Lšnder Länder/Staaten > Europa > Lettland Lettland

Land Karte: Lettland | Grenzen der Regionen auf der Karte anzeigen | Nachbarstaaten auf der Karte anzeigen

Staaten Nachbarstaaten: (4)

Nachbarstaaten Info Die Nachbarstaaten werden automatisch anhand der Grenzen errechnet. Daher kann es vorkommen, dass ein Nachbarstaat fehlt oder zu viel angezeigt wird.
Wir versuchen diese im Laufe der Zeit manuell anzupassen. Bei Fehlern kŲnnt ihr euch jederzeit an uns wenden Łber das Kontaktformular.

Staat Informationen : Lettland

Informationen:


Lettland (lettisch Latvija, amtlich Republik Lettland, lettisch Latvijas Republika) ist ein Staat im Baltikum. Als mittlerer der drei baltischen Staaten grenzt es im S√ľden an Litauen, im S√ľdosten an Wei√ürussland, im Osten an Russland, im Norden an Estland und im Westen an die Ostsee. Die Hauptstadt und gr√∂√üte Stadt Lettlands ist Riga.

Seit dem Inkrafttreten der EU-Erweiterung am 1. Mai 2004 ist Lettland Mitglied der Europäischen Union und seit dem 1. Januar 2014 auch Teil der Eurozone.

Geographie

Lettland befindet sich im Zentrum des Baltikums. Dessen Zuordnung ist umstritten und wird neben geographischen Kriterien auch von historisch-kulturellen und politischen Gesichtspunkten beeinflusst. So wird das Baltikum sowohl Nordeuropa als auch Mitteleuropa, Osteuropa und Nordosteuropa zugeordnet.

Lettland besteht im Wesentlichen aus den vier historischen Regionen Kurland (lettisch: Kurzeme) im Westen, Livland (Vidzeme) im Nordosten, Semgallen (Zemgale) als schmaler Streifen zwischen D√ľna (Daugava) und der litauischen Grenze sowie Lettgallen (Latgale) im S√ľdosten. Es ist zum gr√∂√üten Teil ein bewaldetes Mor√§nen-H√ľgelland mit zahlreichen Seen und einer langen, wenig gegliederten K√ľstenebene. Die l√§ngsten Fl√ľsse Lettlands sind die D√ľna und die Gauja (dt. Livl√§ndische Aa). Der gr√∂√üte See Lettlands ist der LubńĀns mit 80,7¬†km¬≤, der Dridza-See ist der tiefste See der baltischen L√§nder (65,1¬†m Tiefe). Die Hauptstadt Riga ist auch in geographischer Hinsicht das Zentrum des d√ľnn besiedelten Landes. Der Rigaische Meerbusen, eine Bucht der Ostsee, liegt im Nordwesten des Landes.

Die Republik Lettland hat eine Fl√§che von 64.589¬†km¬≤ und ist damit etwas kleiner als Bayern. Das Land grenzt im Nordosten auf einer L√§nge von 343¬†km an Estland, im Osten auf einer L√§nge von 276¬†km an Russland, im S√ľdosten auf einer L√§nge von 161¬†km an Wei√ürussland und im S√ľden auf einer L√§nge von 588¬†km an Litauen. Die K√ľstenlinie entlang der Rigaer Bucht im Norden und der Ostsee im Westen misst etwa 498¬†km; Seegrenzen hat Lettland mit Estland und Litauen. Die durchschnittliche H√∂he Lettlands betr√§gt 87¬†m. Der h√∂chste Berg ist der 120¬†km √∂stlich von Riga gelegene GaiziŇÜkalns (Gaising) mit 311¬†m.

Insgesamt 2.543¬†km¬≤ Fl√§che werden von Gew√§ssern (Fl√ľsse, Seen, Stauseen) belegt. Vom verbleibenden Land werden etwa 40¬†%, n√§mlich 24.710¬†km¬≤ agrarwirtschaftlich und etwa 46¬†%, n√§mlich 28.855¬†km¬≤ forstwirtschaftlich genutzt.

Die Republik Lettland dehnt sich in Ost-West-Richtung 450¬†km und in Nord-S√ľd-Richtung 210¬†km aus.

Von 1920 bis 1940 war die Fl√§che Lettlands um etwa 1300¬†km¬≤ gr√∂√üer, da die fr√ľhere Region Neu-Lettgallen um die Stadt Abrene/Pytalowo, als Ergebnis des Lettisch-Sowjetischen Friedensvertrages von 1920 an Lettland fiel. Nach der Okkupation durch die Sowjetunion wurde dieses Territorium der Russischen Sozialistischen F√∂derativen Sowjetrepublik zugeschlagen. Diese Grenz√§nderung wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht r√ľckg√§ngig gemacht. Um die Voraussetzungen f√ľr seinen Beitritt zur Europ√§ische Union (EU) und NATO zu erf√ľllen, war Lettland gezwungen, das vormals haupts√§chlich von Letten bewohnte Neu-Lettgallen an Russland auch de jure abzutreten. Der russische Name f√ľr die Stadt Pytalowo stammt vermutlich vom historischen lettischen Namen des Ortes, ‚ÄěPie TńĀlavas‚Äú.

Klima

In Lettland herrscht wie in allen baltischen Staaten ein k√ľhlgem√§√üigtes Klima mit kalten Wintern unter 0¬†¬įC und m√§√üig warmen Sommern zwischen 16 und 17¬†¬įC. In Riga liegt die Jahresdurchschnittstemperatur bei knapp 6¬†¬įC, es fallen 600¬†mm Niederschl√§ge. Am feuchtesten ist es im Sp√§tsommer und am trockensten im Fr√ľhjahr. 1800 bis 1900 Stunden j√§hrlich scheint die Sonne (zehn Prozent mehr als in Deutschland).

Die K√ľsten der Ostsee bleiben im Winter meistens eisfrei, im August erreicht die Wassertemperatur bis zu 17¬†¬įC, an hei√üen Sommertagen in der K√ľstenn√§he bis 25¬†¬įC.

Natur

Neben Hirschen, Rehen, Hasen, Schwarzwild und F√ľchsen kommen auch Elche, W√∂lfe, Luchse, Biber und Wisente vor. Der Europ√§ische Braunb√§r ist in Lettland in den Provinzen Latgale und Vidzeme wieder heimisch geworden. F√ľr den Januar 2017 wird von einem festen Bestand von zw√∂lf √ľberwiegend auf lettischem Territorium lebenden Tieren ausgegangen.

In Lettland gibt es 706 staatlich gesch√ľtzte Naturgebiete, darunter vier Nationalparks. Der mit einer Fl√§che von 16.145¬†ha kleinste, aber √§lteste Nationalpark ist der Nationalpark Slńętere. Er wurde im Jahre 1921, w√§hrend der ersten Unabh√§ngigkeit Lettlands, gegr√ľndet. Mit einer Fl√§che von 38.114¬†ha ist der Nationalpark ń∂emeri der zweitgr√∂√üte. Er wurde nach der Wiedererlangung der Unabh√§ngigkeit Lettlands eingerichtet. Mit seinem Gr√ľndungsjahr 1997 ist er der j√ľngste. Der gr√∂√üte Nationalpark ist der Nationalpark Gauja. Er nimmt eine Fl√§che von 92.261¬†ha ein und wurde im Jahre 1973, w√§hrend der Zugeh√∂rigkeit Lettlands zur Sowjetunion, eingerichtet.

Besonders f√ľr Zugv√∂gel von Bedeutung ist das Naturschutzgebiet Pape, wo auch Wisente, Konikpferde und Heckrinder angesiedelt wurden. Lettland hat eine lange Tradition von Naturschutz; erste Schutzbestimmungen gab es bereits im 16.¬†Jahrhundert.

Fl√ľsse

Nach Angaben des Amts f√ľr Statistik Lettlands flie√üen in Lettland 17 Fl√ľsse mit einer jeweiligen L√§nge von √ľber 100¬†km. Die f√ľnf l√§ngsten sind nachstehend aufgef√ľhrt:

Bevölkerung

Die lettische Volkszählung aus dem Jahr 2011 ergab eine Bevölkerung von etwa 2,068 Millionen Menschen. Durch die massive Zuwanderung aus der Sowjetunion in den Okkupationsjahren von 1944 bis 1990 stieg die Einwohnerzahl Lettlands von 1,9 Millionen auf fast 2,7 Millionen an. Seitdem ist die Bevölkerung Lettlands erst aufgrund des Abzugs der Sowjetischen Armee und ihrer Familienangehörigen nach Russland, dann auch wegen niedriger Geburtenraten und Auswanderung massiv gesunken. Sie nahm von 1989 bis 2011 um fast 600.000 Menschen ab. 2014 sank die Einwohnerzahl erstmals unter zwei Millionen und fiel bis 2017 weiter auf 1,95 Millionen Menschen. Damit befindet sie sich auf dem Stand der 1930er Jahre. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnte laut dem US Census Bureau Lettlands Bevölkerung bis zum Jahr 2050 auf etwa 1,25 Millionen sinken.

