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Staat Informationen : Myanmar

Informationen:


Myanmar, Vollform Republik der Union Myanmar (ပဌညá€șထေဏငá€șစု သမá€čမတ မဌနá€șမာနိုငá€șငံတေ, Pyidaunzu Thanmăda Myăma Nainngandaw, [pjĂŹdĂ ÊŠÉŽzáč” ÎžĂ ÉŽmədaÌ° mjəmĂ  nĂ ÉȘɮƋàɮdɔ]), ehemals Burma, in deutschsprachigen Texten auch Birma, ist ein Staat in SĂŒdostasien und grenzt an Thailand, Laos, die Volksrepublik China, den Nordosten Indiens, Bangladesch und den Golf von Bengalen. Das Land steht de facto seit 1962 unter einer MilitĂ€rherrschaft, die zwischen Februar 2011 und Februar 2021 ĂŒber demokratische Elemente und einen zivilen PrĂ€sidenten als Staatsoberhaupt verfĂŒgte. In einem Putsch am 1. Februar 2021 riss das MilitĂ€r die gesamte Staatsgewalt wieder an sich, nahm demokratisch gewĂ€hlte Volksvertreter fest und verhĂ€ngte den Notstand.

Landesname

Zur Aussprache von Myanmar gibt der Duden [ˈmiÌŻanmaËÉÌŻ] an, also Betonung auf dem ersten a. Im Deutschen ist jedoch die Betonung auf dem zweiten a ĂŒblich. Im Englischen variiert die Aussprache von Myanmar erheblich. Myanmar ist im deutschen Sprachraum auch unter der frĂŒheren Bezeichnung Birma (in Deutschland und Österreich – Adjektiv birmanisch) resp. Burma (in der Schweiz – Adjektiv burmesisch) und im Vereinigten Königreich, in Australien und den USA nach wie vor auch als Burma bekannt (wobei im englischen das u nicht wie um deutschen als u, sondern sehr nahe am Schwa ausgesprochen wird).

Hintergrund

Burma und Myanmar sind eigentlich zwei Varianten derselben Bezeichnung. Die Schreibweisen Burma (englisch ausgesprochen) und davon abgeleitet Birma (in Deutschland) entsprechen dem birmanischen Namen Bama ['bɐma] mit verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig dumpfem „a“ als erstem Vokal. Bama und Myanma sind seit jeher die einheimischen Bezeichnungen der grĂ¶ĂŸten Bevölkerungsgruppe, der Bamar, fĂŒr sich selbst und fĂŒr ihr Land. Der Übergang von „B“ zu „M“ ist fließend. Dazu kommen weitere Varianten je nach Dialekt. Die Form Myanma(r) entstammt der Schriftsprache und findet sich daher eher in historischen Dokumenten, wĂ€hrend Bama umgangssprachlich verwendet wird. Vermutlich entstand Bama durch vereinfachte Aussprache aus Myanma.

Das -r in Myanmar wird im Birmanischen nicht gesprochen und auch nicht geschrieben: Myanma. Das -r wurde fĂŒr die Schreibung im Englischen hinzugefĂŒgt, um die LĂ€nge der letzten Silbe gemĂ€ĂŸ der nicht-rhotischen Standardaussprache im Britischen Englisch anzuzeigen. Auch in Burma (englisch ausgesprochen) reprĂ€sentiert das r keinen zusĂ€tzlichen Konsonanten, vielmehr Ă€hnelt ur dem Schwa. Die Aussprache von Burma (englisch) ist tatsĂ€chlich sehr Ă€hnlich wie die von Bama (birmanisch).

Die Etymologie des Namens ist ungeklĂ€rt. Als Bezeichnung des Volkes taucht der Name bereits in Inschriften aus dem 12. Jahrhundert auf: zuerst in einer Mon-Inschrift aus dem Jahr 1102 (dort in der Form Mirma), dann im Jahr 1190 erstmals in einer burmesischen Inschrift (dort schon in der aktuellen Form Mranma [မဌနá€șမာ], die auch heute noch benutzt wird – der scheinbare Wechsel von r zu y betrifft nur die Transkription, nicht die birmanische Rechtschreibung).

Umbenennung

Seit den 1920er Jahren hatte es Bestrebungen gegeben, einen einheitlichen Begriff fĂŒr alle im jetzigen Myanmar beheimateten Volksgruppen zu finden. So wurde mehrmals Bama durch Myanma ersetzt und umgekehrt.

Die offizielle Umbenennung des Landes in „Republik der Union Myanmar“ (Pyidaunzu Thanmăda Myăma Nainngandaw) durch das MilitĂ€r erfolgte durch das Gesetz Nr. 15/89 vom 18. Juni 1989. Dies war in erster Linie ein Vorhaben mit Außenwirkung. Das Land sollte sich als selbstbewusster Staat prĂ€sentieren, der die Kolonialzeit endgĂŒltig ĂŒberwunden hat. Durch das Gesetz Nr. 15/89 wurde auch die offizielle Schreibweise vieler Ortschaften neu bestimmt. HierfĂŒr wurden die Namen in ihrer ursprĂŒnglichen Form, also ohne VerĂ€nderungen durch kolonialen Einfluss, und nach ihrer Aussprache ins lateinische Alphabet transkribiert. So wurde z. B. die Freihandelszone am sĂŒdlichsten Festland-Ort Victoria Point in Kawthaung umbenannt.

Heutiger Sprachgebrauch

Die Vereinten Nationen ĂŒbernahmen den neuen Namen des Staates wenige Tage nach der VerkĂŒndung durch das MilitĂ€r. Dem sind mittlerweile viele Staaten gefolgt. Die Vereinigten Staaten, Australien sowie weitere Staaten und nichtstaatliche Organisationen halten als Zeichen ihrer Missbilligung des Regimes am Namen Burma fest. Auch die FriedensnobelpreistrĂ€gerin Aung San Suu Kyi sprach sich 1996 in einem Interview fĂŒr das Magazin Marie Claire fĂŒr die Beibehaltung von Burma aus, zum einen wegen der fehlenden Mitwirkung des Volkes, zum anderen, da der Begriff Myanmar eben nicht die Vielfalt der Volksgruppen im Lande widerspiegele.

Die deutschschweizerischen und österreichischen Zeitungen verwenden vorwiegend Burma, wĂ€hrend sich die deutschsprachigen Agenturen auf die Bezeichnung Birma geeinigt haben (Stand 2007). Mehrere deutsche Medien, darunter Spiegel und FAZ, verwenden dennoch ĂŒberwiegend die Variante Burma (neben Birma und Myanmar). In der DDR wurde die Namensform Burma verwendet. Eine Person aus Myanmar wird Burmese beziehungsweise Burmesin genannt, die Begriffe Myanmare beziehungsweise Myanmarin werden kaum verwendet.

Die Einwohner Myanmars bezeichnen ihren Staat meist kurz Myanma Naingngan („Myanmarischer Staat“).

Geographie

Lage

Myanmar grenzt im Norden und Osten an die Volksrepublik China sowie weiter sĂŒdlich im Osten an Laos und Thailand und im SĂŒden an den Indischen Ozean. Der sĂŒdlichste Teil Myanmars liegt auf der Malaiischen Halbinsel. Das Andamanische Meer trennt Myanmar von den westlich gelegenen indischen Inseln der Andamanen und Nikobaren. Im Westen grenzt Myanmar an Bangladesch und die indischen Bundesstaaten Mizoram, Manipur, Nagaland und Arunachal Pradesh.

Landschaften

Im Norden liegt das Kachin-Bergland, ein sĂŒdlicher AuslĂ€ufer des Himalaya, und an der Grenze Myanmar–Indien–China liegt der Hkakabo Razi. Mit seinen 5881 m ist er der höchste Berg SĂŒdostasiens. Entlang der KĂŒste am Golf von Bengalen erstrecken sich Sumpfgebiete, dahinter liegt das Arakan-Joma-Gebirge mit bis zu 3000 m hohen Bergen, das sich weiter im Norden entlang der Grenze zu Indien im Patkai-Gebirge fortsetzt. Im Osten des Landes liegt das Shan-Hochland mit Erhebungen von bis zu 2500 m. In der Mitte des Landes, entlang des Irrawaddy, liegt Zentralmyanmar mit seinen fruchtbaren Böden. Die bedeutendsten FlĂŒsse neben dem Irrawaddy sind Thanlwin, Sittaung, Chindwin und Mekong.

40 % der FlĂ€che werden von PrimĂ€rwald bedeckt, wobei die WaldflĂ€che jĂ€hrlich um 1,2 % abnimmt. Vor der WestkĂŒste der Malaiischen Halbinsel liegt eine abgesunkene Gebirgslandschaft, der Mergui-Archipel mit rund 800 Inseln, eine noch weitgehend unberĂŒhrte Inselgruppe.

StÀdte

Die grĂ¶ĂŸte Stadt des Landes ist Yangon (Rangun) mit rund 5.160.000 Einwohnern (2014). Rangun war frĂŒher auch die Hauptstadt von Myanmar (seit 2005 ist Naypyidaw die Hauptstadt). Weitere große StĂ€dte sind Mandalay, Mawlamyaing, Bago und Pathein.

Klima

Myanmar befindet sich – mit Ausnahme des Ă€ußersten Nordens – im Einflussbereich des indischen Monsuns. Durch das Relief bedingt sind die AusprĂ€gungen des Monsuns in den einzelnen Landesteilen unterschiedlich.

Im Wesentlichen lassen sich drei Jahreszeiten unterscheiden:

  • Regenzeit von Ende Mai bis Mitte Oktober
  • kĂŒhle Jahreszeit von Ende November bis Ende Februar
  • heiße Jahreszeit in den Monaten MĂ€rz bis Mai

Bevölkerung

Demographische Daten

Das Bevölkerungswachstum hat sich in den letzten Jahren abgeschwĂ€cht. Lag es 1998 noch bei 1,5 Prozent, sank es 2002 auf 1,1 Prozent. Bei der letzten VolkszĂ€hlung 2014 hatte Myanmar 51.486.253 Einwohner, die sich auf folgende ethnische Gruppen aufteilen: Bamar 69 Prozent, Shan 8,5 Prozent, christliche Karen 6,2 Prozent, muslimische Rohingya 4,5 Prozent, Mon 2,4 Prozent, Chin 2,2 Prozent, Kachin 1,4 Prozent, Inder 1 Prozent, Han 1–2 Prozent. Insgesamt gibt es rund eine Million Umgesiedelte im eigenen Land. Mit nur 0,1 % der Bevölkerung zĂ€hlt die AuslĂ€nderquote zu den geringsten der Welt.

Die Lebenserwartung stieg von 57,2 Jahren 2002 auf 66,6 Jahre 2016, die SĂ€uglingssterblichkeit sank von 77 pro Tausend Neugeborenen 2002 auf 49 pro Tausend 2011. Etwa 0,6–2 Prozent der Bevölkerung werden als HIV-positiv geschĂ€tzt. Die Alphabetisierungsrate betrug 2016 geschĂ€tzt 75,6 %. Die FertilitĂ€t pro Frau betrug 2,0 Kinder.

