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Staat Informationen : Polen

Informationen:


Polen (polnisch Polska [ňąp…Ēlska] , amtlich Republik Polen, polnisch Rzeczpospolita Polska, ) ist eine parlamentarische Republik in Mitteleuropa. Hauptstadt und zugleich gr√∂√üte Stadt des Landes ist Warschau (polnisch Warszawa), gr√∂√üter Ballungsraum die Metropolregion um Kattowitz (Katowice). Weitere St√§dte mit √ľber 400.000 Einwohnern sind Krakau (Krak√≥w), Lodz (ŇĀ√≥dŇļ), Breslau (WrocŇāaw), Posen (PoznaŇĄ), Danzig (GdaŇĄsk) und Stettin (Szczecin). Polen ist ein in 16 Woiwodschaften gegliederter Einheitsstaat. Mit einer Gr√∂√üe von 312.696¬†Quadratkilometern ist Polen das sechstgr√∂√üte Land der Europ√§ischen Union und mit 38,5 Millionen Einwohnern das f√ľnftbev√∂lkerungsreichste. Es herrscht vorwiegend das ozeanische Klima im Norden und Westen sowie das kontinentale Klima im S√ľden und Osten des Landes.

Im fr√ľhen Mittelalter siedelten sich im Zuge der V√∂lkerwanderung St√§mme der westlichen Polanen in Teilen des heutigen Staatsgebietes an. Eine erste urkundliche Erw√§hnung fand im Jahr 966 unter dem ersten historisch bezeugten polnischen Herzog Mieszko I. statt, welcher das Land dem Christentum √∂ffnete. 1025 wurde das K√∂nigreich Polen gegr√ľndet, bis es sich 1569 durch die Union von Lublin mit dem Gro√üherzogtum Litauen zur K√∂niglichen Republik Polen-Litauen vereinigte und zu einem der gr√∂√üten und einflussreichsten Staaten in Europa wurde. In dieser Zeit entstand 1791 die erste moderne Verfassung Europas.

Durch die drei Teilungen Polens Ende des 18. Jahrhunderts von den Nachbarstaaten seiner Souver√§nit√§t beraubt, erlangte Polen mit dem Vertrag von Versailles seine Unabh√§ngigkeit 1918 zur√ľck. Der Einmarsch des Deutschen Reiches und der Sowjetunion am Beginn des Zweiten Weltkrieges und deren Besatzungsherrschaft kostete Millionen polnischer B√ľrger, insbesondere polnische Juden, das Leben. Seit 1952 als Volksrepublik Polen unter sowjetischem Einfluss stehend, erlebte das Land 1989, insbesondere infolge des Einflusses der SolidarnoŇõńá-Bewegung, einen politischen und wirtschaftlichen Systemwechsel. Seit 2004 ist Polen Mitglied der Europ√§ischen Union und eine starke Wirtschaftskraft in Mitteleuropa.

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist Polen auf Platz 22 der gr√∂√üten Volkswirtschaften der Erde. Im Index der menschlichen Entwicklung erreicht Polen einen hohen Wert (2019: Rang 32 mit Indexwert 0,872). Zwischen west- und osteurop√§ischen Kulturr√§umen gelegen und durch eine wechselhafte Geschichte gepr√§gt, entwickelte das Land ein reiches kulturelles Erbe. Einige seiner B√ľrger lieferten wichtige Beitr√§ge in den Natur- und Sozialwissenschaften, der Mathematik, der Literatur, dem Film und der Musik. Polen ist Mitglied der Vereinten Nationen, der OSZE, der NATO, des Europarates und der Europ√§ischen Union.

Landesname

Der polnische Name der Republik Polen lautet ‚ÄěRzeczpospolita Polska‚Äú, wobei die Bezeichnung Rzeczpospolita explizit Bezug auf die polnische Adelsrepublik (bis 1795) nimmt und keine blo√üe √úbersetzung von Republik ist. Im Gegensatz zur deutschen √úbersetzung aus dem Lateinischen: Sache des Volkes oder √∂ffentliche Sache, bedeutet das polnische Rzeczpospolita wortw√∂rtlich √ľbersetzt: gemeinsame Sache oder Angelegenheit der Allgemeinheit. Der Begriff Rzeczpospolita ist allein der Republik Polen vorbehalten, andere Republiken werden im Polnischen schlicht als Republika bezeichnet.

Der Name Polen leitet sich ab vom westslawischen Stamm der Polanen (Polanie), die sich im 5.¬†Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen Woiwodschaft Gro√üpolen um Posen (PoznaŇĄ) und Gnesen (Gniezno), zwischen den Fl√ľssen Oder (Odra) und Weichsel (WisŇāa), niederlie√üen. Die Polanen, die erst um das Jahr 1000 so bezeichnet wurden, waren gr√∂√ütenteils Ackerbauern; ihr Name entwickelte sich aus dem Wort pole, auf Deutsch Feld.

In mehreren Sprachen geht der Name Polens nicht auf die Polanen, sondern direkt oder indirekt auf einen S√ľdostpolnischen Volksstamm im Gebiet der heutigen Woiwodschaft Karpatenvorland um PrzemyŇõl ‚Äď die Lendizen (Lńôdzianie) ‚Äď zur√ľck. Bei der Vermittlung in andere Sprachen mag der Name des legend√§ren polnischen Herrschers Lech, bekannt aus der Sage um Lech, ńĆech und Rus, eine Rolle gespielt haben. Der Name dieses legend√§ren Herrschers steht wiederum im Zusammenhang mit den Lendizen. So hei√üt Polen zum Beispiel im Lateinischen Lechia (davon abgeleitet die deutsche Form Lechland), im Persischen Lachistan, im Litauisch Lenkija und die Bezeichnung f√ľr die Polen im T√ľrkischen ist Lehce, im Russischen Lach und im Ungarischen Lengyel.

Geographie

Polens Staatsgebiet bedeckt eine Fl√§che von 312.679¬†km¬≤ und ist damit das neuntgr√∂√üte Land in Europa sowie das achte Land gemessen nach der Bev√∂lkerungszahl. Weltweit belegt es entsprechend die Pl√§tze 70 und 35. Zum Staatsgebiet Polens geh√∂rt auch im Festlandsockel das K√ľstenmeer sowie die Anschlusszone in der Ostsee.

Insgesamt hat Polen 3.583¬†Kilometer Staatsgrenze, 524¬†Kilometer davon in der Ostsee und auf 1.221¬†Kilometer verl√§uft die Grenze an Fl√ľssen. Insgesamt grenzt Polen an sieben Staaten und ist damit eines der L√§nder mit den meisten europ√§ischen Nachbarn. Im Norden grenzt es an

  • die Ostsee (440¬†km) und
  • Russland die russische Oblast Kaliningrad (Landgrenze 210¬†km und Seegrenze 22¬†km),

im Osten an

  • Litauen Litauen (104¬†km),
  • Weissrussland Wei√ürussland (418¬†km) und
  • Ukraine die Ukraine (535¬†km),

im S√ľden an

  • Slowakei die Slowakei (541¬†km) und
  • Tschechien Tschechien (796¬†km) und

im Westen an

  • Deutschland Deutschland (Landgrenze 467¬†km und Seegrenze 22¬†km).

N√∂rdlichster Punkt Polens ist das Kap Rozewie, s√ľdlichster der Gipfel des OpoŇāonek in den Bieszczady. Die Entfernung zwischen den beiden Punkten betr√§gt 649 Kilometer. Der westlichste Punkt ist die Stadt Cedynia, das √∂stliche Pendant ist das Knie des Bug in der Gemeinde HorodŇāo, 689 Kilometer entfernt. Im Winter ist der Tag im Norden Polens um mehr als eine Stunde k√ľrzer als im S√ľden, im Sommer ist entsprechend der Tag im S√ľden k√ľrzer als im Norden. Am Tag der Tagundnachtgleiche geht die Sonne in Ostpolen um ca. 40 Minuten fr√ľher auf und unter als im Westen. Polen liegt in der Mitteleurop√§ischen Zeitzone, deren Mitte der Meridian 15¬į, der durch die westlichen Woiwodschaften Polens verl√§uft. Der Gradnetzmittelpunkt liegt bei Ozork√≥w, der Schwerpunkt weicht geringf√ľgig davon ab. Der geographische Mittelpunkt wird mit PińÖtek in der Woiwodschaft ŇĀ√≥dŇļ angegeben.

Relief

Das Gebiet Polens kann in sechs geographische R√§ume eingeteilt werden. Von Nord nach S√ľd sind dies: die K√ľstengebiete, die R√ľckenlandschaften, das Tiefland, die Hochl√§nder, die Vorgebirge und die Gebirge. Die √úberg√§nge zwischen den einzelnen Gebieten sind dabei flie√üend und werden in der Literatur leicht abweichend abgegrenzt.

Die K√ľste verl√§uft im Norden Polens an der Ostsee. Die K√ľstenniederungen sind schmal und um das Stettiner und das Frische Haff zungenf√∂rmig ausgeweitet. Die Landschaften bestehen aus flachen, breiten T√§lern und ausgedehnten Grundmor√§nenplatten. Vor allem sandige, lehmhaltige und Moorb√∂den dominieren die Bodenarten.

Die R√ľckenlandschaft ist w√§hrend der Eiszeiten entstanden, was sich durch die Gestaltung durch End- und Grundmor√§nen zeigt. Davon setzt sich deutlich die Sanderfl√§che im s√ľd√∂stlichen Teil ab. Hier befinden sich die gro√üen polnischen Seenplatten, die in der letzten Eiszeit gestaltet wurden.

Zu den zusammenh√§ngenden Tieflandgebieten z√§hlen die Schlesische Tiefebene, die Nord- und Mittelmasowische Tiefebene sowie das Tiefland S√ľdpodlachiens. Sie sind Teil der Mitteleurop√§ischen Tiefebene. Durch diese verlaufen die Urstromt√§ler der Weichsel, Warthe und Oder.

Die polnischen Hochl√§nder k√∂nnen in drei Hauptteile unterschieden werden, das Schlesisch-Krakauer im S√ľden, das sich √∂stlich daran anschlie√üende Kleinpolnische und das Lubliner Hochland im S√ľdosten. Das Roztocze wird teilweise zu letzterem gerechnet und teilweise als eigenst√§ndiges Hochland angesehen.

Zu den Vorgebirgslandschaften zählen das Schlesische Tiefland und die Beckenlandschaft der Vorkarpaten. Unterschieden wird hier das Ostrauer Becken, das Auschwitzer Becken, das Krakauer Tor und das Sandomirer Becken. Hierbei handelt es sich um nährstoffreiche Lößböden, die zu den besten Ackerflächen in Polen gehören.

Im S√ľden Polens befinden sich die polnischen Mittelgebirge, der Krakau-Tschenstochauer Jura im s√ľdlichen Zentralpolen, das Heiligkreuzgebirge √∂stlich hiervon, die Beskiden und Pieninen im S√ľden, die Waldkarpaten und Bieszczady im S√ľdosten und die Sudeten mit dem Isergebirge, Riesengebirge und dem Glatzer Hochland im S√ľdwesten. Zwischen Sudeten und Karpaten liegt die M√§hrische Pforte.

Das einzige Gebirge mit Hochgebirgscharakter und gleichzeitig die h√∂chste Erhebung des Landes ist die Tatra mit der Hohen Tatra und der Westtatra. Die Tatra ist ein geologisch sehr vielseitiges Hochgebirge. Alle der √ľber 70 polnischen Zweitausender befinden sich hier.

Geologie

Der tiefere Untergrund Polens wird von einem Mosaik verschiedener Krustensegmente unterschiedlicher Herkunft und Zusammensetzung aufgebaut. Zwar treten die √§lteren Bestandteile nur in den s√ľdlichen Randbereichen des Landes auf, weil gro√üe Fl√§chen in Nord- und Zentralpolen von jungen Sedimenten bedeckt sind, durch Tiefbohrungen ist aber auch in diesen Bereichen der Aufbau des Untergrundes bekannt.

Grundgebirge

Nord√∂stlich einer Linie, die durch die Orte Ustka an der Ostsee und Lublin markiert wird, stehen im Untergrund Gesteine an, welche die s√ľdwestliche Fortsetzung des Kontinents Baltica bilden. Es sind hochmetamorphe Gneise und Granulite, die w√§hrend der Svekofennidischen Orogenese vor 1,8 Milliarden Jahren letztmals deformiert wurden. Diese Gesteine wurden vor 1,5 Milliarden Jahren von Anorthositen und Rapakivi-Graniten intrudiert und unterlagen in der Folgezeit einer langsamen Abtragung. Ab dem Kambrium war dieser alte Kraton, der Baltische Schild, von einem Flachmeer bedeckt, dessen geringm√§chtige Ablagerungen sich bis ins Silur nachweisen lassen.

S√ľdwestlich an den Baltischen Schild schlie√üt sich die 100 bis 200¬†km breite Zone der Kaledoniden an. Die Grenzzone zwischen den Kaledoniden und dem Baltischen Schild, die Tornquistzone, l√§sst sich von D√§nemark bis in die Dobrudscha verfolgen. Die Gesteine des kaledonischen Gebirgszuges entstanden am Nordrand Gondwanas und wurden von diesem am Ende des Kambriums als langgestreckter, schmaler Mikrokontinent mit dem Namen Avalonia abgespalten. Der als Tornquist-Ozean bezeichnete Meeresraum zwischen Avalonia und Baltica wurde bis zum Oberordovizium subduziert, wodurch es zur Kollision und Gebirgsbildung kam. Im n√∂rdlichen Heiligkreuzgebirge (Lysagoriden) findet man kaledonisch deformierte Schelfsedimente des Baltischen Schildes, wohingegen der s√ľdliche Teil (Kielciden) pr√§kambrische Gesteine enth√§lt, die urspr√ľnglich Teile Gondwanas waren. Auch das MaŇāopolska-Massiv im S√ľdwesten des Heiligkreuzgebirges ist gondwanidischen Ursprungs, allerdings driftete es unabh√§ngig von Avalonia nach Norden und gelangte erst im Rahmen von Seitenverschiebungen bei der j√ľngeren, variszischen Orogenese in seine heutige Position.

Die dritte gro√üe Baueinheit wird von den variszisch deformierten Sudeten gebildet. Im fr√ľhen Ordovizium l√∂ste sich eine weitere Gruppe von Mikrokontinenten vom Nordrand Gondwanas und driftete durch die Subduktion des Rheischen Ozeans auf Baltica zu. Diese Kleinkontinente, zu denen die B√∂hmische Masse und das Saxothuringikum geh√∂ren, kollidierten im Mittel- und Oberdevon mit dem S√ľdrand Balticas. Dabei entstanden auf polnischem Gebiet die Westsudeten (auch Lugikum genannt) mit ihren hochgradig metamorphen Paragneis-Folgen, in die die Granite des Iser- und Riesengebirges eindrangen. Schon im Karbon wurden abgesunkene Teile des variszischen Gebirges von ausgedehnten, baumbestandenen Niedermooren eingenommen, die heute in den Fl√∂zen des Oberschlesischen Steinkohlereviers dokumentiert sind.

Das j√ľngste Gebirge ist im s√ľdlichen Polen in den Karpaten aufgeschlossen. Im Eoz√§n hatte sich die Tethys geschlossen und die Adriatische Platte, ein Sporn Gondwanas, kollidierte mit dem S√ľdrand Europas. Im polnischen Anteil der Karpaten wurden Sedimentgesteine des Mesozoikums und des Pal√§ogens nach Norden auf das √§ltere Grundgebirge √ľberschoben.

Deckgebirge

Im Perm begann im heutigen Zentralpolen eine kontinuierliche Absenkung des gefalteten Untergrundes, so dass dort bis zu 10¬†km m√§chtige Sedimentgesteinsschichten abgelagert wurden. Im Rotliegenden enthalten die Ablagerungen noch Gesteine vulkanischen Ursprungs, aber ab dem Zechstein herrschten marine Bedingungen vor; in abgeschn√ľrten Lagunen kam es auch zur Bildung von Steinsalz. Im Buntsandstein zog sich das Meer zur√ľck und es wurden bis zu 1.400¬†m kontinentale Sande abgelagert. Danach wurde das Gebiet bis zum Ende des Mesozoikums vorwiegend von einem Flachmeer bedeckt, in dem Kalksteine und Tone zur Ablagerung kamen. Auch das √§ltere Grundgebirge (Heiligkreuzgebirge und Sudeten) war bis zum Ende der Kreide von diesen jungen Sedimenten bedeckt. Erst im fr√ľhen Pal√§ogen vor etwa 55 Millionen Jahren kam es zu einer Heraushebung der alten Gebirgsmassive. In Zentralpolen wurden w√§hrend des Pal√§ogens und Neogens nur etwa 250¬†m Sande und Tone abgelagert. Weite Bereiche des polnischen Tieflandes liegen unter einer nahezu geschlossenen Decke von Mor√§nenmaterial sowie Kiesen und Sanden, die von den Gletschern der letzten Eiszeit aus Skandinavien herantransportiert wurden.

Fl√ľsse

Die l√§ngsten Fl√ľsse sind die Weichsel (WisŇāa) mit 1022¬†km, der Grenzfluss Oder (Odra) mit 840¬†km, die Warthe (Warta) mit 795¬†km und der Bug mit 774¬†km. Der Bug verl√§uft entlang der polnischen Ostgrenze. Die Weichsel und die Oder m√ľnden, wie zahlreiche kleinere Fl√ľsse in Pommern, in die Ostsee. Die beiden Fl√ľsse bestimmen das hydrographisch-fluviatile Gef√ľge Polens. Die Alle (ŇĀyna) und die Angrapa (Wńôgorapa) flie√üen √ľber den Pregel und die HaŇĄcza √ľber die Memel in die Ostsee. Daneben entw√§ssern einige kleinere Fl√ľsse, wie die Iser in den Sudeten, √ľber die Elbe in die Nordsee. Die Arwa aus den Beskiden flie√üt √ľber die Waag und die Donau (Dunaj), genauso wie einige kleinere Fl√ľsse aus den Waldkarpaten, √ľber den Dnister ins Schwarze Meer. Pro Jahr flie√üen 58,6¬†km¬≤ Wasser ab, davon 24,6¬†km¬≤ als Oberfl√§chenabfluss.

Die polnischen Fl√ľsse wurden schon sehr fr√ľh zur Schifffahrt genutzt. Bereits die Wikinger befuhren w√§hrend ihrer Raubz√ľge durch Europa mit ihren Langschiffen die Weichsel und die Oder. Im Mittelalter und der Neuzeit, als Polen-Litauen die Kornkammer Europas war, gewann die Verschiffung von Agrarprodukten auf der Weichsel in Richtung Danzig (GdaŇĄsk) und weiter nach Westeuropa eine sehr gro√üe Bedeutung, wovon noch viele Renaissance- und Barockspeicher in den St√§dten entlang des Flusses zeugen.

Seen

Polen geh√∂rt mit 9300 geschlossenen Gew√§ssern, deren Fl√§che einen Hektar √ľberschreitet, zu den seenreichsten L√§ndern der Welt. In Europa weist nur Finnland mehr Seen pro km¬≤ als Polen auf. Die gr√∂√üten Seen mit √ľber 100¬†km¬≤ Fl√§che sind Ňöniardwy (Spirdingsee) und Mamry (Mauersee) in Masuren sowie das Jezioro ŇĀebsko (Lebasee) und das Jezioro Drawsko (Dratzigsee) in Pommern. Neben den Seenplatten im Norden (Masuren, Pommern, Kaschubei, Gro√üpolen) gibt es auch eine hohe Anzahl an Bergseen in der Tatra, von denen das Morskie Oko der fl√§chenm√§√üig gr√∂√üte ist. Der mit 113¬†m tiefste See ist der HaŇĄcza-See in der Seenplatte von Wigry, √∂stlich von Masuren in der Woiwodschaft Podlachien. Gefolgt wird er von dem Drawsko mit 83¬†m sowie dem Bergsee Wielki Staw Polski (dt. Gro√üer Polnischer See) im ‚ÄěTal der f√ľnf polnischen Seen‚Äú mit 79¬†m.

Zu den ersten Seen, deren Ufer besiedelt wurden, geh√∂ren die der Gro√üpolnischen Seenplatte. Die Pfahlbausiedlung von Biskupin, die von mehr als 1000 Menschen bewohnt wurde, gr√ľndeten bereits vor dem 7.¬†Jahrhundert v.¬†Chr. Angeh√∂rige der Lausitzer Kultur. Die Vorfahren der heutigen Polen, die Polanen, bauten ihre ersten Burgen auf Seeinseln (ostr√≥w). Der legend√§re F√ľrst Popiel soll im 8.¬†Jahrhundert von Kruszwica am Goplo-See regiert haben. Der erste historisch belegte Herrscher Polens, Herzog Mieszko I., hatte seinen Palast auf einer Wartheinsel in Posen.

K√ľste

Die polnische Ostseek√ľste ist 528¬†km lang und erstreckt sich von ŇöwinoujŇõcie (Swinem√ľnde) auf den Inseln Usedom und Wolin im Westen bis nach Krynica Morska auf der Frischen Nehrung (auch Weichselnehrung genannt) im Osten. Die polnische K√ľste ist zum gro√üen Teil eine sandige Ausgleichsk√ľste, die durch die stetige Bewegung des Sandes aufgrund der Str√∂mung und des Windes von West nach Ost charakterisiert wird. Dadurch bilden sich viele Kliffe, D√ľnen und Nehrungen, die nach dem Auftreffen auf Land viele Binnengew√§sser schaffen, wie z.¬†B. das Jezioro ŇĀebsko im Slowinzischen Nationalpark bei ŇĀeba. Die bekanntesten Nehrungen sind die Halbinsel Hel und die Frische Nehrung. Die gr√∂√üte polnische Ostseeinsel ist Wolin. Die gr√∂√üten Hafenst√§dte sind Gdynia (Gdingen), Danzig (GdaŇĄsk), Stettin (Szczecin) und ŇöwinoujŇõcie. Die bekanntesten Ostseeb√§der sind ŇöwinoujŇõcie, Sopot (Zoppot), Mińôdzyzdroje (Misdroy), KoŇāobrzeg (Kolberg), ŇĀeba (Leba), WŇāadysŇāawowo (Gro√üendorf) und Jurata.

Gebirge

Die drei wichtigen Gebirgsz√ľge Polens sind von West nach Ost die Sudeten, die Karpaten und das Heiligkreuzgebirge. Alle drei gliedern sich wiederum in kleinere Gebirge. Das Gebirge mit der h√∂chsten Reliefenergie sind die Sudeten, gefolgt vom Heiligkreuzgebirge, beide mit Werten von teilweise √ľber 600¬†m/km¬≤.

Charakteristisch f√ľr die Sudeten sind sanfte, gleichm√§√üige Oberfl√§chen in den H√∂henlagen und schroffe Ausformungen in den Tallagen. Der h√∂chste Teil der Sudeten ist das Riesengebirge. Der urspr√ľnglich das Gebirge bedeckende Mischwald wurde von Fichtenw√§ldern verdr√§ngt. Ab 1250 Metern beginnt die Krummholzzone. Das Riesengebirge ist mit der ŇönieŇľka (1602¬†m) der dritth√∂chste Gebirgszug in Polen.

Den Gro√üteil der polnischen Karpaten nehmen die Beskiden ein, die mit 1725¬†m in der Babia G√≥ra das h√∂chste Mittelgebirge in Mitteleuropa sind. Weitere Gebirgsz√ľge der polnischen Karpaten sind die Gorce und Pieniny. Im S√ľdosten Polens liegen die Waldkarpaten mit dem Gebirgszug der Bieszczady. In den √§u√üeren Bereichen der Karpaten herrschen weiche Formen vor. In ihren inneren Regionen befindet sich ein alpiner Bereich mit Karen, H√∂rnern, Hang- und Trogt√§lern.

Die Tatra an der polnisch-slowakischen Grenze ist neben den Alpen das einzige Hochgebirge Mitteleuropas. Polen hat ca. 70 benannte Gipfel mit einer H√∂he von √ľber 2000¬†m. Sie befinden sich alle in der Hohen Tatra oder Westtatra. Mit 2499¬†m ist ein Nebengipfel des Rysy, nach dem Karsee Meerauge auch Meeraugspitze genannt, in der Hohen Tatra der h√∂chste Berg Polens. Weitere bekannte Gipfel in der Hohen Tatra, an denen Polen Anteil hat, sind der Mińôguszowiecki Szczyt Wielki (2438¬†m), der NiŇľnie Rysy (2430¬†m), der Mińôguszowiecki Szczyt Czarny (2410¬†m) und der Mińôguszowiecki Szczyt PoŇõredni (2393¬†m).

Depression

Bis 2013 galt der Ort Raczki ElblńÖskie in der N√§he von ElblńÖg im Weichseldelta in der Woiwodschaft Ermland-Masuren mit 1,8¬†m unter dem Meeresspiegel als am tiefsten gelegener Punkt Polens. Seit der Neuvermessung h√§lt Marzńôcino in der N√§he von Nowy Dw√≥r GdaŇĄski in der Woiwodschaft Pommern diesen Rekord. Marzńôcino liegt ebenfalls im Weichseldelta.

Flora

Polen ist eines der am meisten bewaldeten L√§nder Europas. Die polnischen W√§lder nehmen eine Fl√§che von 9,1 Mio. Hektar bzw. 29,2¬†% der Landesfl√§che ein und die Waldfl√§che nimmt durch Aufforstung st√§ndig zu. Nach den Zielvorgaben soll die Waldfl√§che bis 2020 30¬†% und bis 2050 33¬†% der Landesfl√§che ausmachen. Im Osten Polens gibt es Urw√§lder, die nie von Menschen gerodet wurden, wie der Urwald von BiaŇāowieŇľa. Gro√üe Waldgebiete gibt es auch in den Bergen, Masuren, Pommern und Niederschlesien. Das gr√∂√üte zusammenh√§nge Waldgebiet in Polen ist die Niederschlesische Heide. Zu den artenreichsten Biotopen geh√∂ren die S√ľmpfe der Biebrza, die 40¬†% der Fl√§che des Nationalparks Biebrza ausmachen.

Auf die Zusammensetzung der Pflanzenwelt in weiten Teilen Polens haben die letzten Eiszeiten einen gro√üen Einfluss gehabt, insbesondere die Weichsel-Eiszeit. Nach dem R√ľckzug der Gletscher befand sich vor ca. 12 Tausend Jahren ein Tundragebiet in Nord- und Zentralpolen. Laubb√§ume wurden vor ca. 10 Tausend Jahren in Polen heimisch und das Gebiet wurde von einem dichten Mischwald bedeckt. Mit der folgenden Klimaerw√§rmung und der Ausbreitung des Menschen, hat sich die Pflanzenwelt in den folgenden Jahrtausenden stetig ver√§ndert. Die polnischen Mittelgebirge im S√ľden des Landes waren dagegen nicht von den Eismassen bedeckt. Die Pflanzenwelt hier war stets artenreicher, insbesondere auf den sonnigen und kalkhaltigen B√∂den der Pieninen. In Polen treten ca. 3.000 heimische Taxone, 67 Gef√§√üsporenpflanzen, 910 Moose, ca. 2.000 Chlorophyta und 39 Rotalgen auf.

Fauna

Die Anzahl der Tier- und Pflanzenarten ist in Polen EU-weit am h√∂chsten, ebenso die Anzahl der bedrohten Arten. So leben hier etwa noch Tiere, die in Teilen Europas bereits ausgestorben sind, etwa der Wisent (ŇĽubr) im BiaŇāowieŇľa-Urwald und in Podlachien sowie der Braunb√§r in BiaŇāowieŇľa, in der Tatra und in den Waldkarpaten, der Wolf und der Luchs in den verschiedenen Waldgebieten, der Elch in Nordpolen, der Biber in Masuren, Pommern und Podlachien. In den W√§ldern trifft man auch auf Nieder- und Hochwild (Rotwild, Rehwild und Schwarzwild). Die Anzahl der heimischen Tierarten in Polen wird auf 33 bis 47 Tausend gesch√§tzt. Insgesamt leben in Polen √ľber 90 S√§ugetier-, 444 Vogel-, neun Reptilien-, 18 Amphibien-, 119 Fisch-, f√ľnf Kieferlose-, ca. 260 Weichtiere-, ca. 30 Tausend Insekten-, ca. eineinhalb Tausend Spinnentiere-, ca. 240 Ringelw√ľrmer- und ca. viertausend Protozoenarten.

Polen ist das wichtigste Brutgebiet der europ√§ischen Zugv√∂gel. Rund ein Viertel aller Zugv√∂gel, die im Sommer nach Europa kommen, br√ľtet in Polen. Dies gilt insbesondere f√ľr die Seenplatten und die oftmals durch eigene Nationalparks gesch√ľtzten Sumpfgebiete, u.¬†a. die Gebiete des Nationalparks Biebrza (seit 1993), des Nationalparks Narew (seit 1996) und des Nationalparks Warthe (Warta, seit 2001). Auch der Tiefland-Urwald des Nationalparks BiaŇāowieŇľa (seit 1932) ist ein gro√ües Brutgebiet f√ľr Zugv√∂gel.

Bodennutzung

Die Waldfl√§che macht ca. 30¬†% der Landesfl√§che aus. Kiefern- und Buchenw√§lder dominieren in weiten Teil Polens. Nordwestpolen wird dabei von Buchen dominiert, Richtung Nordosten treten verst√§rkt Fichten auf. In den Gebirgen S√ľdpolens finden sich vor allem Eichenmisch- und Tannen-Buchenw√§lder. √úber die H√§lfte der Fl√§che Polens wird landwirtschaftlich genutzt, wobei allerdings die Gesamtfl√§che der √Ącker zur√ľckgeht und gleichzeitig die verbliebenen intensiver bewirtschaftet werden. Die Viehzucht ist insbesondere in den Bergen weit verbreitet. √úber ein Prozent der Fl√§che (3.145¬†km¬≤) werden in 23 Nationalparks gesch√ľtzt. In dieser Hinsicht nimmt Polen den ersten Platz in Europa ein. Drei weitere sollen in Masuren, im Krakau-Tschenstochauer Jura und in den Waldkarpaten neu geschaffen werden. Die meisten polnischen Nationalparks befinden sich im S√ľden des Landes. Zudem werden Sumpfgebiete an Fl√ľssen und Seen in Zentralpolen gesch√ľtzt sowie K√ľstengebiete im Norden. Hinzu kommen zahlreiche Reservate und Schutzgebiete.

Naturschutz

Mit 23 Nationalparks, die etwa ein Prozent der Landesfl√§che ausmachen, ist Polen eines der L√§nder in Europa mit den meisten Nationalparks. Der Tatra-Nationalpark ist mit √ľber drei Millionen registrierten Eintritten pro Jahr der meistbesuchte Nationalpark in Polen. Der √§lteste und einer der bekanntesten Parks ist der 1923 gegr√ľndete BiaŇāowieŇľa-Nationalpark an der Grenze zu Wei√ürussland.

Klima

Das Klima Polens ist ein gem√§√üigtes √úbergangsklima. Hier trifft die trockene Luft aus dem eurasischen Kontinent mit der feuchten Luft des Atlantiks zusammen. Im Norden und Westen herrscht vor allem ein gem√§√üigtes Seeklima, im Osten und S√ľdosten Kontinentalklima. Als Trennlinie gilt die Achse zwischen oberer Warthe und unterer Weichsel.

Von Juli bis September wehen die Winde meist aus westlicher Richtung, im Winter, besonders im Dezember und Januar, dominieren Winde aus Osten. Im Fr√ľhjahr und Herbst wechseln die Windrichtungen zwischen West und Ost. Die Windgeschwindigkeit liegt im Norden in der Regel zwischen 2 und 10¬†m/s, in den Bergen misst man auch Winde von √ľber 30¬†m/s. In der Tatra treten F√∂hnwinde auf.