2017 veröffentlichte die Statistikbehörde Eurostat neue Daten, die eine deutlich positivere Tendenz erkennen lassen. Zwischen 2000 und 2014 stieg die Geburtenrate in Lettland von 1,25 auf 1,65 Kinder pro Frau, in diesem Zeitraum der stärkste Anstieg EU-weit.

Die Lebenserwartung in Lettland betrug zwischen 2010 und 2015 73,9 Jahre (Männer: 68,9, Frauen: 78,7).

Neben der lettischen Mehrheit (62,1¬†% der Bev√∂lkerung) gibt es eine bedeutende russische Minderheit (26,9¬†%) und kleinere Gruppen wie Wei√ürussen (3,3¬†%) und Ukrainer (2,2¬†%), die meist ebenfalls Russisch sprechen, sowie Polen (2,2¬†%) und Litauer (1,2¬†%) (Population and Housing Census 2011). Hinzu kommen Esten, Deutsche, Roma und Tataren. Daneben gibt es noch etwa 2000 Suiti und ca. 170 Liven (vor allem in Riga und einigen kurl√§ndischen K√ľstend√∂rfern).

* Ergebnis der Volkszählung des entsprechenden Jahres

Ethnische Minderheiten und Nichtb√ľrger

Laut dem letzten Zensus im Jahr 2011 gehören knapp 38 % der Bevölkerung ethnischen Minderheiten an. Russen stellen dabei mit etwa 27 % der Gesamtbevölkerung die bedeutendste Minderheit. Bei ihnen handelt es sich mehrheitlich um zwischen 1940 und 1990 eingewanderte Personen bzw. deren Nachkommen. Teile der russischen Minderheit sind aber auch seit Generationen in Lettland ansässig, so stellten Russen bereits 1897 einen Bevölkerungsanteil von etwa 8 % (153.000 Personen).

Zwischen 1940 und 1990 ver√§nderte sich die ethnische Zusammensetzung der Bev√∂lkerung zu Ungunsten der Letten, deren Bev√∂lkerungsanteil von 77¬†% im Jahr 1935 auf 52¬†% im Jahr 1989 fiel. Gleichzeitig stieg der Anteil der Russen auf 34¬†%. Die russische Sprache hatte in dieser Zeit in Lettland eine dominierende Stellung. Die sowjetische Zentralmacht f√∂rderte die ethnische und kulturelle Russifizierung Lettlands. Nach der Wiedererlangung der Unabh√§ngigkeit wurde die russische Sprache ihrer offiziellen Funktionen enthoben und Lettisch die alleinige Amtssprache. Dies stellte f√ľr die russische und weitere Minderheiten ein Problem dar, da sie es in sowjetischer Zeit mehrheitlich abgelehnt oder vers√§umt hatten, die Sprache der lettischen Bev√∂lkerungsmehrheit zu erlernen. Auch heute ist die Integration der russischsprachigen Minderheit in den lettischen Staat noch eine innenpolitische Herausforderung.

Seit der Erneuerung der Unabh√§ngigkeit 1991 und trotz des EU-Beitritts im Jahre 2004 erhalten nach wie vor nur diejenigen Einwohner die lettische Staatsb√ľrgerschaft, die entweder 1940 (vor der sowjetischen Besatzung) lettische Staatsb√ľrger waren oder direkte Nachkommen solcher Personen sind. Fast allen in der Zwischenzeit Zugewanderten, die etwa 30¬†% der Bev√∂lkerung ausmachten, wurde 1995 der Nichtb√ľrgerstatus zuerkannt. Am 1. Januar 2020 lag der Anteil der Nichtb√ľrger bei 10,4¬†% der Bev√∂lkerung. Die Nichtb√ľrger Lettlands sind de facto keine Staatenlose. Der lettische Staat garantiert seinen Nichtb√ľrgern weitaus umfangreichere Rechte als Staatenlosen nach Staatenlosen√ľbereinkommen vom 28. September 1954. Bis auf einige Einschr√§nkungen genie√üen die Nichtb√ľrger die gleichen Rechte wie die Staatsb√ľrger. Sie erhalten einen Pass, der ihnen uneingeschr√§nktes Aufenthalts- und Arbeitsrecht in Lettland garantiert, sie k√∂nnen sich 90 Tage ohne Visum in anderen EU-Staaten aufhalten. Im Unterschied zu den Staatsb√ľrgern k√∂nnen Nichtb√ľrger visumfrei in Russland einreisen. Nichtb√ľrger bekommen den staatlichen und konsularischen Schutz im In- und Ausland. Neben den Staatsb√ľrgern sind sie die einzige Einwohnerkategorie, die in Lettland ex lege Aufenthaltsrecht besitzen. Nichtb√ľrger genie√üen den Sozialschutz im gleichen Umfang wie die Staatsb√ľrger. Die Nichtb√ľrger d√ľrfen einige f√ľr die Staatssicherheit relevante Berufe nicht aus√ľben, k√∂nnen nicht Staatsbeamte werden und sind vom aktiven und passiven Wahlrecht ausgeschlossen.

Das f√ľr die Nichtb√ľrger seit 1.¬†Februar 1995 g√ľltige Einb√ľrgerungsverfahren (‚ÄěNaturalisierung‚Äú) besteht aus einem Sprachtest sowie einer Pr√ľfung in lettischer Geschichte und Verfassungskunde. Somit m√ľssen diejenigen, die die Einb√ľrgerung beantragen, die Landessprache beherrschen sowie √ľber Grundkenntnisse der Kultur und Geschichte des Landes verf√ľgen.

Teils aus Desinteresse (35¬†%), teils wegen des fortgeschrittenen Alters (24,9¬†%) oder der als zu anspruchsvoll empfundenen Pr√ľfungen (11,4¬†%), teils aber auch aus Widerwillen und Opposition gegen den Inhalt des Examens (4,5¬†%) haben sich einige Angeh√∂rige der russischsprachigen Bev√∂lkerungsgruppen (neben Russen auch Wei√ürussen, Ukrainer, russische Juden oder Tataren) bis heute nicht einb√ľrgern lassen.

Die Ausweitung des lettischsprachigen Unterrichtsanteils an den staatlich finanzierten lettischen Schulen mit russischer Unterrichtssprache (in der Oberstufe von 54¬†% auf 60¬†% ab dem Schuljahr 2004/05) wurde von einer offiziell nicht registrierten Organisation namens ‚ÄěSchutzstab der russischen Schulen‚Äú u.¬†a. unter der Parole ‚ÄěUnser Land ‚Äď unsere Sprache‚Äú instrumentalisiert. Ziel der Anhebung des Lettischanteils war es zum einen, die russischsprachigen Bev√∂lkerungsteile in die Gesellschaft besser zu integrieren und zum anderen den russischsprachigen Jugendlichen eine weiterf√ľhrende Ausbildung an den lettischsprachigen Hochschulen des Landes zu erm√∂glichen.

Mahnungen seitens des Europ√§ischen Gerichtshofes f√ľr Menschenrechte haben in den letzten Jahren zu verst√§rkten Bem√ľhungen seitens des Staates gef√ľhrt, die Einb√ľrgerungsraten zu erh√∂hen. Durch den EU-Beitritt ist die Attraktivit√§t des lettischen Passes (Niederlassungsfreiheit) f√ľr die im Land lebenden Russischsprachigen gestiegen. Bis zum Jahr 2020 wurden 147.259 Einwohner Lettlands eingeb√ľrgert (Stand: 31. Januar 2020). Erschwerend f√ľr die Einb√ľrgerung sind die Tatsachen, dass Nichtb√ľrger im Gegensatz zu B√ľrgern keine Visa f√ľr die Fahrten nach Russland brauchen und auch innerhalb der EU den lettischen B√ľrgern gleichgestellt sind.

Ein weiterer Streitpunkt ist das Geschichtsverst√§ndnis vieler Russophoner, die den Zweiten Weltkrieg in sowjetischer Tradition als den sogenannten Gro√üen Vaterl√§ndischen Krieg verstehen, bei dem die Rolle des Hitler-Stalin-Pakts und der Ereignisse vor 1941 ausgeblendet wird, wohingegen f√ľr die Letten der Einmarsch der Roten Armee den Verlust des eigenen Staats und eine 55 Jahre dauernde sowjetische Okkupation bedeutete. Unterschiedliche Auffassungen bestehen auch in der Bewertung der Zeit der Deutschen Besatzung. F√ľr Kontroversen sorgt der regelm√§√üig stattfindende Marsch der Legion√§re, bei dem der Veteranen der lettischen SS-Verb√§nde gedacht wird. Sie werden von Teilen der lettischen Bev√∂lkerung als Befreier von der sowjetischen Okkupation angesehen. Dagegen protestieren die russischsprachige und die j√ľdische Minderheit des Landes.

