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Staat Informationen : Litauen

Informationen:


Litauen [ˈlÉȘtaÊŠÌŻÉ™n; selten: ˈliːtaÊŠÌŻÉ™n] (litauisch Lietuva, Republik Litauen, litauisch Lietuvos Respublika) ist der sĂŒdlichste der drei baltischen Staaten. Er grenzt im Westen an die Ostsee und hat gemeinsame Grenzen mit Lettland, Belarus, Polen und Russland (Exklave Oblast Kaliningrad).

In den Jahren von etwa 1253 bis 1795 war Litauen ein GroßfĂŒrstentum, ab 1569 als Polen-Litauen Teil einer Realunion. Mit der 3. Teilung Polens kam sein Gebiet 1795 an Russland und Preußen, das seinen Anteil 1807 an Russland verlor, bis Litauen 1918 im Akt der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung Litauens zur souverĂ€nen Republik wurde. Nach der sowjetischen Okkupation (1940), unterbrochen von der deutschen Besetzung (1941–1944), erlangte es 1990 die UnabhĂ€ngigkeit zurĂŒck. Im Zuge der EU-Erweiterung 2004 wurde Litauen Mitgliedstaat der EuropĂ€ischen Union und Mitglied der NATO. Seit dem 1. Januar 2015 ist Litauen das 19. Mitglied der Eurozone.

Litauen hat fast drei Millionen Einwohner (Stand: 2022). Hauptstadt und grĂ¶ĂŸte Stadt Litauens ist Vilnius (588.412 Einwohner). Weitere GroßstĂ€dte sind Kaunas (315.000), Klaipėda (166.861) und Ć iauliai (111.967). PanevÄ—ĆŸys ist die fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte Stadt mit 92.944 Einwohnern.

Geographie

Litauen befindet sich im SĂŒden des Baltikums. Die Zuordnung der Gesamtregion wiederum ist umstritten und wird neben geographischen Faktoren auch von historisch-kulturellen und politischen Aspekten beeinflusst. So wird das Baltikum sowohl Nordeuropa, Mitteleuropa (Ostmitteleuropa), Osteuropa und Nordosteuropa zugeordnet.

Litauen grenzt im Norden an Lettland, im Osten und SĂŒdosten an Belarus. Die Grenze zu Polen im SĂŒden ist nur etwa 100 Kilometer lang. Sie gilt als die wichtigste Verbindung nach Mittel- und Westeuropa und ist als sogenannte Suwalki-LĂŒcke von großer strategischer Bedeutung. Nach SĂŒdwesten schließt sich als Exklave die russische Oblast Kaliningrad an, die Grenze wird teilweise von der Memel gebildet. Im Westen liegt die Ostsee, zu der Litauen ĂŒber den Hafen Klaipėda Zugang hat.

Geografen des Institut GĂ©ographique National, des nationalen Geographieinstituts Frankreichs, errechneten im Jahr 1989 den geographischen Mittelpunkt Europas und ermittelten eine Stelle im Dorf PurnuĆĄkės etwas nördlich von Vilnius.

Geologie

Litauen liegt innerhalb der OsteuropĂ€ischen Plattform und ist daher tektonisch seit geologisch lĂ€ngerer Zeit relativ ruhig. Die OberflĂ€che wurde entscheidend durch die mehrmaligen VorstĂ¶ĂŸe des Inlandeises wĂ€hrend des Eiszeitalters geprĂ€gt. Nur ganz vereinzelt stehen deshalb Ă€ltere Gesteine an der ErdoberflĂ€che an. Landschaftlich gehört fast ganz Litauen zum JungmorĂ€nenland, das vom Eis der letzten, der Weichseleiszeit ĂŒberdeckt wurde. Vor 20.000 Jahren, auf dem Höhepunkt der Weichselvereisung, blieb lediglich ein kleiner Streifen im Ă€ußersten SĂŒdosten eisfrei.

Im Westen grenzt das Land mit SandstrĂ€nden an die Ostsee. Der Niederlitauische LandrĂŒcken im westlichen Teil Litauens gehört zum Baltischen LandrĂŒcken. Das HĂŒgelland im SĂŒdosten gehört zum Belarussischen HöhenrĂŒcken. Hier liegen die mit 294 m höchsten Erhebungen Litauens (AukĆĄtasis kalnas und Juozapinės kalnas). Die grĂ¶ĂŸten FlĂŒsse sind Memel und Neris, die beide in Belarus entspringen. Im Nordosten befindet sich die Seenplatte von Hochlitauen. Zahlreiche Seen gibt es auch im SĂŒden. Insgesamt nehmen Seen etwa 1,5 % der LandesflĂ€che ein. Ein Teil des Kurischen Haffs und der Kurischen Nehrung gehören ebenfalls zu Litauen.

Den grĂ¶ĂŸten Teil der LandesflĂ€che nehmen landwirtschaftliche NutzflĂ€chen ein. Knapp ĂŒber 30 % der FlĂ€che ist von WĂ€ldern bedeckt und ĂŒber 3 % von Mooren und SĂŒmpfen. Die FlĂ€che Litauens besteht aus 62.680 kmÂČ Land- und 2.620 kmÂČ WasserflĂ€che.

Klima

Das Klima in Litauen ist ein gemĂ€ĂŸigtes Kontinentalklima. Der an der KĂŒste vorherrschende Westwind trĂ€gt warme und feuchte Luft von der Ostsee ins Landesinnere.

WĂ€rmster Monat ist der Juli mit durchschnittlich 17 °C, kĂ€ltester Monat der Januar mit durchschnittlich −5,1 °C. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 6,2 °C. Die mittlere jĂ€hrliche Niederschlagsmenge liegt bei 661 mm, im SĂŒdwesten deutlich darĂŒber, im Norden darunter.

Umwelt

Es gibt ĂŒber 200 Naturschutzgebiete verschiedener Bestimmung und verschiedenen Ranges in Litauen. Dazu gehören fĂŒnf Nationalparks, sieben Schutzgebiete nach der Ramsar-Konvention, vier Totalreservate und dreißig Regionalparks. Über 14 % der LandesflĂ€che werden von Naturschutzgebieten eingenommen, wie etwa dem Gebiet PravirĆĄulio tyrelis. Ein unter Moorkundlern sehr bekanntes Hochmoor ist das Moor AukĆĄtumala zwischen Sowetsk und Klaipėda, da es weltweit das erste Moor war, dem eine spezielle Monographie (C. A. Weber, 1902) gewidmet war. WĂ€hrend der westliche Teil noch sehr gut erhalten ist, wird im östlichen Teil von einer Tochtergesellschaft des deutschen Konzerns Klasmann-Deilmann großflĂ€chig Torf abgebaut. Das Hochmoor ist Teil des Regionalparks Memel-Delta. Oberlitauen (AukĆĄtaitija) ist teils sehr hĂŒgelig und seenreich, im Zentrum dieser Gegend liegt der Nationalpark AukĆĄtaitija.

Bevölkerung

Demografie

Litauen hatte 2020 2,8 Millionen Einwohner. Das jĂ€hrliche Bevölkerungswachstum betrug +0 %. Dieses wurde negativ durch einen SterbeĂŒberschuss und positiv durch Migration beeinflusst. 2020 stand einer Geburtenziffer von 9,0 pro 1000 Einwohner eine Sterbeziffer von 15,6 pro 1000 Einwohner gegenĂŒber. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2020 statistisch bei 1,5. Die Lebenserwartung der Einwohner Litauens ab der Geburt lag 2020 bei 74,9 Jahren (Frauen: 80, MĂ€nner: 70,1). Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2020 bei 45,1 Jahren und damit ĂŒber dem europĂ€ischen Wert von 42,5.

Etwa 15.100 Litauer wanderten von Januar bis August 2012 in ein anderes Land aus. Die Mehrheit davon sind junge Erwachsene. Sie sehen im Ausland eine grĂ¶ĂŸere Chance auf dem Arbeitsmarkt als in Litauen. Die ZiellĂ€nder sind europĂ€ische Staaten wie das Vereinigte Königreich, Irland, Norwegen, Schweden und DĂ€nemark. Im Jahre 2017 waren in Litauen selbst 4,3 % der Bevölkerung im Ausland geboren.

