezĂŒglich der separatistischen Bestrebungen der Moslems in SĂŒdthailand.

Sport

Der Nationalsport Thailands ist das Thaiboxen, eine Kampfsportart, die in einem Ring Ă€hnlich dem westlichen Boxen ausgeĂŒbt wird und SchlĂ€ge nicht nur mit den FĂ€usten, sondern auch mit Ellenbogen, FĂŒĂŸen und Knien erlaubt. Dieser Tradition folgend, hat Thailand bei den Olympischen Spielen die meisten seiner olympischen Erfolge im Boxen erzielen können. In den letzten Jahren haben thailĂ€ndische Sportler bei den Olympischen Spielen auch in den Sportarten Gewichtheben und Taekwondo Erfolge zu verzeichnen. Bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro hat das Land jeweils zweimal Gold, Silber und Bronze erreicht.

Weitere westliche Sportarten, die in Thailand Zulauf finden, sind Rugby, Tennis und Golf. Der Fußball spielt eine eher untergeordnete Rolle, wenngleich Fußball im Fernsehen, speziell die Premier League, großes Aufsehen erregt. Eine lange Tradition hingegen hat das alljĂ€hrliche Chula-Thammasat-Fußballspiel. Die thailĂ€ndische Fußballnationalmannschaft konnte sich bisher noch nie fĂŒr eine Weltmeisterschaft qualifizieren. GrĂ¶ĂŸter Erfolg war ein dritter Platz bei der Asienmeisterschaft 1972.

Im Jahre 2014 wurde eine neue permanente Motorsport-Rennstrecke Chang International Circuit in Buri Ram in der Region Isan fertiggestellt. Auf dieser gastieren seit 2015 u. a. die FIM-Superbike-Weltmeisterschaft und die FIA-Tourenwagen-Weltmeisterschaft.

Siehe auch

  • ThailĂ€ndische KĂŒche
  • Deutsch-thailĂ€ndische Beziehungen

Literatur

  • David K. Wyatt: Thailand – A Short History. 2. Auflage, Yale University Press, New Haven u. a. 2003, ISBN 0-300-08475-7.
  • Chris Baker und Pasuk Phongpaichit: A History of Thailand. 2. Auflage, Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 0-521-75915-3.
  • Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. C.H.Beck, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-406-60129-3 (Rezension).
  • Barend Jan Terwiel: Thailand’s Political History. From the 13th Century to Recent Times. River Books, Bangkok 2011, ISBN 978-974-9863-96-1.

Weblinks

  • Royal Thai Government (Thai, englisch)
  • Außenministerium von Thailand (Informationen fĂŒr Besucher und Erhalt eines Visums 
) (Thai, englisch)
  • Botschaft von Thailand in Deutschland
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Thailand
  • CIA World Factbook – Thailand Statistische Daten (englisch)
  • Linkkatalog zum Thema Thailand bei curlie.org (ehemals DMOZ)
  • Weltbank – Thailand: Statistische Daten (englisch)
  • Statistisches Amt – Thailand (Thai, englisch)
  • Bank of Thailand – Volkswirtschaftliche Aspekte, Daten, WĂ€hrung (Thai, englisch)
  • Klimatabellen und Klimadiagramme aus Thailand

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (77)

Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Amnat Charoen 16.294 15.471 104.425 105.107  
Ang Thong 14.797 14.44 100.197 100.516  
Buri Ram 15.789 14.132 102.442 103.5  
Chachoengsao 13.974 13.172 100.841 101.996  
Chai Nat 15.422 14.909 99.718 100.309  
Chaiyaphum 16.704 15.214 101.3 102.454  
Chanthaburi 13.336 12.306 101.687 102.507  
Chiang Mai 20.153 17.249 98.083 99.59  
Chiang Rai 20.445 18.998 99.261 100.55  
Chon Buri 13.59 12.598 100.838 101.718  
Chumphon 11.04 9.601 98.635 99.516  
Kalasin 17.1 16.189 103.113 104.245  
Kamphaeng Phet 16.888 15.785 98.988 100.032  
Kanchanaburi 15.675 13.724 98.16 99.891  
Khon Kaen 17.075 15.621 101.751 103.194  
Krabi 8.675 7.467 98.622 99.346  
Lampang 19.508 17.204 99.011 100.131  
Lamphun 18.706 17.483 98.681 99.315  
Loei 18.214 16.759 100.883 102.151  
Lop Buri 15.498 14.656 100.434 101.454  
Mae Hong Son 19.808 17.555 97.351 98.655  
Maha Sarakham 16.643 15.402 102.85 103.526  
Metropolregion Bangkok 13.95 13.489 100.327 100.924  
Mukdahan 16.896 16.191 104.073 104.988  
Nakhon Nayok 14.503 13.955 100.905 101.516  
Nakhon Pathom 14.177 13.657 99.808 100.336  
Nakhon Phanom 18.019 16.749 103.988 104.82  
Nakhon Ratchasima 15.807 14.087 101.187 103.018  
Nakhon Sawan 16.338 15.06 99.079 100.833  
Nakhon Si Thammarat 9.323 7.802 99.241 100.343  
Nan 19.614 18.011 100.348 101.326  
Narathiwat 6.629 5.738 101.382 102.073  
Nong Bua Lam Phu 17.64 16.761 101.946 102.676  
Nong Khai 18.442 17.596 102.058 104.203  
Nonthaburi 14.136 13.795 100.263 100.552  
Pathum Thani 14.261 13.918 100.336 100.914  
Pattani 6.961 6.543 101.038 101.724  
Phangnga 9.473 7.904 97.836 98.713  
Phatthalung 7.904 7.092 99.744 100.379  
Phayao 19.724 18.812 99.687 100.633  
Phetchabun 17.116 15.302 100.63 101.791  
Phetchaburi 13.333 12.545 99.088 100.105  
Phichit 16.594 15.909 99.978 100.77  
Phitsanulok 17.708 16.347 99.887 101.093  
Phra Nakhon Si Ayutthaya 14.686 14.111 100.221 100.823  
Phrae 18.831 17.677 99.311 100.542  
Phuket 8.192 7.768 98.254 98.44  
Prachin Buri 14.461 13.717 101.135 102.053  
Prachuap Khiri Khan 12.636 10.956 99.141 100.02  
Ranong 10.788 9.306 98.385 98.976  
Ratchaburi 13.945 13.143 99.147 100.079  
Rayong 13.151 12.596 100.974 101.83 Rayong  
Roi Et 16.472 15.41 103.297 104.356 Roi Et  
Sa Kaeo 14.186 13.159 101.855 102.914  
Sakon Nakhon 18.064 16.779 103.247 104.444  
Samut Prakan 13.714 13.478 100.46 100.948  
Samut Sakhon 13.73 13.426 100.038 100.412  
Samut Songkhram 13.511 13.238 99.858 100.089  
Saraburi 14.883 14.214 100.574 101.243  
Satun 7.143 6.442 99.159 100.214  
Si Sa Ket 15.565 14.357 103.917 104.918  
Sing Buri 15.168 14.725 100.194 100.493  
Songkhla 7.31 6.298 100.031 101.106  
Songkhla 7.939 7.195 100.13 100.583  
Sukhothai 17.817 16.688 99.27 100.132  
Suphan Buri 15.072 14.062 99.279 100.282  
Surat Thani 9.802 8.314 98.454 100.091  
Surin 15.482 14.341 103.1 104.077  
Tak 17.756 15.221 97.908 99.346  
Trang 7.992 7.056 99.247 100.046  
Trat 12.746 11.563 102.25 102.929  
Ubon Ratchathani 16.096 14.214 104.382 105.651  
Udon Thani 18.088 16.828 102.024 103.657  
Uthai Thani 15.773 14.944 98.98 100.075  
Uttaradit 18.372 17.164 99.897 101.165  
Yala 6.676 5.63 100.821 101.614  
Yasothon 16.345 15.285 104.004 104.813  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Flagge: Thailand

Name englisch: Thailand
Hauptstadt: Bangkok
Kfz: T
ISO: TH
ISO3: THA
Fläche: 514000 km²
Tld: .th
Wärung Einheit: THB
Währung: Baht
Vorwahl: 66

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 20.465143
südlichster Punkt: 5.612851
westlichster Punkt: 97.343396
östlichster Punkt: 105.636812


 
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