An 120 bis 160 Tagen betr√§gt die Bew√∂lkung √ľber 80¬†Prozent, an 30 bis 50 Tagen ist die Bew√∂lkung unter 20¬†Prozent. Mit 1700¬†mm pro Jahr im mehrj√§hrigen Mittel fallen in der Tatra die h√∂chsten Niederschl√§ge; die geringsten Niederschl√§ge fallen mit unter 500¬†mm n√∂rdlich von Warschau, am Jezioro GopŇāo, westlich von Posen und bei Bydgoszcz. Weiter n√∂rdlich steigen die Niederschl√§ge wieder auf 650 bis teilweise 750¬†mm. Die niederschlagreichsten Monate sind der April und der September. Im unteren Oder-Warthe-Gebiet f√§llt an etwa 30 Tagen Schnee, im Nordosten, den Karpaten und in den Beskiden sind es 100 bis 110¬†Tage. In den Gebirgen bleibt der Schnee 200 oder mehr Tage liegen.

Die Jahresmitteltemperatur betr√§gt 5 bis 7¬†¬įC auf den Anh√∂hen der Pommerschen und Masurischen Seenplatte sowie auf den Hochebenen. In den T√§lern des Karpatenvorlands, der Schlesischen und Gro√üpolnischen Tiefebene betr√§gt sie 8 bis 10¬†¬įC. In den h√∂heren Gebieten der Karpaten und Sudeten liegt die Temperatur bei 0¬†¬įC. Der w√§rmste Monat ist der Juli mit Mitteltemperaturen zwischen 16 und 19¬†¬įC. Dabei betr√§gt sie auf den Gipfeln von Tatra und Sudeten 9¬†¬įC, an der K√ľste 16¬†¬įC und in Zentralpolen 18¬†¬įC. Der k√§lteste Monat ist der Januar. Frost gibt es von November bis M√§rz. An der unteren Oder und der K√ľste an durchschnittlich 25 Tagen und bis zu 65 Tagen im Nordosten um SuwaŇāki.

Bevölkerung

Demographische Struktur

Polen hat mit etwa 38 Millionen Einwohnern die achtgr√∂√üte Bev√∂lkerungszahl in Europa und die sechstgr√∂√üte in der Europ√§ischen Union. Die Bev√∂lkerungsdichte betr√§gt 122 Einwohner pro Quadratkilometer. Die Geburtenrate betrug 2016 1,34¬†Kinder pro Frau. Die Lebenserwartung betrug im Zeitraum von 2010 bis 2015 77,6 Jahre (M√§nner: 73,7, Frauen: 81,7). Das Durchschnittsalter lag 2016 bei 40,3 Jahren und war im europ√§ischen Vergleich relativ niedrig. Bis Mitte des Jahrhunderts erwartet Polen einen deutlichen Anstieg des Median-Alters und ein Absinken der Bev√∂lkerung auf 33 Millionen Einwohner. Grund daf√ľr sind die niedrige Geburtenrate und Auswanderung. Die Geburtenzahl ist im Jahr 2017 wieder gestiegen und betrug zum ersten Mal seit mehreren Jahren mehr als 400 Tausend Lebendgeburten. Gleichzeitig sind seit dem Krieg im Donbas ca. 200.000 Ukrainer nach Polen gezogen.

Größte Städte

Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf die Städte, ohne die dazugehörigen Ballungsräume.

(VZ = Volkszählung, S = Schätzung)

Siehe auch: Liste der Städte in Polen

Ethnien

Das heutige Polen ist seit dem Zweiten Weltkrieg ethnisch betrachtet ein √§u√üerst homogener Staat, was ungew√∂hnlich in der polnischen Geschichte ist. Nach der Volksz√§hlung von 2011 sind 99,7¬†% der Bev√∂lkerung polnische Staatsb√ľrger und 95,53¬†% davon bezeichnen sich ethnisch als Polen, wobei 2,17¬†% hiervon neben der polnischen Identit√§t eine weitere angegeben haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es ein Ziel des kommunistischen Regimes, Homogenit√§t unter anderem durch Zwangsumsiedlungen oder Assimilation der ethnischen Minderheiten zu erreichen. In der Verfassung von 1947 wurde Gleichheit der B√ľrger ohne Ansehen der Nationalit√§t garantiert; jedoch wurden 1960 besondere Rechte f√ľr Minderheiten erm√∂glicht. Seit 1997 ist der Schutz von Minderheiten in der Verfassung verankert. Zu den nationalen Minderheiten geh√∂ren die Deutschen mit 0,28¬†% (0,068¬†%), Wei√ürussen mit 0,12¬†% (0,081¬†%), Ukrainer mit 0,12¬†% (0,068¬†%) und Russen mit 0,03¬†% (0,013¬†%) sowie Litauer, Tschechen, Slowaken und polnische Armenier. Zu den ethnischen Minderheiten geh√∂ren Kaschuben mit 0,59¬†% (0,042¬†%), Roma mit 0,04¬†% (0,023¬†%), Lemken mit 0,03¬†% (0,013¬†%) sowie Tataren, Karaim und Juden. Schlesier stellen 2,1¬†% (0,94¬†%) der polnischen Bev√∂lkerung dar, wobei sie sich teilweise als Polen, teilweise als Deutsche, teilweise als Schlesier und teilweise als mehreren Gruppen gleichzeitig zugeh√∂rig bezeichnen. Das Gesetz √ľber die nationalen und ethnischen Minderheiten sowie √ľber die Regionalsprache wurde 2005 erlassen. In diesem wird unter anderem geregelt, dass in Gemeinden, in denen mehr als 20¬†% der Einwohner einer Minderheit angeh√∂ren, deren Sprache als Hilfssprache genutzt werden kann. Einzige anerkannte Regionalsprache ist Kaschubisch, dennoch sind in Gebieten mit einer deutschen Minderheit Hinweis- und Ortsschilder zweisprachig. Unter den in den letzten Jahren zugewanderten ausl√§ndischen Staatsangeh√∂rigen stammen die meisten aus der Ukraine und Wei√ürussland. Auch Personen aus anderen Mitgliedsstaaten der EU, wozu vor allem Personen aus Deutschland, Italien, Frankreich und Bulgarien z√§hlen, sind in den letzten Jahren nach Polen gezogen. Polen geh√∂rt zu den beliebtesten Ziell√§ndern f√ľr deutsche Auswanderer. Weitere zahlenm√§√üig relevante Migrationsgruppen stammen aus Russland, aus Vietnam, der Volksrepublik China, der T√ľrkei, Kasachstan und Nigeria. Die Zahl der Auslandspolen weltweit wird auf bis zu 20 Millionen gesch√§tzt. Die Anzahl der in Deutschland lebenden Polen betr√§gt ca. 1 Mio., wobei Doppelstaatler nicht hinzugerechnet werden.

Sprachen

Polnisch ist die Landessprache Polens und geh√∂rt der westslawischen Gruppe der indogermanischen Sprachen an. In Polen verwendeten 1990 von den 38 Millionen Einwohnern etwa 37 Millionen Polnisch als Sprache im Alltag. Etwa 8 Millionen Menschen au√üerhalb des polnischen Staatsgebietes nutzten Polnisch innerhalb der Familie. Nach Russisch ist Polnisch die weltweit am h√§ufigsten gesprochene slawische Sprache. Die Polnische Orthographie basiert auf dem Lateinischen Alphabet, welches um Buchstaben mit diakritischen Zeichen erweitert wurde. Dazu geh√∂ren ńĄ, ńÜ, ńė, ŇĀ, ŇÉ, √ď, Ňö, ŇĻ und ŇĽ. Die Buchstaben Q, V und X sind offiziell Bestandteile des polnischen Alphabets, kommen aber nur in Fremdw√∂rtern vor. Die Polnischen Dialekte werden traditionell in f√ľnf Gruppen eingeteilt; das Gro√üpolnische, das Kleinpolnische, das Masowische, das Schlesische und das Kaschubische. Hinzu kommen sogenannte gemischte Dialekte in den Gebieten, welche durch die Umsiedlung von Polen nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Kaschubisch wird auch als eigenst√§ndige Sprache betrachtet. Auch wenn im Alltagsleben seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Polnisch dominierte, war Latein bis ins 18. Jahrhundert die Verwaltungs-, Kirchen- und Schulsprache. Daneben war in der Adelsrepublik Ruthenisch offiziell anerkannt. Die √§ltesten heute bekannten polnischen Schriftzeugnisse sind Namen und Glossen in lateinischen Schriftst√ľcken, insbesondere in der Bulle von Gnesen des Papstes Innozenz II. von 1136, in der fast 400 einzelne polnische Namen von Ortschaften und Personen auftauchen. Den ersten geschriebenen vollst√§ndigen Satz fand man in der Chronik des Klosters Heinrichau bei Breslau. Unter den Eintr√§gen des Jahres 1270 findet sich eine Aufforderung eines Mannes zu seiner mahlenden Frau. ‚ÄěDaj, ańá ja pobruszńô, a ty poczywaj‚Äú, was in der √úbersetzung lautet: ‚ÄěLass mich jetzt mahlen, und du ruh dich aus.‚Äú In der Literatur war Polnisch ab dem 14. Jahrhundert und verst√§rkt ab dem 16. Jahrhundert in Gebrauch. Im 16. Jahrhundert entwickelte sich auch ein Standardpolnisch. W√§hrend der Teilungen Polens Ende des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Polnische durch Russisch bzw. Deutsch verdr√§ngt. Mit dem 1918 wiederentstandenen polnischen Staat wurde die polnische Sprache zur Amtssprache. Damals sprachen etwa 65¬†% Polnisch als Muttersprache, die restliche Bev√∂lkerung sprach Ukrainisch, Wei√ürussisch, Deutsch, Jiddisch und andere. Nach der Westverschiebung der Grenzen ist Polen seit Ende der 1940er Jahre erstmals seit dem Hochmittelalter ein ethnisch relativ homogener Staat. Etwa 95¬†% bis 98¬†% der Bev√∂lkerung sind Polen, und entsprechend gro√ü ist die Dominanz der polnischen Sprache. Es gibt eine Reihe von Minderheitensprachen, die seit 2005 offiziell anerkannt sind: Kaschubisch in der Kaschubei und als nationale Minderheitensprachen: Armenisch, Deutsch, Hebr√§isch, Jiddisch, Litauisch, Russisch, Slowakisch, Tschechisch, Ukrainisch und Wei√ürussisch sowie als ethnische Minderheitensprachen: Karaimisch, Russinisch bzw. Lemko, Romani und Tatarisch.

Religionen

Laut einer repräsentativen Umfrage des Eurobarometers glaubten im Jahr 2005 80 % der Menschen in Polen an Gott, weitere 15 % glaubten an eine andere spirituelle Kraft.

Slawische Mythologie

Die polnischen St√§mme waren urspr√ľnglich Heiden und hatten, √§hnlich wie andere Westslawen, ein polytheistisches Religionssystem, dessen Hauptgott der vierk√∂pfige Ňöwińôtowit war, dessen Statuen zwischen Pommern (z.¬†B. bei Kap Arkona auf R√ľgen) und der Ukraine (z.¬†B. der ‚ÄěAntichrist aus dem Zburz‚Äú) gefunden wurden. Diese Religion konnte sich teilweise bis ins 14.¬†Jahrhundert behaupten. Insbesondere im Nordosten wurde auch ein Ahnenkult gepflegt, der teilweise bis ins 19.¬†Jahrhundert √ľberdauerte und in der Romantik unter anderem von Adam Mickiewicz in seinem Drama Totenfeier wieder aufgegriffen wurde. In kleinem Umfang besteht ein Bestreben, die alten Kulte wieder zu beleben. Hierbei handelt es sich aber eher um ein kulturelles als um ein religi√∂ses Ph√§nomen.

Katholische Kirche

Im Jahre 965 heiratete der Herzog von Polen, Mieszko¬†I., die b√∂hmische Prinzessin christlichen Glaubens Dubrawka und lie√ü sich im folgenden Jahr nach lateinischem Ritus taufen. Das erste Bistum wurde 968 in Posen gegr√ľndet. Die Kirchenordnung wurde im Jahr 1000 neuorganisiert und das Erzbistum Gnesen mit den untergeordneten Bist√ľmern in Kolberg, Krakau, Posen und Breslau wurden gegr√ľndet. In der ersten H√§lfte des 11. Jahrhunderts kam es zu einem gro√üen heidnischen Aufstand gegen den christlichen Klerus. Nachdem der polnische Adel im Zuge der Reformation in gro√üen Scharren zum Calvinismus wechselte, im Sejm sogar um 1550 eine protestantische Mehrheit bestand, vermochte die katholische Kirche im 17.¬†Jahrhundert im Zuge der Gegenreformation die meisten andersgl√§ubigen Adeligen wieder zum katholischen Glauben zu bekehren. Seit dem Zweiten Weltkrieg und der Westverschiebung Polens ist das Land gr√∂√ütenteils katholisch. 87¬†% der polnischen Gesamtbev√∂lkerung sind r√∂misch-katholisch (Anteil der katholisch Getauften an Gesamtbev√∂lkerung, 2011), vor 1939 waren es nur 66¬†%. Davon geben 54¬†% an, ihren Glauben auch zu praktizieren. Ein besonders hohes Ansehen in Polen besitzt der verstorbene Papst Johannes Paul II. (1920‚Äď2005), der vor seiner Papstwahl als Karol WojtyŇāa Erzbischof von Krakau war und eine bedeutende politische Rolle w√§hrend des Zusammenbruchs des Ostblocks innehatte.

Orthodoxe Kirche

Die polnischen St√§mme kamen wahrscheinlich im 9.¬†Jahrhundert √ľber das Gro√üm√§hrische Reich mit dem christlichen Glauben erstmals in Kontakt. Die Wislanen in Kleinpolen wurden zur Zeit der byzantinischen Slawenapostel Kyrill und Method von den Herrschern des Gro√üm√§hrischen Reiches unterworfen. M√§hrischen Chronisten zufolge soll bereits zu dieser Zeit das Christentum nach slawischem Ritus in der Region um Krakau eingef√ľhrt worden sein. In den √∂stlichen Woiwodschaften Polens hat ab dem 14. Jahrhundert stets die orthodoxe Kirche dominiert. Durch die Union mit Litauen 1386 und 1569 kamen viele wei√ürussisch- und ukrainischsprachige orthodoxe Christen unter die Herrschaft der polnischen K√∂nige. Die Polnisch-Orthodoxe Kirche ist auch heute noch die zweitgr√∂√üte Religionsgemeinschaft in Polen. Zu ihr bekannten sich 2006 0,5 Millionen Menschen, was 1,3¬†% der Bev√∂lkerung entspricht. Vor 1939 geh√∂rten noch 11¬†% der Bev√∂lkerung zur orthodoxen Kirche.

Griechisch-katholische Kirche

Ca. 0,2 % der Bevölkerung sind griechisch-katholisch. Die Griechisch-katholische Kirche ist 1596 in Polen durch die Kirchenunion von Brest entstanden. Sie hatte vor allem in dem polnischen Teil der Ukraine eine hohe Verbreitung. Nach den polnischen Teilungen wurde die Griechisch-katholische Kirche in Russland besonders hart verfolgt. Mit der Zuwanderung von Ukrainern nach Polen seit dem Ukrainekrieg in Donbas wächst die griechisch-katholische Gemeinde wieder rasant.

Reformierte Kirche

W√§hrend das Luthertum bei dem B√ľrgertum Anh√§nger fand, war der Calvinismus beim Kleinadel, der Szlachta, beliebt. Calvin selbst korrespondierte lange Zeit mit dem polnischen K√∂nig Sigismund II. August, der eine gewisse Zeitlang den Bestrebungen der Mehrheit des polnischen Sejm zugeneigt war, eine Nationalkirche nach englischem Vorbild in Polen-Litauen zu etablieren, die nach der Lehre Calvins konzipiert sein sollte. Der Sejm von 1555 debattierte √ľber die Einf√ľhrung einer protestantischen Nationalkirche in Polen. Statt eine solche zu gr√ľnden, gew√§hrte Sigismund II. August seinen Untertanen die Glaubensfreiheit mit dem Argument, er w√§re der K√∂nig seiner Untertanen, nicht der Gewissen seiner Untertanen. Die Glaubensfreiheit wurde schlie√ülich als Reaktion auf die Pariser Bartholom√§usnacht in der Konf√∂deration von Warschau 1573 zu einem Verfassungsprinzip der Adelsrepublik erhoben, die der neugew√§hlte polnische K√∂nig aus Frankreich in den Articuli Henriciani und alle seine Nachfolger in der Pacta conventa unterzeichnen musste. Die Sicherung der individuelle Glaubensfreiheit in der polnischen Verfassung war ausschlaggebend daf√ľr, dass es in Polen nie zu Religionskriegen kam. Der Calvinismus war bis Mitte des 17. Jahrhunderts beim polnischen Adel weit verbreitet. Heute spielt er aufgrund der Gegenreformation im 17. Jahrhundert kaum eine Rolle mehr.

Polnische Br√ľder

Die Polnischen Br√ľder waren Antitrinitarier, die als Teil der Radikalen Reformation unter dem Einfluss der Lehre des Sozinianismus die Dreieinigkeit und somit die Gotteigenschaft Jesu ablehnten. Aus der Reformierten Kirche entstand 1565 die unitarische Kirche der Polnischen Br√ľder, die in Rak√≥w √ľber eine eigene Akademie verf√ľgten und stark von Fausto Sozzini und dem Sozinianismus beeinflusst waren. Gem√§√ü dem Rakauer Katechismus lehnten sie jede Form von Gewalt ab, darunter auch den Kriegsdienst. Die Polnischen Br√ľder gibt es heute nicht mehr. An der Stelle ihrer ehemaligen Hauptkirche in Rak√≥w befindet sich heute die katholische Dreifaltigkeitskirche aus dem Barock.

Evangelisch-lutherische Kirche

Das Luthertum fand seit dem 16. Jahrhundert besonders bei der deutschen Bevölkerung in den nordpolnischen Städten viele Anhänger. Heute sind Warschau und die Region um Teschen, wo ca. ein Drittel der Bevölkerung lutherisch ist, Zentren der evangelisch-lutherischen Kirche in Polen. Ca. 0,2 % der Bevölkerung sind evangelisch-lutherisch.

Mariaviten

Eine kleine Minderheit bilden die altkatholischen Mariaviten. Die Katholische Kirche der Mariaviten wurde in den 1930er Jahren in Polen gegr√ľndet.

Polnisch-Katholische Kirche

Eine kleine Minderheit bilden die Polnisch-Katholischen, die entgegen ihrem Namen eine protestantische Glaubensrichtung sind, die im 19. Jahrhundert in den USA entstanden und im 20. Jahrhundert durch Remigration nach Polen gekommen ist.

Altkatholische Kirche

Die Altkatholische Kirche in Polen ist ebenfalls wie die Polnisch-Katholische Kirche aus den USA durch Remigration nach Polen gekommen.

Zeugen Jehovas

Ca. 0,3 % der Bevölkerung sind Zeugen Jehovas.

Islam

In Polen gibt es zwei muslimische Gemeinden. Gegen Ende des 17.¬†Jahrhunderts siedelte der polnische K√∂nig Jan Sobieski muslimische Tataren in Podlachien an. Eine relativ gro√üe muslimische Minderheit lebte auch um Kamieniec Podolski in Podolien, das zwischen 1672 und 1699 zum Osmanischen Reich geh√∂rte. Die zweite muslimische Gemeinde bilden eingewanderte Muslime, die meist aus arabischen L√§ndern und der T√ľrkei stammen. Deren religi√∂ses Zentrum bildet vor allem Warschau und Danzig.

Judentum

Polen war im Mittelalter nie religi√∂s homogen. Bereits seit der Zeit bevor sich der christliche Glaube endg√ľltig durchsetzen konnte, begann die Einwanderung von Juden aus Westeuropa, beg√ľnstigt durch das Toleranzedikt von Kalisz von 1265. Sp√§ter wanderten auch Hussiten aus B√∂hmen nach Polen ein. Kasimir der Gro√üe weitete das Toleranzedikt von Kalisz auf ganz Polen aus. Die polnischen Juden sind seit dem 18.¬†Jahrhundert in zwei dominierende Glaubensrichtungen getrennt, die aufgekl√§rten Maskilim und die orthodoxen Chassiden. Zeitweise lebten mehr als die H√§lfte aller Juden weltweit in Polen. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Polen mit Abstand die gr√∂√üte j√ľdische Gemeinde weltweit. Die j√ľdische Gemeinde wurde nach der Wende 1989 wiederbelebt.

Geschichte

Urgeschichte

Die Urgeschichte des heutigen Polens reicht bis in das Pal√§olithikum zur√ľck. Im Neolithikum befand es sich nacheinander im Einflussbereich der Linearbandkeramischen Kultur, Trichterbecherkultur, Kugelamphoren-Kultur und der Schnurkeramischen Kultur. W√§hrend der Bronzezeit war es Teil der Lausitzer Kultur beziehungsweise der Hallstattkultur, aus der die Pfahlbausiedlung Biskupin stammt. Sie wird auch mit der Hallstattkultur in Verbindung gebracht. Am √úbergang von der Bronze- zur Eisenzeit folgte die Pommerellische Gesichtsurnenkultur und in der sp√§ten Eisenzeit die Wielbark-Kultur. In der Antike geriet das Gebiet des heutigen Polens unter keltischen und thrakischen Einfluss. Sp√§ter dominierte die Przeworsk-Kultur. √úber die Bernsteinstra√üe fand ein reger kultureller Austausch mit dem R√∂mischen Reich statt. Die R√∂mer erw√§hnten bereits um Christi Geburt die St√§dte Kalisz und Truso. Die germanischen St√§mme der Goten und Vandalen siedelten um Christi Geburt aus Skandinavien kommend im heutigen Nord- und Westpolen. W√§hrend der V√∂lkerwanderung zogen Westslawen und Balten durch das heutige Polen. Vor der polnischen Staatsgr√ľndung unternahmen die Wikinger, Awaren und Magyaren Raubz√ľge ins heutige S√ľdpolen. Mit dieser Zeit verbindet man auch die Sagen um die ersten Urf√ľrsten Polens Popiel, Piast, Lech und Siemowit. S√ľdpolen geriet in der zweiten H√§lfte des 9. Jahrhunderts unter m√§hrischen Einfluss.

Piasten

Das Herzogtum Polen, dessen Name sich vom westslawischen Stamm der Polanen ableitet, ist im fr√ľhen 10.¬†Jahrhundert von Gro√üpolen (Posen, Giecz, Ostr√≥w Lednicki und Gnesen) aus gegr√ľndet worden. Es wurde von ca. 960 bis 992 von Herzog Mieszko¬†I. aus der Dynastie der Piasten regiert, der nach und nach die anderen westslawischen St√§mme zwischen Oder und Bug unterwarf. Um 990 stellte er in dem Dokument Dagome Iudex Polen unter den unmittelbaren Schutz von Papst Johannes XV.

966 lie√ü sich Mieszko¬†I. nach r√∂misch-katholischem Ritus taufen. Das Territorium erreichte durch Eroberungen unter Mieszko¬†I. Grenzen, die den heutigen Staatsgrenzen sehr nahe kamen. Sein Sohn Boleslaus I. der Tapfere war der erste polnische K√∂nig. Bereits 997 schloss er ein politisch-milit√§risches B√ľndnis mit dem r√∂misch-deutschen Kaiser Otto III., das w√§hrend des Akts von Gnesen im Jahr 1000 best√§tigt wurde. Nach dem fr√ľhen Tod des jungen Otto III. verschlechterte sich das Verh√§ltnis unter Heinrich II., mit dem Boleslaus I. zahlreiche Kriege um die Lausitz f√ľhrte. Boleslaus I. dehnte zeitweise seinen Einflussbereich auf die heutige Slowakei, B√∂hmen und M√§hren sowie die Kiewer Rus aus. Unter der Herrschaft seines Sohnes Mieszko II. Lambert kam es in den sp√§ten 1030er Jahren zu einem heidnischen Aufstand der Polen gegen die katholische Kirche. Erst dessen Nachfolger Kasimir I. der Erneuerer vermochte die Lage zu beruhigen. Er verlegte 1040 die Hauptstadt von Gnesen auf den Krakauer Wawel.

Nach dem Tod von Boleslaus III. Schiefmund im Jahr 1138 wurde die Senioratsverfassung eingef√ľhrt, nach welcher die S√∂hne von Boleslaus III. als Juniorherz√∂ge unter dem Seniorat des √Ąltesten der Dynastie die ihnen unterstehenden einzelnen Landesteile regierten. Bis 1295 dauerte diese feudale Zersplitterung in Polen an. Dieser sogenannte Partikularismus f√ľhrte zu einer starken politischen Schw√§chung Polens im 13.¬†Jahrhundert. Polen zerfiel 1138 in sechs Herzogt√ľmer: Kleinpolen, Gro√üpolen, Pommern, Pommerellen, Schlesien und Masowien, das sogenannte ‚ÄěSeniorat Polen‚Äú. Die Jahre bis zur Wiedervereinigung waren durch feudalistische Territorialzersplitterung gepr√§gt. Das im S√ľdosten gelegene Gebiet Kleinpolens zerfiel in das Adelsterritorium Sandomierz, das √∂stliche Gro√üpolen in die Herzogt√ľmer ŇĀńôczyca und Sieradz, das westliche Masowien in das Herzogtum Kujawy. In Westpommern erlangten die Greifen 1181 und in Pommerellen die Samboriden 1227 die Unabh√§ngigkeit von dem Krakauer Senior. 1295 gelang es PrzemysŇā II. aus der gro√üpolnischen Linie der Piasten gro√üe Landesteile wieder zu vereinen und sich zum K√∂nig von Polen kr√∂nen zu lassen. Er wurde jedoch bereits im Folgejahr ermordet, und die polnische K√∂nigskrone fiel an die b√∂hmischen PŇôemysliden Wenzel I. und Wenzel II. Nachdem Letzterer auf der Fahrt zur Kr√∂nung in Krakau ermordet wurde, gelang es Ladislaus I. Ellenlang aus der kujawischen Linie der Piasten die polnische K√∂nigskrone zu erlangen. Mit seinem Sohn Kasimir III., dem Gro√üen starben die Piasten in der K√∂nigslinie 1370 aus, wobei die masowischen Piasten erst 1526 und die schlesischen Piasten sogar erst 1707 ausstarben. Der letzte Piastenk√∂nig Kasimir III. der Gro√üe leitete erfolgreich Reformen ein, die dem K√∂nigreich Polen zu einer machtvollen Position in Mittel- und Osteuropa verhalfen.

Die Piasten holten zahlreiche Siedler nach Polen, zun√§chst den Klerus und die Benediktiner sowie Zisterzienser aus Frankreich, dem Heiligen R√∂mischen Reich sowie Italien, und insbesondere nach der Entv√∂lkerung weiter Teile Polens im Zuge des Mongolensturms in der ersten H√§lfte des 13. Jahrhunderts deutsche Bauern und Stadtb√ľrger, sowie insbesondere Juden nach den Pogromen in Westeuropa im Zuge der Pestepidemie in der Mitte des 14. Jahrhunderts, von der Polen verschont blieb. Konrad I. von Masowien holte den Deutschen Orden 1226 ins Kulmerland, von wo aus er Preu√üen unterwarf. Kasimir III. der Gro√üe erstreckte hingegen das j√ľdische Toleranzedikt von Kalisch von Boleslaus VI. des Frommen auf das ganze K√∂nigreich Polen. Er begann auch mit dem Anschluss des F√ľrstentums Halytsch-Wolodymyr mit Lemberg die polnische Ostexpansion. Mit den b√∂hmischen Luxemburgern, die weiterhin den von den PŇôemysliden geerbten Anspruch auf die polnische Krone geltend machten, konnte sich Kasimir III. der Gro√üe nach Treffen in Visegr√°d und Krakau im Vertrag von Namslau einigen, die Luxemburger verzichteten auf die polnische Krone und die kujawischen Piasten auf die Lehenshoheit √ľber Schlesien. 1364 gr√ľndete Kasimir III., der Gro√üe die Krakauer Akademie als zweite Universit√§t in Mitteleuropa. Gleichzeitig schloss Kasimir der Gro√üe ein milit√§risches B√ľndnis mit dem ungarischen K√∂nig Karl I. und einen Erbvertrag mit dessen Sohn Ludwig I. aus dem Haus Anjou, der die Schwester Kasimirs III. des Gro√üen Elisabeth von Polen heiratete und damit einen Anspruch auf die polnische Krone nach Kasimirs III. Tod erwarb.

Jagiellonen

Dem ohne legitimen Sohn verstorbenen Kasimir III. folgte durch Erbvertrag dessen Schwager Ludwig I. aus dem Haus Anjou, wodurch es zur ersten polnisch-ungarischen Personalunion kam, sowie dessen Tochter Hedwig I. Diese heiratete 1386 den frisch getauften litauischen Gro√üf√ľrst Ladislaus II. JagieŇāŇāo, wodurch der m√§chtige Doppelstaat Polen-Litauen geschaffen wurde, der f√ľr die n√§chsten 400¬†Jahre die Geschicke Mittel- und Osteuropas entscheidend beeinflusste. Nach der Schlacht bei Tannenberg und der damit verbundenen schweren Niederlage des Deutschen Ordens stieg Polen-Litauen zu einer der f√ľhrenden Kontinentalm√§chte auf und war lange Zeit der gr√∂√üte Staat Europas mit Einflusssph√§ren vom Baltischen zum Schwarzen Meer und von der Adria bis an die Tore Moskaus. Unter Ladislaus II. JagieŇāŇāos √§ltestem Sohn Ladislaus III. kam es zur zweiten polnisch-ungarischen Personalunion, die mit Ladislaus III. Tod in der Schlacht bei Warna endete. Sein Bruder Kasimir IV. Andreas konnte im Dreizehnj√§hrigen Krieg dem Deutschen Orden Westpreu√üen und Ermland abgewinnen und den restlichen Ordensstaat zu einem polnischen Lehen machen. Durch eine geschickte Dynastie und Heiratspolitik machte er die Jagiellonen zu einer der f√ľhrenden K√∂nigsfamilien in Europa. Sein √§ltester Sohn Ladislaus wurde K√∂nig von B√∂hmen und Ungarn und seine j√ľngeren S√∂hne Johann I. Albert, Alexander I. und Sigismund I. der Alte wurden nacheinander K√∂nige und Gro√üf√ľrsten in Polen-Litauen. Seine T√∂chter verm√§hlte er mit den bayerischen Wittelsbachern, preu√üischen Hohenzollern, pommerschen Greifen, den s√§chsischen Wettinern sowie den schlesischen Piasten. Als also Sigismund I. der Alte 1525 den Deutschen Ordensstaat aufl√∂ste und in ein weltliches Herzogtum umwandelte, setzte er mit Albrecht seinen Neffen als Herzog ein. 1526 fiel das bisherige polnische Lehen Masowien mit dem Tod des letzten masowischen Piasten Janusz III. wieder an Polen. Mit dem Tod Ludwig II. in der Schlacht bei Moh√°cs verloren die Jagiellonen B√∂hmen, Ungarn und Kroatien an die Osmanen beziehungsweise Habsburger. Mit Sigismund I. des Alten einzigem Sohn Sigismund II. August starben auch die Jagiellonen 1572 im Mannesstamm und mit seiner Tochter Anna Jagiellonica 1596 vollst√§ndig in Polen-Litauen aus.