Im Jahr 2020 lebten 68 Prozent der Einwohner Litauens in StĂ€dten. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat Litauen einen rasanten Wandel zu einer urbanen Gesellschaft erlebt. 1959 lebten noch drei FĂŒnftel (60 %) der Bevölkerung auf dem Land, 1970 war das VerhĂ€ltnis ausgeglichen, und 1990 war das VerhĂ€ltnis von zwei Drittel stĂ€dtischer Bevölkerung zu einem Drittel Landbevölkerung erreicht.

Migration

SchĂ€tzungen zufolge leben oder arbeiten etwa 200.000 Litauer im westlichen Ausland, ohne dass die litauischen Meldebehörden hiervon offizielle Kenntnis haben. Nach statistischen Angaben haben seit 2005 ĂŒber 218.000 Menschen offiziell das Land verlassen; bei einer Zuwanderung von gut 60.000, ein Wanderungsverlust von knapp 158.000 Menschen, was mehr als 3 % der Bevölkerung entspricht. Das litauische Statistikamt gibt die inoffizielle Abwanderungsrate fĂŒr 2001 bis 2007 mit etwa 112.000 Personen an. Seither stellen Litauer stets 85 % der Auswanderer, 2001 war weniger als die HĂ€lfte litauischer Staatsangehörigkeit. Andersherum stellen die Litauer seit 2005 etwa 70 % der Einwanderer, wĂ€hrend es 2001 nur 15 % waren. Infolge der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Litauen hat die (offizielle) Immigration aus dem Nachbarland Belarus zugenommen, liegt aber weiterhin deutlich unter 1000 Personen im Jahr, im Saldo bei unter 500 Personen. Zwischen 2009 und 2010 gab es einen markanten Unterschied: So haben 2009 nur 22.000 Menschen das Land verlassen, 2010 hingegen 84.000 Menschen. 2011 gab es einen RĂŒckgang: 54.000 Menschen haben das Land verlassen, 16.000 sind dagegen eingewandert. 2013 wanderten 39.000, im nĂ€chsten Jahr 36.600 und 2015 sogar 44.500 Menschen aus. 2016 emigrierten 51.000 Litauer, 2017 sogar 57.200.

Die Gesamtzahl der Einwohner sank von 1990 bis 2017 wegen der Emigration von 3,7 auf 2,8 Mio. (2017 gab es 1,4 % weniger und 2018 0,5 % weniger stÀndiger Einwohner).

2018 immigrierten 12.300 Personen, davon 5.700 aus der Ukraine, 26 % aus Belarus und 6 % aus Russland. Auch nach dem Brexit ist das Vereinigte Königreich das beliebteste Auswanderungsziel der Litauer. An zweiter Stelle folgt die Ukraine und an der dritten Belarus. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 suchten zahlreiche Ukrainer in Litauen Zuflucht. Am 26. August 2022 gab die litauische Migrationsbehörde an, dass das Land bis dahin 60.000 ukrainische FlĂŒchtlinge aufgenommen hat. Demzufolge waren damals bereits 2,5 % der Bevölkerung Litauens KriegsflĂŒchtlinge aus der Ukraine.

Bevölkerungsstruktur

Der mit Abstand grĂ¶ĂŸte Teil der Bevölkerung besteht aus Litauern. Jedoch gibt es im Land auch nationale Minderheiten, ĂŒberwiegend Slawen. Die polnische Minderheit in Litauen, die vor allem im Bezirk Vilnius lebt, ist teilweise seit ĂŒber hundert Jahren ansĂ€ssig.

Die in Resten vorhandene, zahlenmĂ€ĂŸig geringer werdende deutsche Minderheit in Litauen („Litauendeutsche“) blieb in ihrer langen Geschichte im Unterschied zu den Deutsch-Balten ohne grĂ¶ĂŸere historische, politische, kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung. Ihre vollstĂ€ndige Umsiedlung nach Deutschland im FrĂŒhjahr 1941 war eine Folge des Hitler-Stalin-Paktes.

Russen kamen zumeist wĂ€hrend und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Litauen, als das Land Teil der Sowjetunion war. Die russischsprachige Bevölkerung in Litauen, die nach den Polen die zweitgrĂ¶ĂŸte Minderheit darstellt, konzentriert sich auf die Hauptstadt Vilnius (vor allem den Stadtteil Naujoji Vilnia), die Hafenstadt Klaipėda (Memel), die Region MaĆŸoji Lietuva (Kleinlitauen) und auf Industriestandorte wie Elektrėnai und Visaginas.

Daneben leben in Litauen (2011) noch:

  • 1.233 Armenier (1989: 1.655)
  • 648 Aserbaidschaner (1989: 1314)
  • 540 Moldauer (1989: 1.450)
  • 372 Georgier (1989: 658)
  • 3.508 Personen anderer Nation (1989: 7.595)

Die kleinste Minderheit stellen die KarĂ€er, ein sich zum Judentum bekennendes Turkvolk, dar, das ĂŒberwiegend in Trakai siedelt und noch etwa 241 Menschen zĂ€hlt (1989: 289). Knapp 33.000 Einwohner (1 % der Befragten) geben keine Volkszugehörigkeit an.

Sprachen

Litauisch als Muttersprache sprechen etwa 2.694.000 Einwohner (inklusive der Sprecher des Schemaitischen). Das Litauische gehört zu den baltischen Sprachen, zu denen auch das Lettische zÀhlt. Es gilt in manchen Eigenschaften als besonders archaisch und wird daher der rekonstruierten indoeuropÀischen Ursprache als besonders nahestehend betrachtet.

  • Polnisch sprechen ca. 358.000,
  • Russisch ca. 344.000,
  • Belarussisch ca. 63.000,
  • Ukrainisch ca. 45.000,
  • Tatarisch ca. 5.100,
  • Lettisch ca. 5.000,
  • Karaimisch ca. 300.

In Klaipėda (Memel) und auf der Kurischen Nehrung finden sich noch einige Litauer, die Deutsch sprechen. Polnisch ist im östlichen Teil, besonders in den lĂ€ndlichen Regionen um Vilnius und im Gebiet um die Ortschaft DieveniĆĄkės, hĂ€ufig anzutreffen, da dort trotz der Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg eine große polnische Minderheit verblieben ist. Durch die lange PrĂ€senz des Russischen in Litauen hat sich das von den Polen gesprochene Polnisch teilweise mit russischen Wörtern und AusdrĂŒcken vermischt, das nun als litauisches Polnisch gesprochen wird.

WĂ€hrend Russisch bei Ă€lteren Litauern (>50 Jahre) noch als Lingua Franca gilt, ĂŒbernimmt bei den JĂŒngeren nunmehr das Englische diese Rolle.

Religion

Der Großteil der Litauer (2011: 77 %) ist römisch-katholisch und gehört der Katholischen Kirche in Litauen an, etwa 4,1 % sind russisch-orthodox. Etwa 1,9 % gehören zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Litauen und 0,2 % (7000 Mitglieder) gehören zur Evangelisch-Reformierten Kirche in Litauen. Laut einer Umfrage vom Oktober 2008 bezeichnen sich gut zwei Drittel der befragten Katholiken als den Glauben praktizierend. 10 % aller Befragten sahen sich als nicht glĂ€ubig. Eine Beteiligung der (katholischen) Kirche an der Gesetzgebung oder Wortmeldung zu aktuellen Themen oder Wahlempfehlungen lehnt die ĂŒberwiegende Mehrheit ab (75–80 %, je nach Fragestellung).

Vilnius ist der Sitz eines Apostolischen Nuntius, der als diplomatischer Vertreter des Papstes fĂŒr Estland, Lettland und Litauen zustĂ€ndig ist. Es leben etwa 21.000 (0,6 %) Muslime in Litauen sowie etwa 3.000 Zeugen Jehovas. Rund 4.000 Litauer bekennen sich zur neuheidnischen Romuva-Bewegung, die offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt ist.

Der Anteil der jĂŒdischen Bevölkerung in Litauen betrug vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 9 %. WĂ€hrend der deutschen Besetzung Litauens 1941 bis 1944 wurden ĂŒber 90 % der jĂŒdischen Einwohner ermordet.

