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Staat Informationen : Ukraine

Informationen:


Die Ukraine ([uk ĀŐ•aňąiňźn…ô] oder [uňąk ĀŐ•a…õŐĮn…ô], [ äňąkraen…ô], [uňąkra…™ŐĮn…ô]; ukrainisch –£–ļ—Ä–į—ó–Ĺ–į, [ukr…Ďňąjin…Ď] Ukrajina, russisch –£–ļ—Ä–į–ł–Ĺ–į Ukraina [ukraňą(j)iňĎn…ź]) ist ein Staat in Osteuropa. Mit einer Fl√§che von 603.700 Quadratkilometern ist sie der gr√∂√üte Staat, dessen Grenzen vollst√§ndig in Europa liegen. Sie verf√ľgt nach Russland √ľber das zweitgr√∂√üte Staatsgebiet in Europa. Die Ukraine grenzt an Russland im Nordosten und Osten, Belarus im Norden, Polen, die Slowakei und Ungarn im Westen, Rum√§nien und die Republik Moldau im S√ľdwesten sowie an das Schwarze Meer und das Asowsche Meer im S√ľden. Die Hauptstadt und gr√∂√üte Metropole des Landes ist Kiew, weitere Ballungszentren sind Charkiw, Dnipro, Donezk und Odessa.

Die Kiewer Rus war der mittelalterliche Vorl√§ufer Russlands, der Ukraine und der Republik Belarus. Das Gebiet der heutigen Ukraine wechselte zwischen Herrschaftsanspr√ľchen, bildete jedoch eigenst√§ndige Identit√§ten aus. Seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 ist die Ukraine unabh√§ngig. Im Februar 2014 brach infolge der Euromaidan-Proteste ein bewaffneter Konflikt in Teilen der Ostukraine aus, der bis heute andauert. Die Krim und Teile im S√ľden der Ostukraine befinden sich seit 2014 nicht mehr unter Kontrolle der ukrainischen Regierung.

Etymologie

Die erste Erw√§hnung des Wortes ukraina findet man in der Kiewer Hypatiuschronik f√ľr das Jahr 1187 mit Bezug auf das F√ľrstentum Perejaslawl. Danach findet man dieses Wort in Chroniken in Bezug auf unterschiedliche geographische Regionen der Rus, auch weit au√üerhalb des Gebietes der heutigen Ukraine.

Die traditionelle etymologische Deutung des Landesnamens verweist auf das altostslawische Wort ukraina, das die Bedeutung ‚ÄěGrenzgebiet, Milit√§rgrenze‚Äú hatte und dem westlichen Begriff Mark entsprach. Diese Sichtweise ist sowohl in der internationalen Geschichtsschreibung als auch in der ukrainischen dominierend, da sie unter anderem vom Nationalhistoriker Mychajlo Hruschewskyj und von der Enzyklop√§die der Ukraine unterst√ľtzt wird. Die meisten Autoren sind sich einig, dass dieser Name, der zun√§chst das Grenzgebiet zum sogenannten Wilden Feld mit seinen turkst√§mmigen Reiternomaden bezeichnete, lange Zeit ohne einen ethnischen Bezug existierte. Dar√ľber, wann das Wort Ukraine zum Parallelbegriff f√ľr den kirchlichen und im Russischen Reich offiziell benutzten Namen Kleinrussland wurde, gibt es allerdings verschiedene Auffassungen.

Da die ostslawische Wurzel krai jedoch sowohl ‚ÄěRand, Grenze‚Äú, als auch ‚ÄěGebiet, Land‚Äú bedeuten kann, hat in der nationalukrainischen Geschichtsschreibung die Sichtweise an Popularit√§t gewonnen, dass das Wort ukraina in Chroniken seit dem 12.¬†Jahrhundert in der Bedeutung ‚Äěselbst√§ndiges Herrschaftsgebiet, F√ľrstentum‚Äú benutzt wurde. Die damit einhergehende Behauptung, wie etwa bei Hryhorij Piwtorak, dass es stets eine strikte Unterscheidung zwischen ukraina ‚ÄěF√ľrstentum‚Äú und okraina ‚ÄěGrenzland‚Äú gab, steht jedoch im Widerspruch zu einer Vielzahl der Prim√§rquellen; ihr wird auch von zahlreichen anderen Autoren widersprochen.

Geographie

Etwa 95¬†% der Ukraine liegt auf dem Gebiet der Osteurop√§ischen Ebene, weshalb sie fast ausschlie√ülich zu Osteuropa gez√§hlt wird. Die restlichen 5¬†% z√§hlen je nach Definition zu Mitteleuropa (die Karpaten und Lwiw) und S√ľdosteuropa (Odessa und der Budschak).

Andere Landschaftsr√§ume au√üerhalb der gro√üen Ebene finden sich in der s√ľdlichen Westukraine, wo das Land Anteil an den Waldkarpaten und an der Pannonischen Ebene hat, sowie im √§u√üersten S√ľden. Der h√∂chste Berg des Landes ist die Howerla in der Tschornohora, die eine H√∂he von 2061¬†m erreicht. Die h√∂chste Erhebung der Krim ist der Roman Kosch mit 1545¬†Metern H√∂he.

Auf dem zur Osteurop√§ischen Ebene geh√∂renden Teil erstrecken sich insbesondere im Norden und S√ľden des Landes gro√üe Tiefl√§nder (ukrainisch –Ě–ł–∑–ĺ–≤–ł–Ĺ–į) wie etwa das Dneprtiefland und die Schwarzmeersenke. Das Gel√§nde erreicht dort H√∂hen zwischen 0 und 200¬†m. Aufgrund der geringen H√∂henunterschiede flie√üen die Fl√ľsse dieses Gebiets sehr langsam. Im Bereich der Tiefl√§nder gibt es insbesondere in der zentralukrainischen Oblast Poltawa kleinere Gas- und Erd√∂lvorkommen, die aber f√ľr eine Eigenversorgung des Landes nicht ausreichend sind. Hoffnungen werden in die Erschlie√üung von Feldern im Schwarzen Meer gesetzt.

Im zentralen Landesteil erstrecken sich von Westen nach Osten h√∂herliegende Gebiete mit Gel√§ndeh√∂hen zwischen 200 und 470¬†m (Kamula), die Platten (ukrainisch –í–ł—Ā–ĺ—á–ł–Ĺ–į) genannt werden. Zu diesen geh√∂ren etwa die Podolische Platte, das Dneprhochland oder die Donezplatte. Diese Platten bestehen √ľberwiegend aus Gestein aus dem Erdaltertum, das durch die Entstehung des alpidischen Gebirgsg√ľrtels in den letzten 10 Millionen Jahren wieder angehoben worden ist. Sie sind reich an Rohstoffen wie etwa Eisenerz und Kohle. Die gr√∂√üten Erzvorkommen finden sich im Krywbass um die Stadt Krywyj Rih im Westen der Oblast Dnipropetrowsk, w√§hrend die Kohlelager sich √ľberwiegend im Gebiet des Donezbeckens um die Stadt Donezk befinden. Die Platten sind von zahlreichen kleineren und gr√∂√üeren Fl√ľssen durchschnitten, die sich teilweise tief ins Gel√§nde eingeschnitten haben.

Der Nordwesten der Ukraine wird als Wolhynien bezeichnet. Diese Landschaft wird mit Galizien zu den ‚ÄěKeimzellen‚Äú einer unabh√§ngigen Ukraine gerechnet, da diese Gebiete erst im Zuge des Zweiten Weltkriegs von Polen an die Sowjetunion abgetreten wurden. Teile der Westukraine hatten bis dahin mit kurzen Ausnahmen so gut wie nie zu einem von Moskau aus regierten Reich geh√∂rt. Seit der Zerschlagung der Galizischen russophilen Bewegung durch √Ėsterreich stand die Mehrheit der Bev√∂lkerung Russland sehr reserviert gegen√ľber. Das Entstehungsgebiet der ukrainischen Kultur und Sprache liegt aber wahrscheinlich im Dneprgebiet s√ľd√∂stlich von Kiew, wo im 17.¬†Jahrhundert f√ľr kurze Zeit der Kosakenstaat bestand.

Der geografische Mittelpunkt des Landes befindet sich in der Nähe der Siedlung Dobrowelytschkiwka in der Oblast Kirowohrad.

√Ėsterreichische Ingenieure kamen Ende des 19.¬†Jahrhunderts zu dem Ergebnis, dass der geographische Mittelpunkt Europas im Dorf Dilowe in der Oblast Transkarpatien liege. Da es verschiedene Verfahren zur Berechnung des Mittelpunktes gibt und die Ostgrenzen Europas willk√ľrlich und somit nicht eindeutig festgelegt sind, beanspruchen jedoch auch mehrere andere Orte den Titel f√ľr sich.

Klima und Böden

Abgesehen von den Berggebieten und den s√ľdwestlichen und s√ľdlichen K√ľstenregionen l√§sst sich die Ukraine hinsichtlich des Klimas, der B√∂den und der Vegetation in drei Gro√üzonen gliedern. Im Nordwesten hat es Anteil an den Prypjatsumpfgebieten, die insbesondere durch fr√ľhere Gletschervorst√∂√üe aus Skandinavien w√§hrend der Eiszeiten gepr√§gt wurden. Hier finden sich die schlechtesten B√∂den des Landes. Hinzu kommt, dass diese Region besonders stark von der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 betroffen ist. Das Gebiet erh√§lt relativ viel Niederschlag (500‚Äď750¬†mm), die Sommer sind, mit Durchschnittstemperaturen im Monat Juli von 17 bis 19¬†¬įC, mild.

An diese Zone schlie√üt sich nach S√ľden und S√ľdosten die sogenannte Waldsteppenzone an, in der ehemals bestehende Waldbest√§nde aber √ľberwiegend schon abgeholzt wurden. Hier befinden sich weit ausgedehnte L√∂ssebenen, die im Eiszeitalter unter periglazialen Bedingungen entstanden sind. Aus dem L√∂√ü haben sich √ľberwiegend sehr fruchtbare Schwarzerdeb√∂den entwickelt, die zu den ertragreichsten der Welt geh√∂ren. Die Niederschlagsmengen liegen zwischen 350 und 400¬†mm, die Juli-Durchschnittstemperaturen bei 20¬†¬įC. Insgesamt bietet dieses Gebiet sehr gute Bedingungen f√ľr eine landwirtschaftliche Nutzung. Allerdings sind die B√∂den sehr erosionsanf√§llig, wenn sie, wie oft in Sowjetzeiten geschehen, falsch bestellt werden.

Im S√ľdosten grenzt die Steppenzone an, die nur √ľber relativ geringe Niederschl√§ge von teilweise unter 250¬†mm im Jahr verf√ľgt. Auch hier sind die Sommer relativ hei√ü mit Durchschnittstemperaturen im Juli von teilweise √ľber 23¬†¬įC. Die fruchtbaren Schwarz- und Kastanienbraunerden dieses Gebietes konnten √ľberwiegend erst ab Mitte des 20.¬†Jahrhunderts in Wert gesetzt werden, nachdem durch den Bau von Staud√§mmen an den gro√üen Fl√ľssen ausgedehnte Bew√§sserungsanlagen entstanden waren (Siehe auch: Stauseen in der Ukraine).

Die K√ľstenregionen auf der Halbinsel Krim und im s√ľdwestlichen Bessarabien, dem Budschak, sind sehr fruchtbar und werden aufgrund der g√ľnstigen klimatischen Bedingungen mit milden Wintern insbesondere f√ľr den Obst- und Weinanbau genutzt.

Gewässer

Die S√ľdk√ľste der Ukraine hat einen 2782¬†km langen Anteil am Schwarzen Meer und am Asowschen Meer. Zu den zahlreichen Fl√ľssen, die das Land durchkreuzen und dort im Schwarzen Meer m√ľnden, z√§hlen der Dnepr, der S√ľdliche Bug und der Dnister. Im Westen bildet die Donau eine 54¬†km lange Grenze zwischen Rum√§nien und der Ukraine. Hier liegt auch der Jalpuhsee, der gr√∂√üte nat√ľrliche See der Ukraine. Weitere gro√üe Fl√ľsse sind die Desna, der Pruth, die Horyn und der Siwerskyj Donez. Viele kleinere Fl√ľsse sind von versumpften Ufern mit Schilfbestand gepr√§gt. Die Stra√üe von Kertsch, eine 40¬†km lange Meerenge, verbindet das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer und trennt die Halbinsel Krim von der Halbinsel Taman (Russland). √úber Polesien erstreckt sich mit einer Gr√∂√üe von 90.000¬†km¬≤ das gr√∂√üte Sumpfgebiet Europas.

Im Nordwesten des Landes liegt der Nationalpark Schazk mit dem Switjas-See.

Inseln und Halbinseln

Zu den Schwarzmeerinseln z√§hlen Dscharylhatsch, Tusla und die Schlangeninsel (geh√∂rt seit 1948 der Ukraine) im S√ľden des Landes. Die mit Abstand bekannteste Halbinsel ist die Krim, die ‚Äď aus der Sicht des ukrainischen Staates und der gro√üen Mehrheit der Generalversammlung der Vereinten Nationen ‚Äď seit 1954 zur Ukraine geh√∂rt, seit 2014 aber von Russland beansprucht und faktisch kontrolliert wird. Die Insel Chortyzja im Stadtgebiet von Saporischschja ist die gr√∂√üte Dnepr-Insel. Zahlreiche weitere Flussinseln des Dnepr befinden sich bei Kiew und in seinem M√ľndungsdelta am Schwarzen Meer.

Natur und Landschaft

Vegetation, Flora

In den Karpaten existieren die letzten warmgem√§√üigten Urw√§lder Europas. Sie z√§hlen seit Juli 2007 zum Weltnaturerbe der UNESCO. Knapp 16¬†% der Fl√§che des Landes sind bewaldet (haupts√§chlich mit Buchen, Kiefern, Birken, Espen, Eichen, Erlen, Eschen und Ahorn). Neben den Karpaten bilden das Dnepr-Bassin und das Prypjat-Bassin die wichtigsten √Ėkosysteme. Gurken, Tomaten, Paprika, Zwiebeln, H√ľlsenfr√ľchte und Auberginen sind das am h√§ufigsten angebaute Gem√ľse. Zu den typischen Obstsorten z√§hlen Trauben, Birnen, Melonen, Pfirsiche, Pflaumen und Aprikosen. Die wichtigste Nutzpflanze ist der Weizen. Neben ihm wird aber auch viel Roggen, Gerste, Kartoffeln, Mais und vor allem Buchweizen angebaut. Die Sonnenblume ist die Nationalpflanze.

Fauna

Neben der nat√ľrlichen Artenvielfalt gibt es Fasane, Kraniche und Pfauen. Zudem wurden im Naturschutzgebiet Askanija-Nowa auch Exoten wie der Afrikanische Strau√ü eingewildert. Auch kleine Affen leben dort. Zu den traditionellen Zuchttieren der Krim geh√∂rt das Kamel. In den Meeren um die Halbinsel sind einige Delfin- und Walarten beheimatet. Wasserschildkr√∂ten, Eidechsen und Schlangen sind im gesamten Land vertreten. Waschb√§ren, Wildschweine, B√§ren, W√∂lfe und Hirsche sind Waldbewohner und daher am h√§ufigsten im Westen und Norden der Ukraine anzutreffen. In Askanija-Nowa gibt es √ľber 100 Exemplare des vom Aussterben bedrohten Przewalski-Pferdes, das um 1900 aus der Mongolei nach Europa eingef√ľhrt wurde. Bis vor 200 Jahren lebte in der Ukraine der Tarpan in freier Wildbahn, bis er schlie√ülich ausgerottet wurde. Weit verbreitet in der Ukraine war bis Anfang des 20. Jahrhunderts das Ukrainische Steppenrind.

Naturschutz

Nach schweren Umweltkatastrophen wie der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl und dem Tankerungl√ľck im Schwarzen Meer 2010 hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, Reformen f√ľr den Naturschutz durchzuf√ľhren. In der Ukraine gibt es 18 Nationalparks sowie die Ukrainische Naturschutzgesellschaft.

Bevölkerung

Demografie

Die Bev√∂lkerungszahl der Ukraine betrug 2015 mit Krim ca. 44 Millionen (42 Millionen ohne Krim). Die Bev√∂lkerung der Ukraine sinkt seit dem Ende der Sowjetzeit aufgrund der niedrigen Lebenserwartung, Auswanderung und einer kollabierenden Geburtenziffer. 2016 kamen auf 1000 Einwohner 10,5 Geburten und 14,4 Todesf√§lle, womit die Ukraine eine der h√∂chsten Sterberaten der Welt hatte. Die Fertilit√§tsrate pro Frau betrug 1,54 Kinder. Das Medianalter lag bei 40,4 Jahren. Aufgrund der hohen Sterberaten von M√§nnern hat die Ukraine einen Frauen√ľberschuss. Das Bev√∂lkerungswachstum betrug 2016 ‚ąí0,4 Prozent, damit geh√∂rt die Ukraine zu den L√§ndern die weltweit am schnellsten Einwohner verlieren. Bis 2050 wird in der Ukraine noch von einer Einwohnerzahl von 36 Millionen ausgegangen.

2017 lebten 5,9 Millionen Personen, die in der Ukraine geboren wurden, im Ausland. Die meisten davon lebten in Russland (3,3 Mio.), den Vereinigten Staaten (380.000), Kasachstan (350.000), Deutschland (260.000) und Italien (240.000). In der Ukraine selbst waren im Jahre 2017 11,2 % der Bevölkerung im Ausland geboren, die meisten davon in Russland.

Historische Bevölkerungsentwicklung der Minderheiten

Vor dem Ersten Weltkrieg lebte eine deutschsprachige Minderheit von mehreren hunderttausend Menschen auf dem Gebiet der heutigen Ukraine (Galizien, Bukowina, Wolhynien, Schwarzmeerk√ľste); heute sind es noch etwa 30.000 bis 40.000.