Adelsrepublik

Polen wurde 1358 als Republik bezeichnet. Die republikanische Staatsform setzte sich aber wohl erst um die Mitte des 15. Jahrhunderts durch und war mit einem stetigen Dreikammerparlament erst Ende des 15. Jahrhunderts ausgereift. Mit der 1505 verabschiedeten Verfassung Nihil Novi verbot der Sejm dem K√∂nig neue Gesetze ohne Zustimmung des Parlaments zu erlassen. Auf Betreiben des letzten polnischen K√∂nigs aus der Jagiellonen-Dynastie, Sigismund II. August, wurde die Personalunion zwischen Polen und Litauen in Lublin im Jahr 1569 in eine Realunion umgewandelt. Polen und Litauen bildeten seit 1569 gemeinsam eine Adelsrepublik und damit den ersten modernen Staat Europas mit einem adelsrepublikanischen System und einer Gewaltenteilung. 1578 wurde ein vom K√∂nig und dem Sejm unabh√§ngiges H√∂chstes Gericht f√ľr Polen-Litauen, das Krontribunal in Lublin eingerichtet. Der polnische Adel w√§hlte zun√§chst den Franzosen Heinrich I. Valois, dem er die Religionsfreiheit abverlangte, und sp√§ter den Siebenb√ľrger Stephan I. B√°thory zum polnisch-litauischen K√∂nig. Sp√§ter folgten drei K√∂nige aus der mit den Jagiellonen verwandten schwedischen Vasa-Dynastie Sigismund III. Vasa (kurze Personalunion mit Schweden), Ladislaus IV. Vasa (kurze Personalunion mit Russland) sowie Johann II. Kasimir. Mit Michael I. Korybut WiŇõniowiecki, Johann III. Sobieski und Stanislaus I. LeszczyŇĄski wurden polnische Magnaten und mit August II. dem Starken und August III. s√§chsische Wettiner gew√§hlt. Der letzte gew√§hlte polnische K√∂nig war Stanislaus II. August Poniatowski. Als Goldenes Zeitalter der Adelsrepublik gilt die Zeit bis zur H√§lfte des 17. Jahrhunderts. Danach war Polen-Litauen in zahlreiche Kriege verwickelt, unter anderem in die Schlacht am Kahlenberg im Rahmen des Gro√üen T√ľrkenkriegs.

Teilungen

Die Adelsrepublik st√ľrzte im 17. und 18.¬†Jahrhundert in eine dauerhafte Krise, die durch zahlreiche Kriege (mit Schweden, dem Osmanischen Reich, Russland, Brandenburg-Preu√üen und Siebenb√ľrgen), fehlende politische Reformen und innere Unruhen gekennzeichnet war. Es kam zur Bildung von Magnaten (sogenannten Konf√∂derationen gegen die Interessen des Staates und des K√∂nigs), Kosakenaufst√§nden und dauerhaften Konfrontationen mit den Krimtataren in den s√ľd√∂stlichen Woiwodschaften. Besonders die Wahl ausl√§ndischer Dynasten zu polnischen K√∂nigen (sie verf√ľgten √ľber keine Hausmacht in Polen und waren vom Wohlwollen des Hochadels abh√§ngig) und die Uneinigkeit innerhalb des polnischen Adels, der Szlachta und Magnaten, schw√§chten den Staat betr√§chtlich. Insbesondere die sogenannte Sachsenzeit wird dabei aus polnischer Sicht als negativ f√ľr den weiteren Bestand des polnischen Staates eingestuft.

Auch die Ratifizierung einer Verfassung 1791, der ersten modernen Verfassung Europas √ľberhaupt, konnte den Niedergang der polnisch-litauischen Adelsrepublik nicht stoppen. In den drei Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795 wurde Polens innere Schw√§che von seinen Nachbarn Preu√üen, √Ėsterreich und Russland ausgenutzt, welche Polen gleichzeitig √ľberfielen und am Ende unter sich aufteilten. Polen wurde damit seiner Souver√§nit√§t beraubt und sein urspr√ľngliches Landesgebiet in drei unterschiedliche Staaten eingegliedert. Der letzte polnische K√∂nig Stanislaus II. August Poniatowski musste abdanken und wurde nach Sankt Petersburg gebracht, wo er 1798 verstarb. Zeitgleich wurden jedoch bereits ab 1796 Polnische Legionen im franz√∂sisch besetzten Norditalien und Frankreich unter Jan Henryk DńÖbrowski gegr√ľndet, deren Ziel es war, mit franz√∂sischer Hilfe die polnisch-litauische Republik wieder zu errichten.

Auf Dr√§ngen des franz√∂sischen Kaisers Napoleon entstand 1807, im Rahmen des Friedens von Tilsit, aus den preu√üischen Erwerbungen der Zweiten und Dritten Teilung ein relativ kleines Herzogtum Warschau, als Vasallenstaat Frankreichs. Im Jahr 1809 wurden nach kurzen kriegerischen Auseinandersetzungen Teile Kleinpolens im damaligen Westgalizien von √Ėsterreich an das Herzogtum Warschau wieder abgetreten. Aufgrund der Niederlagen der polnisch-franz√∂sischen Allianz im Russlandfeldzug 1812 und in der V√∂lkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813 kam es zu keiner Wiederherstellung der polnisch-litauischen Republik und das Herzogtum Warschau wurde auf dem durch die Teilungsm√§chte dominierten Wiener Kongress aufgeteilt. Gro√üe Teile Gro√üpolens fielen als Provinz Posen wieder an Preu√üen. Krakau wurde zum Stadtstaat, der bis 1846 formal unabh√§ngigen Republik Krakau. Der Rest, das nach dem Wiener Kongress benannte Kongresspolen, wurde als K√∂nigreich Polen 1815 in Personalunion mit dem Russischen Kaiserreich verbunden, war also zun√§chst formal bis auf den gemeinsamen Herrscher vom russischen Reich unabh√§ngig. Bis 1831 genoss dieses polnische Staatswesen weitgehende Autonomie. Mit dem Aufkommen des russischen Nationalismus beim √úbergang von der Feudalgesellschaft zum Kapitalismus wurde durch die zaristische Verwaltung versucht, diese Autonomie Schritt f√ľr Schritt abzuschaffen.

Als Folge der Rekrutierung von Polen f√ľr die russische Armee zur Bek√§mpfung der Belgischen Revolution brach in Warschau der Novemberaufstand von 1830 aus, in dem die Polen versuchten, die russische Fremdherrschaft und Dominanz abzusch√ľtteln. Der Novemberaufstand wurde 1831 von der russischen Armee niedergeschlagen. Mit der Niederlage wurde die polnische Bev√∂lkerung seit 1831 in den preu√üischen und russischen Besatzungszonen einer verst√§rkten Germanisierung ‚Äď den preu√üischen Volksz√§hlungen zufolge ohne gr√∂√üere Auswirkungen auf die Bev√∂lkerungsverh√§ltnisse ‚Äď und Russifizierung unterzogen, die nach dem zweiten, gescheiterten Aufstand, dem Januaraufstand von 1863, besonders forciert wurde. Die Bezeichnung Polen wurde verboten und das Land durch die russische Obrigkeit als Weichselland bezeichnet. √Ąhnlich verfuhren auch die Hohenzollern in Pommerellen und Gro√üpolen: In Volksz√§hlungen tauchen Polen als Nationalit√§t auf, aber als zeitgen√∂ssischer geographischer Begriff wird Polen in preu√üischen Schulb√ľchern und allen deutschsprachigen Kartenwerken auf den russischen Teil beschr√§nkt. Nur im von √Ėsterreich besetzten polnischen Galizien konnten die Polen durch die politischen Reformen des Hauses Habsburg-Lothringen in der Donaumonarchie seit 1867 der geistig-nationalen Unterdr√ľckung in den von Preu√üen und Russland dominierten Teilen Polens entkommen. Im russischen Teil hingegen bildete die Revolution von 1905 einen Wendepunkt, in dem zun√§chst sozialistische Forderungen dominierten, sp√§ter aber die Forderung nach nationaler Unabh√§ngigkeit an Boden gewann.

Erster Weltkrieg

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges gr√ľndeten die Mittelm√§chte, insbesondere √Ėsterreich-Ungarn, Polnische Legionen unter dem Kommando von J√≥zef PiŇāsudski. W√§hrend des Ersten Weltkrieges beschlossen die Kaiserreiche Deutschland und √Ėsterreich-Ungarn die Gr√ľndung eines selbstst√§ndigen polnischen Staates auf dem dem russischen Zarenreich abgenommenen Territorium Kongresspolens. Dies war aber eher eine gegen Russland gerichtete Ma√ünahme als die Anerkennung des Rechts aller Polen auf Eigenstaatlichkeit seitens der Mittelm√§chte. 1916 wurde das in Analogie zum Entschluss des Wiener Kongresses benannte Regentschaftsk√∂nigreich Polen durch das Deutsche Reich ausgerufen. Hierzu wurde der Provisorische Staatsrat im K√∂nigreich Polen eingesetzt, der 1916 bis 1918 im Warschauer Kronenberg-Palast tagte und den das Triumvirat J√≥zef Ostrowski, Aleksander Kakowski und ZdzisŇāaw Lubomirski leitete. Durch die Kriegsereignisse bedingt, hatte der Provisorische Staatsrat im K√∂nigreich Polen nur begrenzte praktische Auswirkungen. Allerdings legten J√≥zef PiŇāsudski und seine Legionen nach der russischen Oktoberrevolution 1917 die Waffen nieder und weigerten sich, weiter f√ľr die Mittelm√§chte zu k√§mpfen, da das Kriegsziel der Polnischen Legionen mit der Niederlage Russlands bereits erreicht war. J√≥zef PiŇāsudski wurde daraufhin in Magdeburg interniert. Seine R√ľckkehr nach Polen nach der Niederlage der Mittelm√§chte war der Anlass f√ľr die Ausrufung der unabh√§ngigen Zweiten Polnischen Republik am 11. November 1918 in Warschau. Neben PiŇāsudski, der dem sozialistischen Lager entstammte, waren auch Roman Dmowski und Ignacy Jan Paderewski, die aus dem b√ľrgerlichen Lager stammten, f√ľr die polnische Unabh√§ngigkeit am Ende des Ersten Weltkriegs aktiv.

Zweite Republik

Woodrow Wilson machte bereits 1917 beim Kriegseintritt der USA in dem 14-Punkte-Programm klar, dass ein unabh√§ngiges Polen mit Zugang zur Ostsee eines der Kriegsziele der USA ist. Nach der Niederlage der Mittelm√§chte erlangte Polen seine Souver√§nit√§t zur√ľck. Am 11. November 1918 wurde die Zweite Polnische Republik ausgerufen. Das allgemeine aktive und passive Frauenwahlrecht wurde gleichzeitig mit dem entsprechenden Recht f√ľr M√§nner eingef√ľhrt. Dies geschah mit dem Dekret vom 28. November 1918 √ľber das Wahlverfahren f√ľr den Sejm kurz nach der Neugr√ľndung des polnischen Staates. Artikel 1 garantierte das aktive, Artikel 7 das passive Wahlrecht.

Im Friedensvertrag von Versailles wurde die Unabh√§ngigkeit der Republik Polen 1919 im internationalen Rahmen best√§tigt. Polen war damit Gr√ľndungsmitglied des V√∂lkerbundes. Gleichzeitig wurde im polnischen Minderheitenvertrag vom 28.¬†Juni 1919 der Schutz der deutschen Minderheit in Polen vereinbart.

Durch die Siegerm√§chte wurden in Mittel- und Osteuropa Grenzen nach Bev√∂lkerungsmehrheiten vorgesehen. Federf√ľhrend war dabei der britische Au√üenminister Lord George Nathaniel Curzon. Die Weimarer Republik war gezwungen, die preu√üischen Provinzen Westpreu√üen und Posen gr√∂√ütenteils aufzugeben. Sie waren im Rahmen der Teilungen Polens vom K√∂nigreich Preu√üen annektiert worden. Unmittelbar danach verlie√üen 200.000 Deutsche die der Republik Polen zugesprochenen Gebiete.

Aufgrund der unklaren politischen Verhältnisse nach dem Zusammenbruch der Hohenzollern- und Romanow-Monarchien kam es während der ersten Konsolidierungsphase des neuen Staates zu Konflikten mit den Nachbarstaaten, zum Beispiel mit Deutschland um Oberschlesien in der Schlacht um St. Annaberg oder um die Stadt Wilna im heutigen Litauen.

Ab M√§rz 1919 gelang es Polen im Polnisch-Sowjetischen-Krieg, weite Teile der Ukraine und Wei√ürusslands einzunehmen. Es folgte eine sowjetische Gegenoffensive, die anfangs erfolgreich war. In der Schlacht bei Warschau im Jahre 1920 wurde die Rote Armee jedoch unter hohen Verlusten zur√ľckgeworfen, worauf sie sich bis in die Ukraine zur√ľckzog. Nach dem Sieg Marschall J√≥zef PiŇāsudskis gegen die Bolschewiken an der Weichsel wurde im Friedensvertrag von Riga am 18.¬†M√§rz 1921 Polens Ostgrenze etwa 250¬†km √∂stlich der Curzon-Linie festgelegt.

Die Curzon-Linie markierte die √∂stliche Grenze des geschlossenen polnischen Siedlungsgebietes, w√§hrend die √∂stlichen Gebiete (Kresy) eine gemischte Bev√∂lkerungsstruktur aus Polen, Ukrainern, Wei√ürussen, Litauern, Juden und Deutschen aufwiesen, wobei die Polen in vielen St√§dten und die anderen Bev√∂lkerungsgruppen auf dem Land dominierten. W√§hrend die Bev√∂lkerungsmehrheit der St√§dte meist r√∂misch-katholisch oder j√ľdisch war, war die Landbev√∂lkerung √ľberwiegend orthodox. Gleichwohl verfehlte PiŇāsudski sein Ziel, die Ukraine als unabh√§ngigen ‚ÄěPufferstaat‚Äú zwischen Polen und Sowjetrussland zu etablieren. In Riga erkannte Polen die Ukraine als Teil der sp√§teren Sowjetunion unter Mykola Skrypnyk an. In den von Sowjetrussland Polen zugesprochenen Gebieten, √∂stlich des Westlichen Bugs, bildeten die Polen 1919 25¬†% der Bev√∂lkerung, 1939 waren es nach einer Ansiedlungspolitik mit Bevorzugung von Polen w√§hrend der Amtszeit PiŇāsudskis bereits etwa 38¬†%. Polnische Sprachinseln im je nach Region mehrheitlich ukrainischen oder wei√ürussischen Umland waren die Regionen um Pinsk, ŇĀuck, StanisŇāaw√≥w und Lemberg (Lw√≥w). Insgesamt waren in dem Gebiet 1939 von 13,5¬†Millionen Einwohnern etwa 3,5¬†Millionen Polen. Die Rajongemeinde Vilnius ist bis heute mehrheitlich polnischsprachig geblieben und die Stadt Vilnius bildet nach der Zwangsumsiedlung ihrer polnischen Stadtbewohner nach dem Krieg eine litauische Sprachinsel.

Die innere Konsolidierung des neuen Staates wurde erschwert durch die Zersplitterung der politischen Parteien, die in der Teilungszeit entstandenen unterschiedlichen Wirtschafts-, Bildungs-, Justiz- und Verwaltungssysteme sowie durch die Existenz starker ethnischer Minderheiten (31¬†% der Gesamtbev√∂lkerung). Au√üenpolitisch war Polen zun√§chst in das franz√∂sische Allianzsystem einbezogen. Eine restriktive Politik gegen√ľber der deutschen Minderheit, die zur Emigration etwa einer Million deutschsprachiger Staatsb√ľrger f√ľhrte, die Weigerung der Regierung Stresemann, die neue deutsche Ostgrenze anzuerkennen, ein ‚ÄěZollkrieg‚Äú um die oberschlesische Kohle sowie der politisch-weltanschauliche Gegensatz zum Sowjetsystem schlossen eine Kooperation Polens mit seinen beiden gr√∂√üten Nachbarn aus.

Am 12. Mai 1926 gewann Marschall PiŇāsudski nach einem Staatsstreich die Macht (1926‚Äď1928 und 1930 als Ministerpr√§sident, 1926‚Äď1935 als Kriegsminister). Zur au√üenpolitischen Absicherung wurden Nichtangriffsvertr√§ge mit der Sowjetunion (1932) und dem Deutschen Reich (1934) geschlossen. Au√üenminister J√≥zef Beck strebte den Aufstieg Polens zur ostmitteleurop√§ischen Hegemonialmacht im Rahmen eines neuen Europas von der Ostsee bis zur Adria an. Seine Pl√§ne scheiterten jedoch aufgrund der geopolitischen Lage. Trotz der Weltwirtschaftskrise 1929 konnte sich die Wirtschaft in der Zweiten Polnischen Republik entwickeln. Ehrgeizige Projekte wie der Bau der Hafenstadt Gdynia und der Zentralen Industrieregion konnten verwirklicht werden. Ein Zeichen des Luxus der Zwischenkriegszeit waren die Schnellz√ľge Luxtorpeda, die unter anderem zwischen Krakau und dem immer beliebter werdenden Bergkurort Zakopane verkehrten.

Kurz bevor Polen selbst vom nationalsozialistischen Deutschland angegriffen wurde, stellte es im Zuge des M√ľnchener Abkommens territoriale Forderungen an die Tschechoslowakei. Im Oktober 1938 annektierte Polen gegen den Willen der tschechischen Regierung das mehrheitlich von Polen bewohnte Olsagebiet, das 1919 von der Tschechoslowakei besetzt worden war.

Zweiter Weltkrieg

Im August 1939 schlossen das Deutsche Reich und die Sowjetunion den Hitler-Stalin-Pakt, in dessen geheimem Zusatzprotokoll der gemeinsame √úberfall auf Polen sowie die Annektierung der baltischen Staaten durch die Sowjetunion beschlossen wurden. Am 1. September 1939 wurde Polen vom Deutschen Reich angegriffen. Auch Truppen des deutschen Vasallenstaats Slowakei stie√üen auf polnisches Gebiet vor. Damit nahm der Zweite Weltkrieg seinen Anfang, in dem 5,62 bis 5,82 Millionen polnische Staatsb√ľrger, darunter fast die H√§lfte j√ľdischer Abstammung, ihr Leben verlieren sollten. Nachdem die westlichen Teile des Landes an die deutschen Invasoren verlorengegangen waren, begann ab 17. September unter dem Vorwand des ‚ÄěSchutzes‚Äú der wei√ürussisch-ukrainischen Bev√∂lkerung durch den Einmarsch der Roten Armee die sowjetische Besetzung Ostpolens. Die Annexion und Aufteilung des polnischen Staatsgebietes war zuvor in einem geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt von den Diktatoren beschlossen worden. Anschlie√üend verlie√ü die polnische Regierung in der Nacht vom 17. auf den 18. September 1939 √ľber den noch freien Grenz√ľbergang bei Kuty (heute in der Ukraine) Polen und begab sich ins neutrale Rum√§nien, sp√§ter nach Paris und 1940 nach London. Von dort aus organisierte sie den Widerstand gegen die deutsche und sowjetische Besatzung.

Hitler machte fr√ľhzeitig klar, dass er die ‚ÄěLiquidierung des f√ľhrenden Polentums‚Äú (Reinhard Heydrich) ins Auge gefasst hatte. Allein in den ersten vier Monaten der deutschen Besatzungsherrschaft wurden mehrere 10.000 Menschen erschossen (Unternehmen Tannenberg). Anfang der 1940er Jahre errichteten die Nationalsozialisten mehrere Konzentrationslager auf dem Gebiet Polens, unter anderen die Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, Majdanek und Treblinka. Die Besatzungszeit hatte f√ľr gro√üe Teile der polnischen Zivilbev√∂lkerung katastrophale Folgen. In dem Land, in dem urspr√ľnglich mehr als drei Millionen Juden lebten, f√ľhrten die Nationalsozialisten einen sogenannten ‚ÄěVolkstumskampf‚Äú, dem 5.675.000 Zivilisten zum Opfer fielen. Polen wurde gem√§√ü dem Hitler-Stalin-Pakt im Westen von der Wehrmacht und im Osten von der Roten Armee besetzt und zum Teil annektiert.

Zu den √ľbergreifenden Zielen der Besatzungspolitik im gesamten Gebiet geh√∂rte erstens die Ausschaltung und Vernichtung der polnischen Juden und der polnischen Intelligenz, zweitens die Vorverlegung der deutschen Ostgrenze und die Erweiterung des ‚ÄěLebensraums im Osten‚Äú (Generalplan Ost) und drittens die St√§rkung der deutschen Kriegswirtschaft durch Ausbeutung des Arbeitskr√§ftepotenzials der Zwangsarbeiter und der materiellen Ressourcen Polens. Gro√üpolen, die 1919 an Polen abgetretenen Teile Westpreu√üens sowie Ostoberschlesien wurden direkt von Deutschland annektiert. Kleinpolen, Masowien und Galizien mit etwa zehn Millionen Menschen wurden als sogenanntes Generalgouvernement dem Reichsminister Hans Frank unterstellt. Er leitete die Vernichtungspolitik vom Wawel aus, dem Krakauer K√∂nigssitz der fr√ľhen polnischen K√∂nige. W√§hrend seiner Regierungszeit organisierte er den Raub von Beutekunst aus polnischen Museen, Kirchen und Privatsammlungen in einem bisher nicht gekannten Ausma√ü.

Auch die Polen, die unter sowjetische Herrschaft gerieten, waren von Gewaltma√ünahmen betroffen. Man sch√§tzt, dass ungef√§hr 1,5¬†Millionen ehemalige polnische B√ľrger deportiert wurden. 300.000 polnische Soldaten gingen in sowjetische Kriegsgefangenschaft, nur 82.000 von ihnen √ľberlebten. Ein Gro√üteil der Offiziere, etwa 30.000 Personen, wurde durch sowjetische Truppen 1940 im Massaker von Katyn und in den Kriegsgefangenenlagern von Starobelsk, Koselsk und Ostaschkow ermordet. Bereits vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte Stalin in der Polnischen Operation des NKWD √ľber 100.000 Polen in der Sowjetunion ermorden lassen. Das Morden der sowjetischen Kommunisten ging auch nach dem Zweiten Weltkrieg in dem erneut von der Sowjetunion besetzten Polen weiter.

Nachdem das Deutsche Reich die Sowjetunion 1941 angegriffen hatte, entstand im Hinterland der Sowjetunion aus polnischen Soldaten die Anders-Armee in St√§rke von sechs Divisionen. Mangels Ausr√ľstung und Verpflegung wurden diese Einheiten jedoch bereits 1942 √ľber Persien in den Nahen Osten verlegt, wo sie dem britischen Nahostkommando unterstellt wurden. Sp√§ter k√§mpften sie als 2. Polnisches Korps in Pal√§stina, Afrika und Italien, wo sie unter anderem das Kloster Monte Cassino von der Wehrmacht erobern konnten.

Polnische Soldaten k√§mpften auf Seiten der Alliierten an nahezu allen Fronten des Zweiten Weltkrieges von der Luftschlacht um England, in Afrika, der Sowjetunion, bis zur Invasion in der Normandie und in Italien. Die polnischen Soldaten stellten damit noch vor den Franzosen die viertgr√∂√üte Armee der Alliierten auf dem europ√§ischen Kontinent. Polnische Partisanengruppen, welche die gr√∂√üte Widerstandsbewegung im besetzten Europa darstellten, leisteten auch in Polen selbst Widerstand. Nachdem die Rote Armee im Januar 1944 die polnische Grenze von 1939 √ľberschritten hatte, wurden die Truppen der Heimatarmee vom NKWD entwaffnet, ihre Offiziere erschossen oder in den sowjetischen Gulag geschickt. Der Kampf einzelner Untergrundeinheiten gegen das von der Sowjetunion abh√§ngige kommunistische Regime wurde bis Ende der 1940er Jahre fortgef√ľhrt.

Am 1. August 1944 begann auf Befehl der Londoner Exilregierung der Warschauer Aufstand. Die Sowjetunion, deren Truppen bereits am Ostufer der Weichsel standen, unterst√ľtzen die Einheiten der Heimatarmee fast gar nicht. Die gro√üe Entfernung machte eine effektive Hilfe der Westalliierten unm√∂glich. So konnten deutsche Besatzungstruppen die gr√∂√üte europ√§ische Erhebung gegen sich niederschlagen. Die Zahl der Toten wird auf 180.000 bis 250.000 gesch√§tzt. Danach wurde die Innenstadt Warschaus unter gro√üem Einsatz an Sprengmaterial nahezu vollst√§ndig zerst√∂rt.

Volksrepublik

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurden die Grenzen des ehemaligen polnischen Staatsgebietes gem√§√ü dem Potsdamer Abkommen nach Westen verschoben. Polen verlor das ethnisch gemischte, mehrheitlich von Ukrainern und Wei√ürussen bev√∂lkerte Drittel seines bisherigen Staatsgebietes an die Sowjetunion. Die dort ans√§ssige polnische Bev√∂lkerung, etwa 1,5¬†Millionen Menschen, wurde als Repatrianten nach Polen vertrieben. Bereits in den Jahren 1943‚Äď1944 waren zehntausende Polen in den Massakern in Wolhynien ermordet worden, hunderttausende hatten fl√ľchten m√ľssen.

Im Westen und Norden wurden die deutschen Gebiete √∂stlich der Oder und Nei√üe (Oder-Nei√üe-Linie) bis gem√§√ü den Vorgaben der Konferenzen der Alliierten in Teheran, Jalta und Potsdam Polen zuerkannt. Etwa f√ľnf Millionen Deutsche waren gegen Kriegsende von dort geflohen und wurden durch Einreiseverbot an einer R√ľckkehr gehindert; nach dem Krieg wurden weitere 3,5 Millionen Menschen vertrieben. Einige deutsch- und polnischsprachige Oberschlesier und Masuren blieben in Polen. Viele, die deutsche Namen hatten, lie√üen diese in polnische Namen √§ndern. Der Gebrauch der deutschen Sprache wurde insbesondere in Schlesien zumindest bis in die 1970er Jahren von offizieller Seite eingeschr√§nkt.

Die wiedergewonnenen Gebiete besiedelten drei Millionen B√ľrger aus Zentralpolen, etwa ein bis zwei Millionen Geflohene und Vertriebene aus Ostpolen und im Jahr 1947 etwa 150.000 durch die Aktion Weichsel aus dem Grenzgebiet zur Sowjetunion umgesiedelte Ukrainer und Ruthenen.

Mit dem Görlitzer Abkommen zwischen der neu entstandenen DDR und der Volksrepublik Polen vom 6. Juli 1950 wurde diese Grenzziehung von der DDR und durch den in Warschau geschlossenen Vertrag vom 7. Dezember 1970 von der Bundesrepublik Deutschland anerkannt.

Auf die deutsche Besatzung w√§hrend des Zweiten Weltkrieges folgte die von der sowjetischen Besatzung oktroyierte kommunistische Diktatur. Polen wurde dem Einflussbereich der Sowjetunion zugeschlagen und wurde als Volksrepublik Polen Teil des Warschauer Pakts. Die Marionettenregierung bestand w√§hrend des Stalinismus aus dem Triumvirat Jakub Berman, Hilary Minc und BolesŇāaw Bierut. Ab 1956 kam es nach Aufst√§nden zu einer Entstalinisierung unter dem Vorsitzenden der kommunistischen Partei WŇāadysŇāaw GomuŇāka. GomuŇāka folgte 1970 Edward Gierek und 1980 StanisŇāaw Kania, bis 1981 die Junta Jaruzelskis die Macht ergriff. Polen wurde bis 1989 in den Rat f√ľr gegenseitige Wirtschaftshilfe und den Warschauer Pakt eingebunden. Durch mehrere Aufst√§nde √§u√üerte die polnische Bev√∂lkerung immer wieder ihren Unmut gegen√ľber der sowjetischen Besatzung, beispielsweise im Posener Aufstand 1956, den M√§rz-Unruhen 1968, dem Danziger Aufstand 1970, dem Volksaufstand in Radom und Ursus bei Warschau 1976. 1956 zeigten die Polen in sehr hohem Ma√üe ihre Solidarit√§t mit den Ungarn, deren Erhebung gegen die sowjetische Fremdherrschaft blutig niedergeschlagen wurde. 1968 beteiligten sich die Truppen der Volksrepublik Polen unter General Wojciech Jaruzelski an der milit√§rischen Niederschlagung des Prager Fr√ľhlings.

Erst die Gr√ľndung der Gewerkschaft SolidarnoŇõńá nach dem ersten Papstbesuch Johannes Paul II. im Jahr 1979 f√ľhrte schlie√ülich zu einem gesellschaftlich-politischen Umschwung in und zu den revolution√§ren Ereignissen von 1980 bis 1989, die zuerst in der Verh√§ngung des Kriegsrechts und schlie√ülich in den Runder-Tisch-Gespr√§chen und den ersten im Ostblock teilweise freien Wahlen am 4. und 18.¬†Juni 1989 m√ľndeten. An deren Ende wurden der sogenannte Ostblock und anschlie√üend auch die Sowjetunion aufgel√∂st und das kommunistische Regime durch eine demokratische Regierungsform ersetzt. Die Rolle Lech WaŇāńôsas in der SolidarnoŇõńá-Gewerkschaft wird hierbei kontrovers diskutiert.

Dritte Republik

Bei den teilweise freien Parlamentswahlen vom 4. und 18.¬†Juni 1989 gewann das B√ľrgerkomitee SolidarnoŇõńá, die politische Organisation der Gewerkschaft SolidarnoŇõńá, s√§mtliche 161 von 460 frei gew√§hlten Sitzen im Sejm und 99 von 100 Sitzen im wiedereingef√ľhrten Senat. Tadeusz Mazowiecki wurde zum ersten Ministerpr√§sidenten der Dritten Republik Polens gew√§hlt; er war damit der erste Regierungschef eines Staates des Warschauer Pakts, der zum Zeitpunkt seiner Wahl nicht Mitglied der kommunistischen Partei war. Am 29.¬†Dezember 1989 wurde die Verfassung ge√§ndert. Die Bestimmungen √ľber die Allianz mit der Sowjetunion und den Ostblockstaaten und die F√ľhrungsrolle der kommunistischen Partei wurden gestrichen und der fr√ľhere Staatsname ‚ÄěRzeczpospolita Polska‚Äú (Republik Polen) mit dem alten Wappen wiedereingef√ľhrt. 1991 endete die Mitgliedschaft im Warschauer Pakt durch die Aufl√∂sung des Milit√§rb√ľndnisses.

Die Planwirtschaft wurde in eine Marktwirtschaft umgewandelt. Gem√§√ü dem umstrittenen Balcerowicz-Plan wurden zahlreiche Staatsunternehmen in kurzer Zeit privatisiert, wobei sehr viele Arbeitnehmer ihre Arbeitspl√§tze verloren. Im Dezember 1990 wurde der ehemalige SolidarnoŇõńá-Vorsitzende Lech WaŇāńôsa in einer Volkswahl zum Staatspr√§sidenten gew√§hlt. Unter WaŇāńôsa kam es zu zahlreichen Regierungswechseln. Insbesondere der Sturz der Regierung Jan Olszewski 1992 wird in Polen kontrovers diskutiert, da WaŇāńôsa augenscheinlich hier versucht hat, die Ver√∂ffentlichung einer Liste mit Geheimdienstmitarbeitern unter den polnischen Spitzenpolitikern zu vereiteln, auf der er selbst sich befand.

Das Vertrauen der Polen zu WaŇāńôsa sank, und im Dezember 1995 verlor er die Pr√§sidentschaftswahl gegen den Herausforderer und ehemaligen kommunistischen Jugendminister der 1980er Jahre Aleksander KwaŇõniewski. W√§hrend KwaŇõniewskis Amtszeit trat Polen 1999 der NATO und 2004 der Europ√§ischen Union bei. Am 2.¬†April 1997 wurde von Sejm und Senat eine neue Verfassung verabschiedet und am 25.¬†Mai 1997 per Volksabstimmung, an der allerdings weniger als 50¬†% der Abstimmungsberechtigten teilnahmen, angenommen. Sie trat am 17.¬†Oktober 1997 in Kraft. Am 1.¬†Mai 2004 wurde Polen zusammen mit neun weiteren Staaten Mitglied der Europ√§ischen Union. Polen ist unter den mittlerweile 13 neuen Mitgliedstaaten das bev√∂lkerungsreichste und fl√§chenm√§√üig gr√∂√üte Land. W√§hrend des Konfliktes um die Pr√§sidentschaftswahlen im Nachbarstaat Ukraine im November und Dezember 2004 engagierte sich der polnische Pr√§sident Aleksander KwaŇõniewski als Vermittler zwischen den Konfliktparteien, w√§hrend weite Teile der polnischen √Ėffentlichkeit und viele Medien in besonders hohem Ausma√ü Solidarit√§t mit der Ukraine und ihrem neuen Pr√§sidenten Wiktor Juschtschenko √ľbten.

