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Staat Informationen : Estland

Informationen:


Estland [ňąeňźstlant; ňą…õstlant] (estnisch Eesti [ňąeňźs ≤ti], amtlich Republik Estland, estnisch Eesti Vabariik) ist ein Staat im Baltikum. Als n√∂rdlichster der drei baltischen Staaten grenzt es im S√ľden an Lettland, im Osten an Russland sowie im Norden und Westen an die Ostsee. √úber den Finnischen Meerbusen hinweg bestehen enge Beziehungen zu Finnland, und historisch gibt es durch die Deutsch-Balten viele kulturelle Verbindungen nach Deutschland.

Der erstmals von 1918 bis 1940 und erneut seit 1991 unabhängige Staat ist Mitglied der Vereinten Nationen, seit 2004 der EU. Estland ist zudem Mitglied des Europarats, der NATO sowie der OSZE, seit 2010 der OWZE und seit 2011 der Eurozone.

Estland hat gut 1,3 Millionen Einwohner (Januar 2018). Hauptstadt und größte Stadt Estlands ist Tallinn, die zweitgrößte Stadt ist Tartu.

Geographie

Estland befindet sich im Norden des Baltikums. Die Zuordnung der Gesamtregion wiederum ist umstritten und wird neben geographischen Faktoren auch von historisch-kulturellen und politischen Aspekten beeinflusst. So wird das Baltikum sowohl Nordeuropa als auch Mitteleuropa, Osteuropa und Nordosteuropa zugeordnet.

Estland liegt an der √∂stlichen K√ľste der Ostsee. Fl√§chenm√§√üig ist es etwas kleiner als Niedersachsen und etwas gr√∂√üer als die Schweiz. Das seenreiche Wald- und H√ľgelland mit vielen Mooren (teilweise Gewinnung von Torf) hat eine durchschnittliche H√∂he von nur 50¬†m. Im s√ľd√∂stlichen Mor√§nengebiet steigt es zum livl√§ndischen H√ľgelland bis zur h√∂chsten Erhebung, dem Suur Munam√§gi (318¬†Meter), an. Der gr√∂√üte See ist der Peipsi j√§rv (Peipussee), die gr√∂√üten Inseln sind Saaremaa und Hiiumaa.

Die gesamte K√ľstenlinie hat eine L√§nge von 3.794¬†Kilometer. Sie ist durch mehrere Golfe (wie die Rigaer Bucht), Meerengen und Einbuchtungen gekennzeichnet.

Klima

Das Klima Estlands ist im Allgemeinen k√ľhl-gem√§√üigt bis rau mit kalten, frostigen Wintern und m√§√üig warmen Sommern auf nordeurop√§ischem Niveau. Das Jahresmittel der Temperatur liegt in der Hauptstadt Tallinn bei 4,5¬†¬įC, es fallen 650¬†Millimeter Niederschlag mit einem Maximum im Sp√§tsommer. Im Juli werden durchschnittlich 16,5¬†¬įC und im Januar ‚ąí6,0¬†¬įC erreicht. Trotz des kalten Winters bleiben die K√ľsten meist eisfrei.

Flora und Fauna

Mehr als 50 % der estnischen Landesfläche sind bewaldet. Der häufigste Laubbaum in den estnischen Wäldern ist die Birke. Sie ist ein vielbesungenes Motiv in Liedern und Volksdichtung und ein nationales Symbol des Landes. Vor allem auf sandigen Böden in Meeresnähe kommt die Waldkiefer häufig vor. Sie nimmt einen Anteil von etwa 35 % der estnischen Waldflächen ein. Am größten ist ihre Bedeutung auf den vorgelagerten Inseln Saaremaa und Hiiumaa sowie im Landkreis Harjumaa. Auch Fichte, Tanne und Lärche zählen zu den in Estland heimischen Nadelbaumarten.

In Estland sind als gro√üe S√§ugetierarten Elche (ca. 12.000), Rothirsche (ca. 2.800), Rehe (ca. 50.000) sowie Braunb√§ren (etwa 600), Luchse (etwa 800), W√∂lfe (etwa 150) und Wildschweine (etwa 20.000) heimisch und bejagbar. Ferner kommen Rotf√ľchse, Biber (etwa 20.000), Marder (u.¬†a. der Europ√§ische Nerz mit ca. 25 Exemplaren auf Hiiumaa) und die seltener gewordenen Schneehasen (etwa 12.000) vor.

Das größte Naturreservat des Landes ist Otepää looduspark (Naturpark Otepää) mit ca. 222 km².

Estland hat u.¬†a. als Brutgebiet der Doppelschnepfe und als Durchzugsgebiet zahlreicher Zugv√∂gel internationale Bedeutung. Des Weiteren br√ľten acht der neun europ√§ischen Spechtarten im Landesgebiet.

Geschichte

Das heutige Estland besteht aus der ehemaligen, von 1710 bis 1918 zum Russischen Reich geh√∂rigen Ostseeprovinz Gouvernement Estland und dem n√∂rdlichen Teil Livlands, zu dem auch die Insel Saaremaa (√Ėsel) geh√∂rte.

Deutscher Einfluss

Die mit dem Deutschen Orden ins Land gekommenen Vasallen hatten sich 1252 erstmals zu einer autonomen Landesverwaltung zusammengeschlossen, die durch das bis 1346 d√§nische Nordestland best√§tigt wurde. Nach dem Ende der Herrschaft des Ordens im Jahr 1561 nahmen die hanseatischen St√§dte und die Ritterschaften auf dem Land die √∂ffentlich-rechtlichen Selbstverwaltungsaufgaben wahr. Diese Landesprivilegien, eine Art Autonomiestatut, wurden von der schwedischen Oberschaft best√§tigt und blieben auch nach der russischen Eroberung Estlands im Gro√üen Nordischen Krieg (1710) unber√ľhrt.

Die Oberschicht der Stadtb√ľrger und Gutsbesitzer war deutschsprachig, bis 1885 war Deutsch Unterrichts- und Beh√∂rdensprache. Aufgrund einer Russifizierungskampagne der russisch-zaristischen Regierung l√∂ste Russisch Deutsch in dieser Funktion ab.

Erste Unabhängigkeit

Eine zentrale Rolle spielte bei der Entwicklung zur eigenen kulturellen und politischen Identit√§t die Universit√§t Tartu (Dorpat), auf der seit den 1870er Jahren die studierenden Esten sich bewusst nicht mehr √ľber die Mitgliedschaft in den Korporationen assimilieren wollten, sondern vor allem im Verein Studierender Esten eine eigene Identit√§t f√∂rderten. W√§hrend des Zerfalls des Russischen Reiches im Verlauf der Oktoberrevolution erlangte Estland am 24. Februar 1918 seine Unabh√§ngigkeit. Frauen und M√§nnern wurde im Wahlgesetz der konstituierenden Versammlung vom 24. November 1918 das allgemeine aktive und passive Wahlrecht zuerkannt, sodass das Frauenwahlrecht gleichzeitig mit dem M√§nnerwahlrecht eingef√ľhrt wurde. Die Verfassung von 1920 best√§tigte dieses Recht.

1921 wurde Estland Mitglied des Völkerbundes.

In den Jahren 1939 bis 1940 wurden die Deutschbalten von den Nationalsozialisten aus Estland und Lettland unter dem Motto Heim ins Reich im Rahmen einer Umsiedlung ins Deutsche Reich geholt. Grund war die im Geheimabkommen zum Hitler-Stalin-Pakt geschlossene Vereinbarung, das Baltikum der sowjetischen Interessensphäre zuzuschlagen.

Sowjetrepublik

Unter massivem Druck und Gewaltandrohung wurde Estland zusammen mit Lettland und Litauen 1940 von der Sowjetunion gem√§√ü der im deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt festgelegten Bestimmungen zur Abgrenzung und Festlegung der deutschen und sowjetischen Interessensph√§re annektiert. Nach sowjetischer Lesart traten die baltischen Staaten der UdSSR bei, allerdings bestand √ľber die ganze Periode der Zugeh√∂rigkeit Estlands zur UdSSR eine estnische Exilregierung, deren Kontinuit√§t auch in der heutigen offiziellen Interpretation Estlands anerkannt wird. Auch international wurde die Annexion bis zur erneuten Unabh√§ngigkeit √ľberwiegend nicht anerkannt. Die Estnische Sozialistische Sowjetrepublik wurde mit Unterst√ľtzung von sowjetischen Emiss√§ren proklamiert, nachdem Estland zuvor bereits sowjetische Truppen auf seinem Territorium hatte dulden m√ľssen. Das Frauenwahlrecht blieb bestehen.