Sprachen

Sprachliche Vielfalt

Lettisch, eine ostbaltische Sprache innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie, ist die Muttersprache von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung. Sie ist die verfassungsmäßig verankerte Amtssprache in Lettland und eine der vierundzwanzig Amtssprachen der EU. An zweiter Stelle steht Russisch, das 37 % der Einwohner als Muttersprache sprechen. Im Jahr 1935 waren nur 8,8 % der Einwohner Lettlands russischstämmig. Eine weitere baltische Minderheitensprache von Bedeutung ist das moderne Lettgallische in den östlichen Landesteilen. Es entstand durch die politische Trennung Lettgallens vom Rest Lettlands, es wird manchmal als Varietät des Lettischen und nicht als eigenständige Sprache betrachtet. 2013 ist das Livische ausgestorben.

Der hohe Anteil russischsprachiger Einwohner Lettlands beruht vor allem auf der zu Zeiten der sowjetischen Okkupation (1944‚Äď1990/1991) von der Regierung der UdSSR gesteuerten Einwanderung (siehe Tabelle oben und Abschnitt Minderheiten und Nichtb√ľrger). In dieser Zeit wurde Russisch neben dem Lettischen zur Amtssprache erkl√§rt, weshalb es von einigen Letten immer noch als ‚ÄěBesatzersprache‚Äú empfunden wird. In der Hauptstadt Riga, wo seit den Sowjetzeiten etwa jeder zweite Einwohner russischst√§mmig bzw. -sprachig ist (1930 nur 7,86¬†%, siehe Riga, Abschnitt Sprachen), wird laut der lettischen Statistikbeh√∂rde im Alltag sowohl Lettisch als auch Russisch gesprochen. In Daugavpils, der zweitgr√∂√üten Stadt, liegt der Anteil der Letten bei unter 20¬†%.

Sprachpolitik in der Gegenwart

Die Amtssprache Lettlands ist Lettisch. Neben den staatlichen lettischen Schulen unterh√§lt Lettland auch Schulen in sieben Minderheitensprachen und setzt somit die Tradition der vielsprachigen Bildungspolitik der Vorkriegszeit fort. Die gr√∂√üte Minderheitensprache ist Russisch. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor es seinen privilegierten Status und genie√üt heute keine besondere rechtliche Hervorhebung. Alle Eingaben an Beh√∂rden m√ľssen in notariell beglaubigter lettischer √úbersetzung vorgelegt werden. Ausgenommen sind medizinische Notrufe und Anrufe bei Polizei, Feuerwehr u.¬†√§. Lettland ist nicht Vertragspartei der Europ√§ischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen.

Der Verlust des offiziellen Status f√ľr die russische Sprache in Lettland hat seit der Wiedererlangung der Unabh√§ngigkeit vereinzelt zu sozialen Spannungen und Protesten gef√ľhrt. Dem Bestreben des Staates, die lettische Sprache im √∂ffentlichen Raum als Hauptsprache zu etablieren, widersetzen sich viele russischsprachige Einwohner, teilweise indem sie sich weigern, Lettisch zu lernen oder es zu gebrauchen. Jedoch kann die Integrationspolitik auch deutliche Erfolge verzeichnen, zum Beispiel bei der Kenntnis der lettischen Sprache seitens der Russischsprachigen. W√§hrend 1996 noch 22¬†% der Nicht-Letten die lettische Sprache √ľberhaupt nicht verstanden, gaben dies 2008 nur sieben Prozent an. Im selben Jahr verwiesen 57¬†% der Nicht-Muttersprachler auf gute Kenntnisse der lettischen Sprache (1996: 36¬†%). Die bedeutendsten Ver√§nderungen erfolgten bei der j√ľngeren Generation. Von den Personen zwischen 15 und 34 Jahren geben 73¬†% gute lettische Sprachkenntnisse an.

In staatlichen russischsprachigen Schulen wird der Unterricht in Klasse 10 bis 12 in sprachrelevanten F√§chern zu mindestens 60¬†% auf Lettisch abgehalten. Dies wird von manchen Russophonen als Diskriminierung angesehen. Nach mehrfachen Protesten und Forderungen, das Russische als zweite Amtssprache anzuerkennen, beschloss die Saeima, einen Volksentscheid durchzuf√ľhren. Am 18. Februar 2012 lehnten 74,8¬†% der Bev√∂lkerung per Volksentscheid die Einf√ľhrung des Russischen als zweite Amtssprache ab. Die Nichtb√ľrger, die damals etwa 12¬†% der Bev√∂lkerung stellten, waren nicht stimmberechtigt. Das umstrittene Referendum wurde vom pro-russischen Aktivisten Wladimir Linderman durch eine Unterschriftensammelaktion initiiert. Daher stie√ü die √∂ffentliche Bekennung des langj√§hrigen Rigaer B√ľrgermeisters Nils UŇ°akovs, der f√ľr Russisch als zweite Amtssprache eingetreten ist, auf Unverst√§ndnis seitens der etablierten Regierungsparteien und gr√∂√üeren Teilen der Bev√∂lkerung. Am 2. April 2018 unterzeichnete Pr√§sident Raimonds Vńďjonis die zuvor von der Saeima beschlossenen Gesetze, die die graduelle Einf√ľhrung des Lettischen als alleinige Unterrichtssprache bis zu den Jahren 2021/2022 in allen Sekundarschulen Lettlands vorsehen. Russland drohte daraufhin Sanktionen gegen Lettland an.

Religion

Seit der Reformation war die wichtigste Konfession im westlichen und im zentralen Teil Lettlands die evangelisch-lutherische. Zur Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands geh√∂ren 250.000 Letten, von denen sich nur eine Minderheit von rund 40.000 Menschen zu ihrer Kirche bekennt (l√§sst sich konfirmieren, leistet kirchliche Abgaben, nimmt am Abendmahl teil). Sie wird von Erzbischof JńĀnis Vanags geleitet. Die lutherische Kirche Lettlands lehnt, wie auch die r√∂misch-katholische Kirche, sowohl Homosexualit√§t als auch Frauenordination ab.

Das im Osten Lettlands gelegene Lettgallen ist mehrheitlich r√∂misch-katholisch, da es historisch mit Litauen und Polen verbunden ist. Eine katholische Minderheit im Westen des Landes sind die Suiti. Beide Kirchen spielten eine wichtige Rolle in der ‚ÄěSingenden Revolution‚Äú und gewannen in dieser Zeit viele neue Mitglieder. Der katholischen Kirche in Lettland geh√∂ren rund 407.000 Bewohner Lettlands an.

Der russischstämmige Bevölkerungsteil bekennt sich zur russisch-orthodoxen Kirche. Es handelt sich um bis zu 400.000 Menschen.

In neun lettischen St√§dten existieren j√ľdische Synagogengemeinden. Die Anzahl der j√ľdischen Bev√∂lkerung betr√§gt etwa 9.000. Vor dem Holocaust spielte die j√ľdische Religion und Kultur im Gebiet Lettlands eine wichtige Rolle.

Rund 8.000 Letten bekennen sich zur Dievturńęba-Bewegung, die an das vorchristliche Heidentum ankn√ľpft.

Außerdem gibt es noch bis zu 6.000 Anhänger des Islam in Lettland, von denen sich jedoch nur ein kleiner Teil tatsächlich als religiös bekennt. Die meisten von ihnen sind Tataren (~2.600) und Aserbaidschaner (~1.900), hinzu kommen rund 1.000 weitere ethnische Muslime aus ehemaligen Teilrepubliken der UdSSR sowie einige muslimische Immigranten.

Mehr als 40 % der Bevölkerung Lettlands sind konfessionslos.

Geschichte

Im 2. Jahrtausend v. Chr. besiedelten die ersten indoeuropäischen Stämme, Vorfahren der späteren Letten und Litauer, das Gebiet Lettlands. Sie verdrängten oder assimilierten die dort lebenden finnugrischen Stämme. In antiken Schriften werden die Balten als Aisti oder Aesti bezeichnet.

Die Siedlungsgebiete der Balten und Liven im fr√ľhen Mittelalter waren in zahlreiche kleine F√ľrstent√ľmer zersplittert. Ab 1202 wurden die lettischen Kleinf√ľrstent√ľmer vom Schwertbr√ľderorden erobert, der 1237 im Deutschen Orden aufging. Gleichzeitig begann die Einwanderung von Deutschen. Die deutsche Oberschicht stellte jahrhundertelang das Stadtb√ľrgertum und die Gro√ügrundbesitzer. Im Zuge der Reformation wurde Lettland lutherisch. Unter dem Druck der umliegenden M√§chte kam das Gebiet der Livl√§ndischen Konf√∂deration im 16.¬†Jahrhundert in Abh√§ngigkeit von Polen-Litauen, weshalb Teile Lettlands heute katholisch sind. Bis ins 18.¬†Jahrhundert war das Baltikum zwischen Russland, Schweden und Polen umk√§mpft. Durch die zahlreichen Kriege und Epidemien in deren Gefolge sanken die Bev√∂lkerungszahlen erheblich. In Folge der Dritten Teilung Polens wurde das Gebiet Lettlands 1795 an das Russische Kaiserreich angegliedert. W√§hrend die Deutsch-Balten ihre Privilegien und ihre kulturelle Pr√§gekraft bewahren konnten, hatte sich unter Assimilierung der livischen Volkschaften eine weitgehend homogene lettische Bev√∂lkerungsschicht herausgebildet.