Völker und Sprachen

Myanmar ist ein Vielvölkerstaat mit rund 53 Millionen Einwohnern, die 135 verschiedenen Ethnien angehören. Die grĂ¶ĂŸte Ethnie ist mit 70 % Bevölkerungsanteil die der Birmanen (Bamar). Die Shan sind die zweitgrĂ¶ĂŸte Volksgruppe (8,5 %) und leben hauptsĂ€chlich im Shan-Staat des Landes, in Gebieten ab etwa 1000 Metern Höhe.

6,2 % stellen die ĂŒberwiegend christlichen Karen und 2,4 % gehören zu den Mon. Die Padaung gehören zur Sprachgruppe der Mon-Khmer und umfassen etwa 150.000 Personen. Sie leben im sĂŒdlichen Kachin- und im Shanstaat. 2,2 % sind Chin (Tschin) und 1,4 % Kachin.

HauptsĂ€chlich im Rakhaing-Staat leben etwa 730.000 Arakanesen. Andere Quellen geben ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung sogar mit 4 % an. Ebenfalls im Rakhaing-Staat leben die muslimischen Rohingya, denen der Status als Volksgruppe verwehrt wird. Die Rohingya werden vom Staat nicht als ethnische Gruppe anerkannt, erhalten nicht die myanmarische Staatsangehörigkeit und gelten laut den Vereinten Nationen als „am stĂ€rksten verfolgte Minderheit der Welt“. Sie sprechen eine eng mit dem Bengali verwandte indogermanische Sprache. Viele von ihnen sind auf Grund der massiven Verfolgung nach Bangladesch geflohen.

Ferner stellen Han 1–2 % und Inder 1 % der Bevölkerung. Die einzelnen Völker sprechen ihre eigenen Sprachen, Englisch ist Handelssprache. Amtssprache ist die birmanische Sprache.

Siehe auch: Liste der ethnischen Gruppen in Myanmar

Religion

Anteile der Religionen an der Bevölkerung:

  • Buddhismus: nach offiziellen Angaben 87,9 %
  • Christentum: 6,2 % (zumeist AnhĂ€nger des Protestantismus und ca. 1 % der katholischen Kirche)
  • Islam: 4,3 %
  • Hinduismus: 0,5 %
  • Animismus: offiziell 0,8 % aber dominant unter Buddhisten

Die am weitesten verbreitete Religion in Myanmar ist der Buddhismus. Einige der berĂŒhmtesten buddhistischen Kunstwerke (Statuen) im asiatischen Raum befinden sich hier. Vorherrschend ist die frĂŒhbuddhistische Theravada-Schule, die im 20. Jahrhundert auch maßgeblichen Einfluss auf die Buddhismus-Rezeption im Westen hatte. So fußen viele der Standardwerke der Vipassana-Meditation (zum Beispiel Nyanaponika: „Geistesschulung durch Achtsamkeit“) auf den Lehren birmanischer Dharma-Meister wie Mahasi Sayadaw, Chanmyay Sayadaw U Janaka, Ledi Sayadaw oder Sayadaw U Pandita. Zu den wichtigsten HeiligtĂŒmern zĂ€hlen vor allem die Shwedagon-Pagode in Rangun, der Goldene Fels sĂŒdöstlich von Bago und der Mount Popa in der NĂ€he von Bagan.

In der buddhistischen Volksreligion ist der Geisterglaube an die Nats weit verbreitet. Nats haben menschliche ZĂŒge, GefĂŒhle, WĂŒnsche und BedĂŒrfnisse, sind gut, hilfreich oder böse und gehĂ€ssig, vor allem aber mĂ€chtig. Sie können, wenn erzĂŒrnt, großes Unheil bringen. WĂ€hrend der ihnen gewidmeten Feste werden sie durch Nat-Gadaw, weibliche Medien (hĂ€ufig auch Transvestiten) in Trance und Tanz verkörpert. Bei den niederen Nats ist der Bezug zu animistischen Vorstellungen deutlich, denn sie leben in oder bei alten BĂ€umen oder Steinen, auf Bergen oder an FlĂŒssen. HĂ€ufig haben sie nichtmenschliche Gestalt. Die an BĂ€umen, Feldern, GewĂ€ssern oder in Dörfern errichteten Nat-Schreine (nat-sin) Ă€hneln den GeisterhĂ€uschen (san phra phum) in Thailand.

Zum Christentum bekennen sich nach offiziellen Angaben 4 % der Bevölkerung, vor allem in den Volksgruppen der Chin und der Karen, die einem im Jahre 2007 bekannt gewordenen Regierungsprogramm „zur Zerstörung der christlichen Religion in Myanmar“ zufolge, systematisch vertrieben werden sollen.

Dem Islam gehören vor allem die Rohingya an.

Gesundheit

Myanmar ist seit einigen Jahren eines der LĂ€nder mit besonders hoher AIDS-Zuwachsrate, die von der Junta lange bestritten wurde, was das Problem verschlimmerte. Ursachen sind vor allem die Prostitution, besonders in Rangun, und die verbreitete, traditionelle DrogenabhĂ€ngigkeit, die infolge der durch den jahrzehntelangen BĂŒrgerkrieg eingetretenen gesellschaftlichen ZerrĂŒttung noch verschĂ€rft wird. Bei der ErnĂ€hrung der Bevölkerung konnten starke Fortschritte gemacht werden. WĂ€hrend im Jahr 2000 noch 48,1 % der Bevölkerung unterernĂ€hrt waren, waren es 2015 noch 16,9 %.

Bildung

Der Bildungssektor ist in Myanmar, das eine ausgesprochene Bildungstradition hat, unter dem MilitĂ€rregime besonders stark geschrumpft. Mehrere Hochschulen wurden vorĂŒbergehend oder ganz geschlossen, vor allem aus Angst vor StudentenaufstĂ€nden und vor der Kritik einer intellektuellen Elite. Lernfreiheit und freie FĂ€cherwahl bestehen nicht, dafĂŒr ist es möglich, gewisse FĂ€cher per Fernkurs zu studieren. Auch die Verbreitung von BĂŒchern im universitĂ€ren Bereich ist stark beschrĂ€nkt, so kann etwa ein Medizinstudent keine GeschichtsbĂŒcher ausleihen. 2015 konnten 93,1 % der Bevölkerung lesen und schreiben. In den letzten Jahren stieg der Bildungsgrad an und die mittlere Schulbesuchsdauer ĂŒber 25-jĂ€hriger konnte von 2,4 Jahren im Jahr 1990 auf 4,7 Jahre im Jahr 2015 gesteigert werden. Die Schulbesuchserwartung der aktuellen Generation liegt bereits bei 9,1 Jahren.

Maßeinheiten

In Myanmar galt offiziell noch bis 2013 das angloamerikanische Maßsystem, das weltweit sonst nur von den USA und Liberia verwendet wird. 2013 wurde der Übergang zum metrischen System beschlossen.

Geschichte

Bis 1948

Im 11. Jahrhundert grĂŒndete König Anawrahta das erste birmanische Reich. Im 19. Jahrhundert fiel Birma nach mehreren Kriegen unter britische Herrschaft und wurde am 1. Januar 1886 Teil von Britisch-Indien. Der letzte König von Birma wurde mit seiner Familie durch die britische Besatzung ins Exil nach Indien geschickt, wo er auch starb.

1923 war Burma noch eine Provinz Indiens und unter britischer Herrschaft. MĂ€nner und Frauen, die Steuern zahlten, erhielten das aktive Wahlrecht. Das passive Frauenwahlrecht wurde jedoch nicht gewĂ€hrt. Da nur MĂ€nner dazu verpflichtet waren, eine Kopfsteuer zu zahlen, gab es viel mehr Steuerzahler als Steuerzahlerinnen, sodass Frauen in der Praxis immer noch am WĂ€hlen gehindert waren. Zu dieser Zeit kamen auf zwei Millionen WĂ€hler nur 125.000 WĂ€hlerinnen. 1927 gab es eine Vorlage in der gesetzgebenden Versammlung, die auch das passive Frauenwahlrecht einfĂŒhren wollte; doch die Briten lehnten sie ab. Dies fĂŒhrte zu Unmut bei den Frauen und einer Demonstration in Ragoon. Doch die EinschrĂ€nkung auf das aktive Wahlrecht wurden 1929 aufgehoben und somit das passive Frauenwahlrecht auf derselben Basis wie das passive MĂ€nnerwahlrecht erreicht. Auch die Koppelung an das Bezahlen von Steuern entfiel. Trotzdem saßen nur sehr wenige Frauen in den kommunalen Gremien und der gesetzgebenden Versammlung. Als 1935 der Government of Burma Act in Kraft trat, endete Burmas Zeit als Provinz Indiens. Obwohl es noch unter britischer Herrschaft stand, hatte es nun sein eigenes gesetzgebendes Gremium. FĂŒr dieses ReprĂ€sentantenhaus hatten Frauen nun das Wahlrecht, wenn sie einen Lese- und Schreibtest bestanden hatten. Auf diese Weise stieg die Zahl der WĂ€hlerinnen auf 750 000. Diese Verfassung wurde aufgehoben, als Japan 1942 das Land okkupierte. Nach der erneuten Besetzung durch die Briten nach Kriegsende und die Entlassung in die UnabhĂ€ngigkeit 1948 erhielten Frauen das allgemeine Wahlrecht.

Ab der UnabhÀngigkeit 1948

Seit der UnabhĂ€ngigkeit halten bewaffnete Konflikte in verschiedenen Landesteilen an, wo ethnische Minderheiten gewaltsam fĂŒr mehr Autonomie oder UnabhĂ€ngigkeit kĂ€mpfen. Nach einer kurzen demokratischen Phase bis 1962 wurde Birma von verschiedenen MilitĂ€rregimen kontrolliert.

Von 1961 bis 1971 war der birmanische Politiker Maha Thray Sithu U Thant der dritte GeneralsekretÀr der Vereinten Nationen. Als es wegen der Weigerung der Regierung Ne Win, ihm ein StaatsbegrÀbnis auszurichten, in Rangun zu Unruhen kam, wurden diese gewaltsam niedergeschlagen.

Am 18. Oktober 1965 verabschiedete der Revolutionsrat ein Gesetz, nach dem alle Wirtschaftsunternehmen verstaatlicht wurden. Wenig spÀter wurden alle christlichen Missionare zum Ende des Jahres 1966 ausgewiesen.

Am 8. August 1988 gipfelten monatelange Unruhen (8888 Uprising) wegen der Wirtschaftspolitik des MilitĂ€rs unter FĂŒhrung von General Ne Win in der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten in der Hauptstadt Rangun mit mehreren Tausend Toten. Ein neues MilitĂ€rregime unter General Saw Maung etablierte sich als Staatsrat fĂŒr die Wiederherstellung von Recht und Ordnung (SLORC).

1989 wurde das Land in Myanmar umbenannt. Als 1990 bei demokratischen Wahlen die oppositionelle Nationale Liga fĂŒr Demokratie (NLD) einen deutlichen Sieg errang, wurden die Wahlen vom MilitĂ€rregime fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt, und es kam zu einer blutigen Niederschlagung von friedlichen Studentenprotesten. Das Regime blieb an der Macht.

