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Staat Informationen : Lettland

Informationen:


Lettland (lettisch Latvija, amtlich Republik Lettland, lettisch Latvijas Republika) ist ein Staat im Baltikum. Als mittlerer der drei baltischen Staaten grenzt es im SĂŒden an Litauen, im SĂŒdosten an Belarus, im Osten an Russland, im Norden an Estland und im Westen an die Ostsee. Die Hauptstadt und grĂ¶ĂŸte Stadt Lettlands ist Riga.

Seit dem Inkrafttreten der EU-Erweiterung am 1. Mai 2004 ist Lettland Mitglied der EuropĂ€ischen Union und seit dem 1. Januar 2014 auch Teil der Eurozone. DarĂŒber hinaus ist Lettland Mitglied der NATO.

Geographie

Lettland befindet sich im Zentrum des Baltikums. Dessen Zuordnung ist umstritten und wird neben geographischen Kriterien auch von historisch-kulturellen und politischen Gesichtspunkten beeinflusst. So wird das Baltikum sowohl Nordeuropa als auch Mitteleuropa, Osteuropa und Nordosteuropa zugeordnet.

Lettland besteht im Wesentlichen aus den vier historischen Regionen Kurland (lettisch: Kurzeme) im Westen, Livland (Vidzeme) im Nordosten, Semgallen (Zemgale) als schmaler Streifen zwischen DĂŒna (Daugava) und der litauischen Grenze sowie Lettgallen (Latgale) im SĂŒdosten. Es ist zum grĂ¶ĂŸten Teil ein bewaldetes MorĂ€nen-HĂŒgelland mit zahlreichen Seen und einer langen, wenig gegliederten KĂŒstenebene. Die lĂ€ngsten FlĂŒsse Lettlands sind die DĂŒna und die Gauja (dt. LivlĂ€ndische Aa). Der grĂ¶ĂŸte See Lettlands ist der Lubāns mit 80,7 kmÂČ, der Dridza-See ist der tiefste See der baltischen LĂ€nder (65,1 m Tiefe). Die Hauptstadt Riga ist auch in geographischer Hinsicht das Zentrum des dĂŒnn besiedelten Landes. Der Rigaische Meerbusen, eine Bucht der Ostsee, liegt im Nordwesten des Landes.

Die Republik Lettland hat eine FlĂ€che von 64.589 kmÂČ und ist damit etwas kleiner als Bayern. Das Land grenzt im Nordosten auf einer LĂ€nge von 343 km an Estland, im Osten auf einer LĂ€nge von 276 km an Russland, im SĂŒdosten auf einer LĂ€nge von 161 km an Belarus und im SĂŒden auf einer LĂ€nge von 588 km an Litauen. Die KĂŒstenlinie entlang der Rigaer Bucht im Norden und der Ostsee im Westen misst etwa 498 km; Seegrenzen hat Lettland mit Estland und Litauen. Die durchschnittliche Höhe Lettlands betrĂ€gt 87 m. Der höchste Berg ist der 120 km östlich von Riga gelegene GaiziƆkalns (Gaising) mit 311 m.

Insgesamt 2.543 kmÂČ FlĂ€che werden von GewĂ€ssern (FlĂŒsse, Seen, Stauseen) belegt. Vom verbleibenden Land werden etwa 40 %, nĂ€mlich 24.710 kmÂČ agrarwirtschaftlich und etwa 46 %, nĂ€mlich 28.855 kmÂČ forstwirtschaftlich genutzt.

Die Republik Lettland dehnt sich in Ost-West-Richtung 450 km und in Nord-SĂŒd-Richtung 210 km aus.

Von 1920 bis 1940 war die FlĂ€che Lettlands um etwa 1300 kmÂČ grĂ¶ĂŸer, da die frĂŒhere Region Neu-Lettgallen um die Stadt Abrene/Pytalowo, als Ergebnis des Lettisch-Sowjetischen Friedensvertrages von 1920 an Lettland fiel. Nach der Okkupation durch die Sowjetunion wurde dieses Territorium der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik zugeschlagen. Diese GrenzĂ€nderung wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Um die Voraussetzungen fĂŒr seinen Beitritt zur EuropĂ€ischen Union (EU) und NATO zu erfĂŒllen, war Lettland gezwungen, das vormals hauptsĂ€chlich von Letten bewohnte Neu-Lettgallen an Russland auch de jure abzutreten. Der russische Name fĂŒr die Stadt Pytalowo stammt vermutlich vom historischen lettischen Namen des Ortes, „Pie Tālavas“.

Klima

In Lettland herrscht wie in allen baltischen Staaten ein kĂŒhlgemĂ€ĂŸigtes Klima mit kalten Wintern unter 0 °C und mĂ€ĂŸig warmen Sommern zwischen 16 und 17 °C. In Riga liegt die Jahresdurchschnittstemperatur bei knapp 6 °C, es fallen 600 mm NiederschlĂ€ge. Am feuchtesten ist es im SpĂ€tsommer und am trockensten im FrĂŒhjahr. 1800 bis 1900 Stunden jĂ€hrlich scheint die Sonne (zehn Prozent mehr als in Deutschland).

Die KĂŒsten der Ostsee bleiben im Winter meistens eisfrei, im August erreicht die Wassertemperatur bis zu 17 °C, an heißen Sommertagen in der KĂŒstennĂ€he bis 25 °C.

Natur

Neben Hirschen, Rehen, Hasen, Schwarzwild und FĂŒchsen kommen auch Elche, Wölfe, Luchse, Biber und Wisente vor. Der EuropĂ€ische BraunbĂ€r ist in Lettland in den Provinzen Latgale und Vidzeme wieder heimisch geworden. FĂŒr den Januar 2017 wird von einem festen Bestand von zwölf ĂŒberwiegend auf lettischem Territorium lebenden Tieren ausgegangen.

In Lettland gibt es 706 staatlich geschĂŒtzte Naturgebiete, darunter vier Nationalparks. Der mit einer FlĂ€che von 16.145 ha kleinste, aber Ă€lteste Nationalpark ist der Nationalpark SlÄ«tere. Er wurde im Jahre 1921, wĂ€hrend der ersten UnabhĂ€ngigkeit Lettlands, gegrĂŒndet. Mit einer FlĂ€che von 38.114 ha ist der Nationalpark Ķemeri der zweitgrĂ¶ĂŸte. Er wurde nach der Wiedererlangung der UnabhĂ€ngigkeit Lettlands eingerichtet. Mit seinem GrĂŒndungsjahr 1997 ist er der jĂŒngste. Der grĂ¶ĂŸte Nationalpark ist der Nationalpark Gauja. Er nimmt eine FlĂ€che von 92.261 ha ein und wurde im Jahre 1973, wĂ€hrend der Zugehörigkeit Lettlands zur Sowjetunion, eingerichtet.

Besonders fĂŒr Zugvögel von Bedeutung ist das Naturschutzgebiet Pape, wo auch Wisente, Konikpferde und Heckrinder angesiedelt wurden. Lettland hat eine lange Tradition von Naturschutz; erste Schutzbestimmungen gab es bereits im 16. Jahrhundert.

FlĂŒsse

Nach Angaben des Amts fĂŒr Statistik Lettlands fließen in Lettland 17 FlĂŒsse mit einer jeweiligen LĂ€nge von ĂŒber 100 km. Die fĂŒnf lĂ€ngsten sind nachstehend aufgefĂŒhrt:

Bevölkerung

Demografie

Lettland hatte 2020 1,9 Millionen Einwohner. Durch die massive Zuwanderung aus der Sowjetunion in den Okkupationsjahren von 1944 bis 1990 stieg die Einwohnerzahl Lettlands von 1,9 Millionen auf fast 2,7 Millionen an. Seitdem ist die Bevölkerung Lettlands erst aufgrund des Abzugs der Sowjetischen Armee und ihrer Familienangehörigen nach Russland, dann auch wegen niedriger Geburtenraten und Auswanderung massiv gesunken. Sie nahm von 1989 bis 2011 um fast 600.000 Menschen ab. 2014 sank die Einwohnerzahl erstmals unter zwei Millionen. Damit befindet sie sich auf dem Stand der 1930er Jahre.

Die Einwohnerzahl sank 2020 um 0,7 %. 2020 stand einer Geburtenziffer von 9,2 pro 1000 Einwohner eine Sterbeziffer von 15,2 pro 1000 Einwohner gegenĂŒber. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2020 statistisch bei 1,6. Die Lebenserwartung der Einwohner Lettlands ab der Geburt lag 2020 bei 75,4 Jahren (Frauen: 80,1, MĂ€nner: 70,9). Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2020 bei 43,9 Jahren und damit ĂŒber dem europĂ€ischen Wert von 42,5.