Bis 1944 lebten mehrere Millionen Polen in den heute zum Westen der Ukraine geh√∂renden Gebieten Galizien, Bukowina und Wolhynien. 1944 kam es vor allem in Wolhynien zu Massakern an der polnischen Bev√∂lkerung, denen √ľber 40.000 Polen zum Opfer fielen. Nach dem Krieg und der Annexion der polnischen Gebiete √∂stlich des Bug wurde die polnische Bev√∂lkerung im Zuge der cvertrieben.

Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten in der Ukraine viele Juden (z.¬†B. in Schtetl-Siedlungen), die jedoch zu gro√üen Teilen w√§hrend der Besatzung durch das Deutsche Reich von SS-Einsatzgruppen ermordet wurden. Die Ukraine war eines der Hauptverbreitungsgebiete der jiddischen Sprache. Die √úberlebenden wandern seitdem in die USA, nach Israel und zum kleinen Teil nach Deutschland aus. 2001 lebten noch rund 100.000 Juden in der Ukraine. Ihre Zahl nimmt wegen der Auswanderung und des allgemeinen Geburtenr√ľckgangs weiterhin ab.

Ethnien

Nach der offiziellen Volksz√§hlung von 2001 leben in der Ukraine 77,8¬†% Ukrainer, 17,3¬†% Russen und √ľber 100 weitere Ethnien. Eine staatlich nicht anerkannte Minderheit sind die Russinen Transkarpatiens. Neben den zehn gr√∂√üten Ethnien gibt es noch kleinere Minderheiten mit weniger als 100.000 Einwohnern, darunter haupts√§chlich Griechen, Roma, Aserbaidschaner, Georgier und Deutsche. Die Ukrainer stellen in allen Regionen mit Ausnahme der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol den gr√∂√üten Teil der Bev√∂lkerung. In diesen beiden Regionen sind Russen die bei weitem √ľberwiegende Volksgruppe, weitere Gebiete mit hohem russischen Bev√∂lkerungsanteil von 39,0¬†% bzw. 38,2¬†% (Volksz√§hlung von 2001) sind die Oblaste Luhansk und Donezk im S√ľdosten der Ukraine. Russen leben in der Ukraine vorwiegend in St√§dten. In l√§ndlichen Regionen sind nur 6,9¬†% der Bev√∂lkerung Russen, w√§hrend Ukrainer dort einen Anteil von 87,0¬†% stellen.

Sprache

Die unterschiedlichen historischen Erfahrungen aus Vielvölkerstaaten in den Regionen der Ukraine komplizieren die Sprachenfrage:

Die √ľberwiegende Mehrheit der Bev√∂lkerung beherrscht sowohl die ukrainische Sprache als auch die russische Sprache. Das Russische verlor mit der Unabh√§ngigkeit 1991 jedoch den Status als Amtssprache. Beide Sprachen sind ostslawische Sprachen und somit verwandt. Eine weit verbreitete m√ľndliche Mischform der ukrainischen Sprache mit dem Russischen ist der Surschyk.

In der Volksz√§hlung von 2001 wurde auch die Muttersprache der Bev√∂lkerung nach eigener Angabe der Befragten ermittelt. Hierbei wurde ein Bev√∂lkerungsanteil von 67,5¬†% f√ľr die ukrainische Sprache ermittelt. Der Unterschied zur Nationalit√§tenverteilung ist dadurch zu erkl√§ren, dass 14,8¬†% der Ukrainer Russisch als Muttersprache angaben, aber nur 3,9¬†% der Russen Ukrainisch. Prominentes Beispiel hierf√ľr ist die Ukrainerin Julija Tymoschenko, deren Muttersprache Russisch ist. Die Angeh√∂rigen der kleineren Nationalit√§tsgruppen benannten weit √ľberwiegend Russisch als Muttersprache, lediglich bei den Polen dominierte Ukrainisch. Russisch als Muttersprache gaben 29,6¬†% der Bewohner an. In den meisten west- und zentralukrainischen Oblasten ermittelte die Volksz√§hlung einen ukrainischen Muttersprachleranteil von mehr als 90¬†%. In der Oblast Ternopil erreichte der Anteil ukrainischer Muttersprachler 98,3¬†%. In den meisten s√ľdukrainischen Oblasten gaben zwei Drittel der Bev√∂lkerung die ukrainische Sprache als ihre Muttersprache an. In der Autonomen Republik Krim und in Sewastopol erreichte der ukrainische Muttersprachleranteil nur 10,1¬†% bzw. 6,8¬†%. In den ostukrainischen Regionen Oblast Charkiw, Oblast Dnipropetrowsk und Oblast Saporischschja stellen ukrainische Muttersprachler die Sprachenmehrheit mit Werten zwischen 50,2¬†% bis 67¬†%. Eine Minderheit bilden ukrainische Muttersprachler in der Oblast Donezk und Oblast Luhansk mit Anteilen von 24,1¬†% und 30,0¬†%.

Russische Muttersprachler bilden in der Autonomen Republik Krim und in Sewastopol mit 77,0¬†% bzw. 90,6¬†% die Sprachenmehrheit. Viele russische Muttersprachler auf der Krim sind ethnische Ukrainer und Angeh√∂rige anderer Minderheiten. In der Oblast Donezk und in der Oblast Luhansk betr√§gt der russische Muttersprachleranteil 74,9¬†% bzw. 68,8¬†%. In der S√ľdukraine (ohne die Halbinsel Krim) liegt der russische Muttersprachleranteil meistens bei Werten um die 30¬†%. In der n√∂rdlichen und zentralen Ukraine liegt der russische Muttersprachleranteil zwischen 1,2¬†% in der Oblast Ternopil und 10,3¬†% in der Oblast Tschernihiw. In der Stadt Kiew und in der Oblast Sumy weichen die Werte mit 25,4¬†% bzw. 15,6¬†% davon ab.

Eine Statistik der Akademie der Wissenschaften der Ukraine aus dem Jahr 2011 weist 42,8¬†% der gesamtukrainischen Bev√∂lkerung als zu Hause Ukrainisch sprechend aus, w√§hrend 38,7¬†% dort Russisch benutzen und 17,1¬†% beide Sprachen verwenden. Eine andere Umfrage aus dem Jahr 1993 ergab, dass 53¬†% der Bev√∂lkerung bevorzugt Russisch in Gespr√§chen benutzt, eine Zahl, die auch in einer Statistik aus dem Jahr 2013 auftauchte. Mehrere Befragungen ergaben eine russischsprachige Mehrheit in Regionen, in denen laut offizieller Volksz√§hlung das Ukrainische √ľberwog, darunter etwa die Oblaste Charkow und Odessa. Im Westen sprechen demnach 94,4¬†% Ukrainisch, 2,5¬†% Surschyk und 3,1¬†% Russisch, w√§hrend z.¬†B. im S√ľden, zu dem auch die Halbinsel Krim geh√∂rt, 82,3¬†% Russisch, 12,4¬†% Surschyk und 5,2¬†% Ukrainisch sprechen.

Seit der Unabh√§ngigkeit verschieben sich die Sprachverh√§ltnisse aber etwas zugunsten des Ukrainischen. Im Jahr 1989 betrug laut offizieller Statistik der ukrainische Muttersprachleranteil 64,7¬†%; bis 2001 stieg er auf 67,5¬†%. Der Anteil russischer Muttersprachler betrug 1989 32,8¬†% an der Gesamtbev√∂lkerung bis 2001 sank er auf 29,6¬†%. Seit 1991 ist das Ukrainische die einzige Amtssprache des Landes, obwohl gro√üe Teile der Bev√∂lkerung fordern, Russisch wieder als zweite Amtssprache einzuf√ľhren. Seit 1991 wurde Ukrainisch Pflichtfach in allen Schulen und zunehmend auch Unterrichtssprache. An vielen ukrainischen Hochschulen, insbesondere im technischen Bereich, findet der Unterricht jedoch mangels ukrainischer Fachliteratur √ľberwiegend oder nur in russischer Sprache statt.

Die ‚ÄěSprachenfrage‚Äú ist in der ukrainischen Politik ein Reizthema. Die nach Russland orientierte Partei der Regionen sowie die Kommunistische Partei treten f√ľr die v√∂llige Gleichberechtigung des Russischen als zweiter Amtssprache ein. Die ‚Äěorangen‚Äú, westlich orientierten Parteien rund um den ehemaligen Pr√§sidenten Juschtschenko und Julija Tymoschenko sowie nationalistische Parteien lehnten dies jedoch ab.

Unter Wiktor Juschtschenko wurde eine aktive Ukrainisierungspolitik betrieben; so wurde etwa das Russische in Schulen und im Alltag zur√ľckgedr√§ngt und zahlreiche Ma√ünahmen eingef√ľhrt, die den Gebrauch der ukrainischen Sprache f√∂rdern sollten. Der 2010 gew√§hlte Pr√§sident Janukowytsch hob jedoch zahlreiche dieser Ma√ünahmen wieder auf, wogegen die Opposition um Julija Tymoschenko vehement protestierte.

Janukowytsch √§u√üerte sich zun√§chst auch gegen die Einf√ľhrung des Russischen als zweite Staatssprache, da die Verh√§ltnisse im Parlament die notwendige √Ąnderung der ukrainischen Verfassung, f√ľr die eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist, unm√∂glich machten. Zudem f√ľrchtete Janukowytsch Proteste aus dem nationalistischen Lager. Im Fr√ľhjahr 2012 griff seine Partei der Regionen die Sprachenfrage jedoch wieder auf. Trotz heftiger, zum Teil handgreiflicher Proteste der Opposition im Parlament, wurde ein Gesetz verabschiedet, wonach in einer Region, in der mindestens zehn Prozent der Bev√∂lkerung eine andere Muttersprache haben, diese den Status einer regionalen offiziellen Sprache bekommt. Damit ist Russisch in 13 der 27 Regionen der Ukraine, darunter in der Hauptstadt Kiew, dem Ukrainischen gleichgestellt. Eine regionale Aufwertung erhielten zudem Ungarisch (Transkarpatien), Rum√§nisch (Bukowina) und Krimtatarisch (Krim). Au√üerdem erkannte die Ukraine erstmals die russinische Sprache an, die zuvor auf offizieller Ebene als Dialekt des Ukrainischen behandelt wurde.

Im Jahr 2005 ratifizierte die Ukraine die Europ√§ische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Ein von der Werchowna Rada 2012 bzw. 2013 beschlossenes Gesetz erkennt folgende Sprachen offiziell als Minderheitensprachen an: Russisch, Belarussisch, Bulgarisch, Armenisch, Gagausisch, Jiddisch, Krim-Tatarisch, Moldauisch (Variante des Rum√§nischen), Deutsch, Neugriechisch, Polnisch, Romani, Rum√§nisch, Slowakisch, Ungarisch, Ruthenisch (Variante des Ukrainischen), Kar√§isch, Krimtschakisch. Im Februar 2018 wurde dieses Gesetz vom Verfassungsgericht als verfassungswidrig befunden und damit f√ľr nichtig erkl√§rt.

Im September 2017 verabschiedete das ukrainische Parlament einen neuen Gesetzentwurf, der das Unterrichtsrecht f√ľr ethnische Minderheiten in ihren Muttersprachen in ukrainischen Schulen einschr√§nkt. Da Rum√§nen und Ungarn zu den bedeutendsten ethnischen Minderheiten in der Ukraine z√§hlen, verurteilten Rum√§nien und Ungarn dieses Gesetz und der rum√§nische Pr√§sident Klaus Johannis sagte aus Protest einen geplanten Besuch nach Kiew ab.

Religion

Die Ukraine ist ein konfessionell gemischtes Land. Ca. 75¬†% der Ukrainer geh√∂ren den orthodoxen Kirchen an. Bis 2018 bestand eine Spaltung in eine als kanonisch anerkannte Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats, ein autonomer Teil der Russisch-Orthodoxen Kirche und eine nicht anerkannte, nach 1991 entstandene Ukrainisch-orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats. Zwischen den beiden Kirchen tobte ein erbitterter Streit um Legitimit√§t und um Besitzanspr√ľche an Immobilien. Die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche galt als dritte √∂stlich-orthodoxe Kirche des Landes. Auch ihre Legitimit√§t war umstritten. Im Oktober 2018 erkannte der √∂kumenische Patriarch gegen den Widerstand der russisch-orthodoxen Kirche die Kirchen als kanonisch an und unterstellte das Gebiet der Ukraine seiner direkten Zust√§ndigkeit mit dem Ziel einer Vereinigung der drei Kirchen Am 15. Dezember 2018 fusionierte die Ukrainisch-orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats mit der ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche zur Orthodoxen Kirche der Ukraine. Die dem Moskauer Patriarchen unterstehende Kirche boykottierte die Synode, auf der die Fusion beschlossen wurde. Dem orthodoxen Ritus folgt auch die 1596 entstandene Ukrainische griechisch-katholische Kirche, die allerdings die Suprematie des Papstes anerkennt und mit Rom uniert ist. Ihr geh√∂ren ca. 5,5¬†Mio. Gl√§ubige, haupts√§chlich im Westen des Landes, an.

Daneben gibt es in der Ukraine ca. 2 Mio. Muslime (4 %, davon 1,7 % Tataren), 1,1 Mio. römisch-katholische Christen (2,4 %, vor allem Polen und Deutsche) sowie 1,2 Mio. evangelische Christen (2,7 %), darunter als größte protestantische Gruppe die Baptisten, und etwa 300.000 Juden.

Gesundheit

Die Lebenserwartung bei Männern liegt in der Ukraine bei 67,1 Jahren, Frauen werden durchschnittlich 76,9 Jahre alt. In der Ukraine gibt es keine obligatorische oder staatliche Krankenversicherung, daher können sich viele keine kostspielige Operation leisten.

Pandemien

Ende 2006 waren nach Angaben der WHO 0,2 % der Gesamtbevölkerung mit dem HI-Virus infiziert. Nach Schätzungen waren Anfang 2008 1,7 % der erwachsenen Bevölkerung (von 15 bis 49 Jahren) infiziert. Ungeklärt ist, wieweit dies eine schon lange bestehende Krankheitshäufigkeit ist. Die Ukraine ist somit das am stärksten betroffene Land in Europa. Nach einer Schätzung von UN-AIDS lebten im Jahr 2016 etwa 240.000 Menschen in der Ukraine mit HIV, von denen jedoch, der NGO Gesamtukrainisches Netzwerk von Menschen, die mit HIV/AIDS leben nach, nur etwa 139.000 offiziell registriert sind.

Im Zusammenhang mit dem H1N1-Virus (allgemein unter den Namen Schweinegrippe und Neue Grippe bekannt) ordnete die ukrainische Regierung nach einer Serie von Todesf√§llen am 30.¬†Oktober 2009 in neun Oblasten die Schlie√üung der Schuleinrichtungen und ein Verbot von gr√∂√üeren Veranstaltungen f√ľr drei Wochen an. Insgesamt best√§tigten die ukrainischen Beh√∂rden den Tod von 33 Menschen. Der ukrainische Pr√§sident Wiktor Juschtschenko best√§tigte aber nur elf Todesf√§lle. Im Westen des Landes kam es zu Hamsterk√§ufen in den Apotheken. Die ukrainischen Streitkr√§fte stellten √Ąrzte, Sanit√§ter und Reservisten ab, um die massenhaft unter Grippe leidenden Menschen zu betreuen. ‚ÄěDie Situation droht v√∂llig au√üer Kontrolle zu geraten‚Äú, erkl√§rte der Chef des Sicherheitsausschusses im Parlament, Anatolij Hryzenko.

Geschichte

Antike

Auf dem Gebiet der heutigen Ukraine hielten sich in der Fr√ľhzeit meist indogermanische V√∂lker (unter anderem Kimmerier, Skythen und Sarmaten) auf. Dar√ľber hinaus entstanden im siebten bis sechsten Jahrhundert v.¬†Chr. mehrere griechische Kolonien an der Schwarzmeerk√ľste, die im f√ľnften Jahrhundert v. Chr. das Bosporanische Reich bildeten. Im dritten und vierten Jahrhundert lie√üen sich im S√ľden zwischen den Fl√ľssen Dnestr und Dnepr und auf der Krim Goten nieder. 375 wurden sie von Hunnen unterworfen. Das Wilde Feld, die ausgedehnten Steppengebiete im S√ľden des Landes, diente als Durchgangsgebiet f√ľr Bulgaren, Awaren, Magyaren und andere V√∂lker.

Mittelalter

Die Region Polesien im Nordwesten der Ukraine gilt als eine m√∂gliche Urheimat der Slawen. Die heutige Ukraine hat ihren Ursprung, genau wie Russland und Belarus, im ersten ostslawischen Staat, der Kiewer Rus. Ab dem 8.¬†Jahrhundert befuhren Wikinger die osteurop√§ischen Fl√ľsse und vermischten sich mit der slawischen Mehrheitsbev√∂lkerung. Diese auch War√§ger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren ma√ügeblich an der Gr√ľndung der Kiewer Rus mit Zentren in Kiew und Nowgorod beteiligt.

