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Staat Informationen : Kambodscha

Informationen:


Das Königreich Kambodscha (Khmer: ព្រះរាជាណាចក្រកម្ពុជា, Preăh RĂ©achĂ©anachĂąkr KĂąmpĆ­chĂ©a) ist ein Staat in SĂŒdostasien. Es liegt am Golf von Thailand zwischen Thailand, Laos und Vietnam. Das Landschaftsbild wird durch eine Zentralebene geprĂ€gt, die teilweise von Gebirgen umgeben ist. In ihr liegt im Westen Kambodschas der See Tonle Sap; durch den Osten fließt der Mekong, der zu den lĂ€ngsten FlĂŒssen der Welt gehört. Die Hauptstadt Phnom Penh liegt im SĂŒden des Landes. Der Großteil der Bevölkerung Kambodschas sind buddhistische Khmer.

Kambodscha ist aus dem Reich Kambuja hervorgegangen, das seine BlĂŒte vom 9. bis zum 15. Jahrhundert erlebte. Seine Ruinen in Angkor, Roluos, Banteay Srei und Preah Vihear und die noch Ă€lteren in Sambor Prei Kuk wurden ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. 1863 kam Kambodscha unter französische Vorherrschaft und wurde spĂ€ter Teil Französisch-Indochinas. Nach der UnabhĂ€ngigkeit im Jahr 1953 blieb Kambodscha zunĂ€chst von den militĂ€rischen Konflikten in Indochina verschont und entwickelte sich zwischenzeitlich zum reichsten Land SĂŒdostasiens, wurde aber nach einem MilitĂ€rputsch 1970 in den Zweiten Indochinakrieg hineingezogen. Nach Jahren des BĂŒrgerkriegs errichteten 1975 die Roten Khmer eine Schreckensherrschaft, die im Land nach unterschiedlichen SchĂ€tzungen 1,7 bis weit ĂŒber 2 Millionen Menschenleben forderte. Dies ist bis heute der grĂ¶ĂŸte Massenmord der Geschichte innerhalb eines Volkes („Autogenozid“).

1979 entmachteten vietnamesische Truppen die Roten Khmer und Kambodscha blieb zehn Jahre von Vietnam besetzt, wĂ€hrend die Roten Khmer mit Guerillataktik Widerstand leisteten. Nach 1989 folgten unter der Mitwirkung der Vereinten Nationen ein Friedensabkommen und der Neuaufbau staatlicher Strukturen, die 1993 mit einer neuen Verfassung und der Wiederherstellung der Monarchie endeten. Kambodscha, zu diesem Zeitpunkt nach zwei Jahrzehnten Krieg, Schreckensherrschaft und Besatzung eines der Ă€rmsten LĂ€nder der Welt, konnte seitdem erhebliche Fortschritte im Kampf gegen Armut und Unterentwicklung erzielen und ist heute wieder eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Asiens. Das politische System allerdings verlor in den 2010er Jahren immer mehr demokratische Elemente und ist seit spĂ€testens 2017 wieder eindeutig autoritĂ€r. Es kommt in Kambodscha regelmĂ€ĂŸig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte.

Geographie

Kambodscha liegt auf der Indochinesischen Halbinsel, am Nordostufer des Golfs von Thailand. Die KĂŒste hat eine LĂ€nge von 443 Kilometern. Kambodscha grenzt im Westen und Nordwesten auf 803 Kilometern an Thailand, im Norden an Laos (541 km) sowie östlich und sĂŒdöstlich an Vietnam (1.228 km). Die gesamte FlĂ€che betrĂ€gt 181.040 kmÂČ, davon sind 176.520 kmÂČ LandflĂ€che.

Landschaftsbild

Zwei Drittel Kambodschas werden vom Kambodschanischen Becken eingenommen, das sich 5 bis 30 m ĂŒber dem Meeresspiegel befindet und in dessen westlichem Zentrum der Tonle Sap liegt. In östlicher Richtung schließen sich die Schwemmlandebene und die ersten AuslĂ€ufer des ansonsten in Vietnam liegenden Mekongdeltas an, das das Zentralbecken entwĂ€ssert.

Von drei Seiten schließen sich an das Becken Gebirge und Hochebenen an. SĂŒdwestlich des Tonle Sap finden sich die Kardamom- und die Elefantenberge, auf die eine schmale KĂŒstenebene folgt. An der nördlichen Grenze zu Thailand findet sich das Dongrek-Gebirge. Die hauptsĂ€chlich in Laos und Vietnam verlaufende Annamitische Kordillere reicht mit ihren AuslĂ€ufern bis nach Nordostkambodscha.

GewÀsser und Inseln

In der Mitte des Kambodschanischen Beckens befindet sich der See Tonle Sap, der durch den Tonle-Sap-Fluss mit dem Mekong verbunden ist. WĂ€hrend der Regenzeit von Juli bis Oktober fĂŒhrt der Mekong so viel Hochwasser, dass das Wasser entgegen seiner Fließrichtung den Tonle-Sap-Fluss hinaufgedrĂŒckt wird und den See speist, der dadurch von 2.500 kmÂČ auf bis zu 20.000 kmÂČ anschwillt. Dadurch wird er zum grĂ¶ĂŸten See SĂŒdostasiens. Der Mekong, der grĂ¶ĂŸte Fluss SĂŒdostasiens, durchfließt Kambodscha in Nord-SĂŒd-Richtung auf 500 Kilometern. Dabei ist er meistens ĂŒber 1,6 Kilometer breit. In Kambodscha spaltet sich der Bassac vom Mekong ab.

Weitere FlĂŒsse sind der Sreng und der Sangke (Sangker), die in den westlichen Grenzgebirgen entspringen und auf dem Weg zum Nordende des Tonle Sap zusammenfließen. Der Pursat mĂŒndet am sĂŒdlichen Ufer in den See, der Sen und der Chinit in den Tonle-Sap-Fluss. Vom östlichen Hochland wird der Mekong durch den Kong (Sekong), den San und den Srepok gespeist.

Zu Kambodscha gehören 64 Inseln. Die grĂ¶ĂŸte ist KaĂŽh KƏng nahe der thailĂ€ndischen Grenze, gefolgt von Koh Rong vor der KĂŒste Sihanoukvilles, die unter anderem mit Koh Rong Sanloem ein Archipel bildet. Weitere grĂ¶ĂŸere Inseln sind Koh Thmei an der Grenze zu Vietnam sowie Koh Samit, Koh Tang und Koh Tonsay.

Gebirge

Das Kardamomgebirge verlĂ€uft in ostwestlicher Richtung. Im östlichen Teil befindet sich mit dem Phnom Aural (1813 m) der höchste Berg des Landes. Das zweite sĂŒdliche Gebirge, das Elefantengebirge, schließt im SĂŒdosten des Kardamomgebirges an und verlĂ€uft von dort aus nach SĂŒden bis ans Ufer des Golfs von Thailand. Es erreicht seine höchste Erhebung mit dem Phnom Popok (1079 m).

Das nördliche Massiv Chuǒr Phnom DĂąngrĂȘk setzt sich aus Sandstein zusammen, fĂ€llt nach SĂŒden hin steil ab und wird nicht höher als 756 m. Das östliche Chlong-Plateau (bis 942 m) und ein bis auf 1500 m ansteigender Streifen Bergland im Nordosten bilden die AuslĂ€ufer der Annamitischen Kordillere. Dort leben noch immer kaum bekannte Bergvölker.

Klima

Allgemein herrschen im Monsunklima in Kambodscha gleichmĂ€ĂŸig hohe Temperaturen. Im Dezember sinken sie auf einen Tiefstand von 26 °C und erreichen im April ihr Maximum mit 30 °C. Die NiederschlĂ€ge werden von den Monsunen bestimmt; von Mai bis September/Oktober weht der feuchte SĂŒdwestmonsun und bringt Regen, im restlichen Jahr bringen Nordostwinde trockene Kontinentalluft. Die geringsten NiederschlĂ€ge werden am Tonle Sap mit durchschnittlich 1.000 mm im Jahr gemessen; im ĂŒbrigen Tiefland betragen sie 1.300–2.000 mm jĂ€hrlich. An den WesthĂ€ngen der Gebirge steigen die Regenmengen auf 4.000 mm und mehr an, die Höchstwerte werden im Elefantengebirge mit 5.300 mm erreicht.

Flora und Fauna

Je nach Quelle sind zwischen 30 und 76 % Kambodschas bewaldet. In Höhen ĂŒber 700 m mit feuchtkĂŒhlem Klima wĂ€chst ein immergrĂŒner Bergwald, dessen BĂ€ume bis zu 20 Meter Höhe erreichen. Die Vegetation der niederschlagsreichen WesthĂ€nge der Gebirge ist durch tropischen Regenwald geprĂ€gt, der 40 bis 50 Meter hoch wird. Im Unterholz finden sich niedrigere Pflanzen wie kleinere BĂ€ume, BĂŒsche oder Palmen. Das Tiefland ist, wenn es nicht landwirtschaftlich genutzt wird, durch Monsun- und TrockenwĂ€lder bedeckt, die in der Trockenzeit ihr Laub verlieren. In Regionen, in denen Überschwemmungswald und sumpfige Savannen dominieren, sind die Böden nĂ€hrstoffarm und trocken. An der KĂŒste finden sich MangrovenwĂ€lder. Verbreitet sind auch noch rar gewordene Baumarten wie der Schwarzholzbaum, der Ebenholzbaum und der Rosenholzbaum (Dalbergia cochinchinensis).

Die Fauna Kambodschas ist artenreich, insgesamt leben in Kambodscha 630 geschĂŒtzte Arten. Besonders die nordöstlichen Provinzen sollen noch immer große Wildpopulationen aufweisen. In den bevölkerungsarmen Wald- und Gebirgsgebieten leben beispielsweise Indische Elefanten, Tiger, Leoparden, Flughunde sowie zwei BĂ€renarten. Auch gibt es hier viele Schlangen wie die Königskobra und die hochgiftige Krait. Möglicherweise bereits ausgestorben ist der erst 1937 entdeckte Kouprey, eine Art Wildrind.

Der Tonle Sap ist reich an Wasservögeln und Wassertieren, darunter mehr als 850 Fischarten. Im unteren Abschnitt des Mekong befinden sich die letzten RĂŒckzugsgebiete des Irawadidelfins. Außerdem entdeckte man hier im Mai 2007 erwachsene Tiere sowie Jungtiere und Gelege der bereits ausgestorben geglaubten Cantors Riesen-Weichschildkröte wieder.

Durch einen königlichen Erlass wurden 2005 der Kouprey (Bos sauveli), der Riesenibis (Pseudibis gigantea), die Nördliche Batagur-Schildkröte (Batagur baska), die Riesenbarbe (Catlocarpio siamensis), die Palmyrapalme (Borassus flabellifer), die Rumdrul-Blume (Mitrella mesnyi) und die Bananenart Musa aromatica zu Nationalsymbolen erklÀrt und unter besonderen Schutz gestellt.

Umwelt

Probleme

Das grĂ¶ĂŸte Umweltproblem Kambodschas ist seit den 1980er Jahren der Holzeinschlag. 1995 erließ die Regierung Hun Sen ein neues Umweltgesetz, das als ein erster Schritt zur nachhaltigeren Nutzung von Kambodschas WĂ€ldern und anderen Ressourcen betrachtet wurde; Ende 1996 wurde der Export von ganzen StĂ€mmen verboten. Die Regierung vergab aber weiterhin ausgiebig Konzessionen; auf dem Höhepunkt Ende 1997 waren 35 % des gesamten kambodschanischen Staatsgebietes zur Abholzung freigegeben, was fast dem gesamten Waldgebiet außerhalb der Schutzgebiete entsprach. Laut einem Weltbank-Bericht von 1998 ging die Bewaldung Kambodschas in den Jahren von 1969 bis 1997 von 73 auf 58 % zurĂŒck.

Von den im Jahr 2011 noch vorhandenen Waldgebieten wurden wiederum bis 2022 mehr als 60 % gerodet.

Seit Ende der 1990er Jahre wurden auslĂ€ndische Geldgeber vermehrt auf das Problem aufmerksam und ĂŒbten Druck auf die kambodschanische Regierung aus. Aus diesem Grund wird seit 1999 hĂ€rter gegen illegale HolzfĂ€ller vorgegangen: seit Januar 2002 wurden alle vergebenen Konzessionen fĂŒr den Holzeinschlag eingefroren. Diese Maßnahme wird umgangen, indem einerseits der illegale Holzschlag in geringem Maße weiterging und andererseits Konzessionen fĂŒr Cash-Crop-Plantagen beantragt werden, die ungenutzt bleiben und nur als Vorwand fĂŒr einen Kahlschlag gebraucht werden. Korruption und Selbstbereicherung einflussreicher Beamter oder von Mitgliedern der MilitĂ€rfĂŒhrung sind Teil des Problems. Manche Organisationen agieren auch aus den NachbarlĂ€ndern heraus. Aus den Provinzen Oddar Meanchey, Battambang, Pursat und Koh Kong wird das geschlagene Holz ĂŒber die Grenze nach Thailand geschleust, aus Ratanakiri und Mondulkiri nach Vietnam. Auch kommt es vor, dass Kritiker eingeschĂŒchtert und Forstaufseher ermordet werden.

Folge des extensiven Holzschlages ist Erosion, so bei den MangrovenwĂ€ldern an der KĂŒste, die der Holzkohlegewinnung und Garnelenfarmen zum Opfer fallen. Durch den eingeschwemmten Boden versanden BinnengewĂ€sser. Besonders betroffen ist der Tonle Sap, dessen durchschnittliche Tiefe wĂ€hrend der Trockenzeit bereits von 50 cm 1960 auf 30 cm im Jahr 1993 zurĂŒckgegangen ist, wĂ€hrend sich die jĂ€hrliche Ablagerung in der gleichen Zeit verdoppelt hat. Auch der Mekong transportiert große Mengen an Sediment, das er vor allem bei MonsunregenfĂ€llen aus den entwaldeten Gebieten mitnimmt. Dammprojekte an den chinesischen ZuflĂŒssen des Mekong gefĂ€hrden zudem den Fischreichtum und beeintrĂ€chtigen die erneute Ablagerung von fruchtbarer Erde an den Ufern. Betroffen sind auch jene Einwohner, die ihren Lebensunterhalt aus dem Wald bestreiten, zum Beispiel mit dem Sammeln von Baumharz.

Hielt sich Umweltverschmutzung bis in das 2000er Jahrzehnt in Grenzen, nahm die Fluss- und SeewasserqualitĂ€t, insbesondere bei der Hauptstadt Phnom Penh im Folgejahrzehnt ab. Die Stadt ist ebenfalls von Luftverschmutzung betroffen. Der Tourismus bereitet insofern Probleme, als es eine ungenĂŒgende Entsorgung von PlastikabfĂ€llen sowie Flaschen im ganzen Land gibt.

Ab Mitte des 2000er Jahrzehnts wurden bis zum Jahr 2022 insgesamt 15 von 25 Seen rund um die Hauptstadt Phnom Penh zugeschĂŒttet bzw. trockengelegt; große Teile ehemaliger NassflĂ€chen sind zu BauwĂŒsten geworden. Dadurch fehlen der Stadt natĂŒrliche RĂŒckhaltebecken und Speicher fĂŒr Wassermassen in der Regenzeit. Laut der Naturschutzorganisation Mother Nature sei eine Folge, dass Überschwemmungen dadurch gravierendere Auswirkungen haben.

Naturschutzgebiete

Kambodscha war das erste Land SĂŒdostasiens, in dem ein Naturschutzgebiet eingerichtet wurde. 1925 wurde das Land um die Tempelanlage von Angkor zum Nationalpark erklĂ€rt. 1969 gab es sechs RĂŒckzugsgebiete fĂŒr Wildtiere, vor allem große SĂ€uger. Sie nahmen insgesamt 2,2 Millionen Hektar oder 12 % der LandesflĂ€che ein. Das wĂ€hrend der BĂŒrgerkriegszeit verfallene System wurde 1993 durch ein königliches Dekret erneuert, das zur Schaffung von 23 Schutzgebieten fĂŒhrte, die jetzt mit 3.402.203 Hektar ĂŒber 21 % der GesamtflĂ€che Kambodschas einnehmen. Allerdings befanden sie sich zu großen Teilen in von den Roten Khmer kontrolliertem Gebiet und waren deshalb weder kontrollierbar noch finanzierbar. Seit 1993 kamen noch einige geschĂŒtzte WĂ€lder hinzu, so dass heute 43.000 kmÂČ oder 25 % des Landes unter Schutz stehen. Noch heute, nach dem Ende der Roten Khmer, gibt es in vielen Schutzgebieten Zugangsprobleme. GefĂ€hrdet sind sie durch die Erschließung von SiedlungsrĂ€umen, illegale Abholzung und die Nachfrage nach Tierorganen fĂŒr die traditionelle Medizin. Außerdem fehlen die Ressourcen und teilweise auch der Wille zu einem effektiven Schutz.

StÀdte

Im Jahr 2023 lebten 26 Prozent der Einwohner Kambodschas in StĂ€dten. Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte Kambodschas sind:

Bevölkerung

Demografie

Kambodscha hatte 2022 16,8 Millionen Einwohner. Das jĂ€hrliche Bevölkerungswachstum betrug + 1,1 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein GeburtenĂŒberschuss (Geburtenziffer: 19,0 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 6,8 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 2,3, die der Region Ostasien und Ozeanien betrug 1,5. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 26,5 Jahren. Im Jahr 2023 waren 28,6 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, wĂ€hrend der Anteil der ĂŒber 64-JĂ€hrigen 6,1 Prozent der Bevölkerung betrug.

Bevölkerungsstruktur

Die Bevölkerung Kambodschas lebt zu 70 % in der Zentralebene, die Gebirgsregionen sind nur vereinzelt besiedelt. In den StĂ€dten leben heute nur etwa 25 % der Einwohner, was teilweise auch auf die Politik der Roten Khmer zurĂŒckzufĂŒhren ist, die die StĂ€dte evakuierten. So lebten 1978 nur noch 20.000 Menschen in Phnom Penh, nachdem es 1974 noch 2,5 Millionen gewesen waren.

