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Staat Informationen : Litauen

Informationen:


Litauen [ňąliňźtaÕúu…ôn; ňąl…™taÕúu…ôn] (litauisch Lietuva, amtlich Republik Litauen, litauisch Lietuvos Respublika) ist der s√ľdlichste der drei baltischen Staaten. Es grenzt im Westen an die Ostsee und hat gemeinsame Grenzen mit Lettland, Wei√ürussland, Polen und der russischen Oblast Kaliningrad.

In den Jahren von etwa 1253 bis 1795 war Litauen ein Gro√üf√ľrstentum, ab 1569 als Polen-Litauen Teil einer Union. Mit der 3. Teilung Polens ging Litauen 1795 in Russland auf, bis es 1918 im Akt der Unabh√§ngigkeitserkl√§rung Litauens zur souver√§nen Republik wurde. Nach der sowjetischen Okkupation (1940), unterbrochen von der deutschen Besetzung (1941‚Äď1944), erlangte es 1990 die Unabh√§ngigkeit zur√ľck. Im Zuge der EU-Erweiterung 2004 wurde Litauen Mitgliedstaat der Europ√§ischen Union und Mitglied der NATO. Seit dem 1.¬†Januar 2015 ist Litauen das 19.¬†Mitglied der Eurozone.

Litauen hat etwa 2,8¬†Millionen Einwohner (Stand: Januar 2017). Hauptstadt und gr√∂√üte Stadt Litauens ist Vilnius, weitere Gro√üst√§dte sind Kaunas, Klaipńóda und ҆iauliai.

Geographie

Litauen befindet sich im S√ľden des Baltikums. Die Zuordnung der Gesamtregion wiederum ist umstritten und wird neben geographischen Faktoren auch von historisch-kulturellen und politischen Aspekten beeinflusst. So wird das Baltikum sowohl Nordeuropa, Mitteleuropa (Ostmitteleuropa), Osteuropa und Nordosteuropa zugeordnet.

Litauen grenzt im Norden an Lettland, im Osten und S√ľdosten an Wei√ürussland. Die Grenze zu Polen im S√ľden ist nur etwa 100 Kilometer lang; sie gilt als die wichtigste Verbindung nach Mittel- und Westeuropa. Nach S√ľdwesten schlie√üt sich als Exklave die russische Oblast Kaliningrad an, die Grenze wird teilweise von der Memel gebildet. Im Westen liegt die Ostsee, zu der Litauen √ľber den Hafen Klaipńóda Zugang hat.

Geografen des Institut G√©ographique National, des nationalen Geographieinstituts Frankreichs, errechneten 1989 den geographischen Mittelpunkt Europas und ermittelten eine Stelle im Dorf PurnuŇ°kńós etwas n√∂rdlich von Vilnius.

Geologie

Litauen liegt innerhalb der Osteurop√§ischen Plattform und ist daher tektonisch seit geologisch l√§ngerer Zeit relativ ruhig. Die Oberfl√§che wurde entscheidend durch die mehrmaligen Vorst√∂√üe des Inlandeises w√§hrend des Eiszeitalters gepr√§gt. Nur ganz vereinzelt stehen deshalb √§ltere Gesteine an der Erdoberfl√§che an. Landschaftlich geh√∂rt fast ganz Litauen zum Jungmor√§nenland, das vom Eis der letzten, der Weichseleiszeit √ľberdeckt wurde. Vor 20.000 Jahren, auf dem H√∂hepunkt der Weichselvereisung, blieb lediglich ein kleiner Streifen im √§u√üersten S√ľdosten eisfrei.

Im Westen grenzt das Land mit Sandstr√§nden an die Ostsee. Der Niederlitauische Landr√ľcken im westlichen Teil Litauens geh√∂rt zum Baltischen Landr√ľcken. Das H√ľgelland im S√ľdosten geh√∂rt zum Wei√ürussischen H√∂henr√ľcken. Hier liegen die mit 294¬†m h√∂chsten Erhebungen Litauens (AukŇ°tasis kalnas und Juozapinńós kalnas). Die gr√∂√üten Fl√ľsse sind Memel und Neris, die beide in Wei√ürussland entspringen. Im Nordosten befindet sich die Seenplatte von Hochlitauen. Zahlreiche Seen gibt es auch im S√ľden. Insgesamt nehmen Seen etwa 1,5¬†% der Landesfl√§che ein. Ein Teil des Kurischen Haffs und der Kurischen Nehrung geh√∂ren ebenfalls zu Litauen.

Den gr√∂√üten Teil der Landesfl√§che nehmen landwirtschaftliche Nutzfl√§chen ein. Knapp √ľber 30¬†% der Fl√§che ist von W√§ldern bedeckt und √ľber 3¬†% von Mooren und S√ľmpfen. Die Fl√§che Litauens besteht aus 62.680¬†km¬≤ Land- und 2.620¬†km¬≤ Wasserfl√§che.

Klima

Das Klima in Litauen ist ein gem√§√üigtes Kontinentalklima. Der an der K√ľste vorherrschende Westwind tr√§gt warme und feuchte Luft von der Ostsee ins Landesinnere.

W√§rmster Monat ist der Juli mit durchschnittlich 17¬†¬įC, k√§ltester Monat der Januar mit durchschnittlich ‚ąí5,1¬†¬įC. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 6,2¬†¬įC. Die mittlere j√§hrliche Niederschlagsmenge liegt bei 661¬†mm, im S√ľdwesten deutlich dar√ľber, im Norden darunter.

Umwelt

Es gibt √ľber 200 Naturschutzgebiete verschiedener Bestimmung und verschiedenen Ranges in Litauen. Dazu geh√∂ren f√ľnf Nationalparks, sieben Schutzgebiete nach der Ramsar-Konvention, vier Totalreservate und drei√üig Regionalparks. √úber 14¬†% der Landesfl√§che werden von Naturschutzgebieten eingenommen, wie etwa dem Gebiet PravirŇ°ulio tyrelis. Ein unter Moorkundlern sehr bekanntes Hochmoor ist das Moor AukŇ°tumala zwischen Sowetsk und Klaipńóda, da es weltweit das erste Moor war, dem eine spezielle Monographie (C. A. Weber, 1902) gewidmet war. W√§hrend der westliche Teil noch sehr gut erhalten ist, wird im √∂stlichen Teil von einer Tochtergesellschaft des deutschen Konzerns Klassmann-Deilmann gro√üfl√§chig Torf abgebaut. Das Hochmoor ist Teil des Regionalparks Memel-Delta. Oberlitauen (AukŇ°taitija) ist teils sehr h√ľgelig und seenreich, im Zentrum dieser Gegend liegt der Nationalpark AukŇ°taitija.

Bevölkerung

Demografie

Die litauische Bev√∂lkerung verringert sich seit dem Ende der Sowjetunion 1990 kontinuierlich. 1992 erreichte man mit knapp √ľber 3,7¬†Millionen Einwohnern das Maximum. 2000 waren es noch 3,5¬†Millionen und 2010 nur 3,32¬†Millionen Einwohner. Zu diesem R√ľckgang tr√§gt die Auswanderung (siehe unten) ebenso bei wie der Sterbe√ľberschuss. Bei den Geburten wurde 2002 mit 30.000¬†Geburten (8,6 je 1000 Einwohner) der absolute Tiefpunkt erreicht, seitdem ist die Rate wieder leicht angestiegen: 2010 waren es landesweit 35.625¬†Geburten (10,8 je 1000 Bewohner). W√§hrend der Westen des Landes geb√§rfreudiger ist als der Rest Litauens, ist der Sterbe√ľberschuss in den √∂stlichen Grenzregionen am gr√∂√üten, da sie am st√§rksten von √úberalterung betroffen sind (√ľber 20¬†Todesf√§lle pro 1000 Einwohner in den Landkreisen Ignalina, ҆venńćionys und Zarasai, im Landesdurchschnitt 13,5 f√ľr 2007).