Die Kiewer Rus erreichte ihre Bl√ľtezeit im 10. und 11. Jahrhundert, nachdem sie durch milit√§rische Feldz√ľge Handelsprivilegien in Byzanz durchgesetzt und das Chasarenreich zerst√∂rt hatten. Mit der 988 erfolgten griechisch-orthodoxen Christianisierung der Rus begann ein bemerkenswerter kultureller Aufschwung. Allerdings setzten im 12. Jahrhundert feudale Spaltungsprozesse ein. Aufgrund der politischen Zersplitterung erlag das altrussische Reich in den Jahren 1237 bis 1240 der Invasion der Mongolen, die die Rus ihrem Reich der Goldenen Horde tributpflichtig machten. Der nord√∂stliche Teil der Rus (F√ľrstentum Wladimir-Susdal, Rjasan, Twer) blieb bis 1480 unter ihrer Herrschaft, w√§hrend s√ľdwestliche Gebiete und Galizien-Wolhynienin in Folge der Schlacht am Irpen (1321) und der Schlacht am Blauen Wasser (1362) unter die Herrschaft des Gro√üf√ľrstentums Litauen kamen, das sp√§ter mit Polen eine gemeinsame Republik Polen-Litauen bildete. Gebiete der heutigen Ukraine gelangten hierbei ab dem 16.¬†Jahrhundert in den polnischen Herrschaftsbereich. Im Osten wurde aus dem F√ľrstentum Wladimir-Susdal das Gro√üf√ľrstentum Moskau, das nach und nach alle russischen Nachbarf√ľrstent√ľmer um sich konsolidierte und schlie√ülich das tatarische Khanat Kasan unterwarf. Die Ukraine wurde durch dessen Ausdehnung zum russisch-polnischen Rivalit√§tsgebiet und Grenzland. Im Schwarzmeergebiet hielt noch lange die Herrschaft des Krimkhanats unter osmanischer Oberhoheit an, bis die Krim im 18.¬†Jahrhundert vom Russischen Kaiserreich annektiert wurde. In den Grenzregionen zwischen der bewaldeten sesshaften Welt und den nomadisch gepr√§gten Steppenlandschaften (historisch Wildes Feld genannt) lebten die slawischen Kosaken, die sich der Lebensweise als Steppenreiter angepasst hatten, in st√§ndigem Kleinkrieg mit den einfallenden Krimtataren. In Russland waren das die Donkosaken und in der Ukraine die Saporoger- oder Dneprkosaken.

Neuzeit

Rechtliche Diskriminierung, wirtschaftliche Ausbeutung und religi√∂ser Druck auf die orthodoxe Bev√∂lkerung der s√ľdwestlichen Rus seitens der polnischen Krone und der polnischen Magnaten f√ľhrten immer wieder zu blutigen Aufst√§nden gegen die polnische Herrschaft, die von der oktroyierten Kirchenunion von Brest 1596 weiter angefeuert wurden. Im Jahre 1648 befreite sich die Ukraine in einem Volksaufstand unter F√ľhrung des Kosakenhetmans Bohdan Chmelnyzkyj von der Herrschaft Polens und die Saporoger Kosaken begr√ľndeten einen unabh√§ngigen Staat, das Hetmanat. 1654 unterstellten sich die Kosaken im Vertrag von Perejaslaw der Oberherrschaft des Moskauer Zaren, und in der Folge kam die Linksufrige Ukraine (in Bezug auf den Fluss Dnepr) mit Kiew unter russische Herrschaft. Das Hetmanat der Kosaken bestand als autonomer Teil des Russischen Kaiserreiches bis in die Regierungszeit Katharinas der Gro√üen.

Die Rechtsufrige Ukraine, darunter Wolhynien und Podolien verblieb zun√§chst bei Polen-Litauen. Das rechtsufrige Hetmanat wurde bereits im 17. Jahrhundert von den Polen aufgel√∂st. Bei den Teilungen Polens am Ende des 18. Jahrhunderts fiel auch der rechtsufrige Teil der Ukraine an Russland, die im Westen der Ukraine gelegenen Gebiete Galizien und die Bukowina im Westen an das Habsburgerreich. Als Resultat mehrerer Russisch-T√ľrkischer Kriege wurden im 18.¬†Jahrhundert weite Teile der heutigen S√ľdukraine den unter osmanischer Vasallit√§t stehenden Krimtataren abgerungen. Diese Gebiete wurden als Neurussland unter der Leitung von Grigori Potjomkin erschlossen und mit Saporoger Kosaken und Siedlern aus der Ukraine und aus Russland besiedelt. Die Ukrainer wurden im Russischen Reich als Kleinrussen bezeichnet, in Anlehnung an eine alte Einteilung der orthodoxen Kirchenprovinzen in Klein-Russland (historisches Kernland um Kiew) und Gro√ü-Russland (die Gebiete im Norden). Zwischen den Teilungen Polens und der russischen Revolution war die Ukraine zudem Teil des j√ľdischen Ansiedlungsrayons.

Im 19. Jahrhundert begann sich auf dem Gebiet der heutigen Ukraine eine Nationalbewegung zu entfalten. Sie lehnte die von der zaristischen Regierung pr√§ferierte Vorstellung vom dreieinigen russischen Volk aus Gro√ürussen, Kleinrussen und Belarussen ab und strebte die Formierung einer ‚Äěukrainischen‚Äú Nation und als Endziel einen Nationalstaat an. Wichtige nationale Vordenker waren der Nationaldichter Taras Schewtschenko und die Historiker Mykola (Nikolaj) Kostomarow und Mychajlo Hruschewskyj. In der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts wurde die ukrainische Nationalbewegung von den Beh√∂rden unterdr√ľckt, indem Schulen und bestimmte politische Druckwerke in ukrainischer Sprache (damals bekannt als kleinrussischer Dialekt) verboten wurden. Deshalb verschob sich der Schwerpunkt der Nationalbewegung auf das √∂sterreichische Galizien, wo die Ukrainer (Ruthenen) im Unterschied zu Russland als Nationalit√§t anerkannt wurden. In Konkurrenz zur ‚Äěukrainischen‚Äú Identit√§t stand eine ‚Äěkleinrussische‚Äú Identit√§t, die st√§rker auf Russland hin orientiert war.

B√ľrgerkrieg und fr√ľhe Sowjetherrschaft

Nach der russischen Februarrevolution 1917 und w√§hrend der deutschen und √∂sterreichischen Besatzung am Ende des Ersten Weltkrieges entstanden kurzlebige ukrainische Nationalstaaten, die Ukrainische Volksrepublik und Westukrainische Volksrepublik. Am 22. Januar 1919 wurde die Vereinigung der beiden Volksrepubliken beschlossen. Das Gebiet der West-Ukrainischen Volksrepublik wurde jedoch auch von Polen beansprucht und im Rahmen des Polnisch-Ukrainischen Krieges bis Juli 1919 vollst√§ndig besetzt; jedoch wurden im Polnisch-Sowjetischen Krieg die polnischen Truppen kurz darauf zur√ľckgedr√§ngt. In der Folge fielen die westukrainischen Gebiete an Polen, Rum√§nien und die Tschechoslowakei, die Zentral-, Ost- und S√ľdukraine an die Russische Sowjetrepublik. Parallel dazu gelang es der √ľberwiegend b√§uerlichen Machno-Bewegung im S√ľdosten des Landes, eine anarchistische Revolution durchzuf√ľhren. Zun√§chst halfen die Anarchisten den sowjetischen Bolschewiken gegen die konservativ-monarchistischen ‚ÄěWei√üen‚Äú von Anton Denikin, dann wurden sie jedoch selbst von den Bolschewiken vernichtet. Im Verlauf des sehr wechselvollen und blutigen Russischen B√ľrgerkriegs wurden die meisten Gebiete der Ukraine von der Roten Armee erobert und unter Leo Trotzki Sowjetrussland angeschlossen. Mit der Gr√ľndung der Sowjetunion im Dezember 1922 wurde die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (USSR) gegr√ľndet. Die fr√ľhe bolschewistische Nationalit√§tenpolitik der Korenisazija zielte darauf ab, die Minderheiten f√ľr die sozialistische Idee zu gewinnen und gleichzeitig die reaktion√§ren einheitsrussischen Kr√§fte zu schw√§chen. Es begann eine bis 1931 anhaltende staatliche Politik der Ukrainisierung, die die ukrainische Sprache f√∂rderte und den Anteil von Ukrainern in der Kommunistischen Partei und den Beh√∂rden vergr√∂√üerte.

Das allgemeine Frauenwahlrecht bestand seit dem 10. März 1919.

F√ľr die junge Sowjetunion war die Ukraine die ‚ÄěKornkammer‚Äú. Als unter Josef Stalin seit 1929 die Landwirtschaft zwangsweise kollektiviert wurde, kam es in der Ukraine zu einer unter dem Namen Holodomor bekannten Hungersnot, die in der Ukraine nach neuesten Sch√§tzungen ca. 3,5 Millionen Menschenleben forderte, mehr als in den anderen Gebieten der Sowjetunion zusammen (andere Sch√§tzungen liegen zwischen 2,4 Millionen und bis zu 14,5 Millionen Opfern). Ukrainische Geschichtswissenschaftler gehen davon aus, dass sie absichtlich herbeigef√ľhrt wurde. Lasar Kaganowitsch gilt als Hauptverantwortlicher f√ľr den Terror im Zusammenhang mit der Zwangskollektivierung. Die Bewertung der historischen Ereignisse ist jedoch umstritten.

Zweiter Weltkrieg

Infolge des Hitler-Stalin-Pakts wurden nach dem deutschen √úberfall auf Polen und der sowjetischen Invasion Ostpolens im Sommer 1939 zun√§chst, wie im Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag verabredet, die seit 1921 zu Polen geh√∂renden westukrainischen Gebiete von der Sowjetunion annektiert. Nach Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges wurden jene im August 1941 Teil des deutschen Generalgouvernements. Der gr√∂√üere Teil des Territoriums der Ukraine unterstand nach seiner Besetzung durch die deutsche Wehrmacht von 1941 bis 1943/44 als Reichskommissariat Ukraine einer Zivilverwaltung durch das Reichsministerium f√ľr die besetzten Ostgebiete.

Teile der ukrainischen Bev√∂lkerung f√ľhrten einen Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer, andere, vor allem in Galizien, arbeiteten mit den Deutschen zusammen. Im Westen des Landes k√§mpfte die Ukrainische Aufst√§ndische Armee gegen die vorr√ľckenden Sowjets und die polnische Bev√∂lkerung. Da die Angeh√∂rigen dieser Untergrundarmee wussten, dass sie in der Hand sowjetischer Beh√∂rden dem Tod geweiht waren, dauerte ihre Niederschlagung durch Einheiten des NKWD weit √ľber das Ende des Zweiten Weltkrieges hinaus.

Die Ukraine war Schauplatz zahlreicher Massenmorde an Juden, Polen und sowjetischen Kriegsgefangenen (Massaker von Babi Jar). √úber 2 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer wurden als Ostarbeiter nach Deutschland verschleppt. Der Zweite Weltkrieg forderte in der Ukraine etwa 4 Millionen zivile Todesopfer, davon etwa eineinhalb Millionen j√ľdische Ukrainer. Fast die gesamte j√ľdische Bev√∂lkerung, sofern nicht geflohen, wurde ausgel√∂scht. D√∂rfer und St√§dte wurden mit der Taktik der verbrannten Erde erst von der Roten Armee, dann von den deutschen Besatzern auf ihren jeweiligen R√ľckz√ľgen zerst√∂rt. Es gab 1945 in der Ukraine etwa zehn Millionen Obdachlose.

Nachkriegszeit

Im Zuge der Westverschiebung Polens wurde nahezu die gesamte polnische Bevölkerung aus den ehemals polnischen Gebieten der heutigen Westukraine ausgesiedelt, teilweise auch gewaltsam vertrieben. Im Gegenzug wurde die ukrainische Minderheit Polens in die Ukraine, zum Teil auch in den Westen Polens zwangsumgesiedelt.

Nach dem Krieg war erstmals die gesamte Ukraine in einem Staat, der Sowjetunion, vereint. Am 24.¬†Oktober 1945 trat die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik als Gr√ľndungsmitglied den Vereinten Nationen bei. Im Jahr 1954 wurde anl√§sslich des 300-j√§hrigen Jubil√§ums der Vereinbarung von Perejaslaw der Oblast Krim aus der Russischen (RSFSR) in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (USSR) √ľberf√ľhrt. Die Nachkriegszeit war in der Ukraine vom Wiederaufbau und starker Industrialisierung sowie von einem raschen Bev√∂lkerungswachstum gekennzeichnet. Die Einwohnerzahl der Ukrainischen SSR stieg von rund 36,5 Millionen im Jahr 1950 auf 51,7 Millionen im Jahr 1989.

Unabhängigkeit

Mit dem Zerfall der Sowjetunion erlangte die Ukraine im Dezember 1991 nach einem Referendum mit 90,3 % Zustimmung ihre staatliche Unabhängigkeit. Das Frauenwahlrecht wurde bestätigt. Seit der Unabhängigkeit sucht die Ukraine ihre nationale Identität und ihre internationale Rolle zwischen einer westlichen Orientierung, beispielsweise einer Integration in die Europäische Union, und einer östlichen Orientierung, d. h. einer politischen Orientierung zu Russland hin. Die Ukraine leidet seit ihrer Unabhängigkeit unter schweren wirtschaftlichen und demografischen Problemen. Seit ihrer Unabhängigkeit sank die Einwohnerzahl um mehr als 6,25 Millionen Menschen. Auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wie zur Zeit der Sowjetunion konnte seither nicht erreicht werden. Das Bruttoinlandsprodukt der Ukraine erreichte im Jahr 2012 nur 69,3 % des Wertes von 1990.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion gab es neben Russland drei weitere Nachfolgestaaten der UdSSR mit Atomwaffen: die Ukraine, Belarus und Kasachstan. Die Ukraine lieferte 1991 die meisten taktischen Atomwaffen an Russland ab, behielt jedoch die strategischen Atomwaffen und forderte f√ľr ihre Auslieferung vom Westen Geld und Sicherheitsgarantien. Sie erhielt US-Finanzhilfe und Sicherheitsgarantien auf der Basis eines trilateralen Abkommens zwischen Ukraine, Russland und USA vom Januar 1994 (Budapester Memorandum), trat Ende 1994 dem Atomwaffensperrvertrag und dem Start-I-Vertrag bei und erkl√§rte sich 1996 f√ľr atomwaffenfrei.

Bei der Pr√§sidentschaftswahl in der Ukraine 2004, der Orangen Revolution, setzte sich der westlich orientierte Pr√§sidentschaftskandidat Wiktor Juschtschenko gegen den von Russland unterst√ľtzten Wiktor Janukowytsch durch. Das galt vielen politischen Beobachtern als richtungsweisend f√ľr die Orientierung der Ukraine. Die wichtigsten Protagonisten des orangen Lagers ‚Äď Juschtschenko und Julija Tymoschenko ‚Äď konnten sich aber in den folgenden Jahren nicht auf einen gemeinsamen Weg einigen, und viele Hoffnungen der Ukrainer blieben unerf√ľllt. Der politischen Stagnation √ľberdr√ľssig, w√§hlten die Ukrainer Anfang 2010 den russland-orientierten Wiktor Janukowytsch ins Pr√§sidentenamt.

J√ľngere Vergangenheit

Im November 2013 begannen die Euromaidan genannten Proteste, als die Unterzeichnung der EU-Assoziierung unter dem Druck Russlands ausgesetzt wurde. Im Gegensatz zur ‚ÄěOrangen Revolution‚Äú von 2004 richtete sich die Euromaidan-Bewegung auch gegen die verbreitete Korruption. Im Februar 2014 wurde eine Einigung erzielt, die die R√ľckkehr zur bis September 2010 g√ľltigen Verfassung vorsah und die faktische Absetzung Wiktor Janukowytschs beinhaltete.

In der Folge wurde am 27. Februar 2014 eine Übergangsregierung unter Arsenij Jazenjuk gebildet. Im weiteren Verlauf besetzte und annektierte Russland völkerrechtswidrig die Krim und es kam zu sezessionistischen Bewegungen im Osten der Ukraine, die in einem schweren bewaffneten Konflikt eskalierten, der seit 2014 andauert. Am 15. Februar 2015 wurde ein Minsk II genanntes Abkommen geschlossen, das auf die Deeskalation und Befriedung des Konflikts in der östlichen Ukraine zielt.

Innerhalb der folgenden zwei Jahre verkraftete die Ukraine laut Leszek Balcerowicz die Schocks aus dem Erbe des vormaligen Pr√§sidenten sowie der russischen milit√§rischen als auch √∂konomischen Aggression durch ein Embargo. Die ausstehenden Reformen sollten Privatisierungen umfassen, da der Staat noch viele defizit√§re Unternehmen besitze, aus denen Geld abgezweigt w√ľrde. Im Fr√ľhjahr 2017 schien nach einem Spruch des Stockholmer Schiedsgerichts die latente Drohung einer Milliardenklage von Gazprom zu entfallen, die ein √úberbleibsel des jahrzehntealten Gasstreits war, respektive des Knebelvertrags von 2009. Am 26.¬†November 2018 verh√§ngte das ukrainische Parlament einen auf 30 Tage befristeten Ausnahmezustand. Sie reagierte damit auf die massiven √úbergriffe der russischen K√ľstenwache auf ukrainische Schiffe sowie der Gefahr einer gro√üfl√§chigen Invasion durch die Russische F√∂deration aufgrund massiver russischer Truppenkonzentrationen entlang der ukrainischen Grenze.

Politik

Politisches System

Die Ukraine ist nach der Verfassung der Ukraine ein demokratischer, republikanisch, sozial- und rechtsstaatlich organisierter Einheitsstaat mit einem semipr√§sidentiellen Regierungssystem. Von Verfassung wegen ist eine Gewaltenteilung vorgesehen. Staatsoberhaupt ist der Pr√§sident, die Regierung (Ministerkabinett der Ukraine) wird von einem Ministerpr√§sidenten geleitet. Einzig die Autonome Republik Krim hatte (und hat dies auch de jure noch immer) davon abweichend das Recht, √ľber eine eigene Verfassung, Regierung und teilautonome Gesetzgebung zu verf√ľgen.

Verfassung

Die Verfassung der Ukraine stammt vom 28. Juni 1996 und beansprucht als Staatsgrundgesetz h√∂chste rechtliche Autorit√§t. Alle Ma√ünahmen des Staates und seiner Einrichtungen, einschlie√ülich der Gesetzgebung und v√∂lkerrechtlicher Vertr√§ge, m√ľssen mit ihr im Einklang stehen.