Die Hauptbevölkerungsgruppe Kambodschas sind die Khmer, die offiziell 85–90 % der Gesamtbevölkerung stellen. Damit ist Kambodscha das ethnisch homogenste Land SĂŒdostasiens. GrĂ¶ĂŸte Minderheiten sind die Vietnamesen (5 %), die Cham (bis 3 %) und die Chinesen (etwa 1 %). Kleinere Minderheiten gibt es von Thais, Laoten sowie einer Reihe von Bergvölkern, die frĂŒher Moi genannt wurden und heute unter dem Namen Khmer Loeu („Hochland-Khmer“) zusammengefasst werden. Die offiziellen von der Regierung veröffentlichten Zahlen ĂŒber den Anteil der Minderheiten an der Bevölkerung werden als etwas zu niedrig eingeschĂ€tzt.

Die Khmer leben seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. in ihren heutigen Siedlungsgebieten; woher sie kamen, ist nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. Vietnamesen leben bereits seit Ende des 17. Jahrhunderts als Reisbauern in Kambodscha, weitere kamen im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert ins Land, da die französischen Kolonialherren Ämter bevorzugt an sie vergaben. WĂ€hrend der vietnamesischen Besatzung nach dem Sturz Pol Pots von 1979 bis 1989 folgte eine zweite Einwanderungswelle. Aus historischen GrĂŒnden gibt es noch immer Konflikte zwischen Vietnamesen und Khmer, die ihre Höhepunkte immer wieder in Pogromen erreichten, zuletzt in den 1990er Jahren; auch in der Politik gelten antivietnamesische Parolen als normal, beispielsweise von Seiten der Sam-Rainsy-Partei oder der FUNCINPEC. Heute leben viele Vietnamesen als Fischer in schwimmenden Dörfern auf dem Tonle Sap.

Chinesen leben seit der frĂŒhen Neuzeit vor allem in den StĂ€dten, wo sie als HĂ€ndler und Handwerker tĂ€tig sind. Bis 1975 kontrollierten sie die Wirtschaft und das Verkehrswesen des Landes, unter der Herrschaft der Roten Khmer aber wurden viele von ihnen, genau wie Angehörige anderer Ethnien, getötet oder sie flohen. Seit Anfang der 1990er Jahre kehren sie langsam wieder zurĂŒck und sind mittlerweile, dank chinesischem Investment aus anderen LĂ€ndern, wieder eine wichtige ökonomische Kraft.

Die muslimischen Cham sind ein malaiisches Volk. Sie leben vor allem an den KĂŒstengebieten und dem Unterlauf des Mekong, seit ihr Reich 1471 von Vietnam zerstört und annektiert wurde und viele von ihnen flohen. Ihr spirituelles Zentrum befindet sich in Chur-Changvra bei Phnom Penh. Die Cham sind traditionell ViehhĂ€ndler, Seidenweber und Schlachter, da letzteres den buddhistischen Khmer traditionell nicht gestattet ist.

Die Bergvölker, die heute unter dem Namen Khmer Loeu (Hochland-Khmer) gefĂŒhrt werden, sind austroasiatisch- und malayo-polynesisch-sprachige Völker (u. a. Bunong, Kuy, Jarai), die in den bergigen Grenzgebieten zu Thailand und auch Vietnam leben. Die 21 StĂ€mme leben traditionell als Halbnomaden, bauen Reis und GemĂŒse an, betreiben Brandrodung, halten KĂŒhe, HĂŒhner und Schweine als Nutztiere und sind animistischen Glaubens. Diese traditionelle Lebensweise wird immer mehr durch Sesshaftigkeit und GebrĂ€uche der Khmer ersetzt. Im Gebiet um Battambang leben kleine Minderheiten der Shan, Thai und Lao. Sie sind Nachfahren von Bergleuten und Juwelieren, die zur Kolonialzeit in den Rubinminen von Pailin angestellt waren.

Bei der letzten VolkszÀhlung 2019 wurden 15.552.211 Einwohner ermittelt. Davon gehörten 455.610 Menschen zu den ethnischen Minderheiten (2008: 389.424 Personen).. Von ihnen waren 275.217 Menschen (61,4 % der ethnischen Minderheiten; 2008: 204.080 Personen) Cham, 36.585 Punorng (auch Bunong genannt, 8,2 %; 2008: 37.507), 36.373 Tumpuon (8,2 %; 2008: 31.013), 26.922 Charai (6 %; 2008: 26.335), 21.453 Kreung (auch Kruong genannt, 4,7 %; 2008: 19.988), 16.762 Kuoy (3,8 %; 2008: 19.988) und 10.086 Prov (2,3 %; 2008: 9.025). Alle anderen Minderheiten zÀhlten unter 10.000 Volksangehörige und zusammen nur 4,4 % der ethnischen Minderheitsbevölkerung.

Mit nur 0,5 % ist der AuslÀnderanteil im Land sehr gering.

Sprachen

Die VolkszÀhlung 2019 ergab eine anwesende Bevölkerung von 15.552.211 Personen. Davon sprachen 14.893.134 (=95,8 %) Khmer, 94.450 (=0,6 %) Chinesisch, 78.090 (=0,5 %) Vietnamesisch, 13.636 (=0,1 %) Laotisch und 6.650 (=0,0 %) Thai als Muttersprache. 17.969 Personen hatten eine andere Muttersprache (=0,1 %)..

Die Amtssprache Kambodschas ist Khmer, eine austroasiatische Sprache, die von 95 % der Einwohner des Landes gesprochen wird. Weitere Sprachen sind Vietnamesisch, Chinesisch, Cham sowie verschiedene andere Minderheitensprachen: Brao, Chong, Jarai, Kaco, Kraol, Kravet, Kr'ung, Lamam, Mnong, Pear, Samre, Sa'och, Somray, Stieng, Suoy und Tampuan.

Französisch war wegen der französischen Kolonialvergangenheit ĂŒber ein Jahrhundert lang die beliebteste Fremdsprache und wurde bis 1975 auch in gebildeten Kreisen gesprochen, heute wird es auch aufgrund des vermehrten Tourismus aus englischsprachigen LĂ€ndern zunehmend durch Englisch abgelöst. Seit 1990, als das Lehren der englischen Sprache wieder legalisiert wurde, hat es dem Französischen an Beliebtheit deutlich den Rang abgelaufen. Zwischen AnhĂ€ngern der beiden Sprachen entwickelten sich dadurch Spannungen, da die Franzosen weiterhin versuchen, ihre Kultur und Sprache in Kambodscha zu verbreiten, sowohl um das kulturelle Erbe zu bewahren, als auch um den Einflussverlust gering zu halten. Diese BemĂŒhungen werden auch von der französischen Regierung finanziell unterstĂŒtzt; obwohl sie einer der grĂ¶ĂŸten auslĂ€ndischen Geldgeber ist, blieb der Erfolg gering: So verbrannten Studenten der Technischen UniversitĂ€t Phnom Penh 1995 aus Protest gegen die Unterrichtssprache ihre französischen LehrbĂŒcher.

Religionen

Offizielle Zahlen der VolkszÀhlung 2019 geben 97,1 % Buddhisten, 2,0 % Muslime und 0,3 % Christen an.. Diese Zahlen beziehen sich auf die De-facto-Bevölkerung ohne die mehr als 1,2 Millionen Auslandkambodschaner.

In Kambodscha sind rund 96,3 % der Bevölkerung AnhĂ€nger des Theravada-Buddhismus, der außer in Kambodscha auch in Thailand, Laos und Myanmar sowie Sri Lanka verbreitet ist. Weitere vertretene Glaubensrichtungen sind der Islam mit etwa 1,9 % (vor allem Sunniten bei den Cham) und das Christentum mit 0,4 bis einem Prozent, wovon die Neuapostolische Kirche die grĂ¶ĂŸte vertretene Konfession ist. Die katholische Kirche Kambodschas ist vor allem bei der Minderheit der Vietnamesen verbreitet. Bei manchen Bergvölkern haben sich auch ethnische Religionen gehalten, die Chinesen sind hauptsĂ€chlich Konfuzianer, Taoisten oder Mahayana-Buddhisten.

Der Theravada-Buddhismus, der ab dem 14. Jahrhundert den Hinduismus und den Mahayana-Buddhismus verdrĂ€ngte, war bis 1975 und wieder ab den spĂ€ten 1980er Jahren Staatsreligion. Heute ist er gesetzlich in der Verfassung verankert. Unter den Roten Khmer wurden etwa 25.000 buddhistische Mönche getötet. Ein Teil der Mönche wurde dazu gezwungen, die Robe abzulegen. Fast alle Wats und Moscheen wurden zerstört. In den 1990er Jahren wurden die meisten GlaubensstĂ€tten wieder aufgebaut – heute gibt es wieder 59.500 Mönche und 3.980 Wats. In Phnom Penh wurde mit saudi-arabischem Geld eine internationale Moschee gebaut.

Bildung

Mindestens seit dem 13. Jahrhundert wurden zumeist Jungen von buddhistischen Mönchen in Wats in Religion, in Grundlagen von Lesen und anderen fĂŒr das Leben im lĂ€ndlichen Kambodscha wichtigen FĂ€higkeiten ausgebildet. Ein erstes Erziehungsgesetz wurde 1917 von den Franzosen erlassen und umfasste primĂ€re und sekundĂ€re Ausbildung in einem an das französische Modell angelehnten System, das allerdings sehr elitĂ€r war und vor allem dazu diente, Beamte fĂŒr Französisch-Indochina auszubilden. Die erste Hochschule öffnete Ende der dreißiger Jahre. Nach der UnabhĂ€ngigkeit wurde ein allgemeines Bildungssystem eingerichtet, das in den 1950er Jahren zunĂ€chst durch höhere technische Schulen und in den 1960er Jahren auch durch die Ermöglichung einer tertiĂ€ren Bildung vervollstĂ€ndigt wurde. Die primĂ€ren, niedrigen sekundĂ€ren und hohen sekundĂ€ren Schulen dauerten hier nach ungefĂ€hrem französischem Vorbild sechs, vier bzw. drei Jahre.

Die Roten Khmer setzten nach ihrer Machtergreifung 1975 das alte Bildungssystem aus, zerstörten Lehrmaterialien systematisch und funktionierten die meisten Schulen zu anderen Zwecken um. Einige Primarschulen blieben offen, fĂŒr Ă€ltere SchĂŒler fanden unregelmĂ€ĂŸig politische und technische Kurse statt. Zwar gab es ein Erziehungsministerium, und einige LehrbĂŒcher wurden herausgegeben, doch alles in allem wirkten sich die Jahre von 1975 bis 1979 verheerend auf die durchschnittliche Bildung in der Bevölkerung aus; auch, da Intellektuelle systematisch verfolgt wurden. Beispielsweise wurden 75 bis 80 % der Erzieher getötet oder flohen. Nach dem Sturz der Roten Khmer 1979 wurden die alten Einrichtungen nach und nach wieder in Betrieb genommen, zunĂ€chst Vor-, Primar und Sekundarschulen, spĂ€ter auch die tertiĂ€re Ausbildung und die Erwachsenenbildung. Der Verlust an LehrkrĂ€ften wurde dadurch kompensiert, dass Menschen mit jeder Art von Bildung als Lehrer eingesetzt wurden. Unterricht fand teilweise im Freien statt. Auch gab es Raten fĂŒr die SchĂŒler, die die obere Sekundarschule und UniversitĂ€ten besuchen durften, wodurch Korruption, BegĂŒnstigung und Vetternwirtschaft entstanden, ein Problem, das heute noch besteht. Mit dem Ende der 1980er Jahre waren die bildungspolitischen Folgen des Regimes der Roten Khmer weitgehend ĂŒberwunden.

Die Lage verbesserte sich ab 1990, als neue Schulen gebaut wurden und der fĂŒr Bildungszwecke verwendete Anteil des Budgets stieg. Heute garantiert die Verfassung jedem Kambodschaner eine kostenlose, mindestens neun Jahre andauernde Schulbildung, „das Ministerium fĂŒr Bildung, Jugend und Sport gibt aber zu, dass es sehr unwahrscheinlich sei, in der nahen Zukunft fĂŒr jedes Kind die Gelegenheit zu schaffen, eine neunjĂ€hrige Ausbildung zu ermöglichen“. Die Ausbildung soll seit 1996 aus einer lediglich regional durchgesetzten Vorschule und sechs Jahren Grundschule sowie drei Jahren unterer Sekundarschule bestehen. Nach der neunten Klasse kann man ĂŒber eine PrĂŒfung die höhere Sekundarschule erreichen, die weitere drei Jahre umfasst und mit einem weiteren Examen abgeschlossen wird, das zum Hochschulstudium berechtigt. Die PrĂŒfungen sowie die knappen, begehrten StudienplĂ€tze fĂŒhren wiederum zur Korruption.

Das Ministerium fĂŒr Bildung, Jugend und Sport ist fĂŒr nationale Richtlinien zustĂ€ndig, auf unterer Ebene ist das Bildungssystem stark dezentralisiert. Es sieht sich vielen Schwierigkeiten gegenĂŒber, darunter einem Mangel an qualifizierten Lehrern und Lehrmaterialien sowie fehlender Arbeitsmoral bzw. fehlendem pĂ€dagogischem Ethos aufgrund niedriger Löhne. Dies kann so weit gehen, dass Lehrer von SchĂŒlern Geld verlangen, damit diese am Unterricht teilnehmen können, oder dass der Unterricht aufgrund von NebenbeschĂ€ftigungen des Lehrers teilweise ausfĂ€llt. Der Schulbesuch in lĂ€ndlichen Gebieten bleibt begrenzt, da von den Kindern erwartet wird, auf den Feldern zu helfen. Daraus resultieren QualitĂ€tsunterschiede zwischen der Bildung in stĂ€dtischen und lĂ€ndlichen Gebieten. Insgesamt bezahlen die Eltern im Vergleich zum Staat sechs Mal so viel fĂŒr die Ausbildung der Kinder, was dazu fĂŒhrt, dass manchmal nicht alle Kinder einer Familie zur Schule gehen können. Dadurch erklĂ€ren sich der Überschuss an mĂ€nnlichen SchĂŒlern, besonders an weiterfĂŒhrenden Schulen, und das allgemein schlechtere Bildungsniveau der Frauen. Auf allen Ebenen existieren zusĂ€tzlich Privatschulen, etwa fĂŒr die Kinder ethnischer Minderheiten oder westlicher AuslĂ€nder. Buddhistische Schulen sollen staatliche Fördergelder erhalten.

Die Alphabetisierungsrate liegt bei 77,2 % (SchÀtzung 2015), wobei MÀnner mit 84,5 % deutlich besser alphabetisiert sind als Frauen mit 70,5 %. Die Bevölkerungsdichte betrÀgt 78 Einwohner pro Quadratkilometer.

2003 grĂŒndete Kim Hourn Kao die University of Cambodia (UC) und danach weitere akademische Einrichtungen.

Gesundheit

Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 7,5 % des Bruttoinlandsprodukts. Das kambodschanische Gesundheitssystem hat auf weiten Strecken mit Ă€hnlichen Problemen zu kĂ€mpfen wie das Bildungssystem. Eine staatliche Krankenversorgung fehlt ebenso wie technische AusrĂŒstung; die niedrigen Löhne in staatlichen KrankenhĂ€usern geben den Angestellten Anlass zur Korruption, zur FĂ€lschung von Statistiken, um mehr Geld und Medikamente zu erhalten, und zum Verkauf von Medizin auf dem Schwarzmarkt. Verbreitet ist dazu das System, viele teure Spritzen zu verabreichen, was durch die Mehrfachverwendung von Nadeln wiederum eine Mitschuld an der Verbreitung von HIV trĂ€gt. Die meistverbreitete Darstellung zur EinfĂŒhrung des HI-Virus besagt, dass dieses durch an der UN-Mission von 1993 teilnehmende Soldaten eingeschleppt wurde. Heute leiden etwa 2,6 % der Bevölkerung an der ImmunschwĂ€che. Nachbehandlungen und Pflege finden kaum in staatlichen KrankenhĂ€usern statt, vielmehr sind die Familien der Kranken fĂŒr die Versorgung mit Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten zustĂ€ndig. In Phnom Penh gibt es auch eine Reihe westlich ausgerichteter Privatkliniken, die einen höheren Standard erreichen; in den ProvinzhauptstĂ€dten werden die Einrichtungen hĂ€ufig von westlichen Entwicklungsgesellschaften wie den Ärzten ohne Grenzen geleitet und betrieben. Kantha Bopha betreibt fĂŒnf SpitĂ€ler, die Kinder kostenlos versorgen. Im Jahr 2019 praktizierten in Kambodscha 2,1 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner.

Die Lebenserwartung der Einwohner Kambodschas ab der Geburt lag 2022 bei 69,9 Jahren (Frauen: 72,6, MĂ€nner: 67,1). Die hĂ€ufigsten Todesursachen sind Kreislauf- und Infektionskrankheiten sowie Krebs. Die Malaria ist ein Problem, da die Erreger in einigen Gebieten an der Grenze zu Thailand fast vollstĂ€ndig resistent gegen Antibiotika sind. Insgesamt kommt ein Arzt auf 3.333 Einwohner, lediglich 50 ĂŒberlebten das Regime der Roten Khmer.

Auf dem Land ist nach wie vor die traditionelle Medizin (thnam boran) populĂ€r. MedizinmĂ€nner und Schamanen sind weit verbreitet und genießen manchmal mehr Vertrauen als die Ärzte. Auch in den StĂ€dten sind noch verschiedene Rituale zur Austreibung böser Geister beliebt, etwa das Schröpfen. Weitere Alternativen zur Schulmedizin sind die traditionelle Medizin der Wats mit KrĂ€utern, Segnungen und Zeremonien sowie die traditionelle chinesische Medizin.

Nachdem das Gesundheitssystem unter den Roten Khmer komplett zusammengebrochen war, konnten in den letzten Jahren deutliche Fortschritte im Kampf gegen Kinder- und MĂŒttersterblichkeit sowie bei der Steigerung der Lebenserwartung gemacht werden. Die Sterblichkeit bei unter 5-jĂ€hrigen betrug 2022 23,7 pro 1000 Lebendgeburten. Ebenfalls zurĂŒckgegangen ist der Anteil der unterernĂ€hrten Bevölkerung (von 31 % im Jahre 1991 auf 14 % im Jahre 2015).