Ab 2000

Im November 2005 begann die Regierung mit der Verlegung des Regierungssitzes von Rangun nach Naypyidaw in der NĂ€he der Stadt Pyinmana (Region Mandalay). BegrĂŒndet wurde der Schritt offiziell mit der gegenĂŒber Rangun zentralen Lage der neuen administrativen Hauptstadt. Inoffizielle Spekulationen reichten von der Furcht vor einer auslĂ€ndischen Invasion vom Meer aus ĂŒber EinflĂŒsse von Astrologen auf die MilitĂ€rmachthaber bis zur Abschottung des Regimes aus Furcht vor möglichen neuen VolksaufstĂ€nden.

In der Reihe der Kritiker des Regimes erschienen im Dezember 2005 erstmals auch die ASEAN-Staaten. Bereits im MĂ€rz 2005 hatte Myanmar auf die turnusmĂ€ĂŸige Übernahme des jĂ€hrlich wechselnden Vorsitzes innerhalb ASEAN zugunsten der Philippinen verzichtet. Ein von den USA im Weltsicherheitsrat eingebrachter Resolutionsentwurf, der das MilitĂ€rregime zur Einhaltung der Menschenrechte und zur Freilassung aller politischen Gefangenen auffordern sollte, wurde im Januar 2007 mit den Stimmen der VetomĂ€chte Volksrepublik China und Russland abgelehnt.

Die im August 2003 vom damaligen Premierminister Khin Nyunt verkĂŒndete „Road Map“ fĂŒr den Weg zur Demokratie nahm mit der erneuten Einberufung der Nationalen Versammlung, die eine neue Verfassung erarbeiten sollte, ihren Lauf. Nach knapp zehnmonatigen Beratungen zwischen dem 17. Mai 2004 und dem 3. September 2007 erklĂ€rte der Vorsitzende der Kommission fĂŒr die Einberufung der Nationalen Versammlung, Generalleutnant Thein Sein, dass man sich auf eine neue Verfassung geeinigt habe, die einen ersten Schritt zur Demokratisierung des Landes darstelle. Einen Termin fĂŒr ein Referendum ĂŒber den Verfassungsentwurf oder fĂŒr freie Parlamentswahlen nannte er jedoch nicht.

Am 15. August 2007 wurden sĂ€mtliche Subventionen auf Kraftstoffe gestrichen. Die hierdurch auf bis zu 500 Prozent ansteigenden Preise fĂŒr flĂŒssigen Treibstoff und Gas waren der Anstoß zu Protestdemonstrationen, die sich bis Ende September auf das ganze Land ausweiteten. Sie wurden am 26. September gewaltsam niedergeschlagen. Dabei wurden nach unterschiedlichen Angaben zwischen zehn und mehreren Tausend Mönche und Demonstranten getötet.

Im Februar 2008 setzte die MilitĂ€rjunta ein Referendum ĂŒber die neue Verfassung im Mai 2008 an. Nach dem Terminplan sollten demokratische Wahlen 2010 stattfinden.

In der Nacht zum 3. Mai 2008 wurden Teile des Landes durch den Tropensturm Nargis verwĂŒstet. Nach UNO-SchĂ€tzungen vom 9. Mai starben 63.000 bis 101.000 Menschen und rund eine Million wurde obdachlos. Nach Regierungsangaben vom 24. Juni starben 84.537 Menschen, 53.836 gelten als vermisst. Die MilitĂ€rjunta verweigerte Helfern den Zugang zum Irrawaddy-Flussdelta und beschlagnahmte HilfsgĂŒterlieferungen aus dem Ausland.

Ungeachtet der Katastrophe fĂŒhrte das Regime am 10. Mai 2008 das Verfassungsreferendum wie geplant durch. Lediglich in den am schwersten betroffenen Gebieten wurde der Termin um zwei Wochen verschoben. Nach massiver WahlfĂ€lschung und EinschĂŒchterung verkĂŒndete das MilitĂ€r schließlich eine 92,48-prozentige Zustimmung der wahlberechtigten Bevölkerung zur neuen Verfassung.

Am 7. November 2010 fanden die ersten Wahlen seit 1990 statt, woraufhin am 4. Februar 2011 der vorherige Premierminister Thein Sein zum ersten PrĂ€sidenten Myanmars seit 1988 ernannt wurde; dieser ist ein Than Shwe nahestehender General. WĂ€hrend die Parlamentswahlen von 2010 noch von der NLD boykottiert wurden, beteiligte sich die fĂŒhrende Oppositionspartei am 1. April 2012 erstmals seit 1990 wieder bei Parlamentswahlen. Bei den Nachwahlen wurden 45 der 664 Sitze in der Volksversammlung neu vergeben. 43 dieser 45 Sitze erhielt die Opposition mit der FriedensnobelpreistrĂ€gerin Aung San Suu Kyi.

2016 ĂŒbernahm die Partei von Aung San Suu Kyi die Regierung. Nach einem Jahr stellte der Spiegel fest, sie sei vor allem still und interpretierte es als Hoffnung Kyis auf eine VerfassungsĂ€nderung, welche das MilitĂ€r bei zu forschem Vorgehen mit seinen Vertretern verhindern könne. Es gab zwar etwas mehr Geld fĂŒr Bildung und Gesundheit, seit Oktober 2016 ging jedoch das MilitĂ€r im Staat Rakhine gegen die Bevölkerung vor.

Im Herbst 2017 sprach die NZZ davon, dass das VerhĂ€ltnis zwischen dem mĂ€chtigen MilitĂ€r und der Regierung schon fast einem getroffenen Pakt Ă€hnle und Anfangs 2018 formulierte die SRF-Korrespondentin, dass es den Anschein machte, als wĂŒrde die angekĂŒndigte Versöhnung weniger das Volk betreffen, sondern es hĂ€tte „sich Aung San Suu Kyi mit dem MilitĂ€r versöhnt“.

MilitÀrputsch 2021

Bei der Parlamentswahl im November 2020 erreichte Suu Kyis Partei NLD offiziellen Angaben zufolge die absolute Mehrheit, wobei die Wahlbeteiligung bei ĂŒber 70 Prozent gelegen haben soll. Die EuropĂ€ische Union sah die Wahl als frei und fair an, trotz der strukturellen demokratischen Defizite. Die Armee, fĂŒr die automatisch ein Viertel der Sitze in den Parlamentskammern reserviert ist, sprach dagegen von Wahlbetrug. Am Morgen des 1. Februar 2021 begann das MilitĂ€r unter Oberbefehlshaber Min Aung Hlaing nach anhaltender Kritik an dem Wahlergebnis einen Putsch. Suu Kyi, PrĂ€sident Win Myint und weitere hochrangige NLD-Mitglieder wurden festgenommen. Auch rief das MilitĂ€r den Notstand aus. Das MilitĂ€rfernsehen gab bekannt, fĂŒr ein Jahr die Kontrolle ĂŒbernehmen zu wollen. Das Vorgehen wurde mit angeblichem Wahlbetrug begrĂŒndet.

Politik

Politische Entwicklung

MilitÀrdiktatur 1988 bis 2010

Am 18. September 1988 war die bisherige Verfassung der Sozialistischen Republik von 1974 außer Kraft gesetzt worden. Bis 2010 galt dieses Regierungssystem:

  • Staatsform: MilitĂ€rdiktatur unter dem Namen „Staatsrat fĂŒr Frieden und Entwicklung“ (State Peace and Development Council, SPDC), bestehend aus elf Mitgliedern
  • Staatschef: General Than Shwe (seit April 1992), Vorsitzender des „Staatsrats fĂŒr Frieden und Entwicklung“
  • Regierungschef: General Thein Sein
  • Regierung: Kabinett bestehend aus 33 Ministern, ĂŒberwiegend im Generalsrang, darunter Außenminister Nyan Win
  • Parlament: Volksversammlung mit 485 fĂŒr vier Jahre gewĂ€hlten Abgeordneten (derzeit ausgesetzt)
  • Politische Parteien: Nationale Einheitspartei (NUP), hervorgegangen aus der Burma Socialist Programme Party von General Ne Win, Union Solidarity and Development Association (USDA) (regierungsnah, jedoch offiziell ohne Parteienstatus) sowie die Nationale Liga fĂŒr Demokratie (NLD) und weitere acht MinoritĂ€ten-Parteien. Die NLD als wichtigste Oppositionspartei war zwischenzeitlich aufgelöst worden.

Verfassung

Seit 1993 wurde ĂŒber eine neue Verfassung beraten. Mit Verweis auf die fehlende Verfassung hatte die MilitĂ€rregierung jahrelang freie Wahlen verhindert. Im Regierungsentwurf fĂŒr eine neue Verfassung wurde als neuer offizieller Name Pyidaungsu Thamada Myanmar Naing-Ngan Daw (Republik der Union von Myanmar) vorgeschlagen. Außerdem wurde eine Änderung von Staatsflagge und Staatssiegel geplant. Die Diskussionen hierĂŒber verzögerten die Fertigstellung der Verfassung bis zum 3. September 2007. Die Verfassung wurde im Mai 2008 zur Abstimmung vorgelegt. Diese schreibt immer noch Vorrechte des MilitĂ€rs fest, etwa, dass ein Viertel der Parlamentsmandate an MilitĂ€rangehörige vergeben werden mĂŒssen. Nach offizieller Lesart wurde diese Verfassung mit 92,48 Prozent Jastimmen angenommen. Erst am 22. Oktober 2010, rund zwei Wochen vor den fĂŒr den 7. November 2010 angesetzten Wahlen, wurde der o. a. Namensvorschlag umgesetzt, zusĂ€tzlich wurden Flagge und Wappen geĂ€ndert.

Durch ein im MĂ€rz 2010 von der MilitĂ€rregierung veröffentlichtes Wahlgesetz war die fĂŒhrende NLD-Politikerin und FriedensnobelpreistrĂ€gerin Aung San Suu Kyi von den Parlamentswahlen am 7. November 2010 ausgeschlossen worden. Das Gesetz besagt, dass Strafgefangene, zu denen in Myanmar faktisch auch politische Gefangene gezĂ€hlt werden, nicht Mitglieder einer politischen Partei sein dĂŒrfen. Gleichzeitig wurde die NLD dazu gezwungen, Aung San Suu Kyi aus der Partei auszuschließen, sollte sie an den Wahlen teilnehmen wollen. Obwohl das neue Gesetz auf internationale Kritik stieß, annullierte die MilitĂ€rregierung gleichzeitig das Ergebnis der Parlamentswahl aus dem Jahr 1990, da es nicht mehr mit der neuen Verfassung ĂŒbereinstimme. Die NLD hatte die Wahl im Jahr 1990 mit großer Mehrheit fĂŒr sich entscheiden können. Erst auf internationalen Druck entließ die MilitĂ€rregierung Myanmars Aung San Suu Kyi am 13. November 2010 aus ihrem insgesamt 15 Jahre wĂ€hrenden Hausarrest.

Am 7. November 2010 wurden erstmals auf Grundlage der Verfassung von 2010 Allgemeine Wahlen 2010 in Myanmar durchgefĂŒhrt. Die Union Solidarity and Development Party stellte vom 4. Februar 2011 bis zum 15. MĂ€rz 2016 den StaatsprĂ€sidenten Thein Sein. Das Amt des MinisterprĂ€sidenten ist bislang unbesetzt, Than Shwe hat somit kein politisches Amt mehr inne. In der Verfassung von 2008 ist das Amt des MinisterprĂ€sidenten nicht mehr vorgesehen. Der StaatsprĂ€sident wird durch ein spezielles Wahlkollegium bestimmt, das aus drei verschiedenen Parlamentariergruppen besteht. Es handelt sich somit im weitesten Sinne um ein System parlamentsgebundener Exekutivgewalt.

