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Staat Informationen : Ukraine

Informationen:


Die Ukraine (ukrainisch Ukrajina [ʊkraˈjina]; im Deutschen [ʊkʁaˈiːnə] oder [ʊˈkʁaÉȘÌŻnə]) ist ein Staat in Osteuropa mit mehr als 37 Millionen Einwohnern. Mit einer FlĂ€che von 603.628 Quadratkilometern ist sie nach Russland der zweitgrĂ¶ĂŸte Staat Europas und der grĂ¶ĂŸte, dessen Gebiet zur GĂ€nze innerhalb des Kontinents liegt. Das Land grenzt im Osten und Nordosten an Russland, im Norden an Belarus, im Westen an Polen, die Slowakei und Ungarn sowie im SĂŒdwesten an RumĂ€nien und Moldau. Im SĂŒden grenzt die Ukraine an das Schwarze und das Asowsche Meer. Die Hauptstadt und grĂ¶ĂŸte Metropole des Landes ist Kiew, weitere Ballungszentren sind Charkiw, Dnipro, Donezk und Odessa.

Ihre staatliche Tradition fĂŒhrt die Ukraine, ebenso wie ihre NachbarlĂ€nder Russland und Belarus, auf das mittelalterliche Kiewer Reich zurĂŒck. Seit dessen Untergang im Mongolensturm des 13. Jahrhunderts gehörte das Gebiet der Ukraine abwechselnd ganz oder teilweise zu den Herrschaftsgebieten der Goldenen Horde, Polen-Litauens, des Russischen Zarenreichs und der Habsburgermonarchie. Die nach der Oktoberrevolution 1917 im russischen BĂŒrgerkrieg gegrĂŒndete Ukrainische Volksrepublik war der erste Versuch, die Ukraine als Gemeinwesen zu konstituieren und staatliche UnabhĂ€ngigkeit zu erlangen, kontrollierte aber lĂ€ngst nicht alle Gebiete der spĂ€teren Ukraine. Schon ab Ende Januar / Anfang Februar 1918 befand sich Kiew (zuerst nur kurz) in den HĂ€nden der Roten Armee. Fast ein Jahr spĂ€ter wurde im Januar 1919 die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik ausgerufen, territorial bestehend aus dem sĂŒdwestlichen Kraj der Zarenzeit (westlich des Dnepr) und Kleinrussland mit den Gouvernements Charkow/Charkiw, Poltawa und Tschernigow/Tschernihiw. Bei der Konstituierung der Sowjetunion 1922 war sie eines der GrĂŒndungsmitglieder. Bei der GrĂŒndung der Vereinten Nationen 1945 erhielten auf Betreiben Stalins auch die Sowjetrepubliken Belarus und Ukraine eine eigene Mitgliedschaft. 1954 unterstellte Nikita Chruschtschow die bis dahin zur RSFSR gehörende Krim der Ukraine. Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 wurde die Ukraine erneut souverĂ€n, erstmals mit internationaler Anerkennung. Als Gegenleistung fĂŒr den Verzicht der Ukraine auf die auf ihrem Territorium stationierten sowjetischen Nuklearwaffen garantierten Russland, die USA und Großbritannien im Budapester Memorandum von 1994 die EigenstĂ€ndigkeit und die bestehenden Grenzen des Landes.

Im Februar 2014 brach infolge der Annexion der Krim durch Russland und des Kriegs im Donbas ein bis heute andauernder Konflikt zwischen beiden LĂ€ndern aus. Die Krim und Teile des Donbas befinden sich seither unter russischer Kontrolle. Russland erkannte am 21. Februar 2022 die von prorussischen Separatisten proklamierten „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk als eigenstĂ€ndige, von der Ukraine unabhĂ€ngige Staaten an (um sie sieben Monate spĂ€ter formell zu annektieren). Am 24. Februar 2022 begann der Überfall auf die Ukraine, indem russisches MilitĂ€r sowohl von Russland als auch von Belarus, dem Schwarzen Meer und den zuvor besetzten Gebieten aus in die Ukraine eindrang. PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj rief den Kriegszustand und das Kriegsrecht aus.

Nach dem von der Ukraine zurĂŒckgeschlagenen Angriff auf die Hauptstadt Kiew verlagerte sich das Kriegsgeschehen hauptsĂ€chlich, von Luftangriffen abgesehen, auf den Osten und SĂŒdosten des Landes. Am 1. Juni 2022 waren nach SchĂ€tzungen des UNHCR 4,7 Millionen Menschen aus der Ukraine in Europa als FlĂŒchtlinge registriert. Insgesamt sind ĂŒber 7,9 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, weitere 5,9 Millionen wurden in der Ukraine zu BinnenflĂŒchtlingen. Laut den Vereinten Nationen handelt es sich dabei weltweit um die grĂ¶ĂŸte Fluchtbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg.

Etymologie

Die erste ErwĂ€hnung des Wortes ukraina findet man in der Kiewer Hypatiuschronik fĂŒr das Jahr 1187 mit Bezug auf die befestigte SĂŒdgrenze des FĂŒrstentums Perejaslawl am Fluss Sula. Danach findet man dieses Wort in Chroniken in Bezug auf unterschiedliche Grenzregionen der Rus, auch weit außerhalb des Gebietes der heutigen Ukraine.

Die traditionelle etymologische Deutung des Landesnamens verweist auf das altostslawische Wort ukraina, das die Bedeutung „Grenzgebiet, MilitĂ€rgrenze“ hatte und dem westlichen Begriff Mark entsprach. (Vgl. hierzu auch den Namen des (historischen) Herzogtums Krain, der dieselbe Etymologie aufweist.) Diese Sichtweise ist sowohl in der internationalen Geschichtsschreibung als auch in der ukrainischen dominierend, da sie unter anderem vom Nationalhistoriker Mychajlo Hruschewskyj und von der EnzyklopĂ€die der Ukraine unterstĂŒtzt wird. Die meisten Autoren sind sich einig, dass dieser Name, der zunĂ€chst das Grenzgebiet zum sogenannten Wilden Feld mit seinen turkstĂ€mmigen Reiternomaden bezeichnete, lange Zeit ohne einen ethnischen Bezug existierte. DarĂŒber, wann das Wort Ukraine zum Parallelbegriff fĂŒr den kirchlichen und im Russischen Reich offiziell benutzten Namen Kleinrussland wurde, gibt es allerdings verschiedene Auffassungen.

Da die ostslawische Wurzel krai jedoch sowohl „Rand, Grenze“, als auch „Gebiet, Land“ bedeuten kann, hat in der nationalukrainischen Geschichtsschreibung die Sichtweise an PopularitĂ€t gewonnen, dass das Wort ukraina in Chroniken seit dem 12. Jahrhundert in der Bedeutung „selbstĂ€ndiges Herrschaftsgebiet, FĂŒrstentum“ benutzt wurde. Die damit einhergehende Behauptung, wie etwa bei Hryhorij Piwtorak, dass es stets eine strikte Unterscheidung zwischen ukraina „FĂŒrstentum“ und okraina „Grenzland“ gab, steht jedoch im Widerspruch zu einer Vielzahl der PrimĂ€rquellen; ihr wird auch von zahlreichen anderen Autoren widersprochen.

Geographie

Die Ukraine ist ein FlĂ€chenstaat und das grĂ¶ĂŸte Staatsgebiet, welches vollstĂ€ndig in Europa liegt. Etwa 95 % der Ukraine liegt auf dem Gebiet der OsteuropĂ€ischen Ebene, weshalb sie fast ausschließlich zu Osteuropa gezĂ€hlt wird. Die restlichen 5 % zĂ€hlen je nach Definition zu Mitteleuropa (die Karpaten und Lwiw) und SĂŒdosteuropa (Odessa und der Budschak). Andere LandschaftsrĂ€ume außerhalb der großen Ebene finden sich in der sĂŒdlichen Westukraine, wo das Land Anteil an den Waldkarpaten und an der Pannonischen Ebene hat, sowie im Ă€ußersten SĂŒden. Der höchste Berg des Landes ist die Howerla in der Tschornohora, die eine Höhe von 2061 m erreicht. Die höchste Erhebung der Krim ist der Roman Kosch mit 1545 Metern Höhe.

Auf dem zur osteuropĂ€ischen Ebene gehörenden Teil erstrecken sich insbesondere im Norden und SĂŒden des Landes große TieflĂ€nder (ukrainisch ĐĐžĐ·ĐŸĐČĐžĐœĐ°) wie etwa das Dneprtiefland und die Schwarzmeersenke. Das GelĂ€nde erreicht dort Höhen zwischen 0 und 200 m. Aufgrund der geringen Höhenunterschiede fließen die FlĂŒsse dieses Gebiets sehr langsam. Im Bereich der TieflĂ€nder gibt es insbesondere in der zentralukrainischen Oblast Poltawa kleinere Gas- und Erdölvorkommen, die aber fĂŒr eine Eigenversorgung des Landes nicht ausreichend sind. Hoffnungen werden in die Erschließung von Feldern im Schwarzen Meer gesetzt.

Im zentralen Landesteil erstrecken sich von Westen nach Osten höherliegende Gebiete mit GelĂ€ndehöhen zwischen 200 und 470 m (Kamula), die Platten (ukrainisch Đ’ĐžŃĐŸŃ‡ĐžĐœĐ°) genannt werden. Zu diesen gehören etwa die Podolische Platte, das Dneprhochland oder die Donezplatte. Diese Platten bestehen ĂŒberwiegend aus Gestein aus dem Erdaltertum, das durch die Entstehung des alpidischen GebirgsgĂŒrtels in den letzten 10 Millionen Jahren wieder angehoben worden ist. Sie sind reich an Rohstoffen wie etwa Eisenerz und Kohle. Die grĂ¶ĂŸten Erzvorkommen finden sich im Krywbass um die Stadt Krywyj Rih im Westen der Oblast Dnipropetrowsk, wĂ€hrend die Kohlelager sich ĂŒberwiegend im Gebiet des Donezbeckens um die Stadt Donezk befinden. Die Platten sind von zahlreichen kleineren und grĂ¶ĂŸeren FlĂŒssen durchschnitten, die sich teilweise tief ins GelĂ€nde eingeschnitten haben.

Der Nordwesten der Ukraine wird als Wolhynien bezeichnet.

Der geografische Mittelpunkt des Landes befindet sich in der NĂ€he der Siedlung Dobrowelytschkiwka in der Oblast Kirowohrad.

Österreichische Ingenieure kamen Ende des 19. Jahrhunderts zu dem Ergebnis, dass der geographische Mittelpunkt Europas im Dorf Dilowe in der Oblast Transkarpatien liege. Da es verschiedene Verfahren zur Berechnung des Mittelpunktes gibt und die Ostgrenzen Europas willkĂŒrlich und somit nicht eindeutig festgelegt sind, beanspruchen jedoch auch mehrere andere Orte den Titel fĂŒr sich.

Klima und Böden

Abgesehen von den Berggebieten und den sĂŒdwestlichen und sĂŒdlichen KĂŒstenregionen lĂ€sst sich die Ukraine hinsichtlich des Klimas, der Böden und der Vegetation in drei Großzonen gliedern. Im Nordwesten hat es Anteil an den Prypjatsumpfgebieten, die insbesondere durch frĂŒhere GletschervorstĂ¶ĂŸe aus Skandinavien wĂ€hrend der Eiszeiten geprĂ€gt wurden. Hier finden sich die schlechtesten Böden des Landes. Hinzu kommt, dass diese Region besonders stark von der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 betroffen ist. Das Gebiet erhĂ€lt relativ viel Niederschlag (500–750 mm), die Sommer sind mild, mit Durchschnittstemperaturen im Monat Juli von 17 bis 19 °C.

An diese Zone schließt sich nach SĂŒden und SĂŒdosten die sogenannte Waldsteppenzone an, in der ehemals bestehende WaldbestĂ€nde aber ĂŒberwiegend schon abgeholzt wurden. Hier befinden sich weit ausgedehnte Lössebenen, die im Eiszeitalter unter periglazialen Bedingungen entstanden sind. Aus dem LĂ¶ĂŸ haben sich ĂŒberwiegend sehr fruchtbare Schwarzerdeböden entwickelt, die zu den ertragreichsten der Welt gehören. Die Niederschlagsmengen liegen zwischen 350 und 400 mm, die Juli-Durchschnittstemperaturen bei 20 °C. Insgesamt bietet dieses Gebiet sehr gute Bedingungen fĂŒr eine landwirtschaftliche Nutzung. Allerdings sind die Böden sehr erosionsanfĂ€llig, wenn sie, wie oft in Sowjetzeiten geschehen, falsch bestellt werden.

Im SĂŒdosten liegt die Steppenzone, die nur ĂŒber relativ geringe NiederschlĂ€ge von teilweise unter 250 mm im Jahr verfĂŒgt. Auch hier sind die Sommer relativ heiß mit Durchschnittstemperaturen im Juli von teilweise ĂŒber 23 °C. Die fruchtbaren Schwarz- und Kastanienbraunerden dieses Gebietes konnten ĂŒberwiegend erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts in Wert gesetzt werden, nachdem durch den Bau von StaudĂ€mmen an den großen FlĂŒssen ausgedehnte BewĂ€sserungsanlagen entstanden waren (Siehe auch: Stauseen in der Ukraine).

Die KĂŒstenregionen auf der Halbinsel Krim und im sĂŒdwestlichen Bessarabien, dem Budschak, sind sehr fruchtbar und werden aufgrund der gĂŒnstigen klimatischen Bedingungen mit milden Wintern insbesondere fĂŒr den Obst- und Weinanbau genutzt.

GewÀsser

Zu den zahlreichen FlĂŒssen, die das Land durchkreuzen und fast alle ins Schwarze Meer mĂŒnden, zĂ€hlen der Pruth, der Dnister, der SĂŒdliche Bug, die Horyn (nach Norden in den Prypjat), die Desna und der Dnepr sowie der Siwerskyj Donez. Weitere kleinere FlĂŒsse sind oft von versumpften Ufern mit Schilfbestand geprĂ€gt.

Im Westen bildet die Donau die 54 km messende Grenze zwischen RumĂ€nien und der Ukraine. Hier liegt auch der Jalpuhsee, der grĂ¶ĂŸte natĂŒrliche See der Ukraine. Von ihm nach Osten folgen im Land die Flusssysteme Pruth, Dnister, SĂŒdlicher Bug, Dnepr und Siwerskyj Donez.

Der Dnepr, ukrainisch Đ”ĐœŃ–ĐżŃ€ĐŸ Dnipro, im Deutschen ist auch Dnjepr verbreitet, hat eine LĂ€nge von 2201 km. Er fließt durch Russland, Belarus und durch die Landesmitte der Ukraine. Er ist nach Wolga und Donau der drittlĂ€ngste Fluss in Europa und auf rund 1700 km schiffbar. Danach hat auch die Landschaft den Namen Dneprbecken. In der Ukraine ist er zu sechs kĂŒnstlichen Seen (FlĂ€che, Volumen) angestaut: Kiewer Meer (922 kmÂČ, 3,73 kmÂł), Kaniwer (582 kmÂČ, 2,62 kmÂł), Krementschuker (2252 kmÂČ, 13,5 kmÂł), Kamjansker (567 kmÂČ, 2,45 kmÂł), Saporischja- (410 kmÂČ bei einer LĂ€nge von 65 bzw. mit Samara 85 km) und Kachowkaer Stausee (2155 kmÂČ, 18,2 kmÂł). Die DniproHES-Staumauer bei Saporischschja war zur Zeit der Fertigstellung nach Hoover Dam und Wilson Dam das drittgrĂ¶ĂŸte Wasserkraftwerk der Welt (fertiggestellt 1932; HES steht fĂŒr ukrainisch Dniprowska HidroElektroStanzija).

Die 2782 km lange SĂŒdkĂŒste der Ukraine liegt am Schwarzen Meer und dessen nordöstlichem Nebenmeer, dem Asowschen Meer.

Die Straße von Kertsch, eine 40 km breite Meerenge, verbindet das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer und trennt die Halbinsel Krim von der Halbinsel Taman (Russland).

Über Polesien erstreckt sich mit einer FlĂ€che von 90.000 kmÂČ das grĂ¶ĂŸte Sumpfgebiet Europas.

Im Nordwesten des Landes liegt der Nationalpark Schazk mit dem Switjas-See.

Inseln und Halbinseln

Zu den Schwarzmeerinseln zĂ€hlen Dscharylhatsch, Tusla und die Schlangeninsel (gehört seit 1948 der Ukraine) im SĂŒden des Landes. Die mit Abstand bekannteste Halbinsel ist die Krim, die seit 1954 zur Ukraine gehört, seit 2014 aber von Russland beansprucht und faktisch kontrolliert wird – aus der Sicht des ukrainischen Staates und der großen Mehrheit der Generalversammlung der Vereinten Nationen zu Unrecht. Die Insel Chortyzja im Stadtgebiet von Saporischschja ist die grĂ¶ĂŸte Dnepr-Insel. Zahlreiche weitere Flussinseln des Dnepr befinden sich bei Kiew und in seinem MĂŒndungsdelta am Schwarzen Meer.

Vegetation, Flora

In den Karpaten existieren die letzten warmgemĂ€ĂŸigten UrwĂ€lder Europas. Sie zĂ€hlen seit Juli 2007 zum Weltnaturerbe der UNESCO. 16,06 % der FlĂ€che des Landes sind bewaldet (Stand 2020), hauptsĂ€chlich mit Buchen, Kiefern, Birken, Espen, Eichen, Erlen, Eschen und Ahorn. Neben den Karpaten bilden das Dnepr-Bassin und das Prypjat-Bassin die wichtigsten Ökosysteme. Gurken, Tomaten, Paprika, Zwiebeln, HĂŒlsenfrĂŒchte und Auberginen sind das am hĂ€ufigsten angebaute GemĂŒse. Zu den typischen Obstsorten zĂ€hlen Trauben, Birnen, Melonen, Pfirsiche, Pflaumen und Aprikosen. Die wichtigste Nutzpflanze ist der Weizen. Neben ihm wird aber auch viel Roggen, Gerste, Kartoffeln, Mais und vor allem Buchweizen angebaut. Die Sonnenblume ist die Nationalpflanze.

Fauna

Neben der natĂŒrlichen Artenvielfalt gibt es Fasane, Kraniche und Pfauen. Zudem wurden im Naturschutzgebiet Askanija-Nowa auch Exoten wie der Afrikanische Strauß eingewildert. Auch kleine Affen leben dort. Zu den traditionellen Zuchttieren der Krim gehört das Kamel. In den Meeren um die Halbinsel sind einige Delfin- und Walarten beheimatet. Wasserschildkröten, Eidechsen und Schlangen sind im gesamten Land vertreten. Wisente, Wildschweine, BĂ€ren, Wölfe, Luchse, Hirsche und eingeschleppte WaschbĂ€ren sind Waldbewohner und daher am hĂ€ufigsten im Westen und Norden der Ukraine anzutreffen. In Askanija-Nowa gibt es ĂŒber 100 Exemplare des vom Aussterben bedrohten Przewalski-Pferdes, das um 1900 aus der Mongolei nach Europa eingefĂŒhrt wurde. Bis zum 19. Jahrhundert lebte in der Ukraine der Tarpan in freier Wildbahn, bis er schließlich ausgerottet wurde. Weit verbreitet in der Ukraine war bis Anfang des 20. Jahrhunderts das Ukrainische Steppenrind.

Naturschutz

Nach schweren Umweltkatastrophen wie der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 und dem TankerunglĂŒck im Schwarzen Meer 2010 hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, Reformen fĂŒr den Naturschutz durchzufĂŒhren. In der Ukraine gibt es 18 Nationalparks sowie die Ukrainische Naturschutzgesellschaft.

Durch den russischen Überfall 2022 wurde die Ukraine in Sachen Naturschutz weit zurĂŒckgeworfen (siehe auch Russischer Überfall auf die Ukraine 2022#Auswirkungen auf Umwelt und Klima).

Bevölkerung

Nach SchĂ€tzungen der Vereinten Nationen hatte die Ukraine im Jahre 2024 eine Bevölkerung von rund 37,9 Millionen. Im Juli 2023 berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass in dem von Kiew kontrollierten Teil der Ukraine aufgrund des Krieges mit Russland möglicherweise nur noch 28 Millionen Menschen leben. Die Ukraine hatte im Jahre 2020 insgesamt 44,1 Millionen Einwohner. Das jĂ€hrliche Bevölkerungswachstum betrug 2020 aufgrund eines SterbeĂŒberschusses −0,6 %; einer Geburtenziffer von 7,8 pro 1000 Einwohner stand eine Sterbeziffer von 15,9 pro 1000 Einwohner gegenĂŒber.

Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2020 statistisch bei 1,2. Die Lebenserwartung der Einwohner der Ukraine ab der Geburt lag 2020 bei 71,2 Jahren (Frauen: 76,2, MÀnner: 66,4). Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2020 bei 41,2 Jahren und damit unter dem europÀischen Wert von 42,5.

Im Jahr 2017 lebten 5,9 Millionen Personen, die in der Ukraine geboren wurden, im Ausland, die meisten davon in Russland (3,3 Mio.), den Vereinigten Staaten (380.000), Kasachstan (350.000), Deutschland (260.000), Italien (240.000) und Tschechien (196.875 Ende 2021, mit 30 % höchster Anteil unter den AuslÀndern). In der Ukraine selbst waren im Jahre 2017 11,2 % der Bevölkerung im Ausland geboren, die meisten davon in Russland.

Der russische Überfall auf die Ukraine seit 2022 hat zu großen Fluchtbewegungen gefĂŒhrt. Insgesamt sind rund 6,75 Millionen FlĂŒchtlinge aus der Ukraine in Europa registriert (Stand 2024). Unter den EU-Staaten haben Polen und Deutschland die meisten FlĂŒchtlinge aufgenommen. Zudem gibt es innerhalb der Ukraine bis zu 5,7 Millionen BinnenflĂŒchtlinge, hauptsĂ€chlich aus dem umkĂ€mpften Osten der Ukraine (Stand Juli 2023).

Historische Bevölkerungsentwicklung der Minderheiten

Vor dem Ersten Weltkrieg lebte eine deutschsprachige Minderheit von mehreren hunderttausend Menschen auf dem Gebiet der heutigen Ukraine (Galizien, Bukowina, Wolhynien, SchwarzmeerkĂŒste); heute sind es noch etwa 30.000 bis 40.000.

Bis 1944 lebten mehrere Millionen Polen in den heute zum Westen der Ukraine gehörenden Gebieten Galizien, Bukowina und Wolhynien. 1944 verĂŒbten Ukrainer vor allem in Wolhynien Massaker an der polnischen Bevölkerung, denen ĂŒber 40.000 Polen zum Opfer fielen. Nach dem Krieg wurde die polnische Bevölkerung östlich des Bug im Zuge der Westverschiebung Polens vertrieben.

Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten in der Ukraine viele Juden (z. B. in Schtetl-Siedlungen), die jedoch zu großen Teilen wĂ€hrend des Deutsch-Sowjetischen Krieges von SS-Einsatzgruppen ermordet wurden. Die Ukraine war eines der Hauptverbreitungsgebiete der jiddischen Sprache. Die meisten Überlebenden wanderten in die USA, nach Israel und zum kleinen Teil nach Deutschland aus. 2001 lebten noch rund 100.000 Juden in der Ukraine (z. B. PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj). Ihre Zahl nimmt wegen der Auswanderung und des allgemeinen GeburtenrĂŒckgangs weiterhin ab.

Ethnien

Nach der offiziellen VolkszĂ€hlung von 2001 leben in der Ukraine 77,8 % Ukrainer, 17,3 % Russen und ĂŒber 100 weitere Ethnien. Eine staatlich nicht anerkannte Minderheit sind die Russinen Transkarpatiens. Neben den zehn grĂ¶ĂŸten Ethnien gibt es noch kleinere Minderheiten mit weniger als 100.000 Einwohnern, darunter hauptsĂ€chlich Griechen, Roma, Aserbaidschaner, Georgier und Deutsche. Die Ukrainer stellen in allen Regionen mit Ausnahme der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol den grĂ¶ĂŸten Teil der Bevölkerung. In diesen beiden Regionen sind Russen die bei weitem ĂŒberwiegende Volksgruppe, weitere Gebiete mit hohem russischen Bevölkerungsanteil von 39,0 bzw. 38,2 % (VolkszĂ€hlung von 2001) sind die Oblaste Luhansk und Donezk im SĂŒdosten der Ukraine. Russen leben in der Ukraine vorwiegend in StĂ€dten. In lĂ€ndlichen Regionen sind nur 6,9 % der Bevölkerung Russen, wĂ€hrend Ukrainer dort einen Anteil von 87,0 % stellen.

Sprachen

Die ĂŒberwiegende Mehrheit der Bevölkerung der Ukraine beherrscht sowohl die ukrainische als auch die russische Sprache. Das Russische verlor nach der UnabhĂ€ngigkeit der Ukraine im Jahr 1991 den Status einer Amtssprache. Beide Sprachen sind ostslawische Sprachen. Eine weit verbreitete mĂŒndliche Mischform von Ukrainisch und Russisch ist Surschyk.

Seit dem Ausbruch des russisch-ukrainischen Krieges im Jahr 2014 und zu einem großen Teil seit dem Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022 ist das Interesse an der ukrainischen Sprache, Kultur und Geschichte in der ukrainischen Gesellschaft deutlich gestiegen. Gleichzeitig gibt es eine massive Ablehnung und bisweilen Feindseligkeit gegenĂŒber der russischen Sprache. Die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Idee, dem Russischen einen offiziellen Status in der gesamten Ukraine oder in einigen ihrer Regionen zu verleihen, hat den niedrigsten Stand im gesamten Beobachtungszeitraum erreicht.

Gleichzeitig verfolgt Russland eine Politik der erzwungenen Russifizierung der von ihm besetzten ukrainischen Gebiete: In den Schulen wird ausschließlich auf Russisch unterrichtet, selbst in vollstĂ€ndig ukrainischsprachigen Siedlungen, und ukrainische SchulbĂŒcher sind verboten. Einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge indoktriniert Russland Schulkinder in den besetzten Gebieten mit anti-ukrainischer Propaganda, und russische Beamte haben Schritte unternommen und unternehmen weiterhin Schritte, um die ukrainische Sprache zu eliminieren, was einen Verstoß gegen eine Reihe von Bestimmungen des internationalen Rechts darstellt. Auch ukrainische Kinder, die zwangsweise nach Russland abgeschoben werden, sind der Russifizierung ausgesetzt.

Verbreitung unter der Bevölkerung

Die Russifizierung der Ukraine, die mit der Eingliederung ukrainischer ethnischer Gebiete in das Russische Kaiserreich begann und sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetunion besonders stark ausbreitete, fĂŒhrte zu einem erheblichen RĂŒckgang des Anteils der ukrainischsprachigen Bevölkerung in der Ukraine, vor allem in den verstĂ€dterten sĂŒdlichen und östlichen Regionen und in geringerem Maße auch in den zentralen Regionen des Landes. Nur in einigen westlichen Regionen stieg der Anteil der ukrainischsprachigen Bevölkerung an.

Seit der UnabhĂ€ngigkeit haben sich die SprachverhĂ€ltnisse zugunsten des Ukrainischen verschoben. 1989 betrug laut offizieller Statistik der ukrainische Muttersprachleranteil 64,7 %; bei der VolkszĂ€hlung 2001 stieg er auf 67,5 %. Der Anteil russischer Muttersprachler betrug 1989 32,8 % an der Gesamtbevölkerung und sank bis 2001 auf 29,6 %. Beide Werte von 2001 (67,5 % Ukrainisch, 29,6 % Russisch) entsprechen nicht dem Anteil der Ukrainer (77,8 %) bzw. Russen (17,3 %) an der Bevölkerung des Landes im selben Jahr. Der Unterschied erklĂ€rt sich daraus, dass 14,8 % der UkrainischstĂ€mmigen Russisch und 3,9 % der RussischstĂ€mmigen Ukrainisch als ihre Muttersprache bezeichnen. (Ein prominentes Beispiel dafĂŒr, dass NationalitĂ€t und Zugehörigkeit zu einer Sprachgruppe nicht ĂŒbereinstimmen mĂŒssen, ist die ukrainischstĂ€mmige Politikerin Julija Tymoschenko, deren Muttersprache Russisch ist.) Die Angehörigen der kleineren NationalitĂ€tengruppen erklĂ€rten ĂŒberwiegend Russisch zu ihrer Muttersprache, lediglich bei den Polen dominierte das Ukrainische.

Eine Statistik der Akademie der Wissenschaften der Ukraine von 2011 weist 42,8 % der gesamtukrainischen Bevölkerung als zu Hause Ukrainisch sprechend aus, wĂ€hrend dort 38,7 % Russisch und 17,1 % beide Sprachen verwenden. Eine Umfrage aus dem Jahr 1993 hatte ergeben, dass 53 % der Bevölkerung in GesprĂ€chen bevorzugt Russisch sprachen, eine Zahl, die auch 2013 in einer Statistik auftauchte. Mehrere Befragungen ergaben eine russischsprachige Mehrheit in Regionen, in denen laut VolkszĂ€hlung das Ukrainische ĂŒberwog, darunter etwa die Oblaste Charkiw und Odessa. Im Westen sprechen demnach 94,4 % Ukrainisch, 2,5 % Surschyk und 3,1 % Russisch, wĂ€hrend z. B. im SĂŒden, zu dem auch die Halbinsel Krim gehört, 82,3 % Russisch, 12,4 % Surschyk und 5,2 % Ukrainisch sprechen.

Ukrainische Muttersprachler mit einem Anteil von mehr als 90 % ermittelte die VolkszĂ€hlung in den meisten west- und zentralukrainischen Gebieten. In der Oblast Ternopil erreichte der Anteil ukrainischer Muttersprachler sogar 98,3 %, wĂ€hrend in den meisten sĂŒdukrainischen Oblasten etwa zwei Drittel der Bevölkerung Ukrainisch als Muttersprache angaben. Im SĂŒden erreichte nur in der Autonomen Republik Krim und Sewastopol der ukrainische Muttersprachleranteil lediglich 10,1 bzw. 6,8 %. Im Osten der Ukraine bilden ukrainische Muttersprachler die Mehrheit der Bevölkerung in den Oblasten Charkiw, Dnipropetrowsk und Saporischschja (50,2 bis 67 %). MinoritĂ€r sind sie im Osten in den Oblasten Donezk und Luhansk (24,1 bzw. 30 %).

Russische Muttersprachler bilden in der Autonomen Republik Krim und Sewastopol die Mehrheit (77,0 bzw. 90,6 %). Viele russische Muttersprachler auf der Krim sind ukrainischstĂ€mmig oder gehören anderen Minderheiten an. In der Oblast Donezk und der Oblast Luhansk betrĂ€gt der russische Muttersprachleranteil 74,9 bzw. 68,8 %. In der SĂŒdukraine (ohne die Halbinsel Krim) liegt der russische Muttersprachleranteil um 30 %. In der nördlichen und zentralen Ukraine liegt er zwischen 1,2 % (Oblast Ternopil) und 10,3 % (Oblast Tschernihiw). In der Stadt Kiew und der Oblast Sumy weichen die Werte ab; hier sind 25,4 bzw. 15,6 % russischsprachige Muttersprachler.

Amtssprache und Minderheitensprachen

Seit 1991 ist das Ukrainische die einzige Amtssprache des Landes, obwohl noch 2012 große Teile der Bevölkerung forderten, Russisch wieder als zweite Amtssprache einzufĂŒhren. Seit 1991 ist Ukrainisch Pflichtfach in allen Schulen und zunehmend auch Unterrichtssprache.