Ethnische Minderheiten und NichtbĂŒrger

Neben der lettischen Mehrheit (62,1 % der Bevölkerung) gibt es eine bedeutende russische Minderheit (26,9 %) und kleinere Gruppen wie Weißrussen (3,3 %) und Ukrainer (2,2 %), die meist ebenfalls Russisch sprechen, sowie Polen (2,2 %) und Litauer (1,2 %) (Population and Housing Census 2011). Hinzu kommen Esten, Deutsche, Roma und Tataren. Daneben gibt es noch etwa 2000 Suiti und ca. 170 Liven (vor allem in Riga und einigen kurlĂ€ndischen KĂŒstendörfern).

* Ergebnis der VolkszÀhlung des entsprechenden Jahres

Laut dem letzten Zensus im Jahr 2011 gehören knapp 38 % der Bevölkerung ethnischen Minderheiten an. Russen stellen dabei mit etwa 27 % der Gesamtbevölkerung die bedeutendste Minderheit. Bei ihnen handelt es sich mehrheitlich um zwischen 1940 und 1990 eingewanderte Personen bzw. deren Nachkommen. Teile der russischen Minderheit sind aber auch seit Generationen in Lettland ansÀssig, so stellten Russen bereits 1897 einen Bevölkerungsanteil von etwa 8 % (153.000 Personen).

Zwischen 1940 und 1990 verĂ€nderte sich die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung zu Ungunsten der Letten, deren Bevölkerungsanteil von 77 % im Jahr 1935 auf 52 % im Jahr 1989 fiel. Gleichzeitig stieg der Anteil der Russen auf 34 %. Die russische Sprache hatte in dieser Zeit in Lettland eine dominierende Stellung. Die sowjetische Zentralmacht förderte die ethnische und kulturelle Russifizierung Lettlands. Nach der Wiedererlangung der UnabhĂ€ngigkeit wurde die russische Sprache ihrer offiziellen Funktionen enthoben und Lettisch die alleinige Amtssprache. Dies stellte fĂŒr die russische und weitere Minderheiten ein Problem dar, da sie es in sowjetischer Zeit mehrheitlich abgelehnt oder versĂ€umt hatten, die Sprache der lettischen Bevölkerungsmehrheit zu erlernen. Auch heute ist die Integration der russischsprachigen Minderheit in den lettischen Staat noch eine innenpolitische Herausforderung.

Seit der Erneuerung der UnabhĂ€ngigkeit 1991 und trotz des EU-Beitritts im Jahre 2004 erhalten nach wie vor nur diejenigen Einwohner die lettische StaatsbĂŒrgerschaft, die entweder 1940 (vor der sowjetischen Besatzung) lettische StaatsbĂŒrger waren oder direkte Nachkommen solcher Personen sind. Fast allen in der Zwischenzeit Zugewanderten, die etwa 30 % der Bevölkerung ausmachten, wurde 1995 der NichtbĂŒrgerstatus zuerkannt. Am 1. Januar 2022 lag der Anteil der NichtbĂŒrger bei 9,6 % der Bevölkerung. Die NichtbĂŒrger Lettlands sind de facto keine Staatenlosen. Der lettische Staat garantiert seinen NichtbĂŒrgern weitaus umfangreichere Rechte als Staatenlose nach dem StaatenlosenĂŒbereinkommen vom 28. September 1954. Bis auf einige EinschrĂ€nkungen genießen die NichtbĂŒrger die gleichen Rechte wie die StaatsbĂŒrger. Sie erhalten einen Pass, der ihnen uneingeschrĂ€nktes Aufenthalts- und Arbeitsrecht in Lettland garantiert, sie können sich 90 Tage ohne Visum in anderen EU-Staaten aufhalten. Im Unterschied zu den StaatsbĂŒrgern können NichtbĂŒrger visumfrei nach Russland einreisen. NichtbĂŒrger genießen staatlichen und konsularischen Schutz im In- und Ausland. Neben den StaatsbĂŒrgern sind sie die einzige Einwohnerkategorie, die in Lettland ex lege Aufenthaltsrecht besitzt. Auch in der Sozialgesetzgebung sind sie StaatsbĂŒrgern gleichgestellt. Die NichtbĂŒrger dĂŒrfen einige fĂŒr die Staatssicherheit relevante Berufe nicht ausĂŒben, können nicht Staatsbeamte werden und sind vom aktiven und passiven Wahlrecht ausgeschlossen.

Das fĂŒr die NichtbĂŒrger seit dem 1. Februar 1995 gĂŒltige EinbĂŒrgerungsverfahren („Naturalisierung“) besteht aus einem Sprachtest sowie einer PrĂŒfung in lettischer Geschichte und Verfassungskunde. Somit mĂŒssen diejenigen, die die EinbĂŒrgerung beantragen, die Landessprache beherrschen sowie ĂŒber Grundkenntnisse der Kultur und Geschichte des Landes verfĂŒgen.

Teils aus Desinteresse (35 %), teils wegen des fortgeschrittenen Alters (24,9 %) oder der als zu anspruchsvoll empfundenen PrĂŒfungen (11,4 %), teils aus Widerwillen und Opposition gegen den Inhalt des Examens (4,5 %) haben sich einige Angehörige der russischsprachigen Bevölkerungsgruppen (neben Russen auch Weißrussen) bis heute nicht einbĂŒrgern lassen.

Ab dem Schuljahr 2004/05 wurde an den staatlich finanzierten lettischen Schulen mit russischer Unterrichtssprache der Anteil des lettischsprachigen Unterrichts in der Oberstufe von 54 % auf 60 % angehoben. Das Ziel der Anhebung des Lettischanteils war es unter anderem, den russischsprachigen Jugendlichen eine weiterfĂŒhrende Ausbildung an den lettischsprachigen Hochschulen des Landes zu erleichtern.

Mahnungen seitens des EuropĂ€ischen Gerichtshofes fĂŒr Menschenrechte haben in den letzten Jahren zu verstĂ€rkten BemĂŒhungen seitens des Staates gefĂŒhrt, die EinbĂŒrgerungsraten zu erhöhen. Durch den EU-Beitritt ist die AttraktivitĂ€t des lettischen Passes aufgrund der damit einhergehenden Niederlassungsfreiheit fĂŒr die im Land lebenden Russischsprachigen gestiegen. Bis zum Jahr 2020 wurden 147.259 Einwohner Lettlands eingebĂŒrgert (Stand: 31. Januar 2020). Erschwerend fĂŒr die EinbĂŒrgerung sind die Tatsachen, dass NichtbĂŒrger im Gegensatz zu BĂŒrgern keine Visa fĂŒr die Einreise nach Russland brauchen und auch innerhalb der EU den lettischen BĂŒrgern gleichgestellt sind.

Ein weiterer Streitpunkt ist das GeschichtsverstĂ€ndnis vieler Russophoner, die den Zweiten Weltkrieg in sowjetischer Tradition als den sogenannten Großen VaterlĂ€ndischen Krieg verstehen, bei dem die Rolle des Hitler-Stalin-Pakts und der Ereignisse vor 1941 ausgeblendet wird, wohingegen fĂŒr die Letten der Einmarsch der Roten Armee den Verlust des eigenen Staats und eine 55 Jahre dauernde sowjetische Okkupation bedeutete. Unterschiedliche Auffassungen bestehen auch in der Bewertung der Zeit der Deutschen Besatzung. FĂŒr Kontroversen sorgt der regelmĂ€ĂŸig stattfindende Marsch der LegionĂ€re, bei dem der Veteranen der lettischen SS-VerbĂ€nde gedacht wird. Sie werden von Teilen der lettischen Bevölkerung als Befreier von der sowjetischen Okkupation angesehen. Dagegen protestieren die russischsprachige und die jĂŒdische Minderheit des Landes.

Sprachen

Sprachliche Vielfalt

Lettisch, eine ostbaltische Sprache innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie, ist die Muttersprache von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung. Sie ist die verfassungsmĂ€ĂŸig verankerte Amtssprache in Lettland und eine der vierundzwanzig Amtssprachen der EU. An zweiter Stelle steht Russisch, das 37 % der Einwohner als Muttersprache sprechen. Im Jahr 1935 waren nur 8,8 % der Einwohner Lettlands russischstĂ€mmig. Eine weitere baltische Minderheitensprache von Bedeutung ist das moderne Lettgallische in den östlichen Landesteilen. Es entstand durch die politische Trennung Lettgallens vom Rest Lettlands, es wird manchmal als VarietĂ€t des Lettischen und nicht als eigenstĂ€ndige Sprache betrachtet. 2013 ist das Livische ausgestorben.