F√ľr die Auslegung der Verfassung und die Pr√ľfung der Verfassungsm√§√üigkeit staatlichen Handelns ist allein und ausschlie√ülich das Verfassungsgericht der Ukraine zust√§ndig.

√Ąnderungen an dieser obliegen dem Parlament und sind in einem besonderen Verfassungs√§nderungsverfahren im Rahmen einer regul√§ren gesetzgebenden Sitzung mit Zweidrittelmehrheit der gesetzlichen Mitglieder der Werchowna Rada zu beschlie√üen. Sie sind als verfassungs√§nderndes Gesetz vom Pr√§sidenten der Ukraine auszufertigen. √Ąnderungen hinsichtlich der Staatsgrunds√§tze, der Wahlen und Referenden, sowie der Bestimmungen √ľber die Verfassungs√§nderung bed√ľrfen dar√ľber hinaus der Zustimmung in einem Referendum.

Dies geschah mit dem Gesetz Nr. 2222-IV vom 8. Dezember 2004 erstmals, und beschnitt u.¬†a. die damaligen Rechte des Pr√§sidenten. Diese √Ąnderungen wurden mit einer Entscheidung des Verfassungsgerichts der Ukraine vom 1. Oktober 2010 als verfassungswidrig verworfen und f√ľr nichtig erkl√§rt. Im Zuge der Staatskrise 2013/14 beschloss das Parlament getreu der ‚ÄěVereinbarung √ľber die Beilegung der Krise in der Ukraine‚Äú am 21. Februar 2014 die Wiederinkraftsetzung der √Ąnderungen von 2004. Allerdings fehlte diesem Parlamentsbeschluss zur verfassungsgem√§√üen Wirksamkeit die Unterschrift des damals noch amtierenden Pr√§sidenten Wiktor Janukowytsch. Ob und, wenn ja, wann dies durch den neuen Pr√§sidenten nachgeholt werden kann und wird, ist unklar. Bis dahin gilt die Verfassung in ihrer Urfassung von 1996 fort.

Verfassungsorgane
  • Pr√§sident der Ukraine
  • Parlament
  • Ministerkabinett
  • Verfassungsgericht
  • Generalstaatsanwalt (siehe auch Liste der Generalstaatsanw√§lte der Ukraine)
  • Nationaler Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine

Präsident

Der Pr√§sident der Ukraine (ukrainisch –ü—Ä–Ķ–∑–ł–ī–Ķ–Ĺ—ā –£–ļ—Ä–į—ó–Ĺ–ł President Ukrajiny) ist Staatsoberhaupt und vertritt den Staat der Ukraine nach innen wie nach au√üen v√∂lkerrechtlich. Er soll die territoriale Integrit√§t und Souver√§nit√§t der Ukraine wahren und steht an der Spitze der Exekutive.

Die Aufgaben des Präsidenten umfassen:

  • die Ernennung des Ministerpr√§sidenten mit Zustimmung des Parlaments sowie der Minister, der diplomatischen Vertreter des Landes, zwei Drittel der Mitglieder des Verfassungsgerichts und der Zentralbank, sowie den Generalstaatsanwalt,
  • Ausfertigung der Gesetze des Parlaments mit der M√∂glichkeit eines Vetos gegen Beschl√ľsse des Parlaments,
  • Recht zur Aufhebung von Ma√ünahmen der Regierung und Bestimmung des Zuschnitts der Ministerien,
  • Aus√ľbung des Gnadenrechts f√ľr die gesamte Ukraine,
  • Errichtung oder Aufl√∂sung von Gerichten und Gerichtszweigen,
  • Vorsitz des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine
  • Oberbefehl √ľber die Streitkr√§fte der Ukraine, Verh√§ngung des Kriegsrechts sowie Ausrufung der Generalmobilmachung im Spannungs- oder Kriegsfall,
  • vorzeitige Aufl√∂sung des Parlaments,
  • Verordnungen und Dekrete an die Einrichtungen der Exekutive, einschlie√ülich des Ministerkabinetts.

Eine Delegation dieser Befugnisse ist ausdr√ľcklich ausgeschlossen. Beraten wird der Pr√§sident vom ‚ÄěNationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine‚Äú.

Der Pr√§sident wird f√ľr eine Amtszeit von f√ľnf Jahren in direkter Wahl durch das Staatsvolk der Ukraine gew√§hlt. Dabei darf ein Kandidat nicht mehr als zwei Amtszeiten hintereinander das Amt ausf√ľllen. W√§hlbar ist, wer mindestens 35 Jahre alt ist, die ukrainische Staatsangeh√∂rigkeit besitzt, aktiv wahlberechtigt ist und seit mindestens 10 Jahren in der Ukraine lebt.

Ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt ist durch eigenen R√ľcktritt, Feststellung der gesundheitsbedingten Amtsunf√§higkeit, ein f√∂rmliches Amtsenthebungsverfahren oder den Tod des Amtsinhabers m√∂glich.

Parlament

Die Werchowna Rada (ukrainisch –í–Ķ—Ä—Ö–ĺ–≤–Ĺ–į –†–į–ī–į Oberster Rat) ist das unikameralistische Parlament der Ukraine. Es √ľbt die alleinige legislative Gewalt des Staates aus. Es wird f√ľr eine Legislaturperiode von 5 Jahren vom Staatsvolk der Ukraine direkt gew√§hlt, wobei Wahltermin und -verfahren vom scheidenden Parlament bestimmt werden. Abgeordnete der Rada genie√üen rechtliche Immunit√§t f√ľr die Dauer der Legislaturperiode und d√ľrfen w√§hrend ihrer Zeit als Abgeordnete kein (anderes) Amt innerhalb der Ukraine aus√ľben, insbesondere nicht der Exekutive angeh√∂ren. Die Rada kann au√üer durch Ablauf der Legislaturperiode nur im Ausnahmefall vom Pr√§sidenten der Ukraine aufgel√∂st werden, wobei in diesem Falle unverz√ľglich Neuwahlen anzusetzen sind. Die Werchowna Rada wird von einem aus ihrer Mitte gew√§hlten Pr√§sidenten der Werchowna Rada geleitet und vertreten.

Zu den Befugnissen des Parlaments zählen:

  • die Gesetzgebung,
  • der Beschluss √ľber Verfassungs√§nderungen,
  • Beschluss des Staatshaushalts,
  • Beschluss zum Abhalten eines Referendums,
  • Zustimmung zur Ernennung des Ministerpr√§sidenten und der √ľbrigen vom Pr√§sidenten ernannten Beamten, sowie und Misstrauensantr√§ge gegen diese,
  • Beschluss √ľber die Rahmenbedingungen der Innen- und Au√üenpolitik von Ministerkabinett und Pr√§sident,
  • Aufstellung der Streitkr√§fte der Ukraine,
  • Beschluss √ľber den Kriegsfall und Kriegserkl√§rungen,
  • parlamentarische Kontrolle des Pr√§sidenten und des Ministerkabinetts,
  • Aufl√∂sung der Werchowna Rada der Autonomen Republik Krim, sofern dies durch das Verfassungsgericht der Ukraine wegen verfassungswidrigen Verhaltens bestimmt wurde,
  • die Amtsenthebung des Pr√§sidenten.

Regierung

Die Regierung der Ukraine wird vom Ministerkabinett (ukrainisch –ö–į–Ī—Ė–Ĺ–Ķ—ā –ú—Ė–Ĺ—Ė—Ā—ā—Ä—Ė–≤ –£–ļ—Ä–į—ó–Ĺ–ł Kabinet Ministriv Ukrajiny, ‚ÄěKabinett der Minister der Ukraine‚Äú) wahrgenommen. Dieses setzt sich aus dem Ministerpr√§sidenten (ukrainisch –ü—Ä–Ķ–ľ'—Ē—Ä-–ľ—Ė–Ĺ—Ė—Ā—ā—Ä –£–ļ—Ä–į—ó–Ĺ–ł Prem‚Äôer Ministr Ukrajiny, ‚ÄěPremierminister der Ukraine‚Äú), dem Ersten Vize-Ministerpr√§sidenten, drei weiteren Vize-Ministerpr√§sidenten und den Ministern zusammen. Ersterer wird vom Pr√§sidenten der Ukraine mit Zustimmung der Werchowna Rada ernannt. Die √ľbrigen Mitglieder des Kabinetts werden auf Vorschlag des Ministerpr√§sidenten vom Pr√§sidenten ernannt. Die Amtszeit des Kabinetts ist an die Amtszeit des Ministerpr√§sidenten gebunden. Die Werchowna Rada kann gegen den Ministerpr√§sidenten ein Misstrauensvotum abgeben mit der Folge, dass dieser und mit ihm das gesamte Kabinett durch den Pr√§sidenten aus dem Amt zu entlassen sind. Das Ministerkabinett ist durch seine doppelseitige Ernennung und Entlassung f√ľr seine Arbeit auf Mehrheiten in der Werchowna Rada ebenso angewiesen wie auf die Unterst√ľtzung des Pr√§sidenten.

Zuletzt war die Regierung unter Ministerpr√§sident Mykola Asarow von der Partei der Regionen auf die Unterst√ľtzung der Kommunistischen Partei und unabh√§ngiger Abgeordneter angewiesen. Asarow wurde noch von Janukowytsch auf dessen R√ľcktrittsersuchen vom 28. Januar 2014 hin vor der Werchowna Rada entlassen. Mit den Regierungsgesch√§ften bis zur Ernennung einer neuen Regierung wurde der bisherige Erste Vize-Ministerpr√§sident Serhij Arbusow, ebenfalls von der Partei der Regionen, kommissarisch bestimmt. Am 22. Februar 2014 bestimmte die Werchowna Rada, ihn als gesch√§ftsf√ľhrenden Ministerpr√§sidenten zu entlassen und die Leitung des Ministerkabinetts bis zur Wahl eines neuen Ministerpr√§sidenten auf den Parlamentspr√§sidenten der Werchowna Rada, Oleksandr Turtschynow von der Vaterlandspartei zu √ľbertragen. Vom 27. Februar 2014 bis zum 2. Dezember 2014 war die Regierung Jazenjuk im Amt, deren angebotener R√ľcktritt vom Parlament verworfen wurde. Vom 2. Dezember 2014 bis zum 14. April 2016 regierte eine Koalitionsregierung unter dem im Amt best√§tigten Ministerpr√§sidenten Arsenij Jazenjuk, die sich nach der Parlamentswahl Ende Oktober gebildet hatte. Sie wurde am 14. April 2016 nach R√ľcktritt Jazenjuks durch das Kabinett Hrojsman, eine von Wolodymyr Hrojsman gebildete Koalitionsregierung, abgel√∂st. Nach der vorgezogenen Parlamentswahl in der Ukraine 2019 trat die Werchowna Rada am 29. August 2019 erstmals zusammen und w√§hlte Oleksij Hontscharuk zum neuen Ministerpr√§sidenten. Nachdem das Parlament am 4. M√§rz 2020 ein R√ľcktrittsgesuch von Oleksij Hontscharuk angenommen hatte, w√§hlte es am selben Tag Denys Schmyhal zum neuen Ministerpr√§sidenten.

Wahlen und politische Parteien

F√ľr die Organisation und Durchf√ľhrung der Pr√§sidenten- und Parlamentswahlen, der Kommunalwahlen und Referenden ist die Zentrale Wahlkommission der Ukraine, eine Beh√∂rde mit Sitz in Kiew zust√§ndig. Die 15 Mitglieder der Kommission werden f√ľr den Zeitraum von 7 Jahren von der Werchowna Rada gew√§hlt und vom Staatspr√§sidenten ernannt. Seit 2011 gilt f√ľr die Parlamentswahlen ein sogenanntes Grabenwahlsystem.

Die Landschaft der politischen Parteien in der Ukraine befindet sich im Umbruch, neue Parteien entstehen, √§ltere schlie√üen sich zusammen oder √§ndern ihre Namen. Somit ist die ukrainische Politik teils st√§rker durch die Kontinuit√§t von einzelnen Spitzenpolitikern in wechselnden Konstellationen als durch einzelne Gruppierungen gepr√§gt; die Wahlen von 2012, 2014 und 2019 zeigten je sehr unterschiedliche Ergebnisse. Als wichtiges Kriterium zur politischen Einordnung der Parteien z√§hlt vor allem auch ihre Position gegen√ľber der EU beziehungsweise gegen√ľber Russland.

Verwaltungsgliederung

Die Ukraine ist in 24 Oblaste (ukr. –ĺ–Ī–Ľ–į—Ā—ā—Ć, Bezirke, w√∂rtl. Gebiete), die Autonome Republik Krim und zwei St√§dte mit Sonderstatus, Kiew und Sewastopol, gegliedert.

Die Autonome Republik Krim (ukrainisch –ź–≤—ā–ĺ–Ĺ–ĺ–ľ–Ĺ–į –†–Ķ—Ā–Ņ—É–Ī–Ľ—Ė–ļ–į –ö—Ä–ł–ľ), zu Zeiten der UdSSR offiziell Oblast Krim, ist geographisch gesehen die Krimhalbinsel ohne die verwaltungsm√§√üig eigenst√§ndige Stadt Sewastopol und hat als Hauptstadt Simferopol.

Seit der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 kann die Regierung in Kiew keine Gebietshoheit mehr √ľber die Autonome Republik Krim und die Stadt Sewastopol aus√ľben.

Die Ukraine ist ein Einheitsstaat, die Oblaste und Kommunen hatten lange Zeit nur sehr wenig Befugnisse. Am 28. Juni 2014 gab der ukrainische Präsident Poroschenko bekannt, dass es eine Verfassungsreform geben und die Macht dezentralisiert werden soll. Die Kommunen sollen deutlich mehr Befugnisse haben und ein Teil der Steuern bei den Oblasten verbleiben.

Ballungsräume

Der größten Städte in der Ukraine sind (Stand 2017):

Außenpolitik

Die ukrainische Au√üenpolitik in den ersten Jahren der staatlichen Unabh√§ngigkeit wurde von ukrainischen Politikern als ‚Äěmultivektoral‚Äú bezeichnet und dabei von politischen Beobachtern im Ausland oft als uneinheitlich wahrgenommen. Einerseits strebte die Ukraine eine Ann√§herung an NATO und EU an, andererseits waren gute Beziehungen zum gro√üen Nachbarn Russland f√ľr das Land von elementarer Bedeutung. Erst Pr√§sident Wiktor Juschtschenko erkl√§rte bei seinem Amtsantritt im Januar 2005 die Westorientierung und damit verbunden die Mitgliedschaft des Landes in der EU zu seinem politischen Ziel. Als sich in den folgenden Jahren immer deutlicher abzeichnete, dass f√ľr die Ukraine zu der Zeit keine realistische Beitrittsperspektive zur EU bestand, bem√ľhte sich Juschtschenko im Jahr 2008 um einen raschen Beitritt zur NATO. Trotz der Unterst√ľtzung der USA wurde auf der Bukarester NATO-Ratstagung im April 2008 kein formaler Beschluss √ľber einen sofortigen Beitrittsstatus f√ľr die Ukraine gefasst, was letztlich einer Ablehnung des Beitrittswunsches gleichkam.

Bei den Pr√§sidentschaftswahlen 2010 sprachen sich die vier f√ľhrenden Kandidaten Wiktor Janukowytsch, Julija Tymoschenko, Serhij Tihipko und Arsenij Jazenjuk f√ľr die Einf√ľhrung ‚Äěeurop√§ischer Standards‚Äú in der Ukraine aus. Sie standen damit alle f√ľr eine schrittweise Ann√§herung an die EU und gleichzeitige strategische und gutnachbarschaftliche Beziehungen mit Russland.

Der neu gew√§hlte Pr√§sident Janukowytsch erkl√§rte nach seinem Amtsantritt im Februar 2010, die Ukraine wolle ein blockfreies Land sein und verstehe sich als ‚Äěeine Br√ľcke zwischen Russland und der EU‚Äú. Einer NATO-Mitgliedschaft erteilte er eine klare Absage. Janukowytsch hielt ein geplantes Assoziierungsabkommen mit der EU zur√ľck und versuchte sich enger an Russland zu binden. Am 8. Juni 2017 hatte das ukrainische Parlament die NATO-Mitgliedschaft wieder als au√üenpolitisches Ziel bestimmt. Der ukrainisch-russische Vertrag √ľber Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft wurde am 1. Juni 1997 unterzeichnet, jedoch erst im April 1999 von den Parlamenten ratifiziert. Er sollte gem√§√ü ukrainischen Verlautbarungen im September 2018 beim Auslaufen am 1. April 2019 von der Ukraine nicht verl√§ngert werden.

Im Februar 2019 wurde das Ziel eines NATO- sowie eines EU-Beitritts in der Verfassung festgeschrieben.

Geopolitische Bedeutung der Ukraine

Der Ukraine wird aufgrund ihrer Lage in der Schnittstelle zwischen Europa und Asien hohe geopolitische Bedeutung zugemessen. Sie gilt in Zbigniew BrzeziŇĄskis Werk Die einzige Weltmacht (1997) als geopolitischer ‚ÄěDreh- und Angelpunkt‚Äú,

Weitere diskutierte geopolitische Themen sind auch eine m√∂gliche Ann√§herung oder Eingliederung in die EU und NATO. Dabei sch√§tzte Zbigniew BrzeziŇĄski 1997 Deutschlands Rolle als entscheidend f√ľr die Osterweiterung ein.