Am 28. September 2012 gab das Statistikamt Litauens bekannt, dass seit dem April desselben Jahres weniger als drei Millionen Menschen in Litauen leben. Der Hauptgrund ist auch hier die Emigration. Etwa 15.100 Litauer wanderten von Januar bis August 2012 in ein anderes Land aus. Die Mehrheit davon sind junge Erwachsene. Sie sehen im Ausland eine größere Chance auf dem Arbeitsmarkt als in Litauen. Die Zielländer sind europäische Staaten wie das Vereinigte Königreich, Irland oder Skandinavien. Im Jahre 2017 waren in Litauen selbst 4,3 % der Bevölkerung im Ausland geboren.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat Litauen einen rasanten Wandel zu einer urbanen Gesellschaft erlebt. 1959 lebten noch drei F√ľnftel (60¬†%) der Bev√∂lkerung auf dem Land, 1970 war das Verh√§ltnis ausgeglichen, und 1990 war das Verh√§ltnis von zwei Drittel st√§dtischer Bev√∂lkerung zu einem Drittel Landbev√∂lkerung erreicht.

Migration

Sch√§tzungen zufolge leben oder arbeiten etwa 200.000 Litauer im westlichen Ausland, ohne dass die litauischen Meldebeh√∂rden hiervon offizielle Kenntnis haben. Nach statistischen Angaben haben seit 2005 √ľber 218.000 Menschen offiziell das Land verlassen; bei einer Zuwanderung von gut 60.000, ein Wanderungsverlust von knapp 158.000 Menschen, was mehr als 3¬†% der Bev√∂lkerung entspricht. Das litauische Statistikamt gibt die inoffizielle Abwanderungsrate f√ľr 2001 bis 2007 mit etwa 112.000 Personen an. Seither stellen Litauer stets 85¬†% der Auswanderer, 2001 war weniger als die H√§lfte litauischer Staatsangeh√∂rigkeit. Andersherum stellen die Litauer seit 2005 etwa 70¬†% der Einwanderer, w√§hrend es 2001 nur 15¬†% waren. In Folge der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Litauen hat die (offizielle) Immigration aus dem Nachbarland Wei√ürussland zugenommen, liegt aber weiterhin deutlich unter 1000 Personen im Jahr, im Saldo bei unter 500 Personen. Zwischen 2009 und 2010 gab es einen markanten Unterschied: So haben 2009 nur 22.000 Menschen das Land verlassen, 2010 hingegen 84.000 Menschen. 2011 gab es einen R√ľckgang: 54.000 Menschen haben das Land verlassen, 16.000 sind dagegen eingewandert. 2013 wanderten 39.000, im n√§chsten Jahr 36.600 und 2015 sogar 44.500 Menschen aus. 2016 emigrierten 51.000 Litauer, 2017 sogar 57.200.

Die Gesamtzahl der Einwohner sank von 1990 bis 2017 wegen der Emigration von 3,7 auf 2,8 Mio. (2017 gab es 1,4 % weniger und 2018 0,5 % weniger ständiger Einwohner).

2018 immigrierten 12.300 Personen, davon 5.700 aus der Ukraine, 26 % aus Weißrussland und 6 % aus Russland.

Zielländer der Auswanderung

Bis dato ist das Vereinigte Königreich das beliebteste Auswanderungsziel der Litauer. Hier deklarierten 124.000 Litauer ihren Wohnsitz. An zweiter Stelle folgt Irland mit 40.000 und an der dritten Norwegen mit 24.000 Litauern.

Lebenserwartung

Die statistische durchschnittliche Lebenserwartung lag in Litauen 2015 bei knapp 74¬†Jahren, mit einer deutlichen Ungleichverteilung nach dem Geschlecht: Frauen werden im Schnitt 79,3¬†Jahre alt (in Deutschland 82,9¬†Jahre), M√§nner nur 68,5 (in Deutschland 77,9¬†Jahre). Im Vergleich zu 1990 ist sowohl die Lebenserwartung der Frauen (von 76,3¬†Jahren) als auch die der M√§nner (von 66,4¬†Jahren) gestiegen. 2007¬†war bei den M√§nnern noch ein leichter R√ľckgang zu verzeichnen gewesen. Der Alkoholmissbrauch hat dabei bei den M√§nnern deutlich negative Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Laut dem WHO-Bericht von 2014 sterben 2.900 M√§nner und 950 Frauen jedes Jahr an den Folgen des Alkoholkonsums (das sind 30¬†% aller Todesf√§lle).

Seit 2007 steigt die Lebenserwartung jedoch auch bei den Männern. 2013 hatte Litauen, verglichen mit den seinerzeit 34 Mitgliedsländern der OECD, den höchsten Pro-Kopf Verbrauch von reinem Alkohol.

Laut WHO war Litauen im Jahr 2005 mit statistisch 38,6¬†F√§llen pro 100.000 Einwohner das Land mit der h√∂chsten Suizidrate weltweit. Auch im Jahr 2009 war Litauen mit durchschnittlich 35,6¬†F√§llen pro 100.000 Einwohner (61,3¬†F√§lle bei M√§nnern, 10,4 bei Frauen) noch immer f√ľhrend auf der Liste der Selbstmordraten, gefolgt von Russland mit 31,7¬†F√§llen (2006) pro 100.000 Einwohner. Als Hauptgr√ľnde f√ľr die hohen Suizidraten werden der hohe Alkoholkonsum, die ausgepr√§gte Jugendarbeitslosigkeit und Existenz√§ngste diskutiert. Litauen hat auch die h√∂chste Rate an T√∂tungsdelikten in der gesamten EU.

Ethnien

Der mit Abstand gr√∂√üte Teil der Bev√∂lkerung besteht aus Litauern. Jedoch gibt es im Land auch nationale Minderheiten, √ľberwiegend Slawen. Die polnische Minderheit in Litauen, die vor allem im Bezirk Vilnius lebt, ist teilweise seit mehreren hundert Jahren ans√§ssig.

Die in kleinsten Resten vorhandene, zahlenm√§√üig immer geringe deutsche Minderheit in Litauen (‚ÄěLitauendeutsche‚Äú) blieb in ihrer langen Geschichte im Unterschied zu den Deutsch-Balten ohne gr√∂√üere historische, politische, kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung. Ihre vollst√§ndige Umsiedlung nach Deutschland im Fr√ľhjahr 1941 war eine Folge des Hitler-Stalin-Paktes.

Russen kamen zumeist w√§hrend und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Litauen, als das Land Teil der Sowjetunion war. Die russischsprachige Bev√∂lkerung in Litauen, die nach den Polen die zweitgr√∂√üte Minderheit darstellt, konzentriert sich auf die Hauptstadt Vilnius (vor allem den Stadtteil Naujoji Vilnia), die Hafenstadt Klaipńóda (Memel), die Region MaŇĺoji Lietuva (Kleinlitauen) und auf Industriestandorte wie Elektrńónai und Visaginas.

Daneben leben in Litauen (2011) noch:

  • 1.233 Armenier (1989: 1.655)
  • 648 Aserbaidschaner (1989: 1314)
  • 540 Moldauer (1989: 1.450)
  • 372 Georgier (1989: 658)
  • 3.508 Personen anderer Nation (1989: 7.595)

Die kleinste Minderheit stellen die Kar√§er dar, ein judaisiertes Turkvolk, das √ľberwiegend in Trakai siedelt und noch etwa 241¬†Menschen z√§hlt (1989: 289). Knapp 33.000 Einwohner (1¬†% der Befragten) geben keine Volkszugeh√∂rigkeit an.

Sprachen

Litauisch als Muttersprache sprechen etwa 2.694.000 Einwohner (inklusive der Sprecher des Schemaitischen). Das Litauische gehört zu den baltischen Sprachen, zu denen auch das Lettische zählt. Es gilt in vielen Eigenschaften als besonders archaisch und daher der rekonstruierten indogermanischen Ursprache besonders nahe stehend.

  • Polnisch sprechen ca. 358.000,
  • Russisch ca. 344.000,
  • Wei√ürussisch ca. 63.000,
  • Ukrainisch ca. 45.000,
  • Tatarisch ca. 5.100,
  • Lettisch ca. 5.000,
  • Karaimisch ca.¬†300.

In Klaipńóda (Memel) und auf der Kurischen Nehrung finden sich noch einige Litauer, die Deutsch sprechen. Polnisch ist im √∂stlichen Teil, besonders in den l√§ndlichen Regionen um Vilnius und im Gebiet um die Ortschaft DieveniŇ°kńós, h√§ufig anzutreffen, da dort trotz der Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg eine gro√üe polnische Minderheit verblieben ist. Durch die lange Pr√§senz des Russischen in Litauen hat sich das von den Polen gesprochene Polnisch teilweise mit russischen W√∂rtern und Ausdr√ľcken vermischt, das nun als litauisches Polnisch gesprochen wird.