Erste Unabhängigkeit

Im 19. Jahrhundert und insbesondere Anfang des 20. Jahrhunderts begannen mit den Jungletten und der Neuen Str√∂mung Unabh√§ngigkeitsbestrebungen unter den Letten. Nach dem Ersten Weltkrieg erkl√§rte Lettland am 18. November 1918 die Unabh√§ngigkeit und konnte diese im Lettischen Unabh√§ngigkeitskrieg durchsetzen. In den 1920er Jahren erlebte Lettland eine wirtschaftliche und kulturelle Bl√ľte. Allein im Jahre 1922 wurden 300 kommunale Bibliotheken er√∂ffnet. Bei der Anzahl der ver√∂ffentlichten B√ľcher (bezogen auf die Einwohnerzahl) stand Lettland ‚Äď nach Island ‚Äď in Europa an zweiter Stelle. Beginnend mit 1920 er√∂ffnete der lettische Staat diplomatische Vertretungen in vielen europ√§ischen L√§ndern, wie auch in China und den Vereinigten Staaten. Am 7. November 1922 trat die noch heute g√ľltige Verfassung der Republik Lettland in Kraft. Lettland trat auch dem V√∂lkerbund bei. Die Minderheitsgesetzgebung war f√ľr die damalige Zeit sehr tolerant; der Staat unterhielt Schulen in sieben Minderheitensprachen. Nach dem Staatsstreich am 15. Mai 1934 setzte KńĀrlis Ulmanis die Verfassung teilweise au√üer Kraft. Er regierte den Staat autorit√§r.

Zweiter Weltkrieg

Im Oktober 1939 musste Lettland der sowjetischen Armee die Errichtung von St√ľtzpunkten gestatten und im Juli 1940 wurde Lettland zur Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik erkl√§rt. Die meisten westlichen Staaten erkannten Lettland zwar de jure nicht als Teil der Sowjetunion an, der √ľberwiegende Teil davon aber de facto. Lettland wurde administrativ an die sowjetischen Verwaltungsstrukturen angepasst, die zivile und milit√§rische F√ľhrung abgesetzt, die Industrie verstaatlicht und der Gro√ügrundbesitz und das gro√üb√§uerliche Landeigentum f√ľr k√ľnftige Genossenschaften parzelliert. Die diskriminierenden Vorschriften gegen die j√ľdische Minderheit, die einen Bev√∂lkerungsanteil von 5¬†% hatte, aus der Zarenzeit und der Zeit der Republik wurden aufgehoben, was auf entschiedene Ablehnung der in Lettland zahlreichen Antisemiten stie√ü.

Seit Mai und verst√§rkt im Juni 1941 traf die sowjetische Regierung versp√§tet einige Pr√§ventivma√ünahmen f√ľr den Fall einer deutschen milit√§rischen Aggression im Grenzraum zum deutschen Herrschaftsbereich, dem Baltischen Besonderen Milit√§rbezirk, zumal sich in Erwartung einer solchen M√∂glichkeit bereits bewaffnete ns-freundliche Gruppen gegen die lettische Regierung formierten, etwa unter dem "fanatischen Antisemiten" Viktor Arajs. Zu diesen Ma√ünahmen geh√∂rte die Verlegung von Teilen der baltischen Bev√∂lkerung, die als gegnerische Problemgruppen betrachtet wurden, in den sibirischen Osten der UdSSR. In Lettland kam es am 14. Juni 1941 zur Deportation von 19.000 Letten, von denen etwa 5.000 dem j√ľdischen Bev√∂lkerungsteil angeh√∂rten, das aber "interessierte niemanden."

Mit dem Angriff der NS-Truppen auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begann zur Jahresmitte 1941 die deutsche Besatzung Lettlands als Teil des "Reichskommissariats Ostland" unter dem Reichskommissar Hinrich Lohse. Es kam nun auch in Lettland zu zahlreichen Massenverbrechen an Juden, Roma, als "Kommunisten" Betrachteten, Angeh√∂rigen der feindlichen "Banden", Gef√§ngnisinsassen und Geisteskranken. Nachdem 15.000 Juden vor der NS-Herrschaft in die unbesetzte Sowjetunion hatten fliehen k√∂nnen, verblieben in Lettland zum Zeitpunkt des Einmarschs noch 70.000, von denen bis Ende 1941 mehr als 90 Prozent den Mordaktionen zum Opfer gefallen waren und mit dem Ende der Besatzung nurmehr noch 3.000 lebten. Dem w√§ren 20.000 Juden, die aus dem Deutschen Reich und den besetzten Gebieten nach Lettland deportiert worden waren, hinzuzuf√ľgen, von denen etwa 1.000 √ľberlebten. 1935 hatte die Volksz√§hlung nicht ganz 4.000 Roma in Lettland ergeben, die nahezu vollst√§ndig den Morden zum Opfer fielen.

Etwa 80.000 Letten geh√∂rten w√§hrend des Zweiten Weltkrieges der lettischen SS-Legion an, weitere 30.000 wurden in der lettischen Polizei eingesetzt. Beide Gruppen waren an den zahlreichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt. Eine Hauptrolle bei der "Endl√∂sung der Judenfrage" spielte das von Viktor Arajs gef√ľhrte 400-k√∂pfige Mord-Kommando, dem etwa 30.000 j√ľdische Letten zum Opfer fielen. Im Herbst 1944 wurde Lettland von der Roten Armee befreit und erneut als Lettische SSR der Sowjetunion angegliedert.

In den Jahrzehnten der Zugeh√∂rigkeit Lettlands zur UdSSR wurde der lettische Beitrag vor allem der Partisanen zur Befreiung zwar hervorgehoben, aber zugleich ‚Äědie entscheidende Rolle‚Äú der Roten Armee betont. In den Schriften der in den Westen Exilierten publizierte man zum Thema ‚ÄěRechtfertigungen der Kollaboration‚Äú und ‚ÄěPropagandamaterial der Nationalsozialisten‚Äú, so auch zum angeblich ‚Äěj√ľdisch-kommunistischen Verbrechen‚Äú am ‚Äělettischen Volk‚Äú. Einzelst√ľcke dieser NS-Propaganda tauchten nach dem Systemwechsel wieder auf. Nun wurde die Ablehnung des Kommunismus als ‚Äěpolitisch und ethnisch fremd‚Äú zum Hauptmotiv der lettischen offiziellen Geschichtserz√§hlung, was die Abwertung des lettischen Partisanenwiderstands gegen die NS-Besatzung miteinschloss. Die antinazistischen Partisanen galten nunmehr als ‚ÄěBanditen‚Äú.

Wiederherstellung der Unabhängigkeit

Am 4. Mai 1990 beschloss der Oberste Rat der LSSR die ‚ÄěWiederherstellung der Unabh√§ngigkeit‚Äú. Der Parlamentsbeschluss konnte jedoch erst mit dem Zerfall der Sowjetunion am 21. August 1991 de facto wirksam werden. 2004 wurde die Republik Lettland Mitglied der Europ√§ischen Union und trat der NATO bei.

Währung

Am 1. Januar 2014 f√ľhrte Lettland als zweiter der baltischen Staaten den Euro ein.

OECD

Am 1. Juli 2016 erfolgte der Beitritt zur Organisation f√ľr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Politik

Verfassung

Die Verfassung Lettlands (Satversme) stellt das Grundgesetz der unabhängigen demokratischen Republik Lettland dar. In Lettland gilt die modernisierte Verfassung vom 15. Februar 1922, die zwischenzeitlich, erst von der autoritären Regierung Karlis Ulmanis 1936 teilweise, dann durch die sowjetische Okkupation 1940 de facto vollständig außer Kraft gesetzt wurde. Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit am 4. Mai 1990 trat die Verfassung zunächst teilweise und mit dem 6. Juli 1993 vollständig wieder in Kraft. Seitdem wurde die Verfassung mehrfach ergänzt.

Die Verfassung Lettlands ist eine der ältesten noch geltenden Verfassungen Europas, sie ist das sechstälteste geltende republikanische Grundgesetz der Welt.

Lettland ist eine parlamentarische Demokratie. Der Pr√§sident ernennt und entl√§sst die gew√§hlte Regierung und vertritt Lettland gegen√ľber anderen Staaten. Er fungiert zugleich als Oberbefehlshaber der Streitkr√§fte und hat ein Gesetzesinitiativrecht, das sporadisch in Anspruch genommen wird. Er nimmt regelm√§√üig an Sitzungen des Kabinetts und des Parlaments (Saeima) teil.

Die F√ľhrung der Regierungsgesch√§fte und die Leitung des Kabinetts obliegt dem Ministerpr√§sidenten, der von einer Mehrheit der 100 Abgeordneten gew√§hlt werden muss.

