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Staat Informationen : Bangladesch

Informationen:


Bangladesch (bengalisch ŗ¶¨ŗ¶ĺŗ¶āŗ¶≤ŗ¶ĺŗ¶¶ŗßáŗ¶∂ BńĀŠĻÉlńĀdeŇõ [ňąbaŇčlaňĆdŐ™e É]; Zusammensetzung aus bangla ‚Äöbengalisch‚Äė und desch ‚ÄöLand‚Äė) ist ein Staat in S√ľdasien. Er grenzt im S√ľden an den Golf von Bengalen, im S√ľdosten an Myanmar und wird im √úbrigen von den indischen Bundesstaaten Meghalaya, Tripura, Westbengalen, Mizoram und Assam umschlossen. Mit etwa 165 Millionen Einwohnern (2017) auf einer Fl√§che von 147.570¬†km¬≤ steht es nach Einwohnerzahl auf Platz acht der gr√∂√üten Staaten der Erde und auf Platz sieben der Staaten nach Bev√∂lkerungsdichte. Nach Fl√§che geh√∂rt es mit Platz 92 jedoch zu den mittelgro√üen Staaten. Die Hauptstadt Dhaka ist eine der am schnellsten wachsenden Megast√§dte der Welt; weitere Millionenst√§dte sind Chittagong und Khulna.

Bangladesch nimmt den östlichen Teil der historischen Region Bengalen ein, der 1947 aufgrund der muslimischen Bevölkerungsmehrheit bei der Teilung Britisch-Indiens unter der Bezeichnung Ostpakistan zum östlichen Landesteil Pakistans wurde. Im Jahr 1971 erlangte Ostpakistan infolge des Bangladesch-Krieges seine Unabhängigkeit unter dem Namen Bangladesch. Die Bezeichnung eines Staatsangehörigen des Landes lautet Bangladescher.

Das Land wird naturr√§umlich gepr√§gt durch den Monsun, das M√ľndungsdelta der Fl√ľsse Brahmaputra, Ganges und Meghna mit ihren ausgedehnten Sumpfgebieten und Sundarbans sowie seine Lage am Meer und das √ľberwiegend flache Tiefland. Die Kombination dieser Merkmale sorgen f√ľr h√§ufiges Hochwasser und folgenreiche √úberflutungen des dichtbev√∂lkerten Landes. Der global ansteigende Meeresspiegel wird die Probleme voraussichtlich versch√§rfen.

Bangladesch konnte dank eines wirtschaftlichen Aufschwungs seine sozialen und ökonomischen Indikatoren stark verbessern, zählt allerdings weiterhin zu den ärmsten Ländern des asiatischen Kontinents. Dank seiner wachsenden Wirtschaft und jungen Bevölkerung gehört es inzwischen zu den aufstrebenden Next-Eleven-Märkten. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen stuft Bangladesch als Land mit einer mittleren menschlichen Entwicklung ein.

Geographie

Bangladesch grenzt an die indischen Bundesstaaten Westbengalen, Assam, Meghalaya, Tripura und Mizoram (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen) sowie an Myanmar und den Golf von Bengalen (Teil des Indischen Ozeans). Die Gesamtl√§nge der Grenze betr√§gt 4246¬†km, davon mit Myanmar 193¬†km und mit Indien 4053¬†km. Die K√ľstenl√§nge betr√§gt 580¬†km.

Naturraum

Der gr√∂√üte Teil Bangladeschs wird vom M√ľndungsdelta der Fl√ľsse Brahmaputra, Ganges und Meghna gebildet; ein von vielen Altwasserarmen, T√ľmpeln und kleinen Inseln durchzogenes Sumpfgebiet, das w√§hrend der Monsunzeit regelm√§√üig vom Flusshochwasser √ľberschwemmt wird. Rund 90¬†Prozent von Bangladesch bestehen aus flachem Tiefland, und die Hauptstadt Dhaka liegt nur sechs Meter √ľber dem Meer. Lediglich der s√ľd√∂stliche Landesteil mit der H√ľgel- und Berglandschaft der Chittagong Hill Tracts weicht von diesem Erscheinungsbild ab.

Vegetation

Da der nat√ľrliche Baumbestand im Zuge des intensiven Ackerbaus gro√üfl√§chig dezimiert wurde, sind nur 15¬†Prozent des Landes bewaldet. Tropische Regenw√§lder existieren vor allem im s√ľd√∂stlichen H√ľgelland, w√§hrend im Einzugsbereich der Flussdeltas ausgedehnte Mangrovenvegetation vorherrscht. Diese Sundarbans genannten Gebiete (nach den bis zu 25¬†m hohen Sundarib√§umen) sind mit einer Fl√§che von etwa 10.000¬†km¬≤ die gr√∂√üten Mangrovenw√§lder der Erde. Sie machen rund die H√§lfte der verbliebenen Waldfl√§che des Landes aus.

Klima

Das Klima Bangladeschs ist tropisch mit zunehmenden Niederschl√§gen von West nach Ost. Bangladesch liegt im Einflussbereich des S√ľdwest-Monsuns, so dass durchschnittlich 1500 bis 2250¬†mm Jahresniederschlagssumme erreicht werden. Im Osten, am Fu√ü der Tripura-Lushai-Berge, fallen 3000 bis 4000¬†mm. Dort befindet sich mit dem Mowdok Mual die h√∂chste Erhebung Bangladeschs (1045¬†m). Mehr als die H√§lfte der Jahresniederschl√§ge entf√§llt auf die Monate Juni bis August. Im M√§rz/April und im Oktober kommt es h√§ufig zu tropischen Wirbelst√ľrmen √ľber dem Golf von Bengalen mit oft katastrophalen Folgen, da die damit verbundenen Fluten weite Teile des Landes √ľberschwemmen. Ein F√ľnftel des Landes wird j√§hrlich √ľberschwemmt, bei extremen √úberschwemmungen sind es 35¬†%. Die durchschnittliche Tagesh√∂chsttemperatur liegt im Januar bei 25¬†¬įC und im April schon bei 35¬†¬įC. Im restlichen Jahr liegt die Temperatur bei 30¬†¬įC. In Bangladesch unterscheidet man drei bestimmte Jahreszeiten: von Ende Mai bis Anfang Oktober die Monsun-Saison, von Mitte Oktober bis Ende Februar die ‚Äěk√ľhle‚Äú Jahreszeit und die ‚Äěhei√üe‚Äú Jahreszeit ungef√§hr zwischen dem 15. M√§rz und dem 15. Mai.

Wirkungen des Klimawandels

Bangladesch ist durch die globale Erw√§rmung in besonderer Weise betroffen: Durch die geographischen Bedingungen ‚Äď der Gro√üteil des Landes liegt nur wenig h√∂her als der Meeresspiegel ‚Äď, die gro√üe Einwohnerzahl von etwa 160 Millionen Menschen sowie den Umstand, dass die Bev√∂lkerung auf nur wenig Landfl√§che siedelt und zu etwa 80¬†% unterhalb der Armutsgrenze lebt, bestehen besondere Herausforderungen, sich an die Folgen der globalen Erw√§rmung anzupassen. Bei einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter w√ľrden ohne K√ľstenschutzma√ünahmen etwa 18¬†% der gesamten Fl√§che von Bangladesch √ľberschwemmt werden, womit ca. 38 Millionen Menschen ihre Heimat verlieren und zu Klimafl√ľchtlingen w√ľrden. Im F√ľnften Sachstandsbericht des IPCC aus dem Jahr 2013 wurde je nach zugrundeliegendem Szenario ein Anstieg zwischen 0,26¬†m und 0,98¬†m bis zum Jahr 2100 erwartet und durch langfristige Wirkungen von Treibhausgasemissionen ein weiterer Anstieg f√ľr die folgenden Jahrhunderte prognostiziert. Langfristig wird von einem Meeresspiegelanstieg in H√∂he von ca. 2,3¬†m pro zus√§tzlichem Grad Celsius Erw√§rmung ausgegangen. Der tats√§chliche Meeresspiegelanstieg in der Region betr√§gt 1,06 ‚Äď 1,75 mm p.¬†a. Von 1977 bis 2010 ist Bangladesch durch Ver√§nderungen der K√ľstenlinie netto um 169¬†km¬≤ gewachsen.

Bedingt durch den steigenden Meeresspiegel ist eine zunehmend ins Landesinnere vordringende Versalzung von Grundwasser und Ackerb√∂den zu beobachten. Zudem leben etwa 65¬†% der Bev√∂lkerung im h√§ufig durch √úberschwemmungen betroffenen Flussdelta. Durch das verst√§rkte Abschmelzen der Himalaya-Gletscher sowie eine Ver√§nderung der Niederschl√§ge im Einzugsbereich der Fl√ľsse infolge der globalen Erw√§rmung steigt die Hochwassergefahr zuk√ľnftig an. Im Nordwesten k√§me es hingegen zu einem R√ľckgang der Niederschl√§ge und st√§rkerer Trockenheit, was dort wiederum die Wasserversorgung beeintr√§chtigen w√ľrde. Sowohl durch Bodenversalzung als auch die Ver√§nderung des Monsuns wird ein R√ľckgang der Ernteertr√§ge um bis zu 30¬†% bis 2050 erwartet. Da im betroffenen Gebiet bereits soziale Spannungen vorhanden sind und die klimawandelbedingte Migration in Richtung Dhaka und anderer urbaner Zentren zu einer √úberlastung st√§dtischer Infrastrukturen f√ľhrt, wird zudem bef√ľrchtet, dass diese sich durch die verschlechterten Lebensbedingungen infolge des Klimawandels zu offenen gewaltsamen Konflikten entwickeln werden. Ebenso werden Konflikte um fruchtbare Gebiete im l√§ndlichen Bangladesch mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. Dabei sind h√§ufig indigene Volksgruppen wie die Santal oder die Bewohner der Chittagong Hill Tracts Opfer von Angriffen. 2019 wurde prognostiziert, dass bis 2030 das Bruttoinlandsprodukt Bangladeschs klimawandelbedingt um 4,3¬†% schrumpfen wird. Von den Folgen werden insbesondere bereits benachteiligte Bev√∂lkerungsgruppen betroffen sein.

