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Staat Informationen : Polen

Informationen:


Polen (polnisch Polska [ˈpɔlska] , amtlich Republik Polen, polnisch Rzeczpospolita Polska, ) ist eine parlamentarische Republik in Mitteleuropa. Hauptstadt und zugleich grĂ¶ĂŸte Stadt des Landes ist Warschau (polnisch Warszawa), grĂ¶ĂŸter Ballungsraum die Metropolregion um Kattowitz (Katowice). Weitere StĂ€dte mit ĂŒber 400.000 Einwohnern sind Krakau (KrakĂłw), Lodz (ƁódĆș), Breslau (WrocƂaw), Posen (PoznaƄ), Danzig (GdaƄsk) und Stettin (Szczecin). Polen ist ein in 16 Woiwodschaften gegliederter Einheitsstaat. Mit einer GrĂ¶ĂŸe von 312.696 Quadratkilometern ist Polen das sechstgrĂ¶ĂŸte Land der EuropĂ€ischen Union und mit 37,7 Millionen Einwohnern das fĂŒnftbevölkerungsreichste. Es herrscht vorwiegend das ozeanische Klima im Norden und Westen sowie das kontinentale Klima im SĂŒden und Osten des Landes.

Im frĂŒhen Mittelalter siedelten sich im Zuge der Völkerwanderung StĂ€mme der westlichen Polanen in Teilen des heutigen Staatsgebietes an. Eine erste urkundliche ErwĂ€hnung fand im Jahr 966 unter dem ersten historisch bezeugten polnischen Herzog Mieszko I. statt, welcher das Land dem Christentum öffnete. 1025 wurde das Königreich Polen gegrĂŒndet, bis es sich 1569 durch die Union von Lublin mit dem Großherzogtum Litauen zur Königlichen Republik Polen-Litauen vereinigte und zu einem der grĂ¶ĂŸten und einflussreichsten Staaten in Europa wurde. In dieser Zeit entstand 1791 die erste moderne Verfassung Europas.

Durch die drei Teilungen Polens Ende des 18. Jahrhunderts von den Nachbarstaaten seiner SouverĂ€nitĂ€t beraubt, erlangte Polen mit dem Vertrag von Versailles seine UnabhĂ€ngigkeit 1918 zurĂŒck. Der Einmarsch des Deutschen Reiches und der Sowjetunion am Beginn des Zweiten Weltkrieges und deren Besatzungsherrschaft kostete Millionen polnischer BĂŒrger, insbesondere polnische Juden, das Leben. Nach dem Krieg erhielt Polen im Rahmen der Westverschiebung Polens neue Grenzen. Seit 1952 als Volksrepublik Polen unter sowjetischem Einfluss stehend, erlebte das Land 1989, insbesondere infolge des Einflusses der Solidarnoƛć-Bewegung, einen politischen und wirtschaftlichen Systemwechsel. Seit 2004 ist Polen Mitglied der EuropĂ€ischen Union und eine starke Wirtschaftskraft in Mitteleuropa.

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist Polen auf Platz 22 der grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften der Erde. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zĂ€hlt Polen zu den LĂ€ndern mit sehr hoher menschlicher Entwicklung. Zwischen west- und osteuropĂ€ischen KulturrĂ€umen gelegen und durch eine wechselhafte Geschichte geprĂ€gt, entwickelte das Land ein reiches kulturelles Erbe. Einige seiner BĂŒrger lieferten wichtige BeitrĂ€ge in den Natur- und Sozialwissenschaften, der Mathematik, der Literatur, dem Film und der Musik. Polen ist Mitglied der Vereinten Nationen, der OSZE, der NATO, des Europarates und der EuropĂ€ischen Union.

Landesname

Der polnische Name der Republik Polen lautet „Rzeczpospolita Polska“, wobei die Bezeichnung Rzeczpospolita explizit Bezug auf die polnische Adelsrepublik (bis 1795) nimmt und keine bloße Übersetzung von Republik ist. Im Gegensatz zur deutschen Übersetzung aus dem Lateinischen: Sache des Volkes oder öffentliche Sache, bedeutet das polnische Rzeczpospolita wortwörtlich ĂŒbersetzt: gemeinsame Sache oder Angelegenheit der Allgemeinheit. Der Begriff Rzeczpospolita ist allein der Republik Polen vorbehalten, andere Republiken werden im Polnischen schlicht als Republika bezeichnet.

Der Name Polen leitet sich ab vom westslawischen Stamm der Polanen (Polanie), die sich im 5. Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen Woiwodschaft Großpolen um Posen (PoznaƄ) und Gnesen (Gniezno), zwischen den FlĂŒssen Oder (Odra) und Weichsel (WisƂa), niederließen. Die Polanen, die erst um das Jahr 1000 so bezeichnet wurden, waren grĂ¶ĂŸtenteils Ackerbauern; ihr Name entwickelte sich aus dem Wort pole, auf Deutsch Feld.

In mehreren Sprachen geht der Name Polens nicht auf die Polanen, sondern direkt oder indirekt auf einen SĂŒdostpolnischen Volksstamm im Gebiet der heutigen Woiwodschaft Karpatenvorland um Przemyƛl – die Lendizen (Lędzianie) – zurĂŒck. Bei der Vermittlung in andere Sprachen mag der Name des legendĂ€ren polnischen Herrschers Lech, bekannt aus der Sage um Lech, Čech und Rus, eine Rolle gespielt haben. Der Name dieses legendĂ€ren Herrschers steht wiederum im Zusammenhang mit den Lendizen. So heißt Polen zum Beispiel im Lateinischen Lechia (davon abgeleitet die deutsche Form Lechland), im Persischen Lachistan, im Litauisch Lenkija und die Bezeichnung fĂŒr die Polen im TĂŒrkischen ist Lehce, im Altrussischen Lach und im Ungarischen Lengyel.

Geographie

Polens Staatsgebiet bedeckt eine FlĂ€che von 312.679 kmÂČ und ist damit das neuntgrĂ¶ĂŸte Land in Europa sowie das achte Land gemessen nach der Bevölkerungszahl. Weltweit belegt es entsprechend die PlĂ€tze 70 und 35. Zum Staatsgebiet Polens gehört auch im Festlandsockel das KĂŒstenmeer sowie die Anschlusszone in der Ostsee.

Insgesamt hat Polen 3.583 Kilometer Staatsgrenze, 524 Kilometer davon in der Ostsee und auf 1.221 Kilometer verlĂ€uft die Grenze an FlĂŒssen. Insgesamt grenzt Polen an sieben Staaten und ist damit eines der LĂ€nder mit den meisten europĂ€ischen Nachbarn. Im Norden grenzt es an

  • die Ostsee (440 km) und
  • Russland die russische Oblast Kaliningrad (Landgrenze 210 km und Seegrenze 22 km),

im Osten an

  • Litauen Litauen (104 km),
  • Belarus Belarus (418 km) und
  • Ukraine die Ukraine (535 km),

im SĂŒden an

  • Slowakei die Slowakei (541 km) und
  • Tschechien Tschechien (796 km) und

im Westen an

  • Deutschland Deutschland (Landgrenze 467 km und Seegrenze 22 km).

Nördlichster Punkt Polens ist das Kap Rozewie, sĂŒdlichster der Gipfel des OpoƂonek in den Bieszczady. Die Entfernung zwischen den beiden Punkten betrĂ€gt 649 Kilometer. Der westlichste Punkt ist die Stadt Cedynia, das östliche Pendant ist das Knie des Bug in der Gemeinde HorodƂo, 689 Kilometer entfernt. Im Winter ist der Tag im Norden Polens um mehr als eine Stunde kĂŒrzer als im SĂŒden, im Sommer ist entsprechend der Tag im SĂŒden kĂŒrzer als im Norden. Am Tag der Tagundnachtgleiche geht die Sonne in Ostpolen um ca. 40 Minuten frĂŒher auf und unter als im Westen. Polen liegt in der MitteleuropĂ€ischen Zeitzone, deren Mitte der Meridian 15°, der durch die westlichen Woiwodschaften Polens verlĂ€uft. Der Gradnetzmittelpunkt liegt bei OzorkĂłw, der Schwerpunkt weicht geringfĂŒgig davon ab. Der geographische Mittelpunkt wird mit Piątek in der Woiwodschaft ƁódĆș angegeben.

Relief

Das Gebiet Polens kann in sechs geographische RĂ€ume eingeteilt werden. Von Nord nach SĂŒd sind dies: die KĂŒstengebiete, die RĂŒckenlandschaften, das Tiefland, die HochlĂ€nder, die Vorgebirge und die Gebirge. Die ÜbergĂ€nge zwischen den einzelnen Gebieten sind dabei fließend und werden in der Literatur leicht abweichend abgegrenzt.

Die KĂŒste verlĂ€uft im Norden Polens an der Ostsee. Die KĂŒstenniederungen sind schmal und um das Stettiner und das Frische Haff zungenförmig ausgeweitet. Die Landschaften bestehen aus flachen, breiten TĂ€lern und ausgedehnten GrundmorĂ€nenplatten. Vor allem sandige, lehmhaltige und Moorböden dominieren die Bodenarten.

Die RĂŒckenlandschaft ist wĂ€hrend der Eiszeiten entstanden, was sich durch die Gestaltung durch End- und GrundmorĂ€nen zeigt. Davon setzt sich deutlich die SanderflĂ€che im sĂŒdöstlichen Teil ab. Hier befinden sich die großen polnischen Seenplatten, die in der letzten Eiszeit gestaltet wurden.

Zu den zusammenhĂ€ngenden Tieflandgebieten zĂ€hlen die Schlesische Tiefebene, die Nord- und Mittelmasowische Tiefebene sowie das Tiefland SĂŒdpodlachiens. Sie sind Teil der MitteleuropĂ€ischen Tiefebene. Durch diese verlaufen die UrstromtĂ€ler der Weichsel, Warthe und Oder.

Die polnischen HochlĂ€nder können in drei Hauptteile unterschieden werden, das Schlesisch-Krakauer im SĂŒden, das sich östlich daran anschließende Kleinpolnische und das Lubliner Hochland im SĂŒdosten. Das Roztocze wird teilweise zu letzterem gerechnet und teilweise als eigenstĂ€ndiges Hochland angesehen.

Zu den Vorgebirgslandschaften zĂ€hlen das Schlesische Tiefland und die Beckenlandschaft der Vorkarpaten. Unterschieden wird hier das Ostrauer Becken, das Auschwitzer Becken, das Krakauer Tor und das Sandomirer Becken. Hierbei handelt es sich um nĂ€hrstoffreiche LĂ¶ĂŸböden, die zu den besten AckerflĂ€chen in Polen gehören.

Im SĂŒden Polens befinden sich die polnischen Mittelgebirge, der Krakau-Tschenstochauer Jura im sĂŒdlichen Zentralpolen, das Heiligkreuzgebirge östlich hiervon, die Beskiden und Pieninen im SĂŒden, die Waldkarpaten und Bieszczady im SĂŒdosten und die Sudeten mit dem Isergebirge, Riesengebirge und dem Glatzer Hochland im SĂŒdwesten. Zwischen Sudeten und Karpaten liegt die MĂ€hrische Pforte.

Das einzige Gebirge mit Hochgebirgscharakter und gleichzeitig die höchste Erhebung des Landes ist die Tatra mit der Hohen Tatra und der Westtatra. Die Tatra ist ein geologisch sehr vielseitiges Hochgebirge. Alle der ĂŒber 70 polnischen Zweitausender befinden sich hier.

Geologie

Der tiefere Untergrund Polens wird von einem Mosaik verschiedener Krustensegmente unterschiedlicher Herkunft und Zusammensetzung aufgebaut. Zwar treten die Ă€lteren Bestandteile nur in den sĂŒdlichen Randbereichen des Landes auf, weil große FlĂ€chen in Nord- und Zentralpolen von jungen Sedimenten bedeckt sind, durch Tiefbohrungen ist aber auch in diesen Bereichen der Aufbau des Untergrundes bekannt.

Grundgebirge

Nordöstlich einer Linie, die durch die Orte Ustka an der Ostsee und Lublin markiert wird, stehen im Untergrund Gesteine an, welche die sĂŒdwestliche Fortsetzung des Kontinents Baltica bilden. Es sind hochmetamorphe Gneise und Granulite, die wĂ€hrend der Svekofennidischen Orogenese vor 1,8 Milliarden Jahren letztmals deformiert wurden. Diese Gesteine wurden vor 1,5 Milliarden Jahren von Anorthositen und Rapakivi-Graniten intrudiert und unterlagen in der Folgezeit einer langsamen Abtragung. Ab dem Kambrium war dieser alte Kraton, der Baltische Schild, von einem Flachmeer bedeckt, dessen geringmĂ€chtige Ablagerungen sich bis ins Silur nachweisen lassen.

SĂŒdwestlich an den Baltischen Schild schließt sich die 100 bis 200 km breite Zone der Kaledoniden an. Die Grenzzone zwischen den Kaledoniden und dem Baltischen Schild, die Tornquistzone, lĂ€sst sich von DĂ€nemark bis in die Dobrudscha verfolgen. Die Gesteine des kaledonischen Gebirgszuges entstanden am Nordrand Gondwanas und wurden von diesem am Ende des Kambriums als langgestreckter, schmaler Mikrokontinent mit dem Namen Avalonia abgespalten. Der als Tornquist-Ozean bezeichnete Meeresraum zwischen Avalonia und Baltica wurde bis zum Oberordovizium subduziert, wodurch es zur Kollision und Gebirgsbildung kam. Im nördlichen Heiligkreuzgebirge (Lysagoriden) findet man kaledonisch deformierte Schelfsedimente des Baltischen Schildes, wohingegen der sĂŒdliche Teil (Kielciden) prĂ€kambrische Gesteine enthĂ€lt, die ursprĂŒnglich Teile Gondwanas waren. Auch das MaƂopolska-Massiv im SĂŒdwesten des Heiligkreuzgebirges ist gondwanidischen Ursprungs, allerdings driftete es unabhĂ€ngig von Avalonia nach Norden und gelangte erst im Rahmen von Seitenverschiebungen bei der jĂŒngeren, variszischen Orogenese in seine heutige Position.

Die dritte große Baueinheit wird von den variszisch deformierten Sudeten gebildet. Im frĂŒhen Ordovizium löste sich eine weitere Gruppe von Mikrokontinenten vom Nordrand Gondwanas und driftete durch die Subduktion des Rheischen Ozeans auf Baltica zu. Diese Kleinkontinente, zu denen die Böhmische Masse und das Saxothuringikum gehören, kollidierten im Mittel- und Oberdevon mit dem SĂŒdrand Balticas. Dabei entstanden auf polnischem Gebiet die Westsudeten (auch Lugikum genannt) mit ihren hochgradig metamorphen Paragneis-Folgen, in die die Granite des Iser- und Riesengebirges eindrangen. Schon im Karbon wurden abgesunkene Teile des variszischen Gebirges von ausgedehnten, baumbestandenen Niedermooren eingenommen, die heute in den Flözen des Oberschlesischen Steinkohlereviers dokumentiert sind.

Das jĂŒngste Gebirge ist im sĂŒdlichen Polen in den Karpaten aufgeschlossen. Im EozĂ€n hatte sich die Tethys geschlossen und die Adriatische Platte, ein Sporn Gondwanas, kollidierte mit dem SĂŒdrand Europas. Im polnischen Anteil der Karpaten wurden Sedimentgesteine des Mesozoikums und des PalĂ€ogens nach Norden auf das Ă€ltere Grundgebirge ĂŒberschoben.

Deckgebirge

Im Perm begann im heutigen Zentralpolen eine kontinuierliche Absenkung des gefalteten Untergrundes, so dass dort bis zu 10 km mĂ€chtige Sedimentgesteinsschichten abgelagert wurden. Im Rotliegenden enthalten die Ablagerungen noch Gesteine vulkanischen Ursprungs, aber ab dem Zechstein herrschten marine Bedingungen vor; in abgeschnĂŒrten Lagunen kam es auch zur Bildung von Steinsalz. Im Buntsandstein zog sich das Meer zurĂŒck und es wurden bis zu 1.400 m kontinentale Sande abgelagert. Danach wurde das Gebiet bis zum Ende des Mesozoikums vorwiegend von einem Flachmeer bedeckt, in dem Kalksteine und Tone zur Ablagerung kamen. Auch das Ă€ltere Grundgebirge (Heiligkreuzgebirge und Sudeten) war bis zum Ende der Kreide von diesen jungen Sedimenten bedeckt. Erst im frĂŒhen PalĂ€ogen vor etwa 55 Millionen Jahren kam es zu einer Heraushebung der alten Gebirgsmassive. In Zentralpolen wurden wĂ€hrend des PalĂ€ogens und Neogens nur etwa 250 m Sande und Tone abgelagert. Weite Bereiche des polnischen Tieflandes liegen unter einer nahezu geschlossenen Decke von MorĂ€nenmaterial sowie Kiesen und Sanden, die von den Gletschern der letzten Eiszeit aus Skandinavien herantransportiert wurden.

FlĂŒsse

Die lĂ€ngsten FlĂŒsse sind die Weichsel (WisƂa) mit 1022 km, der Grenzfluss Oder (Odra) mit 840 km, die Warthe (Warta) mit 795 km und der Bug mit 774 km. Der Bug verlĂ€uft entlang der polnischen Ostgrenze. Die Weichsel und die Oder mĂŒnden, wie zahlreiche kleinere FlĂŒsse in Pommern, in die Ostsee. Die beiden FlĂŒsse bestimmen das hydrographisch-fluviatile GefĂŒge Polens. Die Alle (Ɓyna) und die Angrapa (Węgorapa) fließen ĂŒber den Pregel und die HaƄcza ĂŒber die Memel in die Ostsee. Daneben entwĂ€ssern einige kleinere FlĂŒsse, wie die Iser in den Sudeten, ĂŒber die Elbe in die Nordsee. Die Arwa aus den Beskiden fließt ĂŒber die Waag und die Donau (Dunaj), genauso wie einige kleinere FlĂŒsse aus den Waldkarpaten, ĂŒber den Dnister ins Schwarze Meer. Pro Jahr fließen 58,6 kmÂČ Wasser ab, davon 24,6 kmÂČ als OberflĂ€chenabfluss.

Die polnischen FlĂŒsse wurden schon sehr frĂŒh zur Schifffahrt genutzt. Bereits die Wikinger befuhren wĂ€hrend ihrer RaubzĂŒge durch Europa mit ihren Langschiffen die Weichsel und die Oder. Im Mittelalter und der Neuzeit, als Polen-Litauen die Kornkammer Europas war, gewann die Verschiffung von Agrarprodukten auf der Weichsel in Richtung Danzig (GdaƄsk) und weiter nach Westeuropa eine sehr große Bedeutung, wovon noch viele Renaissance- und Barockspeicher in den StĂ€dten entlang des Flusses zeugen.

Seen

Polen gehört mit 9300 geschlossenen GewĂ€ssern, deren FlĂ€che einen Hektar ĂŒberschreitet, zu den seenreichsten LĂ€ndern der Welt. In Europa weist nur Finnland mehr Seen pro kmÂČ als Polen auf. Die grĂ¶ĂŸten Seen mit ĂŒber 100 kmÂČ FlĂ€che sind ƚniardwy (Spirdingsee) und Mamry (Mauersee) in Masuren sowie das Jezioro Ɓebsko (Lebasee) und das Jezioro Drawsko (Dratzigsee) in Pommern. Neben den Seenplatten im Norden (Masuren, Pommern, Kaschubei, Großpolen) gibt es auch eine hohe Anzahl an Bergseen in der Tatra, von denen das Morskie Oko der flĂ€chenmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸte ist. Der mit 113 m tiefste See ist der HaƄcza-See in der Seenplatte von Wigry, östlich von Masuren in der Woiwodschaft Podlachien. Gefolgt wird er von dem Drawsko mit 83 m sowie dem Bergsee Wielki Staw Polski (dt. Großer Polnischer See) im „Tal der fĂŒnf polnischen Seen“ mit 79 m.

Zu den ersten Seen, deren Ufer besiedelt wurden, gehören die der Großpolnischen Seenplatte. Die Pfahlbausiedlung von Biskupin, die von mehr als 1000 Menschen bewohnt wurde, grĂŒndeten bereits vor dem 7. Jahrhundert v. Chr. Angehörige der Lausitzer Kultur. Die Vorfahren der heutigen Polen, die Polanen, bauten ihre ersten Burgen auf Seeinseln (ostrĂłw). Der legendĂ€re FĂŒrst Popiel soll im 8. Jahrhundert von Kruszwica am Goplo-See regiert haben. Der erste historisch belegte Herrscher Polens, Herzog Mieszko I., hatte seinen Palast auf einer Wartheinsel in Posen.

KĂŒste

Die polnische OstseekĂŒste ist 528 km lang und erstreckt sich von ƚwinoujƛcie (SwinemĂŒnde) auf den Inseln Usedom und Wolin im Westen bis nach Krynica Morska auf der Frischen Nehrung (auch Weichselnehrung genannt) im Osten. Die polnische KĂŒste ist zum großen Teil eine sandige AusgleichskĂŒste, die durch die stetige Bewegung des Sandes aufgrund der Strömung und des Windes von West nach Ost charakterisiert wird. Dadurch bilden sich viele Kliffe, DĂŒnen und Nehrungen, die nach dem Auftreffen auf Land viele BinnengewĂ€sser schaffen, wie z. B. das Jezioro Ɓebsko im Slowinzischen Nationalpark bei Ɓeba. Die bekanntesten Nehrungen sind die Halbinsel Hel und die Frische Nehrung. Die grĂ¶ĂŸte polnische Ostseeinsel ist Wolin. Die grĂ¶ĂŸten HafenstĂ€dte sind Gdynia (Gdingen), Danzig (GdaƄsk), Stettin (Szczecin) und ƚwinoujƛcie. Die bekanntesten OstseebĂ€der sind ƚwinoujƛcie, Sopot (Zoppot), Międzyzdroje (Misdroy), KoƂobrzeg (Kolberg), Ɓeba (Leba), WƂadysƂawowo (Großendorf) und Jurata.

Gebirge

Die drei wichtigen GebirgszĂŒge Polens sind von West nach Ost die Sudeten, die Karpaten und das Heiligkreuzgebirge. Alle drei gliedern sich wiederum in kleinere Gebirge. Das Gebirge mit der höchsten Reliefenergie sind die Sudeten, gefolgt vom Heiligkreuzgebirge, beide mit Werten von teilweise ĂŒber 600 m/kmÂČ.

Charakteristisch fĂŒr die Sudeten sind sanfte, gleichmĂ€ĂŸige OberflĂ€chen in den Höhenlagen und schroffe Ausformungen in den Tallagen. Der höchste Teil der Sudeten ist das Riesengebirge. Der ursprĂŒnglich das Gebirge bedeckende Mischwald wurde von FichtenwĂ€ldern verdrĂ€ngt. Ab 1250 Metern beginnt die Krummholzzone. Das Riesengebirge ist mit der ƚnieĆŒka (1602 m) der dritthöchste Gebirgszug in Polen.

Den Großteil der polnischen Karpaten nehmen die Beskiden ein, die mit 1725 m in der Babia GĂłra das höchste Mittelgebirge in Mitteleuropa sind. Weitere GebirgszĂŒge der polnischen Karpaten sind die Gorce und Pieniny. Im SĂŒdosten Polens liegen die Waldkarpaten mit dem Gebirgszug der Bieszczady. In den Ă€ußeren Bereichen der Karpaten herrschen weiche Formen vor. In ihren inneren Regionen befindet sich ein alpiner Bereich mit Karen, Hörnern, Hang- und TrogtĂ€lern.

Die Tatra an der polnisch-slowakischen Grenze ist neben den Alpen das einzige Hochgebirge Mitteleuropas. Polen hat ca. 70 benannte Gipfel mit einer Höhe von ĂŒber 2000 m. Sie befinden sich alle in der Hohen Tatra oder Westtatra. Mit 2499 m ist ein Nebengipfel des Rysy, nach dem Karsee Meerauge auch Meeraugspitze genannt, in der Hohen Tatra der höchste Berg Polens. Weitere bekannte Gipfel in der Hohen Tatra, an denen Polen Anteil hat, sind der Mięguszowiecki Szczyt Wielki (2438 m), der NiĆŒnie Rysy (2430 m), der Mięguszowiecki Szczyt Czarny (2410 m) und der Mięguszowiecki Szczyt Poƛredni (2393 m).

Depression

Bis 2013 galt der Ort Raczki Elbląskie in der NĂ€he von Elbląg im Weichseldelta in der Woiwodschaft Ermland-Masuren mit 1,8 m unter dem Meeresspiegel als am tiefsten gelegener Punkt Polens. Seit der Neuvermessung hĂ€lt Marzęcino in der NĂ€he von Nowy DwĂłr GdaƄski in der Woiwodschaft Pommern diesen Rekord. Marzęcino liegt ebenfalls im Weichseldelta.

Flora

Polen ist eines der am meisten bewaldeten LĂ€nder Europas. Die polnischen WĂ€lder nehmen eine FlĂ€che von 9,1 Mio. Hektar bzw. 29,2 % der LandesflĂ€che ein und die WaldflĂ€che nimmt durch Aufforstung stĂ€ndig zu. Nach den Zielvorgaben soll die WaldflĂ€che bis 2020 30 % und bis 2050 33 % der LandesflĂ€che ausmachen. Im Osten Polens gibt es UrwĂ€lder, die nie von Menschen gerodet wurden, wie der Urwald von BiaƂowieĆŒa. Große Waldgebiete gibt es auch in den Bergen, Masuren, Pommern und Niederschlesien. Das grĂ¶ĂŸte zusammenhĂ€ngende Waldgebiet in Polen ist die Niederschlesische Heide. Zu den artenreichsten Biotopen gehören die SĂŒmpfe der Biebrza, die 40 % der FlĂ€che des Nationalparks Biebrza ausmachen.

Auf die Zusammensetzung der Pflanzenwelt in weiten Teilen Polens haben die letzten Eiszeiten einen großen Einfluss gehabt, insbesondere die Weichsel-Eiszeit. Nach dem RĂŒckzug der Gletscher befand sich vor ca. 12 Tausend Jahren ein Tundragebiet in Nord- und Zentralpolen. LaubbĂ€ume wurden vor ca. 10 Tausend Jahren in Polen heimisch und das Gebiet wurde von einem dichten Mischwald bedeckt. Mit der folgenden KlimaerwĂ€rmung und der Ausbreitung des Menschen, hat sich die Pflanzenwelt in den folgenden Jahrtausenden stetig verĂ€ndert. Die polnischen Mittelgebirge im SĂŒden des Landes waren dagegen nicht von den Eismassen bedeckt. Die Pflanzenwelt hier war stets artenreicher, insbesondere auf den sonnigen und kalkhaltigen Böden der Pieninen. In Polen treten ca. 3.000 heimische Taxone, 67 GefĂ€ĂŸsporenpflanzen, 910 Moose, ca. 2.000 Chlorophyta und 39 Rotalgen auf.

Fauna

Die Anzahl der Tier- und Pflanzenarten ist in Polen EU-weit am höchsten, ebenso die Anzahl der bedrohten Arten. So leben hier etwa noch Tiere, die in Teilen Europas bereits ausgestorben sind, etwa der Wisent (Ć»ubr) im BiaƂowieĆŒa-Urwald und in Podlachien sowie der BraunbĂ€r in BiaƂowieĆŒa, in der Tatra und in den Waldkarpaten, der Wolf und der Luchs in den verschiedenen Waldgebieten, der Elch in Nordpolen, der Biber in Masuren, Pommern und Podlachien. In den WĂ€ldern trifft man auch auf Nieder- und Hochwild (Rotwild, Rehwild und Schwarzwild). Die Anzahl der heimischen Tierarten in Polen wird auf 33 bis 47 Tausend geschĂ€tzt. Insgesamt leben in Polen ĂŒber 90 SĂ€ugetier-, 444 Vogel-, neun Reptilien-, 18 Amphibien-, 119 Fisch-, fĂŒnf Kieferlose-, ca. 260 Weichtiere-, ca. 30 Tausend Insekten-, ca. eineinhalb Tausend Spinnentiere-, ca. 240 RingelwĂŒrmer- und ca. viertausend Protozoenarten.

Polen ist das wichtigste Brutgebiet der europĂ€ischen Zugvögel. Rund ein Viertel aller Zugvögel, die im Sommer nach Europa kommen, brĂŒtet in Polen. Dies gilt insbesondere fĂŒr die Seenplatten und die oftmals durch eigene Nationalparks geschĂŒtzten Sumpfgebiete, u. a. die Gebiete des Nationalparks Biebrza (seit 1993), des Nationalparks Narew (seit 1996) und des Nationalparks Warthe (Warta, seit 2001). Auch der Tiefland-Urwald des Nationalparks BiaƂowieĆŒa (seit 1932) ist ein großes Brutgebiet fĂŒr Zugvögel.

Bodennutzung

Die WaldflĂ€che macht ca. 30 % der LandesflĂ€che aus. Kiefern- und BuchenwĂ€lder dominieren in weiten Teil Polens. Nordwestpolen wird dabei von Buchen dominiert, Richtung Nordosten treten verstĂ€rkt Fichten auf. In den Gebirgen SĂŒdpolens finden sich vor allem Eichenmisch- und Tannen-BuchenwĂ€lder. Über die HĂ€lfte der FlĂ€che Polens wird landwirtschaftlich genutzt, wobei allerdings die GesamtflĂ€che der Äcker zurĂŒckgeht und gleichzeitig die verbliebenen intensiver bewirtschaftet werden. Die Viehzucht ist insbesondere in den Bergen weit verbreitet. Über ein Prozent der FlĂ€che (3.145 kmÂČ) werden in 23 Nationalparks geschĂŒtzt. In dieser Hinsicht nimmt Polen den ersten Platz in Europa ein. Drei weitere sollen in Masuren, im Krakau-Tschenstochauer Jura und in den Waldkarpaten neu geschaffen werden. Die meisten polnischen Nationalparks befinden sich im SĂŒden des Landes. Zudem werden Sumpfgebiete an FlĂŒssen und Seen in Zentralpolen geschĂŒtzt sowie KĂŒstengebiete im Norden. Hinzu kommen zahlreiche Reservate und Schutzgebiete.

Naturschutz

Mit 23 Nationalparks, die etwa ein Prozent der LandesflĂ€che ausmachen, ist Polen eines der LĂ€nder in Europa mit den meisten Nationalparks. Der Tatra-Nationalpark ist mit ĂŒber drei Millionen registrierten Eintritten pro Jahr der meistbesuchte Nationalpark in Polen. Der Ă€lteste und einer der bekanntesten Parks ist der 1923 gegrĂŒndete BiaƂowieĆŒa-Nationalpark an der Grenze zu Belarus.

Klima

Das Klima Polens ist ein gemĂ€ĂŸigtes Übergangsklima. Hier trifft die trockene Luft aus dem eurasischen Kontinent mit der feuchten Luft des Atlantiks zusammen. Im Norden und Westen herrscht vor allem ein gemĂ€ĂŸigtes Seeklima, im Osten und SĂŒdosten Kontinentalklima. Als Trennlinie gilt die Achse zwischen oberer Warthe und unterer Weichsel.

Von Juli bis September wehen die Winde meist aus westlicher Richtung, im Winter, besonders im Dezember und Januar, dominieren Winde aus Osten. Im FrĂŒhjahr und Herbst wechseln die Windrichtungen zwischen West und Ost. Die Windgeschwindigkeit liegt im Norden in der Regel zwischen 2 und 10 m/s, in den Bergen misst man auch Winde von ĂŒber 30 m/s. In der Tatra treten Föhnwinde auf.