Das Kabinett besteht aus 17 Ministerien, den Vorsitz f√ľhrt der Ministerpr√§sident, au√üerdem geh√∂ren dem Kabinett die jeweiligen Staatssekret√§re sowie die Fraktionsvorsitzenden der regierenden Parteien an, die jedoch √ľber kein Stimmrecht verf√ľgen. Die Regierung von KriŇ°jńĀnis KariŇÜŇ° trat im Januar 2019 ihr Amt an. Im politischen Spektrum ist die Regierungskoalition als Mitte-rechts einzuordnen.

Am 18. November 1918 wurde die Unabh√§ngige Demokratische Republik Lettland vom Rat des Volkes ausgerufen. Der Rat des Volkes billigte das Gesetz √ľber die Wahlen zur Konstituierenden Versammlung und das Gesetz √ľber B√ľrgerrechte, die vorsahen, dass in allgemeiner, gleicher, direkter, geheimer Wahl eine Konstituierende Versammlung zu w√§hlen sei. B√ľrgerinnen und B√ľrger √ľber 21, die in Lettland wohnten, hatten das aktive und passive Wahlrecht. Damit war das Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene eingef√ľhrt. F√ľr Kommunalwahlen wurden analoge Regelungen verabschiedet. Wegen des Ersten Weltkrieges konnten die Wahlen zur Konstituierenden Versammlung erst am 17. und 18. April 1920 abgehalten werden. Damit wurde in Lettland das allgemeine aktive und passive Wahlrecht f√ľr Frauen und M√§nner gleichzeitig eingef√ľhrt. Unter sowjetischer Verwaltung durften Frauen ebenfalls w√§hlen, und dieses Recht wurde bei der erneuten Unabh√§ngigkeit 1990 best√§tigt.

Außenpolitik

Die Außenpolitik Lettlands ist westlich orientiert; die Beziehungen zu Russland sind eher angespannt.

Auf dem EU-Gipfel am 12./13. Dezember 2002 in Kopenhagen berieten und beschlossen die 15 Regierungschefs, zum 1.¬†Mai 2004 Litauen und neun weitere Staaten in die Europ√§ische Union aufzunehmen. In einem Referendum am 20. September 2003 stimmte die wahlberechtigte lettische Bev√∂lkerung diesem Vorhaben mit 66,97¬†% zu. Im Zuge der NATO-Osterweiterung wurde Lettland im April 2004 Mitglied der NATO. Riga war Gastgeber des NATO-Gipfels 2006 und seitdem wurde die j√§hrlich veranstaltete Riga Konferenz zu einem f√ľhrenden Forum der Au√üen- und Sicherheitspolitik Nordeuropas. Die Lettischen Nationalen Streitkr√§fte (lettisch NacionńĀlie bruŇÜotie spńďki) sind das Milit√§r der Republik Lettland. Laut Artikel¬†42 der Verfassung Lettlands ist der Staatspr√§sident ihr oberster F√ľhrer. Im Kriegsfalle ernennt er einen Oberbefehlshaber.

Lettland war von 1921 bis 1946 Mitglied des V√∂lkerbundes. Heute ist es Mitglied der Vereinten Nationen, der Europ√§ischen Union, des Europarates, der NATO, der OECD (Organisation f√ľr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa), des Internationalen W√§hrungsfonds und der Welthandelsorganisation und ist Teil des Schengen-Raums. Lettland ist auch ein Mitglied des Ostseerates und der Nordischen Investitionsbank. Seit den fr√ľhen 1990er Jahren ist Lettland an aktiv trilateraler Kooperation mit seinen baltischen Nachbarn, Estland und Litauen beteiligt und im Rahmen der Nordisch-Baltischen Kooperation mit den Nordischen L√§ndern. Im Rahmen der Nordic-Baltic Eight (NB-8) kooperieren die Regierungen von D√§nemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Norwegen und Schweden. Die Nordic-Baltic Six (NB-6) besteht aus allen nordischen und baltischen L√§ndern, die EU-Mitglied sind, und ist ein Forum zur Diskussion der die EU betreffenden Themen.

Lettland hat diplomatische Beziehungen zu 158 Staaten und unterh√§lt Botschaften in 35¬†L√§ndern, 37¬†L√§nder unterhalten eine Botschaft in Riga. Lettland ist Gastgeber einer EU-Organisation, des Gremiums Europ√§ischer Regulierungsstellen f√ľr elektronische Kommunikation.

Militär

Seit dem 1. Januar 2007 hat Lettland eine v√∂llig auf Vertr√§gen basierende Berufsarmee. Lettland beteiligt sich an internationalen und friedenserhaltenden Sicherheitseins√§tzen und ist seit 2004 Mitglied der NATO. 2017 gab Lettland 1,7¬†% des BIPs f√ľr Verteidigung aus, 2018 soll das Verteidigungsetat die von der NATO empfohlenen 2¬†% erreichen.

Justiz

Als Gerichte entscheiden in Lettland

  • 9 Bezirks-/Stadtgerichte (rajona/pilsńďtas tiesa) und das Bezirksverwaltungsgericht (administratńęvńĀ rajona tiesa)
  • 5 Regionalgerichte (apgabaltiesa) und das Regionalverwaltungsgericht (administratńęvńĀ apgabaltiesa)
  • das Oberste Gericht (AugstńĀkńĀ tiesa)
  • sowie das Verfassungsgericht (Satversmes tiesa).

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 10,10¬†Mrd. Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 9,76¬†Mrd. Dollar gegen√ľber, daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 1,2¬†% der Wirtschaftsleistung. Die Gesamtstaatsverschuldung betrug 2016 34,3¬†% des BIP.

Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 6,6¬†% (2006)
  • Bildung: 5,1¬†% (2004)
  • Milit√§r: 1,7¬†% (2017)

Flagge

Die Flagge soll das wei√üe, blutgetr√§nkte Leinentuch darstellen, in das ein lettgallischer Stammesf√ľrst zur letzten Ruhe gebettet worden war. Die blutroten Streifen der Flagge symbolisieren seine im Todeskampf ausgestreckten Arme, der wei√üe Strich in der Mitte die Stelle, auf der der Leib des Stammesf√ľrsten lag. Bereits im 13.¬†Jahrhundert wird in der ‚ÄěLivl√§ndischen Reimchronik‚Äú von dieser Flagge als Kriegsstandarte der lett- und semgallischen St√§mme berichtet.

Verwaltungsgliederung

Lettland ist in neun republikunmittelbare Städte und 110 Bezirke (novads) eingeteilt.

49 % der Bevölkerung Lettlands leben in den sieben größten Städten, die mit einem Gesamtterritorium von 664 km² nur 1 % der Fläche des Landes einnehmen. Die restliche Bevölkerung lebt auf dem Land.

Wirtschaft

Wirtschaftsdaten

Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Lettlands lag seit der √úberwindung der Russlandkrise (ab 2000) stets √ľber sechs Prozent, insbesondere nach dem EU-Beitritt 2004. 2005 betrug das Wachstum 10,2¬†%. Haushalte und Unternehmen hatten in den Boom-Jahren allerdings auch hohe Schulden angeh√§uft. Das BIP betrug im Jahr 2017 27,03 Mrd.¬†Euro. Pro Kopf der Bev√∂lkerung sind das 13.900 Euro (zum Vergleich: Deutschland 39.600¬†Euro). Vergleicht man das BIP nach Kaufkraftstandards (also nach der Kaufkraft eines Euros) mit dem Durchschnitt der EU (EU-28:¬†100) erreichte Lettland 2017 einen Wert von 67 (Deutschland:¬†124), der Wert war seit 2000 deutlich angestiegen (damals:¬†36).

Laut Weltbank steht Lettland auf Rang¬†22 der unternehmensfreundlichsten L√§nder. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Lettland Platz¬†49 von 138 L√§ndern (Stand 2016/17). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegte Lettland 2017 Platz¬†20 von 180 L√§ndern.

Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise machte sich in Lettland bereits am Jahresende 2007 bemerkbar. Die lettische Regierung reagierte mit hohen K√ľrzungen der staatlichen Ausgaben und erhielt aus dem Ausland eine Kapitalspritze in H√∂he von einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Jahr 2008 ging das BIP um 4,6¬†% zur√ľck, im Jahr 2009 brach die Wirtschaft sogar um 14,4¬†% ein. Zwischen 2007 und 2010 stieg die Arbeitslosenquote von sieben auf zwischenzeitlich bis zu 21¬†Prozent an. Die Zahl der Besch√§ftigten im staatlichen Bereich sank um 30¬†Prozent, die √∂ffentlichen Geh√§lter wurden um 40¬†Prozent beschnitten. Der gesetzliche Mindestlohn betr√§gt ‚Äď seit dem 1. Januar 2018 ‚Äď 430 Euro pro Monat und 2,48 Euro pro Stunde.

Die Arbeitslosenquote sank bis Juni 2014 auf 11,4 %. Dank einer positiven wirtschaftlichen Gesamtentwicklung sank sie bis zum Oktober 2017 auf 9,2 % ab. Laut Eurostat waren 2010 in Lettland 21,3 % der Bevölkerung armutsgefährdet und 27,4 % der Letten lebten unter erheblicher materieller Entbehrung (EU-27 Durchschnitt: 16,4 bzw. 8,1 %).