Geschichte

FrĂŒhe Staaten und Khmer-Reich

Der Unterlauf des Mekong war bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. von Khmer, Cham und Funanesen besiedelt. Im 1. Jahrhundert n. Chr. entstanden in Indochina die Reiche Funan und Chenla, wobei letzteres ein Vasallenstaat Funans war. Im 6. Jahrhundert ĂŒbernahm Chenla das hinduistisch geprĂ€gte Funan, und es entstand ein Großreich, das 250 Jahre lang die wichtigste Macht in der Region war und nach Unruhen wieder in zwei Teile zerfiel. Im 9. Jahrhundert entstand ein neues Khmer-Reich, dessen Hauptstadt seit 889 Angkor war und das seinen Machthöhepunkt im 12. Jahrhundert erreichte: Es beherrschte SĂŒdostasien von Malakka bis zum Isthmus von Kra sowie Laos und Teile Vietnams. In diese Zeit fĂ€llt auch die kulturelle BlĂŒte; der damals errichtete Tempelkomplex Angkor Wat steht noch heute. Um 1200 hatte Angkor etwa eine Million Einwohner und war damit wohl die damals grĂ¶ĂŸte Stadt der Welt.

Jayavarman VII. war der erste König, der den hinduistisch orientierten Linga-Kult durch den bereits im 9. Jahrhundert durch das Reich Srivijaya nach Kambodscha gekommenen Buddhismus ersetzte. Dadurch verloren die Könige ihren gottgleichen Status, was zu einer innenpolitischen SchwĂ€chung fĂŒhrte. Im 13. Jahrhundert entstand im Westen das Sukhothai-Reich, das sich zu einem starken regionalen Konkurrenten entwickelte. Dessen Nachfolgereich Ayutthaya eroberte 1353 Angkor. Die Thai-Besatzer zogen sich zwar bald wieder zurĂŒck, doch Kriege mit Cham und Shan verhinderten eine Stabilisierung des Angkor-Reichs. 1431 wurde Angkor erneut erobert, woraufhin die Hauptstadt nach Phnom Penh verlegt wurde. In den Jahrhunderten darauf herrschte stĂ€ndig Krieg mit Thai und Vietnamesen; die einzige Ausnahme war das 16. Jahrhundert, als der Druck von Westen durch ein Erstarken Burmas gemildert wurde und das Khmer-Reich eine SpĂ€tblĂŒte erlebte. Im 17. und 18. Jahrhundert eroberte Vietnam große Teile des Mekongdeltas, wĂ€hrend Thailand die Nordgebiete des Reichs besetzte.

Französische Kolonialherrschaft und Vietnamkrieg

Um eine völlige Übernahme des Reichs durch Thailand und Vietnam zu verhindern, wandte sich Kambodscha an Frankreich, das 1859 das sĂŒdliche Vietnam eingenommen hatte. 1863 wurde das Land unter König Norodom I. zum Protektorat Frankreichs, 1887 ging es gemeinsam mit Vietnam und spĂ€ter auch Laos in der Indochinesischen Union auf. Ab 1884 war Kambodscha praktisch eine Kolonie Frankreichs, wenngleich die Monarchie bestehen blieb. Unter französischer FĂŒhrung wurden Naturkautschukplantagen angelegt und Eisenbahnen gebaut, abgesehen davon unternahm Frankreich kaum Anstrengungen, das Land zu modernisieren. Im Jahre 1884 wurde die Sklaverei abgeschafft, im Jahre 1913 ein Konsultativrat geschaffen, der den König kontrollieren sollte. Gemeindeverwaltungen, die die Gemeinden im Auftrag der Kolonialmacht leiten sollten, wurden gegrĂŒndet. Die an Einheimische zu vergebenden Posten wurden zumeist mit Vietnamesen besetzt. Da die Franzosen aber auch hohe Abgaben verlangten und einen nicht entlohnten Arbeitsdienst einfĂŒhrten, bildeten sich Widerstandsbewegungen wie etwa die Khmer Issarak (Freie Khmer).

WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs musste Frankreich dem Japanischen Kaiserreich erlauben, in Kambodscha Truppen zu stationieren. Der 1941 von den Franzosen eingesetzte König Norodom Sihanouk folgte den panasiatischen Aufrufen Japans, kĂŒndigte am 12. MĂ€rz 1945 noch unter dem Schutz japanischer Truppen einseitig alle VertrĂ€ge mit Frankreich und erklĂ€rte die UnabhĂ€ngigkeit. Dies musste nach der Kapitulation Japans zurĂŒckgenommen werden. Die Khmer Issarak verbĂŒndeten sich mit den vietnamesischen Vietminh und fĂŒhrten gemeinsam mit ihnen einen Guerillakrieg gegen die Franzosen. Kambodscha bekam im Jahre 1947 eine Verfassung und im Jahre 1949 die UnabhĂ€ngigkeit im Rahmen der französischen Union. Im Jahre 1953 erhielt es seine vollstĂ€ndige staatliche SouverĂ€nitĂ€t.

In den ersten Jahren nach der UnabhĂ€ngigkeit regierte Sihanouk das Land als Autokrat. Sowohl die bĂŒrgerliche als auch die kommunistische Opposition wurden unterdrĂŒckt. Wenngleich er im Vietnamkrieg um NeutralitĂ€t bemĂŒht war, tolerierte er die AktivitĂ€ten SĂŒdvietnams und der Vietminh im Osten des Landes. Im Jahre 1970 stĂŒrzten kambodschanische Offiziere unter General Lon Nol mit amerikanischer Hilfe die Regierung und grĂŒndeten die Republik Khmer. Die Regierungszeit von Lon Nol war chaotisch: Sihanouk verbĂŒndete sich mit den Kommunisten und bekĂ€mpfte die Lon-Nol-Regierung im Kambodschanischen BĂŒrgerkrieg. Sihanouk schuf dafĂŒr eine Exilregierung in Peking. Im Laufe der Zeit verlor die Regierung die Kontrolle ĂŒber große Teile des Landes. Am 17. April 1975 eroberten die kommunistischen Truppen, die sich mittlerweile als Rote Khmer bezeichneten, die Hauptstadt Phnom Penh, wĂ€hrend parallel dazu die Việt cộng die sĂŒdvietnamesische Hauptstadt Saigon einnahmen. Neuer Staatschef wurde Khieu Samphan, neuer MinisterprĂ€sident Pol Pot.

Rote Khmer bis Friedensabkommen von Paris

Die Roten Khmer errichteten ein extrem repressives Regime mit dem Ziel, eine egalitĂ€re Gesellschaft nach maoistischem Muster zu schaffen. Es kam zu Zwangsumsiedelungen von der Stadt auf das Land, zu Zwangsarbeit, Kollektivierung und Massentötungen. Gewalt richtete sich gegen Beamte und ReprĂ€sentanten der vorhergegangenen Regierungen, gegen Intellektuelle und Lehrer und Menschen, die man fĂŒr solche hielt, und gegen ethnische Minderheiten. Mehrere politische SĂ€uberungswellen richteten sich auch gegen das Regime selbst. Dies und die starke Misswirtschaft fĂŒhrten zu einem schnellen Zerfall des Regimes. Die Zahlen ĂŒber die Opfer des Regimes der Roten Khmer variieren je nach Quelle und reichen von 740.800 Opfern bis zu 2,2 Millionen Getöteten. Das Rote-Khmer-Tribunal nennt eine Zahl von 1,7 bis 2,2 Mio. Opfern.

Die Gewalt der fremdenfeindlichen Roten Khmer richtete sich insbesondere gegen die ethnischen Vietnamesen in Kambodscha und in zunehmendem Maße gegen den Nachbarstaat Vietnam. Dies fĂŒhrte zum Einmarsch der vietnamesischen Armee im Dezember 1978 und zum Sturz des Regimes der Roten Khmer wenige Wochen spĂ€ter. Damit begann die Herrschaft der sozialistischen Kampucheanischen RevolutionĂ€ren Volkspartei, die sich auf die UnterstĂŒtzung des vietnamesischen MilitĂ€rs und auf sowjetische Wirtschafts- und Finanzhilfe stĂŒtzte. Im Jahre 1985 ĂŒbernahm Hun Sen das Amt des Premierministers. Die Roten Khmer hatten sich nach Nordwestkambodscha zurĂŒckgezogen, von wo aus sie die Regierung der Volkspartei bekĂ€mpften und mit Royalisten und bĂŒrgerlichen Gruppierungen eine Exilregierung namens Koalitionsregierung des Demokratischen Kampuchea bildeten. Diese Exilregierung wurde von der Volksrepublik China, den USA, Thailand und Teilen der ASEAN-Staaten unterstĂŒtzt. Das Ende des Kalten Krieges eröffnete die Möglichkeit zur Lösung dieses Konfliktes. Die Regierung Indonesiens vermittelte GesprĂ€che zwischen den beiden Kriegsparteien, die im Jahre 1991 im Pariser Friedensvertrag und einer politischen Neuordnung mit Hilfe der Vereinten Nationen mĂŒndeten.

Heutiges Kambodscha

Der am 23. Oktober 1991 geschlossene Friedensvertrag sah vor, dass eine Übergangsregierung unter FĂŒhrung der UNO (UNTAC) wĂ€hrend eines Zeitraumes von 18 Monaten einen Waffenstillstand durchsetzen und die Sicherheit garantieren sollte, dass Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung durchgefĂŒhrt und alle Kriegsparteien ihre Truppen demobilisieren wĂŒrden. Auf kambodschanischer Seite wurde ein Oberster Nationalrat gegrĂŒndet, dem alle maßgeblichen Parteien angehörten und der die Direktiven der UNTAC umzusetzen hatte. Die UNTAC konnte die von der Kambodschanischen Volkspartei dominierten Behörden jedoch nur teilweise unter eine neutrale Aufsicht stellen. Bereits 1992 zogen sich die Roten Khmer aus dem Friedensprozess zurĂŒck und es wurde nur ein Viertel der Soldaten demobilisiert. Aus den Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung im Jahre 1993 ging die Volkspartei als Verlierer hervor. Hun Sen kĂŒndigte an, das Ergebnis nicht anzuerkennen und drohte mit Krieg. Einige von der Volkspartei kontrollierte Provinzen erklĂ€rten sich von Kambodscha unabhĂ€ngig. Vor diesem Hintergrund wurde eine Große Koalition der royalistischen FUNCINPEC unter Sihanouks Sohn Norodom Ranariddh mit Hun Sens Volkspartei ausverhandelt. Die verfassungsgebende Versammlung verabschiedete eine Verfassung, die Kambodscha als parlamentarische Monarchie und demokratischen Verfassungsstaat definierte. Norodom Sihanouk wurde König, die UNO-Mission endete.

Die Roten Khmer, die den Vertrag mitunterzeichnet hatten, boykottierten die Wahlen in den von ihnen besetzten Nordprovinzen und ließen sich nicht entwaffnen. Die UN reagierten 1992 mit Wirtschaftssanktionen, die vor allem den Verkauf von Tropenholz und Erdöl betrafen, wobei Ersteres eine wichtige Einnahmequelle der Roten Khmer darstellte. Außerdem wurde die Beschlagnahmung von Auslandsvermögen angedroht. Die Roten Khmer antworteten mit der EntfĂŒhrung von UN-Truppenangehörigen und setzten ihren Guerillakampf fort. Tausende flohen aus Angst vor neuen Massenmorden. Nach einer letzten VerschĂ€rfung der KĂ€mpfe begann die Gruppe ab 1996 auseinanderzubrechen. Ieng Sary, der Statthalter von Pailin, lief zur Regierung ĂŒber. Im selben Jahr wurde Pol Pot durch die Gruppe in einem Schauprozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Durch die sich zurĂŒckziehenden Roten Khmer inzwischen als VerrĂ€ter angesehen, starb er als ihr Gefangener im April 1998 im Hausarrest unter nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rten UmstĂ€nden. Ende 1998 ergaben sich die letzten Einheiten der Roten Khmer im kambodschanisch-thailĂ€ndischen Grenzgebiet.

Ende der 1990er Jahre wuchsen die Spannungen zwischen den beiden MinisterprĂ€sidenten; der Kompromiss, der zur Machtteilung gefunden worden war, erwies sich als zu schwach. Es kam im Jahre 1997 zu offenen kriegerischen Auseinandersetzungen, aus denen Hun Sen als Sieger hervorging. Damit begann die Errichtung eines Regimes, in dem Hun Sens Volkspartei autoritĂ€r regiert und den politischen Wettbewerb so zu ihren Gunsten manipuliert, dass sie die Kontrolle ĂŒber Parlament und KommunalrĂ€te behĂ€lt. Das Regime erkauft sich die Gefolgschaft der Beamtenschaft, des MilitĂ€rs, von Unternehmern und auch von Oppositionspolitikern durch die Vergabe von Posten, die der persönlichen Bereicherung dienen können. Gegen die Zivilgesellschaft, Journalisten und kritische Oppositionspolitiker wird mit Repression vorgegangen, gleichzeitig stellt sich die Volkspartei – vor allem gegenĂŒber Gebern von Entwicklungshilfe – als jene Kraft dar, die als einzige in der Lage ist, Kambodscha wirtschaftlich und sozial voranzubringen und den Frieden sicherzustellen.

Politik

Politisches System

Die am 24. September 1993 in Kraft getretene Verfassung Kambodschas definiert Kambodscha als parlamentarische Wahlmonarchie, in der die Exekutive aus dem König und einem vom MinisterprĂ€sidenten gefĂŒhrten Ministerrat besteht und die Legislative aus einer direkt gewĂ€hlten Nationalversammlung und einem indirekt gewĂ€hlten Senat besteht. Trotz der formellen Gewaltenteilung trĂ€gt das politische System Kambodschas autoritĂ€re Elemente in sich, die zu einer ĂŒbermĂ€ĂŸigen Dominanz des MinisterprĂ€sidenten fĂŒhrt. Die Volkspartei des MinisterprĂ€sidenten schafft es, durch Manipulation des politischen Lebens und durch die GewĂ€hrung von Möglichkeiten zur persönlichen Bereicherung die Kooptation von Beamten, Unternehmern und Oppositionellen ihre Vormachtstellung zu sichern.

Die SpielrĂ€ume fĂŒr Pluralismus schrumpfen deutlich und kontinuierlich, die BĂŒrger haben in die politischen Institutionen ein unterdurchschnittliches Vertrauen, und die FrĂŒchte der wirtschaftlichen Entwicklung kommen nur einem kleinen Kreis von politischen GĂŒnstlingen der Regierungspartei zugute.

Exekutive

König

Das Staatsoberhaupt Kambodschas ist der vom Thronrat gewĂ€hlte König, seit dem 29. Oktober 2004 ist dies König Norodom Sihamoni. Der Thronfolger muss ein Mindestalter von 30 Jahren haben und der königlichen Familie angehören, wĂ€hrend dem Thronrat die PrĂ€sidenten und VizeprĂ€sidenten von Nationalversammlung und Senat, der Premierminister sowie die OberhĂ€upter des Mahayana- und des Theravada-Buddhismus angehören. Der König symbolisiert die Einheit und Ewigkeit der kambodschanischen Nation und hat darĂŒber hinaus nur zeremonielle und reprĂ€sentative Funktionen. Er schlichtet bei Verfassungskonflikten, ernennt die Regierung, hohe Beamte und Botschafter, unterschreibt Gesetze und internationale VertrĂ€ge und ist Vorsitzender des Verteidigungsrates. Er darf jedoch nicht regieren, die Regierung entlassen, er hat keine PrĂŒfungs- oder Auswahlkompetenzen und keinen politischen Ermessensspielraum. Der Einfluss des Königs auf das politische Geschehen ist mithin niedrig, mit sinkender Tendenz. UnabhĂ€ngig ist er nur bei der AusĂŒbung der Macht des Wortes und bei Begnadigungen.

Regierung

Die Königliche Regierung wird vom Ministerrat mit dem MinisterprĂ€sidenten gebildet. Ministerrat und MinisterprĂ€sident werden von der Nationalversammlung bestimmt und vom König ernannt. Der MinisterprĂ€sident spielt in der RegierungsfĂŒhrung die zentrale Rolle, das Gesetz gibt ihm uneingeschrĂ€nkte Organisations- und Leitungsfunktion. Abgesehen davon ist der Regierungsapparat ĂŒberdimensioniert, es wurden zahlreiche Posten mit stark fragmentierten ZustĂ€ndigkeiten geschaffen, um Mitglieder oder Freunde der Regierungspartei mit Posten zu versorgen und um den Machterhalt des MinisterprĂ€sidenten abzusichern.

Legislative

Die Legislative besteht aus zwei Kammern. Die erste ist die Nationalversammlung mit mindestens 120 Abgeordneten. Die Abgeordneten werden fĂŒr eine Legislaturperiode von fĂŒnf Jahren direkt nach VerhĂ€ltniswahlrecht mit geschlossenen Parteilisten gewĂ€hlt. Die Nationalversammlung wĂ€hlt den Premierminister und die Mitglieder des Ministerrates mit absoluter Mehrheit. Ihre Aufgabe ist es, die Regierung zu kontrollieren, sie hat das Recht, dem Premierminister oder anderen Regierungsmitgliedern das Misstrauen auszusprechen. Sie beschließt die Zustimmung zu internationalen VertrĂ€gen und bestĂ€tigt die Ernennung hochrangiger Beamter oder Offiziere.

Der Senat, der höchstens halb so groß ist wie die Nationalversammlung, wird fĂŒr eine Legislaturperiode von sechs Jahren gewĂ€hlt. Zwei der Senatoren werden vom König und zwei weitere von der Nationalversammlung bestimmt; der Rest wird von den GemeinderĂ€ten gewĂ€hlt. Der SenatsprĂ€sident vertritt den König bei dessen Abwesenheit oder Krankheit. Die Rolle des Senates im politischen Leben Kambodschas ist vernachlĂ€ssigbar. Da seine Mitglieder in der Regel von der Regierungspartei, die die Gemeinden beherrscht, gewĂ€hlt werden, ĂŒbt er ĂŒber die Regierung keine parlamentarische Kontrolle aus. Er gilt deshalb als Instrument, mit dem die Regierungspartei Personen mit Posten, Status und Zugang zu geldwerten Vorteilen versorgt.