Die Parlamentswahlen des Jahres 2005 f√ľhrten zu einem Politikwechsel in Polen. Der bis dahin regierende SLD wurde durch ein konservatives B√ľndnis abgew√§hlt. Wahlsieger der Sejm- und Senatswahlen wurde die nationalkonservative PiS von JarosŇāaw KaczyŇĄski, vor der liberalkonservativen PO. Lech KaczyŇĄski, der Zwillingsbruder von JarosŇāaw, gewann anschlie√üend im Oktober 2005 die Pr√§sidentschaftswahlen. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 21.¬†Oktober 2007 verlor die PiS ihre Position als st√§rkste Partei.

Von November 2007 bis 2015 bildeten die liberalkonservative PO und ihr Koalitionspartner, die Bauernpartei PSL, die Regierung. Zunächst unter Ministerpräsident Donald Tusk, und ab 2014 eine unter Ewa Kopacz.

Am 10. April 2010 st√ľrzte eine polnische Regierungsmaschine mit 96 Insassen bei Smolensk ab. Unter den Todesopfern waren Polens Staatspr√§sident Lech KaczyŇĄski und seine Ehefrau Maria, zahlreiche Abgeordnete des Parlaments, Regierungsmitglieder, hochrangige Offiziere, Kirchenvertreter, leitende Vertreter von Zentralbeh√∂rden sowie Vertreter von Verb√§nden der Opferangeh√∂rigen des Massakers von Katyn. Der Grund f√ľr den Absturz ist bis heute unklar und wird weiterhin untersucht.

Nach der Pr√§sidentschaftswahl im Mai 2015 l√∂ste Andrzej Duda als Staatspr√§sident den bisherigen Amtsinhaber BronisŇāaw Komorowski ab. Die Parlamentswahl im Oktober 2015 brachte einen Erdrutschsieg f√ľr die nationalkonservative PiS, die mit 37,6¬†% und 235 von 460 Abgeordneten die erste Alleinregierung in Polen seit 1989 bilden konnte. Noch im selben Jahr begann durch Justizreformen die polnische Verfassungskrise.

Politik

Die Republik Polen ist eine parlamentarische Demokratie. Das derzeit g√ľltige Staatsorganisationsrecht wird vor allem in der Verfassung von 1997 kodifiziert. Im europ√§ischen Vergleich enth√§lt das polnische Regierungssystem zahlreiche Elemente der direkten Demokratie. Im Demokratieindex 2019 der britischen Zeitschrift The Economist belegt Polen Platz 57 von 167 L√§ndern und gilt als eine ‚Äěunvollst√§ndige Demokratie‚Äú.

Verfassung

Die erste moderne polnische Verfassung verabschiedete der Gro√üe Sejm am 3. Mai 1791. Die derzeit g√ľltige Verfassung wurde am 2. April 1997 von der Nationalversammlung angenommen und in einem Referendum am 25. Mai 1997 von den wahlberechtigten Polen beschlossen. Zwar votierten 53,45¬†% der Referendumsbeteiligten f√ľr die Verfassung, die Beteiligung lag jedoch nur bei 42,86¬†%. Damit stimmte nur ca. jeder f√ľnfte Referendumsberechtigte f√ľr die Verfassung. Die Verfassung trat am 17. Oktober 1997 in Kraft. Sie enth√§lt 243 Artikel und ist damit bedeutend l√§nger als die Verfassungen der Bundesrepublik oder der USA.

Legislative

Das polnische Parlament geh√∂rt zu den √§ltesten Parlamenten der Welt und existiert ‚Äď in verschiedenen Formen als Dreikammerparlament und mit Unterbrechungen ‚Äď seit 1493. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, Sejm und Senat. Der Sejm hat, zusammen mit dem Senat, die Legislative inne. Die im Parlament vertretenen politischen Parteien gruppieren sich als Fraktionen in eine Regierung und die Opposition. Die Sejm-Abgeordneten und Senatoren kommen zu besonderen Anl√§ssen in der Nationalversammlung zusammen.

Sejm

Der Sejm setzt sich aus 460 Abgeordneten zusammen. Er beschlie√üt √ľber seine Gesch√§ftsordnung. Der Sejm wird von dem Sejm-Marschall geleitet. Der Sejm-Marschall ist formal nach dem Staatsoberhaupt das zweith√∂chste politische Amt in der Republik Polen. Der Sejm hat seinen Sitz im Warschauer Regierungsviertel. Die Abgeordneten werden f√ľr eine vierj√§hrige Legislaturperiode nach dem Verh√§ltniswahlrecht in allgemeiner und geheimer Wahl gew√§hlt. Es gilt eine 5%-H√ľrde f√ľr Parteien und eine 8%-H√ľrde f√ľr Wahlb√ľndnisse. Die Sitze im Sejm werden nach dem D‚ÄôHondt-Verfahren verteilt. √úberhangmandate gibt es nach dem polnischen Wahlrecht nicht. Zur Gr√ľndung einer Fraktion im Sejm sind f√ľnfzehn Abgeordnete notwendig. Der Sejm beruft (Untersuchungs-)Aussch√ľsse ein. 2017 gab es im Sejm 25 Aussch√ľsse. Abgeordnete genie√üen Immunit√§t.

Senat

Der Senat setzt sich aus 100 Abgeordneten zusammen. Er beschlie√üt √ľber seine Gesch√§ftsordnung. Der Senat wird von dem Senat-Marschall geleitet. Der Senats-Marschall ist formal nach dem Staatsoberhaupt und dem Sejm-Marschall das dritth√∂chste politische Amt in der Republik Polen. Der Senat hat seinen Sitz im Warschauer Regierungsviertel. Die Senatoren werden f√ľr eine vierj√§hrige Legislaturperiode nach dem Mehrheitswahlrecht in allgemeiner und geheimer Wahl in hundert Wahlkreisen gew√§hlt. Der Senat beruft (Untersuchungs-)Aussch√ľsse ein. Im Senat gab es 2017 14 Aussch√ľsse. Senatoren genie√üen Immunit√§t.

Gesetzgebungsverfahren

Das Gesetzesinitiativrecht steht dem Pr√§sidenten, der Regierung, dem Senat, einer Gruppe von mindestens 15 Abgeordneten oder den B√ľrgern (Gesetzesinitiative muss von 100.000 B√ľrgern unterschrieben werden) zu. Der Gesetzesentwurf ist an den Sejm-Marschall zu leiten. Der Sejm-Marschall organisiert drei Lesungen und Diskussionen im Sejm. Ein vom Sejm angenommenes Gesetz wird an den Senat weitergeleitet. Ein Senat-Veto kann von dem Sejm √ľberstimmt werden, wenn mindestens die H√§lfte der gesetzlichen Abgeordnetenzahl an der Abstimmung teilnimmt. Ein vom Parlament beschlossener Gesetzentwurf wird an den Pr√§sidenten gesandt, der es unterzeichnen, an den Sejm zur√ľcksenden (ein Veto einlegen) oder zur Pr√ľfung auf Verfassungsm√§√üigkeit an den Verfassungsgerichtshof weitergeben kann. Ein Veto des Pr√§sidenten kann vom Sejm mit einer Dreif√ľnftelmehrheit der abgegebenen Stimmen zur√ľckgewiesen werden, wenn mindestens die H√§lfte der gesetzlichen Abgeordnetenzahl an der Abstimmung teilnimmt. Angenommene Gesetze sind im Gesetzesblatt der Republik Polen zu ver√∂ffentlichen.

Direkte Demokratie

Die polnische Verfassung sieht Referenden auf nationaler und lokaler Ebene vor. Referenden auf nationaler Ebene können initiieren:

  • der Sejm
  • der Senat
  • die Regierung
  • die B√ľrger (hierf√ľr sind 500.000 Unterschriften notwendig)
  • der Pr√§sident

Referenden auf nationaler Ebene k√∂nnen in allen Angelegenheiten, die nationale Belange betreffen, abgehalten werden mit Ausnahme von Regelungen in Steuer-, Verteidigungs- und Amnestiefragen. Referendumsergebnisse sind bindend, wenn mindestens die H√§lfte der Referendumsberechtigten an der Abstimmung teilnimmt. Das Referendum zur Annahme der derzeit g√ľltigen Verfassung hat dieses Kriterium nicht erf√ľllt, da nur ca. 42¬†% der Referendumsberechtigten an der Abstimmung teilnahmen.

Rechtssystem

In Polen besteht ein kontinentaleuropäisches kodifiziertes Rechtssystem mit großen Kodizes in den Hauptrechtsgebieten, u. a. Zivilgesetzbuch, Arbeitsgesetzbuch, Strafgesetzbuch.

Exekutive

Organe der Exekutive sind der Staatspr√§sident, der zugleich Staatsoberhaupt ist, und der Ministerrat, der vom Premierminister angef√ľhrt wird. Die Verfassung vom Juli 1997 grenzt die Kompetenzen zwischen dem Pr√§sidenten und dem Ministerrat nicht hinreichend scharf ab. Insbesondere in den Bereichen Au√üen- und Verteidigungspolitik kommt es zu √úberschneidungen.

Präsident

Der Pr√§sident wird alle f√ľnf Jahre vom Volk direkt gew√§hlt. Erh√§lt im ersten Wahlgang kein Kandidat mehr als die H√§lfte der abgegebenen Stimmen, findet eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten statt, die die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnten. Eine einmalige Wiederwahl ist m√∂glich. Die Pr√§sidentschaftswahl am 24.¬†Mai 2015 konnte Andrzej Duda f√ľr sich entscheiden, welcher von der Partei Recht und Gerechtigkeit, als Kandidat aufgestellt wurde. Er wurde am 6.¬†August 2015 vereidigt.

Ministerrat

Der Premierminister sowie alle anderen Mitglieder des Ministerrats werden vom Präsidenten ernannt. Der Premierminister wird nach einem Exposé vom Sejm durch ein Vertrauensvotum bestätigt, in dem ihr/ihm mehr als die Hälfte der abstimmenden Abgeordneten das Vertrauen aussprechen muss bei einem Quorum von mindestens der Hälfte der gesetzlichen Abgeordnetenzahl. Die vom Sejm bestätigte Ministerratsmitglieder werden vom Präsidenten vereidigt. Der Ministerrat setzt sich aus dem Premierminister, den Vize-Premierministern, den Ministern und den Komiteevorsitzenden zusammen.

Judikative

Die Gerichtsbarkeit in Polen teilt sich grunds√§tzlich in eine ordentliche (sńÖdownictwo powszechne) und eine Verwaltungsgerichtsbarkeit (sńÖdownictwo administracyjne). Die Gerichtsbarkeiten verf√ľgen √ľber zwei Instanzen. Das oberste Gericht ist in der ordentlichen Gerichtsbarkeit das Oberste Gericht und in der Verwaltungsgerichtsbarkeit das Oberste Verwaltungsgericht, beide mit Sitz in Warschau. Ebenfalls in Warschau befinden sich der Verfassungsgerichtshof, der in verfassungsrechtlichen Fragen Recht spricht, und der Staatsgerichtshof.

Instanzen der ordentlichen Gerichtsbarkeit:

  • Rejongerichte (sńÖdy rejonowe)
  • Kreisgerichte (sńÖdy okrńôgowe)
  • Appellationsgerichte (sńÖdy apelacyjne)
  • Oberstes Gericht (SńÖd NajwyŇľszy), der aus f√ľnf Kammern besteht, darunter u.¬†a. die Disziplinarkammer, deren Status vom Gerichtshof der EU gepr√ľft wird (C-791/19).

Als erstinstanzliches Gericht fungiert in der Regel das Rejongericht, und gegen seine Entscheidung kann beim Kreisgericht Berufung eingelegt werden. Ist jedoch das erstinstanzliche Gericht das Kreisgericht, dann dient die Berufung dem Appellationsgericht. Annullierungen und Kassationsbeschwerden ‚Äď die jedoch nicht als n√§chste, dritte Instanz bezeichnet werden k√∂nnen ‚Äď werden immer vom Obersten Gericht entschieden.

Instanzen der Verwaltungsgerichtsbarkeit:

  • Woiwodschaftsverwaltungsgericht (Wojew√≥dzkie SńÖdy Administracyjne)
  • Oberstes Verwaltungsgericht (Naczelny SńÖd Administracyjny)

Eine separate Arbeits-, Sozial- und Finanzgerichtsbarkeit gibt es in Polen nicht. Rechtsstreitigkeiten im Arbeitsrecht werden vor den ordentlichen Gerichten, Rechtsstreitigkeiten im Sozial- und Finanzrecht vor den Verwaltungsgerichten ausgetragen. Es besteht zudem eine separate Militärgerichtsbarkeit. Private Schiedsgerichte sind zulässig. So hat zum Beispiel die deutsch-polnische Industrie- und Handelskammer ein Schiedsgericht in Warschau.

Siehe auch

  • Strafrecht (Polen)
  • Zivilrecht (Polen)
  • Familienrecht (Polen)

Parteien

W√§hrend im 16. und 17. Jahrhundert Zusammenschl√ľsse von Abgeordneten im polnischen Sejm spontan waren und meist nur die Wahl eines K√∂nigs oder die Durchsetzung von kurzfristigen Interessen im Rahmen einer Konf√∂deration dienten, etablierten sich die ersten dauerhaften Parteien am Anfang des 18. Jahrhunderts, insbesondere anfangs die Familia um die Magnatenfamilien der Czartoryski und Poniatowski sowie die mit dieser konkurrierenden Hetmanen-Partei um die Magnatenfamilien der Branicki und Potocki sowie die Kamaryla Mniszcha um Jerzy August Mniszech und in der zweiten Jahrhunderth√§lfte die Parteien der Jakubiner, der Patrioten und die Verfassungs-Partei, die sich im Zuge der Reformen des Gro√üen Sejms bildeten. Moderne Parteien entstanden w√§hrend der Teilungszeit im 19. Jahrhundert in den zu Preu√üen, √Ėsterreich und Russland geh√∂renden Landesteilen. Entsprechend gro√ü war die Anzahl der Parteien am Anfang der Zweiten Polnischen Republik nach der Erlangung der Unabh√§ngigkeit. Nach der sowjetischen Besetzung 1939/1944 wurde nach russischem Vorbild ein Einparteiensystem eingef√ľhrt, wobei es noch zwei Scheinparteien gab, die keine politische Rolle spielten. Nach 1989 entstanden aus der SolidarnoŇõńá-Bewegung und den Postkommunisten zahlreiche Kleinparteien. Nach der Jahrtausendwende vereinigten sich einige dieser Kleinstparteien zu den derzeit f√ľhrenden Parteien im polnischen Sejm. 2017 waren in Polen 85 politische Parteien registriert. Die Verfassung sowie das Parteiengesetz regeln die Rechte und Pflichten von Parteien.

Parlamentsparteien
Spitzenpolitiker

Einer der Kritikpunkte an der Verfassung von 1997 ist, dass die von ihr vorgegebene Rangordnung der Politiker nicht den tatsächlichen politischen Machtverhältnissen entspricht. Formell sind der Staatspräsident und danach folgend der Sejm-Marschall sowie der Senat-Marschall die wichtigsten Politiker in Polen. De facto bestimmt jedoch der Premierminister die laufende Politik, der in der formellen Rangordnung erst an vierter Stelle steht. Nicht ohne politischen Einfluss ist zudem der Vorsitzende der Regierungspartei bzw. -koalition, da die Parlamentsmehrheit den Premierminister jederzeit abberufen kann.

Außenpolitik

Die Au√üenpolitik der Dritten Republik wird von der Geschichte und der geopolitischen Lage Polens bestimmt. Verantwortlich zeichnet der Au√üenminister, derzeit Jacek Czaputowicz, unterst√ľtzt vom Pr√§sidenten.

Die polnische Außenpolitik ist aufgrund der langen Erfahrung von Fremdbestimmung auf möglichst uneingeschränkte Souveränität ausgerichtet. In der EU sucht Polen ein hohes Maß an Eigenständigkeit.

Polen ist Gr√ľndungsmitglied zahlreicher internationaler Organisationen, unter anderem: Vereinte Nationen, Mitteleurop√§isches Freihandelsabkommen (bis einschlie√ülich 2004), Ostseerat, Visegr√°d-Gruppe, Weimarer Dreieck oder Kaliningrad Dreieck. Polen ist weiterhin Mitglied von: Europ√§ische Union, NATO, Welthandelsorganisation, Organisation f√ľr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Europ√§ischer Wirtschaftsraum, Internationale Energieagentur, Europarat, Organisation f√ľr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, Internationale Atomenergie-Organisation, Europ√§ische Weltraumorganisation, Europ√§ische S√ľdsternwarte, G6 der Europ√§ischen Union, Gemeinschaft der Demokratien, Zentraleurop√§ische Initiative, Drei-Meere-Initiative, Ostsee-Naturschutzorganisation sowie aller Unterorganisationen der UNO. Polen hat Beobachterstatus bei folgenden Organisationen: Arktischer Rat und Internationale Organisation der franz√∂sischsprachigen L√§nder. Polen ist Mitglied des Schengen-Raums und Anw√§rter f√ľr den Beitritt zur Eurozone. Die Europ√§ische Agentur f√ľr die Grenz- und K√ľstenwache ‚Äď Frontex hat ihren Sitz in Polen.

Als wichtigsten Verb√ľndeten sehen die Polen die Vereinigten Staaten. Auf polnischem Staatsgebiet sind seit 2016 US-Truppen stationiert.

Im Osten sieht sich Polen Litauen, Weißrussland und der Ukraine verbunden, mit denen es jahrhundertelang die polnisch-litauische Adelsrepublik gebildet hat. Polen sieht sich als Anwalt der Ukraine in deren Beziehungen zu NATO und EU.

Bereits die Adelsrepublik pflegte Polen diplomatische Beziehungen zu Persien und dem Osmanischen Reich, das im Gegenzug nie die Teilungen Polens anerkannt hat und bei jeder internationalen Konferenz nach dem polnischen Gesandten fragte.

Gute Beziehungen unterhielt die Adelsrepublik auch mit Frankreich und dem Kirchenstaat.

In der ersten H√§lfte des 20. Jahrhunderts entwickelte die Zweite Republik ein gutes Verh√§ltnis zu Gro√übritannien, das im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs f√ľr Polen eine Garantie abgab.

Die Beziehungen zu Deutschland und Russland sind dagegen seit den Teilungen Polens ‚Äď mit Ausnahme der Zeit der Polenbegeisterung (z.¬†B. Hambacher Fest) des Vorm√§rzes ‚Äď und insbesondere aufgrund des Zweiten Weltkriegs sowie der folgenden Abh√§ngigkeit von der Sowjetunion belastet. Interessanterweise sind dabei die Beziehungen zu √Ėsterreich, das ebenfalls an den Teilungen Polens und dem √úberfall auf Polen teilnahm, weitaus entspannter. Die Beziehungen zu der Schweiz, die Auslandspolen w√§hrend der Teilungszeit unterst√ľtzte, sind dagegen freundschaftlich.

Polen verbindet mit Ungarn ein besonders freundschaftliches Verh√§ltnis, das bis ins Hochmittelalter zur√ľckreicht, als die beiden K√∂nigreiche dreimal in Personalunion regiert wurden. Polen und Ungarn arbeiten zusammen mit Tschechien und der Slowakei eng in der Visegr√°d-Gruppe zusammen.

Auch zu den anderen Staaten der Drei-Meere-Initiative bestehen traditionell gute Beziehungen.

Militär

Gem√§√ü dem Ranking von Global Firepower (2016) besitzt Polen die 18. st√§rkste Armee weltweit und die 5. st√§rkste in Europa. Der Wehretat betrug 2016 9,7 Mrd. USD bzw. ca. 2¬†% des polnischen BIP, womit Polen eines der wenigen L√§nder ist, das die diesbez√ľglichen NATO-Vorgaben erf√ľllt. Derzeit modernisiert Polen seine Streitkr√§fte. Im Zuge der Ukrainekrise hat Polen diesen Prozess intensiviert. Der Wehretat soll auf 2,5¬†% des polnischen BIP und die Anzahl der Soldaten auf 200.000 aufgestockt werden. Polen hat angek√ľndigt, bis 2022 mehr als 30 Milliarden Euro f√ľr die Beschaffung neuer Waffensysteme auszugeben.

Der Pr√§sident ist oberster Befehlshaber √ľber die polnischen Streitkr√§fte. Unmittelbar untersteht das Milit√§r jedoch dem Verteidigungsminister und besteht aus den Luftstreitkr√§ften, der Marine, den Landstreitkr√§ften, den Spezialeinheiten und der Territorialverteidigung.

Historische Entwicklung

In den Zeiten der Adelsrepublik bestand die Wehrpflicht nur f√ľr die Szlachta zum Verteidigungskrieg. Bekannt sind in der Geschichte besonders die polnische Hussaria und die Ulanen, die sich in den Schweden- und T√ľrkenkriegen auszeichneten.

Eine der Reformen des Gro√üen Sejm Ende des 18. Jahrhunderts war die Einf√ľhrung eines stehenden Heers von 100.000 Mann, zu dessen Organisation es jedoch aufgrund der zweiten und dritten polnischen Teilung nicht mehr kam.

Während der napoleonischen Kriege entstanden polnische Legionen in Italien und Frankreich. Das Großherzogtum stellte einen großen Teil der Soldaten, die an Napoleons Russlandfeldzug 1812 teilnahmen.

Die moderne polnische Armee entstand w√§hrend des Ersten Weltkriegs aus der Polnischen Wehrmacht und den Polnischen Legionen sowie sp√§ter in der Zweiten Republik im Zuge des Polnisch-Sowjetischer Kriegs mit anfangs √ľber 800.000 Soldaten.

In der Volksrepublik unterstanden die polnischen Streitkr√§fte im Rahmen des Warschauer Paktes der sowjetischen F√ľhrung.

Nach 1989 wurde das Milit√§r reformiert, die Zahl der Soldaten von √ľber 500.000 auf 150.000 Soldaten (plus 450.000 Reservesoldaten) reduziert und die Ausr√ľstung modernisiert. Die polnischen Streitkr√§fte verf√ľgen √ľber neuestes Waffenmaterial, wie zum Beispiel die amerikanischen F-16, moderne israelische Panzerabwehrlenkwaffen und die finnischen Patria AMV 8√ó8. Daneben wurden die polnischen Waffenproduzenten durch Offset-Investitionen der Amerikaner auf den neuesten Stand gebracht und exportieren erfolgreich schweres Kriegsger√§t weltweit. Eine neue Eliteeinheit, die Einheit GROM, wurde in den 1990er Jahren eingef√ľhrt.

Im M√§rz 1999 trat Polen der NATO bei, nachdem es seit 1994 in deren Programm ‚ÄěPartnerschaft f√ľr den Frieden‚Äú mitgearbeitet hatte.

Am 13. November 2006 wurde mit Deutschland, Lettland, Litauen und der Slowakei ein Abkommen zur Bildung einer gemeinsamen EU-Einsatztruppe unterzeichnet. Polen √ľbernahm dabei das Oberkommando und stellte etwa 1500 Soldaten zur Verf√ľgung.

Bis 2008 bestand in Polen Wehrpflicht f√ľr M√§nner.

Polnische Militäreinheiten waren 2010 im Ausland in Afghanistan (2600 Soldaten), im Kosovo (320), in Bosnien und Herzegowina (204) und im Irak (20) im Einsatz.

Luftstreitkräfte

Die Luftstreitkr√§fte verf√ľgen √ľber knapp 200 Kampfflugzeuge, davon 48 Mehrzweck-Kampfflugzeug F-16, 36 Mehrzweck-Kampfflugzeug MiG-29 und 48 Bomber Suchoi Su-22 sowie etwa 250 Kampfhubschrauber. Es ist geplant, ca. 50 weitere Kampfhubschrauber zu erwerben.

Marine

Die polnische Marine verf√ľgt √ľber zwei Fregatten, eine Korvette, drei Schnellboote, f√ľnf U-Boote, mehrere Schul- und Hilfsschiffe sowie ein Flugzeug und f√ľnf Hubschrauber. Es ist geplant, die U-Boot-Flotte auszubauen.

Landstreitkräfte

Polen hat derzeit etwa 120.000 Soldaten und 500.000 Reservisten. Das R√ľckgrat der Landstreitkr√§fte bilden 1065 Kampfpanzer, davon 249 Leopard 2, 232 PT-91 und 528 T-72, sowie mehrere Tausend Sch√ľtzenpanzer und andere Panzerfahrzeuge, darunter insbesondere 1268 BMP-1, 690 KTO Rosomak, 237 BRDM-2, 28 Bergepanzer 2, 74 WPT Mors, 90 TRI, 5 KTO RyŇõ, 70 D-44, 27 9P148 ‚ÄěMalyutka‚ÄĚ, 217 HMMWV, 75 WR-40 Langusta, 75 BM-21, 120 AHS Krab, 111 DANA, 342 2S1, 20 ZSU-23-4MP BiaŇāa, 64 9K33 Osa sowie ca. 200 Kampfhubschrauber.

Spezialeinheiten

Die polnischen Spezialeinheiten verf√ľgen √ľber 2250 Elitesoldaten. Die bekannteste Spezialeinheit ist die GROM.

Territorialverteidigung

Die Einheiten der Territorialverteidigung (WOT) wurden 2017 als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine eingef√ľhrt. Derzeit dienen ca. 8000 Soldaten in dieser Einheit. Geplant ist, die Territorialverteidigung auf 50.000 Soldaten auszubauen.

Verwaltung

Verwaltungsgliederung

Seit dem 1. Januar 1999 ist Polen in 16 Woiwodschaften (wojew√≥dztwo) eingeteilt, die auf die historischen Regionen Polens Bezug nehmen. Die kleinste Woiwodschaft ‚Äď Oppeln ‚Äď ist nur ca. 10.000 Quadratkilometer gro√ü, w√§hrend die Fl√§che der gr√∂√üten Woiwodschaft ‚Äď Masowien ‚Äď 3,5-mal so gro√ü ist. Auch hinsichtlich der Einwohnerzahl gibt es gro√üe Unterschiede. W√§hrend die Woiwodschaft Masowien fast 5,5 Millionen Einwohner hat, leben in der Woiwodschaft Oppeln weniger als eine Million Menschen. Eine Reform der Woiwodschaften wird diskutiert, insbesondere wird erwogen, eine Woiwodschaft Mittelpommern aus den Randgebieten der Woiwodschaften Pommern und Westpommern zu bilden sowie die Metropolregion Warschau aus der Woiwodschaft Masowien auszugliedern. Im Gespr√§ch ist auch die Aufteilung der Woiwodschaft Oppeln auf die Woiwodschaften Niederschlesien und Schlesien.

Polen ist ein Zentralstaat. Die Autonomie der Woiwodschaften ist beschränkt. Insbesondere besitzen die Woiwodschaften nur eine sehr begrenzte Rechtsetzungskompetenz.

Jede Woiwodschaft besitzt als Selbstverwaltungsorgane eine eigene Volksvertretung ‚Äď Woiwodschaftssejmik (sejmik wojew√≥dztwa) und einen von ihnen gew√§hlten Woiwodschaftsvorstand (zarzńÖd wojew√≥dztwa) unter dem Woiwodschaftsmarschall (marszaŇāek wojew√≥dztwa) als Vorsitzendem. Der Woiwode (wojewoda) ist hingegen ein Vertreter der Zentralregierung in Warschau und f√ľr Kontrolle der Selbstverwaltung der Woiwodschaften, Landkreise (powiat) und Gemeinden (gmina) zust√§ndig.

Die Woiwodschaften gliedern sich in Landkreise und diese wiederum in Gemeinden. Es wird zwischen Landgemeinden, Stadtgemeinden und gemischten Stadt-Land-Gemeinden unterschieden. Größere Städte haben in der Regel sowohl den Status einer Gemeinde als auch eines Landkreises, sind also kreisfrei. Größere Gemeinden gliedern sich wiederum in Schulzenämter, Viertel, Siedlungen oder Kolonien. 2016 gab es in Polen sechzehn Woiwodschaften, 380 Landkreise und fast 2500 Gemeinden.

Städte

In der Antike wurden die Ortschaften Calisia und Turso auf dem heutigen Gebiet Polens erw√§hnt. Es wird vermutet, dass diese Orte mit den heutigen St√§dten Kalisz und ElblńÖg gleichzusetzen sind. Die Pfahlbausiedlung Biskupin geht auf das 8. Jahrhundert vor Christus zur√ľck. Slawische Siedlungen entstanden um das 6. Jahrhundert nach Christus vor allem auf leicht zu sch√ľtzenden See- und Flussinseln um Holzburgen der jeweiligen Stammesf√ľrsten. Vielen Ortschaften wurde ab dem 13. Jahrhundert ein Stadtrecht nach Magdeburger, L√ľbecker oder Kulmer Vorbild verliehen. Im Hochmittelalter traten viele St√§dte der Hanse oder anderen St√§dteb√ľnden bei. Nachdem in der Adelsrepublik das politische Gewicht sich von den St√§dten zum Adel verschob, verloren viele St√§dte im 18. Jahrhundert an Bedeutung. Mit den Reformen des Gro√üen Sejm Ende des 18. Jahrhunderts gewann das B√ľrgertum gegen√ľber dem Adel wieder an Bedeutung. Die Reformen waren jedoch aufgrund der beiden letzten polnischen Teilungen nicht von Dauer. Die modernen polnischen St√§dte entstanden im Zuge der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts.

Nach dem Hauptstatistikamt gab es im Jahr 2016 919 St√§dte in Polen. Etwa 40 St√§dte in Polen haben eine Einwohnerzahl von mehr als 100.000 und gelten damit als Gro√üst√§dte. Die kleinste Stadt WyŇõmierzyce hatte 921 Einwohner und Warschau als die bev√∂lkerungsreichste Stadt fast 2000-mal mehr. Die fl√§chenm√§√üig kleinste Stadt war Stawiszyn mit 0,99¬†km¬≤ und die gr√∂√üte Fl√§che hatte Warschau mit 517,24¬†km¬≤. Die geringste Bev√∂lkerungsdichte hatte Krynica Morska mit 12 Personen/km¬≤ und die h√∂chste Legionowo mit 3996 Personen/km¬≤.

Die gr√∂√üten St√§dte Polens sind Warschau, Krakau, ŇĀ√≥dŇļ, Breslau, Posen, Danzig, Stettin, Bydgoszcz und Lublin. Die gr√∂√üten Agglomerationen sind der Warschauer Gro√üraum, die Regionen um Kattowitz, ŇĀ√≥dŇļ, Krakau und die sogenannte ‚ÄěDreistadt‚Äú mit Danzig, Sopot und Gdingen. 60,5¬†% der polnischen Bev√∂lkerung leben in St√§dten, womit Polen zu den weniger stark urbanisierten L√§ndern in Europa z√§hlt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Wirtschaft Polens stand 2016 sowohl gemessen am Bruttoinlandsprodukt (467.647 Mio. USD) als auch bez√ľglich der Kaufkraftparit√§t (1.054.319 Mio. USD) an 24. Stelle in der Welt.

Seit dem Ende des Sozialismus hat sich die polnische Wirtschaft vergleichsweise gut entwickeln k√∂nnen. Polen konnte in den letzten Jahren ein durchg√§ngig positives Wirtschaftswachstum verzeichnen. Polen war das einzige europ√§ische Land, das infolge der globalen Krise (2008) keine Rezession erfahren musste. Seit 2013 hat sich die Wirtschaft weiter erholt, getragen von inl√§ndischer Nachfrage, insbesondere Investitionen und Konsum. 2017 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegen√ľber dem Vorjahr um 4,6 Prozent. Das Wachstum wird gef√∂rdert durch eine wirtschaftsfreundliche Politik, fiskalpolitische Stabilit√§t, ein flexibles Arbeitsrecht, durch die konsequente Nutzung von EU-F√∂rdermitteln f√ľr den Ausbau der Infrastruktur und nicht zuletzt auch durch umfangreiche ausl√§ndische Direktinvestitionen. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedr√ľckt in Kaufkraftstandards erreichte Polen 2015 einen Indexwert von 69 (EU-28:100) und damit etwa 55¬†% des deutschen Wertes.