1940/41 erfolgten Massendeportationen von Esten, besonders aus dem Besitz- und Bildungsb√ľrgertum, in das Innere der Sowjetunion. Viele von ihnen kamen in den Straflagern des Gulag um. Nach dem deutschen √úberfall auf die Sowjetunion 1941 war das Land bis 1944 von deutschen Truppen besetzt und wurde verwaltungstechnisch dem Reichskommissariat Ostland zugeordnet. In dieser Zeit wurde die Genozid-Politik der NS-Machthaber an den Juden auch in Estland unter Mitwirkung Einheimischer verfolgt. Etwa 1.000 einheimische und circa 10.000 Juden aus Ost- und Mitteleuropa wurden im Holocaust get√∂tet.

Aufgrund der Erfahrungen mit der sowjetischen Besatzungsmacht schlossen sich viele Esten den deutschen Truppen an, ebenso k√§mpften Esten auf sowjetischer Seite. Zehntausende Esten fl√ľchteten 1944 Richtung Westen nach Deutschland (von dort aus sp√§ter nach Amerika und Australien), nicht wenige auch nach Schweden oder Finnland. Nach der erneuten Besetzung durch die Rote Armee im Herbst 1944 wurde das Land unter Wiederherstellung der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik von 1940/41 in die Sowjetunion eingegliedert. Es folgten erneut Deportationen von vermeintlich oder tats√§chlich dem sowjetischen System ablehnend gegen√ľberstehenden Einwohnern Estlands und Repressalien gegen sogenannte Volksfeinde.

Während des Zweiten Weltkrieges verließ auch die schwedischsprachige Bevölkerung, die vor allem auf den Inseln Hiiumaa (Dagö), Vormsi (Worms) und Ruhnu (Runö) gelebt hatte, das Land. Bis dahin hatten sie sich ihr Estlandschwedisch, das mit dem Finnlandschwedischen zu den ostschwedischen Dialekten zählt, bewahrt.

In der Zeit von 1945 bis 1990 wurde durch gezielte Ansiedlung nichtestnischer Sowjetb√ľrger, insbesondere von Russen, die Zusammensetzung der Bev√∂lkerung nach Nationalit√§ten wesentlich zu Ungunsten der einheimischen estnischen Bev√∂lkerung ver√§ndert.

Erneute Unabhängigkeit 1990

Am 30. März 1990 erklärte Estland sich wieder zur Republik.

Am 18. Dezember 1990 verzichtete Estland auf eine weitere Mitarbeit im Obersten Sowjet der UdSSR. Bei einer Volksabstimmung am 3. M√§rz 1991 √ľber den k√ľnftigen Status der Republik stimmten 78¬†% der Wahlberechtigten f√ľr die Unabh√§ngigkeit. Der Vorsitzende des Obersten Rates der Republik Estland, Arnold R√ľ√ľtel, erkl√§rte, dass ein Referendum keine rechtlich bindende Wirkung habe. Nach dem Augustputsch in Moskau am 20. August 1991 erkl√§rte der Oberste Rat die volle Unabh√§ngigkeit von der Sowjetunion. Am 23. August 1991 wurde der sowjetische Geheimdienst KGB verboten und am 25. August alle Organe der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Die Sowjetunion erkannte die Unabh√§ngigkeit Estlands am 6. September 1991 an.

Estland stellte damit nach einem mehrj√§hrigen Prozess der Losl√∂sung von der Sowjetunion ‚Äď im Zuge von Glasnost und Perestroika, insbesondere seit 1988 ‚Äď seine Souver√§nit√§t wieder her. Diese Entwicklung verlief √ľberwiegend friedlich; sie wurde als ‚ÄěSingende Revolution‚Äú bekannt. Das Frauenwahlrecht wurde erneut best√§tigt. Estland wurde am 29.¬†M√§rz 2004 NATO-Mitglied. Die estnische Bev√∂lkerung bef√ľrwortete am 14.¬†September 2003 in einem Referendum den Beitritt zur Europ√§ischen Union. Am 1.¬†Mai 2004 wurde daraufhin Estland in die EU aufgenommen.

Am 9. Dezember 2010 erfolgte der Beitritt zur OECD.

Am 1. Januar 2011 f√ľhrte Estland als erster der baltischen Staaten den Euro ein (siehe auch Estnische Eurom√ľnzen).

Ein gro√ües Problem f√ľr Estland stellt die Abwanderung junger und qualifizierter Einwohner (meist ethnische Esten) nach Skandinavien und Westeuropa dar, bei einer konstant niedrigen Geburtenrate.

Politik

Staatsaufbau

Estland ist eine parlamentarische Republik. Die gesetzgebende Gewalt geh√∂rt dem Riigikogu (Staatsversammlung/Parlament), der laut dem estnischen Grundgesetz 101¬†Abgeordnete hat. Der Riigikogu wird von allen estnischen Staatsb√ľrgern, die das 18.¬†Lebensjahr vollendet haben, gew√§hlt; das passive Wahlrecht haben estnische Staatsb√ľrger mit der Vollendung des 21.¬†Lebensjahres.

Das Staatsoberhaupt ist der Pr√§sident der Republik Estland, der ein abstammungsgem√§√üer Staatsb√ľrger Estlands und mindestens 40¬†Jahre alt sein muss. Das Amt des Pr√§sidenten ist haupts√§chlich zeremonieller Natur. Er oder sie vertritt Estland v√∂lkerrechtlich, ernennt die estnischen Botschafter, beglaubigt die ausl√§ndischen Gesandten in Estland und verleiht Orden sowie milit√§rische und diplomatische Titel.

Die Regierung der Republik besteht aus den Ministern und dem Premierminister (Regierungschef). Der Premierminister wird von Präsidenten und Parlament mit der Regierungsbildung beauftragt. Die daraufhin vom designierten Premierminister nominierten Minister legen ihrem Amtseid im Parlament ab und werden anschließend zusammen mit dem Regierungschef vom Präsidenten ernannt.

Die Trennung zwischen Staatsoberhaupt und Regierungschef wird in Estland so konsequent erst seit der Wiederherstellung der staatlichen Unabhängigkeit in den 1990er Jahren praktiziert.

Bei der Parlamentswahl in Estland am 3. März 2019 lag die Wahlbeteiligung bei 63,7 %.

Politische Indizes

Wahlen per Internet

Gew√§hlt wird in Estland in Wahlkabinen oder √ľber das Internet. Bei den Internetwahlen k√∂nnen die W√§hler sich bis zum Vorwahlschluss umentscheiden. Am Wahltag kann die Internetwahl, falls gew√ľnscht, dann zum letzten Mal noch korrigiert werden.

Koalitionen ab 1992

Seit das Kabinett Laar¬†I 1992 die Regierung √ľbernahm, wurden alle estnischen Regierungen durch Koalitionen getragen.

Außenpolitik

EU-Mitgliedschaft

Am 14. September 2003 stimmten die Esten √ľber den Beitritt zur Europ√§ischen Union ab. Die Wahlbeteiligung lag bei 64¬†%. Mit einer Mehrheit von 66,9¬†% Jastimmen zu 33,1¬†% Neinstimmen votierten die B√ľrger f√ľr die Mitgliedschaft in der EU; das ist die niedrigste Zustimmungsrate aller zentral- und osteurop√§ischen EU-Neumitglieder.

Zum 1. Juli 2017 √ľbernahm Estland zum ersten Mal seit seinem Beitritt die EU-Ratspr√§sidentschaft. Nachdem Gro√übritannien aufgrund des Brexit-Votums darauf verzichtet hatte, hatte Estland angeboten, seine sonst am 1. Januar 2018 beginnende Ratspr√§sidentschaft schon ein halbes Jahr eher zu beginnen.

Grenzvertrag mit Russland

Am 18. Mai 2005 wurde in Moskau der seit 1999 verhandelte Grenzvertrag mit Russland unterzeichnet. Die Verzögerung hing mit der Weigerung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammen, die estnische Sicht der Annexion 1940 und des Vertrags von Dorpat 1920 zu akzeptieren.

Am 27. Juni 2005 zog Russland die geleistete Unterschrift allerdings zur√ľck, da es mit dem Entwurf der Pr√§ambel der estnischen Seite nicht einverstanden war, den diese dem Vertrag voranstellen wollte und in dem auf die ‚ÄěJahrzehnte der Besatzung‚Äú sowie die vergangenen ‚ÄěAggressionen der Sowjetunion gegen Estland‚Äú hingewiesen wird. Im Jahr 2011 wurde ein neuer Grenzvertrag von beiden Seiten ratifiziert.

Im Zuge der Einf√ľhrung der estnischen Eurom√ľnzen kam es auf Grund der Darstellung der Grenzen Estlands auf der R√ľckseite der M√ľnzen zu diplomatischen Verstimmungen mit Russland.