Der hohe Anteil russischsprachiger Einwohner Lettlands beruht vor allem auf der zu Zeiten der sowjetischen Okkupation (1944–1990/1991) von der Regierung der UdSSR gesteuerten Einwanderung (siehe Tabelle oben und Abschnitt Minderheiten und NichtbĂŒrger). In dieser Zeit wurde Russisch neben dem Lettischen zur Amtssprache erklĂ€rt, weshalb es von einigen Letten immer noch als „Besatzersprache“ empfunden wird. In der Hauptstadt Riga, wo seit den Sowjetzeiten etwa jeder zweite Einwohner russischstĂ€mmig bzw. -sprachig ist (1930 nur 7,86 %, siehe Riga, Abschnitt Sprachen), wird laut der lettischen Statistikbehörde im Alltag sowohl Lettisch als auch Russisch gesprochen. In Daugavpils, der zweitgrĂ¶ĂŸten Stadt, liegt der Anteil der Letten bei unter 20 %.

Sprachpolitik in der Gegenwart

Die Amtssprache Lettlands ist Lettisch. Neben den staatlichen lettischen Schulen unterhĂ€lt Lettland auch Schulen in sieben Minderheitensprachen und setzt somit die Tradition der vielsprachigen Bildungspolitik der Vorkriegszeit fort. Die grĂ¶ĂŸte Minderheitensprache ist Russisch. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor es seinen privilegierten Status und genießt heute keine besondere rechtliche Hervorhebung. Alle Eingaben an Behörden mĂŒssen in notariell beglaubigter lettischer Übersetzung vorgelegt werden. Ausgenommen sind medizinische Notrufe und Anrufe bei Polizei, Feuerwehr u. À. Lettland ist nicht Vertragspartei der EuropĂ€ischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen.

Der Verlust des offiziellen Status fĂŒr die russische Sprache in Lettland hat seit der Wiedererlangung der UnabhĂ€ngigkeit vereinzelt zu sozialen Spannungen und Protesten gefĂŒhrt. Dem Bestreben des Staates, die lettische Sprache im öffentlichen Raum als Hauptsprache zu etablieren, widersetzen sich viele russischsprachige Einwohner, teilweise indem sie sich weigern, Lettisch zu lernen oder es zu gebrauchen. Jedoch kann die Integrationspolitik auch deutliche Erfolge verzeichnen, zum Beispiel bei der Kenntnis der lettischen Sprache seitens der Russischsprachigen. WĂ€hrend 1996 noch 22 % der Nicht-Letten die lettische Sprache ĂŒberhaupt nicht verstanden, gaben dies 2008 nur sieben Prozent an. Im selben Jahr verwiesen 57 % der Nicht-Muttersprachler auf gute Kenntnisse der lettischen Sprache (1996: 36 %). Die bedeutendsten VerĂ€nderungen erfolgten bei der jĂŒngeren Generation. Von den Personen zwischen 15 und 34 Jahren geben 73 % gute lettische Sprachkenntnisse an.

In staatlichen russischsprachigen Schulen wird der Unterricht in Klasse 10 bis 12 in sprachrelevanten FĂ€chern zu mindestens 60 % auf Lettisch abgehalten. Dies wird von manchen Russophonen als Diskriminierung angesehen. Nach mehrfachen Protesten und Forderungen, das Russische als zweite Amtssprache anzuerkennen, beschloss die Saeima, einen Volksentscheid durchzufĂŒhren. Am 18. Februar 2012 lehnten 74,8 % der Bevölkerung per Volksentscheid die EinfĂŒhrung des Russischen als zweite Amtssprache ab. Die NichtbĂŒrger, die damals etwa 12 % der Bevölkerung stellten, waren nicht stimmberechtigt. Das umstrittene Referendum wurde vom pro-russischen Aktivisten Wladimir Linderman durch eine Unterschriftensammelaktion initiiert. Daher stieß die öffentliche Bekennung des langjĂ€hrigen Rigaer BĂŒrgermeisters Nils UĆĄakovs, der fĂŒr Russisch als zweite Amtssprache eingetreten ist, auf UnverstĂ€ndnis seitens der etablierten Regierungsparteien und grĂ¶ĂŸeren Teilen der Bevölkerung. Am 2. April 2018 unterzeichnete PrĂ€sident Raimonds Vējonis die zuvor von der Saeima beschlossenen Gesetze, die die graduelle EinfĂŒhrung des Lettischen als alleinige Unterrichtssprache bis zu den Jahren 2021/2022 in allen Sekundarschulen Lettlands vorsehen. Russland drohte daraufhin Sanktionen gegen Lettland an.

Religion

Seit der Reformation war die wichtigste Konfession im westlichen und im zentralen Teil Lettlands die evangelisch-lutherische. Zur Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands gehören 250.000 Letten, von denen sich nur eine Minderheit von rund 40.000 Menschen zu ihrer Kirche bekennt (lÀsst sich konfirmieren, leistet kirchliche Abgaben, nimmt am Abendmahl teil). Sie wird von Erzbischof Jānis Vanags geleitet. Die lutherische Kirche Lettlands lehnt, wie auch die römisch-katholische Kirche, sowohl HomosexualitÀt als auch Frauenordination ab.

Das im Osten Lettlands gelegene Lettgallen ist mehrheitlich römisch-katholisch, da es historisch mit Litauen und Polen verbunden ist. Eine katholische Minderheit im Westen des Landes sind die Suiti. Beide Kirchen spielten eine wichtige Rolle in der „Singenden Revolution“ und gewannen in dieser Zeit viele neue Mitglieder. Der katholischen Kirche in Lettland gehören rund 407.000 Bewohner Lettlands an.

Der russischstÀmmige Bevölkerungsteil bekennt sich zur russisch-orthodoxen Kirche. Es handelt sich um bis zu 400.000 Menschen.

In neun lettischen StĂ€dten existieren jĂŒdische Synagogengemeinden. Die Anzahl der jĂŒdischen Bevölkerung betrĂ€gt etwa 9.000. Vor dem Holocaust spielte die jĂŒdische Religion und Kultur im Gebiet Lettlands eine wichtige Rolle.

Rund 8.000 Letten bekennen sich zur DievturÄ«ba-Bewegung, die an das vorchristliche Heidentum anknĂŒpft.

Außerdem gibt es noch bis zu 6.000 AnhĂ€nger des Islam in Lettland, von denen sich jedoch nur ein kleiner Teil tatsĂ€chlich als religiös bekennt. Die meisten von ihnen sind Tataren (~2.600) und Aserbaidschaner (~1.900), hinzu kommen rund 1.000 weitere ethnische Muslime aus ehemaligen Teilrepubliken der UdSSR sowie einige muslimische Immigranten.

Mehr als 40 % der Bevölkerung Lettlands sind konfessionslos.

Geschichte

Im 2. Jahrtausend v. Chr. besiedelten die ersten indoeuropÀischen StÀmme, Vorfahren der spÀteren Letten und Litauer, das Gebiet Lettlands. Sie verdrÀngten oder assimilierten die dort lebenden finnougrischen StÀmme. In antiken Schriften werden die Balten als Aisti oder Aesti bezeichnet.

Die Siedlungsgebiete der Balten und Liven im frĂŒhen Mittelalter waren in zahlreiche kleine FĂŒrstentĂŒmer zersplittert. Ab 1202 wurden die lettischen KleinfĂŒrstentĂŒmer vom SchwertbrĂŒderorden erobert, der 1237 im Deutschen Orden aufging. Gleichzeitig begann die Einwanderung von Deutschen. Die deutsche Oberschicht stellte jahrhundertelang das StadtbĂŒrgertum und die Großgrundbesitzer. Im Zuge der Reformation wurde Lettland lutherisch. Unter dem Druck der umliegenden MĂ€chte kam das Gebiet der LivlĂ€ndischen Konföderation im 16. Jahrhundert in AbhĂ€ngigkeit von Polen-Litauen, weshalb Teile Lettlands heute katholisch sind. Bis ins 18. Jahrhundert war das Baltikum zwischen Russland, Schweden und Polen umkĂ€mpft. Durch die zahlreichen Kriege und Epidemien in deren Gefolge sanken die Bevölkerungszahlen erheblich. In Folge der Dritten Teilung Polens wurde das Gebiet Lettlands 1795 an das Russische Kaiserreich angegliedert. WĂ€hrend die Deutsch-Balten ihre Privilegien und ihre kulturelle PrĂ€gekraft bewahren konnten, hatte sich unter Assimilierung der livischen Volkschaften eine weitgehend homogene lettische Bevölkerungsschicht herausgebildet.