Naturkatastrophen

Bedingt durch seine Lage nahe dem √Ąquator am Meer in einer tektonisch unruhigen Zone (in relativer N√§he zum Himalaya) wird Bangladesch in unregelm√§√üigen Abst√§nden von Naturkatastrophen heimgesucht. Dazu z√§hlen Wirbelst√ľrme und die zum Teil damit verbundenen Sturmfluten, sowie Erdrutsche und Erdbeben.

Tierwelt

In den Regenw√§ldern nahe Chittagong kann man Hirsche, B√§ren, Leoparden, Rhesusaffen und Elefanten finden. Insgesamt sind etwa 750 Vogelarten, 250 Arten von S√§ugetieren sowie 150 verschiedene Reptilien und Amphibien in Bangladesch bekannt. Zu den Reptilien des Landes z√§hlen etwa Krokodile, Pythons und Kobras. Zudem leben in den Gew√§ssern von Bangladesch etwa 250 Arten von S√ľ√üwasser- und an der K√ľste etwa 350 Arten von Meeresfischen; Fischer auf der Jagd nach Langusten und Garnelen bringen oftmals einen gro√üen Fang mit nach Hause, der einerseits f√ľr die einheimische Bev√∂lkerung als Nahrung dient, andererseits auch zum Export genutzt wird. Das wahrscheinlich bekannteste Tier Bangladeschs ist der Bengalische Tiger, auch Indischer oder K√∂nigstiger genannt. Diese Tigerart lebt im S√ľdosten Bengalens. M√§nnliche Exemplare k√∂nnen es auf eine L√§nge von 3 Metern bringen, eine Vierteltonne schwer werden und eine Schulterh√∂he von einem Meter erreichen. Rot-goldenes Fell mit schwarzen Streifen ist Kennzeichen dieses Tigers, dessen Bauchbereich wei√ü gef√§rbt ist. Vereinzelt werden auch wei√üe bengalische Tiger gesichtet. Bengalische Tiger fressen etwa neun Kilo Fleisch pro Tag. In Bangladesch leben sch√§tzungsweise 670 Tiger im gesch√ľtzten Mangrovenwaldgebiet der Sundarbans.

Verwaltungsgliederung

Divisions

Bangladesch ist in acht Verwaltungseinheiten (Divisions), die wiederum in 64 Distrikte (Districts) untergliedert sind, aufgeteilt. Die Distrikte sind weiter nach Kreisen (Upazilas) untergliedert. Alle Divisions sind nach ihrer Hauptstadt benannt.

Die Divisions sind:

Im Jahr 2015 k√ľndigte die bangladeschische Regierung an, dass noch zwei weitere neue Divisionen gebildet werden sollen, und zwar Faridpur aus Teilen von Dhaka und Kumilla aus Teilen von Chittagong.

Städte

Die Hauptstadt Dhaka, vor Chittagong und Khulna die größte Stadt des Landes, hatte bei der Volkszählung am 22. Januar 2001 in der eigentlichen Stadt 5.378.023 Einwohner (9.912.908 in der Agglomeration). Im Jahre 2010 wird die Zahl der Bewohner auf etwa 15 Millionen geschätzt. Fast die Hälfte von ihnen lebt in Elendsvierteln. Dhaka gehört als eine der am schnellsten wachsenden Städte weltweit zu den Megastädten.

Die größten Städte sind (Volkszählung 2011):

  1. Dhaka: 8.906.039 Einwohner
  2. Chittagong: 2.592.439 Einwohner
  3. Khulna: 1.400.000 Einwohner (Zählung 2014)
  4. Rajshahi: 448.087 Einwohner
  5. Sylhet: 369.425 Einwohner (Zählung 2007)

Bevölkerung

Demografie

Mit knapp 165¬†Millionen Einwohnern (Stand: 2020) steht Bangladesch in der Liste der Landesbev√∂lkerungen an achter Stelle und ist mit einer Bev√∂lkerungsdichte von 1084,2¬†Menschen je Quadratkilometer der am dichtesten besiedelte Fl√§chenstaat der Welt. Lange Zeit hatte Bangladesch eine hohe Geburtenrate. Durch Selbsthilfeinitiativen der Bev√∂lkerung, die von Entwicklungshilfeorganisationen unterst√ľtzt wurden, konnte die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer zwischen 1979 und 1999 von 7,0 auf 3,3 Kinder pro Frau gesenkt werden. Die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer lag im 5-Jahreszeitraum zwischen 2015 und 2020 nach Sch√§tzungen der Vereinten Nationen nur noch bei etwa 2,05 Kindern. Die Bev√∂lkerung wird nach einer Prognose der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2017 bis 2050 auf √ľber 200 Millionen anwachsen und dann anfangen zu stagnieren.

Umfragen von 1999 zeigten, dass die Menschen in Bangladesch mit damals 3,3 Kindern pro Frau weit mehr Kinder bekamen, als sie sich eigentlich w√ľnschten (im Durchschnitt nur 2,3 Kinder). Aufgrund der in Bangladesch weit verbreiteten Armut hatte ein Teil der Frauen keinen Zugang zu sicheren und wirksamen Methoden der Familienplanung.

Im Jahre 2017 waren 0,9¬†% der Bev√∂lkerung im Ausland geboren. W√§hrend der Ausschreitungen gegen Rohingya im benachbarten Myanmar flohen bis Ende 2017 etwa 850.000 Rohingya nach Bangladesch. Bangladesch selbst ist ein Auswanderungsland. Im Jahr 2016 lebten 7,5 Millionen geb√ľrtige Bangladescher im Ausland, vor allem in Indien, in den arabischen Golfstaaten, den USA und Europa.

Im Jahr 2011 lebten 28,4 Prozent der Bevölkerung in den Städten. Laut Zahlen der Weltbank sank die Armut in Bangladesch von 2000 bis 2018 von 48,9 % auf 24,3 % der Bevölkerung, extreme Armut sank von 33,7 % auf 12,9 Prozent.

In fast allen Landesteilen liegt die Bev√∂lkerungsdichte √ľber 500¬†Einwohner/km¬≤. Nur in den Distrikten um Chittagong (au√üer Cox‚Äôs Bazar) liegt sie zwischen 75¬†Einwohner/km¬≤ und 500¬†Einwohner/km¬≤. Zu den Gebieten mit der h√∂chsten Bev√∂lkerungsdichte z√§hlen Narsingdi und Narayanganj mit √ľber 2000¬†Einwohner/km¬≤ und die Hauptstadt Dhaka mit mehr als 7000¬†Einwohner/km¬≤.

Sprachen

Im Gegensatz zu den anderen Staaten S√ľdasiens ist Bangladesch ethnisch relativ einheitlich: Das Bengalische, das zu den indoarischen Sprachen z√§hlt, wird von etwa 98¬†% der Bev√∂lkerung als Muttersprache gesprochen. Die bengalische Sprache hat eine zentrale Rolle im Unabh√§ngigkeitskampf gespielt und ist als Amtssprache des Landes auch heute von gro√üer Bedeutung f√ľr die nationale Identit√§t.

Unter der Mittel- und Oberschicht ist Englisch als Bildungssprache weit verbreitet und wird als Verwaltungs- und Gesch√§ftssprache genutzt ‚Äď im Unterschied zum benachbarten Indien hat Englisch aber keinen offiziellen Status als Amtssprache. Insgesamt werden 39 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen.

Zu den wenigen Minderheiten geh√∂ren die Bihari (1¬†%), die aufgrund religi√∂ser Konflikte infolge der Teilung Britisch-Indiens bei dessen Unabh√§ngigkeit aus Bihar in das damalige Ostpakistan kamen. Sie sprechen zumeist Urdu. Daneben gibt es in den Chittagong Hill Tracts im S√ľdosten und im Norden des Landes zwei Minderheiten, die matrilinear organisiert sind: die Khasi (das Khasi ist eine Mon-Khmer-Sprache) und die Garo (das Garo ist eine tibetobirmanische Sprache). Beide Volksgruppen wurden 1972 durch die Grenzziehung von ihren Stammesgemeinschaften im benachbarten indischen Bundesstaat Meghalaya getrennt.

Religion

Konfessionen

Die Mehrheit der Bev√∂lkerung, rund 90¬†Prozent, bekennt sich zum Islam. Davon bildet ein Gro√üteil die sunnitische Glaubensrichtung, Schiiten sind in einer Minderheit vorhanden. Der Islam ist in Bangladesch Staatsreligion. Ein bis dahin seit 28 Jahren anh√§ngiges Verfahren zur Streichung dieses Passus aus der Verfassung wurde vom Hohen Gericht des Landes 2016 abgelehnt. Der Hinduismus ist mit knapp neun Prozent und der Buddhismus mit weniger als einem Prozent vertreten. In der l√§ngeren historischen √úbersicht hat der relative Anteil von Muslimen kontinuierlich zugenommen, w√§hrend der Anteil von Hindus abgenommen hat. Nach der offiziellen Bev√∂lkerungsstatistik 1941, d. h. im letzten Zensusjahr vor der Teilung Indiens, lebten im Gebiet des sp√§teren Bangladesch 70,3¬†% Muslime und 28,0¬†% Hindus. Nach der Unabh√§ngigkeit Bangladeschs waren es im Jahr 1974 85,4 Prozent Muslime und 13,5 Prozent Hindus, w√§hrend diese Zahlen im Jahr 2011 bei 90,4 und 8,5 Prozent lagen. Den h√∂chsten Anteil an Hindus wiesen in allen statistischen Erhebungen seit 1974 die Divisionen Khulna, Rangpur und Sylhet auf (im Jahr 2011 zwischen 12,8 und 14,1¬†%). Die Buddhisten leben √ľberwiegend in den Chittagong Hill Tracts und bildeten 2011 in der Division Chittagong etwa 3 Prozent der Bev√∂lkerung.