W√§hrend Russisch bei √§lteren Litauern (>35¬†Jahre) noch als Lingua Franca gilt, √ľbernimmt bei den J√ľngeren nunmehr das Englische diese Rolle.

Religion

Der Gro√üteil der Litauer (2011: 77¬†%) ist r√∂misch-katholisch und geh√∂rt der Katholischen Kirche in Litauen an, etwa 4,1¬†% sind russisch-orthodox. Etwa 1,9¬†% geh√∂ren zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Litauen und 0,2¬†% (7000 Mitglieder) geh√∂ren zur Evangelisch-Reformierten Kirche in Litauen. Laut einer Umfrage vom Oktober 2008 bezeichnen sich gut zwei Drittel der befragten Katholiken als den Glauben praktizierend. 10¬†% aller Befragten sahen sich als nicht gl√§ubig. Eine Beteiligung der (katholischen) Kirche an der Gesetzgebung oder Wortmeldung zu aktuellen Themen oder Wahlempfehlungen lehnt die √ľberwiegende Mehrheit ab (75‚Äď80¬†%, je nach Fragestellung).

Vilnius ist der Sitz eines Apostolischen Nuntius, der als diplomatischer Vertreter des Papstes f√ľr Estland, Lettland und Litauen zust√§ndig ist. Es leben etwa 21.000 (0,6¬†%) Muslime in Litauen sowie etwa 3.000¬†Zeugen Jehovas. Rund 4.000 Litauer bekennen sich zur neuheidnischen Romuva-Bewegung, die offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt ist.

Der Anteil der j√ľdischen Bev√∂lkerung in Litauen betrug vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 9¬†%. W√§hrend der deutschen Besetzung Litauens 1941 bis 1944 wurden √ľber 90¬†% der j√ľdischen Einwohner ermordet.

Geschichte

Baltische St√§mme besiedelten das Gebiet ab dem 3.¬†Jahrtausend vor Christus. Der Anfang Litauens als Staat liegt im 13. Jahrhundert. F√ľrst Mindaugas, der sich 1253 vom Papst abgesegnet sogar zum K√∂nig kr√∂nen lie√ü, brachte die Nachbarst√§mme mit milit√§rischer Gewalt unter seine Hoheit. Sein F√ľrstentum/K√∂nigreich umfasste bei seinem Tod 1263 in etwa das Gebiet des heutigen Litauens. Die Staatenbildung erfolgte gerade noch zeitig genug, um den von Norden und S√ľden vordringenden Rittern des Deutschen Ordens erfolgreich Widerstand leisten zu k√∂nnen.

Parallel dazu erfolgte bereits im 14.¬†Jahrhundert die Expansion nach Osten. Aus dem Zerfall der alten Kiewer Rus nach dem Mongolensturm bis 1240 hatten sich mehrere Nachfolgef√ľrstent√ľmer entwickelt. Durch den Deutschen Orden wurde Litauen an einer expansiven Westpolitik gehindert, w√§hrend die Ostflanke durch den Tatareneinbruch offen lag. In dieses Machtvakuum stie√ü nun das Gro√üf√ľrstentum Litauen vor und geriet mit der Eroberung von Kiew (nach 1362) in die Konkurrenz zum Gro√üf√ľrstentum Moskau um die Vorherrschaft unter den russischen Teilf√ľrstent√ľmern. Die litauische Ostexpansion fand ihren H√∂hepunkt in der ersten H√§lfte des 15.¬†Jahrhunderts.

Gro√üf√ľrst Jogaila √ľbernahm 1386 durch Heirat und den √úbertritt zum Christentum (nach Mindaugas‚Äô Tod 1263 war Litauen wieder heidnisch ‚Äěgeworden‚Äú) die polnische K√∂nigskrone und gr√ľndete damit die Polnisch-Litauische Personalunion. Jogaila (polnisch: Jagiello) begr√ľndete das Herrschergeschlecht der Jagiellonen. Nach der siegreichen Schlacht bei Tannenberg 1410 wurde die Bedrohung durch den Deutschen Orden endg√ľltig beseitigt. Diese Schlacht war von einem vereinten polnisch-litauischen Heer gewonnen worden.

Die enge politische Einheit Polens und Litauens m√ľndete 1569 in die Realunion von Lublin, die das Ende des eigenst√§ndigen Litauens bedeutete, nachdem der litauische Adel bereits in den vorangegangenen Jahrzehnten zunehmend unter den Einfluss der polnischen Kultur und Sprache gelangt war. So ging Litauen in den Zeiten der Reformation den polnischen Weg und blieb katholisch, w√§hrend das n√∂rdliche, deutsch beeinflusste Baltikum protestantisch wurde. Litauen blieb bis zu den Teilungen Polens beim polnischen Staat und kam dann 1795 unter russische Herrschaft. Zwei polnisch-litauische Aufst√§nde in den Jahren 1831 und 1863 wurden vom russischen Zaren blutig unterdr√ľckt.

Litauen im Ersten Weltkrieg: Am 18. August 1915 wurde w√§hrend der Sommeroffensive die Stadt Kaunas von den Deutschen erobert. Darauf folgte die deutsche Besatzung Litauens. Das Territorium wurde dem Oberbefehlshaber Ost unterstellt. Chef der Verwaltung Litauens wurde F√ľrst Franz Joseph von Isenburg. Zuerst in Tilsit ans√§ssig, wurde diese Verwaltung im April 1916 nach Kaunas und im M√§rz 1917 nach Vilnius verlegt.

Unabhängigkeit

Das Ende des Ersten Weltkriegs mit der Oktoberrevolution und dem nachfolgenden B√ľrgerkrieg f√ľhrte im Februar 1918 ‚Äď noch unter deutscher Besatzung ‚Äď zur Ausrufung der unabh√§ngigen Republik Litauen, die nach K√§mpfen gegen Rote Armee und polnische Truppen auch durchgesetzt werden konnte. Hauptstadt war in dieser Zeit allerdings nicht der historische Gro√üf√ľrstensitz Vilnius, sondern Kaunas, da das Vilniusser Gebiet von Polen besetzt war (1920 bis 1939, 1923 vom V√∂lkerbund anerkannt). Die parlamentarische Demokratie, die mit der Verfassung von 1922 eingef√ľhrt worden war, wurde durch den Putsch von Antanas Smetona im Dezember 1926 beseitigt; Smetona regierte anschlie√üend diktatorisch bis 1940. Es wurden neue Verfassungen eingef√ľhrt, die die autorit√§re F√ľhrung Smetonas best√§tigten, darunter die Litauische Verfassung von 1928 und die von 1938. Nach einem deutschen Ultimatum musste Litauen am 23. M√§rz 1939 das Memelland an Deutschland abtreten. Das Memelland hatte bis 1919 zum Deutschen Reich geh√∂rt, war seitdem zwischen Deutschland und Litauen umstritten und stand daher seit dem Friedensvertrag von Versailles unter franz√∂sischer V√∂lkerbundsverwaltung. Es war am 10. Januar 1923 durch litauische Freisch√§rler besetzt und anschlie√üend von Litauen annektiert worden.

Zweiter Weltkrieg

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verst√§rkte sich der Druck der Sowjetunion. Smetona dankte im Juni 1940 ab, und nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen wurde eine pro-sowjetische Regierung ins Amt gebracht, die den Beitritt zur Sowjetunion erkl√§rte (3.¬†August 1940). Nach dem Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges nahmen deutsche Truppen das litauische Staatsgebiet bis Juli 1941 ein. Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD mit litauischen Hilfswilligen und sogenannten Schutzmannschaften ermordeten in der Folgezeit bis Dezember 1941 einen Gro√üteil der j√ľdischen Bev√∂lkerung, die √úberlebenden wurden in Ghettos konzentriert. 90¬†% der j√ľdischen Bev√∂lkerung des Landes erlebten das Kriegsende nicht.