Eine reprĂ€sentative Umfrage im Auftrag der EuropĂ€ischen Kommission im Rahmen des Eurobarometers ergab 2020, dass fĂŒr 37 Prozent der Menschen in Litauen Religion wichtig ist, fĂŒr 31 Prozent ist sie weder wichtig noch unwichtig und fĂŒr 32 Prozent ist sie unwichtig.

Geschichte

Baltische StĂ€mme besiedelten das Gebiet ab dem 3. Jahrtausend vor Christus. FĂŒrst Mindaugas, der sich 1253 vom Papst abgesegnet sogar zum König krönen ließ, brachte die NachbarstĂ€mme mit militĂ€rischer Gewalt unter seine Hoheit. Sein FĂŒrstentum/Königreich umfasste bei seinem Tod 1263 in etwa das Gebiet des heutigen Litauens. Die Reichsbildung erfolgte gerade noch zeitig genug, um den von Norden und SĂŒden vordringenden Rittern des Deutschen Ordens erfolgreich Widerstand leisten zu können.

Parallel dazu erfolgte bereits im 14. Jahrhundert die Expansion nach Osten. Aus dem Zerfall der alten Kiewer Rus nach dem Mongolensturm bis 1240 hatten sich mehrere NachfolgefĂŒrstentĂŒmer entwickelt. Durch den Deutschen Orden wurde Litauen an einer expansiven Westpolitik gehindert, wĂ€hrend die Ostflanke durch den Mongolensturm offen lag. In dieses Machtvakuum stieß nun das GroßfĂŒrstentum Litauen vor und geriet mit der Eroberung von Kiew (nach 1362) in die Konkurrenz zum GroßfĂŒrstentum Moskau um die Vorherrschaft unter den TeilfĂŒrstentĂŒmern der Rus. Die litauische Ostexpansion fand ihren Höhepunkt in der ersten HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts.

GroßfĂŒrst Jogaila ĂŒbernahm 1386 durch Heirat und den Übertritt zum Christentum (nach Mindaugas’ Tod 1263 war Litauen wieder heidnisch „geworden“) die polnische Königskrone und grĂŒndete damit die Polnisch-Litauische Personalunion. Jogaila (polnisch: JagieƂƂo) begrĂŒndete zudem das Herrschergeschlecht der Jagiellonen. Nach der siegreichen Schlacht bei Tannenberg 1410 wurde die Bedrohung durch den Deutschen Orden endgĂŒltig beseitigt. Diese Schlacht wurde von einem vereinten polnisch-litauischen Heer gewonnen.

Die enge politische Einheit Polens und Litauens mĂŒndete 1569 in die Realunion von Lublin, die das Ende des eigenstĂ€ndigen Litauens bedeutete, nachdem der litauische Adel bereits in den vorangegangenen Jahrzehnten zunehmend unter den Einfluss der polnischen Kultur und Sprache gelangt war. So ging Litauen in den Zeiten der Reformation den polnischen Weg und blieb katholisch, wĂ€hrend das nördliche, deutsch beeinflusste Baltikum protestantisch wurde. Litauen blieb bis zu den Teilungen Polens beim polnischen Staat und kam dann 1795 unter russische Herrschaft. Zwei polnisch-litauische AufstĂ€nde in den Jahren 1831 und 1863 wurden vom russischen Zaren blutig unterdrĂŒckt.

Im Ersten Weltkrieg wurde am 18. August 1915 wĂ€hrend der Sommeroffensive die Stadt Kaunas von den Deutschen erobert. Darauf folgte die deutsche Besatzung Litauens. Das Territorium wurde dem Oberbefehlshaber Ost unterstellt. Chef der Verwaltung Litauens wurde FĂŒrst Franz Joseph von Isenburg. Zuerst in Tilsit ansĂ€ssig, wurde diese Verwaltung im April 1916 nach Kaunas und im MĂ€rz 1917 nach Vilnius verlegt.

UnabhÀngigkeit

Das Ende des Ersten Weltkriegs mit der Oktoberrevolution und dem nachfolgenden BĂŒrgerkrieg fĂŒhrte im Februar 1918 – noch unter deutscher Besatzung – zur Ausrufung der unabhĂ€ngigen Republik Litauen, die nach KĂ€mpfen gegen Rote Armee und polnische Truppen auch durchgesetzt werden konnte. Hauptstadt war in dieser Zeit allerdings nicht der historische GroßfĂŒrstensitz Vilnius, sondern Kaunas, da das Wilnaer Gebiet von Polen besetzt war (1920 bis 1939, 1923 vom Völkerbund anerkannt). Im Jahr 1923 annektierte Litauen das durch den Friedensvertrag von Versailles seit 1920 von Deutschland abgetrennte Memelland. Der Völkerbund erkannte den Schritt an, nachdem Litauen dem Gebiet Autonomie eingerĂ€umt hatte. Die parlamentarische Demokratie, die mit der Verfassung von 1922 eingefĂŒhrt worden war, wurde im Dezember 1926 durch den Putsch von Antanas Smetona beseitigt; Smetona regierte anschließend diktatorisch bis 1940. Es wurden neue Verfassungen eingefĂŒhrt, die die autoritĂ€re FĂŒhrung Smetonas bestĂ€tigten, darunter die Litauische Verfassung von 1928 und die von 1938. Nach einem deutschen Ultimatum musste Litauen, mittlerweile außenpolitisch isoliert, am 23. MĂ€rz 1939 das Memelland an das nationalsozialistische Deutschland abtreten.

Zweiter Weltkrieg

Kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ĂŒberließ die Sowjetunion bei der Besetzung Ostpolens Litauen das Wilnaer Gebiet und zwang es gleichzeitig in politische AbhĂ€ngigkeit. Smetona dankte im Juni 1940 ab, und nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen wurde eine pro-sowjetische Regierung ins Amt gebracht, die den Beitritt zur Sowjetunion erklĂ€rte (3. August 1940). Nach dem Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges nahmen deutsche Truppen das litauische Staatsgebiet bis Juli 1941 ein. Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD mit litauischen Hilfswilligen und sogenannten Schutzmannschaften ermordeten in der Folgezeit bis Dezember 1941 einen Großteil der jĂŒdischen Bevölkerung, die Überlebenden wurden in Ghettos konzentriert. 90 % der jĂŒdischen Bevölkerung des Landes erlebten das Kriegsende nicht.

Im Zuge ihrer Sommeroffensive 1944 eroberte die Rote Armee Litauen zurĂŒck. Die Litauische Sozialistische Sowjetrepublik (LSSR) wurde wiederbegrĂŒndet. Der Widerstand der sogenannten „WaldbrĂŒder“ gegen die sowjetische Besatzung stand ohne auslĂ€ndische UnterstĂŒtzung auf verlorenem Posten und war ab 1948 auf einige wenige PartisanenverbĂ€nde geschrumpft. Stalin ließ 1949 in einer dritten großen Deportationswelle Zehntausende „staatsfeindliche Elemente“ nach Sibirien deportieren, nachdem bereits 1940/41 und 1945/46 Verhaftungen und Deportationen in großem Stil durchgefĂŒhrt worden waren. Viele der Deportierten starben in den Straflagern im Osten der Sowjetunion. Zu den Deportierten gehörten auch deutsche „Wolfskinder“, die im Verlauf der Kriegswirren vor dem Verhungern aus dem Königsberger Gebiet nach Litauen geflohen und oft bei Bauern untergekommen waren.

Bis Ende des Zweiten Weltkrieges hatten sich rund 65.000 Litauer als KriegsflĂŒchtlinge nach Deutschland abgesetzt.

Wiedererlangung der UnabhÀngigkeit

Im Zuge der Perestrojka, die im Baltikum die singende Revolution auslöste, erklĂ€rte sich Litauen 1990 als erste Unionsrepublik der Sowjetunion zum souverĂ€nen Staat und benannte den Obersten Sowjet in Verfassunggebende Versammlung um. Island war der erste Staat, der, ebenfalls 1990, das unabhĂ€ngige Litauen anerkannte. Bei den Januarereignissen in Litauen am 13. Januar 1991, versuchten pro-sowjetische militĂ€rische KrĂ€fte erfolglos, die junge Demokratie mit Panzern zu stĂŒrzen, 14 jugendliche Demonstrierende starben am Fernsehturm. In Reaktion darauf erklĂ€rten die Litauer in einer Volksabstimmung am 8. Februar 1991 ihr „Ja“ zur UnabhĂ€ngigkeit des Landes. Bei einer Wahlbeteiligung von 84,7 % sprachen sich 90,5 % fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit aus. Nach dem misslungenen Moskauer Putsch gegen Gorbatschow im August 1991 erkannten die LĂ€nder des Westens die UnabhĂ€ngigkeit Litauens, wie auch der NachbarlĂ€nder Lettland und Estland an. Nach anfĂ€nglicher Wirtschaftskrise und politischer InstabilitĂ€t aufgrund einer radikalen Privatisierung gewann die Reformpolitik zunehmend an Dynamik, insbesondere nach Überwindung der Russlandkrise im Jahre 2000.