Am 15. MÀrz 2016 wurde Htin Kyaw zum StaatsprÀsidenten gewÀhlt.

Demokratisierungsprozess

Im Jahr 2011 waren in Myanmar AnfĂ€nge eines Demokratisierungsprozesses zu verzeichnen. Anlass und Nahziel dieser neuen Politik waren die Lockerung der internationalen Handelsblockaden, die das Land in der Vergangenheit stark isoliert hatten. Unter anderem wurden nach Informationen des EuropĂ€ischen AuswĂ€rtigen Diensts die große Mehrzahl politischer Gefangener freigelassen, neue Vorschriften im Arbeits- und Investitionsrecht erlassen, die Kontrolle der Medien gelockert und mehr als 120 Gewerkschaften genehmigt. Im Juli 2013 kĂŒndigte Thein Sein die Freilassung aller politischen Gefangenen bis zum Jahresende an, die ersten der etwa 150 Gefangenen kamen daraufhin eine Woche spĂ€ter frei. TatsĂ€chlich aber gibt es in dem Land kein Minderheitenwahlrecht da Minderheiten, wie bspw. die Rohingya in dem Land nicht als StaatsbĂŒrger anerkannt, sondern im Gegenteil verfolgt und misshandelt werden.

Am 1. April 2012 fanden Nachwahlen statt, nachdem zahlreiche Abgeordnete RegierungsĂ€mter ĂŒbernommen und insgesamt 157 Kandidaten von 17 Parteien sich fĂŒr die Nachbesetzung der freigewordenen 45 Parlamentssitze beworben hatten. AnteilmĂ€ĂŸig waren lediglich sechs Millionen WĂ€hler des 54-Millionen-Volks zu diesen Nachwahlen wahlberechtigt. An der Zusammensetzung des Parlaments hat die Nachwahl kaum etwas geĂ€ndert, da die neu gewĂ€hlten Abgeordneten mit 45 von insgesamt 664 Abgeordneten nur sieben Prozent aller Mandate innehaben. Die vom MilitĂ€r dominierte Union Solidarity and Development Party hat rechnerisch nach wie vor eine klare Mehrheit. Allerdings zog Aung San Suu Kyi als Spitzenkandidatin der Partei NLD im Ergebnis der Nachwahlen erstmals in das Parlament ein – nicht ohne sehr kritisch darauf hinzuweisen, dass die neue Verfassung immer noch Vorrechte des MilitĂ€rs festschreibt, etwa dass ein Viertel der Parlamentsmandate an MilitĂ€rangehörige vergeben werden mĂŒssen. Suu Kyi wurde auch Vorsitzende des Unterausschusses fĂŒr Rechtsstaatlichkeit. Die NLD gewann laut Medienberichten in 112 von 129 Wahllokalen die meisten Stimmen. Dies wird vielerorts als Aufbruchzeichen fĂŒr eine weitere Demokratisierung gewertet.

Bei der folgenden Wahl am 8. November 2015 gewann die NLD 77 % der Sitze im Parlament. Aung San Suu Kyi konnte jedoch nicht selbst PrĂ€sidentin werden, da ihre beiden Söhne britische PĂ€sse haben. Im MĂ€rz 2016 wurde Htin Kyaw, ein enger Vertrauter von Aung San Suu Kyi, zum neuen PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Aung San Suu Kyi wurde in der Folge zur Außenministerin ernannt.

Politische Indizes

Menschenrechte

Menschenrechtsorganisationen werfen Regierung und MilitĂ€r MenschenrechtsverstĂ¶ĂŸe wie Zwangsarbeit, ZwangsrĂ€umung von Dörfern, Folter, Vergewaltigungen und Einsatz von Kindersoldaten in den bis heute andauernden KĂ€mpfen gegen AufstĂ€ndische vor. Auch manche Rebellengruppen sollen Kinder rekrutiert und Zivilisten zur Zwangsarbeit verpflichtet haben.

Vor allem christliche Minderheiten wie die Karen und Chin sind in den zurĂŒckliegenden Jahrzehnten Opfer von massiver Verfolgung geworden. Im Weltverfolgungsindex 2020 von Open Doors rangiert Myanmar auf Platz 19 der LĂ€nder mit der schwersten Christenverfolgung. Als Ergebnis leben heute mehrere Hunderttausende von ihnen unter menschenunwĂŒrdigen VerhĂ€ltnissen ohne Obdach oder in FlĂŒchtlingslagern im Grenzgebiet zu Thailand. Ende Juni 2007 hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) öffentlich der Regierung schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Normalerweise Ă€ußert das IKRK seine Kritik vertraulich, doch da die Machthaber Myanmars nicht auf die VorwĂŒrfe reagierten, habe man die VorwĂŒrfe publik gemacht. Neben der Misshandlung von Gefangenen wurde vor allem die Verfolgung der Karen kritisiert.

In der jĂŒngeren Vergangenheit geriet vor allem die ĂŒberwiegend muslimische Minderheit der Rohingya in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Ihnen wird in Myanmar die Staatsangehörigkeit verwehrt und ihre BĂŒrgerrechte werden stark eingeschrĂ€nkt. Von den Vereinten Nationen werden die Rohingya als eine der am stĂ€rksten verfolgten Minderheiten der Welt bezeichnet. Im Mai 2013 ordnete die Regierung „zum Abbau von ethnischen Spannungen“ an, dass die Rohingya im Rakhaing-Staat nicht mehr als zwei Kinder haben dĂŒrfen, da ihre nach Angaben der Regierung zehnmal so hohe Geburtenrate angeblich die buddhistische Mehrheit in eine Minderheit verwandeln könne. Dem gleichen Ziel diente das Verbot der Polygamie fĂŒr die Muslime in den an Bangladesch angrenzenden Ortschaften Buthidaung und Maundaw.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete auch 2017 ĂŒber schwere Menschenrechtsverletzungen durch die SicherheitskrĂ€fte. Das MilitĂ€r fĂŒhre ausgedehnte und systematische Angriffe gegen Rohingya und gehe dabei mit Zwangsabschiebungen, Mord und Vergewaltigung gegen die Zivilbevölkerung vor. Im Zuge von MilitĂ€roperationen gegen Rohingya-Dörfer kam es zu hunderten Tötungen und Vergewaltigungen. Brad Adams, Direktor der Asien-Abteilung von Human Rights Watch sprach von einem systematischen Massaker. Aung San Suu Kyi hingegen machte Terroristen fĂŒr die Gewalt verantwortlich und beklagte einen „Eisberg an Falschinformationen“.

Der MilitĂ€raktion gingen Attentate von im Ausland geschulten, islamischen Terroristen voraus. Mitglieder der Arakan Rohingya Salvation Army (Arsa), einer radikalen Rohingyagruppe, hatten im August Dutzende Polizeiposten und SicherheitskrĂ€fte angegriffen. Im Oktober forderten Attacken von Muslimen auf Polizisten mehrere Tote. Rohingya-Rebellen haben laut Amnesty International allein im Jahr 2017 ĂŒber 100 Hinduisten getötet, einige Hindus entfĂŒhrt und sie gezwungen zum Islam zu konvertieren. Des Weiteren zwangen die Rohingya die konvertierten Hindus die Buddhisten und die Regierung Myanmars zu beschuldigen. Somit gestaltet sich die EinschĂ€tzung der Menschenrechtslage als schwierig, da keine unabhĂ€ngigen oder neutralen Berichte vorhanden sind.

Im Dezember 2017 wurden die Reuters-Reporter Wa Lone und Kyaw Soe Oo verhaftet, die an einem Bericht ĂŒber die Ermordung von zehn Angehörigen der Rohingya-Minderheit gearbeitet hatten. Die Behörden werfen ihnen „illegale Informationsbeschaffung mit dem Ziel der Weitergabe an auslĂ€ndische Medien“ vor. 2018 wurden sie wegen Verrats von Staatsgeheimnissen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Reuters-Chefredakteur Stephen J. Adler erklĂ€rte, das Urteil diene dazu, die Berichterstattung zum Schweigen zu bringen und die Presse einzuschĂŒchtern.

In Myanmar sitzen 5 Journalisten in Haft. Im August 2012 wurden die strengen Zensurregelungen gelockert. Veröffentlichungen mĂŒssen demnach nicht mehr vorab von der staatlichen PrĂŒfbehörde genehmigt werden, die Zensurbehörde wurde allerdings nicht aufgelöst und publizierte Texte mĂŒssen nachtrĂ€glich auch weiterhin bei der PrĂŒfstelle eingereicht werden. Am 1. April 2013 erschienen erstmals seit 1962 wieder private Zeitungen in Myanmar, zuvor hatte das Informationsministerium acht von 14 Bewerbungen um eine Lizenz stattgegeben.

Außenpolitik

Aufgrund seiner Lage befindet sich Myanmar seit seiner UnabhĂ€ngigkeit in einer besonderen Beziehung zu seinen großen Nachbarn Indien und China.

Myanmar unterhĂ€lt seit 1988 eine besondere Beziehung zur Volksrepublik China, es besteht jedoch keine formelle Allianz. Die Volksrepublik China hat Überlandstraßen zwischen der chinesischen Grenze und dem Zentrum Myanmars in der Mandalay-Ebene finanziert und deren Ausbau logistisch unterstĂŒtzt. Diese Straßen sind panzertauglich konstruiert und sichern den Chinesen den strategischen Zugang zum Indischen Ozean. Lange Zeit war auch in offiziellen Stellungnahmen die Auffassung verbreitet, China betreibe seit 1994 auf den Großen und Kleinen Kokosinseln nördlich der indischen Andamanen und Nikobaren einen StĂŒtzpunkt fĂŒr Fernmelde- und Elektronische AufklĂ€rung (SIGINT) und einen Flugplatz.

MilitÀr

Die StreitkrĂ€fte von Myanmar, Tatmadaw (birmanisch: တပá€șမတေဏá€ș) genannt, spielen seit der StaatsgrĂŒndung eine entscheidende politische Rolle. Sie umfassen rund 428.000 Soldaten und 72.000 paramilitĂ€rische KrĂ€fte wie die Grenztruppen und SpezialpolizeikrĂ€fte. Der Verteidigungsetat belief sich 2017 auf etwa 1,9 Milliarden US-Dollar und entsprach 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes.