An 120 bis 160 Tagen betrĂ€gt die Bewölkung ĂŒber 80 Prozent, an 30 bis 50 Tagen ist die Bewölkung unter 20 Prozent. Mit 1700 mm pro Jahr im mehrjĂ€hrigen Mittel fallen in der Tatra die höchsten NiederschlĂ€ge; die geringsten NiederschlĂ€ge fallen mit unter 500 mm nördlich von Warschau, am Jezioro GopƂo, westlich von Posen und bei Bydgoszcz. Weiter nördlich steigen die NiederschlĂ€ge wieder auf 650 bis teilweise 750 mm. Die niederschlagreichsten Monate sind der April und der September. Im unteren Oder-Warthe-Gebiet fĂ€llt an etwa 30 Tagen Schnee, im Nordosten, den Karpaten und in den Beskiden sind es 100 bis 110 Tage. In den Gebirgen bleibt der Schnee 200 oder mehr Tage liegen.

Die Jahresmitteltemperatur betrĂ€gt 5 bis 7 °C auf den Anhöhen der Pommerschen und Masurischen Seenplatte sowie auf den Hochebenen. In den TĂ€lern des Karpatenvorlands, der Schlesischen und Großpolnischen Tiefebene betrĂ€gt sie 8 bis 10 °C. In den höheren Gebieten der Karpaten und Sudeten liegt die Temperatur bei 0 °C. Der wĂ€rmste Monat ist der Juli mit Mitteltemperaturen zwischen 16 und 19 °C. Dabei betrĂ€gt sie auf den Gipfeln von Tatra und Sudeten 9 °C, an der KĂŒste 16 °C und in Zentralpolen 18 °C. Der kĂ€lteste Monat ist der Januar. Frost gibt es von November bis MĂ€rz. An der unteren Oder und der KĂŒste an durchschnittlich 25 Tagen und bis zu 65 Tagen im Nordosten um SuwaƂki.

Bevölkerung

Demographische Struktur

Polen hat mit knapp 38 Millionen Einwohnern die achtgrĂ¶ĂŸte Bevölkerungszahl in Europa und die fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte in der EuropĂ€ischen Union. Die Bevölkerungsdichte betrĂ€gt 122 Einwohner pro Quadratkilometer. Die Geburtenrate betrug 2016 1,34 Kinder pro Frau. Die Lebenserwartung betrug im Zeitraum von 2010 bis 2015 77,6 Jahre (MĂ€nner: 73,7, Frauen: 81,7). Das Durchschnittsalter lag 2016 bei 40,3 Jahren und war im europĂ€ischen Vergleich relativ niedrig. Bis Mitte des Jahrhunderts erwartet Polen einen deutlichen Anstieg des Median-Alters und ein Absinken der Bevölkerung auf 33 Millionen Einwohner. Grund dafĂŒr sind die niedrige Geburtenrate und Auswanderung. Die Geburtenzahl ist im Jahr 2017 wieder gestiegen und betrug zum ersten Mal seit mehreren Jahren mehr als 400 Tausend Lebendgeburten. Gleichzeitig sind seit dem Krieg im Donbas ca. 200.000 Ukrainer nach Polen gezogen.

GrĂ¶ĂŸte StĂ€dte

Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf die StÀdte, ohne die dazugehörigen BallungsrÀume.

(VZ = VolkszÀhlung, S = SchÀtzung)

Siehe auch: Liste der StÀdte in Polen

Ethnien

Das heutige Polen ist seit dem Zweiten Weltkrieg ethnisch betrachtet ein Ă€ußerst homogener Staat, was ungewöhnlich in der polnischen Geschichte ist. Nach der VolkszĂ€hlung von 2011 sind 99,7 % der Bevölkerung polnische StaatsbĂŒrger und 95,53 % davon bezeichnen sich ethnisch als Polen, wobei 2,17 % hiervon neben der polnischen IdentitĂ€t eine weitere angegeben haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es ein Ziel des kommunistischen Regimes, HomogenitĂ€t unter anderem durch Zwangsumsiedlungen oder Assimilation der ethnischen Minderheiten zu erreichen. In der Verfassung von 1947 wurde Gleichheit der BĂŒrger ohne Ansehen der NationalitĂ€t garantiert; jedoch wurden 1960 besondere Rechte fĂŒr Minderheiten ermöglicht. Seit 1997 ist der Schutz von Minderheiten in der Verfassung verankert. Zu den nationalen Minderheiten gehören die Deutschen mit 0,28 % (0,068 %), Belarussen mit 0,12 % (0,081 %), Ukrainer mit 0,12 % (0,068 %) und Russen mit 0,03 % (0,013 %) sowie Litauer, Tschechen, Slowaken und polnische Armenier. Zu den ethnischen Minderheiten gehören Kaschuben mit 0,59 % (0,042 %), Roma mit 0,04 % (0,023 %), Lemken mit 0,03 % (0,013 %) sowie Tataren, Karaim und Juden. Schlesier stellen 2,1 % (0,94 %) der polnischen Bevölkerung dar, wobei sie sich teilweise als Polen, teilweise als Deutsche, teilweise als Schlesier und teilweise als mehreren Gruppen gleichzeitig zugehörig bezeichnen. Das Gesetz ĂŒber die nationalen und ethnischen Minderheiten sowie ĂŒber die Regionalsprache wurde 2005 erlassen. In diesem wird unter anderem geregelt, dass in Gemeinden, in denen mehr als 20 % der Einwohner einer Minderheit angehören, deren Sprache als Hilfssprache genutzt werden kann. Einzige anerkannte Regionalsprache ist Kaschubisch, dennoch sind in Gebieten mit einer deutschen Minderheit Hinweis- und Ortsschilder zweisprachig. Unter den in den letzten Jahren zugewanderten auslĂ€ndischen Staatsangehörigen stammen die meisten aus der Ukraine und Belarus. Auch Personen aus anderen Mitgliedsstaaten der EU, wozu vor allem Personen aus Deutschland, Italien, Frankreich und Bulgarien zĂ€hlen, sind in den letzten Jahren nach Polen gezogen. Polen gehört zu den beliebtesten ZiellĂ€ndern fĂŒr deutsche Auswanderer. Weitere zahlenmĂ€ĂŸig relevante Migrationsgruppen stammen aus Russland, aus Vietnam, der Volksrepublik China, der TĂŒrkei, Kasachstan und Nigeria. Die Zahl der Auslandspolen weltweit wird auf bis zu 20 Millionen geschĂ€tzt. Die Anzahl der in Deutschland lebenden Polen betrĂ€gt ca. 1 Mio., wobei Doppelstaatler nicht hinzugerechnet werden.

Sprachen

Polnisch ist die Landessprache Polens und gehört der westslawischen Gruppe der indogermanischen Sprachen an. In Polen verwendeten 1990 von den 38 Millionen Einwohnern etwa 37 Millionen Polnisch als Sprache im Alltag. Etwa 8 Millionen Menschen außerhalb des polnischen Staatsgebietes nutzten Polnisch innerhalb der Familie. Nach Russisch ist Polnisch die weltweit am hĂ€ufigsten gesprochene slawische Sprache. Die Polnische Orthographie basiert auf dem Lateinischen Alphabet, welches um Buchstaben mit diakritischen Zeichen erweitert wurde. Dazu gehören Ą, Ć, Ę, Ɓ, ƃ, Ó, ƚ, Ćč und Ć». Die Buchstaben Q, V und X sind offiziell Bestandteile des polnischen Alphabets, kommen aber nur in Fremdwörtern vor. Die Polnischen Dialekte werden traditionell in fĂŒnf Gruppen eingeteilt; das Großpolnische, das Kleinpolnische, das Masowische, das Schlesische und das Kaschubische. Hinzu kommen sogenannte gemischte Dialekte in den Gebieten, welche durch die Umsiedlung von Polen nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Kaschubisch wird auch als eigenstĂ€ndige Sprache betrachtet. Auch wenn im Alltagsleben seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Polnisch dominierte, war Latein bis ins 18. Jahrhundert die Verwaltungs-, Kirchen- und Schulsprache. Daneben war in der Adelsrepublik Ruthenisch offiziell anerkannt. Die Ă€ltesten heute bekannten polnischen Schriftzeugnisse sind Namen und Glossen in lateinischen SchriftstĂŒcken, insbesondere in der Bulle von Gnesen des Papstes Innozenz II. von 1136, in der fast 400 einzelne polnische Namen von Ortschaften und Personen auftauchen. Den ersten geschriebenen vollstĂ€ndigen Satz fand man in der Chronik des Klosters Heinrichau bei Breslau. Unter den EintrĂ€gen des Jahres 1270 findet sich eine Aufforderung eines Mannes zu seiner mahlenden Frau. „Daj, ać ja pobruszę, a ty poczywaj“, was in der Übersetzung lautet: „Lass mich jetzt mahlen, und du ruh dich aus.“ In der Literatur war Polnisch ab dem 14. Jahrhundert und verstĂ€rkt ab dem 16. Jahrhundert in Gebrauch. Im 16. Jahrhundert entwickelte sich auch ein Standardpolnisch. WĂ€hrend der Teilungen Polens Ende des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Polnische durch Russisch bzw. Deutsch verdrĂ€ngt. Mit dem 1918 wiederentstandenen polnischen Staat wurde die polnische Sprache zur Amtssprache. Damals sprachen etwa 65 % Polnisch als Muttersprache, die restliche Bevölkerung sprach Ukrainisch, Weißrussisch, Deutsch, Jiddisch und andere. Nach der Westverschiebung der Grenzen ist Polen seit Ende der 1940er Jahre erstmals seit dem Hochmittelalter ein ethnisch relativ homogener Staat. Etwa 95 % bis 98 % der Bevölkerung sind Polen, und entsprechend groß ist die Dominanz der polnischen Sprache. Es gibt eine Reihe von Minderheitensprachen, die seit 2005 offiziell anerkannt sind: Kaschubisch in der Kaschubei und als nationale Minderheitensprachen: Armenisch, Deutsch, HebrĂ€isch, Jiddisch, Litauisch, Russisch, Slowakisch, Tschechisch, Ukrainisch und Weißrussisch sowie als ethnische Minderheitensprachen: Karaimisch, Russinisch bzw. Lemko, Romani und Tatarisch.

Religionen

Laut einer reprÀsentativen Umfrage des Eurobarometers glaubten im Jahr 2005 80 % der Menschen in Polen an Gott, weitere 15 % glaubten an eine andere spirituelle Kraft.

Slawische Mythologie

Die polnischen StĂ€mme waren ursprĂŒnglich Heiden und hatten, Ă€hnlich wie andere Westslawen, ein polytheistisches Religionssystem, dessen Hauptgott der vierköpfige ƚwiętowit war, dessen Statuen zwischen Pommern (z. B. bei Kap Arkona auf RĂŒgen) und der Ukraine (z. B. der „Antichrist aus dem Zburz“) gefunden wurden. Diese Religion konnte sich teilweise bis ins 14. Jahrhundert behaupten. Insbesondere im Nordosten wurde auch ein Ahnenkult gepflegt, der teilweise bis ins 19. Jahrhundert ĂŒberdauerte und in der Romantik unter anderem von Adam Mickiewicz in seinem Drama Totenfeier wieder aufgegriffen wurde. In kleinem Umfang besteht ein Bestreben, die alten Kulte wieder zu beleben. Hierbei handelt es sich aber eher um ein kulturelles als um ein religiöses PhĂ€nomen.

Katholische Kirche

Im Jahre 965 heiratete der Herzog von Polen, Mieszko I., die böhmische Prinzessin christlichen Glaubens Dubrawka und ließ sich im folgenden Jahr nach lateinischem Ritus taufen. Das erste Bistum wurde 968 in Posen gegrĂŒndet. Die Kirchenordnung wurde im Jahr 1000 neuorganisiert und das Erzbistum Gnesen mit den untergeordneten BistĂŒmern in Kolberg, Krakau, Posen und Breslau wurden gegrĂŒndet. In der ersten HĂ€lfte des 11. Jahrhunderts kam es zu einem großen heidnischen Aufstand gegen den christlichen Klerus. Nachdem der polnische Adel im Zuge der Reformation in großen Scharren zum Calvinismus wechselte, im Sejm sogar um 1550 eine protestantische Mehrheit bestand, vermochte die katholische Kirche im 17. Jahrhundert im Zuge der Gegenreformation die meisten andersglĂ€ubigen Adeligen wieder zum katholischen Glauben zu bekehren. Seit dem Zweiten Weltkrieg und der Westverschiebung Polens ist das Land grĂ¶ĂŸtenteils katholisch. 87 % der polnischen Gesamtbevölkerung sind römisch-katholisch (Anteil der katholisch Getauften an Gesamtbevölkerung, 2011), vor 1939 waren es nur 66 %. Davon geben 54 % an, ihren Glauben auch zu praktizieren. Ein besonders hohes Ansehen in Polen besitzt der verstorbene Papst Johannes Paul II. (1920–2005), der vor seiner Papstwahl als Karol WojtyƂa Erzbischof von Krakau war und eine bedeutende politische Rolle wĂ€hrend des Zusammenbruchs des Ostblocks innehatte.

Orthodoxe Kirche

Die polnischen StĂ€mme kamen wahrscheinlich im 9. Jahrhundert ĂŒber das GroßmĂ€hrische Reich mit dem christlichen Glauben erstmals in Kontakt. Die Wislanen in Kleinpolen wurden zur Zeit der byzantinischen Slawenapostel Kyrill und Method von den Herrschern des GroßmĂ€hrischen Reiches unterworfen. MĂ€hrischen Chronisten zufolge soll bereits zu dieser Zeit das Christentum nach slawischem Ritus in der Region um Krakau eingefĂŒhrt worden sein. In den östlichen Woiwodschaften Polens hat ab dem 14. Jahrhundert stets die orthodoxe Kirche dominiert. Durch die Union mit Litauen 1386 und 1569 kamen viele weißrussisch- und ukrainischsprachige orthodoxe Christen unter die Herrschaft der polnischen Könige. Die Polnisch-Orthodoxe Kirche ist auch heute noch die zweitgrĂ¶ĂŸte Religionsgemeinschaft in Polen. Zu ihr bekannten sich 2006 0,5 Millionen Menschen, was 1,3 % der Bevölkerung entspricht. Vor 1939 gehörten noch 11 % der Bevölkerung zur orthodoxen Kirche.

Griechisch-katholische Kirche

Ca. 0,2 % der Bevölkerung sind griechisch-katholisch. Die Griechisch-katholische Kirche ist 1596 in Polen durch die Kirchenunion von Brest entstanden. Sie hatte vor allem in dem polnischen Teil der Ukraine eine hohe Verbreitung. Nach den polnischen Teilungen wurde die Griechisch-katholische Kirche in Russland besonders hart verfolgt. Mit der Zuwanderung von Ukrainern nach Polen seit dem Ukrainekrieg in Donbas wÀchst die griechisch-katholische Gemeinde wieder rasant.

Reformierte Kirche

WĂ€hrend das Luthertum beim BĂŒrgertum AnhĂ€nger fand, war der Calvinismus beim Kleinadel, der Szlachta, beliebt. Calvin selbst korrespondierte lange Zeit mit dem polnischen König Sigismund II. August, der eine Zeitlang den Bestrebungen der Mehrheit des polnischen Sejm zugeneigt war, eine Nationalkirche nach englischem Vorbild in Polen-Litauen zu etablieren, die nach der Lehre Calvins konzipiert sein sollte. Der Sejm von 1555 debattierte ĂŒber die EinfĂŒhrung einer protestantischen Nationalkirche in Polen. Statt eine solche zu grĂŒnden, gewĂ€hrte Sigismund II. August seinen Untertanen die Glaubensfreiheit mit dem Argument, er sei der König und nicht das Gewissen seiner Untertanen. Die Glaubensfreiheit wurde schließlich als Reaktion auf die Pariser BartholomĂ€usnacht in der Konföderation von Warschau 1573 zu einem Verfassungsprinzip der Adelsrepublik erhoben, die der neugewĂ€hlte polnische König aus Frankreich in den Articuli Henriciani und alle seine Nachfolger in der Pacta conventa unterzeichnen mussten. Die Sicherung der individuellen Glaubensfreiheit in der polnischen Verfassung war ausschlaggebend dafĂŒr, dass es in Polen nie zu Religionskriegen kam. Der Calvinismus war bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts beim polnischen Adel weit verbreitet. Heute spielt er aufgrund der Gegenreformation im 17. Jahrhundert kaum eine Rolle mehr.

Polnische BrĂŒder

Die Polnischen BrĂŒder waren Antitrinitarier, die als Teil der Radikalen Reformation unter dem Einfluss der Lehre des Sozinianismus die Dreieinigkeit und somit die Gotteigenschaft Jesu ablehnten. Aus der Reformierten Kirche entstand 1565 die unitarische Kirche der Polnischen BrĂŒder, die in RakĂłw ĂŒber eine eigene Akademie verfĂŒgten und stark von Fausto Sozzini und dem Sozinianismus beeinflusst waren. GemĂ€ĂŸ dem Rakauer Katechismus lehnten sie jede Form von Gewalt ab, darunter auch den Kriegsdienst. Die Polnischen BrĂŒder gibt es heute nicht mehr. An der Stelle ihrer ehemaligen Hauptkirche in RakĂłw befindet sich heute die katholische Dreifaltigkeitskirche aus dem Barock.

Evangelisch-lutherische Kirche

Das Luthertum fand seit dem 16. Jahrhundert besonders bei der deutschen Bevölkerung in den nordpolnischen StÀdten viele AnhÀnger. Heute sind Warschau und die Region um Teschen, wo ca. ein Drittel der Bevölkerung lutherisch ist, Zentren der evangelisch-lutherischen Kirche in Polen. Ca. 0,2 % der Bevölkerung sind evangelisch-lutherisch.

Mariaviten

Eine kleine Minderheit bilden die altkatholischen Mariaviten. Die Katholische Kirche der Mariaviten wurde in den 1930er Jahren in Polen gegrĂŒndet.

Polnisch-Katholische Kirche

Eine kleine Minderheit bilden die Polnisch-Katholischen, die entgegen ihrem Namen eine protestantische Glaubensrichtung sind, die im 19. Jahrhundert in den USA entstanden und im 20. Jahrhundert durch Remigration nach Polen gekommen ist.

Altkatholische Kirche

Die Altkatholische Kirche in Polen ist ebenfalls wie die Polnisch-Katholische Kirche aus den USA durch Remigration nach Polen gekommen.

Zeugen Jehovas

Ca. 0,3 % der Bevölkerung sind Zeugen Jehovas.

Islam

In Polen gibt es zwei muslimische Gemeinden. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts siedelte der polnische König Jan Sobieski muslimische Tataren in Podlachien an. Eine relativ große muslimische Minderheit lebte auch um Kamieniec Podolski in Podolien, das zwischen 1672 und 1699 zum Osmanischen Reich gehörte. Die zweite muslimische Gemeinde bilden eingewanderte Muslime, die meist aus arabischen LĂ€ndern und der TĂŒrkei stammen. Deren religiöses Zentrum bildet vor allem Warschau und Danzig.

Judentum

Polen war im Mittelalter nie religiös homogen. Bereits seit der Zeit bevor sich der christliche Glaube endgĂŒltig durchsetzen konnte, begann die Einwanderung von Juden aus Westeuropa, begĂŒnstigt durch das Toleranzedikt von Kalisz von 1265. SpĂ€ter wanderten auch Hussiten aus Böhmen nach Polen ein. Kasimir der Große weitete das Toleranzedikt von Kalisz auf ganz Polen aus. Die polnischen Juden sind seit dem 18. Jahrhundert in zwei dominierende Glaubensrichtungen getrennt, die aufgeklĂ€rten Maskilim und die orthodoxen Chassiden. Zeitweise lebten mehr als die HĂ€lfte aller Juden weltweit in Polen. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Polen mit Abstand die grĂ¶ĂŸte jĂŒdische Gemeinde weltweit. Die jĂŒdische Gemeinde wurde nach der Wende 1989 wiederbelebt.

Geschichte

Urgeschichte

Die Urgeschichte des heutigen Polens reicht bis in das PalĂ€olithikum zurĂŒck. Im Neolithikum befand es sich nacheinander im Einflussbereich der Linearbandkeramischen Kultur, Trichterbecherkultur, Kugelamphoren-Kultur und der Schnurkeramischen Kultur. WĂ€hrend der Bronzezeit war es Teil der Lausitzer Kultur beziehungsweise der Hallstattkultur, aus der die Pfahlbausiedlung Biskupin stammt. Sie wird auch mit der Hallstattkultur in Verbindung gebracht. Am Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit folgte die Pommerellische Gesichtsurnenkultur und in der spĂ€ten Eisenzeit die Wielbark-Kultur. In der Antike geriet das Gebiet des heutigen Polens unter keltischen und thrakischen Einfluss. SpĂ€ter dominierte die Przeworsk-Kultur. Über die Bernsteinstraße fand ein reger kultureller Austausch mit dem Römischen Reich statt. Die Römer erwĂ€hnten bereits um Christi Geburt die StĂ€dte Kalisz und Truso. Die germanischen StĂ€mme der Goten und Vandalen siedelten um Christi Geburt aus Skandinavien kommend im heutigen Nord- und Westpolen. WĂ€hrend der Völkerwanderung zogen Westslawen und Balten durch das heutige Polen. Vor der polnischen StaatsgrĂŒndung unternahmen die Wikinger, Awaren und Magyaren RaubzĂŒge ins heutige SĂŒdpolen. Mit dieser Zeit verbindet man auch die Sagen um die ersten UrfĂŒrsten Polens Popiel, Piast, Lech und Siemowit. SĂŒdpolen geriet in der zweiten HĂ€lfte des 9. Jahrhunderts unter mĂ€hrischen Einfluss.

Piasten

Das Herzogtum Polen, dessen Name sich vom westslawischen Stamm der Polanen ableitet, ist im frĂŒhen 10. Jahrhundert von Großpolen (Posen, Giecz, OstrĂłw Lednicki und Gnesen) aus gegrĂŒndet worden. Es wurde von ca. 960 bis 992 von Herzog Mieszko I. aus der Dynastie der Piasten regiert, der nach und nach die anderen westslawischen StĂ€mme zwischen Oder und Bug unterwarf. Um 990 stellte er in dem Dokument Dagome Iudex Polen unter den unmittelbaren Schutz von Papst Johannes XV.

966 ließ sich Mieszko I. nach römisch-katholischem Ritus taufen. Das Territorium erreichte durch Eroberungen unter Mieszko I. Grenzen, die den heutigen Staatsgrenzen sehr nahe kamen. Sein Sohn Boleslaus I. der Tapfere war der erste polnische König. Bereits 997 schloss er ein politisch-militĂ€risches BĂŒndnis mit dem römisch-deutschen Kaiser Otto III., das wĂ€hrend des Akts von Gnesen im Jahr 1000 bestĂ€tigt wurde. Nach dem frĂŒhen Tod des jungen Otto III. verschlechterte sich das VerhĂ€ltnis unter Heinrich II., mit dem Boleslaus I. zahlreiche Kriege um die Lausitz fĂŒhrte. Boleslaus I. dehnte zeitweise seinen Einflussbereich auf die heutige Slowakei, Böhmen und MĂ€hren sowie die Kiewer Rus aus. Unter der Herrschaft seines Sohnes Mieszko II. Lambert kam es in den spĂ€ten 1030er Jahren zu einem heidnischen Aufstand der Polen gegen die katholische Kirche. Erst dessen Nachfolger Kasimir I. der Erneuerer vermochte die Lage zu beruhigen. Er verlegte 1040 die Hauptstadt von Gnesen auf den Krakauer Wawel.

Nach dem Tod von Boleslaus III. Schiefmund im Jahr 1138 wurde die Senioratsverfassung eingefĂŒhrt, nach welcher die Söhne von Boleslaus III. als Juniorherzöge unter dem Seniorat des Ältesten der Dynastie die ihnen unterstehenden einzelnen Landesteile regierten. Bis 1295 dauerte diese feudale Zersplitterung in Polen an. Dieser sogenannte Partikularismus fĂŒhrte zu einer starken politischen SchwĂ€chung Polens im 13. Jahrhundert. Polen zerfiel 1138 in sechs HerzogtĂŒmer: Kleinpolen, Großpolen, Pommern, Pommerellen, Schlesien und Masowien, das sogenannte „Seniorat Polen“. Die Jahre bis zur Wiedervereinigung waren durch feudalistische Territorialzersplitterung geprĂ€gt. Das im SĂŒdosten gelegene Gebiet Kleinpolens zerfiel in das Adelsterritorium Sandomierz, das östliche Großpolen in die HerzogtĂŒmer Ɓęczyca und Sieradz, das westliche Masowien in das Herzogtum Kujawy. In Westpommern erlangten die Greifen 1181 und in Pommerellen die Samboriden 1227 die UnabhĂ€ngigkeit von dem Krakauer Senior. 1295 gelang es PrzemysƂ II. aus der großpolnischen Linie der Piasten große Landesteile wieder zu vereinen und sich zum König von Polen krönen zu lassen. Er wurde jedoch bereits im Folgejahr ermordet, und die polnische Königskrone fiel an die böhmischen Pƙemysliden Wenzel I. und Wenzel II. Nachdem Letzterer auf der Fahrt zur Krönung in Krakau ermordet wurde, gelang es Ladislaus I. Ellenlang aus der kujawischen Linie der Piasten die polnische Königskrone zu erlangen. Mit seinem Sohn Kasimir III., dem Großen starben die Piasten in der Königslinie 1370 aus, wobei die masowischen Piasten erst 1526 und die schlesischen Piasten sogar erst 1707 ausstarben. Der letzte Piastenkönig Kasimir III. der Große leitete erfolgreich Reformen ein, die dem Königreich Polen zu einer machtvollen Position in Mittel- und Osteuropa verhalfen.

Die Piasten holten zahlreiche Siedler nach Polen, zunĂ€chst den Klerus und die Benediktiner sowie Zisterzienser aus Frankreich, dem Heiligen Römischen Reich sowie Italien, und insbesondere nach der Entvölkerung weiter Teile Polens im Zuge des Mongolensturms in der ersten HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts deutsche Bauern und StadtbĂŒrger, sowie insbesondere Juden nach den Pogromen in Westeuropa im Zuge der Pestepidemie in der Mitte des 14. Jahrhunderts, von der Polen verschont blieb. Konrad I. von Masowien holte den Deutschen Orden 1226 ins Kulmerland, von wo aus er Preußen unterwarf. Kasimir III. der Große erstreckte hingegen das jĂŒdische Toleranzedikt von Kalisch von Boleslaus VI. des Frommen auf das ganze Königreich Polen. Er begann auch mit dem Anschluss des FĂŒrstentums Halytsch-Wolodymyr mit Lemberg die polnische Ostexpansion. Mit den böhmischen Luxemburgern, die weiterhin den von den Pƙemysliden geerbten Anspruch auf die polnische Krone geltend machten, konnte sich Kasimir III. der Große nach Treffen in VisegrĂĄd und Krakau im Vertrag von Namslau einigen, die Luxemburger verzichteten auf die polnische Krone und die kujawischen Piasten auf die Lehenshoheit ĂŒber Schlesien. 1364 grĂŒndete Kasimir III., der Große die Krakauer Akademie als zweite UniversitĂ€t in Mitteleuropa. Gleichzeitig schloss Kasimir der Große ein militĂ€risches BĂŒndnis mit dem ungarischen König Karl I. und einen Erbvertrag mit dessen Sohn Ludwig I. aus dem Haus Anjou, der die Schwester Kasimirs III. des Großen Elisabeth von Polen heiratete und damit einen Anspruch auf die polnische Krone nach Kasimirs III. Tod erwarb.

Jagiellonen

Dem ohne legitimen Sohn verstorbenen Kasimir III. folgte durch Erbvertrag dessen Schwager Ludwig I. aus dem Haus Anjou, wodurch es zur ersten polnisch-ungarischen Personalunion kam, sowie dessen Tochter Hedwig I. Diese heiratete 1386 den frisch getauften litauischen GroßfĂŒrst Ladislaus II. JagieƂƂo, wodurch der mĂ€chtige Doppelstaat Polen-Litauen geschaffen wurde, der fĂŒr die nĂ€chsten 400 Jahre die Geschicke Mittel- und Osteuropas entscheidend beeinflusste. Nach der Schlacht bei Tannenberg und der damit verbundenen schweren Niederlage des Deutschen Ordens stieg Polen-Litauen zu einer der fĂŒhrenden KontinentalmĂ€chte auf und war lange Zeit der grĂ¶ĂŸte Staat Europas mit EinflusssphĂ€ren vom Baltischen zum Schwarzen Meer und von der Adria bis an die Tore Moskaus. Unter Ladislaus II. JagieƂƂos Ă€ltestem Sohn Ladislaus III. kam es zur zweiten polnisch-ungarischen Personalunion, die mit Ladislaus III. Tod in der Schlacht bei Warna endete. Sein Bruder Kasimir IV. Andreas konnte im DreizehnjĂ€hrigen Krieg dem Deutschen Orden Westpreußen und Ermland abgewinnen und den restlichen Ordensstaat zu einem polnischen Lehen machen. Durch eine geschickte Dynastie und Heiratspolitik machte er die Jagiellonen zu einer der fĂŒhrenden Königsfamilien in Europa. Sein Ă€ltester Sohn Ladislaus wurde König von Böhmen und Ungarn und seine jĂŒngeren Söhne Johann I. Albert, Alexander I. und Sigismund I. der Alte wurden nacheinander Könige und GroßfĂŒrsten in Polen-Litauen. Seine Töchter vermĂ€hlte er mit den bayerischen Wittelsbachern, preußischen Hohenzollern, pommerschen Greifen, den sĂ€chsischen Wettinern sowie den schlesischen Piasten. Als also Sigismund I. der Alte 1525 den Deutschen Ordensstaat auflöste und in ein weltliches Herzogtum umwandelte, setzte er mit Albrecht seinen Neffen als Herzog ein. 1526 fiel das bisherige polnische Lehen Masowien mit dem Tod des letzten masowischen Piasten Janusz III. wieder an Polen. Mit dem Tod Ludwig II. in der Schlacht bei MohĂĄcs verloren die Jagiellonen Böhmen, Ungarn und Kroatien an die Osmanen beziehungsweise Habsburger. Mit Sigismund I. des Alten einzigem Sohn Sigismund II. August starben auch die Jagiellonen 1572 im Mannesstamm und mit seiner Tochter Anna Jagiellonica 1596 vollstĂ€ndig in Polen-Litauen aus.

Adelsrepublik

Polen wurde 1358 als Republik bezeichnet. Die republikanische Staatsform setzte sich aber wohl erst um die Mitte des 15. Jahrhunderts durch und war mit einem stetigen Dreikammerparlament erst Ende des 15. Jahrhunderts ausgereift. Mit der 1505 verabschiedeten Verfassung Nihil Novi verbot der Sejm dem König neue Gesetze ohne Zustimmung des Parlaments zu erlassen. Auf Betreiben des letzten polnischen Königs aus der Jagiellonen-Dynastie, Sigismund II. August, wurde die Personalunion zwischen Polen und Litauen in Lublin im Jahr 1569 in eine Realunion umgewandelt. Polen und Litauen bildeten seit 1569 gemeinsam eine Adelsrepublik und damit den ersten modernen Staat Europas mit einem adelsrepublikanischen System und einer Gewaltenteilung. 1578 wurde ein vom König und dem Sejm unabhĂ€ngiges Höchstes Gericht fĂŒr Polen-Litauen, das Krontribunal in Lublin eingerichtet. Der polnische Adel wĂ€hlte zunĂ€chst den Franzosen Heinrich I. Valois, dem er die Religionsfreiheit abverlangte, und spĂ€ter den SiebenbĂŒrger Stephan I. BĂĄthory zum polnisch-litauischen König. SpĂ€ter folgten drei Könige aus der mit den Jagiellonen verwandten schwedischen Vasa-Dynastie Sigismund III. Vasa (kurze Personalunion mit Schweden), Ladislaus IV. Vasa (kurze Personalunion mit Russland) sowie Johann II. Kasimir. Mit Michael I. Korybut Wiƛniowiecki, Johann III. Sobieski und Stanislaus I. LeszczyƄski wurden polnische Magnaten und mit August II. dem Starken und August III. sĂ€chsische Wettiner gewĂ€hlt. Der letzte gewĂ€hlte polnische König war Stanislaus II. August Poniatowski. Als Goldenes Zeitalter der Adelsrepublik gilt die Zeit bis zur HĂ€lfte des 17. Jahrhunderts. Danach war Polen-Litauen in zahlreiche Kriege verwickelt, unter anderem in die Schlacht am Kahlenberg im Rahmen des Großen TĂŒrkenkriegs.