Islam

Islam als Staatsreligion versus Säkularismus

Die erste Verfassung Bangladeschs von 1972 verankerte den S√§kularismus als eines ihrer Grundprinzipien. Nach der Ermordung von Pr√§sident Mujibur Rahman im Jahr 1975 ersetzte das Milit√§rregime (1975‚Äď1977) unter General Ziaur Rahman mit dem per Pr√§sidialdekret erlassenen 5. Verfassungszusatz den Begriff ‚ÄěS√§kularismus‚Äú durch die Passage ‚ÄěAbsolutes Vertrauen und der Glaube an den Allm√§chtigen Allah soll die Basis allen Handelns sein‚Äú. Am 9. Juni 1988 verabschiedete das bangladeschische Parlament, das ganz unter dem Einfluss des Milit√§rregimes des General Ershad stand, den 8. Verfassungszusatz, in dem der Islam zur Staatsreligion von Bangladesch erkl√§rt wurde. Der Zusatz lautete: ‚ÄěDie Staatsreligion ist der Islam, jedoch k√∂nnen andere Religionen in Frieden und Harmonie ebenfalls in der Republik praktiziert werden.‚Äú Die religi√∂sen Minderheiten im Land und die oppositionelle Awami-Liga protestierten vergeblich gegen diese Abkehr vom Prinzip des S√§kularismus. Diese Regelungen blieben nach dem Ende der Milit√§rregierungen 1990 zun√§chst unangetastet.

Am 29. August 2005 erkl√§rte das Oberste Gericht von Bangladesch die Milit√§rregierungen zwischen dem 15. August 1975 und dem 9. April 1979 f√ľr ungesetzlich. Damit wurde auch der durch diese eingebrachte 5. Verfassungszusatz annulliert und die s√§kulare Verfassung in der Form aus dem Jahr 1972 in diesen Abschnitten wiederhergestellt. Dagegen erhoben Vertreter der beiden damaligen konservativen Regierungsparteien Bangladesh Nationalist Party (BNP) und Jamaat-e-Islami Einspruch und gingen in Revision. Am 3. Februar 2010 bekr√§ftigte die Berufungsabteilung des Obersten Gerichts jedoch die vorangegangene Entscheidung, womit der 5. Verfassungszusatz eliminiert wurde. Das Urteil wurde am 28. Juli 2010 ver√∂ffentlicht.

Der 8. Verfassungszusatz (Islam als Staatsreligion) blieb von diesem Urteil unber√ľhrt. Kritiker bezeichneten es als einen Widerspruch, wenn sich einerseits der Staat als s√§kular definiere, andererseits aber der Islam Staatsreligion sein solle und forderten auch die Aufhebung des 8. Verfassungszusatzes. Im Jahr 2011 forderte sogar das Oberste Gericht die Regierung auf, zu begr√ľnden, warum der achte Verfassungszusatz weiterbestehen solle, wenn der f√ľnfte aufgehoben worden sei. Schon im Jahr 1988 hatten 15 prominente Pers√∂nlichkeiten Bangladeschs dagegen Verfassungsklage erhoben. Die Klageschrift machte lange Zeit keine Fortschritte, wurde aber dann nach dem Urteil aus dem Jahr 2010 erneut reaktiviert. In einer kurzen Verhandlung vor dem Obersten Gericht am 27. M√§rz 2016 wies das Gericht die Klage ab und bekr√§ftigte die weitere G√ľltigkeit des 8. Verfassungszusatzes.

Rolle des Islam in Gesetzgebung und Gesellschaft, andere Religionen

Unter den Muslimen ist der Sufismus verbreitet, auch die Tablighi Jamaat hat in Bangladesch eine große Anhängerschaft. Seit den 1980er Jahren wächst außerdem der Einfluss islamischer Fundamentalisten.

Zu Beginn des 20.¬†Jahrhunderts waren 33,9¬†Prozent der Bev√∂lkerung Hindus. Seitdem ging dieser Anteil stark zur√ľck. Vor der Teilung Indiens 1947 waren noch 28¬†Prozent der Bev√∂lkerung hinduistischen Glaubens, jedoch flohen dann fast vier Millionen Hindus nach Indien. Im Unabh√§ngigkeitskrieg 1971 ging die pakistanische Armee mitsamt den sie unterst√ľtzenden lokalen islamistischen Milizen besonders brutal gegen die religi√∂sen Minderheiten vor, denen kollektiv unterstellt wurde, die Unabh√§ngigkeitsbewegung zu unterst√ľtzen. Unter den mindestens 500.000 Toten (Maximalsch√§tzungen bis zu 3 Millionen) des Krieges befanden sich auch viele Hindus.

Dem Christentum gehören etwa 0,3 Prozent der Bevölkerung an (meist römisch-katholischen Glaubens). Animismus ist eher selten; sein Anteil wird auf etwa 0,1 Prozent geschätzt.

Obwohl der Islam eine gewisse Rolle in der Gesetzgebung spielt, gibt es in Bangladesch keine formelle Implementierung der Scharia. Islamische Rechtsvorstellungen werden nur auf Muslime angewendet. Das Familienrecht unterscheidet sich zwischen den einzelnen Religionen etwas. M√§nnlichen Muslimen ist es mit dem schriftlichen Einverst√§ndnis der ersten Ehefrau erlaubt, bis zu vier Ehefrauen zu nehmen. In der Realit√§t kommt das selten vor, und es gibt einen starken gesellschaftlichen Druck gegen die Polygamie. Hindus ist die Ehescheidung nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt (ungewollte Kinderlosigkeit, Misshandlungen, Geisteskrankheit). Hindu-Witwen d√ľrfen sich legal wiederverheiraten. Es gibt auch keine gesetzlichen Beschr√§nkungen f√ľr Heiraten von Angeh√∂rigen verschiedener Religionen. Die gesetzlichen Bestimmungen k√∂nnen allerdings nur dann in Anspruch genommen werden, wenn die Eheschlie√üung amtlich registriert wurde, was keine Pflicht ist. Kritisiert werden die vielen Kinderehen. √úber 60¬†% der M√§dchen werden verheiratet, bevor sie das gesetzliche Mindestalter von 18¬†Jahren erreicht haben. Eine Gesetzes√§nderung 2017 sieht vor, dass M√§dchen sofort nach ihrer Geburt verheiratet werden d√ľrfen.

In der Regierung von Bangladesch sind auch Angeh√∂rige religi√∂ser Minderheiten vertreten (2012 waren 5 von 51 Ministern keine Muslime: 2 Buddhisten, 2 Hindus, 1 Christ). Auch in der h√∂heren Verwaltung sind Nichtmuslime vertreten. Allerdings gibt es keine offiziellen Statistiken, die dar√ľber eine Aussage erlauben, inwieweit diese Minderheiten ihrem Anteil an der Bev√∂lkerung gem√§√ü repr√§sentiert sind.

Der Vested Property Act (Gesetz √ľber rechtm√§√üigen Landbesitz) aus den 1960er Jahren, der bis 2001 in Kraft war, erlaubte der Regierung, Landbesitz von ‚ÄěLandesfeinden‚Äú (in der Praxis waren das praktisch ausschlie√ülich Hindus) zu enteignen. Typischerweise handelte es sich um Hindus, die nach Indien geflohen waren und deren vermeintlich herrenloses Land staatlicherseits konfisziert wurde. Dadurch kamen √ľber die Jahre 2,6 Millionen acres (10.500¬†km¬≤) in Regierungsbesitz. Die betroffenen Hindus versuchten auf dem Rechtsweg, ihr Land zur√ľckzugewinnen. Mit der Vested Properties Return (Amendment) Bill (Gesetz √ľber die R√ľckgabe von rechtm√§√üigem Landbesitz) im Jahr 2011 wurde die Regierung verpflichtet, Listen √ľber den eingezogenen Landbesitz zu ver√∂ffentlichen, anhand derer Anspr√ľche auf R√ľckgabe gestellt werden k√∂nnen.

Islamismus

Islamistische politische Parteien haben bei Parlamentswahlen in Bangladesch in der Vergangenheit zeitweilig bis zu 15¬†% der Stimmen erhalten. Die mit Abstand gr√∂√üte islamistische Partei ist Jamaat-e-Islami (JI), die im Unabh√§ngigkeitskrieg die pakistanische Seite unterst√ľtzt hatte und deswegen danach einige Jahre verboten wurde. Seit etwa dem Jahr 2009 sind f√ľhrende Politiker von JI aufgrund ihrer Beteiligung an Menschenrechtsverbrechen w√§hrend des Unabh√§ngigkeitskrieges von einem durch die bangladeschische Regierung eingesetzten Sondergericht angeklagt und zum Teil zum Tode und zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Dies hat zur Radikalisierung eines Teils der Anh√§nger gef√ľhrt. Seit sp√§testens Ende der 1990er Jahre sind militant-islamistische Gruppen wie Jamaat-ul-Mujahideen Bangladesh aktiv, die Bombenanschl√§ge auf staatliche Einrichtungen ver√ľben. Auch die weltweiten Aktivit√§ten von al-Qaida und des sogenannten ‚ÄěIslamischen Staates‚Äú haben zu vermehrten islamistischen Aktivit√§ten in Bangladesch gef√ľhrt. Umstritten ist, inwieweit es sich dabei um Nachahmertaten handelt und wie weit sich diese beiden Organisationen im Land ausgebreitet haben.

Seit etwa 2013 sind islamistische Mordanschl√§ge auf S√§kularisten zu einem zunehmenden Problem geworden, das die Beachtung der Welt√∂ffentlichkeit gefunden hat. Bei den Mordopfern handelte es sich meist um Blogger in sozialen Netzwerken, Journalisten oder Buchautoren, die sich √∂ffentlich zum Atheismus bekannt und diesen propagiert hatten. Die Opfer wurden typischerweise von einer Gruppe von islamischen Extremisten √ľberfallen und in brutaler Weise mit Macheten vor den Augen ihrer Umgebung zu Tode gehackt. Zu den bekanntesten Opfern geh√∂rte Avijit Roy (gest. 26. Februar 2015). Seit etwa 2015 gibt es auch verst√§rkt Angriffe auf Angeh√∂rige religi√∂ser Minderheiten (Hindus, Christen, Buddhisten).