Litauen wurde 2004 Mitglied von EU und NATO. Seit dem 21. Dezember 2007 ist Litauen Teil des Schengen-Raums und seit 1. Januar 2015 Mitglied der Eurozone.

Politik

Politisches System

Litauen ist eine semiprÀsidentielle Republik. Hauptstadt und Regierungssitz Litauens ist Vilnius. Nach der Verfassung ist Litauen eine demokratische und rechtsstaatliche Republik mit Gewaltenteilung.

PrÀsident

Staatsoberhaupt ist der PrĂ€sident, der im Gegensatz etwa zum deutschen BundesprĂ€sidenten nicht nur reprĂ€sentative Aufgaben wahrnimmt. Vielmehr ist der PrĂ€sident der Republik Litauen noch vor dem Außenminister verantwortlich fĂŒr die Außenpolitik des Landes. DarĂŒber hinaus verfĂŒgt er ĂŒber ein weitgehendes Veto-Recht, das es ihm ermöglicht, zuvor vom Seimas erlassene Gesetze zu blockieren. Protokollarisch gesehen folgen ihm der Vorsitzende des Seimas und der Premierminister, die gemĂ€ĂŸ der Verfassung in Abwesenheit des PrĂ€sidenten die Republik Litauen (im Inland) leiten bzw. gegenĂŒber auslĂ€ndischen StaatsgĂ€sten vertreten können. Der amtierende PrĂ€sident ist seit 12. Juli 2019 Gitanas Nausėda (* 1964).

Parlament

Das litauische Parlament wird Seimas genannt. Der Name stammt von der polnischen Bezeichnung Sejm und verweist auf die lange gemeinsame litauisch-polnische Geschichte. Das Einkammerparlament besteht aus 141 Parlamentariern, die fĂŒr vier Jahre gewĂ€hlt werden. Die letzten Parlamentswahlen erfolgten im Oktober 2020. Vorsitzender des Seimo ist der parteilose Saulius Skvernelis (* 1970).

Das Parlament hat die Befugnis, mit Zweidrittelmehrheit die Verfassung zu Àndern.

Regierung

Der Regierungschef Litauens ist der Premierminister. Er besitzt die Richtlinienkompetenz fĂŒr die Politik der Regierung. Seit Dezember 2020 ist Ingrida Ć imonytė Regierungschefin.

Die Verwaltung Litauens wird jeweils durch die Fachminister geleitet, sie stehen an der Spitze des Ministeriums und anderer untergeordneter Behörden.

Recht

Die vorĂŒbergehende Verfassung vom November 1918 erkannte allen Litauerinnen und Litauern unabhĂ€ngig vom Vermögen das aktive und passive Wahlrecht fĂŒr die Parlamentswahlen zu. Am 20. November 1919 wurde das Wahlgesetz vom konstituierenden Parlament verabschiedet. Damit konnten litauische Frauen ab 1919 unter denselben Bedingungen wie MĂ€nner wĂ€hlen und gewĂ€hlt werden. In der ersten konstituierenden Parlamentswahl von 1920 wurde dieses Recht dann erstmals angewendet. Auch unter sowjetischer Verwaltung blieb das aktive und passive Frauenwahlrecht gesetzlich geschĂŒtzt. Das Rechte wurde bei der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung Litauens implizit bestĂ€tigt und durch die Verfassung explizit institutionalisiert.

FĂŒr internationales Aufsehen sorgte das Land 2009, als ein „Moralgesetz“ verabschiedet wurde, das die Diskriminierung von HomosexualitĂ€t fördere. Zwar lehnte auch das damalige Staatsoberhaupt Dalia Grybauskaitė das Gesetz ab, jedoch sah sie sich verfassungsrechtlich gezwungen, es zu unterschreiben.

Parteienlandschaft

Die litauische Parteienlandschaft ist zersplittert. Den kleineren Parteien kommt durch die hÀufigen Regierungskrisen und wechselnde Mehrheiten im Parlament ein nicht unerheblicher Einfluss bei der parlamentarischen Willensbildung zu.

Außer den Konservativen (Tėvynės Sąjunga) und Sozialdemokraten (Lietuvos socialdemokratĆł partija) haben die meisten Parteien keine ausgeprĂ€gte Parteienhierarchie. Sie sind in der Festlegung ihrer praktischen Positionen mehr von ihren politischen FĂŒhrungskrĂ€ften und deren persönlichen Interessen abhĂ€ngig, als von Parteiprogrammen oder festen ideologischen Ansichten.

Mehrere Parteien wurden zu dem Zweck gegrĂŒndet, Einzelpersonen eine Parteiplattform zu bieten: etwa 1998 die Neue Union fĂŒr ArtĆ«ras Paulauskas, 2002 die Ordnung und Gerechtigkeit (Liberaldemokraten) fĂŒr Rolandas Paksas, 2003 die Arbeitspartei fĂŒr Viktoras Uspaskichas oder 2006 die Liberale Bewegung fĂŒr Petras AuĆĄtrevičius. Die genannten ParteifĂŒhrer konnten sich zuvor in ihrer Stammpartei nicht durchsetzen und grĂŒndeten kurzerhand eine neue Partei, um ihren Interessen mehr Gewicht zu verleihen. Auch die jĂŒngste erfolgreiche ParteigrĂŒndung der Volksauferstehungspartei (seit April 2008) ist mehr von ihrem populĂ€ren Vorsitzenden ArĆ«nas Valinskas bestimmt, denn von ihren programmatischen Aussagen.

Fast alle Parteien verfolgen ein marktwirtschaftliches Konzept, am offensten die Liberalen der Liberalen und Zentrumsunion und der Liberalen Bewegung sowie die Konservativen – mit EinschrĂ€nkungen auch die Sozialdemokraten, die Arbeitspartei und die Liberaldemokraten. Die Konservativen und die Liberalen finden ihre WĂ€hlerschaft eher unter den Gebildeten und „Gewinnern“ der letzten zehn Jahre, wĂ€hrend Sozialdemokraten, Arbeitspartei und Liberaldemokraten mit populistischen Versprechungen bei der einfachen Bevölkerung, die in den letzten Jahren wenig vom Wirtschaftsaufschwung profitiert hat, um UnterstĂŒtzung werben. Geografisch gesehen sind die liberalen Parteien fast ausschließlich in den StĂ€dten vertreten, wĂ€hrend sich die Bauernpartei und die Christdemokraten auf die lĂ€ndliche Bevölkerung stĂŒtzen.

Nach der AffĂ€re um den ehemaligen PrĂ€sidenten Rolandas Paksas ist ein Teil seiner WĂ€hlerschaft zur neu gegrĂŒndeten Arbeitspartei ĂŒbergelaufen. Paksas hatte viele der weniger wohlhabenden WĂ€hler fĂŒr sich eingenommen, indem er versprach, ihre Interessen, die Interessen der runkeliai („RĂŒben“) gegen die machtpolitischen Eliten des Landes zu verteidigen. Mit dem Niedergang der Arbeitspartei haben die Liberaldemokraten ihre Stellung festigen können. Sie sind neben Sozialdemokraten und Konservativen in Stadt und Land gleich stark vertreten.