Erste UnabhÀngigkeit

Im 19. Jahrhundert und insbesondere Anfang des 20. Jahrhunderts begannen mit den Jungletten und der Neuen Strömung UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen unter den Letten. Nach dem Ersten Weltkrieg erklĂ€rte Lettland am 18. November 1918 die UnabhĂ€ngigkeit und konnte diese im Lettischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg durchsetzen. In den 1920er Jahren erlebte Lettland eine wirtschaftliche und kulturelle BlĂŒte. Allein im Jahre 1922 wurden 300 kommunale Bibliotheken eröffnet. Bei der Anzahl der veröffentlichten BĂŒcher (bezogen auf die Einwohnerzahl) stand Lettland – nach Island – in Europa an zweiter Stelle. Beginnend mit 1920 eröffnete der lettische Staat diplomatische Vertretungen in vielen europĂ€ischen LĂ€ndern, wie auch in China und den Vereinigten Staaten. Am 7. November 1922 trat die noch heute gĂŒltige Verfassung der Republik Lettland in Kraft. Lettland trat auch dem Völkerbund bei. Die Minderheitsgesetzgebung war fĂŒr die damalige Zeit sehr tolerant; der Staat unterhielt Schulen in sieben Minderheitensprachen. Nach dem Staatsstreich am 15. Mai 1934 setzte Kārlis Ulmanis die Verfassung teilweise außer Kraft. Er regierte den Staat autoritĂ€r.

Zweiter Weltkrieg

Im Oktober 1939 musste Lettland der sowjetischen Armee die Errichtung von StĂŒtzpunkten gestatten und im Juli 1940 wurde Lettland durch die Sowjetunion okkupiert. Die meisten westlichen Staaten erkannten Lettland zwar de jure nicht als Teil der Sowjetunion an, der ĂŒberwiegende Teil davon aber de facto. Lettland wurde administrativ an die sowjetischen Verwaltungsstrukturen angepasst, die zivile und militĂ€rische FĂŒhrung abgesetzt, die Industrie verstaatlicht und der Großgrundbesitz und das großbĂ€uerliche Landeigentum fĂŒr kĂŒnftige Genossenschaften parzelliert. Die aus der Zarenzeit stammenden diskriminierenden Vorschriften gegen die jĂŒdische Minderheit, die einen Bevölkerungsanteil von 5 % hatte, wurden aufgehoben.

Seit Mai und verstĂ€rkt im Juni 1941 traf die sowjetische Regierung verspĂ€tet einige PrĂ€ventivmaßnahmen fĂŒr den Fall einer deutschen militĂ€rischen Aggression im Grenzraum zum deutschen Herrschaftsbereich, dem Baltischen Besonderen MilitĂ€rbezirk, zumal sich in Erwartung einer solchen Möglichkeit bereits bewaffnete NS-freundliche Gruppen gegen die lettische Regierung formierten, etwa unter dem „fanatischen Antisemiten“ Viktor Arajs. Zu diesen Maßnahmen gehörte die Verlegung von Teilen der baltischen Bevölkerung, die als gegnerische Problemgruppen betrachtet wurden, in den sibirischen Osten der UdSSR. In Lettland kam es am 14. Juni 1941 zur Deportation von 19.000 Letten, von denen etwa 5.000 dem jĂŒdischen Bevölkerungsteil angehörten, das aber „interessierte niemanden“.

Mit dem Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begann zur Jahresmitte 1941 die deutsche Besatzung Lettlands als Teil des „Reichskommissariats Ostland“ unter dem Reichskommissar Hinrich Lohse. Es kam nun auch in Lettland zu zahlreichen Massenverbrechen an Juden, Roma, als „Kommunisten“ Betrachteten, Angehörigen der feindlichen „Banden“, GefĂ€ngnisinsassen und Geisteskranken. Nachdem 15.000 Juden vor der NS-Herrschaft in die unbesetzte Sowjetunion hatten fliehen können, verblieben in Lettland zum Zeitpunkt des Einmarschs noch 70.000, von denen bis Ende 1941 mehr als 90 Prozent ermordet wurden und mit dem Ende der Besatzung nurmehr noch 3.000 lebten. Hinzu kamen 20.000 Juden, die aus dem Deutschen Reich und den besetzten Gebieten nach Lettland deportiert worden waren, von denen etwa 1.000 ĂŒberlebten. 1935 hatte die VolkszĂ€hlung nicht ganz 4.000 Roma in Lettland ergeben, die nahezu vollstĂ€ndig den Morden zum Opfer fielen.

Etwa 80.000 Letten gehörten wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges der lettischen SS-Legion an, weitere 30.000 wurden in der lettischen Polizei eingesetzt. Beide Gruppen waren an den zahlreichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt. Eine Hauptrolle bei der „Endlösung der Judenfrage“ spielte das von Viktor Arajs gefĂŒhrte 400-köpfige Mord-Kommando, dem etwa 30.000 jĂŒdische Letten zum Opfer fielen. Im Herbst 1944 wurde Lettland von der Roten Armee erobert und erneut als Lettische SSR der Sowjetunion angegliedert.

In den Jahrzehnten der Zugehörigkeit Lettlands zur UdSSR wurde der lettische Beitrag vor allem der Partisanen zur Befreiung zwar hervorgehoben, aber zugleich „die entscheidende Rolle“ der Roten Armee betont. In den Schriften der in den Westen Exilierten publizierte man zum Thema „Rechtfertigungen der Kollaboration“ und „Propagandamaterial der Nationalsozialisten“, so auch zum angeblich „jĂŒdisch-kommunistischen Verbrechen“ am „lettischen Volk“. EinzelstĂŒcke dieser NS-Propaganda tauchten nach dem Systemwechsel wieder auf. Nun wurde die Ablehnung des Kommunismus als „politisch und ethnisch fremd“ zum Hauptmotiv der lettischen offiziellen GeschichtserzĂ€hlung, was die Abwertung des lettischen Partisanenwiderstands gegen die NS-Besatzung miteinschloss. Die antinazistischen Partisanen galten nunmehr oft als „Banditen“.

Wiederherstellung der UnabhÀngigkeit

Am 4. Mai 1990 beschloss der Oberste Rat der LSSR die „Wiederherstellung der UnabhĂ€ngigkeit“. Der Parlamentsbeschluss konnte jedoch erst mit dem Zerfall der Sowjetunion am 21. August 1991 de facto wirksam werden. 2004 wurde die Republik Lettland Mitglied der EuropĂ€ischen Union und trat der NATO bei.

Am 1. Januar 2014 fĂŒhrte Lettland als zweiter der baltischen Staaten den Euro ein. Zuvor war von 1922 bis 1940 und von 1993 bis 2013 der Lats das offizielle Zahlungsmittel in Lettland. Am 1. Juli 2016 erfolgte der Beitritt zur Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Politik

Verfassung

Die Verfassung Lettlands (Satversme) stellt das Grundgesetz der unabhĂ€ngigen demokratischen Republik Lettland dar. In Lettland gilt die modernisierte Verfassung vom 15. Februar 1922, die zwischenzeitlich, erst von der autoritĂ€ren Regierung Karlis Ulmanis 1936 teilweise, dann durch die sowjetische Okkupation 1940 de facto vollstĂ€ndig außer Kraft gesetzt wurde. Nach der Wiedererlangung der UnabhĂ€ngigkeit am 4. Mai 1990 trat die Verfassung zunĂ€chst teilweise und mit dem 6. Juli 1993 vollstĂ€ndig wieder in Kraft. Seitdem wurde die Verfassung mehrfach ergĂ€nzt.

Die Verfassung Lettlands ist eine der Àltesten noch geltenden Verfassungen Europas, sie ist das sechstÀlteste geltende republikanische Grundgesetz der Welt.

Lettland ist eine parlamentarische Demokratie. Der PrĂ€sident ernennt und entlĂ€sst die gewĂ€hlte Regierung und vertritt Lettland gegenĂŒber anderen Staaten. Er fungiert zugleich als Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte und hat ein Gesetzesinitiativrecht, das sporadisch in Anspruch genommen wird. Er nimmt regelmĂ€ĂŸig an Sitzungen des Kabinetts und des Parlaments (Saeima) teil.

Die FĂŒhrung der RegierungsgeschĂ€fte und die Leitung des Kabinetts obliegt dem MinisterprĂ€sidenten, der von einer Mehrheit der 100 Abgeordneten gewĂ€hlt werden muss.

Das Kabinett besteht aus 17 Ministerien, den Vorsitz fĂŒhrt der MinisterprĂ€sident, außerdem gehören dem Kabinett die jeweiligen StaatssekretĂ€re sowie die Fraktionsvorsitzenden der regierenden Parteien an, die jedoch ĂŒber kein Stimmrecht verfĂŒgen. Die Regierung von KriĆĄjānis KariƆơ trat im Januar 2019 ihr Amt an. Im politischen Spektrum ist die Regierungskoalition als Mitte-rechts einzuordnen.