Bildung

In Bangladesch stieg die mittlere Schulbesuchsdauer von Personen √ľber 25 Jahre von 2,8 Jahren im Jahr 1990 auf 5,2 Jahre im Jahr 2015 an. Das Land hat bei der Grundschulbildung deutliche Erfolge erzielt, die Einschulungsrate liegt bei circa 95 Prozent, auch wenn ein gro√üer Teil die Schule dann ohne Abschluss verl√§sst. Der Staat ist trotz Schulpflicht nicht in der Lage, eine ausreichende Bildungsinfrastruktur zur Verf√ľgung zu stellen. Es gibt deshalb eine Vielzahl privater und von Nichtregierungsorganisationen betriebener Schulen. Neben meist bengalischsprachigen staatlichen Schulen gibt es vermehrt englischsprachige Privatschulen. Das √∂ffentliche Bildungswesen Bangladeschs folgt dem britischen Modell, das in England 1947 eingef√ľhrt wurde. Es besteht eine offizielle f√ľnfj√§hrige Schulpflicht, und der Besuch √∂ffentlicher Schulen ist kostenlos. Allerdings verlassen viele Sch√ľler die Schule ohne Abschluss. Die Zahl der Sch√ľler in der Sekundarstufe sinkt daher, der Anteil der M√§dchen ist in den h√∂heren Klassen sehr viel geringer als der der Jungen. Daher wird f√ľr M√§dchen ab der 6. Klasse ein Teil der monatlichen Kosten vom Staat √ľbernommen. 2015 waren 38,5¬†% aller Bangladescher √ľber 15 Jahre Analphabeten. Bei den Frauen lag die Quote bei 41,5¬†%, unter den M√§nnern konnten 35,4¬†% nicht lesen und schreiben.

Das staatliche Bildungssystem umfasst vier Hauptstufen: Auf die f√ľnfj√§hrige Grundschule folgt die dreij√§hrige Mittelschule von der sechsten bis zur achten Klasse. Danach kommt die zweij√§hrige Ausbildung an einer High School, die mit einer Higher Secondary School, HSC Pr√ľfung abgeschlossen wird. Der erfolgreiche Abschluss der Higher Secondary School berechtigt zum Besuch einer staatlichen Hochschule oder Universit√§t. In Bangladesch gibt es √ľber 105 anerkannte staatliche und private Universit√§ten. Ein Bachelor-Studium dauert vier Jahre und ein Master-Studium sechs Jahre. Danach besteht auch die M√∂glichkeit, zu promovieren. Die Universit√§ten in Bangladesch sind stark politisiert. Studentenunruhen und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Studenten kommen regelm√§√üig vor, h√§ufig ferngesteuert von den beiden gro√üen Parteien BNP und Awami-Liga sowie der religi√∂s orientierten Jamaat-e-Islami.

Neben den staatlichen Schulen gibt es Tausende von Madaris oder Koranschulen, die zu einem großen Teil von Saudi-Arabien finanziert werden. Sie bieten in der Regel auch Kindern aus armen Familien, denen der Besuch einer staatlichen Bildungseinrichtung nicht möglich wäre, eine kostenlose Grundbildung. Ihre Lehrinhalte stehen nur teilweise unter staatlicher Kontrolle.

Gesundheit

Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt betrug im Zeitraum von 2010 bis 2015 71,2 Jahre (Männer 69,8 Jahre, Frauen 72,9 Jahre). Mitte der 1950er Jahre betrug die Lebenserwartung noch 40 Jahre und hat sich seitdem um gut 30 Jahre gesteigert. Ein hoher Anteil der Kleinkinder (2011: 36,8 %) in Bangladesch ist untergewichtig. Die HIV-Infektionsrate ist niedrig. Die Kindersterblichkeit konnte stark gesenkt werden. 1960 starben 26 Prozent der Kinder vor ihrem 5. Geburtstag, im Jahr 2016 waren es noch 3,4 Prozent.

Insgesamt verf√ľgen 84¬†% der Einwohner √ľber Zugang zu Trinkwasser (Stand: 2014). Jedoch hat nur etwa jeder zweite (54¬†%) Zugang zu sanit√§ren Einrichtungen (Stand: 2014). 2015 waren 15,1¬†% der Bev√∂lkerung unterern√§hrt. Im Jahre 2000 waren es noch 20,1¬†% der Bev√∂lkerung.

Geschichte

Regionalgeschichte bis zur Abspaltung Bangladeschs von Pakistan

Bangladesch bildete bis 1947 einen Teil Britisch-Indiens. Nach der Teilung des Landes in einen mehrheitlich hinduistischen, s√§kularen Staat (Indien) und einen muslimischen Staat (Pakistan) wurde im Zuge der Teilung Bengalens 1947 das ebenfalls √ľberwiegend islamische Ostbengalen Pakistan (als Ostpakistan) zugeschlagen, von dem es geographisch durch Indien getrennt war. Trotz der gemeinsamen islamischen Religion trennten Westpakistan und Ostpakistan sprachliche und kulturelle Verschiedenheiten. Zu einem ersten ernsthaften Konflikt zwischen beiden Landesteilen kam es bei dem Versuch der pakistanischen Staatsf√ľhrung, Urdu als alleinige Staatssprache einzuf√ľhren. Dies f√ľhrte zur Entstehung der Bengalischen Sprachbewegung, die erreichte, dass ab 1956 auch das Bengalische als zweite Staatssprache neben Urdu eingef√ľhrt wurde. Trotzdem war Ostpakistan im gemeinsamen Staatswesen weiterhin benachteiligt. Der fruchtbare Osten erzielte mit seinen Jute- und Reisexporten √úbersch√ľsse, die fast ausschlie√ülich dem Westteil zugutekamen, wo sie wiederum vorrangig f√ľr das Milit√§r ausgegeben wurden. Insbesondere im pakistanisch-indischen Kaschmirkrieg im Jahr 1965 wurde deutlich, dass einerseits Westpakistan keinerlei Anstrengungen zur milit√§rischen Sicherung Ostpakistans unternahm, andererseits die Kaschmirfrage in Ostpakistan kaum auf Interesse stie√ü. Die Bengalen waren sowohl im Milit√§r als auch in der Staatsverwaltung stark unterrepr√§sentiert. Scheich Mujibur Rahman, der charismatische F√ľhrer der ostpakistanischen Awami-Liga, forderte deshalb weitgehende Autonomie f√ľr Bengalen (Ostpakistan).

Nach dem R√ľcktritt von Pr√§sident Muhammed Ayub Khan am 25. M√§rz 1969 sah sein Nachfolger General Agha Muhammad Yahya Khan keinen anderen Ausweg aus der politischen Krise Pakistans mehr, als die lange hinausgez√∂gerten gesamtstaatlichen Wahlen auszuschreiben (bis dahin hatte es immer nur Wahlen zu den Provinzialvertretungen gegeben). Diese Wahlen 1970 f√ľhrten zu einem Erdrutschsieg der Awami-Liga in Ostpakistan, die damit auch die Mehrheit der Mandate im gesamtpakistanischen Parlament gewann. Der Wahlsieg der Awami-Liga war durch den verheerenden Zyklon im November 1970 beg√ľnstigt worden, auf den die gesamtpakistanische F√ľhrung nur unzureichend reagiert hatte. Nach der politischen Logik h√§tte die Awami-Liga die neue Regierung Gesamtpakistans bilden sollen. Dies stie√ü in Westpakistan vor allem beim dortigen Wahlsieger Zulfikar Ali Bhutto (Pakistan Peoples Party) und der pakistanischen Armee auf Widerstand. Sie entschlossen sich zu einer blutigen Unterdr√ľckung der separatistischen Bestrebung, die vor allem auf eine Eliminierung der bengalischen Eliten, Massent√∂tungen von Unterst√ľtzern der Unabh√§ngigkeitsbewegung und religi√∂sen Minderheiten sowie Massenvergewaltigungen zur Terrorisierung der bengalischen Bev√∂lkerung hinausliefen (Genozid in Bangladesch). Nur einen Tag nach der Macht√ľbernahme der Armee proklamierte Mujibur Rahman die Unabh√§ngigkeit des Landes. Vor dem Terror der pakistanischen Armee und ihrer √∂rtlichen Hilfstruppen, der sich schwerpunktm√§√üig stark gegen die Hindu-Minderheit richtete, flohen Millionen Menschen ins benachbarte Indien. Schlie√ülich griff Indien im Bangladesch-Krieg milit√§risch in den Konflikt ein und f√ľhrte eine Entscheidung zu Gunsten der Separatisten herbei (3.¬†bis¬†16.¬†Dezember¬†1971). Am 16. Dezember 1971 erlangte Ostpakistan auch v√∂lkerrechtlich die Unabh√§ngigkeit und gab sich den Namen Bangladesch. Nach Eintreffen aus pakistanischer Haft verk√ľndete Rahman am 10. Januar 1972 in Dhaka vor einem Millionenpublikum den Bruch der fr√ľher staatlich vereinten Landesteile West- und Ostpakistan. Zwei Tage sp√§ter stellte er eine Regierung vor, in der er die Funktion des Ministerpr√§sidenten aus√ľbte. Nach Darstellung der Regierung von Bangladesch kostete der Unabh√§ngigkeitskrieg bis zu drei Millionen Bangladescher das Leben und mehr als 20 Millionen Fl√ľchtlinge flohen nach Indien. Ab dem Fr√ľhjahr 1972 wurde Bangladesch nach und nach von der Mehrheit der Staatengemeinschaft anerkannt; Pakistan erkannte das Land im Februar 1974 an.

Demokratische Zwischenphase und Militärdiktatur

Nach seiner Unabh√§ngigkeit wurde Bangladesch eine parlamentarische Demokratie mit Mujibur Rahman als Premierminister. 1973 gewann die Awami-Liga die absolute Mehrheit. 1973, 1974 und Anfang 1975 traten landesweit Hungersn√∂te auf. Mujibur Rahman f√ľhrte ein Ein-Parteien-Regime ein und benannte die Awami-Liga in Bangladesh Krishak Sramik Awami League (BAKSAL, ‚ÄěAwami-Liga der Arbeiter und Bauern von Bangladesch‚Äú) um. Am 15. August 1975 wurden Mujibur Rahman und ein Gro√üteil seiner Familie bei einem Milit√§rputsch umgebracht. In den n√§chsten drei Monaten folgten eine Reihe von Putschen und Gegenputschen, bis General Ziaur Rahman (auch Zia genannt) an die Macht kam. Er f√ľhrte wieder ein Mehr-Parteien-System ein und gr√ľndete die BNP (Bangladesh Nationalist Party). Zia wurde 1981 von konkurrierenden Milit√§rs umgebracht. 1982 kam General Hossain Mohammad Ershad bei einem unblutigen Staatsstreich an die Macht und gr√ľndete 1986 zur Unterst√ľtzung seiner Herrschaft eine neue staatstragende Partei, die Jatiya Party. Gegen das Kriegsrecht und gegen die von der Regierung verfolgte Islamisierung der Gesellschaft gab es zahlreiche Protestaktionen und Streiks. Zu sozialen Spannungen kam es auch mit den 500.000 in Bangladesch lebenden Biharis, die √ľberwiegend in Lagern leben mussten. General Ershad versuchte mit der Privatisierung von Staatsbetrieben, Anreize f√ľr ausl√§ndische Investoren zu schaffen und die Arbeitslosigkeit von um die 30 Prozent zu senken. Ershad regierte bis zu einem Volksaufstand 1990.