Lettland ist das ärmste Land der drei baltischen Staaten.

Investitionen

Die Summe der ausl√§ndischen Direktinvestitionen belief sich bis zur Jahresmitte 2004 auf 3,1¬†Milliarden Euro. Deutschland belegt mit Gesamtinvestitionen von 435¬†Mio. Euro (I.¬†Quartal 2004; entspricht 15¬†%) den ersten Rang vor Schweden, Finnland, D√§nemark, Norwegen und den USA. Diese Position begr√ľndet sich ganz wesentlich in der Expansion der Nord/LB auch nach Lettland (eigene Tochter). Daneben sind folgende gro√üe Unternehmen und Investoren in Lettland t√§tig:

  • Bankwesen: SEB (S/Anteile an Unibanka), Hansabanka (EE-SF), Vereins- und Westbank¬†(D)
  • Energie: Ruhrgas/eon und Gazprom (D und RU/Anteile an Latvijas Gaze), Den Norske Stats (N/Erd√∂l (Statoil)), Shell (UK-NL/Erd√∂l), Transneftegaz (RU/Erd√∂l), Neste (SF/Erd√∂l)
  • Immobilien und Einzelhandel: LinstowWarner (N/Immobilien), Preatoni Group (I/u.¬†a. Domina Hotels), Polarbek (USA/Radisson Hotel), Stockmann (SF), Kesko¬†(SF)
  • Telekommunikation: TeliaSonera (S/SF, Anteile an Lattelekom und LMT (Mobilfunk)), Tele2¬†(S)
  • diverse: Rinzai (HKG-SGP/ Acot Industries (Modellbau aus Metall)), SAS (S/DK; Anteile an Air Baltic)

Jungunternehmen und Startups

Laut Weltbank steht Lettland auf Rang¬†22 der unternehmensfreundlichsten L√§nder der Welt. Lettland geh√∂rt damit zu den attraktivsten Staaten f√ľr neue Unternehmen. Mit 72¬†Vertretern unter den 5000 am schnellsten wachsenden Unternehmen der Welt wurde Riga von Inc. Wirtschaftsmagazin als einer der erfolgreichsten Startup-Standorte Europas bewertet (Platz¬†7).

Ende 2016 verabschiedete die Saeima, das lettische Parlament, mit gro√üer Mehrheit ein in Europa einzigartiges Startup-Gesetz. Wenn ein Unternehmen die notwendigen Grundkriterien erf√ľllt, kann es deutliche Steuererleichterungen in Anspruch nehmen. Ein anerkanntes Startup-Unternehmen zahlt maximal 252 Euro in Steuern pro Mitarbeiter. Erst wenn das Gehalt 4050 Euro √ľbersteigt, werden weitere Steuern f√§llig. Das Gesetz trat am 1. Januar 2017 in Kraft.

Währung und Preise

Die nationale W√§hrung Lettlands war bis zum 31. Dezember 2013 der Lats (int. K√ľrzel LVL), der im M√§rz 1993 eingef√ľhrt wurde und den Lettischen Rubel (Latvijas rublis) abl√∂ste, welcher als √úbergangsw√§hrung ein Jahr lang im Umlauf gewesen war. Seit dem 1. Januar 2014 ist der Euro im Umlauf.

Die Preisentwicklung in Lettland war nach einer wirtschaftlichen Depression 1998/99 (Russlandkrise) moderat, schritt aber mit Inflationsraten zwischen 2,5 und 3¬†% stets schneller voran als in den Nachbarstaaten Estland und Litauen. Mit dem EU-Beitritt kam es zu erheblichen Schwankungen (z.¬†B. 2007 15¬†% und 2010 ‚ąí1,22¬†%). 2017 und 2018 lag die Inflationsrate bei etwa 3¬†%.

Im Rahmen der internationalen Finanzkrise ab 2007 gab es in Lettland im Oktober 2008 Verhaftungen von lettischen Staatsb√ľrgern mit dem Vorwurf, durch Meinung oder Wirtschaftsprognosen die Landesw√§hrung zu schw√§chen. Doch auch die Unterdr√ľckung dieser Meinungen nutzte nichts: Die Regierung intervenierte mehrmals, allerdings erfolglos am Devisenmarkt. Auch Versuche, Ende Mai 2009 weitere Staatsanleihen zu verkaufen, scheiterten. Am 4.¬†Juni 2009 forderte die EU-Kommission Lettland offiziell auf, das Staatsdefizit zu verkleinern, es wurde zum damaligen Zeitpunkt sogar ein Staatsbankrott bef√ľrchtet. Ausgabensenkungen waren die Voraussetzung f√ľr weitere Kredite des IWF.

Die Arbeitslosenquote stieg bis August 2009 auf 18,3¬†%, was gegen√ľber dem Vorjahreszeitraum fast eine Verdreifachung darstellte. Gleichwohl hat Lettland einen Ausweg aus der damaligen Krise gefunden.

Mit Wirkung vom 1. Januar 2005 wurde der Lats fest an den Euro zu einem Wechselkurs von 1¬†EUR =¬†0,702804¬†LVL gekoppelt. Die lettische Zentralbank hielt den Lats-Wechselkurs bis zur Euroeinf√ľhrung in einer Bandbreite von ¬Ī1¬†% gegen√ľber dem Euro. Die Maastrichtkriterien wurden nach eigenen Angaben seit 2012 erf√ľllt. Im Juni 2013 signalisierte die EU-Kommission die Aufnahme Lettlands als 18.¬†Mitglied in die Euro-Zone zum Jahr 2014, im Juli wurde die Einf√ľhrung des Euro ab dem 1. Januar 2014 endg√ľltig gebilligt.

Außenhandel

Die Bedeutung des Au√üenhandels (sowohl von Exporten als auch Importen) f√ľr die lettische Wirtschaft hat sich im Verlaufe des letzten Jahrzehnts deutlich erh√∂ht. Das Land setzt auf ‚ÄěAllianzen mit erfolgreichen L√§ndern‚Äú (Schweden, Russland, Deutschland).

Die Exporte beliefen sich 2011 rund 6 Mrd. Lats, die Importe rund 7,6 Mrd. Lats. Das Defizit in der Handelsbilanz beträgt damit 1,6 Mrd. Lats. Durch positive Bilanzen bei Dienstleistungen sowie bei Direktinvestitionen und sonstigen Transferleistungen reduziert sich dieses Defizit in der Zahlungsbilanz zwar, blieb aber weiterhin hoch.

2004 hat sich insbesondere der Warenaustausch mit den unmittelbaren Nachbarstaaten (Estland, Litauen, Russland, Belarus) sowie mit Polen intensiviert.

  • Hauptexportl√§nder waren 2004:
    • Gro√übritannien (13¬†%)
    • Deutschland (12¬†%)
    • Schweden (10¬†%)
  • Hauptexportprodukte:
    • Holz und Holzprodukte (√ľber 30¬†% der Exporte)
    • Metalle und Metallprodukte (14¬†%)
    • Textilien (11¬†%)
  • Hauptimportl√§nder sind:
    • Deutschland (14,5¬†%)
    • Litauen (12,5¬†%)
    • Russland (9¬†%)
  • Hauptimportg√ľter:
    • Maschinen und Elektroger√§te (20¬†%)
    • Mineralprodukte (v.¬†a. Erd√∂l, 13¬†%)
    • Fahrzeuge (11¬†%)

Produktion

Das verarbeitende Gewerbe trägt ein Viertel zum BIP Lettlands bei. Wichtige Industriezweige sind:

  • Maschinen- und Fahrzeugbau: Waggons, Omnibusse, Waschmaschinen
  • Nahrungsmittelindustrie (v.¬†a. Milch-, Fleisch- und Fischverarbeitung, Getr√§nkeindustrie)
  • Metallurgie und Metallg√ľterherstellung
  • Textilindustrie
  • Holzverarbeitung und Papierherstellung
  • D√ľngerproduktion

Energie

Lettland erzeugt Elektrizit√§t zu √ľber einem Drittel (38¬†%) aus Wasserkraft, die aus drei Wasserkraftwerken an der Daugava stammt. Die restliche selbst erzeugte Elektrizit√§t stammt aus zwei gro√üen Verbrennungskraftwerken bei Riga (TEC-1 und TEC-2), die Erdgas und, falls Erdgas in Notf√§llen nicht verf√ľgbar sein sollte, Schwer√∂l (Masut) verbrennen. Torf ist (neben Holz) der einzige prim√§re Brennstoff, den Lettland selbst produziert, und tr√§gt ein gutes F√ľnftel zur Energie aus fossilen Brennstoffen bei. Erd√∂l, Erdgas und Kohle m√ľssen vollst√§ndig (meist aus Russland) importiert werden. Ein geringer Teil des Energiebedarfs wird durch importierten Strom aus Estland (Strom aus √Ėlschieferkraftwerken bei Narva) gedeckt. Die deutsche Firma PreussenElektra hat zwar bereits 1995 einen Pilot-Windpark an der Grenze zu Estland bei AinaŇĺi errichtet, dem ein gr√∂√üeres Projekt bei LiepńĀja (deutsch: Libau) gefolgt ist, doch ist die Einspeisung von Windenergie vernachl√§ssigbar gering. Der lettische Energieversorger Latvenergo war am Kernkraftwerksprojekt Visaginas beteiligt, welches von den Baltischen Staaten und Polen gemeinsam verfolgt wurde.