Teilungen

Die Adelsrepublik stĂŒrzte im 17. und 18. Jahrhundert in eine dauerhafte Krise, die durch zahlreiche Kriege (mit Schweden, dem Osmanischen Reich, Russland, Brandenburg-Preußen und SiebenbĂŒrgen), fehlende politische Reformen und innere Unruhen gekennzeichnet war. Es kam zur Bildung von Magnaten (sogenannten Konföderationen gegen die Interessen des Staates und des Königs), KosakenaufstĂ€nden und dauerhaften Konfrontationen mit den Krimtataren in den sĂŒdöstlichen Woiwodschaften. Besonders die Wahl auslĂ€ndischer Dynasten zu polnischen Königen (sie verfĂŒgten ĂŒber keine Hausmacht in Polen und waren vom Wohlwollen des Hochadels abhĂ€ngig) und die Uneinigkeit innerhalb des polnischen Adels, der Szlachta und Magnaten, schwĂ€chten den Staat betrĂ€chtlich. Insbesondere die sogenannte Sachsenzeit wird dabei aus polnischer Sicht als negativ fĂŒr den weiteren Bestand des polnischen Staates eingestuft.

Auch die Ratifizierung einer Verfassung 1791, der ersten modernen Verfassung Europas ĂŒberhaupt, konnte den Niedergang der polnisch-litauischen Adelsrepublik nicht stoppen. In den drei Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795 wurde Polens innere SchwĂ€che von seinen Nachbarn Preußen, Österreich und Russland ausgenutzt, welche Polen gleichzeitig ĂŒberfielen und am Ende unter sich aufteilten. Polen wurde damit seiner SouverĂ€nitĂ€t beraubt und sein ursprĂŒngliches Landesgebiet in drei unterschiedliche Staaten eingegliedert. Der letzte polnische König Stanislaus II. August Poniatowski musste abdanken und wurde nach Sankt Petersburg gebracht, wo er 1798 verstarb. Zeitgleich wurden jedoch bereits ab 1796 Polnische Legionen im französisch besetzten Norditalien und Frankreich unter Jan Henryk Dąbrowski gegrĂŒndet, deren Ziel es war, mit französischer Hilfe die polnisch-litauische Republik wieder zu errichten.

Auf DrĂ€ngen des französischen Kaisers Napoleon entstand 1807, im Rahmen des Friedens von Tilsit, aus den preußischen Erwerbungen der Zweiten und Dritten Teilung ein relativ kleines Herzogtum Warschau, als Vasallenstaat Frankreichs. Im Jahr 1809 wurden nach kurzen kriegerischen Auseinandersetzungen Teile Kleinpolens im damaligen Westgalizien von Österreich an das Herzogtum Warschau wieder abgetreten. Aufgrund der Niederlagen der polnisch-französischen Allianz im Russlandfeldzug 1812 und in der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813 kam es zu keiner Wiederherstellung der polnisch-litauischen Republik und das Herzogtum Warschau wurde auf dem durch die TeilungsmĂ€chte dominierten Wiener Kongress aufgeteilt. Große Teile Großpolens fielen als Provinz Posen wieder an Preußen. Krakau wurde zum Stadtstaat, der bis 1846 formal unabhĂ€ngigen Republik Krakau. Der Rest, das nach dem Wiener Kongress benannte Kongresspolen, wurde als Königreich Polen 1815 in Personalunion mit dem Russischen Kaiserreich verbunden, war also zunĂ€chst formal bis auf den gemeinsamen Herrscher vom russischen Reich unabhĂ€ngig. Bis 1831 genoss dieses polnische Staatswesen weitgehende Autonomie. Mit dem Aufkommen des russischen Nationalismus beim Übergang von der Feudalgesellschaft zum Kapitalismus wurde durch die zaristische Verwaltung versucht, diese Autonomie Schritt fĂŒr Schritt abzuschaffen.

Als Folge der Rekrutierung von Polen fĂŒr die russische Armee zur BekĂ€mpfung der Belgischen Revolution brach in Warschau der Novemberaufstand von 1830 aus, in dem die Polen versuchten, die russische Fremdherrschaft und Dominanz abzuschĂŒtteln. Der Novemberaufstand wurde 1831 von der russischen Armee niedergeschlagen. Mit der Niederlage wurde die polnische Bevölkerung seit 1831 in den preußischen und russischen Besatzungszonen einer verstĂ€rkten Germanisierung – den preußischen VolkszĂ€hlungen zufolge ohne grĂ¶ĂŸere Auswirkungen auf die BevölkerungsverhĂ€ltnisse – und Russifizierung unterzogen, die nach dem zweiten, gescheiterten Aufstand, dem Januaraufstand von 1863, besonders forciert wurde. Die Bezeichnung Polen wurde verboten und das Land durch die russische Obrigkeit als Weichselland bezeichnet. Ähnlich verfuhren auch die Hohenzollern in Pommerellen und Großpolen: In VolkszĂ€hlungen tauchen Polen als NationalitĂ€t auf, aber als zeitgenössischer geographischer Begriff wird Polen in preußischen SchulbĂŒchern und allen deutschsprachigen Kartenwerken auf den russischen Teil beschrĂ€nkt. Nur im von Österreich besetzten polnischen Galizien konnten die Polen durch die politischen Reformen des Hauses Habsburg-Lothringen in der Donaumonarchie seit 1867 der geistig-nationalen UnterdrĂŒckung in den von Preußen und Russland dominierten Teilen Polens entkommen. Im russischen Teil hingegen bildete die Revolution von 1905 einen Wendepunkt, in dem zunĂ€chst sozialistische Forderungen dominierten, spĂ€ter aber die Forderung nach nationaler UnabhĂ€ngigkeit an Boden gewann.

Erster Weltkrieg

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges grĂŒndeten die MittelmĂ€chte, insbesondere Österreich-Ungarn, Polnische Legionen unter dem Kommando von JĂłzef PiƂsudski. WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges beschlossen die Kaiserreiche Deutschland und Österreich-Ungarn die GrĂŒndung eines selbststĂ€ndigen polnischen Staates auf dem dem russischen Zarenreich abgenommenen Territorium Kongresspolens. Dies war aber eher eine gegen Russland gerichtete Maßnahme als die Anerkennung des Rechts aller Polen auf Eigenstaatlichkeit seitens der MittelmĂ€chte. 1916 wurde das in Analogie zum Entschluss des Wiener Kongresses benannte Regentschaftskönigreich Polen durch das Deutsche Reich ausgerufen. Hierzu wurde der Provisorische Staatsrat im Königreich Polen eingesetzt, der 1916 bis 1918 im Warschauer Kronenberg-Palast tagte und den das Triumvirat JĂłzef Ostrowski, Aleksander Kakowski und ZdzisƂaw Lubomirski leitete. Durch die Kriegsereignisse bedingt, hatte der Provisorische Staatsrat im Königreich Polen nur begrenzte praktische Auswirkungen. Allerdings legten JĂłzef PiƂsudski und seine Legionen nach der russischen Oktoberrevolution 1917 die Waffen nieder und weigerten sich, weiter fĂŒr die MittelmĂ€chte zu kĂ€mpfen, da das Kriegsziel der Polnischen Legionen mit der Niederlage Russlands bereits erreicht war. JĂłzef PiƂsudski wurde daraufhin in Magdeburg interniert. Seine RĂŒckkehr nach Polen nach der Niederlage der MittelmĂ€chte war der Anlass fĂŒr die Ausrufung der unabhĂ€ngigen Zweiten Polnischen Republik am 11. November 1918 in Warschau. Neben PiƂsudski, der dem sozialistischen Lager entstammte, waren auch Roman Dmowski und Ignacy Jan Paderewski, die aus dem bĂŒrgerlichen Lager stammten, fĂŒr die polnische UnabhĂ€ngigkeit am Ende des Ersten Weltkriegs aktiv.

Zweite Republik

Woodrow Wilson machte bereits 1917 beim Kriegseintritt der USA in dem 14-Punkte-Programm klar, dass ein unabhĂ€ngiges Polen mit Zugang zur Ostsee eines der Kriegsziele der USA ist. Nach der Niederlage der MittelmĂ€chte erlangte Polen seine SouverĂ€nitĂ€t zurĂŒck. Am 11. November 1918 wurde die Zweite Polnische Republik ausgerufen. Das allgemeine aktive und passive Frauenwahlrecht wurde gleichzeitig mit dem entsprechenden Recht fĂŒr MĂ€nner eingefĂŒhrt. Dies geschah mit dem Dekret vom 28. November 1918 ĂŒber das Wahlverfahren fĂŒr den Sejm kurz nach der NeugrĂŒndung des polnischen Staates. Artikel 1 garantierte das aktive, Artikel 7 das passive Wahlrecht.

Im Friedensvertrag von Versailles wurde die UnabhĂ€ngigkeit der Republik Polen 1919 im internationalen Rahmen bestĂ€tigt. Polen war damit GrĂŒndungsmitglied des Völkerbundes. Gleichzeitig wurde im polnischen Minderheitenvertrag vom 28. Juni 1919 der Schutz der deutschen Minderheit in Polen vereinbart.

Durch die SiegermĂ€chte wurden in Mittel- und Osteuropa Grenzen nach Bevölkerungsmehrheiten vorgesehen. FederfĂŒhrend war dabei der britische Außenminister Lord George Nathaniel Curzon. Die Weimarer Republik war gezwungen, die preußischen Provinzen Westpreußen und Posen grĂ¶ĂŸtenteils aufzugeben. Sie waren im Rahmen der Teilungen Polens vom Königreich Preußen annektiert worden. Unmittelbar danach verließen 200.000 Deutsche die der Republik Polen zugesprochenen Gebiete.

Aufgrund der unklaren politischen VerhÀltnisse nach dem Zusammenbruch der Hohenzollern- und Romanow-Monarchien kam es wÀhrend der ersten Konsolidierungsphase des neuen Staates zu Konflikten mit den Nachbarstaaten, zum Beispiel mit Deutschland um Oberschlesien in der Schlacht um St. Annaberg oder um die Stadt Wilna im heutigen Litauen.

Ab MĂ€rz 1919 gelang es Polen im Polnisch-Sowjetischen-Krieg, weite Teile der Ukraine und Weißrusslands einzunehmen. Es folgte eine sowjetische Gegenoffensive, die anfangs erfolgreich war. In der Schlacht bei Warschau im Jahre 1920 wurde die Rote Armee jedoch unter hohen Verlusten zurĂŒckgeworfen, worauf sie sich bis in die Ukraine zurĂŒckzog. Nach dem Sieg Marschall JĂłzef PiƂsudskis gegen die Bolschewiken an der Weichsel wurde im Friedensvertrag von Riga am 18. MĂ€rz 1921 Polens Ostgrenze etwa 250 km östlich der Curzon-Linie festgelegt.

Die Curzon-Linie markierte die östliche Grenze des geschlossenen polnischen Siedlungsgebietes, wĂ€hrend die östlichen Gebiete (Kresy) eine gemischte Bevölkerungsstruktur aus Polen, Ukrainern, Weißrussen, Litauern, Juden und Deutschen aufwiesen, wobei die Polen in vielen StĂ€dten und die anderen Bevölkerungsgruppen auf dem Land dominierten. WĂ€hrend die Bevölkerungsmehrheit der StĂ€dte meist römisch-katholisch oder jĂŒdisch war, war die Landbevölkerung ĂŒberwiegend orthodox. Gleichwohl verfehlte PiƂsudski sein Ziel, die Ukraine als unabhĂ€ngigen „Pufferstaat“ zwischen Polen und Sowjetrussland zu etablieren. In Riga erkannte Polen die Ukraine als Teil der spĂ€teren Sowjetunion unter Mykola Skrypnyk an. In den von Sowjetrussland Polen zugesprochenen Gebieten, östlich des Westlichen Bugs, bildeten die Polen 1919 25 % der Bevölkerung, 1939 waren es nach einer Ansiedlungspolitik mit Bevorzugung von Polen wĂ€hrend der Amtszeit PiƂsudskis bereits etwa 38 %. Polnische Sprachinseln im je nach Region mehrheitlich ukrainischen oder weißrussischen Umland waren die Regionen um Pinsk, Ɓuck, StanisƂawĂłw und Lemberg (LwĂłw). Insgesamt waren in dem Gebiet 1939 von 13,5 Millionen Einwohnern etwa 3,5 Millionen Polen. Die Rajongemeinde Vilnius ist bis heute mehrheitlich polnischsprachig geblieben und die Stadt Vilnius bildet nach der Zwangsumsiedlung ihrer polnischen Stadtbewohner nach dem Krieg eine litauische Sprachinsel.

Die innere Konsolidierung des neuen Staates wurde erschwert durch die Zersplitterung der politischen Parteien, die in der Teilungszeit entstandenen unterschiedlichen Wirtschafts-, Bildungs-, Justiz- und Verwaltungssysteme sowie durch die Existenz starker ethnischer Minderheiten (31 % der Gesamtbevölkerung). Außenpolitisch war Polen zunĂ€chst in das französische Allianzsystem einbezogen. Eine restriktive Politik gegenĂŒber der deutschen Minderheit, die zur Emigration etwa einer Million deutschsprachiger StaatsbĂŒrger fĂŒhrte, die Weigerung der Regierung Stresemann, die neue deutsche Ostgrenze anzuerkennen, ein „Zollkrieg“ um die oberschlesische Kohle sowie der politisch-weltanschauliche Gegensatz zum Sowjetsystem schlossen eine Kooperation Polens mit seinen beiden grĂ¶ĂŸten Nachbarn aus.

Am 12. Mai 1926 gewann Marschall PiƂsudski nach einem Staatsstreich die Macht (1926–1928 und 1930 als MinisterprĂ€sident, 1926–1935 als Kriegsminister). Zur außenpolitischen Absicherung wurden NichtangriffsvertrĂ€ge mit der Sowjetunion (1932) und dem Deutschen Reich (1934) geschlossen. Außenminister JĂłzef Beck strebte den Aufstieg Polens zur ostmitteleuropĂ€ischen Hegemonialmacht im Rahmen eines neuen Europas von der Ostsee bis zur Adria an. Seine PlĂ€ne scheiterten jedoch aufgrund der geopolitischen Lage. Trotz der Weltwirtschaftskrise 1929 konnte sich die Wirtschaft in der Zweiten Polnischen Republik entwickeln. Ehrgeizige Projekte wie der Bau der Hafenstadt Gdynia und der Zentralen Industrieregion konnten verwirklicht werden. Ein Zeichen des Luxus der Zwischenkriegszeit waren die SchnellzĂŒge Luxtorpeda, die unter anderem zwischen Krakau und dem immer beliebter werdenden Bergkurort Zakopane verkehrten.

Kurz bevor Polen selbst vom nationalsozialistischen Deutschland angegriffen wurde, stellte es im Zuge des MĂŒnchener Abkommens territoriale Forderungen an die Tschechoslowakei. Im Oktober 1938 annektierte Polen gegen den Willen der tschechischen Regierung das mehrheitlich von Polen bewohnte Olsagebiet, das 1919 von der Tschechoslowakei besetzt worden war.

Zweiter Weltkrieg

Im August 1939 schlossen das Deutsche Reich und die Sowjetunion den Hitler-Stalin-Pakt, in dessen geheimem Zusatzprotokoll der gemeinsame Überfall auf Polen sowie die Annektierung der baltischen Staaten durch die Sowjetunion beschlossen wurden. Am 1. September 1939 wurde Polen vom Deutschen Reich angegriffen. Auch Truppen des deutschen Vasallenstaats Slowakei stießen auf polnisches Gebiet vor. Damit nahm der Zweite Weltkrieg seinen Anfang, in dem 5,62 bis 5,82 Millionen polnische StaatsbĂŒrger, darunter fast die HĂ€lfte jĂŒdischer Abstammung, ihr Leben verlieren sollten. Nachdem die westlichen Teile des Landes an die deutschen Invasoren verlorengegangen waren, begann ab 17. September unter dem Vorwand des „Schutzes“ der weißrussisch-ukrainischen Bevölkerung durch den Einmarsch der Roten Armee die sowjetische Besetzung Ostpolens. Die Annexion und Aufteilung des polnischen Staatsgebietes war zuvor in einem geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt von den Diktatoren beschlossen worden. Anschließend verließ die polnische Regierung in der Nacht vom 17. auf den 18. September 1939 ĂŒber den noch freien GrenzĂŒbergang bei Kuty (heute in der Ukraine) Polen und begab sich ins neutrale RumĂ€nien, spĂ€ter nach Paris und 1940 nach London. Von dort aus organisierte sie den Widerstand gegen die deutsche und sowjetische Besatzung.

Hitler machte frĂŒhzeitig klar, dass er die „Liquidierung des fĂŒhrenden Polentums“ (Reinhard Heydrich) ins Auge gefasst hatte. Allein in den ersten vier Monaten der deutschen Besatzungsherrschaft wurden mehrere 10.000 Menschen erschossen (Unternehmen Tannenberg). Anfang der 1940er Jahre errichteten die Nationalsozialisten mehrere Konzentrationslager auf dem Gebiet Polens, unter anderen die Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, Majdanek und Treblinka. Die Besatzungszeit hatte fĂŒr große Teile der polnischen Zivilbevölkerung katastrophale Folgen. In dem Land, in dem ursprĂŒnglich mehr als drei Millionen Juden lebten, fĂŒhrten die Nationalsozialisten einen sogenannten „Volkstumskampf“, dem 5.675.000 Zivilisten zum Opfer fielen. Polen wurde gemĂ€ĂŸ dem Hitler-Stalin-Pakt im Westen von der Wehrmacht und im Osten von der Roten Armee besetzt und zum Teil annektiert.

Zu den ĂŒbergreifenden Zielen der Besatzungspolitik im gesamten Gebiet gehörte erstens die Ausschaltung und Vernichtung der polnischen Juden und der polnischen Intelligenz, zweitens die Vorverlegung der deutschen Ostgrenze und die Erweiterung des „Lebensraums im Osten“ (Generalplan Ost) und drittens die StĂ€rkung der deutschen Kriegswirtschaft durch Ausbeutung des ArbeitskrĂ€ftepotenzials der Zwangsarbeiter und der materiellen Ressourcen Polens. Großpolen, die 1919 an Polen abgetretenen Teile Westpreußens sowie Ostoberschlesien wurden direkt von Deutschland annektiert. Kleinpolen, Masowien und Galizien mit etwa zehn Millionen Menschen wurden als sogenanntes Generalgouvernement dem Reichsminister Hans Frank unterstellt. Er leitete die Vernichtungspolitik vom Wawel aus, dem Krakauer Königssitz der frĂŒhen polnischen Könige. WĂ€hrend seiner Regierungszeit organisierte er den Raub von Beutekunst aus polnischen Museen, Kirchen und Privatsammlungen in einem bisher nicht gekannten Ausmaß.

Auch die Polen, die unter sowjetische Herrschaft gerieten, waren von Gewaltmaßnahmen betroffen. Man schĂ€tzt, dass ungefĂ€hr 1,5 Millionen ehemalige polnische BĂŒrger deportiert wurden. 300.000 polnische Soldaten gingen in sowjetische Kriegsgefangenschaft, nur 82.000 von ihnen ĂŒberlebten. Ein Großteil der Offiziere, etwa 30.000 Personen, wurde durch sowjetische Truppen 1940 im Massaker von Katyn und in den Kriegsgefangenenlagern von Starobelsk, Koselsk und Ostaschkow ermordet. Bereits vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte Stalin in der Polnischen Operation des NKWD ĂŒber 100.000 Polen in der Sowjetunion ermorden lassen. Das Morden der sowjetischen Kommunisten ging auch nach dem Zweiten Weltkrieg in dem erneut von der Sowjetunion besetzten Polen weiter.

Nachdem das Deutsche Reich die Sowjetunion 1941 angegriffen hatte, entstand im Hinterland der Sowjetunion aus polnischen Soldaten die Anders-Armee in StĂ€rke von sechs Divisionen. Mangels AusrĂŒstung und Verpflegung wurden diese Einheiten jedoch bereits 1942 ĂŒber Persien in den Nahen Osten verlegt, wo sie dem britischen Nahostkommando unterstellt wurden. SpĂ€ter kĂ€mpften sie als 2. Polnisches Korps in PalĂ€stina, Afrika und Italien, wo sie unter anderem das Kloster Monte Cassino von der Wehrmacht erobern konnten.

Polnische Soldaten kĂ€mpften auf Seiten der Alliierten an nahezu allen Fronten des Zweiten Weltkrieges von der Luftschlacht um England, in Afrika, der Sowjetunion, bis zur Invasion in der Normandie und in Italien. Die polnischen Soldaten stellten damit noch vor den Franzosen die viertgrĂ¶ĂŸte Armee der Alliierten auf dem europĂ€ischen Kontinent. Polnische Partisanengruppen, welche die grĂ¶ĂŸte Widerstandsbewegung im besetzten Europa darstellten, leisteten auch in Polen selbst Widerstand. Nachdem die Rote Armee im Januar 1944 die polnische Grenze von 1939 ĂŒberschritten hatte, wurden die Truppen der Heimatarmee vom NKWD entwaffnet, ihre Offiziere erschossen oder in den sowjetischen Gulag geschickt. Der Kampf einzelner Untergrundeinheiten gegen das von der Sowjetunion abhĂ€ngige kommunistische Regime wurde bis Ende der 1940er Jahre fortgefĂŒhrt.

Am 1. August 1944 begann auf Befehl der Londoner Exilregierung der Warschauer Aufstand. Die Sowjetunion, deren Truppen bereits am Ostufer der Weichsel standen, unterstĂŒtzen die Einheiten der Heimatarmee fast gar nicht. Die große Entfernung machte eine effektive Hilfe der Westalliierten unmöglich. So konnten deutsche Besatzungstruppen die grĂ¶ĂŸte europĂ€ische Erhebung gegen sich niederschlagen. Die Zahl der Toten wird auf 180.000 bis 250.000 geschĂ€tzt. Danach wurde die Innenstadt Warschaus unter großem Einsatz an Sprengmaterial nahezu vollstĂ€ndig zerstört.

Volksrepublik

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurden die Grenzen des ehemaligen polnischen Staatsgebietes gemĂ€ĂŸ dem Potsdamer Abkommen nach Westen verschoben. Polen verlor das ethnisch gemischte, mehrheitlich von Ukrainern und Weißrussen bevölkerte Drittel seines bisherigen Staatsgebietes an die Sowjetunion. Die dort ansĂ€ssige polnische Bevölkerung, etwa 1,5 Millionen Menschen, wurde im Zuge der Zwangsumsiedlung von Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten 1944–1946 als Repatrianten nach Polen vertrieben. Bereits in den Jahren 1943–1944 waren zehntausende Polen in den Massakern in Wolhynien ermordet worden, hunderttausende hatten flĂŒchten mĂŒssen.

Im Westen und Norden wurden die deutschen Gebiete östlich der Oder und Neiße (Oder-Neiße-Linie) bis gemĂ€ĂŸ den Vorgaben der Konferenzen der Alliierten in Teheran, Jalta und Potsdam Polen zuerkannt. Etwa fĂŒnf Millionen Deutsche waren gegen Kriegsende von dort geflohen und wurden durch Einreiseverbot an einer RĂŒckkehr gehindert; nach dem Krieg wurden weitere 3,5 Millionen Menschen vertrieben. Einige deutsch- und polnischsprachige Oberschlesier und Masuren blieben in Polen. Viele, die deutsche Namen hatten, ließen diese in polnische Namen Ă€ndern. Der Gebrauch der deutschen Sprache wurde insbesondere in Schlesien zumindest bis in die 1970er Jahren von offizieller Seite eingeschrĂ€nkt.

Die wiedergewonnenen Gebiete besiedelten drei Millionen BĂŒrger aus Zentralpolen, etwa ein bis zwei Millionen Geflohene und Vertriebene aus Ostpolen und im Jahr 1947 etwa 150.000 durch die Aktion Weichsel aus dem Grenzgebiet zur Sowjetunion umgesiedelte Ukrainer und Ruthenen.

Mit dem Görlitzer Abkommen zwischen der neu entstandenen DDR und der Volksrepublik Polen vom 6. Juli 1950 wurde diese Grenzziehung von der DDR und durch den in Warschau geschlossenen Vertrag vom 7. Dezember 1970 von der Bundesrepublik Deutschland anerkannt.

Auf die deutsche Besatzung wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges folgte die von der sowjetischen Besatzung oktroyierte kommunistische Diktatur. Polen wurde dem Einflussbereich der Sowjetunion zugeschlagen und wurde als Volksrepublik Polen Teil des Warschauer Pakts. Die Marionettenregierung bestand wĂ€hrend des Stalinismus aus dem Triumvirat Jakub Berman, Hilary Minc und BolesƂaw Bierut. Ab 1956 kam es nach AufstĂ€nden zu einer Entstalinisierung unter dem Vorsitzenden der kommunistischen Partei WƂadysƂaw GomuƂka. GomuƂka folgte 1970 Edward Gierek und 1980 StanisƂaw Kania, bis 1981 die Junta Jaruzelskis die Macht ergriff. Polen wurde bis 1989 in den Rat fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe und den Warschauer Pakt eingebunden. Durch mehrere AufstĂ€nde Ă€ußerte die polnische Bevölkerung immer wieder ihren Unmut gegenĂŒber der sowjetischen Besatzung, beispielsweise im Posener Aufstand 1956, den MĂ€rz-Unruhen 1968, dem Danziger Aufstand 1970, dem Volksaufstand in Radom und Ursus bei Warschau 1976. 1956 zeigten die Polen in sehr hohem Maße ihre SolidaritĂ€t mit den Ungarn, deren Erhebung gegen die sowjetische Fremdherrschaft blutig niedergeschlagen wurde. 1968 beteiligten sich die Truppen der Volksrepublik Polen unter General Wojciech Jaruzelski an der militĂ€rischen Niederschlagung des Prager FrĂŒhlings.

Erst die GrĂŒndung der Gewerkschaft Solidarnoƛć nach dem ersten Papstbesuch Johannes Paul II. im Jahr 1979 fĂŒhrte schließlich zu einem gesellschaftlich-politischen Umschwung in und zu den revolutionĂ€ren Ereignissen von 1980 bis 1989, die zuerst in der VerhĂ€ngung des Kriegsrechts und schließlich in den Runder-Tisch-GesprĂ€chen und den ersten im Ostblock teilweise freien Wahlen am 4. und 18. Juni 1989 mĂŒndeten. An deren Ende wurden der sogenannte Ostblock und anschließend auch die Sowjetunion aufgelöst und das realsozialistische Regime durch eine demokratische Regierungsform ersetzt. Die Rolle Lech WaƂęsas in der Solidarnoƛć-Gewerkschaft wird hierbei kontrovers diskutiert.

Dritte Republik

Bei den teilweise freien Parlamentswahlen vom 4. und 18. Juni 1989 gewann das BĂŒrgerkomitee Solidarnoƛć, die politische Organisation der Gewerkschaft Solidarnoƛć, sĂ€mtliche 161 von 460 frei gewĂ€hlten Sitzen im Sejm und 99 von 100 Sitzen im wiedereingefĂŒhrten Senat. Tadeusz Mazowiecki wurde zum ersten MinisterprĂ€sidenten der Dritten Republik Polens gewĂ€hlt; er war damit der erste Regierungschef eines Staates des Warschauer Pakts, der zum Zeitpunkt seiner Wahl nicht Mitglied der kommunistischen Partei war. Am 29. Dezember 1989 wurde die Verfassung geĂ€ndert. Die Bestimmungen ĂŒber die Allianz mit der Sowjetunion und den Ostblockstaaten und die FĂŒhrungsrolle der kommunistischen Partei wurden gestrichen und der frĂŒhere Staatsname „Rzeczpospolita Polska“ (Republik Polen) mit dem alten Wappen wiedereingefĂŒhrt. 1991 endete die Mitgliedschaft im Warschauer Pakt durch die Auflösung des MilitĂ€rbĂŒndnisses.

Die Planwirtschaft wurde in eine Marktwirtschaft umgewandelt. GemĂ€ĂŸ dem umstrittenen Balcerowicz-Plan wurden zahlreiche Staatsunternehmen in kurzer Zeit privatisiert, wobei sehr viele Arbeitnehmer ihre ArbeitsplĂ€tze verloren. Im Dezember 1990 wurde der ehemalige Solidarnoƛć-Vorsitzende Lech WaƂęsa in einer Volkswahl zum StaatsprĂ€sidenten gewĂ€hlt. Unter WaƂęsa kam es zu zahlreichen Regierungswechseln. Insbesondere der Sturz der Regierung Jan Olszewski 1992 wird in Polen kontrovers diskutiert, da WaƂęsa augenscheinlich hier versucht hat, die Veröffentlichung einer Liste mit Geheimdienstmitarbeitern unter den polnischen Spitzenpolitikern zu vereiteln, auf der er selbst sich befand.

Das Vertrauen der Polen zu WaƂęsa sank, und im Dezember 1995 verlor er die PrĂ€sidentschaftswahl gegen den Herausforderer und ehemaligen kommunistischen Jugendminister der 1980er Jahre Aleksander Kwaƛniewski. WĂ€hrend Kwaƛniewskis Amtszeit trat Polen 1999 der NATO und 2004 der EuropĂ€ischen Union bei. Am 2. April 1997 wurde von Sejm und Senat eine neue Verfassung verabschiedet und am 25. Mai 1997 per Volksabstimmung, an der allerdings weniger als 50 % der Abstimmungsberechtigten teilnahmen, angenommen. Sie trat am 17. Oktober 1997 in Kraft. Am 1. Mai 2004 wurde Polen zusammen mit neun weiteren Staaten Mitglied der EuropĂ€ischen Union. Polen ist unter den mittlerweile 13 neuen Mitgliedstaaten das bevölkerungsreichste und flĂ€chenmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸte Land. WĂ€hrend des Konfliktes um die PrĂ€sidentschaftswahlen im Nachbarstaat Ukraine im November und Dezember 2004 engagierte sich der polnische PrĂ€sident Aleksander Kwaƛniewski als Vermittler zwischen den Konfliktparteien, wĂ€hrend weite Teile der polnischen Öffentlichkeit und viele Medien in besonders hohem Ausmaß SolidaritĂ€t mit der Ukraine und ihrem neuen PrĂ€sidenten Wiktor Juschtschenko ĂŒbten.

Die Parlamentswahlen des Jahres 2005 fĂŒhrten zu einem Politikwechsel in Polen. Der bis dahin regierende SLD wurde durch ein konservatives BĂŒndnis abgewĂ€hlt. Wahlsieger der Sejm- und Senatswahlen wurde die nationalkonservative PiS von JarosƂaw KaczyƄski, vor der liberalkonservativen PO. Lech KaczyƄski, der Zwillingsbruder von JarosƂaw, gewann anschließend im Oktober 2005 die PrĂ€sidentschaftswahlen. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 21. Oktober 2007 verlor die PiS ihre Position als stĂ€rkste Partei.

Von November 2007 bis 2015 bildeten die liberalkonservative PO und ihr Koalitionspartner, die Bauernpartei PSL, die Regierung. ZunÀchst unter MinisterprÀsident Donald Tusk, und ab 2014 eine unter Ewa Kopacz.