Militär

Estland verf√ľgt √ľber eigene Streitkr√§fte mit insgesamt etwa 25.000 Personen; im aktiven Dienst stehen etwa 4.000 Personen. Die Streitkr√§fte sind gegliedert in Heer, Marine, Luftwaffe und Estnischer Verteidigungsbund. Es besteht eine gesetzliche Wehrpflicht f√ľr M√§nner. Estland ist Mitglied der NATO.

Estland gab 2017 knapp 2,1¬†% seiner Wirtschaftsleistung oder 536 Millionen US-Dollar f√ľr seine Streitkr√§fte aus.

Justiz

Das dreistufige Gerichtssystem Estlands besteht aus

  • 4 Landgerichten (maakohus) und 2 Verwaltungsgerichten (halduskohus) als Eingangsinstanz
  • 2 Bezirksgerichten (ringkonnakohus) als Rechtsmittelinstanz
  • dem Staatsgerichtshof (Riigikohus) als Kassationsinstanz und Verfassungsgericht.

Menschenrechte

Amnesty International weist in seinem Jahresbericht 2010 darauf hin, dass es in Estland immer wieder zu Diskriminierung von Minderheiten kommt. Am 15. Oktober 2010 verabschiedete das Parlament eine Reihe von Gesetzen, die auch gewaltlose Aktionen und symbolische Handlungen mit Flaggen anderer Staaten als der estnischen unter Strafe stellt.

Ein Konflikt zwischen russischsprachigen Nichtb√ľrgern und Esten entz√ľndete sich 2007 an dem sogenannten Bronzesoldaten von Tallinn. Dieses Kriegerdenkmal aus Sowjetzeiten wurde im April 2007 auf Veranlassung der estnischen Beh√∂rden von seinem urspr√ľnglichen Platz in der Innenstadt der estnischen Hauptstadt auf einen Milit√§rfriedhof in einem Randbezirk verlagert. Dies f√ľhrte zu Protesten und blutigen Unruhen vor allem seitens der russischsprachigen Bev√∂lkerung. Die Proteste gegen die Verlegung des Denkmals wurden durch estnische Sicherheitskr√§fte niedergeschlagen; ein Demonstrant kam zu Tode, viele wurden verletzt und ca. 1100 Personen wurden festgenommen. Es handelte sich um die schwersten Ausschreitungen in Estland seit der Unabh√§ngigkeit 1991. Auch in Russland gab es massive Proteste gegen die Umsetzung des Denkmals mit Demonstrationen in mehreren russischen St√§dten, einer mehrt√§gigen Belagerung der estnischen Botschaft in Moskau, Boykottaufrufen gegen estnische Waren und Cyberattacken gegen die estnische Regierung.

Der Europarat drängte Estland wiederholt, Maßnahmen zu ergreifen, die einer Benachteiligung von Minderheiten entgegenwirkten.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 9.559 Millionen US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 9.489 Millionen US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein marginales Haushaltsdefizit von circa 0,1¬†% der Wirtschaftsleistung. Die Staatsverschuldung betrug 2016 9,5¬†% der Wirtschaftsleistung, womit Estland das am wenigsten verschuldete Land der gesamten Europ√§ischen Union war.

Der Anteil der Staatsausgaben betrug (als Prozent des Bruttoinlandsprodukts) in folgenden Bereiche:

Gesundheit: 13,4 % (2014)

Bildung: 6,4 % (2012)

Militär: 2,0 % (2014)

Entgegen der landl√§ufigen Ansicht, ein Haushaltsdefizit sei in der Verfassung des Landes verboten, ist der Umgang der Regierung mit dem Staatshaushalt zwar nicht gesetzlich festgeschrieben, folgt aber stets klaren Richtlinien. Ein ausgeglichenes Budget ist Prinzip, den Gemeinden des Landes ist es nicht erlaubt, ihr budgetiertes Defizit um 60¬†% der erwarteten Jahreseink√ľnfte √ľberschreiten zu lassen (75¬†% bis 2004), und die Begleichung von Staatsschulden darf 20¬†% der f√ľr das jeweilige Abschlussjahr erwarteten Einnahmen nicht √ľbersteigen. Zwischen 1993 und 2007 wurde in fast jedem Jahr ein Haushalts√ľberschuss verzeichnet.

Diese Vorgaben sind in der Konsequenz auch bei der Aufnahme neuer Kredite zu beachten. Banknoten und M√ľnzen im Umlauf ebenso wie die Guthaben der Gesch√§ftsbanken bei der Estnischen Bank m√ľssen stets voll durch Gold und Fremdw√§hrungsguthaben gedeckt sein. Faktisch wird damit ein ausgeglichenes Budget erzwungen.

Steuersystem

Nach der Unabh√§ngigkeit 1991 galt in Estland f√ľr Personen eine progressive Besteuerung mit 16¬†%, 24¬†% und 33¬†%. Das Steuersystem wurde 1994 reformiert, und als erstes europ√§isches Land f√ľhrte Estland im selben Jahr eine Einheitssteuer ein, deren Satz damals bei 26¬†% lag. Im Januar 2005 wurde dieser Satz auf 24¬†% reduziert und eine weitere Senkung in j√§hrlichen 1-%-Punkt-Schritten beschlossen. Seit dem 1.¬†Januar 2008 liegt der Einkommenssteuersatz dieser Einheitssteuer bei 21¬†%; seit 1. Januar 2015 bei 20¬†%. Unternehmen zahlen f√ľr nicht entnommene Gewinne keine Steuern. Nur die entnommenen Gewinne werden mit der Flat Tax von 20¬†% besteuert (Berechnung 20/80¬†%) und gelten bei den Gesellschaftern bereits als endbesteuert und m√ľssen nicht nochmals einer Besteuerung unterworfen werden.

E-Residency

Dank eines starken IT-Sektors (s. Telekommunikation) ist Estland eines der fortgeschrittensten L√§nder im Bereich E-Government. So bietet Estland seit Ende Januar 2015 B√ľrgern vieler Staaten eine sogenannte e-Residency an. Die e-Residenten werden allerdings keine B√ľrger oder Bewohner Estlands und erhalten dadurch auch keine Aufenthaltserlaubnis, EU-Visa oder das Recht zu w√§hlen, sondern lediglich eine digitale Identit√§t.

F√ľr eine e-Residency kann man sich online bewerben. Nach einer Bearbeitungszeit von wenigen Wochen, einer Pr√ľfung durch das estnische Grenzschutzamt und der Zahlung einer Bearbeitungsgeb√ľhr (100 Euro im M√§rz 2019) kann dann eine Karte mit Chip und Leseger√§t in Estland oder in vielen estnischen Botschaften abgeholt werden.

Diese ermöglicht Folgendes:

  • Erstellen von digitalen Signaturen
  • Verschl√ľsseln von Dokumenten
  • Benutzung des offiziellen Portals eesti.ee
  • Gr√ľndung von Unternehmen in Estland
  • Einreichung einer estnischen Steuererkl√§rung online
  • Erstellung von Bankkonten

All dies ist den B√ľrgern und dauerhaften Bewohnern von Estland schon l√§nger online m√∂glich. Geleitet wird das Projekt von Taavi Kotka, dem stellvertretenden Kanzler der Kommunikations- und Informationssysteme des Wirtschaftsministeriums und einem der Gr√ľnder von Skype, ebenfalls ein urspr√ľnglich estnisches Produkt.

Zu bekannten e-Residenten geh√∂ren u.¬†a. Edward Lucas (Journalist bei The Economist) und ShinzŇć Abe (ehemaliger Ministerpr√§sident Japans) sowie Papst Franziskus. Nach dem urspr√ľnglichen Vorschlag von Taavi Kotka beim Wettbewerb der Estonian Development Foundation soll es bis 2025 ganze zehn Millionen e-Residenten geben. Vor allem Unternehmer sollen Internetunternehmen gr√ľnden und somit Steuern in Estland zahlen k√∂nnen, wobei es komplizierte F√§lle von Doppelbesteuerung geben k√∂nnte, wie der Ex-Finanzminister Estlands, J√ľrgen Ligi, zu bedenken gab. Anfang 2015 gab es vor allem Bewerbungen aus Finnland, Russland, Lettland, den USA und dem Vereinigten K√∂nigreich.

Bevölkerung

Neben der estnischen Mehrheit (68,95 %) gibt es eine große russische Minderheit (25,48 %) sowie kleinere Gruppen von Ukrainern (2,05 %), Weißrussen (1,14 %) und Finnen (0,78 %). In Tallinn sind 45 % der Einwohner keine ethnischen Esten.