Das Bruttoinlandsprodukt ist regional sehr unterschiedlich verteilt. Die reichsten Woiwodschaften waren 2009 Masowien (133¬†% des Landesdurchschnitts) und Niederschlesien (114¬†%) sowie die √§rmsten Woiwodschaften Lublin (68¬†% des Landesdurchschnitts), Karpatenvorland (71¬†%) und Heiligkreuz (74¬†%). Die Arbeitslosigkeit betrug im Dezember 2017 ca. 6,6 Prozent, die Zahl der registrierten Arbeitslosen lag bei 1,08 Mio. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Polen Platz 39 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegte Polen 2017 Platz 45 von 180 L√§ndern. Polen ist eine weitestgehend offene Volkswirtschaft, die sehr stark vom freien Handel in der Europ√§ischen Union profitiert.

Während die Inflation 2010 2,581 % betrug, herrscht seit Mitte 2014 Deflation in Polen.

In dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International lag Polen 2017 von 180 Ländern zusammen mit den Seychellen auf dem 36. Platz.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2017 Ausgaben von 375,9 Mrd. PLN, dem standen Einnahmen von 350,5 Mrd. PLN gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 25,4 Mrd. PLN.

Die Staatsverschuldung betrug im Dritten Quartal 2017 52¬†% des BIP und lag deutlich unterhalb der Werte f√ľr den EU-Durchschnitt von 82,5¬†% und der Eurozone von 88,1¬†%.

Der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche betrug in den letzten Jahren:

  • Gesundheit ‚Äď 6,4¬†% (2013)
  • Bildung ‚Äď 5¬†% (2014)
  • Milit√§r ‚Äď 2¬†% (2016)

Steuern

In Polen werden Steuern auf nationaler und regionaler Ebene erhoben. Die wichtigsten Steuern sind nationale Steuern, insbesondere die Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer. Abgesehen von der Umsatzsteuer sind die polnischen Steuersätze im internationalen Vergleich relativ niedrig.

In Polen wird eine lineare Einkommensteuer mit drei Steuersätzen von 0 % (Grundfreibetrag), 18 % und 32 % erhoben. Der polnische Spitzensteuersatz der Einkommensteuer beträgt damit 32 % und ist im internationalen Vergleich relativ niedrig. Unternehmer haben zudem die Möglichkeit, einen linearen Einkommensteuersatz von 19 % zu bezahlen, wenn sie eine vereinfachte Steuererklärung abgeben, in der sie auf die Geltendmachung gewisser Werbungskosten verzichten.

In Polen gibt es keine Gewerbesteuer. Ebenso wird keine Kirchensteuer und kein Solidaritätszuschlag erhoben.

Die Körperschaftssteuer wird auf das Einkommen von Kapitalgesellschaften erhoben. Der Steuersatz beträgt bei kleinen Kapitalgesellschaften 15 % und bei großen Kapitalgesellschaften 19 %.

In Polen gibt es keine Vermögenssteuer. Die Gemeinden erheben jedoch eine Grundsteuer auf in ihnen gelegene Immobilien.

Die Umsatzsteuersätze betragen 0 %, 5 %, 7 %, 8 % und 23 %. Gewisse Umsätze, die nicht der Umsatzsteuer unterliegen, werden mit einer Transaktionssteuer mit Steuersätzen von 0,1 % bis 2 % besteuert.

Polen hat mit den meisten Staaten ein Doppelbesteuerungsabkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Besteuerung von Einkommen abgeschlossen.

Außenhandel

Der Export umfasste im Jahre 2016 183,0 Mrd. Euro und der Import 178,2 Mrd. Euro. Da Polen ein g√ľnstiger Produktionsstandort f√ľr ausl√§ndische Unternehmen ist, hat es inzwischen eine positive Handelsbilanz. Mit 27,4¬†% der Exporte und 28,3¬†% der Importe stellte Deutschland den gr√∂√üten Handelspartner dar. Weitere wichtige Handelspartner sind die EU-Staaten Italien, Frankreich, Vereinigtes K√∂nigreich, Niederlande und Tschechien sowie Russland, Volksrepublik China und die USA.

Arbeitsmarkt

Im Fr√ľhjahr 2019 lag die Arbeitslosenquote nach GUS bei 5,9¬†%, was knapp eine Mio. Menschen im erwerbsf√§higen Alter ausmachte, sowie nach Eurostat bei 3,5¬†%. Zuvor lag im Oktober 2012 laut polnischem Haupt-Statistikamt die Arbeitslosigkeit bei 12,5¬†%.

Die Arbeitslosigkeit in Polen ist regional sehr unterschiedlich verteilt. In den Städten Posen und Warschau herrscht praktisch Vollbeschäftigung während in den ländlichen Regionen von Ermland-Masuren die Arbeitslosigkeit im September 2017 hingegen nach GUS bei 11,8 % lag Im November 2006 erhielten 13,2 Prozent der registrierten Arbeitslosen Arbeitslosengeld. Etwa 12 % der Beschäftigten waren 2013 in der Landwirtschaft beschäftigt, was im Verhältnis zum EU-Durchschnitt (5 %) viel ist. 30,3 % sind in der Industrie und 57,8 % im Dienstleistungssektor tätig. Etwa ein Drittel der Arbeitsplätze finden sich im öffentlichen Dienst.

Energieversorgung

Die Bruttostromerzeugung der polnischen Kraftwerke lag im Jahr 2012 bei ca. 160 TWh. Die elektrische Energieversorgung in Polen basiert weitgehend auf der Verstromung von Stein- und Braunkohle, die im Jahr 2012 zusammen 88,6¬†% des polnischen Stroms lieferten. Wichtigstes Bergwerksunternehmen ist die staatliche Kompania Wńôglowa. Gaskraftwerke waren weitgehend unbedeutend, Erneuerbare Energien deckten 8,7¬†% des Strombedarfs, wobei Biomasse vor der stark wachsenden Windenergie und der Wasserkraft lag. Polen hat reiche Lager an Geothermie, die derzeit verst√§rkt in Kujawien bei Thorn und in der Bergregion Podhale bei Zakopane genutzt wird. Der Anteil der Kraft-W√§rme-Kopplung liegt mit 16,6¬†% an der Gesamterzeugung auf relativ hohem Niveau. Aufgrund des sehr hohen Anteils konventioneller Energietr√§ger setzen sich polnische Politiker aus Sorge vor m√∂glicherweise hohen Kosten gegen ambitionierte Klimaschutzziele ein. Die polnische Politik setzt auch auf den Kohlestrom, um m√∂glichst unabh√§ngig von Energieimporten zu sein.

Das Land besitzt bisher keine kommerziell betriebenen Kernkraftwerke, betreibt aber mit dem Forschungsreaktor Maria, der am 18.¬†Dezember 1974 kritisch wurde, einen kleinen Versuchsreaktor mit einer thermischen Leistung von 30¬†MW. Dieser arbeitet gegenw√§rtig mit nur zwei Drittel der Leistung. Bis 1968 wurde im S√ľdwesten des Landes Uranbergbau betrieben. Die Planung neuer Kernkraftwerke wurde im Juni 2013 ausgesetzt. Begr√ľndet wurde der Schritt mit zu hohen Kosten.

Unternehmen

Polens Wirtschaft gilt als regionaler Leader in Mittel- und Osteuropa mit 40 % der 500 umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen der Region, die ihren Sitz in Polen haben.

Tourismus

Der Tourismus ist ein bedeutender Faktor bei den Einnahmen im Dienstleistungssektor. Nach der Weltorganisation f√ľr Tourismus ist Polen das 16. beliebteste Reiseziel bei internationalen Touristen. Im Jahr 2015 kamen √ľber 16,7 Mio. ausl√§ndische Touristen nach Polen, was einen Anstieg von 4,6¬†% gegen√ľber dem Vorjahr ausgemacht hat. Der touristische Sektor hat 2015 ein Volumen von fast 10 Mrd. US-Dollar ausgemacht. Im Jahr 2016 betrug die Anzahl der Einreisen nach Polen 80,5 Mio, wovon ca. 17,5 Mio. als touristisch zu werten sind.

Das beliebteste Reiseziel in Polen ist die ehemalige Hauptstadt Krakau, die zahlreiche Architekturdenkm√§ler und Kunstwerke aus dem polnischen Goldenen Zeitalter der Sp√§tgotik und Renaissance besitzt. Bedeutende touristische Ziele sind auch die St√§dte Warschau, Breslau, Danzig, Posen, Stettin, Lublin, Thorn und Zakopane. Der Tourismus spielt auch eine wichtige Rolle f√ľr die Gemeinden Krynica-Zdr√≥j, Karpacz, Szklarska Porńôba, Biecz, ZamoŇõńá, Sandomierz, Kazimierz Dolny, Tschenstochau, Gnesen, Frombork, Malbork, Gdynia, Sopot, KoŇāobrzeg, ŇöwinoujŇõcie und Mińôdzyzdroje. Viele St√§dte bieten touristische Dienstleistungen f√ľr Familien mit Kindern, so zum Beispiel Breslau mit den Breslauer Zwergen, Warschau, Kielce, Danzig und Stettin. Einige kleinere Orte in Polen sind Mitglied der Vereinigung Citt√†slow, die auf einen ausgewogenen Tourismus setzen.

Besuchermagneten sind: das Salzbergwerk Wieliczka, das Museum im Geburtshaus von Fryderyk Chopin in ŇĽelazowa Wola bei Sochaczew, die Ged√§chtnisst√§tte des Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, die K√ľste der Ostsee, die gro√üen Seeplatten in Gro√üpolen, Masuren, Kaschubien und Suwalki sowie die Gebirgsz√ľge der Sudeten und Karpaten, insbesondere die Tatra mit der Hohen Tatra und Westtatra, in der sich der h√∂chste Gipfel Polens Meeraugspitze sowie der bekannte H√∂henweg Orla Perńá befinden. Beliebte Erholungsgebiete sind auch die Heiligkreuzberge, Beskiden, Pieninen, Krakau-Tschenstochauer Jura und das Roztocze sowie Stettiner und Frisches Haff.

Der polnische Gebirgsverein PTTK betreibt zirka 200 Schutz- und Bergh√ľtten in den polnischen Bergen und h√§lt die 63.000 Kilometer (Fern-)Wanderwege in Stand, von denen der Beskiden-Hauptwanderweg, der Sudeten-Hauptwanderweg, der Pieninenweg und der Weg der polnisch-tschechischen Freundschaft die bekanntesten sind.

Zum Welterbe in Polen z√§hlen f√ľnfzehn Positionen, unter anderem die Altst√§dte von Krakau, Warschau, Thorn und ZamoŇõńá.

In Polen gibt es 23 Nationalparks, die bis auf streng gesch√ľtzte Naturreservate f√ľr Touristen zug√§nglich sind. Mit drei Millionen Besuchern ist der Tatra-Nationalpark der beliebteste.

Einer immer größeren Beliebtheit erfreut sich auch der Fahrradtourismus in Polen, so zum Beispiel der östliche Radwanderweg Green Velo.

Auf Fl√ľssen und Gew√§ssern gibt es viele Wasserwege f√ľr Kajak, Kanu, Segel- und Hausboote, zum Beispiel auf der Pilica, der Krutynia oder der Czarna HaŇĄcza.

In den Karpaten und Sudeten gibt es zahlreiche Skigebiete, die meisten in und um Zakopane in der Tatra und Szczyrk in den Schlesischen Beskiden sowie Karpacz im Riesengebirge.

Beliebt ist auch Kururlaub in den zahlreichen Kurorten wie PoŇāczyn-Zdr√≥j oder Ciechocinek.

Einer immer größeren Beliebtheit erfreuen sich Thermalbäder, die in den letzten Jahren vor allem in der Bergregion Podhale bei Zakopane eröffnet wurden.

In Polen gibt es √ľber hundert erhaltene mittelalterliche Burgen und Schl√∂sser, unter anderem die Adlerhorst-, Dunajec- und Deutschordensburg. Pal√§ste aus der Renaissance und dem Barock findet man vor allem im Osten Polens und in Warschau. Gutsh√∂fe des polnischen Kleinadels sind dagegen √ľber das ganze Land verstreut.

Verkehr

Polen ist ein wichtiges Transitland von Nordeuropa nach S√ľdeuropa und von Westeuropa nach Osteuropa. Bereits in der Antike und im Mittelalter f√ľhrten wichtige Handelsstra√üen durch das heutige Polen, wie zum Beispiel die Bernsteinstra√üen, der europ√§ische Abschnitt der Seidenstra√üe, die Handelsroute von Westeuropa nach Asien.

Straßenverkehr

Das Stra√üennetz verf√ľgt √ľber eine Gesamtl√§nge von etwa 382.000¬†km, darunter ungef√§hr 1374¬†km Autobahnen und weitere 1050¬†km Schnellstra√üen.

2007 war das polnische Autobahnverkehrsnetz noch zweieinhalbmal kleiner als das der Schweiz. Von 2007 bis 2012 wurde das Autobahnnetz nahezu verdoppelt, insgesamt um 672,5¬†Kilometer erweitert. Komplett ausgebaut soll das Netz knapp 2000¬†Kilometer betragen. Das Netz an Schnellstra√üen betrug 2006 insgesamt 266,2¬†km. In den sechs Jahren von 2007 bis 2012 erfolgte die Fertigstellung von 854¬†Kilometern und die Verf√ľnffachung des Schnellstra√üennetzes. Das Stra√üennetz an Schnellstra√üenverbindungen soll insgesamt 5500¬†km umfassen.

18.368¬†km Landesstra√üen (poln.: droga krajowa) dienen ‚Äď √§hnlich wie die deutschen Bundesstra√üen ‚Äď dem nationalen und internationalen Verkehr. Zum 1.¬†Januar 1999 wurden 28.444¬†km Landesstra√üen zu Woiwodschaftsstra√üen (poln: droga wojew√≥dzka) herabgestuft. Daneben gibt es noch 128.870¬†km Kreisstra√üen (poln: droga powiatowa) und 203.773¬†km Gemeindestra√üen (poln: droga gminna).

In Polen sind √ľber 12 Millionen Pkw und 2 Millionen Lkw und andere Nutzfahrzeuge registriert. Insgesamt waren Ende 2007 383¬†Pkw je 1000 Einwohner registriert, im EU-Durchschnitt sind es 486. 2017 wurden rund 350.000 alte Dieselfahrzeuge importiert, die meisten davon aus Deutschland. Und dies, obwohl laut WHO im selben Jahr von den 50 europ√§ischen St√§dten mit der h√∂chsten Luftverschmutzung 33 St√§dte in Polen lagen.

Dem in Polen trotz wachsendem Individualverkehr immer noch sehr bedeutsamen öffentlichen Verkehr dient ein ausgedehntes Überlandbusnetz. Der Busverkehr spielt landesweit eine größere Rolle als der Eisenbahnverkehr.

2004 starben in Polen 5700 Menschen bei Verkehrsunf√§llen, das bedeutet eine viermal h√∂here Rate als im Durchschnitt der EU. Dies ist aber bereits eine Verringerung der Zahl, 1999 waren es noch 6730 Tote und 1998 ‚Äď 7080. Stellen mit einer hohen Unfallrate werden h√§ufig durch einen sogenannten Schwarzen Punkt (czarny punkt) gekennzeichnet.

Es besteht seit 14. April 2007 die ganzt√§gige und -j√§hrige Lichtpflicht f√ľr Pkw und Lkw, wobei Abblend- oder Tagfahrlicht vorgeschrieben sind. Seit dem 1. Juni 2007 gilt beim Fahren von Kraftfahrzeugen ein absolutes Alkoholverbot, nachdem bis dahin eine Blutalkoholkonzentration von 0,2¬†Promille erlaubt war.

F√ľr Autobahnen, Schnell- und Landesstra√üen ist auf ausgew√§hlten Stra√üenabschnitten eine streckenabh√§ngige Maut f√ľr Kraftfahrzeuge zu entrichten. F√ľr Kraftfahrzeuge mit einem zul√§ssigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5¬†Tonnen (u.¬†a. Lastkraftwagen) kommen ein als viaTOLL bezeichnetes System des staatlichen Betreibers GDDKiA sowie eine manuelle Mautentrichtung auf den Autobahnabschnitten der privaten Betreiber infrage. F√ľr Kraftfahrzeuge mit einem zul√§ssigen Gesamtgewicht von weniger als oder gleich 3,5¬†Tonnen (u.¬†a. Personenkraftwagen) besteht auf den von der GDDKiA betriebenen Stra√üenabschnitten die M√∂glichkeit der Nutzung des viaTOLL-Systems oder der manuellen Mautabgabe an den Mautstellen. Auf Autobahnabschnitten der privaten Betreiber ist nur die manuelle Mautabgabe m√∂glich.

Schienenverkehr

Der Schienenverkehr spielt in Polen auch nach dem starken Wachstum des Individualverkehrs in den letzten zwei Jahrzehnten immer noch eine wichtige Rolle f√ľr das polnische Verkehrswesen. Die polnische Eisenbahninfrastrukturgesellschaft PKP PLK geh√∂rt zu den gr√∂√üten europ√§ischen Eisenbahngesellschaften mit √ľber 23.420¬†km Schienennetz. An der polnischen Ostgrenze trifft das europ√§ische Normalspurnetz auf das breitere russische Gleissystem.

Flugverkehr

Polen hat 14 Flugh√§fen, 123 nationale Flugpl√§tze und drei Hubschrauberbasen. Die Anzahl der Flugg√§ste ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Da die regionalen Flugh√§fen bereits an ihre Kapazit√§ten sto√üen, wurde 2017 die Entscheidung gef√§llt, zwischen Warschau und ŇĀ√≥dŇļ bei Grodzisk Mazowiecki einen Zentralflughafen zu bauen, der eine Kapazit√§t von j√§hrlich ca. 50 Millionen Flugg√§sten haben soll, womit er einer der gr√∂√üten Flugh√§fen in Europa sein w√ľrde.

Schifffahrt

Die √úberseehandelsflotte besteht aus √ľber 100 Schiffen. Seeh√§fen befinden sich entlang der Ostseek√ľste, wobei die meiste Fracht in Danzig, Stettin-Swinem√ľnde, Gdynia, KoŇāobrzeg und ElblńÖg umgeladen wird. Dazu kommt auch der Hafen Police, der vor allem den √∂rtlichen Chemieindustrie-Anlagen dient. Passagierf√§hren verbinden ganzj√§hrig Polen mit Skandinavien Passenger. Polferries hat ihre H√§fen in Danzig und ŇöwinoujŇõci, Stena Line in Gdynia und Unity Line in ŇöwinoujŇõcie.

Folgende regelmäßige Fährverbindungen bestehen:

  • Danzig nach Nyn√§shamn (bei Stockholm)
  • Gdynia nach Helsinki, Oxel√∂sund und Malm√∂
  • Swinem√ľnde nach Kopenhagen, Malm√∂, R√łnne (nur im Sommer) sowie Ystad

Die Binnenschifffahrt wird ausgebaut. Polen besitzt 3.812¬†Kilometer schiffbare Fl√ľsse und Kan√§le, von denen viele zu internationalen Wasserstra√üen geh√∂ren. Die wichtigsten H√§fen im Binnenland befinden sich in Warschau, Gliwice, Breslau und Krakau.

Nahverkehr

Der Nahverkehr in Polen besteht vor allem aus Bussen und Stra√üenbahnen. Warschau hat auch eine U-Bahn und Krakau ŇĀ√≥dŇļ, Posen, Breslau, Danzig und Stettin haben ein Netz von Stadtschnellbahnen. In Lublin, Gdynia, Tychy und Sopot fahren Trolleybusse.

Bildung

Schulsystem

Das erste moderne Bildungsministerium weltweit wurde 1773 im Zuge der Reformen im Geiste der Aufkl√§rung in der polnisch-litauischen Adelsrepublik gegr√ľndet. Das heutige Bildungssystem in Polen befindet sich im Umbruch. Nach der Wende 1989 gab es 1999 und 2017 zwei gro√üe Reformen. Nach den neuen Vorgaben sollen die 1999 eingef√ľhrten Gymnasien bis 2019 abgeschafft werden. Das Schulsystem wird dann aus Kinderg√§rten, achtj√§hrigen Grundschulen und weiterf√ľhrenden Schulen wie vierj√§hrigen Lyzeen, f√ľnfj√§hrigen Berufsoberschulen sowie weiteren berufsbezogenen Schulen bestehen. Das Abitur wird nach dem Abschluss eines Lyzeums oder einer Berufsoberschule abgelegt werden. Die Abiturpr√ľfung soll wieder bedeutend schwieriger werden. Das Bestehen der Abiturpr√ľfung ist Voraussetzung f√ľr das Studium an einer Hochschule. Seit 2017 haben die Eltern die Wahl, ob sie ihre Kinder mit sechs oder sieben Jahren einschulen lassen wollen. Die staatlichen Schulen sind kostenlos, Schulmittel wie etwa B√ľcher, Hefte, Stifte oder Schulranzen m√ľssen aber privat getragen werden. Das Schuljahr beginnt am 1.¬†September und endet in der ersten Junih√§lfte. Die Schulferien w√§hrend des Schuljahres werden von den einzelnen Woiwodschaften beschlossen und sollen versetzt organisiert werden, damit nicht alle Kinder zur selben Zeit zum Beispiel in die Berge zum Skifahren fahren.

Im PISA-Ranking von 2015 erreichen polnische Sch√ľler Platz 17 von 72 L√§ndern in Mathematik, Platz 22 in Naturwissenschaften und Platz 13 beim Leseverst√§ndnis. Polen liegt damit √ľber dem Durchschnitt der OWZE-Staaten.

Hochschulen

Die √§lteste polnische Universit√§t und gleichzeitig zweit√§lteste in Mitteleuropa ist die Jagiellonen-Universit√§t in Krakau, die 1364 von Kasimir dem Gro√üen gegr√ľndet wurde. Die vier n√§chst√§ltesten polnischen Universit√§ten in Vilnius (1579), ZamoŇõńá (1594), Rak√≥w (1602) und Lemberg (1661) bestehen nicht mehr bzw. wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Breslau und Thorn verlegt. In Polen studieren fast zwei Millionen Studenten. Die Hochschulen sind von Anweisungen des Staates bez√ľglich ihrer Bildungsangebote seit der Wende 1989 weitgehend unabh√§ngig. 2008 gab es in Polen 130 staatliche und 315 nichtstaatliche Hochschulen. Weiterhin gab es 78 Einrichtungen der Polska Akademia Nauk (Polnische Akademie der Wissenschaften) sowie etwa 200 selbst√§ndige Forschungseinrichtungen. Die staatlichen Hochschulen haben dabei seit den 1990er Jahren vermehrt Konkurrenz durch private Hochschulen bekommen. Das Studium an staatlichen Hochschulen in Polen ist in den Vollzeitstudieng√§ngen grunds√§tzlich kostenlos. Berufsbegleitende Teilzeit-, Wochenend- und Fernstudieng√§nge als auch das Studium an privaten Hochschulen sind kostenpflichtig. Die Universit√§ten vergeben die Bezeichnungen Magister, Licencjat, Ingenieur, Doktor und Doktor hab. Der Magister wird nach einer vier- bis f√ľnfj√§hrigen Regelstudienzeit vergeben, die mit einer Abschlussarbeit beendet wird. In der Humanmedizin ersetzt der Abschluss Arzt der Humanmedizin den Magister, in der Tiermedizin hei√üt der entsprechende Abschluss Arzt der Veterin√§rmedizin. In technischen Studieng√§ngen wird der Grad Magister durch den Zusatz Ingenieur erg√§nzt.

Wissenschaft

Bereits mit der Gr√ľndung der Bist√ľmer im Jahr 1000 wurden nach und nach Kirchenschulen an den Bischofssitzen er√∂ffnet. Mit dem Zisterzienser-Orden kam auch die abendl√§ndische Wissenschaft nach Polen. Bereits 1364 gr√ľndete Casimir der Gro√üe die Krakauer Universit√§t, die die zweit√§lteste Alma Mater in Mitteleuropa ist. Sie war die erste Universit√§t, die eine eigenst√§ndige Professur f√ľr Mathematik und Astronomie hatte. Ihr Rektor PaweŇā WŇāodkowic ‚Äď einer der wichtigsten V√∂lkerrechtler jener Zeit ‚Äď stellte auf dem Konzil von Konstanz 1415 die These auf, dass heidnische V√∂lker ein Recht auf einen eigenen Staat h√§tten und nicht mit dem Schwert christianisiert werden d√ľrften. Dass er nicht das Schicksal seines Prager Kollegen Jan Hus teilen musste, verdankte er der zahlreichen polnischen Ritterschaft, die beim Konzil anwesend war.

Die Wissenschaft in Polen erreichte in der Zeit des Humanismus ihre Bl√ľte. Einer der Krakauer Studenten war Nikolaus Kopernikus, der sich unter anderem hier das mathematische und astronomische R√ľstzeug zu seiner sp√§teren Entwicklung des heliozentrischen Weltbilds erwarb. Wichtige Astronomen und Mathematiker jener Zeit waren Marcin Kr√≥l, Marcin Bylica, Marcin Biem, Johann von Glogau und Albert de Brudzewo. In der (Al)Chemie und Medizin waren damals Adam von Bochinia und Maciej Miechowita f√ľhrend. Neue Universit√§ten wurden in ZamoŇõńá, Rak√≥w, Wilna, Posen und Lemberg gegr√ľndet, dazu kamen die zahlreichen Schulen der Jesuiten. Nach den Kriegen des 17.¬†Jahrhunderts verfiel die polnische Wissenschaft jedoch zusehends und erreichte in der s√§chsischen Zeit ihren Tiefpunkt. Eine Ausnahme bildete das 1740 von den Piaristen in Warschau gegr√ľndete Collegium Nobilium.

Mit dem Amtsantritt StanisŇāaw August Poniatowskis begann in der Aufkl√§rung die Neuorganisation der polnischen Universit√§ten durch Hugo KoŇāŇāńÖtaj im Rahmen der Kommission f√ľr nationale Erziehung, dem ersten Bildungsministerium der Welt. Als einer der wichtigsten Wissenschaftler und Industriellen dieser Zeit gilt StanisŇāaw Staszic, der um 1800 in Warschau eine Akademie der Wissenschaft ins Leben rief. 1817 wurde die Warschauer Universit√§t gegr√ľndet. Auf dieser Grundlage konnte sich die polnische Wissenschaft im 19. Jh. entwickeln. Um 1850 entdeckte Ignacy ŇĀukasiewicz eine Methode zur Destillation von Erd√∂l. Napoleon Cybulski und WŇāadysŇāaw Szymonowicz schufen die moderne Endokrinologie. Zygmunt Wr√≥blewski und Karol Olszewski gelang es erstmals, Sauerstoff und Stickstoff zu verfl√ľssigen. Stefan Banach und Hugo Steinhaus begr√ľndeten die Funktionalanalysis in der Mathematik. Der Arzt Casimir Funk pr√§gte den Begriff Vitamine. Marie SkŇāodowska-Curie entwickelte das Fachgebiet der Radioaktivit√§t und entdeckte das Polonium und das Radium. Sie war die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt, und gleichzeitig der erste Mensch, dem zwei zuerkannt wurden (Physik und Chemie). Eugeniusz Kwiatkowski entwickelte die polnischen Wirtschaftswissenschaften, die er nach der Unabh√§ngigkeit Polens als Wirtschaftsminister in die Praxis umsetzen konnte.

In der Zweiten Republik wurde die polnische Sprache an den polnischen Universit√§ten wieder eingef√ľhrt, und die Lehre und Wissenschaft florierten. Einer der gr√∂√üten polnischen Juristen, Roman Longchamps de B√©rier, vereinheitlichte das polnische Zivilrechtssystem, das 1918 noch aus f√ľnf Rechtsordnungen bestand. Sein Schuldrechtgesetzbuch gilt als eines der besten der Welt.

Der Zweite Weltkrieg war ein Desaster f√ľr die polnische Wissenschaft, denn die Nationalsozialisten wollten die polnischen Eliten vernichten. Bereits in den ersten Kriegswochen wurden hunderte polnischer Professoren ermordet oder in Konzentrationslager deportiert. Gipfel dieser Verbrechen waren die Sonderaktion Krakau und das Massaker an den Lemberger Professoren. Auch die Sowjetunion f√ľhrte derartige Aktionen durch; so waren unter den Opfern des Massakers von Katyn 21 Hochschullehrer, mehrere hundert Lehrer, etwa 300 √Ąrzte sowie andere Akademiker. Im Krieg wurden auch die polnischen Universit√§tsbibliotheken ausgeraubt und ihre Best√§nde zielgerichtet vernichtet, so dass 1945 ein v√∂lliger Neuanfang n√∂tig war. Zudem flohen viele der √ľberlebenden Wissenschaftler vor den Kommunisten ins westliche Ausland, und die √úberlebenden unter den polnischen Juden emigrierten nach Israel. Die polnische Wissenschaft erholte sich nur langsam. Die polnischen Restauratoren konnten schon bald wieder Weltruhm genie√üen, doch den anderen Wissenschaften fehlte der Austausch mit den bereits f√ľhrenden US-amerikanischen Universit√§ten. Dies √§nderte sich erst nach 1989. Im Jahr 2001 wurden die Erfolge zu Entwicklungen zum Blauen Laser in der praktischen Medizin vorgestellt.

Kultur

Die polnische Kultur ist sehr vielf√§ltig und resultiert aus der wechselvollen Geschichte des Landes. In Mittelalter und Neuzeit war die multikulturelle Adelsrepublik ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Religionen, die alle ihren Einfluss auf das polnische Kulturerbe hatten und noch immer haben. Nach den Teilungen Polens versuchten polnische K√ľnstler immer wieder den Kampf um die Unabh√§ngigkeit Polens ‚Äď unter dem Schlagwort ‚ÄěZur Hebung der Herzen‚Äú ‚Äď zu unterst√ľtzen. Als Beispiele hierf√ľr k√∂nnen die Gedichte und Epen von Adam Mickiewicz, die Prosawerke von Henryk Sienkiewicz, einem der ersten Literaturnobelpreistr√§ger, die Historienmalerei von Jan Matejko oder die Mazurkas und Polkas Krakowiaks sowie die Polonaisen von Fr√©d√©ric Chopin genannt werden.

Heute ist die breit gef√§cherte Kultur Polens, √§hnlich wie aller westlicher Staaten, von Globalisierungstendenzen insbesondere in den Gro√üst√§dten betroffen, andererseits kann sie, gerade in der Kulturszene kleinerer St√§dte und auf dem Land, eine eigene Identit√§t erhalten. Besonders bedeutend ist der polnische Symbolismus und die polnische Plakatmalerei. Polnische K√ľnstlerplakate mit ihren sehr spezifischen Eigenschaften sind auf der ganzen Welt bekannt.

Literatur

Musik

Mittelalter

Die ersten erhaltenen polnischen Kompositionen gehen auf die Regierungszeit Mieszko II. Lambert Anfang des 11. Jahrhunderts zur√ľck. Der erste namentlich bekannte Musiker Polens ist der Dominikaner Wincenty z Kielczy, der in der ersten H√§lfte des 13.¬†Jahrhunderts lebte und die Hymne ‚ÄěGaude mater Polonia‚Äú schrieb. Dagegen ist der Autor des √§ltesten bekannten polnischen Liedes Bogurodzica unbekannt. Neben Hymnen zeichnete sich die mittelalterliche polnische Musik durch T√§nze aus. MikoŇāaj Radomski schrieb diese am Anfang des 15.¬†Jahrhunderts auf. Peter von Graudenz war ein Komponist der ersten H√§lfte des 15. Jahrhunderts, der mit der Krakauer Akademie verbunden war.