MilitÀrgeschichte Birmas bzw. Myanmars

Nach dem Dritten Britisch-Birmanischen Krieg im Jahre 1885 wurde Birma vollstĂ€ndig von Großbritannien unterworfen und am 1. Januar 1886 Teil von Britisch-Indien. Der letzte König von Birma, Thibaw Min, wurde mit seiner Familie durch die britische Besatzung ins Exil nach Indien geschickt. Ende der 1930er Jahre wurde die britische Kolonialstreitmacht in Birma, die bisher Teil der British Indian Army gewesen war, in einer einzigen Einheit, der Birma-Armee, die aus britischen, indischen und nur einer geringeren Zahl burmesischen Soldaten bestand, zusammengefasst. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde von birmesischen Nationalisten als Gelegenheit gesehen, ZugestĂ€ndnisse von der britischen Kolonialmacht im Gegenzug fĂŒr die UnterstĂŒtzung der KriegsbemĂŒhungen zu erzwingen. Andere, darunter die antikolonialistische Thakin-Bewegung unter Kodaw Hmaing, lehnten jegliche UnterstĂŒtzung fĂŒr den Krieg ab und warteten bereits auf eine bevorstehende japanische Invasion, welche Birma von der britischen Herrschaft befreien sollte. Januar 1942 bis Juli 1942 wurde Birma tatsĂ€chlich von Japan erobert und der Marionettenstaat des Ba Maw errichtet. Die Burma Independence Army (BIA) war eine paramilitĂ€rische Widerstandsorganisation, die im Laufe des Feldzuges gegen die britischen Truppen an der Seite der Japaner gekĂ€mpft hatte. Unter der japanischen Besatzung wurde sie nun als Burma Defence Army (BDA) neu organisiert, ihr wurde der Status einer nationalen Armee zugewiesen. Die VerbĂ€nde der BDA, die im August 1942 bis zu 18.000 Mann stark geworden war, standen unter dem Befehl der Thirty Comrades, einer Elite der birmesischen WiderstandsfĂŒhrer, die von den japanischen Truppen ausgebildet worden waren. Der wichtigste der Thirty Comrades war Aung San, der den militĂ€rischen Befehl ĂŒber die Truppen der BDA ĂŒbernahm. Er verhandelte Anfang 1945 mit den Alliierten und wechselte daraufhin die Seiten. Dennoch versuchten nach Kriegsende die Briten, ihre Kolonialherrschaft wiederherzustellen.

Bereits 1948 wurde Birma aber in die UnabhĂ€ngigkeit entlassen. Seither halten bewaffnete Konflikte in verschiedenen Landesteilen an, wo ethnische Minderheiten gegen das MilitĂ€r gewaltsam fĂŒr mehr Autonomie oder UnabhĂ€ngigkeit kĂ€mpfen. Nach einer kurzen demokratischen Phase bis 1962 wurde Birma von verschiedenen MilitĂ€rregimen kontrolliert. General Ne Win war von 1962 bis 1974 als Vorsitzender des Revolutionsrates der Union Staatsoberhaupt, außerdem Premierminister; nach der EinfĂŒhrung einer neuen Verfassung wurde er von 1974 bis 1981 PrĂ€sident. General Saw Maung putschte sich am 18. September 1988 mit der UnterstĂŒtzung Ne Wins an die Macht, entmachtete den wenige Wochen vorher vom Parlament gewĂ€hlten zivilen StaatsprĂ€sidenten Maung Maung und ließ am gleichen Tag die Demonstrationen der Demokratiebewegung niederschlagen und somit die MilitĂ€rherrschaft wiederherstellen. Seit April 2011 waren in Myanmar die AnfĂ€nge eines Demokratisierungsprozesses zu verzeichnen, die Macht des MilitĂ€rs wurde zurĂŒckgedrĂ€ngt. Im MĂ€rz 2016 wurde Htin Kyaw, ein enger Vertrauter der bisherigen OppositionsfĂŒhrerin Aung San Suu Kyi, zum neuen PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Aung San Suu Kyi wurde in der Folge zur Außenministerin ernannt. Im Hintergrund hat das MilitĂ€r aber weiter großen Einfluss. Wer das harte Vorgehen der Armee gegen die muslimische Rohingya-Minderheit steuert, ist unklar. Die Vereinten Nationen verurteilten die Vertreibungen im September 2017 als systematisch und damit als ethnische SĂ€uberung.

Die US-Regierung hat am 17. August 2018 vier Befehlshaber der StreitkrĂ€fte und der Grenzpolizei von Myanmar mit Sanktionen belegt. Die drei Armeekommandeure Generalleutnant Aung Kyaw Zaw, Generalmajor Maung Maung Soe und Generaloberst Min Aung Hlaing sowie der Kommandeur der Grenzpolizei San Lwin seien fĂŒr „ethnische SĂ€uberungen, Massaker, sexuelle Attacken und außergerichtliche Tötungen“ verantwortlich, die sich gegen die muslimischen Rohingya und andere Minderheiten richteten. Bereits am 26. Juni 2018 hatte auch der Rat fĂŒr AuswĂ€rtige Angelegenheiten der EuropĂ€ischen Union (EU) Sanktionen gegen sieben verantwortliche GenerĂ€le erlassen.

Heer

Das Heer Myanmars ist in 13 Regionalkommandos gegliedert und umfasst 30 Infanteriedivisionen, zwei Panzerdivisionen und zehn Artilleriedivisionen. Zu ihrer AusrĂŒstung zĂ€hlen rund 130 Kampfpanzer vom Typ T-72, ĂŒber 300 Kampfpanzer chinesischer Nachbauten des T-54, rund 150 amphibische Panzer vom Typ PT-76 und 140 Radpanzer EE-9 Cascavel. Die Artillerie verfĂŒgt ĂŒber ein Arsenal an verschiedenen Ă€lteren Typen von Haubitzen, GeschĂŒtzen und Mehrfachraketenwerfern aus verschiedenen ProduktionslĂ€ndern, u. a. sind sie sowjetischer Herkunft. Die Luftverteidigung verwendet ebenfalls Ă€ltere Systeme sowjetischer Herkunft, wie etwa 2K12 Kub und 9K37 Buk. Bedeutende moderne Systeme sind die 9K310 Igla-1, 9K38 Igla und das russische Kurzstrecken-Luftabwehrraketen-System Tor M1.

Luftwaffe

Der Luftwaffe Myanmars gehören 15.000 Soldaten an, gegliedert auf acht LuftwaffenstĂŒtzpunkte und sechs Luftverteidigungssektoren. Sie ist ausgerĂŒstet mit 52 Jagdflugzeugen des chinesischen Typs Chengdu J-7, mehr als 12 Kampfflugzeugen vom Typ MiG-29, 48 NAMC Q-5 (Nanchang A-5) und weiteren Flugzeugen.

Marine

Über den Umfang und die AusrĂŒstung der Marine Myanmars gibt es keine aktuellen Daten. Zur VerfĂŒgung stehen den offenbar 16.000 Soldaten mindestens drei Korvetten und eine grĂ¶ĂŸere Anzahl an Patrouillenbooten.

Myanmar Police Force

Formal gehört auch die nationale Polizei The People's Police Force seit ihrer Reorganisation 1995 zu den StreitkrÀften.

Verwaltung

Verwaltungsgliederung

Myanmar gliedert sich in sieben Staaten, sieben Regionen und ein Unionsterritorium. Die Landesteile, die ĂŒberwiegend von der grĂ¶ĂŸten Volksgruppe Myanmars, den Bamar, besiedelt sind, heißen Regionen (bis 2008 Divisionen), die Bereiche, die ĂŒberwiegend von Minderheiten bewohnt werden, Staaten. Das Unionsterritorium umgibt die Hauptstadt des Landes.

Die Minderheiten-Staaten bilden zum ĂŒberwiegenden Teil die Außengrenzen Myanmars; im Uhrzeigersinn beginnend im SĂŒdwesten:

  • (1) Rakhaing (Arakan) (Hauptstadt: Sittwe)
  • (2) Chin (Hauptstadt: Hakha)
  • (3) Kachin (Hauptstadt: Myitkyina)
  • (4) Shan (Hauptstadt: Taunggyi)
  • (5) Kayah (Hauptstadt: Loi-kaw)
  • (6) Kayin oder Karen (Hauptstadt: Hpa-an)
  • (7) Mon (Hauptstadt: Mawlamyaing)

Von den sieben Regionen verfĂŒgen zwei ĂŒber Außengrenzen auf dem Festland (eine davon liegt zusĂ€tzlich am Meer), von den ĂŒbrigen fĂŒnf liegen zwei im Binnenland und drei am Meer:

  • (8) Sagaing (Hauptstadt: Sagaing)
  • (9) Tanintharyi (Tenasserim) (Hauptstadt: Tavoy)
  • (10) Irawadi (Hauptstadt: Pathein)
  • (11) Yangon (Hauptstadt: Rangun)
  • (12) Bago (Pegu) (Hauptstadt: Bago)
  • (13) Magwe (Hauptstadt: Magwe)
  • (14) Mandalay (Hauptstadt: Mandalay)

Das 2010 eingerichtete Unionsterritorium liegt zentral in Myanmar um die Hauptstadt des Landes:

  • (15) Naypyidaw (Hauptstadt: Naypyidaw)

Die Staaten und Regionen sind weiter untergliedert in Distrikte und Gemeinden.

Hauptstadt

Hauptstadt war bis November 2005 Rangun, die grĂ¶ĂŸte Stadt des Landes. Ab Dezember 2005 wurden die Regierungsbehörden in eine neue Hauptstadt westlich der Kleinstadt Pyinmana verlegt, ungefĂ€hr 320 km nördlich von Rangun gelegen. Am 6. Februar 2006 war der Umzug sĂ€mtlicher Ministerien offiziell abgeschlossen. Die neue Hauptstadt bekam am 22. MĂ€rz 2006 den Namen Naypyidaw („Heimstatt der Könige“). Es wird behauptet, dass die Regierung die Hauptstadt vor allem aus Angst vor AufstĂ€nden in der Großstadt Rangun erbauen ließ. Mehr als zehn Jahre nach der Ernennung zur Hauptstadt Myanmars gleicht Naypyidaw in weiten Teilen immer noch einer Geisterstadt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Rahmenbedingungen

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 1269 Euro (2016) pro Einwohner gehört Myanmar zu den Ă€rmeren LĂ€ndern der Welt, wĂ€chst allerdings seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes schnell. 70 % der BeschĂ€ftigten arbeiten in der Landwirtschaft; in ihr werden 43 % des BIP erzeugt, wĂ€hrend die Industrie 20 % und der Dienstleistungssektor 37 % beitragen. Vor der Diktatur stand das Land wirtschaftlich sehr gut da und wurde auch „Kornkammer SĂŒdostasiens“ genannt, bekannt auch als Kupfer- und Edelsteinlieferant.

Durch die politische Öffnung Myanmars werden auslĂ€ndische Firmen wie Nissan oder Coca-Cola angezogen. Zuvor war Myanmar stark isoliert.

Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegte Myanmar 2017 Platz 146 von 180 LĂ€ndern.

Wirtschaftslage

Myanmar kĂ€mpfte lange Zeit mit einer starken Inflation; die einheimische WĂ€hrung Kyat verlor im Zeitraum von 1990 bis 2001 durchschnittlich 34,6 % pro Jahr an Wert; in den Jahren 2002/03 beschleunigte sich die Inflationsrate auf durchschnittlich 46,9 %. Durch die wirtschaftliche Öffnung des Landes durch die Regierung konnte die Inflation drastisch gesenkt werden. Im Jahr 2009 betrug sie nur circa 1,5 %, fĂŒr 2010 wuchs sie jedoch erneut auf 9,6 % an. 2014 betrug die Inflation etwa 5,9 %, im Jahr 2015 etwa 11,5 %. Der inoffizielle Wechselkurs zum US-Dollar spiegelt dies eindrĂŒcklich wider: Bis 2007 stieg der Preis fĂŒr 1 US-Dollar auf 1.300 Kyat, wĂ€hrend er 2010 im Mittel unter 1000 Kyat sank. Ende Juli 2011 lag er gar bei 785 Kyat/US-Dollar.