Die Sprachenfrage ist in der Politik ein heikles Thema. Die nach Russland orientierte Partei der Regionen sowie die Kommunistische Partei treten fĂŒr die völlige Gleichberechtigung des Russischen als zweiter Amtssprache ein. Die „orangen“, westlich orientierten Parteien rund um den ehemaligen PrĂ€sidenten Wiktor Juschtschenko und Julija Tymoschenko sowie nationalistische Parteien lehnten dies jedoch ab.

Unter Wiktor Juschtschenko wurde eine Ukrainisierungspolitik betrieben. So wurde das Russische in Schulen und im Alltag zurĂŒckgedrĂ€ngt, und es wurden zahlreiche Maßnahmen durchgefĂŒhrt, die den Gebrauch der ukrainischen Sprache förderten. Der 2010 gewĂ€hlte PrĂ€sident Wiktor Janukowytsch hob jedoch viele dieser Maßnahmen wieder auf, wogegen die Opposition um Julija Tymoschenko protestierte. Janukowytsch trat zunĂ€chst auch gegen die EinfĂŒhrung des Russischen als zweite Staatssprache ein; hierfĂŒr wĂ€re eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erforderlich gewesen, die nicht erreichbar schien. Auch fĂŒrchtete er Proteste aus dem nationalistischen Lager. Im FrĂŒhjahr 2012 griff seine Partei der Regionen die Sprachenfrage dennoch wieder auf. Trotz heftiger, zum Teil handgreiflicher Proteste der Opposition im Parlament wurde ein Gesetz verabschiedet, wonach in einer Region, in der mindestens zehn Prozent der Bevölkerung eine andere als die ukrainische Sprache als Muttersprache haben, diese den Status einer regionalen offiziellen Sprache erhalten sollte. Damit war Russisch in 13 der 27 Regionen, darunter in der Hauptstadt Kiew, dem Ukrainischen gleichgestellt. Eine regionale Aufwertung erhielten zudem Ungarisch (Transkarpatien), RumĂ€nisch (Bukowina) und Krimtatarisch (Krim).

Im Jahr 2005 ratifizierte die Ukraine die EuropĂ€ische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Ein von der Werchowna Rada 2012 bzw. 2013 beschlossenes Gesetz erkannte folgende 18 Sprachen offiziell als Minderheitensprachen an: Russisch, Belarussisch, Bulgarisch, Armenisch, Gagausisch, Jiddisch, Krim-Tatarisch, Moldauisch (Variante des RumĂ€nischen), Deutsch, Griechisch, Polnisch, Romani, RumĂ€nisch, Slowakisch, Ungarisch, Ruthenisch, KarĂ€isch, Krimtschakisch. Im Februar 2018 wurde dieses Gesetz allerdings vom Verfassungsgericht als verfassungswidrig befunden und damit fĂŒr nichtig erklĂ€rt.

Im September 2017 verabschiedete das Parlament ein Gesetz, das den Gebrauch von Minderheitensprachen als Unterrichtssprache in den Schulen einschrĂ€nkt. Da RumĂ€nen und Ungarn zu den grĂ¶ĂŸten ethnischen Minderheiten der Ukraine zĂ€hlen, verurteilten RumĂ€nien und Ungarn dieses Gesetz, und der rumĂ€nische PrĂ€sident Klaus Johannis sagte aus Protest einen geplanten Besuch in Kiew ab.

Religion

Die Ukraine ist ein konfessionell gemischtes Land. Ca. 75 % der Ukrainer gehören den orthodoxen Kirchen an. Bis 2018 bestand eine Spaltung in eine als kanonisch anerkannte Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats, ein autonomer Teil der Russisch-Orthodoxen Kirche und eine nicht anerkannte, nach 1991 entstandene Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats. Zwischen den beiden Kirchen tobte ein erbitterter Streit um LegitimitĂ€t und um BesitzansprĂŒche an Immobilien. Die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche galt als dritte östlich-orthodoxe Kirche des Landes. Auch ihre LegitimitĂ€t war umstritten. Im Oktober 2018 erkannte der ökumenische Patriarch gegen den Widerstand der russisch-orthodoxen Kirche die Kirchen als kanonisch an und unterstellte das Gebiet der Ukraine seiner direkten ZustĂ€ndigkeit mit dem Ziel einer Vereinigung der drei Kirchen. Am 15. Dezember 2018 fusionierte die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats mit der ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche zur Orthodoxen Kirche der Ukraine. Die dem Moskauer Patriarchen unterstehende Kirche boykottierte die Synode, auf der die Fusion beschlossen wurde. Dem orthodoxen Ritus folgt auch die 1596 entstandene Ukrainische griechisch-katholische Kirche, die allerdings die Suprematie des Papstes anerkennt und mit Rom uniert ist. Ihr gehören ca. 5,5 Mio. GlĂ€ubige an, hauptsĂ€chlich im Westen des Landes.

Daneben gibt es in der Ukraine ca. 2 Mio. Muslime (4 %, davon 1,7 % Tataren), 1,1 Mio. römisch-katholische Christen (2,4 %, vor allem Polen und Deutsche) sowie 1,2 Mio. evangelische Christen (2,7 %), darunter als grĂ¶ĂŸte protestantische Gruppe die Baptisten, und etwa 56.000 bis 140.000 Juden.

Seit 2019 ist die Ukraine neben Israel der weltweit einzige Staat mit einem PrĂ€sidenten jĂŒdischen Glaubens. Auch als Premierminister wurde ein Jude gewĂ€hlt.

Gesundheit

Die Lebenserwartung bei MÀnnern liegt in der Ukraine bei 67,1 Jahren, Frauen werden durchschnittlich 76,9 Jahre alt. In der Ukraine gibt es keine obligatorische oder staatliche Krankenversicherung, daher können sich viele keine kostspielige Operation leisten.

Aids-Epidemie

Ende 2006 waren nach Angaben der WHO 0,2 % der Gesamtbevölkerung mit dem HI-Virus infiziert. Nach SchÀtzungen waren Anfang 2008 1,7 % der erwachsenen Bevölkerung (von 15 bis 49 Jahren) infiziert. UngeklÀrt ist, wieweit dies eine schon lange bestehende KrankheitshÀufigkeit ist. Die Ukraine ist somit das am stÀrksten von Aids betroffene Land in Europa. Nach einer SchÀtzung von UN-AIDS lebten im Jahr 2016 etwa 240.000 Menschen in der Ukraine mit HIV, von denen jedoch der NGO Gesamtukrainisches Netzwerk von Menschen, die mit HIV/AIDS leben nach nur etwa 139.000 offiziell registriert sind.

Geschichte

Antike

Auf dem Gebiet der heutigen Ukraine hielten sich in der FrĂŒhzeit meist indogermanische Völker (unter anderem Kimmerier, Skythen und Sarmaten) auf. DarĂŒber hinaus entstanden im siebten bis sechsten Jahrhundert v. Chr. mehrere griechische Kolonien an der SchwarzmeerkĂŒste, die im fĂŒnften Jahrhundert v. Chr. das Bosporanische Reich bildeten. Im dritten und vierten Jahrhundert n. Chr. ließen sich im SĂŒden zwischen den FlĂŒssen Dnestr und Dnepr und auf der Krim Goten nieder. 375 wurden sie von Hunnen unterworfen. Das Wilde Feld, die ausgedehnten Steppengebiete im SĂŒden des Landes, diente als Durchgangsgebiet fĂŒr Bulgaren, Awaren, Magyaren und andere Völker.

Mittelalter

Die Region Polesien im Nordwesten der Ukraine gilt als eine mögliche Urheimat der Slawen. Die heutige Ukraine hat ihren Ursprung, genau wie Russland und Belarus, im ersten ostslawischen Staat, der Kiewer Rus. Ab dem 8. Jahrhundert befuhren Wikinger die osteuropĂ€ischen FlĂŒsse und vermischten sich mit der slawischen Mehrheitsbevölkerung. Diese auch WarĂ€ger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren maßgeblich an der GrĂŒndung der Kiewer Rus mit Zentren in Kiew und Nowgorod beteiligt.

Die Kiewer Rus erreichte ihre BlĂŒtezeit im 10. und 11. Jahrhundert, nachdem sie durch militĂ€rische FeldzĂŒge Handelsprivilegien in Byzanz durchgesetzt und das Chasarenreich zerstört hatte. Mit der 988 erfolgten griechisch-orthodoxen Christianisierung der Rus begann ein bemerkenswerter kultureller Aufschwung. Allerdings setzten im 12. Jahrhundert feudale Spaltungsprozesse ein. Aufgrund der politischen Zersplitterung erlag das altrussische Reich in den Jahren 1237 bis 1240 der Invasion der Mongolen, die die Rus ihrem Reich der Goldenen Horde tributpflichtig machten. Der nordöstliche Teil der Rus (FĂŒrstentum Wladimir-Susdal, Rjasan, Twer) blieb bis 1480 unter ihrer Herrschaft, wĂ€hrend sĂŒdwestliche Gebiete und Galizien-Wolhynien in Folge der Schlacht am Irpen (1321) und der Schlacht am Blauen Wasser (1362) unter die Herrschaft des GroßfĂŒrstentums Litauen kamen, das spĂ€ter mit Polen eine gemeinsame Republik Polen-Litauen bildete. Gebiete der heutigen Ukraine gelangten hierbei ab dem 16. Jahrhundert in den polnischen Herrschaftsbereich. Im Osten wurde aus dem FĂŒrstentum Wladimir-Susdal das GroßfĂŒrstentum Moskau, das nach und nach alle russischen NachbarfĂŒrstentĂŒmer um sich konsolidierte und schließlich das tatarische Khanat Kasan unterwarf. Die Ukraine wurde durch dessen Ausdehnung zum russisch-polnischen RivalitĂ€tsgebiet und Grenzland. In dieser Epoche bekam der Landstrich am mittleren Dnepr den festen inoffiziellen Eigennamen Ukraina (Grenzland), der zuvor sowohl in der altrussischen, als auch in der altpolnischen Sprache unterschiedlichste Grenzgebiete bezeichnete. Im Schwarzmeergebiet hielt noch lange die Herrschaft des Krimkhanats unter osmanischer Oberhoheit an, bis die Krim im 18. Jahrhundert vom Russischen Kaiserreich annektiert wurde. In den Grenzregionen zwischen der bewaldeten sesshaften Welt und den nomadisch geprĂ€gten Steppenlandschaften (historisch Wildes Feld genannt) lebten die slawischen Kosaken, die sich der Lebensweise als Steppenreiter angepasst hatten, in stĂ€ndigem Kleinkrieg mit den einfallenden Krimtataren. In Russland waren das die Donkosaken und in der Ukraine die Saporoger oder Dneprkosaken.

Neuzeit

Rechtliche Diskriminierung, wirtschaftliche Ausbeutung und religiöser Druck auf die orthodoxe Bevölkerung der sĂŒdwestlichen Rus seitens der polnischen Krone und der polnischen Magnaten fĂŒhrten immer wieder zu blutigen AufstĂ€nden gegen die polnische Herrschaft, die von der oktroyierten Kirchenunion von Brest 1596 weiter angefeuert wurden. Im Jahre 1648 befreite sich die Ukraine in einem Volksaufstand unter FĂŒhrung des Kosakenhetmans Bohdan Chmelnyzkyj von der Herrschaft Polens und die Saporoger Kosaken begrĂŒndeten einen unabhĂ€ngigen Staat, das Hetmanat. Der Chmelnyzkyj-Aufstand ging mit Massenmorden an Juden einher, die als Teile des polnischen Herrschaftssystems gesehen wurden, da der polnische Adel Juden als Mittelsleute nutzte, um Steuern einzutreiben; in der jĂŒdischen Geschichte wird der Aufstand daher als Katastrophe erinnert. 1654 unterstellten sich die Kosaken im Vertrag von Perejaslaw der Oberherrschaft des russischen Zaren.

Nach dem Tod Chmelnyzkyjs 1657 kam es allerdings zu einer lĂ€ngeren Periode, die als der „Ruin“ in die Geschichte einging. Außenpolitische Manöver seiner Nachfolger spalteten das Hetmanat und setzten es VerwĂŒstungen durch BĂŒrgerkrieg und die RivalitĂ€t der benachbarten GroßmĂ€chte aus. Im Endergebnis blieb die Linksufrige Ukraine (in Bezug auf den Fluss Dnepr) mit Kiew unter der russischen Herrschaft. Das Hetmanat der Kosaken bestand hier als autonomer Teil des Russischen Kaiserreiches bis in die Regierungszeit Katharinas der Großen. Die Rechtsufrige Ukraine, um die mehrere polnisch-osmanische Kriege entbrannten und die stark verwĂŒstet wurde, kam 1699 an Polen-Litauen. Das rechtsufrige Hetmanat wurde in diesem Jahr aufgelöst. Bei den Teilungen Polens am Ende des 18. Jahrhunderts fiel auch der rechtsufrige Teil der Ukraine an Russland, die im Westen der Ukraine gelegenen Gebiete Galizien und die Bukowina an das Habsburgerreich.

Im Jahr 1775 wurde Saporoger Sitsch auf Befehl von Katharina II. aufgrund von Konflikten zwischen den Ukrainern und Neuserbien, der UnterstĂŒtzung des Pugatschow-Aufstands und zum Zweck der Assimilation mit den Russen liquidiert. Die Archive der liquidierten Sitsch wurden lange Zeit in der Festung der Heiligen Elisabeth aufbewahrt, die unter anderem eine entscheidende Rolle bei den Siegen ĂŒber das Osmanische Reich spielte. Es war seine Garnison, bestehend aus 4.000 russischen Soldaten und 2.000 Saporoschje-Kosaken, die 1769 den letzten Überfall der 70.000 Mann starken tĂŒrkisch-tatarischen Armee auf die Ukraine abwehrte. Danach erlangte das Russische Reich wĂ€hrend des Russisch-TĂŒrkischen Krieges von 1768-1774 die Kontrolle ĂŒber das Schwarze und das Asowsche Meer. Ende Mai 1775 rĂŒckte von der Festung der Heiligen Elisabeth eine 100.000 Mann starke Armee unter der FĂŒhrung von Petar Tekelija aus und zerstörte am 15. Juni die Sitsch. Und Petro Kalnyschewskyj, der der letzte Saporoger-Ataman war, starb in der Haft auf Solowezki-Inseln.

Als Resultat mehrerer Russisch-TĂŒrkischer Kriege wurden im 18. Jahrhundert weite Teile der heutigen SĂŒdukraine den unter osmanischer VasallitĂ€t stehenden Krimtataren abgerungen. Diese Gebiete wurden als Neurussland unter der Leitung von Grigori Potjomkin erschlossen und mit Saporoger Kosaken und Siedlern aus der Ukraine und aus Russland besiedelt. Die Ukrainer wurden im Russischen Reich als Kleinrussen bezeichnet, in Anlehnung an eine alte Einteilung der orthodoxen Kirchenprovinzen in Klein-Russland (historisches Kernland um Kiew) und Groß-Russland (die Gebiete im Norden). Zwischen den Teilungen Polens und der russischen Revolution war die Ukraine zudem Teil des jĂŒdischen Ansiedlungsrayons.

Im 19. Jahrhundert begann sich auf dem Gebiet der heutigen Ukraine eine Nationalbewegung zu entfalten. Sie lehnte die von der zaristischen Regierung prĂ€ferierte Vorstellung vom dreieinigen russischen Volk aus Großrussen, Kleinrussen und Belarussen ab und strebte die Formierung einer „ukrainischen“ Nation und als Endziel einen Nationalstaat an. Wichtige nationale Vordenker waren der Nationaldichter Taras Schewtschenko und die Historiker Mykola (Nikolaj) Kostomarow und Mychajlo Hruschewskyj. In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts wurde die ukrainische Nationalbewegung von den Behörden unterdrĂŒckt, indem Schulen und bestimmte politische Druckwerke in ukrainischer Sprache (damals bekannt als kleinrussischer Dialekt) verboten wurden. Deshalb verschob sich der Schwerpunkt der Nationalbewegung auf das österreichische Galizien, wo die Ukrainer (unter dem Überbegriff „Ruthenen“) im Unterschied zu Russland als NationalitĂ€t anerkannt wurden. Auch wenn in Galizien deutlich mehr Freiheiten der kulturellen und politischen Entfaltung als in Russland bestanden, war die Situation der Ukrainer auch in Galizien nicht unproblematisch, da die Bevölkerungsmehrheit aus ethnischen Polen bestand und die politische Macht vollstĂ€ndig in den HĂ€nden polnischer Politiker lag, die eine konsequente Politik der Polonisierung betrieben. Die polnische Sprache wurde zur alleinigen Amtssprache erhoben. Auch in Reaktion darauf formierte sich eine russophile Bewegung in Galizien, die die kulturellen Verbindungen mit Russland betonte und die von den österreichischen und polnisch-galizischen AutoritĂ€ten mit Misstrauen beobachtet wurde.

In Konkurrenz zur „ukrainischen“ IdentitĂ€t stand eine „kleinrussische“ IdentitĂ€t, die stĂ€rker auf Russland hin orientiert war.

Erster Weltkrieg, BĂŒrgerkrieg und frĂŒhe Sowjetherrschaft

Der Erste Weltkrieg fĂŒhrte zu einer Internationalisierung der ukrainischen Frage, brachte die Ukraine aber zwischen die Fronten. Ein Oberster Ukrainischer Rat erklĂ€rte am 1. August 1914 seine LoyalitĂ€t zu Österreich-Ungarn, russische Truppen eroberten jedoch im September 1914 im Rahmen der Schlacht in Galizien den Osten Galiziens einschließlich der Hauptstadt Lemberg (heute Lwiw), in der Folge wurden nationale Institutionen und die ukrainische Sprache verboten. In Folge der Schlacht bei Gorlice-TarnĂłw kam es bis September 1915 zum „Großen RĂŒckzug“ der russischen Armee auf der gesamten Frontlinie. Damit wurde das Gebiet der heutigen Ukraine bis Ende 1917 zum Kriegsgebiet. Die MittelmĂ€chte konnten bis unmittelbar westlich von Tarnopol und Dubno vordringen sowie Lemberg, Kolomyja und Czernowitz zurĂŒckerobern; Czernowitz mussten sie jedoch wĂ€hrend der Brussilow-Offensive im Juni 1916 zunĂ€chst wieder aufgeben, in deren Verlauf Russland im Bereich der heutigen Ukraine wieder bis zu 60 Kilometer nach Westen vorstoßen konnte und u. a. Iwano-Frankiwsk eroberte. Nach einem kurzzeitigen Erfolg der russischen Kerenski-Offensive in der ersten JulihĂ€lfte 1917 (u. a. Einnahme von Kalusch) fĂŒhrte der deutsche Gegenstoß im Rahmen der Tarnopol-Offensive zu einer massiven Beschleunigung des Auflösungsprozesses der demoralisierten russischen Armee. Am 25. Juli 1917 fiel Tarnopol in die HĂ€nde deutscher und österreich-ungarischer Truppen, bis Ende August konnten die Truppen der russischen SĂŒdwestfront auf die Linie des heute in der Ukraine liegenden Flusses Sbrutsch (ca. 45 Kilometer östlich Tarnopol, vor dem Krieg Grenzfluss zwischen Österreich-Ungarn und Russland) zurĂŒckgedrĂ€ngt werden. Infolge Lenins Dekret ĂŒber den Frieden kam es am 5. Dezember 1917 zum Waffenstillstand. Schon zuvor, nach der Februarrevolution 1917, hatte sich in Kiew die Zentralna Rada gebildet, die am 25. Januar 1918 die UnabhĂ€ngigkeit und SouverĂ€nitĂ€t der Ukrainischen Volksrepublik verkĂŒndete und damit den ersten ukrainischen Nationalstaat begrĂŒndete. Am 8. Februar 1918 eroberten die Bolschewiki Kiew. Im Verlauf der Operation Faustschlag im Februar und MĂ€rz 1918 fiel nahezu die gesamte heutige Ukraine in die HĂ€nde der MittelmĂ€chte. Am 9. Februar 1918 schloss die Volksrepublik Ukraine mit dem „Brotfrieden“ einen Separatfrieden mit den MittelmĂ€chten. In Berlin setzte man zunĂ€chst auf die Förderung der nationalen Bestrebungen als Kampfmittel gegen Russland. Emigrantenorganisationen wie der „Bund zur Befreiung der Ukraine“ fanden UnterstĂŒtzung im Deutschen Reich, das auch Werbung unter den Kriegsgefangenen betrieb. Vorsichtiger blieb Österreich-Ungarn wegen den damals in Galizien konkurrierenden Nationalbestrebungen der Polen; die UnterstĂŒtzung seitens der polnischen Eliten erschien Wien wichtiger. Die MittelmĂ€chte setzten die Rada wieder ein und sorgten dafĂŒr, dass Sowjetrussland im Friedensvertrag von Brest-Litowsk die Ukraine anerkannte. Da die MittelmĂ€chte mehr Lebensmittellieferungen erwarteten und die Rada nur eingeschrĂ€nkt willfĂ€hrig war, unterstĂŒtzten sie am 29. April 1918 die Absetzung der Regierung und die Einsetzung des frĂŒheren zaristischen Generals Pawlo Skoropadskyj als Hetman. Skoropadskyj versuchte eine konservative Restauration des Staatswesens, vor allem wollte er die enteigneten Großgrundbesitzer wieder einsetzen. Dies wurde auch durch Umbenennung des Staatswesens in „Ukrainischer Staat“ unterstrichen. Mit Hilfe des Verwaltungsapparats und der UnterstĂŒtzung der Besatzer konnte Skoropadskyj zum ersten Mal in der Geschichte einen ukrainischen Staat von Don bis Bug begrĂŒnden. Die Innenpolitik von Skoropadskyj fĂŒhrte jedoch zur Opposition der Rada und der großen Mehrheit der Bauern. Das harte Besatzungsregime und die Ausbeutung der Ukraine brachte viele Ukrainer gegen die Deutschen auf, am 30. Juli 1918 fiel Oberbefehlshaber Hermann von Eichhorn zusammen mit seinem Adjutanten in Kiew einem Bombenattentat zum Opfer. Drei Tage nach dem Waffenstillstand von CompiĂšgne, am 14. November 1918, bildete sich in Kiew aus oppositionellen Kreisen eine „Direktorium“ genannte Exekutive. Ukrainische VerbĂ€nde bedrohten Kiew, ließen aber die deutschen Truppen abziehen, denen sich Skoropadskyj anschloss. Das Direktorium bildete am 14. Dezember 1918 in Kiew eine neue Regierung.

Am 22. Januar 1919 wurde die Vereinigung der Ukrainischen Volksrepublik und der Westukrainischen Volksrepublik beschlossen. Das Gebiet der Westukrainischen Volksrepublik wurde jedoch auch von Polen beansprucht und im Rahmen des Polnisch-Ukrainischen Krieges bis Juli 1919 vollstĂ€ndig besetzt; jedoch wurden im Polnisch-Sowjetischen Krieg die polnischen Truppen kurz darauf zurĂŒckgedrĂ€ngt. In der Folge fielen die westukrainischen Gebiete an Polen, RumĂ€nien und die Tschechoslowakei, die Zentral-, Ost- und SĂŒdukraine an die Russische Sowjetrepublik. Parallel dazu gelang es der ĂŒberwiegend bĂ€uerlichen Machno-Bewegung im SĂŒdosten des Landes, eine anarchistische Revolution durchzufĂŒhren. ZunĂ€chst halfen die Anarchisten den sowjetischen Bolschewiken gegen die konservativ-monarchistischen „Weißen“ von Anton Denikin, dann wurden sie jedoch selbst von den Bolschewiken vernichtet. Im Verlauf des sehr wechselvollen und blutigen Russischen BĂŒrgerkriegs wurden die meisten Gebiete der Ukraine von der Roten Armee erobert und unter Leo Trotzki Sowjetrussland angeschlossen. Die Republik Cholodnyj Jar widerstand der sowjetischen Expansion am lĂ€ngsten und wurde erst 1922 zerstört. Mit der GrĂŒndung der Sowjetunion im Dezember 1922 wurde die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (USSR) gegrĂŒndet. Die frĂŒhe bolschewistische NationalitĂ€tenpolitik der Korenisazija zielte darauf ab, die Minderheiten fĂŒr die sozialistische Idee zu gewinnen und gleichzeitig die reaktionĂ€ren einheitsrussischen KrĂ€fte zu schwĂ€chen. Es begann eine bis 1931 anhaltende staatliche Politik der Ukrainisierung, die die ukrainische Sprache förderte und den Anteil von Ukrainern in der Kommunistischen Partei und den Behörden vergrĂ¶ĂŸerte.

Das allgemeine Frauenwahlrecht bestand seit dem 10. MĂ€rz 1919.

FĂŒr die junge Sowjetunion war die Ukraine die „Kornkammer“. Als unter Josef Stalin seit 1929 die Landwirtschaft zwangsweise kollektiviert wurde, kam es in der Ukraine zu einer unter dem Namen Holodomor bekannten Hungersnot, die in der Ukraine nach neuesten SchĂ€tzungen ca. 3,5 Millionen Menschenleben forderte, mehr als in den anderen Gebieten der Sowjetunion zusammen. Ukrainische Geschichtswissenschaftler gehen davon aus, dass sie absichtlich herbeigefĂŒhrt wurde. Lasar Kaganowitsch gilt als Hauptverantwortlicher fĂŒr den Terror im Zusammenhang mit der Zwangskollektivierung. Die Bewertung der historischen Ereignisse ist jedoch umstritten.

Zweiter Weltkrieg

Infolge des Hitler-Stalin-Pakts wurden nach dem deutschen Überfall auf Polen und der sowjetischen Invasion Ostpolens im Sommer 1939 zunĂ€chst, wie im Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag verabredet, die seit 1921 zu Polen gehörenden westukrainischen Gebiete von der Sowjetunion annektiert. Nach Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges wurden jene im August 1941 Teil des deutschen Generalgouvernements. Der grĂ¶ĂŸere Teil des Territoriums der Ukraine unterstand nach seiner Besetzung durch die deutsche Wehrmacht von 1941 bis 1943/44 als Reichskommissariat Ukraine einer Zivilverwaltung durch das Reichsministerium fĂŒr die besetzten Ostgebiete.

Teile der ukrainischen Bevölkerung fĂŒhrten einen Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer, andere, vor allem in Galizien, arbeiteten mit den Deutschen zusammen. Im Westen des Landes kĂ€mpfte die Ukrainische AufstĂ€ndische Armee gegen die vorrĂŒckenden Sowjets und die polnische Bevölkerung. Da die Angehörigen dieser Untergrundarmee wussten, dass sie in der Hand sowjetischer Behörden dem Tod geweiht waren, dauerte ihre Niederschlagung durch Einheiten des NKWD weit ĂŒber das Ende des Zweiten Weltkrieges hinaus.

Die Ukraine war Schauplatz zahlreicher Massenmorde an Juden, Polen, Roma und sowjetischen Kriegsgefangenen (u. a. Massaker von Babyn Jar). Über zwei Millionen Ukrainer wurden als Ostarbeiter nach Deutschland verschleppt. Der Zweite Weltkrieg forderte in der Ukraine etwa vier Millionen zivile Todesopfer, davon etwa eineinhalb Millionen jĂŒdische Ukrainer. Fast die gesamte jĂŒdische Bevölkerung, sofern nicht geflohen, wurde ausgelöscht. Dörfer und StĂ€dte wurden mit der Taktik der verbrannten Erde erst von der Roten Armee, dann von den deutschen Besatzern auf ihren jeweiligen RĂŒckzĂŒgen zerstört. Es gab 1945 in der Ukraine etwa zehn Millionen Obdachlose.

An einige Opfer erinnern die Stolpersteine in der Ukraine.

Nachkriegszeit

Im Zuge der Westverschiebung Polens wurde nahezu die gesamte polnische Bevölkerung aus den ehemals polnischen Gebieten der heutigen Westukraine ausgesiedelt, teilweise auch gewaltsam vertrieben. Im Gegenzug wurde die ukrainische Minderheit Polens in die Ukraine, zum Teil auch in den Westen Polens zwangsumgesiedelt.

Nach dem Krieg war erstmals die gesamte Ukraine in einem Staat, der Sowjetunion, vereint. Am 24. Oktober 1945 trat die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik als GrĂŒndungsmitglied den Vereinten Nationen bei. Mit dem Tod des sowjetischen Diktators Stalin im MĂ€rz 1953 endeten auch die Verfolgung und der Terror in der Sowjetunion.

Im Jahr 1954 wurde anlĂ€sslich des 300-jĂ€hrigen JubilĂ€ums der Vereinbarung von Perejaslaw der Oblast Krim aus der Russischen (RSFSR) in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (USSR) ĂŒberfĂŒhrt.

Die Ukraine war bis weit in das 20. Jahrhundert vor allem bĂ€uerlich geprĂ€gt; nun setzte eine Phase der Urbanisierung ein. Die Ukraine war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu einem großen Teil zerstört. Die Bevölkerung litt unter bitterer Armut. Der Fokus der SowjetfĂŒhrung galt indessen vor allem dem Osten der Sowjetunion, wĂ€hrend der Westen – darunter auch die Ukraine – trotz vorangetriebener Industrialisierung zunĂ€chst eher strukturschwach blieb.

Die Nachkriegszeit war in der Ukraine vom Wiederaufbau und starker Industrialisierung sowie von einem raschen Bevölkerungswachstum gekennzeichnet. Die Einwohnerzahl der Ukrainischen SSR stieg von rund 36,5 Millionen im Jahr 1950 auf 51,7 Millionen im Jahr 1989.

Unter dem neuen Parteichef der KPdSU Nikita Chruschtschow wurden mehr Ukrainer in die FĂŒhrungsgremien der Partei ernannt; auch der Druck auf die Bauern ließ nach. Im kulturellen Bereich erhielten die BefĂŒrworter einer „Ukrainisierung“ und der ukrainischen Sprache mehr Spielraum.

Ab 1972 setzten unter dem von Breschnew eingesetzten ukrainischen KP-Chef, Wolodymyr Schtscherbyzkyj, „SĂ€uberungen“ der nationalen Elite ein; die Russifizierung wurde erneut vorangetrieben.

Die VerĂ€nderungen, die Michail Gorbatschows Perestroika mit sich brachten, nahmen zögerlich Einfluss auf die ukrainische Politik. Durch die Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 wurde eine FlĂ€che von fast 150.000 kmÂČ radioaktiv verseucht. Der Vorfall hinterließ enorme SchĂ€den fĂŒr Menschen und Umwelt.

1989 hatten sich mehrere oppositionelle Gruppierungen zur „Volksbewegung“ („Ruch“) zusammengeschlossen, die in den ersten freien Wahlen im MĂ€rz 1990 knapp 25 Prozent der Stimmen erreichte. Setzte die Volksbewegung Ruch anfangs ihren Schwerpunkt auf kulturelle Themen, entwickelte sie sich bald zur dominierenden Bewegung der nationalen UnabhĂ€ngigkeit – in deutlicher Opposition zur Kommunistischen Partei.

UnabhÀngigkeit

Mit dem Zerfall der Sowjetunion erlangte die Ukraine im Dezember 1991 nach einem Referendum mit 90,3 % Zustimmung ihre staatliche UnabhĂ€ngigkeit. Eine Alternative zur UnabhĂ€ngigkeit der Ukraine war faktisch nicht vorhanden, was massiv zu dem eindeutigen Wahlergebnis beitrug. Das bereits im Jahr 1919 eingefĂŒhrte Frauenwahlrecht wurde in dem Referendum bestĂ€tigt. Seit der UnabhĂ€ngigkeit sucht die Ukraine ihre nationale IdentitĂ€t und ihre internationale Rolle zwischen einer westlichen Orientierung, beispielsweise einer Integration in die EuropĂ€ische Union, und einer östlichen Orientierung, d. h. einer politischen Orientierung zu Russland hin. Die Ukraine leidet seit ihrer UnabhĂ€ngigkeit unter schweren wirtschaftlichen und demografischen Problemen. Seit ihrer UnabhĂ€ngigkeit sank die Einwohnerzahl um mehr als 6,25 Millionen Menschen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Ukraine erreichte im Jahr 2012 nur noch 69,3 % des Wertes von 1990. Gefallen war das BIP vor allem zwischen 1991 und 1999. Die Situation stabilisierte sich erst lange nachdem die neue WĂ€hrung, die Hrywnja, Ende 1998 stark gefallen war, teilweise als Folge des russischen Schuldenbankrotts Anfang desselben Jahres. Die Folge der postsowjetischen Wirtschaftspolitik der 1990er Jahre war die Massenprivatisierung des Staatseigentums, die eine Klasse Ă€ußerst mĂ€chtiger und reicher Individuen (Oligarchie) hervorbrachte. Die ukrainische Wirtschaft geriet infolge der Weltfinanzkrise 2007–2008 in eine erneute Rezession.