Im Zuge ihrer Sommeroffensive 1944 besetzte die Rote Armee wieder gro√üe Teile Litauens. Die Litauische Sozialistische Sowjetrepublik (LSSR) wurde wiederbegr√ľndet. Der Widerstand der sogenannten ‚ÄěWaldbr√ľder‚Äú gegen die sowjetische Besatzung stand ohne ausl√§ndische Unterst√ľtzung auf verlorenem Posten und war ab 1948 auf einige wenige Partisanenverb√§nde geschrumpft. Stalin lie√ü 1949 in einer dritten gro√üen Deportationswelle Zehntausende ‚Äěstaatsfeindliche Elemente‚Äú nach Sibirien deportieren, nachdem bereits 1940/41 und 1945/46 Verhaftungen und Deportationen in gro√üem Stil durchgef√ľhrt worden waren. Viele der Deportierten starben in den Straflagern im Osten der Sowjetunion. Zu den Deportierten geh√∂rten auch deutsche ‚ÄěWolfskinder‚Äú, die im Verlauf der Kriegswirren vor dem Verhungern aus dem K√∂nigsberger Gebiet nach Litauen geflohen und oft bei Bauern untergekommen waren.

Bis Ende des Zweiten Weltkrieges hatten sich rund 65.000 Litauer als Kriegsfl√ľchtlinge nach Deutschland abgesetzt.

Wiedererlangung der Unabhängigkeit

Im Zuge der Perestrojka, die im Baltikum die singende Revolution ausl√∂ste, erkl√§rte sich Litauen 1990 als erste Unionsrepublik der Sowjetunion zum souver√§nen Staat und benannte den Obersten Sowjet in Verfassunggebende Versammlung um. Island war der erste Staat, der, ebenfalls 1990, das unabh√§ngige Litauen anerkannte. Bei den Januarereignissen in Litauen am 13.¬†Januar 1991, versuchten pro-sowjetische milit√§rische Kr√§fte erfolglos, die junge Demokratie mit Panzern zu st√ľrzen, 14¬†jugendliche Demonstrierende starben am Fernsehturm. In Reaktion darauf erkl√§rten die Litauer in einer Volksabstimmung am 8.¬†Februar 1991 ihr ‚ÄěJa‚Äú zur Unabh√§ngigkeit des Landes. Bei einer Wahlbeteiligung von 84,7¬†% sprachen sich 90,5¬†% f√ľr die Unabh√§ngigkeit aus. Nach dem misslungenen Moskauer Putsch gegen Gorbatschow im August 1991 erkannten die L√§nder des Westens die Unabh√§ngigkeit Litauens, wie auch der Nachbarl√§nder Lettland und Estland an. Nach anf√§nglicher Wirtschaftskrise und politischer Instabilit√§t aufgrund einer radikalen Privatisierung gewann die Reformpolitik zunehmend an Dynamik, insbesondere nach √úberwindung der Russlandkrise im Jahre 2000.

Litauen wurde 2004 Mitglied von EU und NATO. Seit dem 21. Dezember 2007 ist Litauen Teil des Schengen-Raums.

Politik

Politisches System

Litauen ist eine semipr√§sidentielle Republik. Hauptstadt und Regierungssitz Litauens ist Vilnius. Nach der Verfassung ist die Litauen eine demokratische und rechtsstaatliche Republik mit Gewaltenteilung. Das Vertrauen der B√ľrger in die Realisierung der Demokratie ist jedoch eher gering: In der Eurobarometer-Umfrage vom April 2006 ‚ÄěWie zufrieden sind Sie damit, wie die Demokratie in Ihrem Land funktioniert?‚Äú √§u√üerten sich nur 23¬†% positiv.

Auch wird Litauen, √§hnlich wie Israel und einige weitere osteurop√§ische und asiatische Staaten, als ethnische Demokratie beschrieben, in der ‚Äědie Dominanz einer ethnischen Gruppe institutionalisiert ist‚Äú.

Im Demokratieindex 2020 der britischen Zeitschrift The Economist belegt Litauen Platz 42 von 167 L√§ndern und gilt als eine ‚Äěunvollst√§ndige Demokratie‚Äú.

Präsident

Staatsoberhaupt ist der Pr√§sident, der im Gegensatz etwa zum deutschen Bundespr√§sidenten nicht nur repr√§sentative Aufgaben wahrnimmt. Vielmehr ist der Pr√§sident der Republik Litauen noch vor dem Au√üenminister verantwortlich f√ľr die Au√üenpolitik des Landes. Dar√ľber hinaus verf√ľgt er √ľber ein weitgehendes Veto-Recht, das es ihm erm√∂glicht, zuvor vom Seimas erlassene Gesetze zu blockieren. Protokollarisch gesehen folgen ihm der Vorsitzende des Seimas und der Premierminister, die gem√§√ü der Verfassung in Abwesenheit des Pr√§sidenten die Republik Litauen (im Inland) leiten bzw. gegen√ľber ausl√§ndischen Staatsg√§sten vertreten k√∂nnen. Der amtierende Pr√§sident ist seit 12. Juli 2019 Gitanas Nausńóda (*¬†1964).

Parlament

Das litauische Parlament wird Seimas genannt. Der Name stammt von der polnischen Bezeichnung Sejm und verweist auf die lange gemeinsame litauisch-polnische Geschichte. Das Einkammerparlament besteht aus 141¬†Parlamentariern, die f√ľr vier Jahre gew√§hlt werden. Die letzten Parlamentswahlen erfolgten im Oktober 2020. Vorsitzender des Seimo ist der parteilose Saulius Skvernelis (*¬†1970).

Das Parlament hat die Befugnis, mit Zweidrittelmehrheit die Verfassung zu ändern.

Regierung

Der Regierungschef Litauens ist der Premierminister. Er besitzt die Richtlinienkompetenz f√ľr die Politik der Regierung. Seit Dezember 2016 ist Saulius Skvernelis (*¬†1970) Regierungschef.

Die Verwaltung Litauens wird jeweils durch die Fachminister geleitet, sie stehen an der Spitze des Ministeriums und anderer untergeordneter Behörden.

Recht

Die vor√ľbergehende Verfassung vom November 1918 erkannte allen Litauerinnen und Litauern unabh√§ngig vom Verm√∂gen das aktive und passive Wahlrecht f√ľr die Parlamentswahlen zu. Am 20. November 1919 wurde das Wahlgesetz vom konstituierenden Parlament verabschiedet. Damit konnten litauische Frauen ab 1919 unter denselben Bedingungen wie M√§nner w√§hlen und gew√§hlt werden. In der ersten konstituierenden Parlamentswahl von 1920 wurde dieses Recht dann erstmals angewendet. Auch unter sowjetischer Verwaltung blieb das aktive und passive Frauenwahlrecht gesetzlich gesch√ľtzt. Das Rechte wurde bei der Unabh√§ngigkeitserkl√§rung Litauens implizit best√§tigt und durch die Verfassung explizit institutionalisiert.

F√ľr internationales Aufsehen sorgte das Land 2009, als ein ‚ÄěMoralgesetz‚Äú verabschiedet wurde, das die Diskriminierung von Homosexualit√§t f√∂rdere. Zwar lehnte auch das damalige Staatsoberhaupt Dalia Grybauskaitńó das Gesetz ab, jedoch sah sie sich verfassungsrechtlich gezwungen, es zu unterschreiben.

Parteienlandschaft

Die litauische Parteienlandschaft ist zersplittert. Den kleineren Parteien kommt durch die häufigen Regierungskrisen und wechselnde Mehrheiten im Parlament ein nicht unerheblicher Einfluss bei der parlamentarischen Willensbildung zu

Au√üer den Konservativen (Tńóvynńós SńÖjunga) und Sozialdemokraten (Lietuvos socialdemokratŇ≥ partija) haben die meisten Parteien keine ausgepr√§gte Parteienhierarchie. Sie sind in der Festlegung ihrer praktischen Positionen mehr von ihren politischen F√ľhrungskr√§ften und deren pers√∂nlichen Interessen abh√§ngig, als von Parteiprogrammen oder festen ideologischen Ansichten.