Am 10. April 2010 stĂŒrzte eine polnische Regierungsmaschine mit 96 Insassen bei Smolensk ab. Unter den Todesopfern waren Polens StaatsprĂ€sident Lech KaczyƄski und seine Ehefrau Maria, zahlreiche Abgeordnete des Parlaments, Regierungsmitglieder, hochrangige Offiziere, Kirchenvertreter, leitende Vertreter von Zentralbehörden sowie Vertreter von VerbĂ€nden der Opferangehörigen des Massakers von Katyn. Der Grund fĂŒr den Absturz ist bis heute unklar und wird weiterhin untersucht.

Nach der PrĂ€sidentschaftswahl im Mai 2015 löste Andrzej Duda als StaatsprĂ€sident den bisherigen Amtsinhaber BronisƂaw Komorowski ab. Die Parlamentswahl im Oktober 2015 brachte einen Erdrutschsieg fĂŒr die nationalkonservative PiS, die mit 37,6 % und 235 von 460 Abgeordneten die erste Alleinregierung in Polen seit 1989 bilden konnte. Noch im selben Jahr begann durch Justizreformen die polnische Verfassungskrise.

Politik

Die Republik Polen ist eine parlamentarische Demokratie. Das derzeit gĂŒltige Staatsorganisationsrecht wird vor allem in der Verfassung von 1997 kodifiziert. Im europĂ€ischen Vergleich enthĂ€lt das polnische Regierungssystem zahlreiche Elemente der direkten Demokratie.

Verfassung

Die erste moderne polnische Verfassung verabschiedete der Große Sejm am 3. Mai 1791. Die derzeit gĂŒltige Verfassung wurde am 2. April 1997 von der Nationalversammlung angenommen und in einem Referendum am 25. Mai 1997 von den wahlberechtigten Polen beschlossen. Zwar votierten 53,45 % der Referendumsbeteiligten fĂŒr die Verfassung, die Beteiligung lag jedoch nur bei 42,86 %. Damit stimmte nur ca. jeder fĂŒnfte Referendumsberechtigte fĂŒr die Verfassung. Die Verfassung trat am 17. Oktober 1997 in Kraft. Sie enthĂ€lt 243 Artikel und ist damit bedeutend lĂ€nger als die Verfassungen der Bundesrepublik oder der USA.

Legislative

Das polnische Parlament gehört zu den Ă€ltesten Parlamenten der Welt und existiert – in verschiedenen Formen als Dreikammerparlament und mit Unterbrechungen – seit 1493. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, Sejm und Senat. Der Sejm hat, zusammen mit dem Senat, die Legislative inne. Die im Parlament vertretenen politischen Parteien gruppieren sich als Fraktionen in eine Regierung und die Opposition. Die Sejm-Abgeordneten und Senatoren kommen zu besonderen AnlĂ€ssen in der Nationalversammlung zusammen.

Sejm

Der Sejm setzt sich aus 460 Abgeordneten zusammen. Er beschließt ĂŒber seine GeschĂ€ftsordnung. Der Sejm wird von dem Sejm-Marschall geleitet. Der Sejm-Marschall ist formal nach dem Staatsoberhaupt das zweithöchste politische Amt in der Republik Polen. Der Sejm hat seinen Sitz im Warschauer Regierungsviertel. Die Abgeordneten werden fĂŒr eine vierjĂ€hrige Legislaturperiode nach dem VerhĂ€ltniswahlrecht in allgemeiner und geheimer Wahl gewĂ€hlt. Es gilt eine 5%-HĂŒrde fĂŒr Parteien und eine 8%-HĂŒrde fĂŒr WahlbĂŒndnisse. Die Sitze im Sejm werden nach dem D’Hondt-Verfahren verteilt. Überhangmandate gibt es nach dem polnischen Wahlrecht nicht. Zur GrĂŒndung einer Fraktion im Sejm sind fĂŒnfzehn Abgeordnete notwendig. Der Sejm beruft (Untersuchungs-)AusschĂŒsse ein. 2017 gab es im Sejm 25 AusschĂŒsse. Abgeordnete genießen ImmunitĂ€t.

Senat

Der Senat setzt sich aus 100 Abgeordneten zusammen. Er beschließt ĂŒber seine GeschĂ€ftsordnung. Der Senat wird von dem Senat-Marschall geleitet. Der Senats-Marschall ist formal nach dem Staatsoberhaupt und dem Sejm-Marschall das dritthöchste politische Amt in der Republik Polen. Der Senat hat seinen Sitz im Warschauer Regierungsviertel. Die Senatoren werden fĂŒr eine vierjĂ€hrige Legislaturperiode nach dem Mehrheitswahlrecht in allgemeiner und geheimer Wahl in hundert Wahlkreisen gewĂ€hlt. Der Senat beruft (Untersuchungs-)AusschĂŒsse ein. Im Senat gab es 2017 14 AusschĂŒsse. Senatoren genießen ImmunitĂ€t.

Gesetzgebungsverfahren

Das Gesetzesinitiativrecht steht dem PrĂ€sidenten, der Regierung, dem Senat, einer Gruppe von mindestens 15 Abgeordneten oder den BĂŒrgern (Gesetzesinitiative muss von 100.000 BĂŒrgern unterschrieben werden) zu. Der Gesetzesentwurf ist an den Sejm-Marschall zu leiten. Der Sejm-Marschall organisiert drei Lesungen und Diskussionen im Sejm. Ein vom Sejm angenommenes Gesetz wird an den Senat weitergeleitet. Ein Senat-Veto kann von dem Sejm ĂŒberstimmt werden, wenn mindestens die HĂ€lfte der gesetzlichen Abgeordnetenzahl an der Abstimmung teilnimmt. Ein vom Parlament beschlossener Gesetzentwurf wird an den PrĂ€sidenten gesandt, der es unterzeichnen, an den Sejm zurĂŒcksenden (ein Veto einlegen) oder zur PrĂŒfung auf VerfassungsmĂ€ĂŸigkeit an den Verfassungsgerichtshof weitergeben kann. Ein Veto des PrĂ€sidenten kann vom Sejm mit einer DreifĂŒnftelmehrheit der abgegebenen Stimmen zurĂŒckgewiesen werden, wenn mindestens die HĂ€lfte der gesetzlichen Abgeordnetenzahl an der Abstimmung teilnimmt. Angenommene Gesetze sind im Gesetzesblatt der Republik Polen zu veröffentlichen.

Direkte Demokratie

Die polnische Verfassung sieht Referenden auf nationaler und lokaler Ebene vor. Referenden auf nationaler Ebene können initiieren:

  • der Sejm
  • der Senat
  • die Regierung
  • die BĂŒrger (hierfĂŒr sind 500.000 Unterschriften notwendig)
  • der PrĂ€sident

Referenden auf nationaler Ebene können in allen Angelegenheiten, die nationale Belange betreffen, abgehalten werden mit Ausnahme von Regelungen in Steuer-, Verteidigungs- und Amnestiefragen. Referendumsergebnisse sind bindend, wenn mindestens die HĂ€lfte der Referendumsberechtigten an der Abstimmung teilnimmt. Das Referendum zur Annahme der derzeit gĂŒltigen Verfassung hat dieses Kriterium nicht erfĂŒllt, da nur ca. 42 % der Referendumsberechtigten an der Abstimmung teilnahmen.

Rechtssystem

In Polen besteht ein kontinentaleuropĂ€isches kodifiziertes Rechtssystem mit großen Kodizes in den Hauptrechtsgebieten, u. a. Zivilgesetzbuch, Arbeitsgesetzbuch, Strafgesetzbuch.

Exekutive

Organe der Exekutive sind der StaatsprĂ€sident, der zugleich Staatsoberhaupt ist, und der Ministerrat, der vom Premierminister angefĂŒhrt wird. Die Verfassung vom Juli 1997 grenzt die Kompetenzen zwischen dem PrĂ€sidenten und dem Ministerrat nicht hinreichend scharf ab. Insbesondere in den Bereichen Außen- und Verteidigungspolitik kommt es zu Überschneidungen.

PrÀsident

Der PrĂ€sident wird alle fĂŒnf Jahre vom Volk direkt gewĂ€hlt. ErhĂ€lt im ersten Wahlgang kein Kandidat mehr als die HĂ€lfte der abgegebenen Stimmen, findet eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten statt, die die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnten. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Die PrĂ€sidentschaftswahl am 24. Mai 2015 konnte Andrzej Duda fĂŒr sich entscheiden, welcher von der Partei Recht und Gerechtigkeit, als Kandidat aufgestellt wurde. Er wurde am 6. August 2015 vereidigt.

Ministerrat

Der Premierminister sowie alle anderen Mitglieder des Ministerrats werden vom PrÀsidenten ernannt. Der Premierminister wird nach einem Exposé vom Sejm durch ein Vertrauensvotum bestÀtigt, in dem ihr/ihm mehr als die HÀlfte der abstimmenden Abgeordneten das Vertrauen aussprechen muss bei einem Quorum von mindestens der HÀlfte der gesetzlichen Abgeordnetenzahl. Die vom Sejm bestÀtigte Ministerratsmitglieder werden vom PrÀsidenten vereidigt. Der Ministerrat setzt sich aus dem Premierminister, den Vize-Premierministern, den Ministern und den Komiteevorsitzenden zusammen.

Judikative

Die Gerichtsbarkeit in Polen teilt sich grundsĂ€tzlich in eine ordentliche (sądownictwo powszechne) und eine Verwaltungsgerichtsbarkeit (sądownictwo administracyjne). Die Gerichtsbarkeiten verfĂŒgen ĂŒber zwei Instanzen. Das oberste Gericht ist in der ordentlichen Gerichtsbarkeit das Oberste Gericht und in der Verwaltungsgerichtsbarkeit das Oberste Verwaltungsgericht, beide mit Sitz in Warschau. Ebenfalls in Warschau befinden sich der Verfassungsgerichtshof, der in verfassungsrechtlichen Fragen Recht spricht, und der Staatsgerichtshof.

Instanzen der ordentlichen Gerichtsbarkeit:

  • Rejongerichte (sądy rejonowe)
  • Kreisgerichte (sądy okręgowe)
  • Appellationsgerichte (sądy apelacyjne)
  • Oberstes Gericht (Sąd NajwyĆŒszy), der aus fĂŒnf Kammern besteht, darunter u. a. die Disziplinarkammer, deren Status vom Gerichtshof der EU geprĂŒft wird (C-791/19).

Als erstinstanzliches Gericht fungiert in der Regel das Rejongericht, und gegen seine Entscheidung kann beim Kreisgericht Berufung eingelegt werden. Ist jedoch das erstinstanzliche Gericht das Kreisgericht, dann dient die Berufung dem Appellationsgericht. Annullierungen und Kassationsbeschwerden – die jedoch nicht als nĂ€chste, dritte Instanz bezeichnet werden können – werden immer vom Obersten Gericht entschieden.

Instanzen der Verwaltungsgerichtsbarkeit:

  • Woiwodschaftsverwaltungsgericht (WojewĂłdzkie Sądy Administracyjne)
  • Oberstes Verwaltungsgericht (Naczelny Sąd Administracyjny)

Eine separate Arbeits-, Sozial- und Finanzgerichtsbarkeit gibt es in Polen nicht. Rechtsstreitigkeiten im Arbeitsrecht werden vor den ordentlichen Gerichten, Rechtsstreitigkeiten im Sozial- und Finanzrecht vor den Verwaltungsgerichten ausgetragen. Es besteht zudem eine separate MilitÀrgerichtsbarkeit. Private Schiedsgerichte sind zulÀssig. So hat zum Beispiel die deutsch-polnische Industrie- und Handelskammer ein Schiedsgericht in Warschau.

Siehe auch

  • Strafrecht (Polen)
  • Zivilrecht (Polen)
  • Familienrecht (Polen)

Zweifel an der UnabhÀngigkeit der polnischen Justiz

2018 wurde das polnische Justizsystem reformiert. StaatsanwĂ€lte wurden dem Justizministerium unterstellt und Richterposten des Obersten Gericht mit parteinahen Richtern besetzt. Zudem wurde eine Disziplinarkammer, die Urteile aufheben, Ordnungsgelder gegen Richter und StaatsanwĂ€lte verhĂ€ngen und diese suspendieren kann, eingerichtet. Der EuropĂ€ische Gerichtshof stellte im Juli 2021 fest, dass die Disziplinarkammer gegen EU-Recht verstoße, weil seine UnabhĂ€ngigkeit und Unparteilichkeit unklar sei. Am 7. September 2021 entschied sich die EuropĂ€ische Kommission nach Ablauf einer Frist dazu, eine VerhĂ€ngung finanzieller Sanktionen gegen Polen zu beantragen. Ein Monat zuvor verkĂŒndete Kaczynski, die Disziplinarkammer solle abgeschafft werden. Der EuropĂ€ische Gerichtshof verurteilte Polen im Oktober 2021 zu einem Zwangsgeld in Höhe von einer Million Euro pro Tag, da Polen die vorherigen Urteile des Gerichtes ignoriert habe.

Politische Indizes

Parteien

WĂ€hrend im 16. und 17. Jahrhundert ZusammenschlĂŒsse von Abgeordneten im polnischen Sejm spontan waren und meist nur die Wahl eines Königs oder die Durchsetzung von kurzfristigen Interessen im Rahmen einer Konföderation dienten, etablierten sich die ersten dauerhaften Parteien am Anfang des 18. Jahrhunderts, insbesondere anfangs die Familia um die Magnatenfamilien der Czartoryski und Poniatowski sowie die mit dieser konkurrierenden Hetmanen-Partei um die Magnatenfamilien der Branicki und Potocki sowie die Kamaryla Mniszcha um Jerzy August Mniszech und in der zweiten JahrhunderthĂ€lfte die Parteien der Jakubiner, der Patrioten und die Verfassungs-Partei, die sich im Zuge der Reformen des Großen Sejms bildeten. Moderne Parteien entstanden wĂ€hrend der Teilungszeit im 19. Jahrhundert in den zu Preußen, Österreich und Russland gehörenden Landesteilen. Entsprechend groß war die Anzahl der Parteien am Anfang der Zweiten Polnischen Republik nach der Erlangung der UnabhĂ€ngigkeit. Nach der sowjetischen Besetzung 1939/1944 wurde nach russischem Vorbild ein Einparteiensystem eingefĂŒhrt, wobei es noch zwei Scheinparteien gab, die keine politische Rolle spielten. Nach 1989 entstanden aus der Solidarnoƛć-Bewegung und den Postkommunisten zahlreiche Kleinparteien. Nach der Jahrtausendwende vereinigten sich einige dieser Kleinstparteien zu den derzeit fĂŒhrenden Parteien im polnischen Sejm. 2017 waren in Polen 85 politische Parteien registriert. Die Verfassung sowie das Parteiengesetz regeln die Rechte und Pflichten von Parteien.

Parlamentsparteien
Spitzenpolitiker

Einer der Kritikpunkte an der Verfassung von 1997 ist, dass die von ihr vorgegebene Rangordnung der Politiker nicht den tatsÀchlichen politischen MachtverhÀltnissen entspricht. Formell sind der StaatsprÀsident und danach folgend der Sejm-Marschall sowie der Senat-Marschall die wichtigsten Politiker in Polen. De facto bestimmt jedoch der Premierminister die laufende Politik, der in der formellen Rangordnung erst an vierter Stelle steht. Nicht ohne politischen Einfluss ist zudem der Vorsitzende der Regierungspartei bzw. -koalition, da die Parlamentsmehrheit den Premierminister jederzeit abberufen kann.

Außenpolitik

Die Außenpolitik der Dritten Republik wird von der Geschichte und der geopolitischen Lage Polens bestimmt. Verantwortlich zeichnet der Außenminister, derzeit Jacek Czaputowicz, unterstĂŒtzt vom PrĂ€sidenten.

Die polnische Außenpolitik ist aufgrund der langen Erfahrung von Fremdbestimmung auf möglichst uneingeschrĂ€nkte SouverĂ€nitĂ€t ausgerichtet. In der EU sucht Polen ein hohes Maß an EigenstĂ€ndigkeit.

Polen ist GrĂŒndungsmitglied zahlreicher internationaler Organisationen, unter anderem: Vereinte Nationen, MitteleuropĂ€isches Freihandelsabkommen (bis einschließlich 2004), Ostseerat, VisegrĂĄd-Gruppe, Weimarer Dreieck oder Kaliningrad Dreieck. Polen ist weiterhin Mitglied von: EuropĂ€ische Union, NATO, Welthandelsorganisation, Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, EuropĂ€ischer Wirtschaftsraum, Internationale Energieagentur, Europarat, Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, Internationale Atomenergie-Organisation, EuropĂ€ische Weltraumorganisation, EuropĂ€ische SĂŒdsternwarte, G6 der EuropĂ€ischen Union, Gemeinschaft der Demokratien, ZentraleuropĂ€ische Initiative, Drei-Meere-Initiative, Ostsee-Naturschutzorganisation sowie aller Unterorganisationen der UNO. Polen hat Beobachterstatus bei folgenden Organisationen: Arktischer Rat und Internationale Organisation der französischsprachigen LĂ€nder. Polen ist Mitglied des Schengen-Raums und AnwĂ€rter fĂŒr den Beitritt zur Eurozone. Die EuropĂ€ische Agentur fĂŒr die Grenz- und KĂŒstenwache – Frontex hat ihren Sitz in Polen.

Als wichtigsten VerbĂŒndeten sehen die Polen die Vereinigten Staaten. Auf polnischem Staatsgebiet sind seit 2016 US-Truppen stationiert.

Im Osten sieht sich Polen Belarus, Litauen und der Ukraine verbunden, mit denen es jahrhundertelang die polnisch-litauische Adelsrepublik gebildet hat. Polen sieht sich als Anwalt der Ukraine in deren Beziehungen zu NATO und EU.

Bereits die Adelsrepublik pflegte Polen diplomatische Beziehungen zu Persien und dem Osmanischen Reich, das im Gegenzug nie die Teilungen Polens anerkannt hat und bei jeder internationalen Konferenz nach dem polnischen Gesandten fragte.

Gute Beziehungen unterhielt die Adelsrepublik auch mit Frankreich und dem Kirchenstaat.

In der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts entwickelte die Zweite Republik ein gutes VerhĂ€ltnis zu Großbritannien, das im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs fĂŒr Polen eine Garantie abgab.

Die Beziehungen zu Deutschland und Russland sind dagegen seit den Teilungen Polens – mit Ausnahme der Zeit der Polenbegeisterung (z. B. Hambacher Fest) des VormĂ€rzes – und insbesondere aufgrund des Zweiten Weltkriegs sowie der folgenden AbhĂ€ngigkeit von der Sowjetunion belastet. Interessanterweise sind dabei die Beziehungen zu Österreich, das ebenfalls an den Teilungen Polens und dem Überfall auf Polen teilnahm, weitaus entspannter. Die Beziehungen zu der Schweiz, die Auslandspolen wĂ€hrend der Teilungszeit unterstĂŒtzte, sind dagegen freundschaftlich.

Polen verbindet mit Ungarn ein besonders freundschaftliches VerhĂ€ltnis, das bis ins Hochmittelalter zurĂŒckreicht, als die beiden Königreiche dreimal in Personalunion regiert wurden. Polen und Ungarn arbeiten zusammen mit Tschechien und der Slowakei eng in der VisegrĂĄd-Gruppe zusammen.

Auch zu den anderen Staaten der Drei-Meere-Initiative bestehen traditionell gute Beziehungen.

MilitÀr

GemĂ€ĂŸ dem Ranking von Global Firepower (2016) besitzt Polen die 18. stĂ€rkste Armee weltweit und die 5. stĂ€rkste in Europa. Der Wehretat betrug 2016 9,7 Mrd. USD bzw. ca. 2 % des polnischen BIP, womit Polen eines der wenigen LĂ€nder ist, das die diesbezĂŒglichen NATO-Vorgaben erfĂŒllt. Derzeit modernisiert Polen seine StreitkrĂ€fte. Im Zuge der Ukrainekrise hat Polen diesen Prozess intensiviert. Der Wehretat soll auf 2,5 % des polnischen BIP und die Anzahl der Soldaten auf 200.000 aufgestockt werden. Polen hat angekĂŒndigt, bis 2022 mehr als 30 Milliarden Euro fĂŒr die Beschaffung neuer Waffensysteme auszugeben.

Der PrĂ€sident ist oberster Befehlshaber ĂŒber die polnischen StreitkrĂ€fte. Unmittelbar untersteht das MilitĂ€r jedoch dem Verteidigungsminister und besteht aus den LuftstreitkrĂ€ften, der Marine, den LandstreitkrĂ€ften, den Spezialeinheiten und der Territorialverteidigung.

Historische Entwicklung

In den Zeiten der Adelsrepublik bestand die Wehrpflicht nur fĂŒr die Szlachta zum Verteidigungskrieg. Bekannt sind in der Geschichte besonders die polnische Hussaria und die Ulanen, die sich in den Schweden- und TĂŒrkenkriegen auszeichneten.

Eine der Reformen des Großen Sejm Ende des 18. Jahrhunderts war die EinfĂŒhrung eines stehenden Heers von 100.000 Mann, zu dessen Organisation es jedoch aufgrund der zweiten und dritten polnischen Teilung nicht mehr kam.

WĂ€hrend der napoleonischen Kriege entstanden polnische Legionen in Italien und Frankreich. Das Großherzogtum stellte einen großen Teil der Soldaten, die an Napoleons Russlandfeldzug 1812 teilnahmen.

Die moderne polnische Armee entstand wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs aus der Polnischen Wehrmacht und den Polnischen Legionen sowie spĂ€ter in der Zweiten Republik im Zuge des Polnisch-Sowjetischer Kriegs mit anfangs ĂŒber 800.000 Soldaten.

In der Volksrepublik unterstanden die polnischen StreitkrĂ€fte im Rahmen des Warschauer Paktes der sowjetischen FĂŒhrung.

Nach 1989 wurde das MilitĂ€r reformiert, die Zahl der Soldaten von ĂŒber 500.000 auf 150.000 Soldaten (plus 450.000 Reservesoldaten) reduziert und die AusrĂŒstung modernisiert. Die polnischen StreitkrĂ€fte verfĂŒgen ĂŒber neuestes Waffenmaterial, wie zum Beispiel die amerikanischen F-16, moderne israelische Panzerabwehrlenkwaffen und die finnischen Patria AMV 8×8. Daneben wurden die polnischen Waffenproduzenten durch Offset-Investitionen der Amerikaner auf den neuesten Stand gebracht und exportieren erfolgreich schweres KriegsgerĂ€t weltweit. Eine neue Eliteeinheit, die Einheit GROM, wurde in den 1990er Jahren eingefĂŒhrt.

Im MĂ€rz 1999 trat Polen der NATO bei, nachdem es seit 1994 in deren Programm „Partnerschaft fĂŒr den Frieden“ mitgearbeitet hatte.

Am 13. November 2006 wurde mit Deutschland, Lettland, Litauen und der Slowakei ein Abkommen zur Bildung einer gemeinsamen EU-Einsatztruppe unterzeichnet. Polen ĂŒbernahm dabei das Oberkommando und stellte etwa 1500 Soldaten zur VerfĂŒgung.

Bis 2008 bestand in Polen Wehrpflicht fĂŒr MĂ€nner.

Polnische MilitÀreinheiten waren 2010 im Ausland in Afghanistan (2600 Soldaten), im Kosovo (320), in Bosnien und Herzegowina (204) und im Irak (20) im Einsatz.

LuftstreitkrÀfte

Die LuftstreitkrĂ€fte verfĂŒgen ĂŒber knapp 200 Kampfflugzeuge, davon 48 Mehrzweck-Kampfflugzeug F-16, 36 Mehrzweck-Kampfflugzeug MiG-29 und 48 Bomber Suchoi Su-22 sowie etwa 250 Kampfhubschrauber. Es ist geplant, ca. 50 weitere Kampfhubschrauber zu erwerben.

Marine

Die polnische Marine verfĂŒgt ĂŒber zwei Fregatten, eine Korvette, drei Schnellboote, fĂŒnf U-Boote, mehrere Schul- und Hilfsschiffe sowie ein Flugzeug und fĂŒnf Hubschrauber. Es ist geplant, die U-Boot-Flotte auszubauen.

LandstreitkrÀfte

Polen hat derzeit etwa 120.000 Soldaten und 500.000 Reservisten. Das RĂŒckgrat der LandstreitkrĂ€fte bilden 1065 Kampfpanzer, davon 249 Leopard 2, 232 PT-91 und 528 T-72, sowie mehrere Tausend SchĂŒtzenpanzer und andere Panzerfahrzeuge, darunter insbesondere 1268 BMP-1, 690 KTO Rosomak, 237 BRDM-2, 28 Bergepanzer 2, 74 WPT Mors, 90 TRI, 5 KTO Ryƛ, 70 D-44, 27 9P148 „Malyutka”, 217 HMMWV, 75 WR-40 Langusta, 75 BM-21, 120 AHS Krab, 111 DANA, 342 2S1, 20 ZSU-23-4MP BiaƂa, 64 9K33 Osa sowie ca. 200 Kampfhubschrauber.

Spezialeinheiten

Die polnischen Spezialeinheiten verfĂŒgen ĂŒber 2250 Elitesoldaten. Die bekannteste Spezialeinheit ist die GROM.

Territorialverteidigung

Die Einheiten der Territorialverteidigung (WOT) wurden 2017 als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine eingefĂŒhrt. Derzeit dienen ca. 8000 Soldaten in dieser Einheit. Geplant ist, die Territorialverteidigung auf 50.000 Soldaten auszubauen.

Verwaltung

Verwaltungsgliederung

Seit dem 1. Januar 1999 ist Polen in 16 Woiwodschaften (wojewĂłdztwo) eingeteilt, die auf die historischen Regionen Polens Bezug nehmen. Die kleinste Woiwodschaft – Oppeln – ist nur ca. 10.000 Quadratkilometer groß, wĂ€hrend die FlĂ€che der grĂ¶ĂŸten Woiwodschaft – Masowien – 3,5-mal so groß ist. Auch hinsichtlich der Einwohnerzahl gibt es große Unterschiede. WĂ€hrend die Woiwodschaft Masowien fast 5,5 Millionen Einwohner hat, leben in der Woiwodschaft Oppeln weniger als eine Million Menschen. Eine Reform der Woiwodschaften wird diskutiert, insbesondere wird erwogen, eine Woiwodschaft Mittelpommern aus den Randgebieten der Woiwodschaften Pommern und Westpommern zu bilden sowie die Metropolregion Warschau aus der Woiwodschaft Masowien auszugliedern. Im GesprĂ€ch ist auch die Aufteilung der Woiwodschaft Oppeln auf die Woiwodschaften Niederschlesien und Schlesien.

Polen ist ein Zentralstaat. Die Autonomie der Woiwodschaften ist beschrÀnkt. Insbesondere besitzen die Woiwodschaften nur eine sehr begrenzte Rechtsetzungskompetenz.

Jede Woiwodschaft besitzt als Selbstverwaltungsorgane eine eigene Volksvertretung – Woiwodschaftssejmik (sejmik wojewĂłdztwa) und einen von ihnen gewĂ€hlten Woiwodschaftsvorstand (zarząd wojewĂłdztwa) unter dem Woiwodschaftsmarschall (marszaƂek wojewĂłdztwa) als Vorsitzendem. Der Woiwode (wojewoda) ist hingegen ein Vertreter der Zentralregierung in Warschau und fĂŒr Kontrolle der Selbstverwaltung der Woiwodschaften, Landkreise (powiat) und Gemeinden (gmina) zustĂ€ndig.

Die Woiwodschaften gliedern sich in Landkreise und diese wiederum in Gemeinden. Es wird zwischen Landgemeinden, Stadtgemeinden und gemischten Stadt-Land-Gemeinden unterschieden. GrĂ¶ĂŸere StĂ€dte haben in der Regel sowohl den Status einer Gemeinde als auch eines Landkreises, sind also kreisfrei. GrĂ¶ĂŸere Gemeinden gliedern sich wiederum in SchulzenĂ€mter, Viertel, Siedlungen oder Kolonien. 2016 gab es in Polen sechzehn Woiwodschaften, 380 Landkreise und fast 2500 Gemeinden.

StÀdte

In der Antike wurden die Ortschaften Calisia und Turso auf dem heutigen Gebiet Polens erwĂ€hnt. Es wird vermutet, dass diese Orte mit den heutigen StĂ€dten Kalisz und Elbląg gleichzusetzen sind. Die Pfahlbausiedlung Biskupin geht auf das 8. Jahrhundert vor Christus zurĂŒck. Slawische Siedlungen entstanden um das 6. Jahrhundert nach Christus vor allem auf leicht zu schĂŒtzenden See- und Flussinseln um Holzburgen der jeweiligen StammesfĂŒrsten. Vielen Ortschaften wurde ab dem 13. Jahrhundert ein Stadtrecht nach Magdeburger, LĂŒbecker oder Kulmer Vorbild verliehen. Im Hochmittelalter traten viele StĂ€dte der Hanse oder anderen StĂ€dtebĂŒnden bei. Nachdem in der Adelsrepublik das politische Gewicht sich von den StĂ€dten zum Adel verschob, verloren viele StĂ€dte im 18. Jahrhundert an Bedeutung. Mit den Reformen des Großen Sejm Ende des 18. Jahrhunderts gewann das BĂŒrgertum gegenĂŒber dem Adel wieder an Bedeutung. Die Reformen waren jedoch aufgrund der beiden letzten polnischen Teilungen nicht von Dauer. Die modernen polnischen StĂ€dte entstanden im Zuge der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts.

Nach dem Hauptstatistikamt gab es im Jahr 2016 919 StĂ€dte in Polen. Etwa 40 StĂ€dte in Polen haben eine Einwohnerzahl von mehr als 100.000 und gelten damit als GroßstĂ€dte. Die kleinste Stadt Wyƛmierzyce hatte 921 Einwohner und Warschau als die bevölkerungsreichste Stadt fast 2000-mal mehr. Die flĂ€chenmĂ€ĂŸig kleinste Stadt war Stawiszyn mit 0,99 kmÂČ und die grĂ¶ĂŸte FlĂ€che hatte Warschau mit 517,24 kmÂČ. Die geringste Bevölkerungsdichte hatte Krynica Morska mit 12 Personen/kmÂČ und die höchste Legionowo mit 3996 Personen/kmÂČ.

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte Polens sind Warschau, Krakau, ƁódĆș, Breslau, Posen, Danzig, Stettin, Bydgoszcz und Lublin. Die grĂ¶ĂŸten Agglomerationen sind der Warschauer Großraum, die Regionen um Kattowitz, ƁódĆș, Krakau und die sogenannte „Dreistadt“ mit Danzig, Sopot und Gdingen. 60,5 % der polnischen Bevölkerung leben in StĂ€dten, womit Polen zu den weniger stark urbanisierten LĂ€ndern in Europa zĂ€hlt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Wirtschaft Polens stand im April 2021 sowohl gemessen am Bruttoinlandsprodukt (642,120 Mrd. USD) als auch bezĂŒglich der KaufkraftparitĂ€t (1.363 Mrd. USD) an 22. Stelle in der Welt (jeweils nominal).

Seit dem Ende des Sozialismus hat sich die polnische Wirtschaft vergleichsweise gut entwickeln können. Polen konnte in den letzten Jahren ein durchgĂ€ngig positives Wirtschaftswachstum verzeichnen. Polen war das einzige europĂ€ische Land, das infolge der globalen Krise (2008) keine Rezession erfahren musste. Seit 2013 hat sich die Wirtschaft weiter erholt, getragen von inlĂ€ndischer Nachfrage, insbesondere Investitionen und Konsum. 2017 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenĂŒber dem Vorjahr um 4,6 Prozent. Das Wachstum wird gefördert durch eine wirtschaftsfreundliche Politik, fiskalpolitische StabilitĂ€t, ein flexibles Arbeitsrecht, durch die konsequente Nutzung von EU-Fördermitteln fĂŒr den Ausbau der Infrastruktur und nicht zuletzt auch durch umfangreiche auslĂ€ndische Direktinvestitionen. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrĂŒckt in Kaufkraftstandards erreichte Polen 2015 einen Indexwert von 69 (EU-28:100) und damit etwa 55 % des deutschen Wertes.