Nichtb√ľrger

Trotz zahlreicher staatlicher Programme ist es noch nicht gelungen, die in der Zeit der Sowjetunion eingewanderten oder gezielt angesiedelten Einwohner nichtestnischer Nationalit√§t vollst√§ndig zu integrieren. So haben etwa die H√§lfte der russischsprachigen Einwohner Estlands noch keinen estnischen Pass. Es gibt aber auch Russischsprachige, die ihre Familiennamen ge√§ndert haben, in der Hoffnung, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Andererseits nutzen auch viele einen Vorteil ihres Nichtb√ľrgerausweises, der es ihnen erm√∂glicht, sowohl in die EU als auch nach Russland visafrei einreisen zu k√∂nnen.

Im Durchschnitt verf√ľgen die Esten im Vergleich zu der russischsprachigen Minderheit √ľber ein h√∂heres Einkommen. Esten sind in Leitungspositionen √ľberproportional vertreten, Russischsprachige sind eher im Dienstleistungs- und Produktionsbereich besch√§ftigt.

Mittlerweile lassen sich zahlreiche Nichtesten einb√ľrgern. Das Einb√ľrgerungsverfahren ist jedoch mit einem Sprachtest verbunden, den viele, vor allem √§ltere Russischsprachige, als un√ľberwindbare H√ľrde empfinden, da sie die estnische Sprache nie in gen√ľgendem Umfang gelernt haben. Zu Zeiten der Zugeh√∂rigkeit zur Sowjetunion wurden Estnischkenntnisse vom Staat nicht verlangt. Viele j√ľngere Russischsprachige beherrschen hingegen Estnisch und tun sich mit dem Einb√ľrgerungsverfahren leichter. In letzter Zeit bringen Russischsprachige vermehrt ihre Kinder in estnischsprachige Kinderg√§rten und Schulen, um ihnen eine bessere Integration zu erm√∂glichen.

Andererseits sprechen die Esten weniger Russisch, was die Kommunikation mit Geschäftspartnern aus Russland erschwert und so den russischsprachigen Einwohnern Estlands Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnet.

Von insgesamt etwa 100.000 Auslandsesten leben knapp 40.000 in Russland, 35.000 in Kanada und 15.000 in Schweden. Andere gr√∂√üere Gruppen gibt es in Finnland, S√ľdafrika und in Australien. In Deutschland lebten 2010 etwa 4040 Esten.

Religion

Die Mehrheit der Esten geh√∂rt keiner Konfession an. Religi√∂se Institutionen spielen nur noch f√ľr eine Minderheit der Bev√∂lkerung eine Rolle. Traditionelle Religion der Esten ist der christliche Glaube in der Form des Luthertums, wie er in Skandinavien weit verbreitet ist. Die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche (EELK) ist eine quasi-offizielle Kirche (√ľblich ist beispielsweise die Abhaltung von Gottesdiensten zu Parlamentser√∂ffnungen), und ihr Erzbischof ist die Zentralfigur der estnischen √∂ffentlichen Religion. Die EELK dominiert auch die relativ umfassende Theologenausbildung in Estland (in Tartu an der Universit√§t und in Tallinn an der Kirchlichen Hochschule). Weniger als 30¬†% der Bev√∂lkerung bekennen sich als Mitglieder in christlichen Kirchen beziehungsweise Glaubensgemeinschaften. Davon sind:

  • 13,6¬†% evangelisch-lutherisch
  • 12,8¬†% orthodox
  • 00,5¬†% Baptisten
  • 00,5¬†% r√∂misch-katholisch

Die zehn bedeutenden christlichen Kirchen und Gemeinschaften haben sich im Rat Christlicher Kirchen Estlands zusammengeschlossen.

Eine Besonderheit bilden die etwa 5000 Altorthodoxen, die seit dem 18. Jahrhundert vor der Verfolgung im russischen Kernland in die Randgebiete des Russischen Reiches flohen. Am estnischen Ufer des Peipussees gibt es zahlreiche von Altorthodoxen bewohnte Dörfer. Kleinere Gemeinden gibt es auch in Tallinn und Tartu.

Zudem sind etwa 4000 Personen Mitglied der Zeugen Jehovas.

Zum j√ľdischen Glauben bekennen sich nur noch etwa 0,1¬†% der estnischen Bev√∂lkerung.

Daneben gibt es kleinere Gemeinden sonstiger protestantischer, j√ľdischer und islamischer Gemeinschaften, au√üerdem neopagane Gruppen.

Bildungswesen

Nach der Unabhängigkeit wurde Russisch als erste Fremdsprache durch Englisch ersetzt. Zum Teil beginnt der Englischunterricht bereits im Kindergarten. Nicht synchronisierte englischsprachige Fernsehsendungen fördern das Erlernen des Englischen erheblich.

In Estland gibt es zw√∂lf anerkannte Universit√§ten, davon sieben staatliche und f√ľnf private Universit√§ten, sowie 26 weitere Hochschulen.

In vielen Schulen Tallinns gibt es elektronische Klassenb√ľcher. Das erm√∂glicht Lehrern wie auch den Eltern, von zu Hause aus Einsicht in die Eintr√§ge √ľber die Sch√ľler zu erhalten. Das erforderliche Computer-Programm wird den Eltern vom Staat kostenlos zur Verf√ľgung gestellt.

Bereits Ende der 1990er Jahre hatte jede Schule einen Internetzugang.

Im PISA-Ranking von 2015 erreichen Estlands Sch√ľler Platz¬†9 von 72 L√§ndern in Mathematik, Platz¬†3 in Naturwissenschaften und Platz¬†6 beim Leseverst√§ndnis. Estnische Sch√ľler geh√∂rten damit zu den besten von allen teilnehmenden L√§ndern und erreichten zusammen mit Finnland den Spitzenwert unter den europ√§ischen Nationen.

Gesundheitswesen

Laut WHO hat Estland mit gesch√§tzt 10.000 Infizierten die h√∂chste HIV-Infektionsrate in der WHO-Region Europa: 0,58¬†% der Bev√∂lkerung (1,3¬†% der Bev√∂lkerung zwischen 15 und 49 Jahren). Am meisten betroffen sind Strafgefangene sowie Angeh√∂rige der russischsprachigen Minderheit in Kohtla-J√§rve, Narva und Tallinn. Allerdings werden in Estland vergleichsweise viel mehr HIV-Tests durchgef√ľhrt als in den anderen europ√§ischen L√§ndern, auch werden ausnahmslos alle schwangeren Frauen per Gesetz auf HIV getestet.

Die Lebenserwartung in Estland betrug im Zeitraum von 2010 bis 2015 76,8 Jahre (Männer: 71,9 Jahre, Frauen: 81,2 Jahre). Der Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Lebenserwartung ist einer der höchsten der Welt.

Verwaltungsgliederung

Das Gebiet der Republik Estland gliedert sich in 15 Landkreise, 34 Städte, 11 Minderstädte sowie zahlreiche Siedlungen und Dörfer. Die estnische Verwaltungsgliederung unterliegt folgender hierarchischen Einteilung:

  • Republik Estland (Eesti Vabariik)
    • Landkreis (maakond)
      • Gemeinde (omavalitsus): Stadtgemeinde (linn) oder Landgemeinde (vald)

Gemeinden sind weiter in St√§dte, Minderst√§dte (alev), Siedlungen (alevik) und D√∂rfer (k√ľla) untergliedert (Siedlungsgliederung).

Landkreise

Estland gliedert sich in 15 Landkreise (estnisch pl. maakonnad, sing. maakond):

1 Code nach ISO 3166-2

F√ľr die Vergleichbarkeit von Daten innerhalb der EU wurde Estland auf der Ebene NUTS¬†3 in f√ľnf Regionen (Statistikeinheiten) unterteilt, zu deren Bildung die obigen Landkreise wie folgt zusammengestellt wurden:

Größte Städte

Wirtschaft

Nach der Wiedererlangung der Unabh√§ngigkeit organisierte Estland sein Gemeinwesen nach skandinavischem Vorbild v√∂llig um: wenig Hierarchien, viel Transparenz der staatlichen Organe, moderne Kommunikationstechnik. Jedoch zeigt das Wirtschaftsmodell des Landes im Vergleich zu den skandinavischen Nachbarn, die eher auf Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft setzen, marktliberale Z√ľge.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Estland Platz 29 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegte Estland 2017 Platz¬†6 von 180 L√§ndern.

Bruttoinlandsprodukt

Nach der Überwindung der Russlandkrise (ab 2000) wies die Wirtschaft aller drei baltischen Staaten ein hohes Wachstum auf, allerdings ausgehend von einem niedrigen Ausgangszustand nach der Krise. 2006 war Estland mit einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung von 10,8 % der Spitzenreiter der Europäischen Union.