Mitgliedschaften

  • Zwar gr√ľndete die Ukraine mit Russland und Belarus gemeinsam die Gemeinschaft Unabh√§ngiger Staaten (GUS), ratifizierte deren Statut aber nicht und wurde deshalb nie Vollmitglied, sondern war lediglich ‚ÄěTeilnehmerstaat‚Äú. Der ehemaligen Wirtschaftsunion des Staatenbundes war sie lediglich assoziiert und deren 2015 gegr√ľndeter Nachfolgeorganisation, der Eurasischen Wirtschaftsunion, trat sie nicht mehr bei. Auch war die Ukraine nicht Mitglied des im Vertrag von Taschkent geschlossenen Milit√§rb√ľndnisses. Nichtsdestotrotz hatte der damalige ukrainische Ministerpr√§sident Leonid Kutschma vom 29. Januar 2003 bis zum 16. September 2004, als ihn der damalige russische Ministerpr√§sident Wladimir Putin abl√∂ste, den GUS-Vorsitz inne. Nach der Eingliederung der Krim in die Russische F√∂deration reagierte der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine im Mai 2014 mit dem Beschluss des Austritts des Landes aus der GUS, dieser wurde letztlich nicht vollzogen. Stattdessen erfolgte der faktische Ausschluss aus dem Staatenbund zum 1. Januar 2015 durch einen Ukas des russischen Pr√§sidenten Wladimir Putin, der den Freihandel mit der Ukraine aufk√ľndigte. Schlie√ülich schied die Ukraine 2018 aus Protest gegen die russische Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim aus der GUS aus.

Zusammenarbeit mit der EU

Die Europ√§ische Union hat im Dezember 2004 einen ‚ÄěAktionsplan‚Äú f√ľr eine engere Zusammenarbeit mit der Ukraine im Rahmen ihrer sogenannten ‚ÄěNachbarschaftspolitik‚Äú gebilligt. Als Priorit√§ten werden im Aktionsplan unter anderem folgende Punkte genannt:

  • F√∂rderung des Beitritts der Ukraine zur Welthandelsorganisation (WTO); stetiger Abbau von Hemmnissen im bilateralen Handel.
  • Ukrainische Gesetze, Normen und Standards werden schrittweise an die der EU angeglichen.
  • Verhandlungen √ľber Besch√§ftigungsfragen, zum Beispiel M√∂glichkeiten f√ľr B√ľrger der Ukraine, in der EU zu arbeiten.
  • Verhandlungen √ľber Erleichterungen bei der Erteilung von Reisevisa.
  • Erf√ľllung der Vereinbarungen zwischen der EU und der Ukraine √ľber die Schlie√üung des Kernkraftwerkes in Tschernobyl.
  • Verbesserung des Investitionsklimas, unter anderem durch Herstellung diskriminierungsfreier, transparenter Wirtschaftsbedingungen, B√ľrokratieabbau sowie Bek√§mpfung von Korruption, Menschenhandel, Folter und Rassismus.

Benita Ferrero-Waldner, EU-Kommissarin f√ľr ausw√§rtige Beziehungen und europ√§ische Nachbarschaftspolitik, nannte dar√ľber hinaus folgende Ma√ünahmen, um die Wirtschaftsbeziehungen zur Ukraine zu st√§rken:

  • Die Einfuhr von Textilien und Stahl aus der Ukraine soll erleichtert werden.
  • Die Vergabe von Krediten der Europ√§ischen Investitionsbank an die Ukraine soll erleichtert werden.
  • Die Finanzhilfen f√ľr eine Angleichung des ukrainischen Rechtssystems an das Rechtssystem der EU sollen erh√∂ht werden.
  • In den Bereichen Energie, Umwelt und Verkehr ist eine engere Zusammenarbeit vorgesehen.

Grundlagen der Beziehungen der Ukraine zur EU sind:

  • das Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (in Kraft seit 1.¬†M√§rz 1998),
  • die vom Europ√§ischen Rat am 14.¬†Dezember 1999 in Helsinki verabschiedete ‚ÄěGemeinsame Strategie EU-Ukraine‚Äú,
  • das von der EU-Kommission im M√§rz 2003 vorgelegte und von den EU-Mitgliedstaaten gebilligte Konzept f√ľr eine ‚ÄěEurop√§ische Nachbarschaftspolitik‚Äú (‚ÄěGr√∂√üeres Europa ‚Äď Nachbarschaft: ein neuer Rahmen f√ľr die Beziehungen der EU zu ihren √∂stlichen und s√ľdlichen Nachbarn‚Äú).

Seit 1994 leistet die EU außerdem im Rahmen des TACIS-Programms Beratungs- und Ausstattungshilfe in der Ukraine. Deutschland hat einen Anteil von fast 30 % an der Finanzierung dieses Programms.

Ziel der ‚ÄěEurop√§ischen Nachbarschaftspolitik‚Äú der EU ist lediglich eine verst√§rkte Zusammenarbeit mit den EU-Nachbarstaaten, die durch ‚ÄěAktionspl√§ne‚Äú konkretisiert wird. F√ľr osteurop√§ische Nachbarstaaten wurde bisher neben dem Aktionsplan f√ľr die Ukraine im Dezember 2004 auch ein Aktionsplan f√ľr das Nachbarland Moldau beschlossen.

Im Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit soll den Nachbarstaaten langfristig eine Beteiligung am EU-Binnenmarkt und an einigen Gemeinschaftsprogrammen eröffnet werden. Eine Beitrittsperspektive, so EU-Kommissarin Ferrero-Waldner in einem Interview mit der Deutschen Welle am 21. Januar 2005, eröffnet die Nachbarschaftspolitik nicht.

Demgegen√ľber hat der fr√ľhere ukrainische Staatspr√§sident Juschtschenko wiederholt betont, beispielsweise am 25.¬†Januar 2005 vor dem Europarat in Stra√üburg, er strebe als ‚Äěstrategisches Ziel‚Äú einen Beitritt der Ukraine zur EU an.

Seit Anfang 2008 verhandelte die Ukraine mit der EU √ľber ein Assoziierungsabkommen. Diese Verhandlungen verliefen bis zum Ende von Janukowytschs Amtszeit erfolglos.

Am 28. Juni 2014 unterzeichnete die EU mit der Ukraine den wirtschaftlichen Teil eines Assoziierungsabkommen, der auch ein Freihandelsabkommen beinhaltet. Der politische Teil des Abkommens wurde bereits im März 2014 unterzeichnet.

Im Herbst 2018 stimmte das ukrainische Parlament f√ľr die Verankerung des Ziels des EU-Beitritts in der Verfassung. Das Verfassungsgericht sollte die √Ąnderung danach pr√ľfen, zu einem Zeitpunkt, als in der Bev√∂lkerung gem√§√ü Umfragen 58 Prozent der Befragten mit diesem Ziel √ľbereinstimmten. Am 7. Februar wurde dieses Ziel, zusammen mit jenem des NATO-Beitritts, festgeschrieben.

Sicherheitspolitik

Justiz und Polizei

Die Rechtsprechung ist den Gerichten der Ukraine anvertraut. Sie sind zwar von Verfassungs wegen formal unabh√§ngig, praktisch ist die Trennung zwischen Rechtsprechung und Politik und Wirtschaftsinteressen aber nur schwach ausgepr√§gt. Die Rechtsprechung der Ukraine gilt als sehr korruptionsanf√§llig. Es besteht im Grundsatz ein Einheitsprinzip hinsichtlich der Einteilung der Rechtsprechungsgewalt: Die Gerichte sind grunds√§tzlich f√ľr alle gerichtlichen Verfahren zust√§ndig, unabh√§ngig von der zu behandelnden Materie. Die Gerichtsbarkeit verf√ľgt √ľber vier Instanzen: Lokalgerichte, Regionalgerichte, Berufungsgerichte und dem Obersten Gerichtshof der Ukraine als Revisionsgericht. Au√üer bei den Lokalgerichten bestehen eigene Kammern f√ľr Verwaltungs- und Handelssachen.

Die Verfassungsgerichtsbarkeit wird vom Verfassungsgericht der Ukraine (ukrainisch –ö–ĺ–Ĺ—Ā—ā–ł—ā—É—Ü—Ė–Ļ–Ĺ–ł–Ļ –°—É–ī –£–ļ—Ä–į—ó–Ĺ–ł Konstitycijnyj Sud Ukraijny) wahrgenommen. Dieses hat die alleinige Verwerfungskompetenz f√ľr Gesetze, entscheidet √ľber die Auslegung der Verfassung und wirkt bei der Amtsenthebung des Pr√§sidenten und der Aufl√∂sung des Lokalparlaments der Krim mit.

F√ľr die Strafverfolgung ist ein (politischer) Generalstaatsanwalt (ukrainisch –ď–Ķ–Ĺ–Ķ—Ä–į–Ľ—Ć–Ĺ–ł–Ļ –Ņ—Ä–ĺ–ļ—É—Ä–ĺ—Ä –£–ļ—Ä–į—ó–Ĺ–ł Heneralyj Prokuror Ukraijny) nach sowjetischem Vorbild zust√§ndig, der den lokalen Staatsanw√§lten vorsteht. Seine Kompetenzen sind unmittelbar von der Verfassung bestimmt.

Sowohl die ukrainische Polizei (fr√ľher ‚ÄěMiliz‚Äú genannt) als auch die Justiz gelten als korrupt. Im Juni 2014 beschloss die EU, eine 40 Mitarbeiter umfassende Mission zur Durchsetzung des Rechts und zur Unterst√ľtzung der ukrainischen Polizei nach Kiew zu entsenden.

Militär

Die Ukrainischen Streitkr√§fte (ukrainisch –ó–Ī—Ä–ĺ–Ļ–Ĺ—Ė —Ā–ł–Ľ–ł –£–ļ—Ä–į—ó–Ĺ–ł Sukhoputni Viys‚Äôka ZSU) hatten 2005 mit ca. 618¬†Millionen US-Dollar einen der kleinsten Milit√§retats in Europa, insbesondere bezogen auf die Truppenst√§rke von 191.000 aktiven Soldaten sowie einer Million Reservisten. Zwischenzeitlich ist der Verteidigungsetat auf 4,88 Mrd. USD angestiegen. Die Ausr√ľstung ist meist noch sowjetischen Ursprungs.

Die Streitkr√§fte gliedern sich in das Heer mit einer Mannst√§rke von ca. 88.500, Luftwaffe mit einer St√§rke von ca. 51.500 Mann und Marine, die √ľber ca. 17.500 Soldaten, davon 3.000 Marineinfanteristen verf√ľgt.

Des Weiteren gibt es noch 39.900 Mann in den Truppen des ukrainischen Innenministeriums, 45.000 Mann ukrainischer Grenzschutz (einschlie√ülich 14.000 Mann K√ľstenwache) und √ľber 9.500 Mann Truppen f√ľr die Zivilverteidigung (Katastropheneins√§tze).

Der Wehrdienst ist f√ľr M√§nner gesetzliche Pflicht, die mit Vollendung des 18. Lebensjahrs einsetzt, und dauert insgesamt neun Monate. Die Abschaffung der Wehrpflicht und der √úbergang zu einer Berufsarmee sollte 2014 erfolgen. Auf Grund der ‚ÄěVerschlechterung der Sicherheitslage im Osten und S√ľden des Landes‚Äú m√ľssen ab Mai 2014 M√§nner im Alter von 18 bis 25 Jahren wieder ihren Wehrdienst leisten. Im Juli 2018 erkl√§rte der Pr√§sident, die Ukraine g√§be sechs Prozent des Bruttoinlandproduktes f√ľr ihre Verteidigung aus aufgrund des Krieges in der Ostukraine.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 31,6¬†Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 29,8 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 6,5¬†% des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2009 35,1 Mrd. US-Dollar oder 30,0 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 6,9¬†%
  • Bildung: 6,3¬†%
  • Milit√§r: 1,4¬†% (2005)

Bis zum Jahr 2014 stieg die Verschuldung der Ukraine gegen√ľber dem Ausland auf ca. 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Januar 2015 lag immer noch kein konsistenter Haushaltsplan f√ľr das laufende Jahr vor. In einem im Januar 2015 ver√∂ffentlichten Plan kommen lassen sollten. Wenn Russland einen fr√ľher gew√§hrten Kredit in H√∂he von 3 Milliarden Euro an die Ukraine wegen Verletzung der Vertragsbedingungen, in denen eine Verschuldungsobergrenze von 60 Prozent des BIP festgeschrieben war, f√§llig stelle, solle der Paris Club diese Zahlungsverpflichtung √ľbernehmen, um einen generellen Default und einen Kapitalverlust privater Gl√§ubiger zu verhindern. Die zur Vermeidung eines finanziellen Zusammenbruchs der Ukraine notwendigen Sofortzahlungen, die vom IWF auf 15 Milliarden Dollar gesch√§tzt werden, seien bei weitem nicht ausreichend. Vor dem Hintergrund der drohenden Zahlungsausf√§lle verhandelte George Soros, dessen Fonds stark in der Ukraine investiert ist, in Kiew am 13. Januar 2015 mit Politikern und Parlamentariern u.¬†a. √ľber die Gr√ľndung eines staatlichen Fonds zur Absicherung privater Investoren.

Menschenrechte

Amnesty International kritisiert die Polizeigewalt in der Ukraine. Die Menschenrechtsorganisation dokumentierte Folter durch W√ľrgen und Stromschl√§ge sowie die Vergewaltigung einer Frau durch Polizeibeamte. Au√üerdem seien Gef√§ngniszellen √ľberf√ľllt, es sei kaum medizinische Versorgung vorhanden, und die hygienischen Bedingungen seien mangelhaft. Zahlreiche Menschen w√ľrden willk√ľrlich verhaftet, insbesondere Asylsuchende, die des √Ėfteren von der Polizei diskriminiert w√ľrden. Human Rights Watch kritisiert die Verurteilung der fr√ľheren Ministerpr√§sidentin Julija Tymoschenko und fordert eine Untersuchung von mutma√ülichen Misshandlungen im Gef√§ngnis.

Im Ukrainekonflikt ab 2014 warf Amnesty International sowohl den bewaffneten Separatisten in der Ostukraine als auch Regierungssoldaten ‚Äěgravierende Menschenrechtsverletzungen‚Äú vor. Aktivisten, Demonstranten und Geiseln, die einer der Konfliktparteien in die H√§nde gerieten, seien misshandelt worden. Laut Amnesty International nahmen vor allem die Separatisten zahlreiche Geiseln, die ‚Äěoft brutal geschlagen und gefoltert‚Äú wurden. Es sei von Hunderten Entf√ľhrungen in der Ostukraine auszugehen. Opfer seien oftmals Zivilisten. Die Erpressung von L√∂segeld sei ebenfalls ein Motiv der separatistischen Gruppen. Die Vereinten Nationen kritisierte die Menschenrechtslage sowohl unter der ukrainischen Regierung als auch in den Separatistengebieten.

Am 21. Mai 2015 hat das ukrainische Parlament beschlossen, einige Menschenrechte bis zum Ende des Ukrainekrieges teilweise auszusetzen. Es handelt sich hierbei um das Recht auf Freiheit und Sicherheit, auf ein faires Gerichtsverfahren und auf Schutz des Familienlebens.

Aufgrund der ausstehenden Reformen zur Verbesserung der Rechtsstaatlichkeit hatte der IWF 2017 Hilfskredite eingestellt. Dank der Markt√∂ffnung konnte die fr√ľhere notorische Korruption beim Gashandel ausgetrocknet werden. Der Missbrauch von Banken durch Oligarchen war durch die Notenbank, welche die H√§lfte aller Banken geschlossen hatte, eingeschr√§nkt worden, womit gem√§√ü Ivan MikloŇ° die noch nicht privatisierten Staatsbetriebe den gr√∂√üten Herd von Korruption darstellten. Ein neues Steuerr√ľckerstattungs-System verringerte die Korruptionsm√∂glichkeiten von Beamten. Durch Betrug beim Zoll verliere der Staat zudem mehrere Milliarden Dollar Einnahmen pro Jahr.

Wirtschaft

Die wichtigsten Au√üenhandelspartner waren 2007 Russland (21,1¬†%), Deutschland (8,0¬†%), die T√ľrkei (6,9¬†%), Italien (6,3¬†%), gefolgt von den Vereinigten Staaten (4¬†%), Turkmenistan (3,8¬†%), Polen (3,4¬†%) und der Volksrepublik China (3,3¬†%).

Zypern und Deutschland waren die gr√∂√üten Direktinvestoren f√ľr das Jahr 2008, von insgesamt 36,5¬†Milliarden US-Dollar entfallen auf Zypern 8,3¬†Milliarden und auf Deutschland 6,8¬†Milliarden (Stand 1.¬†Juli 2008). Die wichtigsten Exportg√ľter der Ukraine sind Metallurgieprodukte, chemische Waren, Maschinen, Ger√§te, Nahrungsmittel und Textilien.

Im Jahr 2011 hatte die Ukraine mit Russland ein Freihandelsabkommen geschlossen, das per 1. Januar 2016 von Russland aufgehoben wurde. Grund war gemäß russischen Angaben das Inkrafttreten des Freihandelsabkommens mit der EU.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt die Ukraine Platz 83 von 140 L√§ndern (Stand 2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2018 Platz 150 von 180 L√§ndern.

Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2017 bei 9,2¬†%. 2014 arbeiteten 5,8¬†% aller Arbeitskr√§fte in der Landwirtschaft, 26,5¬†% in der Industrie und 67,8¬†% im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der Besch√§ftigten wird f√ľr 2017 auf 18 Millionen gesch√§tzt.

Lebensstandard

In der Ukraine bestehen gro√üe soziale Unterschiede und ein gro√üer Teil der 45,4 Millionen Ukrainer lebt in bescheidenen materiellen Verh√§ltnissen oder in Armut. Die Hauptstadt der Ukraine Kiew hat bei einem Stundenlohn von 2,20 Euro den niedrigsten Stundenlohn und mit 17,6¬†% die mit Abstand niedrigste Kaufkraft aller europ√§ischen Hauptst√§dte (Stand 2012). Innerhalb des Landes ist das Gehalt tendenziell h√∂her, je √∂stlicher die Region liegt ‚Äď mit der Spitze in der Oblast Donezk und dem Schlusslicht Oblast Ternopil im Westen.