Nach der Zersplitterung der Parteienlandschaft nach den Wahlen von 1996 war in den letzten Jahren eine gewisse periodische Konsolidierung jeweils vor den anstehenden Wahlen festzustellen, um in einer Koalition die Wahlaussichten zu verbessern, so etwa die Koalition von Liberaler Union, Zentrumsunion und Modernen Christdemokraten zur Liberalen und Zentrumsunion im Jahr 2003. Die Sozialdemokraten bildeten mit den Sozialliberalen 2004 angesichts verheerender Wahlprognosen ein WahlbĂŒndnis A. Brazausko ir A. Paulausko koalicija „UĆŸ darbą Lietuvai“ (A. Brazauskas’ und A. Paulauskas’ Koalition „Arbeit fĂŒr Litauen“), hier allerdings nur fĂŒr die Wahl auf Basis zweier eigenstĂ€ndiger Parteien. Zuletzt erfolgte der Zusammenschluss der Christdemokraten mit dem Vaterlandsbund.

Politische Indizes

Lobbyismus

InteressenverbĂ€nde spielen im politischen System keine so wichtige Rolle wie in anderen LĂ€ndern. Die Gewerkschaften haben sehr geringe Bedeutung im politischen und sozialen Leben. Die Abgrenzung der Parteien untereinander ist gering und kaum durch ideologische Barrieren behindert. Hingegen spielt die persönliche Bekanntschaft eine große Rolle und wird daher auf den verschiedenen Ebenen der politischen Entscheidungsfindung geltend gemacht.

Außenpolitik

Litauen ist Mitglied vieler internationaler Organisationen. Die wichtigsten Leitlinien litauischer Außenpolitik sind die Westbindung, die transatlantische und europĂ€ische Integration, regionale StabilitĂ€t in Europa. Zentraler Aspekt fĂŒr die Sicherheitspolitik und Ausdruck der Westbindung ist dabei die Mitgliedschaft in der NATO, der Litauen am 29. MĂ€rz 2004 beitrat.

WĂ€hrend des Konfliktes um die PrĂ€sidentschaftswahlen in der Ukraine im November/Dezember 2004 engagierte sich der litauische PrĂ€sident Valdas Adamkus gemeinsam mit dem polnischen PrĂ€sidenten Aleksander Kwaƛniewski als Vermittler zwischen den Konfliktparteien. Die Medien beider LĂ€nder unterstĂŒtzten Wiktor Juschtschenko.

Seit dem 1. Mai 2004 ist Litauen Mitglied der EU. Die bereits fĂŒr den 1. Januar 2007 geplante EinfĂŒhrung des Euro wurde verschoben. Sie erfolgte am 1. Januar 2015.

Mit der Erweiterung des Schengen-Raums 2007 trat auch Litauen diesem bei. Die Grenzkontrollen an der Grenze zu EU-Staaten, d. h. Lettland und Polen, wurden am 21. Dezember 2007 abgeschafft.

Das VerhĂ€ltnis zwischen Litauen und Russland ist angespannt. Unter anderem verbot die russische Regierung 2013 den Import von Milchprodukten aus Litauen. Die litauische Regierung nahm im Gegenzug einen russischen Fernsehsender aus dem Programm, auf Beginn des Jahres 2018 waren im November 2017 Einreisesperren fĂŒr 49 russische FunktionĂ€re wegen mutmaßlicher MenschenrechtsverstĂ¶ĂŸe, GeldwĂ€sche und Korruption ausgesprochen worden.

Am 5. Juli 2018 erfolgte der Beitritt zur OECD.

Im August 2021 zog die Volksrepublik China ihren Botschafter aus Litauen ab und forderte die litauische Botschafterin in der Volksrepublik auf, das Land zu verlassen. Grund war, dass die Republik China eine Auslandsvertretung in der litauischen Hauptstadt Vilnius unter dem Namen „Taiwanesisches VertretungsbĂŒro in Litauen“ eröffnet hatte. Dies fĂŒhrte zu Spannungen und wirtschaftlichen Sanktionen Chinas gegen Litauen. Die EU verhielt sich indifferent. Zuvor war Litauen bereits aus dem 17+1-Gipfel ausgetreten.

Europapolitik

Litauen ist seit dem 1. Mai 2004 Mitgliedstaat der EuropĂ€ischen Union. Die Beitrittsverhandlungen zwischen Litauen und der EU erreichten 2001 wichtige Fortschritte, die hauptsĂ€chlich unter der damaligen schwedischen EU-RatsprĂ€sidentschaft erzielt wurden. Litauen hatte sich in einem Volksentscheid im Mai 2003 mit ĂŒber 90 % Zustimmung fĂŒr die Mitgliedschaft (ab Mai 2004) in der EuropĂ€ischen Union entschieden. Erstmals seit dem Start der WĂ€hrungsunion verweigerte die EuropĂ€ische Kommission im Jahr 2006 einem Mitgliedsland die Euro-EinfĂŒhrung. Litauen durfte wegen ĂŒberhöhter Inflation des Litas nicht der Euro-Zone beitreten. Erst seit Januar 2015 ist das Land Teil der Eurozone. Damit ist der Euro die staatliche WĂ€hrung in Litauen.

In der zweiten JahreshĂ€lfte 2013 (Juli bis Dezember 2013) ĂŒbernahm Litauen die EU-RatsprĂ€sidentschaft und folgte damit Irland (Januar bis Juni 2013). Abgelöst wurde Litauen durch Griechenland (Januar bis Juni 2014).

MilitÀr

Im Zuge der NATO-Osterweiterung wurden 1999 Polen, Tschechien und Ungarn Mitglieder der NATO. Danach erfolgte die Einladung der LÀnder Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, RumÀnien, Slowakei und Slowenien, die am 29. MÀrz 2004 der NATO beitraten.

Mangels eigener moderner Jagdflugzeuge ist stĂ€ndig eine Staffel von Jagdfliegern der NATO-VerbĂŒndeten auf dem Flugplatz Zokniai bei Ć iauliai stationiert.

Litauische Truppen nehmen an internationalen Friedensaktionen im Kosovo und Afghanistan teil. Als George W. Bush Anfang 2003 bei verbĂŒndeten bzw. befreundeten Staaten um UnterstĂŒtzung im Irakkrieg (Dritter Golfkrieg) warb, erklĂ€rten sich einige osteuropĂ€ische Staaten (darunter Litauen) zur Hilfe bereit. Litauen war von Beginn an ein Land der Koalition der Willigen; es stellte UnterstĂŒtzungstruppen (SanitĂ€tspersonal, Logistik) fĂŒr den Einsatz im Irak. Im Juni 2006 waren 150 Litauer im Irak.

Bei der Suche von Seeminen (Ostsee) arbeiten die StreitkrÀfte Litauens eng mit Belgien, Estland, Deutschland, Frankreich, Lettland, den Niederlanden, Norwegen und Schweden und dem Vereinigten Königreich zusammen.

Nach der als immer grĂ¶ĂŸer empfundenen Bedrohung durch den Nachbarn Russland im Zuge der Annexion der Krim und des Ukrainekrieges fĂŒhrte das litauische Parlament 2015 wieder eine allgemeine Wehrpflicht ein. Nach Analysen zum russischen Vorgehen in der Ukraine wurden Fernsehberichte und Kampagnen in den sozialen Medien, die die Idee einer historischen Zugehörigkeit von Teilen Litauens zu Russland und Informationen ĂŒber die angebliche UnterdrĂŒckung ethnischer Russen im heutigen Litauen verbreiten, als Versuch der Regierung der Russischen Föderation interpretiert, die russische Öffentlichkeit auf eine Auseinandersetzung vorzubereiten. Die Anwesenheit einer Kampfgruppe von etwa 1000 Soldaten aus anderen europĂ€ischen Staaten in Litauen sei deshalb als Mittel zur Abschreckung nach EinschĂ€tzung des litauischen Verteidigungsministers vom MĂ€rz 2017 notwendig. Die MilitĂ€rausgaben wurden zudem deutlich erhöht. Litauen gab 2017 knapp 1,7 % seiner Wirtschaftsleistung oder 0,8 Mrd. Dollar fĂŒr seine StreitkrĂ€fte aus. Am 24. Februar 2022 rief die litauische Regierung um 12:53 Uhr aufgrund der akuten Bedrohungslage durch Russland den Notstand aus und beordert die Armee an die Landesgrenzen mit Belarus.