Die Weltfinanzkrise machte sich in Estland bereits zum Jahresbeginn 2008 bemerkbar, ab dem zweiten Quartal lagen die BIP-Werte inflationsbereinigt unter denen des Vorjahres. F√ľr das Gesamtjahr war ein R√ľckgang um 2¬†% zu erwarten. Hauptgrund war vor allem die stark zur√ľckgegangene Inlandsnachfrage (Bausektor, Einzelhandel).

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) belief sich f√ľr 2008 auf gut 250¬†Milliarden Estnische Kronen (EEK), gut 16¬†Milliarden¬†Euro. Pro Kopf der Bev√∂lkerung waren das 12.000¬†Euro (zum Vergleich: Deutschland 27.200¬†Euro). Vergleicht man das BIP nach Kaufkraftstandards (also nach der Kaufkraft eines Euros) mit dem Durchschnitt der EU (EU-27:¬†100) erreichte Estland 2008 bereits einen Wert von knapp¬†68 (Deutschland:¬†116). Verglichen mit dem Jahr 2000 steigerte sich dieser Wert inflationsbereinigt um fast die H√§lfte (+45¬†%; damals: 44,6). Im Jahr 2018 erreichte Estland einen Indexwert von 81 (EU-28:¬†100, Deutschland:¬†123).

Das Bruttoinlandsprodukt Estlands betrug im Jahr 2015 nunmehr 20,5 Mrd. Euro. Das Pro-Kopf-BIP betrug im selben Jahr 15.598 Euro. Das Wirtschaftswachstum lag 2015 bei 1,1 % und 2016 bei 1,6 %.

Das hohe Wachstum der baltischen Länder in der Vergangenheit hat ihnen die Bezeichnung Baltische Tiger eingebracht.

Entwicklung

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (Kaufkraftparität) angeben.

Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenquote betrug im Mai 2018 4,9¬†% und liegt damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Im Jahr 2017 betrug die Jugendarbeitslosigkeit 13,9¬†%. Im selben Jahr arbeiteten 2,7¬†% aller Arbeitskr√§fte in der Landwirtschaft, 20,5¬†% in der Industrie und 76,8¬†% im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der Besch√§ftigten wird f√ľr 2017 auf 670.000 gesch√§tzt; davon sind 48,5¬†% Frauen. Aufgrund von Auswanderung und Alterung der Bev√∂lkerung herrscht ein zunehmender Mangel an Arbeitskr√§ften.

Geografische Verteilung

Der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Aktivit√§ten konzentriert sich auf die Region rund um die Hauptstadt Tallinn (Kreis Harju), die knapp 40¬†% der Bev√∂lkerung Estlands beherbergt. Gut 60¬†% des Bruttoinlandsprodukts werden hier erwirtschaftet (2006), in der Branche ‚ÄöHandel‚Äė √ľber 70¬†%. Zentrum der Landwirtschaft sind die Regionen Zentral- und S√ľdostestland, die bei einem Anteil von 35¬†% an der estnischen Gesamtbev√∂lkerung 63¬†% der landwirtschaftlichen Produktion erzeugen (inklusive Forstwirtschaft). In Nordostestland (Ida-Virumaa) dominiert dagegen aufgrund der Verarbeitung der lokalen √Ėlschiefer-Vorkommen die Energiewirtschaft (30¬†% des nationalen Produkts dieser Branche bei einem Bev√∂lkerungsanteil von 13¬†%).

Währungssystem

Am 27. Juni 2004 traten Estland und weitere zwei der zehn neuen EU-L√§nder dem Wechselkursmechanismus II im Rahmen des EWS¬†II bei, der erste Schritt, um den Euro einzuf√ľhren. Estland, Litauen und Slowenien legten die Leitkurse ihrer W√§hrungen zum Euro fest und verpflichteten sich ab sofort, die Schwankungen unter ¬Ī15¬†% zu halten. Bis zum Beitritt des Landes zum Euro am 1.¬†Januar 2011 lag der Leitkurs f√ľr die estnische Krone bei 15,6466 pro Euro, was eine maximale Schwankungsbreite von (gerundet) 13,30 bis 17,99 Kronen bedeutete. Der Kurs ergab sich durch die seit 1993 festgelegte Kopplung der Krone zur Deutschen Mark im Verh√§ltnis 1¬†DEM = 8¬†EEK. Estland verpflichtete sich (wie auch Litauen) zu einer nachhaltigen Haushaltspolitik.

Das Design der estnischen Eurom√ľnzen wurde 2004 in einer √∂ffentlichen Wahl bestimmt. Die Einf√ľhrung des Euro musste jedoch mehrfach verschoben werden und fand am 1.¬†Januar 2011 statt. Am 12.¬†Mai 2010 bescheinigten die Europ√§ische Kommission und die Europ√§ische Zentralbank Estland die Erf√ľllung aller EU-Konvergenzkriterien. Im Juni 2010 stimmten die EU-Finanzminister sowie die Staats- und Regierungschefs der EU der Aufnahme Estlands in die Eurozone zu. Einen Monat sp√§ter legten die Finanzminister den offiziellen Wechselkurs von 15,6466 estnischen Kronen f√ľr einen Euro fest.

Preise und Löhne

Bis 2003 gab es eine deutliche Verlangsamung der Teuerung, seit dem EU-Beitritt 2004 steigt die Teuerungsrate aber wieder an (1,3¬†%). Die vergleichsweise hohen Preissteigerungen der Vorjahre (im Schnitt bei 5¬†%) hatten¬†‚Äď bei stabiler W√§hrung ‚Ästin Estland zu deutlich h√∂heren Lebenshaltungskosten als in den Nachbarstaaten Lettland und Litauen gef√ľhrt. Entsprechend sind die vergleichsweise hohen Durchschnittsl√∂hne von 812,70¬†Euro (2.¬†Quartal 2009) (zum Vergleich: Lettland 667,33¬†Euro (Mai 2009)) nicht automatisch mit einem h√∂heren Lebensstandard gleichzusetzen.

Produktion

Vorherrschende Industriezweige sind (2002) die Holz-, Papier- und M√∂belindustrie (25¬†%) und die Nahrungsmittelindustrie (28¬†%). Gro√üe Zuw√§chse gab es in der Elektroindustrie / Maschinen- und Fahrzeugteilebau (18¬†%), wo Estland mit Norma einen der weltweit gr√∂√üten Hersteller f√ľr Sicherheitsgurte beherbergt.

Bedeutende Unternehmen des produzierenden Gewerbes in Estland:

  • Holz- und M√∂belindustrie: Horizon in Kehra
  • Fahrzeugteile: Norma in Tallinn (Sicherheitsgurte)
  • Elektronik: Elcoteq in Tallinn
  • Baustoffe: Nordic Tsement in Kunda
  • Bauindustrie: Merko Ehitus in Tallinn
  • Textilindustrie: Kreenholm (K√ľchentextilien) in Narva, Baltex 2000 (Stoffe und Garne) in Tallinn
  • Nahrungsmittel: Rakvere Lihakombinaat in Rakvere (Fleisch), A. Le Coq in Tartu (Bier & Getr√§nke), Saku in Saku/Harjumaa (Bier & Getr√§nke), Kalev in Rae bei Tallinn (S√ľ√üigkeiten)
  • Energie: Eesti P√Ķlevkivi in J√Ķhvi (√Ėlschieferabbau)

Tourismus

Estland wurde 2016 von 3,1 Millionen ausländischen Touristen besucht, die dem Land Einnahmen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar brachten. Die meisten Touristen kamen 2017 aus Finnland (40,1 %), Russland (11,3 %) und Deutschland (6,3 %). Im Land gibt es zwei UNESCO-Welterbestätten.

Investitionen

Estland hat mit Stand 31.¬†Dezember 2004 knapp 7¬†Milliarden¬†Euro ausl√§ndisches Kapital an Direktinvestitionen angezogen, das sind 5170¬†Euro pro Kopf und fast 80¬†% des j√§hrlichen BIP (zum Vergleich Litauen: knapp 1350¬†Euro pro Kopf). Bedeutendstes Herkunftsland von Direktinvestitionen (ADI) in Estland ist mit weitem Abstand Schweden. Die Investitionen in H√∂he von ann√§hernd 3,2¬†Milliarden¬†Euro wurden vor allem im Bereich Bankwesen und Telekommunikation get√§tigt. Es folgen Finnland (1,7¬†Milliarden¬†Euro) und mit bereits gro√üem Abstand die USA (300¬†Millionen Euro). Aus Deutschland stammen bisher lediglich 157¬†Millionen Euro, unwesentlich mehr als aus √Ėsterreich (104¬†Millionen¬†Euro).