Ein großes Problem des Staates ist der hohe Grad an Korruption. Ein anderes großes Problem sind die exorbitanten Ausgaben fĂŒr MilitĂ€r, Polizei und Geheimdienste, die seit Jahren ĂŒber 50 % des Staatsbudgets ausmachen.

Steigende Lebensmittel- und Treibstoffpreise und die WillkĂŒrherrschaft des Regimes sorgen bei den Einwohnern fĂŒr große Unzufriedenheit, die sich zumeist hinter vorgehaltener Hand, aber auch öffentlich Ă€ußert. StromausfĂ€lle sind recht hĂ€ufig.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (KaufkraftparitÀt) angeben.

Außenwirtschaft

Die Handelsbilanz war fĂŒr das Jahr 2010 mit Importen im Wert von 4,532 Milliarden US$ und Exporten im Wert von 7,841 Milliarden Euro stark positiv. Beide Werte sind tatsĂ€chlich weitaus höher, da ĂŒber die Grenzen zu Thailand, China, Indien und Bangladesch im großen Stil geschmuggelt wird. Wichtigste ExportgĂŒter sind Erdgas sowie land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, wĂ€hrend die Importe zu einem großen Teil aus KonsumgĂŒtern, Halbfertigwaren und InvestitionsgĂŒtern bestehen. Aus dem Land geschmuggelt werden vor allem Drogen, Edelsteine, Holz und Reis, wĂ€hrend ins Land vornehmlich KonsumgĂŒter und Treibstoff gelangen. Eine ganze Reihe europĂ€ischer und amerikanischer Firmen haben sich wegen zu schlechter wirtschaftlicher Aussichten, wegen ĂŒbertriebener BĂŒrokratie oder der Menschenrechtslage aus Myanmar wieder zurĂŒckgezogen; dagegen expandieren besonders Firmen aus Japan, Korea, Singapur und China im Land.

Fast die HĂ€lfte der Exporte geht nach Thailand (46,6 %); nĂ€chstkleinere Handelspartner sind Indien (12,9 %), China (9 %) und Japan (5,6 %). GrĂ¶ĂŸte ImportlĂ€nder dagegen sind China (33,1 %), Thailand (26,3 %) und Singapur (15,2 %). Der grĂ¶ĂŸte Importeur myanmarischer Waren in Europa ist Deutschland (Stand 2006: 102 Millionen Euro). Der Export nach Birma lag bei 32 Millionen Euro, was nach Meinung des AuswĂ€rtigen Amtes mit den schlechten wirtschaftlichen und politischen Bedingungen im Land zusammenhĂ€ngt. Der Ostasiatische Verein, eine deutsche Unternehmerorganisation, ist seit 1997 in Rangun vertreten und plant eine Steigerung der unternehmerischen AktivitĂ€ten.

Wirtschaftliche Verbindungen mit China

Myanmar dient China als Transferroute fĂŒr den Erdöl- und Erdgastransport aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie als Lieferant von Strom. Dabei besitzt das Land eine gehobene Relevanz fĂŒr die chinesische Energiesicherheit, da ĂŒber den Landweg die verwundbare Malakka-Straße zumindest zu einem Teil umgangen werden kann. Allein seit MĂ€rz 2010 wurden Investitionen der Volksrepublik China von knapp 8,2 Mrd. US-$ beschlossen, wovon rund 3,6 Mrd. US-$ auf den Bau des Myitsone-Wasserkraftprojekts im Kachin-Staat entfallen. Letzterer wurde 2011 unilateral von der Regierung Myanmars ausgesetzt, was zu einer deutlichen AbkĂŒhlung der bilateralen Beziehungen fĂŒhrte.

In der Bevölkerung Myanmars wird das chinesische Engagement als bedrohlich und ausbeuterisch angesehen. Es kursieren Berichte ĂŒber Ausbeutung, Enteignungen, Zerstörung der lokalen Infrastruktur sowie Missachtung des Umweltschutzes, so dass in vielen Gegenden des Landes eine anti-chinesische Stimmung herrscht. Viele der reichsten Unternehmer in Myanmar sind chinesischer Abstammung, was bei den einheimischen Unternehmern auf Missfallen stĂ¶ĂŸt.

Schattenwirtschaft

Drogenwirtschaft

An der Grenze zu Laos und Thailand hat Myanmar Anteil am sogenannten Goldenen Dreieck, in dem Schlafmohn angebaut wird, um aus ihm Opium zur Heroinproduktion zu gewinnen. Die Bedeutung Myanmars als Lieferant fĂŒr den weltweiten Heroinmarkt ist zuletzt (2010) durch große ErnteausfĂ€lle und dem dadurch bedingten RĂŒckgang der Drogenproduktion in Afghanistan und einer VergrĂ¶ĂŸerung der AnbauflĂ€chen wieder gestiegen. Myanmar nimmt in der Welt eine Spitzenposition bei der Produktion von Amphetaminen ein, die auf chemischem Weg leichter, billiger und von der Witterung unabhĂ€ngiger als Mohn produziert werden können. Sie werden in schwer auffindbaren Dschungel-Fabriken tonnenweise hergestellt und vor allem ĂŒber Thailand und China in die ganze Welt exportiert. Teilweise sollen die Regierungsvertreter daran mitverdienen, indem mit den involvierten aufstĂ€ndischen Ethnien WaffenstillstĂ€nde gegen Beteiligungen an den Einnahmen aus dem Drogenhandel ausgehandelt wurden.

Im MÀrz 2011 kam es im Grenzgebiet zu Thailand zu einem schweren Erdbeben. Das MilitÀr hinderte auslÀndische HilfskrÀfte daran, bis an den Ort des Epizentrums zu gelangen, was offensichtlich deswegen geschah, um AuslÀndern keinen Einblick in die DrogengeschÀfte der Armee zu gewÀhren. Viele Bauern werden zum Opium-Anbau gezwungen. Es gibt andere Gegenden, in denen nicht das MilitÀr das Sagen hat, sondern einzelne Rebellengruppen. Dort kontrollieren diese den Drogenanbau.

Wildereiwirtschaft

Auf WildtiermÀrkten in Myanmar wird mit Elfenbein-, Nashorn- und Tigerprodukten gehandelt. Myanmar ist Transit- und Herkunftsland illegaler Wildereiprodukte bedrohter Tierarten.

Illegale Arbeit

Illegale Arbeit im benachbarten Thailand ist eine weitere inoffizielle Einkommensquelle. Insbesondere finden Menschen aus Myanmar als niedrig entlohnte Haushaltshilfen, Pflegerinnen und KindermÀdchen Arbeit in Thailand.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2015 Ausgaben von umgerechnet 4,47 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 2,68 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,7 % des BIP. FĂŒr das Gesundheitssystem gab der Staat 2,3 % des BIP aus (2014).

Die Staatsverschuldung betrug 2016 23,7 Mrd. US-Dollar und damit noch 35,8 % des BIP. GegenĂŒber dem Jahr 2004 (63,2 %) konnte sie damit stark abgebaut werden.

Energiewirtschaft

Laut Weltbank verfĂŒgte im Jahr 2018 nur jeder dritte Einwohner Myanmars ĂŒber einen Stromanschluss.

Die installierte Leistung der Kraftwerke in Myanmar lag im Jahre 2010 bei 3045 MW und 2013 bei 3735 MW, davon entfielen auf Wasserkraftwerke 2780 MW (74 %). Es gibt SchĂ€tzungen, dass das Wasserkraftpotential der vier grĂ¶ĂŸten FlĂŒsse in Myanmar – Irrawaddy, Thanlwin, Chindwin und Sittaung – bei 100.000 MW liegt. Die Regierung Myanmars hat daher ehrgeizige PlĂ€ne, dieses Potential auch auszuschöpfen. Allerdings ist der aktuelle Status bei verschiedenen Projekten unklar, wie z. B. bei der Myitsone-Talsperre oder der Tasang-Talsperre.

BodenschÀtze

In Myanmar werden hochwertige Jade und Edelsteine gefördert. BerĂŒhmt sind die Taubenblut-Rubine aus den Minen in der NĂ€he der Stadt Mogok. Dort kommen auch Spinell, Saphir und einige andere Minerale und Edelsteine in hervorragender QualitĂ€t vor. Einzigartig ist das Vorkommen von Painit. Gold wird ebenfalls gewaschen, wobei eine betrĂ€chtliche Menge davon von Pilgern in Form von hauchdĂŒnnen BlĂ€ttchen auf Zedis (Stupas), Buddha-Statuen und den Goldenen Felsen geklebt wird.

Zudem fördert Myanmar tĂ€glich etwa 20.000 Barrel Erdöl (Stand 2014) sowie jĂ€hrlich 13,1 Milliarden Kubikmeter Erdgas (2013). 25.000 Barrel Erdölprodukte wurden tĂ€glich verbraucht (2013) und rund 8.500 Barrel Erdölprodukte tĂ€glich importiert (2012). Die Ausbeutung und Weiterverarbeitung wird einerseits von der staatlichen Ölgesellschaft MOGE (Myanmar Oil and Gas Enterprise) vorgenommen und andererseits von auslĂ€ndischen Ölkonzernen wie den französischen Konzernen Total und Elf sowie Texaco, Unocal, Amoco, British Premier of UK, Nippon Oil. Total baut mit Unocal eine Gaspipeline von Myanmar nach Thailand. Zwei Milliarden Dollar sollen dafĂŒr veranschlagt sein.

Tourismus

Myanmar bietet ein großes Angebot an SehenswĂŒrdigkeiten. Der Shwedagon-Stupa in der frĂŒheren Hauptstadt Rangun ist der grĂ¶ĂŸte und vermutlich wertvollste Stupa der Welt. Er ist vom Sockel bis zur Turmspitze mit Gold bedeckt.

Weitere Hauptattraktionen des Landes sind die weitlĂ€ufigen Anlagen der alten Hauptstadt Bagan im Distrikt Nyaung U mit ĂŒber 2000 Sakralbauten aus vier Jahrhunderten, der Goldene Fels bei Kyaikto im Mon-Staat, der Inle-See mit den schwimmenden GĂ€rten, die Stadt Mandalay als kulturelles Zentrum mit vielen SehenswĂŒrdigkeiten auch in ihrer Umgebung. Eine davon ist die zweitschwerste freihĂ€ngende lĂ€utbare Glocke der Welt, die Mingun-Glocke. Sie wurde 1808 auf Veranlassung König Bodawpayas angefertigt. Der im Westen gelegene Rakhaing-Staat besitzt den Strand von Ngapali, der fĂŒr Urlauber eines der beliebtesten Reiseziele ist.