Über Atomwaffen verfĂŒgten nach dem Zerfall der Sowjetunion neben Russland auch drei weitere Nachfolgestaaten der UdSSR: die Ukraine, Belarus und Kasachstan. In der Ukraine befand sich mit insgesamt 1832 Nuklearsprengköpfen das zu diesem Zeitpunkt weltweit drittgrĂ¶ĂŸte Kernwaffenarsenal. Zudem wurde das Potential von Nuklearwissenschaftlern in der Ukraine von russischer Seite auf etwa 1000 Personen eingeschĂ€tzt. Die Ukraine lieferte 1991 die meisten taktischen Atomwaffen an Russland ab, behielt jedoch die strategischen Atomwaffen und forderte fĂŒr ihre Auslieferung vom Westen Geld und Sicherheitsgarantien. Sie erhielt US-Finanzhilfe und Sicherheitsgarantien auf der Basis eines trilateralen Abkommens mit Russland und den USA im Januar 1994 (Budapester Memorandum), trat Ende 1994 dem Atomwaffensperrvertrag und dem Start-I-Vertrag bei und erklĂ€rte sich 1996 fĂŒr atomwaffenfrei.

Bei der PrĂ€sidentschaftswahl 2004 und den anschließenden Protesten, der sogenannten orangen Revolution, setzte sich der westlich orientierte PrĂ€sidentschaftskandidat, Wiktor Juschtschenko, gegen den von Russland unterstĂŒtzten Wiktor Janukowytsch durch. Das galt vielen politischen Beobachtern als richtungsweisend fĂŒr die kĂŒnftige Orientierung der Ukraine. Die wichtigsten Protagonisten des orangen Lagers, Juschtschenko und Julija Tymoschenko, konnten sich aber in den folgenden Jahren nicht auf einen gemeinsamen Weg einigen, und viele Hoffnungen der Bevölkerung blieben unerfĂŒllt. Die Unzufriedenheit aufgrund der politischen Stagnation mĂŒndete in der PrĂ€sidentschaftswahl 2010, bei denen der russlandfreundliche Janukowytsch ins PrĂ€sidentenamt gewĂ€hlt wurde.

Es folgten mehrere Schritte zur Konsolidierung eines Autoritarismus, welche allenfalls auf sporadischen Widerstand trafen. Die Opposition war durch die vorangegangenen Wahlen weitgehend gelĂ€hmt und die Zivilgesellschaft zu fragmentiert. Insbesondere das Verfassungsgericht wurde zum BefehlsempfĂ€nger der PrĂ€sidialadministration und verwarf die VerfassungsĂ€nderung von 2004 und deren Beschneidungen der Kompetenzen des PrĂ€sidenten. FĂŒr eine Preisreduktion von 100 Dollar je 1000 Kubikmeter Gas erhielt Russland ein neues Abkommen fĂŒr die Schwarzmeerflotte bis ins Jahr 2042.

FĂŒr die Parlamentswahlen 2012 schrĂ€nkte das Regime die Möglichkeiten der Opposition ein, Stimmenkauf und Manipulation bei der AuszĂ€hlung ließen die Menschen desillusioniert zurĂŒck. Vor dem Hintergrund der vermeintlich gesicherten autoritĂ€ren PrĂ€sidialherrschaft war die folgende Protestbewegung umso unerwarteter.

JĂŒngste Vergangenheit

Im November 2013 begannen die Euromaidan genannten Proteste, als die Unterzeichnung einer EU-Assoziierung der Ukraine unter dem Druck Russlands ausgesetzt wurde. Die Proteste richteten sich auch gegen die verbreitete Korruption. Im Februar 2014 wurde eine Einigung erzielt, die die RĂŒckkehr zur bis September 2010 gĂŒltigen Verfassung vorsah und die faktische Absetzung Wiktor Janukowytschs beinhaltete; dieser tauchte unter und flĂŒchtete nach Russland. Die rechtliche Bewertung der Absetzung und Flucht Janukowytschs, den ein Kiewer Gericht 2019 des Hochverrats schuldig sprach, ist umstritten.

Am 27. Februar 2014 wurde eine Übergangsregierung unter Arsenij Jazenjuk gebildet. Im weiteren Verlauf annektierte Russland noch im selben Jahr (18. MĂ€rz) völkerrechtswidrig die Krim, und es kam zu sezessionistischen Bewegungen im Osten der Ukraine, die in einem bewaffneten Konflikt eskalierten, der seither andauert. Am 5. September 2014 (Protokoll von Minsk) und am 12. Februar 2015 (Minsk II) wurden Abkommen geschlossen, die auf eine Befriedung des Konflikts in der östlichen Ukraine abzielten.

In den beiden folgenden Jahren musste die Ukraine laut dem polnischen Wirtschaftswissenschaftler Leszek Balcerowicz Schocks aus dem Erbe des vormaligen PrĂ€sidenten sowie der russischen militĂ€rischen und ökonomischen Aggression (durch ein Embargo) verkraften. Die ausstehenden Reformen sollten Privatisierungen umfassen, da der Staat noch viele defizitĂ€re Unternehmen besitze, aus denen Geld abgezweigt wĂŒrde. Im FrĂŒhjahr 2017 sollte nach einem Urteilsspruch des Stockholmer Schiedsgerichts die latente Drohung einer Milliardenklage seitens Gazprom entfallen, die ein Relikt des seit 2009 schwelenden russisch-ukrainischen Gasstreits war.

Am 26. November 2018 verhĂ€ngte das ukrainische Parlament einen auf 30 Tage befristeten Ausnahmezustand. Es reagierte damit auf die massiven Übergriffe der russischen KĂŒstenwache auf ukrainische Schiffe sowie die Gefahr einer großflĂ€chigen Invasion durch die Russische Föderation aufgrund massiver russischer Truppenkonzentrationen entlang der Grenze zur Ukraine.

Der Konflikt mit Russland im Osten des Landes verhinderte in den 2010er Jahren eine bedeutende wirtschaftliche Erholung der Ukraine. Die im Jahr 2020 einsetzende COVID-19-Pandemie in der Ukraine verschlechterte die Lage zusÀtzlich.

Die Gefahr einer Invasion bestand erneut seit FrĂŒhjahr 2021 angesichts der Gegenwart grĂ¶ĂŸerer russischer Truppen entlang der Grenze. Wladimir Putin unterzeichnete am 21. Februar 2022 ein Dekret zur Anerkennung der Sezessionsregionen Volksrepublik Donezk und Volksrepublik Lugansk in der Ostukraine.

Am 24. Februar 2022 griff Russland die Ukraine unter Verletzung des Gewaltverbotes nach Art. 2, Nr. 4 der UN-Charta sowohl von russischem Staatsgebiet, als auch von der annektierten Halbinsel Krim und aus dem Nachbarstaat Belarus an und begann mit der Bombardierung von ukrainischen StĂ€dten. Infolge der Angriffe verhĂ€ngte der ukrainische PrĂ€sident den Kriegszustand im Land. Die kurz nach Invasionsbeginn unter fortgesetzten russischen Angriffen erfolgten russisch-ukrainischen Friedensverhandlungen scheiterten. Russische Soldaten und Söldner begingen in der Ukraine zahlreiche Kriegsverbrechen. Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine flĂŒchteten mehrere Millionen Menschen aus der Ukraine in viele LĂ€nder Europas und weltweit. Jeweils mehr als eine Million kamen in Polen und in Deutschland unter, weitere Hunderttausende auch in Tschechien, Großbritannien und Spanien sowie eine halbe Million außerhalb Europas. Am 30. September 2022 annektierte Russland Teile der SĂŒd- und Ostukraine. Rund sechs Millionen Ukrainer leben laut ukrainischen SchĂ€tzungen in den russisch besetzten ukrainischen Gebieten, darunter sind 1,5 Millionen Kinder. Bis ins Jahr 2024 fielen mehrere zehntausend ukrainische Soldaten und tausende bis zehntausende Zivilisten in der Ukraine dem russisch-ukrainischen Krieg zum Opfer.

Mit dem Euromaidan setzten IdentitĂ€tsverĂ€nderungen ein, die sich seit der Invasion beschleunigt haben. Seit dem Jahr 2000 haben Meinungsforscher die Ukrainer gefragt, wie sie sich selbst sehen, und ihnen verschiedene Optionen fĂŒr eine lokale, subnationale, nationale und globale IdentitĂ€t gegeben. In den letzten zwei Jahrzehnten ist der Anteil derer, die sich als „BĂŒrger der Ukraine“ bezeichnen, von 41 Prozent im Jahr 2000 auf 65 Prozent kurz vor der Invasion im Februar 2022 gestiegen. Bis Juli 2022 war der Anteil auf 85 Prozent gestiegen.

Im Zuge des russischen Angriffskriegs setzte eine Entrussifizierung (Ukrainisierung) in der Ukraine ein. Unter dem Begriff der „Dekommunisierung“ wurden sowjetische DenkmĂ€ler und solche, die an russische Persönlichkeiten erinnern, demontiert oder in Museen verlagert. Straßen- und Ortsnamen in russischer Sprache oder mit russischem Bezug in der Ukraine wurden per Gesetz im April 2023 verboten und Kenntnisse der ukrainischen Sprache und Geschichte zur Voraussetzung fĂŒr die ukrainische StaatsbĂŒrgerschaft gemacht. Zuvor, im August 2022, hatten sich in einem digitalen Abstimmungsprozess laut ukrainischen Regierungsangaben eine Mehrheit von 6,5 Millionen Ukrainern fĂŒr die Umbenennung von Straßen, deren Namen an russische und sowjetische Persönlichkeiten sowie an kommunistische Vordenker erinnern, ausgesprochen. Bis Ende November 2022 wurden nach ukrainischen Regierungsangaben rund 19 Millionen BĂŒcher aus Bibliotheken in der Ukraine entfernt. Dabei habe es sich um Werke gehandelt, die aus der Ära der Sowjetunion stammten und/oder in russischer Sprache verfasst wurden. Entfernt wurden dabei auch Werke von Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Nikolai Wassiljewitsch Gogol und Lew Nikolajewitsch Tolstoi, die aus prĂ€sowjetischer Zeit stammen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen, der Weltbank und der ukrainischen Regierung beliefen sich die materiellen KriegsschĂ€den in der Ukraine bis Ende 2023 auf mindestens 152 Milliarden US-Dollar. FĂŒr den Wiederaufbau wurde mit Kosten von fast 500 Milliarden US-Dollar gerechnet. Durch fortdauernde russische Luftangriffe wurde die HĂ€lfte der Stromerzeugungsinfrastruktur in der Ukraine beschĂ€digt oder zerstört. Das ukrainische Wirtschaftsministerium schĂ€tze, dass bis zu fĂŒnf Millionen Arbeitnehmer in der Ukraine fehlen.

Politik

Politisches System

Die Ukraine ist nach der Verfassung der Ukraine ein demokratischer, republikanisch, sozial- und rechtsstaatlich organisierter Einheitsstaat mit einem semiprĂ€sidentiellen Regierungssystem. Staatsoberhaupt ist der PrĂ€sident, die Regierung (Ministerkabinett der Ukraine) wird von einem MinisterprĂ€sidenten geleitet. Einzig die Autonome Republik Krim hatte (und hat dies auch de jure noch immer) davon abweichend das Recht, ĂŒber eine eigene Verfassung, Regierung und teilautonome Gesetzgebung zu verfĂŒgen.

Verfassung

Die Verfassung der Ukraine stammt vom 28. Juni 1996 und beansprucht als Staatsgrundgesetz höchste rechtliche AutoritĂ€t. Alle Maßnahmen des Staates und seiner Einrichtungen, einschließlich der Gesetzgebung und völkerrechtlicher VertrĂ€ge, mĂŒssen mit ihr im Einklang stehen.

FĂŒr die Auslegung der Verfassung und die PrĂŒfung der VerfassungsmĂ€ĂŸigkeit staatlichen Handelns ist allein und ausschließlich das Verfassungsgericht der Ukraine zustĂ€ndig.

Änderungen der Verfassung obliegen dem Parlament und sind in einem besonderen VerfassungsĂ€nderungsverfahren im Rahmen einer regulĂ€ren gesetzgebenden Sitzung mit Zweidrittelmehrheit der gesetzlichen Mitglieder der Werchowna Rada zu beschließen. Sie sind als verfassungsĂ€nderndes Gesetz vom PrĂ€sidenten der Ukraine auszufertigen. Änderungen hinsichtlich der StaatsgrundsĂ€tze, der Wahlen und Referenden, sowie der Bestimmungen ĂŒber die VerfassungsĂ€nderung bedĂŒrfen darĂŒber hinaus der Zustimmung in einem Referendum.

Dies geschah mit dem Gesetz Nr. 2222-IV vom 8. Dezember 2004 erstmals, und beschnitt u. a. die damaligen Rechte des PrĂ€sidenten. Diese Änderungen wurden mit einer Entscheidung des Verfassungsgerichts der Ukraine vom 1. Oktober 2010 als verfassungswidrig verworfen und fĂŒr nichtig erklĂ€rt. Im Zuge der Staatskrise 2013/14 beschloss das Parlament getreu der „Vereinbarung ĂŒber die Beilegung der Krise in der Ukraine“ am 21. Februar 2014 die Wiederinkraftsetzung der Änderungen von 2004. Allerdings fehlte diesem Parlamentsbeschluss zur verfassungsgemĂ€ĂŸen Wirksamkeit die Unterschrift des damals noch amtierenden PrĂ€sidenten Wiktor Janukowytsch. Ob und, wenn ja, wann dies durch den neuen PrĂ€sidenten nachgeholt werden kann und wird, ist unklar. Bis dahin gilt die Verfassung in ihrer Urfassung von 1996 fort.

Verfassungsorgane
  • PrĂ€sident der Ukraine
  • Parlament
  • Ministerkabinett
  • Verfassungsgericht
  • Generalstaatsanwalt (siehe auch Liste der GeneralstaatsanwĂ€lte der Ukraine)
  • Nationaler Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine

PrÀsident

Der PrĂ€sident der Ukraine (ukrainisch ĐŸŃ€Đ”Đ·ĐžĐŽĐ”ĐœŃ‚ ĐŁĐșŃ€Đ°Ń—ĐœĐž President Ukrajiny) ist Staatsoberhaupt und vertritt den Staat der Ukraine nach innen wie nach außen völkerrechtlich. Er soll die territoriale IntegritĂ€t und SouverĂ€nitĂ€t der Ukraine wahren und steht an der Spitze der Exekutive.

Die Aufgaben des PrÀsidenten umfassen:

  • die Ernennung des MinisterprĂ€sidenten mit Zustimmung des Parlaments sowie der Minister, der diplomatischen Vertreter des Landes, zwei Drittel der Mitglieder des Verfassungsgerichts und der Zentralbank, sowie den Generalstaatsanwalt,
  • Ausfertigung der Gesetze des Parlaments mit der Möglichkeit eines Vetos gegen BeschlĂŒsse des Parlaments,
  • Recht zur Aufhebung von Maßnahmen der Regierung und Bestimmung des Zuschnitts der Ministerien,
  • AusĂŒbung des Gnadenrechts fĂŒr die gesamte Ukraine,
  • Errichtung oder Auflösung von Gerichten und Gerichtszweigen,
  • Vorsitz des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine
  • Oberbefehl ĂŒber die StreitkrĂ€fte der Ukraine, VerhĂ€ngung des Kriegsrechts sowie Ausrufung der Generalmobilmachung im Spannungs- oder Kriegsfall,
  • vorzeitige Auflösung des Parlaments,
  • Verordnungen und Dekrete an die Einrichtungen der Exekutive, einschließlich des Ministerkabinetts.

Eine Delegation dieser Befugnisse ist ausdrĂŒcklich ausgeschlossen. Beraten wird der PrĂ€sident vom „Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine“.

Der PrĂ€sident wird fĂŒr eine Amtszeit von fĂŒnf Jahren in direkter Wahl durch das Staatsvolk der Ukraine gewĂ€hlt. Dabei darf ein Kandidat nicht mehr als zwei Amtszeiten hintereinander das Amt ausfĂŒllen. WĂ€hlbar ist, wer mindestens 35 Jahre alt ist, die ukrainische Staatsangehörigkeit besitzt, aktiv wahlberechtigt ist und seit mindestens 10 Jahren in der Ukraine lebt.

Ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt ist durch eigenen RĂŒcktritt, Feststellung der gesundheitsbedingten AmtsunfĂ€higkeit, ein förmliches Amtsenthebungsverfahren oder den Tod des Amtsinhabers möglich.

Parlament

Die Werchowna Rada (ukrainisch Đ’Đ”Ń€Ń…ĐŸĐČĐœĐ° РаЎа Oberster Rat) ist das unikameralistische Parlament der Ukraine. Es ĂŒbt die alleinige legislative Gewalt des Staates aus. Es wird fĂŒr eine Legislaturperiode von fĂŒnf Jahren vom Staatsvolk der Ukraine direkt gewĂ€hlt, wobei Wahltermin und -verfahren vom scheidenden Parlament bestimmt werden. Abgeordnete der Rada genießen rechtliche ImmunitĂ€t fĂŒr die Dauer der Legislaturperiode und dĂŒrfen wĂ€hrend ihrer Zeit als Abgeordnete kein (anderes) Amt innerhalb der Ukraine ausĂŒben, insbesondere nicht der Exekutive angehören. Die Rada kann außer durch Ablauf der Legislaturperiode nur im Ausnahmefall vom PrĂ€sidenten der Ukraine aufgelöst werden, wobei in diesem Falle unverzĂŒglich Neuwahlen anzusetzen sind. Die Werchowna Rada wird von einem aus ihrer Mitte gewĂ€hlten PrĂ€sidenten der Werchowna Rada geleitet und vertreten.

Zu den Befugnissen des Parlaments zÀhlen:

  • die Gesetzgebung,
  • der Beschluss ĂŒber VerfassungsĂ€nderungen,
  • Beschluss des Staatshaushalts,
  • Beschluss zum Abhalten eines Referendums,
  • Zustimmung zur Ernennung des MinisterprĂ€sidenten und der ĂŒbrigen vom PrĂ€sidenten ernannten Beamten sowie MisstrauensantrĂ€ge gegen diese,
  • Beschluss ĂŒber die Rahmenbedingungen der Innen- und Außenpolitik von Ministerkabinett und PrĂ€sident,
  • Aufstellung der StreitkrĂ€fte der Ukraine,
  • Beschluss ĂŒber den Kriegsfall und KriegserklĂ€rungen,
  • parlamentarische Kontrolle des PrĂ€sidenten und des Ministerkabinetts,
  • Auflösung der Werchowna Rada der Autonomen Republik Krim, sofern dies durch das Verfassungsgericht der Ukraine wegen verfassungswidrigen Verhaltens bestimmt wurde,
  • die Amtsenthebung des PrĂ€sidenten.

Regierung

Die Regierung der Ukraine wird vom Ministerkabinett (ukrainisch ĐšĐ°Đ±Ń–ĐœĐ”Ń‚ ĐœŃ–ĐœŃ–ŃŃ‚Ń€Ń–ĐČ ĐŁĐșŃ€Đ°Ń—ĐœĐž Kabinet Ministriv Ukrajiny, „Kabinett der Minister der Ukraine“) wahrgenommen. Dieses setzt sich aus dem MinisterprĂ€sidenten (ukrainisch ĐŸŃ€Đ”ĐŒ'єр-ĐŒŃ–ĐœŃ–ŃŃ‚Ń€ ĐŁĐșŃ€Đ°Ń—ĐœĐž Prem’er Ministr Ukrajiny, „Premierminister der Ukraine“), dem Ersten Vize-MinisterprĂ€sidenten, drei weiteren Vize-MinisterprĂ€sidenten und den Ministern zusammen. Ersterer wird vom PrĂ€sidenten der Ukraine mit Zustimmung der Werchowna Rada ernannt. Die ĂŒbrigen Mitglieder des Kabinetts werden auf Vorschlag des MinisterprĂ€sidenten vom PrĂ€sidenten ernannt. Die Amtszeit des Kabinetts ist an die Amtszeit des MinisterprĂ€sidenten gebunden. Die Werchowna Rada kann gegen den MinisterprĂ€sidenten ein Misstrauensvotum abgeben mit der Folge, dass dieser und mit ihm das gesamte Kabinett durch den PrĂ€sidenten aus dem Amt zu entlassen sind. Das Ministerkabinett ist durch seine doppelseitige Ernennung und Entlassung fĂŒr seine Arbeit auf Mehrheiten in der Werchowna Rada ebenso angewiesen wie auf die UnterstĂŒtzung des PrĂ€sidenten.

Zuletzt war die Regierung unter MinisterprĂ€sident Mykola Asarow von der Partei der Regionen auf die UnterstĂŒtzung der Kommunistischen Partei und unabhĂ€ngiger Abgeordneter angewiesen. Asarow wurde noch von Janukowytsch auf dessen RĂŒcktrittsersuchen vom 28. Januar 2014 hin vor der Werchowna Rada entlassen. Mit den RegierungsgeschĂ€ften bis zur Ernennung einer neuen Regierung wurde der bisherige Erste Vize-MinisterprĂ€sident Serhij Arbusow, ebenfalls von der Partei der Regionen, kommissarisch bestimmt. Am 22. Februar 2014 bestimmte die Werchowna Rada, ihn als geschĂ€ftsfĂŒhrenden MinisterprĂ€sidenten zu entlassen und die Leitung des Ministerkabinetts bis zur Wahl eines neuen MinisterprĂ€sidenten auf den ParlamentsprĂ€sidenten der Werchowna Rada, Oleksandr Turtschynow von der Vaterlandspartei zu ĂŒbertragen. Vom 27. Februar 2014 bis zum 2. Dezember 2014 war die Regierung Jazenjuk im Amt, deren angebotener RĂŒcktritt vom Parlament verworfen wurde. Vom 2. Dezember 2014 bis zum 14. April 2016 regierte eine Koalitionsregierung unter dem im Amt bestĂ€tigten MinisterprĂ€sidenten Arsenij Jazenjuk, die sich nach der Parlamentswahl Ende Oktober gebildet hatte. Sie wurde am 14. April 2016 nach RĂŒcktritt Jazenjuks durch das Kabinett Hrojsman, eine von Wolodymyr Hrojsman gebildete Koalitionsregierung, abgelöst. Nach der vorgezogenen Parlamentswahl in der Ukraine 2019 trat die Werchowna Rada am 29. August 2019 erstmals zusammen und wĂ€hlte Oleksij Hontscharuk zum neuen MinisterprĂ€sidenten. Nachdem das Parlament am 4. MĂ€rz 2020 ein RĂŒcktrittsgesuch von Oleksij Hontscharuk angenommen hatte, wĂ€hlte es am selben Tag Denys Schmyhal zum neuen MinisterprĂ€sidenten. Am 17. Juli 2025 wurde Julija Swyrydenko MinisterprĂ€sidentin.

Wahlen und politische Parteien

FĂŒr die Organisation und DurchfĂŒhrung der PrĂ€sidenten- und Parlamentswahlen, der Kommunalwahlen und Referenden ist die Zentrale Wahlkommission der Ukraine, eine Behörde mit Sitz in Kiew zustĂ€ndig. Die 15 Mitglieder der Kommission werden fĂŒr den Zeitraum von 7 Jahren von der Werchowna Rada gewĂ€hlt und vom StaatsprĂ€sidenten ernannt. Seit 2011 gilt fĂŒr die Parlamentswahlen ein sogenanntes Grabenwahlsystem.

Die Landschaft der politischen Parteien in der Ukraine befindet sich im Umbruch, neue Parteien entstehen, Ă€ltere schließen sich zusammen oder Ă€ndern ihre Namen. Somit ist die ukrainische Politik teils stĂ€rker durch die KontinuitĂ€t von einzelnen Spitzenpolitikern in wechselnden Konstellationen als durch einzelne Gruppierungen geprĂ€gt; die Wahlen von 2012, 2014 und 2019 zeigten je sehr unterschiedliche Ergebnisse. Als wichtiges Kriterium zur politischen Einordnung der Parteien zĂ€hlt vor allem auch ihre Position gegenĂŒber der EU beziehungsweise gegenĂŒber Russland.

Die Regionalwahlen 2020 zeigten eine StĂ€rkung der Autonomie aufgrund der Dezentralisierungsreformen der Ukraine ab 2014 sowie föderaler finanzieller UnabhĂ€ngigkeit. Auf lokaler Ebene gegrĂŒndete politische Parteien waren bei den BĂŒrgermeisterwahlen erfolgreich und nicht lĂ€nger auf die UnterstĂŒtzung nationaler Parteien angewiesen.

Im MĂ€rz 2022 verbot PrĂ€sident Selenskyj eine Reihe prorussischer Parteien, darunter zwei im Parlament vertretenen Parteien, Oppositionsplattform – FĂŒr das Leben und Oppositionsblock, weil deren Arbeit auf Spaltung oder Kollaboration abziele. Das Verbot solle so lange bestehen bleiben, wie in der Ukraine das Kriegsrecht gilt.

Politische Indizes

Verwaltungsgliederung

Die Ukraine ist ein Einheitsstaat, die Oblaste und Kommunen hatten lange Zeit nur sehr wenig Befugnisse. Am 28. Juni 2014 gab der ukrainische PrÀsident Poroschenko bekannt, dass es eine Verfassungsreform geben und die Macht dezentralisiert werden soll. Die Kommunen sollen deutlich mehr Befugnisse haben und ein Teil der Steuern bei den Oblasten verbleiben.

Oblaste (Verwaltungsregionen)

Die Ukraine ist in 24 Oblaste (ukr. ĐŸĐ±Đ»Đ°ŃŃ‚ŃŒ, Bezirke, wörtl. Gebiete), die Autonome Republik Krim und zwei StĂ€dte mit Sonderstatus, Kiew und Sewastopol, gegliedert.

Die Autonome Republik Krim (ukrainisch АĐČŃ‚ĐŸĐœĐŸĐŒĐœĐ° Đ Đ”ŃĐżŃƒĐ±Đ»Ń–Đșа ĐšŃ€ĐžĐŒ), zu Zeiten der UdSSR offiziell Oblast Krim, ist geographisch gesehen die Krimhalbinsel ohne die verwaltungsmĂ€ĂŸig eigenstĂ€ndige Stadt Sewastopol und hat als Hauptstadt Simferopol.

Seit der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 kann die Regierung in Kiew keine Gebietshoheit mehr ĂŒber die Autonome Republik Krim und die Stadt Sewastopol ausĂŒben. Das Gleiche gilt seit Beginn des Kriegs im Donbas 2014 fĂŒr Teile der Oblaste Donezk, Luhansk sowie seit dem Russischen Überfall 2022 auch fĂŒr Teile der Oblaste Cherson und Saporischschja.

GrĂ¶ĂŸte StĂ€dte

Der grĂ¶ĂŸten StĂ€dte in der Ukraine sind (Stand 2017):

Außenpolitik

Die ukrainische Außenpolitik in den ersten Jahren der staatlichen UnabhĂ€ngigkeit wurde von ukrainischen Politikern als „multivektoral“ bezeichnet und dabei von politischen Beobachtern im Ausland oft als uneinheitlich wahrgenommen. Einerseits strebte die Ukraine eine AnnĂ€herung an NATO und EU an, andererseits waren gute Beziehungen zum großen Nachbarn Russland fĂŒr das Land von elementarer Bedeutung. Erst PrĂ€sident Wiktor Juschtschenko erklĂ€rte bei seinem Amtsantritt im Januar 2005 die Westorientierung und damit verbunden die Mitgliedschaft des Landes in der EU zu seinem politischen Ziel. Als sich in den folgenden Jahren immer deutlicher abzeichnete, dass fĂŒr die Ukraine zu der Zeit keine realistische Beitrittsperspektive zur EU bestand, bemĂŒhte sich Juschtschenko im Jahr 2008 um einen raschen Beitritt zur NATO. Trotz der UnterstĂŒtzung der USA wurde auf der Bukarester NATO-Ratstagung im April 2008 kein formaler Beschluss ĂŒber einen sofortigen Beitrittsstatus fĂŒr die Ukraine gefasst, was letztlich einer Ablehnung des Beitrittswunsches gleichkam.

Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen 2010 sprachen sich die vier fĂŒhrenden Kandidaten Wiktor Janukowytsch, Julija Tymoschenko, Serhij Tihipko und Arsenij Jazenjuk fĂŒr die EinfĂŒhrung „europĂ€ischer Standards“ in der Ukraine aus. Sie standen damit alle fĂŒr eine schrittweise AnnĂ€herung an die EU und gleichzeitige strategische und gutnachbarschaftliche Beziehungen mit Russland.

Der neu gewĂ€hlte PrĂ€sident Janukowytsch erklĂ€rte nach seinem Amtsantritt im Februar 2010, die Ukraine wolle ein blockfreies Land sein und verstehe sich als „eine BrĂŒcke zwischen Russland und der EU“. Einer NATO-Mitgliedschaft erteilte er eine klare Absage. Janukowytsch hielt ein geplantes Assoziierungsabkommen mit der EU zurĂŒck und versuchte sich enger an Russland zu binden. Am 8. Juni 2017 hatte das ukrainische Parlament die NATO-Mitgliedschaft wieder als außenpolitisches Ziel bestimmt. Der ukrainisch-russische Vertrag ĂŒber Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft wurde am 1. Juni 1997 unterzeichnet, jedoch erst im April 1999 von den Parlamenten ratifiziert. Er sollte gemĂ€ĂŸ ukrainischen Verlautbarungen im September 2018 beim Auslaufen am 1. April 2019 von der Ukraine nicht verlĂ€ngert werden.

Im Februar 2019 wurde das Ziel eines NATO- sowie eines EU-Beitritts in der Verfassung festgeschrieben.

Geopolitische Bedeutung der Ukraine

Die Ukraine in der US-Geostrategie von Zbigniew BrzeziƄski

Zbigniew BrzeziƄski prĂ€sentierte 1997 in seinem Werk Die einzige Weltmacht eine Geostrategie fĂŒr die USA. Die Strategie zielte darauf ab, zunĂ€chst die globale Vormachtstellung der USA vor einem möglichen eurasischen Gegengewicht zu sichern und auf lange Sicht eine neue kooperative globale Ordnung zu etablieren. Laut BrzeziƄski kam es darauf an, wichtige geostrategische Akteure in Eurasien zu bestimmen und diese im US-Interesse zu handhaben. Er hielt die Russische Föderation fĂŒr einen bedeutenden Akteur in Eurasien. Er betrachtete die Ukraine als geopolitischen „Dreh- und Angelpunkt“,

Die USA sollten darauf hinarbeiten, dass die Russische Föderation nicht imperialistisch agiert, sondern sich wandelt und sich schließlich fĂŒr die USA und Europa entscheidet, auch wenn die NATO und die EuropĂ€ische Union expandieren. Um die Russische Föderation dazu zu bringen, sollte der Westen einerseits versuchen, enger mit der Russischen Föderation zu kooperieren, und andererseits die neuen post-sowjetischen Staaten unterstĂŒtzen. BrzeziƄski schĂ€tzte, der Westen werde zwischen 2005 und 2015 damit beginnen können, auch die Ukraine schrittweise in die NATO und in die EU zu integrieren. Er rechnete damit, dass die Russische Föderation diesen Schritt nur schwer akzeptieren wird. Allerdings erblickte er darin den PrĂŒfstein, ob die Russische Föderation sich neu bestimmt und sich fĂŒr Europa oder fĂŒr eine eurasische Außenseiterrolle entscheidet. Sollte der Westen keine guten Beziehungen zur Russischen Föderation eingehen können, so empfahl BrzeziƄski, dass der Westen auch dann die Ukraine in seine BĂŒndnisse eingliedern sollte, um einen gefĂ€hrlichen russischen Imperialismus einzudĂ€mmen.