Ausländische Investoren sind zum Beispiel:

  • Finanzwesen:
    • Swedbank (S): 60¬†% an Hansabank
    • SEB (S): an SEB Pank
    • Sampo (FIN)
    • If (S/Versicherung)
    • Ergo (D/Versicherung)
    • Nordea (FIN/Leasing)
  • Telekommunikation:
    • TeliaSonera (S-FIN): an Eesti Telekom (Telekommunikation)
    • Tele¬†2 (S)
  • Energie:
    • Shell bzw. Statoil (UK bzw. N/Tankstellen)
    • E.ON Ruhrgas, Fortum und Gazprom (D/FIN/RU) an Eesti Gaas
    • Daikia (F) an Tallinna K√ľte (W√§rme)
  • Textil:
    • Tolaram (SGP) 100¬†% an Baltex 2000
    • Bora‚Äôs W√§fveri (S) an Krenholm
  • Baustoffe: Atlas Nordic Cement (FIN) an Kunda Nordic Tsement
  • Holzverarbeitung:
    • Tolaram (SGP): 100¬†% an Horizon
    • Atlantic Veneer Group (USA) an Balti Spoon (Holzplatten, M√∂bel)
  • Nahrungsmittel:
    • HK Ruokatalo (FIN) an Rakvere Lihakombinaat (Fleisch)
    • Olvi an A. Le Coq (Bier und andere Getr√§nke)
    • Carlsberg an Saku (Brauerei)
    • Procordia Food (S) an Felix P√∂ltsamaa (Konserven)

Außenhandel

Haupthandelspartner Estlands sind die Nachbarländer Schweden, Finnland, Lettland und Litauen. Aber auch Deutschland ist ein wichtiger Partner: 8 % der Exporte gehen nach Deutschland und sogar 13 % der Importe kommen aus Deutschland (jeweils Rang 3).

Hauptexportprodukte sind Maschinen und Maschinenteile (27¬†% der Ausfuhrg√ľter), gefolgt von Holz und Holzprodukten / M√∂beln (13¬†%). Erst dann folgen Textilien (9¬†%), Metalle und Metallprodukte (8¬†%) und Nahrungsmittel (7¬†%). Trotz der im Vergleich zu den baltischen Nachbarl√§ndern etwas h√∂herwertigen Ausfuhrprodukte ist die Handelsbilanz anhaltend deutlich negativ (mit sogar steigender Tendenz): Exporten im Wert von 4,7¬†Milliarden Euro stehen Importe im Wert von 6,7¬†Milliarden Euro (2004) gegen√ľber. Dadurch bleibt auch die Zahlungsbilanz (inkl. Finanztransfers/Direktinvestitionen, Dienstleistungen) negativ, das Defizit erreichte 2004 13¬†% des BIP-Wertes.

Infrastruktur

Im Verkehrswesen spielen die Stra√üe und die Schifffahrt auf der Ostsee die wichtigste Rolle, im G√ľterverkehr auch die Eisenbahn.

Digitalisierung

In Estland garantiert der Staat seit dem Jahr 2000 per Gesetz seinen B√ľrgern einen Zugriff auf das Internet. Im ganzen Land gibt es WLAN-Zugangspunkte zum Internet, mit denen die bewohnten Fl√§chen abgedeckt werden. Rund 99¬†% des Landes sind mit diesem kostenlosen Hot-Spot-Netz abgedeckt. Wer keinen eigenen Rechner hat, darf gratis an einem von 700 √∂ffentlichen Terminals in Post√§mtern, Bibliotheken oder Dorfl√§den ins Netz. Alle Schulen sind online. Estland verf√ľgt √ľber die meisten Internetanschl√ľsse pro Kopf weltweit.

Estland gibt an, das weltweit technologisch modernste Verwaltungssystem zu haben. Jeder B√ľrger besitzt eine ID-Nummer. Seit 2007 k√∂nnen Esten √ľber das Internet an Wahlen teilnehmen, ihre Steuern abrechnen und Rezepte vom Arzt empfangen. Wegen der damit verbundenen Verwundbarkeit durch Cyberattacken wurden Backupserver in Luxemburg eingerichtet. Sie enthalten die digitale Verwaltungssoftware Estlands und die Datens√§tze der B√ľrger. Am 26. April 2007 begann ein massiver digitaler Angriff von gekaperten Computernetzwerken, der die Server der Beh√∂rden, Medien und Banken kollabieren lie√ü. Er war Anlass f√ľr die Einrichtung von Cyberkriegsforschungszentren, an denen auch die NATO beteiligt ist.

Straßen

Das gesamte Stra√üennetz umfasste 2011 etwa 58.412¬†km, wovon 10.427¬†km asphaltiert sind. Von Tallinn aus f√ľhren sternf√∂rmig autobahn√§hnlich ausgebaute Schnellstra√üen in die Richtungen P√§rnu (Via Baltica), Tartu und Narva.

Die l√§ngste Schnellstra√üe ist die Nationalstra√üe¬†1 nach Narva. Die Nationalstra√üe¬†2 nach Tartu wird sukzessive immer weiter ausgebaut. Der estnische Teil der Via Baltica (Nationalstra√üe¬†4 / E¬†67) nach P√§rnu ist dagegen nur auf den ersten 20¬†Kilometern autobahn√§hnlich ausgebaut und f√ľhrt anschlie√üend als Landstra√üe weiter nach P√§rnu und zur lettischen Grenze bei Ikla. Zur Schnellstra√üe ausgebaut wurde auch die Umfahrung von Tallinn (Nationalstra√üe¬†11) (Stand: 2015).

2008 waren √ľberwiegend nur Stra√üen von √ľberbezirklicher Bedeutung asphaltiert. Viele kleine Ortschaften werden aus nur einer Richtung von einer asphaltierten Stichstra√üe erschlossen. Die √ľbrigen Stra√üen sind unbefestigt. Im Land erh√§ltliche Karten im Ma√üstab 1:200.000 weisen sehr genau aus, welche Stra√üen asphaltiert sind und welche nicht; von Jahr zu Jahr sind Fortschritte zu verzeichnen.

Es gibt so gut wie keine separaten Radwege; wenn eine √ľber√∂rtliche Stra√üe, wie die Via Baltica, abschnittsweise als Schnellstra√üe mit zweimal zwei Fahrspuren ausgebaut ist, wird sie nichtsdestoweniger von Radfahrern mitbenutzt. Wegen der Konzentration des Verkehrs auf die asphaltierten Stra√üen ist der Verkehr dort in manchen Gegenden nicht weniger dicht als auf Stra√üen √§hnlichen Ausbauzustands im eng besiedelten Mitteleuropa.

Estland hat als erstes Land der EU und der Welt ein landesweites, √∂ffentlich getragenes Ladesystem f√ľr das Aufladen der Batterien von Elektroautos. Estland weist eine Rate von einem Elektroauto pro 1000 Einwohner auf.

Eisenbahn

Geschichte

Eisenbahnprojekte f√ľr Estland ‚Äď damals Teil des Russischen Reichs ‚Äď gab es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie zielten auf eine Verbindung estnischer Hafenst√§dte mit Sankt Petersburg, scheiterten aber zun√§chst alle daran, dass das Investitionskapital nicht aufgebracht werden konnte. So dauerte es bis zum 24.¬†Oktoberjul. / 5.¬†November¬†1870greg., bevor die Baltische Eisenbahn die Bahnstrecke Paldiski‚ÄďTosno √ľber Reval, Narva nach Tosno, die erste Eisenbahn in Estland, er√∂ffnen konnte. Dabei wurden die russischen Parameter zugrunde gelegt, insbesondere in russischer Breitspur gebaut. Gattschina war ein Bahnhof an der Petersburg-Warschauer Eisenbahn, Tosno liegt an der Bahnstrecke Sankt Petersburg‚ÄďMoskau. Zwar entwickelte sich Tallinn Dank der Eisenbahn zu einem der wichtigsten H√§fen des Russischen Reichs, aber von dem durch milit√§rstrategische Interessen bestimmten weitere Ausbau des russischen Netzes profitierte Estland kaum, der weitere Ausbau verlief schleppend. Nebenbahnen entstanden so oft als Schmalspurbahnen. Mit der Unabh√§ngigkeit 1918 wurde eine eigene Staatsbahn gegr√ľndet. Daneben betrieb eine private Gesellschaft die Bahnstrecke Tallinn‚ÄďP√§rnu. Die ersten elektrisch betriebenen Z√ľge verkehrten 1924 auf dem 11 km langen Abschnitt Tallinn‚ÄďPaeskula.