Bekamen Touristen frĂŒher nur Visa fĂŒr maximal eine Woche, so öffnete sich das Land vor einigen Jahren aus wirtschaftlichem Druck und wirbt zunehmend aktiv fĂŒr den Devisen bringenden Tourismus. DafĂŒr wurden FlughĂ€fen und Straßen mithilfe von Zwangsarbeitern ausgebaut. Viele Menschenrechtsorganisationen und tourismuskritische Vereinigungen (beispielsweise Tourism Concern) riefen Touristen jedoch lange zum Boykott des Landes auf, da diese ihrer Ansicht nach durch Reisen nach Myanmar das MilitĂ€rregime unterstĂŒtzten und ihre Devisen nicht bei der Bevölkerung ankĂ€men. Andere regierungsunabhĂ€ngige Institutionen in Myanmar dagegen warnen vor einem Boykott, da viele ArbeitsplĂ€tze z. B. bei Hotels, Airlines, Restaurants, SouvenirgeschĂ€ften u. v. m. unmittelbar und mittelbar vom Tourismus abhĂ€ngen und fĂŒr diese Menschen von existenzieller Bedeutung sind. Auch sind Touristen eine wichtige Quelle unabhĂ€ngiger Informationen, die sonst kaum den Weg in und aus dem Land finden.

In den vergangenen Jahren verzeichnete das Land einen starken Zuwachs der Besucherzahlen. In den Jahren 2007 und 2008 besuchten insgesamt 220.000 Touristen Myanmar, 2012 waren es bereits eine Million, 2013 zwei Millionen und im Jahr 2014 ĂŒber drei Millionen Reisende. FĂŒr das Jahr 2015 hatten sich die Tourismusverantwortlichen das Ziel von fĂŒnf Millionen Besuchern gesetzt. Dieser Wert wurde mit 4,7 Millionen annĂ€hernd erreicht. 2019 waren es 4,4 Millionen Touristen.

Der Konzern Asia World

Die Firma Asia World ist der grĂ¶ĂŸte Konzern in Myanmar. Er ist in den Bereichen Infrastruktur, Energie, Bau und Transport sowie Import und Export aktiv. Außerdem gehört ihm eine Kette von SupermĂ€rkten. UngefĂ€hr die HĂ€lfte aller Investitionen in Myanmar stammen aus Unternehmen, die zu diesem Konzern gehören. Asia World erhielt den Zuschlag bei vielen sino-burmesischen Großprojekten im Land (Tiefseehafen in Kyaukpyu, Erdölpipeline, Dammprojekte).

Asia World gehört Htun Myint Naing, besser bekannt unter dem Namen Steven Law, der aus der Familie eines Drogenbarons stammt und als reichster Mann Myanmars gilt. Steven Law steht, neben verschiedenen anderen, dem MilitÀr nahestehenden Personen, seit 2008 unter US-amerikanischen Sanktionen. Im Mai 2016 wurden die US-Sanktionen gegen Steven Law verschÀrft.

Verkehr

Schienenverkehr

Der Ursprung des fast ausschließlich in der Meterspur errichteten Eisenbahnnetzes geht auf die britische Kolonialzeit zurĂŒck. Die erste Eisenbahnlinie wurde 1869 zwischen Rangun und dem nordwestlich gelegenen Letpadan eröffnet. 1889 folgte die Linie von Rangun nach Mandalay, die spĂ€ter noch weiter nordwĂ€rts bis Myitkyina verlĂ€ngert wurde. Im Zweiten Weltkrieg ließen die Japaner von Kriegsgefangenen die sogenannte Todeseisenbahn von Thanbyuzayat nach Thailand errichten. Diese Strecke erlangte durch den Film Die BrĂŒcke am Kwai große BerĂŒhmtheit. Sie wurde aber bereits kurz nach Ende des Krieges demontiert. Heute hat das Streckennetz eine LĂ€nge von 5031 km (Stand 2008). GrenzĂŒberschreitende Linien existieren nicht. RĂŒckgrat des Netzes ist die von Mawlamyaing ĂŒber Rangun und Mandalay nach Myitkyina verlaufende Nord-SĂŒd-Strecke. Innerhalb dieser Strecke kommt dem 622 km langen Abschnitt zwischen Rangun und Mandalay eine besondere Bedeutung zu, die sich unter anderem in seinem teilweise zweigleisigen Ausbau und dem Einsatz moderner und auch nach westlichen Gesichtspunkten komfortabler ExpresszĂŒge ausdrĂŒckt. Von der Nord-SĂŒd-Strecke fĂŒhren Stichstrecken unter anderem nach Lashio, Shwenyaung, Bagan und Pyay.

Fehlende Investitionen haben zum Verschleiß der Strecken gefĂŒhrt, so dass diese sich heute weitgehend in einem schlechten Zustand befinden. Der Verkehr wird von der staatlichen Gesellschaft Myanma Railways mit Diesellokomotiven abgewickelt. Dampflokomotiven wurden außerordentlich lange, bis etwa 2005 in großer Zahl eingesetzt. Die eingesetzten ZĂŒge erreichen oftmals nur Reisegeschwindigkeiten von 30 km/h oder weniger. Selbst die zwischen Rangun und Mandalay verkehrenden ExpresszĂŒge benötigen fĂŒr die 622 km etwa 16 Stunden. FahrplĂ€ne existieren zwar, sie sind aber fĂŒr den tĂ€glichen Betriebsablauf kaum von Bedeutung, da VerspĂ€tungen von bis zu mehreren Stunden aufgrund des mangelhaften Streckenzustandes und wegen UnfĂ€llen an der Tagesordnung sind. Ebenso kommen aber auch Abfahrten mehrere Stunden vor dem Plan vor. Bei großen VerspĂ€tungen lĂ€sst die Bahngesellschaft auch schon einmal ZĂŒge ausfallen, um die Wagen- und LokumlĂ€ufe wieder zu ordnen. Angesichts einer NetzlĂ€nge von fast 4.000 km ist die Zahl der tĂ€glich eingesetzten Zugpaare mit etwa 100 vergleichsweise gering.

Myanma Railways hat seit 1988 folgende wichtige Strecken gebaut:

  • 199200000 Shwenyaung – Yauksauk (westlicher Shan-Staat (60,3 km))
  • 199300000 Aungban – Loi-kaw (164 km) (Kayah-Staat-Verbindung)
  • 1994–2006 Chaung-U – Pakokku – Kalaymyo (406 km) (Chin-Staat-Verbindung)
  • 1995–1998 Ye – Tavoy (177 km) (Tanintharyi-Region-Verbindung)
  • 1997–2003 Shwenyaung – Taunggyi – Mongne (SĂŒd-Shan-Staat-Verbindung)
  • 199800000 Pyay – Aunglan – Satthwa (Magwe-Region) (145,4 km)
  • 201000000 Mong Nai – Keng Tung (Ost-Shan-Staat-Verbindung) (227,6 km)

Zurzeit sind die Strecken Kyangin (nördl. Irawadi-Region) – Pakokku (515 km) und Kathar – Bhamo (152 km) (Sagaing-Region – Kachin-Staat – Volksrepublik-China-Verbindung) im Bau.

Zum Zustand und Betrieb der Eisenbahn siehe die Reiseberichte.

Straßenverkehr

Der Straßenverkehr hat sich in Myanmar zum wichtigsten VerkehrstrĂ€ger entwickelt. Das Straßennetz ist insgesamt 34.377 km lang (Stand 2010), davon sind 358 km Autobahnen. Nur ein geringer Anteil des Straßennetzes ist asphaltiert. Der Straßenverkehr wird oft durch die schwierigen klimatischen VerhĂ€ltnisse behindert. WĂ€hrend der Regenzeit werden zahlreiche Straßen unterspĂŒlt, in der Trockenzeit weicht die Hitze den Asphalt auf.

Siehe auch: Kfz-Kennzeichen (Myanmar)

Luftverkehr

Myanmar verfĂŒgt derzeit ĂŒber zwei internationale und 16 lokale FlughĂ€fen, die von nationalen Fluggesellschaften bedient werden. Der grĂ¶ĂŸte Flughafen ist der Internationale Flughafen Rangun. Auch die Stadt Mandalay besitzt einen internationalen Flughafen. Aufgrund des desolaten Straßennetzes und der GrĂ¶ĂŸe des Landes ist das Flugzeug das mit Abstand schnellste Verkehrsmittel im Land. Der Sicherheits- und QualitĂ€tsstandard wird teilweise jedoch als rĂŒckstĂ€ndig beschrieben. 2011 wurde ein Kooperationsvertrag mit der deutschen Fritz Werner Werkzeugmaschinen AG geschlossen, einige der wichtigsten Flug- und SeehĂ€fen auszubauen bzw. zu modernisieren.

Myanmar verfĂŒgt ĂŒber eine gemessen an der GrĂ¶ĂŸe des Landes relativ hohe Anzahl von Fluggesellschaften. Insbesondere seit dem Ende der reinen MilitĂ€rdiktatur 2010 gab es viele private NeugrĂŒndungen.

Mit Stand Juni 2015 betreiben folgende myanmarische Airlines Linien- und CharterflĂŒge:

  • Teilweise oder 100 % in Staatsbesitz:
    • Myanmar National Airlines
    • Myanmar Airways International (MAI)
  • Privat:
    • Air Bagan
    • Air KBZ
    • Air Mandalay
    • Asian Wings Airways
    • FMI Air
    • Golden Myanmar Airlines
    • Mann Yadanarpon Airlines
    • Yangon Airways

Ziele außerhalb Myanmars werden aktuell nur von MAI und Golden Myanmar Airlines angeflogen, die anderen Gesellschaften bedienen die ĂŒber dreißig Flugziele innerhalb Myanmars.

Kultur

Musik

Die klassische burmesische Musik unterscheidet sich trotz der frĂŒhen EinflĂŒsse aus Indien und China und ab dem 18. Jahrhundert aus Thailand in Melodie und Rhythmus deutlich von der Musik der NachbarlĂ€nder. Zu den ersten Instrumenten, die mit der Ausbreitung des Buddhismus im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. aus Indien kamen, gehörten vina genannte Stabzithern und Bogenharfen. Die alte Bogenharfe saung gauk hat als einzige dieser einst ĂŒber Asien verbreiteten Instrumentengattung in Myanmar ĂŒberlebt und genießt bis heute als Nationalinstrument höchste WertschĂ€tzung. Die saung gauk ist ein Instrument fĂŒr die Gesangsbegleitung in der feinen höfischen Kammermusik in geschlossenen RĂ€umen, deren Tradition in der Liedsammlung Mahagita zusammengefasst ist. Ein großer Teil dieser Sammlung von etwa 500 heute bekannten Liedern geht auf Myawaddy Mingyi U Sa (1766–1853), den bedeutendsten Komponisten und saung-gauk-Spieler der Konbaung-Zeit zurĂŒck. Zur Kammermusik zĂ€hlen auch kleine Instrumentalensembles, in denen außerdem das Bambusxylophon patala (verwandt mit dem thailĂ€ndischen ranat und dem kambodschanischen roneat), die LĂ€ngsflöte palwei und das Hackbrett don-mĂŹn eingesetzt werden.

Die klassische laute Musik fĂŒr draußen, fĂŒr Festveranstaltungen, TĂ€nze und Geisteranbetungsrituale (Nat Pwe) bieten die hsaing-waing-Ensembles. Sie bestehen aus dem namensgebenden Melodieinstrument, einem Kreis von 21 gestimmten Trommeln; einem Kreis mit 21 Buckelgongs (kyi waing oder kyi naung); ein weiteres Gongspiel (maung zaing), ebenfalls in einem Holzgestell; der Kegeloboe hne (abgeleitet von persisch surnai) und diverse Trommeln als Rhythmusinstrumente. Bei zwei weiteren, in lĂ€ndlichen Regionen bei Festen und religiösen Prozessionen gespielten Ensembles stehen große Trommeln im Vordergrund: das Ensemble der bis zu drei Meter langen Bechertrommel ozi und der Fasstrommel dhopat. Beide Gruppen verwenden außerdem Buckelgongs, Paarbecken und Bambusklappern.