Verwaltungsgliederung

Seit der Verwaltungsreform der 1990er-Jahre gibt es in Litauen nur eine Ebene von Gebietskörperschaften mit gewĂ€hlten Ratsversammlungen und gewĂ€hlten BĂŒrgermeistern. Das sind die 60 Savivaldybės (Selbstverwaltungen). In Zuschnitt und Funktion liegen sie zwischen deutschen Gemeinden und deutschen Kreisen. Man unterscheidet:

  • 7 Stadtgemeinden
  • 2 selbstverwaltete Kurorte
  • 43 Rajongemeinden (aus frĂŒheren Kreisen/Rajonen hervorgegangen)
  • 8 „Neue“ Gemeinden

Unterhalb der Selbstverwaltungen gibt es noch die ĂŒber 600 Gemeindebezirke, mit administrativen Aufgaben aber ohne Selbstverwaltungsorgane. Die meisten StĂ€dte und Dörfer sind keine Gebietskörperschaften, sondern nur statistische Einheiten.

Über den Selbstverwaltungen gab es noch die Verwaltungsebene der zehn Verwaltungsbezirke (lit. apskritis, pl. apskritys). Deren Aufgaben werden allerdings seit 2010 teils zentral von Ministerien ĂŒbernommen, teils wurden sie an die Gemeinden delegiert. Die Bezirke sind nur noch statistische Einheiten:

  1. Bezirk Alytus (Alytus)
  2. Bezirk Kaunas (Kaunas)
  3. Bezirk Klaipėda (Klaipėda)
  4. Bezirk Marijampolė (Marijampolė)
  5. Bezirk PanevÄ—ĆŸys (PanevÄ—ĆŸys)
  6. Bezirk Ć iauliai (Ć iauliai)
  7. Bezirk Tauragė (Tauragė)
  8. Bezirk TelĆĄiai (TelĆĄiai)
  9. Bezirk Utena (Utena)
  10. Bezirk Vilnius (Vilnius)

Bis zum 1. Juli 2010 waren die Bezirke mit von der Regierung eingesetzten PrÀfekten ohne gewÀhlte Organe, aber mit den Verwaltungen (Beamten) ausgestattet.

Traditionell wird Litauen in vier historische Regionen eingeteilt: Das sind: AukĆĄtaitija (Oberlitauen) im Nordosten bis hinunter zur Hauptstadt Vilnius, die grĂ¶ĂŸte der vier Regionen, Ćœemaitija (Niederlitauen), die traditionell wohlhabende Suvalkija oder auch SĆ«duva im SĂŒdwesten und die traditionell eher arme DzĆ«kija im SĂŒden. Eine fĂŒnfte Region, die in Litauen meistens als Teil von Niederlitauen angesehen wird, bildet Kleinlitauen (MaĆŸoji Lietuva), das den Ă€ußersten westlichen Streifen Litauens bildet, bis 1918 als Teil Ostpreußens zum Deutschen Reich gehörte und danach Memelland genannt wurde. Es ist allerdings nur ein Teil des historischen Kleinlitauens.

Wirtschaft

Mit dem Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft war ein struktureller Wandel verbunden. Dieser hat sich seit dem Beitritt des Landes zur EU im Jahr 2004 verschĂ€rft. Die litauische Wirtschaft befindet sich seit einigen Jahren nunmehr auf Wachstumskurs (etwa 3 % jĂ€hrlich). Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2015 bei 37,2 Mrd. Euro, das BIP pro Kopf bei 13.282 Euro, Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Litauen Platz 41 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegte Litauen 2017 Platz 16 von 180 LĂ€ndern.

Wichtigste Exportartikel Litauens sind Maschinen, Elektroartikel, Textilien und Lebensmittel.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in Internationalen Dollar angegeben.

Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenquote betrug im Juni 2018 6,8 % und liegt damit minimal unter dem EU-Durchschnitt. Im Jahr 2017 betrug die Jugendarbeitslosigkeit 13,5 %. 2015 arbeiteten 9,1 % aller ArbeitskrĂ€fte in der Landwirtschaft, 25,2 % in der Industrie und 65,8 % im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der BeschĂ€ftigten wird fĂŒr 2017 auf 1,47 Millionen geschĂ€tzt; davon sind 50,6 % Frauen.

Tourismus

Das Land hatte 2011 1,79 Millionen auslĂ€ndische Touristen; die grĂ¶ĂŸte Gruppe nach Herkunftsstaat bildeten Russen.

Staatshaushalt

Im Jahr 2016 umfasste der Haushaltsplan Ausgaben von umgerechnet 15,1 Mrd. US-Dollar; dem standen Einnahmen von umgerechnet 14,6 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 1,0 % des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug 2016 40,0 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 6,2 %
  • Bildung: 5,0 % (2005)
  • MilitĂ€r: 1,7 % (2007)

Infrastruktur

Energie

In Litauen wurden in den 1990er- und 2000er-Jahren zum Teil mehr als 75 Prozent der nötigen ElektrizitĂ€t durch das Kernkraftwerk Ignalina (Bautyp: RBMK wie auch in Tschornobyl) bereitgestellt. In dieser Zeit hatte Litauen neben Frankreich den höchsten Prozentsatz an Atomstrom in der Welt. Nachdem der erste Reaktor zu Jahresbeginn 2005 abgeschaltet worden war, ging der zweite (und letzte) Reaktor wegen der Verpflichtungen aus dem EU-Beitrittsabkommen zum 31. Dezember 2009 vom Netz. Ein von der litauischen Regierung bei den Parlamentswahlen 2008 zur Abstimmung gestelltes Referendum ĂŒber die VerlĂ€ngerung der Laufzeit des AKW Ignalina wurde zwar von ĂŒber 90 % der Abstimmenden bejaht, scheiterte jedoch an der zu geringen Wahlbeteiligung (48,4 %). In jedem Fall hĂ€tte die EU-Kommission einer AbĂ€nderung des Beitrittsvertrags wohl nicht zugestimmt.

Das Gas- und Schwerölkraftwerk von Lietuvos energija in Elektrėnai, das zurzeit nur Spitzenlast abdeckt, wird in der Lage sein, die litauische Eigenversorgung an Strom bis 2015 zu gewĂ€hrleisten. Allerdings bedingt das eine hohe AbhĂ€ngigkeit von Lieferungen fossiler Brennstoffe (Gas, Schweröl) aus Russland. Um diese AbhĂ€ngigkeit auf absehbare Zeit wieder zu reduzieren, ist der Bau des Kernkraftwerks Visaginas geplant. Im Referendum ĂŒber einen Wiedereinstieg Litauens in die Kernenergienutzung am 14. Oktober 2012 sprachen sich 64,8 % der WĂ€hler gegen das Kraftwerk aus.

Erneuerbare Energien werden in den letzten Jahren vermehrt eingesetzt, insbesondere Energieerzeugung aus Biomasse. DafĂŒr sorgen insbesondere EU-Fördermittel sowie Nichtregierungsorganisationen und VerbĂ€nde von Energieerzeugern. In Litauen waren im Jahr 2009 68 Windkraftanlagen in Betrieb, mit einer installierten Leistung von 91,2 MWe und einer jĂ€hrlichen Auslastung von 21,89 %. Eine staatliche Förderung existiert nicht.

Telekommunikation

Litauen hat das in der EU und Europa am besten ausgebaute Glasfasernetz. Nach einer vom FTTH Council Europe 2013 veröffentlichten jĂ€hrlichen Studie sind im Land circa 32 % der Haushalte mit FTTH versorgt. Davon haben etwa 31 % einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Damit ist Litauen im europĂ€ischen Vergleich prozentual fĂŒhrend. Schweden hat mit knapp 23 % die nĂ€chst höchste FTTH-Durchdringung in Europa.

Der Anschluss an das Festnetz ist vom Anschlussinhaber zu finanzieren, so dass speziell in lĂ€ndlichen Gebieten FestnetzanschlĂŒsse meist nur dort vorhanden sind, wo sie bereits unter sowjetischer Besetzung gebaut wurden. Das litauische Mobilfunknetz (Telefon und Internet) ist deshalb sehr gut ausgebaut, selbst in lĂ€ndlichen Gegenden und im Wald gibt es selten Funklöcher. Im Jahr 2021 nutzten 86,9 Prozent der Einwohner Litauens das Internet.

Verkehr

Litauen verfĂŒgt ĂŒber eine große Bedeutung als Transitland zwischen Mitteleuropa und Nordeuropa, zwischen der Oblast Kaliningrad und dem russischen Kernland sowie zwischen Belarus und Skandinavien. Litauen besitzt außerdem eine wichtige Funktion als Erdöl-Transitland.