Mehrere Parteien wurden zu dem Zweck gegr√ľndet, Einzelpersonen eine Parteiplattform zu bieten: etwa 1998 die Neue Union f√ľr ArtŇęras Paulauskas, 2002 die Ordnung und Gerechtigkeit (Liberaldemokraten) f√ľr Rolandas Paksas, 2003 die Arbeitspartei f√ľr Viktoras Uspaskichas oder 2006 die Liberale Bewegung f√ľr Petras AuŇ°trevińćius. Die genannten Parteif√ľhrer konnten sich zuvor in ihrer Stammpartei nicht durchsetzen und gr√ľndeten kurzerhand eine neue Partei, um ihren Interessen mehr Gewicht zu verleihen. Auch die j√ľngste erfolgreiche Parteigr√ľndung der Volksauferstehungspartei (seit April 2008) ist mehr von ihrem popul√§ren Vorsitzenden ArŇęnas Valinskas bestimmt, denn von ihren programmatischen Aussagen.

Fast alle Parteien verfolgen ein marktwirtschaftliches Konzept, am offensten die Liberalen der Liberalen und Zentrumsunion und der Liberalen Bewegung sowie die Konservativen ‚Äď mit Einschr√§nkungen auch die Sozialdemokraten, die Arbeitspartei und die Liberaldemokraten. Die Konservativen und die Liberalen finden ihre W√§hlerschaft eher unter den Gebildeten und ‚ÄěGewinnern‚Äú der letzten zehn Jahre, w√§hrend Sozialdemokraten, Arbeitspartei und Liberaldemokraten mit populistischen Versprechungen bei der einfachen Bev√∂lkerung, die in den letzten Jahren wenig vom Wirtschaftsaufschwung profitiert hat, um Unterst√ľtzung werben. Geografisch gesehen sind die liberalen Parteien fast ausschlie√ülich in den St√§dten vertreten, w√§hrend sich die Bauernpartei und die Christdemokraten auf die l√§ndliche Bev√∂lkerung st√ľtzen.

Nach der Aff√§re um den ehemaligen Pr√§sidenten Rolandas Paksas ist ein Teil seiner W√§hlerschaft zur neu gegr√ľndeten Arbeitspartei √ľbergelaufen. Paksas hatte viele der weniger wohlhabenden W√§hler f√ľr sich eingenommen, indem er versprach, ihre Interessen, die Interessen der runkeliai (‚ÄěR√ľben‚Äú) gegen die machtpolitischen Eliten des Landes zu verteidigen. Mit dem Niedergang der Arbeitspartei haben die Liberaldemokraten ihre Stellung festigen k√∂nnen. Sie sind neben Sozialdemokraten und Konservativen in Stadt und Land gleich stark vertreten.

Nach der Zersplitterung der Parteienlandschaft nach den Wahlen von 1996 war in den letzten Jahren eine gewisse periodische Konsolidierung jeweils vor den anstehenden Wahlen festzustellen, um in einer Koalition die Wahlaussichten zu verbessern, so etwa die Koalition von Liberaler Union, Zentrumsunion und Modernen Christdemokraten zur Liberalen und Zentrumsunion im Jahr 2003. Die Sozialdemokraten bildeten mit den Sozialliberalen 2004 angesichts verheerender Wahlprognosen ein Wahlb√ľndnis A.¬†Brazausko ir A.¬†Paulausko koalicija ‚ÄěUŇĺ darbńÖ Lietuvai‚Äú (A.¬†Brazauskas‚Äô und A.¬†Paulauskas‚Äô Koalition ‚ÄěArbeit f√ľr Litauen‚Äú), hier allerdings nur f√ľr die Wahl auf Basis zweier eigenst√§ndiger Parteien. Zuletzt erfolgte der Zusammenschluss der Christdemokraten mit dem Vaterlandsbund.

Lobbyismus

Interessenverbände spielen im politischen System keine so wichtige Rolle wie in anderen Ländern. Die Gewerkschaften haben sehr geringe Bedeutung im politischen und sozialen Leben. Die Abgrenzung der Parteien untereinander ist gering und kaum durch ideologische Barrieren behindert. Hingegen spielt die persönliche Bekanntschaft eine große Rolle und wird daher auf den verschiedenen Ebenen der politischen Entscheidungsfindung geltend gemacht.

Außenpolitik

Litauen ist Mitglied vieler internationaler Organisationen. Die wichtigsten Leitlinien litauischer Au√üenpolitik sind die Westbindung, die transatlantische und europ√§ische Integration, regionale Stabilit√§t in Europa. Zentraler Aspekt f√ľr die Sicherheitspolitik und Ausdruck der Westbindung ist dabei die Mitgliedschaft in der NATO, der Litauen am 29.¬†M√§rz 2004 beitrat.

W√§hrend des Konfliktes um die Pr√§sidentschaftswahlen in der Ukraine im November/Dezember 2004 engagierte sich der litauische Pr√§sident Valdas Adamkus gemeinsam mit dem polnischen Pr√§sidenten Aleksander KwaŇõniewski als Vermittler zwischen den Konfliktparteien. Die Medien beider L√§nder unterst√ľtzten Wiktor Juschtschenko.

Seit dem 1. Mai 2004 ist Litauen Mitglied der EU. Die bereits f√ľr den 1. Januar 2007 geplante Einf√ľhrung des Euro wurde verschoben. Sie erfolgte am 1.¬†Januar 2015.

Mit der Erweiterung des Schengen-Raums 2007 trat auch Litauen diesem bei. Die Grenzkontrollen an der Grenze zu EU-Staaten, d. h. Lettland und Polen, wurden am 21. Dezember 2007 abgeschafft.

Das Verh√§ltnis zwischen Litauen und Russland ist angespannt. Unter anderem verbot die russische Regierung 2013 den Import von Milchprodukten aus Litauen. Die litauische Regierung nahm im Gegenzug einen russischen Fernsehsender aus dem Programm, auf Beginn des Jahres 2018 waren im November 2017 Einreisesperren f√ľr 49 russische Funktion√§re wegen mutma√ülicher Menschenrechtsverst√∂√üe, Geldw√§sche und Korruption ausgesprochen worden.

Am 5. Juli 2018 erfolgte der Beitritt zur OECD.

Europapolitik

Litauen ist seit dem 1. Mai 2004 Mitgliedstaat der Europäischen Union

Die Beitrittsverhandlungen zwischen Litauen und der EU erreichten 2001 wichtige Fortschritte, die haupts√§chlich unter der damaligen schwedischen EU-Ratspr√§sidentschaft erzielt wurden. Litauen hatte sich in einem Volksentscheid im Mai 2003 mit √ľber 90¬†% Zustimmung f√ľr die Mitgliedschaft (ab Mai 2004) in der Europ√§ischen Union entschieden. Erstmals seit dem Start der W√§hrungsunion verweigerte die Europ√§ische Kommission im Jahr 2006 einem Mitgliedsland die Euro-Einf√ľhrung. Litauen durfte wegen √ľberh√∂hter Inflation des Litas nicht der Euro-Zone beitreten. Erst seit Januar 2015 ist das Land Teil des Euro-W√§hrungsgebietes, damit ist der Euro die staatliche W√§hrung in Litauen.

In der zweiten Jahresh√§lfte 2013 (Juli bis Dezember 2013) √ľbernahm Litauen die EU-Ratspr√§sidentschaft und folgte damit Irland (Januar bis Juni 2013). Abgel√∂st wurde Litauen durch Griechenland (Januar bis Juni 2014).

Gesundheit

Militär

Im Zuge der NATO-Osterweiterung wurden 1999 Polen, Tschechien und Ungarn Mitglieder der NATO. Danach erfolgte die Einladung der Länder Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, der Slowakei und Slowenien, die am 29. März 2004 der NATO beitraten.

Mangels eigener moderner Jagdflugzeuge ist st√§ndig eine Staffel von Jagdfliegern der NATO-Verb√ľndeten auf dem Flugplatz Zokniai bei ҆iauliai stationiert.

Litauische Truppen nehmen an internationalen Friedensaktionen im Kosovo und Afghanistan teil. Als George W. Bush Anfang 2003 bei verb√ľndeten bzw. befreundeten Staaten um Unterst√ľtzung im Irakkrieg (Dritter Golfkrieg) warb, erkl√§rten sich einige osteurop√§ische Staaten (darunter Litauen) zur Hilfe bereit. Litauen war von Beginn an ein Land der Koalition der Willigen; es stellte Unterst√ľtzungstruppen (Sanit√§tspersonal, Logistik) f√ľr den Einsatz im Irak. Im Juni 2006 waren 150¬†Litauer im Irak.