Renaissance

In der Renaissance kamen viele italienische Musiker an den polnischen K√∂nigshof. MikoŇāaj Gom√≥Ňāka war der bekannteste polnische Komponist des 16.¬†Jahrhunderts. Er schrieb Kompositionen unter anderem zu den Gedichten von Jan Kochanowski (Melodie na PsaŇāterz polski). Andere wichtige Renaissancekomponisten am polnischen K√∂nigshof waren WacŇāaw von SzamotuŇā, Marcin Leopolita, MikoŇāaj ZieleŇĄski und Jakub Reys, der auch in Frankreich t√§tig war. Johannes von Lublin war ein bedeutender Kirchenmusiker in Krakau, der vor allem mit der dortigen Heilig-Geist-Kirche verbunden war. 1540 wurde am Krakauer K√∂nigshof von Sigismund I. der M√§nnerchor Capella Rorantistarum unter der Leitung von Nikolaus aus Posen gegr√ľndet, der von 1543 bis 1794 in der Wawel-Kathedrale t√§tig war.

Barock

1628 wurde in Warschau die erste Oper au√üerhalb Italiens aufgef√ľhrt: Galatea. Die italienischen Opernkomponisten Luca Marenzio, Giovanni Francesco Anerio und Marco Scacchi waren zur Barockzeit in Warschau t√§tig. W√§hrend der relativ kurzen Regentschaft von WŇāadysŇāaw IV. Wasa von 1634 bis 1648 wurden in Warschau mehr als zehn Opern aufgef√ľhrt, womit Warschau zu dieser Zeit zum wichtigsten Opernzentrum au√üerhalb Italiens wurde. Die erste Opernkomponistin der Welt, Francesca Caccini, schrieb ihre erste Oper La liberazione di Ruggiero dall‚Äôisola d‚ÄôAlcina f√ľr den polnischen K√∂nig, als dieser noch ein Prinz war. Die polnischen Barockkomponisten komponierten vor allem Kirchenmusik; deren bekannteste Sch√∂pfer sind Adam Jarzńôbski, Marcin Mielczewski, BartŇāomiej Pńôkiel und Grzegorz Gerwazy Gorczycki.

Klassik

In der sp√§ten Barockzeit entstand auch die Polonaise als Tanz an polnischen H√∂fen, w√§hrend die b√§uerliche Gesellschaft regional unterschiedliche T√§nze wie die Mazurkas von Krakowiak und Chodzony und die auch in Tschechien bekannten Polkas entwickelte. Die wichtigsten Polonaise-Komponisten im 18.¬†Jahrhundert waren MichaŇā Kleofas OgiŇĄski, Karol KurpiŇĄski, Juliusz Zarńôbski, Henryk Wieniawski, MieczysŇāaw KarŇāowicz und Joseph Elsner. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich auch die polnische Oper weiter. Bekannte Opernkomponisten waren Wojciech BogusŇāawski und Jan Stefani. Die erste polnische Symphonie komponierte Jacek Szczurowski um 1750.

19. Jahrhundert

Gleichwohl sollte erst Fr√©d√©ric Chopin in der ersten H√§lfte des 19.¬†Jahrhunderts die polnische Musik zur Vollendung bringen. Er gilt als einer der gr√∂√üten polnischen Komponisten. Im 19. Jahrhundert entwickelte StanisŇāaw Moniuszko die moderne polnische Oper, deren ber√ľhmtestes Werk Halka ist. Oskar Kolberg begann zu dieser Zeit die polnische Folkloremusik zu sammeln und niederzuschreiben. Seinen Werken verdanken die Folkloreensembles Mazowsze, SŇāowianki und ŇölńÖsk ihr Entstehen. Karol Szymanowski, der sich in Zakopane niederlie√ü, entdeckte die traditionelle Musik der Goralen in Podhale, die er im 19.¬†Jahrhundert weiter entwickelte.

20. Jahrhundert

Ber√ľhmte Komponisten der Zwischenkriegszeit waren Artur Rubinstein, Ignacy Jan Paderewski, GraŇľyna Bacewicz, Zygmunt Mycielski, MichaŇā Spisak and Tadeusz Szeligowski. Die zeitgen√∂ssische polnische Musik wird von StanisŇāaw Skrowaczewski, Roman Palester, Andrzej Panufnik, Tadeusz Baird, BogusŇāaw Schaeffer, WŇāodzimierz KotoŇĄski, Witold Szalonek, Krzysztof Penderecki, Witold LutosŇāawski, Wojciech Kilar, Kazimierz Serocki, Henryk MikoŇāaj G√≥recki, Krzysztof Meyer, PaweŇā SzymaŇĄski, Krzesimir Dńôbski, Hanna Kulenty, Eugeniusz Knapik und Jan A. P. Kaczmarek repr√§sentiert. Jazzmusiker Polens werden zu den besten Europas gez√§hlt. In den 1950er Jahren entwickelte sich der Jazz zu einer wichtigen Musikrichtung des Landes. Das Jazz Jamboree findet seit 1958 statt, und schon zur Zeit der Volksrepublik Polen traten US-amerikanische Musiker wie etwa Miles Davis auf.

21. Jahrhundert

Die zeitgen√∂ssische Musik in Polen unterscheidet sich aufgrund der Globalisierung der Musikszene kaum von der Musik in anderen Teilen der globalisierten Welt. Dies gilt insbesondere f√ľr die Pop- und Rockmusik, aber auch f√ľr Komponisten der klassischen Musik des 21. Jahrhunderts.

Bildende Kunst

Architektur

Vorromanik

Bis ins 9. Jahrhundert wurden die meisten Geb√§ude auf dem heute zu Polen geh√∂renden Gebiet aus Holz errichtet, wie zum Beispiel die Siedlung Biskupin. Aus dieser Zeit sind nur Grabh√ľgel und kultische Steinzirkel erhalten, wie die Krakauer H√ľgelgr√§ber Krak-H√ľgel und Wanda-H√ľgel. Die christliche Architektur kam im 9.¬†Jahrhundert nach Kleinpolen, das unter den Einfluss des Gro√üm√§hrischen Reiches geriet. Die lateinisch-christliche Architektur kam als Vorromanik um die Mitte des 10.¬†Jahrhunderts nach Gro√üpolen. In diesem Stil wurden die Burgen und Kirchen der Polanen gebaut. In der polnischen Architekturgeschichte wird die Epoche der Vorromanik mit den Regierungszeiten der drei ersten historisch nachweisbaren Piasten Mieszko I., BolesŇāaw I. und Mieszko II. angesetzt. Das √§lteste Steingeb√§ude der Vorromanik in Polen d√ľrfte der Posener Palas auf der Dominsel gewesen sein, der auf die 940er Jahre zur√ľckgeht. Etwas j√ľnger waren der Gieczer Palas und der Ostr√≥w Lednicki Palas, die sich ebenfalls in Gro√üpolen befanden, sowie der PrzemyŇõler Palas. Die ersten Steinkirchen befanden sich ebenfalls vor allem in Gro√üpolen, unter anderem der 968 begonnene Posener Dom, die vor 977 begonnene Gnesener Erzkathedrale und die 997 gegr√ľndete Benediktinerabtei in Tum, sowie auf dem Krakauer Wawel die Kirche B und die Rotunde der Allerheiligsten Jungfrau Maria, die jeweils aus der Zeit vor 970 stammen. Als im Jahr 1000 die Kirchenorganisation in Polen reformiert wurde, kamen mit dem Erzbistum Gnesen die Bist√ľmer Krakau, Breslau und Kolberg zum urspr√ľnglichen Bistum Posen hinzu. In allen Bist√ľmern wurden um die vorletzte Jahrtausendwende Kathedralen errichtet, unter anderem auf dem Wawel in Krakau, der Dom auf der Breslauer Dominsel und der Kolberger Dom. 1038 erfolgte zu Beginn der Regierungszeit Kasimirs I., des Erneuerers, ein heidnischer Aufstand gegen die katholische Kirche in Polen, bei dem die meisten vorromanischen Geb√§ude zerst√∂rt wurden, so dass aus dieser Epoche bis auf die Rotunde auf dem Wawel nur Fundamente erhalten sind.

Romanik

Nach der Niederschlagung des heidnischen Aufstandes verlegte Kasimir I. der Erneuerer seinen Regierungssitz von Gnesen auf den Krakauer Wawel und begann Polen im Stil der Romanik wieder aufzubauen. So wurden die Kathedralen in Gnesen, Krakau, Breslau, Kolberg und Posen im neuen Architekturstil wiedererrichtet sowie zahlreiche Rotunden (z.¬†B. die Strehlener Gothardrotunde, die Teschener Nikolausrotunda oder die Strzelnoer Prokoprotunde), Wehrkirchen und Zisterzienser- sowie Benediktiner-Kl√∂ster gebaut. Die meisten romanischen Geb√§ude entstanden in der neuen Hauptstadt Krakau, wo noch die Leonhardskrypta in der Wawel-Kathedrale, die Albertkirche, die Andreaskirche, die Salvatorkirche, die Zisterzienser-Abtei Kloster Mogila sowie die Benediktiner-Abtei Kloster Tyniec erhalten sind. Ebenfalls in Kleinpolen gehen die KoŇõcielecer Albertkirche, die Sandomirer Jakobskirche, die WiŇõlicaer Marienbasilika, das KoŇĄskier Kollegiatstift, Opat√≥wer Kollegiatstift, die Skalbmierzer Jakobskirche, die Benediktiner-Abtei Kloster Heiligkreuz, die Zisterzienser-Abtei Kloster WńÖchock und die Zisterzienser-Abtei Kloster Jńôdrzej√≥w auf die Romanik zur√ľck. Gro√üpolnische Bauwerke der Romanik sind die Benediktiner-Abtei LubiŇĄer Kloster, die InowŇā√≥dzer √Ągidiuskirche, das Kollegiatstift von Tum und das Kloster Sulej√≥w mit der Thomaskirche. In Kujawien befindet sich neben der Strzelnoer Prokoprotunde auch die Dreifaltigkeitskirche im selben Ort, das Mogilnoer Benediktiner-Kloster sowie die InowrocŇāawer Marienkirche. In Schlesien gehen das Liegnitzer Piastenschloss, die √Ągidiuskirche, die Breslauer Magdalenenkirche, das Pr√§monstratenserstift St. Vinzenz, die Beslauer Martinskirche, die St.-Bartholom√§us-Krypta des Klosters Trebnitz, die L√∂wenberger Marienkirche, die Goldberger Marienkirche und die Gleiwitzer Bartholom√§uskirche auf die Romanik zur√ľck. In Pommern entstanden der Camminer Dom und die Zisterzienser-Abtei Kloster Kolbatz in der Zeit der Romanik. Aus der Romanik stammen in Masowien die CzerwiŇĄsker Regularkanonikerabtei und PŇāocker Kathedrale. Viele Geb√§ude der Romanik wurden w√§hrend des Mongolensturms 1241 zerst√∂rt. Dieses Datum markiert auch das endg√ľltige Ende der Epoche der Romanik in Polen. Der Wiederaufbau erfolgte bereits im Stil der Fr√ľhgotik.

Gotik

Die Gotik kam im 13. Jahrhundert auf der einen Seite aus B√∂hmen ‚Äď unter anderem errichteten die Prager Parler das Krakauer Rathaus ‚Äď zun√§chst nach Schlesien und von dort nach Gro√ü- und Kleinpolen sowie sp√§ter nach Masowien. Auf der anderen Seite brachten die Hanse und der Deutsche Orden die Backsteingotik nach Pommern, Kulmerland, Ermland und Masuren. So dominiert in Nordpolen die Backsteingotik und eine gemischte Backstein-Kalksteingotik im S√ľden, insbesondere in Krakau. Die Fr√ľhgotik f√§llt mit dem Wiederaufbau Polens nach dem Mongolensturm Mitte des 13. Jahrhunderts zusammen.

Die romanischen Kathedralen in Krakau, Breslau, Gnesen, Posen, Cammin, PŇāock und Oliva bei Danzig wurden in diesem Zusammenhang gotisiert. In diesem Stil neu errichtet wurden Kathedralen wie die Kathedrale Mari√§ Himmelfahrt und St. Andreas in Frombork, die Nikolauskathedrale in Elbing, die Marienkathedrale in Pelplin, die St. Johanneskathedrale in Thorn, die Jakobskathedrale in Stettin, die Marienkathedrale in K√∂slin, die Marienkathedrale in Landsberg, die Kathedrale zum Heiligen Kreuz in Oppeln, die Kathedrale St. Peter und Paul in Liegnitz, die Stanislauskathedrale in Schweidnitz, die Marienkathedrale in Sandomir, die Marienkathedrale in Tarn√≥w, die Marienkathedrale in PrzemyŇõl, Marienkathedrale in WŇāocŇāawek oder die Johanneskathedrale in Warschau, sowie Konkathedralen, wie die Dreifaltigkeitskonkathedrale in Kulmsee, die Dreifaltigkeitskonkathedrale in Kulmsee, die Marienkonkathedrale in Kolberg, die Johanneskonkathedrale in Marienwerder, die Kathedralbasilika St. Jakob in Allenstein, die Adalbertkonkathedrale in Riesenburg und Hedwigkonkathedrale in Gr√ľnberg.

Die Franziskaner und Dominikaner errichteten ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ihre gotischen Klöster mit Klosterkirchen in den Innenstädten wie die Krakauer Dreifaltigkeitskirche, die Krakauer Franziskuskirche, die Breslauer Albertkirche, die Breslauer Vinzenzkirche, die Danziger Dreifaltigkeitskirche, die Thorner Marienkirche, die Oppelner Dreifaltigkeitskirche, die Warschauer Annakirche und die Sandomirer Jakobskirche. Auch die Zisterzienser bauten im Stil der Gotik um, unter anderem in den Klöstern Mogila, Trebnitz, Kolbatz und Pelplin. Der Maltesterorden errichtete in Striegau die Peter-und-Paul-Basilika. Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem erbaute die Johanneskirche in Gnesen und die Grabkirche in Miechów. Der Augustinerorden errichtete sein Kloster mit Katherinenkirche in Kazimierz bei Krakau.

Das im Zeitalter der Gotik stetig anwachsende B√ľrgertum baute seine Pfarr- und Kollegiatskirchen im gotischen Stil um. Dazu errichtete es neue gotische Pfarrkirchen, zum Beispiel in Krakau die Marienkirche, die Barbarakirche, die Markuskirche, die Heiligkreuzkirche, die Allerheiligenkirche (nicht erhalten) und die Kazimierzer Fronleichnamkirche, in Breslau die Elisabethkirche, Kreuzkirche, die St. Maria auf dem Sande, die Christophorikirche, die Katharinenkirche, die Fronleichnamkirche, die Dorotheakirche, die Matthiaskirche, die Magdalenenkirche, in Danzig die Marienkirche, die gr√∂√üte Backsteinkirche weltweit, die Nikolauskirche, Peter- und Paulkirche und die Katharinenkirche und in Thorn die Jakobskirche, die Nei√üer Jakobskirche, die Stettiner Johanneskirche, die Brieger Nikolauskirche, die R√ľgenwalder Marienkirche, die Stargarder Marienkirche, die Basilika zum heiligsten Erl√∂ser und allen Heiligen in Dobre Miasto, die Gleiwitzer Allerheiligenkirche, die Georgkirche in Rastenburg und die Herz-Jesu-Kirche in ŇĽary.

Gotische Holzkirchen sind unter anderem in Hacz√≥w, Dńôbno und Lipnica Dolna erhalten.

Das B√ľrgertum baute seine Rath√§user im neuen Stil. Die Parler errichteten das Rathaus in Krakau. Nennenswert sind zudem das Breslauer Rathaus, das Rechtst√§dtische Rathaus in Danzig, das Thorner Rathaus, das Marienburger Rathaus, das Stargarder Rathaus, das K√∂nigsberger Rathaus und das Liegnitzer Rathaus. Unter anderem in Krakau (unter anderem das DŇāugosz-Haus), Danzig (unter anderem das Schlieffhaus), Thorn (unter anderem den Junkerhof und das Kopernikus-Haus), Sandomierz (unter anderem das DŇāugosz-Haus) und Stargard sind zahlreiche gotische B√ľrgerh√§user erhalten. Gotische st√§dtische Wehranlagen und Stadtmauern sind unter anderem in Krakau, insbesondere der Abschnitt um das Florianstor mit dem Barbakan, in Danzig, insbesondere das Brotb√§nkentor, das Frauentor, das H√§kertor, das Johannistor, das Milchkannentor, das Kuhtor, das Peinkammertor und das Krantor, in Stargard, unter anderem das M√ľhlentor, in Olsztyn, insbesondere das Hohe Tor, in SzydŇā√≥w, insbesondere das Krakauer Tor, in Sandomierz, insbesondere das Opatower Tor, in Lublin, insbesondere das Krakauer Tor, in Nei√üe, insbesondere der M√ľnsterberger Turm, in Patschkau und in K√∂nigsberg erhalten. Das Collegium Maius der Krakauer Universit√§t geht ebenfalls auf die Gotik zur√ľck. Die Glatzer Johannesbr√ľcke wurde als kleinere Version der Prager Karlsbr√ľcke gebaut. Die Juden bauten ihre ersten Synagogen ebenfalls im Stil der Gotik, unter anderem die Alte Synagoge in Kazimierz bei Krakau.

Die K√∂nigsburg auf dem Wawel sowie zahlreiche K√∂nigsburgen der Piasten und des Adels wurden im Krakau-Tschenstochauer Jura (Adlerhorst-Burgen: die Burg Bńôdzin, die Burg Bobolice, die Burg Korzkiew, die Burg Ojc√≥w, die Burg Tenczyn, die Burg Lipowiec, die Burg Rabsztyn, die Burg SmoleŇĄ, die Burg Mir√≥w, die Burg Olsztyn, die Burg Siewierz, die Burg Przewodziszowice, die Burg Morsko, die Burg Dank√≥w sowie die Burg OstrńôŇľnik), den Pieninen (Burg Niedzica, Burg Czorsztyn und Pieninen-Burg) und Beskiden (Dunajec-Burgen: die Burg Czch√≥w, die Burg Tropsztyn, die Burg Rytro, die Burg Muszyna, die Burg Lanckorona, die Burg Zator, die Burg Auschwitz und die Salzgrafenburg Wieliczka sowie die Burg Dobczyce), dem Heiligkreuzgebirge (unter anderem die Burg Chńôciny, die Burg SzydŇā√≥w und die Burg Mińôdzyg√≥rz), den Sudeten (unter anderem die Kynastburg, die Burg F√ľrstenstein, die Burg Tzschocha, die Burg Grodno, die Burg Grodziec, die Burg Ottmachau oder die Burg Frankenstein) sowie im Flachland (unter anderem die Burg Czersk, die Burg Toszek, die Burg Ciechan√≥w, die Burg ŇĀowicz, die Burg Wenecja, die Burg Thorn, die Burg Lublin oder die Burg Dńôbno) errichtet.

Der Deutsche Orden baute Ordensburgen im Stil der Backsteingotik im Kulmerland, Ermland und Masuren. Zu den bekanntesten Ordensburgen im heutigen Polen geh√∂ren der Ordenssitz in Marienburg am Nogat ‚Äď der gr√∂√üte gotische Backsteinbau der Welt ‚Äď, Marienwerder, Heilsberg, Mewe, Neidenburg, Barten, Thorn, Neidenburg, Osterode, Gollub, Rehden, R√∂√üel, Sch√∂nberg, Hohenstein, Rastenburg, Allenstein, Braunsberg, Soldau, Schlochau, L√∂tzen und B√ľtow.

Kasimir III. der Gro√üe gliederte um 1340 Rotruthenien in die polnische Krone ein und Ladislaus II. JagieŇāŇāo christianisierte nach der im Jahr 1385 geschlossenen Union von Krewo Litauen von Polen aus. Dadurch kam der gotische Baustil der Westkirche in Gebiete, die heute zu Litauen, Wei√ürussland und der Ukraine geh√∂ren. Zu den wichtigsten gotischen Geb√§uden im damaligen Osten von Polen-Litauen geh√∂ren die Lemberger Kathedrale, die Lemberger Kathedrale der polnischen Armenier (Mischung aus westlicher Gotik und armenischer Architektur), die Wilnaer Annakirche, die Wilnaer Franziskuskirche, der Wilnaer Gediminas-Turm, die Burg Trakai, die Burg Kaunas, die Burg Grodno, die Burg Lida, die Burg Mir und die Burg Luzk.

Renaissance

Das goldene Zeitalter Polens begann in der Sp√§tgotik und reichte √ľber die Renaissance und den Manierismus bis in den Fr√ľhbarock. Aus dieser Zeit (1350‚Äď1650) stammen die bedeutendsten Bauwerke Polens, allen voran das k√∂nigliche Wawelschloss in Krakau. Kronprinz Sigismund I. weilte ab 1498 bei seinem Bruder Ladislaus II. von B√∂hmen und Ungarn am ungarischen K√∂nigshof, wo er mehrere florentinische K√ľnstler und Architekten unter der Leitung von Francesco Fiorentino kennenlernte und nach Krakau holte, um das 1499 abgebrannte K√∂nigsschloss auf dem Wawel im Stil der italienischen Renaissance wieder aufzubauen. Francesco Fiorentino begann den Arkadenhof des Wawel-Schlosses zu bauen. Neben Francesco Fiorentino beteiligten sich auch Benedikt aus Sandomir und nach Francesco Fiorentinos Tod auch Bartolommeo Berrecci, Giovanni Battista Veneziani und Giovanni Cini aus Siena am Wiederaufbau. Bartolommeo Berrecci und Bernardino Zanobi de Gianotis bauten zudem an der Wawel-Kathedrale die Sigismundkapelle an, die als bedeutendstes Bauwerk der florentinischen Hochrenaissance au√üerhalb Italiens gilt. Weitere bedeutende Renaissance-Architekten aus Italien und dem Tessin, die in Polen-Litauen t√§tig waren, sind Bernardo Monti, Giovanni Quadro, Giovanni Maria Mosca und Mateo Gucci, welche die italienische Renaissance den klimatischen Bedingungen Mitteleuropas anpassten und so einen eigenen polnischen Renaissancestil schufen, der jedoch mit seinen beliebten Arkaden der florentinischen Renaissance am n√§chsten kam. Das Zentrum der Renaissance war S√ľdpolen, insbesondere die Region Kleinpolen um Krakau und die Gegenden um Lemberg. Vor allem in Krakau kann man die typisch polnische Renaissancearchitektur an der Polnischen Attika erkennen.

Das Wawel-K√∂nigsschloss mit seinem Renaissance-Arkadenhof und die Sigismundkapelle wurden zum Vorbild f√ľr zahlreiche neue Bauwerke im ganzen Jagiellonenreich und wurde vom K√∂nigshof und den Adeligen in ganz Polen-Litauen sowie Schlesien hundertfach nachgebaut. Zu den bedeutendsten Renaissance-Schl√∂ssern z√§hlen das Gro√üf√ľrstliche Schloss Vilnius, das Warschauer K√∂nigsschloss, das K√∂nigsschloss NiepoŇāomice, das K√∂nigsschloss Sanok, das K√∂nigsschloss Posen, das K√∂nigsschloss Podhorce, das Schloss Baran√≥w Sandomierski, das Schloss Nowy SńÖcz, das Schloss PiŇĄcz√≥w, das Schloss ŇĀaŇĄcut, das Schloss Uniej√≥w, das Schloss Janowiec, das Schloss KrzyŇľtop√≥r, das Schloss Pieskowa SkaŇāa, das Schloss IŇāŇľa, das Schloss Ogrodzieniec, das Schloss Ujazd√≥w, der Bischofspalast Kielce, das Lemberger K√∂nigshaus, das Schloss Konstantyn√≥w, das Schloss Mińôdzyrzecz Ostrogski, das Schloss NieŇõwieŇľ, das Schloss Mir sowie die Festung Kamieniec Podolski. Viele dieser Bauwerke haben die Zeit der schwedischen Kriege im 17.¬†Jahrhundert nur als Ruinen √ľberdauert.

Anders als in der Gotik entstanden in der Renaissance nur wenige Kirchen im Renaissance-Stil, dem sich mehr die weltliche Architektur widmete. Bedeutendster sakraler Bau der Hochrenaissance war die Kathedrale von PŇāock, die um 1530 von Bernardino Zanobi de Gianotis, Giovanni Cini und Filippo Fiesole im Renaissance-Stil umgebaut wurde. Weitere erhaltene Renaissance-Kirchen in Polen-Litauen sind die PuŇātusker Marienbasilika, die Lemberger Mari√§-Entschlafens-Kirche, die Lemberger Allerheiligenkirche, die Broch√≥wer Wehrkirche und die Broker Andreaskirche sowie die Lemberger Goldene-Rosen-Synagoge. Es wurden jedoch zahlreiche Renaissance-Kapellen nach dem Vorbild der Sigismundkapelle an gotischen Kirchen errichtet, unter anderem f√ľr die weiteren Kapellen der Wawel-Kathedrale wie die Vasa-Kapelle, die ZaŇāuski-Kapelle die Tomicki-Kapelle, die Johann-I.-Kapelle, die Myszkowski-Kapelle, die Potocki-Kapelle und die Zadzika-Kapelle, die Maciejowski-Kapelle und die Hyazinth-Kapelle der Krakauer Dominikanerkirche, die Annakapelle in PiŇĄcz√≥w, die Krasiczyn-Kapelle auf dem Schloss Krasiczyn, die Antonius-Kapelle der Przeworskier Bernhardinerkirche, die Kasimir-Kapelle der Wilnaer Stanislauskathedrale sowie die Boim-Kapelle und die Kampian√≥w-Kapelle in der Lemberg Marienkathedrale.

Gleichzeitig entwickelte sich am √úbergang zwischen Sp√§tgotik und Renaissance auch die b√ľrgerliche Architektur in den St√§dten in Polen-Litauen, die viele Rath√§user, B√ľrgerh√§user des Patriziats sowie Geb√§ude anderer √∂ffentlicher Einrichtungen wie zum Beispiel die Krakauer Tuchhallen, das Collegium Iuridicum und das Collegium Nowodworski der Krakauer Akademie, das Kazimierzer Rathaus, das Posener Rathaus, das Tarn√≥wer Rathaus, das Sandomirer Rathaus, in Krakau die Villa Decius, der Erasmus-CioŇāek-Bischofspalast, das Bischof-Florian-Haus, das DziekaŇĄski-Haus, das G√≥rk√≥w-Haus, das DŇāugosz-Haus, das Maciejowski-Haus und das Bonerhaus, in Posen der G√≥rk√≥w-Palast, in Warschau der Barbakan, das Baryczkowska-Haus und das Falkiewiczowska-Haus, in Danzig das Ferberhaus und in Vilnius das Tor der Morgenr√∂te, hervorbrachte, die im Renaissancestil entweder um- oder neugebaut wurden. Auch in dem in der Renaissance zu B√∂hmen geh√∂renden Schlesien wurden zahlreiche profane Bauten im Stil der Renaissance errichtet, unter anderem das Laubaner Rathaus, das Ottmachauer Rathaus, das Patschkauer Rathaus, das W√ľnschelburger Rathaus, das L√∂wenberger Rathaus sowie das Schloss Frankenstein und Schloss Plagwitz. In Pommern wurde von den Greifen das Stettiner Schloss in Renaissance-Stil erbaut.

In der Renaissance wurden in Polen-Litauen zahlreiche Schlossg√§rten angelegt, von denen die meisten nicht erhalten geblieben sind beziehungsweise sp√§ter zu Barockg√§rten umgestaltet wurden. Den ersten Renaissance-Garten legten K√∂nigin Bona Sforza und K√∂nig Sigismund I. der Alte in den 1530er Jahren vor dem Ostfl√ľgel des Wawel-Schlosses an. Die K√∂nigsg√§rten auf dem Wawel wurden sp√§ter im Barockstil umgebaut, sind jedoch in den folgenden Jahrhunderten verwahrlost. Endg√ľltig zerst√∂rt wurden sie im Zweiten Weltkrieg, als der auf dem Wawel residierende Generalgouverneur Hans Frank an ihrer Stelle ein Schwimmbad und Tennispl√§tze bauen lie√ü. Ab den 1990er Jahren wurden die K√∂nigsg√§rten rekonstruiert und sind seit 2005 f√ľr die √Ėffentlichkeit wieder zug√§nglich. Weitgehend original erhalten sind dagegen die Renaissance-G√§rten des Schlosses Pieskowa SkaŇāa. Die Renaissance-G√§rten des Schlosses F√ľrstenstein sind hingegen ebenfalls eine Rekonstruktion aus dem 21. Jahrhundert.

Manierismus

Die zweite H√§lfte des 16. Jahrhunderts l√§sst sich in der Architekturgeschichte Polen-Litauens in vier regionale Zentren mit verschiedenen Stilrichtungen einteilen. Krakau und seine Umgebung blieben weitgehend der florentinischen Hochrenaissance treu und adaptierten den italienischen Manierismus in die neuen Bauten. Bedeutendster Vertreter des S√ľdpolnischen Manierismus in der Architektur war der geb√ľrtige Florentiner Santi Gucci. Daneben sind als s√ľdpolnische Manierismusarchitekten die Polen Gabriel SŇāoŇĄski, Szymon Sarocki, MichaŇā Hintz, Tomasz Nikiel und Jan MichaŇāowicz, die Italiener Paolo Romano, Antonio Pellaccini, Niccol√≤ Castiglione, Galeazzo Appiani, Antoneo de Ralia, Giovanni Maria Bernardoni und Pietro di Barbone sowie die Niederl√§nder Hiob Pra√Ņetfuess und Paul Baudarth zu nennen. Nordpolen und insbesondere Danzig begann sich am niederl√§ndisch-fl√§mischen Stil des Manierismus zu orientierten und holte seine Architekten vor allem aus den Niederlanden. Zu diesen geh√∂rten Hans Vredeman de Vries, Anton van Obberghen, Hans Kramer, Willem van den Blocke, Abraham van den Blocke und Hans Strackwitz. Die Gegend um Lublin entwickelte einen eigenen Stil aus der Mischung von italienischen und niederl√§ndischen Stilelementen zur Lubliner Renaissance, die bis weit in den polnisch-litauischen Osten ausstrahlte. Hier waren vor allem italienische und polnische Architekten wie Bernardo Morando, Andrea dell‚ÄôAqua, Jan Jaroszewicz und Jan Wolff t√§tig. K√∂nig Sigismung III. Vasa war dagegen ein Bef√ľrworter der Gegenreformation und der Jesuiten und holte in den letzten beiden Dekaden des 16. Jahrhunderts den Fr√ľhbarock nach Polen-Litauen, zun√§chst nach Krakau und Litauen und sp√§ter vor allem in den neuen Sitz des K√∂nigshofs nach Warschau. F√ľr ihn waren vor allem Architekten aus dem Tessin t√§tig.

Viele Renaissance-Schl√∂sser in S√ľdpolen, wie das Schloss Baran√≥w Sandomierski, das Schloss Krasiczyn, das Schloss Pincz√≥w, das Saybuscher Schloss oder der Bischofspalast Kielce, die erst in der zweiten H√§lfte des 16. Jahrhunderts fertig gestellt wurden, erhielten einen manieristischen Strich, f√ľr den oft Santi Gucci verantwortlich zeichnete. Auf dem Wawel gehen das Vasa-Tor und das Berecci-Tor auf den Manierismus zur√ľck. Beispiele f√ľr b√ľrgerliche Architektur des Manierismus in S√ľdpolen sind das Beitscher Rathaus, Patrizierh√§user am Marktplatz in Tarn√≥w, das JarosŇāawer Orsetti-Haus sowie in Krakau das Branicki-Haus, das Dekan-Haus und das Pr√§lat-Haus sowie das Collegium Gostomianum in Sandomierz. Zur sakralen manieristischen Architektur in S√ľdpolen z√§hlen die Krakauer Synagogen Remuh-Synagoge, die Popper-Synagoge und die Hohe Synagoge sowie die Lesko Synagoge, Tykociner Gro√üe Synagoge und das Kloster Kalwaria-Zebrzydowska mit der Marienbasilika und den Kapellen des Kalvarienbergs, von denen die Ecco-Homo-Kapelle, die Kreuzigungskapelle sowie die Herz-Marien-Kapelle klare manieristische Z√ľge haben.