Viele Einwohner auf dem Land betreiben Subsistenzwirtschaft, da L√∂hne und Rente versp√§tet und unvollst√§ndig ausbezahlt wurden und das Lohnniveau mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten nicht mithalten konnte. 1992 wurde eine √úbergangsw√§hrung (Kupon-Karbowanez/–ļ—É–Ņ–ĺ–Ĺ–ĺ-–ļ–į—Ä–Ī–ĺ–≤–į–Ĺ–Ķ—Ü—Ć) eingef√ľhrt, die wegen der wirtschaftlichen Krise in dieser Zeit unter einer Hyperinflation zu leiden hatte. So war der mittlere Jahreskurs 1992 135¬†Kupons f√ľr 1¬†Mark, 1995 gab es f√ľr 1¬†DM 102.886¬†Kupons. 1996 wurde der Karbowanez durch die Hrywnja abgel√∂st.

Wirtschaftliche Entwicklung

Nach der Losl√∂sung der Ukraine 1991 von der UdSSR wurde ein schrittweiser Privatisierungsprozess eingeleitet. In den 1990er Jahren erlebte das Land √§hnlich wie die anderen Transformationsl√§nder Osteuropas aber zun√§chst eine Wirtschaftskrise, die eine Konsequenz der gesamtwirtschaftlichen Transformation war. Au√üerdem stellen die Auswirkungen der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl eine fortdauernde schwere Belastung f√ľr das Land dar. 2007 konnte die Ukraine das Produktionsniveau von 1991 noch nicht wieder erreichen. Dies wird insbesondere der vom Internationalen W√§hrungsfonds verordneten Schocktherapie zugeschrieben, die von 1992 bis 1995 einen R√ľckgang des Bruttoinlandsproduktes von 60¬†% zur Folge hatte. Ende der 1990er Jahre hat sich die Wirtschaft aber stabilisiert. Ab dem Jahr 2000 stand das Land im Zeichen eines starken wirtschaftlichen Aufschwungs. Das j√§hrliche Wachstum des ukrainischen BIP betrug seitdem im Durchschnitt etwa 7¬†%. Im Jahr 2007 waren es 7,3¬†%.

Der Ende des Jahres 2004 erfolgte Machtwechsel, der nicht nur den Pr√§sidenten betraf, sondern auch f√ľr neue Mehrheitsverh√§ltnisse im Parlament sorgte, lie√ü tiefgreifende Reformen erwarten. Ausl√§ndische Investoren kaufen oder pachten zunehmend landwirtschaftliche Fl√§chen. Landverk√§ufe sollen aber vorerst, bis auf Ausnahmen, verboten bleiben. Laut Bericht des amerikanischen Oakland-Institutes wurden seit 2002 schon 1,6 Millionen Hektar Land an multinationale Unternehmen √ľberschrieben. Davon gingen mehr als 405.000 Hektar an ein Unternehmen mit Sitz in Luxemburg, weitere 444.800 an einen in Zypern registrierten Investor, 120.000 Hektar an ein franz√∂sisches Unternehmen und 250.000 Hektar an eine russische Firma. Der Rohstoff-Multi Cargill, Anbieter auch von Agrarchemie, hat in Getreidesilos, Hafenterminals, Sonnenblumen√∂l- und Futtermittelwerke investiert und zudem Anteile an UkrLandFarming, dem gr√∂√üten Agrarunternehmen des Landes erworben.

Die Ukraine war von der weltweiten Finanzkrise ab 2007 besonders betroffen. Im ersten Halbjahr 2009 brach das BIP im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18¬†% ein. Es kam zu einer Destabilisierung des Bankensektors, die Landesw√§hrung Hrywnja verlor stark an Wert, und die Produktion brach ein. Auch die hohe Abh√§ngigkeit von Energieimporten und die energieintensive Wirtschaft bei gestiegenen Gasimportpreisen versch√§rften die Krise. Die Ukraine erhielt vom IWF zur Abwendung des Staatsbankrotts einen an Auflagen gekn√ľpften Kredit √ľber 16,4¬†Mrd. US-Dollar, der in drei Tranchen ausgezahlt werden sollte. Da die Regierung der Ukraine die Auflagen nicht erf√ľllen wollte, beschloss der IWF, die dritte Tranche nicht auszuzahlen. Wie das Wirtschaftsministerium mitteilte, ging im Jahre 2009 das Bruttoinlandsprodukt insgesamt um ca. 15¬†% zur√ľck. Nach einem bescheidenen Wachstum erfolgte durch die Revolution des Euromaidan, die folgende russische Invasion auf der Krim und im Osten des Landes und den B√ľrgerkrieg in dieser Region eine erneute Wirtschaftskrise. Seit 2015 konnte sich die ukrainische Wirtschafts aber stabilisieren: Produktion, L√∂hne und Investitionen steigerten sich in den letzten Jahren. Im August 2016 erreichte die ukrainische Wirtschaft den Status des Jahres 2013.

Die Rohstoffbasis der Ukraine umfasst verschiedene Metalle und Kohle. Etwa 5¬†% der weltweiten Eisenerzvorkommen liegen in der Ukraine. Dazu kommen Bauxit, Blei, Chrom, Speckstein, Gold, Quecksilber, Nickel, Titan, Uran und Zink. Am Schelf des Schwarzen Meeres wurden Erd√∂l- und Erdgasreserven entdeckt. Der Anteil der Schwerindustrie an der Gesamtwirtschaft √ľbertraf selbst den des ebenfalls schwerindustriell gepr√§gten Polens um mehr als das Doppelte. 70¬†% der Industrieproduktion erfolgte 1991 in den Sektoren Maschinenbau, Schwarzmetallurgie (Eisen und Stahl), Energie, Chemie, Papier und Baumaterialien.

Kennzahlen

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), real Weltbank

Entwicklung des BIP (nominal), Weltbank

Entwicklung des Außenhandels (GTAI)

Haupthandelspartner der Ukraine (2016), Quelle: GTAI

Wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine

Reale Ver√§nderung gegen√ľber dem Vorjahr in¬†% (ohne Ber√ľcksichtigung der von Russland annektierten Gebiete und der Sezessionsgebiete)


Primärer Sektor

Energie

Die Ukraine geh√∂rte zeitweise zu den L√§ndern mit dem h√∂chsten Energieverbrauch in Europa. Der Prim√§renergieverbrauch stieg von 138 Millionen Tonnen √Ėleinheiten 1970 bis 1990 auf 270 an und lag damit h√∂her als in Frankreich und Gro√übritannien. 27,4¬†% der Energie werden aus Kohle erzeugt, etwa 20¬†% aus Erdgas, 47,5¬†% aus Kernreaktoren sowjetischer beziehungsweise russischer Bauart (n√§heres unter Liste der Kernreaktoren in der Ukraine) und 5¬†% aus Wasserkraft. 2011 waren 15 Kernreaktoren mit einer Gesamtbruttoleistung von rund 14¬†Gigawatt (GW) in Betrieb, vier waren stillgelegt, zwei mit je 1000¬†MW (= 1¬†GW) befanden sich in Bau. Die elektrische Stromerzeugung aus den Nuklearanlagen belief sich im Jahre 2010 auf 83,8 Milliarden kWh.

Am Dnepr steht (50 Kilometer von der Großstadt Saporischschja) das Kernkraftwerk Saporischschja; es hat sechs Kernreaktoren mit je 950 MW Nettoleistung und ist damit das leistungsstärkste Kernkraftwerk Europas. Dort liegt die DniproHES-Talsperre, eine der größten Talsperren Europas. Diese dient auch als Speicherkraftwerk und hat eine elektrische Leistung von 1.570 Megawatt.

Landwirtschaft

J√§hrlich produziert die Ukraine rund 60 Millionen Tonnen Getreide, haupts√§chlich Mais, Weizen und Gerste, wovon √ľber 50¬†% exportiert werden. 2012 stand sie damit weltweit an siebter Stelle der Getreideproduzenten. 2019 wurde beim Getreide, mit rund 75 Millionen Tonnen, eine neue Rekordernte eingefahren.

Die Landwirtschaft leidet seit einigen Jahrzehnten unter starker Bodenerosion. Durch die damit verbundene Versteppung des Landes hat die Ukraine schon rund ein Achtel ihrer landwirtschaftlichen Nutzfl√§che eingeb√ľ√üt. Der Waldanteil liegt heute bei 5¬†% der Gesamtfl√§che. Im Norden des Landes befand sich einst eine ausgedehnte Waldsteppe mit sehr fruchtbaren L√∂ssboden. Bis auf einen kleinen Restbestand wurden diese W√§lder abgeholzt und in Ackerland umgewandelt. Bekannt sind die Birkenw√§lder um Kiew und die W√§lder in Wolhynien. An der n√∂rdlichen Landesgrenze zu Belarus darf in einem Radius von 30¬†Kilometern um die Stadt Prypjat seit der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl wegen der anhaltenden radioaktiven Verseuchung keine Landwirtschaft betrieben werden.

Im S√ľden der Ukraine an der K√ľste und auf der Krim wird Wein- und Obstanbau betrieben. Im Rest des Landes werden vorwiegend Weizen, Kartoffeln und Zuckerr√ľben angebaut. Zum Zeitpunkt der Unabh√§ngigkeit von der Sowjetunion wurden 55¬†% des ukrainischen Territoriums f√ľr Ackerbau genutzt und insgesamt 70¬†% der Fl√§che f√ľr die Landwirtschaft. Der agrar-industrielle Komplex erwirtschaftete 1991 etwa 40¬†% des Nationaleinkommens. 2007 wurden in der Ukraine insgesamt 42,894¬†Mio. Hektar Land landwirtschaftlich genutzt.

Fast ein F√ľnftel der Bev√∂lkerung lebt von der Landwirtschaft (vor allem im Westteil des Landes), das 12¬†% des Bruttoinlandsprodukts erzeugt. Die Ukraine hat mit 32 Millionen Hektar doppelt so viel Ackerland wie Deutschland, erzielt aber mit 35 Millionen Tonnen nur 70¬†% der deutschen Getreideproduktion. 40¬†% der Agrarfl√§chen werden durch kleine, aber stabile Subsistenzbetriebe unter einem Hektar bewirtschaftet, 50¬†% durch Kolchose-Nachfolger auf Pachtbasis (mit durchschnittlich 1.200 Hektar), die restlichen 10¬†% durch Kleinbetriebe mit durchschnittlich f√ľnf Hektar und durch 43.000 Mittelbauern (80 bis 500 Hektar).

Land Grabbing

Die Ukraine hat mit 56¬†% ihrer Landfl√§che den weltweit h√∂chsten Anteil an Ackerboden bester Qualit√§t, der mit einer dicken Schicht sehr fruchtbarer Schwarzerde (Tschernosem) √ľberzogen ist. Solange die Bodenpreise im internationalen Vergleich sehr niedrig sind, ist das Land sehr anf√§llig f√ľr Land Grabbing. 2012 lagen die Pachtpreise pro Hektar bei 350 Hrywnja (ca. 30 Euro). Im November 2008 berichtete The Guardian √ľber den Erwerb von 250.000 Hektar Ackerland in der Ukraine durch Libyen. Eine russische Firma pachtete rund 300.000 Hektar Land. Ende 2012 hielt der US-Investmentfonds New Century Holdings (NCH Capital) rund 450.000 Hektar Land in der Ukraine. 2012 gew√§hrte die China Exim-Bank einen Kredit in H√∂he von 3 Mrd. USD und erhielt f√ľr die folgenden 15 Jahre bis zu 6 Mio. Tonnen Getreide j√§hrlich. 2013 begann das chinesische Staatsunternehmen Xinjiang Production and Construction Corps Verhandlungen mit dem ukrainischen Agrarkonzern KSG Agro √ľber 100.000 Hektar in der Schwarzmeerregion. F√ľr den chinesischen Markt sollen Feldfr√ľchte angebaut und Schweine gez√ľchtet werden. F√ľr weitere Pachtrechte auf 50 Jahre will die Volksrepublik China bis zu drei Millionen Hektar √ľbernehmen. 2020 hat das Parlament in einer umstrittenen Bodenreform die √Ėffnung des Bodenmarktes beschlossen. Demnach sollen die landwirtschaftlichen Nutzfl√§chen ab dem 1. Juli 2021 dem Markt ausgesetzt werden. Der Internationaler W√§hrungsfonds machte die Reform zur Voraussetzung f√ľr neue Kredite an die Ukraine.

Industrie

Bei Krywyj Rih (Krywbass), Dnipro und Saporischschja befinden sich Eisenerzlagerst√§tten mit entsprechender Verarbeitung. Hinzu kommen Maschinenbau, Schienenfahrzeug-, und Automobilindustrie Luft- und Raumfahrtindustrie, R√ľstungsindustrie, Nahrungsmittelindustrie, der Bau von Elektroger√§ten sowie eine umfangreiche Werftindustrie. Ausgef√ľhrt werden vor allem Kohle, Stahl, Elektroger√§te, Maschinen, Fahrzeuge und Nahrungsmittel, eingef√ľhrt werden vor allem Energietr√§ger (Gas und Erd√∂l) aus Russland. Im Donezkbecken befinden sich viele sanierungsbed√ľrftige Bergwerke, in denen es bereits zu schweren Grubenungl√ľcken kam.

Die größten Fahrzeugwerke sind KrAZ in Krementschuk, LuAZ in Luzk und Saporisky Awtomobilebudiwny Sawod (SAS) in Saporischschja.

Dienstleistungen

Der Tertiärsektor entwickelt sich in der Ukraine in den letzten Jahren sehr dynamisch, blieb allerdings stark von den Schwankungen der Finanzmärkte abhängig. Neben den Banken zeigten auch die Software- und IT-Service-Branche große Zuwachsraten. Ihr Umsatz betrug 2014 etwa 5 Milliarden US-Dollar. Manager bzw. ehemalige Manager der IT-Industrie sind seit 2014 stark im Parlament und in leitenden Positionen der Regierungskoalition vertreten.

Finanzwirtschaft

Im Bankwesen fand die erste √úbernahme durch ein ausl√§ndisches Kreditinstitut erst im Oktober 2005 statt, aber schon davor wurden Banken mit ausl√§ndischem Kapital gegr√ľndet. Damals √ľbernahm die √∂sterreichische Raiffeisen International die zweitgr√∂√üte Bank des Landes, ‚ÄěBank Aval‚Äú (jetzt Raiffeisen Aval). Die Verkaufsverhandlungen wurden von ukrainischer Seite bewusst in die L√§nge gezogen, da sich rasch weitere Interessenten an der Bank fanden, und sich der Kaufpreis somit St√ľck f√ľr St√ľck auf letztendlich 836¬†Millionen Euro (f√ľr 93,5¬†% Anteil) erh√∂hte. Zusammen mit der 1998 gegr√ľndeten ‚ÄěRaiffeisenbank Ukraine‚Äú hielt die ‚ÄěRaiffeisen International‚Äú einen Bilanzkapitalanteil von 12¬†% am ukrainischen Bankensektor bis zum Verkauf der Ersteren an OTP Bank 2006.

Von da an gab es pl√∂tzlich gro√ües Interesse von zahlreichen ausl√§ndischen Banken, die ebenfalls in der Ukraine Fu√ü fassen wollten. Innerhalb von nur f√ľnf Monaten schnellte der Anteil ausl√§ndischer Banken am ukrainischen Bankensektor von knapp √ľber 12¬†% auf rund 25¬†% und betrug im August 2007 31,7¬†%. Ab 2010 ging die Entwicklung wieder in gegenl√§ufiger Richtung.

Eine weitere der f√ľnf ukrainischen Gro√übanken, die Ukrsibbank, wurde im Dezember 2005 von der gr√∂√üten franz√∂sischen Bank, BNP Paribas, √ľbernommen. 51¬†% wechselten f√ľr knapp 300¬†Millionen Euro ihren Besitzer. Im September 2007 hat die Commerzbank einen Anteil von 60¬†% an der Bank Forum f√ľr 600¬†Millionen Euro √ľbernommen.

Auch von den kleineren der 158 (per Ende 2005) ukrainischen Banken wurden bereits mehrere √ľbernommen. So √ľbernahm beispielsweise der russische Marktf√ľhrer, die staatliche Sberbank, die ukrainische NRB-Ukraina (hat daf√ľr jedoch noch keine Erlaubnis der Bankenaufsicht erhalten), und die russische Nummer zwei, die ebenfalls staatliche Vneschtorgbank (VTB) √ľbernahm die ukrainische Mrija f√ľr umgerechnet knapp 60¬†Millionen Euro. Man vermutet hinter den √úbernahmen der staatlichen russischen Banken politische Motive, wie diese auch bereits im Januar 2006 in der pl√∂tzlichen Vervielfachung des Gaspreises von russischer Seite gesehen wurden.

Funktionen der Zentralbank √ľbt die Nationalbank der Ukraine aus, sie wurde 1991 gegr√ľndet. Aufgrund der Weltfinanzkrise ab 2007 verlor die Hrywnja von Herbst 2008 bis Februar 2009 √ľber 40¬†% ihres Wertes. Die Ratingagentur Fitch wertete die Ukraine auf B (Hochspekulativ) ab.

Staatsanleihen

Am 17. Dezember 2013 vereinbarte die Regierung mit Russland den Kauf von ukrainischen Staatsanleihen im Wert von 15 Milliarden Dollar und die ‚Äěvor√ľbergehende‚Äú Senkung der Gaspreise um ein Drittel, um die ukrainische Wirtschaft zu st√ľtzen. Der Premierminister Mykola Asarow √§u√üerte, ohne den Vertrag mit Russland drohe der Staatsbankrott und der Zusammenbruch der Gesellschaft. Nach BBC-Angaben w√ľrde die Ukraine f√ľr 2014 eine Au√üenfinanzierung in H√∂he von 17 Milliarden Dollar ben√∂tigen, um weiter ihre Schulden bedienen zu k√∂nnen.