Bei der Suche von Seeminen (Ostsee) arbeiten die Streitkräfte Litauens eng mit Belgien, Estland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Lettland, den Niederlanden, Norwegen und Schweden zusammen.

Nach der als immer gr√∂√üer empfundenen Bedrohung durch den Nachbarn Russland im Zuge der Annexion der Krim und des Ukrainekrieges f√ľhrte das litauische Parlament 2015 wieder eine allgemeine Wehrpflicht ein. Nach Analysen zum russischen Vorgehen in der Ukraine wurden Fernsehberichte und Kampagnen in den sozialen Medien, die die Idee einer historischen Zugeh√∂rigkeit von Teilen Litauens zu Russland und Informationen √ľber die angebliche Unterdr√ľckung ethnischer Russen im heutigen Litauen verbreiten, als Versuch der Regierung der Russischen F√∂deration interpretiert, die russische √Ėffentlichkeit auf eine Auseinandersetzung vorzubereiten. Die Anwesenheit einer Kampfgruppe von etwa 1000 Soldaten aus anderen europ√§ischen Staaten in Litauen sei deshalb als Mittel zur Abschreckung nach Einsch√§tzung des litauischen Verteidigungsministers vom M√§rz 2017 notwendig. Die Milit√§rausgaben wurden zudem deutlich erh√∂ht. Litauen gab 2017 knapp 1,7¬†% seiner Wirtschaftsleistung oder 0,8¬†Mrd. Dollar f√ľr seine Streitkr√§fte aus.

Verwaltungsgliederung

Seit der Verwaltungsreform der 1990er-Jahre gibt es in Litauen nur eine Ebene von Gebietsk√∂rperschaften mit gew√§hlten Ratsversammlungen und gew√§hlten B√ľrgermeistern. Das sind die 60 Savivaldybńós (Selbstverwaltungen). In Zuschnitt und Funktion liegen sie zwischen deutschen Gemeinden und deutschen Kreisen. Man unterscheidet:

  • 7 Stadtgemeinden
  • 2 selbstverwaltete Kurorte
  • 43 Rajongemeinden (aus fr√ľheren Kreisen/Rajonen hervorgegangen)
  • 8 genuine Gemeinden

Unterhalb der Selbstverwaltungen gibt es noch die √ľber 600 Gemeindebezirke, mit administrativen Aufgaben aber ohne Selbstverwaltungsorgane. Die meisten St√§dte und D√∂rfer sind keine Gebietsk√∂rperschaften, sondern nur statistische Einheiten.

√úber den Selbstverwaltungen gibt es noch eine Verwaltungsebene. Die zehn Verwaltungsbezirke (lit. apskritis, pl. apskritys):

  1. Bezirk Alytus (Alytus)
  2. Bezirk Kaunas (Kaunas)
  3. Bezirk Klaipńóda (Klaipńóda)
  4. Bezirk Marijampolńó (Marijampolńó)
  5. Bezirk PanevńóŇĺys (PanevńóŇĺys)
  6. Bezirk ҆iauliai (҆iauliai)
  7. Bezirk Tauragńó (Tauragńó)
  8. Bezirk TelŇ°iai (TelŇ°iai)
  9. Bezirk Utena (Utena)
  10. Bezirk Vilnius (Vilnius)

Bis zum 1. Juli 2010 waren die Bezirke mit von der Regierung eingesetzten Präfekten ohne gewählte Organe, aber mit den Verwaltungen (Beamten) ausgestattet.

Regionen

Traditionell wird Litauen in vier historische Regionen eingeteilt: Das sind: AukŇ°taitija (Oberlitauen) im Nordosten bis hinunter zur Hauptstadt Vilnius, die gr√∂√üte der vier Regionen, ŇĹemaitija (Niederlitauen), die traditionell wohlhabende Suvalkija oder auch SŇęduva im S√ľdwesten und die traditionell eher arme DzŇękija im S√ľden. Eine f√ľnfte Region, die in Litauen meistens als Teil von Niederlitauen angesehen wird, bildet Kleinlitauen (MaŇĺoji Lietuva), das den √§u√üersten westlichen Streifen Litauens bildet, bis 1918 als Teil Ostpreu√üens zum Deutschen Reich geh√∂rte und danach Memelland genannt wurde. Es ist allerdings nur ein Teil des historischen Kleinlitauens.

Wirtschaft

Allgemeines

Mit dem √úbergang von der Plan- zur Marktwirtschaft war ein struktureller Wandel verbunden. Dieser hat sich seit dem Beitritt des Landes zur EU im Jahr 2004 versch√§rft. Die litauische Wirtschaft befindet sich seit einigen Jahren nunmehr auf Wachstumskurs (etwa 3¬†% j√§hrlich). Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2015 bei 37,2¬†Mrd. Euro, das BIP pro Kopf bei 13.282 Euro, Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Litauen Platz¬†41 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegte Litauen 2017 Platz¬†16 von 180 L√§ndern.

Wichtigste Exportartikel Litauens sind Maschinen, Elektroartikel, Textilien und Lebensmittel.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar angeben.

Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenrate betr√§gt im Juni 2018 6,8¬†% und liegt damit minimal unter dem EU-Durchschnitt. Im Jahr 2017 betrug die Jugendarbeitslosigkeit 13,5¬†%. 2015 arbeiteten 9,1¬†% aller Arbeitskr√§fte in der Landwirtschaft, 25,2¬†% in der Industrie und 65,8¬†% im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der Besch√§ftigten wird f√ľr 2017 auf 1,47¬†Millionen gesch√§tzt; davon sind 50,6¬†% Frauen.

Tourismus

Das Land hatte 2011 1,79 Millionen ausländische Touristen; die größte Gruppe nach Herkunftsstaat bildeten Russen.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 15,1¬†Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 14,6¬†Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 1,0¬†% des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug 2016 40,0 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 6,2¬†%
  • Bildung: 5,0¬†% (2005)
  • Milit√§r: 1,7¬†% (2007)

Infrastruktur

Energie

In Litauen wurden in den 1990er- und 2000er-Jahren zum Teil mehr als 75¬†Prozent der n√∂tigen Elektrizit√§t durch das Kernkraftwerk Ignalina (Bautyp: RBMK wie auch in Tschornobyl) bereitgestellt. In dieser Zeit hatte Litauen neben Frankreich den h√∂chsten Prozentsatz an Atomstrom in der Welt. Nachdem der erste Reaktor zu Jahresbeginn 2005 abgeschaltet worden war, ging der zweite (und letzte) Reaktor wegen der Verpflichtungen aus dem EU-Beitrittsabkommen zum 31.¬†Dezember 2009 vom Netz. Ein von der litauischen Regierung bei den Parlamentswahlen 2008 zur Abstimmung gestelltes Referendum √ľber die Verl√§ngerung der Laufzeit des AKW Ignalina wurde zwar von √ľber 90¬†% der Abstimmenden bejaht, scheiterte jedoch an der zu geringen Wahlbeteiligung (48,4¬†%). In jedem Fall h√§tte die EU-Kommission einer Ab√§nderung des Beitrittsvertrags wohl nicht zugestimmt.

Das Gas- und Schwer√∂lkraftwerk von Lietuvos energija in Elektrńónai, das zurzeit nur Spitzenlast abdeckt, wird in der Lage sein, die litauische Eigenversorgung an Strom bis 2015 zu gew√§hrleisten. Allerdings bedingt das eine hohe Abh√§ngigkeit von Lieferungen fossiler Brennstoffe (Gas, Schwer√∂l) aus Russland. Um diese Abh√§ngigkeit auf absehbare Zeit wieder zu reduzieren, ist der Bau des Kernkraftwerks Visaginas geplant. Im Referendum √ľber einen Wiedereinstieg Litauens in die Kernenergienutzung am 14.¬†Oktober 2012 sprachen sich 64,8¬†% der W√§hler gegen das Kraftwerk aus.

Erneuerbare Energien werden in den letzten Jahren vermehrt eingesetzt, insbesondere Energieerzeugung aus Biomasse. Daf√ľr sorgen insbesondere EU-F√∂rdermittel sowie Nichtregierungsorganisationen und Verb√§nde von Energieerzeugern. In Litauen waren im Jahr 2009 68¬†Windkraftanlagen in Betrieb, mit einer installierten Leistung von 91,2¬†MWe und einer j√§hrlichen Auslastung von 21,89¬†%. Eine staatliche F√∂rderung existiert nicht.