Das Bruttoinlandsprodukt ist regional sehr unterschiedlich verteilt. Die reichsten Woiwodschaften (im Vergleich zum Landesdurchschnitt) waren 2017 weiterhin Masowien mit 160,5 % (Vgl. 2009: 133 % des Landesdurchschnitts) und Niederschlesien mit 110,5 % (114 %) sowie die Ă€rmsten Woiwodschaften Lublin mit 69 % (68 %), Karpatenvorland mit 69,7 % (71 %) und Ermland-Masuren mit 70,1 %. Die Arbeitslosigkeit betrug im Dezember 2017 ca. 6,6 Prozent, die Zahl der registrierten Arbeitslosen lag bei 1,08 Mio. Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Polen Platz 39 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegte Polen 2017 Platz 45 von 180 LĂ€ndern. Polen ist eine weitestgehend offene Volkswirtschaft, die sehr stark vom freien Handel in der EuropĂ€ischen Union profitiert.

Die durchschnittlichen monatlichen Bruttolöhne lagen 2019 bei 5.181,63 PLN (1.155,76 Euro zum 1. Juni 2021). In der reichsten Woiwodschaft Masowien lag der durchschnittliche Bruttolohn 2019 bei 6.248,47 PLN (1.393,71 Euro), wo hingegen in der Àrmsten Woiwodschaft Lublin der Bruttolohn bei 4.564,85 PLN (1.018,18 Euro) lag.

WÀhrend die Inflation 2010 2,581 % betrug, herrscht seit Mitte 2014 Deflation in Polen.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2017 Ausgaben von 375,9 Mrd. PLN, dem standen Einnahmen von 350,5 Mrd. PLN gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 25,4 Mrd. PLN.

Die Staatsverschuldung betrug im Dritten Quartal 2017 52 % des BIP und lag deutlich unterhalb der Werte fĂŒr den EU-Durchschnitt von 82,5 % und der Eurozone von 88,1 %.

Der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche betrug in den letzten Jahren:

  • Gesundheit – 6,4 % (2013)
  • Bildung – 5 % (2014)
  • MilitĂ€r – 2 % (2016)

Steuern

In Polen werden Steuern auf nationaler und regionaler Ebene erhoben. Die wichtigsten Steuern sind nationale Steuern, insbesondere die Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer. Abgesehen von der Umsatzsteuer sind die polnischen SteuersÀtze im internationalen Vergleich relativ niedrig.

In Polen wird eine lineare Einkommensteuer mit drei SteuersÀtzen von 0 % (Grundfreibetrag), 18 % und 32 % erhoben. Der polnische Spitzensteuersatz der Einkommensteuer betrÀgt damit 32 % und ist im internationalen Vergleich relativ niedrig. Unternehmer haben zudem die Möglichkeit, einen linearen Einkommensteuersatz von 19 % zu bezahlen, wenn sie eine vereinfachte SteuererklÀrung abgeben, in der sie auf die Geltendmachung gewisser Werbungskosten verzichten.

In Polen gibt es keine Gewerbesteuer. Ebenso wird keine Kirchensteuer und kein SolidaritÀtszuschlag erhoben.

Die Körperschaftssteuer wird auf das Einkommen von Kapitalgesellschaften erhoben. Der Steuersatz betrĂ€gt bei kleinen Kapitalgesellschaften 15 % und bei großen Kapitalgesellschaften 19 %.

In Polen gibt es keine Vermögenssteuer. Die Gemeinden erheben jedoch eine Grundsteuer auf in ihnen gelegene Immobilien.

Die UmsatzsteuersÀtze betragen 0 %, 5 %, 7 %, 8 % und 23 %. Gewisse UmsÀtze, die nicht der Umsatzsteuer unterliegen, werden mit einer Transaktionssteuer mit SteuersÀtzen von 0,1 % bis 2 % besteuert.

Polen hat mit den meisten Staaten ein Doppelbesteuerungsabkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Besteuerung von Einkommen abgeschlossen.

Außenhandel

Der Export umfasste im Jahre 2016 183,0 Mrd. Euro und der Import 178,2 Mrd. Euro. Da Polen ein gĂŒnstiger Produktionsstandort fĂŒr auslĂ€ndische Unternehmen ist, hat es inzwischen eine positive Handelsbilanz. Mit 27,4 % der Exporte und 28,3 % der Importe stellte Deutschland den grĂ¶ĂŸten Handelspartner dar. Weitere wichtige Handelspartner sind die EU-Staaten Italien, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Niederlande und Tschechien sowie Russland, Volksrepublik China und die USA.

Arbeitsmarkt

Im FrĂŒhjahr 2019 lag die Arbeitslosenquote nach GUS bei 5,9 %, was knapp eine Mio. Menschen im erwerbsfĂ€higen Alter ausmachte, sowie nach Eurostat bei 3,5 %. Zuvor lag im Oktober 2012 laut polnischem Haupt-Statistikamt die Arbeitslosigkeit bei 12,5 %.

Die Arbeitslosigkeit in Polen ist regional sehr unterschiedlich verteilt. In den StÀdten Posen und Warschau herrscht praktisch VollbeschÀftigung wÀhrend in den lÀndlichen Regionen von Ermland-Masuren die Arbeitslosigkeit im September 2017 hingegen nach GUS bei 11,8 % lag Im November 2006 erhielten 13,2 Prozent der registrierten Arbeitslosen Arbeitslosengeld. Etwa 12 % der BeschÀftigten waren 2013 in der Landwirtschaft beschÀftigt, was im VerhÀltnis zum EU-Durchschnitt (5 %) viel ist. 30,3 % sind in der Industrie und 57,8 % im Dienstleistungssektor tÀtig. Etwa ein Drittel der ArbeitsplÀtze finden sich im öffentlichen Dienst.

Land- und Forstwirtschaft

Die polnische Landwirtschaft ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschafts- und Erwerbszweig. Auf ca. 14,5 Mio. Hektar landwirtschaftlicher NutzflĂ€che existieren etwa 1,4 Mio. landwirtschaftliche Betriebe, die beinahe ausschließlich von Einzellandwirten gefĂŒhrt werden, da eine Kollektivierung der Landwirtschaft nie stattgefunden hat. Die FlĂ€chenstruktur ist extrem kleinteilig, vor allem im SĂŒdosten Polens; zudem sind viele Böden sandig, sauer und nĂ€herstoffarm. Die HĂ€lfte aller landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschaftet weniger als fĂŒnf Hektar. In der Landwirtschaft sind 2,3 Mio. Personen bzw. 16,3% der erwerbstĂ€tigen Bevölkerung beschĂ€ftigt. 38% der polnischen Bevölkerung lebt im lĂ€ndlichen Raum. Die Zuwanderung dorthin ĂŒbersteigt die Abwanderung in die StĂ€dte. Die Forsten sind ĂŒberwiegend in Staatsbesitz. Sie bilden die Grundlage fĂŒr eine erfolgreiche Möbelindustrie, deren Exporte 2018 weltweit auf Platz 3 lagen.

Energieversorgung

Die Bruttostromerzeugung der polnischen Kraftwerke lag im Jahr 2012 bei ca. 160 TWh. Die elektrische Energieversorgung in Polen basiert weitgehend auf der Verstromung von Stein- und Braunkohle, die im Jahr 2012 zusammen 88,6 % des polnischen Stroms lieferten. Wichtigstes Bergwerksunternehmen ist die staatliche Kompania Węglowa. Gaskraftwerke waren weitgehend unbedeutend, Erneuerbare Energien deckten 8,7 % des Strombedarfs, wobei Biomasse vor der stark wachsenden Windenergie und der Wasserkraft lag. Polen hat reiche Lager an Geothermie, die derzeit verstĂ€rkt in Kujawien bei Thorn und in der Bergregion Podhale bei Zakopane genutzt wird. Der Anteil der Kraft-WĂ€rme-Kopplung liegt mit 16,6 % an der Gesamterzeugung auf relativ hohem Niveau. Aufgrund des sehr hohen Anteils konventioneller EnergietrĂ€ger setzen sich polnische Politiker aus Sorge vor möglicherweise hohen Kosten gegen ambitionierte Klimaschutzziele ein. Die polnische Politik setzt auch auf den Kohlestrom, um möglichst unabhĂ€ngig von Energieimporten zu sein.

Das Land besitzt bisher keine kommerziell betriebenen Kernkraftwerke, betreibt aber mit dem Forschungsreaktor Maria, der am 18. Dezember 1974 kritisch wurde, einen kleinen Versuchsreaktor mit einer thermischen Leistung von 30 MW. Dieser arbeitet gegenwĂ€rtig mit nur zwei Drittel der Leistung. Bis 1968 wurde im SĂŒdwesten des Landes Uranbergbau betrieben. Die Planung neuer Kernkraftwerke wurde im Juni 2013 ausgesetzt. BegrĂŒndet wurde der Schritt mit zu hohen Kosten.

Unternehmen

Polen ist keine verlĂ€ngerte Werkbank mehr wie noch in den 1980er Jahren. Hohe ProduktivitĂ€t und QualitĂ€t sowie die VerfĂŒgbarkeit lokaler Zulieferer und Dienstleister auch im IT-Bereich haben eine Reihe von internationalen Investoren angezogen. Neben den großen internationalen Herstellern wie Opel, Daimler (Motorenfertigung) und Volkswagen produziert Polen auch eigene Marken. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Lastkraftwagen und Bussen (Solaris Bus, Solbus). Die Automobilindustrie, die etwa 15 % zur polnische Wertschöpfung beitrĂ€gt, entwickelte sich zur Drehscheibe der Innovationen der polnischen Wirtschaft. Diese gilt gilt als regionaler Leader in Mittel- und Osteuropa mit 40 % der 500 umsatzstĂ€rksten börsennotierten Unternehmen der Region, die ihren Sitz in Polen haben.

Tourismus

Der Tourismus ist ein bedeutender Faktor bei den Einnahmen im Dienstleistungssektor. Nach der Weltorganisation fĂŒr Tourismus ist Polen das 16. beliebteste Reiseziel bei internationalen Touristen. Im Jahr 2015 kamen ĂŒber 16,7 Mio. auslĂ€ndische Touristen nach Polen, was einen Anstieg von 4,6 % gegenĂŒber dem Vorjahr ausgemacht hat. Der touristische Sektor hat 2015 ein Volumen von fast 10 Mrd. US-Dollar ausgemacht. Im Jahr 2016 betrug die Anzahl der Einreisen nach Polen 80,5 Mio, wovon ca. 17,5 Mio. als touristisch zu werten sind.

Das beliebteste Reiseziel in Polen ist die ehemalige Hauptstadt Krakau, die zahlreiche ArchitekturdenkmĂ€ler und Kunstwerke aus dem polnischen Goldenen Zeitalter der SpĂ€tgotik und Renaissance besitzt. Bedeutende touristische Ziele sind auch die StĂ€dte Warschau, Breslau, Danzig, Posen, Stettin, Lublin, Thorn und Zakopane. Der Tourismus spielt auch eine wichtige Rolle fĂŒr die Gemeinden Krynica-ZdrĂłj, Karpacz, Szklarska Poręba, Biecz, Zamoƛć, Sandomierz, Kazimierz Dolny, Tschenstochau, Gnesen, Frombork, Malbork, Gdynia, Sopot, KoƂobrzeg, ƚwinoujƛcie und Międzyzdroje. Viele StĂ€dte bieten touristische Dienstleistungen fĂŒr Familien mit Kindern, so zum Beispiel Breslau mit den Breslauer Zwergen, Warschau, Kielce, Danzig und Stettin. Einige kleinere Orte in Polen sind Mitglied der Vereinigung CittĂ slow, die auf einen ausgewogenen Tourismus setzen.

Besuchermagneten sind: das Salzbergwerk Wieliczka, das Museum im Geburtshaus von Fryderyk Chopin in Ć»elazowa Wola bei Sochaczew, die GedĂ€chtnisstĂ€tte des Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, die KĂŒste der Ostsee, die großen Seeplatten in Großpolen, Masuren, Kaschubien und Suwalki sowie die GebirgszĂŒge der Sudeten und Karpaten, insbesondere die Tatra mit der Hohen Tatra und Westtatra, in der sich der höchste Gipfel Polens Meeraugspitze sowie der bekannte Höhenweg Orla Perć befinden. Beliebte Erholungsgebiete sind auch die Heiligkreuzberge, Beskiden, Pieninen, Krakau-Tschenstochauer Jura und das Roztocze sowie Stettiner und Frisches Haff.

Der polnische Gebirgsverein PTTK betreibt zirka 200 Schutz- und BerghĂŒtten in den polnischen Bergen und hĂ€lt die 63.000 Kilometer (Fern-)Wanderwege in Stand, von denen der Beskiden-Hauptwanderweg, der Sudeten-Hauptwanderweg, der Pieninenweg und der Weg der polnisch-tschechischen Freundschaft die bekanntesten sind.

Zum Welterbe in Polen zĂ€hlen fĂŒnfzehn Positionen, unter anderem die AltstĂ€dte von Krakau, Warschau, Thorn und Zamoƛć.

In Polen gibt es 23 Nationalparks, die bis auf streng geschĂŒtzte Naturreservate fĂŒr Touristen zugĂ€nglich sind. Mit drei Millionen Besuchern ist der Tatra-Nationalpark der beliebteste.

Einer immer grĂ¶ĂŸeren Beliebtheit erfreut sich auch der Fahrradtourismus in Polen, so zum Beispiel der östliche Radwanderweg Green Velo.

Auf FlĂŒssen und GewĂ€ssern gibt es viele Wasserwege fĂŒr Kajak, Kanu, Segel- und Hausboote, zum Beispiel auf der Pilica, der Krutynia oder der Czarna HaƄcza.

In den Karpaten und Sudeten gibt es zahlreiche Skigebiete, die meisten in und um Zakopane in der Tatra und Szczyrk in den Schlesischen Beskiden sowie Karpacz im Riesengebirge.

Beliebt ist auch Kururlaub in den zahlreichen Kurorten wie PoƂczyn-Zdrój oder Ciechocinek.

Einer immer grĂ¶ĂŸeren Beliebtheit erfreuen sich ThermalbĂ€der, die in den letzten Jahren vor allem in der Bergregion Podhale bei Zakopane eröffnet wurden.

In Polen gibt es ĂŒber hundert erhaltene mittelalterliche Burgen und Schlösser, unter anderem die Adlerhorst-, Dunajec- und Deutschordensburg. PalĂ€ste aus der Renaissance und dem Barock findet man vor allem im Osten Polens und in Warschau. Gutshöfe des polnischen Kleinadels sind dagegen ĂŒber das ganze Land verstreut.

Verkehr

Polen ist ein wichtiges Transitland von Nordeuropa nach SĂŒdeuropa und von Westeuropa nach Osteuropa. Bereits in der Antike und im Mittelalter fĂŒhrten wichtige Handelsstraßen durch das heutige Polen, wie zum Beispiel die Bernsteinstraßen, der europĂ€ische Abschnitt der Seidenstraße, die Handelsroute von Westeuropa nach Asien.

Straßenverkehr

Das Straßennetz verfĂŒgt ĂŒber eine GesamtlĂ€nge von etwa 382.000 km, darunter ungefĂ€hr 1374 km Autobahnen und weitere 1050 km Schnellstraßen.

2007 war das polnische Autobahnverkehrsnetz noch zweieinhalbmal kleiner als das der Schweiz. Von 2007 bis 2012 wurde das Autobahnnetz nahezu verdoppelt, insgesamt um 672,5 Kilometer erweitert. Komplett ausgebaut soll das Netz knapp 2000 Kilometer betragen. Das Netz an Schnellstraßen betrug 2006 insgesamt 266,2 km. In den sechs Jahren von 2007 bis 2012 erfolgte die Fertigstellung von 854 Kilometern und die VerfĂŒnffachung des Schnellstraßennetzes. Das Straßennetz an Schnellstraßenverbindungen soll insgesamt 5500 km umfassen.

18.368 km Landesstraßen (poln.: droga krajowa) dienen – Ă€hnlich wie die deutschen Bundesstraßen – dem nationalen und internationalen Verkehr. Zum 1. Januar 1999 wurden 28.444 km Landesstraßen zu Woiwodschaftsstraßen (poln: droga wojewĂłdzka) herabgestuft. Daneben gibt es noch 128.870 km Kreisstraßen (poln: droga powiatowa) und 203.773 km Gemeindestraßen (poln: droga gminna).

In Polen sind ĂŒber 12 Millionen Pkw und 2 Millionen Lkw und andere Nutzfahrzeuge registriert. Insgesamt waren Ende 2007 383 Pkw je 1000 Einwohner registriert, im EU-Durchschnitt sind es 486. 2017 wurden rund 350.000 alte Dieselfahrzeuge importiert, die meisten davon aus Deutschland. Und dies, obwohl laut WHO im selben Jahr von den 50 europĂ€ischen StĂ€dten mit der höchsten Luftverschmutzung 33 StĂ€dte in Polen lagen.

Dem in Polen trotz wachsendem Individualverkehr immer noch sehr bedeutsamen öffentlichen Verkehr dient ein ausgedehntes Überlandbusnetz. Der Busverkehr spielt landesweit eine grĂ¶ĂŸere Rolle als der Eisenbahnverkehr.

2004 starben in Polen 5700 Menschen bei VerkehrsunfĂ€llen, das bedeutet eine viermal höhere Rate als im Durchschnitt der EU. Dies ist aber bereits eine Verringerung der Zahl, 1999 waren es noch 6730 Tote und 1998 – 7080. Stellen mit einer hohen Unfallrate werden hĂ€ufig durch einen sogenannten Schwarzen Punkt (czarny punkt) gekennzeichnet.

Es besteht seit 14. April 2007 die ganztĂ€gige und -jĂ€hrige Lichtpflicht fĂŒr Pkw und Lkw, wobei Abblend- oder Tagfahrlicht vorgeschrieben sind. Seit dem 1. Juni 2007 gilt beim Fahren von Kraftfahrzeugen ein absolutes Alkoholverbot, nachdem bis dahin eine Blutalkoholkonzentration von 0,2 Promille erlaubt war.

FĂŒr Autobahnen, Schnell- und Landesstraßen ist auf ausgewĂ€hlten Straßenabschnitten eine streckenabhĂ€ngige Maut fĂŒr Kraftfahrzeuge zu entrichten. FĂŒr Kraftfahrzeuge mit einem zulĂ€ssigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen (u. a. Lastkraftwagen) kommen ein als viaTOLL bezeichnetes System des staatlichen Betreibers GDDKiA sowie eine manuelle Mautentrichtung auf den Autobahnabschnitten der privaten Betreiber infrage. FĂŒr Kraftfahrzeuge mit einem zulĂ€ssigen Gesamtgewicht von weniger als oder gleich 3,5 Tonnen (u. a. Personenkraftwagen) besteht auf den von der GDDKiA betriebenen Straßenabschnitten die Möglichkeit der Nutzung des viaTOLL-Systems oder der manuellen Mautabgabe an den Mautstellen. Auf Autobahnabschnitten der privaten Betreiber ist nur die manuelle Mautabgabe möglich.

Schienenverkehr

Der Schienenverkehr spielt in Polen auch nach dem starken Wachstum des Individualverkehrs in den letzten zwei Jahrzehnten immer noch eine wichtige Rolle fĂŒr das polnische Verkehrswesen. Die polnische Eisenbahninfrastrukturgesellschaft PKP PLK gehört zu den grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen Eisenbahngesellschaften mit ĂŒber 23.420 km Schienennetz. An der polnischen Ostgrenze trifft das europĂ€ische Normalspurnetz auf das breitere russische Gleissystem.

Flugverkehr

Polen hat 14 FlughĂ€fen, 123 nationale FlugplĂ€tze und drei Hubschrauberbasen. Die Anzahl der FluggĂ€ste ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Da die regionalen FlughĂ€fen bereits an ihre KapazitĂ€ten stoßen, wurde 2017 die Entscheidung gefĂ€llt, zwischen Warschau und ƁódĆș bei Grodzisk Mazowiecki einen Zentralflughafen zu bauen, der eine KapazitĂ€t von jĂ€hrlich ca. 50 Millionen FluggĂ€sten haben soll, womit er einer der grĂ¶ĂŸten FlughĂ€fen in Europa sein wĂŒrde.

Schifffahrt

Die Überseehandelsflotte besteht aus ĂŒber 100 Schiffen. SeehĂ€fen befinden sich entlang der OstseekĂŒste, wobei die meiste Fracht in Danzig, Stettin-SwinemĂŒnde, Gdynia, KoƂobrzeg und Elbląg umgeladen wird. Dazu kommt auch der Hafen Police, der vor allem den örtlichen Chemieindustrie-Anlagen dient. PassagierfĂ€hren verbinden ganzjĂ€hrig Polen mit Skandinavien Passenger. Polferries hat ihre HĂ€fen in Danzig und ƚwinoujƛci, Stena Line in Gdynia und Unity Line in ƚwinoujƛcie.

Folgende regelmĂ€ĂŸige FĂ€hrverbindungen bestehen:

  • Danzig nach NynĂ€shamn (bei Stockholm)
  • Gdynia nach Helsinki, Oxelösund und Malmö
  • SwinemĂŒnde nach Kopenhagen, Malmö, RĂžnne (nur im Sommer) sowie Ystad

Die Binnenschifffahrt wird ausgebaut. Polen besitzt 3.812 Kilometer schiffbare FlĂŒsse und KanĂ€le, von denen viele zu internationalen Wasserstraßen gehören. Die wichtigsten HĂ€fen im Binnenland befinden sich in Warschau, Gliwice, Breslau und Krakau.

Nahverkehr

Der Nahverkehr in Polen besteht vor allem aus Bussen und Straßenbahnen. Warschau hat auch eine U-Bahn und Krakau ƁódĆș, Posen, Breslau, Danzig und Stettin haben ein Netz von Stadtschnellbahnen. In Lublin, Gdynia, Tychy und Sopot fahren Trolleybusse.

Bildung

Schulsystem

Das erste moderne Bildungsministerium weltweit wurde 1773 im Zuge der Reformen im Geiste der AufklĂ€rung in der polnisch-litauischen Adelsrepublik gegrĂŒndet. Das heutige Bildungssystem in Polen befindet sich im Umbruch. Nach der Wende 1989 gab es 1999 und 2017 zwei große Reformen. Nach den neuen Vorgaben sollen die 1999 eingefĂŒhrten Gymnasien bis 2019 abgeschafft werden. Das Schulsystem wird dann aus KindergĂ€rten, achtjĂ€hrigen Grundschulen und weiterfĂŒhrenden Schulen wie vierjĂ€hrigen Lyzeen, fĂŒnfjĂ€hrigen Berufsoberschulen sowie weiteren berufsbezogenen Schulen bestehen. Das Abitur wird nach dem Abschluss eines Lyzeums oder einer Berufsoberschule abgelegt werden. Die AbiturprĂŒfung soll wieder bedeutend schwieriger werden. Das Bestehen der AbiturprĂŒfung ist Voraussetzung fĂŒr das Studium an einer Hochschule. Seit 2017 haben die Eltern die Wahl, ob sie ihre Kinder mit sechs oder sieben Jahren einschulen lassen wollen. Die staatlichen Schulen sind kostenlos, Schulmittel wie etwa BĂŒcher, Hefte, Stifte oder Schulranzen mĂŒssen aber privat getragen werden. Das Schuljahr beginnt am 1. September und endet in der ersten JunihĂ€lfte. Die Schulferien wĂ€hrend des Schuljahres werden von den einzelnen Woiwodschaften beschlossen und sollen versetzt organisiert werden, damit nicht alle Kinder zur selben Zeit zum Beispiel in die Berge zum Skifahren fahren.

Im PISA-Ranking von 2015 erreichen polnische SchĂŒler Platz 17 von 72 LĂ€ndern in Mathematik, Platz 22 in Naturwissenschaften und Platz 13 beim LeseverstĂ€ndnis. Polen liegt damit ĂŒber dem Durchschnitt der OWZE-Staaten.

Hochschulen

Die Ă€lteste polnische UniversitĂ€t und gleichzeitig zweitĂ€lteste in Mitteleuropa ist die Jagiellonen-UniversitĂ€t in Krakau, die 1364 von Kasimir dem Großen gegrĂŒndet wurde. Die vier nĂ€chstĂ€ltesten polnischen UniversitĂ€ten in Vilnius (1579), Zamoƛć (1594), RakĂłw (1602) und Lemberg (1661) bestehen nicht mehr bzw. wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Breslau und Thorn verlegt. In Polen studieren fast zwei Millionen Studenten. Die Hochschulen sind von Anweisungen des Staates bezĂŒglich ihrer Bildungsangebote seit der Wende 1989 weitgehend unabhĂ€ngig. 2008 gab es in Polen 130 staatliche und 315 nichtstaatliche Hochschulen. Weiterhin gab es 78 Einrichtungen der Polska Akademia Nauk (Polnische Akademie der Wissenschaften) sowie etwa 200 selbstĂ€ndige Forschungseinrichtungen. Die staatlichen Hochschulen haben dabei seit den 1990er Jahren vermehrt Konkurrenz durch private Hochschulen bekommen. Das Studium an staatlichen Hochschulen in Polen ist in den VollzeitstudiengĂ€ngen grundsĂ€tzlich kostenlos. Berufsbegleitende Teilzeit-, Wochenend- und FernstudiengĂ€nge als auch das Studium an privaten Hochschulen sind kostenpflichtig. Die UniversitĂ€ten vergeben die Bezeichnungen Magister, Licencjat, Ingenieur, Doktor und Doktor hab. Der Magister wird nach einer vier- bis fĂŒnfjĂ€hrigen Regelstudienzeit vergeben, die mit einer Abschlussarbeit beendet wird. In der Humanmedizin ersetzt der Abschluss Arzt der Humanmedizin den Magister, in der Tiermedizin heißt der entsprechende Abschluss Arzt der VeterinĂ€rmedizin. In technischen StudiengĂ€ngen wird der Grad Magister durch den Zusatz Ingenieur ergĂ€nzt.

Wissenschaft

Bereits mit der GrĂŒndung der BistĂŒmer im Jahr 1000 wurden nach und nach Kirchenschulen an den Bischofssitzen eröffnet. Mit dem Zisterzienser-Orden kam auch die abendlĂ€ndische Wissenschaft nach Polen. Bereits 1364 grĂŒndete Casimir der Große die Krakauer UniversitĂ€t, die die zweitĂ€lteste Alma Mater in Mitteleuropa ist. Sie war die erste UniversitĂ€t, die eine eigenstĂ€ndige Professur fĂŒr Mathematik und Astronomie hatte. Ihr Rektor PaweƂ WƂodkowic – einer der wichtigsten Völkerrechtler jener Zeit – stellte auf dem Konzil von Konstanz 1415 die These auf, dass heidnische Völker ein Recht auf einen eigenen Staat hĂ€tten und nicht mit dem Schwert christianisiert werden dĂŒrften. Dass er nicht das Schicksal seines Prager Kollegen Jan Hus teilen musste, verdankte er der zahlreichen polnischen Ritterschaft, die beim Konzil anwesend war.

Die Wissenschaft in Polen erreichte in der Zeit des Humanismus ihre BlĂŒte. Einer der Krakauer Studenten war Nikolaus Kopernikus, der sich unter anderem hier das mathematische und astronomische RĂŒstzeug zu seiner spĂ€teren Entwicklung des heliozentrischen Weltbilds erwarb. Wichtige Astronomen und Mathematiker jener Zeit waren Marcin KrĂłl, Marcin Bylica, Marcin Biem, Johann von Glogau und Albert de Brudzewo. In der (Al)Chemie und Medizin waren damals Adam von Bochinia und Maciej Miechowita fĂŒhrend. Neue UniversitĂ€ten wurden in Zamoƛć, RakĂłw, Wilna, Posen und Lemberg gegrĂŒndet, dazu kamen die zahlreichen Schulen der Jesuiten. Nach den Kriegen des 17. Jahrhunderts verfiel die polnische Wissenschaft jedoch zusehends und erreichte in der sĂ€chsischen Zeit ihren Tiefpunkt. Eine Ausnahme bildete das 1740 von den Piaristen in Warschau gegrĂŒndete Collegium Nobilium.

Mit dem Amtsantritt StanisƂaw August Poniatowskis begann in der AufklĂ€rung die Neuorganisation der polnischen UniversitĂ€ten durch Hugo KoƂƂątaj im Rahmen der Kommission fĂŒr nationale Erziehung, dem ersten Bildungsministerium der Welt. Als einer der wichtigsten Wissenschaftler und Industriellen dieser Zeit gilt StanisƂaw Staszic, der um 1800 in Warschau eine Akademie der Wissenschaft ins Leben rief. 1817 wurde die Warschauer UniversitĂ€t gegrĂŒndet. Auf dieser Grundlage konnte sich die polnische Wissenschaft im 19. Jh. entwickeln. Um 1850 entdeckte Ignacy Ɓukasiewicz eine Methode zur Destillation von Erdöl. Napoleon Cybulski und WƂadysƂaw Szymonowicz schufen die moderne Endokrinologie. Zygmunt WrĂłblewski und Karol Olszewski gelang es erstmals, Sauerstoff und Stickstoff zu verflĂŒssigen. Stefan Banach und Hugo Steinhaus begrĂŒndeten die Funktionalanalysis in der Mathematik. Der Arzt Casimir Funk prĂ€gte den Begriff Vitamine. Marie SkƂodowska-Curie entwickelte das Fachgebiet der RadioaktivitĂ€t und entdeckte das Polonium und das Radium. Sie war die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt, und gleichzeitig der erste Mensch, dem zwei zuerkannt wurden (Physik und Chemie). Eugeniusz Kwiatkowski entwickelte die polnischen Wirtschaftswissenschaften, die er nach der UnabhĂ€ngigkeit Polens als Wirtschaftsminister in die Praxis umsetzen konnte.

In der Zweiten Republik wurde die polnische Sprache an den polnischen UniversitĂ€ten wieder eingefĂŒhrt, und die Lehre und Wissenschaft florierten. Einer der grĂ¶ĂŸten polnischen Juristen, Roman Longchamps de BĂ©rier, vereinheitlichte das polnische Zivilrechtssystem, das 1918 noch aus fĂŒnf Rechtsordnungen bestand. Sein Schuldrechtgesetzbuch gilt als eines der besten der Welt.

Der Zweite Weltkrieg war ein Desaster fĂŒr die polnische Wissenschaft, denn die Nationalsozialisten wollten die polnischen Eliten vernichten. Bereits in den ersten Kriegswochen wurden hunderte polnischer Professoren ermordet oder in Konzentrationslager deportiert. Gipfel dieser Verbrechen waren die Sonderaktion Krakau und das Massaker an den Lemberger Professoren. Auch die Sowjetunion fĂŒhrte derartige Aktionen durch; so waren unter den Opfern des Massakers von Katyn 21 Hochschullehrer, mehrere hundert Lehrer, etwa 300 Ärzte sowie andere Akademiker. Im Krieg wurden auch die polnischen UniversitĂ€tsbibliotheken ausgeraubt und ihre BestĂ€nde zielgerichtet vernichtet, so dass 1945 ein völliger Neuanfang nötig war. Zudem flohen viele der ĂŒberlebenden Wissenschaftler vor den Kommunisten ins westliche Ausland, und die Überlebenden unter den polnischen Juden emigrierten nach Israel. Die polnische Wissenschaft erholte sich nur langsam. Die polnischen Restauratoren konnten schon bald wieder Weltruhm genießen, doch den anderen Wissenschaften fehlte der Austausch mit den bereits fĂŒhrenden US-amerikanischen UniversitĂ€ten. Dies Ă€nderte sich erst nach 1989. Im Jahr 2001 wurden die Erfolge zu Entwicklungen zum Blauen Laser in der praktischen Medizin vorgestellt.