Die Ukraine erhielt, nachdem die Regierung Jazenjuk im Amt war, zur Errichtung und Gew√§hrleistung einer stabilen Wirtschaft und Politik, Zusch√ľsse und Darlehen zu tiefen Zinss√§tzen der Europ√§ischen Union in H√∂he von mindestens 11 Milliarden Euro.

Auch das US-amerikanische Investmenthaus Franklin Templeton Investments hat in ukrainische Staatsanleihen im Wert von 7,6 Milliarden Dollar investiert und gehört somit zu den größten Gläubigern der Ukraine.

Medien

Reporter ohne Grenzen kritisiert, dass sich ein großer Teil der Medien in den Händen von Oligarchen oder politisch einflussreichen Personen befindet. In den von Separatisten besetzten Zonen der Ostukraine sowie auf der russisch besetzten Krim ist die Pressefreiheit zudem, laut Reporter ohne Grenzen, nicht mehr gegeben.

In ihrem 2017 ver√∂ffentlichten Bericht √§u√üerte die internationale Nichtregierungsorganisation Freedom House gro√üe Besorgnis √ľber die Sicherheitslage der Journalisten in der Ukraine. Sowohl im ukrainischen Kernland als auch in den von russischen Separatisten kontrollierten Gebieten im Osten des Landes seien die Medienvertreter der Gewalt, Einsch√ľchterungen und Bel√§stigungen ausgesetzt. Im Juli 2017 wurde der prominente Journalist Pawel Scheremet bei einem Autobombenanschlag in Kiew get√∂tet. Der ukrainische Pr√§sident Petro Poroschenko sprach von einer ‚Äěschrecklichen Trag√∂die‚Äú. Ein Jahr zuvor war der regierungskritische Journalist Oles Busyna in Kiew ermordet worden.

Die OSZE √§u√üerte Bedenken zur Pressefreiheit betreffend die entzogene Zulassung im Falle Sawik Schusters im Jahr 2016 sowie im April 2017 wegen der Ausweisungen der Journalistinnen Anna Kurbatova, Tamara Nersesyan und Maria Knyazeva wie auch wegen der Zugangsverwehrung f√ľr die spanischen Journalisten Antonio Pampliega und Manuel √Āngel Sastre.

Der Slawist und Journalist Herwig G. Höller strich im Jahr 2016 dennoch heraus, dass es in der Ukraine auch Medienkritik gebe, dies im großen Unterschied zu Russland.

Nachrichten- und Presseagenturen

Die staatliche Nachrichtenagentur ist die 1918 gegr√ľndete UKRINFORM und setzt t√§glich rund 300 Meldungen ab. Generaldirektor seit 2011 Oleksandr Detsyk (* 1979). Weitere einflussreiche Unternehmen sind die nichtstaatliche russische Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine und die private Ukrainische Unabh√§ngige Informationsagentur (UNIAN), die von dem Oligarchen Ihor Kolomojskyj kontrolliert wird. Insgesamt sind rund 35 Nachrichtenagenturen in der Ukraine aktiv, jedoch sind die meisten sehr klein und √ľbernehmen die Informationen der f√ľhrenden Nachrichtenagenturen. Seit M√§rz 2014 spielt das am Majdan Nesaleschnosti im Hotel Ukrajina gelegene Ukrainian Crisis Media Center (UCMC) eine wichtige Rolle. Es wird von George Soros (Open Society Foundations), dem US-Public-Relation-Unternehmen Weber Shandwick und der ukrainischen Regierung finanziert und verbreitet Nachrichtenmeldungen und Bildmaterial zur Krise.

Fernsehsender

Beim Fernsehen, das 1951 in der Ukraine eingef√ľhrt wurde, gibt es neben dem staatlichen Fernsehen seit 1993 auch private Fernsehanbieter.

  • Nazionalna Telekompanija Ukrajiny, (ukrainisch: –Ě–į—Ü—Ė–ĺ–Ĺ–į–Ľ—Ć–Ĺ–į –Ę–Ķ–Ľ–Ķ–ļ–ĺ–ľ–Ņ–į–Ĺ—Ė—Ź –£–ļ—Ä–į—ó–Ĺ–ł) ist die staatliche Fernsehanstalt der Ukraine. Sie wurde am 20. Januar 1965 gegr√ľndet und unterh√§lt das einzige staatliche Fernsehprogramm Perschyj Nazionalnyj (Erstes Nationales).
  • STB ist ein 1997 gegr√ľndeter privater Sender, der neben den weiteren f√ľnf TV-Stationen ICTV, Novy Kanal, M1, M2, QTV aktuell dem Oligarchen Wiktor Pintschuk und Gr√ľnder der StarLightMedia Group geh√∂rt.
  • Ukraine, urspr√ľnglich 1993 als Regionalsender im Ballungsraum Donezk gegr√ľndet, geh√∂rt zur Media Group Ukraine, die √ľber die Holding System Capital Management (SCM) von dem Oligarchen Rinat Achmetow kontrolliert wird und sehr hohe Einschaltquoten durch seine Fu√üball-TV-Spartenkan√§le erreicht.
  • 1+1 ist ein ukrainischer Fernsehsender, an dem seit 3. Juli 2012 ma√ügeblich Time Warner √ľber die Central European Media Enterprises (CME) beteiligt ist. Der Sender befindet sich im Besitz des Oligarchen Ihor Kolomojskyj. 1+1 z√§hlt zu den Sendern mit dem h√∂chsten Marktanteil in der Ukraine und kann von 95¬†% der ukrainischen Bev√∂lkerung empfangen werden.
  • Inter ist ein weiterer popul√§rer TV-Sender mit sehr hoher Reichweite in der Ukraine, der im Februar 2013 zu 100¬†% von der Inter Media Group Limited √ľbernommen wurde, die von dem Oligarchen Dmytro Firtasch kontrolliert wird.
  • 5 Kanal wurde 2003 gegr√ľndet und wird √ľber die Mischkonzern-Holding Ukrprominvest durch deren Gr√ľnder, den Oligarchen und ehemaligen Pr√§sidenten der Ukraine Petro Poroschenko kontrolliert.
  • KRT (ukrainisch –ö–†–Ę) ist ein ukrainischer orthodoxer TV-Kanal, der erstmals am 26. April 2003 auf Sendung ging.
  • Slavonic Channel International ist ein ukrainischer Fernsehsender, der auf Russisch, Ukrainisch und Englisch sendet und sich haupts√§chlich ‚Äěslawischen‚Äú Themen widmet.
  • Espreso TV wurde 2013 von dem polnischen Medienmanager Michal Boniatowski gegr√ľndet, anfangs lautete der Name ‚ÄěEuromaidan‚Äú.
  • Hromadske.tv (B√ľrger-TV) ist ein Internetsender, der mit Hilfe amerikanischer und britischer Stiftungsgelder im November 2013 online ging.

Im Februar 2021 verbot Präsident Selenskyj mit einem Erlass drei oppositionelle Nachrichtensender wegen angeblicher Gefährdung der nationalen Sicherheit und Verbreitung von russischer Propaganda:

  • ZIK (—ā–Ķ–Ľ–Ķ–ļ–į–Ĺ–į–Ľ)
  • NewsOne
  • 112 Ukraine (ukrainisch: 112 –£–ļ—Ä–į—ó–Ĺ–į)

Der Vorsitzende des ukrainischen Journalistenverbandes, Nikolaj Tomilenko, sprach von einer ¬ĽInformationsbombe¬ę¬†und sagte: ¬ĽDer Entzug des Zugangs zu ukrainischen Medien f√ľr ein Millionenpublikum ohne Gericht (‚Ķ) ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit.¬ę

Zeitungen und Zeitschriften
Radio-Stationen

Ukrajinske Radio (–£–ļ—Ä–į—ó–Ĺ—Ā—Ć–ļ–Ķ –†–į–ī—Ė–ĺ; deutsch: Ukrainischer Rundfunk; englisch: Ukrainian Radio) ist die staatliche H√∂rfunkanstalt der Ukraine mit dem dazugeh√∂rigen Auslandsdienst Radio Ukraine International ‚Äď das gr√∂√üte Funknetz, beliebteste Talk-Radio in der Ukraine. Daneben gibt es weitere private Radiostationen.

Informationstechnologien

Die Ukraine ist in den letzten Jahren auch im Zusammenhang mit dem ‚ÄěIT-Outsourcing‚Äú bekannt geworden. Eine gro√üe Zahl ukrainischer Softwareentwicklungsunternehmen befindet sich vor allem in Kiew, Charkiw, Lwiw, Dnipro, Donezk und Simferopol (Krim). Somit nutzt das Land seine geografische und kulturelle N√§he zu Westeuropa und macht bereits etablierten IT-Dienstleistern wie Indien und China Konkurrenz. Jedoch kann der Umsatz, der in diesem Bereich entsteht, noch nicht mit dem indischen verglichen werden.

Zu den größten Softwareproduzenten und IT-Serviceunternehmen gehören Luxoft, mit Hauptsitz in der Schweiz und Ciklum die vor allem Offshore-Programmierung anbieten, sowie der Produzent von Computerspielen GSC Game World. Die IT-Industrie beschäftigt etwa 50.000 Ingenieure und Programmierer. Neben Russland, Japan und den USA investieren hier auch EU-Länder.

2016 nutzten 44,1 % der Bevölkerung das Internet.

Messen und Ausstellungen

  • AGRO ‚Äď ukrainische Leitmesse f√ľr Landwirtschaft in Kiew
  • BioFuel ‚Äď Fachmesse f√ľr Erneuerbare Energien in Kiew
  • Beer & Soft Drinks Industry ‚Äď Internationale Fachmesse f√ľr Bier und alkoholfreie Getr√§nke in Kiew
  • InterAgroBusiness ‚Äď Internationale Fachmesse f√ľr Landwirtschaft, Landtechnik, Viehzucht, √Ėko-Landbau und Bioenergie in Odessa
  • Metal-Forum of Ukraine ‚Äď Internationale Konferenzmesse f√ľr Metallurgie und Metall in Kiew
  • MushroomIndustry ‚Äď Internationale Fachausstellung f√ľr die Pilzindustrie in Kiew
  • Wine & Winemaking ‚Äď Internationale Fachmesse f√ľr Wein, Weinherstellung und Weinbau in Odessa

Tourismus

Ein wichtiges touristisches Ziel in der Ukraine bildet die Hauptstadt Kiew, die neben vielen historischen Sehensw√ľrdigkeiten auch ein modernes pulsierendes Kulturleben bietet. Als Erholungsgebiet wird seit den Zarenzeiten die Schwarzmeerk√ľste genutzt, allem voran die Halbinsel Krim, die 1954 der Ukrainischen SSR √ľbertragen wurde. Die Krim bietet neben kulturellen Hinterlassenschaften zahlreicher V√∂lker (Griechen, Krimtataren, Genuesen) ein subtropisches Klima und eine Vielzahl von Pal√§sten und Sanatorien. Die Krim war bis 2014 Schauplatz des j√§hrlichen Festivals elektronischer Tanzmusik KaZantip.

Im Westen der Ukraine ist die Stadt Lwiw mit ihrer zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Innenstadt sehenswert. In den angrenzenden ukrainischen Karpaten gibt es neben einer beeindruckenden Natur traditionelle Thermalkurorte wie Truskawez oder Skigebiete wie Slawske.

Als eine Art Extremtourismus haben sich in letzter Zeit Ausfl√ľge in die verstrahlte Zone von Tschornobyl n√∂rdlich von Kiew etabliert.

Infrastruktur

Die Ukraine besitzt aus Zeiten der Sowjetunion vor allem eine Nord-S√ľd-Verkehrsorientierung (Moskau-Kiew-Odessa, Moskau-Charkiw-Krim). Man versucht aber seit der Unabh√§ngigkeit des Landes, die Infrastruktur in eine West-Ost-Orientierung zu reorganisieren und die Verbindungen zu Polen, der Slowakei und Ungarn zu intensivieren (Anbindung an den Paneurop√§ischen Korridor III: Stra√üenverbindung und Bahnstrecke Berlin/Dresden ‚Äď Breslau ‚Äď Krakau ‚Äď Lwiw ‚Äď Kiew und V: KoŇ°ice ‚Äď Tschop ‚Äď Lwiw und Budapest ‚Äď Tschop ‚Äď Lwiw). Die Ukraine ist heute vor allem ein Transitland zwischen Mitteleuropa und dem Kaukasus und zwischen S√ľdeuropa und Russland. Hauptverkehrstr√§ger in der Ukraine ist die Eisenbahn, gefolgt vom Stra√üenverkehr und der Binnenschifffahrt auf dem Dnepr (Dnipro). Seit Ausbruch der Kampfhandlungen in der Ostukraine und nach der Annexion der Krim durch Russland ist der Verkehr innerhalb der betreffenden Regionen und auch der Verkehr zwischen der Ukraine und Russland zunehmend eingeschr√§nkt.

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die Qualität der Infrastruktur misst, belegte die Ukraine 2018 den 66. Platz unter 160 Ländern. Ein großer Teil der Infrastruktur des Landes wurde seit der Sowjetära nicht modernisiert.

Eisenbahn

In der Ukraine wird von der Eisenbahn die auch in Russland gebr√§uchliche Spurweite von 1520¬†mm verwendet. Der Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken in der Spurweite 1435¬†mm wird geplant. Die Strecken im Raum Kiew, Lwiw und im Osten der Ukraine sind elektrifiziert, dazwischen befinden sich nicht-elektrifizierte Abschnitte. Eine komplette Elektrifizierung ist vorgesehen. Der staatliche Eisenbahnhersteller ist die Lokomotivfabrik Luhansk. Die nationale Eisenbahngesellschaft Ukrsalisnyzja wurde 1991 gegr√ľndet und liegt ebenfalls in staatlicher Hand. 2009 kamen von der Regierung erste Vorschl√§ge √ľber eine Privatisierung ins Gespr√§ch. Im Zuge der Annexion der Krim durch Russland und im Laufe der Kampfhandlungen in den Oblasten Donezk und Luhansk kam es zu starken Einschr√§nkungen des Bahnverkehrs in den betreffenden Regionen.

Straße

Das gesamte Stra√üennetz umfasste 2012 etwa 169.694¬†km, wovon 166.095¬†km asphaltiert sind. Ein zusammenh√§ngendes Autobahnnetz besteht noch nicht, es existieren jedoch vielerorts autobahnartig ausgebaute Fernstra√üen und Nationalstra√üen. Die M¬†06 von Ungarn nach Kiew wurde in den letzten Jahren renoviert und ist nun von der ungarischen Grenze √ľber die Karpaten bis Lwiw durchgehend in sehr gutem Zustand. Das Tankstellennetz ist sehr dicht. In manchen D√∂rfern sind die Stra√üen noch sehr schlecht ausgebaut, werden jedoch allm√§hlich saniert. In vielen Gro√üst√§dten gibt es Stra√üenbahnen und U-Bahnen, wie beispielsweise die Metro in Kiew, und √ľberall im Land ein sehr dichtes Netz an Busverbindungen.

Kiew war neben Moskau der östlichste Punkt einer der großen mittelalterlichen Via Regia bis nach Santiago de Compostela in Spanien.

Luftverkehr

In allen wichtigen gro√üen St√§dten befinden sich internationale Flugh√§fen. Ukraine International Airlines, Azur Air Ukraine und Yanair sind die bekanntesten Fluggesellschaften in der Ukraine. Die Flugh√§fen in Kiew-Boryspil, Odessa und Dnipro sind die wichtigsten internationalen Verkehrsflugh√§fen der Ukraine. Der Flugzeugbauer Antonow mit Hauptsitz in Kiew hat mit der Antonow An-225 mit einem Frachtraumvolumen von insgesamt 1220¬†m¬≥ bei 250 t Zuladung (was den Transport von 4 Sattelz√ľgen und dahinter einem Lkw und daneben seinem Anh√§nger, alle beladen, erm√∂glicht) das momentan weltweit gr√∂√üte Transportflugzeug im Einsatz. Es wurden insgesamt zwei Flugzeuge dieses Typs gebaut, wobei nur eines fertiggestellt wurde.

Schifffahrt

Wichtigste Binnenschifffahrtstra√üe ist der Dnepr, der bis Kiew auch f√ľr kleine Seeschiffe befahrbar ist; in Tschornomorsk, Mykolajiw und Cherson befinden sich Seeh√§fen, der gr√∂√üte ist der Hafen von Odessa. Seit der Annexion der Krim durch Russland hat die Ukraine auf die Seeh√§fen in Sewastopol und Kertsch keinen Zugriff mehr. Das Hauptquartier der ukrainischen Marine war bis zur Krimkrise in Sewastopol am Schwarzen Meer, seither befindet es sich in Odessa. Es bestehen F√§hrverbindungen von Tschornomorsk nach Poti in Georgien, nach Constan»õa in Rum√§nien und nach Derince in der T√ľrkei.

Telekommunikation

In der Ukraine wurden neben dem herkömmlichen öffentlichen Telefonnetz, das zu 76 % (2006) vom staatlichen (bis 2011) Anbieter Ukrtelecom dominiert wird, auch GSM-Mobilfunknetze aufgebaut. Die größten Mobilfunknetze sind zurzeit:

  • Kyivstar/Djuice/Mobilitsch (2G, 3G und 4G)
  • Vodafone Ukraine (fr√ľher: MTS bzw. UMC)/Jeans/Sim-Sim (2G, 3G und 4G)
  • Lifecell (2G, 3G und 4G)
  • 3Mob (3G: UMTS)
  • PEOPLEnet (3G: CDMA2000 1√ó EV-DO)
  • Intertelecom (3G: CDMA2000 1√ó EV-DO)

Ukrtelecom startete im November 2007 das erste UMTS-Mobilfunknetz der Ukraine, das seit 2011 als 3Mob firmiert. Die 2011 privatisierte Ukrtelecom befindet sich mehrheitlich im Besitz der Holding SCM des Oligarchen Rinat Achmetow. Im Winter 2014‚Äď2015 werden noch drei Lizenzen f√ľr den Mobilfunkstandard UMTS verkauft. Diese Netze werden fr√ľhestens im Sommer 2015 in Betrieb gehen.