Stromintegration in die EuropÀische Union

Im Jahr 2000 begannen die EuropĂ€ische Union und die Russische Föderation einen Dialog darĂŒber, das kontinentaleuropĂ€ische Netz und das IPS/UPS-Netz miteinander zu verbinden, um einen gemeinsamen Energieraum von Wladiwostok bis Lissabon zu schaffen. Allerdings scheiterte dieses Projekt aus mehreren GrĂŒnden. Stattdessen konkurrierten die EuropĂ€ische Union und die Russische Föderation um osteuropĂ€ische Staaten, wie im Falle der Ukraine.

Einerseits wurden 2008 die politischen Beziehungen zwischen der Ukraine und der Russischen Föderation sehr schlecht, so dass sie den Transit russischen Stroms durch ukrainisches Territorium gefĂ€hrdeten. Andererseits arbeiteten die EuropĂ€ische Union und die Ukraine seit 2005 darauf hin, die Ukraine in europĂ€ische EnergiemĂ€rkte bzw. -systeme zu integrieren. 2017 bestimmten Vertreter von ENTSO-E, des ukrainischen Netzbetreibers Ukrenerho und von moldawischer Seite Moldelectrica technische Schritte, um das ukrainische Stromnetz mit dem kontinentaleuropĂ€ischen Netz zu synchronisieren. Vor dem Hintergrund russischer Aggressionen, der Energiesicherheit Europas und des Klimawandels sicherten die USA und die Bundesrepublik Deutschland 2021 zu, der Ukraine dabei zu helfen, ihren grĂŒnen Energie-Sektor auszubauen. In diesem Zusammenhang versprach die Bundesrepublik Deutschland auch, die Ukraine bei der Synchronisierung zu unterstĂŒtzen.

Die ukrainische Regierung unter Denys Schmyhal strebte an, 2021/22 das ukrainische vom russischen Stromnetz zu lösen und bis 2023 mit dem kontinentaleuropĂ€ischen Netz zu synchronisieren. Die ukrainische Seite erwartete davon höhere Energiesicherheit, geringere Kosten und Treibhausgasemissionen sowie eine tiefere Verbindung mit der EuropĂ€ischen Union. Mit Blick auf das Ziel, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen, betrachtete die EuropĂ€ische Union die Ukraine als möglichen Anbieter von Ökostrom und Wasserstoff.

Die geplante Synchronisierung war geopolitisch brisant. Sie implizierte die Zunahme des europĂ€ischen bzw. die Abnahme des russischen Einflusses. Zudem war die Stromversorgung der Ukraine in mehreren Hinsichten von EnergietrĂ€gern aus der Russischen Föderation abhĂ€ngig und somit anfĂ€llig fĂŒr russische Gegenreaktionen. Des Weiteren hatte die Russische Föderation 2014 die Krim annektiert und in das russische Stromnetz integriert. Ebenso waren die sogenannten Volksrepubliken Lugansk und Donezk mit dem russischen Stromnetz verbunden. Schließlich war es brisant, parallel zum ukrainischen auch das Netz der Republik Moldau mit dem kontinentaleuropĂ€ischen Netz verbinden zu wollen. Das russische Unternehmen Inter RAO besaß nĂ€mlich einen Kraftwerkspark in Transnistrien, der mit russischem Gas betrieben wurde. Er versorgte einen großen Teil der Republik Moldau mit Strom und leitete Strom auch zur Ukraine. Die Russische Föderation forderte von der Republik Moldau, Schulden fĂŒr russisches Gas in Höhe von etwa sieben Milliarden US-Dollar zu begleichen.

Mitgliedschaften

Zusammenarbeit mit der EU

Die EuropĂ€ische Union hat im Dezember 2004 einen „Aktionsplan“ fĂŒr eine engere Zusammenarbeit mit der Ukraine im Rahmen ihrer sogenannten „Nachbarschaftspolitik“ gebilligt. Als PrioritĂ€ten werden im Aktionsplan unter anderem folgende Punkte genannt:

  • Förderung des Beitritts der Ukraine zur Welthandelsorganisation (WTO); stetiger Abbau von Hemmnissen im bilateralen Handel.
  • Ukrainische Gesetze, Normen und Standards werden schrittweise an die der EU angeglichen.
  • Verhandlungen ĂŒber BeschĂ€ftigungsfragen, zum Beispiel Möglichkeiten fĂŒr BĂŒrger der Ukraine, in der EU zu arbeiten.
  • Verhandlungen ĂŒber Erleichterungen bei der Erteilung von Reisevisa.
  • ErfĂŒllung der Vereinbarungen zwischen der EU und der Ukraine ĂŒber die Schließung des Kernkraftwerkes in Tschernobyl.
  • Verbesserung des Investitionsklimas, unter anderem durch Herstellung diskriminierungsfreier, transparenter Wirtschaftsbedingungen, BĂŒrokratieabbau sowie BekĂ€mpfung von Korruption, Menschenhandel, Folter und Rassismus.

Benita Ferrero-Waldner, EU-Kommissarin fĂŒr auswĂ€rtige Beziehungen und europĂ€ische Nachbarschaftspolitik, nannte darĂŒber hinaus folgende Maßnahmen, um die Wirtschaftsbeziehungen zur Ukraine zu stĂ€rken:

  • Die Einfuhr von Textilien und Stahl aus der Ukraine soll erleichtert werden.
  • Die Vergabe von Krediten der EuropĂ€ischen Investitionsbank an die Ukraine soll erleichtert werden.
  • Die Finanzhilfen fĂŒr eine Angleichung des ukrainischen Rechtssystems an das Rechtssystem der EU sollen erhöht werden.
  • In den Bereichen Energie, Umwelt und Verkehr ist eine engere Zusammenarbeit vorgesehen.

Grundlagen der Beziehungen der Ukraine zur EU sind:

  • der 1994 unterzeichnete Vertrag ĂŒber Partnerschaft und Zusammenarbeit (in Kraft seit 1. MĂ€rz 1998),
  • die vom EuropĂ€ischen Rat am 14. Dezember 1999 in Helsinki verabschiedete „Gemeinsame Strategie EU-Ukraine“,
  • das von der EU-Kommission im MĂ€rz 2003 vorgelegte und von den EU-Mitgliedstaaten gebilligte Konzept fĂŒr eine „EuropĂ€ische Nachbarschaftspolitik“ („GrĂ¶ĂŸeres Europa – Nachbarschaft: ein neuer Rahmen fĂŒr die Beziehungen der EU zu ihren östlichen und sĂŒdlichen Nachbarn“).

Seit 1994 leistet die EU außerdem im Rahmen des TACIS-Programms Beratungs- und Ausstattungshilfe in der Ukraine. Deutschland hat einen Anteil von fast 30 % an der Finanzierung dieses Programms.

Ziel der „EuropĂ€ischen Nachbarschaftspolitik“ der EU ist lediglich eine verstĂ€rkte Zusammenarbeit mit den EU-Nachbarstaaten, die durch „AktionsplĂ€ne“ konkretisiert wird. FĂŒr osteuropĂ€ische Nachbarstaaten wurde bisher neben dem Aktionsplan fĂŒr die Ukraine im Dezember 2004 auch ein Aktionsplan fĂŒr das Nachbarland Moldau beschlossen.

Im Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit soll den Nachbarstaaten langfristig eine Beteiligung am EU-Binnenmarkt und an einigen Gemeinschaftsprogrammen eröffnet werden. Eine Beitrittsperspektive, so EU-Kommissarin Ferrero-Waldner in einem Interview mit der Deutschen Welle am 21. Januar 2005, eröffnet die Nachbarschaftspolitik nicht.

DemgegenĂŒber hat der frĂŒhere ukrainische StaatsprĂ€sident Juschtschenko wiederholt betont, beispielsweise am 25. Januar 2005 vor dem Europarat in Straßburg, er strebe als „strategisches Ziel“ einen Beitritt der Ukraine zur EU an.

Seit Anfang 2008 verhandelte die Ukraine mit der EU ĂŒber ein Assoziierungsabkommen. Diese Verhandlungen verliefen bis zum Ende von Janukowytschs Amtszeit erfolglos.

Am 28. Juni 2014 unterzeichnete die EU mit der Ukraine den wirtschaftlichen Teil eines Assoziierungsabkommen, der auch ein Freihandelsabkommen beinhaltet. Der politische Teil des Abkommens wurde bereits im MĂ€rz 2014 unterzeichnet.

Im Herbst 2018 stimmte das ukrainische Parlament fĂŒr die Verankerung des Ziels des EU-Beitritts in der Verfassung. Das Verfassungsgericht sollte die Änderung danach prĂŒfen, zu einem Zeitpunkt, als in der Bevölkerung gemĂ€ĂŸ Umfragen 58 Prozent der Befragten mit diesem Ziel ĂŒbereinstimmten. Am 7. Februar wurde dieses Ziel, zusammen mit jenem des NATO-Beitritts, festgeschrieben.

Sicherheitspolitik

Justiz und Polizei

Die Rechtsprechung ist den Gerichten der Ukraine anvertraut. Sie sind zwar von Verfassungs wegen formal unabhĂ€ngig, praktisch ist die Trennung zwischen Rechtsprechung und Politik und Wirtschaftsinteressen aber nur schwach ausgeprĂ€gt. Die Rechtsprechung der Ukraine gilt als sehr korruptionsanfĂ€llig. So wurde der PrĂ€sident des obersten ukrainischen Gerichtshofs im Mai 2023 festgenommen, nachdem er Bestechungsgeld in Höhe von drei Millionen US-Dollar angenommen hatte. Es besteht im Grundsatz ein Einheitsprinzip hinsichtlich der Einteilung der Rechtsprechungsgewalt: Die Gerichte sind grundsĂ€tzlich fĂŒr alle gerichtlichen Verfahren zustĂ€ndig, unabhĂ€ngig von der zu behandelnden Materie. Die Gerichtsbarkeit verfĂŒgt ĂŒber vier Instanzen: Lokalgerichte, Regionalgerichte, Berufungsgerichte und dem Obersten Gerichtshof der Ukraine als Revisionsgericht. Außer bei den Lokalgerichten bestehen eigene Kammern fĂŒr Verwaltungs- und Handelssachen.

Die Verfassungsgerichtsbarkeit wird vom Verfassungsgericht der Ukraine (ukrainisch ĐšĐŸĐœŃŃ‚ĐžŃ‚ŃƒŃ†Ń–ĐčĐœĐžĐč ХуЎ ĐŁĐșŃ€Đ°Ń—ĐœĐž Konstitycijnyj Sud Ukraijny) wahrgenommen. Dieses hat die alleinige Verwerfungskompetenz fĂŒr Gesetze, entscheidet ĂŒber die Auslegung der Verfassung und wirkt bei der Amtsenthebung des PrĂ€sidenten und der Auflösung des Lokalparlaments der Krim mit.

FĂŒr die Strafverfolgung ist ein (politischer) Generalstaatsanwalt (ukrainisch Đ“Đ”ĐœĐ”Ń€Đ°Đ»ŃŒĐœĐžĐč ĐżŃ€ĐŸĐșŃƒŃ€ĐŸŃ€ ĐŁĐșŃ€Đ°Ń—ĐœĐž Heneralyj Prokuror Ukraijny) nach sowjetischem Vorbild zustĂ€ndig, der den lokalen StaatsanwĂ€lten vorsteht. Seine Kompetenzen sind unmittelbar von der Verfassung bestimmt.

Sowohl die ukrainische Polizei (frĂŒher „Miliz“ genannt) als auch die Justiz gelten als korrupt. Im Juni 2014 beschloss die EU, eine 40 Mitarbeiter umfassende Mission zur Durchsetzung des Rechts und zur UnterstĂŒtzung der ukrainischen Polizei nach Kiew zu entsenden.

MilitÀr und Kriegszustand

Die ukrainischen StreitkrÀfte gliedern sich in das Heer, Luftwaffe und Marine inklusive Marineinfanteristen. In der Ukraine existiert eine Wehrpflicht.

Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj hat nach der in der Nacht zum 24. Februar 2022 erfolgten Invasion der Ukraine durch Truppen der Russischen Föderation den Kriegszustand sowie das Kriegsrecht ausgerufen. Das Land befindet sich seither im Krieg mit Russland.

Im Sommer 2022 wurde die TruppenstĂ€rke der Ukraine auf ca. 500.000 Soldaten geschĂ€tzt. Im Jahr 2024 soll die TruppenstĂ€rke der Ukraine mittlerweile ca. 900.000 Soldaten betragen. Damit war die Ukraine das Land mit der nach TruppenstĂ€rke sechstgrĂ¶ĂŸten Armee der Welt. Deutlich mehr Soldaten haben aktuell nur China, die USA, Indien, Russland und Nordkorea. Beim internationalen Vergleich und bei der Bewertung der militĂ€rischen StĂ€rke ist allerdings zu berĂŒcksichtigen, dass sich die Ukraine derzeit im Kriegszustand (inklusive Mobilisierung von Reservisten) befindet und weitgehend von den Waffenlieferungen sowie der sonstigen MilitĂ€rhilfe westlicher Staaten abhĂ€ngig ist.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 31,6 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 29,8 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 6,5 % des Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Betrug die Staatsverschuldung im Jahr 2009 insgesamt 35,1 Mrd. US-Dollar oder 30,0 % des BIP erhöhte sich diese in den 2010er Jahren auf ĂŒber 70 % des BIP, ehe sie in den ersten Jahren des 2020er Jahrzehnts auf unter 50 % des BIP gesenkt werden konnte.

Bis zum Jahr 2014 stieg die Verschuldung der Ukraine gegenĂŒber dem Ausland auf ca. 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Januar 2015 lag immer noch kein konsistenter Haushaltsplan fĂŒr das laufende Jahr vor. In einem im Januar 2015 veröffentlichten Plan sollte, wenn Russland einen frĂŒher gewĂ€hrten Kredit in Höhe von 3 Milliarden Euro an die Ukraine wegen Verletzung der Vertragsbedingungen, in denen eine Verschuldungsobergrenze von 60 Prozent des BIP festgeschrieben war, fĂ€llig stelle, der Paris Club diese Zahlungsverpflichtung ĂŒbernehmen, um einen generellen Default und einen Kapitalverlust privater GlĂ€ubiger zu verhindern. Die zur Vermeidung eines finanziellen Zusammenbruchs der Ukraine notwendigen Sofortzahlungen, die vom IWF auf 15 Milliarden Dollar geschĂ€tzt werden, seien bei weitem nicht ausreichend. Vor dem Hintergrund der drohenden ZahlungsausfĂ€lle verhandelte George Soros, dessen Fonds stark in der Ukraine investiert ist, in Kiew am 13. Januar 2015 mit Politikern und Parlamentariern u. a. ĂŒber die GrĂŒndung eines staatlichen Fonds zur Absicherung privater Investoren.

Die Auslandsverschuldung sank in den Jahren vor 2022 von ĂŒber 100 Prozent des BIP auf knapp ĂŒber 50 Prozent.

Menschenrechte

Human Rights Watch kritisiert die Verurteilung der frĂŒheren MinisterprĂ€sidentin Julija Tymoschenko und fordert eine Untersuchung von mutmaßlichen Misshandlungen im GefĂ€ngnis.

Im Ukrainekonflikt ab 2014 warf Amnesty International sowohl den bewaffneten Separatisten in der Ostukraine als auch Regierungssoldaten „gravierende Menschenrechtsverletzungen“ vor. Aktivisten, Demonstranten und Geiseln, die einer der Konfliktparteien in die HĂ€nde gerieten, seien misshandelt worden. Laut Amnesty International nahmen vor allem die Separatisten zahlreiche Geiseln, die „oft brutal geschlagen und gefoltert“ wurden. Es sei von Hunderten EntfĂŒhrungen in der Ostukraine auszugehen. Opfer seien oftmals Zivilisten. Die Erpressung von Lösegeld sei ebenfalls ein Motiv der separatistischen Gruppen. Die Vereinten Nationen kritisierte die Menschenrechtslage sowohl unter der ukrainischen Regierung als auch in den Separatistengebieten.

Aufgrund der ausstehenden Reformen zur Verbesserung der Rechtsstaatlichkeit hatte der IWF 2017 Hilfskredite eingestellt. Dank der Marktöffnung konnte die frĂŒhere notorische Korruption beim Gashandel ausgetrocknet werden. Der Missbrauch von Banken durch Oligarchen war durch die Notenbank, welche die HĂ€lfte aller Banken geschlossen hatte, eingeschrĂ€nkt worden, womit gemĂ€ĂŸ Ivan MikloĆĄ die noch nicht privatisierten Staatsbetriebe den grĂ¶ĂŸten Herd von Korruption darstellten. Ein neues SteuerrĂŒckerstattungs-System verringerte die Korruptionsmöglichkeiten von Beamten. Durch Betrug beim Zoll verliere der Staat zudem mehrere Milliarden Dollar Einnahmen pro Jahr.

Wirtschaft

Laut Angaben der Weltbank lag die Gesamtzahl der ArbeitskrÀfte im Jahr 1992 bei rund 24,3 Millionen und fiel im Wesentlichen kontinuierlich bis auf 20,3 Millionen im Jahr 2021. Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2021 bei 9,8 %. Der Anteil der in der Landwirtschaft Arbeitenden an der Anzahl aller beschÀftigten ArbeitskrÀfte lag zu Beginn der 2000er Jahre bei etwa 27 % und sank seitdem auf rund 14 % im Jahr 2019. Im Falle der in der Industrie TÀtigen lag der entsprechende Wert im Jahr 1991 bei etwa 29,5 %, nahm danach ab und schwankte seit Anfang der 2000er Jahre bis 2019 zwischen rund 24,5 % und 26 %. Der entsprechende Anteil der Dienstleister stieg kontinuierlich von etwa 46 % im Jahr 1991 auf rund 61 % im Jahr 2019.

Der Anteil der Schattenwirtschaft am offiziellen Bruttoinlandsprodukt schwankte von 2009 bis 2016 zwischen 34 % und 43 %. Von 2004 bis 2016 war rund ein FĂŒnftel bis ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung im informellen Sektor tĂ€tig.

In den Jahren 2019 bis 2021 waren die zehn wichtigsten Exportwarengruppen Mais, Sonnenblumensamen und pflanzliche Öle, Eisenerz und angereicherte Erze, Weizen, halbfertige Fabrikate aus Eisen oder nicht-legiertem Stahl, gewalzte GĂŒter aus Eisen oder nicht-legiertem Stahl, isolierte Kabel und DrĂ€hte, Rapssamen, Ölkuchen sowie Roh- und Spiegeleisen. In demselben Zeitraum importierte die Ukraine vor allem aufbereitetes Erdöl, motorisierte Fahrzeuge, Gas, Kohle, Medikamente, ElektrogerĂ€te, Pestizide, DĂŒngemittel, EDV-GerĂ€te und Traktoren.

Im Jahr 2021 war Europa der grĂ¶ĂŸte Handelspartner der Ukraine hinsichtlich der Handelsbilanz, wobei die Ukraine gegenĂŒber Europa ein Defizit von 9,2 Mrd. US-Dollar verzeichnete. Im vorherigen Jahrzehnt hatte sich die Außenhandelsstruktur der Ukraine geĂ€ndert. Die Ukraine handelte vor allem ab 2013 zunehmend mit Staaten der EuropĂ€ischen Union und weniger mit der Russischen Föderation. Die Ukraine und die Russische Föderation beschrĂ€nkten gesetzlich den Handel zwischen einander, wĂ€hrend die Ukraine und die EuropĂ€ische Union ihre Handelsbeziehungen zueinander liberalisierten. So hatte zwar die Ukraine mit der Russischen Föderation im Jahr 2011 ein Freihandelsabkommen geschlossen, aber zum ersten Januar 2016 setzte der Moskauer Kreml das Abkommen aus. Grund war gemĂ€ĂŸ russischen Angaben das Inkrafttreten des Freihandelsabkommens mit der EU.

Im Jahr 2020 lag der Anteil der Dienstleistungen aus dem Bereich Telekommunikation, Computer und Informationsdienste bei rund einem Drittel aller exportierten Dienstleistungen und kam auf etwa 5,2 Mrd. US-Dollar. Etwa ein weiteres Drittel bzw. rund 5 Mrd. US-Dollar entfielen auf den Bereich Transportdienste. 2020 importierte die Ukraine Dienstleistungen vor allem aus dem Bereich Reisen und Transport, die jeweils auf 42,4 % bzw. 16,5 % aller importierten Dienstleistungen kamen.

Zwischen 2004 und 2012 Ă€nderte sich die Struktur der auslĂ€ndischen Direktinvestitionen. Von 2004 bis 2010 ĂŒberwog der Anteil von westlichen Staaten wie der Bundesrepublik Deutschland, Österreich, dem Vereinigten Königreich und Frankreich. Danach dominierten Staaten wie Zypern, die Niederlande, die Britischen Jungferninseln und die Russische Föderation. Die Investitionen aus dieser Gruppe stellten nicht immer auslĂ€ndische Investitionen im strengen Sinne dar, da sie teils von ukrainischen Oligarchen und deren Offshore-GeschĂ€ften herrĂŒhrten.

Das Weltwirtschaftsforum schĂ€tzt in seinem Global Competitiveness Report 2017/18, in dem es die WettbewerbsfĂ€higkeit einer Volkswirtschaft bewertet, dass die Ukraine auf Platz 81 von insgesamt 137 Staaten liege. Der Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit 2024 des Landes war der höchste von 176 LĂ€ndern.

Außenhandel

Entwicklung des Außenhandels (GTAI)

Haupthandelspartner der Ukraine (2021), Quelle: GTAI

Lebensstandard

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zĂ€hlt die Ukraine zu den Staaten mit sehr hoher menschlicher Entwicklung. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf nach KaufkraftparitĂ€ten halbierte sich in den 1990er Jahren und stieg seit 1999 von 3894 auf 14.289 internationale Dollar im Jahr 2021, dabei gab es EinbrĂŒche in den Jahren 2009, 2014/15 und 2020. 2022 betrug das Bruttoinlandsprodukt noch 12.671 internationale Dollar je Kopf. In dieser Hinsicht blieb die ukrainische Volkswirtschaft seit Mitte der 1990er Jahre hinter Belarus, der Russischen Föderation und RumĂ€nien zurĂŒck.

Der GINI-Index lag 1995 bei 39,3 und sank bis auf 24 im Jahr 2014. Danach stieg er im Wesentlichen bis auf 25,6 im Jahr 2020. Von 2002 bis 2020 war der ukrainische Wert geringer als im Falle der Vereinigten Staaten von Amerika, der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland. Allerdings sagt der GINI-Index im Falle einer Volkswirtschaft mit großer Schattenwirtschaft weniger aus, da er auf der Grundlage offizieller Einkommensstatistiken berechnet wird.

Der monatliche Mindestlohn stieg von umgerechnet 30 Euro im Jahr 2002 auf 109 Euro im Jahr 2013. Nach Absinken stieg er seit 2017 wieder an und lag 2019 bei 136 Euro. Der monatliche Durchschnittslohn lag im Jahr 2002 bei umgerechnet 75 Euro und stieg bis auf 308 Euro im Jahr 2013. Danach sank er bis einschließlich 2015 und erreichte 276 Euro im Jahr 2018. Gemessen in der einheimischen WĂ€hrung Hrywnja hingegen stieg er von 442 im Jahr 2002 kontinuierlich bis auf 10.783 im Juni 2019. Im Jahr 2012 hatte Kiew bei einem Stundenlohn von 2,20 Euro den niedrigsten Stundenlohn und mit 17,6 % die mit Abstand niedrigste Kaufkraft aller europĂ€ischen HauptstĂ€dte. Innerhalb des Landes war das Gehalt tendenziell höher, je östlicher die Region lag – mit der Spitze in der Oblast Donezk und dem Schlusslicht Oblast Ternopil im Westen.

Laut Sozialministerium lag das Rentenniveau im Jahr 2017 bei 34 %, was im internationalen Vergleich sehr niedrig war. Auf lange Sicht stieg die Durchschnittsrente von monatlich 24 Euro im Jahr 2002 bis auf 139 Euro pro Monat im Jahr 2013. Danach sank sie und lag im MĂ€rz 2019 bei ca. 99 Euro. Im Jahr 2019 betrug die Mindestrente fĂŒr diejenigen, die die Mindestversicherungszeit nachweisen konnten, etwa 40 % des Mindestlohns. Langfristige Probleme sind, dass die Bevölkerung schrumpft und im Schnitt Ă€lter wird. Zudem schreibt die Rentenkasse seit 2004 rote Zahlen und der Staat finanziert sie aus dem Staatshaushalt.

Der Verbraucherpreisindex fĂŒr öffentliche Versorgungsleistungen wie Wasser, Strom und Gas sowie fĂŒr Lebensmittel stieg von 2014 bis 2019 stark an. Die Regierung vereinbarte mit dem Internationalen WĂ€hrungsfonds, die Energiepreise zu erhöhen, damit der ukrainische Staat die Energieunternehmen weniger subventionierte und die Korruptionsmöglichkeiten im Energie-Sektor reduzierte. Die Regierung versuchte, Menschen mit geringem Einkommen mittels hoher staatlicher ZuschĂŒsse fĂŒr die steigenden Nebenkosten und einer Anhebung des Mindestlohns im Jahr 2017 zu unterstĂŒtzen.

Viele Land- und einige Stadtbewohner betreiben Subsistenzwirtschaft, um sich mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Das hilft ihnen dabei, wirtschaftlich schlechte Zeiten zu ĂŒberstehen, wie es etwa in den 1990er Jahren oder in der Krisenzeit 2014/2015 der Fall war. Dabei versorgten sich einige Landbewohner sogar hauptsĂ€chlich auf diese Art mit Nahrungsmitteln.

Die Hyperinflation von 1993/94 war einer der GrĂŒnde dafĂŒr, dass viele Menschen in der Ukraine den Banken und der einheimischen WĂ€hrung misstrauten: Seit den 1990er Jahren ist ein Großteil der Depositen und Kredite in harten FremdwĂ€hrungen denominiert, vor allem in US-Dollar.

Im Zuge des Krieges mit der Russischen Föderation, der im Februar 2022 begann, verloren mehrere Millionen von BinnenflĂŒchtlingen ihr Vermögen und Arbeitsmöglichkeiten. Sie waren auf staatliche UnterstĂŒtzung und Hilfe aus dem Ausland angewiesen.

Wirtschaftliche Entwicklung

Transformation

Schon in der ukrainischen Teilrepublik der UdSSR gab es privatwirtschaftliche Akteure. Allerdings agierten sie illegal in der Schattenwirtschaft. Ende der 1980er Jahre erlaubte der Staat kleine private Unternehmen und Genossenschaften. 1990 verabschiedete das ukrainische Parlament ein Gesetz ĂŒber die wirtschaftliche Autonomie der ukrainischen Republik. Es umfasste Privatbesitz wie auch Wettbewerb und legte das Fundament fĂŒr die Privatisierung der Volkswirtschaft in den 1990er Jahren.

WĂ€hrend der Staat im Jahre 1991 einen Anteil von 100 % am Bruttoinlandsprodukt hatte, sank dieser Wert und lag 2020 bei unter 10 %. Bis 2005 wurden ca. 85 % der staatlichen Wohnungen (ca. 5,9 Millionen Einheiten) privatisiert. Zwar privatisierte der Staat bereits in den 1990er Jahren Agrarland, aber 2001 beschrĂ€nkte er den Handel damit. Erst 2020 verabschiedete das Parlament ein Gesetz, dass den BodeneigentĂŒmern vollere Rechte einrĂ€umte und den Handel mit ukrainischem Agrarland legalisierte (Siehe auch: Aneignung von Agrarland). Bis 1999 wurden fast alle kleinen Unternehmen des Staates bzw. der Kommunen privatisiert. Dennoch besaß der Staat im Jahr 2020 ĂŒber 3300 Unternehmen, was im internationalen Vergleich sehr hoch war. Unter PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hielt die Regierung an der Privatisierungspolitik fest und setzte sich das Ziel, rund 600 Unternehmen zu behalten. In den traditionellen Industriezweigen der Ukraine (Energieproduktion, Metallurgie, Maschinenbau) dominierten im Jahr 2020 private Unternehmen.

Die Privatisierung fĂŒhrte zu einer hohen Konzentration. Um 2007 erwirtschafteten die 75 grĂ¶ĂŸten ukrainischen Unternehmen ĂŒber zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes. Im Zuge der Konzernbildung entstanden sogenannte Finanz-Industrielle Gruppen. Diese Gruppen haben jeweils eigene Banken oder Versicherungsgesellschaften und ihr Aktienkapital ist hoch konzentriert. Zudem ist die Beziehung zwischen Unternehmen und AktionĂ€ren intransparent. Sie integrieren eher selten horizontal oder vertikal, sondern gemischte Holdings bzw. Konglomerate fusionieren miteinander. Die zentrale Instanz, die etwas entscheidet, ist nicht in den Finanzinstitutionen, sondern in den industriellen Unternehmen.

Die Art und Weise, wie der Staat die Privatisierung durchfĂŒhrte, begĂŒnstigte, dass einige Akteure den Prozess nutzen konnten, um sich zu bereichern, und zu Oligarchen wurden. Nachdem bereits im Zuge der Perestroika einige Mitglieder der kommunistischen FĂŒhrungsschicht Kapital angehĂ€uft hatten, nutzten sie es in den 1990er Jahren, um sich Staatsunternehmen relativ gĂŒnstig anzueignen. Unter PrĂ€sident Leonid Kutschma festigte sich ein System oligarchischer GeschĂ€ftsgruppen bzw. Klans. In den 2000er Jahren beeinflussten sie zu ihren Gunsten die Auktionen, auf denen der Staat einige seiner großen Unternehmen privatisierte. Oligarchen wurden in vielen Wirtschaftsbereichen aktiv. Indem sie sich Staatseigentum aneigneten, erhöhten sie in einigen Sektoren das Niveau der Konzentration, wie zum Beispiel im Energiesektor. 2010 besaßen vier finanz-industrielle Gruppen, die Oligarchen gehörten, etwa ein Viertel der grĂ¶ĂŸten ukrainischen Unternehmen. Die Oligarchen weiteten ihren Einfluss ĂŒber die Wirtschaft hinaus auf das politische Geschehen aus wie auch auf weitere gesellschaftliche Bereiche, wie etwa Kultur und Sport. Oligarchen beeinflussten entscheidend den institutionellen Wandel und viele Klans unterstĂŒtzen die Orangene Revolution. Aus wirtschaftlichen Motiven heraus interessierten sie sich dafĂŒr, die Ukraine an die EuropĂ€ische Union anzunĂ€hern: Institutionen nach westlichem Vorbild boten mehr als die ukrainischen Strukturen die Möglichkeit, Vermögen zu schĂŒtzen, und zudem stellte die EuropĂ€ische Union sich als attraktiver Exportmarkt dar.