Gesetze werden mit absoluter Mehrheit in der Nationalversammlung beschlossen (Verfassungsgesetze mit Zweidrittelmehrheit), wobei das Recht zu Gesetzesinitiativen beim Premierminister, den Senatoren oder Abgeordneten liegt. Der Senat hat das Recht, gegen Gesetze Einspruch zu erheben, wird das Gesetz in diesem Fall von der Nationalversammlung erneut beschlossen und vom König unterschrieben, erlangt es GĂŒltigkeit. In der Praxis ĂŒbt nur der Premierminister das Recht zu Gesetzesinitiativen aus. Die Regierung verwehrt der Opposition – sofern im Parlament vertreten – ihre Rechte, indem sie sie nicht in AusschĂŒsse einbindet und ihrer Berichtspflicht gegenĂŒber dem Parlament nicht oder nur eingeschrĂ€nkt nachkommt.

Nach der umstrittenen Parlamentswahl in Kambodscha 2018 stellt die Kambodschanische Volkspartei alle 125 Abgeordneten der Nationalversammlung, nachdem die grĂ¶ĂŸte Oppositionspartei, die Nationale Rettungspartei Kambodschas, aufgelöst worden war.

Parteien

Die ersten kambodschanischen Parteien entstanden in den 1950er Jahren, keine der Parteien hat jedoch die politischen UmwĂ€lzungen der vergangenen Jahrzehnte ĂŒberdauert. Heute ist Kambodscha ein asymmetrisches Zweiparteiensystem, bei der die Hegemonie der Volkspartei strukturell verankert ist. Politischen Mitbewerbern wird keine Chancengleichheit eingerĂ€umt.

Die regierende Kambodschanische Volkspartei ist die mit großem Abstand wichtigste Partei Kambodschas. Sie ging aus dem provietnamesischen FlĂŒgel der marxistischen RevolutionĂ€re Volkspartei der Khmer hervor, die Umbenennung erfolgte 1989. Wenngleich sie sich zur Monarchie und zum Privateigentum bekennt, ist sie bis heute nach leninistischem Muster aufgebaut, bei dem das PolitbĂŒro das eigentliche FĂŒhrungszentrum darstellt. Sie hat die Rolle einer dominierenden Partei, kontrolliert MilitĂ€r, StaatsfunktionĂ€re und staatsnahe Medien. Ihre fĂŒhrenden Mitglieder sind Hun Sen, der seit 1985 Regierungschef war und dank eines Systems aus Patronage und Kooptation zum unbestrittenen FĂŒhrer der Partei geworden ist. Als Regierungspartei hat die Volkspartei den Vorteil, auf staatliche Strukturen zurĂŒckgreifen zu können, wo die parteieigenen Strukturen zu schwach oder nicht vorhanden sind. Dadurch ist sie in den lĂ€ndlichen Regionen besonders stark verankert. Ihr GeneralsekretĂ€r ist Chea Sim. Sie besetzt nach den Wahlen zur Nationalversammlung vom 29. Juli 2018 und den Senatswahlen vom 25. Februar 2018 sĂ€mtliche Sitze in beiden Kammern.

Die Opposition konnte seit 1993 nie solide Strukturen aufbauen und litt unter hĂ€ufigen Abspaltungen. Die FUNCINPEC ging auf die 1980er Jahre zurĂŒck, als sie unter König Sihanouk am Kampf gegen die vietnamesische Besatzung teilnahm. Sie war in den 1990er Jahren in einer Koalition mit Hun Sens Volkspartei und hat seitdem bestĂ€ndig zugunsten der Volkspartei an Macht verloren. Die Sam-Rainsy-Partei war eine Abspaltung der Kambodschanischen Nationalpartei, die sich ihrerseits 1995 von der FUNCINPEC abgespalten hatte. Sie war Mitglied der Liberalen Internationalen und schloss sich im Jahre 2013 mit der Menschenrechtspartei zur Nationalen Rettungspartei Kambodschas zusammen. Die Rettungspartei betrieb eine wenig konstruktive Oppositionspolitik und bediente vor allem anti-vietnamesische Vorbehalte. Die WĂ€hler der Oppositionsparteien befanden sich vor allem im BildungsbĂŒrgertum der Hauptstadt und angrenzenden Provinzen. Mitte November 2017 wurde die Partei vom Obersten Gerichtshof Kambodschas verboten, weil sie ihre AnhĂ€nger nach den letzten Wahlen im Jahr 2013 zu Demonstrationen aufgestachelt habe, um damit den Sturz der Regierung herbeizufĂŒhren.

Die zahlreichen Kleinparteien spielen im politischen Leben Kambodschas keine nennenswerte Rolle.

Wahlen

Die ersten Wahlen in Kambodscha fanden 1946 statt, danach wurden bis 1992 zehn Parlaments- und eine PrĂ€sidentschaftswahl abgehalten. Beim grĂ¶ĂŸten Teil dieser Wahlen gab es aber keinen wirklichen politischen Wettbewerb.

Das aktive und passive Frauenwahlrecht wurde am 25. September 1956 eingefĂŒhrt. Im MĂ€rz 1958 saß erstmals eine Frau im nationalen Parlament. Keine Frau wurde ins Unterhaus gewĂ€hlt, bevor 1976 das Einkammersystem eingefĂŒhrt wurde.

Seit 1993 finden alle fĂŒnf Jahre Wahlen zur Nationalversammlung statt, seit 2003 werden Gemeinderatswahlen durchgefĂŒhrt. Dabei sind alle BĂŒrger ab 18 Jahren aktiv und ab 25 Jahren passiv wahlberechtigt. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung wird nach kantonalem VerhĂ€ltniswahlrecht mit starren Parteilisten gewĂ€hlt. Das Niveau der Gewalt, das die WahlgĂ€nge begleitet, ist seit den 1990er Jahren stark zurĂŒckgegangen.

In der Praxis werden alle WahlgĂ€nge vom Regime manipuliert. Das Wahlrecht bevorzugt Großparteien, indem es eine relativ hohe natĂŒrliche SperrhĂŒrde aufbaut. Vor den Wahlen werden WĂ€hlerlisten verfĂ€lscht, WĂ€hler oder Oppositionelle werden eingeschĂŒchtert und Stimmen gekauft. So konnten an den Parlamentswahlen 2013 1,5 Millionen von 9,6 Millionen Wahlberechtigten aufgrund fehlerhafter WĂ€hlerverzeichnisse ihre Stimme nicht abgeben. FĂŒr die regierende Volkspartei dienen Wahlen somit der Machtkonsolidierung, in deren Zuge sie die Zustimmung zu ihrer Herrschaft ermittelt und Legitimation nach außen darstellt. DarĂŒber hinaus wird potentiellen Oppositionsparteien der Zugang zu Medien verwehrt. Da die Parteienfinanzierung ungeregelt ist, sind die Oppositionsparteien finanziell schwach, wĂ€hrend die Regierungspartei auf Ressourcen des Staates zurĂŒckgreifen kann.

Judikative und Recht

Die wĂ€hrend der französischen Herrschaft eingerichteten GrundzĂŒge eines Justizsystems wurden wĂ€hrend der Herrschaft der Roten Khmer vollstĂ€ndig zerstört; ab 1979 wurde ein formell marxistisch-sozialistisches Rechtssystem aufgebaut, das in großen Teilen des Landes jedoch nie durchgesetzt wurde.

Seit 1991 wird eine Gesetzgebung bestehend aus der Verfassung, einem Strafrecht nach französischem Vorbild, einem bĂŒrgerlichen Recht nach japanischem Vorbild, königlichen Dekreten und Verordnungen des Ministerrates und des MinisterprĂ€sidenten geschaffen. Auf dem Land sind darĂŒber hinaus Gewohnheitsrecht und informelle Mediation weit verbreitet. Das Gerichtswesen kennt drei Stufen, wobei die Kreis- und Provinzgerichte die unterste Instanz darstellen. Die darĂŒberliegende Ebene bildet das Berufungsgericht, das Oberste Gericht ist die höchste Instanz. Ein Verfassungsrat mit neun Mitgliedern ĂŒberprĂŒft die VerfassungskonformitĂ€t aller Gesetze, wĂ€hrend der Oberste Magistrat die FunktionsfĂ€higkeit der Gerichte sicherstellt und die Richter beaufsichtigt.

In der Praxis ist die FunktionsfÀhigkeit der Justiz Kambodschas schwach: Es fehlt an ausgebildetem Personal, die Infrastruktur ist schlecht. Investitionen in eine leistungsfÀhige Justiz werden von der Regierung absichtlich vernachlÀssigt. Die Trennung zwischen Exekutive und Judikative existiert weitgehend nur auf dem Papier, in der RealitÀt sind die meisten Richter Mitglied in der regierenden Kambodschanischen Volkspartei, wodurch die Justiz Teil des Herrschaftssystems ist. Korruption ist integraler Bestandteil nicht nur des politischen Systems, sondern auch des Rechtssystems.

Einen Sonderstatus innerhalb der kambodschanischen Judikative nimmt das Rote-Khmer-Tribunal ein. Aufgrund des Widerstandes der kambodschanischen Regierung gab es nur wenige Anklagen bzw. Verurteilungen. Es ist fraglich, ob dieses Tribunal jemals den Anstoß zur gesellschaftlichen Aufarbeitung der Rote-Khmer-Zeit geben kann.

Landrechte

Bereits seit Jahren berichten internationale Beobachter von systematischen Zwangsvertreibungen und illegaler Landnahme durch staatliche Stellen und private Landentwickler. So berichtete der UN-Sondergesandte Yash Ghai 2008 an den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen

Nach Angaben von LICADHO sind in den von der Organisation beobachteten 13 Provinzen – ungefĂ€hr die HĂ€lfte des Landes – seit 2003 mehr als eine viertel Million Menschen unmittelbar von staatlicher Landnahme und zwangsweisen Vertreibungen betroffen. Allein im Jahr 2008 erhielt Amnesty International Berichte von 27 zwangsweisen Vertreibungen im Land mit etwa 23.000 betroffenen Personen. 2009 fanden insbesondere die Vertreibungen in Phnom Penh rund um den Boeng-Kak-See im Norden der Stadt und am Tonle Sap ein großes mediales Echo.

Auch die deutsche Bundesregierung befasste sich bereits mit der Thematik. Auf eine Kleine Anfrage von Abgeordneten der GrĂŒnen hin gab sie an, die Besorgnis des UN-Sondergesandten Yash Ghai zu teilen und durch eine UnterstĂŒtzung des Aufbaus des Katasterwesens dazu beizutragen, Haushalte mit RechtsansprĂŒchen auf Land wieder in den Besitz von rechtlich abgesicherten Landtiteln zu bringen.

Adoptionswesen

Aufgrund des in der Vergangenheit vergleichsweise stark ausgeprĂ€gten grenzĂŒberschreitenden Adoptionsverkehrs zwischen Kambodscha und westlichen LĂ€ndern hat das kambodschanische Adoptionswesen eine intensive Beobachtung erfahren. Nationale wie internationale Menschenrechtsorganisationen haben hierbei gravierende MissstĂ€nde herausgearbeitet.

So erlaubt zwar das kambodschanische Recht die zwischenstaatliche Adoption allein fĂŒr verwaiste Kinder, doch gelangen hĂ€ufig auch solche Kinder zur zwischenstaatlichen Adoption, die lediglich von ihren Eltern vernachlĂ€ssigt oder aber nur zur nationalen Adoption freigegeben wurden. Mitunter werden Kinder auch aus KrankenhĂ€usern entfĂŒhrt und zur Adoption gegeben. Die Ausstellung inhaltlich falscher Dokumente, die den Waisenstatus der Kinder vortĂ€uschen, ist allgemeine Praxis. Um die Herkunft der Kinder zu verschleiern und somit das Aufdecken von MissstĂ€nden zu erschweren, werden sie zwischen den Provinzen verschoben sowie mit neuen IdentitĂ€ten ausgestattet.

Die Entscheidung, welche Kinder zur internationalen Adoption gelangen und welche Kinder in welchen konkreten FĂ€llen den auslĂ€ndischen Eltern angeboten werden, wird vom kambodschanischen Sozialministerium (MoSAY) getroffen. Dessen Mitarbeiter sitzen zu einem großen Teil in den Aufsichtsgremien der staatlichen WaisenhĂ€user und kontrollieren damit jeden Adoptionsvorgang auf allen beteiligten Ebenen. Schmiergeldzahlungen der Adoptionseltern sind ein in nahezu jedem Adoptionsfall erforderliches Mittel, um das Verfahren einzuleiten, voranzutreiben und abzuschließen.

Aufgrund der MissstĂ€nde haben mittlerweile die USA (seit Dezember 2001), das Vereinigte Königreich (seit Juni 2004), die Niederlande (seit 2003) sowie Australien den Adoptionsverkehr mit Kambodscha suspendiert, sodass eine Anerkennung der kambodschanischen Adoption in diesen LĂ€ndern derzeit nicht möglich ist und damit dort auch keine Rechtswirkungen entfaltet. Die Adoption ihres spĂ€ter in Maddox umbenannten kambodschanischen Sohnes im Jahr 2002 durch Angelina Jolie und ihren damaligen Ehemann Billy Bob Thornton war nur möglich, weil die Papiere zur Einleitung des Anerkennungsverfahrens noch kurz vor der Suspendierung des Adoptionsverkehrs bei der US-Botschaft in Phnom Penh eingereicht worden waren. Deutschland hĂ€lt den Adoptionsverkehr mit Kambodscha derzeit noch aufrecht, sodass deutsche Eltern nach wie vor eine kambodschanische Adoption in Deutschland anerkennen lassen können. Diese richtet sich nach dem Adoptionswirkungsgesetz, wonach die Entscheidung ĂŒber die Anerkennung den Vormundschaftsgerichten obliegt.

Mit Wirkung zum 1. August 2007 ist Kambodscha dem Haager Übereinkommen vom 29. Mai 1993 ĂŒber den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption vom 29. Mai 1993 beigetreten. Nach Art. 23 Abs. 1 dieses Übereinkommens entfalten Adoptionen in einem Vertragsstaat automatische Wirkung in allen anderen Vertragsstaaten, ohne dass es einer zusĂ€tzlichen Anerkennung bedarf. Deutschland, die Niederlande und das Vereinigte Königreich haben einen Vorbehalt gegen das Inkrafttreten fĂŒr Kambodscha geltend gemacht, sodass dieser Automatismus insoweit nicht greift. Die kambodschanischen Behörden nehmen derzeit (September 2018) keine neuen Adoptionsgesuche entgegen, bis die Arbeiten zur Umsetzung des Haager AdoptionsĂŒbereinkommens abgeschlossen sind.

Politische Indizes

Innenpolitik

In der Innenpolitik hat sich die Lage unter Hun Sen seit 1997 stabilisiert. Die KriminalitĂ€t ist zurĂŒckgegangen, es kommen wieder Touristen ins Land, die Inflation ist auf einem Tiefststand, und die auslĂ€ndische Entwicklungshilfe fließt. Jedoch ist die Korruption weiterhin ein großes Problem. Auch auslĂ€ndische Investitionen sind wegen mangelnden Vertrauens in die Regierung zurĂŒckgegangen. Außerdem lĂ€sst sich ein autoritĂ€rer Trend bei Hun Sen feststellen: Durch Edikte setzt er seinen Willen in Gesetze um. Am 7. Juli 2002 wurden auf diese Weise ĂŒber 50 Zeitungen und Magazine verboten.

Schlechte Arbeitsbedingungen in Textilunternehmen, die ihren Sitz in Hongkong und Taiwan haben, fĂŒhren zu politischen Spannungen und Streiks. Hier hat sich Sam Rainsy zum FĂŒrsprecher der Arbeiter erklĂ€rt. Auch politische Gewalt bleibt ein Thema, da Oppositionspolitiker mehrmals Ziel von MordanschlĂ€gen wurden.

Ein großer innenpolitischer Erfolg war das Ende der Roten Khmer, die 1998 endgĂŒltig die Waffen niederlegten. Jetzt stehen Aufarbeitung und BewĂ€ltigung der Vergangenheit an, was aber nicht ganz einfach ist, weil fast jede politische Macht in der Vergangenheit mit den Roten Khmer paktiert hat und bei nĂ€heren Untersuchungen fast das ganze Parlament angeklagt werden mĂŒsste. Auch international könnte es zu Spannungen kommen, da China, Thailand und die USA die Roten Khmer zeitweise unterstĂŒtzt haben. Am 4. Oktober 2004 billigte die Nationalversammlung den Vertrag mit den Vereinten Nationen ĂŒber die Einrichtung eines international gestĂŒtzten Sondergerichts. Außerdem wurde ein Kompromiss ĂŒber Kompetenzen und Zusammensetzung des Rote-Khmer-Tribunals gefunden – kambodschanische Richter stellen im fĂŒnfköpfigen Gericht die Mehrheit, einer der auslĂ€ndischen Richter muss jedoch dem Urteil zustimmen, um der Korruption vorzubeugen. Das Tribunal, dessen Richter im Juli 2006 nach Sicherung der Finanzierung vereidigt wurden, unterliegt der kambodschanischen Strafprozessordnung.

Zwei der Hauptverantwortlichen, Khieu Samphan und Nuon Chea, entschuldigten sich offiziell fĂŒr die Massenmorde in den 1970er Jahren unter Pol Pot und wurden vom König auf Ersuchen von Hun Sen begnadigt. Ta Mok, der letzte Kommandant der Roten Khmer, wurde 1999 festgenommen und verstarb 2006, wĂ€hrend er die Anklage erwartete. Erst 2007 wurden die ersten Beschuldigten vor das Rote-Khmer-Tribunal gestellt. Im Laufe des Jahres wurden verschiedene hochrangige FunktionĂ€re der Roten Khmer verhaftet und angeklagt.

Das frĂŒhere Toul-Sleng-GefĂ€ngnis in Phnom Phenh ist heute eine vor allem von Touristen besuchte GedenkstĂ€tte. Am Rande der Hauptstadt befindet sich außerdem die ehemalige HinrichtungsstĂ€tte Choeung Ek, in der die SchĂ€del von mehreren Tausend Opfern in einem Turm aufgebahrt sind. Das private Documentation Center of Cambodia (DCCAM) sammelt vor allem Dokumente und unterstĂŒtzt die Bildungsarbeit.