Nach der Besetzung Estlands durch die Sowjetunion 1940 ging die Estnische Eisenbahn an die Staatsbahn der Sowjetunion √ľber. Sie bestand damals aus 772 km Breitspur-Strecken und 675 km Schmalspurstrecken. W√§hrend der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg wurden die Breitspurstrecken auf Normalspur umgenagelt, anschlie√üend wurde das wieder r√ľckg√§ngig gemacht. 1957‚Äď1959 wurden Dampf- durch Diesellokomotiven ersetzt. Ab 1966 wurden die Schmalspurstrecken √ľberwiegend stillgelegt, einige in Breitspur konvertiert. Das Netz hatte anschlie√üend eine L√§nge von 956 km. 1963 bis 1991 wurden die Bahnen von Estland, Lettland und Litauen als ‚ÄěBaltische Eisenbahnen‚Äú betrieben, die estnischen Strecken als ‚ÄěEstnische Abteilung‚Äú.

Die Unabh√§ngigkeit Estlands 1991 brachte wieder eine eigene Staatsbahn und massive Umstrukturierungen. Segmente, die nicht zum Kerngesch√§ft geh√∂rten, etwa Sozialeinrichtungen, wurden abgegeben und 1997 die Bahn in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (Eesti Raudtee JSC). Im Folgenden wurden weitere Gesellschaften f√ľr Teilaufgaben ausgegliedert. 1999 entschloss sich der Staat 66¬†% der Aktien zu verkaufen. Statt der erhofften privaten Investitionen f√ľhrte das zu einem drastischen Einbruch in die Leistungsf√§higkeit der Bahn. 2007 kaufte der Staat die Aktien zur√ľck und bildete zwei Gesellschaften, eine f√ľr die Infrastruktur, eine zweite f√ľr den G√ľterverkehr. Seit 2011 beteiligt sich die Bahn an dem Rail-Baltica-Projekt, das Tallinn √ľber P√§rnu mit den benachbarten Hauptst√§dten Riga, Vilnius und Warschau mit einer Bahnstrecke in Normalspur verbinden soll. Das Projekt wird von der EU finanziell unterst√ľtzt und soll 2025 abgeschlossen werden.

Netz

Nach ihrer gescheiterten Privatisierung und der anschließenden Stilllegung zahlreicher Strecken besteht das verbliebene Netz aus einem binären Baum mit Wurzel im Baltischen Bahnhof in Tallinn.

Verkehr

Der Schienenverkehr in Estland wird heute von den Eisenbahnverkehrsunternehmen Operail (G√ľterverkehr) und Elron (Personenverkehr im Inland) und den Infrastrukturbetreibern Eesti Raudtee und Edelaraudtee betrieben.

Im innerestnischen Personenverkehr spielte die Eisenbahn nach der gescheiterten Privatisierung fast keine Rolle mehr. Der √ľber√∂rtliche √∂ffentliche Verkehr wird noch immer gro√üenteils durch √úberlandbusse abgewickelt, jedoch macht die Eisenbahn dank niedrigerer Preise vor allem auf den Strecken Tallinn‚ÄďTapa‚ÄďNarva, (Tallinn‚Äď)Tapa‚ÄďTartu und Tallinn‚ÄďP√§rnu Boden gut. Von Mitte 2013 bis Anfang 2014 wurde die gesamte veraltete innerestnische Zugflotte gegen moderne elektrische sowie dieselelektrisch betriebene Z√ľge vom Typ Stadler Flirt ausgetauscht. Mittlerweile ist auch in den Z√ľgen drahtloses Internet verf√ľgbar, wenn auch nur in der 1.¬†Klasse.

Der internationale Personenverkehr beschr√§nkt sich heute zum einen auf Verbindungen nach Moskau und Sankt Petersburg, immer wieder durch Betriebsprobleme unterbrochen, die vor allem auf die anhaltenden Spannungen mit Russland zur√ľckgehen. Auch ben√∂tigen sowohl Esten als auch estnische Russen zur Einreise nach Russland ein Visum, das im Voraus bezogen werden muss, vergleichsweise teuer ist und nicht immer rechtzeitig ausgestellt wird.

Zum anderen besteht von Valga im s√ľdlichen Estland eine Verbindung nach Riga in Lettland, welche von Regionalz√ľgen der lettischen Bahn betrieben wird.

Schiffsverkehr

Estland unterhält zu seinen Nachbarstaaten (insbesondere in Skandinavien) zahlreiche Fährverbindungen.

Am 28. September 1994 sank die estnische F√§hre Estonia vor der K√ľste Finnlands auf der √úberfahrt nach Stockholm. Bei dem Ungl√ľck starben 852¬†Menschen.

Flugverkehr

Der wichtigste Flughafen Estlands ist der internationale Flughafen Tallinn; er ist Heimatflughafen der estnischen Fluggesellschaften Nordica (bedient von Tallinn aus internationale Ziele in Europa) und SmartLynx Airlines Estonia (Charterfluggesellschaft). Daneben existieren ein weiterer internationaler Flughafen in Tartu sowie kleinere Flughäfen in Pärnu, Kuressaare und Kärdla sowie auf Kihnu und Ruhnu.

Kultur

Estland war durch seine politische Entwicklung und Besiedlungsgeschichte immer ein interkulturelles Land. Die Oberherrschaft hatte zun√§chst D√§nemark, 1252‚Äď1561 der Deutsche Orden, danach Schweden und im 18. bis 19.¬†Jahrhundert Russland. Die estnische Kultur und Architektur wurde √ľber einen Zeitraum von etwa 800 Jahren stark durch die ortsans√§ssige deutschbaltische Oberschicht gepr√§gt. Die gro√üen St√§dte, insbesondere Tallinn (unter dem alten Namen Reval) waren stark von der Kultur der Hanse gepr√§gt. Vom Mittelalter bis weit ins 19.¬†Jahrhundert bildeten die deutschen Kaufleute das tonangebende Element in Tallinn. Ab 1850 setzte eine verst√§rkte Russifizierung unter den Zaren ein. Ein Gegengewicht dazu bildeten baltische Studentenverbindungen und ab den 1870er Jahren vor allem die Universit√§t Tartu (Dorpat).

In der Wissenschaft blieb der westliche Einfluss ‚Äď wie auch im zaristischen Russland ‚Äď stark, allein schon durch die bis 1870 deutschsprachige Universit√§t. So erhielt sie 1811 durch Initiative deutscher Wissenschaftler die Sternwarte Dorpat, und auch die folgenden 7 Direktoren bis 1900 kamen aus Deutschland. Der ber√ľhmteste, Friedrich Georg Wilhelm Struve, wechselte allerdings 1839 an die neu errichtete Sternwarte Pulkowo bei Sankt Petersburg.

Einen kulturellen Umbruch erfuhr Estlands Kultur durch den Verlust deutscher und schwedischer Bevölkerungsanteile infolge des Zweiten Weltkriegs und den Zuzug von Russen und anderer Volksgruppen während der sowjetischen Zeit.

Seit dem Ende der Sowjetzeit orientiert sich die estnische Kultur wegen der Verwandtschaft des Estnischen zum Finnischen stark am n√∂rdlichen Nachbarn Finnland. Sie ist weitgehend westlich ausgerichtet und unterh√§lt zahlreiche Kooperationen mit deutschen Gesellschaften, evangelischen Kirchen (Nordelbische Kirche) und Universit√§ten (G√∂ttingen, Greifswald, Kiel, Konstanz, M√ľnchen und M√ľnster).

Die estnische Literatur spiegelt diese vielf√§ltigen Einfl√ľsse wider ‚Äď in Estland wurde neben Deutsch und Estnisch auch in Lettisch, Ostschwedisch und Finnisch, Russisch, Latein, Griechisch und Franz√∂sisch geschrieben. Das literarische Forschungsprojekt EEVA der Universit√§t Tartu und des Estnischen Literaturmuseums ist bestrebt, diesen multilingualen Kulturraum des Baltikums ab dem 13.¬†Jahrhundert digital zu dokumentieren.

Das estnische Nationalepos ist der Kalevipoeg.

Medienlandschaft

Neben den vier estnischsprachigen Fernsehsendern ETV Eesti Televisioon, ETV2 (√∂ffentlich-rechtlich), Kanal¬†2 (vom norwegischen Unternehmen Schibsted) und TV3 Eesti (von der schwedischen Modern Times Group) empf√§ngt man in Estland zahlreiche fremdsprachige Sender √ľber Terrestrik, Satellit und Kabel (mit vier Kabelnetzbetreibern). So ist es √ľblich, dass man noch finnische, schwedische, russische, englische und deutsche Sender empf√§ngt. Die √∂ffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Eesti Rahvusringh√§√§ling hat als drittes Programm einen eigenen russischsprachigen Sender namens ETV+. Das Staatsfernsehen Russlands startete einen Ableger f√ľr Estland namens Perwyj Baltijskij Kanal Estonia (Der erste baltische Kanal Estland).