Machtwechsel und Demokratisierung

Nach dem Volksaufstand 1990 kehrte Bangladesch zur parlamentarischen Demokratie zur√ľck. In unregelm√§√üigen Abst√§nden wechselten sich dabei Regierungen unter F√ľhrung der BNP und der Awami-Liga ab. Von 1991 bis 1996 und von 2001 bis 2006 war Khaleda Zia (BNP), die Witwe Zias Premierministerin und von 1996 bis 2001 war Hasina Wajed (Awami-Liga), eine √ľberlebende Tochter von Mujibur Rahman, Premierministerin. Seit der Wahl 2008 amtiert Hasina Wajed als Premierministerin.

Die Anfang 2007 anstehende Parlamentswahl konnte aufgrund massiver Unruhen nicht termingerecht abgehalten werden, so dass ma√ügeblich auch unter dem Druck des Milit√§rs eine √úbergangsregierung unter dem √Ėkonomen Fakhruddin Ahmed die Amtsgesch√§fte √ľbernahm. Diese √úbergangsregierung f√ľhrte verschiedene Reformen durch und versuchte, die grassierende Korruption zu bek√§mpfen. Mehr als 100 Spitzenpolitiker wurden unter Korruptionsanklage gestellt. Auch Hasina Wajed und Khaleda Zia wurden zeitweilig verhaftet. Die Regierung verfolgte das Ziel, durch Strafandrohung diese beiden Politikerinnen zur Flucht ins Ausland zu veranlassen, und ihnen dann die R√ľckkehr nach Bangladesch zu verweigern. Die beiden blieben jedoch im Land, und der Plan der √úbergangsregierung, sich auf diese Weise der beiden f√ľhrenden vermeintlich korrupten Spitzenpolitikerinnen zu entledigen, schlug fehl. Auch die meisten anderen Korruptionsanklagen verliefen ergebnislos im Sande. Auf dem Feld der Wirtschaftspolitik und der Reform staatlicher Institutionen (z. B. der zentralen Wahlkommission) agierte die √úbergangsregierung dagegen relativ erfolgreich. Obwohl die Notstandsregierung in der Bev√∂lkerung gewisse Popularit√§t erlangen konnte, formierten sich im August 2007 Studentenproteste, die bald auf das ganze Land √ľbergriffen. Ende August sah sich die Regierung daher gezwungen, eine Ausgangssperre zu verh√§ngen. Neuwahlen wurden f√ľr Anfang 2008 ausgeschrieben.

Die Wahl 2008 wurde von der Awami-Liga unter Hasina Wajed deutlich gewonnen. Sie verf√ľgte danach √ľber mehr als drei Viertel der Sitze im Parlament. Die Wahl 2014 wurde von den meisten oppositionellen Parteien boykottiert und die Awami-Liga konnte ihren Wahlsieg wiederholen. Allerdings lag die Wahlbeteiligung aufgrund des Wahlboykotts der Opposition nur bei gesch√§tzten 30¬†%. Die beiden gro√üen politischen Lager (die regierende Awami-Liga auf der einen Seite und die Bangladesh Nationalist Party (BNP)) stehen sich seitdem unvers√∂hnlich gegen√ľber. Die BNP forderte baldige Neuwahlen und rief zu regelm√§√üigen Streikaktionen auf, um diese zu erzwingen, was von der Awami-Regierung abgelehnt wurde. Das innenpolitische Klima wurde zudem durch die √∂ffentlichkeitswirksamen Prozesse vor allem gegen die F√ľhrer der islamistischen Jamaat-e-Islami aufgrund von Kriegsverbrechen im Bangladesch-Krieg 1971 aufgeheizt. Im Rahmen der Prozesse wurden mehrere Todesurteile vollstreckt. Ein Gericht in Dhaka verh√§ngte am 11. Oktober 2018 die Todesstrafe f√ľr 19 Personen wegen eines Handgranatenanschlags auf die sp√§tere Premierministerin Hasina Wajed bei einer Parteikundgebung der Awami-Liga am 21. August 2004. Unter den Verurteilten befanden sich f√ľhrende Oppositionspolitiker. Zudem wurde der im britischen Exil lebende Tarique Rahman, Sohn der fr√ľheren Premierministerin und Oppositionsf√ľhrerin Khaleda Zia, zusammen mit weiteren 18 anderen Oppositionellen, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Seit 2013 gab es immer wieder islamistisch motivierte Morde an S√§kularisten oder Bloggern mit s√§kularer Weltanschauung, die weltweite Beachtung fanden. Unter der Awami-Liga-Regierung seit 2008 kam es zu einer deutlichen Verbesserung und einer Intensivierung der gegenseitigen Beziehungen zum benachbarten Indien, was unter anderem in dem am 7. Mai 2015 endg√ľltig ratifizierten Indisch-bangladeschischen Grenzvertrag resultierte.

Die Parlamentswahl 2018 konnte nach dem Urteil ausl√§ndischer Beobachter nicht mehr als wirklich frei und demokratisch bezeichnet werden, da sie ganz und gar unter der Dominanz der Awami-Regierung von Premierministerin Wajed stand. Die f√ľhrende Oppositionspolitikerin und BNP-Vorsitzende Khaleda Zia war 2018 wegen Korruption zu einer Haftstrafe verurteilt worden, erhielt aber sp√§ter gegen Kaution Haftverschonung. Sie war damit weitgehend politisch kaltgestellt. Bei der Wahl gewann die Awami-Liga √ľber 90¬†% der Parlamentsmandate.

Politik

Politisches System

Nach der Verfassung von 1972 (ge√§ndert 2004) ist Bangladesch eine Republik mit einem Einkammerparlament. Das Parlament Bangladeschs wird Jatiyo Sangshad (deutsch: ‚ÄěNationalversammlung‚Äú) genannt und hat 350 Abgeordnete, von denen 300 direkt in Einzelpersonen-Wahlkreisen in einfacher Mehrheitswahl gew√§hlt werden. Die 50 zus√§tzlichen Sitze sind f√ľr Frauen reserviert, die in indirekter Wahl durch die 300 Abgeordneten entsprechend der Sitzanteile der Parteien hinzugew√§hlt werden. Die Legislaturperiode dauert f√ľnf Jahre. Das allgemeine Wahlrecht gilt ab 18¬†Jahren.

Die Geschichte des Frauenwahlrechts verlief in Etappen. 1937 trat der Government of India Act in Kraft, der 1935 verabschiedet worden war, und das Stimmrecht f√ľr alphabetisierte Frauen enthielt, die ein Einkommen hatten und Steuern zahlten. Als Pakistan 1947 ein unabh√§ngiges Herrschaftsgebiet geworden war, wurde dieses Recht best√§tigt und auch auf Bangladesch, damals Ostpakistan, angewendet. 1956, als Bangladesch noch Teil von Pakistan war, erhielten Frauen das allgemeine Wahlrecht. 1971 wurde Bangladesch als Folge der Abtrennung von Ostpakistan von Pakistan unabh√§ngig. Am 4. November 1972 wurde eine neue Verfassung beschlossen und im Dezember 1972 in Kraft gesetzt, die ein allgemeines Wahlrecht f√ľr alle B√ľrgerinnen und B√ľrger ab 18 Jahre garantierte.

Regierungschef des Landes ist der Premierminister, der vom Parlament gew√§hlt wird. Der Pr√§sident √ľbernimmt als Staatsoberhaupt zeremonielle Aufgaben. Er wird ebenfalls vom Parlament auf f√ľnf Jahre gew√§hlt. Es ist eine einmalige Wiederwahl m√∂glich.

Parlamentswahlen

Zu den konkreten Wahlergebnissen siehe den Abschnitt zur neueren Geschichte

Die 300 direkt gew√§hlten Abgeordneten des Parlaments (Jatiya Sangsad) werden in ebensovielen Wahlkreisen nach dem einfachen Mehrheitswahlrecht nach britischem Muster gew√§hlt. Dies f√ľhrt auf der einen Seite zu eindeutigen Mehrheitsverh√§ltnissen bei Wahlen, auf der anderen Seite k√∂nnen aber schon geringe Stimmenverschiebungen zu massiven √Ąnderungen der Sitzverteilung f√ľhren. Beispielsweise gewann die Bangladesh Nationalist Party (BNP) bei der Parlamentswahl 2001 nur wenig mehr Stimmen als die Awami-Liga (40,97¬†% gegen√ľber 40,13¬†%), erlangte damit aber fast zwei Drittel der Parlamentsmandate. Bei den bisherigen Parlamentswahlen f√ľhrte das Wahlsystem h√§ufig zu Supermajorit√§ten im Parlament, die die jeweils regierende Partei in die Lage versetzten, auch die Verfassung √§ndern zu k√∂nnen, was den Machtmissbrauch zumindest erleichterte.

Traditionell gibt es bei Wahlen nur wenige weibliche Kandidaten. Um den Frauenanteil im Parlament zu erh√∂hen, wurde die Regelung einf√ľhrt, dass das gew√§hlte Parlament zus√§tzliche weibliche Abgeordnete hinzuw√§hlen konnte. Die Zahl dieser hinzugew√§hlten weiblichen Abgeordneten betrug anf√§nglich 15, dann von 1979 bis 1987, sowie 1990 bis 2000 30, ab 2005 45 und ab 2018 dann 50. Die Sollst√§rke des Parlaments betr√§gt damit derzeit 350 Abgeordnete.