Die Hauptstadt Vilnius befindet sich aufgrund ihrer NĂ€he zur stark abgeriegelten EU-Außengrenze nach Belarus in einer Art „totem Winkel“. Daher hat die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt Kaunas in verkehrsplanerischer Hinsicht eine grĂ¶ĂŸere Bedeutung fĂŒr Litauen als Vilnius.

Straßen

Das gesamte Straßennetz umfasste 2012 etwa 84.166 km, wovon 72.297 km asphaltiert sind. Litauens Straßennetz befindet sich noch im Ausbau. Die wichtigsten Verbindungen sind die Autobahnen Vilnius–Kaunas–Klaipėda (dt. Memel) und Vilnius–PanevÄ—ĆŸys sowie die Fernstraße E 67 „Via Baltica“ von Warschau ĂŒber Kaunas und Riga nach Tallinn bzw. Helsinki, die langfristig zur Vollautobahn ausgebaut werden soll. Im Bau sind zudem Autobahnen rund um Ć iauliai und in der Region TelĆĄiai.

Der GĂŒterkraftverkehr in Litauen umfasste 2012 5.960 Millionen tkm, davon ungefĂ€hr 40 % inlĂ€ndische Transporte. Im Inland wurden im gleichen Jahr knapp 30 % der GĂŒter auf der Straße transportiert (Modal Split, nach tkm gemessen).

Schifffahrt

In Klaipėda befindet sich ein wichtiger Seehafen mit FĂ€hrverbindungen in den gesamten Ostseeraum (u. a. nach Kiel) und zunehmender Bedeutung fĂŒr den Frachtverkehr. Daneben sind die Memel und die Neris fĂŒr die Binnenschifffahrt befahrbar, die jedoch bedeutungslos ist.

Fluglinien

Litauen hat vier internationale FlughĂ€fen: Vilnius, Kaunas (in Karmėlava); selten bzw. nur saisonal angeflogen werden Palanga und Ć iauliai. Es bestehen Verbindungen in zahlreiche LĂ€nder Europas. Der Einzugsbereich des Flughafens Riga in Lettland erstreckt sich bis nach Litauen.

Auch BilligflĂŒge mit Air Baltic, Ryanair und Wizz Air werden aus deutschen StĂ€dten wie Frankfurt am Main, Hahn, Berlin, Bremen, Hamburg, Hannover, MĂŒnchen, DĂŒsseldorf, Dortmund und Karlsruhe angeboten.

Eisenbahn

Die schnellen Direktzugverkehre zwischen Vilnius und Warschau fĂŒhrten bis 1990 ĂŒber bis dahin zur Sowjetunion gehörendes belarussisches Gebiet. Zur Vermeidung der daraus resultierenden GrenzformalitĂ€ten wird ĂŒber Ć eĆĄtokai (LT) und SuwaƂki (PL) mit dem wiedereröffneten Eisenbahn-GrenzĂŒbergang Mockava eine alternative Nebenstrecke betrieben. Seit Juni 2016 gibt es am Wochenende direkte Zugverbindungen von Polen nach Litauen (BiaƂystok – Kaunas); das Umsteigen in Ć eĆĄtokai entfĂ€llt, da die Strecke auf Normalspur umgestellt ist.

Der direkte Nachtverkehr wurde bis 2011 ĂŒber eine IC-Busverbindung bedient, deren Betreiber die polnische Staatsbahn PKP war. Diese Busverbindung ersetzte den bis 2004 zwischen Vilnius und Warschau verkehrenden direkten Nachtzug.

Litauens Eisenbahn verkehrt großteils (wie in der gesamten ehemaligen Sowjetunion und in Finnland) auf einer breiteren Spur von 1520 mm (Mitteleuropa jedoch Normalspur 1435 mm), weswegen die ZĂŒge von Polen ins Baltikum umgespurt werden mĂŒssen. Hierzu werden teilweise moderne Umspursysteme wie das polnische SUW-2000-System verwendet.

Busse

FĂŒr die nationale und internationale Personenbeförderung spielt auch der Omnibusverkehr (z. B. die Fernbuslinien von Eurolines, Ecolines oder Lux-Express) eine wichtige Rolle.

Feuerwehr

In der Feuerwehr in Litauen waren im Jahr 2019 landesweit 2.845 Berufs- und 1.765 freiwillige Feuerwehrleute organisiert, die in 81 Feuerwachen und FeuerwehrhĂ€usern, in denen 224 Löschfahrzeuge und 48 Drehleitern bzw. Teleskopmasten bereitstehen, tĂ€tig sind. Die litauischen Feuerwehren wurden im selben Jahr zu 30.666 EinsĂ€tzen alarmiert, dabei waren 11.509 BrĂ€nde zu löschen. Hierbei wurden 70 Tote von den Feuerwehren bei BrĂ€nden geborgen und 164 Verletzte gerettet. Die nationale Feuerwehr- und Rettungsorganisation PrieĆĄgaisrinės apsaugos ir gelbėjimo departamentas prie Vidaus reikalĆł ministerijos reprĂ€sentiert die litauische Feuerwehr im Weltfeuerwehrverband CTIF.

Gesundheit

Kultur

Litauen wird von vielen verschiedenen kulturellen EinflĂŒssen geprĂ€gt. Da ist zum einen die lange SelbststĂ€ndigkeit und Aufrechterhaltung einer nichtchristlichen Staatsreligion, die lange gemeinsame Geschichte mit Polen, Beziehungen zur Hanse und im Ostseeraum, Zugehörigkeit zum russischen Zarenreich. Hierher stammen die in den GroßstĂ€dten nicht zu ĂŒbersehenden orthodoxen Kirchen. Im Westen des Landes ist hanseatisch-nordeuropĂ€ische Tradition mit starken deutschen, dĂ€nischen und schwedischen EinflĂŒssen sichtbar, z. B. (Backsteingotik, FachwerkhĂ€user). Im Osten, besonders in Vilnius, sind vielfach polnische Kulturelemente prĂ€sent.

Die barocke Altstadt von Vilnius ist ein UNESCO-Weltkulturerbe, ebenso wie die DĂŒnen auf der Halbinsel Kurische Nehrung (Neringa) und die archĂ€ologische StĂ€tte Kernavė.

Musik

Literatur

Film

Erste litauische Filme wurden bereits 1909 von nach Amerika ausgewanderten Litauern realisiert. Anfang der 1940er-Jahre wurde das Lietuvos kino studija gegrĂŒndet, das zur Zeit der Sowjetunion unter staatlicher Kontrolle war und zur alleinigen Zentrale fĂŒr die litauische Filmindustrie wurde. JĂ€hrlich produzierte man etwa drei bis vier Spielfilme und dreißig bis vierzig Dokumentarfilme.

Nach der UnabhĂ€ngigkeit 1990 ging die Zahl der litauischen Filme stark zurĂŒck und private Unternehmen ĂŒbernahmen die Filmindustrie. Filmemacher wie ArĆ«nas Matelis und Ć arĆ«nas Bartas erhalten Aufmerksamkeit auf internationalen Filmfestivals und Algimantas Puipa ist vor allem in Litauen kommerziell erfolgreich.

Museen und Galerien

Es gibt zahlreiche Museen und Galerien in Litauen. Nicht nur in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten, sondern teilweise auch in abgelegenen Gehöften, in denen berĂŒhmte Persönlichkeiten Litauens gelebt haben.

  • Nationalmuseum: Das Nationalmuseum befindet sich in Vilnius neben der Kathedrale. Weitere Filialen sind ĂŒber die Stadt verteilt. Die Ausstellung ist reich an archĂ€ologischen und ethnographischen Exponaten.
  • Teufelsmuseum in Kaunas: In der litauischen Mythologie und als Symbol im Alltagsleben spielt der Teufel eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zur mitteleuropĂ€ischen Vorstellungen gilt er nicht als die Verkörperung des absolut Bösen, sondern mehr als eine Art Trickster, der den Menschen auch hilft. Deshalb finden sich in der Öffentlichkeit verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig viele Teufels-Statuen und -Abbildungen.
  • Das Bernsteinmuseum im Kurort Palanga an der Ostsee, im Schloss von Grafen TiĆĄkevičius bietet unikale Kollektionen von Bernstein. Es gibt auch ein kleineres Bernsteinmuseum in Nida.
  • KGB-Museum: Im Herzen von Vilnius befindet sich das ehemalige GefĂ€ngnis des KGB, das als Museum dient. Verschiedene Zellen und Erschießungskammern stehen zur Besichtigung.