Am 18. November 1918 wurde die UnabhĂ€ngige Demokratische Republik Lettland vom Rat des Volkes ausgerufen. Der Rat des Volkes billigte das Gesetz ĂŒber die Wahlen zur Konstituierenden Versammlung und das Gesetz ĂŒber BĂŒrgerrechte, die vorsahen, dass in allgemeiner, gleicher, direkter, geheimer Wahl eine Konstituierende Versammlung zu wĂ€hlen sei. BĂŒrgerinnen und BĂŒrger ĂŒber 21, die in Lettland wohnten, hatten das aktive und passive Wahlrecht. Damit war das Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene eingefĂŒhrt. FĂŒr Kommunalwahlen wurden analoge Regelungen verabschiedet. Wegen des Ersten Weltkrieges konnten die Wahlen zur Konstituierenden Versammlung erst am 17. und 18. April 1920 abgehalten werden. Damit wurde in Lettland das allgemeine aktive und passive Wahlrecht fĂŒr Frauen und MĂ€nner gleichzeitig eingefĂŒhrt. Unter sowjetischer Verwaltung durften Frauen ebenfalls wĂ€hlen, und dieses Recht wurde bei der erneuten UnabhĂ€ngigkeit 1990 bestĂ€tigt.

Politische Indizes

Außenpolitik

Die Außenpolitik Lettlands ist westlich orientiert; die Beziehungen zu Russland sind eher angespannt. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 stellte sich die lettische Außenpolitik entschieden auf die Seite der Ukraine. Symbolisch erhielt die russische Botschaft in Riga eine neue Anschrift: Die Straße, an der das GebĂ€ude liegt, wurde am 10. MĂ€rz 2022 in Ukrainas neatkarÄ«bas iela (Straße der ukrainischen UnabhĂ€ngigkeit) umbenannt.

Auf dem EU-Gipfel am 12./13. Dezember 2002 in Kopenhagen berieten und beschlossen die 15 Regierungschefs, zum 1. Mai 2004 Litauen und neun weitere Staaten in die EuropĂ€ische Union aufzunehmen. In einem Referendum am 20. September 2003 stimmte die wahlberechtigte lettische Bevölkerung diesem Vorhaben mit 66,97 % zu. Im Zuge der NATO-Osterweiterung wurde Lettland im April 2004 Mitglied der NATO. Riga war Gastgeber des NATO-Gipfels 2006 und seitdem wurde die jĂ€hrlich veranstaltete Riga Konferenz zu einem fĂŒhrenden Forum der Außen- und Sicherheitspolitik Nordeuropas. Die Lettischen Nationalen StreitkrĂ€fte (lettisch Nacionālie bruƆotie spēki) sind das MilitĂ€r der Republik Lettland. Laut Artikel 42 der Verfassung Lettlands ist der StaatsprĂ€sident ihr oberster FĂŒhrer. Im Kriegsfalle ernennt er einen Oberbefehlshaber.

Lettland war von 1921 bis 1946 Mitglied des Völkerbundes. Heute ist es Mitglied der Vereinten Nationen, der EuropĂ€ischen Union, des Europarates, der NATO, der OSZE (Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa), des Internationalen WĂ€hrungsfonds und der Welthandelsorganisation und ist Teil des Schengen-Raums. Lettland ist auch ein Mitglied des Ostseerates und der Nordischen Investitionsbank. Seit den frĂŒhen 1990er Jahren ist Lettland an aktiv trilateraler Kooperation mit seinen baltischen Nachbarn, Estland und Litauen beteiligt und im Rahmen der Nordisch-Baltischen Kooperation mit den Nordischen LĂ€ndern. Im Rahmen der Nordic-Baltic Eight (NB-8) kooperieren die Regierungen von DĂ€nemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Norwegen und Schweden. Die Nordic-Baltic Six (NB-6) besteht aus allen nordischen und baltischen LĂ€ndern, die EU-Mitglied sind, und ist ein Forum zur Diskussion der die EU betreffenden Themen.

Lettland hat diplomatische Beziehungen zu 158 Staaten und unterhĂ€lt Botschaften in 35 LĂ€ndern, 37 LĂ€nder unterhalten eine Botschaft in Riga. Lettland ist Gastgeber einer EU-Organisation, des Gremiums europĂ€ischer Regulierungsstellen fĂŒr elektronische Kommunikation.

MilitÀr

Seit dem 1. Januar 2007 hat Lettland eine völlig auf VertrĂ€gen basierende Berufsarmee. Lettland beteiligt sich an internationalen und friedenserhaltenden SicherheitseinsĂ€tzen und ist seit 2004 Mitglied der NATO. 2017 gab Lettland 1,7 % des BIPs fĂŒr Verteidigung aus, 2018 soll das Verteidigungsetat die von der NATO empfohlenen 2 % erreichen.

Justiz

Als Gerichte entscheiden in Lettland

  • 9 Bezirks-/Stadtgerichte (rajona/pilsētas tiesa) und das Bezirksverwaltungsgericht (administratÄ«vā rajona tiesa)
  • 5 Regionalgerichte (apgabaltiesa) und das Regionalverwaltungsgericht (administratÄ«vā apgabaltiesa)
  • das Oberste Gericht (Augstākā tiesa)
  • sowie das Verfassungsgericht (Satversmes tiesa).

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 10,10 Mrd. Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 9,76 Mrd. Dollar gegenĂŒber, daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 1,2 % der Wirtschaftsleistung. Die Gesamtstaatsverschuldung betrug 2016 34,3 % des BIP.

Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 6,6 % (2006)
  • Bildung: 5,1 % (2004)
  • MilitĂ€r: 1,7 % (2017)

Flagge

Die Flagge soll das weiße, blutgetrĂ€nkte Leinentuch darstellen, in das ein lettgallischer StammesfĂŒrst zur letzten Ruhe gebettet worden war. Die blutroten Streifen der Flagge symbolisieren seine im Todeskampf ausgestreckten Arme, der weiße Strich in der Mitte die Stelle, auf der der Leib des StammesfĂŒrsten lag. Bereits im 13. Jahrhundert wird in der „LivlĂ€ndischen Reimchronik“ von dieser Flagge als Kriegsstandarte der lett- und semgallischen StĂ€mme berichtet.

Verwaltungsgliederung

Lettland ist seit dem 1. Juli 2021 in sieben republikunmittelbare StÀdte und 36 Bezirke (novads) eingeteilt.

49 % der Bevölkerung Lettlands leben in den sieben grĂ¶ĂŸten StĂ€dten, die mit einem Gesamtterritorium von 664 kmÂČ nur 1 % der FlĂ€che des Landes einnehmen. Die restliche Bevölkerung lebt auf dem Land.

Wirtschaft

Wirtschaftsdaten

Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Lettlands lag seit der Überwindung der Russlandkrise (ab 2000) stets ĂŒber sechs Prozent, insbesondere nach dem EU-Beitritt 2004. 2005 betrug das Wachstum 10,2 %. Haushalte und Unternehmen hatten in den Boom-Jahren allerdings auch hohe Schulden angehĂ€uft. Das BIP betrug im Jahr 2017 27,03 Mrd. Euro. Pro Kopf der Bevölkerung sind das 13.900 Euro (zum Vergleich: Deutschland 39.600 Euro). Vergleicht man das BIP nach Kaufkraftstandards (also nach der Kaufkraft eines Euros) mit dem Durchschnitt der EU (EU-28: 100) erreichte Lettland 2017 einen Wert von 67 (Deutschland: 124), der Wert war seit 2000 deutlich angestiegen (damals: 36).

Laut Weltbank steht Lettland auf Rang 22 der unternehmensfreundlichsten LĂ€nder. Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Lettland Platz 49 von 138 LĂ€ndern (Stand 2016/17). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegte Lettland 2017 Platz 20 von 180 LĂ€ndern.

Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise machte sich in Lettland bereits am Jahresende 2007 bemerkbar. Die lettische Regierung reagierte mit hohen KĂŒrzungen der staatlichen Ausgaben und erhielt aus dem Ausland eine Kapitalspritze in Höhe von einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Jahr 2008 ging das BIP um 4,6 % zurĂŒck, im Jahr 2009 brach die Wirtschaft sogar um 14,4 % ein. Zwischen 2007 und 2010 stieg die Arbeitslosenquote von sieben auf zwischenzeitlich bis zu 21 Prozent an. Die Zahl der BeschĂ€ftigten im staatlichen Bereich sank um 30 Prozent, die öffentlichen GehĂ€lter wurden um 40 Prozent beschnitten.