Presse- und Meinungsfreiheit

WĂ€hrend der Phase der UNTAC-Verwaltung ab 1993 wurde die GrĂŒndung unabhĂ€ngiger Medien uneingeschrĂ€nkt erlaubt. Die Medienlandschaft Kambodschas wurde in der Folge als eine der freiesten in SĂŒdostasien bezeichnet: Ende der 1990er Jahre waren 80 Presseerzeugnisse, inklusive zahlreicher regierungskritischer Medien, registriert. Um 2008 gab es sieben landesweit empfangbare Fernsehsender und eine große Zahl an Radiostationen. Seit Beginn der Alleinregierung der Kambodschanischen Volkspartei versucht die Regierung, unabhĂ€ngige Berichterstattung und freien Journalismus einzuschrĂ€nken. Sie versucht dies zu erreichen, indem sie die staatlichen Medien kontrolliert und indem sie sicherstellt, dass privatwirtschaftliche Medienunternehmen in den Besitz von regierungsnahen Unternehmern kommen. Der einzige staatliche Fernsehsender des Landes namens Television of Kampuchea wird von der Armee betrieben, alle anderen Sender gehören Familienmitgliedern oder GeschĂ€ftsfreunden von Hun Sen.

Artikel 41 der Verfassung Kambodschas garantiert die Meinungs-, Presse-, Veröffentlichungs- und Versammlungsfreiheit. Das Pressegesetz bestĂ€tigt diese Freiheiten und verbietet explizit jede Zensur. In der Praxis gelten gesetzliche Bestimmungen wie die Strafbarkeit von Informationen, die die StabilitĂ€t des Landes beeintrĂ€chtigen können, die Strafbarkeit von Beamtenbeleidigung oder Verbreitung falscher Informationen. Aber auch EinschĂŒchterungen, gewaltsame Übergriffe bis hin zu Mord oder Verschwindenlassen fĂŒhren zu Selbstzensur bei den Journalisten und Medien. Von 1993 bis 2009 wurden – je nach ZĂ€hlweise – zehn Journalisten als Folge von staatlich veranlassten Maßnahmen gegen unliebsame Berichterstattungen getötet und in keinem dieser FĂ€lle wurden die TĂ€ter zur Verantwortung gezogen. DarĂŒber hinaus gibt es in Kambodscha keine wirtschaftliche Grundlage fĂŒr das Gedeihen von Journalismus, so dass die politische Einflussnahme auf Journalisten und Medien allgegenwĂ€rtig ist.

Menschenrechtslage

Eine in jĂŒngster Zeit massiv auftretende Form der Einflussnahme auf die politische Opposition sowie kritische Personen und Organisationen stellen von der kambodschanischen Regierung initiierte gerichtliche Klagen und andere rechtliche Schritte dar. Insbesondere seit Mitte 2009 sehen nationale wie internationale Nichtregierungsorganisationen, zahlreiche internationale Medien sowie der Menschenrechtskommissar der Vereinten Nationen darin den seit einigen Jahren festzustellenden RĂŒckgang in der demokratischen Kultur des Landes bestĂ€tigt. Die Verfahren seien ein konzertierter Angriff auf das Pressewesen und die Meinungsfreiheit, auf die UnabhĂ€ngigkeit der Gerichte und der Anwaltschaft, auf die politische Opposition sowie auf die Arbeit der Nichtregierungsorganisationen. Der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen ĂŒber die UnabhĂ€ngigkeit von Richtern und AnwĂ€lten Leandro Despouy Ă€ußerte sich besorgt ĂŒber die BeschrĂ€nkung der freien MandatsausĂŒbung von AnwĂ€lten in Kambodscha und ermahnte die Regierung, die United Nations Basic Principles on the Role of Lawyers zu beachten.

Unmittelbarer Auslöser fĂŒr die Kritik war ein Gerichtsverfahren gegen Mu Sochua, Abgeordnete der kambodschanischen Nationalversammlung, die den Premierminister Hun Sen verklagt hatte und deswegen ihrerseits verklagt wurde. AnlĂ€sslich dieses Verfahrens wandten sich in zwei schriftlichen Anfragen Abgeordnete der Fraktion Allianz der Liberalen und Demokraten fĂŒr Europa im EuropĂ€ischen Parlament an den Rat der EuropĂ€ischen Union und die EuropĂ€ische Kommission mit der Bitte, diese mögen sich gegenĂŒber der kambodschanischen Regierung öffentlich zu den Verfahren positionieren mit dem Ziel, die Klagen fallen zu lassen.

Angesichts der jĂŒngsten Entwicklungen schĂ€tzt das Kambodschanische Zentrum fĂŒr Menschenrechte die demokratische Situation mit den Worten ein: Die kambodschanische Demokratie befindet sich im AbwĂ€rtsstrudel.

Außenpolitik

Die Verfassung Kambodschas definiert das Land als neutral und blockfrei und tritt damit in die Tradition der Außenpolitik der ersten Jahre nach der UnabhĂ€ngigkeit ein. Nach dem Putsch Lon Nols von 1970 richtete sich das Land zunĂ€chst auf die USA und das kapitalistische SĂŒdvietnam aus. WĂ€hrend der Herrschaft der Roten Khmer war das Land stark isolationistisch, und bilaterale außenpolitische Beziehungen bestanden nur mit der Volksrepublik China. Nach der Offensive Vietnams zur Beendigung des Terror-Regimes der Roten Khmer orientierte man sich in den 1980er Jahren an Vietnam und damit an der Sowjetunion und den Volksrepubliken Osteuropas. Da die Regierung inzwischen auch wieder durch die Vereinten Nationen anerkannt wird, bestehen mittlerweile auch wieder bessere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, Europa und den ĂŒbrigen ASEAN-LĂ€ndern. Da ein nicht zu vernachlĂ€ssigender Teil der Staatsausgaben durch Entwicklungshilfegelder bestritten wird, muss die Regierung unter Hun Sen innenpolitische Entscheidungen gegen die Wahrnehmung nach außen abwĂ€gen. In den letzten Jahren hat sich allerdings die Volksrepublik China zum Hauptgeldgeber entwickelt, so dass man auf Kritik von einzelnen LĂ€ndern oder Organisationen wie Weltbank und IMF nicht mehr so sehr achten muss.

Kambodscha ist Mitglied in einer Reihe von internationalen Organisationen, darunter ASEAN, die ErnĂ€hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, der Internationale WĂ€hrungsfonds, die Interpol, das Internationale Olympische Komitee, die Bewegung der Blockfreien Staaten, seit 1955 die Vereinten Nationen, die UNESCO, die Weltgesundheitsorganisation und die Welthandelsorganisation. Im Mai 1999 wurde auch der ASEAN-Beitritt realisiert, auf den lange hingearbeitet wurde und der durch den Putsch Hun Sens von 1997 zunĂ€chst in weite Ferne gerĂŒckt war. Dank der FĂŒrsprache Vietnams gelang schließlich der Beitritt. Damit hat Kambodscha seinen festen Platz in der Gemeinschaft der Staaten der Region gefunden und seine politische Isolation beendet. Auch die dadurch entstehende Möglichkeit, sich an Treffen und Initiativen zu regionalen Themen zu beteiligen, wird beispielsweise durch Ausrichtung von Konferenzen eingehend genutzt.

Außenpolitische Probleme entstehen durch Korruption in Verbindung mit dem Drogenhandel, die sich angeblich bis in Regierungs-, Polizei- und MilitĂ€rkreise zieht. Zudem ist Kambodscha wegen seiner bargeldbasierten Wirtschaft und seiner durchlĂ€ssigen Grenzen anfĂ€llig fĂŒr GeldwĂ€sche.

Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten, die von historischen Spannungen belastet sind, verbessern sich allmĂ€hlich. Nach einem Besuch von FunktionĂ€ren der Kommunistischen Partei Vietnams im Juli 1999 beschloss man, die Grenzstreitigkeiten um Gebiete im Mekongdelta und um Inseln vor der KĂŒste, die unter Norodom Ranariddh als Premierminister noch fĂŒr kleinere militĂ€rische Auseinandersetzungen gesorgt hatten, ein fĂŒr alle Mal beizulegen. Auch mit Thailand gibt es Grenzstreitigkeiten, zu deren Lösung eine 1997 gegrĂŒndete bilaterale Grenzkommission 2000 die Arbeit aufnahm. Zu Problemen fĂŒhren Abschnitte, in denen Grenzmarkierungen fehlen. Auch hat Kambodscha thailĂ€ndischen Soldaten vorgeworfen, sie hĂ€tten im Nordgebiet Grenzsteine zugunsten Thailands verrĂŒckt. Anfang 2003 kam es zu einer schweren Krise, als am 29. Januar die thailĂ€ndische Botschaft niedergebrannt und GeschĂ€fte von ThailĂ€ndern verwĂŒstet wurden. Anlass dafĂŒr war die angebliche Äußerung einer thailĂ€ndischen Fernsehschauspielerin, die Tempel von Angkor Wat seien Thailand gestohlen worden beziehungsweise Angkor Wat gehöre zu Thailand. Der thailĂ€ndische Premierminister Thaksin Shinawatra beschuldigte seinen Kollegen Hun Sen, zu langsam auf die Ausschreitungen reagiert und diese noch verbal weiter angeheizt zu haben. In der Folge wurden thailĂ€ndische StaatsbĂŒrger mit MilitĂ€rflugzeugen ausgeflogen. Trotz der Verhandlungen um die Landesgrenze gibt es bis heute immer wieder ScharmĂŒtzel zwischen den StreitkrĂ€ften beider LĂ€nder.

Bei der DrogenbekĂ€mpfung, kambodschanischen WirtschaftsflĂŒchtlingen und der RĂŒckfĂŒhrung gestohlener Kunstwerke aus kambodschanischen Tempeln arbeiten Thailand und Kambodscha zusammen. Sehr freundschaftliche Beziehungen bestehen mit der Volksrepublik China, die zwar die Roten Khmer bis 1992 unterstĂŒtzt hat, heute aber neben Hilfsgeldern und medizinischer UnterstĂŒtzung auch Feuerwerke fĂŒr Festlichkeiten bereitstellt.

MilitÀr und Sicherheit

Kambodscha unterhĂ€lt einen der grĂ¶ĂŸten Sicherheitsapparate SĂŒdostasiens. Er dient nicht nur der Verteidigung gegen Angriffe von außen, sondern bindet potenziell gewalttĂ€tige Gruppen ein und unterdrĂŒckt Gruppen, die politisch in Opposition zu den regierenden Eliten stehen.

Die Königlichen StreitkrĂ€fte Kambodschas unterstehen laut Verfassung dem König, der den Vorsitz im Obersten Rat fĂŒr Verteidigung innehat. Bei den TeilstreitkrĂ€ften Heer, Marine und LuftstreitkrĂ€fte standen 2020 insgesamt etwa 110.000 Soldaten unter Waffen. Mit der politischen Notwendigkeit, Gruppen, die potentiell Gewalt gegen die Regierung einsetzen könnten, in die StreitkrĂ€fte einzubinden, wurde das Offizierskorps aufgeblĂ€ht. Im Jahre 2014 gab es etwa 2200 GenerĂ€le. Viele Armeeoffiziere verdienen mit privaten Sicherheitsfirmen oder kriminellen GeschĂ€ften Geld und kooperieren im Gegenzug fĂŒr diese Einnahmequellen mit dem Regime. Seit 2006 besteht eine allgemeine Wehrpflicht von 18 Monaten fĂŒr MĂ€nner von 18 bis 30 Jahren. Die Leibwache des Premierministers steht außerhalb der regulĂ€ren StreitkrĂ€fte und ist als Gegengewicht zu diesen konzipiert. Sie umfasst zwischen 4000 und 15.000 Mann, die mit schwerem GerĂ€t ausgerĂŒstet sind. Sie kommt nicht zuletzt bei der Überwachung und EindĂ€mmung von Protesten und Demonstrationen zum Einsatz und wird fĂŒr zahlreiche Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht. Die Pagoda Boys sind eine SchlĂ€gertruppe, die dem Premierminister loyal sind und zur EinschĂŒchterung missliebiger Personen herangezogen werden.

Die Nationale Polizei untersteht dem Innenministerium, umfasst etwa 60.000 Mann und wird von einem Polizeigeneral gefĂŒhrt. Die MilitĂ€rpolizei ist hingegen Teil der StreitkrĂ€fte, ĂŒbernimmt jedoch auch zivile Funktionen. Die Gendarmerie mit etwa 7000 Mann dient vor allem der Regimesicherung, indem sie AufstĂ€nde und Terrorismus bekĂ€mpft, Anordnungen der Gerichte durchsetzt und die Strafverfolgungsbehörden unterstĂŒtzt. Sie untersteht dem Generalstab der Armee und dem Verteidigungsministerium, berichtet jedoch direkt an den Premierminister.

Art. 53 der Verfassung schreibt dem Land eine dauernde NeutralitĂ€t vor und verbietet den Beitritt zu militĂ€rischen BĂŒndnissen, soweit dies der NeutralitĂ€t widersprĂ€che. Auch dĂŒrfen die StreitkrĂ€fte keine StĂŒtzpunkte im Ausland unterhalten. Eine Ausnahme hierfĂŒr besteht lediglich fĂŒr die Teilnahme Kambodschas an Operationen der Vereinten Nationen. Von dieser Möglichkeit wurde in der Vergangenheit wiederholt Gebrauch gemacht. So engagierte sich Kambodscha von 2006 bis 2011 mit Spezialisten zur MinenrĂ€umung an der UNMIS; hierfĂŒr wurden mehr als 400 Soldaten in den Sudan entsandt.

Verwaltungsgliederung

Kambodscha ist in 21 Provinzen (Khaet), drei provinzfreie StÀdte und das Sonderverwaltungsgebiet Phnom Penh unterteilt. Die Provinzen setzen sich weiterhin aus Bezirken/Distrikten (Srok) und Kommunen/Gemeinden (Khum) und Dörfern (phum), die StÀdte aus Stadtbezirken (Khan) und Stadtteilen (Sangkat) zusammen. Per 2015 gab es 1633 Gemeinden bzw. Stadtviertel und 197 Bezirke.

Die Gouverneure der Provinzen und provinzfreien StĂ€dte und die Distriktchefs werden von der Regierung in Phnom Penh ernannt, deren Verwaltungen unterstehen dem Innenministerium. Die ZustĂ€ndigkeiten zwischen Zentralregierung und nachgeordneten Verwaltungseinheiten sind stark fragmentiert, darĂŒber hinaus werden die Gouverneure und Distriktchefs hĂ€ufig ausgetauscht. Dies ist politisch gewollt, um das Entstehen von lokalen Machtbasen zu vermeiden. Bei den Gouverneurs- und Distriktchef-Posten handelt es sich deshalb tendenziell um Versorgungsposten.

Von Entwicklungshilfegebern wird eine Dezentralisierung des stark auf die Zentralregierung zugeschnittenen Staatswesens in Kambodscha verlangt und vorangetrieben. Im Land selbst gibt es hierfĂŒr jedoch keinen gesellschaftlichen Konsens.

Wirtschaft

Entwicklung und Daten

Kambodscha wies vor dem BĂŒrgerkrieg den höchsten Lebensstandard SĂŒdostasien auf und trug den Beinamen „Schweiz SĂŒdostasiens“, jedoch sorgten BĂŒrgerkrieg, das Terrorregime der Roten Khmer und die vietnamesische Besatzung fĂŒr einen drastischen Abstieg. Wirtschaftliche Hilfe kam nur aus den LĂ€ndern des Ostblocks und versiegte nach dem Zerfall der Sowjetunion fast völlig. ZusĂ€tzlich traf das bis 1994 geltende westliche Wirtschaftsembargo gegen Vietnam auch Kambodscha. Das Land zĂ€hlte zu den am wenigsten entwickelten LĂ€ndern. Nach dem Abzug der Vietnamesen 1989 und der EinfĂŒhrung der Marktwirtschaft 1993 begann ein Wirtschaftsaufschwung, der mit der Versorgung der 22.000 Angehörigen der UN-Mission begann und sich durch Wachstumsraten von 5,6 % pro Jahr zwischen 1995 und 1997 manifestierte. Der Staatsstreich von 1997 war ein Einschnitt, der ein Wirtschaftswachstum in diesem Jahr vollstĂ€ndig verhinderte. Die Zuwachsraten erholten sich jedoch rasch wieder und erreichten durch Entwicklungshilfe und ein Freihandelsabkommen mit den USA zwischen 1999 und 2002 durchschnittlich 6,8 % und zwischen 2005 und 2007 den zweistelligen Bereich. Kambodscha zĂ€hlt damit zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt, bleibt aber eines der Ă€rmsten LĂ€nder Asiens.

2022 lag das BIP bei 76 Milliarden USD, wovon 25,3 % auf die Landwirtschaft, 32,8 % auf die Industrie und 41,9 % auf das Dienstleistungsgewerbe entfielen.

2013 arbeiteten 48,7 % der Kambodschaner in der Landwirtschaft, 19,9 % in der Industrie und 31,5 % im Dienstleistungsgewerbe. Die Arbeitslosigkeit betrug 2016 nach offiziellen Zahlen nur 0,3 %, allerdings gilt UnterbeschĂ€ftigung als hĂ€ufig. Die Inflationsrate konnte von 34 % vor den Wahlen von 1993 auf 4–5 % Mitte 1996 gedrĂŒckt werden und blieb bis 2006 stabil. Seit 2007 steigt sie allerdings verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig steil an und erreichte im August 2008 einen Hochpunkt von 38 % (22 % laut offiziellen Zahlen), bevor sie im Oktober wieder zurĂŒckging. 2007 wurden GĂŒter im Wert von 4,089 Milliarden USD exportiert, hauptsĂ€chlich Bekleidung, Holz, Gummi, Reis, Fisch, Tabak und Fußbekleidung. Die wichtigsten Exportpartner sind die USA (58,1 %), Deutschland (7,3 %), das Vereinigte Königreich (5,2 %) und Vietnam (4,5 %). Importiert wurden Waren fĂŒr 5,424 Milliarden USD, vor allem Petroleumprodukte, Zigaretten, Gold, Baumaterialien, Maschinen, motorisierte Fahrzeuge und pharmazeutische Produkte. Die wichtigsten HerkunftslĂ€nder sind Thailand (23,1 %), Vietnam (16,9 %), China (15 %), Hongkong (10,4 %), Singapur (7,5 %), Taiwan (7,2 %) und SĂŒdkorea (4,8 %).