Kultur

Die polnische Kultur ist sehr vielfĂ€ltig und resultiert aus der wechselvollen Geschichte des Landes. In Mittelalter und Neuzeit war die multikulturelle Adelsrepublik ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Religionen, die alle ihren Einfluss auf das polnische Kulturerbe hatten und noch immer haben. Nach den Teilungen Polens versuchten polnische KĂŒnstler immer wieder den Kampf um die UnabhĂ€ngigkeit Polens – unter dem Schlagwort „Zur Hebung der Herzen“ – zu unterstĂŒtzen. Als Beispiele hierfĂŒr können die Gedichte und Epen von Adam Mickiewicz, die Prosawerke von Henryk Sienkiewicz, einem der ersten LiteraturnobelpreistrĂ€ger, die Historienmalerei von Jan Matejko oder die Mazurkas und Polkas Krakowiaks sowie die Polonaisen von FrĂ©dĂ©ric Chopin genannt werden.

Heute ist die breit gefĂ€cherte Kultur Polens, Ă€hnlich wie aller westlicher Staaten, von Globalisierungstendenzen insbesondere in den GroßstĂ€dten betroffen, andererseits kann sie, gerade in der Kulturszene kleinerer StĂ€dte und auf dem Land, eine eigene IdentitĂ€t erhalten. Besonders bedeutend ist der polnische Symbolismus und die polnische Plakatmalerei. Polnische KĂŒnstlerplakate mit ihren sehr spezifischen Eigenschaften sind auf der ganzen Welt bekannt.

Literatur

Musik

Mittelalter

Die ersten erhaltenen polnischen Kompositionen gehen auf die Regierungszeit Mieszko II. Lambert Anfang des 11. Jahrhunderts zurĂŒck. Der erste namentlich bekannte Musiker Polens ist der Dominikaner Wincenty z Kielczy, der in der ersten HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts lebte und die Hymne „Gaude mater Polonia“ schrieb. Dagegen ist der Autor des Ă€ltesten bekannten polnischen Liedes Bogurodzica unbekannt. Neben Hymnen zeichnete sich die mittelalterliche polnische Musik durch TĂ€nze aus. MikoƂaj Radomski schrieb diese am Anfang des 15. Jahrhunderts auf. Peter von Graudenz war ein Komponist der ersten HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts, der mit der Krakauer Akademie verbunden war.

Renaissance

In der Renaissance kamen viele italienische Musiker an den polnischen Königshof. MikoƂaj GomóƂka war der bekannteste polnische Komponist des 16. Jahrhunderts. Er schrieb Kompositionen unter anderem zu den Gedichten von Jan Kochanowski (Melodie na PsaƂterz polski). Andere wichtige Renaissancekomponisten am polnischen Königshof waren WacƂaw von SzamotuƂ, Marcin Leopolita, MikoƂaj ZieleƄski und Jakub Reys, der auch in Frankreich tĂ€tig war. Johannes von Lublin war ein bedeutender Kirchenmusiker in Krakau, der vor allem mit der dortigen Heilig-Geist-Kirche verbunden war. 1540 wurde am Krakauer Königshof von Sigismund I. der MĂ€nnerchor Capella Rorantistarum unter der Leitung von Nikolaus aus Posen gegrĂŒndet, der von 1543 bis 1794 in der Wawel-Kathedrale tĂ€tig war.

Barock

1628 wurde in Warschau die erste Oper außerhalb Italiens aufgefĂŒhrt: Galatea. Die italienischen Opernkomponisten Luca Marenzio, Giovanni Francesco Anerio und Marco Scacchi waren zur Barockzeit in Warschau tĂ€tig. WĂ€hrend der relativ kurzen Regentschaft von WƂadysƂaw IV. Wasa von 1634 bis 1648 wurden in Warschau mehr als zehn Opern aufgefĂŒhrt, womit Warschau zu dieser Zeit zum wichtigsten Opernzentrum außerhalb Italiens wurde. Die erste Opernkomponistin der Welt, Francesca Caccini, schrieb ihre erste Oper La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina fĂŒr den polnischen König, als dieser noch ein Prinz war. Die polnischen Barockkomponisten komponierten vor allem Kirchenmusik; deren bekannteste Schöpfer sind Adam Jarzębski, Marcin Mielczewski, BartƂomiej Pękiel und Grzegorz Gerwazy Gorczycki.

Klassik

In der spĂ€ten Barockzeit entstand auch die Polonaise als Tanz an polnischen Höfen, wĂ€hrend die bĂ€uerliche Gesellschaft regional unterschiedliche TĂ€nze wie die Mazurkas von Krakowiak und Chodzony und die auch in Tschechien bekannten Polkas entwickelte. Die wichtigsten Polonaise-Komponisten im 18. Jahrhundert waren MichaƂ Kleofas OgiƄski, Karol KurpiƄski, Juliusz Zarębski, Henryk Wieniawski, MieczysƂaw KarƂowicz und Joseph Elsner. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich auch die polnische Oper weiter. Bekannte Opernkomponisten waren Wojciech BogusƂawski und Jan Stefani. Die erste polnische Symphonie komponierte Jacek Szczurowski um 1750.

19. Jahrhundert

Gleichwohl sollte erst FrĂ©dĂ©ric Chopin in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts die polnische Musik zur Vollendung bringen. Er gilt als einer der grĂ¶ĂŸten polnischen Komponisten. Im 19. Jahrhundert entwickelte StanisƂaw Moniuszko die moderne polnische Oper, deren berĂŒhmtestes Werk Halka ist. Oskar Kolberg begann zu dieser Zeit die polnische Folkloremusik zu sammeln und niederzuschreiben. Seinen Werken verdanken die Folkloreensembles Mazowsze, SƂowianki und ƚląsk ihr Entstehen. Karol Szymanowski, der sich in Zakopane niederließ, entdeckte die traditionelle Musik der Goralen in Podhale, die er im 19. Jahrhundert weiter entwickelte.

20. Jahrhundert

BerĂŒhmte Komponisten der Zwischenkriegszeit waren Artur Rubinstein, Ignacy Jan Paderewski, GraĆŒyna Bacewicz, Zygmunt Mycielski, MichaƂ Spisak and Tadeusz Szeligowski. Die zeitgenössische polnische Musik wird von StanisƂaw Skrowaczewski, Roman Palester, Andrzej Panufnik, Tadeusz Baird, BogusƂaw Schaeffer, WƂodzimierz KotoƄski, Witold Szalonek, Krzysztof Penderecki, Witold LutosƂawski, Wojciech Kilar, Kazimierz Serocki, Henryk MikoƂaj GĂłrecki, Krzysztof Meyer, PaweƂ SzymaƄski, Krzesimir Dębski, Hanna Kulenty, Eugeniusz Knapik und Jan A. P. Kaczmarek reprĂ€sentiert. Jazzmusiker Polens werden zu den besten Europas gezĂ€hlt. In den 1950er Jahren entwickelte sich der Jazz zu einer wichtigen Musikrichtung des Landes. Das Jazz Jamboree findet seit 1958 statt, und schon zur Zeit der Volksrepublik Polen traten US-amerikanische Musiker wie etwa Miles Davis auf.

21. Jahrhundert

Die zeitgenössische Musik in Polen unterscheidet sich aufgrund der Globalisierung der Musikszene kaum von der Musik in anderen Teilen der globalisierten Welt. Dies gilt insbesondere fĂŒr die Pop- und Rockmusik, aber auch fĂŒr Komponisten der klassischen Musik des 21. Jahrhunderts.

Bildende Kunst

Architektur

Vorromanik

Bis ins 9. Jahrhundert wurden die meisten GebĂ€ude auf dem heute zu Polen gehörenden Gebiet aus Holz errichtet, wie zum Beispiel die Siedlung Biskupin. Aus dieser Zeit sind nur GrabhĂŒgel und kultische Steinzirkel erhalten, wie die Krakauer HĂŒgelgrĂ€ber Krak-HĂŒgel und Wanda-HĂŒgel. Die christliche Architektur kam im 9. Jahrhundert nach Kleinpolen, das unter den Einfluss des GroßmĂ€hrischen Reiches geriet. Die lateinisch-christliche Architektur kam als Vorromanik um die Mitte des 10. Jahrhunderts nach Großpolen. In diesem Stil wurden die Burgen und Kirchen der Polanen gebaut. In der polnischen Architekturgeschichte wird die Epoche der Vorromanik mit den Regierungszeiten der drei ersten historisch nachweisbaren Piasten Mieszko I., BolesƂaw I. und Mieszko II. angesetzt. Das Ă€lteste SteingebĂ€ude der Vorromanik in Polen dĂŒrfte der Posener Palas auf der Dominsel gewesen sein, der auf die 940er Jahre zurĂŒckgeht. Etwas jĂŒnger waren der Gieczer Palas und der OstrĂłw Lednicki Palas, die sich ebenfalls in Großpolen befanden, sowie der Przemyƛler Palas. Die ersten Steinkirchen befanden sich ebenfalls vor allem in Großpolen, unter anderem der 968 begonnene Posener Dom, die vor 977 begonnene Gnesener Erzkathedrale und die 997 gegrĂŒndete Benediktinerabtei in Tum, sowie auf dem Krakauer Wawel die Kirche B und die Rotunde der Allerheiligsten Jungfrau Maria, die jeweils aus der Zeit vor 970 stammen. Als im Jahr 1000 die Kirchenorganisation in Polen reformiert wurde, kamen mit dem Erzbistum Gnesen die BistĂŒmer Krakau, Breslau und Kolberg zum ursprĂŒnglichen Bistum Posen hinzu. In allen BistĂŒmern wurden um die vorletzte Jahrtausendwende Kathedralen errichtet, unter anderem auf dem Wawel in Krakau, der Dom auf der Breslauer Dominsel und der Kolberger Dom. 1038 erfolgte zu Beginn der Regierungszeit Kasimirs I., des Erneuerers, ein heidnischer Aufstand gegen die katholische Kirche in Polen, bei dem die meisten vorromanischen GebĂ€ude zerstört wurden, so dass aus dieser Epoche bis auf die Rotunde auf dem Wawel nur Fundamente erhalten sind.

Romanik

Nach der Niederschlagung des heidnischen Aufstandes verlegte Kasimir I. der Erneuerer seinen Regierungssitz von Gnesen auf den Krakauer Wawel und begann Polen im Stil der Romanik wieder aufzubauen. So wurden die Kathedralen in Gnesen, Krakau, Breslau, Kolberg und Posen im neuen Architekturstil wiedererrichtet sowie zahlreiche Rotunden (z. B. die Strehlener Gothardrotunde, die Teschener Nikolausrotunda oder die Strzelnoer Prokoprotunde), Wehrkirchen und Zisterzienser- sowie Benediktiner-Klöster gebaut. Die meisten romanischen GebĂ€ude entstanden in der neuen Hauptstadt Krakau, wo noch die Leonhardskrypta in der Wawel-Kathedrale, die Albertkirche, die Andreaskirche, die Salvatorkirche, die Zisterzienser-Abtei Kloster Mogila sowie die Benediktiner-Abtei Kloster Tyniec erhalten sind. Ebenfalls in Kleinpolen gehen die Koƛcielecer Albertkirche, die Sandomirer Jakobskirche, die Wiƛlicaer Marienbasilika, das KoƄskier Kollegiatstift, OpatĂłwer Kollegiatstift, die Skalbmierzer Jakobskirche, die Benediktiner-Abtei Kloster Heiligkreuz, die Zisterzienser-Abtei Kloster Wąchock und die Zisterzienser-Abtei Kloster JędrzejĂłw auf die Romanik zurĂŒck. Großpolnische Bauwerke der Romanik sind die Benediktiner-Abtei LubiƄer Kloster, die InowƂódzer Ägidiuskirche, das Kollegiatstift von Tum und das Kloster SulejĂłw mit der Thomaskirche. In Kujawien befindet sich neben der Strzelnoer Prokoprotunde auch die Dreifaltigkeitskirche im selben Ort, das Mogilnoer Benediktiner-Kloster sowie die InowrocƂawer Marienkirche. In Schlesien gehen das Liegnitzer Piastenschloss, die Ägidiuskirche, die Breslauer Magdalenenkirche, das PrĂ€monstratenserstift St. Vinzenz, die Beslauer Martinskirche, die St.-BartholomĂ€us-Krypta des Klosters Trebnitz, die Löwenberger Marienkirche, die Goldberger Marienkirche und die Gleiwitzer BartholomĂ€uskirche auf die Romanik zurĂŒck. In Pommern entstanden der Camminer Dom und die Zisterzienser-Abtei Kloster Kolbatz in der Zeit der Romanik. Aus der Romanik stammen in Masowien die CzerwiƄsker Regularkanonikerabtei und PƂocker Kathedrale. Viele GebĂ€ude der Romanik wurden wĂ€hrend des Mongolensturms 1241 zerstört. Dieses Datum markiert auch das endgĂŒltige Ende der Epoche der Romanik in Polen. Der Wiederaufbau erfolgte bereits im Stil der FrĂŒhgotik.

Gotik

Die Gotik kam im 13. Jahrhundert auf der einen Seite aus Böhmen – unter anderem errichteten die Prager Parler das Krakauer Rathaus – zunĂ€chst nach Schlesien und von dort nach Groß- und Kleinpolen sowie spĂ€ter nach Masowien. Auf der anderen Seite brachten die Hanse und der Deutsche Orden die Backsteingotik nach Pommern, Kulmerland, Ermland und Masuren. So dominiert in Nordpolen die Backsteingotik und eine gemischte Backstein-Kalksteingotik im SĂŒden, insbesondere in Krakau. Die FrĂŒhgotik fĂ€llt mit dem Wiederaufbau Polens nach dem Mongolensturm Mitte des 13. Jahrhunderts zusammen.

Die romanischen Kathedralen in Krakau, Breslau, Gnesen, Posen, Cammin, PƂock und Oliva bei Danzig wurden in diesem Zusammenhang gotisiert. In diesem Stil neu errichtet wurden Kathedralen wie die Kathedrale MariĂ€ Himmelfahrt und St. Andreas in Frombork, die Nikolauskathedrale in Elbing, die Marienkathedrale in Pelplin, die St. Johanneskathedrale in Thorn, die Jakobskathedrale in Stettin, die Marienkathedrale in Köslin, die Marienkathedrale in Landsberg, die Kathedrale zum Heiligen Kreuz in Oppeln, die Kathedrale St. Peter und Paul in Liegnitz, die Stanislauskathedrale in Schweidnitz, die Marienkathedrale in Sandomir, die Marienkathedrale in TarnĂłw, die Marienkathedrale in Przemyƛl, Marienkathedrale in WƂocƂawek oder die Johanneskathedrale in Warschau, sowie Konkathedralen, wie die Dreifaltigkeitskonkathedrale in Kulmsee, die Dreifaltigkeitskonkathedrale in Kulmsee, die Marienkonkathedrale in Kolberg, die Johanneskonkathedrale in Marienwerder, die Kathedralbasilika St. Jakob in Allenstein, die Adalbertkonkathedrale in Riesenburg und Hedwigkonkathedrale in GrĂŒnberg.

Die Franziskaner und Dominikaner errichteten ab der ersten HÀlfte des 13. Jahrhunderts ihre gotischen Klöster mit Klosterkirchen in den InnenstÀdten wie die Krakauer Dreifaltigkeitskirche, die Krakauer Franziskuskirche, die Breslauer Albertkirche, die Breslauer Vinzenzkirche, die Danziger Dreifaltigkeitskirche, die Thorner Marienkirche, die Oppelner Dreifaltigkeitskirche, die Warschauer Annakirche und die Sandomirer Jakobskirche. Auch die Zisterzienser bauten im Stil der Gotik um, unter anderem in den Klöstern Mogila, Trebnitz, Kolbatz und Pelplin. Der Maltesterorden errichtete in Striegau die Peter-und-Paul-Basilika. Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem erbaute die Johanneskirche in Gnesen und die Grabkirche in Miechów. Der Augustinerorden errichtete sein Kloster mit Katherinenkirche in Kazimierz bei Krakau.

Das im Zeitalter der Gotik stetig anwachsende BĂŒrgertum baute seine Pfarr- und Kollegiatkirchen im gotischen Stil um. Dazu errichtete es neue gotische Pfarrkirchen, zum Beispiel in Krakau die Marienkirche, die Barbarakirche, die Markuskirche, die Heiligkreuzkirche, die Allerheiligenkirche (nicht erhalten) und die Kazimierzer Fronleichnamkirche, in Breslau die Elisabethkirche, Kreuzkirche, die St. Maria auf dem Sande, die Christophorikirche, die Katharinenkirche, die Fronleichnamkirche, die Dorotheakirche, die Matthiaskirche, die Magdalenenkirche, in Danzig die Marienkirche, die grĂ¶ĂŸte Backsteinkirche weltweit, die Nikolauskirche, Peter- und Paulkirche und die Katharinenkirche und in Thorn die Jakobskirche, die Neißer Jakobskirche, die Stettiner Johanneskirche, die Brieger Nikolauskirche, die RĂŒgenwalder Marienkirche, die Stargarder Marienkirche, die Basilika zum heiligsten Erlöser und allen Heiligen in Dobre Miasto, die Gleiwitzer Allerheiligenkirche, die Georgkirche in Rastenburg und die Herz-Jesu-Kirche in Ć»ary.

Gotische Holzkirchen sind unter anderem in Haczów, Dębno und Lipnica Dolna erhalten.

Das BĂŒrgertum baute seine RathĂ€user im neuen Stil. Die Parler errichteten das Rathaus in Krakau. Nennenswert sind zudem das Breslauer Rathaus, das RechtstĂ€dtische Rathaus in Danzig, das Thorner Rathaus, das Marienburger Rathaus, das Stargarder Rathaus, das Königsberger Rathaus und das Liegnitzer Rathaus. Unter anderem in Krakau (unter anderem das DƂugosz-Haus), Danzig (unter anderem das Schlieffhaus), Thorn (unter anderem den Junkerhof und das Kopernikus-Haus), Sandomierz (unter anderem das DƂugosz-Haus) und Stargard sind zahlreiche gotische BĂŒrgerhĂ€user erhalten. Gotische stĂ€dtische Wehranlagen und Stadtmauern sind unter anderem in Krakau, insbesondere der Abschnitt um das Florianstor mit dem Barbakan, in Danzig, insbesondere das BrotbĂ€nkentor, das Frauentor, das HĂ€kertor, das Johannistor, das Milchkannentor, das Kuhtor, das Peinkammertor und das Krantor, in Stargard, unter anderem das MĂŒhlentor, in Olsztyn, insbesondere das Hohe Tor, in SzydƂów, insbesondere das Krakauer Tor, in Sandomierz, insbesondere das Opatower Tor, in Lublin, insbesondere das Krakauer Tor, in Neiße, insbesondere der MĂŒnsterberger Turm, in Patschkau und in Königsberg erhalten. Das Collegium Maius der Krakauer UniversitĂ€t geht ebenfalls auf die Gotik zurĂŒck. Die Glatzer JohannesbrĂŒcke wurde als kleinere Version der Prager KarlsbrĂŒcke gebaut. Die Juden bauten ihre ersten Synagogen ebenfalls im Stil der Gotik, unter anderem die Alte Synagoge in Kazimierz bei Krakau.

Die Königsburg auf dem Wawel sowie zahlreiche Königsburgen der Piasten und des Adels wurden im Krakau-Tschenstochauer Jura (Adlerhorst-Burgen: die Burg Będzin, die Burg Bobolice, die Burg Korzkiew, die Burg OjcĂłw, die Burg Tenczyn, die Burg Lipowiec, die Burg Rabsztyn, die Burg SmoleƄ, die Burg MirĂłw, die Burg Olsztyn, die Burg Siewierz, die Burg Przewodziszowice, die Burg Morsko, die Burg DankĂłw sowie die Burg OstrÄ™ĆŒnik), den Pieninen (Burg Niedzica, Burg Czorsztyn und Pieninen-Burg) und Beskiden (Dunajec-Burgen: die Burg CzchĂłw, die Burg Tropsztyn, die Burg Rytro, die Burg Muszyna, die Burg Lanckorona, die Burg Zator, die Burg Auschwitz und die Salzgrafenburg Wieliczka sowie die Burg Dobczyce), dem Heiligkreuzgebirge (unter anderem die Burg Chęciny, die Burg SzydƂów und die Burg MiędzygĂłrz), den Sudeten (unter anderem die Kynastburg, die Burg FĂŒrstenstein, die Burg Tzschocha, die Burg Grodno, die Burg Grodziec, die Burg Ottmachau oder die Burg Frankenstein) sowie im Flachland (unter anderem die Burg Czersk, die Burg Toszek, die Burg CiechanĂłw, die Burg Ɓowicz, die Burg Wenecja, die Burg Thorn, die Burg Lublin oder die Burg Dębno) errichtet.

Der Deutsche Orden baute Ordensburgen im Stil der Backsteingotik im Kulmerland, Ermland und Masuren. Zu den bekanntesten Ordensburgen im heutigen Polen gehören der Ordenssitz in Marienburg am Nogat – der grĂ¶ĂŸte gotische Backsteinbau der Welt –, Marienwerder, Heilsberg, Mewe, Neidenburg, Barten, Thorn, Neidenburg, Osterode, Gollub, Rehden, RĂ¶ĂŸel, Schönberg, Hohenstein, Rastenburg, Allenstein, Braunsberg, Soldau, Schlochau, Lötzen und BĂŒtow.

Kasimir III. der Große gliederte um 1340 Rotruthenien in die polnische Krone ein und Ladislaus II. JagieƂƂo christianisierte nach der im Jahr 1385 geschlossenen Union von Krewo Litauen von Polen aus. Dadurch kam der gotische Baustil der Westkirche in Gebiete, die heute zu Belarus, Litauen und der Ukraine gehören. Zu den wichtigsten gotischen GebĂ€uden im damaligen Osten von Polen-Litauen gehören die Lemberger Kathedrale, die Lemberger Kathedrale der polnischen Armenier (Mischung aus westlicher Gotik und armenischer Architektur), die Wilnaer Annakirche, die Wilnaer Franziskuskirche, der Wilnaer Gediminas-Turm, die Burg Trakai, die Burg Kaunas, die Burg Grodno, die Burg Lida, die Burg Mir und die Burg Luzk.

Renaissance

Das goldene Zeitalter Polens begann in der SpĂ€tgotik und reichte ĂŒber die Renaissance und den Manierismus bis in den FrĂŒhbarock. Aus dieser Zeit (1350–1650) stammen die bedeutendsten Bauwerke Polens, allen voran das königliche Wawelschloss in Krakau. Kronprinz Sigismund I. weilte ab 1498 bei seinem Bruder Ladislaus II. von Böhmen und Ungarn am ungarischen Königshof, wo er mehrere florentinische KĂŒnstler und Architekten unter der Leitung von Francesco Fiorentino kennenlernte und nach Krakau holte, um das 1499 abgebrannte Königsschloss auf dem Wawel im Stil der italienischen Renaissance wieder aufzubauen. Francesco Fiorentino begann den Arkadenhof des Wawel-Schlosses zu bauen. Neben Francesco Fiorentino beteiligten sich auch Benedikt aus Sandomir und nach Francesco Fiorentinos Tod auch Bartolommeo Berrecci, Giovanni Battista Veneziani und Giovanni Cini aus Siena am Wiederaufbau. Bartolommeo Berrecci und Bernardino Zanobi de Gianotis bauten zudem an der Wawel-Kathedrale die Sigismundkapelle an, die als bedeutendstes Bauwerk der florentinischen Hochrenaissance außerhalb Italiens gilt. Weitere bedeutende Renaissance-Architekten aus Italien und dem Tessin, die in Polen-Litauen tĂ€tig waren, sind Bernardo Monti, Giovanni Quadro, Giovanni Maria Mosca und Mateo Gucci, welche die italienische Renaissance den klimatischen Bedingungen Mitteleuropas anpassten und so einen eigenen polnischen Renaissancestil schufen, der jedoch mit seinen beliebten Arkaden der florentinischen Renaissance am nĂ€chsten kam. Das Zentrum der Renaissance war SĂŒdpolen, insbesondere die Region Kleinpolen um Krakau und die Gegenden um Lemberg. Vor allem in Krakau kann man die typisch polnische Renaissancearchitektur an der Polnischen Attika erkennen.

Das Wawel-Königsschloss mit seinem Renaissance-Arkadenhof und die Sigismundkapelle wurden zum Vorbild fĂŒr zahlreiche neue Bauwerke im ganzen Jagiellonenreich und wurde vom Königshof und den Adeligen in ganz Polen-Litauen sowie Schlesien hundertfach nachgebaut. Zu den bedeutendsten Renaissance-Schlössern zĂ€hlen das GroßfĂŒrstliche Schloss Vilnius, das Warschauer Königsschloss, das Königsschloss NiepoƂomice, das Königsschloss Sanok, das Königsschloss Posen, das Königsschloss Podhorce, das Schloss BaranĂłw Sandomierski, das Schloss Nowy Sącz, das Schloss PiƄczĂłw, das Schloss ƁaƄcut, das Schloss UniejĂłw, das Schloss Janowiec, das Schloss KrzyĆŒtopĂłr, das Schloss Pieskowa SkaƂa, das Schloss IĆ‚ĆŒa, das Schloss Ogrodzieniec, das Schloss UjazdĂłw, der Bischofspalast Kielce, das Lemberger Königshaus, das Schloss KonstantynĂłw, das Schloss Międzyrzecz Ostrogski, das Schloss NieƛwieĆŒ, das Schloss Mir sowie die Festung Kamieniec Podolski. Viele dieser Bauwerke haben die Zeit der schwedischen Kriege im 17. Jahrhundert nur als Ruinen ĂŒberdauert.

Anders als in der Gotik entstanden in der Renaissance nur wenige Kirchen im Renaissance-Stil, dem sich mehr die weltliche Architektur widmete. Bedeutendster sakraler Bau der Hochrenaissance war die Kathedrale von PƂock, die um 1530 von Bernardino Zanobi de Gianotis, Giovanni Cini und Filippo Fiesole im Renaissance-Stil umgebaut wurde. Weitere erhaltene Renaissance-Kirchen in Polen-Litauen sind die PuƂtusker Marienbasilika, die Lemberger MariĂ€-Entschlafens-Kirche, die Lemberger Allerheiligenkirche, die BrochĂłwer Wehrkirche und die Broker Andreaskirche sowie die Lemberger Goldene-Rosen-Synagoge. Es wurden jedoch zahlreiche Renaissance-Kapellen nach dem Vorbild der Sigismundkapelle an gotischen Kirchen errichtet, unter anderem fĂŒr die weiteren Kapellen der Wawel-Kathedrale wie die Vasa-Kapelle, die ZaƂuski-Kapelle die Tomicki-Kapelle, die Johann-I.-Kapelle, die Myszkowski-Kapelle, die Potocki-Kapelle und die Zadzika-Kapelle, die Maciejowski-Kapelle und die Hyazinth-Kapelle der Krakauer Dominikanerkirche, die Annakapelle in PiƄczĂłw, die Krasiczyn-Kapelle auf dem Schloss Krasiczyn, die Antonius-Kapelle der Przeworskier Bernhardinerkirche, die Kasimir-Kapelle der Wilnaer Stanislauskathedrale sowie die Boim-Kapelle und die KampianĂłw-Kapelle in der Lemberg Marienkathedrale.

Gleichzeitig entwickelte sich am Übergang zwischen SpĂ€tgotik und Renaissance auch die bĂŒrgerliche Architektur in den StĂ€dten in Polen-Litauen, die viele RathĂ€user, BĂŒrgerhĂ€user des Patriziats sowie GebĂ€ude anderer öffentlicher Einrichtungen wie zum Beispiel die Krakauer Tuchhallen, das Collegium Iuridicum und das Collegium Nowodworski der Krakauer Akademie, das Kazimierzer Rathaus, das Posener Rathaus, das TarnĂłwer Rathaus, das Sandomirer Rathaus, in Krakau die Villa Decius, der Erasmus-CioƂek-Bischofspalast, das Bischof-Florian-Haus, das DziekaƄski-Haus, das GĂłrkĂłw-Haus, das DƂugosz-Haus, das Maciejowski-Haus und das Bonerhaus, in Posen der GĂłrkĂłw-Palast, in Warschau der Barbakan, das Baryczkowska-Haus und das Falkiewiczowska-Haus, in Danzig das Ferberhaus und in Vilnius das Tor der Morgenröte, hervorbrachte, die im Renaissancestil entweder um- oder neugebaut wurden. Auch in dem in der Renaissance zu Böhmen gehörenden Schlesien wurden zahlreiche profane Bauten im Stil der Renaissance errichtet, unter anderem das Laubaner Rathaus, das Ottmachauer Rathaus, das Patschkauer Rathaus, das WĂŒnschelburger Rathaus, das Löwenberger Rathaus sowie das Schloss Frankenstein und Schloss Plagwitz. In Pommern wurde von den Greifen das Stettiner Schloss in Renaissance-Stil erbaut.

In der Renaissance wurden in Polen-Litauen zahlreiche SchlossgĂ€rten angelegt, von denen die meisten nicht erhalten geblieben sind beziehungsweise spĂ€ter zu BarockgĂ€rten umgestaltet wurden. Den ersten Renaissance-Garten legten Königin Bona Sforza und König Sigismund I. der Alte in den 1530er Jahren vor dem OstflĂŒgel des Wawel-Schlosses an. Die KönigsgĂ€rten auf dem Wawel wurden spĂ€ter im Barockstil umgebaut, sind jedoch in den folgenden Jahrhunderten verwahrlost. EndgĂŒltig zerstört wurden sie im Zweiten Weltkrieg, als der auf dem Wawel residierende Generalgouverneur Hans Frank an ihrer Stelle ein Schwimmbad und TennisplĂ€tze bauen ließ. Ab den 1990er Jahren wurden die KönigsgĂ€rten rekonstruiert und sind seit 2005 fĂŒr die Öffentlichkeit wieder zugĂ€nglich. Weitgehend original erhalten sind dagegen die Renaissance-GĂ€rten des Schlosses Pieskowa SkaƂa. Die Renaissance-GĂ€rten des Schlosses FĂŒrstenstein sind hingegen ebenfalls eine Rekonstruktion aus dem 21. Jahrhundert.

Manierismus

Die zweite HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts lĂ€sst sich in der Architekturgeschichte Polen-Litauens in vier regionale Zentren mit verschiedenen Stilrichtungen einteilen. Krakau und seine Umgebung blieben weitgehend der florentinischen Hochrenaissance treu und adaptierten den italienischen Manierismus in die neuen Bauten. Bedeutendster Vertreter des SĂŒdpolnischen Manierismus in der Architektur war der gebĂŒrtige Florentiner Santi Gucci. Daneben sind als sĂŒdpolnische Manierismusarchitekten die Polen Gabriel SƂoƄski, Szymon Sarocki, MichaƂ Hintz, Tomasz Nikiel und Jan MichaƂowicz, die Italiener Paolo Romano, Antonio Pellaccini, NiccolĂČ Castiglione, Galeazzo Appiani, Antoneo de Ralia, Giovanni Maria Bernardoni und Pietro di Barbone sowie die NiederlĂ€nder Hiob PraĂżetfuess und Paul Baudarth zu nennen. Nordpolen und insbesondere Danzig begann sich am niederlĂ€ndisch-flĂ€mischen Stil des Manierismus zu orientierten und holte seine Architekten vor allem aus den Niederlanden. Zu diesen gehörten Hans Vredeman de Vries, Anton van Obberghen, Hans Kramer, Willem van den Blocke, Abraham van den Blocke und Hans Strackwitz. Die Gegend um Lublin entwickelte einen eigenen Stil aus der Mischung von italienischen und niederlĂ€ndischen Stilelementen zur Lubliner Renaissance, die bis weit in den polnisch-litauischen Osten ausstrahlte. Hier waren vor allem italienische und polnische Architekten wie Bernardo Morando, Andrea dell’Aqua, Jan Jaroszewicz und Jan Wolff tĂ€tig. König Sigismung III. Vasa war dagegen ein BefĂŒrworter der Gegenreformation und der Jesuiten und holte in den letzten beiden Dekaden des 16. Jahrhunderts den FrĂŒhbarock nach Polen-Litauen, zunĂ€chst nach Krakau und Litauen und spĂ€ter vor allem in den neuen Sitz des Königshofs nach Warschau. FĂŒr ihn waren vor allem Architekten aus dem Tessin tĂ€tig.