Wachstum und Krisen

Zwar halfen die Weltbank und der Internationale WÀhrungsfonds der ukrainischen Regierung bei der wirtschaftlichen Transformation, aber es kam in den 1990er Jahren dazu, dass im Vergleich zu anderen Staaten das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stark sank und die Inflation stark anstieg. Die ukrainische Volkswirtschaft erholte sich im Vergleich zu anderen TransformationslÀndern sehr langsam von dem Wandel zur Marktwirtschaft. Laut SchÀtzungen der Weltbank erreichte die ukrainische Volkswirtschaft im Jahr 2020 noch nicht das Niveau, welches das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im Jahr 1990 hatte, obgleich seitdem die Bevölkerung um etwa 10 Millionen Menschen abgenommen hatte.

Von 2000 bis 2008 stieg jedes Jahr das Bruttoinlandsprodukt. Die ukrainischen Exporteure und vor allem die Metallproduzenten konnten viel Vermögen akkumulieren. Zwar war ihre Technologie veraltet, aber sie profitierten von steuerlichen Entlastungen, steigenden Warenpreisen auf dem Weltmarkt, niedrigen Gaspreisen und geringen Lohnkosten. Vor allem aus Orten wie Zypern oder den Britischen Jungferninseln stiegen die auslÀndischen Direktinvestitionen, wobei es sich dabei um Gelder handelte, die Ukrainer auf Offshore-Konten akkumuliert hatten. In den 2000er Jahren kamen auch viele auslÀndische Banken in die Ukraine, um dort von den relativ hohen ZinssÀtzen zu profitieren. Die Arbeitslosigkeit war gering und die Reallöhne stiegen.

Im Zuge der Weltfinanzkrise sank das Bruttoinlandsprodukt der Ukraine im Jahr 2009 um etwa 14 % und damit stĂ€rker als in der Russischen Föderation oder in Belarus. Die Wirtschaftsleistung hing sehr vom Außenhandel bzw. von der Stahlindustrie ab, auf die etwa 30–40 % der Exporte entfielen. Zwar hatte die globale Stahlindustrie bis 2008 von der steigenden Nachfrage profitiert und ihre KapazitĂ€ten erweitert, aber durch die Krise sank die Nachfrage. Die globale Stahlproduktion ging zunĂ€chst zurĂŒck und in den Folgejahren konnte die Industrie ihre KapazitĂ€ten nicht genug auslasten. In den Jahren 2008 und 2009 produzierte auch die ukrainische Stahlindustrie deutlich weniger. Die Industrieproduktion brach ein. Die Arbeitslosigkeit stieg und die Reallöhne sanken. Der Bankensektor insgesamt machte in den Jahren 2009 und 2010 Verluste. Die Banken hatten das Kreditvolumen im VerhĂ€ltnis zum Bruttoinlandsprodukt und zu ihren Einlagen stark ausgeweitet. Sie hatten dazu tendiert, Kredite bei europĂ€ischen Banken aufzunehmen und das Geld in der Ukraine gewinnbringend zu verleihen. Im Jahr 2008 fiel es jedoch vielen ukrainischen Banken schwer, Geld zurĂŒckzuzahlen. Meist war ihr Eigenkapital gering und Kredite aus Europa fielen aus. Die Nationalbank musste einige Großbanken finanziell stĂŒtzen und kontrollieren. Viele Menschen misstrauten der eigenen LandeswĂ€hrung und tauschten ihr Guthaben in US-Dollar oder Euro um. Die Nationalbank versuchte, den Wechselkurs der LandeswĂ€hrung zum US-Dollar zu stabilisieren. Er fiel jedoch Ende 2008. Der ukrainische Aktienmarkt brach 2008 zusammen. Allerdings war er relativ klein und unbedeutend fĂŒr die ukrainische Volkswirtschaft.

Um die ZahlungsunfĂ€higkeit abzuwenden, bat die ukrainische Regierung den Internationalen WĂ€hrungsfonds um Hilfe. Ende 2008 sagte er zu, unter bestimmten Bedingungen schrittweise einen Kredit in Höhe von insgesamt 16,4 Mrd. US-Dollar zu geben. Da das Parlament und der PrĂ€sident beschlossen, den Staatshaushalt nicht stark genug zu kĂŒrzen, und stattdessen die Mindestlöhne und Sozialleistungen erhöhen wollten, gewĂ€hrte der Fonds nur eine Teilsumme von 11 Mrd. US-Dollar und zahlte die letzte Tranche nicht aus. Stattdessen fror der Fonds den Kredit ein und vereinbarte mit der Ukraine einen neuen Kredit. Da der ukrainische Staat Geld brauchte, arbeitete er auch weiterhin mit dem Fonds zusammen, obgleich verschiedene politische Lager anders mit dem Fonds kooperierten. Der ukrainische Staat wurde zu einem der Staaten, denen der Fonds am meisten half.

Noch 2013 lag das reale Bruttoinlandsprodukt unter dem Stand von 2008. Zwar erholte sich die ukrainische Volkswirtschaft in den Jahren 2010 und 2011, aber 2012 stagnierte sie und geriet in eine Rezession. Die ukrainische Stahlindustrie konnte nicht mehr so viel exportieren, da die Stahlpreise niedrig waren, und die Maschinenbauer litten unter dem langsamen Wachstum der russischen Volkswirtschaft. Die Ukraine verzeichnete seit LĂ€ngerem ein Leistungsbilanzdefizit und brauchte daher externes Kapital. Allerdings hielten sich auslĂ€ndische Investoren zurĂŒck, da das Justizsystem sehr korrupt war und nicht hinreichend Rechtssicherheit gewĂ€hrleistete. Direktinvestitionen aus Westeuropa nahmen ab und westliche Banken zogen sich zunehmend aus der Ukraine zurĂŒck. Letztere traten ihre Marktanteile oft an ukrainische Investoren oder russische Banken ab. Das Leistungsbilanzdefizit wurde auch dadurch verstĂ€rkt, dass die Nationalbank den Wechselkurs der LandeswĂ€hrung zum US-Dollar kĂŒnstlich hoch hielt. Zudem hielt PrĂ€sident Janukowitsch entgegen der Forderung des Internationalen WĂ€hrungsfonds die Gaspreise niedrig, was den Staatshaushalt belastete. Der ukrainische Staat hatte sich ĂŒber die Jahre extern stark verschuldet, wĂ€hrend seine Devisenreserven sanken. Ende 2013 gipfelten die Auslandsschulden des Staates, der Unternehmen und der Banken zusammengenommen in einer Summe von 142 Mrd. US-Dollar. Die ZahlungsfĂ€higkeit des Staates wurde unsicherer. Die Verhandlungen zwischen der Ukraine und der EuropĂ€ischen Union ĂŒber ein Assoziierungsabkommen bargen zusĂ€tzlich die Gefahr, dass der Moskauer Kreml die wirtschaftliche SchwĂ€che der Ukraine nutzte, um die Ukraine zu destabilisieren.

Im Jahr 2014 sank das reale Bruttoinlandsprodukt um 6,6 % und im Folgejahr nochmals um 9,9 %. Die Maidan-Proteste, Russlands Annexion der Krim und der BĂŒrgerkrieg in der Ostukraine wirkten sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine aus. Mit der Krim verlor die Ukraine die Möglichkeit, die Erdgasvorkommen in InselnĂ€he stĂ€rker auszubeuten, um sich selbst besser mit Energie versorgen zu können. Zudem konnte Kiew bedeutsame Unternehmen aus der Energiewirtschaft und der chemischen Industrie nicht mehr kontrollieren. Letzteres galt auch fĂŒr HĂ€fen und wichtige Handelswege, wie die Straße von Kertsch. Dadurch beeintrĂ€chtigte die Russische Föderation in der Folgezeit die ukrainischen Exporte. Der Donbass hatte einen großen Anteil am Bruttoinlandsprodukt (2012: 15,7 %), an der Industrieproduktion (2012: 22 %) und den Exporten (2013: 21,4 %) gehabt. Der Krieg im Osten beschĂ€digte viele Industrie- und Dienstleistungsunternehmen.

Der Außenhandel wandelte sich. In den Jahren 2014 und 2015 ex- und importierte die Ukraine viel weniger. Nahrungsmittel lösten Stahl- und metallurgische Produkte ab und ĂŒbernahmen den grĂ¶ĂŸten Anteil an den Exporten. Obgleich die Russische Föderation der wichtigste Handelspartner blieb, exportierte die Ukraine dorthin deutlich weniger Waren (2011: ca. 20 Mrd. US-Dollar; 2015: ca. 5 Mrd. US-Dollar). Die Importe brachen durch die Rezession noch stĂ€rker ein als die Exporte, auch da die LandeswĂ€hrung abwertete und die Gaspreise sanken. Ebenfalls sanken die physische Menge an Gasimporten und der Energieverbrauch, da die ukrainische Industrie weniger aktiv war und die Ukraine den industrialisierten Donbass wie auch die Krim verlor.

Von 2016 bis 2019 wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt. Die industrielle Produktion verzeichnete bis 2018 wieder leichte positive Wachstumsraten. Metallurgie und Maschinenbau erreichten jedoch nicht mehr ihre frĂŒhere Rolle bei den Exporten. Stattdessen behielt der Agrarsektor den grĂ¶ĂŸten Anteil an den Exporten. Ferner exportierte die Ukraine zunehmend ElektrogerĂ€te. Dabei verlagerte sich der Außenhandel der Ukraine von der Russischen Föderation zur EuropĂ€ischen Union. Im Jahr 2019 war die Russische Föderation nicht mehr der grĂ¶ĂŸte Handelspartner der Ukraine. Die Ukraine importierte Waren vor allem aus der Volksrepublik China, wĂ€hrend Polen der grĂ¶ĂŸte Absatzmarkt ukrainischer Waren war. BezĂŒglich der Importe rĂŒhrte die Verlagerung zur EuropĂ€ischen Union auch daher, dass die Ukraine ab 2016 fĂŒr den Eigenverbrauch kein Gas mehr direkt aus der Russischen Föderation importierte, sondern russisches Gas indirekt aus EU-Staaten einkaufte (Siehe auch: BodenschĂ€tze).

Der Bankensektor wurde durch den Internationalen WĂ€hrungsfonds und die Nationalbank der Ukraine stark verĂ€ndert. Von 2013 bis 2017 nahm die Anzahl operierender Banken stark ab. 2016 wurde die PrivatBank verstaatlicht und durch Steuergelder stabilisiert, wodurch der Anteil des Staates am Bankensektor auf ĂŒber 55 % stieg. Sie war die grĂ¶ĂŸte Bank der Ukraine und zugleich eines der grĂ¶ĂŸten oligarchischen Konglomerate in der GUS. Sie hatte einen großen Teil ihrer Einlagen genutzt, um Unternehmen, die mit Oligarchen verbunden gewesen waren, zu finanzieren (related party lending). Letzteres fĂŒhrte dazu, dass die PrivatBank viele notleidende Kredite verzeichnete. Im Aufsichtsrat traten an die Stelle der Oligarchen vor allem Vertreter der Weltbank, des Internationalen WĂ€hrungsfonds und der EuropĂ€ischen Bank fĂŒr Wiederaufbau und Entwicklung wie auch des Finanzministeriums. Nach vielen Jahren wirtschaftete der Bankensektor 2018 wieder profitabel.

Die Investitionen stiegen 2016 stĂ€rker an, was auch Anlagen und Maschinen betraf. Zudem interessierten sich 2018 Finanzmarktinvestoren und internationale Anleger stĂ€rker fĂŒr ukrainische Anleihen. GrĂ¶ĂŸere auslĂ€ndische Direktinvestitionen hielten sich jedoch in Grenzen.

Durch die COVID-19-Pandemie sank das reale Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 um 3,8 %. Im Folgejahr stieg es um 3,4 %. Von außen unterstĂŒtzten die Weltbank, der Internationale WĂ€hrungsfonds und die EuropĂ€ische Union den ukrainischen Staat finanziell. Angesichts der Pandemie Ă€nderte die Regierung ihren Haushaltsplan und setzte einen großen Teil der Mittel, die fĂŒr andere Bereiche eingeplant waren, dazu ein den Straßenbau zu fördern. Die Regierung hatte bereits im Februar 2020 ein Programm begonnen, in dem sich einige Banken bereit erklĂ€rten, kleinen und mittleren Unternehmen Kredite zu gĂŒnstigeren Konditionen zu geben. Laut Wirtschaftsministerium machten einige Unternehmen bis Ende 2021 davon Gebrauch. Um den Unternehmen dabei zu helfen, die Lohnkosten zu senken, verĂ€nderte die Regierung ab MĂ€rz 2020 das Arbeitsgesetz. Zudem bot die Regierung den pandemiebedingt stillgelegten Unternehmen an, sich an den Lohnkosten zu beteiligen. Allerdings entschieden sich Unternehmer meist zur Entlassung von BeschĂ€ftigten.

Aufgrund der erhöhten Kriegsgefahr im FrĂŒhjahr 2022 stieg die Inflation auf zehn Prozent, weswegen die ukrainische Zentralbank die Leitzinsen auf zehn Prozent erhöhte. Gleichzeitig zogen auslĂ€ndische Investoren massiv Gelder ab. Daraufhin sagte die EU 1,2 Milliarden Euro Soforthilfen und zusĂ€tzliche 120 Millionen Euro in Form von ZuschĂŒssen zu.

Der Krieg schadete der ukrainischen Volkswirtschaft. Im zweiten Quartal 2022 sank das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahreswert um etwa 37,2 %. Der Staat verzeichnete ein höheres Haushaltsdefizit. Er gab mehr fĂŒrs MilitĂ€r aus, was im August 2022 ca. 46 % des Staatshaushaltes ausmachte. Andererseits sanken die Staatseinnahmen. Der Staat war daher abhĂ€ngig von finanzieller UnterstĂŒtzung durch westliche Partner. Zu den Gebern zĂ€hlten vor allem die EuropĂ€ische Union, die USA, der Internationale WĂ€hrungsfonds und die Weltbank (Stand: Ende Oktober 2022). Im Zuge des Krieges wurden viele Produktionsmittel und die Infrastruktur zerstört. Etwa sieben Millionen Menschen flohen aus der Ukraine ins Ausland und ca. sieben Millionen gelten als BinnenflĂŒchtlinge. Das senkte den privaten Verbrauch und das Angebot an ArbeitskrĂ€ften. Dennoch lag im dritten Quartal 2022 die offizielle Arbeitslosenquote bei 34 %. Da die Russische Föderation den Seehandel der Ukraine behinderte, konnte die Ukraine deutlich weniger GĂŒter exportieren. Das ukrainische Handelsdefizit stieg dadurch stark an. Der Bankensektor blieb 2022 relativ stabil. Die Nationalbank der Ukraine gab die Inflationssteuerung auf und fĂŒhrte zu Kriegsbeginn einen festen Wechselkurs zum US-Dollar ein. Zudem fĂŒhrte sie stĂ€rkere Kapitalkontrollen durch, intervenierte am Devisenmarkt und erhöhte den Leitzins im Juni 2022 von 10 % auf 25 % p. a.

Regionale Unterschiede

Als die Ukraine unabhÀngig wurde, unterschieden sich die Regionen in wirtschaftlicher Hinsicht sehr stark voneinander. WÀhrend in den 1990er Jahren der wirtschaftliche Zusammenbruch alle Regionen betraf, so verstÀrkten sich die Unterschiede zwischen den Regionen, als die Wirtschaft wieder wuchs.

Viele westliche, zentrale und sĂŒdliche Regionen waren primĂ€r landwirtschaftlich geprĂ€gt. In der Ostukraine hingegen ĂŒberwogen spezialisierte Industrien. Schließlich gab es fĂŒnf Inseln, die vor allem auf Dienstleistungen ausgerichtet waren. In Kiew und Charkiw waren es Finanz- und Konsumdienstleistungen. In drei sĂŒdlichen Regionen waren es Transportdienste und öffentliche Sozialdienste.

In den ersten zwei Jahrzehnten nach der UnabhĂ€ngigkeit zeichneten sich die eher landwirtschaftlich geprĂ€gten Regionen durch langsames Wachstum und geringe ProduktivitĂ€tszuwĂ€chse aus. Die Arbeitslosigkeit war dauerhaft hoch und die verfĂŒgbaren Einkommen niedrig. Entsprechend musste der Staat sie mit Transferleistungen unterstĂŒtzen. Die Industriezentren im Osten standen in den genannten Hinsichten besser da und wurden zu Nettozahlern an die landwirtschaftlichen Regionen. Die Dienstleistungsregionen verzeichneten ein schnelles Wachstum. Die Arbeitslosigkeit war gering und es entstanden neue ArbeitsplĂ€tze. In den Regionen, in denen Konsum- bzw. Finanzdienstleistungen dominierten, stieg die ProduktivitĂ€t am meisten und die Einkommen waren am höchsten. Wie der industriell geprĂ€gte Osten wurden sie Nettozahler an die wirtschaftlich schwĂ€cheren Regionen. In den Regionen, in denen Transport- und Sozialdienste ĂŒberwogen, stieg die ProduktivitĂ€t wenig. Das Einkommensniveau lag unter dem Durchschnitt und sie waren auf staatliche Transferleistungen angewiesen.

WÀhrend der Wachstumsphase bis 2008 verfolgten die verschiedenen PrÀsidenten unterschiedliche Wachstumsmodelle. Diese legten den Schwerpunkt auf jeweils andere Regionen bzw. Sektoren.

Leonid Kutschma wollte ukrainische Großunternehmer schaffen. Der Staat privatisierte Industrieanlagen, förderte deren Export und die Leistungsbilanz wurde positiv. Kutschma verfolgte einen stabilen Wechselkurs der LandeswĂ€hrung zum US-Dollar, sinkende Zinsen und eine abnehmende Inflation. Der Staatshaushalt war relativ ausgeglichen und die Auslandsverschuldung nahm ab. Mehr Menschen konnten sparen, so dass die Banken diese Mittel an Unternehmen verleihen konnten. Auslandsinvestitionen blieben gering und Unternehmen nahmen relativ wenig Kapital an den KapitalmĂ€rkten auf.

Unter Wiktor Juschtschenko hingegen wurde Kutschmas Wachstumsmodell aufgelöst. Einige privatisierte Unternehmen wurden wieder verstaatlicht und erneut privatisiert, wobei sie auch an nicht-ukrainische Bieter verkauft wurden, wie zum Beispiel das grĂ¶ĂŸte ukrainische Stahlkombinat Kryvorischstal an ArcelorMittal. Der Finanzsektor sollte die Basis des Wirtschaftswachstums sein. Hatte Kutschma die Industrie des Ostens fokussiert, so spielten unter Juschtschenko die Dienstleister in Metropolen und Tourismusgebieten eine grĂ¶ĂŸere Rolle. Zwar erhielt der kreditbasierte private und öffentliche Konsum grĂ¶ĂŸeren Anteil an der Zunahme des Bruttoinlandproduktes, aber die positive Exportbilanz kehrte sich allmĂ€hlich um. Weder der PrĂ€sident noch die Regierung wollte mit Sparmaßnahmen assoziiert werden. Der PrĂ€sident versuchte, den Wechselkurs zu halten, damit dieser den Interessen der ukrainischen Konzerne entsprach, und die Regierung legte wenig Wert auf Haushaltsdisziplin. Sie dehnten staatliche Transferleistungen bis 2009 stetig aus. Diese Entwicklung gipfelte in der Wirtschaftskrise, die 2008 in der Ukraine ankam.

Nachdem die Russische Föderation im Jahr 2014 die Krim annektiert hatte, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Kiew und der Krim, wobei Kiew schließlich die Krim nicht mehr mit Wasser und Strom versorgte. Auf der anderen Seite investierte der Moskauer Kreml massiv in die Infrastruktur der Halbinsel. Das betraf sowohl die Versorgung mit Wasser, Strom und Gas als auch den Bau von Straßen, der KrimbrĂŒcke und die Steigerung der FlugverkehrskapazitĂ€ten in Simferopol. Dabei wurde die Krim zunehmend in russische Infrastrukturnetze integriert, wie zum Beispiel in das russische Stromnetz. Das Bruttoinlandsprodukt der Krim pro Kopf Ă€hnelte dem Niveau der wirtschaftlich schwĂ€chsten russischen Regionen, wie zum Beispiel Tschetschenien. Allerdings plante der Moskauer Kreml, die Krim zu einer wirtschaftlich dynamischen Region zu machen, und legte den Schwerpunkt auf Tourismus, Landwirtschaft und Industrie. Die Ausgaben belasteten jedoch den Staatshaushalt der Russischen Föderation enorm.

Der Teil der Ukraine, der von Kiew kontrolliert wurde, reduzierte ab 2014 den Außenhandel mit der Russischen Föderation. Die selbsternannten Volksrepubliken Lugansk und Donezk nĂ€herten sich in wirtschaftlicher Hinsicht der Russischen Föderation zu. Nachdem ukrainische Rechtsradikale den Handel mit den Volksrepubliken blockiert und die Volksrepubliken sich daraufhin weitere Unternehmen auf ihrem Gebiet angeeignet hatten, verhing Kiew im Jahr 2017 eine offizielle Handelsblockade gegen die Volksrepubliken. Letztere erhielten zur UnterstĂŒtzung Strom- und Gaslieferungen aus der Russischen Föderation. Zudem exportierten die Volksrepubliken mehr Kohle in die Russische Föderation, die ihnen trotz Handelsembargo Zugang zum ukrainischen Markt und zur EuropĂ€ischen Union ermöglichte. Ferner wurde der russische Rubel in den Volksrepubliken wichtiger.

PrimÀrer Sektor

Energie

WĂ€hrend der Staat 1991 alle Energieunternehmen besaß, befand sich 2020 ein bedeutender Teil in Privatbesitz. Im Falle der Privatunternehmen war die Konzentration sehr hoch, wobei transnationale Oligarchen und lokale Wirtschaftseliten den Großteil besaßen. In allen Energie-Sektoren entwickelten sich Korruption und Rent-Seeking.

Seit Anfang der 1990er Jahre bis 2020 sank der PrimĂ€renergieverbrauch der Ukraine. Das lag zunĂ€chst daran, dass die Ukraine nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in eine wirtschaftliche Krise geriet, und 2014 verlor die Ukraine die Krim wie auch die Kontrolle ĂŒber den Donbas samt dessen Industrieproduktion. Bis 2021 beruhte der Energieverbrauch vor allem auf Kohle, Gas und Öl sowie Atomkraft, obgleich der Anteil der erneuerbaren Energiequellen zunahm. 2016 war die ukrainische Volkswirtschaft noch immer relativ energieintensiv und lag deutlich ĂŒber dem OECD-Durchschnitt. WĂ€hrend die EnergieintensitĂ€t sehr hoch war, da die Energie-Infrastruktur alterte und energieintensive Industrien einen großen Teil der Industrieproduktion ausmachten, wurde sie auch ĂŒberschĂ€tzt, da öffentliche Statistiken ĂŒber das Bruttoinlandsprodukt die ausgeprĂ€gte ukrainische Schattenwirtschaft nicht berĂŒcksichtigten.

Der Anteil der ukrainischen Kernenergie an der Stromerzeugung stieg seit Ende der 1980er Jahre und lag 2021 bei ca. 55 %. 2018 betrieb das staatliche Unternehmen Enerhoatom vier Atomkraftwerke, die etwa die HĂ€lfte des Stroms des Landes erzeugten. Die ukrainischen Kraftwerke waren davon abhĂ€ngig, dass die Russische Föderation ihnen Kernbrennstoff lieferte und Lagermöglichkeiten fĂŒr verbrauchten Kernbrennstoff bot. Seit 2014 nutzten ukrainische Kraftwerke auch andere Kernbrennstoffe, wie zum Beispiel von Westinghouse, und es wurden mehr eigene LagerkapazitĂ€ten geschaffen. Zudem vereinbarten Enerhoatom und Westinghouse, gemeinsam weitere Einheiten fĂŒr ukrainische Kraftwerke zu schaffen.

2018 waren erneuerbare Energien vor allem in der Stromerzeugung wichtig. Allerdings spielten sie weder hinsichtlich der WĂ€rmeversorgung von GebĂ€uden und Industrie noch hinsichtlich des Verkehrssektors eine bedeutende Rolle. Ihr Anteil an der Stromerzeugung lag bei ca. 10 %, wobei der Großteil auf die großen Wasserkraftwerke des staatlichen Unternehmens Ukrhydroenergo entfiel. Die DniproHES-Talsperre ist eine der grĂ¶ĂŸten Talsperren Europas. Diese dient auch als Speicherkraftwerk und hat eine elektrische Leistung von 1570 Megawatt. 2020/21 waren die Bedingungen fĂŒr Produzenten grĂŒner Energie schwierig: Zwar nahm der ukrainische Staat als garantierter Abnehmer von den Herstellern grĂŒnen Strom, aber er verschuldete sich ihnen gegenĂŒber bis 2021 auf ca. eine Milliarde Euro.

Die EuropĂ€ische Union betrachtete die Ukraine als strategischen Partner, um die 2019 gesetzten Ziele des Green Deal zu erreichen: Sie hielt die Ukraine fĂŒr eine potentielle Quelle von Ökostrom und Wasserstoff, die zudem in der NĂ€he lag und ĂŒber eine Transportinfrastruktur verfĂŒgte. Im Juli 2020 erklĂ€rte sich die ukrainische Regierung dazu bereit, wesentlich zum Green Deal beizutragen. Allerdings interessierten sich die Menschen in der Ukraine relativ wenig fĂŒr Klimapolitik, und es mangelte an starken staatlichen Institutionen wie auch an dem nötigen Kapital.

Die EuropĂ€ische Union und die Ukraine arbeiteten seit 2005 darauf hin, die Ukraine in die europĂ€ischen EnergiemĂ€rkte und -systeme zu integrieren. 2017 legten der europĂ€ische Verband ENTSO-E, der ukrainische Netzbetreiber Ukrenerho und von moldawischer Seite Moldelectrica technische Schritte fest, um das ukrainische Stromnetz mit dem kontinentaleuropĂ€ischen Netz zu synchronisieren. Die ukrainische Regierung strebte an, das ukrainische Netz 2021/22 vom russischen Netz zu lösen und 2023 mit dem kontinentaleuropĂ€ischen zu verbinden. Dieses Vorhaben war in geopolitischer Hinsicht brisant, da die Russische Föderation die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk, die Krim und primĂ€r ĂŒber Transnistrien auch Moldau mit Strom versorgte. Im MĂ€rz 2022, kurz nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine, wurden die Stromnetze der Ukraine und der Republik Moldau mit denen Westeuropas synchronisiert, nachdem Russland zahlreiche Teile des Stromnetzes in der Ukraine angegriffen hatte.

Energieminister Haluschtschenko sagte am 10. April 2024, dass bis zu 80 Prozent der WĂ€rmekraftwerke angegriffen wurden, mehr als die HĂ€lfte der Wasserkraftwerke und eine große Anzahl von Umspannwerken. Russland betreibe den grĂ¶ĂŸten Angriff auf den Energiesektor der Ukraine seit Kriegsbeginn. Zwei große WĂ€rmekraftwerke wurden zerstört: das Tripyllja-Kraftwerk des Staatsunternehmens Zentrenerho und das WĂ€rmekraftwerk bei Smijiw (Region Charkiw). Im MĂ€rz 2024 setzten Raketentreffer das große Dnipro-Wasserkraftwerk (DniproHES) in Saporischschja außer Betrieb. Die Angriffe zielen vor allem auf die WĂ€rme- und Wasserkraftwerke, weil diese wichtig fĂŒr die NetzstabilitĂ€t sind.

BodenschÀtze

In der Ukraine befinden sich ca. 3 % der weltweit nachgewiesenen Kohlevorkommen. Steinkohle kommt vor allem im Donbas vor und die höherwertige Anthrazitkohle wird nur auf dem Gebiet der sogenannten Volksrepubliken Lugansk und Donezk gefördert. Der Anteil der Kohle am PrimĂ€renergieverbrauch schwankte zwischen 1991 und 2021 zwischen rund 26 % und etwa 36 %. Kohle ist wichtig fĂŒr die Strom- und WĂ€rmeerzeugung und fĂŒr viele Industrien, wie zum Beispiel in der metallurgischen Produktion. Bis 2014 konnte sich die ukrainische Volkswirtschaft selbst mit Kraftwerkskohle versorgen, aber sie wurde zum Nettoimporteur. 2017 begann die Ukraine, den Handel mit den Volksrepubliken zu blockieren. Das war fĂŒr beide Seiten schwierig: WĂ€hrend die Volksrepubliken durch den Kohleexport wichtige Einnahmen erzielt hatten, waren viele ukrainische Kraftwerke fĂŒr Strom- und WĂ€rmeerzeugung wie auch Industrien relativ abhĂ€ngig von Anthrazitkohle. Allerdings exportierten die Volksrepubliken Kohle in die Russische Föderation, wo sie neu etikettiert wurde, um dann als russische Kohle etwa ĂŒber Belarus an die Ukraine oder an EU-Staaten verkauft zu werden.

Die Kohleproduktion sank langfristig seit Ende der 1980er Jahre bis 2020. Bereits von 1991 bis 2013 verloren 88 % aller Kohlekumpel ihre ArbeitsplĂ€tze. Im Zuge des Konfliktes zwischen der Ukraine und der Russischen Föderation wurden seit 2014 viele Bergwerke im Osten beschĂ€digt oder geflutet. Die Kohleproduktion des Donbas nahm deutlich ab. Unter MinisterprĂ€sident Schmyhal erarbeitete das Energieministerium Konzepte fĂŒr einen Strukturwandel. Diese sahen vor, Kohle noch ĂŒber Jahrzehnte zu nutzen, um das Land mit Energie zu versorgen. Die EuropĂ€ische Union und die Bundesrepublik Deutschland boten ihre Hilfe fĂŒr einen Kohleausstieg an. 2018 grĂŒndeten einige KohlestĂ€dte des Donezker Gebiets, Nichtregierungsorganisationen und eine regionale Handelskammer eine regionale Plattform, die auf eigene Initiative versuchte, Konzepte fĂŒr den Strukturwandel zu entwickeln.

Die Ukraine verfĂŒgt ĂŒber reiche Öl- und Gasvorkommen (Gasvorkommen 2019 geschĂ€tzt auf 1,09 Billionen Kubikmeter), die in Europa nur noch von denen Norwegens ĂŒbertroffen werden (1,53 Billionen Kubikmeter Gas). Langfristig sank der Öl- und Gasverbrauch seit Anfang der 1990er Jahre bis 2021 stark ab. Unter Janukowitsch plante die Regierung, russische Gasimporte zu reduzieren und ab 2020 völlig darauf verzichten zu können. Stattdessen sollten die ukrainischen Ressourcen genutzt werden. So wollte die ukrainische Regierung zusammen mit Chevron und Royal Durch Shell in der West- und Ostukraine Schiefergas erschließen und fördern, wĂ€hrend Exxon im Schwarzen Meer aktiv werden sollte. Allerdings stellten alle drei Unternehmen ihre Projekte ein. Auch unter MinisterprĂ€sident Schmyhal verfolgte die ukrainische Regierung das Ziel, in der Gasversorgung autark zu werden, und schloss Production Sharing Agreements. Von 2011 bis 2015 reduzierte die Ukraine ihre direkten Erdgasimporte aus der Russischen Föderation, wĂ€hrend sie 2013 begann, Gas zunehmend aus der EuropĂ€ischen Union zu kaufen. Um ihren eigenen Bedarf zu decken, importiert die Ukraine seit 2016 kein Erdgas mehr auf direktem Wege aus der Russischen Föderation, sondern bezieht Gas grĂ¶ĂŸtenteils aus der Slowakei, Ungarn und Polen. Die Krim und die Volksrepubliken Lugansk und Donezk wurden jedoch durch Gazprom versorgt. Indem die Ukraine als Transitland Gas von der Russischen Föderation gen Europa leitet, erzielt sie bedeutende Einnahmen und ohne den Transit mĂŒsste aus technischen GrĂŒnden das Pipeline-System angepasst werden. Die Ukraine importierte von 2012 bis 2017 insgesamt und im Besonderen aus der Russischen Föderation weniger Rohöl. Allerdings ging die ukrainische ölverarbeitende Industrie nieder, so dass die Ukraine die meisten Ölprodukte, die im Land verbraucht wurden, importierte. ZunĂ€chst kamen diese aus der Russischen Föderation und nach 2014 aus Belarus, wo Ölprodukte aus russischem Öl hergestellt wurden.