Telekommunikation

Litauen hat das in der EU und Europa am besten ausgebaute Glasfasernetz. Nach einer vom FTTH Council Europe 2013 ver√∂ffentlichten j√§hrlichen Studie sind im Land circa 32¬†% der Haushalte mit FTTH versorgt. Davon haben etwa 31¬†% einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Damit ist Litauen im europ√§ischen Vergleich prozentual f√ľhrend. Schweden hat mit knapp 23¬†% die n√§chst h√∂chste FTTH-Durchdringung in Europa.

Der Anschluss an das Festnetz ist vom Anschlussinhaber zu finanzieren, so dass speziell in l√§ndlichen Gebieten Festnetzanschl√ľsse meist nur dort vorhanden sind, wo sie bereits unter sowjetischer Besetzung gebaut wurden. Das litauische Mobilfunknetz (Telefon und Internet) ist deshalb sehr gut ausgebaut, selbst in l√§ndlichen Gegenden und im Wald gibt es selten Funkl√∂cher. 2016 nutzten 77,2¬†% der Bev√∂lkerung das Internet.

Verkehr

Litauen verf√ľgt √ľber eine gro√üe Bedeutung als Transitland zwischen Mitteleuropa und Nordeuropa, zwischen der Oblast Kaliningrad und dem russischen Kernland sowie zwischen Wei√ürussland und Skandinavien. Litauen besitzt au√üerdem eine wichtige Funktion als Erd√∂l-Transitland.

Die Hauptstadt Vilnius befindet sich aufgrund ihrer N√§he zur stark abgeriegelten EU-Au√üengrenze nach Wei√ürussland in einer Art ‚Äětotem Winkel‚Äú. Daher hat die zweitgr√∂√üte Stadt Kaunas in verkehrsplanerischer Hinsicht eine gr√∂√üere Bedeutung f√ľr Litauen als Vilnius.

Mit durchschnittlich 219 Verkehrstoten pro Million Einwohner im Jahr ist der Verkehr in Litauen der gefährlichste in der gesamten EU.

Straßen

Das gesamte Stra√üennetz umfasste 2012 etwa 84.166¬†km, wovon 72.297¬†km asphaltiert sind. Litauens Stra√üennetz befindet sich noch im Ausbau. Die wichtigsten Verbindungen sind die Autobahnen Vilnius‚ÄďKaunas‚ÄďKlaipńóda (dt. Memel) und Vilnius‚ÄďPanevńóŇĺys sowie die Fernstra√üe E¬†67 ‚ÄěVia Baltica‚Äú von Warschau √ľber Kaunas und Riga nach Tallinn bzw. Helsinki, die langfristig zur Vollautobahn ausgebaut werden soll. Im Bau sind zudem Autobahnen rund um ҆iauliai und in der Region TelŇ°iai.

Schifffahrt

In Klaipńóda befindet sich ein wichtiger Seehafen mit F√§hrverbindungen in den gesamten Ostseeraum (u.¬†a. nach Kiel) und zunehmender Bedeutung f√ľr den Frachtverkehr. Daneben sind die Memel und die Neris f√ľr die Binnenschifffahrt befahrbar.

Fluglinien

Litauen hat vier internationale Flugh√§fen: Vilnius, Kaunas (in Karmńólava); selten bzw. nur saisonal angeflogen werden Palanga und ҆iauliai. Es bestehen Verbindungen in zahlreiche L√§nder Europas. Der Einzugsbereich des Flughafens Riga in Lettland erstreckt sich bis nach Litauen.

Auch Billigfl√ľge mit Air Baltic, Ryanair und Wizz Air werden aus deutschen St√§dten wie Frankfurt am Main, Hahn, Berlin, Bremen, Hamburg, Hannover, M√ľnchen, D√ľsseldorf, Dortmund und Karlsruhe angeboten.

Eisenbahn

Die schnellen Direktzugverkehre zwischen Vilnius und Warschau f√ľhrten bis 1990 √ľber bis dahin zur Sowjetunion geh√∂rendes wei√ürussisches Gebiet. Zur Vermeidung der daraus resultierenden Grenzformalit√§ten wird √ľber ҆eŇ°tokai¬†(LT) und SuwaŇāki¬†(PL) mit dem wiederer√∂ffneten Eisenbahn-Grenz√ľbergang Mockava eine alternative Nebenstrecke betrieben. Seit Juni 2016 gibt es am Wochenende direkte Zugverbindungen von Polen nach Litauen (BiaŇāystok ‚Äď Kaunas); das Umsteigen in ҆eŇ°tokai entf√§llt, da die Strecke auf Normalspur umgestellt ist.

Der direkte Nachtverkehr wurde bis 2011 √ľber eine IC-Busverbindung bedient, deren Betreiber die polnische Staatsbahn PKP war. Diese Busverbindung ersetzte den bis 2004 zwischen Vilnius und Warschau verkehrenden direkten Nachtzug.

Litauens Eisenbahn verkehrt (wie in der gesamten ehemaligen Sowjetunion und in Finnland) auf einer Spurweite von 1520¬†mm (Mitteleuropa: 1435¬†mm), weswegen die Z√ľge von Polen ins Baltikum umgespurt werden m√ľssen. Hierzu werden teilweise moderne Umspursysteme wie das polnische SUW-2000-System verwendet.

Busse

F√ľr die nationale und internationale Personenbef√∂rderung spielt auch der Omnibusverkehr (z.¬†B. die Fernbuslinien von Eurolines, Ecolines oder Lux-Express) eine wichtige Rolle.

Kultur

Litauen wird von vielen verschiedenen kulturellen Einfl√ľssen gepr√§gt. Da ist zum einen die lange Selbstst√§ndigkeit und Aufrechterhaltung einer nichtchristlichen Staatsreligion, die lange gemeinsame Geschichte mit Polen, Beziehungen zur Hanse und im Ostseeraum, Zugeh√∂rigkeit zum russischen Zarenreich. Hierher stammen die in den Gro√üst√§dten nicht zu √ľbersehenden orthodoxen Kirchen. Im Westen des Landes ist hanseatisch-nordeurop√§ische Tradition mit starken deutschen, d√§nischen und schwedischen Einfl√ľssen sichtbar, z.¬†B. (Backsteingotik, Fachwerkh√§user). Im Osten, besonders in Vilnius, sind vielfach polnische Kulturelemente pr√§sent.

Die barocke Altstadt von Vilnius ist ein UNESCO-Weltkulturerbe, ebenso wie die D√ľnen auf der Halbinsel Kurische Nehrung (Neringa) und die arch√§ologische St√§tte Kernavńó.

Musik

Literatur

Film

Erste litauische Filme wurden bereits 1909 von nach Amerika ausgewanderten Litauern realisiert. Anfang der 1940er-Jahre wurde das Lietuvos kino studija gegr√ľndet, das zur Zeit der Sowjetunion unter staatlicher Kontrolle war und zur alleinigen Zentrale f√ľr die litauische Filmindustrie wurde. J√§hrlich produzierte man etwa drei bis vier Spielfilme und drei√üig bis vierzig Dokumentarfilme.

Nach der Unabh√§ngigkeit 1990 ging die Zahl der litauischen Filme stark zur√ľck und private Unternehmen √ľbernahmen die Filmindustrie. Filmemacher wie ArŇęnas Matelis und ҆arŇęnas Bartas erhalten Aufmerksamkeit auf internationalen Filmfestivals und Algimantas Puipa ist vor allem in Litauen kommerziell erfolgreich.

Museen und Galerien

Es gibt zahlreiche Museen und Galerien in Litauen. Nicht nur in den gr√∂√üeren St√§dten, sondern teilweise auch in abgelegenen Geh√∂ften, in denen ber√ľhmte Pers√∂nlichkeiten Litauens gelebt haben.