Viele Renaissance-Schlösser in SĂŒdpolen, wie das Schloss BaranĂłw Sandomierski, das Schloss Krasiczyn, das Schloss PinczĂłw, das Saybuscher Schloss oder der Bischofspalast Kielce, die erst in der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts fertig gestellt wurden, erhielten einen manieristischen Strich, fĂŒr den oft Santi Gucci verantwortlich zeichnete. Auf dem Wawel gehen das Vasa-Tor und das Berecci-Tor auf den Manierismus zurĂŒck. Beispiele fĂŒr bĂŒrgerliche Architektur des Manierismus in SĂŒdpolen sind das Beitscher Rathaus, PatrizierhĂ€user am Marktplatz in TarnĂłw, das JarosƂawer Orsetti-Haus sowie in Krakau das Branicki-Haus, das Dekan-Haus und das PrĂ€lat-Haus sowie das Collegium Gostomianum in Sandomierz. Zur sakralen manieristischen Architektur in SĂŒdpolen zĂ€hlen die Krakauer Synagogen Remuh-Synagoge, die Popper-Synagoge und die Hohe Synagoge sowie die Lesko Synagoge, Tykociner Große Synagoge und das Kloster Kalwaria-Zebrzydowska mit der Marienbasilika und den Kapellen des Kalvarienbergs, von denen die Ecco-Homo-Kapelle, die Kreuzigungskapelle sowie die Herz-Marien-Kapelle klare manieristische ZĂŒge haben.

Zentrum des Manierismus in Nordpolen war Danzig, wo im manierischen Stil das AltstĂ€dtische Rathaus, das RechtstĂ€dtische Rathaus, das Große Zeughaus, der Artushof, das Hohe Tor, das GrĂŒne Tor, das Goldene Tor, das Goldene Haus, das Englische Haus, das Ferberhaus, das Löwenschloss, das Schumannhaus, das Köpehaus, das Drei-Prediger-Haus, das SchlĂŒterhaus neu errichtet oder umgebaut wurden. Auch das Kulmer Rathaus, die Bromberger Klarissenkirche, die Marienkapelle an der WƂocƂaweker Marienkathedrale, Getreidespeicher und BĂŒrgerhĂ€user am NeustĂ€dter Marktplatz in Thorn wurden im manieristischen Stil umgebaut. In Pommern sind neben dem Stettiner Schloss auch das Schloss Stolpe, Schloss Krangen, Schloss Pansin und Schloss TĂŒtz erhalten, die ebenfalls im Manierismus umgebaut wurden.

Als Vereinigung von italienischen und niederlĂ€ndischen Stilelementen entstand der Architekturstil der Lubliner Renaissance in der Gegend um Lublin. In diesem Stil wurden ganze IdealstĂ€dte, wie Zamoƛć von Jan Zamoyski oder ƻóƂkiew von StanisƂaw ƻóƂkiewski, neu erbaut beziehungsweise vollkommen umgebaut, wie Kazimierz Dolny. Zu den wichtigsten erhaltenen BaudenkmĂ€lern der Lubliner Renaissance zĂ€hlen in Lublin die Josephskirche, die Dominikanerkirche mit der OssoliƄski-Kapelle, das Konopnica-Haus und das Chociszewski-Haus, sowie in Zamoƛć das Rathaus, die Thomaskathedrale, die Synagoge und das Schloss Janowiec. Weitere Beispiele fĂŒr BaudenkmĂ€ler der Lubliner Renaissance sind das Orzechowski Schloss, die Janowiecer Margaretenkirche, die GoƂąber Marienkirche und das GoƂąber Loreto-Haus. Weitere manieristische GebĂ€ude in Zentralpolen, die nicht unmittelbar zur Lubliner Renaissance gezĂ€hlte werden, sind die Landsberger Hedwigskirche, die Krasner Heiligkreuzkirche, das SzydƂowiecer Rathaus, das Ridt-Haus in Posen, das Schloss SzydƂowiec, das Schloss Carolath sowie das Schloss GrudziƄski in Poddębice.

Auch in die aufstrebende Hauptstadt Masowiens, Warschau, zog der Manierismus ein, wo die Jesuitenkirche, das Mohren-Haus, das Baryczka-Haus, das Chociszewski-Haus, das Salvator-Haus, das Heilige-Anna-Haus und die HĂ€user am Kanonia Platz entstanden.

Auch das böhmische Schlesien war reich an manieristischen Schlössern, Kirchen und bĂŒrgerlicher Architektur. Da Schlesien jedoch als Teil Böhmens im DreißigjĂ€hrigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, sind nur relativ wenige BaudenkmĂ€ler aus der Zeit des Manierismus erhalten. Zu diesen gehören das Schloss Krieblowitz, das Schloss Oels, das Piastenschloss Ohlau, die manieristisch ausgebaute Burg Grodno sowie das Breslauer Haus unter den Greifen in Niederschlesien und das Schloss Falkenberg, das Piastenschloss Brieg, das Brieger Rathaus sowie das Neißer KĂ€mmereigebĂ€ude in Oberschlesien.

Barock

Der polnisch-litauische Barock lĂ€sst sich in drei Phasen einteilen, den FrĂŒhbarock unter der Vasa-Dynastie in der ersten HĂ€lfte des 17. Jahrhunderts, den reifen Barock unter Michael I. und Johann III. Sobieski in der zweiten JahrhundertshĂ€fte sowie den SpĂ€tbarock, der unter den Wettinern in der ersten JahrhunderthĂ€lfte des 18. Jahrhunderts in den Rokoko ĂŒberging, in Litauen dagegen in den Wilnaer Barock mĂŒndete. Bedeutende Architekten, die wĂ€hrend des Barocks in Polen-Litauen tĂ€tig waren, kamen ebenfalls zum großen Teil aus Italien beziehungsweise dem schweizerischen Tessin. Zu ihnen gehören Carlo Antonio Bay, Kacper BaĆŒanka, Giovanni Maria Bernardoni, Giuseppe Brizio, Matteo Castelli, Giovanni Catenazzi, Giovanni Battista Gisleni, Giacomo Fontana, Johann Georg Knoll, Johann Christoph Glaubitz, Johann Christoph Knöffel, Augustyn Wincenty Locci, MatthĂ€us Daniel Pöppelmann, Ephraim Schröger, Constantino Tencalla und Jan Zaor. Der bedeutendste polnische Barockarchitekt, Tylman van Gameren, der Hunderte von Schlössern in ganz Polen projektierte, stammte jedoch aus den Niederlanden.

Der FrĂŒhbarock entwickelte sich in Polen, wĂ€hrend der Manierismus noch vorherrschend war, in der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts. Sigismund III. Vasa holte die Tessiner Architekten Giovanni Trevano, Matteo Castelli und Tommaso Poncino an den polnisch-litauischen Königshof, der Ende des 16. Jahrhunderts von Krakau nach Warschau gezogen war. So wurde auch Warschau neben Krakau das Zentrum des polnisch-litauischen FrĂŒhbarocks, wĂ€hrend in Norden und Osten der Adelsrepublik weiterhin der Manierismus dominierte. Die ersten sakralen Bauten, die im Stil des FrĂŒhbarock entstanden, waren oft mit den Jesuiten und der Gegenreformation verbunden. Zu ihnen zĂ€hlen die Vasa-Kapelle an der Wawel-Kathedrale und die Kasimir-Kapelle an der Wilnaer Stanislauskathedrale, die Krakauer Jesuitenkirche, die Krakauer Kamaldulenserkirche, die Krakauer Martinskirche und das Kloster Heiligelinde. Zu prophanen BaudenkmĂ€lern des FrĂŒhbarock zĂ€hlen der Ende des 16. Jahrhunderts nach einem Brand wiederaufgebaute NordflĂŒgel des Wawel-Schlosses (Saal unter den Vögeln und Senatorentreppe), das Warschauer Königsschloss, der Warschauer Kazanowski-Palast sowie das Schloss UjazdĂłw. Zu der frĂŒhbarocken bĂŒrgerlichen Architektur gehört das Lissaer Rathaus.

In der Zeit des reifen Barocks trat die neue Hauptstadt Warschau als Mittelpunkt hervor, wo vor allem Tylman van Gameren tĂ€tig war. Bedeutende Sakralbauten des Hochbarocks sind die Warschauer Kasimirkirche, Krakauer Annakirche, Krakauer Thomaskirche, die Krakauer Kapuzinerkirche, die Krakauer Maria-EmpfĂ€ngnis-Kirche, die Krakauer Agneskirche, Krakauer Theresienkirche, die Wilnaer Peter-und-Paulskirche, die Grodner Jesuitenkirche, das Posener Jesuitenkolleg, das Kloster WoĆșniki, das Kloster Tschenstochau, die Danziger Königliche Kapelle, die Lubliner Johanneskathedrale, die Warschauer Kapuzinerkirche, die CzerniakĂłwer Antoniuskirche und die Warschauer Antoniuskirche. Große PalĂ€ste im Versailler Stil entstanden in und um Warschau, wie zum Beispiel der WilanĂłw-Palast, der Koniecpolski-Palast, der Czapski-Palast, der Pac-Palast, das Palais Marymont, der OssoliƄski-Palast, der Primas-Palast, der KrasiƄski-Palast, das Schloss Ostrogski, das Eiserne Tor oder das Handelszentrum Marywil, sowie in und um Masowien, wie zum Beispiel der PuƂawer Czartoryski-Palast, der Otwocker Palast, das Schloss NieborĂłw, sowie in Ostpolen, wie zum Beispiel der BiaƂystoker Branicki-Palast, das Schloss ƁaƄcut, das Schloss RzeszĂłw oder das Schloss Ostrometzko. In Wejherowo stiftete Jakob von Weiher den Kaschubischen Kalvarienberg. In Danzig entstanden das Schildkrötenhaus, das Lachshaus, das Haus am Langen Markt 20 und das Czirenberg-Haus.

Der SpĂ€tbarock entwickelte sich parallel zum Rokoko. WĂ€hrend in Warschau bereits das Rokoko dominierte, entwickelte sich im Osten Polen-Litauens die Wilnaer Schule des Barock, auch Wilnaer Barock genannt, deren Hauptvertreter Johann Christoph Glaubitz war. Zu den bedeutendsten Werken des Wilnaer Barock zĂ€hlen in Wilna und Umgebung die Augustianerkirche, Heilig-Geist-Kirche, Jesuitenkirche, das Kloster PaĆŸaislis, die Berezweczer Basilianerkirche und die PoƂocker Sophiakirche. Zu den spĂ€tbarocken sakralen Bauwerken zĂ€hlt auch die Lemberger Dominikanerkirche, die Lemberger Sankt-Georgs-Kathedrale, das Zisterzienserkloster Wągrowiec, das Kloster Ląd und das Krakauer Paulinerkloster. Zu den spĂ€tbarocken profanen Bauten in Polen-Litauen zĂ€hlen in Warschau das SĂ€chsisches Palais, der Sapieha-Palast, der Bischofspalast, der Palast unter dem Blechdach, das Palais Kotowski, der Blank-Palast, das Palais Sanguszko, das MaƂachowski-Palais, der Symonowicz-Palast und der Blaue Palast sowie in Ostpolen der PuƂawyer Czartoryski-Palast, das Schloss Rydzyna und der Krystynopoler Potocki-Palast. Zur bĂŒrgerlichen Architektur des SpĂ€tbarock zĂ€hlen das BiaƂystoker Rathaus und das MƂawer Rathaus. Im SpĂ€tbarock entstand auch die Holzkirche St. Michael in Szalowa.

Im damals böhmischen Schlesien entwickelte sich nach den VerwĂŒstungen des DreißigjĂ€hrigen Kriegs eine rege BautĂ€tigkeit in der Epoche des Barock. Erhalten geblieben beziehungsweise nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut sind unter anderem in Breslau das Stadtschloss, der Erzbischofpalast, die Namen-Jesu-Kirche, die Antoniuskirche, die Klarakirche, die Kyrill-und-Method-Kirche, die Hofkirche, die Dreifaltigkeitskirche, das Matthias-Gymnasium (Ossolineum) und das Kloster der Kreuzherren mit dem Roten Stern. Vom Palais Hatzfeld ist nur das Eingangsportal erhalten. Weitere bedeutende barocke BaudenkmĂ€ler sind ĂŒber ganz Schlesien verteilt: die MariĂ€-Heimsuchung-Basilika in Bardo, die Marienbasilika in GrĂŒssau, die Marienkirche in Leubus, das Kloster Paradies, das Kloster Kamenz, das Benediktinnenkloster Liegnitz, die Liegnitzer Johanneskirche, die Albendorfer Wallfahrtsbasilika, die SchĂ€delkapelle Tscherbeney, die Seitscher Martinskirche, die Wohlau Karlskirche, die Brieger Kreuzerhöhungskirche, die Neißer Peter-und-Paulskirche, die Bielitzer Gottesvorsehungskirche, die Teschener Jesuskirche, die Ottmachauer Nikolauskirche, die Jauerer Friedenskirche, die Schweidnitzer Friedenskirche, das Sprottauer Rathaus, das Bunzlauer Rathaus, das Hirschberger Rathaus, das Liegnitzer Alte Rathaus, das Glatzer Jesuitenkolleg, das Wallensteinsche Schloss Sagan, das Schloss Mittelwalde, das Schloss Annaberg, das Schloss Lessendorf und das Schloss Buchenhöh. Eine besonders hohe Dichte an Herrensitzen, Schlössern und PalĂ€sten weist das Hirschberger Tal auf. Auch Schloss FĂŒrstenstein wurde im Barock ausgebaut.

WĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Krieges starb das pommersche FĂŒrstengeschlecht der Greifen aus, und Pommern gehörte wĂ€hrend des Hoch- und SpĂ€tbarock zu Schweden. Im Gegensatz zu Schlesien sind in Pommern relativ wenige barocke ArchitekturdenkmĂ€ler erhalten geblieben beziehungsweise nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut worden. Zu diesen gehören das Landeshaus, das Königs- und das Berliner Tor in Stettin, das RĂŒgenwalder Rathaus, die Stargarder Hauptwache und das Schloss Manteuffel.

In der Zeit des Barock wurden in Polen-Litauen auch zahlreiche GĂ€rten und Parkanlagen angelegt, unter anderem der Warschauer Königsschlossgarten der SĂ€chsische Garten, der KrasiƄski-Garten, Ɓazienki-Park, Ujazdowski-Park, der Lubomirski-Garten, der RaczyƄski-Garten und der Branicki-Garten.

Rokoko

Der SpĂ€tbarock und das Rokoko sind von der Zeit der Sachsenkönige geprĂ€gt, insbesondere der Regierungszeit des zweiten Sachsenkönigs August III. Beide Sachsenkönige brachten ihre in Dresden tĂ€tigen Architekten und KĂŒnstler an den Königshof in Warschau, wo der neue Stil schnell angenommen wurde. Als erster Architekt, der im Rokoko-Stil in Polen-Litauen baute, gilt der in Turin geborene Franzose Juste-AurĂšle Meissonnier, der im PuƂawyer Czartoryski-Palast und spĂ€ter in Warschau tĂ€tig war. Der wichtigste Architekt des polnischen Rokoko war allerdings wie bereits seit der Renaissance ebenfalls ein Italiener – der gebĂŒrtige Römer Francesco Placidi. Zu den weiteren bedeutendsten Rokoko-Architekten, die in Polen-Litauen tĂ€tig waren, zĂ€hlen Jan de Witte, Joachim Daniel Jauch, Johann Friedrich Knöbel, Bernhard Meretyn, Giacomo Fontana, Ricaud de Tirregaille, Tomasz Rezler und Johann Sigmund Deybel von Hammerau. Die meisten Rokoko-Bauten entstanden in Warschau, sind jedoch aufgrund der Zerstörung des Zweiten Weltkriegs nicht erhalten geblieben und wurden aufgrund des großen Aufwands nur vereinzelt rekonstruiert. Über den Wiederaufbau der Westseite des ehemaligen Sachsen-Platzes mit dem SĂ€chsischen Palais, dem BrĂŒhlschen Palais und den BĂŒrgerhĂ€usern an der Ecke des Platzes zur Königsstraße wird seit 2005 diskutiert.

Zu den wichtigsten erhaltenen GebĂ€uden, die im Stil des polnisch-litauischen Rokoko neu- oder umgebaut wurden, gehören sakrale Bauten wie die Warschauer Visitantinnen-Kirche, die Warschauer Anna-Kirche, die Warschauer Heilig-Kreuz-Kirche, die Lemberger Georgskathedrale, das MariĂ€-Entschlafens-Kloster Potschajiw, die CheƂmer Apostelkirche und die Krakauer Piaristenkirche. Die Holzkirche St. Stephan in MnichĂłw gilt als einzige erhaltene Holzkirche des Rokoko.

Zu den wichtigsten erhaltenen GebĂ€uden, die im Stil des polnisch-litauischen Rokoko neu- oder umgebaut wurden, gehören profane Bauten wie der Äbtepalast zu Oliva, der Bischofspalast CiÄ…ĆŒeƄ, der Tscherwonohrader Potocki-Palast, das Butschatscher Rathaus, das Krakauer Markgrafenhaus, das Warschauer John-Haus, das Warschauer Palais Abramowicz, der Warschauer Borch-Palast, der Warschauer Branicki-Palast an der Honigstraße, das Warschauer PraĆŒmowski-Palais, der MƂociner BrĂŒhl-Palast, der Warschauer Chodkiewicz-Palast, der Warschauer DembiƄski-Palast, das Warschauer StroƄski-Palais, der Warschauer Przebendowski-Palast, der Warschauer HumaƄski-Palast, der Warschauer JabƂonowski-Palast, der Warschauer Wessel-Palast, der Warschauer Szaniawski-Palast, das Warschauer Chodkiewicz-Palais an der Kirchgasse, der Warschauer Collegium Nobilium, der Warschauer Potocki-Palast, der Warschauer Palast zu den vier Winden, der Warschauer Mokronowski-Palast, das Warschauer Palais Sanguszko, der Warschauer Zamoyski-Palast an der Neuen Welt, der Warschauer MƂodziejowski-Palast, der Warschauer RadziwiƂƂowa-Palast, der Warschauer PotkaƄski-Palast, der Warschauer Karaƛ-Palast, das Warschauer Tepper-Palais und das Warschauer Palais Lelewel (die drei Letztgenannten nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht wieder aufgebaut), der Lemberger Lubomirski-Palast, der KotuliƄski-Palast in Czechowice-Dziedzice und die Orangerie des Potocki-Palastes in RadzyƄ Podlaski.

In Schlesien sind aus der Zeit des habsburgerischen Rokoko vor allem MariensĂ€ulen erhalten, wie zum Beispiel die LeobschĂŒtzer MariensĂ€ule, die Ratiborer MariensĂ€ule, die Hirschberger MariensĂ€ule (trĂ€gt bereits klassizistische ZĂŒge), die Glatzer MariensĂ€ule und Oberglogauer MariensĂ€ule (beide Übergang vom Barock zum Rokoko).

Klassizismus

In den Jahren der Regentschaft des letzten polnisch-litauischen Königs Stanislaus II. August Poniatowskis begann die Epoche des Klassizismus, der frĂŒhe Klassizismus wird in Polen-Litauen daher auch als Stanislaus-Stil bezeichnet. Nach der Dritten Teilung Polens und der Abdikation von Stanislaus II. August Poniatowski 1795 ĂŒberdauerte der Klassizismus die napoleonische Zeit bis in die Zeit des Kongresspolens vor dem Novemberaufstand. Zentrum des Klassizismus war wieder Warschau und wieder waren es italienische Architekten, die die Architektur Polen-Litauens in dieser Kulturepoche prĂ€gten, allen voran Domenico Merlini und Carlo Spampani unter Stanislaus II. August Poniatowski sowie Antonio Carozzi in Kongresspolen des frĂŒhen 19. Jahrhunderts. Weitere bedeutende Architekten des Klassismus in Polen-Litauen waren Chrystian Piotr Aigner, Laurynas Gucevičius, Johann Christian Kamsetzer, Ephraim Schröger, Wilhelm Heinrich Minter, StanisƂaw Zawadzki, Jakub Kubicki und Simon Gottlieb Zug.

Das ehrgleizigste Bauprojekt Stanislaus II. August Poniatowskis war der Ausbau der Schlösser und PalĂ€ste im Warschauer Königlichen Park der BĂ€der „Ɓazienki KrĂłlewskie“. Hierzu ließ er durch Domenico Merlini und Johann Christian Kamsetzer das Badeschloss der Lubomirski in UjazdĂłw bei Warschau in den Palast auf dem Wasser umbauen. Auf Domenico Merlini gehen im Ɓazienki-Park zudem die Eremitage, das Weiße Haus, das Jagdschloss, der Wasserturm, die Neue Wache und die Alte Orangerie sowie auf Johann Christian Kamsetzer die Alte Wache und das Amphitheater. Die Offizierschule und Invalidenkaserne im Ɓazienki-Park geht auf Wilhelm Heinrich Minter zurĂŒck. Jakub Kubicki baute im Park das Belvedere, der Kubicki-Stahl und das erste Projekt des Tempels der Göttlichen Vorsehung. Die Neue Orangerie wurde von Adolf Loewe und JĂłzef OrƂowski gestaltet und das Narutowicz-Haus auf Andrzej GoƂoƄski. Weitere bekannte romantische Parkanlagen neben dem Ɓazienki-Park wurden im 18. Jahrhundert in PuƂawy, Arkadia und Radziejowice angelegt.

Weitere Beispiele des Stanislaus-Stils sind der Parlamentssaal auf dem Warschauer Königsschloss, der JabƂonnaer Potocki-Palast, der Warschauer KrĂłlikarnia-Palast, der Natoliner Potocki-Palast die Warschauer Orthodoxe Marienkirche, die Warschauer Karmelitenkirche, der Warschauer Dziekana-Palast, der Warschauer Borch-Palast, der Warschauer RaczyƄski-Palast, der Warschauer Tyszkiewicz-Palast, die Dorotheakirche in Petrykozy, die HofgebĂ€ude des Warschauer Czapski-Palast, die Warschauer Dreifaltigkeitskirche, der Garten Arkadia, und die Marienkirche in Kock sowie das Burggassentor in Lublin.

Im Stil des spĂ€ten Klassizismus wurde das damals grĂ¶ĂŸte TheatergebĂ€ude der Welt von Antonio Corazzi, der im Stil des Palladianismus schuf, in Warschau errichtet. Dazu kamen die GebĂ€ude der Alten Warschauer Wertpapierbörse, der Polnischen Bank, der LeszczyƄski-Palast, das UrsynĂłwer KrasiƄski-Palais, der HoƂowczyc-Palast, der Staszic-Palast, der Lubomirski-Palast, der Uruski-Palast, der Mostowski-Palast, das Palais ƚleszyƄski, das Palais zur Artischocke, das Warschauer Arsenal, das Haus unter den SĂ€ulen, das Warschauer Astronomische Observatorium sowie die Warschauer Alexanderkirche. Zu spĂ€tklassizistischen BaudenkmĂ€lern zĂ€hlen die Warschauer Zitadelle, die Warschauer Alte Synagoge sowie die Warschauer Hospitalsynagoge (die beiden Letztgenannten im Zweiten Weltkrieg zerstört). Auf Antonio Corazzi geht auch der Radomer Sandomierski-Palast zurĂŒck.

Bedeutende klassizistische BaudenkmĂ€ler außerhalb von Warschau sind das Oppelner Alte Posthaus, die Breslauer Elftausend-Jungfrauen-Kirche sowie die Breslauer Alte Börse, die Reichenbacher Maria-Mutter-der-Kirche-Kirche, die Porembaer FĂŒrstliche Fasanerie, die PƂocker Kleine Synagoge, der Pawlowitzer MielĆŒyƄski-Palast, die Tschenstochauer Neue Synagoge, der Zegrzer RadziwiƂƂ-Palast, das Schloss Dyhernfurth, das Schloss Juditten, die Groß Wartenberger Evangelische Kirche, die Krippitzer Synagoge, die Orlaer Synagoge, die Praschkauer Synagoge, die Siemiatyczer Synagoge, die Kempener Synagoge, die WƂodawaer Große Synagoge, der Wilnaer Bischofspalast und das Rathaus Vilnius.

Historismus

Der Historismus begann im bereits zwischen Preußen, Russland und Österreich geteilten Polen-Litauen um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, als der Klassizismus noch anhielt. Als erstes Bauwerk des Historismus gilt das neogotische Gotikhaus im romantischen Park PuƂawy des klassizistischen Architekten Chrystian Piotr Aigner aus der ersten Dekade des 19. Jahrhunderts. Die Zentren der polnischen Architektur des 19. Jahrhunderts waren in Kongresspolen Warschau und ƁódĆș, wo viele BĂŒrgerhĂ€user und Schlösser im Stil des Historismus errichtet wurden, in Galizien Krakau und Lemberg sowie Posen und Bydgoszcz in Preußen.

Als erster Stil des Historismus setzte sich nach den napoleonischen Kriegen die Neugotik durch. Sie entwickelte sich in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts zu dem sogenannten Weichsel-Ostsee-Stil, der an die Backsteingotik Krakaus und Nordpolens anknĂŒpfte. Wichtige Vertreter dieses Architekturstils waren JĂłzef Pius DziekoƄski, Enrico Marconi und Alexis Langer. Zu den bedeutenden Bauwerken der Neugotik in Polen zĂ€hlen der Dowspudaer Pac-Palast (nur Eingangsbereich erhalten), das Schloss KĂłrnik, das Schloss Kamenz, der Breslauer Hauptbahnhof, der Bahnhof Neu SkalmierschĂŒtz, das Haus der Warschauer Rudergesellschaft, die Krzeszowicer Martinskirche von Karl Friedrich Schinkel und die Posener Erlöserkirche. Beispiele fĂŒr den Weichsel-Ostsee-Stil sind die Warschauer Michaelsbasilika, die Krakauer Josefskirche und die Ć»yrardĂłwer Marienkirche.

Die Neuromanik setzte sich spĂ€ter durch als die Neugotik. Sie spielte gegenĂŒber letzterer eine untergeordnete Rolle und setzte sich nur im preußischen Landesteil wirklich durch. Zu den wichtigsten BaudenkmĂ€lern der Neuromanik in Polen zĂ€hlen insbesondere das Posener Kaiserschloss, das Schloss Juditten, das Danziger Akademische Gymnasium, die Krypta verdienter Polen auf dem SkaƂkahĂŒgel, die Warschauer NoĆŒyk-Synagoge, die Buker Synagoge sowie die nicht mehr erhaltenen schlesischen Synagogen in Gleiwitz, Myslowitz, Cosel, Kreuzburg und Ratibor, die Ostrower Stanislauskonkathedrale, die Breslauer Augustinuskirche, die Beuthener Barbarakirche, die Zakopaner Heilige Familie, die Warschauer Katherinenkirche, die Neusalzer Antoniuskirche, die FriedenshĂŒtter Pauluskirche, die Oppelner Peter- und Paulskirche, die Thorner Dreifaltigkeitskirche, die WszembĂłrzer Nikolauskirche, die Zabrzer Annakirche, das Breslauer StĂ€dtische Hallenbad, das Nimptscher Rathaus und das Stettiner Nationalmuseum.

Die Neorenaissance setzte in Polen zeitgleich mit der Neuromanik ein, erreichte ihren Höhepunkt jedoch erst in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts. Der fĂŒhrende Architekt der Neorenaissance in Kongresspolen war der gebĂŒrtige Italiener Enrico Marconi. Er schuf im neuen Stil unter anderem den Warschauer Wiener Bahnhof, die Warschauer Karlskirche, die WilanĂłwer Annakirche, die Warschauer Allerheiligenkirche und das Warschauer Europahotel. Als weitere Beispiele der Neorenaissance in Polen gelten der Uruski-Palast, der Thorner Artushof, das Schloss Neudeck, der Breslauer KornĂłw-Palast, der Krakauer Puget-Palast. Eine Abwandlung der Neorenaissance war der Arkadenstil, in dem unter anderem die Kattowitzer Auferstehungskirche, die Drohobytscher Choral-Synagoge und das Warschauer Hotel Bristol erbaut wurde. Besonders reich an Neorenaissance-Architektur ist ƁódĆș und hier insbesondere die Petrikauer Straße, so zum Beispiel mit dem Maurycy-PoznaƄski-Palast, dem Haus der StĂ€dtischen Kreditanstalt.

Der Neobarock folgte der Neorenaissance in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts. Stefan Szyller, der zunĂ€chst im Stil der Neorenaissance baute, war wohl der bekannteste Vertreter des Neobarocks in Polen. Sein bekanntestes Bauwerk in diesem Stil ist die Galerie Zachęta im Zentrum Warschaus, das allerdings teilweise auch bereits zum Eklektizismus gezĂ€hlt wird. In Bydgoszcz war dagegen JĂłzef ƚwięcicki tĂ€tig, der zahlreiche MietshĂ€user im Stil des Neobarocks entwarf, wie zum Beispiel das Adlerhotel, das ƚwięcicki-Haus, das Hecht-Haus, das Wolnoƛci-Haus. Weitere bedeutende Beispiele fĂŒr den Neobarock in Polen sind das Schloss Pleß, das Schloss Kochcice, das Schloss Smolice, der Warschauer Kronenberg-Palast (im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt und bisher nicht wieder aufgebaut), der Warschauer LeszczyƄski-Palast, das Breslauer Landeshaus, das Görlitzer Kulturhaus sowie das Bad Landecker Adalbert-Sanatorium.

Als letzte Stilrichtung des Historismus kam der Eklektizismus im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts nach Polen, der sich durch die Vermischung der anderen Architekturstile des Historismus kennzeichnete. Das bekannteste Bauwerk des Eklektizismus in Polen ist das Krakauer SƂowacki-Theater. Im gleichen Stil sind auch das Bielitzer Polnische Theater, das Teschener Mickiewicz-Theater, der ƁódĆșer Izraela-PoznaƄski-Palast, das Bielitzer Schloss, der Bielitzer Hauptbahnhof, das Neusandezer Rathaus, das Bad Landecker Rathaus, das Jaroslauer Rathaus, das Lubliner Grand Hotel Lublinianka, die AugustĂłwer Heilig-Herz-Basilika, die Warschauer Erlöserkirche, das HauptgebĂ€ude der Technischen UniversitĂ€t Warschau, die Warschauer Philharmonie (im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht mehr originalgetreu aufgebaut), das Warschauer Foksal-Haus, das Warschauer Sommertheater (im Zweiten Weltkrieg zerstört und bisher nicht wieder aufgebaut), das ƁódĆșer Landau-Haus, die Ernst-Leonhardt-Villa, der Juliusz-Heinzl-Palast und die Krakauer KOMK-Bank gebaut worden.

Junges Polen

Der Jugendstil kam relativ frĂŒh in die polnischen Teilungsgebiete, entwickelte sich jedoch in den verschiedenen Landesteilen je nach politischer Zugehörigkeit zu Deutschland, Russland oder Österreich-Ungarn sehr unterschiedlich. Eine eigene Spielart der Wiener Secession, Junges Polen genannt, entwickelte sich in Galizien, insbesondere in Krakau. Wichtige Vertreter der Sezession waren Franciszek CheƂmiƄski, Dawid Lande, Franciszek MączyƄski, Franciszek Ruszyc und Gustaw Landau-Gutenteger. In der Bergregion Podhale entwickelte StanisƂaw Witkiewicz um 1890 den Zakopane-Stil. Weitere bedeutende Zentren des Jugendstils waren ƁódĆș, Warschau, Bydgoszcz, Bielsko-BiaƂa und Oberschlesien.