Landwirtschaft

69,41 % der LandesflĂ€che der Ukraine wird landwirtschaftlich genutzt, davon der weitaus grĂ¶ĂŸte Teil (55,96 %) als Ackerland, das Übrige als Wiesen und Weiden (Stand 2020). Die Ukraine hat mit 56 % ihrer LandflĂ€che den weltweit höchsten Anteil an Ackerboden bester QualitĂ€t. Er ist mit einer dicken Schicht sehr fruchtbarer Schwarzerde (Tschernosem) ĂŒberzogen.

JĂ€hrlich produziert die Ukraine rund 60 Millionen Tonnen Getreide, hauptsĂ€chlich Mais, Weizen und Gerste, wovon ĂŒber 50 % exportiert werden. 2012 stand sie damit weltweit an siebter Stelle der Getreideproduzenten. 2019 wurde beim Getreide, mit rund 75 Millionen Tonnen, eine neue Rekordernte eingefahren.

Die Landwirtschaft leidet seit einigen Jahrzehnten unter starker Bodenerosion. Durch die damit verbundene Versteppung des Landes hat die Ukraine schon rund ein Achtel ihrer landwirtschaftlichen NutzflĂ€che eingebĂŒĂŸt. Im Norden des Landes befand sich einst eine ausgedehnte Waldsteppe mit sehr fruchtbaren Lössboden. Bis auf einen kleinen Restbestand wurden diese WĂ€lder abgeholzt und in Ackerland umgewandelt. Bekannt sind die BirkenwĂ€lder um Kiew und die WĂ€lder in Wolhynien. An der nördlichen Landesgrenze zu Belarus darf in einem Radius von 30 Kilometern um die Stadt Prypjat seit der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl wegen der anhaltenden radioaktiven Verseuchung keine Landwirtschaft betrieben werden.

Im SĂŒden der Ukraine an der KĂŒste und auf der Krim wird Wein- und Obstbau betrieben. Im Rest des Landes werden vorwiegend Weizen, Kartoffeln und ZuckerrĂŒben angebaut. Zum Zeitpunkt der UnabhĂ€ngigkeit von der Sowjetunion wurden 55 % des ukrainischen Territoriums fĂŒr Ackerbau genutzt und insgesamt 70 % der FlĂ€che fĂŒr die Landwirtschaft. Der agrar-industrielle Komplex erwirtschaftete 1991 etwa 40 % des Nationaleinkommens. 2007 wurden in der Ukraine insgesamt 42,894 Mio. Hektar Land landwirtschaftlich genutzt.

Fast ein FĂŒnftel der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft (vor allem im Westteil des Landes), das 12 % des Bruttoinlandsprodukts erzeugt. Die Ukraine hat mit 32 Millionen Hektar doppelt so viel Ackerland wie Deutschland, erzielt aber mit 35 Millionen Tonnen nur 70 % der deutschen Getreideproduktion. 40 % der AgrarflĂ€chen werden durch kleine, aber stabile Subsistenzbetriebe unter einem Hektar bewirtschaftet, 50 % durch Kolchose-Nachfolger auf Pachtbasis (mit durchschnittlich 1.200 Hektar), die restlichen 10 % durch Kleinbetriebe mit durchschnittlich fĂŒnf Hektar und durch 43.000 Mittelbauern (80 bis 500 Hektar).

Infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine verlor die Ukraine mit Stand Juni 2022 nach Auskunft des Landwirtschaftsministeriums neben 25 % der AgrarflĂ€che etwa 25 Millionen der 85 Millionen Tonnen LagerkapazitĂ€ten fĂŒr Getreide, weil Silos zerstört wurden oder in von Russland besetzten Gebieten lagen.

Aneignung von Agrarland

Als die Ukraine ein Teil der UdSSR war, besaß der Staat das Agrarland. In den 1990er Jahren bekamen viele Personen, die in den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften gearbeitet hatten, jeweils meist zwei bis drei Hektar Land von den Genossenschaften. Dadurch erhielten etwa 6,9 Millionen Personen, die in lĂ€ndlichen Regionen wohnten, insgesamt rund 27 Millionen Hektar Land. Ferner erhielten auch einige Stadtbewohner kleinere LandflĂ€chen, die viele von ihnen nutzten, um Subsistenzwirtschaft zu betreiben. So konnten sie leichter die wirtschaftliche Krise der 1990er Jahre ĂŒberstehen. Im Jahr 2001 verhĂ€ngte die Regierung ein Moratorium, das den Kauf und Verkauf von Agrarland verbot. Das Moratorium sollte nur provisorisch sein, bis die ukrainische Regierung ein neues Gesetz erarbeitete, das den Markt fĂŒr Agrarland regelte. Allerdings verschoben Nachfolgeregierungen mehrfach ein solches Gesetz und verwiesen darauf, dass viele Menschen dagegen waren.

PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj wollte das Moratorium aufheben und eine Bodenmarktreform durchsetzen. Die EigentĂŒmer sollten vollere Rechte erhalten und die Investitionen in die Landwirtschaft steigen. Allerdings drĂ€ngten auch internationale Organisationen. Nachdem die Kiewer Denkfabrik Easybusiness, die dem Atlas Network nahestand, eine mehrjĂ€hrige Kampagne gefĂŒhrt hatte, forderte der EuropĂ€ische Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte im Jahr 2018 vom ukrainischen Staat eine Bodenreform. Ferner machte der Internationale WĂ€hrungsfonds die Reform zu einer Bedingung fĂŒr weitere Kredite. Schließlich erklĂ€rte Selenskyj auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, dass die Ukraine auf internationale Geldgeber angewiesen sei. Auf der anderen Seite waren viele Menschen gegenĂŒber einer Bodenreform skeptisch oder lehnten sie ab. Sie befĂŒrchteten, die Liberalisierung könnte zu einer Konzentration des Bodenbesitzes fĂŒhren und vor allem großen Unternehmen, Oligarchen oder auch auslĂ€ndischen Konzernen nĂŒtzen. Vor und im Parlament kam es zu Protesten. Im April 2020 unterzeichnete Selenskyj das Gesetz ĂŒber die Bodenreform. Das neue Gesetz Nr. 552–IX erlaubt es, dass ukrainische BĂŒrger seit 2021 bis zu 100 Hektar Land erwerben dĂŒrfen. Ferner erlaubt es neben ukrainischen BĂŒrgern auch ukrainischen Unternehmen, ab 2024 Land bis zu 10.000 Hektar zu erwerben. Das Gesetz bedeutete in gewisser Weise einen Kompromiss: WĂ€hrend der ursprĂŒngliche Entwurf von 2019 vorgesehen hatte, dass auch auslĂ€ndische Personen und Unternehmen ukrainisches Agrarland kaufen durften, wurde schließlich die Entscheidung darĂŒber auf ein Referendum verschoben.

Große Agrar-Unternehmen und internationale Institutionen waren am ukrainischen Agrar-Sektor sehr interessiert. Sie behaupteten, durch zunehmende landwirtschaftliche Produktion könnte der Staat sich besser entwickeln und durch Exporte dabei helfen, die Weltbevölkerung zu ernĂ€hren. Vor diesem Hintergrund versuchten ukrainische und nicht-ukrainische Agrar-Unternehmen, mehr Agrarland zu kontrollieren (Land Grabbing). Zwar war durch das Moratorium von 2001 der Verkauf von ukrainischem Agrarland verboten, aber oft verpachteten Bodenbesitzer ihr Land, da rechtlich nicht geklĂ€rt war, wo die Grenzen ihres Landes genau lagen, und viele von ihnen nicht genug Geld oder Produktionsmittel hatten.

Agrar-Holdings pachteten zunehmend Land und inkorporierten Agrar-Unternehmen, wobei sie immer mehr horizontal und vertikal integrierten, um möglichst die gesamte Wertschöpfungskette zu kontrollieren. WĂ€hrend der großen Übernahmewelle von 2009 bis 2012 bevorzugten Agrar-Holdings wachsende mittelgroße Betriebe mit pflanzlich-tierischer Produktionsstruktur wie auch kapitalschwache Betriebe und achteten auf eine schlechte finanzielle Performance. 2012 entfiel der Großteil der Agrar-Holdings auf ukrainische Besitzer, worunter auch Oligarchen wie Rinat Achmetow oder Oleg Bachmatiuk waren. Letzterer besaß die damals grĂ¶ĂŸte Holding Ukrlandfarming, die rund 500.000 Hektar kontrollierte. Die grĂ¶ĂŸten nicht-ukrainischen Agrar-Holdings waren US NCH Capital (400.000 Hektar) und Russian Ukrainian Agrarian Investments (260.000 Hektar). Agrar-Holdings profitierten von den relativ niedrigen Pachtzinsen. Im Gegensatz zu den kleinen und mittelgroßen Landwirten konnten Agrar-Holdings sich leichter mit Kapital versorgen, indem sie Kapital ĂŒber Börsen oder internationale Finanzinstitutionen bekamen, wie zum Beispiel die EuropĂ€ische Bank fĂŒr Wiederaufbau und Entwicklung. Des Weiteren machte auch die Volksrepublik China ihr Interesse deutlich. 2012 gewĂ€hrte die China Exim-Bank einen Kredit in Höhe von 3 Milliarden US-Dollar und erhielt fĂŒr die folgenden 15 Jahre bis zu sechs Millionen Tonnen Getreide jĂ€hrlich. 2013 begann das chinesische Staatsunternehmen Xinjiang Produktions- und Aufbau-Korps Verhandlungen mit dem ukrainischen Agrarkonzern KSG Agro ĂŒber 100.000 Hektar in der Schwarzmeerregion. FĂŒr den chinesischen Markt sollten FeldfrĂŒchte angebaut und Schweine gezĂŒchtet werden. FĂŒr weitere Pachtrechte auf 50 Jahre wollte die Volksrepublik China bis zu drei Millionen Hektar ĂŒbernehmen.

Industrie

Nach der Rezession der 1990er Jahre erholte sich der industrielle Sektor und wuchs in den 2000er Jahren. Im Jahr 2007 lag der Anteil des Industriesektors am Bruttoinlandsprodukt bei etwa 32 %. Allerdings sank dieser Wert bis auf rund 22,5 % im Jahr 2019 und lag damit sowohl unter dem globalen Schnitt von ca. 25,6 % als auch unter dem Niveau der vergleichbaren mitteleuropÀischen und baltischen Staaten von rund 27,6 %.

Metallurgie

Die ukrainische Teilrepublik der UdSSR war ein industrielles Zentrum der Sowjetunion. In der Mitte der 1980er Jahre war die UdSSR der weltweit grĂ¶ĂŸte Rohstahl- und Eisenerzproduzent, wobei ein Großteil der Produktion auf die ukrainische Teilrepublik entfiel.

In der ersten HĂ€lfte der 1990er Jahre brach im Zuge der ökonomischen Transformation die metallurgische Produktion zunĂ€chst ein. Danach erholte sich der metallurgische Sektor. Obgleich er den traditionellen Abnehmern, den Maschinenbauern und der RĂŒstungsindustrie, weniger verkaufte, da diese in den 1990er Jahren in die Krise geraten waren, konnte er jedoch zunehmend exportieren. Dabei stellte der Sektor den Großteil seiner Produkte fĂŒr den Export her. Er fĂŒhrte seine Waren weniger in den GUS-Raum und zunehmend in die Staaten Lateinamerikas, Afrikas und des Mittleren Ostens sowie nach Asien aus. Die metallurgischen Exporte und dabei insbesondere die Stahlindustrie hatten einen großen Anteil an den Gesamtexporten der Ukraine und trieben bis 2008 eine Wachstumsphase an. Dadurch wurde der Sektor fĂŒr den ukrainischen Staat auch zu einer wichtigen Einnahmequelle fĂŒr Devisen. Da der Sektor mehr produzierte, war er stĂ€rker auf den Import russischer Rohstoffe angewiesen.

Um das Jahr 2000 war die Eisenmetallurgie in vier sĂŒdöstlichen Oblasten konzentriert: in der Oblast Dnipropetrowsk wurden 80 % des ukrainischen Eisenerzes produziert, das eine wichtige Komponente fĂŒr die Stahlproduktion ist. Die Koksproduktion konzentrierte sich vor allem in der Oblast Donezk und im grĂ¶ĂŸten Bergbau- und Metallurgiekomplex in Krywyj Rih, der sich im Oblast Dnipropetrowsk befand. Fast die gesamte Stahlproduktion entfiel auf die Oblaste Donezk, Dnipropetrowsk, Saporischschja und Lugansk. Der meiste Stahl wurde von den folgenden fĂŒnf Industriekomplexen erzeugt, nĂ€mlich Kryworischstal, die Iljitsch Eisen- und Stahlwerke Mariupol, das Metallurgische Kombinat Asow-Stahl, Saporischstal und der Altschewsk-Metallurgiekomplex in der Oblast Lugansk.

Finanz-industrielle Gruppen integrierten viele metallurgische Unternehmen in ihre Strukturen. Diese Gruppen investierten oft zu wenig in die Modernisierung der relativ alten und energieintensiven Produktionsmittel. Allerdings unterstĂŒtzte der Staat die Produzenten. Auch bezogen sie in den 2000er Jahren billiges russisches Gas und der Weltmarkt entwickelte sich bis 2008 gĂŒnstig, wie zum Beispiel im Falle der steigenden Preise fĂŒr Stahl.

Nach der Krise von 2008/2009 erreichte die Stahlproduktion bis einschließlich 2016 nicht mehr die Rekordwerte der Vorkrisenzeit (43,7 Mio. Tonnen im Jahr 2007). Die Preise fĂŒr metallurgische Waren auf dem Weltmarkt blieben niedrig und durch den BĂŒrgerkrieg im Osten der Ukraine wurden viele Industrieanlagen zerstört. WĂ€hrend der Krisenjahre 2014/15 verloren metallurgische Erzeugnisse ihren Rang als grĂ¶ĂŸte ExportgĂŒtergruppe an Nahrungsmittel. Nachdem die Russische Föderation im Februar 2022 gegen die Ukraine einen Krieg begonnen hatte, wurden im Krieg viele Produktionsmittel der Stahlindustrie zerstört.

RĂŒstungsindustrie

Über ein Drittel des militĂ€risch-industriellen Komplexes der UdSSR entfiel auf die ukrainische Teilrepublik. Nachdem die Ukraine unabhĂ€ngig geworden war, produzierte sie bis 2014 weiterhin arbeitsteilig militĂ€rische GĂŒter zusammen mit und fĂŒr die Russische Föderation. Orientiert am Vorbild des russischen Unternehmens Rosoboronexport entstand der ukrainische Staatskonzern Ukroboronprom. Zu den Zentren des ukrainischen militĂ€risch-industriellen Komplexes gehörten beispielsweise Charkiw (Panzerindustrie), Mykolajiw (Schiffbau), Dnepropetrowsk (Raketenindustrie) und Saporischschja (Motor Sitsch Jettriebwerke).

WĂ€hrend der ukrainische Staat von 2007 bis 2013 weniger fĂŒrs MilitĂ€r ausgab, lagen die MilitĂ€rausgaben von 2014 bis 2021 zwischen etwa 2,2 % bis 3,8 % des Bruttoinlandsproduktes. WĂ€hrend im Jahr 2015 private Unternehmen etwa 23 % der staatlichen AuftrĂ€ge erledigten, stieg dieser Anteil auf 54 % im Jahr 2020, um dem gestiegenen Bedarf des ukrainischen Staates zu decken.

Die ukrainische Waffenindustrie hatte von 2010 bis 2014 einen Anteil von rund 3 % am internationalen Waffenexport. 2012 war die Ukraine der weltweit viertgrĂ¶ĂŸte Waffenexporteur. SpĂ€ter sank der Weltmarktanteil und lag von 2017 bis 2021 bei etwa 0,7 %. Da die Russische Föderation die Krim eingliederte, exportierte Kiew keine Waffen mehr in die Russische Föderation, wodurch die Ukraine einen großen Absatzmarkt verlor. Daher wandte die Ukraine sich anderen Staaten stĂ€rker zu, wie Indonesien, Pakistan, Polen, Thailand, Saudi-Arabien und SĂŒdafrika. Von 2017 bis 2021 war die Volksrepublik China der Hauptabnehmer ukrainischer Waffen. Die Ukraine war in dieser Zeit der drittgrĂ¶ĂŸte Lieferant der Volksrepublik. Dabei lieferte sie kritische Komponenten, bei denen China noch nicht eigenstĂ€ndig war, wie zum Beispiel fĂŒr FlugzeugtrĂ€ger. Als Lieferant war die Ukraine neben der Russischen Föderation fĂŒr China wichtig geworden, da die USA und die EuropĂ€ische Union im Jahr 1989 ein Waffenhandelsembargo gegen China verhangen hatten.

Dienstleistungen

Bereits im Jahr 2000 hatte der Dienstleistungssektor von allen Sektoren den grĂ¶ĂŸten Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Dieser Wert stieg von rund 40 % im Jahr 2000 kontinuierlich auf ĂŒber 50 % im Jahr 2019.

Bankensektor

Die Nationalbank der Ukraine fungiert seit den 1990er Jahren als Zentralbank und soll die GeschĂ€ftsbanken ĂŒberwachen.

Allerdings ĂŒberwachte die Nationalbank die GeschĂ€ftsbanken zunĂ€chst nicht sehr streng. WĂ€hrend in der ukrainischen Republik der UdSSR der Staat alle Banken besaß und kontrollierte, entstanden seit Anfang der 1990er Jahre in der unabhĂ€ngigen Ukraine zahlreiche private Banken. 1991 gab es 73 Banken und bereits 1995 waren es etwa 200. Viele davon gehörten Oligarchen und wurden in oligarchische Unternehmenskomplexe integriert. Oligarchen nutzten sie oft, um eigenen oder befreundeten Unternehmen Kredite zu geben (related party lending). Zwar beschrĂ€nkte der Staat derartige AktivitĂ€ten mittels Gesetzen, aber Banken konnten diese Bestimmungen umgehen.

Des Weiteren beeinflussten Politiker Anfang der 1990er Jahre die Geldpolitik der Nationalbank stark, so dass diese dem Staat und Unternehmen viele Kredite gab. Dies fĂŒhrte 1993/94 zur Hyperinflation. Sie war ein Grund dafĂŒr, dass viele Menschen in der Ukraine den Banken und der einheimischen WĂ€hrung misstrauten: Seit den 1990er Jahren ist ein Großteil der Depositen und Kredite in harten FremdwĂ€hrungen denominiert, vor allem in US-Dollar.

In Zusammenhang mit der Russlandkrise von 1998/99 wertete die Hrywnja ab. Darauf bestimmte die Nationalbank einen festen Wechselkurs der Hrywnja zum US-Dollar. So wollte die Nationalbank auf die Inflation reagieren und die ukrainische WĂ€hrung unterbewertet halten, um die Unternehmen in der Ukraine auf internationalen MĂ€rkten konkurrenzfĂ€higer zu machen. WĂ€hrend die ukrainische Stahlindustrie in den 2000er Jahren viel exportieren konnte, ließ die Nationalbank angesichts des Aufwertungsdrucks auch zu, dass die einheimische WĂ€hrung gegenĂŒber dem US-Dollar etwas aufwertete.

WĂ€hrend die ukrainische Volkswirtschaft nach ihrem Einbruch in den 1990er Jahren in den 2000er Jahren stĂ€rker wuchs, dehnten die Banken das Kreditvolumen aus (circa 32 % des BIP im Jahr 2005, circa 80 % des BIP im Jahr 2009).  Im Falle der ukrainischen Banken erreichte das VerhĂ€ltnis von Krediten zu den Einlagen 219 %. Dass die Nationalbank einen festen Wechselkurs zum US-Dollar hielt, begĂŒnstigte, dass viele Banken im Ausland Kapital aufnahmen, um es in der Ukraine zu verleihen, und dass viele Haushalte, die keine regelmĂ€ĂŸigen FremdwĂ€hrungseinkĂŒnfte hatten, in harten FremdwĂ€hrungen denominierte Kredite nahmen. In den 2000er Jahren kamen auch viele auslĂ€ndische Banken in die Ukraine. Sie nahmen oft Kredit bei ihrer jeweiligen Mutterbank und verliehen es in der Ukraine, wo die ZinssĂ€tze höher waren.

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise, die 2008 auch die Ukraine erreichte, war die ProfitabilitÀt des Bankensektors insgesamt in den Jahren 2009 und 2010 negativ. Der Bankensektor erholte sich bis 2012 und dehnte von Anfang 2013 bis Anfang 2014 das Kreditvolumen aus. Allerdings blieb die ProfitabilitÀt des Sektors insgesamt verhalten und sank mit der Krise von 2014 erneut.

Anfang 2014 ließ die Nationalbank zu, dass die LandeswĂ€hrung stark abwertete. Hatte die Hrywnja in den Krisen von 1998 und 2008 rund 50 bis 60 % an Wert verloren, so waren es im Zeitraum von Anfang 2013 bis Anfang 2014 ca. 30 %. GrĂŒnde dafĂŒr waren, dass die ukrainische Volkswirtschaft ĂŒber Jahre ein Leistungsbilanzdefizit verzeichnet hatte und die Nationalbank kaum noch ĂŒber Devisenreserven verfĂŒgte. Letztere wurde zudem von einigen ukrainischen Banken, mit denen sie intransparente GeschĂ€fte gepflegt hatte, unter Druck gesetzt. Der Schritt der Nationalbank war insofern vorteilhaft, da der ukrainische Staat vom Internationalen WĂ€hrungsfonds finanzielle Hilfe brauchte und der Fonds in den Jahren zuvor einen flexiblen Wechselkurs gefordert hatte. Er baute diese Forderung in seine Programme ein.

Im Zuge der Krise, die 2008 begann, zogen sich viele auslĂ€ndische Banken aus der Ukraine zurĂŒck. Die 20 grĂ¶ĂŸten Banken, die sich in auslĂ€ndischem Besitz befanden, machten im Zeitraum von 2010 bis Ende 2012 Verluste von insgesamt etwa 960 Millionen US-Dollar. Der Anteil der auslĂ€ndischen Banken (russische Banken ausgenommen) an den gesamten Assets des Bankensektors lag 2009 bei 40 % und halbierte sich in den folgenden vier Jahren. Russische Banken hingegen gelang es eher, ihre Marktanteile zu halten. Ukrainische private Banken, die meist Tycoons gehörten oder in oligarchische Unternehmenskomplexe eingegliedert waren, kauften oft Marktanteile anderer auslĂ€ndischer Banken, die sich zurĂŒckzogen, auf. Da die Russische Föderation im Jahr 2014 die Krim in ihr Staatsgebiet eingliederte, zogen sich auf Anweisung der Nationalbank viele Banken von der Krim zurĂŒck. Dort rĂŒckten russische Banken nach und der Rubel wurde offizielles Zahlungsmittel. Im Falle des Donbass, wo 2014 ein BĂŒrgerkrieg ausgebrochen war, wies die Nationalbank die GeschĂ€ftsbanken an, ihren Betrieb einzustellen.

In dem Teil der Ukraine, der von Kiew kontrolliert wurde, versuchten die Nationalbank der Ukraine und der Internationale WĂ€hrungsfonds, den Bankensektor grundlegend zu reformieren. Es galt die Rolle der Zentralbank zu stĂ€rken und strengere Regeln durchzusetzen. Dadurch wurde die Anzahl operativer Banken in der Ukraine von 2014 bis 2017 auf 93 fast halbiert. Viele Oligarchenbanken verschwanden. PrivatBank, die grĂ¶ĂŸte Bank der Ukraine, wurde im Jahr 2016 verstaatlicht. Sie war eines der grĂ¶ĂŸten oligarchischen Konglomerate im gesamten GUS-Raum gewesen. Sie hatte den Großteil ihrer Mittel fĂŒr Kredite an mit ihr verbundene Unternehmen genutzt (related party lending), was ihr viele notleidende Kredite beschert hatte. Der Staat schĂ€tzte sie als systemrelevante Bank ein und stabilisierte sie aus Steuermitteln mit mehreren Milliarden US-Dollar. Im Aufsichtsrat setzten sich Vertreter der Weltbank, des Internationalen WĂ€hrungsfonds, der EuropĂ€ischen Bank fĂŒr Wiederaufbau und Entwicklung und des ukrainischen Finanzministeriums sowie unabhĂ€ngige Ökonomen an die Stelle der Oligarchen.

Die Konzentration stieg an. Hielten Ende 2013 die 20 grĂ¶ĂŸten Banken ca. 73 % aller Assets des Sektors, so waren es Anfang 2017 ca. 90 %. Dabei besaß der Staat im Jahr 2017 sieben Banken, die insgesamt ca. 51 % aller Assets des Sektors hatten, wĂ€hrend es 2013 rund 18 % gewesen waren. Dem Staat gehörten die vier grĂ¶ĂŸten Banken, nĂ€mlich PrivatBank, Oschadbank, Ukreximbank und Ukrgasbank. Unter PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj gab es PlĂ€ne, die Staatsquote im Bankensektor wieder deutlich zu senken. Insbesondere die Reprivatisierung von PrivatBank war dabei ein Politikum. Dabei entschied sich Selenskyj Anfang 2020 dazu, PrivatBank nicht dem ehemaligen Besitzer Ihor Kolomojskyj zurĂŒckzugeben. Diese Entscheidung war im Sinne des Internationalen WĂ€hrungsfonds, der eine solche Entscheidung zu einer Bedingung fĂŒr weitere Kredite an den ukrainischen Staat gemacht hatte.

KapitalmÀrkte

Zwar entwickelten sich in der Ukraine MĂ€rkte fĂŒr Wertpapiere, die in den 2000er Jahren stĂ€rker wuchsen, aber noch im Jahr 2021 schĂ€tzte die OECD die KapitalmĂ€rkte als relativ unterentwickelt ein. So betrug beispielsweise die Marktkapitalisierung in der Ukraine im Jahr 2018 ca. 4,4 Mrd. US-Dollar und rund 3,4 % des Bruttoinlandsproduktes, wohingegen sie in Polen bei 160,5 Mrd. US-Dollar bzw. bei rund 27,3 % des Bruttoinlandsproduktes lag.

In den 2010er Jahren konzentrierte sich der organisierte Handel mit Wertpapieren vor allem auf die Plattformen Perspektiva und Persha Fondova Torgova Systema (PFTS). Dort wurden ĂŒberwiegend ukrainische Staatsanleihen gehandelt. Derzeit existieren die Börsen PFTS Ukraine Stock Exchange (Leitindex PFTS Index). und Ukrainian Exchange.

Im Dezember 2013 sicherte die Russische Föderation der ukrainischen Regierung zu, ukrainische Staatsanleihen im Wert von 15 Milliarden US-Dollar zu kaufen und die Gaspreise vorĂŒbergehend um ein Drittel zu senken, um die ukrainische Wirtschaft zu stĂŒtzen. Der Premierminister Mykola Asarow prĂ€ferierte diese Option gegenĂŒber einem EU-Assoziierungsabkommen, das an zu ungĂŒnstige Bedingungen des Internationalen WĂ€hrungsfonds gekoppelt sei. Er Ă€ußerte, ohne den Vertrag mit Russland drohe der Staatsbankrott und der Zusammenbruch der Gesellschaft. Laut BBC benötigte die Ukraine fĂŒr 2014 eine Außenfinanzierung in Höhe von 17 Milliarden US-Dollar, um weiterhin ihre Schulden bedienen zu können. Auf der anderen Seite investierte das US-amerikanische Investmenthaus Franklin Templeton Investments in ukrainische Staatsanleihen im Wert von 7,6 Milliarden US-Dollar und gehörte somit im Jahr 2014 zu den grĂ¶ĂŸten GlĂ€ubigern der Ukraine.

Medien

In ihrem 2017 veröffentlichten Bericht Ă€ußerte die internationale Nichtregierungsorganisation Freedom House große Besorgnis ĂŒber die Sicherheitslage der Journalisten in der Ukraine. Sowohl im ukrainischen Kernland als auch in den von russischen Separatisten kontrollierten Gebieten im Osten des Landes seien die Medienvertreter der Gewalt, EinschĂŒchterungen und BelĂ€stigungen ausgesetzt. Im Jahr 2016 wurde der regierungskritische Journalist Oles Busyna in Kiew ermordet. Im Juli 2017 wurde der prominente Journalist Pawel Scheremet bei einem Autobombenanschlag in Kiew getötet. Die OSZE Ă€ußerte mehrfach Bedenken zur Pressefreiheit in der Ukraine. Der Slawist und Journalist Herwig G. Höller behauptete im Jahr 2016, dass es im Gegensatz zur Russischen Föderation in der Ukraine Medienkritik gebe.

Seit Februar 2022, dem Beginn des russischen Krieges in der Ukraine, senden die Nachrichtensendungen ein einheitliches, vom PrÀsidialamt der Ukraine beeinflusstes Programm. Nachrichtensender in der Ukraine unterwarfen sich damit laut Reporter ohne Grenzen (ROG) der Selbstzensur. ROG sieht dadurch die Medienvielfalt in der Ukraine bedroht. Ansonsten gibt es laut ROG in der Ukraine auch in Kriegszeiten viele unabhÀngige Medien und guten QualitÀtsjournalismus, wie zum Beispiel das Online-Medium The Kyiv Independent. Im Jahr 2023 sanken die Einschaltquoten zu dem gleichgeschalteten Nachrichtenprogramm auf 30 Prozent. In den Jahren 2020 bis 2023 stieg der Messengerdienst Telegram zu einer der meistgenutzten Medien in der Ukraine auf; der Nutzeranteil wuchs in jenem Zeitraum von 20 auf 72 Prozent.

Heute (Stand 2024) setzen die Ukrainer vor allem auf Telegram, um an Informationen zu kommen. In Kriegszeiten entwickelte sich der Messengerdienst zur vielleicht wichtigsten Informationsquelle.

Nachrichten- und Presseagenturen

Die staatliche Nachrichtenagentur ist die 1918 gegrĂŒndete UKRINFORM und setzt tĂ€glich rund 300 Meldungen ab. Generaldirektor seit 2011 Oleksandr Detsyk (* 1979). Weitere einflussreiche Unternehmen sind die nichtstaatliche russische Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine und die private Ukrainische UnabhĂ€ngige Informationsagentur (UNIAN), die von dem Oligarchen Ihor Kolomojskyj kontrolliert wird. Insgesamt sind rund 35 Nachrichtenagenturen in der Ukraine aktiv, jedoch sind die meisten sehr klein und ĂŒbernehmen die Informationen der fĂŒhrenden Nachrichtenagenturen.

Ab MĂ€rz 2014 hatte das am Majdan Nesaleschnosti im Hotel Ukrajina gelegene Ukrainian Crisis Media Center (UCMC) eine wichtige Rolle gespielt. Es wird von George Soros (Open Society Foundations), dem US-Public-Relation-Unternehmen Weber Shandwick und der ukrainischen Regierung finanziert und verbreitet Nachrichtenmeldungen und Bildmaterial zur Krise.