Die Arbeitslosenquote sank bis Juni 2014 auf 11,4 %. Dank einer positiven wirtschaftlichen Gesamtentwicklung sank sie bis zum Oktober 2017 auf 9,2 % ab. Laut Eurostat waren 2010 in Lettland 21,3 % der Bevölkerung armutsgefÀhrdet und 27,4 % der Letten lebten unter erheblicher materieller Entbehrung (EU-27 Durchschnitt: 16,4 bzw. 8,1 %).

Der gesetzliche Mindestlohn betrĂ€gt – seit dem 1. Januar 2018 – 430 Euro pro Monat und 2,48 Euro pro Stunde. Lettland ist das Ă€rmste Land der drei baltischen Staaten.

Investitionen

Die Summe der auslĂ€ndischen Direktinvestitionen belief sich bis zur Jahresmitte 2004 auf 3,1 Milliarden Euro. Deutschland belegt mit Gesamtinvestitionen von 435 Mio. Euro (I. Quartal 2004; entspricht 15 %) den ersten Rang vor Schweden, Finnland, DĂ€nemark, Norwegen und den USA. Diese Position begrĂŒndet sich ganz wesentlich in der Expansion der Nord/LB auch nach Lettland (eigene Tochter). Daneben sind folgende große Unternehmen und Investoren in Lettland tĂ€tig:

  • Bankwesen: SEB (S/Anteile an Unibanka), Hansabanka (EE-SF), Vereins- und Westbank (D)
  • Energie: Ruhrgas/eon und Gazprom (D und RU/Anteile an Latvijas Gaze), Den Norske Stats (N/Erdöl (Statoil)), Shell (UK-NL/Erdöl), Transneftegaz (RU/Erdöl), Neste (SF/Erdöl)
  • Immobilien und Einzelhandel: LinstowWarner (N/Immobilien), Preatoni Group (I/u. a. Domina Hotels), Polarbek (USA/Radisson Hotel), Stockmann (SF), Kesko (SF)
  • Telekommunikation: TeliaSonera (S/SF, Anteile an Lattelekom und LMT (Mobilfunk)), Tele2 (S)
  • diverse: Rinzai (HKG-SGP/ Acot Industries (Modellbau aus Metall)), SAS (S/DK; Anteile an Air Baltic)

Jungunternehmen und Startups

Laut Weltbank steht Lettland auf Rang 22 der unternehmensfreundlichsten LĂ€nder der Welt. Lettland gehört damit zu den attraktivsten Staaten fĂŒr neue Unternehmen. Mit 72 Vertretern unter den 5000 am schnellsten wachsenden Unternehmen der Welt wurde Riga von Inc. Wirtschaftsmagazin als einer der erfolgreichsten Startup-Standorte Europas bewertet (Platz 7).

Ende 2016 verabschiedete die Saeima, das lettische Parlament, mit großer Mehrheit ein in Europa einzigartiges Startup-Gesetz. Wenn ein Unternehmen die notwendigen Grundkriterien erfĂŒllt, kann es deutliche Steuererleichterungen in Anspruch nehmen. Ein anerkanntes Startup-Unternehmen zahlt maximal 252 Euro in Steuern pro Mitarbeiter. Erst wenn das Gehalt 4050 Euro ĂŒbersteigt, werden weitere Steuern fĂ€llig. Das Gesetz trat am 1. Januar 2017 in Kraft.

WĂ€hrung und Preise

Die nationale WĂ€hrung Lettlands war bis zum 31. Dezember 2013 der Lats (int. KĂŒrzel LVL), der im MĂ€rz 1993 eingefĂŒhrt wurde und den Lettischen Rubel (Latvijas rublis) ablöste, welcher als ÜbergangswĂ€hrung ein Jahr lang im Umlauf gewesen war. Seit dem 1. Januar 2014 ist der Euro im Umlauf.

Die Preisentwicklung in Lettland war nach einer wirtschaftlichen Depression 1998/99 (Russlandkrise) moderat, schritt aber mit Inflationsraten zwischen 2,5 und 3 % stets schneller voran als in den Nachbarstaaten Estland und Litauen. Mit dem EU-Beitritt kam es zu erheblichen Schwankungen (z. B. 2007 15 % und 2010 −1,22 %). 2017 und 2018 lag die Inflationsrate bei etwa 3 %.

Im Rahmen der internationalen Finanzkrise ab 2007 gab es in Lettland im Oktober 2008 Verhaftungen von lettischen StaatsbĂŒrgern mit dem Vorwurf, durch Meinung oder Wirtschaftsprognosen die LandeswĂ€hrung zu schwĂ€chen. Doch auch die UnterdrĂŒckung dieser Meinungen nutzte nichts: Die Regierung intervenierte mehrmals, allerdings erfolglos am Devisenmarkt. Auch Versuche, Ende Mai 2009 weitere Staatsanleihen zu verkaufen, scheiterten. Am 4. Juni 2009 forderte die EU-Kommission Lettland offiziell auf, das Staatsdefizit zu verkleinern, es wurde zum damaligen Zeitpunkt sogar ein Staatsbankrott befĂŒrchtet. Ausgabensenkungen waren die Voraussetzung fĂŒr weitere Kredite des IWF.

Die Arbeitslosenquote stieg bis August 2009 auf 18,3 %, was gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum fast eine Verdreifachung darstellte. Gleichwohl hat Lettland einen Ausweg aus der damaligen Krise gefunden.

Mit Wirkung vom 1. Januar 2005 wurde der Lats fest an den Euro zu einem Wechselkurs von 1 EUR = 0,702804 LVL gekoppelt. Die lettische Zentralbank hielt den Lats-Wechselkurs bis zur EuroeinfĂŒhrung in einer Bandbreite von ±1 % gegenĂŒber dem Euro. Die Maastrichtkriterien wurden nach eigenen Angaben seit 2012 erfĂŒllt. Im Juni 2013 signalisierte die EU-Kommission die Aufnahme Lettlands als 18. Mitglied in die Euro-Zone zum Jahr 2014, im Juli wurde die EinfĂŒhrung des Euro ab dem 1. Januar 2014 endgĂŒltig gebilligt.

Außenhandel

Die Bedeutung des Außenhandels (sowohl von Exporten als auch Importen) fĂŒr die lettische Wirtschaft hat sich im Verlaufe des letzten Jahrzehnts deutlich erhöht. Das Land setzt auf „Allianzen mit erfolgreichen LĂ€ndern“ (Schweden, Russland, Deutschland).

Die Exporte beliefen sich 2011 auf rund 6 Mrd. Lats, die Importe auf rund 7,6 Mrd. Lats. Das Defizit in der Handelsbilanz betrÀgt damit 1,6 Mrd. Lats. Durch positive Bilanzen bei Dienstleistungen sowie bei Direktinvestitionen und sonstigen Transferleistungen reduziert sich dieses Defizit in der Zahlungsbilanz zwar, blieb aber weiterhin hoch.

2004 hat sich insbesondere der Warenaustausch mit den unmittelbaren Nachbarstaaten (Estland, Litauen, Russland, Belarus) sowie mit Polen intensiviert.

  • HauptexportlĂ€nder waren 2004:
    • Großbritannien (13 %)
    • Deutschland (12 %)
    • Schweden (10 %)
  • Hauptexportprodukte:
    • Holz und Holzprodukte (ĂŒber 30 % der Exporte)
    • Metalle und Metallprodukte (14 %)
    • Textilien (11 %)
  • HauptimportlĂ€nder sind:
    • Deutschland (14,5 %)
    • Litauen (12,5 %)
    • Russland (9 %)
  • HauptimportgĂŒter:
    • Maschinen und ElektrogerĂ€te (20 %)
    • Mineralprodukte (v. a. Erdöl, 13 %)
    • Fahrzeuge (11 %)

Produktion

Das verarbeitende Gewerbe trÀgt ein Viertel zum BIP Lettlands bei. Wichtige Industriezweige sind:

  • Maschinen- und Fahrzeugbau: Waggons, Omnibusse, Waschmaschinen
  • Nahrungsmittelindustrie (v. a. Milch-, Fleisch- und Fischverarbeitung, GetrĂ€nkeindustrie)
  • Metallurgie und MetallgĂŒterherstellung
  • Textilindustrie
  • Holzverarbeitung und Papierherstellung
  • DĂŒngerproduktion

Energie

Lettland erzeugt ElektrizitĂ€t zu ĂŒber einem Drittel (38 %) aus Wasserkraft, die aus drei Wasserkraftwerken an der Daugava stammt. Die restliche selbst erzeugte ElektrizitĂ€t stammt aus zwei großen Verbrennungskraftwerken bei Riga (TEC-1 und TEC-2), die Erdgas und, falls Erdgas in NotfĂ€llen nicht verfĂŒgbar sein sollte, Schweröl (Masut) verbrennen. Torf ist (neben Holz) der einzige primĂ€re Brennstoff, den Lettland selbst produziert, und trĂ€gt ein gutes FĂŒnftel zur Energie aus fossilen Brennstoffen bei. Erdöl, Erdgas und Kohle mĂŒssen vollstĂ€ndig (meist aus Russland) importiert werden. Ein geringer Teil des Energiebedarfs wird durch importierten Strom aus Estland (Strom aus Ölschieferkraftwerken bei Narva) gedeckt. Die deutsche Firma PreussenElektra hat zwar bereits 1995 einen Pilot-Windpark an der Grenze zu Estland bei AinaĆŸi errichtet, dem ein grĂ¶ĂŸeres Projekt bei Liepāja (deutsch: Libau) gefolgt ist, doch ist die Einspeisung von Windenergie vernachlĂ€ssigbar gering. Der lettische Energieversorger Latvenergo war am Kernkraftwerksprojekt Visaginas beteiligt, welches von den Baltischen Staaten und Polen gemeinsam verfolgt wurde.