Das lettische Stromnetz ist seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion synchron mit dem russischen Stromnetz gekoppelt und bildet mit den anderen baltischen Staaten das Verbundnetz RG Baltic. Bis zum Jahre 2025 soll das Netz aber an das kontinentaleuropäische Netz angebunden werden. Neue Stromleitungen aus Polen (LitPol Link),Schweden (NordBalt) und Finnland (Estlink 1 und 2) sollen so den Austausch elektrischer Energie zwischen dem Baltikum und Europa ermöglichen.

Neben dem eigenen Energieverbrauch ist Lettland auch ein bedeutendes Transitland f√ľr Energie. Von Polazk in Wei√ürussland verlaufen zwei Erd√∂l-Pipelines nach Ventspils an der Ostsee sowie eine √ľber lettisches Territorium nach MaŇĺeikiai in Litauen. Betreiber ist das lettisch-russische Joint-Venture LatRosTrans. Die Endstation der Pipeline, Ventspils, ist (noch) der gr√∂√üte Verladehafen f√ľr Erd√∂l und Erd√∂lprodukte in der Ostsee. Allerdings hat Russlands staatliches √Ėltransportunternehmen Transneft, das auch an LatRosTrans beteiligt ist (siehe Direktinvestitionen), aus wirtschaftspolitischen Gr√ľnden seit 2003 die Pipeline trockengelegt (Transneft erkl√§rt jedoch, dass die Pipeline Lecks enth√§lt), um eigene √Ėlh√§fen in Russland (Primorsk bei St.¬†Petersburg, Kaliningrad) zu bevorzugen. Der Ersatztransport √ľber die Schiene konnte diesen Verlust naturgem√§√ü nicht auffangen.

Infrastruktur

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die Qualität der Infrastruktur misst, belegte Lettland 2018 den 70. Platz unter 160 Ländern.

Schienenverkehr

Die staatliche Eisenbahngesellschaft Latvijas DzelzceńľŇ° (LDZ) ist bislang das einzige Schienenverkehrsunternehmen. Es operiert nach marktwirtschaftlichen Grunds√§tzen und konzentriert sich auf den Transport von G√ľtern zu den lettischen H√§fen Ventspils und LiepńĀja. Im G√ľterverkehr ist Lettland das Land, in dem die Bahn mit einem Anteil von 64¬†% am gesamten Verkehrsaufkommen den h√∂chsten Wert in Europa aufweist. Der Personenverkehr auf der Schiene verliert seit Jahren an Bedeutung.

Latvijas DzelzceńľŇ° betreibt ein sternf√∂rmig auf Riga ausgerichtetes Streckennetz in 1520¬†mm Spurweite. Im Personenverkehr werden der S-Bahn-√§hnliche Vorortzugverkehr im Gro√üraum Riga und die Verbindungen √ľber Daugavpils nach Russland, Wei√ürussland und Litauen bedient. Auch die westlettische Hafenstadt LiepńĀja war seit 2007 t√§glich wieder mit einem Personenzugpaar an die Hauptstadt Riga angeschlossen. Seit dem 15.¬†Februar 2010 wird die Eisenbahnverbindung nur noch am Freitag/Sonntag (Riga‚ÄďLiepńĀja) bzw. Samstag/Montag (LiepńĀja‚ÄďRiga) angeboten.

Die Zugverbindung zwischen Deutschland nach Lettland ist wegen der unterschiedlichen Spurweite mit mehreren Umstiegen verbunden.

Straße

Das gesamte Straßennetz umfasste 2013 etwa 72.440 km, wovon 14.707 km asphaltiert sind. Das lettische Straßennetz ist dreistufig gegliedert:

  1. Die Hauptverkehrsadern werden durch 15¬†staatliche Hauptstra√üen ‚Äď bis ‚Äď gebildet, welche¬†‚Äď wie das Eisenbahnnetz¬†‚Äď sternf√∂rmig auf Riga ausgerichtet sind.
  2. Zwischen den und innerhalb der Verwaltungsbezirke Lettlands verlaufen 133¬†Staatsstra√üen 1.¬†Ordnung ‚Äď bis ‚Äď und
  3. 1489 sonstige Verbindungsstra√üen ‚Äď V¬†1 bis V¬†1489 ‚Äď als Staatsstra√üen 2.¬†Ordnung.

Dazu kommen die innerst√§dtischen Stra√üen sowie Feld- und Waldwege und private Stra√üen. F√ľr die Unterhaltung der √∂ffentlichen Stra√üen ist die staatliche Aktiengesellschaft Lettlands Staatsstra√üen zust√§ndig.

Die staatlichen Hauptstraßen sind teilweise autobahnartig ausgebaut. Sie sind etwa mit Deutschlands Bundesstraßen vergleichbar. Der Individualverkehr nimmt an Bedeutung stetig zu. Ein großer Teil des Personenverkehrs wird mit dem Omnibus auf einem dichten und gut frequentierten Netz abgewickelt. Auch im Auslandsverkehr gibt es ein weit verzweigtes Liniennetz, das auch die meisten deutschen Großstädte mit der lettischen Hauptstadt Riga verbindet.

Lettland hat eines der weitmaschigsten Straßen-Netze in Europa. Der Anteil der staatlichen Straßen beträgt 311 m/km². Der Anteil von allen Straßen beträgt 1088 m/km².

Das Busverkehrsnetz ist deutlich engmaschiger ausgebaut als das lettische Schienennetz. Es wird bedient von einer Vielzahl nationaler Buslinien sowie zahlreichen Fernbuslinien in die Nachbarländer und viele Länder der EU. Die wichtigsten internationalen Buslinienbetreiber sind Eurolines, Ecolines und Nordeka. Die Fahrt von Riga nach Berlin dauert etwa 18 Stunden. Mit einem Auto ist Riga in etwa 12 bis 14 Stunden erreichbar.

Flugverkehr

Wichtigste Fluggesellschaft ist Air Baltic, die vor allem Ziele in Nord-, Mittel- und Westeuropa sowie in Russland und den ehemaligen GUS-Staaten anfliegt. Sie hat ihren Sitz am Flughafen Riga, dem gr√∂√üten Flughafen der Baltischen Staaten. In der Wintersaison gehen von Riga w√∂chentlich 68¬†Fl√ľge nach Deutschland, in der Sommersaison 87¬†Fl√ľge.

Schiffsverkehr

Wichtigste Seeh√§fen sind Riga, LiepńĀja und Ventspils. Von hier aus wird unter anderem russisches Erd√∂l verschifft. Daneben bestehen F√§hrverbindungen nach Schweden, D√§nemark und Deutschland.

Internet

Im letzten Jahrzehnt nahm Lettland in verschiedenen Rankings der Internetgeschwindigkeit weltweit die Pl√§tze¬†3 bis¬†10 ein, in Abh√§ngigkeit von der Messmethode. 2016 wurde Lettland auf Platz¬†8 zwischen der Schweiz und Finnland eingeordnet. Nach dem Anteil von Glasfaser-Netzen am Breitband-Internet nahm Lettland 2016 weltweit den zweiten Platz hinter dem erstplatzierten Japan ein. Landesweit verf√ľgt Lettland √ľber mehr als 4500 kostenlosen Wifi-Hotspots. 930 der kostenlosen WLAN-Hotspots werden in der Hauptstadt Riga angeboten, das sind drei pro km¬≤.

Kultur

Lettland wird kulturell vor allem nordeuropäisch beeinflusst. Die Altstädte weisen die typischen im Raum der Hanse verbreiteten Elemente auf. Auch die aktuelle lettische Kultur besitzt vielfältige Beziehungen zu Schweden und Finnland, vor allem aber zum norddeutschen Kulturraum.

Lettland ist besonders bekannt f√ľr seine Folklore und Volksmusik-Kultur, in der vorchristliche Vorstellungen der altlettischen Religion eine zentrale Rolle spielen. Von den typischen Dainas ‚Ästmeist vierzeilige, reimlose Lieder zu allen nur erdenklichen Themen von der Mythologie bis zu den Niederungen des Alltags¬†‚Äď sind inzwischen √ľber eine Million gesammelt worden, was im Verh√§ltnis zur Bev√∂lkerungszahl Weltspitze sein d√ľrfte. Die Sammlung, Systematisierung und Publikation dieser bis dahin m√ľndlichen √úberlieferung wurde Ende des 19.¬†Jahrhunderts von KriŇ°jńĀnis Barons begonnen; sein eigens daf√ľr gefertigter Daina-Schrank gilt heute als eine Art Nationalheiligtum. Viele alte, jedoch bis heute lebendige Br√§uche und Dainas ranken sich um das Mittsommerfest JńĀŇÜi am 23. und 24. Juni, die in Lettland staatliche Feiertage sind.