Fernsehsender

Beim Fernsehen, das 1951 in der Ukraine eingefĂŒhrt wurde, gibt es neben dem staatlichen Fernsehen seit 1993 auch sehr viele private Fernsehanbieter, unter anderem:

  • Nazionalna Telekompanija Ukrajiny, (ukrainisch: ĐĐ°Ń†Ń–ĐŸĐœĐ°Đ»ŃŒĐœĐ° йДлДĐșĐŸĐŒĐżĐ°ĐœŃ–Ń ĐŁĐșŃ€Đ°Ń—ĐœĐž) ist die staatliche Fernsehanstalt der Ukraine. Sie wurde am 20. Januar 1965 gegrĂŒndet und unterhĂ€lt das einzige staatliche Fernsehprogramm UA:Perschyj (UA:Erster).
  • 1+1 ist ein ukrainischer Fernsehsender, an dem seit 3. Juli 2012 maßgeblich Time Warner ĂŒber die Central European Media Enterprises (CME) beteiligt ist. Der Sender befindet sich im Besitz des Oligarchen Ihor Kolomojskyj. 1+1 zĂ€hlt zu den Sendern mit dem höchsten Marktanteil in der Ukraine und kann von 95 % der ukrainischen Bevölkerung empfangen werden.
  • STB ist ein 1997 gegrĂŒndeter privater Sender, der neben den weiteren fĂŒnf TV-Stationen ICTV, Novy Kanal, M1, M2, QTV aktuell dem Oligarchen Wiktor Pintschuk und GrĂŒnder der StarLightMedia Group gehört.
  • Ukraine, ursprĂŒnglich 1993 als Regionalsender im Ballungsraum Donezk gegrĂŒndet, gehörte zur Media Group Ukraine, die ĂŒber die Holding System Capital Management (SCM) von dem Oligarchen Rinat Achmetow kontrolliert wurde und sehr hohe Einschaltquoten durch seine Fußball-TV-SpartenkanĂ€le erreichte.
  • Inter ist ein weiterer populĂ€rer TV-Sender mit sehr hoher Reichweite in der Ukraine, der im Februar 2013 zu 100 % von der Inter Media Group Limited ĂŒbernommen wurde, die von dem Oligarchen Dmytro Firtasch kontrolliert wird.
  • 24 Kanal ist der erste 24-Stunden-Nachrichtenkanal der Ukraine.
  • 5 Kanal ist ein weiterer Nachrichtenkanal, der 2003 gegrĂŒndet wurde und bis zum Verkauf vom GrĂŒnder und Ex-PrĂ€sident Petro Poroschenko kontrolliert wurde.
  • Espreso TV wurde im Oktober 2013 von Mykola Knjaschyzkyj und anderen gegrĂŒndet und galt als Sprachrohr der beginnenden Euromaidan-Proteste, nach denen er ursprĂŒnglich auch benannt war.
  • Hromadske.tv (BĂŒrger-TV) ist ein Internetsender, der mit Hilfe amerikanischer und britischer Stiftungsgelder im November 2013 online ging.

Im Februar 2021 verbot PrÀsident Selenskyj mit einem Erlass drei oppositionelle Nachrichtensender wegen GefÀhrdung der nationalen Sicherheit und Verbreitung von russischer Propaganda, nÀmlich ZIK, NewsOne und 112 Ukraine. Der Vorsitzende des ukrainischen Journalistenverbandes, Nikolaj Tomilenko, kritisierte es als einen Angriff auf die Meinungsfreiheit. Im Dezember 2021 verbot Selenskyj durch einen Erlass zwei weitere prorussische Nachrichtensender, die die Nachfolger der zuvor gesperrten KanÀle waren, nÀmlich UkrLive und Pershij Nesaleshnij.

Radiosender

Ukrajinske Radio (ĐŁĐșŃ€Đ°Ń—ĐœŃŃŒĐșĐ” Đ Đ°ĐŽŃ–ĐŸ; deutsch: Ukrainischer Rundfunk; englisch: Ukrainian Radio) ist die staatliche Hörfunkanstalt der Ukraine mit dem dazugehörigen Auslandsdienst Radio Ukraine International. Daneben gibt es weitere private Radiosender.

Informationstechnik

Der IT-Sektor hatte im Jahr 2021 einen Anteil von 4 % am Bruttoinlandsprodukt. Die Ukraine wurde bis 2022 ein beliebter Standort fĂŒr das Outsourcing von IT-Dienstleistungen. Der IT-Sektor exportiert vor allem Dienstleistungen in die USA und in Staaten der EuropĂ€ischen Union. Der Anteil der Dienstleistungsexporte im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie an den gesamten Dienstleistungsexporten lag 2010 bei 3,9 % und stieg bis 2021 auf 38,1 %. Die betreffenden Exporte erreichten im Jahr 2021 einen Wert von 7,11 Mrd. US-Dollar und lagen damit hinter Polen (11,58 Mrd. US-Dollar) bzw. RumĂ€nien (8,25 Mrd. US-Dollar) und vor der Tschechischen Republik (6,18 Mrd. US-Dollar).

Eine große Zahl ukrainischer Softwareentwicklungsunternehmen befindet sich vor allem in Kiew, Charkiw, Lwiw, Dnipro, Donezk und Simferopol (Krim). Die IT-Industrie beschĂ€ftigte im Dezember 2021 etwa 250.000 Ingenieure und Programmierer.

Im Bereich der Offshore oder Nearshore-Programmierung sind dabei vor allem EPAM Systems, SoftServe, GlobalLogic und Ciklum nennenswert. EPAM beschĂ€ftigte Ende 2021 12.389 Spezialisten, womit die Ukraine fĂŒr das Unternehmen den bedeutendsten Entwicklungsstandort darstellt. SoftServe als grĂ¶ĂŸtes einheimisches IT-Outsourcing Unternehmen beschĂ€ftigte Ende 2021 9.462 Spezialisten in der Ukraine. Im Fall von GlobalLogic und Ciklum sind es ĂŒber 7.370 bzw. ĂŒber 3.000.

Zu den grĂ¶ĂŸten Softwareproduzenten und IT-Serviceunternehmen gehören die schweizerische Luxoft mit 3.900 Spezialisten in der Ukraine. Weitere Unternehmen sind der Computerspielhersteller GSC Game World und MacPaw mit seinen 300 Mitarbeitern.

Trotz seines Wachstums stand der ukrainische IT-Sektor in den 2010er Jahren vor einigen Problemen. Zwar exportierte der Sektor viele Dienstleistungen, aber die entsprechende Binnennachfrage war relativ niedrig. Zudem bedeutete die Orientierung zum Outsourcing, dass ein Großteil der Wertschöpfung außerhalb der Ukraine blieb. Niedrig blieben auch die auslĂ€ndischen Direktinvestitionen. Des Weiteren gingen viele FachkrĂ€fte ins Ausland und ukrainische IT-Unternehmen waren davon abhĂ€ngig, Technologien zu importieren. Schließlich mangelte es auch an staatlicher Förderung.

Als PrĂ€sident setzte Wiktor Janukowytsch die Mehrwertsteuer fĂŒr IT-Unternehmen ab 2013 fĂŒr zehn Jahre aus und senkte die entsprechende Körperschaftssteuer. Unter MinisterprĂ€sident Oleksjj Hontscharuk beschloss die Regierung, einen IT-Fonds zu bilden, um in dem Bereich mehr FachkrĂ€fte auszubilden und Wissenschaftler zu fördern. Ebenso bot das Finanzministerium einen Fonds fĂŒr Start-up-Unternehmen an. Ferner wirkten PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj und Hontscharuk mittels der mobilen Anwendung Diia darauf hin, immer mehr öffentliche Dienste des Staates zu digitalisieren. Im Rahmen der Online-Plattform Diia Digital Education sollten mehr und mehr Menschen in der Ukraine digitale Kompetenzen erwerben, um konkurrenzfĂ€higer zu werden. Mit dem Projekt Diia City arbeitete Selenskyj darauf hin, neue Regeln und Besteuerungen fĂŒr IT-Unternehmen zu schaffen. Dadurch sollte der IT-Sektor weiter wachsen.

Der Anteil der Bevölkerung, der das Internet nutzt, lag im Jahr 2006 bei fĂŒnf Prozent. Er stieg von 23 Prozent im Jahr 2010 ĂŒber 49 Prozent im Jahr 2015 auf 75 Prozent im Jahr 2020. Damit ging der Trend einher, dass immer mehr Menschen in der Ukraine Online-Plattformen nutzten, die Arbeit anboten, wobei die Ukraine zwischen 2013 und 2017 im internationalen Vergleich hervorstach. So waren beispielsweise von 2012 bis 2017 allein auf der Plattform Upwork.com rund 180.000 ukrainische Personen registriert und verdienten insgesamt etwa 262 Millionen US-Dollar. Der IT-Sektor ist einer der grĂ¶ĂŸten Bereiche fĂŒr digitales Freelancing.

Tourismus

Im Jahr 2017 hatte die Tourismusindustrie einen Anteil von ca. 5,7 % am Bruttoinlandsprodukt. In dieser Hinsicht lag die ukrainische Volkswirtschaft unter dem Durchschnitt der EuropÀischen Union von etwa 10,2 %. Im Jahr 2018 besuchten rund 14,2 Millionen Touristen die Ukraine.

Ein wichtiges touristisches Ziel in der Ukraine bildet die Hauptstadt Kiew, die neben vielen historischen SehenswĂŒrdigkeiten auch ein modernes pulsierendes Kulturleben bietet. Als Erholungsgebiet wird seit den Zarenzeiten die SchwarzmeerkĂŒste genutzt, allem voran die Halbinsel Krim. Die Krim bietet neben kulturellen Hinterlassenschaften zahlreicher Völker (Griechen, Krimtataren, Genueser) ein subtropisches Klima und eine Vielzahl von PalĂ€sten und Sanatorien. Die Krim war bis 2014 Schauplatz des jĂ€hrlichen Festivals elektronischer Tanzmusik KaZantip.

Die Innenstadt von Lwiw gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. In den angrenzenden ukrainischen Karpaten gibt es traditionelle Thermalkurorte wie Truskawez oder Skigebiete wie Slawsko.

Als eine Art Extremtourismus haben sich AusflĂŒge in die Sperrzone von Tschernobyl nördlich von Kiew etabliert.

Messen und Ausstellungen

  • AGRO – ukrainische Leitmesse fĂŒr Landwirtschaft in Kiew
  • Beer & Soft Drinks Industry – Internationale Fachmesse fĂŒr Bier und alkoholfreie GetrĂ€nke in Kiew
  • Metal-Forum of Ukraine – Internationale Konferenzmesse fĂŒr Metallurgie und Metall in Kiew
  • MushroomIndustry – Internationale Fachausstellung fĂŒr die Pilzindustrie in Kiew
  • Wine & Winemaking – Internationale Fachmesse fĂŒr Wein, Weinherstellung und Weinbau in Odessa

Infrastruktur

Die Ukraine besaß aus Zeiten der Sowjetunion lange vor allem eine Nord-SĂŒd-Verkehrsorientierung (Moskau-Kiew-Odessa, Moskau-Charkiw-Krim). Man versuchte aber seit der UnabhĂ€ngigkeit des Landes, die Infrastruktur in eine West-Ost-Orientierung zu reorganisieren und die Verbindungen zu Polen, der Slowakei, Ungarn und RumĂ€nien zu intensivieren (Anbindung an den PaneuropĂ€ischen Korridor III: Straßenverbindung und Bahnstrecke Berlin/Dresden – Breslau – Krakau – Lwiw – Kiew und V: KoĆĄice – Tschop – Lwiw und Budapest – Tschop – Lwiw). Die Ukraine war bis zur russischen Invasion vor allem ein Transitland zwischen Mitteleuropa und dem Kaukasus und zwischen SĂŒdeuropa und Russland. HauptverkehrstrĂ€ger in der Ukraine ist die Eisenbahn, gefolgt vom Straßenverkehr und der Binnenschifffahrt auf dem Dnepr (Dnipro). Seit das Putin-Regime im MĂ€rz 2014 die Krim besetzte und annektierte, im April 2014 den Krieg im Donbass begann und im Februar 2022 den Überfall auf die Ukraine ist der Verkehr in großen Teilen der Ukraine eingeschrĂ€nkt. Der Verkehr zwischen der Ukraine und Russland ist eingestellt.

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die QualitĂ€t der Infrastruktur misst, belegte die Ukraine 2018 den 66. Platz unter 160 LĂ€ndern. und 2023 den 79. Platz. Ein großer Teil der Infrastruktur des Landes wurde seit der SowjetĂ€ra nicht modernisiert.

Eisenbahn

In der Ukraine wird von der Eisenbahn die auch in Russland und den anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion gebrĂ€uchliche Breitspur von 1520 mm verwendet. Der Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken und der Ausbau bestehender Strecken in der Normalspurweite 1435 mm wurde 2018 (vor dem Überfall Russlands) geplant. Die Strecken in den RĂ€umen Kiew, Lwiw und im Osten der Ukraine sind elektrifiziert, dazwischen befinden sich nicht-elektrifizierte Abschnitte. Der staatliche Eisenbahnhersteller ist die Lokomotivfabrik Luhansk. Die nationale Eisenbahngesellschaft Ukrsalisnyzja wurde 1991 gegrĂŒndet und ist ein Staatsunternehmen. 2009 brachte die damalige eine Privatisierung ins GesprĂ€ch. Im Zuge der Annexion der Krim durch Russland und im Laufe der Kampfhandlungen in den Oblasten Donezk und Luhansk kam es zu starken EinschrĂ€nkungen des Bahnverkehrs in den betreffenden Regionen. Das Putin-Regime lĂ€sst seit dem Beginn seiner Überfalls auf die Ukraine oft die Eisenbahninfrastruktur angreifen.

Straße

Das Straßennetz umfasste 2012 etwa 169.694 km, wovon 166.095 km asphaltiert sind. Es gibt kein zusammenhĂ€ngendes Autobahnnetz, aber vielerorts autobahnartig ausgebaute Fernstraßen und Nationalstraßen. Die M 06 zwischen Ungarn und Kiew ist von der ungarischen Grenze ĂŒber die Karpaten bis Lwiw durchgehend in gutem Zustand. Das Tankstellennetz ist dicht. In manchen Dörfern sind die Straßen schlecht ausgebaut. In vielen GroßstĂ€dten gibt es Straßenbahnen und U-Bahnen, wie beispielsweise die Metro in Kiew, und ĂŒberall im Land ein dichtes Netz an Busverbindungen.

Kiew war neben Moskau der östlichste Punkt der großen mittelalterlichen Via Regia bis nach Santiago de Compostela in Spanien.

Luftverkehr

In vielen großen StĂ€dten gibt es internationale FlughĂ€fen. Ukraine International Airlines, Skyline Express Airlines und Yanair sind die bekanntesten Fluggesellschaften in der Ukraine. Die FlughĂ€fen in Kiew-Boryspil, Odessa und Dnipro sind die wichtigsten internationalen VerkehrsflughĂ€fen der Ukraine. Der Flugzeugbauer Antonow mit Hauptsitz am Flughafen Kiew-Hostomel hatte mit der Antonow An-225 mit einem Frachtraumvolumen von insgesamt 1220 mÂł bei 250 t Zuladung (was den Transport von vier SattelzĂŒgen und dahinter einem Lkw und daneben seinem AnhĂ€nger, alle beladen, ermöglichte) das weltweit grĂ¶ĂŸte Transportflugzeug im Einsatz. Es wurden zwei Flugzeuge dieses Typs gebaut, von denen nur eines fertiggestellt und im Februar 2022 durch russische Truppen zerstört wurde.

HĂ€fen und Schifffahrt

Über die HĂ€fen in Odessa werden fast die HĂ€lfte der Ex- und Importe der Ukraine abgewickelt. Die SchwarzmeerhĂ€fen zĂ€hlen daher zu den kritischsten Teilen der Infrastruktur.

Wichtigste Binnenschifffahrtstraße ist der Dnepr. Er ist bis Kiew auch fĂŒr kleine Seeschiffe befahrbar. In Tschornomorsk, Mykolajiw und Cherson befinden sich SeehĂ€fen, der grĂ¶ĂŸte ist der Hafen von Odessa. Seit der Annexion der Krim durch Russland hat die Ukraine auf die SeehĂ€fen in Sewastopol und Kertsch keinen Zugriff mehr. Das Hauptquartier der ukrainischen Marine war bis zur Besetzung der Krim in Sewastopol; seither befindet es sich in Odessa.

Am 24. Februar 2022 begannen russische Truppen auf Befehl des russischen PrĂ€sidenten Putin der Überfall auf die Ukraine. Die HĂ€fen Mariupol, Berdjansk, Skadowsk und Cherson sind (Stand 2. Mai 2022) nicht (mehr) unter Kontrolle der Ukraine und deshalb offiziell geschlossen.

Telekommunikation

In der Ukraine wurden neben dem herkömmlichen öffentlichen Telefonnetz, das zu 76 % (2006) vom staatlichen (bis 2011) Anbieter Ukrtelecom dominiert wird, auch GSM-Mobilfunknetze aufgebaut. Die grĂ¶ĂŸten Mobilfunknetze waren zeitweise:

  • Kyivstar/Djuice/Mobilitsch (2G, 3G und 4G)
  • Vodafone Ukraine (frĂŒher: MTS bzw. UMC)/Jeans/Sim-Sim (2G, 3G und 4G)
  • Lifecell (2G, 3G und 4G)
  • 3Mob (3G: UMTS)
  • PEOPLEnet (3G: CDMA2000 1× EV-DO)
  • Intertelecom (3G: CDMA2000 1× EV-DO)

Ukrtelecom startete im November 2007 das erste UMTS-Mobilfunknetz der Ukraine, das seit 2011 als 3Mob firmiert. Die 2011 privatisierte Ukrtelecom befindet sich mehrheitlich im Besitz der Holding SCM des Oligarchen Rinat Achmetow. Im Winter 2014/15 wurden noch drei Lizenzen fĂŒr den Mobilfunkstandard UMTS verkauft. Diese Netze sollten frĂŒhestens im Sommer 2015 in Betrieb gehen.

Pipelines

Die Transitpipelines gehören zu den kritischsten Teilen der Infrastruktur. Die Ukraine ist zum einen auf Erdgas-Importe angewiesen, die es vor allem aus Russland bekommt, zum anderen ist es wichtiges Transitland fĂŒr Erdgas aus Russland. OsteuropĂ€ische LĂ€nder, aber auch die Bundesrepublik Deutschland werden ĂŒber die Pipelines mit russischem Gas versorgt. Um die starke AbhĂ€ngigkeit der Ukraine von russischem Gas zu reduzieren, wurde 2014 eine technische UmrĂŒstung der Leitungen eingeleitet, die umgekehrt gerichteten Gasfluss von West- und Mitteleuropa in Richtung der Ukraine ermöglichen soll.

KanÀle

Die KanĂ€le in der Ukraine dienen vorwiegend der BewĂ€sserung und nicht als Schifffahrtskanal. Der wichtigste Kanal ist der Nord-Krim-Kanal, ein ĂŒber 400 km langer BewĂ€sserungskanal, der von den 1970er Jahren an bis 2014 das aufgestaute Wasser des Dnepr in die wasserarmen Regionen im SĂŒden der Ukraine und auf die Krim leitete und so 85 % des gesamten Wasserverbrauchs der dortigen Bevölkerung deckte.

BrĂŒcken

Durch die Mitte der Ukraine fließt mit dem Dnepr der drittlĂ€ngste Strom Europas und teilt das Land in die rechtsufrige und linksufrige Ukraine. Um den Schienen- und Straßenverkehr beider Ufer miteinander zu verbinden, sind zahlreiche BrĂŒcken, vor allem in den StĂ€dten am Fluss, erbaut worden. Daneben dienen die Staumauern, die den Dnepr anstauen, als FlussĂŒbergĂ€nge fĂŒr den Straßenverkehr.

Die Halbinsel Krim wurde durch die Krim-BrĂŒcke ĂŒber die Meerenge von Kertsch mit dem russischen Territorium verbunden.

Katastrophenschutz und Feuerwehr

Im Staatlichen Dienst fĂŒr Notfallsituationen waren im Jahr 2019 landesweit 53.286 Berufs- und 142.598 freiwillige Feuerwehrleute organisiert, die in 2.210 Feuerwachen und FeuerwehrhĂ€usern, in denen 3.402 Löschfahrzeuge und 290 Drehleitern bzw. Teleskopmasten bereitstehen, tĂ€tig sind. Die ukrainischen Feuerwehren wurden im selben Jahr zu 269.160 EinsĂ€tzen alarmiert, dabei waren 96.812 BrĂ€nde zu löschen. Hierbei wurden 1.909 Tote von den Feuerwehren bei BrĂ€nden geborgen und 1.523 Verletzte gerettet.

Kultur

Bildung

Siehe Bildungssystem in der Ukraine

Feiertage

In der Ukraine wird der UnabhÀngigkeitstag am 24. August als Nationalfeiertag gefeiert. Arbeitsfreie gesetzliche Feiertage sind:

KĂŒche

Bildende Kunst und Volkskunst

WĂ€hrend die Ukraine im 19. Jahrhundert noch ein Teil des Russischen Reiches war, hat sie eine Reihe bekannter KĂŒnstler dieser Zeit hervorgebracht: Archip Kuindschi, Fedir Krytschewskyj, Mykola Murashko, Oleksandr Murashko, Mykola Pymonenko, Olena Kultschyzka, Mykola Buratschek, Oleksa Nowakiwskyj, Iwan Pokhitonov, Mykola Iwasjuk, Dmitri Lewizki, Apollon Mokrizki, Mykhaylo Berkos, Rufin Sudkowskyj, Iwan Jischakewytsch, Mykola Samokysch, Mykola Jaroschenko.

Der Maler Kasimir Malewitsch wurde in einem ukrainischen Dorf in einer polnischen Familie geboren und bezeichnete sich in seinem Tagebuch als Ukrainer. Nicht nur das, er studierte und lehrte auch an der Kiewer Kunstakademie (bekannt als die „Schule von Myrashko“). Er bezeichnete Mykola Pymonenko als seinen Lehrer. Malewitsch wird von den Ukrainern hoch geschĂ€tzt, unter anderem, weil er einer der wenigen Maler war, die ihre FĂ€higkeiten dazu nutzten auf die Schrecken des Holodomor aufmerksam zu machen. Ein anderer bekannter Maler, der den Holodomor in Bilder dargestellt hat, ist Iwan Martschuk.

Die erste ukrainische Avantgarde-Ausstellung fand 1908 in Kiew statt und hieß „Sweno“ (Die Verbindung), organisiert von einer Gruppe junger KĂŒnstler aus Kiew, St. Petersburg und Moskau, die als Venok-Stefanos (Der Kranz) bekannt war. Zur Organisationen gehörten Dawid Burljuk, Wladimir Burljuk, Alexandra Exter und Aristarkh Lentulov. Die Ausstellung von Venok-Stefanos in Kiew Ă€hnelte den ersten beiden Ausstellungen (einer in Moskau und einer in Sankt-Petersburg), umfasste aber nun auch andere KĂŒnstler aus der Ukraine: Alexandra Exter (lebte und arbeitete lange Zeit in Kiew), Alexander Bogomazow, Yevher Ahafonov und Mykhaylo Denysov. In dieser Richtung haben weiter auch andere KĂŒnstler gearbeitet, wie z. B.: Borys Kossarew, Wassili Jermilow, Anatolij Petryzkyj.

Auch die Volkskunst genießt in der Ukraine einen hohen Stellenwert. Bekannte ukrainische VolkskĂŒnstler sind zum Beispiel Marija Prymatschenko, Kateryna Bilokur und Iwan Hontschar. Zu Weltruhm gelangte die Petrykiwka-Malerei, ein origineller Stil der dekorativen Malerei, der 2013 in die ReprĂ€sentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen wurde.

Mit dem Boychukismus, benannt nach seinem BegrĂŒnder Mychajlo Bojtschuk entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Kunststil, dessen Verfechter eine eigenstĂ€ndige, ukrainische Bilder- und Formensprache anstrebten. Dazu orientierte sich die auch als Ukrainischer Monumentalismus bezeichnete Stilrichtung an der Kunst des Byzantinischen Reichs und der Kiewer Rus. Seit den 1930er Jahren in der Sowjetunion unterdrĂŒckt, wird der Boychukismus seit der UnabhĂ€ngigkeit der Ukraine wieder vermehrt gewĂŒrdigt. Zu seinen wichtigsten Vertretern gehören neben Mychajlo Bojtschuk selbst Tymofij Bojtschuk, Wassyl Sedljar, Iwan Padalka, Sofija Nalepynska-Bojtschuk, Oksana Pawlenko, Antonina Iwanowa, Mykola Rokyzkyj, Serhij Kolos und Ochrim Krawtschenko.

Zu den bekannte emigrierten Malern aus der Ukraine gehören auch: Wladimir Baranow-Rossiné, Sonia Delaunay, Alexis Gritchenko, Mykhailo Andriienko-Nechytailo, Volodymyr Walter Balas, Vasyl Khmeluk, Myron Levytsky, Edward Kozak, Anatole Kolomayets, Liuboslav Hutsaliuk, Michael Kmit, Jacques Hnizdovsky, Wassyl Krytschewskyj, Mykola Krychevsky, Boris Kriukow, Roman Baranyk, Halyna Mazepa, Omelian Mazuryk, Mykola Nedilko, Borys Plaksiy, Solohub Andriy.

Freilichtmuseen

Die meisten dieser Attraktionen sind der Kosakenzeit gewidmet. Das berĂŒhmteste Freilichtmuseum des Landes ist der Saporoger Sitsch-Komplex in der Stadt Saporischschja – die Rekonstruktion einer echten ukrainischen Kosakenburg, die in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts entstanden ist.

Auf dem zweiten Platz der PopularitÀt steht der Wiederaufbau der ukrainischen Kosakenfestung in der Stadt Baturyn.

Eines der berĂŒhmtesten DenkmĂ€ler dieser Art und die Hauptattraktion des zentralen Teils des Landes ist die Festung der Heiligen Elisabeth – eine große Erdfestung, die Mitte des 18. Jahrhunderts im Auftrag der russischen Kaiserin Elisabeth von Saporoger Kosaken zum Schutz vor Angriffen des Osmanischen Reiches erbaut wurde. Diese Festung spielte eine SchlĂŒsselrolle beim Sieg im Russisch-TĂŒrkischer Krieg (1768–1774) und der Etablierung einer stabilen Zivilisation im sĂŒdlichen Teil des Landes und ebnete den Weg fĂŒr die GrĂŒndung und Entwicklung großer StĂ€dte in der SĂŒdukraine – Cherson, Mykolajiw und Odessa. Am Ende des 18. Jahrhunderts erhielt sie selbst den Status einer Stadt – Jelizawetgrad (heute Kropywnyzkyj). Von dieser Festung aus brachen die Russischen Truppen 1775 auf und zerstörten die ukrainische Kosakenfestung Sitsch.

Hier wurde das erste professionelle ukrainische Theater gegrĂŒndet, und die Architektur der Stadt ist reich an neoklassizistischem Architekturerbe. WĂ€hrend des Holodomor und des Großen Terrors begruben Offiziere der OGPU und des NKWD heimlich diejenigen in MassengrĂ€bern innerhalb der Festung, die sie aufgrund erfundener Anschuldigungen entfĂŒhrt und getötet hatten. Dieses Thema blieb tabu und durfte nicht einmal privat besprochen werden. Jede Diskussion oder ErwĂ€hnung in der Presse drohte dem Autor bis zum Fall des Totalitarismus 1991 mit GefĂ€ngnis und Folter in psychiatrischen Kliniken mit UnterstĂŒtzung des KGB.

WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs wurde diese Festung zum Schauplatz massiver Nazi-Kriegsverbrechen. SpĂ€ter wurde an ihrer Stelle ein Gedenkkomplex errichtet – ein Pantheon ewigen Ruhms. Das zentrale Element der Festung ist die Statue des „Trauernden Vaterlandes“, die zum Symbol fĂŒr MĂŒtter geworden ist, die durch die Verbrechen totalitĂ€rer Regime ihre Kinder verloren haben. Sie befindet sich im historischen Zentrum der Stadt und ist der beliebteste Touristenort in der Region. Ihre Einzigartigkeit liegt darin, dass sie mehrere Epochen der Landesgeschichte umfasst und an der Kreuzung mehrerer Touristenrouten liegt.

Bildhauerei

Einer der bekanntesten ukrainischen Bildhauer sind Alexander Archipenko. Eine weitere bekannter Bildhauer ist Iwan Kawaleridse.

Architektur

Die ukrainische Architektur umfasst die Bau- und Stilrichtungen, die auf dem Gebiet der heutigen Ukraine entstanden sind und sich im Laufe der Geschichte unter dem Einfluss verschiedener Kulturen und historischer Epochen entwickelt haben.

Geschichte

Die ukrainische Architektur hat ihre ersten Wurzeln im ostslawischen Staat der Kiewer Rus. Nach der Mongolischen Invasion der Kiewer Rus setzte sich die eigenstĂ€ndige Architekturgeschichte in den FĂŒrstentĂŒmern Galizien-Wolhynien und spĂ€ter im GroßfĂŒrstentum Litauen fort. WĂ€hrend der Epoche der Saporoger Kosaken entwickelte sich unter dem Einfluss des Polnisch-Litauischen Staatenbunds ein fĂŒr die Ukraine charakteristischer Baustil.

Nach der Vereinigung mit dem Zarenreich Russland begann sich die Architektur in der Ukraine in verschiedene Richtungen zu entwickeln. Viele Bauwerke im grĂ¶ĂŸeren östlichen, vom russischen Zarenreich beherrschten Gebiet wurden im Stil der zeitgenössischen russischen Architektur errichtet, wĂ€hrend das westliche Galizien unter österreichisch-ungarischem Einfluss stand; in beiden FĂ€llen entstanden eindrucksvolle Beispiele. Trotz dieser Entwicklungen wurden ukrainische Stilmerkmale weiterhin verwendet und erfuhren seit dem frĂŒhen 20. Jahrhundert, in einigen Phasen der Sowjetunion-Ära sowie in der heutigen unabhĂ€ngigen Ukraine eine Renaissance.

Antike

Erste Monumente auf dem Gebiet der heutigen Ukraine stammen aus der Antike. Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. entstanden zahlreiche griechische Kolonien an der nördlichen KĂŒste des Schwarzen Meeres, von denen die bedeutendsten Tyras (das heutige Bilhorod-Dnistrowskyj), Olbia, Chersonesus, Theodosia, Panticapaeum (heute Kertsch) und andere sind. Die Architektur dieser Siedlungen war zunĂ€chst stark von den Bautraditionen Ioniens geprĂ€gt, aus dem viele der Kolonisten stammten, doch ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. wurde der Einfluss der Athener in der Region deutlich erkennbar. In den ersten Jahrhunderten der neuen Zeit verbreitete sich die hellenistische Architektur in der Pontischen Kolonienregion. Wertvolle erhaltene Überreste aus der Zeit der griechischen Kolonisierung in der heutigen Ukraine sind Ruinen von Verteidigungsmauern, WohnhĂ€usern, Tempeln und SĂ€ulenelemente.

FrĂŒhes Mittelalter

Nach erheblichen Zerstörungen wĂ€hrend der Völkerwanderungszeit erlebte die Architektur der griechischen Kolonien am Schwarzen Meer in der byzantinischen Ära eine Wiederbelebung. Wesentliche Bauwerke aus dieser Zeit sind frĂŒhchristliche Kirchen, von denen viele Elemente zuvor zerstörter antiker GebĂ€ude nutzten. Zentrum der Tempelarchitektur in der SpĂ€tantike und im frĂŒhen Mittelalter war Chersonesus. Viele Kirchen der frĂŒhesten Periode (4.–7. Jahrhundert n. Chr.) verfĂŒgten ĂŒber einen charakteristischen kreuzförmigen Grundriss, der vom Architekturstil des Nahen Ostens beeinflusst war. Auch Rotunden waren weit verbreitet. Zwischen dem 7. und 9. Jahrhunderten entstanden Basiliken römischen Typs. Zwischenformen fanden sich ebenfalls in der Kirchenarchitektur jener Zeit. Das am besten erhaltene byzantinische Bauwerk auf der Krim ist die im 8. Jahrhundert errichtete Johannes-der-TĂ€ufer-Kirche in Kertsch.