Politische Parteien

Seit der Wiedereinf√ľhrung der Demokratie 1990 besteht in Bangladesch praktisch ein Zweiparteiensystem. Das geltende relative Mehrheitswahlrecht nach britischem Vorbild beg√ľnstigt sehr stark gr√∂√üere Parteien. Auf der einen Seite steht die Bangladesh Nationalist Party, eine moderat islamische, konservative Partei, die von Khaleda Zia, der Witwe des Milit√§rmachthabers Ziaur Rahman (Pr√§sident 1977‚Äď1981 und Parteigr√ľnder) gef√ľhrt wird. Ihr steht die Awami-Liga gegen√ľber, die sich als sozialistisch-s√§kulare Partei versteht und deren Vorsitzende Scheich Hasina Wajed, eine Tochter des 1975 im Milit√§rputsch ermordeten ersten Ministerpr√§sidenten und Parteigr√ľnders Mujibur Rahman, ist. Kleinere Parteien sind die Jatiya Party sowie die islamistische Bangladesh Jamaat-e-Islami. Der Jamaat wurde allerdings im Jahr 2013 die Zulassung als politische Partei bei Parlamentswahlen entzogen. Daneben gibt es noch eine Reihe von kleinen linkssozialistischen, kommunistischen und islamistischen bzw. islamischen Parteigruppierungen.

Die Politik ist wesentlich von pers√∂nlichen Animosit√§ten zwischen den beiden Parteif√ľhrerinnen Khaleda Zia und Hasina Wajed gepr√§gt. W√§hrend der Regierungszeiten der jeweils anderen Partei √ľbten sie sich h√§ufig in Fundamentalopposition, beschuldigten die jeweils andere Partei des Wahlbetrugs und der Korruption und verweigerten sich einer konstruktiven Zusammenarbeit. H√§ufig kam es im Rahmen dieser Opposition zu Stra√üenunruhen, -blockaden und Generalstreiks, die das Land destabilisierten.

Außenpolitik

Bangladesch betreibt eine auf Ausgleich bedachte Au√üenpolitik. Der geographischen Lage, der Bedeutung ausl√§ndischer Entwicklungshilfe und den wirtschaftspolitischen Interessen des Landes entsprechend, verfolgt Bangladesch eine konstruktive Zusammenarbeit im regionalen Rahmen, innerhalb der islamischen Staatenwelt sowie mit westlichen Staaten. Da sich viele der dr√§ngenden Probleme des Landes (Wasserhaushalt, Energieversorgung, Zugang zu maritimen Ressourcen) nur mit den unmittelbaren und regionalen Nachbarn l√∂sen lassen, spielen die Beziehungen zu Indien und zu Myanmar eine herausgehobene Rolle. Indien hat f√ľr das Entstehen des unabh√§ngigen Bangladesch eine wichtige Rolle gespielt. Dennoch sind die Beziehungen nicht ohne Probleme. Indien umschlie√üt Bangladesch geographisch fast v√∂llig und hat entscheidenden Einfluss auf wichtige Faktoren, die das k√ľnftige Schicksal Bangladeschs bestimmen. So kontrolliert Indien die Oberl√§ufe aller wichtigen Fl√ľsse, die Bangladesch durchflie√üen. Die Ausbeutung der in der Bucht von Bengalen vermuteten Gasvorkommen ist auch von einer Einigung mit Indien √ľber den Grenzverlauf abh√§ngig. Eine Reihe weiterer schwieriger Fragen wie Transitrechte, illegaler Grenz√ľbertritt und Migration, Wasserverteilung, Ma√ünahmen gegen den Terrorismus und Schmuggel werden in regelm√§√üigen Regierungsgespr√§chen er√∂rtert. Seit dem Ende der Kolonialzeit gestalteten rund 200 Enklaven die Grenzlinie h√∂chst komplex. Indien baute ab 1993 ein 3200 Kilometer langes Bauwerk zur Befestigung der Haupt-Grenzlinie. Ab 2011 nahmen Bangladesch und Indien ein weiteres Mal Verhandlungen zum Austausch von Enklaven auf. Am 7. Mai 2015 wurde ein Grenzvertrag unterzeichnet, demzufolge Bangladesch 111 indische Enklaven erhielt und Indien im Gegenzug 52 bangladeschische auf seinem Gebiet. Damit wurde eine geregelte Grenze hergestellt. 53.000 Bewohner der betroffenen Gebiete konnten entscheiden, welchem der zwei Staaten sie angeh√∂ren wollten.

Die Beziehungen zu China sind gut und vor allem durch das Engagement der chinesischen Regierung und chinesischer Unternehmen beim Ausbau der Infrastruktur in Bangladesch gekennzeichnet. China ist der nach Indien zweitgr√∂√üte Handelspartner und der wichtigste Lieferant von Milit√§rg√ľtern. Ein besonderes Verh√§ltnis besteht zu den arabischen Golfstaaten, in denen mehr als die H√§lfte der √ľber 7 Millionen bangladeschischen Gastarbeiter t√§tig sind. Deren √úberweisungen sind nach den Exporterl√∂sen der Textilbranche die wichtigste Devisenquelle f√ľr Bangladesch. Bangladesch ist zudem Gr√ľndungsmitglied der SAARC (S√ľdasiatische Vereinigung f√ľr regionale Kooperation).

Ebenfalls enge Bindungen bestehen zu Großbritannien und den USA, allein schon wegen der großen Zahl der dort lebenden Bangladescher (500.000 bzw. 150.000 Migranten).

Menschenrechte

Bangladesch hat die weltweit h√∂chste Heiratsrate von M√§dchen unter 15¬†Jahren. Einer UNICEF-Studie zufolge werden 29¬†Prozent von ihnen mit weniger als 15¬†Jahren verheiratet, 2¬†Prozent sogar mit weniger als 11¬†Jahren. Kinderheiraten bedeuten f√ľr das Leben der M√§dchen Abbruch weiterf√ľhrender Schulbildung, Vernachl√§ssigung und h√§usliche Gewalt durch Ehepartner und Schwiegereltern sowie gravierende gesundheitliche Sch√§den bis hin zum Tod durch zu fr√ľhe Schwangerschaften. Laut Human Rights Watch habe die Regierung von Bangladesch trotz anderslautender Versprechen keine ausreichenden Ma√ünahmen getroffen, um Kinderheiraten zu verhindern.

Von der Menschenrechtsorganisation Freedom House wurde Bangladesch 2017 als ‚Äěpartiell freie‚Äú Gesellschaft beurteilt. In Bezug auf die Pressefreiheit erhielt das Land die Bewertung ‚Äěnicht frei‚Äú. Auf der Punkteskala von Freedom House von Null (am schlechtesten) bis Hundert (am besten) erhielt Bangladesch einen Wert von 47 und lag damit zwar vor Pakistan (43) und dem benachbarten Myanmar (32), aber deutlich hinter Indien (77). Ein Hauptkritikpunkt ist die immer wieder aufflammende Intoleranz gegen√ľber religi√∂sen und ethnischen Minderheiten. Zu den ersteren z√§hlen vor allem die Hindus, aber auch Christen und Buddhisten.

Als besorgniserregend gilt die hohe Zahl an Entf√ľhrungen aus wahrscheinlich politischen Motiven, in die staatliche Organe involviert zu sein scheinen. Am 24.¬†Februar 2017 rief eine Expertengruppe der Vereinten Nationen die bangladeschische Regierung auf, Ma√ünahmen zu ergreifen, um das Verschwindenlassen politisch missliebiger Personen zu unterbinden und das Schicksal der Verschwundenen aufzukl√§ren. Die Zahl der verschwundenen Personen sei von wenigen isolierten F√§llen vor einigen Jahren auf √ľber 40¬†F√§lle im Februar 2017 angestiegen. Von den Entf√ľhrungen waren besonders Personen betroffen, die mit der Opposition in Verbindung standen. Prominente entf√ľhrte Personen waren Hummam Quader Chowdhury (entf√ľhrt 3. August 2016, wieder aufgetaucht 2. M√§rz 2017), der Sohn des BNP-Politikers Salahuddin Quader Chowdhury, Mir Ahmed Bin Quasem (entf√ľhrt am 9. August 2016), Rechtsanwalt und Sohn des wegen Kriegsverbrechen hingerichteten Jamaat-Politikers Mir Quasem Ali und der Brigadegeneral Abdullahil Amaan Al Azmi (entf√ľhrt 22. August 2016), der Sohn des ebenfalls zum Tode verurteilten, aber zuvor verstorbenen Jamaat-Politikers Ghulam Azam. Familienangeh√∂rige der Entf√ľhrten vermuteten, dass in Zivilkleidung agierende Spezialeinheiten der bangladeschischen Polizei f√ľr die Entf√ľhrungen verantwortlich waren. Der erw√§hnte Hummam Quader Chowdhury erkl√§rte nach seinem Wiederauftauchen, sich an gar keine Umst√§nde seiner Entf√ľhrung mehr erinnern zu k√∂nnen. Auch westliche Medien und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International griffen das Thema wiederholt auf und riefen die bangladeschische Regierung zur Einhaltung und Durchsetzung rechtsstaatlicher Prinzipien auf.

Journalisten wurden in j√ľngerer Zeit vermehrt Opfer von Einsch√ľchterung und Gewalt durch verschiedene religi√∂se und politische Gruppierungen. 2015 wurden mehrere liberale Blogger von Islamisten ermordet.

Im Jahr 2017 wurde nach Reporter ohne Grenzen mindestens ein Journalist in Bangladesch aufgrund seiner Tätigkeit getötet. Weitere acht Journalisten waren in Haft.

2018 kam es im Zusammenhang mit Sch√ľler- und Studentenprotesten zu gewaltsamen √úbergriffen auf Journalisten und zu einer partiellen Internetdrosselung.

Religionsfreiheit

Formell ist die Religionsfreiheit durch die Verfassung garantiert (zum Widerspruch zwischen S√§kularismus und Islam als Staatsreligion siehe oben). De facto gibt es aber religi√∂se Intoleranz. Religi√∂se Verfolgung geschieht vor allem auf Grund von islamischer Unterdr√ľckung. Bei scheinbar religi√∂s motivierten Gewaltausbr√ľchen spielen h√§ufig auch wirtschaftliche Motive und interethnische Konflikte eine Rolle. Religi√∂se Minderheiten sind durch unregelm√§√üige, vor allem bei politischen Veranstaltungen (Wahlen) aufflammende Gewaltausbr√ľche bedroht.