Das lettische Stromnetz ist seit der UnabhÀngigkeit von der Sowjetunion synchron mit dem russischen Stromnetz gekoppelt und bildet mit den anderen baltischen Staaten das Verbundnetz RG Baltic. Bis zum Jahre 2025 soll das Netz aber an das kontinentaleuropÀische Netz angebunden werden. Neue Stromleitungen aus Polen (LitPol Link),Schweden (NordBalt) und Finnland (Estlink 1 und 2) sollen so den Austausch elektrischer Energie zwischen dem Baltikum und Europa ermöglichen.

Neben dem eigenen Energieverbrauch ist Lettland auch ein bedeutendes Transitland fĂŒr Energie. Von Polazk in Belarus verlaufen zwei Erdöl-Pipelines nach Ventspils an der Ostsee sowie eine ĂŒber lettisches Territorium nach MaĆŸeikiai in Litauen. Betreiber ist das lettisch-russische Joint-Venture LatRosTrans. Die Endstation der Pipeline, Ventspils, ist (noch) der grĂ¶ĂŸte Verladehafen fĂŒr Erdöl und Erdölprodukte in der Ostsee. Allerdings hat Russlands staatliches Öltransportunternehmen Transneft, das auch an LatRosTrans beteiligt ist (siehe Direktinvestitionen), aus wirtschaftspolitischen GrĂŒnden seit 2003 die Pipeline trockengelegt (Transneft erklĂ€rt jedoch, dass die Pipeline Lecks enthĂ€lt), um eigene ÖlhĂ€fen in Russland (Primorsk bei St. Petersburg, Kaliningrad) zu bevorzugen. Der Ersatztransport ĂŒber die Schiene konnte diesen Verlust naturgemĂ€ĂŸ nicht auffangen.

Infrastruktur

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die QualitÀt der Infrastruktur misst, belegte Lettland 2018 den 70. Platz unter 160 LÀndern.

Schienenverkehr

Die staatliche Eisenbahngesellschaft Latvijas DzelzceÄŒĆĄ (LDz) betreibt ein sternförmig auf Riga ausgerichtetes Streckennetz in 1520 mm Spurweite. FĂŒr Personen wird der S-Bahn-Ă€hnliche Vorortzugverkehr im Großraum Riga bedient. Der weitere Personenverkehr verliert seit Jahren an Bedeutung.

Im GĂŒterverkehr weist die Bahn in Lettland mit einem Anteil von 64 % am gesamten Verkehrsaufkommen den höchsten Wert in Europa auf.

Straße

Das gesamte Straßennetz umfasste 2013 etwa 72.440 km, wovon 14.707 km asphaltiert sind. Das lettische Straßennetz ist dreistufig gegliedert:

  1. Die Hauptverkehrsadern werden durch 15 staatliche Hauptstraßen – bis – gebildet, welche – wie das Eisenbahnnetz – sternförmig auf Riga ausgerichtet sind.
  2. Zwischen den und innerhalb der Verwaltungsbezirke Lettlands verlaufen 133 Staatsstraßen 1. Ordnung – bis – und
  3. 1489 sonstige Verbindungsstraßen – V 1 bis V 1489 – als Staatsstraßen 2. Ordnung.

Dazu kommen die innerstĂ€dtischen Straßen sowie Feld- und Waldwege und private Straßen. FĂŒr die Unterhaltung der öffentlichen Straßen ist die staatliche Aktiengesellschaft Lettlands Staatsstraßen zustĂ€ndig.

Die staatlichen Hauptstraßen sind teilweise autobahnartig ausgebaut. Sie sind etwa mit Deutschlands Bundesstraßen vergleichbar. Der Individualverkehr nimmt an Bedeutung stetig zu. Ein großer Teil des Personenverkehrs wird mit dem Omnibus auf einem dichten und gut frequentierten Netz abgewickelt. Auch im Auslandsverkehr gibt es ein weit verzweigtes Liniennetz, das auch die meisten deutschen GroßstĂ€dte mit der lettischen Hauptstadt Riga verbindet.

Lettland hat eines der weitmaschigsten Straßennetze in Europa. Der Anteil der staatlichen Straßen betrĂ€gt 311 m/kmÂČ. Der Anteil von allen Straßen betrĂ€gt 1088 m/kmÂČ.

Das Busverkehrsnetz ist deutlich engmaschiger ausgebaut als das lettische Schienennetz. Es wird bedient von einer Vielzahl nationaler Buslinien sowie zahlreichen Fernbuslinien in die NachbarlÀnder und viele LÀnder der EU. Die wichtigsten internationalen Buslinienbetreiber sind Eurolines, Ecolines und Nordeka. Die Fahrt von Riga nach Berlin dauert etwa 18 Stunden. Mit einem Auto ist Riga in etwa 12 bis 14 Stunden erreichbar.

Flugverkehr

Wichtigste Fluggesellschaft ist Air Baltic, die vor allem Ziele in Nord-, Mittel- und Westeuropa sowie in Russland und den ehemaligen GUS-Staaten anfliegt. Sie hat ihren Sitz am Flughafen Riga, dem grĂ¶ĂŸten Flughafen der Baltischen Staaten. 2017 gingen von Riga in der Wintersaison wöchentlich 68 FlĂŒge nach Deutschland, in der Sommersaison 87 FlĂŒge.

Schiffsverkehr

Wichtigste SeehÀfen sind Riga, Liepāja und Ventspils. Von hier aus wird unter anderem russisches Erdöl verschifft. Daneben bestehen FÀhrverbindungen nach Schweden, DÀnemark und Deutschland.

Feuerwehr

In der Feuerwehr in Lettland waren im Jahr 2019 landesweit 2.700 Berufs- und 430 freiwillige Feuerwehrleute organisiert, die in 92 Feuerwachen und FeuerwehrhÀusern, in denen 241 Löschfahrzeuge und 37 Drehleitern bzw. Teleskopmasten bereitstehen, tÀtig sind. In den Jugendfeuerwehren sind 300 Kinder und Jugendliche organisiert. Die lettischen Feuerwehren wurden im selben Jahr zu 20.749 EinsÀtzen alarmiert, dabei waren 10.095 BrÀnde zu löschen. Hierbei wurden 261 Tote von den Feuerwehren bei BrÀnden geborgen und 1.289 Verletzte gerettet.

Internet

Im Jahr 2020 nutzten 88,9 Prozent der Einwohner Lettlands das Internet. Im letzten Jahrzehnt nahm Lettland in verschiedenen Rankings der Internetgeschwindigkeit weltweit die PlĂ€tze 3 bis 10 ein, in AbhĂ€ngigkeit von der Messmethode. 2016 wurde Lettland auf Platz 8 zwischen der Schweiz und Finnland eingeordnet. Nach dem Anteil von Glasfaser-Netzen am Breitband-Internet nahm Lettland 2016 weltweit den zweiten Platz hinter dem erstplatzierten Japan ein. Landesweit verfĂŒgt Lettland ĂŒber mehr als 4500 kostenlosen Wifi-Hotspots. 930 der kostenlosen WLAN-Hotspots werden in der Hauptstadt Riga angeboten, das sind drei pro kmÂČ.

Kultur

Lettland wird kulturell vor allem nordeuropÀisch beeinflusst. Die AltstÀdte weisen die typischen im Raum der Hanse verbreiteten Elemente auf. Auch die aktuelle lettische Kultur besitzt vielfÀltige Beziehungen zu Schweden und Finnland, vor allem aber zum norddeutschen Kulturraum.