Zentrum des Manierismus in Nordpolen war Danzig, wo im manierischen Stil das Altst√§dtische Rathaus, das Rechtst√§dtische Rathaus, das Gro√üe Zeughaus, der Artushof, das Hohe Tor, das Gr√ľne Tor, das Goldene Tor, das Goldene Haus, das Englische Haus, das Ferberhaus, das L√∂wenschloss, das Schumannhaus, das K√∂pehaus, das Drei-Prediger-Haus, das Schl√ľterhaus neu errichtet oder umgebaut wurden. Auch das Kulmer Rathaus, die Bromberger Klarissenkirche, die Marienkapelle an der WŇāocŇāaweker Marienkathedrale, Getreidespeicher und B√ľrgerh√§user am Neust√§dter Marktplatz in Thorn wurden im manieristischen Stil umgebaut. In Pommern sind neben dem Stettiner Schloss auch das Schloss Stolpe, Schloss Krangen, Schloss Pansin und Schloss T√ľtz erhalten, die ebenfalls im Manierismus umgebaut wurden.

Als Vereinigung von italienischen und niederl√§ndischen Stilelementen entstand der Architekturstil der Lubliner Renaissance in der Gegend um Lublin. In diesem Stil wurden ganze Idealst√§dte, wie ZamoŇõńá von Jan Zamoyski oder ŇĽ√≥Ňākiew von StanisŇāaw ŇĽ√≥Ňākiewski, neu erbaut beziehungsweise vollkommen umgebaut, wie Kazimierz Dolny. Zu den wichtigsten erhaltenen Baudenkm√§lern der Lubliner Renaissance z√§hlen in Lublin die Josephskirche, die Dominikanerkirche mit der OssoliŇĄski-Kapelle, das Konopnica-Haus und das Chociszewski-Haus, sowie in ZamoŇõńá das Rathaus, die Thomaskathedrale, die Synagoge und das Schloss Janowiec. Weitere Beispiele f√ľr Baudenkm√§ler der Lubliner Renaissance sind das Orzechowski Schloss, die Janowiecer Margaretenkirche, die GoŇāńÖber Marienkirche und das GoŇāńÖber Loreto-Haus. Weitere manieristische Geb√§ude in Zentralpolen, die nicht unmittelbar zur Lubliner Renaissance gez√§hlte werden, sind die Landsberger Hedwigskirche, die Krasner Heiligkreuzkirche, das SzydŇāowiecer Rathaus, das Ridt-Haus in Posen, das Schloss SzydŇāowiec, das Schloss Carolath sowie das Schloss GrudziŇĄski in Poddńôbice.

Auch in die aufstrebende Hauptstadt Masowiens, Warschau, zog der Manierismus ein, wo die Jesuitenkirche, das Mohren-Haus, das Baryczka-Haus, das Chociszewski-Haus, das Salvator-Haus, das Heilige-Anna-Haus und die Häuser am Kanonia Platz entstanden.

Auch das b√∂hmische Schlesien war reich an manieristischen Schl√∂ssern, Kirchen und b√ľrgerlicher Architektur. Da Schlesien jedoch als Teil B√∂hmens im Drei√üigj√§hrigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, sind nur relativ wenige Baudenkm√§ler aus der Zeit des Manierismus erhalten. Zu diesen geh√∂ren das Schloss Krieblowitz, das Schloss Oels, das Piastenschloss Ohlau, die manieristisch ausgebaute Burg Grodno sowie das Breslauer Haus unter den Greifen in Niederschlesien und das Schloss Falkenberg, das Piastenschloss Brieg, das Brieger Rathaus sowie das Nei√üer K√§mmereigeb√§ude in Oberschlesien.

Barock

Der polnisch-litauische Barock l√§sst sich in drei Phasen einteilen, den Fr√ľhbarock unter der Vasa-Dynastie in der ersten H√§lfte des 17. Jahrhunderts, den reifen Barock unter Michael I. und Johann III. Sobieski in der zweiten Jahrhundertsh√§fte sowie den Sp√§tbarock, der unter den Wettinern in der ersten Jahrhunderth√§lfte des 18. Jahrhunderts in den Rokoko √ľberging, in Litauen dagegen in den Wilnaer Barock m√ľndete. Bedeutende Architekten, die w√§hrend des Barocks in Polen-Litauen t√§tig waren, kamen ebenfalls zum gro√üen Teil aus Italien beziehungsweise dem schweizerischen Tessin. Zu ihnen geh√∂ren Carlo Antonio Bay, Kacper BaŇľanka, Giovanni Maria Bernardoni, Giuseppe Brizio, Matteo Castelli, Giovanni Catenazzi, Giovanni Battista Gisleni, Giacomo Fontana, Johann Georg Knoll, Johann Christoph Glaubitz, Johann Christoph Kn√∂ffel, Augustyn Wincenty Locci, Matth√§us Daniel P√∂ppelmann, Ephraim Schr√∂ger, Constantino Tencalla und Jan Zaor. Der bedeutendste polnische Barockarchitekt, Tylman van Gameren, der Hunderte von Schl√∂ssern in ganz Polen projektierte, stammte jedoch aus den Niederlanden.

Der Fr√ľhbarock entwickelte sich in Polen, w√§hrend der Manierismus noch vorherrschend war, in der zweiten H√§lfte des 16. Jahrhunderts. Sigismund III. Vasa holte die Tessiner Architekten Giovanni Trevano, Matteo Castelli und Tommaso Poncino an den polnisch-litauischen K√∂nigshof, der Ende des 16. Jahrhunderts von Krakau nach Warschau gezogen war. So wurde auch Warschau neben Krakau das Zentrum des polnisch-litauischen Fr√ľhbarocks, w√§hrend in Norden und Osten der Adelsrepublik weiterhin der Manierismus dominierte. Die ersten sakralen Bauten, die im Stil des Fr√ľhbarock entstanden, waren oft mit den Jesuiten und der Gegenreformation verbunden. Zu ihnen z√§hlen die Vasa-Kapelle an der Wawel-Kathedrale und die Kasimir-Kapelle an der Wilnaer Stanislauskathedrale, die Krakauer Jesuitenkirche, die Krakauer Kamaldulenserkirche, die Krakauer Martinskirche und das Kloster Heiligelinde. Zu prophanen Baudenkm√§lern des Fr√ľhbarock z√§hlen der Ende des 16. Jahrhunderts nach einem Brand wiederaufgebaute Nordfl√ľgel des Wawel-Schlosses (Saal unter den V√∂geln und Senatorentreppe), das Warschauer K√∂nigsschloss, der Warschauer Kazanowski-Palast sowie das Schloss Ujazd√≥w. Zu der fr√ľhbarocken b√ľrgerlichen Architektur geh√∂rt das Lissaer Rathaus.

In der Zeit des reifen Barocks trat die neue Hauptstadt Warschau als Mittelpunkt hervor, wo vor allem Tylman van Gameren t√§tig war. Bedeutende Sakralbauten des Hochbarocks sind die Warschauer Kasimirkirche, Krakauer Annakirche, Krakauer Thomaskirche, die Krakauer Kapuzinerkirche, die Krakauer Maria-Empf√§ngnis-Kirche, die Krakauer Agneskirche, Krakauer Theresienkirche, die Wilnaer Peter-und-Paulskirche, die Grodner Jesuitenkirche, das Posener Jesuitenkolleg, das Kloster WoŇļniki, das Kloster Tschenstochau, die Danziger K√∂nigliche Kapelle, die Lubliner Johanneskathedrale, die Warschauer Kapuzinerkirche, die Czerniak√≥wer Antoniuskirche und die Warschauer Antoniuskirche. Gro√üe Pal√§ste im Versailler Stil entstanden in und um Warschau, wie zum Beispiel der Wilan√≥w-Palast, der Koniecpolski-Palast, der Czapski-Palast, der Pac-Palast, das Palais Marymont, der OssoliŇĄski-Palast, der Primas-Palast, der KrasiŇĄski-Palast, das Schloss Ostrogski, das Eiserne Tor oder das Handelszentrum Marywil, sowie in und um Masowien, wie zum Beispiel der PuŇāawer Czartoryski-Palast, der Otwocker Palast, das Schloss Niebor√≥w, sowie in Ostpolen, wie zum Beispiel der BiaŇāystoker Branicki-Palast, das Schloss ŇĀaŇĄcut, das Schloss Rzesz√≥w oder das Schloss Ostrometzko. In Wejherowo stiftete Jakob von Weiher den Kaschubischen Kalvarienberg. In Danzig entstanden das Schildkr√∂tenhaus, das Lachshaus, das Haus am Langen Markt 20 und das Czirenberg-Haus.

Der Sp√§tbarock entwickelte sich parallel zum Rokoko. W√§hrend in Warschau bereits das Rokoko dominierte, entwickelte sich im Osten Polen-Litauens die Wilnaer Schule des Barock, auch Wilnaer Barock genannt, deren Hauptvertreter Johann Christoph Glaubitz war. Zu den bedeutendsten Werken des Wilnaer Barock z√§hlen in Wilna und Umgebung die Augustianerkirche, Heilig-Geist-Kirche, Jesuitenkirche, das Kloster PaŇĺaislis, die Berezweczer Basilianerkirche und die PoŇāocker Sophiakirche. Zu den sp√§tbarocken sakralen Bauwerken z√§hlt auch die Lemberger Dominikanerkirche, die Lemberger Sankt-Georgs-Kathedrale, das Zisterzienserkloster WńÖgrowiec, das Kloster LńÖd und das Krakauer Paulinerkloster. Zu den sp√§tbarocken profanen Bauten in Polen-Litauen z√§hlen in Warschau das S√§chsisches Palais, der Sapieha-Palast, der Bischofspalast, der Palast unter dem Blechdach, das Palais Kotowski, der Blank-Palast, das Palais Sanguszko, das MaŇāachowski-Palais, der Symonowicz-Palast und der Blaue Palast sowie in Ostpolen der PuŇāawyer Czartoryski-Palast, das Schloss Rydzyna und der Krystynopoler Potocki-Palast. Zur b√ľrgerlichen Architektur des Sp√§tbarock z√§hlen das BiaŇāystoker Rathaus und das MŇāawer Rathaus. Im Sp√§tbarock entstand auch die Holzkirche St. Michael in Szalowa.

Im damals b√∂hmischen Schlesien entwickelte sich nach den Verw√ľstungen des Drei√üigj√§hrigen Kriegs eine rege Baut√§tigkeit in der Epoche des Barock. Erhalten geblieben beziehungsweise nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut sind unter anderem in Breslau das Stadtschloss, der Erzbischofpalast, die Namen-Jesu-Kirche, die Antoniuskirche, die Klarakirche, die Kyrill-und-Method-Kirche, die Hofkirche, die Dreifaltigkeitskirche, das Matthias-Gymnasium (Ossolineum) und das Kloster der Kreuzherren mit dem Roten Stern. Vom Palais Hatzfeld ist nur das Eingangsportal erhalten. Weitere bedeutende barocke Baudenkm√§ler sind √ľber ganz Schlesien verteilt: die Mari√§-Heimsuchung-Basilika in Bardo, die Marienbasilika in Gr√ľssau, die Marienkirche in Leubus, das Kloster Paradies, das Kloster Kamenz, das Benediktinnenkloster Liegnitz, die Liegnitzer Johanneskirche, die Albendorfer Wallfahrtsbasilika, die Sch√§delkapelle Tscherbeney, die Seitscher Martinskirche, die Wohlau Karlskirche, die Brieger Kreuzerh√∂hungskirche, die Nei√üer Peter-und-Paulskirche, die Bielitzer Gottesvorsehungskirche, die Teschener Jesuskirche, die Ottmachauer Nikolauskirche, die Jauerer Friedenskirche, die Schweidnitzer Friedenskirche, das Sprottauer Rathaus, das Bunzlauer Rathaus, das Hirschberger Rathaus, das Liegnitzer Alte Rathaus, das Glatzer Jesuitenkolleg, das Wallensteinsche Schloss Sagan, das Schloss Mittelwalde, das Schloss Annaberg, das Schloss Lessendorf und das Schloss Buchenh√∂h. Eine besonders hohe Dichte an Herrensitzen, Schl√∂ssern und Pal√§sten weist das Hirschberger Tal auf. Auch Schloss F√ľrstenstein wurde im Barock ausgebaut.

W√§hrend des Drei√üigj√§hrigen Krieges starb das pommersche F√ľrstengeschlecht der Greifen aus, und Pommern geh√∂rte w√§hrend des Hoch- und Sp√§tbarock zu Schweden. Im Gegensatz zu Schlesien sind in Pommern relativ wenige barocke Architekturdenkm√§ler erhalten geblieben beziehungsweise nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut worden. Zu diesen geh√∂ren das Landeshaus, das K√∂nigs- und das Berliner Tor in Stettin, das R√ľgenwalder Rathaus, die Stargarder Hauptwache und das Schloss Manteuffel.

In der Zeit des Barock wurden in Polen-Litauen auch zahlreiche G√§rten und Parkanlagen angelegt, unter anderem der Warschauer K√∂nigsschlossgarten der S√§chsische Garten, der KrasiŇĄski-Garten, ŇĀazienki-Park, Ujazdowski-Park, der Lubomirski-Garten, der RaczyŇĄski-Garten und der Branicki-Garten.

Rokoko

Der Sp√§tbarock und das Rokoko sind von der Zeit der Sachsenk√∂nige gepr√§gt, insbesondere der Regierungszeit des zweiten Sachsenk√∂nigs August III. Beide Sachsenk√∂nige brachten ihre in Dresden t√§tigen Architekten und K√ľnstler an den K√∂nigshof in Warschau, wo der neue Stil schnell angenommen wurde. Als erster Architekt, der im Rokoko-Stil in Polen-Litauen baute, gilt der in Turin geborene Franzose Juste-Aur√®le Meissonnier, der im PuŇāawyer Czartoryski-Palast und sp√§ter in Warschau t√§tig war. Der wichtigste Architekt des polnischen Rokoko war allerdings wie bereits seit der Renaissance ebenfalls ein Italiener ‚Äď der geb√ľrtige R√∂mer Francesco Placidi. Zu den weiteren bedeutendsten Rokoko-Architekten, die in Polen-Litauen t√§tig waren, z√§hlen Jan de Witte, Joachim Daniel Jauch, Johann Friedrich Kn√∂bel, Bernhard Meretyn, Giacomo Fontana, Ricaud de Tirregaille, Tomasz Rezler und Johann Sigmund Deybel von Hammerau. Die meisten Rokoko-Bauten entstanden in Warschau, sind jedoch aufgrund der Zerst√∂rung des Zweiten Weltkriegs nicht erhalten geblieben und wurden aufgrund des gro√üen Aufwands nur vereinzelt rekonstruiert. √úber den Wiederaufbau der Westseite des ehemaligen Sachsen-Platzes mit dem S√§chsischen Palais, dem Br√ľhlschen Palais und den B√ľrgerh√§usern an der Ecke des Platzes zur K√∂nigsstra√üe wird seit 2005 diskutiert.

Zu den wichtigsten erhaltenen Geb√§uden, die im Stil des polnisch-litauischen Rokoko neu- oder umgebaut wurden, geh√∂ren sakrale Bauten wie die Warschauer Visitantinnen-Kirche, die Warschauer Anna-Kirche, die Warschauer Heilig-Kreuz-Kirche, die Lemberger Georgskathedrale, das Mari√§-Entschlafens-Kloster Potschajiw, die CheŇāmer Apostelkirche und die Krakauer Piaristenkirche. Die Holzkirche St. Stephan in Mnich√≥w gilt als einzige erhaltene Holzkirche des Rokoko.

Zu den wichtigsten erhaltenen Geb√§uden, die im Stil des polnisch-litauischen Rokoko neu- oder umgebaut wurden, geh√∂ren profane Bauten wie der √Ąbtepalast zu Oliva, der Bischofspalast CińÖŇľeŇĄ, der Tscherwonohrader Potocki-Palast, das Butschatscher Rathaus, das Krakauer Markgrafenhaus, das Warschauer John-Haus, das Warschauer Palais Abramowicz, der Warschauer Borch-Palast, der Warschauer Branicki-Palast an der Honigstra√üe, das Warschauer PraŇľmowski-Palais, der MŇāociner Br√ľhl-Palast, der Warschauer Chodkiewicz-Palast, der Warschauer DembiŇĄski-Palast, das Warschauer StroŇĄski-Palais, der Warschauer Przebendowski-Palast, der Warschauer HumaŇĄski-Palast, der Warschauer JabŇāonowski-Palast, der Warschauer Wessel-Palast, der Warschauer Szaniawski-Palast, das Warschauer Chodkiewicz-Palais an der Kirchgasse, der Warschauer Collegium Nobilium, der Warschauer Potocki-Palast, der Warschauer Palast zu den vier Winden, der Warschauer Mokronowski-Palast, das Warschauer Palais Sanguszko, der Warschauer Zamoyski-Palast an der Neuen Welt, der Warschauer MŇāodziejowski-Palast, der Warschauer RadziwiŇāŇāowa-Palast, der Warschauer PotkaŇĄski-Palast, der Warschauer KaraŇõ-Palast, das Warschauer Tepper-Palais und das Warschauer Palais Lelewel (die drei Letztgenannten nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht wieder aufgebaut), der Lemberger Lubomirski-Palast, der KotuliŇĄski-Palast in Czechowice-Dziedzice und die Orangerie des Potocki-Palastes in RadzyŇĄ Podlaski.

In Schlesien sind aus der Zeit des habsburgerischen Rokoko vor allem Mariens√§ulen erhalten, wie zum Beispiel die Leobsch√ľtzer Mariens√§ule, die Ratiborer Mariens√§ule, die Hirschberger Mariens√§ule (tr√§gt bereits klassizistische Z√ľge), die Glatzer Mariens√§ule und Oberglogauer Mariens√§ule (beide √úbergang vom Barock zum Rokoko).

Klassizismus

In den Jahren der Regentschaft des letzten polnisch-litauischen K√∂nigs Stanislaus II. August Poniatowskis begann die Epoche des Klassizismus, der fr√ľhe Klassizismus wird in Polen-Litauen daher auch als Stanislaus-Stil bezeichnet. Nach der Dritten Teilung Polens und der Abdikation von Stanislaus II. August Poniatowski 1795 √ľberdauerte der Klassizismus die napoleonische Zeit bis in die Zeit des Kongresspolens vor dem Novemberaufstand. Zentrum des Klassizismus war wieder Warschau und wieder waren es italienische Architekten, die die Architektur Polen-Litauens in dieser Kulturepoche pr√§gten, allen voran Domenico Merlini und Carlo Spampani unter Stanislaus II. August Poniatowski sowie Antonio Carozzi in Kongresspolen des fr√ľhen 19. Jahrhunderts. Weitere bedeutende Architekten des Klassismus in Polen-Litauen waren Chrystian Piotr Aigner, Laurynas Gucevińćius, Johann Christian Kamsetzer, Ephraim Schr√∂ger, Wilhelm Heinrich Minter, StanisŇāaw Zawadzki, Jakub Kubicki und Simon Gottlieb Zug.

Das ehrgleizigste Bauprojekt Stanislaus II. August Poniatowskis war der Ausbau der Schl√∂sser und Pal√§ste im Warschauer K√∂niglichen Park der B√§der ‚ÄěŇĀazienki Kr√≥lewskie‚Äú. Hierzu lie√ü er durch Domenico Merlini und Johann Christian Kamsetzer das Badeschloss der Lubomirski in Ujazd√≥w bei Warschau in den Palast auf dem Wasser umbauen. Auf Domenico Merlini gehen im ŇĀazienki-Park zudem die Eremitage, das Wei√üe Haus, das Jagdschloss, der Wasserturm, die Neue Wache und die Alte Orangerie sowie auf Johann Christian Kamsetzer die Alte Wache und das Amphitheater. Die Offizierschule und Invalidenkaserne im ŇĀazienki-Park geht auf Wilhelm Heinrich Minter zur√ľck. Jakub Kubicki baute im Park das Belvedere, der Kubicki-Stahl und das erste Projekt des Tempels der G√∂ttlichen Vorsehung. Die Neue Orangerie wurde von Adolf Loewe und J√≥zef OrŇāowski gestaltet und das Narutowicz-Haus auf Andrzej GoŇāoŇĄski. Weitere bekannte romantische Parkanlagen neben dem ŇĀazienki-Park wurden im 18. Jahrhundert in PuŇāawy, Arkadia und Radziejowice angelegt.

Weitere Beispiele des Stanislaus-Stils sind der Parlamentssaal auf dem Warschauer K√∂nigsschloss, der JabŇāonnaer Potocki-Palast, der Warschauer Kr√≥likarnia-Palast, der Natoliner Potocki-Palast die Warschauer Orthodoxe Marienkirche, die Warschauer Karmelitenkirche, der Warschauer Dziekana-Palast, der Warschauer Borch-Palast, der Warschauer RaczyŇĄski-Palast, der Warschauer Tyszkiewicz-Palast, die Dorotheakirche in Petrykozy, die Hofgeb√§ude des Warschauer Czapski-Palast, die Warschauer Dreifaltigkeitskirche, der Garten Arkadia, und die Marienkirche in Kock sowie das Burggassentor in Lublin.

Im Stil des sp√§ten Klassizismus wurde das damals gr√∂√üte Theatergeb√§ude der Welt von Antonio Corazzi, der im Stil des Palladianismus schuf, in Warschau errichtet. Dazu kamen die Geb√§ude der Alten Warschauer Wertpapierb√∂rse, der Polnischen Bank, der LeszczyŇĄski-Palast, das Ursyn√≥wer KrasiŇĄski-Palais, der HoŇāowczyc-Palast, der Staszic-Palast, der Lubomirski-Palast, der Uruski-Palast, der Mostowski-Palast, das Palais ŇöleszyŇĄski, das Palais zur Artischocke, das Warschauer Arsenal, das Haus unter den S√§ulen, das Warschauer Astronomische Observatorium sowie die Warschauer Alexanderkirche. Zu sp√§tklassizistischen Baudenkm√§lern z√§hlen die Warschauer Zitadelle, die Warschauer Alte Synagoge sowie die Warschauer Hospitalsynagoge (die beiden Letztgenannten im Zweiten Weltkrieg zerst√∂rt). Auf Antonio Corazzi geht auch der Radomer Sandomierski-Palast zur√ľck.

Bedeutende klassizistische Baudenkm√§ler au√üerhalb von Warschau sind das Oppelner Alte Posthaus, die Breslauer Elftausend-Jungfrauen-Kirche sowie die Breslauer Alte B√∂rse, die Reichenbacher Maria-Mutter-der-Kirche-Kirche, die Porembaer F√ľrstliche Fasanerie, die PŇāocker Kleine Synagoge, der Pawlowitzer MielŇľyŇĄski-Palast, die Tschenstochauer Neue Synagoge, der Zegrzer RadziwiŇāŇā-Palast, das Schloss Dyhernfurth, das Schloss Juditten, die Gro√ü Wartenberger Evangelische Kirche, die Krippitzer Synagoge, die Orlaer Synagoge, die Praschkauer Synagoge, die Siemiatyczer Synagoge, die Kempener Synagoge, die WŇāodawaer Gro√üe Synagoge, der Wilnaer Bischofspalast und das Rathaus Vilnius.

Historismus

Der Historismus begann im bereits zwischen Preu√üen, Russland und √Ėsterreich geteilten Polen-Litauen um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, als der Klassizismus noch anhielt. Als erstes Bauwerk des Historismus gilt das neogotische Gotikhaus im romantischen Park PuŇāawy des klassizistischen Architekten Chrystian Piotr Aigner aus der ersten Dekade des 19. Jahrhunderts. Die Zentren der polnischen Architektur des 19.¬†Jahrhunderts waren in Kongresspolen Warschau und ŇĀ√≥dŇļ, wo viele B√ľrgerh√§user und Schl√∂sser im Stil des Historismus errichtet wurden, in Galizien Krakau und Lemberg sowie Posen und Bydgoszcz in Preu√üen.

Als erster Stil des Historismus setzte sich nach den napoleonischen Kriegen die Neugotik durch. Sie entwickelte sich in der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts zu dem sogenannten Weichsel-Ostsee-Stil, der an die Backsteingotik Krakaus und Nordpolens ankn√ľpfte. Wichtige Vertreter dieses Architekturstils waren J√≥zef Pius DziekoŇĄski, Enrico Marconi und Alexis Langer. Zu den bedeutenden Bauwerken der Neugotik in Polen z√§hlen der Dowspudaer Pac-Palast (nur Eingangsbereich erhalten), das Schloss K√≥rnik, das Schloss Kamenz, der Breslauer Hauptbahnhof, der Bahnhof Neu Skalmiersch√ľtz, das Haus der Warschauer Rudergesellschaft, die Krzeszowicer Martinskirche von Karl Friedrich Schinkel und die Posener Erl√∂serkirche. Beispiele f√ľr den Weichsel-Ostsee-Stil sind die Warschauer Michaelsbasilika, die Krakauer Josefskirche und die ŇĽyrard√≥wer Marienkirche.

Die Neuromanik setzte sich sp√§ter durch als die Neugotik. Sie spielte gegen√ľber letzterer eine untergeordnete Rolle und setzte sich nur im preu√üischen Landesteil wirklich durch. Zu den wichtigsten Baudenkm√§lern der Neuromanik in Polen z√§hlen insbesondere das Posener Kaiserschloss, das Schloss Juditten, das Danziger Akademische Gymnasium, die Krypta verdienter Polen auf dem SkaŇākah√ľgel, die Warschauer NoŇľyk-Synagoge, die Buker Synagoge sowie die nicht mehr erhaltenen schlesischen Synagogen in Gleiwitz, Myslowitz, Cosel, Kreuzburg und Ratibor, die Ostrower Stanislauskonkathedrale, die Breslauer Augustinuskirche, die Beuthener Barbarakirche, die Zakopaner Heilige Familie, die Warschauer Katherinenkirche, die Neusalzer Antoniuskirche, die Friedensh√ľtter Pauluskirche, die Oppelner Peter- und Paulskirche, die Thorner Dreifaltigkeitskirche, die Wszemb√≥rzer Nikolauskirche, die Zabrzer Annakirche, das Breslauer St√§dtische Hallenbad, das Nimptscher Rathaus und das Stettiner Nationalmuseum.

Die Neorenaissance setzte in Polen zeitgleich mit der Neuromanik ein, erreichte ihren H√∂hepunkt jedoch erst in der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts. Der f√ľhrende Architekt der Neorenaissance in Kongresspolen war der geb√ľrtige Italiener Enrico Marconi. Er schuf im neuen Stil unter anderem den Warschauer Wiener Bahnhof, die Warschauer Karlskirche, die Wilan√≥wer Annakirche, die Warschauer Allerheiligenkirche und das Warschauer Europahotel. Als weitere Beispiele der Neorenaissance in Polen gelten der Uruski-Palast, der Thorner Artushof, das Schloss Neudeck, der Breslauer Korn√≥w-Palast, der Krakauer Puget-Palast. Eine Abwandlung der Neorenaissance war der Arkadenstil, in dem unter anderem die Kattowitzer Auferstehungskirche, die Drohobytscher Choral-Synagoge und das Warschauer Hotel Bristol erbaut wurde. Besonders reich an Neorenaissance-Architektur ist ŇĀ√≥dŇļ und hier insbesondere die Petrikauer Stra√üe, so zum Beispiel mit dem Maurycy-PoznaŇĄski-Palast, dem Haus der St√§dtischen Kreditanstalt.

Der Neobarock folgte der Neorenaissance in der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts. Stefan Szyller, der zun√§chst im Stil der Neorenaissance baute, war wohl der bekannteste Vertreter des Neobarocks in Polen. Sein bekanntestes Bauwerk in diesem Stil ist die Galerie Zachńôta im Zentrum Warschaus, das allerdings teilweise auch bereits zum Eklektizismus gez√§hlt wird. In Bydgoszcz war dagegen J√≥zef Ňöwińôcicki t√§tig, der zahlreiche Mietsh√§user im Stil des Neobarocks entwarf, wie zum Beispiel das Adlerhotel, das Ňöwińôcicki-Haus, das Hecht-Haus, das WolnoŇõci-Haus. Weitere bedeutende Beispiele f√ľr den Neobarock in Polen sind das Schloss Ple√ü, das Schloss Kochcice, das Schloss Smolice, der Warschauer Kronenberg-Palast (im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt und bisher nicht wieder aufgebaut), der Warschauer LeszczyŇĄski-Palast, das Breslauer Landeshaus, das G√∂rlitzer Kulturhaus sowie das Bad Landecker Adalbert-Sanatorium.

Als letzte Stilrichtung des Historismus kam der Eklektizismus im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts nach Polen, der sich durch die Vermischung der anderen Architekturstile des Historismus kennzeichnete. Das bekannteste Bauwerk des Eklektizismus in Polen ist das Krakauer SŇāowacki-Theater. Im gleichen Stil sind auch das Bielitzer Polnische Theater, das Teschener Mickiewicz-Theater, der ŇĀ√≥dŇļer Izraela-PoznaŇĄski-Palast, das Bielitzer Schloss, der Bielitzer Hauptbahnhof, das Neusandezer Rathaus, das Bad Landecker Rathaus, das Jaroslauer Rathaus, das Lubliner Grand Hotel Lublinianka, die August√≥wer Heilig-Herz-Basilika, die Warschauer Erl√∂serkirche, das Hauptgeb√§ude der Technischen Universit√§t Warschau, die Warschauer Philharmonie (im Zweiten Weltkrieg zerst√∂rt und nicht mehr originalgetreu aufgebaut), das Warschauer Foksal-Haus, das Warschauer Sommertheater (im Zweiten Weltkrieg zerst√∂rt und bisher nicht wieder aufgebaut), das ŇĀ√≥dŇļer Landau-Haus, die Ernst-Leonhardt-Villa, der Juliusz-Heinzl-Palast und die Krakauer KOMK-Bank gebaut worden.

Junges Polen

Der Jugendstil kam relativ fr√ľh in die polnischen Teilungsgebiete, entwickelte sich jedoch in den verschiedenen Landesteilen je nach politischer Zugeh√∂rigkeit zu Deutschland, Russland oder √Ėsterreich-Ungarn sehr unterschiedlich. Eine eigene Spielart der Wiener Secession, Junges Polen genannt, entwickelte sich in Galizien, insbesondere in Krakau. Wichtige Vertreter der Sezession waren Franciszek CheŇāmiŇĄski, Dawid Lande, Franciszek MńÖczyŇĄski, Franciszek Ruszyc und Gustaw Landau-Gutenteger. In der Bergregion Podhale entwickelte StanisŇāaw Witkiewicz um 1890 den Zakopane-Stil. Weitere bedeutende Zentren des Jugendstils waren ŇĀ√≥dŇļ, Warschau, Bydgoszcz, Bielsko-BiaŇāa und Oberschlesien.

Bedeutende Beispiele der Sezession in Polen sind der Oppolner Ceresbrunnen, das Bielitzer Froschhaus, das Hirschberger Norwid-Theater, die Krakauer Jesu-Herz-Kirche, das Krakauer Haus unter dem Globus, das Krakauer Haus unter der Spinne, die Krakauer Michaliks Höhle, das Palais Nowik, das Hallenschwimmbad Breslau, das Breslauer Handelshaus Barasch, das Breslauer Hotel Monopol, die Breslauer Markthalle, die Technische Universität Breslau, der Wasserturm Breslau, das Warschauer Hotel Rialto und das Warschauer Hotel Savoy.