Seit Juli 2011 verfĂŒgt Kambodscha mit der Cambodia Securities Exchange ĂŒber eine Wertpapierbörse. Vor ihrer GrĂŒndung war bezweifelt worden, dass die Grundvoraussetzungen fĂŒr einen Wertpapierhandel rechtzeitig geschaffen werden können. So fehlte es bislang an einer hinreichenden Zahl entsprechend qualifizierter KrĂ€fte, an technischen Voraussetzungen und an der GewĂ€hrleistung effektiver Kontrollmechanismen durch eine Börsenaufsicht und Gerichte. Mit Hilfe der Korea Exchange aus SĂŒdkorea, die im MĂ€rz 2009 als Kooperationspartner gewonnen wurde, konnten diese Hindernisse bewĂ€ltigt werden. Im April 2012 nahm die Börse den Handel auf.

Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegte Kambodscha Platz 94 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018). Der Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit 2024 des Landes war der 106 höchste von 176 LĂ€ndern.

Wirtschaftliche StÀrken und SchwÀchen

AuslĂ€ndische Investitionen fließen hauptsĂ€chlich ins Dienstleistungsgewerbe, den Bekleidungssektor, Besitzspekulationen und in zahlreiche Hoteleröffnungen in und um Phnom Penh, Sihanoukville und Siem Reap. Der Wirtschaftszweig mit den höchsten Wachstumszahlen ist das Textilgewerbe, das auch bei den Exporten einen Anteil von ĂŒber 70 % hat. Mehr als 350.000 Menschen arbeiten hier, die schlechten Arbeitsbedingungen sorgen allerdings fĂŒr sozialen Sprengstoff. Nahezu der komplette Sektor untersteht auslĂ€ndischen Firmen. Große Bedeutung hat der Reisanbau und -export. Seit 1999 ist Kambodscha hier Selbstversorger; die ökologisch-geografischen Gegebenheiten im zentralen Tiefland machen drei Ernten pro Jahr möglich. In den UrwĂ€ldern gibt es Hartholzvorkommen, die von Investoren genutzt werden. Dies kann zu Umweltproblemen fĂŒhren. Vor der KĂŒste vergibt Kambodscha Konzessionen zur Erdölförderung. Im Norden verfĂŒgt das Land ĂŒber bisher wenig erforschte Vorkommen verschiedener BodenschĂ€tze wie Gold, Kohle, Edelsteine (vor allem Saphire), Bauxit, Eisen und Phosphate, deren Abbau sich möglicherweise lohnt. Die Kautschukproduktion, die unter den Franzosen noch von primĂ€rer Bedeutung war, ist heute weniger wichtig, trĂ€gt aber immer noch zum Export bei. Weitere bedeutende Agrarprodukte sind Mais, Maniok, Bananen, Tabak, Sojabohnen, Mangos, CashewnĂŒsse, Tapioka und Ananas. Die Baubranche und ihre Zulieferer erlebten einen Aufschwung, genau wie handwerkliche Bereiche, unter anderem die Souvenirherstellung. Zudem profitiert Kambodscha vom Wirtschaftswachstum der Nachbarn Thailand und Vietnam.

Ein weiteres Zugpferd der Industrie ist der Tourismus, der Wachstumsraten von um die 50 % verzeichnet. Vor allem die alte Khmerkultur mit Angkor Wat als AushĂ€ngeschild und ihrem traditionellen Tanz lockt die Touristen ins Land. Nach der Öffnung 1992 kamen Mitte der 1990er Jahre etwa 200.000 Touristen pro Jahr nach Kambodscha. 1997 ging diese Zahl wegen eines Granatenanschlages auf eine politische Veranstaltung in Phnom Penh und der innenpolitischen InstabilitĂ€t stark zurĂŒck. Dazu kam die Wirtschaftskrise in Asien. 1998 kamen bereits wieder 150.000 AuslĂ€nder. Mit Öffnung der thailĂ€ndischen Grenze und der Aufnahme von internationalen FlĂŒgen nach Siem Reap kamen 1999 schon 300.000 Touristen, 2007 zwei Millionen. Die Touristen stammen meist aus den USA oder aus Frankreich sowie aus ostasiatischen Staaten wie China, Japan und Taiwan.

Negativ wirken sich auf die Wirtschaft Umweltkatastrophen wie die Überflutungen 2000/2001 oder die DĂŒrren 2004 und 2005 aus. Die Steuereintreibung, gerade bei Reichen, gestaltet sich immer wieder als schwierig, was zu Einnahmeverlusten fĂŒr den Staat fĂŒhrt. Gleiches bewirkt die Korruption. Weitere Hemmnisse fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung sind Landbesitzrechtstreitigkeiten sowie die AbhĂ€ngigkeit von Wirtschaftshilfe und Investitionen aus dem Ausland. Das Vertrauen der Investoren, die vor allem aus Malaysia, Taiwan, Singapur und Thailand kommen, geht momentan eher zurĂŒck. Die Regierung will zwar Großunternehmen mit arbeitsintensiven Prozessen anlocken, etwa durch den Beschluss der Nationalversammlung von 1994, dass auslĂ€ndische Unternehmen acht Jahre lang keine Steuern bezahlen mussten und hundertprozentig in auslĂ€ndischer Hand sein durften, doch Korruption, unsichere Gesetzeslage, BĂŒrokratie und innenpolitische InstabilitĂ€t wirken abschreckend. Trotzdem machten auslĂ€ndische Investitionen 2007 immer noch 19,2 % des BIP aus. In den nĂ€chsten zehn Jahren sieht sich Kambodscha vor der Aufgabe, genĂŒgend ArbeitsplĂ€tze im Dienstleistungssektor zu schaffen, um dem demografischen Ungleichgewicht Rechnung zu tragen. Über 50 % der Bevölkerung sind unter 21 Jahren alt. Auf dem Land fehlt es an einer ausreichenden Infrastruktur. Zudem ist die dortige Bevölkerung unzureichend ausgebildet, und es fehlt ihr an den nötigen ProduktionsfĂ€higkeiten.

Korruption

Korruption prĂ€gt das Land wie kaum ein anderes und durchdringt nahezu jeden Bereich staatlichen Handelns. Die US-amerikanische Botschafterin Carol Rodley Ă€ußerte 2009, Kambodscha wĂŒrden durch Korruption jedes Jahr bis zu 500 Millionen USD Steuergelder entgehen. Auf internationaler Ebene ist bekannt, dass die Korruption zu den PhĂ€nomenen mit den grĂ¶ĂŸten Auswirkungen auf das kambodschanische Staatswesen gehört. Ebenso wird regelmĂ€ĂŸig bemĂ€ngelt, dass sich ein KorruptionsbekĂ€mpfungsgesetz (loi contre la corruption) bereits seit 1994 im Gesetzgebungsverfahren befindet.

Ein Aspekt der Korruption ist die Möglichkeit, nahezu jedes amtliche Dokument zu kaufen. Die offensichtliche Unrichtigkeit sowohl der hierfĂŒr vorgelegten Dokumente als auch der auszustellenden Dokumente ist völlig belanglos. Die deutsche Botschaft in Phnom Penh erkennt (Stand 2017) kambodschanische Urkunden nicht mehr fĂŒr den innerdeutschen Rechtsverkehr an; ihre Rechtswirkungen mĂŒssen von den insoweit befassten deutschen Behörden oder Gerichten individuell festgestellt werden.

Ein weiteres Beispiel ist ein massiver Ausverkauf natĂŒrlicher Ressourcen an Investoren, denen sĂ€mtlich persönliche Verbindungen zur staatlichen FĂŒhrungsebene nachgesagt werden. Zudem wĂŒrden deren AktivitĂ€ten keine oder nur minimale SteuerertrĂ€ge generieren. Auch der Armee wird (Stand 2009) eine nicht offizielle, aber dennoch geduldete bzw. geförderte Teilnahme an dem Raubbau vorgeworfen, insbesondere im Zusammenhang mit dem illegalen Schlagen wertvoller Tropenhölzer.

Breite internationale Aufmerksamkeit erfuhren 2009 KorruptionsvorwĂŒrfe gegen das Rote-Khmer-Tribunal, wonach sich Mitarbeiter des Gerichts als Bedingung fĂŒr ihre Anstellung damit einverstanden erklĂ€ren mussten, einen Teil ihrer GehĂ€lter an die FĂŒhrungsebene des Gerichts abzufĂŒhren. Im August 2009 wurde im EinverstĂ€ndnis mit den Vereinten Nationen die Position eines Beraters geschaffen, der den VorwĂŒrfen nachgehen soll. Zuvor hatten zahlreiche internationale Geldgeber ihre Zahlungen an das Tribunal eingefroren, was dieses kurzzeitig an den Rand der ZahlungsunfĂ€higkeit brachte.

GebĂ€udeeinstĂŒrze

BautĂ€tigkeiten sind kaum reglementiert, Arbeiter sind oft Tagelöhner ohne entsprechende Ausbildung, tragen kaum SchutzausrĂŒstung und ĂŒbernachten hĂ€ufig auf Baustellen.

Wiederholt wird ĂŒber den Einsturz von GebĂ€uden berichtet. In der Provinz Sihanoukville kamen im Juni 2019 beim Einsturz einer Hausbaustelle mindestens 28 Personen ums Leben, was zum RĂŒcktritt des Provinzgouverneurs fĂŒhrte.

Anfang Januar 2020 starben beim Einsturz eines im Bau befindlichen siebenstöckigen GebÀudes in der Provinz Kep (mind.) 36 Menschen, darunter Kinder.

Tourismus

Die Tourismusbranche ist nach der Textilindustrie zur zweitgrĂ¶ĂŸten Devisenquelle des Landes geworden. Von Januar bis September 2024 wurden insgesamt 4,8 Millionen internationale Besucher begrĂŒĂŸt. Die beliebtesten Touristenzielen sind Angkor Wat, Battambang, Phnom Penh, Siem Reap (Stadt) und Sihanoukville Prognosen gehen davon aus, dass der Tourismus-Markt im Jahr 2025 weiter steigen wird.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 3,56 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 3,38 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 0,9 % des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2016 6,37 Mrd. Dollar 32,9 % des BIP.

Infrastruktur

Kommunikation und Medien

In Kambodscha erscheinen insgesamt ĂŒber 300 Zeitungen, doch nur weniger als zwanzig können als ernsthafte BlĂ€tter mit bezahlten Angestellten und regelmĂ€ĂŸigem Erscheinen betrachtet werden. Die tĂ€gliche Zeitungsauflage pro 1.000 Einwohner betrĂ€gt zwei Exemplare. Nur wenige Zeitungen verfĂŒgen ĂŒber einen Abonnentenkreis, sodass die meisten BlĂ€tter mit ihren Schlagzeilen und den Bildern auf der Frontseite tĂ€glich neu um ihre Leser werben mĂŒssen. Koh Santepheap („Insel des Friedens“), Rasmei Kampuchea („Licht Kambodschas“) und Kampuchea Thmei gelten als die auflagenstĂ€rksten Tageszeitungen mit jeweils etwa 20.000 bis 25.000 Exemplaren tĂ€glich. Weitere wichtige Tageszeitungen sind Moneaksear Khmer („Khmer-Gewissen“), das Freizeitmagazin Pracheaprey und Samleng Yuvachhun Khmer („Stimme der Khmer-Jugend“). Weiterhin gibt es sieben fremdsprachige Zeitungen, darunter die englischsprachigen The Cambodia Daily (seit September 2017 nur noch online), The Phnom Penh Post und Khmer Times. Die französischsprachige Wochenzeitung Cambodge Soir wurde 2010 eingestellt. Die chinesischsprachigen Zeitungen Cambodia Sin Chew Daily und Jian Hua Daily erreichen eine gemeinsame Auflage von etwa 10.000. Die offizielle staatliche Presseagentur ist die Agence Kampuchea Presse (AKP). Seit Februar 2013 erschien fĂŒr kurze Zeit das erste deutschsprachige Nachrichtenmagazin unter dem Namen Kambodschanische Allgemeine Zeitung (KAZ).

Seit Mitte der 1950er Jahre gibt es in Kambodscha RadioĂŒbertragungen. Landesweit existieren etwa 40 Radiosender, von denen 25 aus Phnom Penh senden, darunter auch auslĂ€ndische Sender wie RFI, BBC und ABC. Der nationale Radiosender ist seit 1978 Radio National of Kampuchea (RNK). Weitere wichtige Sender sind Bayon Radio, Royal Cambodia Armed Forces Radio, Apsara Radio, Radio FM 90, Radio FM 99, Radio Khmer, Radio Beehive, Radio Sweet und Radio Love. Zahlreiche Sender aus den Provinzen sind mit Sendern aus der Hauptstadt verbunden und ĂŒbernehmen zumindest teilweise deren Programminhalte.

Die FernsehĂŒbertragung begann in Kambodscha im Jahre 1966. Seit 1986 sendet das kambodschanische Nationalfernsehen National Television of Kampuchea (TVK) auch in Farbe. Daneben gibt es die Sender Apsara Television, Bayon Television (TV27), Cambodian Television Network (CTN), MyTV, Phnom Penh Municipal Television (TV3), Royal Cambodia Armed Forces Television (TV5) und Cambodian Television (CTV9). Alle Sender werden in Phnom Penh ausgestrahlt; ihre Reichweite liegt bei jeweils etwa bis zu 200 km außerhalb der Hauptstadt. Einige Sender verfĂŒgen ĂŒber Relaisstationen in verschiedenen Teilen des Landes und erreichen somit auch Zuschauer in den Provinzen. Apsara, Bayon, CTN und TVK sind auch ĂŒber Satellit zu empfangen. Aufgrund der geringen Verbreitung von SatellitenschĂŒsseln haben selbst in Phnom Penh schĂ€tzungsweise nur zehn Prozent der Haushalte Zugang zu Fernsehinhalten, auf dem Land sind Fernseher kaum verbreitet.

Das Internet wurde in Kambodscha bereits unter der Verwaltung der UNTAC 1992/93 eingefĂŒhrt. Behindert wurde die Entwicklung durch die Khmer-Schrift, fĂŒr die es lange Zeit eine Vielzahl von SchriftsĂ€tzen gab, die untereinander nicht kompatibel waren. Vor kurzem wurde allerdings ein Unicode-Schriftsatz entwickelt, der ĂŒber 20 Schriftsysteme nutzbar macht. Heute (2018) gibt es 4,1 Millionen Nutzer (25,6 % der Bevölkerung), 2016 waren es noch 1,756,824 (11,1 %). Die Top-Level-Domain des Landes lautet .kh.

Mobiltelefone sind in Kambodscha deutlich weiter verbreitet als FestnetzanschlĂŒsse. Letztere werden vor allem in den StĂ€dten gebraucht. Auf hundert Einwohner kommen nur 1,5 FestnetzanschlĂŒsse, aber 123 Mobiltelefone. Insgesamt gibt es rund 230.000 Telefonhauptleitungen und rund 20 Millionen Handys (Stand 2016). Die internationale Vorwahl Kambodschas lautet 855.

Die Pressefreiheit wurde bis ins Jahr 2018 immer mehr eingeschrÀnkt, alleine im Jahr 2017 wurden 32 Radiostationen geschlossen. Eine Kritik an der Regierung hatten nur noch englischsprachige Medien gewagt; eine davon, die Cambodia Daily stellte den Betrieb 2017 nach einer horrend hohen Steuerrechnung ein, die andere wurde von den australischen Eignern 2018 an einen regierungsfreundlichen malaysischen Unternehmer verkauft.

Verkehr

Flugverkehr

Kambodscha besitzt vier internationale FlughÀfen:

  • Flughafen Techo
  • Flughafen Siem Reap-Angkor
  • Flughafen Sihanouk
  • Flughafen Dara Sakor

Des Weiteren existieren in den jeweiligen Provinzen diverse Airfields und Airstrips, teils asphaltiert. RegulĂ€re internationale DirektflĂŒge finden ĂŒberwiegend innerhalb der Region statt. Wichtige Knoten- und Umsteigepunkt fĂŒr interkontinentale FlĂŒge sind Bangkok, Kuala Lumpur, Ho-Chi-Minh-City und Singapur. Lokale Luftfahrtgesellschaften sind oft kurzlebig; so setzte etwa die Siem Reap Airways am 1. Dezember 2008 ihren Betrieb aus. Die PMTair hatte ihren Heimatflughafen in Siem Reap. Weitere kambodschanische Fluggesellschaften sind Angkor Airways, Imtrec Aviation und Royal Khmer Airlines. Zudem haben viele weitere ostasiatische Fluggesellschaften Vertretungen in Kambodscha und bieten FlĂŒge an. Eine nationale Fluggesellschaft ist in Zusammenarbeit mit einem indonesischen Konsortium geplant.

Straßenverkehr

Das kambodschanische Straßennetz umfasst 28.257 Kilometer, wovon 2.406 Kilometer asphaltiert sind (2004). In den letzten Jahren wurden mit japanischen Entwicklungsgeldern umfassende Verbesserungsarbeiten vorgenommen. Der zentrale Knotenpunkt ist Phnom Penh, von wo aus sechs von acht Nationalstraßen sternförmig ausgehen. Sie sind von eins bis acht einstellig nummeriert. Von diesen Hauptachsen wegfĂŒhrende Straßen erhalten zweistellige Nummern, deren erste Ziffer jener der zugehörigen Hauptstraße entspricht. In Kambodscha gelten Rechtsverkehr und FĂŒhrerscheinpflicht.

Eisenbahn

Das kambodschanische Schienennetz umfasste 602 km einspurige Strecken, deren Spurweite die Meterspur ist. Die Nordstrecke verbindet Phnom Penh mit Poipet an der Grenze zu Thailand und ist seit 2018 wieder in Betrieb. Die 1969 fertiggestellte SĂŒdstrecke verlĂ€uft von Phnom Penh nach Sihanoukville. Diese Verbindung wird (2015) tĂ€glich von mehreren GĂŒterzĂŒgen befahren. Seit April 2016 verkehren wieder ReisezĂŒge. Die Schienenfahrzeuge der staatlichen Eisenbahngesellschaft sind alt und befinden sich in Modernisierung.

In den BĂŒrgerkriegszeiten der 1980er und 1990er Jahre begleitete ein Maschinengewehrwagen jeden Zug, die ersten beiden Waggons dienten zur MinenrĂ€umung.