Bedeutende Beispiele der Sezession in Polen sind der Oppolner Ceresbrunnen, das Bielitzer Froschhaus, das Hirschberger Norwid-Theater, die Krakauer Jesu-Herz-Kirche, das Krakauer Haus unter dem Globus, das Krakauer Haus unter der Spinne, die Krakauer Michaliks Höhle, das Palais Nowik, das Hallenschwimmbad Breslau, das Breslauer Handelshaus Barasch, das Breslauer Hotel Monopol, die Breslauer Markthalle, die Technische UniversitÀt Breslau, der Wasserturm Breslau, das Warschauer Hotel Rialto und das Warschauer Hotel Savoy.

Zwischenkriegszeit

Einer der wichtigsten polnischen Architekten der Zwischenkriegszeit war Adolf Szyszko-Bohusz, der unter anderem das PrĂ€sidentenschloss in WisƂa erbaute. Der Erste Weltkrieg brachte viele Zerstörungen in SĂŒdpolen. Viele öffentliche GebĂ€ude wurden im Art-dĂ©co-Stil, Funktionalismus und Modernismus wiederaufgebaut oder neu gebaut. Hierzu zĂ€hlen zum Beispiel das neue SejmgebĂ€ude, das Warschauer Prudential-Hochhaus, das Warschauer Haus ohne Ecken, das HauptgebĂ€ude der Warsaw School of Economics, das GebĂ€ude der Polnischen Wertpapierdruckerei, das Warschauer GebĂ€ude des Fernmeldeamtes, die Pferderennbahn SƂuĆŒewiec, das Breslauer Warenhaus Wertheim, die Nationalmuseen in Warschau und Krakau, die Jagiellonische Bibliothek, die Zabrzer Josephskirche, die Breslauer Gustav-Adolf-Kirche, das Breslauer Kaufhaus Rudolf Petersdorff, die Stettiner Heilige-Familie-Kirche, die Seefahrt-Akademie Gdynia, der Kattowitzer Wolkenkratzer oder die Kattowitzer Christkönigskathedrale. Ein bedeutendes GebĂ€ude des Modernismus, das bereits vor dem Ersten Weltkrieg entstand, ist die Breslauer Jahrhunderthalle.

Sozialistischer Klassizismus

Die bisher grĂ¶ĂŸte Zerstörung der polnischen Bausubstanz brachte der Zweite Weltkrieg. Warschau wurde systematisch zerstört, die BaudenkmĂ€ler in Ostpolen kamen an die Sowjetunion und alle grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte Polens bis auf Krakau wurden durch Kriegshandlungen erheblich beschĂ€digt. Der Wiederaufbau in der Nachkriegszeit wurde mustergĂŒltig aufgenommen – die polnischen Restauratoren genießen Weltruhm –, ist aber auf absehbare Zeit nicht abzuschließen. Die Altstadt und die Neustadt von Warschau sowie das Weichselviertel Mariensztat wurden in den 1970er Jahren und das Königsschloss in den 1980er Jahren wiederaufgebaut. Die UNESCO wĂŒrdigte die Leitung der polnischen Restauratoren mit der Aufnahme der wiederaufgebauten Altstadt in das Weltkulturerbe im Jahr 1980. Die Bausubstanz des 19. Jahrhunderts im Zentrum um die MarszaƂkowska-Straße, die Aleje Jerozolimskie und die ƚwiętokrzyska-Straße scheinen aber fĂŒr immer verloren. An ihrer Stelle entstanden monumentale GebĂ€ude im Stil des Sozrealismus, allen voran der Kulturpalast, der Warschauer Platz der Verfassung und das Vorzeigeviertel MDM. Auch in Breslau, Danzig, Stettin und Posen wurden die AltstĂ€dte zum großen Teil originalgetreu wieder aufgebaut. Den Zweiten Weltkrieg relativ unversehrt ĂŒberstanden haben dagegen Krakau, ƁódĆș und Lublin sowie die nach der Westverschiebung Polens nunmehr zur Sowjetunion gehörenden StĂ€dte Lemberg und Wilna.

Weitere bedeutende GebĂ€ude des Sozrealismus in Polen sind das BiaƂystoker ParteigebĂ€ude, das KönigshĂŒtter Schlesische Planetarium, der Dombrowaer Kohlenbeckener Kulturpalast, der Hauptbahnhof Gdynia, das HauptgebĂ€ude der Wissenschaftlich-Technischen UniversitĂ€t Krakau, das Krakauer Viertel Nowa Huta mit dem Zentralplatz, der Allee der Rosen und dem Kino ƚwiatowid, das ƁódĆșer Große Theater, das RzeszĂłwer Appellationsgericht, das RzeszĂłwer Musikinstitut, das Warschauer Finanzministerium, das Warschauer Grand Hotel und die Russische Botschaft in Warschau. WĂ€hrend der Volksrepublik entstanden auch neben dem Kulturpalast weitere Wolkenkratzer in der Warschauer Innenstadt wie die HochhĂ€user der Ostwand, das Novotel Warszawa Centrum, das Intraco I, das Centrum LIM und der Oxford Tower.

Gegenwartsarchitektur

Der Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ging nach dem Ende der Volksrepublik weiter, wenn auch nicht mehr so originalgetreu wie in den 1940er und 1950er Jahren. Einige PalĂ€ste sind in den 1990er Jahren wieder erstanden, als Beispiel kann hier der JabƂonowski-Palast gelten. Es wurde jedoch nur die Fassade originalgetreu aufgebaut, wĂ€hrend im Inneren ein modernes BĂŒrogebĂ€ude entstand. DemnĂ€chst soll mit dem Wiederaufbau der SĂ€chsischen und BrĂŒhlschen PalĂ€ste und der Wiedererrichtung der GĂ€rten des Königsschlosses begonnen werden.

In den 1990er Jahren begann ein Bauboom von Wolkenkratzern, die von namhaften Architekten wie beispielsweise dem EnglĂ€nder Norman Foster und dem Amerikaner polnischer Herkunft Daniel Libeskind entworfen wurden. Insbesondere die westliche Innenstadt entlang der Johannes-Paul-II.-Allee und das sich im Westen anschließende Viertel Wola ist von moderner Architektur umgeben. Zu den interessantesten neuen GebĂ€uden gehören das Warsaw Spire, der Warsaw Trade Tower, das Q22, das Rondo 1-B, die ZƂota 44, das Warsaw Financial Center, das InterContinental, das Cosmopolitan Twarda 2/4, der TP S.A. Tower, das Blue Tower Plaza, der ORCO Tower, das Millennium Plaza, die Goldenen Terrassen, das Ilmet, der PZU Tower, das Hotel The Westin Warsaw und das Plac Unii. Weitere Wolkenkratzer sind in Kattowitz (unter anderem das Altus), Krakau (unter anderem das K1 und der derzeit umgebaute Unity Tower) in Breslau (unter anderem der Sky Tower), in Posen (unter anderem der Andersia Tower und das PoznaƄ Financial Centre) in der Dreistadt Danzig-Gdynia-Sopot (unter anderem die Sea Towers und der Neptun) und in Stettin (unter anderem das Pazim) entstanden. Bemerkenswert sind auch Norman Fosters Warschauer Metropolitan, die Warschauer ƚwiętokrzyski-BrĂŒcke, die Warschauer Siekierkowski-BrĂŒcke, das um- und ausgebaute GebĂ€ude des Warschauer Museum des Warschauer Aufstandes, das GebĂ€ude des Warschauer Museums der Geschichte der polnischen Juden POLIN, das Krakauer GebĂ€ude des Museums der Japanischen Kunst und Technik Manggha, das Warschauer Wissenschaftszentrum Kopernikus und das GebĂ€ude des Danziger Museums des Zweiten Weltkriegs sowie das GebĂ€ude des Danziger EuropĂ€ischen Zentrums der Solidarnoƛć.

Zu den neuen sakralen GebĂ€uden zĂ€hlen der Tempel der Göttlichen Vorsehung in Warschau, das Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes und die Johannes-Paul-II-Kirche in Krakau sowie die Basilika der Muttergottes von LicheƄ in LicheƄ Stary.

Im Bau befindet sich neben dem nach Fertigstellung höchsten GebÀude in der EuropÀischen Union Varso Tower auch die Nowa Emilia, der Spinnaker, der Skyliner, der Port Praski, der Mennica Legacy Tower, der Spark, das The Warsaw Hub, das B4 Office Center, das J44, der Unique Tower, das Aura Sky und Chmielna 89.

Film

Die Geschichte des polnischen Films reicht in die Jahre 1894–1896 zurĂŒck, als Kazimierz PrĂłszyƄski den Pleographen erfand, mit dem er kleine Szenen des Alltags in Warschau filmte. Als erste bekannte polnische Filmaufzeichnung gilt die Szene ƚlizgawka w Ɓazienkach mit Schlittschuhfahrern im Warschauer Ɓazienki-Park. Der Kameramann BolesƂaw Matuszewski realisierte kleinere Dokumentarfilme im Auftrag der französischen Firma der BrĂŒder LumiĂšre. Weitere bekannte Filmschaffende der Anfangszeit waren Antoni Fertner und Pola Negri. In der Zwischenkriegszeit produzierten Ryszard OrdyƄski, Adolf Dymsza, Jan Kiepura, Wanda Jakubowska und Eugeniusz Bodo.

In der Volksrepublik waren zudem Leonard Buczkowski, Andrzej Munk, Tadeusz Konwicki, Jerzy Kawalerowicz, Wojciech Has, Roman PolaƄski, Marek Piwowski, Andrzej Wajda, Krzysztof Kieƛlowski, StanisƂaw Bareja, Kazimierz Karabasz, Krzysztof Zanussi, Juliusz Machulski, Kazimierz Kutz, Agnieszka Holland, Aleksander Ford, Jerzy Toeplitz, Walerian Borowczyk, Jan Lenica, Ryszard Bugajski, Filip Bajon, Jerzy Hoffman, Stefan Themerson und Andrzej Ć»uƂawski tĂ€tig. In ƁódĆș entstand die Polnische Filmschule. Seit den 1970er Jahren findet das Polnische Filmfestival in Gdynia statt. Der gegenwĂ€rtige polnische Film mit Regisseuren wie WƂadysƂaw Pasikowski, Krzysztof Krauze, SƂawomir Fabicki, Robert GliƄski, Marek Koterski, Feliks Falk, Piotr Trzaskalski und Jan Komasa findet weltweit Anerkennung. Seit 1999 wird der Polnische Filmpreis vergeben.

Medien

Pressefreiheit

Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen sieht in Polen „erkennbare Probleme“ fĂŒr die Pressefreiheit. Die Organisation kritisiert insbesondere, dass die Regierungen seit 2015 den öffentlichen Rundfunk unter ihre Kontrolle gebracht hĂ€tten und private regierungskritische Medien durch die Justiz und den Entzug von Werbeanzeigen unter Druck gesetzt wĂŒrden.

Fernsehen

Neben den öffentlich-rechtlichen FernsehkanÀlen von Telewizja Polska (TVP; dt. Polnisches Fernsehen) gibt es zwei weitere ebenfalls landesweit und flÀchendeckend empfangbare bedeutsame private FernsehkanÀle: TVN und Polsat.

Bis 1992 besaß nur das öffentlich-rechtliche Fernsehen eine Sendeerlaubnis. 1992 kam Polsat hinzu, 1997 folgte TVN.

Der polnische Fernsehmarkt hat sich seit den 1990er Jahren bis heute kontinuierlich weiterentwickelt, sodass die frĂŒheren wichtigsten Anbieter TVP, TVN und Polsat von einzelnen KanĂ€len zu Paketen aus mehreren KanĂ€len ausgebaut wurden. So findet man in jedem Paket jedes Anbieters zusĂ€tzlich auch einen Nachrichten-, Kultur-, Dokumentations-, Spielfilm- und Sportsender.

Die Landschaft an öffentlich-rechtlichen regionalen KanĂ€len ist der in Deutschland Ă€hnlich. Es gibt 16 selbststĂ€ndige staatliche KanĂ€le mit regionaler Ausrichtung (Die Dritten). Fernsehsender mit dem grĂ¶ĂŸten Marktanteil war 2012 TVP1 mit 15,41 Prozent. Es folgten Polsat (13,97 %), TVN (13,93 %) und TVP2 (12,56 %).

Hörfunk

Die öffentlich-rechtliche polnische Hörfunkanstalt Polskie Radio betreibt die drei wichtigsten landesweit empfangbaren staatlichen Radioprogramme. Diese sind Jedynka (Das Erste) mit Schwerpunkt auf Politik, Kultur, Reportagen, DwĂłjka (Das Zweite) als Kultursender sowie TrĂłjka (Das Dritte) vor allem fĂŒr jĂŒngere Menschen. Es wird auch ein dichtes Netz aus 17 staatlichen regionalen Radiosendern betrieben. Die staatliche Rundfunkanstalt hat in den 1990er Jahren ernstzunehmende Konkurrenz durch die privaten Radiosender Radio Zet (ein landesweiter Sender) und RMF FM (Netz aus etwa 20 regionalen Sendern) bekommen, die sich bei 15- bis 35-JĂ€hrigen grĂ¶ĂŸter Beliebtheit erfreuen.

Eine Besonderheit der polnischen Medienlandschaft ist die Existenz stark religiös ausgerichteter Sender, wie TV Trwam und Radio Maryja, die in katholisch-konservativen Kreisen gehört werden.

Den grĂ¶ĂŸten Marktanteil konnte 2004 RMF FM mit 23,95 Prozent verbuchen. Es folgten Radio Zet (21,41 %), Polskie Radio 1 (15,51 %), Polskie Radio 3 (5,32 %) und Radio Maryja (2,39 %).

Die Hörfunk- und Fernsehsender werden von einer staatlichen Aufsichtsbehörde, der Rada MediĂłw Narodowych (dt. Rat Nationaler Medien) lizenziert und ĂŒberwacht.

Print- und Internetmedien

AuflagenstĂ€rkste ĂŒberregionale Tageszeitungen sind die Boulevardzeitungen Fakt und Super Express sowie die Gazeta Wyborcza und Rzeczpospolita. SĂ€mtliche Tageszeitungen haben in den letzten Jahren an Lesern verloren, insbesondere die Gazeta Wyborcza ist von einer ursprĂŒnglichen Auflagenzahl von knapp einer halben Million auf ca. 100.000 im Oktober 2017 gefallen.

Zu den auflagenstĂ€rksten meinungsbildenden Wochenmagazinen gehören Goƛć Niedzielny, Polityka, Newsweek Polska und Sieci. Die wichtigste polnische Presseagentur ist die Polska Agencja Prasowa (PAP). FĂŒr englischsprachige Leser erscheinen die Warsaw Voice und das Warsaw Business Journal. In der Vergangenheit gab es die deutschsprachige polen-rundschau.

1990 gab es 3007 Zeitschriften, die Zahl wuchs bis 1999 auf 5444. Die Zahl der Tageszeitungen sank von 1990 bis 2000 von 130 auf 66. AuflagenstÀrkste war 2004 Fakt.

Die bekanntesten Internetportale sind Onet.pl, Wirtualna Polska und Interia.pl.

Im Jahr 2019 nutzten 85 Prozent der Einwohner Polens das Internet.

BrÀuche

Nationale und regionale BrĂ€uche werden vor allem auf dem Land aufrechterhalten. Sie sind mit den verschiedenen Religionen, besonders der römisch-katholischen, verbunden. Wichtig sind die Feste der verschiedenen religiösen Gemeinschaften: Sternsinger, Kulig, Wigilia und Pasterka an Weihnachten, Friedhofsfeiern an Allerheiligen und Allerseelen Zaduszki, das Fronleichnamsfest in Ɓowicz, die Mysterienspiele in Kalwaria Zebrzydowska, das kaschubische Bootsfest, der Dominikaner Jahrmarkt in Danzig, das Sopot Festival und das Festival in Jarocin, der Fette Donnerstag vor Aschermittwoch, das vorösterliche Eierkratzen, die Osterpalme an Palmsonntag in Lipnica Murowana, die Osterspeisensegnung am Karsamstag, das an Ostermontag stattfindetende ƚmigus-dyngus und Siuda Baba, aber auch das orthodoxe Jordanfest in Drohiczyn und das muslimisch-tatarische Kurban Bajram in Bohoniki. Pilgerfahrten erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, etwa die katholischen Wallfahrten nach Tschenstochau, Heiligelinde, LicheƄ Stary, Kalwaria Zebrzydowska, Ɓagiewniki und zum St. Annaberg, aber auch die jĂŒdischen Grabbesuche der chassidischen Mystiker Elimelech aus LeĆŒajsk und Moses Isserles aus Krakau, die orthodoxe Wallfahrt nach Grabarka, das Erntedankfest DoĆŒynki und die Studentenfeste der Juwenalia. Polnische Abiturienten begehen hundert Tage vor der AbiturprĂŒfung das Fest StudniĂłwka.

Viele der lokalen BrĂ€uche und Riten stehen in Zusammenhang mit den Jahreszeiten (z. B. die Zuwasserlassung der Wianki, die Versenkung der Marzanna und der Krakauer Lajkonik). Kunstwerke, die mit den BrĂ€uchen verbunden sind, umfassen die Ikonenmalerei vor allem in Podlachien, Lublin und dem Karpatenvorland, Schnitzereien mit religiösen (Jezus Frasobliwy) und weltlichen Motiven sowie die Stickereien – Koronki. Bekannt sind auch Trachten, insbesondere die aus Krakau und die der Goralen. Von den traditionellen BrĂ€uchen in der Architektur sind die Wegkapellen zu nennen, vor allem in den Beskiden und Masowien. Verbunden mit dem polnischen Brauchtum sind auch die traditionelle Musik (jĂŒdische Klezmer, Kammermusik, Mazurkas, Polonaisen, Krakowiaks und Polkas) sowie der Tanz (u. a. die Tanzensembles Mazowsze, ƚląsk und SƂowianki), das traditionelle Theater sowie die Mundartdichtung der Goralen, Kaschuben und Schlesier. Zu den besonders traditionsreichen Regionen gehören Kurpie und Podhale. Zalipie in Kleinpolen ist bekannt fĂŒr seine mit LĂŒftlmalerei bemalten BlumenhĂ€user. Die erwachsenen Polen begehen den Namenstag in grĂ¶ĂŸerem Umfang als den Geburtstag, der eher von Kindern in Polen gefeiert wird.

KĂŒche

Die polnische KĂŒche ist vielschichtig und vor allem mit den KĂŒchen der östlichen NachbarlĂ€nder Polens verwandt, weist aber auch zu den mitteleuropĂ€ischen und skandinavischen KĂŒchen einige Parallelen auf. In den Eigenheiten der polnischen KĂŒche spiegeln sich die historische Adelskultur und die bĂ€uerliche Kultur des Landes ebenso wider wie seine geographischen Gegebenheiten. Daneben gibt es viele traditionelle BrĂ€uche der Lebensmittelherstellung, wie z. B. der SchafskĂ€se Oscypek und die Bryndza der Goralen aus der Region Podhale, die Krakauer Brezel Obwarzanek und Krakauer WĂŒrste wie die großpolnischen Pyzy. Kabanos ist eine weitere beliebte polnische Wurstsorte. Auch der in Nordamerika sehr populĂ€re Bagel stammt ursprĂŒnglich aus Krakau, wo er 1610 zum ersten Mal in einer jĂŒdischen Quelle urkundlich erwĂ€hnt wird. In den USA sind zudem polnische Wursterzeugnisse sehr beliebt, die dort unter dem polnischen Namen Kielbasa oder einfach Polish Sausage vermarktet werden. Zu den bekanntesten polnischen Nationalgerichten gehören Pierogi, Ć»urek, GoƂąbki, Kluski ƛląskie, Krokiet, Bigos, Zrazy, Flaki, Pulpety, Kopytka, Pampuchy, Kaszanka, Kotlet schabowy, Czernina und Barszcz mit Uszka. Da in Polen viel gejagt und geangelt wird, stellen Wild und Fisch einen großen Bestandteil der polnischen KĂŒche dar. HĂ€ckerle und Ryba po grecku sind traditionelle Fischgerichte. Als Saucen werden insbesondere die Polnischen Saucen verwendet. Beliebte SĂŒĂŸwaren sind die Thorner Lebkuchen, Posener Martinshörnchen, Pączki, Faworki, KoƂaczyk, KoƂacz, Mazurek, Placek, Babka, Racuchy, Kulebjak, MakieƂki und MakĂłwki. Tee und Kaffee sind die meistgetrunkenen nichtalkoholischen GetrĂ€nke in Polen. Zu Mahlzeiten werden oft Kompott oder Mineralwasser getrunken. Zu den meistgetrunkenen alkoholischen GetrĂ€nken gehören Wodka und Bier. Wodka ist ein polnisches NationalgetrĂ€nk, der erste Wodka wurde in SĂŒdostpolen (Sandomierz) im Jahre 1405 hergestellt. Seit dem Mittelalter war in Polen der Honigwein Krupnik beliebt. Der Weinbau in Polen wird immer beliebter. In Polen gibt es immer mehr Winzer, die vor allem im SĂŒden und SĂŒdosten Weinberge anlegen. In den Bar mleczny, öffentlich bezuschussten Kantinen, die sich oft in den Stadtzentren befinden, kann man regelmĂ€ĂŸig traditionelle polnische KĂŒche zu relativ niedrigen Preisen bekommen.

Freizeit

Aufgrund der vielen Seen und der langen sandigen MeereskĂŒste sind Wassersportarten wie Segeln (u. a. Große Masurische Seen), Surfen (u. a. Hel), Tauchen (u. a. Danziger Bucht), Kajak (u. a. auf den FlĂŒssen Krutynia, Czarna HaƄcza, Drawa), Schwimmen und Angeln in Polen sehr beliebt. Bootsurlaub ist auf den revitalisierten Wasserwegen auch ein touristischer Faktor geworden. Die Polen nutzen die vielen WĂ€lder auch gerne zum Pilze sammeln. In den Bergen wird viel gewandert und Alpin Ski und Snowboard gefahren (u. a. Sudeten, Beskiden, Tatra). Rafting ist auf den GebirgsflĂŒssen, vor allem dem Dunajec im Pieniny-Durchbruch, sehr beliebt. Auch Segel- und Ballonfliegen ist in den Beskiden populĂ€r. Langlauf, Hundeschlittenfahren und Eissegeln werden in den Waldkarpaten und Masuren praktiziert. An den verschiedenen international bedeutenden StraßenlĂ€ufen nehmen zunehmend auch VolkslĂ€ufer teil. Das Schachspiel hat in Polen eine lange Tradition.

Sport

Die populĂ€rste Sportart des Landes ist Fußball. Der polnische Fußballverband ist Organisator der Ekstraklasa und der nachgeordneten Ligen. Die polnische Fußballnationalmannschaft wurde 1919 gegrĂŒndet und gehörte in den 1970er und 1980er Jahren zu den besten Teams der Welt. Sie erreichte bei den Weltmeisterschaften 1974 und 1982 Platz drei sowie die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1972 und die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1976. Herausragende Spieler waren in dieser Zeit Grzegorz Lato, Zbigniew Boniek, Kazimierz Deyna, Robert Gadocha, WƂadysƂaw Ć»muda und Andrzej Szarmach. Zu den gegenwĂ€rtig bekanntesten Spielern aus Polen zĂ€hlen Artur Boruc, Wojciech Szczęsny, Robert Lewandowski, Grzegorz Krychowiak, Ɓukasz Piszczek und Jakub BƂaszczykowski.

Am 18. April 2007 wurde Polen zusammen mit der Ukraine von der UEFA zum Ausrichter der Fußball-Europameisterschaft 2012 bestimmt. Hierzu wurden vier neue Stadien in Warschau, Danzig, Posen und Breslau gebaut.

Wintersport spielt eine wichtige Rolle in Polen. Skispringen erfreut sich großer Beliebtheit. FĂŒr internationale Wettbewerbe genutzte Skisprungschanzen befinden sich in Zakopane (Wielka Krokiew und ƚrednia Krokiew) sowie in WisƂa (Malinka). Zu den erfolgreichen polnischen Wintersportlern gehörten bzw. gehören die Skispringer BronisƂaw Czech, WƂadysƂaw Tajner, Wojciech Fortuna, Adam MaƂysz, Marcin Bachleda, Kamil Stoch, Stefan Hula, Maciej Kot, Dawid Kubacki, Piotr Ć»yƂa und Jan Ziobro, die SkirennlĂ€ufer Andrzej Bachleda-Curuƛ, die EisschnelllĂ€ufer Katarzyna Bachleda-Curuƛ, Zbigniew BrĂłdka, Artur Waƛ, Katarzyna WoĆșniak und Luiza ZƂotkowska, die SkilanglĂ€ufer JĂłzef Ɓuszczek, Justyna Kowalczyk, Dominik Bury und Martyna Galewicz, die Snowboarderin Paulina Ligocka-Andrzejewska, Formel 1 Rennfahrer Robert Kubica und die Speedway-Weltmeister Tomasz Gollob und Bartosz Zmarzlik

Leichtathletik ist in Polen ebenfalls beliebt. Bei den Medaillenspiegeln der Leichtathletik-Weltmeisterschaften schneidet Polen in den letzten Jahren regelmĂ€ĂŸig unter den Top-Ten ab. Zu den erfolgreichen polnischen Leichtathleten gehörten bzw. gehören Anita WƂodarczyk, Robert Korzeniowski, Marcin Lewandowski, Artur Noga, Lidia Chojecka, Kamila Lićwinko, Anna Rogowska und Konrad Bukowiecki.

Schwimmen erfreut sich in Polen einer großen Beliebtheit. Otylia Jędrzejczak war die erfolgreichste polnische Schwimmerin.

Daneben ist Polen im Bridge sehr erfolgreich.

Im Motorsport ist die Motorraddisziplin Speedway, auf polnisch Ć»uĆŒel genannt, mit seiner PGE Extraliga sehr populĂ€r in Polen.

Seit 1996 findet jĂ€hrlich im September das Herren-Tennisturnier ATP Challenger Stettin statt. Zu den erfolgreichen polnischen Tennisspielern gehörten bzw. gehören Wojciech Fibak, Mariusz Fyrstenberg, Jerzy Janowicz, Hubert Hurkacz, Agnieszka RadwaƄska, Urszula RadwaƄska, Magda Linette, Iga ƚwiątek, Magdalena Fręch und Paula Kania.

Feiertage

Siehe auch

Literatur

  • Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung (BpB), Bonn: Polen. Informationen zur politischen Bildung. (PDF; 5,8 MB).
  • Deutsches Polen-Institut, Darmstadt: Jahrbuch Polen.
  • Manfred Alexander: Kleine Geschichte Polens. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-017060-1.
  • Dieter Bingen, Krzysztof Ruchniewicz (Hrsg.): LĂ€nderbericht Polen. Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur. Campus, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-593-38991-2.
  • Dieter Bingen u. a. (Hrsg.): Erwachsene Nachbarschaft. Die deutsch-polnischen Beziehungen 1991 bis 2011. Harrassowitz, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-447-06511-5.
  • WƂodzimierz Borodziej: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert. Beck, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-406-60648-9.
  • Andrzej Chwalba: Kurze Geschichte der Dritten Republik Polen. 1989 bis 2005. Harrassowitz, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-447-05925-1.
  • Norman Davies: Im Herzen Europas. Geschichte Polens. 4. Auflage. Beck, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-406-46709-1.
  • JĂŒrgen Heyde: Geschichte Polens. 3. Auflage. Beck, MĂŒnchen 2011, ISBN 978-3-406-50885-1.
  • Brigitte JĂ€ger-Dabek: Polen. Ein LĂ€nderportrĂ€t. 3. Auflage. Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-701-4.
  • Matthias Kneip: 111 GrĂŒnde, Polen zu lieben. Eine LiebeserklĂ€rung an das schönste Land der Welt. 2. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2017, ISBN 978-3-86265-661-5.
  • Matthias Kneip, Manfred Mack (Hrsg.): Polnische Gesellschaft. Cornelsen, Berlin 2012, ISBN 978-3-06-064113-0.
  • Matthias Kneip u. a.: Polnische Geschichte und deutsch-polnische Beziehungen. Cornelsen, Berlin 2009, ISBN 978-3-06-064215-1.
  • Radek Knapp: Gebrauchsanweisung fĂŒr Polen. Piper, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-492-27536-2.
  • Hartmut KĂŒhn: Das Jahrzehnt der Solidarnoƛć. Die politische Geschichte Polens 1980–1990. Basisdruck, Berlin 1999, ISBN 3-86163-087-7.
  • Hartmut KĂŒhn: Polen im Ersten Weltkrieg. Der Kampf um einen polnischen Staat bis zu dessen NeugrĂŒndung 1918/1919. Lang, Berlin 2018, ISBN 978-3-631-76530-2.
  • Jiƙí Lederer: Mein Polen lebt. Zwei Jahrhunderte Kampf gegen Fremdherrschaft. Bund, Köln 1981, ISBN 3-7663-0487-9.
  • Steffen Möller: Viva Polonia. Als deutscher Gastarbeiter in Polen. 4. Auflage. Scherz, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-596-18045-5.
  • Stefan Muthesius: Kunst in Polen – Polnische Kunst 966-1990. Eine EinfĂŒhrung. Langewiesche, Königstein i. T. 1994, ISBN 3-7845-7610-9.
  • Stefanie Peter (Hrsg.): Alphabet der polnischen Wunder. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-518-41933-5.
  • Jacek Raciborski, Jerzy J. Wiatr: Demokratie in Polen. Elemente des politischen Systems. Budrich, Opladen 2005, ISBN 3-938094-15-X.
  • Thomas Urban: Polen. 2. Auflage. Beck, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-406-57852-6.
  • Klaus Ziemer: Das politische System Polens. Eine EinfĂŒhrung. Springer, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-531-94028-1.

Weblinks

  • Polen-Analysen: EinschĂ€tzungen aktueller politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Entwicklungen in Polen
  • Dossier der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung zu Polen
  • LĂ€nder- und Reiseinformationen des AuswĂ€rtigen Amts zu Polen
  • Portal der polnischen Regierung (polnisch)
  • Polenstudien: Portal zur wissenschaftlichen und kulturellen Auseinandersetzung mit Polen
  • Polnisches Institut
  • Polnisches Fremdenverkehrsamt
  • Polnisches Statistikamt (polnisch, englisch)
  • Deutsches Polen-Institut
  • Stiftung fĂŒr deutsch-polnische Zusammenarbeit
  • Bundesverband der Deutsch-Polnischen Gesellschaften

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (16)

Bezeichnung der Regionen: Woiwodschaft
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Ermland-Masuren 54.434 53.093 19.128 22.814  
Großpolen 53.595 51.066 15.826 19.079 Großpolen  
Karpatenvorland 50.83 48.994 21.21 23.658  
Kleinpolen 50.5200441 49.1785791 19.083192 21.4213825 Kleinpolen  
Kujawien-Pommern 53.696 52.278 17.297 19.748  
Lebus 53.11 51.396 14.539 16.371  
LĂłdz 52.335 50.804 18.055 20.674  
Lublin 52.296 50.312 21.646 24.143  
Masowien 53.444 51.013 19.296 23.087  
Niederschlesien 51.77 50.093 14.81 17.718 Niederschlesien  
Opole 51.151 49.969 16.944 18.656  
Podlachien 54.401 52.282 21.523 23.922  
Pomeranian 54.838 53.434 16.785 19.759  
Schlesien 51.037 49.387 18.019 19.966  
Swietokrzyskie 51.29 50.174 19.742 21.849  
Westpommern 54.577 52.596 14.124 17.058  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

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Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Poland

Name englisch: Poland
Hauptstadt: Warschau
Kfz: PL
ISO: PL
ISO3: POL
Fläche: 312685 km²
Tld: .pl
Wärung Einheit: PLN
Währung: Zloty
Vorwahl: 48

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 54.8358123
südlichster Punkt: 49.0020252
westlichster Punkt: 14.1228641
östlichster Punkt: 24.1458931


 
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