Zwischenkriegszeit

Einer der wichtigsten polnischen Architekten der Zwischenkriegszeit war Adolf Szyszko-Bohusz, der unter anderem das Pr√§sidentenschloss in WisŇāa erbaute. Der Erste Weltkrieg brachte viele Zerst√∂rungen in S√ľdpolen. Viele √∂ffentliche Geb√§ude wurden im Art-d√©co-Stil, Funktionalismus und Modernismus wiederaufgebaut oder neu gebaut. Hierzu z√§hlen zum Beispiel das neue Sejmgeb√§ude, das Warschauer Prudential-Hochhaus, das Warschauer Haus ohne Ecken, das Hauptgeb√§ude der Warsaw School of Economics, das Geb√§ude der Polnischen Wertpapierdruckerei, das Warschauer Geb√§ude des Fernmeldeamtes, die Pferderennbahn SŇāuŇľewiec, das Breslauer Warenhaus Wertheim, die Nationalmuseen in Warschau und Krakau, die Jagiellonische Bibliothek, die Zabrzer Josephskirche, die Breslauer Gustav-Adolf-Kirche, das Breslauer Kaufhaus Rudolf Petersdorff, die Stettiner Heilige-Familie-Kirche, die Seefahrt-Akademie Gdynia, der Kattowitzer Wolkenkratzer oder die Kattowitzer Christk√∂nigskathedrale. Ein bedeutendes Geb√§ude des Modernismus, das bereits vor dem Ersten Weltkrieg entstand, ist die Breslauer Jahrhunderthalle.

Sozialistischer Klassizismus

Die bisher gr√∂√üte Zerst√∂rung der polnischen Bausubstanz brachte der Zweite Weltkrieg. Warschau wurde systematisch zerst√∂rt, die Baudenkm√§ler in Ostpolen kamen an die Sowjetunion und alle gr√∂√üeren St√§dte Polens bis auf Krakau wurden durch Kriegshandlungen erheblich besch√§digt. Der Wiederaufbau in der Nachkriegszeit wurde musterg√ľltig aufgenommen ‚Äď die polnischen Restauratoren genie√üen Weltruhm ‚Äď, ist aber auf absehbare Zeit nicht abzuschlie√üen. Die Altstadt und die Neustadt von Warschau sowie das Weichselviertel Mariensztat wurden in den 1970er Jahren und das K√∂nigsschloss in den 1980er Jahren wiederaufgebaut. Die UNESCO w√ľrdigte die Leitung der polnischen Restauratoren mit der Aufnahme der wiederaufgebauten Altstadt in das Weltkulturerbe im Jahr 1980. Die Bausubstanz des 19.¬†Jahrhunderts im Zentrum um die MarszaŇākowska-Stra√üe, die Aleje Jerozolimskie und die Ňöwińôtokrzyska-Stra√üe scheinen aber f√ľr immer verloren. An ihrer Stelle entstanden monumentale Geb√§ude im Stil des Sozrealismus, allen voran der Kulturpalast, der Warschauer Platz der Verfassung und das Vorzeigeviertel MDM. Auch in Breslau, Danzig, Stettin und Posen wurden die Altst√§dte zum gro√üen Teil originalgetreu wieder aufgebaut. Den Zweiten Weltkrieg relativ unversehrt √ľberstanden haben dagegen Krakau, ŇĀ√≥dŇļ und Lublin sowie die nach der Westverschiebung Polens nunmehr zur Sowjetunion geh√∂renden St√§dte Lemberg und Wilna.

Weitere bedeutende Geb√§ude des Sozrealismus in Polen sind das BiaŇāystoker Parteigeb√§ude, das K√∂nigsh√ľtter Schlesische Planetarium, der Dombrowaer Kohlenbeckener Kulturpalast, der Hauptbahnhof Gdynia, das Hauptgeb√§ude der Wissenschaftlich-Technischen Universit√§t Krakau, das Krakauer Viertel Nowa Huta mit dem Zentralplatz, der Allee der Rosen und dem Kino Ňöwiatowid, das ŇĀ√≥dŇļer Gro√üe Theater, das Rzesz√≥wer Appellationsgericht, das Rzesz√≥wer Musikinstitut, das Warschauer Finanzministerium, das Warschauer Grand Hotel und die Russische Botschaft in Warschau. W√§hrend der Volksrepublik entstanden auch neben dem Kulturpalast weitere Wolkenkratzer in der Warschauer Innenstadt wie die Hochh√§user der Ostwand, das Novotel Warszawa Centrum, das Intraco I, das Centrum LIM und der Oxford Tower.

Gegenwartsarchitektur

Der Wiederaufbau nach den Zerst√∂rungen des Zweiten Weltkriegs ging nach dem Ende der Volksrepublik weiter, wenn auch nicht mehr so originalgetreu wie in den 1940er und 1950er Jahren. Einige Pal√§ste sind in den 1990er Jahren wieder erstanden, als Beispiel kann hier der JabŇāonowski-Palast gelten. Es wurde jedoch nur die Fassade originalgetreu aufgebaut, w√§hrend im Inneren ein modernes B√ľrogeb√§ude entstand. Demn√§chst soll mit dem Wiederaufbau der S√§chsischen und Br√ľhlschen Pal√§ste und der Wiedererrichtung der G√§rten des K√∂nigsschlosses begonnen werden.

In den 1990er Jahren begann ein Bauboom von Wolkenkratzern, die von namhaften Architekten wie beispielsweise dem Engl√§nder Norman Foster und dem Amerikaner polnischer Herkunft Daniel Libeskind entworfen wurden. Insbesondere die westliche Innenstadt entlang der Johannes-Paul-II.-Allee und das sich im Westen anschlie√üende Viertel Wola ist von moderner Architektur umgeben. Zu den interessantesten neuen Geb√§uden geh√∂ren das Warsaw Spire, der Warsaw Trade Tower, das Q22, das Rondo 1-B, die ZŇāota 44, das Warsaw Financial Center, das InterContinental, das Cosmopolitan Twarda 2/4, der TP S.A. Tower, das Blue Tower Plaza, der ORCO Tower, das Millennium Plaza, die Goldenen Terrassen, das Ilmet, der PZU Tower, das Hotel The Westin Warsaw und das Plac Unii. Weitere Wolkenkratzer sind in Kattowitz (unter anderem das Altus), Krakau (unter anderem das K1 und der derzeit umgebaute Unity Tower) in Breslau (unter anderem der Sky Tower), in Posen (unter anderem der Andersia Tower und das PoznaŇĄ Financial Centre) in der Dreistadt Danzig-Gdynia-Sopot (unter anderem die Sea Towers und der Neptun) und in Stettin (unter anderem das Pazim) entstanden. Bemerkenswert sind auch Norman Fosters Warschauer Metropolitan, die Warschauer Ňöwińôtokrzyski-Br√ľcke, die Warschauer Siekierkowski-Br√ľcke, das um- und ausgebaute Geb√§ude des Warschauer Museum des Warschauer Aufstandes, das Geb√§ude des Warschauer Museums der Geschichte der polnischen Juden POLIN, das Krakauer Geb√§ude des Museums der Japanischen Kunst und Technik Manggha, das Warschauer Wissenschaftszentrum Kopernikus und das Geb√§ude des Danziger Museums des Zweiten Weltkriegs sowie das Geb√§ude des Danziger Europ√§ischen Zentrums der SolidarnoŇõńá.

Zu den neuen sakralen Geb√§uden z√§hlen der Tempel der G√∂ttlichen Vorsehung in Warschau, das Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes und die Johannes-Paul-II-Kirche in Krakau sowie die Basilika der Muttergottes von LicheŇĄ in LicheŇĄ Stary.

Im Bau befindet sich neben dem nach Fertigstellung höchsten Gebäude in der Europäischen Union Varso Tower auch die Nowa Emilia, der Spinnaker, der Skyliner, der Port Praski, der Mennica Legacy Tower, der Spark, das The Warsaw Hub, das B4 Office Center, das J44, der Unique Tower, das Aura Sky und Chmielna 89.

Film

Die Geschichte des polnischen Films reicht in die Jahre 1894‚Äď1896 zur√ľck, als Kazimierz Pr√≥szyŇĄski den Pleographen erfand, mit dem er kleine Szenen des Alltags in Warschau filmte. Als erste bekannte polnische Filmaufzeichnung gilt die Szene Ňölizgawka w ŇĀazienkach mit Schlittschuhfahrern im Warschauer ŇĀazienki-Park. Der Kameramann BolesŇāaw Matuszewski realisierte kleinere Dokumentarfilme im Auftrag der franz√∂sischen Firma der Br√ľder Lumi√®re. Weitere bekannte Filmschaffende der Anfangszeit waren Antoni Fertner und Pola Negri. In der Zwischenkriegszeit produzierten Ryszard OrdyŇĄski, Adolf Dymsza, Jan Kiepura, Wanda Jakubowska und Eugeniusz Bodo.

In der Volksrepublik waren zudem Leonard Buczkowski, Andrzej Munk, Tadeusz Konwicki, Jerzy Kawalerowicz, Wojciech Has, Roman PolaŇĄski, Marek Piwowski, Andrzej Wajda, Krzysztof KieŇõlowski, StanisŇāaw Bareja, Kazimierz Karabasz, Krzysztof Zanussi, Juliusz Machulski, Kazimierz Kutz, Agnieszka Holland, Aleksander Ford, Jerzy Toeplitz, Walerian Borowczyk, Jan Lenica, Ryszard Bugajski, Filip Bajon, Jerzy Hoffman, Stefan Themerson und Andrzej ŇĽuŇāawski t√§tig. In ŇĀ√≥dŇļ entstand die Polnische Filmschule. Seit den 1970er Jahren findet das Polnische Filmfestival in Gdynia statt. Der gegenw√§rtige polnische Film mit Regisseuren wie WŇāadysŇāaw Pasikowski, Krzysztof Krauze, SŇāawomir Fabicki, Robert GliŇĄski, Marek Koterski, Feliks Falk, Piotr Trzaskalski und Jan Komasa findet weltweit Anerkennung. Seit 1999 wird der Polnische Filmpreis vergeben.

Medien

Pressefreiheit

In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegte Polen im Jahr 2020 Platz 62 von 180, was der Einsch√§tzung ‚Äěerkennbare Probleme‚Äú entspricht. Die Organisation kritisiert insbesondere die Kontrolle der Regierung √ľber den √∂ffentlichen Rundfunk, aber auch Justizschikanen gegen private regierungskritische Medien. Im Jahr 2015 war Polen noch auf Platz 18 der Rangliste, seither hat sich die Wertung kontinuierlich verschlechtert.

Fernsehen

Neben den öffentlich-rechtlichen Fernsehkanälen von Telewizja Polska (TVP; dt. Polnisches Fernsehen) gibt es zwei weitere ebenfalls landesweit und flächendeckend empfangbare bedeutsame private Fernsehkanäle: TVN und Polsat.

Bis 1992 besaß nur das öffentlich-rechtliche Fernsehen eine Sendeerlaubnis. 1992 kam Polsat hinzu, 1997 folgte TVN.

Der polnische Fernsehmarkt hat sich seit den 1990er Jahren bis heute kontinuierlich weiterentwickelt, sodass die fr√ľheren wichtigsten Anbieter TVP, TVN und Polsat von einzelnen Kan√§len zu Paketen aus mehreren Kan√§len ausgebaut wurden. So findet man in jedem Paket jedes Anbieters zus√§tzlich auch einen Nachrichten-, Kultur-, Dokumentations-, Spielfilm- und Sportsender.

Die Landschaft an öffentlich-rechtlichen regionalen Kanälen ist der in Deutschland ähnlich. Es gibt 16 selbstständige staatliche Kanäle mit regionaler Ausrichtung (Die Dritten). Fernsehsender mit dem größten Marktanteil war 2012 TVP1 mit 15,41 Prozent. Es folgten Polsat (13,97 %), TVN (13,93 %) und TVP2 (12,56 %).

Hörfunk

Die √∂ffentlich-rechtliche polnische H√∂rfunkanstalt Polskie Radio betreibt die drei wichtigsten landesweit empfangbaren staatlichen Radioprogramme. Diese sind Jedynka (Das Erste) mit Schwerpunkt auf Politik, Kultur, Reportagen, Dw√≥jka (Das Zweite) als Kultursender sowie Tr√≥jka (Das Dritte) vor allem f√ľr j√ľngere Menschen. Es wird auch ein dichtes Netz aus 17 staatlichen regionalen Radiosendern betrieben. Die staatliche Rundfunkanstalt hat in den 1990er Jahren ernstzunehmende Konkurrenz durch die privaten Radiosender Radio Zet (ein landesweiter Sender) und RMF FM (Netz aus etwa 20 regionalen Sendern) bekommen, die sich bei 15- bis 35-J√§hrigen gr√∂√üter Beliebtheit erfreuen.

Eine Besonderheit der polnischen Medienlandschaft ist die Existenz stark religiös ausgerichteter Sender, wie TV Trwam und Radio Maryja, die in katholisch-konservativen Kreisen gehört werden.

Den größten Marktanteil konnte 2004 RMF FM mit 23,95 Prozent verbuchen. Es folgten Radio Zet (21,41 %), Polskie Radio 1 (15,51 %), Polskie Radio 3 (5,32 %) und Radio Maryja (2,39 %).

Die H√∂rfunk- und Fernsehsender werden von einer staatlichen Aufsichtsbeh√∂rde, der Rada Medi√≥w Narodowych (dt. Rat Nationaler Medien) lizenziert und √ľberwacht.

Print- und Internetmedien

Auflagenst√§rkste √ľberregionale Tageszeitungen sind die Boulevardzeitungen Fakt und Super Express sowie die Gazeta Wyborcza und Rzeczpospolita. S√§mtliche Tageszeitungen haben in den letzten Jahren an Lesern verloren, insbesondere die Gazeta Wyborcza ist von einer urspr√ľnglichen Auflagenzahl von knapp einer halben Million auf ca. 100.000 im Oktober 2017 gefallen.

Zu den auflagenst√§rksten meinungsbildenden Wochenmagazinen geh√∂ren GoŇõńá Niedzielny, Polityka, Newsweek Polska und Sieci. Die wichtigste polnische Presseagentur ist die Polska Agencja Prasowa (PAP). F√ľr englischsprachige Leser erscheinen die Warsaw Voice und das Warsaw Business Journal. In der Vergangenheit gab es die deutschsprachige polen-rundschau.

1990 gab es 3007 Zeitschriften, die Zahl wuchs bis 1999 auf 5444. Die Zahl der Tageszeitungen sank von 1990 bis 2000 von 130 auf 66. Auflagenstärkste war 2004 Fakt.

Die bekanntesten Internetportale sind Onet.pl, Wirtualna Polska und Interia.pl.

2016 nutzten ca. 28 Millionen Polen das Internet (72,4 % der Bevölkerung).

Bräuche

Nationale und regionale Br√§uche werden vor allem auf dem Land aufrechterhalten. Sie sind mit den verschiedenen Religionen, besonders der r√∂misch-katholischen, verbunden. Wichtig sind die Feste der verschiedenen religi√∂sen Gemeinschaften: Sternsinger, Kulig, Wigilia und Pasterka an Weihnachten, Friedhofsfeiern an Allerheiligen und Allerseelen Zaduszki, das Fronleichnamsfest in ŇĀowicz, die Mysterienspiele in Kalwaria Zebrzydowska, das kaschubische Bootsfest, der Dominikaner Jahrmarkt in Danzig, das Sopot Festival und das Festival in Jarocin, der Fette Donnerstag vor Aschermittwoch, das vor√∂sterliche Eierkratzen, die Osterpalme an Palmsonntag in Lipnica Murowana, die Osterspeisensegnung am Karsamstag, das an Ostermontag stattfindetende Ňömigus-dyngus und Siuda Baba, aber auch das orthodoxe Jordanfest in Drohiczyn und das muslimisch-tatarische Kurban Bajram in Bohoniki. Pilgerfahrten erfreuen sich nach wie vor gro√üer Beliebtheit, etwa die katholischen Wallfahrten nach Tschenstochau, Heiligelinde, LicheŇĄ Stary, Kalwaria Zebrzydowska, ŇĀagiewniki und zum St. Annaberg, aber auch die j√ľdischen Grabbesuche der chassidischen Mystiker Elimelech aus LeŇľajsk und Moses Isserles aus Krakau, die orthodoxe Wallfahrt nach Grabarka, das Erntedankfest DoŇľynki und die Studentenfeste der Juwenalia. Polnische Abiturienten begehen hundert Tage vor der Abiturpr√ľfung das Fest Studni√≥wka.

Viele der lokalen Br√§uche und Riten stehen in Zusammenhang mit den Jahreszeiten (z.¬†B. die Zuwasserlassung der Wianki, die Versenkung der Marzanna und der Krakauer Lajkonik). Kunstwerke, die mit den Br√§uchen verbunden sind, umfassen die Ikonenmalerei vor allem in Podlachien, Lublin und dem Karpatenvorland, Schnitzereien mit religi√∂sen (Jezus Frasobliwy) und weltlichen Motiven sowie die Stickereien ‚Äď Koronki. Bekannt sind auch Trachten, insbesondere die aus Krakau und die der Goralen. Von den traditionellen Br√§uchen in der Architektur sind die Wegkapellen zu nennen, vor allem in den Beskiden und Masowien. Verbunden mit dem polnischen Brauchtum sind auch die traditionelle Musik (j√ľdische Klezmer, Kammermusik, Mazurkas, Polonaisen, Krakowiaks und Polkas) sowie der Tanz (u.¬†a. die Tanzensembles Mazowsze, ŇölńÖsk und SŇāowianki), das traditionelle Theater sowie die Mundartdichtung der Goralen, Kaschuben und Schlesier. Zu den besonders traditionsreichen Regionen geh√∂ren Kurpie und Podhale. Zalipie in Kleinpolen ist bekannt f√ľr seine mit L√ľftlmalerei bemalten Blumenh√§user. Die erwachsenen Polen begehen den Namenstag in gr√∂√üerem Umfang als den Geburtstag, der eher von Kindern in Polen gefeiert wird.

K√ľche

Die polnische K√ľche ist vielschichtig und vor allem mit den K√ľchen der √∂stlichen Nachbarl√§nder Polens verwandt, weist aber auch zu den mitteleurop√§ischen und skandinavischen K√ľchen einige Parallelen auf. In den Eigenheiten der polnischen K√ľche spiegeln sich die historische Adelskultur und die b√§uerliche Kultur des Landes ebenso wider wie seine geographischen Gegebenheiten. Daneben gibt es viele traditionelle Br√§uche der Lebensmittelherstellung, wie z.¬†B. der Schafsk√§se Oscypek und die Bryndza der Goralen aus der Region Podhale, die Krakauer Brezel Obwarzanek und Krakauer W√ľrste wie die gro√üpolnischen Pyzy. Kabanos ist eine weitere beliebte polnische Wurstsorte. Auch der in Nordamerika sehr popul√§re Bagel stammt urspr√ľnglich aus Krakau, wo er 1610 zum ersten Mal in einer j√ľdischen Quelle urkundlich erw√§hnt wird. In den USA sind zudem polnische Wursterzeugnisse sehr beliebt, die dort unter dem polnischen Namen Kielbasa oder einfach Polish Sausage vermarktet werden. Zu den bekanntesten polnischen Nationalgerichten geh√∂ren Pierogi, ŇĽurek, GoŇāńÖbki, Kluski ŇõlńÖskie, Krokiet, Bigos, Zrazy, Flaki, Pulpety, Kopytka, Pampuchy, Kaszanka, Kotlet schabowy, Czernina und Barszcz mit Uszka. Da in Polen viel gejagt und geangelt wird, stellen Wild und Fisch einen gro√üen Bestandteil der polnischen K√ľche dar. H√§ckerle und Ryba po grecku sind traditionelle Fischgerichte. Als Saucen werden insbesondere die Polnischen Saucen verwendet. Beliebte S√ľ√üwaren sind die Thorner Lebkuchen, Posener Martinsh√∂rnchen, PńÖczki, Faworki, KoŇāaczyk, KoŇāacz, Mazurek, Placek, Babka, Racuchy, Kulebjak, MakieŇāki und Mak√≥wki. Tee und Kaffee sind die meistgetrunkenen nichtalkoholischen Getr√§nke in Polen. Zu Mahlzeiten werden oft Kompott oder Mineralwasser getrunken. Zu den meistgetrunkenen alkoholischen Getr√§nken geh√∂ren Wodka und Bier. Wodka ist ein polnisches Nationalgetr√§nk, der erste Wodka wurde in S√ľdostpolen (Sandomierz) im Jahre 1405 hergestellt. Seit dem Mittelalter war in Polen der Honigwein Krupnik beliebt. Der Weinbau in Polen wird immer beliebter. In Polen gibt es immer mehr Winzer, die vor allem im S√ľden und S√ľdosten Weinberge anlegen. In den Bar mleczny, √∂ffentlich bezuschussten Kantinen, die sich oft in den Stadtzentren befinden, kann man regelm√§√üig traditionelle polnische K√ľche zu relativ niedrigen Preisen bekommen.

Freizeit

Aufgrund der vielen Seen und der langen sandigen Meeresk√ľste sind Wassersportarten wie Segeln (u.¬†a. Gro√üe Masurische Seen), Surfen (u.¬†a. Hel), Tauchen (u.¬†a. Danziger Bucht), Kajak (u.¬†a. auf den Fl√ľssen Krutynia, Czarna HaŇĄcza, Drawa), Schwimmen und Angeln in Polen sehr beliebt. Hausbooturlaub ist auf den revitalisierten Wasserwegen auch ein touristischer Faktor geworden. Die Polen nutzen die vielen W√§lder auch gerne zum Pilze sammeln. In den Bergen wird viel gewandert und Alpin Ski und Snowboard gefahren (u.¬†a. Sudeten, Beskiden, Tatra). Rafting ist auf den Gebirgsfl√ľssen, vor allem dem Dunajec im Pieniny-Durchbruch, sehr beliebt. Auch Segel- und Ballonfliegen ist in den Beskiden popul√§r. Langlauf, Hundeschlittenfahren und Eissegeln werden in den Waldkarpaten und Masuren praktiziert. An den verschiedenen international bedeutenden Stra√üenl√§ufen nehmen zunehmend auch Volksl√§ufer teil. Das Schachspiel hat in Polen eine lange Tradition.

Sport

Wintersport spielt eine wichtige Rolle in Polen. Skispringen erfreut sich gro√üer Beliebtheit. F√ľr internationale Wettbewerbe genutzte Skisprungschanzen befinden sich in Zakopane (Wielka Krokiew und Ňörednia Krokiew) sowie in WisŇāa (Malinka). Zu den erfolgreichen polnischen Wintersportlern geh√∂rten bzw. geh√∂ren die Skispringer BronisŇāaw Czech, WŇāadysŇāaw Tajner, Wojciech Fortuna, Adam MaŇāysz, Marcin Bachleda, Kamil Stoch, Stefan Hula, Maciej Kot, Dawid Kubacki, Piotr ŇĽyŇāa und Jan Ziobro, die Skirennl√§ufer Andrzej Bachleda-CuruŇõ, die Eisschnelll√§ufer Katarzyna Bachleda-CuruŇõ, Zbigniew Br√≥dka, Artur WaŇõ, Katarzyna WoŇļniak und Luiza ZŇāotkowska, die Skilangl√§ufer J√≥zef ŇĀuszczek, Justyna Kowalczyk, Dominik Bury und Martyna Galewicz, die Snowboarderin Paulina Ligocka-Andrzejewska, Formel 1 Rennfahrer Robert Kubica und die Speedway-Weltmeister Tomasz Gollob und Bartosz Zmarzlik

Leichtathletik ist in Polen ebenfalls beliebt. Bei den Medaillenspiegeln der Leichtathletik-Weltmeisterschaften schneidet Polen in den letzten Jahren regelm√§√üig unter den Top-Ten ab. Zu den erfolgreichen polnischen Leichtathleten geh√∂rten bzw. geh√∂ren Anita WŇāodarczyk, Robert Korzeniowski, Marcin Lewandowski, Artur Noga, Lidia Chojecka, Kamila Lińáwinko, Anna Rogowska und Konrad Bukowiecki.

Schwimmen erfreut sich in Polen einer gro√üen Beliebtheit. Otylia Jńôdrzejczak war die erfolgreichste polnische Schwimmerin.

Daneben ist Polen im Bridge sehr erfolgreich.

Gleichwohl stehen beim polnischen Sportfan Fu√üball, Volleyball, Handball und Basketball am h√∂chsten im Kurs. Der polnische Fu√üballverband ist Organisator der Ekstraklasa und der nachgeordneten Ligen. Die polnische Fu√üballnationalmannschaft wurde 1919 gegr√ľndet und geh√∂rte in den 1970er und 1980er Jahren zu den besten Teams der Welt. Sie erreichte bei den Weltmeisterschaften 1974 und 1982 Platz drei sowie die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1972 und die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1976. Herausragende Spieler waren in dieser Zeit Grzegorz Lato, Zbigniew Boniek, Kazimierz Deyna, Robert Gadocha, WŇāadysŇāaw ŇĽmuda und Andrzej Szarmach. Zu den gegenw√§rtig bekanntesten Spielern aus Polen z√§hlen Artur Boruc, Wojciech Szczńôsny, Robert Lewandowski, Grzegorz Krychowiak, ŇĀukasz Piszczek und Jakub BŇāaszczykowski. Im Motorsport ist die Motorraddisziplin Speedway, auf polnisch Zuzel genannt, mit seiner PGE Extraliga sehr popul√§r in Polen.

Am 18. April 2007 wurde Polen zusammen mit der Ukraine von der UEFA zum Ausrichter der Fußball-Europameisterschaft 2012 bestimmt. Hierzu wurden vier neue Stadien in Warschau, Danzig, Posen und Breslau gebaut.

Seit 1996 findet j√§hrlich im September das Herren-Tennisturnier ATP Challenger Stettin statt. Zu den erfolgreichen polnischen Tennisspielern geh√∂rten bzw. geh√∂ren Wojciech Fibak, Mariusz Fyrstenberg, Jerzy Janowicz, Hubert Hurkacz, Agnieszka RadwaŇĄska, Urszula RadwaŇĄska, Magda Linette, Iga ŇöwińÖtek, Magdalena Frńôch und Paula Kania.

Feiertage

Siehe auch

Literatur

  • Bundeszentrale f√ľr politische Bildung (BpB), Bonn: Polen. Informationen zur politischen Bildung. (PDF; 5,8¬†MB).
  • Deutsches Polen-Institut, Darmstadt: Jahrbuch Polen.
  • Manfred Alexander: Kleine Geschichte Polens. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-017060-1.
  • Dieter Bingen, Krzysztof Ruchniewicz (Hrsg.): L√§nderbericht Polen. Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur. Campus, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-593-38991-2.
  • Dieter Bingen u. a. (Hrsg.): Erwachsene Nachbarschaft. Die deutsch-polnischen Beziehungen 1991 bis 2011. Harrassowitz, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-447-06511-5.
  • WŇāodzimierz Borodziej: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert. Beck, M√ľnchen 2010, ISBN 978-3-406-60648-9.
  • Andrzej Chwalba: Kurze Geschichte der Dritten Republik Polen. 1989 bis 2005. Harrassowitz, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-447-05925-1.
  • Norman Davies: Im Herzen Europas. Geschichte Polens. 4. Auflage. Beck, M√ľnchen 2006, ISBN 3-406-46709-1.
  • J√ľrgen Heyde: Geschichte Polens. 3. Auflage. Beck, M√ľnchen 2011, ISBN 978-3-406-50885-1.
  • Brigitte J√§ger-Dabek: Polen. Ein L√§nderportr√§t. 3. Auflage. Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-701-4.
  • Matthias Kneip: 111 Gr√ľnde, Polen zu lieben. Eine Liebeserkl√§rung an das sch√∂nste Land der Welt. 2. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2017, ISBN 978-3-86265-661-5.
  • Matthias Kneip, Manfred Mack (Hrsg.): Polnische Gesellschaft. Cornelsen, Berlin 2012, ISBN 978-3-06-064113-0.
  • Matthias Kneip u. a.: Polnische Geschichte und deutsch-polnische Beziehungen. Cornelsen, Berlin 2009, ISBN 978-3-06-064215-1.
  • Radek Knapp: Gebrauchsanweisung f√ľr Polen. Piper, M√ľnchen 2005, ISBN 3-492-27536-2.
  • Hartmut K√ľhn: Das Jahrzehnt der SolidarnoŇõńá. Die politische Geschichte Polens 1980‚Äď1990. Basisdruck, Berlin 1999, ISBN 3-86163-087-7.
  • Hartmut K√ľhn: Polen im Ersten Weltkrieg. Der Kampf um einen polnischen Staat bis zu dessen Neugr√ľndung 1918/1919. Lang, Berlin 2018, ISBN 978-3-631-76530-2.
  • JiŇô√≠ Lederer: Mein Polen lebt. Zwei Jahrhunderte Kampf gegen Fremdherrschaft. Bund, K√∂ln 1981, ISBN 3-7663-0487-9.
  • Steffen M√∂ller: Viva Polonia. Als deutscher Gastarbeiter in Polen. 4. Auflage. Scherz, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-596-18045-5.
  • Stefan Muthesius: Kunst in Polen ‚Äď Polnische Kunst 966-1990. Eine Einf√ľhrung. Langewiesche, K√∂nigstein i. T. 1994, ISBN 3-7845-7610-9.
  • Stefanie Peter (Hrsg.): Alphabet der polnischen Wunder. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-518-41933-5.
  • Jacek Raciborski, Jerzy J. Wiatr: Demokratie in Polen. Elemente des politischen Systems. Budrich, Opladen 2005, ISBN 3-938094-15-X.
  • Thomas Urban: Polen. 2. Auflage. Beck, M√ľnchen 2009, ISBN 978-3-406-57852-6.
  • Klaus Ziemer: Das politische System Polens. Eine Einf√ľhrung. Springer, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-531-94028-1.

Weblinks

  • Polen-Analysen: Einsch√§tzungen aktueller politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Entwicklungen in Polen
  • Dossier der Bundeszentrale f√ľr politische Bildung zu Polen
  • L√§nder- und Reiseinformationen des Ausw√§rtigen Amts zu Polen
  • Portal der polnischen Regierung (polnisch)
  • Polenstudien: Portal zur wissenschaftlichen und kulturellen Auseinandersetzung mit Polen
  • Polnisches Institut
  • Polnisches Fremdenverkehrsamt
  • Polnisches Statistikamt (polnisch, englisch)
  • Deutsches Polen-Institut
  • Stiftung f√ľr deutsch-polnische Zusammenarbeit
  • Bundesverband der Deutsch-Polnischen Gesellschaften

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (16)

Bezeichnung der Regionen: Woiwodschaft
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Ermland-Masuren 54.434 53.093 19.128 22.814  
Gro√üpolen 53.595 51.066 15.826 19.079 Gro√üpolen  
Karpatenvorland 50.83 48.994 21.21 23.658  
Kleinpolen 50.5200441 49.1785791 19.083192 21.4213825 Kleinpolen  
Kujawien-Pommern 53.696 52.278 17.297 19.748  
Lebus 53.11 51.396 14.539 16.371  
L√≥dz 52.335 50.804 18.055 20.674  
Lublin 52.296 50.312 21.646 24.143  
Masowien 53.444 51.013 19.296 23.087  
Niederschlesien 51.77 50.093 14.81 17.718 Niederschlesien  
Opole 51.151 49.969 16.944 18.656  
Podlachien 54.401 52.282 21.523 23.922  
Pomeranian 54.838 53.434 16.785 19.759  
Schlesien 51.037 49.387 18.019 19.966  
Swietokrzyskie 51.29 50.174 19.742 21.849  
Westpommern 54.577 52.596 14.124 17.058  
 

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Flagge: Poland

Name englisch: Poland
Hauptstadt: Warschau
Kfz: PL
ISO: PL
ISO3: POL
Fläche: 312685 km²
Tld: .pl
Wärung Einheit: PLN
Währung: Zloty
Vorwahl: 48

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 54.8358123
südlichster Punkt: 49.0020252
westlichster Punkt: 14.1228641
östlichster Punkt: 24.1458931


 
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