Öffentlicher Busverkehr

GĂ€ngige öffentliche Verkehrsmittel sind Busse, Sammeltaxis und Pick-ups. Zwischen den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten gibt es mittlerweile regelmĂ€ĂŸige Busverbindungen. Pick-ups, Taxis und Minibusse decken sowohl regulĂ€re Verbindungen als auch EinzelauftrĂ€ge ab. StĂ€dtische Nahverkehrssysteme existieren kaum, in Phnom Penh sind 13 öffentliche Buslinien verfĂŒgbar, die auch Vororte einbeziehen.

Wasserwege

Kambodscha besitzt ungefĂ€hr zwischen 2000 und 3500 Kilometer Wasserwege. Die grĂ¶ĂŸte Rolle spielt der Mekong, der bis Kratie problemlos schiffbar ist, in der Regenzeit sogar bis Stung Treng und weiter zur laotischen Grenze. Der Überseehafen befindet sich in Sihanoukville am Meer. Als Hauptverkehrsmittel werden Boote in den meisten Regionen allmĂ€hlich von Fahrzeugen abgelöst, allerdings fahren zwischen Phnom Penh und Siem Reap immer noch regelmĂ€ĂŸig Verkehrsschiffe, ebenso zwischen Battambang und Siem Reap. Die Strecke zwischen Koh Kong und Sihanoukville wurde inzwischen eingestellt, da die Straße zwischen den beiden Orten fertiggestellt wurde und die Busverbindungen schneller und gĂŒnstiger sind. Es existiert auch ein GrenzĂŒbergang auf dem Fluss Tonle Bassac nach ChĂąu Đốc (Vietnam) der per Schiff passierbar ist.

Energie

Der kambodschanische Energiesektor wird durch zwei Institutionen verwaltet: zum einen das Ministry of Industry, Mines and Energy, das den staatlichen Rahmen fĂŒr den Energiesektor setzt und entsprechende technische Standards definiert, und zum anderen die Energiebehörde Electricity Authority of Cambodia, die durch die Vergabe von Lizenzen an mittlerweile mehr als 240 ElektrizitĂ€tsunternehmen die Versorgung des Landes mit Strom sicherstellt.

Insgesamt produzierte Kambodscha 2023 3.977 GWh Strom. Davon entfielen 48,06 % auf Kohlekraftwerke, 46,12 % auf die Nutzbarmachung von Wasserkraft, 5,09 % auf Sonnenenergie, 0,39 % auf die Verbrennung von Biomasse und 0,34 % auf die Verbrennung von Diesel. Zur Versorgung von grenznahen Orten wurden zusĂ€tzlich 167,42 GWh aus Thailand, 717,94 GWh aus Vietnam und 65,47 GWh aus Laos importiert. Im Vergleich zu 2009 stellt dies eine verachtfachung der Stromproduktion dar, damals wurden noch ĂŒber 90 % des Stroms durch die Verbrennung von Diesel erzeugt.

Der durchschnittliche Jahresverbrauch liegt bei 962 kWh pro Einwohner, wobei 94,02 % der Haushalte an die Stromversorgung angeschlossen sind (Stand: 2023).

Zu Beginn der rasanten Entwicklung des Energiebedarfs befanden sich technische Installationen zu einem großen Teil in einem maroden Zustand. Weite Teile des Landes waren daher von regelmĂ€ĂŸigen StromausfĂ€llen betroffen. Im Jahr 2007 gingen landesweit 11,05 % der Energie wĂ€hrend der Durchleitung verloren; in lĂ€ndlichen Gebieten betrug der Verlust sogar bis zu ein Viertel. Mittlerweile ist das Netz konsolidiert und der Großteil des benötigten Stroms wird unabhĂ€ngig von Dieselimporten erzeugt. Lediglich in der Trockenzeit kommt es zu EngpĂ€ssen, wenn die Wasserkraftwerke nicht die benötigte Energie liefern können.

Kultur

Die Kultur Kambodschas beruht weitestgehend auf jener des antiken Khmer-Reichs. Architektur und Ikonografie, aber auch Tanz und Literatur zeigen den starken indischen Einfluss in der damaligen Zeit. Den modernen Khmer dient sie der nationalen Identifikation und als AushĂ€ngeschild fĂŒr den Tourismus. So ist die Pflege der traditionellen Kultur in Kambodscha von großer Wichtigkeit und richtet sich vor allem auf die Tempelanlagen von Angkor aus. Auch Musik, traditionelle TĂ€nze und Schattenspiele zeugen von der frĂŒhen AusprĂ€gung einer eigenstĂ€ndigen Kultur, die bis heute teilweise in ihrer ursprĂŒnglichen Form gepflegt wird und auch als Grundlage fĂŒr neue Entwicklungen dient. Seit 1979 gibt es eine Wiederbelebung in der Kunst. Monumente und Stupas werden mit staatlichen Mitteln restauriert, lĂ€ndliche buddhistische Tempel (Wat) auch mit lokalen Spenden. Die zwei Schulen fĂŒr Kunst in Phnom Penh sind wieder offen und werden rege besucht. Das Nationalmuseum zeigt viele Kunstwerke, die der Zerstörung durch die Roten Khmer entgingen.

Feiertage

Der UnabhÀngigkeitstag am 9. November ist der Nationalfeiertag Kambodschas. Wenn ein Feiertag auf einen Samstag oder Sonntag fÀllt, wird er am nÀchsten Werktag nachgeholt. Mit einem Sternchen (*) markierte AnlÀsse variieren entsprechend dem buddhistischen Mondkalender. Die Daten werden jÀhrlich durch Dekrete des MinisterprÀsidenten festgelegt.

KĂŒche

Die kambodschanische KĂŒche beruht stark auf EinflĂŒssen aus anderen LĂ€ndern, etwa Vietnam, China (wegen der GeschĂ€ftsverbindungen), Malaysia, Frankreich (daher stammt das französische Brot, das in Kambodscha gegessen wird), Laos und Thailand. Die Gerichte sind ĂŒblicherweise nicht besonders scharf und werden mit KrĂ€utern wie Zitronengras oder Koriander verfeinert. Zum Braten wird Palmöl verwendet. Gekocht und gebraten wird traditionell in einem Wok auf einem Holzkohleofen; in den StĂ€dten setzen sich vermehrt Gasbrenner durch. Das Grundnahrungsmittel ist weißer Reis, der oft aus der Battambang-Provinz kommt; auch Nudeln sind beliebt. PopulĂ€r sind sĂŒĂŸ-saure Gerichte aus Fisch, Huhn oder GemĂŒse mit Ananas, Zwiebeln und grĂŒnen oder roten Tomaten. GedĂ€mpfte Gerichte basieren auf einer leichten BrĂŒhe mit Rind, Fisch oder GemĂŒse und hĂ€ufig einem hart gekochten Ei. Currys bestehen meist aus Rind und sind nur leicht scharf. Wichtigste Proteinquelle ist Fisch. Er wird gebraten, gegrillt, gepökelt, als Suppe oder gedĂ€mpft gegessen. An Fleisch sind vor allem Schwein und Rind verbreitet.

Kambodschanische SpezialitĂ€ten sind zum Beispiel ein fondueartiges Gericht, bei dem FleischbĂ€llchen in eine von unten beheizte BrĂŒhe getunkt und mit anderen Zutaten verspeist werden, oder ein Huhn, das in seinem Saft mit Zucker und GewĂŒrzen angemacht als Festessen verspeist wird. Als frittierte Snacks oder Suppenbeigaben beliebt sind KĂ€fer und Grillen, regional auch Vogelspinnen und Wasserwanzen. In gehobenen Restaurants kann man Schlangen, Schildkröten, Eidechsen, Ameiseneier, Spatzen und andere kleinere Vögel verzehren. Aus kleinen getrockneten und fermentierten Fischen wird die allgegenwĂ€rtige Prahok-Paste hergestellt, die weißlich schillert und einen stechenden Geruch hat.

Das beliebteste GetrĂ€nk ist grĂŒner Tee, der stark gezuckert wird. Roter Tee wird mit Limonensaft und Zucker gemischt. Von morgens bis zum Nachmittag wird Kaffee entweder schwarz oder mit viel Kondensmilch getrunken. Einheimische FruchtsĂ€fte bestehen beispielsweise aus Zuckerrohr oder Kokosnuss, verbreitet ist auch Sojabohnenmilch. An alkoholischen GetrĂ€nken gibt es mehrere einheimische Sorten Bier wie etwa das Angkor-Bier, Anchor und ABC-Stout. Aus Reis werden sĂŒĂŸe, starke Weine hergestellt. Auch rasch gĂ€render Zuckerpalmsaft wird ausgeschenkt.

Ratten

In der Regenzeit verlassen die Ratten ihre unterirdischen GĂ€nge, flĂŒchten auf BĂŒsche und BĂ€ume und ernĂ€hren sich dort vegetarisch. In dieser Phase gelten sie als „rein“ und werden gejagt. Sie dienen als Tierfutter auf Krokodilfarmen und auch zum menschlichen Verzehr.

Kleidung

Traditionelles UniversalkleidungsstĂŒck der Kambodschaner ist der Krama. Fast jeder Einwohner des Landes besitzt eines der BaumwolltĂŒcher. Sie sind vielfĂ€ltig benutzbar: sie bieten Schutz vor Sonne oder Staub, werden als Trage-, Nasen- oder SchweißtĂŒcher eingesetzt oder beim Baden als Sichtschutz verwendet. In der Zeit der Roten Khmer waren sie sogar ein Teil der MilitĂ€runiform. Der Sarong ist ein bis zum Knöchel reichendes buntes Baumwolltuch, das sich die Frauen als AlltagskleidungsstĂŒck um die HĂŒfte wickeln. FĂŒr die MĂ€nner gibt es den entsprechenden Sarong Sot, der aus Seide besteht und seltener getragen wird als der Krama. Bei Festen tragen Frauen einen Houl oder einen Phamung, die den Schnitt eines Sarong haben, aber aus Seide hergestellt sind. Der Houl ist bunt und geblĂŒmt, der Phamung einfarbig. Als Arbeitskleidung sind bei den Frauen einfarbige Röcke in GrĂŒn, Blau oder Grau ĂŒblich, dazu weiße Blusen. MĂ€nner tragen graue Stoffhosen und helle Hemden.

Architektur

Klassische Khmer-Architektur

Die Wurzeln der klassischen Khmer-Architektur finden sich in den Reichen von Funan und Chenla. Sie wiesen einen starken indischen Einfluss auf. In Funan wurden die GebĂ€ude hauptsĂ€chlich aus Holz errichtet, weshalb kaum Überreste vorhanden sind. Chenla ĂŒbernahm die indianisierte Kunst und Architektur Funans und entwickelte sie weiter. Ab dem 7. Jahrhundert wurden GebĂ€ude aus Ziegeln und Stein errichtet. Typische Relikte aus dieser Zeit sind Prasats, vier- oder achteckige ZiegeltĂŒrme mit Kraggewölben und einem Schrein auf einem Podest, das aus Etagen bestand, die nach oben ansteigend kleiner wurden.

Unter Jayavarman II. fand im 9. Jahrhundert der Übergang vom Stil Chenlas in die angkorianische Zeit statt. Im Vergleich zu frĂŒheren Epochen entwickelte sich nun der eigenstĂ€ndige, kambodschanische Stil. Jayavarman II. fĂŒhrte die Verehrung der indischen Gottheit Shiva ein, weswegen nun bis ins Jahr 1219 fast jeder Gottkönig einen Staatstempel fĂŒr seinen Linga baute. Der Linga, hĂ€ufig als Phallus interpretiert, war als Symbol Shivas auch das Symbol des Kultes. In ihm wurde die Seele des Gottkönigs bewahrt. Die Tempel fungierten als Quelle und Zentrum der Macht sowie als spirituelles RĂŒckgrat des Reiches. Weitere Tempel dienten der Ahnenverehrung oder als Klöster, insbesondere aufgegebene Staatstempel.

Aufgrund ihrer indischen Wurzeln reprĂ€sentieren auch die Tempel aus dem angkorianischen Zeitalter durch ihre Architektur den Berg Meru, das Heim der indischen Götter. Im 9. Jahrhundert entstanden fĂŒnfstufige Pyramiden, und zu den HaupttĂŒrmen gesellten sich im Laufe der Zeit die vier typischen NebentĂŒrme, die in Quincunx-Anordnung gehalten sind und durch Verbindungen die Gestalt eines Kreuzes annehmen. Dieses innerste Heiligtum ist aus astrologischen GrĂŒnden nach einer Ost-West-Achse ausgerichtet und hat gewöhnlich nur eine nach Osten weisende Öffnung und falsche TĂŒren an den anderen Seiten. Weitere GebĂ€ude sind Empfangs- und Meditationshallen sowie Bibliotheken fĂŒr die heiligen Schriften, die oft paarweise angeordnet wurden und sich in Richtung des Heiligtums öffnen. Um die zentralen GebĂ€ude herum finden sich Dammwege und GrĂ€ben. Das ganze GelĂ€nde umgeben zumeist nicht verzierte, konzentrische Einfassungsmauern, normalerweise ein bis drei, in seltenen FĂ€llen auch mehr. An Kardinalpunkten sind Tore eingelassen, die im Laufe der Zeit immer prĂ€chtiger wurden und in der SpĂ€tphase die Form von Torbauten (gopuram) mit Vorkammern und TĂŒrmen annahmen.

In den HeiligtĂŒmern befanden sich Ikonen jener hinduistischen Gottheiten, denen die Tempel gewidmet waren. Nach der Übernahme des Buddhismus wurde der Gottkönig durch Buddhastatuen symbolisiert. WĂ€hrend die ersten Tempel sehr einfach gestaltet waren, kamen mit der Zeit TĂŒren und Galerien hinzu. An den Seiten und RĂŒckwĂ€nden der GebĂ€ude befanden sich falsche Fenster und TĂŒren. FĂŒr GemĂ€cher wurden Konsolen verwendet, da keine Bögen bekannt waren, was nur kleine RĂ€ume zuließ. Die inneren WĂ€nde sind im Gegensatz zu den Ă€ußeren nicht verziert, was zu Spekulationen ĂŒber ehemalige Wandbilder gefĂŒhrt hat.

Als Material wurden bis Ende des 10. Jahrhunderts Holz und spĂ€ter vor allem Ziegel benutzt, die teilweise mit Stuck ummantelt und mit einer Art natĂŒrlichem Klebstoff verbunden wurden. FĂŒr StĂŒrze und SĂ€ulen wurde bereits seit funanesischen Zeiten Sandstein benutzt, etwa aus Phnom Kulen, der mit besseren Bautechniken auch fĂŒr TĂŒrme und spĂ€ter ganze Tempelanlagen ĂŒbernommen wurde. In der Sandsteinarchitektur finden sich auch Hinweise auf frĂŒhere Holzstrukturen – GaleriedĂ€cher tragen falsche Dachplatten, wĂ€hrend Holzfenster imitiert werden. FĂŒr Fundamente, Becken und GrĂ€ben, umschließende Mauern und Mauerkerne wurde Laterit verwendet, ein leicht verfĂŒgbares und schneidbares OberflĂ€chenprodukt. Kupfer- und Bronzebleche dienten als Zierde, Tonziegel wurden neben Schindelimitaten aus Sandstein zum Decken der DĂ€cher verwendet. Die Steine wurden oft so angeordnet, dass die vertikalen Schnittstellen nicht gestaffelt waren. Da kein Mörtel verwendet wurde und nur das Gewicht und die passgenaue Anordnung der Steine die Tempel zusammenhielten, brachen sie bei mangelnder Pflege schnell ein.

Durch den exzessiven Tempelbau, mit denen jeder Gottkönig versuchte, seinen VorgĂ€nger zu ĂŒbertrumpfen, waren die Vorkommen des qualitativ guten Sandsteins um 1219 erschöpft. Zusammen mit einem sinkenden Wohlstand fĂŒhrte dies zu schlechter gebauten Tempeln. Da mit der Übernahme des Buddhismus als Staatsreligion auch die GebĂ€ude allgemein schlichter wurden, kam es schließlich zu einer weitgehenden Einstellung der BauaktivitĂ€ten. Schließlich folgte die postangkorianische Periode, in der wieder vermehrt mit Holz gearbeitet wurde.

Moderne, nichtreligiöse traditionelle Architektur

In den 1950er und 1960er Jahren wurden von chinesischen Unternehmern in den Stadtzentren drei- bis fĂŒnfstöckige Wohnblocks aus Beton gebaut, die unter den Roten Khmer verlassen wurden und nun wieder bewohnt werden – so dicht, dass sich auf den DĂ€chern slumartige Siedlungen bilden. Bausubstanz und elektrische und sanitĂ€re Einrichtungen sind in einem sehr schlechten Zustand, hĂ€ufig gibt es nur im Erdgeschoss Toiletten und fließendes Wasser. In den Ă€ußeren Stadtkernen ist der französische Einfluss noch sichtbar; hier gibt es Villen aus der SpĂ€tphase der Kolonialherrschaft, die im französischen Kolonialstil gehalten sind, der mit dem Art dĂ©co verwandt ist. Auf dem Land sind einfache HĂ€user aus Bambus und Holz auf Holz- oder Betonpfeilern gegen Überflutungen verbreitet. Unter den HĂ€usern befindet sich offener Stauraum, der auch als Haustierstall und Arbeitsraum genutzt wird. Den Zugang ins WohngebĂ€ude gewĂ€hrleistet eine Außentreppe. Im Inneren befinden sich ĂŒblicherweise ein großer Gemeinschaftsraum sowie das Elternschlafzimmer und die KĂŒche. Die AußenwĂ€nde werden durch geflochtene Gras- oder Palmmatten gebildet. DĂ€cher bestehen aus Schilf oder Gras, selten auch aus Ziegeln.