Lettland ist besonders bekannt fĂŒr seine Folklore und Volksmusik-Kultur, in der vorchristliche Vorstellungen der altlettischen Religion eine zentrale Rolle spielen. Von den typischen Dainas – meist vierzeilige, reimlose Lieder zu allen nur erdenklichen Themen von der Mythologie bis zu den Niederungen des Alltags – sind inzwischen ĂŒber eine Million gesammelt worden, was im VerhĂ€ltnis zur Bevölkerungszahl Weltspitze sein dĂŒrfte. Die Sammlung, Systematisierung und Publikation dieser bis dahin mĂŒndlichen Überlieferung wurde Ende des 19. Jahrhunderts von KriĆĄjānis Barons begonnen; sein eigens dafĂŒr gefertigter Daina-Schrank gilt heute als eine Art Nationalheiligtum. Viele alte, jedoch bis heute lebendige BrĂ€uche und Dainas ranken sich um das Mittsommerfest JāƆi am 23. und 24. Juni, die in Lettland staatliche Feiertage sind.

In Riga (wĂ€hrend der Sowjetzeit auch an verschiedenen Orten im westlichen Ausland) findet alle fĂŒnf Jahre ein großes Liederfest statt, an dem mehrere Hundert lettische, exil-lettische und internationale Chöre teilnehmen.

Ähnlich wie in Estland war die Stadtkultur und der Großgrundbesitz bis zur Bodenreform von 1921 sowie der „Heimrufung“ der deutschen Minderheit 1939 ins Deutsche Reich deutschsprachig – und damit fĂŒr Jahrhunderte auch die Intelligenz des Landes. Die bis zur nationalsozialistischen Okkupation im Juli 1941 wirtschaftlich zunehmend bedeutender gewordene jĂŒdische Minderheit wurde wĂ€hrend des Holocaust nahezu gĂ€nzlich ermordet.

Medien

In Lettland erscheinen fĂŒnf landesweit verbreitete Tageszeitungen, darunter Diena, NeatkarÄ«gā RÄ«ta AvÄ«ze und Latvijas AvÄ«ze. 76,3 % der Bevölkerung verfĂŒgten 2016 ĂŒber einen Internetanschluss; die Breitband-Verbreitungsquote lag bei 6,4 %. Lettland verfĂŒgt einen öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Hörfunksender (Latvijas TelevÄ«zija und Latvijas Radio).

Sport

Der Sport hat in Lettland einen hohen Stellenwert. Bereits 1924 nahm das Land erstmals an den Olympischen Winterspielen in Chamonix teil und setzte diese eigenstÀndige Teilnahme auch bis zur Besetzung durch die UdSSR 1940 fort. Bis dahin konnten lettische Sportler drei Medaillen bei den Olympischen Spielen gewinnen. Nach der Wiedererlangung der UnabhÀngigkeit formierten sich die nationalen SportverbÀnde erneut, seitdem gewannen lettische Sportler 23 weitere Medaillen.

Als lettischer Nationalsport gilt Eishockey. Das erste Eishockeyspiel auf lettischem Boden wurde bereits 1909 abgehalten. Die Eishockey-Weltmeisterschaften von 2006 und 2021 fanden in Riga statt. In der Saison 2019/20 war Lettland mit insgesamt fĂŒnf Spielern in der NHL vertreten.

Neben Eishockey ist auch Basketball beliebt. Lettland hat 1935 die erste Europameisterschaft in Basketball gewonnen, vor Spanien und der Tschechoslowakei. 1939 wurde Lettland Vizemeister. In der Saison 2016/17 ist Lettland mit zwei Spielern in der NBA, der stĂ€rksten Basketball-Liga der Welt, vertreten. Auch Frauenbasketball ist auf einem hohen Niveau entwickelt. Fußball, insbesondere das Nationalteam, findet erst seit der erstmaligen EM-Qualifikation 2004 eine grĂ¶ĂŸere Beachtung.

Lettland besitzt eine eigene Bob- und Rennschlittenbahn in Sigulda. Dort finden regelmĂ€ĂŸig Europa- und Weltmeisterschaften statt. Im Bobsport und im Skeleton gehören lettische Sportler zur Weltelite.

Im Motorsport wurde von 2006 bis 2009 und 2013 in Daugavpils im Rahmen der Speedway-Einzelweltmeisterschaft der Grand Prix von Lettland ausgetragen. Im August 2014 fand er in der Hauptstadt Riga statt. 2016 fand zum ersten Mal die FIA-Rallycross-Weltmeisterschaft WRX in Riga statt.

Im Tennis hat Lettland mit Jelena Ostapenko und Anastasia Sevastova zwei WTA-Weltklassespielerinnen in ihren Reihen. Ostapenko gewann im Juni 2017 mit knapp 20 Jahren als erste Lettin ĂŒberhaupt ein Grand Slam Turnier, als sie in Paris bei den French Open im Finale Simona Halep bezwingen konnte und im MĂ€rz 2018 auf Platz 5 der Damen-Weltrangliste stand. Sevastova, die wie Ostapenko Lettland im Federation Cup vertritt, stand schon auf Platz 11 der Weltrangliste.

Literatur

Feiertage

In Riga stand nach Ansicht einiger Forscher und Legenden im Jahre 1510 der erste Weihnachtsbaum der Welt. Andere legen diese Erfindung jedoch ins elsĂ€ssische Straßburg.

Der wohl wichtigste Feiertag ist der Johannistag (JāƆi-Fest) am 24. Juni, der mit seinem Vorabend (LÄ«go-Fest) am 23. Juni als ein zweitĂ€giges Mittsommerfest gefeiert wird. Dieses Fest ist durch zahlreiche Traditionen geprĂ€gt. Man tanzt ĂŒberlieferte VolkstĂ€nze, flicht BlumenkrĂ€nze, braut und trinkt ein besonderes Bier und isst dazu KĂ€se. Sobald am 23. Juni die Sonne untergegangen ist, werden große Feuer entzĂŒndet. Geschlafen wird in dieser Nacht nicht, denn das bringt angeblich UnglĂŒck fĂŒr das folgende Jahr, bis zur nĂ€chsten Mittsommerfeier.

Weitere offizielle Feiertage sind:

  • Neujahr (1. Januar)
  • Karfreitag
  • Ostern
  • Tag der Arbeit (1. Mai)
  • Johannisfest – JāƆi (Sommersonnenwende) (23. und 24. Juni)
  • Wiederherstellung der UnabhĂ€ngigkeit 1990 (4. Mai)
  • Proklamierung der Republik Lettland 1918 (Nationalfeiertag) (18. November)
  • Weihnachten (25. und 26. Dezember)
  • Silvester (31. Dezember)

Eine große Bedeutung haben die lettischen Namenstage. FĂŒr viele Letten der Ă€lteren und mittleren Generationen, zumal in Lettgallen, ist ihr Namenstag wichtiger als der Geburtstag. Am Namenstag wird die Familie eingeladen und das „Namenskind“ wird – wie zum Geburtstag – beschenkt und besungen.

KĂŒche

  • Siehe den Hauptartikel Lettische KĂŒche

Siehe auch

  • Portal:Lettland

Literatur

  • Constantin von Grewingk: Geologie von Liv- und Kurland. Dorpat 1859 (Digitalisat).
  • Klemens Ludwig: Lettland (= Beck’sche Reihe. LĂ€nder; Band 882). C.H. Beck, MĂŒnchen 2000, ISBN 3-406-44782-1.
  • Thomas Schmidt: Das politische System Lettlands. In: Wolfgang Ismayr: Die politischen Systeme Osteuropas. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16201-0, S. 123–170.
  • Baltische Bibliographie. Schrifttum ĂŒber Estland, Lettland, Litauen. Herder-Institut, Marburg 1994–, ISSN 1436-4786.

Weblinks

  • LĂ€nderinformationen zu Lettland (AuswĂ€rtiges Amt, Berlin)
  • Lettland-Institut
  • Lettland in der EnzyklopĂ€die des europĂ€ischen Ostens
  • vifanord Virtuelle Fachbibliothek Nordeuropa und Ostseeraum (Vifanord)
  • Aktuelle Informationen ĂŒber Lettland

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (0)

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Flagge: Latvia

Name englisch: Latvia
Hauptstadt: Riga
Kfz: LV
ISO: LV
ISO3: LVA
Fläche: 64589 km²
Tld: .lv
Wärung Einheit: LVL
Währung: Lat
Vorwahl: 371

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 58.0855713
südlichster Punkt: 55.6748581
westlichster Punkt: 20.9677297
östlichster Punkt: 28.2414029


 
Lettland: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Lettland. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

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