Pipelines

Die Ukraine ist ein wichtiges Transitland f√ľr russisches Erdgas. Osteurop√§ische L√§nder, aber auch die Bundesrepublik Deutschland werden √ľber die Pipelines mit russischem Gas versorgt. Um die starke Abh√§ngigkeit der Ukraine von russischem Gas zu minimieren, wurde 2014 eine technische Umr√ľstung eingeleitet, welche die Gasversorgung der Ukraine von West- und Mitteleuropa her erm√∂glichen soll.

Kanäle

Die Kan√§le in der Ukraine dienen vorwiegend der Bew√§sserung und nicht als Schifffahrtskanal. Der wichtigste Kanal ist der Nord-Krim-Kanal, ein √ľber 400¬†km langer Bew√§sserungskanal, der von den 1970er Jahren an bis 2014 das aufgestaute Wasser des Dnepr in die wasserarmen Regionen im S√ľden der Ukraine und auf die Krim leitete und so 85¬†% des gesamten Wasserverbrauchs der dortigen Bev√∂lkerung deckte.

Br√ľcken

Durch die Mitte der Ukraine flie√üt mit dem Dnepr der drittl√§ngste Strom Europas und teilt das Land in die rechtsufrige und linksufrige Ukraine. Um den Schienen- und Stra√üenverkehr beider Ufer miteinander zu verbinden, sind zahlreiche Br√ľcken, vor allem in den St√§dten am Fluss, erbaut worden. Daneben dienen die Staumauern, die den Dnepr anstauen, als Fluss√ľberg√§nge f√ľr den Stra√üenverkehr.

Die Halbinsel Krim wurde durch die Krim-Br√ľcke √ľber die Meerenge von Kertsch mit dem russischem Territorium verbunden.

Kultur

Feiertage

In der Ukraine wird der Unabhängigkeitstag am 24. August als Nationalfeiertag gefeiert. Gesetzliche Feiertage sind:

K√ľche

Volkskunst

Die Volkskunst hat in der Ukraine einen hohen Stellenwert. Bekannte ukrainische Volksk√ľnstler sind zum Beispiel Marija Prymatschenko, Kateryna Bilokur und Iwan Hontschar. Zu Weltruhm gelang die Petrykiwka-Malerei, ein origineller Stil der dekorativen Malerei, der 2013 in die Repr√§sentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen wurde.

Literatur

Das erste in der Ukraine erschienene Buch wurde von Jurij Drohobytsch im Jahre 1483 verfasst. Der in der Stadt Poltawa lebende Iwan Kotljarewskyj gilt als Erneuerer der ukrainischen Schriftsprache. Zu den bedeutendsten Schriftstellern gehören Iwan Franko, Lessja Ukrajinka und Taras Schewtschenko, nach dem der seit 1962 verliehene wichtigste Kulturpreis der Ukraine, der Taras-Schewtschenko-Preis benannt ist.

Film

Der wichtigste Filmpreis ist nach dem Regisseur und Schriftsteller Oleksandr Dowschenko benannt.

Musik

Ein Wandbild in der Sophienkathedrale von Kiew aus dem 11. Jahrhundert gibt Einblick in die mittelalterliche Musizierweise auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Es zeigt Skomorochi und Musiker, die Querflöten, Trompeten oder Schalmeien, Lauten, Psalterium (gusli) und Zymbal (cymbaly) spielen. Es ist unklar, ob die Institution der Skomorochi, die als Tänzer, Gaukler und Theaterspieler auftraten, aus dem Byzantinischen Reich oder aus dem Westen stammt oder lokalen Ursprungs ist. Die ukrainische Volksmusik ist entsprechend der geographischen Lage des Landes von slawischen und nichtslawischen Völkern in Osteuropa und Vorderasien beeinflusst.

Fr√ľher gab es in den D√∂rfern eigene regionale Volksmusikstile und Auff√ľhrungspraktiken, die au√üerdem nach Geschlechtern unterschieden wurden. Die rituellen Gesangstraditionen wurden √ľberwiegend von Frauen und M√§dchen, die Instrumentalmusiken √ľberwiegend von M√§nnern und Jungen aufgef√ľhrt. Die Unterhaltungslieder wurden zu allen Zeiten gleicherma√üen von der gesamten Bev√∂lkerung gesungen.

Zu den heute verbreiteten traditionellen Volksmusikinstrumenten geh√∂ren die Lauten bandura und kobsa (namensverwandt mit der rum√§nischen cobzńÉ), die Violine, die Drehleier lira, ein dreisaitiger, gestrichener Bass basol(i)a (in der Gr√∂√üe einer Gambe), das Hackbrett cymbaly, die Laute torban, eine Gruppe von Kernspaltfl√∂ten sopilka, bei den Huzulen die lange Holztrompete trembita, ein Akkordeon, die Sackpfeife koza (√§hnlich der polnischen koza), die Rahmentrommel bubon und die Maultrommel drymba. Ein typisches Ensemble, das als troista muzyka (von ‚Äědrei Musiker‚Äú) bekannt ist, besteht aus Violine, Hackbrett und Bass oder Rahmentrommel. Wenn die Musiker Volkst√§nze wie den Huzulka begleiten, enthalten die St√ľcke improvisierte Anteile.

Nach der Unabhängigkeit 1991 wurde die Ukraine Mitglied der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und nahm im Jahr 2003 erstmals am Eurovision Song Contest teil. Bereits bei der zweiten Teilnahme im Jahr danach gewann die Sängerin Ruslana Lyschytschko mit ihrem Wild Dances Project in Istanbul den ESC 2004, dessen 50. Jubiläums-Ausgabe 2005 daraufhin in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ausgetragen wurde. Die Ukraine wurde damit das 21. Land, das bei einem ESC siegte, und das 20. Land, in dem ein ESC ausgetragen wurde. Beim ESC 2016 gewann die Ukraine mit dem Lied 1944 von der Sängerin Jamala zum zweiten Mal den Eurovision Song Contest, woraufhin der ESC 2017 erneut in Kiew stattfand.

Sport

Fußball

Fußball ist der populärste Sport in der Ukraine. Der Fußball in der Ukraine wird vom Fußballverband der Ukraine (FFU) organisiert. Die erste Fußballliga in der Ukraine ist die Premjer-Liha. Bekannte Vereine sind Dynamo Kiew und Schachtar Donezk. Der bisher größte Erfolg der jungen ukrainischen Fußballnationalmannschaft war das Erreichen des Viertelfinales bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Oleh Blochin und Ihor Bjelanow wurden zu Sowjetzeiten mit dem Ballon d‚ÄôOr als ‚ÄěEuropas Fu√üballer des Jahres‚Äú ausgezeichnet. Blochin, der seine aktive Karriere in √Ėsterreich bei Vorw√§rts Steyr ausklingen lie√ü, war bis Januar 2008 Trainer der Ukrainischen Nationalmannschaft. Die Ukraine konnte am 18. April 2007 einen sportpolitischen Erfolg erringen, indem das Land, das erst seit 1992 eigenst√§ndig dem Europ√§ischen Fu√üball-Verband UEFA angeh√∂rt, im ersten Wahlgang den Zuschlag des UEFA-Exekutivkomitees bekam, gemeinsam mit Polen die Fu√üball-Europameisterschaft 2012 auszurichten. Der popul√§rste Fu√üballspieler aus der Ukraine ist Andrij Schewtschenko, der mit dem AC Mailand u. a. die Champions League und italienischer Meister wurde sowie 2004 den Ballon d‚ÄôOr als ‚ÄěEuropas Fu√üballer des Jahres‚Äú gewann.

Boxen

Im Amateurboxen konnte die Ukraine seit 1996 drei Olympiasieger stellen: Wladimir Klitschko (1996, Superschwergewicht), Wassyl Lomatschenko (2008, Federgewicht, 2012 Leichtgewicht) und Oleksandr Ussyk (2012, Schwergewicht). Andrij Kotelnik (2000, Leichtgewicht) und Serhij Dotsenko (2000, Weltergewicht) gewannen Silbermedaillen. Zudem errangen ukrainische Boxer f√ľnf Bronzemedaillen, unter anderem Wladimir Sidorenko (2000, Fliegengewicht) und Wjatscheslaw Hlaskow (2008, Superschwergewicht). Im Profibereich gelang es bisher f√ľnf Athleten Weltmeistertitel zu gewinnen: Wladimir und Vitali Klitschko im Schwergewicht, Serhij Dsindsiruk im Halbmittelgewicht, Sidorenko im Bantamgewicht und Kotelnik im Halbweltergewicht.

Leichtathletik

Serhij Bubka aus Luhansk ist sechsfacher Weltmeister und Olympiasieger im Stabhochsprung. Er stellte insgesamt 35 Weltrekorde auf und schaffte 43 Spr√ľnge √ľber die Sechs-Meter-Marke. Seit 2005 ist er Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine.

Schach

Ruslan Ponomarjow wurde 2002 FIDE-Weltmeister, Anna Uschenina 2012, und Marija Musytschuk 2015 Schachweltmeisterinnen. Die Nationalmannschaft wurde 2001 Mannschaftsweltmeister und gewann die Schacholympiade 2004 und die Schacholympiade 2010. Die ukrainische Damenauswahl siegte 2006 bei der Schacholympiade.

Motorradsport

Die Städte Lwiw und Riwne sind international bekannt im Speedway; in beiden wurde bereits mehrfach WM-Läufe ausgetragen.

Siehe auch

  • Universit√§ten in der Ukraine
  • Ukrainistik

Literatur

  • Antonia Kostretska: Terra incognita: Die Ukraine, die Ukrainer und das Ukrainisch. Eine enzyklop√§dische Sammlung. Grin Verlag, M√ľnchen 2018, ISBN 978-3-668-60191-8.
  • Andreas Kappeler: Ungleiche Br√ľder: Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C.H.Beck, M√ľnchen 2017, ISBN 978-3-406-71410-8.
  • Karl Schl√∂gel: Entscheidung in Kiew. Ukrainische Lektionen. Hanser, M√ľnchen 2015, ISBN 978-3-446-24942-4 (Rezension von Richard Herzinger in Die Welt, 8.¬†Oktober 2015).
  • Joseph Roth: Reisen in die Ukraine und nach Russland. Hrsg. von Jan B√ľrger. Beck, M√ľnchen 2015, ISBN 978-3-406-67545-4.
  • Kerstin S. Jobst: Geschichte der Ukraine. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-15-019320-4 (Rezension der Erstauflage 2010).
  • Andreas Kappeler: Kleine Geschichte der Ukraine. 4., √ľberarbeitete und aktualisierte Auflage. Beck, M√ľnchen 2014, ISBN 978-3-406-67019-0.
  • Steffen Dobbert: Euromaidan ‚Äď Protest und Zivilcourage in der Ukraine. Hrsg. von Zeit online. Epubli, Berlin 2014, ISBN 978-3-8442-8601-4.
  • Winfried Schneider-Deters: Die Ukraine: Machtvakuum zwischen Russland und der Europ√§ischen Union. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-8305-3116-6.
  • Dietmar Schultke: ‚ÄěUkrainski Blues‚Äú ‚Äď Streifz√ľge durch die Ukraine. Regia, Cottbus 2009, ISBN 978-3-86929-017-1.
  • Adolph Stiller (Hrsg.): Ukraine: St√§dte Regionen Spuren (= Architektur im Ringturm, Band 28). M√ľry Salzmann, Salzburg 2012, ISBN 978-3-99014-060-4.
  • Viktor Timtschenko: Ukraine ‚Äď Einblicke in den neuen Osten Europas Ch. Links, Berlin 2009, ISBN 978-3-86153-488-4.
  • Christian Reder, Erich Klein (Hrsg.): Graue Donau, Schwarzes Meer. Wien Sulina Odessa Jalta Istanbul (Recherchen, Gespr√§che, Essays). Edition Transfer bei Springer, Wien / New York 2008, ISBN 978-3-211-75482-5.
  • Kathrin Boeckh, Ekkehard V√∂lkl: Ukraine. Von der Roten zur Orangenen Revolution. Pustet, Regensburg 2007, ISBN 978-3-7917-2050-0.
  • Oleh Turij: Das religi√∂se Leben und die zwischenkonfessionellenVerh√§ltnisse in der unabh√§ngigen Ukraine. Institut f√ľr Kirchengeschichte der Ukrainischen Katholischen Universit√§t. Lwiw 2007.
  • Nachbarn im Osten: Ukraine und Belarus. Bundeszentrale f√ľr politische Bildung, 1.¬†November 2006.
  • Rainer Lindner: Das Ende von Orange. Die Ukraine in der Transformationskrise. (= SWP-Studien. S 2006,20). Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin 2006 (online).
  • Pavlo Khiminets: Protestantismus in der Ukraine. Rolle und Stellung des Protestantismus im soziokulturellen Kontext der Geschichte der Ukraine. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-55791-4.
  • Heiko Pleines: Ukrainische Seilschaften. Informelle Einflussnahme in der ukrainischen Wirtschaftspolitik 1992‚Äď2004 (= Analysen zur Kultur und Gesellschaft im √∂stlichen Europa, Band 19). Lit, M√ľnster 2005, ISBN 3-8258-8283-7.
  • Landeszentrale f√ľr politische Bildung Baden-W√ľrttemberg (Hrsg.): Nach der ‚ÄěOrangenen Revolution‚Äú (= Der B√ľrger im Staat, Band 55, H. 4). Weinmann, Filderstadt 2005 (online; Aufs√§tze zur Entwicklung von Politik und Wirtschaft in der Ukraine, Russland und Belarus).
  • Marian Madela: Der Reformprozess in der Ukraine 2014‚Äď2017. Ibidem, Stuttgart, 2018. ISBN 978-3-8382-1266-1.
  • Gerhard Simon: Die neue Ukraine. B√∂hlau, K√∂ln 2002, ISBN 3-412-12401-X.
  • Andrew Wilson: The Ukrainians. Unexpected Nation. Yale University Press, New Haven 2002, ISBN 0-300-09309-8.
  • Robert Kravchuk: Ukrainian Political Economy. The First Ten Years. Palgrave Macmillan, New York 2002.
  • Britta B√∂hme: Grenzland zwischen Mythos und Realit√§t. Real- und Ideengeschichte des ukrainischen Territoriums. Berliner Debatte Wissenschafts-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-931703-33-9.
  • Claus Remer: Zum Ukrainebild in Deutschland vom 19. zum 20.¬†Jahrhundert. In: Erhard Hexelschneider (Hrsg.): Russland & Europa. Historische und kulturelle Aspekte eines Jahrhundertproblems. Jenaer Forum f√ľr Bildung und Wissenschaft, Leipzig 1995, ISBN 3-929994-44-5, S.¬†225‚Äď243.

Weblinks

  • Offizielle Website der Ukraine
  • Offizielle Website des Ukrainischen Pr√§sidenten (ukrainisch, russisch, englisch)
  • Offizielle Website der Ukrainischen Regierung (ukrainisch, englisch)
  • Offizielle Website des Ukrainischen Parlaments (ukrainisch, englisch)
  • L√§nder- und Reiseinformationen des Ausw√§rtigen Amts
  • Offizielle Website der Deutschen Botschaft in der Ukraine
  • Ukraine-Analysen (Forschungsstelle Osteuropa, Uni Bremen)
  • Indexmundi ‚Äď statistische Daten zur Ukraine
  • Umfangreiche Kartensammlung der gesamten Ukraine (ukrainisch)
  • St√§dte und Regionen der Ukraine (englisch)

Einzelnachweise


 

Region Regionen (24)

Bezeichnung der Regionen: Oblast
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Cherkasy 50.251 48.453 29.593 32.855  
Chernivtsi 48.678 47.714 24.928 27.504  
Chmelnyzkyj 50.587 48.452 26.148 27.889  
Crimea 47.583 44.381 31.505 36.639  
Dnipropetrowsk 49.183 47.474 32.984 36.927  
Donezk 49.232 46.876 36.531 39.056  
Ivano-Frankivs'k 49.525 47.71 23.533 25.646  
Kharkiv 50.432 48.527 34.841 38.081  
Kiev 51.493 49.171 29.27 32.139  
Kirowohrad 49.262 47.748 29.738 33.919  
L'viv 50.644 48.724 22.641 25.434  
Luhansk 50.063 47.812 37.847 40.159  
Mykolajiw 48.221 46.43 30.209 33.137  
Odessa 48.222 45.214 28.199 31.307  
Poltava 50.547 48.746 32.069 35.475  
Rivne 51.929 50.013 25.063 27.705  
Saporischschja 48.13 46.255 34.204 37.221  
Sumy 52.361 50.107 32.94 35.692  
Ternopil 50.265 48.51 24.707 26.381  
Transkarpatien 49.086 47.897 22.133 24.641  
Tschernihiw 52.369 50.343 30.508 33.487  
Winnyzja 49.881 48.001 27.37 30.076  
Wolyn 51.95 50.295 23.593 26.096  
Zhytomyr 51.652 49.582 27.192 29.736  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Ukraine

Name englisch: Ukraine
Hauptstadt: Kiev
Kfz: UA
ISO: UA
ISO3: UKR
Fläche: 603700 km²
Tld: .ua
Wärung Einheit: UAH
Währung: Hryvnia
Vorwahl: 380

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 52.379581
südlichster Punkt: 44.386463
westlichster Punkt: 22.1357201
östlichster Punkt: 40.2285809


 
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