Estnisches Fernsehen √ľber Satellit gibt es im Pay-TV-Paket des skandinavischen Anbieters ‚ÄěViasat‚Äú auf der Satellitenposition 5¬į¬†Ost (Astra 4A), die auch in Mitteleuropa empfangbar ist. Wer das Viasat-Paket abonniert, erh√§lt neben TV3 und TV3+ russische, finnische, schwedische, norwegische, d√§nische und englischsprachige Sender. Auf dem gleichen Satelliten sind die baltischen MTV-Ableger MTV Eesti, MTV Latvija und MTV Lietuva im Abonnement erh√§ltlich.

Spartenprogramme sind aufgrund des kleinen Marktes in Estland nicht vertreten. Wie auch in Skandinavien ist es im Baltikum wegen der hohen √úbersetzungskosten weitgehend √ľblich, dass die Sender ausl√§ndische Fernsehproduktionen im Original mit estnischen Untertitel-Einblendungen senden, also ohne Synchron√ľbersetzung wie in Deutschland.

Es gibt f√ľnf √∂ffentlich-rechtliche Radioprogramme. Vikerraadio ist das informationsorientierte Hauptprogramm. Raadio¬†2 bedient das j√ľngere Publikum. Raadio¬†4 sendet auf russisch. Klassikaraadio bringt Klassik, Folklore, Jazz und Weltmusik. Raadio Tallinn sendet von 9:00 bis 19:00¬†Uhr ohne Unterbrechung Musik und √ľbernimmt in der √ľbrigen Zeit Programme der BBC, der DW und von RFI.

Etwa 97 % der estnischen Bevölkerung besitzen ein Fernsehgerät.

Mit einer Gesamtauflage von 523 Tageszeitungen pro 1000 Einwohnern hat Estland eine der höchsten Zeitungsleseraten der Welt.

Im Jahr 2019 nutzten 90 Prozent der Einwohner Estlands das Internet.

Musik

Weltweit bekannt ist Arvo P√§rt, ein zeitgen√∂ssischer Komponist moderner Klassik. Rudolf Tobias, ausgangs des 19.¬†Jahrhunderts der erste estnische Komponist, ist Kennern der Chormusik durch seine Motetten auch au√üerhalb Estlands ein Begriff. Eduard Tubin machte im 20.¬†Jahrhundert durch seine romantischen bis atonalen Sinfonien auf Estland aufmerksam, was im Jahr 2005 durch ein gro√ües Festival gew√ľrdigt wurde. Neeme J√§rvi ist Dirigent von Weltruf, ebenso sein Sohn Paavo J√§rvi, der von 2001 bis 2011 Chefdirigent beim Cincinnati Symphony Orchestra und bis 2016 beim hr-Sinfonieorchester Frankfurt war. Im Popul√§rbereich kommt dem Pianisten Olav Ehala eine gro√üe Bedeutung zu, der zahlreiche Filmmusiken schrieb und bei Theaterproduktionen mitwirkt. Ester M√§gi schreibt √§hnlich wie Veljo Tormis viele Kompositionen und Volkslieder f√ľr Chor um, die w√§hrend der Besatzungszeit der Sowjetunion in Vergessenheit zu geraten drohten und seit der Unabh√§ngigkeit sehr popul√§r geworden sind. Zu erw√§hnen ist das alle f√ľnf Jahre stattfindende Liederfest, wo Zehntausende, vereint zu einem Chor, nationales Liedgut singen.

Estland ist momentan auch sehr erfolgreich mit Acts wie Eda-Ines Etti, J.M.K.E., Tanel Padar, Malcolm Lincoln, Vaiko Eplik, Kerli und Vanilla Ninja in die europäische Pop-Kultur integriert.

Estland konnte beachtliche Erfolge beim Eurovision Song Contest erreichen, den Dave Benton gemeinsam mit Tanel Padar 2001 f√ľr das Land gewann. Der Eurovision Song Contest 2002 fand daraufhin in Tallinn statt.

Architektur

Die estnischen St√§dte werden immer noch von den Holzh√§usern gepr√§gt, auch wenn die sowjetischen Plattenbauten dazwischen ragen. Heutzutage wird viel mit Schiefer gebaut. Das h√∂chste Bauwerk Estlands ist der Fernsehturm in Tallinn (314 Meter), der in den Jahren 1975‚Äď1980 anl√§sslich der Olympischen Spiele in Moskau erbaut wurde.

In den Tagen des Staatsstreiches in Moskau (August 1991) sollte er von russischen Truppen besetzt werden, was durch die estnische Polizei und Demonstranten verhindert wurde. Der Turm geh√∂rt trotzdem nicht zu den besonderen nationalen Symbolen des neuen Estland. Ein m√∂glicher Grund ist seine Lage¬†‚Äď der Fernsehturm liegt weitab von der Innenstadt am stadtnahen Wald.

Das vierthöchste Bauwerk Estlands mit einer Höhe von 254 Metern ist der Mast des Senders Kohtla.

Sport

Der Sport hat in Estland einen hohen Stellenwert. Bereits 1920 nahm das Land erstmals an den Olympischen Sommerspielen teil und setzten diese eigenst√§ndige Teilnahme auch bis zur Besetzung durch die UdSSR 1940 fort. Nach deren Ende und der estnischen Unabh√§ngigkeit formierten sich die nationalen Sportverb√§nde erneut. Olympische Medaillen konnte das Land vor allem im Gewichtheben, Ringen und Skisport gewinnen. Der sowjetische Schach-Gro√ümeister Paul Keres kommt aus Estland. Auch bei der √Ąsthetischen Gruppengymnastik ist Estland eine Hochburg.

Während Fußball in Estland vor dem Zweiten Weltkrieg noch zu den beliebtesten Sportarten zählte, änderte sich das mit der sowjetischen Besatzung. Von nun an wurde Fußball als Machtinstrument missbraucht, und es folgten die Auflösung des estnischen Fußballverbandes, die Umbenennung der Vereine und die Eingliederung der Nationalmannschaft in das sowjetische Team. Als russische Sportart verpönt, wurde Fußball immer unbeliebter und erlangte erst nach der Unabhängigkeit wieder zunehmende Popularität. Im Jahr 2011 ist Fußball mit 20.000 Aktiven wieder beliebteste Sportart in Estland.

K√ľche

Feiertage

Siehe auch

Literatur

  • Gert Walter: Estland: Geschichte und Gegenwart einer jungen Sowjetrepublik. Verlag der Nation, Berlin 1968, DNB 458570079.
  • Seraina Gilly: Der Nationalstaat im Wandel. Estland im 20.¬†Jahrhundert. Lang, Bern u.¬†a. 2002, ISBN 3-906769-19-4 (=¬†Arbeiten aus dem Historischen Seminar der Universit√§t Z√ľrich, Band¬†97, Dissertation Universit√§t Z√ľrich 2001).
  • Charles Mahaux, Bernd Nielsen-Stokkeby, Volker von Buxhoeveden: Estland ein Traum. Verlag Wissenschaft und Politik, K√∂ln 1991, ISBN 3-8046-8778-4.

Weblinks

  • L√§nderinformationen zu Estland (Ausw√§rtiges Amt, Berlin)
  • Eesti Instituut ‚Äď Estnisches Kulturinstitut (estn., engl.)
  • Virtuelle Fachbibliothek Nordeuropa und Ostseeraum (Vifanord)
  • Estland ‚Äď Bilder u. L√§nderinformationen (dt., engl.)

Einzelnachweise




Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (15)

Bezeichnung der Regionen: Kreis
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Harju 59.671 58.985 23.718 25.945  
Hiiu 59.09 58.687 22.045 23.041  
Ida-Viru 59.503 58.819 26.703 28.186  
J√§rva 59.292 58.614 25.2 26.166  
J√Ķgeva 58.957 58.485 25.749 27.446  
L√§√§ne 59.258 58.544 23.114 24.187  
L√§√§ne-Viru 59.634 58.886 25.813 26.941  
P√§rnu 58.751 57.859 23.586 25.293  
P√Ķlva 58.263 57.813 26.54 27.799  
Rapla 59.227 58.67 24.07 25.32  
Saare 58.681 57.784 21.833 23.4  
Tartu 58.709 58.121 26.039 27.555  
Valga 58.175 57.562 25.552 26.595  
Viljandi 58.69 57.95 24.955 26.166  
V√Ķru 57.957 57.516 26.365 27.556  
 

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Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Estonia

Name englisch: Estonia
Hauptstadt: Tallinn
Kfz: EST
ISO: EE
ISO3: EST
Fläche: 45226 km²
Tld: .ee
Wärung Einheit: EEK
Währung: Kroon
Vorwahl: 372

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 59.7001934
südlichster Punkt: 57.5093155
westlichster Punkt: 21.7643127
östlichster Punkt: 28.210139


 
Estland: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Estland. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

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