Das Pew Research Center bewertete 2016 die Einschr√§nkung der Religionsfreiheit durch die Regierung als ‚Äěhoch‚Äú. Die Einschr√§nkungen durch gesellschaftlichen Druck wurden als ‚Äěsehr hoch‚Äú bewertet. Ein Bericht von Minority Rights Group International kam 2016 zu dem Ergebnis, dass die Regierung mehr tun m√ľsse, um die religi√∂sen Minderheiten zu sch√ľtzen.

Von Gemeindevorstehern, die mit islamischen F√ľhrern zusammenarbeiten, werden au√üergerichtliche Fatwas gegen Frauen oder andere Minderheiten durchgef√ľhrt, obwohl diese gesetzlich verboten sind. Im Strafgesetzbuch gibt es ein Gesetz, das ‚Äěabsichtlich b√∂sartige‚Äú Aussagen zur Religion unter Strafe stellt. Die Auslegung dieser unscharfen Bestimmung unterliegt den Gerichten. In Schulb√ľchern wurden vermeintlich ‚Äěunislamische‚Äú Aussagen entfernt.

2016 war ein Jahr mit besonders starker Verfolgung. Aufgrund von Regierungsma√ünahmen besserte sich die Sitation im Folgejahr. Im Juni 2016 brannten bengalische Muslime 300 H√§user der zumeist buddhistischen Chakma ab. Im November 2016 wurden in Rangpur 30 H√§user von Hindus durch einen muslimischen Mob angez√ľndet und 600 H√§user der zumeist christlichen Santal ausgeraubt und angez√ľndet. Dabei wurden auch einige Personen get√∂tet und viele verletzt. Etwa 7000 Santal wurden vertrieben, um an das umstrittene Land zu kommen. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors geh√∂rt Bangladesch schon lange Zeit zu den 50 L√§ndern mit der st√§rksten Christenverfolgung. Besonders stark von religi√∂ser Intoleranz sind Konvertiten aus dem Islam betroffen. Der Druck geht dabei besonders von den Familien, Nachbarn und religi√∂sen F√ľhrern aus. Konvertiten droht bei Entdeckung oft die Scheidung und Enterbung oder sie und ggf. ihre Familien werden isoliert und zum Teil zur Flucht gezwungen. Militante Gruppen bedrohen sie mit dem Tod.

Streitkräfte und Verteidigung

Im Jahresbudget 2019/2020 sind Militärausgaben von 3,87 Milliarden US-Dollar ausgewiesen, was einem Anteil von 8,3 Prozent des Gesamtbudgets entspricht.

Die Streitkräfte Bangladeschs umfassen rund 450.000 Soldaten. Im August 2015 waren 9432 Angehörige der bangladeschischen Streit- und Polizeikräfte im Einsatz als Friedenstruppen der Vereinten Nationen (davon 8135 Soldaten, 74 Militärberater und 1223 Polizisten), damit rangierte Bangladesch an erster Stelle.

Die eingesetzten Soldaten gelten weitgehend als diszipliniert und zuverl√§ssig, mehrmals wurde milit√§risches F√ľhrungspersonal aus Bangladesch zu Kommandeuren von Friedensmissionen ernannt. Bangladesch bezieht j√§hrlich 200 Millionen US-Dollar an Rekompensation f√ľr diese Eins√§tze (Stand 2006), dies stellt eine wichtige Einkommensquelle f√ľr das Land und die Streitkr√§fte dar. Weiterhin gilt das daraus entstehende Interesse der Streitkr√§fte Bangladeschs an einer guten Beziehung zur UN als ein innenpolitisch wichtiger stabilisierender Faktor.

Wirtschaft

Bangladeschs Wirtschaft ist, wie in vielen anderen Entwicklungsl√§ndern, in den letzten Jahren auf solidem Wachstumskurs. In der Dekade 2005‚Äď2014 bewegte sich das Wirtschaftswachstum bei durchschnittlich etwa 5,6¬†% j√§hrlich. Die noch h√∂heren Wachstumsraten von √ľber 7 Prozent in den Jahren 2016 und 2017 entsprachen schon dem Wirtschaftswachstum des benachbarten Indien. 2011 proklamierte die bangladeschische Regierung das Ziel, das Land bis zum Jahr 2021 in ein Land mit mittlerem Einkommen (Middle Income Country) zu transformieren. Daf√ľr visierte die Regierung Wirtschaftswachstumsraten von 7 bis 8¬†% in den Jahren 2012 bis 2015 an. Dieses Ziel wurde nicht ganz erreicht, und die Rate bewegte sich zwischen 6 und 7¬†%. Als wesentliche Wachstumshemmnisse werden mangelnde politische Stabilit√§t (vor allem in der Vergangenheit), die ungen√ľgende Infrastruktur in jeder Hinsicht (Stra√üen, Schienenverkehr, Hafenanlagen, Elektrizit√§t, Internet) sowie eine ineffiziente B√ľrokratie angesehen. Zu letzterem z√§hlt auch die weit verbreitete Korruption und Vetternwirtschaft in Politik und Administration. In die Bildung m√ľsste nach Ansicht von Wirtschaftsexperten auch deutlich mehr als bisher investiert werden. St√§rken sind die junge Bev√∂lkerung, der aufgrund der niedrigen L√∂hne wettbewerbsf√§hige Textilsektor und eine im Entstehen begriffene IT-Industrie. Einen wichtigen Beitrag liefern die √úberweisungen der √ľber 7 Millionen Bangladescher im Ausland. Nach offiziellen Angaben lebten im Jahr 2017 alleine in Saudi-Arabien 550.000 Bangladescher (die tats√§chlichen Zahlen lagen m√∂glicherweise h√∂her). Im Jahr 2016/2017 wurden 12,8 Milliarden US$ √úberweisungen von Auslands-Bangladeschern nach Bangladesch registriert. Den Gro√üteil davon machten √úberweisungen aus den arabischen Golfstaaten aus.

Nach wie vor ist die Bedeutung der Landwirtschaft sehr groß; 42,7 % aller Erwerbstätigen arbeiten im Agrarbereich. Dessen Beitrag zum BIP beläuft sich nur auf 14,8 %, während die Industrie 28,8 % und der Dienstleistungssektor 56,5 % erwirtschaften.

Die Hauptprodukte der Landwirtschaft sind Reis und Jute. Das Land ist der viertgr√∂√üte Reisproduzent (Stand: 2016). Von wachsender Bedeutung sind Weizen, Mais und Gem√ľse. Weitere Produkte sind Zuckerrohr, Holz und Tee. Jute war ein bedeutendes Exportprodukt, doch sie wird als Verpackungsmaterial zunehmend von Kunststoffen verdr√§ngt.

An eigenen fossilen Energietr√§gern besitzt Bangladesch Erdgas und Kohle, die haupts√§chlich im Nordosten des Landes f√ľr den Eigenbedarf gef√∂rdert werden.

Die Industrie in Bangladesch erzeugt Textilien, Jute und Juteprodukte, Leder, Lederprodukte und Keramik. Das Land wurde zum zweitgrößten Textilproduzenten der Welt (siehe Textilindustrie in Bangladesch). Außerdem gibt es ein Stahlwerk, Werften und Chemieunternehmen sowie Pharmaunternehmen.

Die Abwrackwerften bei Chittagong sind in der Schiffsverschrottung tätig.

Die international operierende Fluggesellschaft Biman Bangladesh Airlines gehört zu 100 % dem Staat.

Mit einem BIP pro Kopf von etwa 1.900 US-Dollar im Jahr 2019 gehört Bangladesch zu den armen Ländern.

Ein großes Problem des Staates ist, wie bereits oben mehrfach erwähnt, die Korruption.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegte Bangladesch Platz 99 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit lag das Land 2019 auf Platz 121 von 180 L√§ndern.

Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenrate wird 2017 mit nur ca. 4¬†% angegeben, allerdings sind die gro√üe Mehrheit der Besch√§ftigungsverh√§ltnisse informeller Natur und Unterbesch√§ftigung ist weit verbreitet. Sch√§tzungen gehen von einer Unterbesch√§ftigungsquote von bis zu 40¬†% aus. 2016 arbeiteten 42,7¬†% aller Arbeitskr√§fte in der Landwirtschaft, 36,9¬†% im Dienstleistungssektor und 20,5¬†% in der Industrie. Die Gesamtzahl der Besch√§ftigten wird f√ľr 2017 auf 66,7 Millionen gesch√§tzt, davon 29,1¬†% Frauen. Mehrere Millionen Arbeitskr√§fte sind ausgewandert. Geringer qualifizierte wandern vor allem in die Golfstaaten aus und h√∂her qualifizierte in die Vereinigten Staaten, das Vereinigte K√∂nigreich, Kanada und Australien.

Außenhandel

Im Jahr 2016/17 exportierte Bangladesch Waren im Wert von 38,50 Mrd. US$ (3,0 Billionen Taka, 1 US$ ‚Čą 78 Taka). Davon machten Textilartikel 87,0¬†% aus (2,6 Billionen Taka). Der quantitativ n√§chstwichtigste Posten waren Lederwaren, H√ľte und √§hnliche Accessoires mit 2,85¬†%. Die Textilprodukte werden haupts√§chlich im Auftrag von ausl√§ndischen Unternehmen (haupts√§chlich aus Deutschland und den Vereinigten Staaten) produziert. Importiert wurden im selben Zeitraum Waren im Wert von 60,4 Mrd. US$ (4,7 Billionen Taka), davon 22,3¬†% Textilartikel, 16,0¬†% Maschinen, 13,6¬†% Mineral√∂lprodukte, 7,2¬†% Metalle und Metallwaren, 7,0¬†% Gem√ľse, 6,9¬†% Fahrzeuge, 6,8¬†% chemische Produkte, 5,9¬†% Fette und √Ėle, 4,9¬†% Plastikartikel u. a. m.

Die Europ√§ische Union ist der wichtigste Wirtschaftspartner Bangladeschs, noch vor Indien, China und den USA. Mehr als drei Viertel aller Exportg√ľter Bangladeschs werden vom europ√§ischen und nordamerikanischen Markt aufgenommen. Bangladesch kommt in den Genuss der Initiative Everything But Arms (EBA) der Europ√§ischen Union, die den am wenigsten entwickelten L√§ndern (LDCs) ungehinderten Zugang zum Markt der Europ√§ischen Union gew√§hrt. Davon profitiert insbesondere der Textilsektor: circa 60¬†% der Textilexporte gehen in die EU.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 35,3 Mrd. US-Dollar; dem standen Einnahmen von umgerechnet 23,7 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 5,0¬†% des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 33¬†% des BIP.