Literatur

Khmer-Literatur

Die traditionelle Khmer-Literatur vereinigt Unterhaltung mit erzieherischen Inhalten. Das bekannteste Werk frĂŒher kambodschanischer Literatur ist das Reamker, eine lokale Adaption des indischen Epos Ramayana. Das Reamker wirkt sich bis heute prĂ€gend auf neue musikalische, choreografische und theatralische Entwicklungen aus. Ein weiterer Text aus der Zeit des Khmer-Reiches ist das Gedicht von Angkor Wat, das in die WĂ€nde des Tempels geschrieben wurde. Eine historische Rolle spielt auch die religiöse Literatur, die sich von den Niederschriften der Regeln des in SĂŒdostasien vorherrschenden Theravada-Buddhismus ableitet und GlĂ€ubige anleitet. Verbreitet sind heute noch buddhistische „Geburtsgeschichten“ (Jataka), die hauptsĂ€chlich das Leben Buddhas erzĂ€hlen; auch sie haben moderne Werke inspiriert. Durch seit Jahrhunderten ĂŒberlieferte Fabeln und MĂ€rchen wurden und werden Normen und Werte an die nĂ€chste Generation weitergegeben. Die wichtigsten ĂŒberlieferten Tugenden sind Hilfsbereitschaft, GemeinschaftsgefĂŒhl und die friedliche Lösung von Konflikten. Auch Landesgeschichte und geografische Namen werden so weitergegeben.

Inschriften an Monumenten reichen bis ins 6. Jahrhundert zurĂŒck, aber auch einige PalmblĂ€tter, auf denen die historischen Werke zumeist niedergeschrieben wurden, haben in Paris die Zeiten ĂŒberdauert. Die meisten Exemplare in Kambodscha fielen den Zerstörungen der Roten Khmer zum Opfer. Wichtige verbliebene Dokumente sind zum Beispiel die Königlichen Chroniken.

Die moderne kambodschanische Literatur, deren erster Roman „Sophat“ (1938) wenige Jahre vor der Krönung Norodom Sihanouks veröffentlicht wurde, gilt als Bruch mit der Vergangenheit, da sie erstmals Prosa verwendet und auf gewöhnliche Menschen fokussiert ist. Die ĂŒberwiegend Ă€lteren Autoren leben vor allem im Ausland, da Schriftsteller unter den Roten Khmer als Staatsfeinde galten, sodass es keine wirkliche Literaturszene mehr gibt. Beeinflusst wurden sie von der französischen Literatur des 19. und frĂŒhen 20. Jahrhunderts. Fiktion ist verbreitet, etwa die Ipaen-Volksgeschichten.

Skulpturen

Aus der Funan-Zeit sind wenige Artefakte verblieben, lediglich vier Inschriften auf Stelen, sowie einige Kunstwerke aus dem 6. Jahrhundert, die vor allem Vishnu mit einheimischen Gesichtern darstellen. Auch in den Statuen aus Chenla erkennt man im Stil den indischen Einfluss. Als Materialien wurden Stein und Bronze verwendet. Die Skulpturen aus frĂŒhen Tempeln in Angkor waren relativ steif und flach, dienten aber als Basis fĂŒr die spĂ€teren ausgeschmĂŒckten Basreliefs. Das Behauen von TĂŒrstĂŒrzen war in jener frĂŒhen Phase eine wichtige Kunst. Wie die Basisreliefs erzĂ€hlen ausgearbeitete Giebeldreiecke aus dem Ramayana und anderen indischen Epen, teilweise auch vom Alltagsleben. Auch in dieser Zeit wurden Stein und Bronze als Materialien verwendet. Die postangkorianische Periode wird durch anspruchsvoll gestaltete und dekorierte Holzstatuen geprĂ€gt, von denen aus klimatischen GrĂŒnden wenig erhalten ist. Die heutige bildende Kunst orientiert sich noch immer stark an der BlĂŒtezeit des Khmer-Reichs.

Theater

Der Ursprung des kambodschanischen Theaters liegt im 6. Jahrhundert. Gezeigt werden Szenen aus dem Reamker, regionalen Legenden, indischen und Epen aus dem Theravada-Buddhismus. Die Theater bedienen sich kunstvoller Masken und KostĂŒme und sind nach den Schauspielern in MĂ€nner- und Frauentheater unterteilt. Schauspieler sprechen und singen, dazu kommen ein ErzĂ€hler und ein Orchester zur musikalischen Untermalung. Auf dem Lande sind Volkstheater und Schattenspiele als Unterhaltung beliebt. Der Inhalt des Schattenspiels Sbek thom beruht auf Geschichten aus dem Reamker. Die Charaktere sind aus Rindshaut geschnitten, an langen Bambusstangen befestigt und oft bemalt. Das königliche Theater beruht ebenfalls auf dem Reamker. Im Nationaltheater wird nur ein modernes StĂŒck gespielt, nĂ€mlich „Die Geschichte des Landes Kambodscha“.

Tanz

In Kambodscha gibt es eine lange Tanztradition. Die UrsprĂŒnge des klassischen Tanzes liegen in den heiligen TĂ€nzen der Apsaras, den mythologischen VerfĂŒhrerinnen des alten Khmer-Reichs; möglicherweise gehen sie bis auf Funan zurĂŒck. Der Höhepunkt des klassischen Tanzes in der Angkor-Periode stĂŒtzte sich auf Interpretationen der indischen Epen, insbesondere des Ramayanas – Inhalte waren etwa Prinzessinnen in Not, Kriegshelden, Sklaven, Riesen oder mystische Tiere. Der Tanz galt als religiöse Tradition, um dem König und seinem Volk Segen zu bringen und auch als eine Form der Unterhaltung; hier stammen die TĂ€nzerinnen zumeist aus höheren sozialen Schichten und hatten im königlichen Harem eine besondere Stellung. Mit dem Niedergang des Angkor-Reichs ging auch ein Niedergang des Tanzes einher. Unter dem thailĂ€ndischen Patronat wurde er aber als Kunstform weitergefĂŒhrt. Die Franzosen belebten das Khmer-Ballett im 20. Jahrhundert wieder, wobei die ersten TĂ€nzerinnen aus Thailand kamen. Heute ist der kambodschanische Tanz eines der Markenzeichen Kambodschas und ein Tourismusmagnet.

Die TĂ€nze sind sehr symbolisch und einer strengen Ordnung unterworfen. VorgefĂŒhrt werden sie zumeist von Frauen, Geschlechtsunterschiede werden mit verschiedenen KostĂŒmen dargestellt. Die TĂ€nzerinnen werden von einem Orchester und einem erzĂ€hlenden Chor begleitet. Als nationaler Tanz gilt der Lamthon, auch der Apsara-Tanz (Robam Tep Apsara), ein Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelter Stil, der auf der klassischen Khmer-Tradition beruht, ist bekannt. Die Regierung und auslĂ€ndische Geldgeber versuchen momentan, die Tanztraditionen wiederzubeleben, indem sie Ă€ltere Kambodschaner, die das Regime der Roten Khmer ĂŒberlebten, befragen und auf Video aufnehmen. Bis 1997 konnten auf diese Weise etwa 50 % des klassischen Tanzrepertoires gerettet werden.

Der Volkstanz hat die 1970er Jahre ĂŒberlebt, auch wenn er als gĂ€ngige Unterhaltung auf dem Lande allmĂ€hlich vom Fernsehen abgelöst wird. Im Volkstanz, der deutlich individueller ist als die traditionellen TĂ€nze und mehr persönlichen Spielraum lĂ€sst, werden kambodschanische VolkserzĂ€hlungen dargestellt. Weiterhin gibt es den folkloristischen Tanz, der aus Mystik, Naturglauben und Bauernalltag entstanden ist und mit dem die Bauern um gute Ernte oder Regen baten. Trotz seiner rituell-zeremoniellen Handlungen ist auch er lebhafter als der klassische Khmertanz.

Musik

Die kambodschanische Musik ist Teil der von Indonesien ausgegangenen „Glockenspiel“-Musikkultur (Verwendung von Xylophonen und Buckelgongs), die im Norden Burma, Thailand, Laos, das westliche Bergland von Vietnam und im Osten am Rand die Philippinen einschließt. Obwohl einige der an Basreliefs von Angkor Wat abgebildeten Musikinstrumente noch heute in der Volksmusik gespielt werden, ist ein indischer Einfluss auf die kambodschanische Musik nicht mehr vorhanden. Nur die alte einsaitige Zither kse diev, die aus einem langen Stab und einer Kalebasse besteht und zur ResonanzverstĂ€rkung an die Brust gepresst wird, ist eindeutig indischen Ursprungs. Der chinesische Einfluss beschrĂ€nkt sich ebenfalls im Wesentlichen auf die Bauform einiger Instrumente. So ist das trapezförmige Hackbrett khim mit 14 dreichörigen Saiten vom chinesischen yangqin abgeleitet und die Langhalslaute chapey dang veng und ihre thailĂ€ndische Entsprechung krajappi sind wegen ihres annĂ€hernd kreisrunden Resonanzkörpers mit einigen ostasiatischen Mondlauten verwandt.

Ab dem 16. Jahrhundert wurden höfische Rituale, TanzauffĂŒhrungen und die in Angkor von riesigen Orchestern gespielte Musik nicht mehr gepflegt. Die kambodschanische Musiktradition ĂŒberlebte nur auf Volksebene und unter thailĂ€ndischem Einfluss. Einen ersten Anlauf zur Erneuerung der höfischen Musik gab es Mitte des 19. Jahrhunderts unter König Ang Duong (regierte 1841–1869). Eine besondere Förderung erfuhr die klassisch-kambodschanische Kultur wĂ€hrend des französischen Protektorats durch Königin Sisowath Kossamak in den 1940er Jahren. Nach der UnabhĂ€ngigkeit 1953 konnte sich wieder eine nationale Musikkultur, die von thailĂ€ndischen Stilelementen gereinigt war, mit kleineren Orchestern als zur Angkor-Zeit entfalten. WĂ€hrend der Herrschaft der Roten Khmer wurden Musiker systematisch ermordet und alle auffindbaren Instrumente zerstört. Was anschließend an der zuvor selten notierten Musikkultur wieder entstand, verdankt sich dem GedĂ€chtnis der wenigen im Land ĂŒberlebenden Musiker und den ins Ausland geflohenen Exilgemeinden.

Vergleichbar mit dem indonesischen Gamelan lassen sich verschiedene Orchesterbesetzungen nach Spielweise und sozialer Funktion unterscheiden. Das offizielle königliche Orchester Pinpeat, das dem thailĂ€ndischen Pi Phat entspricht und zur religiösen Musik gehört, wird am hĂ€ufigsten in lĂ€ndlich reduzierter Besetzung gespielt. Es besteht in der großen Besetzung aus einem Metallophon (roneat dek) aus 21 EisenstĂ€ben, zwei bootsförmigen Xylophonen mit BambusstĂ€ben: roneat ek und dem tiefer gestimmten roneat thung; zwei unterschiedlichen Buckelgongkreisen: dem tief klingenden kong (wong) thom (dem thailĂ€ndischen khong wong yai entsprechend) und dem eine Oktave höheren kong (wong) tauch (dem thailĂ€ndischen khong wong lek entsprechend); dem Vierfachrohrblattinstrument sralay (abgeleitet von persisch surnai) oder der Bambusflöte khloy; verschiedenen Trommeln und kleinen Becken. Zur konzertanten leichten Musik bei königlichen Festen, auch beim jĂ€hrlichen Wasserfest Bon Om Tuk am Tonle Sap, gehört das sanfte Orchester Mohori, das neben Xylophon und Trommeln mit Gesang und Saiteninstrumenten, darunter mehreren, mit der javanischen rebab verwandten Stachelfideln tro khmer, gespielt wird. Die im Mohori verwendete FĂŒnftonleiter zeigt einen chinesischen Einfluss. Deutlich lauter klingt das zur Geisteranrufung benötigte Arak-Ensemble, mit dem die Ursache von Krankheiten festgestellt werden soll, das Ă€hnlich wie das Hochzeitsorchester Phleng Kar von Bechertrommeln, Rohrblattinstrument und Saiteninstrumenten bestimmt wird.

Unter französischer Herrschaft wurde Jazz eingefĂŒhrt, der zusammen mit kambodschanischen Streichinstrumenten und popmusikalischem Gesang zu einem eigenen leichten Unterhaltungsgenre wurde. Heute noch beliebte SĂ€nger dieser Musik aus den 1950er und 1960er Jahren waren der Star Sinn Sisamouth (* 1932), der 1976 von den Roten Khmer ermordet wurde, Em Yeng, Pov Vannary und Meas Samoun. Noy Vanneth und Menh Sothivan schlossen an diese Tradition an, wĂ€hrend seit der Jahrtausendwende verstĂ€rkt thailĂ€ndische Rockbands ihren Einfluss ausĂŒben.

Mediale Rezeption

  • The Killing Fields – Schreiendes Land (1984, Regie: Roland JoffĂ©).
  • Das Reisfeld (1994, Regie: Rithy Panh).
  • Eine Liebe nach dem Krieg (1998, Regie: Rithy Panh).
  • Kambodscha: Ein Kabel spaltet das Land (Dokumentation, 2000, Regie: Rithy Panh).
  • City of Ghosts (2002, Regie: Matt Dillon).
  • S-21: The Khmer Rouge Death Machine (2003, Regie: Rithy Panh).
  • Same same but different (2009, Regie: Detlev Buck).

Literatur

BĂŒcher

  • Bernd Stöver: Geschichte Kambodschas: Von Angkor bis zur Gegenwart. C. H. Beck, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-406-67432-7. 
  • David P. Chandler: A History of Cambodia. Westview Press, Boulder (CO)/Sydney 2007, ISBN 978-0-8133-4363-1.
  • John Amos Marston, Elizabeth Guthrie: History, Buddhism, and New Religious Movements in Cambodia. University of Hawaii Press, Honolulu 2004, ISBN 978-0-8248-2868-4.
  • Erich Follath: Die Kinder der Killing Fields. Kambodschas Weg vom Terrorland zum Touristenparadies. Deutsche Verlagsanstalt, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-421-04387-0.
  • Martin Ritter: Medien und Demokratisierung in Kambodscha. Frank & Timme, Berlin 2008, ISBN 978-3-86596-178-5.
  • Milton Osborne: Phnom Penh. A Cultural History. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-534248-2.
  • Alexander Goeb: Das Kambodscha-Drama. Gottkönige, Pol Pot und der Prozess der spĂ€ten SĂŒhne. Laika, Hamburg 2016, ISBN 978-3-944233-50-5.
  • François Ponchaud: BrĂšve histoire du Cambodge (= Je est ailleurs). Magellan & Cie, Paris 2014, ISBN 978-2-35074-292-2.
  • Bastian Bretthauer, Susanne Lenz, Jutta Werdes: Kambodscha. Ein politisches Lesebuch. regiospectra, Berlin 2017, ISBN 978-3-940132-99-4.

Online-Publikationen

  • John Tully: A short history of Cambodia. From Empire to Survival (Memento vom 18. Juli 2012 im Internet Archive; PDF; 3,4 MB). Higher Intellect (englisch).
  • Lucy Keller: UNTAC in Cambodia – from Occupation, Civil War and Genocide to Peace. (PDF; 271 kB) Max-Planck-Institut fĂŒr auslĂ€ndisches öffentliches Recht und Völkerrecht (englisch).
  • Teri Shaffer Yamada: Von den RĂ€ndern der Gesellschaft aus schreiben. Literatur in Kambodscha. In: SĂŒdostasien. Zeitschrift fĂŒr Politik, Kultur, Dialog. Themenheft RĂ€ume der Imagination – Literatur im (Kon)text. 3-2015, S. 25–27 (PDF; 260 kB).
  • Anne Taupitz: Der Buchmarkt in Kambodscha. Schwierigkeiten des Wiederaufbaus. In: SĂŒdostasien. Zeitschrift fĂŒr Politik, Kultur, Dialog. Themenheft RĂ€ume der Imagination – Literatur im (Kon)text. 3-2015 (PDF; 91 kB; zusĂ€tzlicher Artikel zur gedruckten Ausgabe, nur online).

Weblinks

  • Atlas: Kambodscha – geographische und historische Karten bei Wikimedia Commons
  • Literatur von und ĂŒber Kambodscha im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Königliche Botschaft von Kambodscha in der Bundesrepublik Deutschland
  • LĂ€nderĂŒbersicht Kambodscha auf WebprĂ€senz AuswĂ€rtiges Amt (archivierte Kopie. [Memento vom 23. Oktober 2017 im Internet Archive])
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Kambodscha
  • CIA World Factbook: Kambodscha (englisch)
  • Cambodia country profile auf BBC News (englisch)
  • Cambodia from UCB Libraries GovPubs (englisch)
  • Cambodian Information Center CIC – Nachrichten, Kunst, Kultur, Kontakte, Links aus und um Kambodscha(englisch, khmer)
  • National Institute of Statistics of Cambodia – Statistiken (englisch, khmer)
  • Destatis Statistisches Bundesamt Kambodscha – Fakten und LĂ€nderprofil (PDF; 339 kB)
  • Dossiers zum Thema Kambodscha in der Pressemappe 20. Jahrhundert der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. (Digitalisierte Artikel 1950–1960 vor Ort einsehbar, 1961–1980 auf Microfiche.)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

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Abk Name O
KH.BA BatdĂąmbĂąng  
KH.OM BĂąntĂ©ay MĂ©anchey  
KH.KK KaĂŽh Kong  
KH Kep  
KH.PL Krong Pailin  
KH.KA Krong Preah Sihanouk  
KH.KA Krong Preah Sihanouk  
KH.KH KrĂąchĂ©h  
KH.KM KĂąmpĂłng Cham  
KH.KG KĂąmpĂłng Chhnang  
KH.KS KĂąmpĂłng SpƓ  
KH.KT KĂąmpĂłng Thum  
KH.KP KĂąmpĂŽt  
KH.KN KĂąndal  
KH.MK MĂŽndĂłl Kiri  
KH.OC Otdar Mean Chey  
KH.PP Phnom Penh  
KH.PO Pouthisat  
KH.PH Preah VihĂ©ar  
KH.PY Prey VĂȘng  
KH.RO RĂŽtĂąnĂŽkiri  
KH.SI SiemrĂ©ab  
KH.ST StƓng TrĂȘng  
KH.SR Svay Rieng  
KH.TA TakĂȘv  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 
Flagge: Cambodia

Name englisch: Cambodia
Hauptstadt: Phnom Penh
Kfz: K
ISO: KH
ISO3: KHM
Fläche: 181040 km²
Tld: .kh
Wärung Einheit: KHR
Währung: Riels
Vorwahl: 855

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 14.6901791
südlichster Punkt: 9.2768081
westlichster Punkt: 102.333542
östlichster Punkt: 107.627687


 
Kambodscha: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Kambodscha. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

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