In Riga (w√§hrend der Sowjetzeit auch an verschiedenen Orten im westlichen Ausland) findet alle f√ľnf Jahre ein gro√ües Liederfest statt, an dem mehrere Hundert lettische, exil-lettische und internationale Ch√∂re teilnehmen.

√Ąhnlich wie in Estland war die Stadtkultur und der Gro√ügrundbesitz bis zur Bodenreform von 1921 sowie der ‚ÄěHeimrufung‚Äú der deutschen Minderheit 1939 ins Deutsche Reich deutschsprachig ‚Äď und damit f√ľr Jahrhunderte auch die Intelligenz des Landes. Die bis zur nationalsozialistischen Okkupation im Juli 1941 wirtschaftlich zunehmend bedeutender gewordene j√ľdische Minderheit wurde w√§hrend des Holocaust nahezu g√§nzlich ermordet.

Medien

In Lettland erscheinen f√ľnf landesweit verbreitete Tageszeitungen, darunter Diena, NeatkarńęgńĀ Rńęta Avńęze und Latvijas Avńęze. 76,3¬†% der Bev√∂lkerung verf√ľgten 2016 √ľber einen Internetanschluss; die Breitband-Verbreitungsquote lag bei 6,4¬†%. Lettland verf√ľgt einen √∂ffentlich-rechtlichen Fernseh- und H√∂rfunksender (Latvijas Televńęzija und Latvijas Radio).

Im Jahr 2019 nutzten 86 Prozent der Einwohner Lettlands das Internet.

Sport

Der Sport hat in Lettland einen hohen Stellenwert. Bereits 1924 nahm das Land erstmals an den Olympischen Winterspielen in Chamonix teil und setzte diese eigenständige Teilnahme auch bis zur Besetzung durch die UdSSR 1940 fort. Bis dahin konnten lettische Sportler drei Medaillen bei den Olympischen Spielen gewinnen. Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit formierten sich die nationalen Sportverbände erneut, seitdem gewannen lettische Sportler 23 weitere Medaillen.

Als lettischer Nationalsport gilt Eishockey. Das erste Eishockeyspiel auf lettischem Boden wurde bereits 1909 abgehalten. Die Eishockey-Weltmeisterschaft von 2006 fand in Riga statt. Auch die Eishockey-Weltmeisterschaft der Herren 2021 soll erneut in der lettischen Hauptstadt stattfinden. In der Saison 2019/20 war Lettland mit insgesamt f√ľnf Spielern in der NHL vertreten.

Neben Eishockey ist auch Basketball beliebt. Lettland hat 1935 die erste Europameisterschaft in Basketball gewonnen, vor Spanien und der Tschechoslowakei. 1939 wurde Lettland Vizemeister. In der Saison 2016/17 ist Lettland mit zwei Spielern in der NBA, der stärksten Basketball-Liga der Welt, vertreten. Auch Frauenbasketball ist auf einem hohen Niveau entwickelt. Fußball, insbesondere das Nationalteam, findet erst seit der erstmaligen EM-Qualifikation 2004 eine größere Beachtung.

Lettland besitzt eine eigene Bob- und Rennschlittenbahn in Sigulda. Dort finden regelmäßig Europa- und Weltmeisterschaften statt. Im Bobsport und im Skeleton gehören lettische Sportler zur Weltelite.

Im Motorsport wurde von 2006 bis 2009 und 2013 in Daugavpils im Rahmen der Speedway-Einzelweltmeisterschaft der Grand Prix von Lettland ausgetragen. Im August 2014 fand er in der Hauptstadt Riga statt. 2016 fand zum ersten Mal die FIA-Rallycross-Weltmeisterschaft WRX in Riga statt.

Im Tennis hat Lettland mit Jelena Ostapenko und Anastasia Sevastova zwei WTA-Weltklassespielerinnen in ihren Reihen. Ostapenko gewann im Juni 2017 mit knapp 20 Jahren als erste Lettin √ľberhaupt ein Grand Slam Turnier, als sie in Paris bei den French Open im Finale Simona Halep bezwingen konnte und im M√§rz 2018 auf Platz 5 der Damen-Weltrangliste stand. Sevastova, die wie Ostapenko Lettland im Federation Cup vertritt, stand schon auf Platz 11 der Weltrangliste.

Literatur

Feiertage

In Riga stand nach Ansicht einiger Forscher und Legenden im Jahre 1510 der erste Weihnachtsbaum der Welt. Andere legen diese Erfindung jedoch ins elsässische Straßburg.

Der wohl wichtigste Feiertag ist der Johannistag (JńĀŇÜi-Fest) am 24. Juni, der mit seinem Vorabend (Lńęgo-Fest) am 23. Juni als ein zweit√§giges Mittsommerfest gefeiert wird. Dieses Fest ist durch zahlreiche Traditionen gepr√§gt. Man tanzt √ľberlieferte Volkst√§nze, flicht Blumenkr√§nze, braut und trinkt ein besonderes Bier und isst dazu K√§se. Sobald am 23. Juni die Sonne untergegangen ist, werden gro√üe Feuer entz√ľndet. Geschlafen wird in dieser Nacht nicht, denn das bringt angeblich Ungl√ľck f√ľr das folgende Jahr, bis zur n√§chsten Mittsommerfeier.

Weitere offizielle Feiertage sind:

  • Neujahr (1. Januar)
  • Karfreitag
  • Ostern
  • Tag der Arbeit (1. Mai)
  • Johannisfest ‚Äď JńĀŇÜi (Sommersonnenwende) (23. und 24. Juni)
  • Wiederherstellung der Unabh√§ngigkeit 1990 (4. Mai)
  • Proklamierung der Republik Lettland 1918 (Nationalfeiertag) (18. November)
  • Weihnachten (25. und 26. Dezember)
  • Silvester (31. Dezember)

Eine gro√üe Bedeutung haben die lettischen Namenstage. F√ľr viele Letten der √§lteren und mittleren Generationen, zumal in Lettgallen, ist ihr Namenstag wichtiger als der Geburtstag. Am Namenstag wird die Familie eingeladen und das ‚ÄěNamenskind‚Äú wird ‚Äď wie zum Geburtstag ‚Äď beschenkt und besungen.

K√ľche

  • Siehe den Hauptartikel Lettische K√ľche

Siehe auch

  • Portal:Lettland

Literatur

  • C. Grewingk: Geologie von Liv- und Kurland. Dorpat 1859 (Digitalisat)
  • Klemens Ludwig: Lettland. (= Beck‚Äôsche Reihe. L√§nder. 882). Beck, M√ľnchen 2000, ISBN 3-406-44782-1.
  • Thomas Schmidt: Das politische System Lettlands. In: Wolfgang Ismayr: Die politischen Systeme Osteuropas. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. VS¬†Verlag f√ľr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16201-0, S.¬†123‚Äď170.
  • Baltische Bibliographie. Schrifttum √ľber Estland, Lettland, Litauen. Herder-Institut, Marburg 1994‚Äď, ISSN¬†1436-4786

Weblinks

  • L√§nderinformationen zu Lettland (Ausw√§rtiges Amt, Berlin)
  • Lettland-Institut
  • Lettland in der Enzyklop√§die des europ√§ischen Ostens
  • vifanord Virtuelle Fachbibliothek Nordeuropa und Ostseeraum (Vifanord)
  • Aktuelle Informationen √ľber Lettland

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (0)

Abk Name O
LV.AL Aluksne  
LV.BL Balvi  
LV.BU Bauska  
LV.DG Daugavpils  
LV.DO Dobele  
LV.GU Gulbene  
LV.JK Jekabpils  
LV.JG Jelgava  
LV.KR Kraslava  
K Kurzeme  
L Latgale  
LV.LP Liepaja  
LV.LM Limbaži  
LV.LU Ludza  
LV.MA Madona  
LV.OG Ogre  
LV.PR Preili  
R Riga  
R Riga  
LV.SA Saldus  
LV.TA Talsi  
LV.TU Tukums  
EE.VG Valga  
LV.VM Valmiera  
LV.VN Ventspils  
LV.CE Vidzeme  
Z Zemgale  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Latvia

Name englisch: Latvia
Hauptstadt: Riga
Kfz: LV
ISO: LV
ISO3: LVA
Fläche: 64589 km²
Tld: .lv
Wärung Einheit: LVL
Währung: Lat
Vorwahl: 371

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 58.0855713
südlichster Punkt: 55.6748581
westlichster Punkt: 20.9677297
östlichster Punkt: 28.2414029


 
Lettland: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Lettland. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

Twitter twitter.com/deinebergede Instagram instagram.com/deineberge.de Facebook facebook.com/DeineBerge Frage Kontakt Fragen, Fehler, Lob, Kritik?
Schreib uns eine Nachricht.