Die Staatsausgaben verteilten sich auf die einzelnen Ressorts wie folgt (in % des BIP):

  • Gesundheit: 3,7¬†% (2011)
  • Bildung: 2,2¬†% (2009)
  • Milit√§r: 1,35¬†% (2012)

Infrastruktur

Die Infrastruktur Bangladeschs ist in einem schlechten Zustand, unter anderem durch häufige und starke Überschwemmungen während der Monsunzeit. Das Straßennetz hat eine Länge von 21.269 Kilometern, davon sind nur ca. 5 Prozent (1063 Kilometer) befestigt (siehe dazu auch Liste von Nationalstraßen in Bangladesch). Im Straßenverkehr passieren deshalb viele schwere Unfälle. 2013 kamen in Bangladesch 13,6 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Diese Zahlen geben einen noch deutlicheren Hinweis auf mangelnde Verkehrssicherheit, wenn man sie in Relation zur niedrige Motorisierungsrate des Landes setzt. 2010 kamen im Land nur 3 Automobile auf 1000 Einwohner.

Das durch die nationale Eisenbahngesellschaft Bangladesh Railway betrieben Schienennetz umfasst 2885¬†Kilometer (Stand: 2015). Derzeit besteht ein Dualismus zweier Spurweiten, der noch auf die britische Kolonialzeit zur√ľckgeht ‚Äď im Westen des Landes und s√ľdlich der Padma sind die Bahnlinien in indischer Breitspur erbaut, im Osten dagegen in Meterspur. Dies bringt erhebliche logistische Probleme mit sich, da Lokomotiven und Eisenbahnwagen nicht auf allen Strecken gleicherma√üen eingesetzt werden k√∂nnen. Es wurden und werden daher Anstrengungen unternommen alle Strecken zu Dreischienengleisen auszubauen. Langfristig ist eine Umstellung auf indische Breitspur geplant.

Es gibt drei internationale Flughäfen (Dhaka, Chittagong und Sylhet), mehrere Inlandsflughäfen (siehe: Liste der Flughäfen in Bangladesch) sowie zwei Seehäfen (Chittagong, Mongla). Die staatliche Fluggesellschaft ist Biman Bangladesh Airlines.

Kultur

Feiertage

Die religi√∂sen Feiertage folgen dem islamischen Mondkalender. Sie verschieben sich daher im Vergleich zum gregorianischen Kalender jedes Jahr um etwa elf Tage zur√ľck.

K√ľche

Bangladesch f√ľhrt eine typische s√ľdasiatische K√ľche. Es werden haupts√§chlich Reisgerichte aufgetischt, die mit einer gewissen Sch√§rfe aufwarten. Oftmals werden Gerichte mit Fleisch, Huhn oder Fisch zubereitet, aber auch mit Gem√ľsen. Ebenso h√§ufig sind Reisgerichte in Verbindung mit Meeresfr√ľchten, insbesondere mit Krabben. S√ľ√üigkeiten werden oft konsumiert, wobei die Zutaten und die Geschmacksrichtung stark variieren k√∂nnen. Ebenfalls h√§ufig gibt es S√ľ√üspeisen auf Milchbasis, zum Beispiel Sandesh oder auch Pithas. Als Getr√§nk erh√§lt man in der Regel zum Beispiel Tee oder Lassi. Daneben besteht eine gro√üe Zahl weiterer Milch- und Fruchtsaftgetr√§nke.

Literatur

Die bengalische Literatur ist etwa 1000 Jahre alt und erreichte im Mogulreich eine Bl√ľte. In moderner Zeit wurde sie durch die Arbeiten von Michael Madhusudan Dutt, Rabindranath Thakur, Kazi Ahdul Wadud, Kankim Chandra Chattopadhyai, Mir Mosharraf Hossain und den rebellischen Poeten Kazi Nazrul Islam, der 3000 Lieder dichtete, international bekannt. Die strengen lyrischen Anekdoten des Dichters Jasimuddin hielten durch ihre Beschreibungen des harten Lebens auf dem Lande die Verbindung zu den geplagten Massen aufrecht. Die zeitgen√∂ssische bengalische Literatur erhielt kreative Impulse von einer neuen Generation von Schriftstellern wie den Lyriker Shamsur Rahman, der 60 Gedichtb√§nde verfasste, Humayun Ahmed und Begum Sufia Kamal. Die pulsierende bengalische Literaturszene experimentiert mit sozialem und kritischen Realismus.

Musik

Als Bewohner eines Landes mit starken Regenf√§llen, m√§chtigen Fl√ľssen und √ľppigem Gr√ľn haben die Bangladescher eine starke Verbindung zur Natur. Ihre Musik ist emotional, ekstatisch und romantisch, f√ľr jede Gelegenheit, jede Stimmung und Jahreszeit gibt es ein eigenes Lied. Moderne bengalische Musik stammt von zwei unterschiedlichen Schulen. Die erste, eine Mischung von Ost und West, wurde von Rabindranath Thakur initiiert, die zweite von Kazi Nazrul Islam angef√ľhrt. Die Musik spielt auch im Leben der Menschen in Bangladesch eine gro√üe Rolle, im Grunde gibt es kein Haus, in dem nicht ein Lied erklingt.

Film

Die Filmindustrie Bangladeschs hat ihr Zentrum in der Hauptstadt Dhaka. Vor der Teilung Indiens im Jahre 1947 wurden Filme in bengalischer Sprache meist in Kalkutta (Kolkata) produziert. Der gr√∂√üte Teil der bangladeschischen Filmproduktion sind Unterhaltungsfilme im typischen s√ľdasiatischen Stil mit Tanz- und Gesangseinlagen. Zu den von Kritikern meistbeachteten Filmemachern geh√∂ren Zahir Raihan, Alamgir Kabir, Humayun Ahmed, Tanvir Mokammel und Tareque Masud. Seit 2003 reicht das Land Filme f√ľr die Wahl zum Oscar f√ľr den besten fremdsprachigen Film ein.

Sport

Nationalsport Bangladeschs ist Kabaddi, w√§hrend der popul√§rste Sport Cricket ist. Die Cricket-Nationalmannschaft ist eine von derzeit zw√∂lf Mannschaften die Test Cricket bestreiten. Ihre erste Weltmeisterschaft bestritten sie 1999 und waren 2011 Mitgastgeber des Turniers, sowie 2014 alleiniger Gastgeber der Twenty20-Weltmeisterschaft. Ihr erfolgreichstes Abschneiden bei der Weltmeisterschaft hatten sie mit dem Viertelfinaleinzug 2015. Beim Asia Cup erreichte Bangladesch bisher drei Mal das Finale (2012, 2016 und 2018). 2020 gewann Bangladesch erstmals die ICC U19-Cricket-Weltmeisterschaft und damit seinen ersten Titel bei einem ICC-Turnier √ľberhaupt. Das Nationale Cricket wird durch das Bangladesh Cricket Board organisiert, der zahlreiche Wettbewerbe im Land organisiert, unter anderem die international besetzte Bangladesh Premier League (BPL). Die Frauen-Nationalmannschaft die seit 2007 existiert konnte 2018 die Asienmeisterschaft gewinnen und zog zwei Mal ins Finale der Asienspiele ein (2010 und 2014).

Fu√üball ist ebenfalls eine wichtige Sportart in Bangladesch und wird durch die Bangladesh Football Federation organisiert. Wichtigster Nationaler Wettbewerb ist die Bangladesh Premier League. Gr√∂√üter Erfolg der Nationalmannschaft war der Gewinn der S√ľdasienmeisterschaft 2003. Die Frauen-Nationalmannschaft konnte 2016 ins Finale der S√ľdasienmeisterschaft einziehen.

Andere beliebte Sportarten sind Hockey, Tennis, Badminton, Handball, Basketball, Volleyball, Schach, Sportschießen und Angeln.

B√ľcher zur Geschichte des Landes

  • Srinath Raghavan: 1971. A Global History of the Creation of Bangladesh. Harvard University Press, Cambridge, Massachusetts, USA 2013, ISBN 978-0674728646. (rezensiert in: Andreas Eckert: Srinath Raghavan: ‚Äě1971‚Äú: Massive genozidale Gewalt FAZ vom 17. Februar 2014, Seite 8)
  • Gary J. Bass: The Blood Telegram: Nixon, Kissinger, and a Forgotten Genocide. Alfred A. Knopf (Penguin Random House), New York 2013, ISBN 978-0-307-70020-9. Rezension in: Pankaj Mishra: Unholy Alliances: Nixon, Kissinger, and the Bangladesh genocide, The New Yorker, 23. Sept. 2013.
  • R. L. Benkin: A quiet case of ethnic cleansing: The murder of Bangladesh‚Äôs Hindus. Akshaya Prakashan, New Delhi 2017.

Weblinks

  • Offizielle Internetpr√§senz der Regierung von Bangladesch (englisch)
  • Offizielle Internetpr√§senz der Botschaft von Bangladesch in Deutschland (englisch und deutsch)
  • L√§nder- und Reiseinformationen des Ausw√§rtigen Amtes
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Bangladesch
  • NETZ ‚Äď deutschsprachige Zeitschrift zu Bangladesch
  • Wirtschaftsdaten 1990‚Äď1997 (Universit√§t Heidelberg)

Einzelnachweise




Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (0)

Abk Name O
BD.BA Barisal  
BD.CG Chittagong  
BD.DA Dhaka  
BD.KH Khulna  
BD.RJ Rajshahi  
BD.SY Sylhet  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Bangladesh

Name englisch: Bangladesh
Hauptstadt: Dhaka
Kfz: BD
ISO: BD
ISO3: BGD
Fläche: 144000 km²
Tld: .bd
Wärung Einheit: BDT
Währung: Taka
Vorwahl: 880

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 26.6342434
südlichster Punkt: 20.7543802
westlichster Punkt: 88.0085887
östlichster Punkt: 92.6801153


 
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