Die verschiedenen Volksgruppen haben eigene Instrumente und eine eigene traditionelle Musik. Die Mon verwenden ein aus alter Zeit stammendes Zupfinstrument, die dreisaitige Stabzither mĂ­-gyaĂčng saung, die sich von hier weiter in SĂŒdostasien verbreitet hat. Nach dem Aussehen wird sie Krokodilzither genannt.

Als erstes westliches Musikinstrument wurde Ende des 19. Jahrhunderts das Klavier (burmesisch sandaya) eingefĂŒhrt, bis 1920 hatte es zu einem großen Teil die Liedbegleitung von der saung gauk ĂŒbernommen. Ähnlich erfolgreich war die Violine (tayaw), spĂ€ter kam die Hawaii-Gitarre hinzu. Alle musikalischen Übernahmen aus dem Ausland, ob es sich um Melodien, Tonskalen (die pentatonische Stimmung stammt aus Thailand) oder Instrumente handelte, wurden grundsĂ€tzlich den einheimischen Hörgewohnheiten angeglichen und trugen zur Erweiterung der eigenen Musik bei.

Westliche klassische Musik konnte sich nicht durchsetzen. Einer RĂŒckbesinnung auf die eigene Tradition seit Beginn der nationalen UnabhĂ€ngigkeitsbewegung in den 1920er Jahren steht die Begeisterung fĂŒr westliche Popmusik bei der jĂŒngeren Generation gegenĂŒber. Deren weit verbreitete, lautstarke und teilweise auch gelungene Nachahmung mit auf Burmesisch verfassten bzw. ĂŒbersetzten Texten lĂ€sst sich als Ausdruck eines Freiheitswillens verstehen. Die Popmusik wird von der Regierung politisch kritisiert und von der Ă€lteren Generation moralisch verurteilt.

Seit 1993 findet das staatlich finanzierte Sokayeti-Festival der darstellenden KĂŒnste jĂ€hrlich im Oktober/November statt. In zweieinhalb Wochen werden Wettbewerbe in den Sparten Gesang, Instrumentalmusik, Gesangskomposition, Tanz und Marionettentheater yoke thĂ© durchgefĂŒhrt. Seit 2007 findet die Veranstaltung nicht mehr wie zuvor in Yangoon, sondern am neuen Regierungssitz in Naypyidaw statt.

Das Nationalorchester von Myanmar besteht seit 2001.

Feste

Das grĂ¶ĂŸte und wichtigste Fest in Burma ist das burmesische Neujahrsfest Thingyan, das dem thailĂ€ndischen Songkran entspricht. Im Volksmund auch als Wasserfest bezeichnet, wird es an drei hintereinanderfolgenden Tagen im April – dem heißesten Monat – mit viel Wasser gefeiert. Mit Wasserpistolen, Wassereimern und sonstigen mit Wasser gefĂŒllten BehĂ€ltern ziehen die Burmesen auf LadeflĂ€chen von LKW oder zu Fuß durch die Stadt und machen jeden nass. Es gibt auch UmzĂŒge, bei denen zu krĂ€ftigen Rhythmen getanzt wird.

Das farbenfrohe Phaungdaw U-Fest wird zu Ehren Buddhas im Herbst auf dem Inle-See gefeiert. Dabei wird eine Buddha-Statue auf einer geschmĂŒckten Barke ĂŒber den See gefahren.

Die Festivaldaten sind hÀufig vom Mondkalender bestimmt und Àndern sich daher von Jahr zu Jahr.

Liste weiterer wichtiger Feste in Myanmar:

  • Ananda Pagodenfest
  • Kachin Manaw Fest
  • Naga Fest (Neues Jahr)
  • Kakku Pagoden Festival
  • Warso Cane Ball Festival
  • Taung Byone Geister-Fest
  • Yadanar Gu-Fest
  • Karaweik-Fest
  • Kyauktawgyi Pagoden Fest
  • Kyaukse Elefanten-Tanz-Fest
  • Taunggyie Ballon-Fest
  • Shwezigon Fest
  • Popa Ceremony

Kunsthandwerk

Die traditionellen Kalagas sind kunstvoll bestickte Wandteppiche aus Seide, Flanell, Wolle, Filz und Spitze auf Baumwolle und Samt.

Medien

  • The Irrawaddy (Zeitung mit kritischem, fortschrittlichem Profil)

Werke ĂŒber Myanmar

Filme

  • Burma all inclusive Dokumentarfilm, Österreich 2007
  • Burma Displaced, Dokumentarfilm ĂŒber FlĂŒchtlinge aus Burma, Österreich 2010.
  • Rangoon – Im Herzen des Sturms, USA 1995
  • John Rambo, USA 2008
  • Das Traumhotel – Myanmar, Deutschland, 2013
  • Top Gear, Folge 166+167, „Burma Special“, UK, 2014
  • The Lady, Filmbiografie ĂŒber Aung San Suu Kyi, FRA 2011
  • B.B.und die Schule am Fluss, Deutschland/Myanmar 2020, 108min, Regie Detlev F. Neufert

Belletristik

  • George Orwell: Tage in Burma („Burmese Days“). NeuĂŒbersetzung von Manfred AlliĂ©. Mit einem Nachwort von Manfred Papst. Dörlemann Verlag, ZĂŒrich 2021, ISBN 978-3-03820-080-2.
  • Amitav Ghosh: Der Glaspalast. MĂŒnchen 2000. Originalausgabe: The Glass Palace. Neu-Delhi 2000.
  • Daniel Mason: Der Klavierstimmer Ihrer MajestĂ€t. Goldmann, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-442-45825-0.
  • François Maher Presley: Myanmar Begegnungen. in-Cultura.com, Hamburg 2014, ISBN 978-3-930727-39-1.
  • Inge Sargent, Cecile G. Lecaux: DĂ€mmerung ĂŒber Birma – Mein Leben als Shan-Prinzessin. Unionsverlag, ZĂŒrich 2006, ISBN 3-293-20357-4.
  • Amy Tan: Der Geist der Madame Chen. MĂŒnchen 2006. Originalausgabe: Saving Fish From Drowning. New York 2005.
  • Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören. Blessing, MĂŒnchen 2002, ISBN 978-3-453-41001-5.

Literatur

  • Max Ferrars, Bertha Ferrars: Burma. 2. Auflage. Sampson Low Marston & Co Limited, London, Great Britain 1901, S. 237 mit 455 Illustrationen (englisch, academia.edu [PDF]). 
  • Jens Freyler: Road to Mandalay – Reisen in Myanmar/Birma. Traveldiary.de Reiseliteratur-Verlag, Hamburg 2000, ISBN 978-3-937274-39-3.
  • Hans Wilhelm Finger: Dhammayangyi – eine Reise ins Herz Birmas. Die Biographie eines Tempels, seiner Menschen und des Königreichs Pagan. Wiesenburg, Schweinfurt 2008, ISBN 978-3-937101-49-1.
  • Mikael Gravers, Flemming Ytzen (Hrsg.): Burma/Myanmar – Where Now? (Nordic Institute of Asian Studies, Asia Insights series, no. 3) Nias Press, Kopenhagen 2014.
  • U. Khin Zaw: Myanmar Culture. Today Publishing House, Yangon 2006.
  • Ute Köster, Phuong Le Trong, Christina Grein (Hrsg.): Handbuch Myanmar. Gesellschaft – Politik – Wirtschaft – Kultur – Entwicklung. Horlemann, AngermĂŒnde 2014, ISBN 978-3-89502-361-3.
  • Ma Thanegi: Pilgerreise in Myanmar. Unionverlag, ZĂŒrich 2002, ISBN 3-293-20289-6.
  • Donald M. Seekins: Historical Dictionary of Burma (Myanmar). The Scarecrow Press, Lanham (Maryland) 2006, ISBN 0-8108-5476-7.
  • Shelby Tucker: Among Insurgents – Walking through Burma. 2000, ISBN 0-00-712705-7.
  • Thant Myint-U: Burma: Der Fluss der verlorenen Fußspuren. Eine persönliche Geschichte. Bertelsmann, MĂŒnchen 2009, ISBN 3-570-01101-1.
  • Thant Myint-U: The Hidden History of Burma: Race, Capitalism, and the Crisis of Democracy in the 21st Century. W. W. Norton & Company, New York 2019, ISBN 978-1324003298.
  • Udo Witzens: Aufstand der Mönche, HintergrĂŒnde der „Safran-Rebellion“ in Birma. Helmes, Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-940567-10-9.
  • Hans-Bernd Zöllner: Konflikt der Welt-Anschauungen: Die „Zwei Birmas“ seit Beginn der Kolonialzeit. regiospectra, Berlin 2011, ISBN 978-3-940132-30-7.
  • Hans-Bernd Zöllner: Birma zwischen „UnabhĂ€ngigkeit zuerst – UnabhĂ€ngigkeit zuletzt“. Lit, MĂŒnster 2000, ISBN 3-8258-4360-2.
  • Hans-Bernd Zöllner: Weder Safran noch Revolution – Eine kommentierte Chronologie der Demonstrationen von Mönchen in Myanmar/Birma im September 2007. Abera, Hamburg 2008, ISBN 978-3-934376-79-3.
  • Jaroslav Poncar: Burma/Myanmar. Reisefotografien von 1985 bis heute. Edition Panorama, Mannheim 2013, ISBN 978-3-89823-463-4.

Weblinks

Allgemein

  • LĂ€nderinformationen Myanmar auswaertiges-amt.de
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Myanmar

Politik

  • Marco BĂŒnte: „Problemstaat“ Myanmar – Zum schwierigen Umgang mit dem MilitĂ€rregime. GIGA, 2007 (PDF)
  • Ingrid Norbu: Birma: Der Wunsch nach echter Demokratie Deutschlandfunk, 7. Februar 2014

Einzelnachweise


 

Region Regionen (14)

Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Ayeyarwady 18.471 14.065 93.375 96.068  
Bago 19.485 16.89 95.063 97.234  
Chin 24.089 20.652 92.575 94.17  
Kachin 28.539 23.644 95.84 98.755  
Kayah 19.989 18.488 96.836 97.869  
Kayin 19.496 15.219 96.399 98.903  
Magway 22.712 18.358 93.904 95.857  
Mandalay 23.632 19.416 94.8 96.889  
Mon 17.71 14.88 96.883 98.209  
Rakhine 21.462 17.367 92.175 94.903  
Sagaing 27.362 21.609 93.993 97.059  
Shan 24.146 19.29 96.158 101.174  
Tanintharyi 15.099 9.791 97.444 99.63  
Yangon 17.761 16.322 95.691 96.849  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Myanmar

Name englisch: Myanmar
Hauptstadt: Yangon
Kfz: MYA
ISO: MM
ISO3: MMR
Fläche: 678500 km²
Tld: .mm
Wärung Einheit: MMK
Währung: Kyat
Vorwahl: 95

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 28.5478351
südlichster Punkt: 9.6053198
westlichster Punkt: 92.171808
östlichster Punkt: 101.1702717


 
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