Symbole und Heilige

  • Das Staatswappen zeigt einen gegen Westen reitenden Reiter (lit. vytis, zu vyti; dt. „jagen, verfolgen“). Das litauische Wappen ist seit 1366 belegt.
  • Der Patron Litauens ist der Heilige Kasimir. Die Kasimirsmesse findet jedes Jahr am Wochenende vor dem 3. MĂ€rz in der Altstadt von Vilnius statt. Es werden Erzeugnisse des traditionellen und Kunsthandwerks angeboten und alte KĂŒnste und Gewerbe gezeigt.
  • HĂ€ufig anzutreffen ist eine Skulptur des Schmerzensmannes, (lit. RĆ«pintojėlis; dt. „der sich kĂŒmmernde“) genannt. Diese zeigt Jesus Christus in sitzender Haltung, das Kinn auf die Hand gestĂŒtzt in sinnierender Haltung. Sie ist nichtkanonisch, weshalb eine Herkunft aus der vorchristlichen Religion erwogen wird. Als Souvenirs kann man kleine Skulpturen in vielen litauischen Galerien kaufen.
  • Bernstein ist ebenfalls ein typisches, hĂ€ufig angebotenes Souvenir des Baltikumreisenden, auch wenn die meisten Steine aus der Oblast Kaliningrad stammen.
  • Der Berg der Kreuze (lit. KryĆŸiĆł Kalnas) befindet sich bei der Stadt Ć iauliai (dt. Schaulen). Er symbolisiert auch den Kampf gegen Sowjetmacht und Okkupation.
  • Die Weinraute, obwohl nicht in Litauen heimisch, gilt als Nationalblume. Sie war (und ist) insbesondere im Hochzeitsbrauch unabdingbar. Jetzt ist sie mithin noch in dörflichen GĂ€rten und auf Friedhöfen anzutreffen.

Gesellschaft

Seit der UnabhĂ€ngigkeit Litauens im Jahr 1991, die von breiten Bevölkerungsschichten unterstĂŒtzt wurde, ist die Zustimmung zur Demokratie hoch. Dementsprechend haben sich relativ gefestigte Institutionen entwickelt. Auch bildeten sich in Litauen zunehmend gesellschaftlich verankerte Interessengruppen heraus, die Rolle der Gewerkschaften ist allerdings eher unbedeutend. Generell herrscht eher Skepsis gegenĂŒber staatlichen Einrichtungen und den Entscheidungen des Parlaments.

Der Einfluss der Kirche in Litauen nahm seit der UnabhÀngigkeit des Landes 1991 stark zu. HomosexualitÀt wurde 1993 zwar legalisiert, sie ist aber nach wie vor weithin ein Tabu.

Medien

Die litauische öffentlich-rechtliche Mediengruppe, Lietuvos nacionalinis radijas ir televizija betreibt drei Fernsehsender, drei Radiostationen und ein Medienportal. Zu den meistgesehenen privaten Fernsehsendern gehören TV3 und Laisvas ir nepriklausomas kanalas (LNK).

In Litauen erscheinen einige national verbreitete Tageszeitungen, darunter die Lietuvos Rytas und die deutschsprachige Baltische Rundschau.

Sport

Basketball ist der Nationalsport in Litauen. Die Litauische Basketballmannschaft zĂ€hlt zu den besten Mannschaften Europas und konnte dreimal die Europameisterschaft gewinnen. Bereits 1937 und 1939 konnte Litauen die Europameisterschaften in dieser Sportart gewinnen. Diese Tradition fand ihre Fortsetzung in der sowjetischen Zeit als litauische Spieler immer wieder Teil der sowjetischen Auswahlteams waren. Bekannte Namen sind Kazys Petkevičius, Modestas Paulauskas, Sergejus JovaiĆĄa, Arvydas Sabonis, Rimas Kurtinaitis und Ć arĆ«nas Marčiulionis. Marčiulionis gehört zusammen mit Sabonis zur Goldenen Generation litauischer Basketballspieler, die ab Anfang der 1980er-Jahre zunĂ€chst fĂŒr die Sowjetunion und ab 1991 fĂŒr das wieder unabhĂ€ngige Litauen zahlreiche Erfolge einheimsten. Beide wurden in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame aufgenommen (Sabonis im August 2011, Marčiulionis 2014).

Bei den ersten Olympischen Spielen nach der wiedererlangten UnabhĂ€ngigkeit konnte das litauische Basketballteam der Herren 1992 in Barcelona ĂŒberraschend Bronze gewinnen, ein Erfolg, der 1996 und 2000 wiederholt werden konnte. Nach Silber 1995 wurde die neue Generation um Ć arĆ«nas Jasikevičius und Arvydas Macijauskas 2003 Europameister.

Unter den Mannschaften im Basketball zĂ€hlen â€žĆœalgiris Kaunas“ und „Lietuvos rytas Vilnius“ seit langer Zeit zu den Top-Adressen in Europa.

Andere Mannschaftssportarten fristen demgegenĂŒber ein Schattendasein. Das grĂ¶ĂŸte Fußballstadion des Landes in Kaunas fasst gerade einmal 20.000 Zuschauer.

Bei den olympischen Sportarten hat Litauen eine Tradition guter Werfer (Romas Ubartas und Virgilijus Alekna) sowie Radfahrer und Ruderer.

Der litauische Tennisspieler Ričardas Berankis erreichte im Jahr 2007 Platz eins der Juniorenweltrangliste und schaffte es im November 2010, als erster Litauer in die Top 100 der Weltrangliste einzuziehen. Mit Laurynas Grigelis gibt es noch einen weiteren Tennisspieler aus Litauen, der aktuell in den Top 300 steht.

Im Sommer 2011 fand die Basketball-Europameisterschaft in Litauen statt.

Special Olympics Litauen wurde 1989 gegrĂŒndet und nahm mehrmals an Special Olympics Weltspielen teil. Der Verband hat seine Teilnahme an den Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin angekĂŒndigt. Die Delegation wird vor den Spielen im Rahmen des Host Town Programs von Chemnitz betreut.

Feiertage

Siehe auch

  • Gewerkschaften in Litauen
  • Liste der UniversitĂ€ten in Litauen

Literatur

  • Mathias Niendorf: Geschichte Litauens. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2022, ISBN 978-3-447-10822-5. 

Weblinks

  • LĂ€nderinformationen zu Litauen (AuswĂ€rtiges Amt, Berlin)
  • Offizielle Website von Litauen (englisch)
  • alles-ueber-litauen.de – GrĂ¶ĂŸte nichtkommerzielle deutsche Website ĂŒber Litauen
  • www.annaberger-annalen.de – Umfangreiches Archiv mit Texten ĂŒber Litauen und die deutsch-litauischen Beziehungen
  • F. Tetzner ĂŒber das Litauische Sprachgebiet Ende des 19. Jahrhunderts in der Zeitschrift Globus, Bd. LXXI, Nr. 24, S. 381–384, 19. Juni 1879. (Memento vom 30. MĂ€rz 2022 im Internet Archive).
  • Litauische Botschaft in Berlin

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (0)

Abk Name O
LT.AS Alytaus  
LT.KS Kauno  
LT.KP Klaipedos  
LT.MA Marijampoles  
LT.PA Panevezio  
LT.TG Taurages  
LT.TL TelĆĄiai  
LT.UN Utenos  
LT.VI Vilniaus  
LT.SH Ć iauliai  
 

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Flagge: Lithuania

Name englisch: Lithuania
Hauptstadt: Vilnius
Kfz: LT
ISO: LT
ISO3: LTU
Fläche: 65200 km²
Tld: .lt
Wärung Einheit: LTL
Währung: Litas
Vorwahl: 370

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 56.4503175
südlichster Punkt: 53.8968787
westlichster Punkt: 20.9494113
östlichster Punkt: 26.8355913


 
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