  • Nationalmuseum
    • Das Nationalmuseum befindet sich in Vilnius neben der Kathedrale. Weitere Filialen sind √ľber die Stadt verteilt. Die Ausstellung ist reich an arch√§ologischen und ethnographischen Exponaten.
  • Teufelsmuseum in Kaunas
    • In der litauischen Mythologie und als Symbol im Alltagsleben spielt der Teufel eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zur mitteleurop√§ischen Vorstellungen gilt er nicht als die Verk√∂rperung des absolut B√∂sen, sondern mehr als eine Art Trickster, der den Menschen auch hilft. Deshalb finden sich in der √Ėffentlichkeit verh√§ltnism√§√üig viele Teufels-Statuen und -Abbildungen.
  • Das Bernsteinmuseum im Kurort Palanga an der Ostsee, im Schloss von Grafen TiŇ°kevińćius bietet unikale Kollektionen von Bernstein. Es gibt auch ein kleineres Bernsteinmuseum in Nida.
  • KGB Museum

Im Herzen von Vilnius befindet sich das ehemalige Gefängnis des KGB, das als Museum dient. Verschiedene Zellen und Erschießungskammern stehen zur Besichtigung.

Symbole und Heilige

  • Das Staatswappen zeigt einen gegen Westen reitenden Reiter (lit. vytis, zu vyti; dt. ‚Äějagen, verfolgen‚Äú). Das litauische Wappen ist seit 1366 belegt.
  • Der Patron Litauens ist der Heilige Kasimir. Die Kasimirsmesse findet jedes Jahr am Wochenende vor dem 3. M√§rz in der Altstadt von Vilnius statt. Es werden Erzeugnisse des traditionellen und Kunsthandwerks angeboten und alte K√ľnste und Gewerbe gezeigt.
  • H√§ufig anzutreffen ist eine Skulptur des Schmerzensmannes, (lit. RŇępintojńólis; dt. ‚Äěder sich k√ľmmernde‚Äú) genannt. Diese zeigt Jesus Christus in sitzender Haltung, das Kinn auf die Hand gest√ľtzt in sinnierender Haltung. Sie ist nichtkanonisch, weshalb eine Herkunft aus der vorchristlichen Religion erwogen wird. Als Souvenirs kann man kleine Skulpturen in vielen litauischen Galerien kaufen.
  • Bernstein ist ebenfalls ein typisches, h√§ufig angebotenes Souvenir des Baltikumreisenden, auch wenn die meisten Steine aus der Oblast Kaliningrad stammen.
  • Der Berg der Kreuze (lit. KryŇĺiŇ≥ Kalnas) befindet sich bei der Stadt ҆iauliai (dt. Schaulen). Er symbolisiert auch den Kampf gegen Sowjetmacht und Okkupation.
  • Die Weinraute, obwohl nicht in Litauen heimisch, gilt als Nationalblume. Sie war (und ist) insbesondere im Hochzeitsbrauch unabdingbar. Jetzt ist sie mithin noch in d√∂rflichen G√§rten und auf Friedh√∂fen anzutreffen.

Gesellschaft

Seit der Unabh√§ngigkeit Litauens im Jahr 1991, die von breiten Bev√∂lkerungsschichten unterst√ľtzt wurde, ist die Zustimmung zur Demokratie hoch. Dementsprechend haben sich relativ gefestigte Institutionen entwickelt. Auch bildeten sich in Litauen zunehmend gesellschaftlich verankerte Interessengruppen heraus, die Rolle der Gewerkschaften ist allerdings eher unbedeutend. Generell herrscht eher Skepsis gegen√ľber staatlichen Einrichtungen und den Entscheidungen des Parlaments.

Der Einfluss der Kirche in Litauen nahm seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 stark zu. Homosexualität wurde 1993 zwar legalisiert, sie ist aber nach wie vor weithin ein Tabu.

Medien

Bei der Rangliste der Pressefreiheit 2017, welche von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Litauen Platz 36 von 180 Ländern. Die Medien des Landes sind weitestgehend frei und unabhängig.

In Litauen erscheinen einige national verbreitete Tageszeitungen, darunter die Lietuvos Rytas und die deutschsprachige Baltische Rundschau.

Sport

Basketball ist der Nationalsport in Litauen. Die Litauische Basketballmannschaft z√§hlt zu den besten Mannschaften Europas und konnte dreimal die Europameisterschaft gewinnen. Bereits 1937 und 1939 konnte Litauen die Europameisterschaften in dieser Sportart gewinnen. Diese Tradition fand ihre Fortsetzung in der sowjetischen Zeit als litauische Spieler immer wieder Teil der sowjetischen Auswahlteams waren. Bekannte Namen sind Kazys Petkevińćius, Modestas Paulauskas, Sergejus JovaiŇ°a, Arvydas Sabonis, Rimas Kurtinaitis und ҆arŇęnas Marńćiulionis. Marńćiulionis geh√∂rt zusammen mit Sabonis zur Goldenen Generation litauischer Basketballspieler, die ab Anfang der 1980er-Jahre zun√§chst f√ľr die Sowjetunion und ab 1991 f√ľr das wieder unabh√§ngige Litauen zahlreiche Erfolge einheimsten. Beide wurden in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame aufgenommen (Sabonis im August 2011, Marńćiulionis 2014).

Bei den ersten Olympischen Spielen nach der wiedererlangten Unabh√§ngigkeit konnte das litauische Basketballteam der Herren 1992 in Barcelona √ľberraschend Bronze gewinnen, ein Erfolg, der 1996 und 2000 wiederholt werden konnte. Nach Silber 1995 wurde die neue Generation um ҆arŇęnas Jasikevińćius und Arvydas Macijauskas 2003 Europameister.

Unter den Mannschaften im Basketball z√§hlen ‚ÄěŇĹalgiris Kaunas‚Äú und ‚ÄěLietuvos rytas Vilnius‚Äú seit langer Zeit zu den Top-Adressen in Europa.

Andere Mannschaftssportarten fristen demgegen√ľber ein Schattendasein. Das gr√∂√üte Fu√üballstadion des Landes in Kaunas fasst gerade einmal 20.000 Zuschauer.

Bei den olympischen Sportarten hat Litauen eine Tradition guter Werfer (Romas Ubartas und Virgilijus Alekna) sowie Radfahrer und Ruderer.

Der litauische Tennisspieler Rińćardas Berankis erreichte im Jahr 2007 Platz eins der Juniorenweltrangliste und schaffte es im November 2010, als erster Litauer in die Top 100 der Weltrangliste einzuziehen. Mit Laurynas Grigelis gibt es noch einen weiteren Tennisspieler aus Litauen, der aktuell in den Top 300 steht.

Im Sommer 2011 fand die Basketball-Europameisterschaft in Litauen statt.

Feiertage

Siehe auch

  • Gewerkschaften in Litauen
  • Liste der Universit√§ten in Litauen

Literatur

  • Jonas Balys: Lithuanian folk legends. Kaunaus 1940 (Publication of the Lithuanian Folklore Archives. Band¬†1).

Weblinks

  • L√§nderinformationen zu Litauen (Ausw√§rtiges Amt, Berlin)
  • Offizielle Website von Litauen (englisch)
  • alles-ueber-litauen.de ‚Äď gr√∂√üte nichtkommerzielle deutsche Website √ľber Litauen
  • www.annaberger-annalen.de ‚Äď umfangreiches Archiv mit Texten √ľber Litauen und die deutsch-litauischen Beziehungen
  • F. Tetzner √ľber das Litauische Sprachgebiet Ende des 19.¬†Jahrhunderts in der Zeitschrift Globus, Bd.¬†LXXI, Nr.¬†24, S.¬†381‚Äď384, 19. Juni 1879

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (0)

Abk Name O
LT.AS Alytaus  
LT.KS Kauno  
LT.KP Klaipedos  
LT.MA Marijampoles  
LT.PA Panevezio  
LT.TG Taurages  
LT.TL TelÅ¡iai  
LT.UN Utenos  
LT.VI Vilniaus  
LT.SH Å iauliai  
 

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Flagge: Lithuania

Name englisch: Lithuania
Hauptstadt: Vilnius
Kfz: LT
ISO: LT
ISO3: LTU
Fläche: 65200 km²
Tld: .lt
Wärung Einheit: LTL
Währung: Litas
Vorwahl: 370

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 56.4503175
südlichster Punkt: 53.8968787
westlichster Punkt: 20.9494113
östlichster Punkt: 26.8355913


 
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