Mittelalterliche Rus (988–1240)

Der mittelalterliche Staat Kiewer Rus gilt als VorgĂ€nger der modernen Staaten Ukraine, Russland und Weißrussland sowie ihrer jeweiligen Kulturen, darunter auch der Architektur.

Die Kirchenarchitektur der Rus geht noch der offiziellen Christianisierung im Jahr 988 voraus; christliche Tempel in Kiew werden bereits fĂŒr das Jahr 945 erwĂ€hnt. Die frĂŒhen ostorthodoxen Kirchen bestanden hauptsĂ€chlich aus Holz. Die einfachste Bauform wurde als Zellenkirche bekannt. Der architektonische Stil der Rus war stark von der Byzantinischen Architektur geprĂ€gt, und griechische Baumeister wurden vom FĂŒrsten Volodymyr eingeladen, die ersten Steinkirchen der Region zu errichten. EinflĂŒsse der westeuropĂ€ischen Romanik waren ebenfalls vorhanden. Große Kathedralen wiesen oft zahlreiche kleine Kuppeln auf, was von einigen Kunsthistorikern als Hinweis auf das Aussehen vormals heidnischer slawischer Tempel interpretiert wurde. Die frĂŒhe Architektur der Kiewer Rus wies einen gemeinsamen Stil auf, der sich im Laufe der Zeit jedoch in zahlreiche lokale Varianten entwickelte.

Die Hauptstile auf dem Gebiet der heutigen Ukraine umfassen die Kiew-Tschernihiw-, die Galizische, sowie die Perejaslaw- und die Wolhynische Architekturschule. Bedeutende Bauwerke aus der Rus-Zeit in Kiew sind unter anderem die Zehntkirche (986–996) und die Sophienkathedrale (1017–1037), das Goldene Tor (ca. 1018–1037), das Michaelskloster (1108), die Wladimirkathedrale, die Pyrohoschtscha-Kirche (1131), die St.-Kyrill-Kirche (1140), die Erlöserkirche in Berestowo, die MariĂ€-Entschlafens-Kathedrale (1073) und die Dreifaltigkeitskirche (1108) im Kiewer Höhlenkloster, sowie die St.-Michael-Kirche des Vydubychi-Klosters (1088). Viele dieser Kirchen sind bis heute erhalten, wurden aber vom 16. bis 18. Jahrhundert teilweise Ă€ußerlich im ukrainischen Barockstil umgestaltet, wie etwa die bedeutende Sophienkathedrale, die Heilandskirche in Berestove und die St.-Kyrill-Kirche. Das Goldene Tor in Kiew, ursprĂŒnglich 1037 erbaut, wurde 1982 rekonstruiert, jedoch wurde die neue Gestaltung von einigen Kunsthistorikern als historisierende Phantasie kritisiert.

In Tschernihiw reprĂ€sentiert die Architektur aus der Rus-Epoche mehrere Kirchenbauten: die VerklĂ€rungskathedrale (Tschernihiw) (1024–1036), die Boris-und-Gleb-Kathedrale (1120–1123), die Elias-Kirce (1078), die Entschlafenskathedrale des Jelezkyi-Klosters (1060) und die Paraskeva-Kirche (12. Jahrhundert, Rekonstruktion in den spĂ€ten 1940er Jahren).

Teilweise erhaltene mittelalterliche Bauwerke finden sich außerdem in Orten wie Oster und Bilohorodka bei Kiew und Tschernihiw. In Kaniv wurde die im 12. Jahrhundert errichtete Georgskirche teilweise rekonstruiert erhalten. In der Nord- und Westukraine sind bedeutende Bauten aus der Rus-Zeit die Basiliuskirche in Ovrutsch (1190, Rekonstruktion 1907–1909), die Entschlafenskathedrale in Wolodymyr (1160, Rekonstruktion 1896–1900) und die St.-Pantaleon-Kirche nahe Halytsch (um 1200, Rekonstruktion 1998). In Halytsch und Umgebung wurden die Fundamente zahlreicher Kirchen freigelegt, darunter die Ruinen der Entschlafenskathedrale in Krylos, errichtet durch FĂŒrst Jaroslaw Osmomysl. Die Rus-Architektur der Halytsch-LĂ€nder zeigt einen deutlichen romanischen Einfluss, der auch in Tschernihiw sichtbar ist, aber in Kiew weniger ausgeprĂ€gt erscheint.

Profane und Volksarchitektur aus der Kiewer Rus-Zeit ist kaum erhalten geblieben.

SpĂ€tmittelalter und FrĂŒhe Neuzeit

Im 13. und 14. Jahrhundert beschrĂ€nkten sich die BautĂ€tigkeiten auf das westlichste Gebiet der heutigen Ukraine. Daher sind nur wenige Bauwerke aus dieser Zeit auf ukrainischem Gebiet vorhanden. Gotische Bausformen finden sich in der Armenischen Kathedrale von Lwiw (1363), der Geburtskirche in Halytsch (spĂ€tes 14. Jahrhundert), der Nikolaikirche in Lwiw (14. Jahrhundert) sowie dem Dreifaltigkeitskloster in Mezhyrich (Wolhynien) (15. Jahrhundert). Das grĂ¶ĂŸte gotische GebĂ€ude der Ukraine ist die Kathedrale MariĂ€-Entschlafens-Kirche in Lwiw (spĂ€tes 14. Jahrhundert).

Im 15. und 16. Jahrhundert verbreitete sich der wiederbelebte byzantinische Stil in Gebieten wie Bukowina, Galizien, Podolien und Bessarabien, sichtbar unter anderem in Kirchen in Lawriw, Kamyanez-Podilskyj, Synkew und Mohyliv-Podilskyj.

Anhaltende Kriege und die neue Kolonialpolitik des Szlachta fĂŒhrten zur verstĂ€rkten Entwicklung von Burgen und Befestigungen ab dem 14.–15. Jahrhundert. Besonders aktiv war hier Fjodor Korjatowytsch, Herrscher des FĂŒrstentums Podolien. Bedeutende Fortifikationen aus dieser Zeit sind unter anderem die Burgen in Synkew, Sataniv, Medzhybizh (Podolien), Khotyn (Bessarabien), Pniv, Terebowlja (Galizien), Ostroh, Lutzk, Kremenets (Wolhynien), Mukatschewe (Transkarpatien). Ein einzigartiges Bauwerk ist die befestigte Heilige Schutzkirche im podolischen Dorf Sutkivtsi (1476).

Im 16. Jahrhundert fand die Renaissance-Architektur Verbreitung, insbesondere in den selbstverwalteten StĂ€dten nach Magdeburger Stadtrecht. Viele bedeutende Architekten dieser Epoche stammten aus Italien; ihre Namen sind in historischen Quellen ĂŒberliefert: Peter der Italiener, Peter Krasowski, Peter Barbona, Paulus Dominici der Römer, Ambrosius Nutclauss und andere. Die grĂ¶ĂŸte Konzentration von Renaissance-Bauten findet sich auf dem Marktplatz von Lwiw und dessen Umgebung, mit GebĂ€uden wie dem Schwarzen Haus (Lwiw) (1577), dem Palast der Familie Korniakt (1580), der Boim-Kapelle (1617), den Kapellen der Familie Campian (ca. 1619), dem Bandinelli-Palast sowie dem Komplex der Dormitio-Kirche mit der Korniakt-Turm (1572–1578), der Kapelle der Drei Hierarchen (1578) und der Kirche selbst (1591–1629). Die letzten beiden GebĂ€udeteile zeigen EinflĂŒsse der einheimischen ukrainischen Kirchenarchitektur.

Im spĂ€ten 16. und frĂŒhen 17. Jahrhundert wurden Kirchen errichtet, die Renaissance-Stil und lokale Traditionen verbanden, so in Sokal, Nowoselyzja, Lutzk, Horodok und Shchyrets. Rekonstruktionen Ă€lterer Kirchen in Kiew, Tschernihiw, Oster, Perejaslaw, Kaniv und Nowhorod-Siverskyj trugen ebenfalls Renaissance-Elemente. SpĂ€tere Renaissanceelemente finden sich auch in römisch-katholischen Kathedralen in Lwiw, Lutzk und Kamjanzez-Podilskyj. Der Stil der Elias-Kirche in Subotiv (1656) und der Paraskeva-Kirche in Lwiw gilt als Übergangsstil zwischen Renaissance und Barock.

Kosakenzeit (Ukrainischer Barock)

Der ukrainische Barock entstand wĂ€hrend der Hetmanatszeit im 17. und 18. Jahrhundert. Als Stil der *Kosaken*-Aristokratie unterscheidet er sich vom westeuropĂ€ischen Barock durch konstruktivere EntwĂŒrfe, eine zurĂŒckhaltendere Ornamentik und einfachere Formen.

Zu den frĂŒhesten Beispielen des ukrainischen Barock zĂ€hlt die Sankt-Nikolaus-Kathedrale in Nischyn. Bedeutende ukrainische Barockkirchen aus Stein sind unter anderem der Kirchenbau im Kiewer Höhlenkloster, die Sankt-Georgs-Kathedrale des Vydubychi-Klosters (1696), das Dreifaltigkeitskloster (Tschernihiw) (1679), die Dreifaltigkeitskirche in Berezhany, die Kathedrale des Mhar-Klosters bei Lubny (1684), die St. Nikolaus MilitĂ€rkathedrale (1690) und das BrĂŒderkloster (1695) in Kiew (beide von den Sowjets zerstört), die Schutzmantel-Kathedrale in Charkiw (1689), die Heilig-Geist-Kathedrale in Romny, die Auferstehungskathedrale in Sumy, die Entschlafenskirche in Liutenka, Oblast Poltawa (zerstört), die Dreifaltigkeitskirche des Hustynia-Klosters, Oblast Tschernihiw (1672–1674), und die VerklĂ€rungskirche in Pryluky (1716). Bedeutend ist auch die hölzerne Dreifaltigkeitskathedrale in Samar (1772–1781).

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden die meisten mittelalterlichen Kirchen der Rus wesentlich umgestaltet und erweitert. Es wurden zusĂ€tzliche Kirchenkuppeln hinzugefĂŒgt sowie aufwĂ€ndige Außen- und Innenverzierungen. Zu den bekanntesten Wiederaufbauten zĂ€hlen die Fassaden der Sophienkathedrale in Kiew (1691–1705), der Entschlafenskathedrale des Kiewer Höhlenklosters (1695–1722), das Michaelskloster in Kiew, die St.-Michael-Kirche des Vydubychi-Klosters und die Erlöserkirche in Berestove, die von Petro Mohyla zwischen 1638 und 1643 wiederaufgebaut wurden.

GebÀude der Profanarchitektur des ukrainischen Barocks sind unter anderem der Samson-Brunnen in Kiew, das Haus Lyzohub (Kolonel des Tschernihiver Regiments) (RegimentskanzleigebÀude) in Tschernihiw, das Haus Lyzohub in Sedniv, das Haus des Pawlo Polubotok in Liubech sowie Verwaltungs- und WohngebÀude in Kozelets, Nischyn und Pryluky.

Zu den bedeutendsten Architekten des ukrainischen Barock zÀhlen Iwan Hryhorowytsch-Barskyj, Stepan Kownir, Osip Startsev, Adam Zernikaw und Iwan Zarudny.

Zu den Beispielen des Barock in den westlichen Regionen der Ukraine gehören die Burgen und Schlossbauten von Zbarasch, Berezhany, Pidhirtsi, Bar (erhalten als Ruine) sowie römisch-katholische Kirchen in Lwiw und Kamjanez-Podilskyj.

Russisches Zarenreich (18. Jahrhundert bis 1917)

Mit der zunehmenden Integration der Ost- und Zentralukraine in das Russische Kaiserreich erhielten russische Architekten die Möglichkeit, ihre Projekte in vielen ukrainischen StĂ€dten und Regionen zu realisieren. Die Sankt-Andreas-Kirche in Kiew (1747–1754), erbaut von Bartolomeo Rastrelli, ist ein herausragendes Beispiel der Rokoko-Architektur und wurde durch ihre Lage auf dem Kiewer Berg zu einem markanten Wahrzeichen der Stadt. Eine ebenso bedeutende Leistung Rastrellis ist der Mariinski-Palast, der als Sommerresidenz der russischen Zarin Elisabeth errichtet wurde.

Ein prominenter Architekt der spĂ€ten Barockzeit in der Ukraine war Gottfried Johann SchĂ€del, der den Bau des Großen Glockenturms des Kiewer Höhlenklosters (1736–1745) leitete und die GebĂ€ude der Kiew-Mohyla-Akademie (1736–1740) umbaute. Weitere bedeutende Bauwerke dieser Epoche in der Ukraine sind die GlockentĂŒrme der Sophienkathedrale (1748) und des Michaelsklosters in Kiew, die MariĂ€-Schutzmantel-Kirche im Kiewer Stadtteil Podil (1772), die Sankt-Georgs-Kathedrale in Lwiw (1744–1764), das Rathaus in Butschatsch, die Geburtstagskathedrale in Kozelez (1752–1763), die Hauptkathedrale des Potschaiwer Lavra (1771–1791) sowie die Dominikanerkirche in Lwiw (1749–1764).

Im Zuge von aufeinanderfolgenden Kriegen gegen das Osmanische Reich und seinen Vasallen, das Krim-Khanat, annektierte Russland schließlich den gesamten SĂŒden der Ukraine sowie die Krim. Diese Gebiete wurden in Neurussland umbenannt und sollten kolonisiert werden. Neue StĂ€dte wie Mykolajiw, Odessa, Cherson und Sewastopol wurden gegrĂŒndet.

In diesen entstanden bedeutende Beispiele kaiserlich-russischer Architektur. WĂ€hrend der Herrschaft des letzten Hetman der Ukraine, Kirill Rasumowski, wurden in vielen StĂ€dten des Kosakenhetmanats – etwa in Hluchiw, Baturyn und Kozelzy – prominente Bauprojekte umgesetzt, die vom beauftragten Architekten der Kleinrussland-Region, Andrej Kwasow, geleitet wurden. Zu den unter Rasumowski Herrschaft errichteten und bis heute erhaltenen Bauwerken gehören die PalĂ€ste in Jahotyn und Baturyn. Weitere Beispiele klassizistischer Architektur dieser Zeit in der Ukraine sind die PalĂ€ste in Wyshniwez und Kachanivka, die Mykolajiw-Observatorien, das VerklĂ€rungs-Kloster in Nowhorod-Siwerskyj sowie das Herrenhaus und Parkensemble Samchyky.

Im frĂŒhen 19. Jahrhundert trat in den ukrainischen Gebieten der Empirestil auf, eine neue populĂ€re Richtung der Architektur. Bedeutende Bauwerke dieses Stils sind das VertragsgebĂ€ude (Kiew), die Askold-Grab-Kirche und das Denkmal der Magdeburger Rechte in Kiew, alle nach EntwĂŒrfen von Andrej Melenskyj errichtet. Dazu kommen Kirchen in Chorol, Romny, Lubny, Pryjatyn und Pryluky, der Glockenturm der MariĂ€-Entschlafens-Kathedrale in Charkiw (1844) sowie RathĂ€user in Charkiw, Kiew, Poltawa, Lwiw, Czerniwzi und Kamjanez-Podilskyj.

Nach dem 1801 durch die russische Zarenregierung eingefĂŒhrten Verbot, einheimische ukrainische Baustile bei Kirchenbauten zu verwenden, wurde die ukrainische Architektur von klassizistischen EntwĂŒrfen geprĂ€gt, die von den Behörden in Moskau und Sankt Petersburg genehmigt wurden. Elemente des ukrainischen Nationalstils konnten sich besser in den westlichen ukrainischen Gebieten erhalten. Die Architektur des 19. Jahrhunderts in den großen ukrainischen StĂ€dten wie Kiew, Odesa, Charkiw, Lwiw, Czerniwzi und Cherson entwickelte sich unter dem Einfluss von Eklektizismus, Neorenaissance und weiteren populĂ€ren europĂ€ischen Stilen. Unter dem Einfluss romantischer Ideen wurde in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts besonders in der Kirchenarchitektur der sogenannte Russisch-byzantinische Stil populĂ€r. Bedeutende Bauwerke dieses Stils sind die Wladimirkathedrale (Chersones), die wiederaufgebaute Zehntkirche und die Wladimirkathedrale (Kiew), die Rekonstruktion der MariĂ€-Entschlafens-Kathedrale in Wolodymyr sowie die MariĂ€-VerkĂŒndigungskathedrale in Charkiw.

Architektur des spĂ€ten 19. und frĂŒhen 20. Jahrhunderts

Die Jugendstil-Architektur in den ukrainischen Gebieten wurde von zwei großen Schulen beeinflusst: der Wiener Secession und dem französischen „Moderne“. Bedeutende Beispiele dieses Stils sind die Bahnhöfe in Schmerinka und Lwiw sowie öffentliche und WohngebĂ€ude in Kiew, Charkiw und Odessa. Ab etwa 1900 entstand dank der Werke ukrainischer Architekten ein neuer nationaler Architekturstil, wobei besonders Wasyl Krytschewskyj hervorzuheben ist. Bedeutende Werke in diesem Stil, der von Volksarchitektur und ukrainischem Barock inspiriert ist, sind die MariĂ€-Schutzmantel-Kirche in Plischiwzi nahe Poltawa (1902), das Poltawsche Zemstwo-GebĂ€ude (1901–1908), das Chrennikow-Haus in Dnipro, das Haus von Mychajlo Hruschewskyj in Kiew, die Kunstschule Charkiw sowie zahlreiche von Opanas Slastion entworfene SchulgebĂ€ude.

Die westlichen Regionen der Ukraine, die frĂŒher Teil der k.u.k. Monarchie waren, beherbergen einige bedeutende Beispiele mitteleuropĂ€ischer Architektur des 19. Jahrhunderts, darunter das Lwiwer Opern- und Balletttheater.

Bekannte Architekten

Zu den bekannten Architekten aus der Ukraine gehören Wladyslaw Horodecki, Michail Eisenstein, Boris Iofan.

Literatur

Das erste in der Ukraine erschienene Buch wurde von Jurij Drohobytsch im Jahre 1483 verfasst. Der in der Stadt Poltawa lebende Iwan Kotljarewskyj gilt als Erneuerer der ukrainischen Schriftsprache. Zu den bedeutendsten Schriftstellern gehören Iwan Franko, Lessja Ukrajinka und Taras Schewtschenko, nach dem der seit 1962 verliehene wichtigste Kulturpreis der Ukraine, der Taras-Schewtschenko-Preis, benannt ist.

Film

Der wichtigste Filmpreis ist nach dem Regisseur und Schriftsteller Oleksandr Dowschenko benannt.

Musik

Ein Wandbild in der Sophienkathedrale von Kiew aus dem 11. Jahrhundert gibt Einblick in die mittelalterliche Musizierweise auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Es zeigt Skomorochi und Musiker, die Querflöten, Trompeten oder Schalmeien, Lauten, Psalterium (gusli) und Zymbal (cymbaly) spielen. Es ist unklar, ob die Institution der Skomorochi, die als TÀnzer, Gaukler und Theaterspieler auftraten, aus dem Byzantinischen Reich oder aus dem Westen stammt oder lokalen Ursprungs ist. Die ukrainische Volksmusik ist entsprechend der geographischen Lage des Landes von slawischen und nichtslawischen Völkern in Osteuropa und Vorderasien beeinflusst.

FrĂŒher gab es in den Dörfern eigene regionale Volksmusikstile und AuffĂŒhrungspraktiken, die außerdem nach Geschlechtern unterschieden wurden. Die rituellen Gesangstraditionen wurden ĂŒberwiegend von Frauen und MĂ€dchen, die Instrumentalmusiken ĂŒberwiegend von MĂ€nnern und Jungen aufgefĂŒhrt. Die Unterhaltungslieder wurden zu allen Zeiten gleichermaßen von der gesamten Bevölkerung gesungen. Bekannt waren auch Kobsaren, hĂ€ufig blinde Barden, die epische Lieder vortrugen und sich dabei selbst begleiteten. KosakengesĂ€nge aus Dnipropetrowsk gelten heute als erhaltungsbedĂŒrftig und wurden 2016 in die entsprechende UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Zu den heute verbreiteten traditionellen Volksmusikinstrumenten gehören die Lauten bandura und kobsa (namensverwandt mit der rumĂ€nischen cobză), die Violine, die Drehleier lira, ein dreisaitiger, gestrichener Bass basol(i)a (in der GrĂ¶ĂŸe einer Gambe), das Hackbrett cymbaly, die Laute torban, eine Gruppe von Kernspaltflöten sopilka, bei den Huzulen die lange Holztrompete trembita, ein Akkordeon, die Sackpfeife koza (Ă€hnlich der polnischen koza), die Rahmentrommel bubon und die Maultrommel drymba. Ein typisches Ensemble, das als troista muzyka (von „drei Musiker“) bekannt ist, besteht aus Violine, Hackbrett und Bass oder Rahmentrommel. Wenn die Musiker VolkstĂ€nze wie den Huzulka begleiten, enthalten die StĂŒcke improvisierte Anteile.

Nach der UnabhĂ€ngigkeit 1991 wurde die Ukraine Mitglied der EuropĂ€ischen Rundfunkunion (EBU) und nahm im Jahr 2003 erstmals am Eurovision Song Contest teil. Bereits bei der zweiten Teilnahme im Jahr danach gewann die SĂ€ngerin Ruslana Lyschytschko mit ihrem Wild Dances Project in Istanbul den ESC 2004, dessen 50. JubilĂ€ums-Ausgabe 2005 daraufhin in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ausgetragen wurde. Die Ukraine wurde damit das 21. Land, das bei einem ESC siegte, und das 20. Land, in dem ein ESC ausgetragen wurde. Beim ESC 2016 gewann die Ukraine mit dem Lied 1944 von der SĂ€ngerin Jamala zum zweiten Mal den Eurovision Song Contest, woraufhin der ESC 2017 erneut in Kiew stattfand. Im Jahr 2022 folgte der dritte Gewinn des ESC (Kalush Orchestra mit Stefania). Aufgrund des von Russland begonnenen Angriffskrieges wurde als Austragungsort des ESC 2023 Großbritannien geplant. Die Ukraine ist das einzige Land beim ESC, das noch nie in einem Halbfinale des Eurovision Song Contests ausgeschieden ist.

Sport

Fußball

Fußball ist der populĂ€rste Sport in der Ukraine. Der Fußball in der Ukraine wird vom Fußballverband der Ukraine (FFU) organisiert. Die erste Fußballliga in der Ukraine ist die Premjer-Liha. Bekannte Vereine sind Dynamo Kiew und Schachtar Donezk. Das bisher beste Abschneiden der jungen ukrainischen Fußballnationalmannschaft war bei einer Weltmeisterschaft (2006) und Europameisterschaft (2021) jeweils das Viertelfinale.

Oleh Blochin und Ihor Bjelanow wurden zu Sowjetzeiten mit dem Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet. Die Ukraine konnte 2007 einen sportpolitischen Erfolg erringen, indem das Land, das erst seit 1992 eigenstĂ€ndig dem EuropĂ€ischen Fußball-Verband UEFA angehört, im ersten Wahlgang den Zuschlag des UEFA-Exekutivkomitees bekam, gemeinsam mit Polen die Europameisterschaft 2012 auszurichten. Der populĂ€rste ukrainische Fußballspieler ist Andrij Schewtschenko, der mit der AC Mailand u. a. die Champions League gewann und italienischer Meister wurde sowie 2004 als dritter Ukrainer ebenfalls mit dem Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet wurde.

Boxen

Die bekanntesten ukrainischen Boxer sind die BrĂŒder Vitali und Wladimir Klitschko.

Im Amateurboxen konnte die Ukraine seit 1996 vier Olympiasieger stellen: Wladimir Klitschko (1996, Superschwergewicht), Wassyl Lomatschenko (2008, Federgewicht, 2012 Leichtgewicht), Oleksandr Ussyk (2012, Schwergewicht) und Oleksandr Chyschnjak (2024, Halbschwergewicht). Andrij Kotelnik (2000, Leichtgewicht) und Serhij Dotsenko (2000, Weltergewicht) gewannen Silbermedaillen. Zudem errangen ukrainische Boxer fĂŒnf Bronzemedaillen, unter anderem Wladimir Sidorenko (2000, Fliegengewicht) und Wjatscheslaw Hlaskow (2008, Superschwergewicht). Oleksandr Chyschnjak konnte bei den olympischen Sommerspielen in Tokio (2020) Silber im Mittelgewicht gewinnen und 2024 in Paris Gold im Halbschwergewicht.

Im Profibereich gelang es bisher sechs Athleten Weltmeistertitel zu gewinnen: Wladimir und Vitali Klitschko im Schwergewicht, Oleksandr Ussyk im Schwer- sowie Cruisergewicht, Serhij Dsynsyruk im Halbmittelgewicht, Sidorenko im Bantamgewicht und Kotelnik im Halbweltergewicht.

Leichtathletik

Serhij Bubka aus Luhansk ist sechsfacher Weltmeister und Olympiasieger im Stabhochsprung. Er stellte insgesamt 35 Weltrekorde auf und schaffte 43 SprĂŒnge ĂŒber die Sechs-Meter-Marke. Seit 2005 ist er Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine.

Schach

Ruslan Ponomarjow wurde 2002 FIDE-Weltmeister, Anna Uschenina 2012 und Marija Musytschuk 2015 Schachweltmeister der Frauen. Die Nationalmannschaft wurde 2001 Mannschaftsweltmeister und gewann die Schacholympiade 2004 und die Schacholympiade 2010. Die ukrainische Damenauswahl siegte 2006 bei der Schacholympiade. Der ehemals ukrainische Großmeister Sergei Karjakin war im Jahr 2016 Vizeweltmeister.

Motorradsport

Die StÀdte Lwiw und Riwne sind international bekannt im Speedway; in beiden wurden bereits mehrfach WM-LÀufe ausgetragen.

Inklusion

Special Olympics Ukraine wurde 1994 gegrĂŒndet und nahm mehrmals an Special Olympics Weltspielen teil.

Siehe auch

  • UniversitĂ€ten in der Ukraine
  • Gewerkschaften in der Ukraine
  • Ukrainistik
  • Gesetzliche Zeit in der Ukraine

Literatur

(chronologisch, neueste zuerst)

  • Andreas Kappeler: Kleine Geschichte der Ukraine. 9., aktualisierte Auflage. C. H. Beck, MĂŒnchen 2024, ISBN 978-3-406-81183-8.
  • Andreas Kappeler: Ungleiche BrĂŒder: Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Erweiterte Neuausgabe. C. H. Beck, MĂŒnchen 2023, ISBN 978-3-406-80042-9.
  • Christian Reder: Grenzland Ukraine. UnterdrĂŒckte Potenziale. Drastische Gewalterfahrungen. Mit einem Essay von Wolfgang Petritsch. Mandelbaum Verlag, Wien 2022, ISBN 978-3-85476-926-2.
  • Serhii Plokhy: Die Frontlinie. Warum die Ukraine zum Schauplatz eines neuen Ost-West-Konflikts wurde. Übersetzt von Stephan Gebauer, Thorsten Schmidt, Gregor Hens, Ulrike Bischoff und Stephan Kleiner. Rowohlt, Hamburg 2022, ISBN 978-3-498-00339-5 (englisch: The Frontline. Essays on Ukraine’s Past and Present. Harvard University Press, Cambridge (MA) 2021, ISBN 978-0-674-26882-1).
  • Serhii Plokhy: The Gates of Europe: A History of Ukraine. Aktualisierte Neuauflage. Basic Books, New York 2021, ISBN 978-1-5416-7564-3.
  • Antonia Kostretska: Terra incognita: Die Ukraine, die Ukrainer und das Ukrainisch. Eine enzyklopĂ€dische Sammlung. Grin, MĂŒnchen 2018, ISBN 978-3-668-60191-8.
  • Marian Madela: Der Reformprozess in der Ukraine 2014–2017. Ibidem, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-8382-1266-1.
  • Oksana Dutchak, Artem Chapeye, Bettina Musiolek (Clean Clothes Campaign): LĂ€nderprofil Ukraine. o. J. (2017) (Volltext als PDF).
  • Karl Schlögel: Entscheidung in Kiew. Ukrainische Lektionen. Hanser, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-446-24942-4 (Rezension von Richard Herzinger in Die Welt. 8. Oktober 2015).
  • Joseph Roth: Reisen in die Ukraine und nach Russland. Hrsg. von Jan BĂŒrger. C. H. Beck, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-406-67545-4.
  • Kerstin S. Jobst: Geschichte der Ukraine. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-15-019320-4 (Rezension der Erstauflage 2010), aktualisierte Neuausgabe Stuttgart 2022, ISBN 978-3-15-014326-1.
  • Andriy Mykhaleyko: Gott auf dem Majdan. Die Rolle der Kirchen in der Ukraine-Krise. In: ContaCOr. Nr. 17, Sonderausgabe 2015, ISSN 2364-5202.
  • Steffen Dobbert: Euromaidan – Protest und Zivilcourage in der Ukraine. Hrsg. von Zeit online. Epubli, Berlin 2014, ISBN 978-3-8442-8601-4.
  • Winfried Schneider-Deters: Die Ukraine: Machtvakuum zwischen Russland und der EuropĂ€ischen Union. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-8305-3116-6.
  • Adolph Stiller (Hrsg.): Ukraine: StĂ€dte Regionen Spuren (= Architektur im Ringturm. Band 28). MĂŒry Salzmann, Salzburg 2012, ISBN 978-3-99014-060-4.
  • Dietmar Schultke: „Ukrainski Blues“ – StreifzĂŒge durch die Ukraine. Regia, Cottbus 2009, ISBN 978-3-86929-017-1.
  • Viktor Timtschenko: Ukraine – Einblicke in den neuen Osten Europas Ch. Links, Berlin 2009, ISBN 978-3-86153-488-4.
  • Christian Reder, Erich Klein (Hrsg.): Graue Donau, Schwarzes Meer. Wien Sulina Odessa Jalta Istanbul (Recherchen, GesprĂ€che, Essays). Edition Transfer bei Springer, Wien / New York 2008, ISBN 978-3-211-75482-5.
  • Kathrin Boeckh, Ekkehard Völkl: Ukraine. Von der Roten zur Orangenen Revolution. Pustet, Regensburg 2007, ISBN 978-3-7917-2050-0.
  • Oleh Turij: Das religiöse Leben und die zwischenkonfessionellen VerhĂ€ltnisse in der unabhĂ€ngigen Ukraine. Institut fĂŒr Kirchengeschichte der Ukrainischen Katholischen UniversitĂ€t. Lwiw 2007.
  • Nachbarn im Osten: Ukraine und Belarus. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 1. November 2006.
  • Rainer Lindner: Das Ende von Orange. Die Ukraine in der Transformationskrise (= SWP-Studien. S 20). Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin 2006 (Volltext zum Download).
  • Pavlo Khiminets: Protestantismus in der Ukraine. Rolle und Stellung des Protestantismus im soziokulturellen Kontext der Geschichte der Ukraine. Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-55791-4.
  • Heiko Pleines: Ukrainische Seilschaften. Informelle Einflussnahme in der ukrainischen Wirtschaftspolitik 1992–2004 (= Analysen zur Kultur und Gesellschaft im östlichen Europa. Band 19). Lit, MĂŒnster 2005, ISBN 3-8258-8283-7.
  • Landeszentrale fĂŒr politische Bildung Baden-WĂŒrttemberg (Hrsg.): Nach der „Orangenen Revolution“ (= Der BĂŒrger im Staat. Band 55, Heft 4). Weinmann, Filderstadt 2005 (online; AufsĂ€tze zur Entwicklung von Politik und Wirtschaft in der Ukraine, Russland und Belarus).
  • Gerhard Simon: Die neue Ukraine. Böhlau, Köln 2002, ISBN 3-412-12401-X.
  • Andrew Wilson: The Ukrainians. Unexpected Nation. Yale University Press, New Haven 2002, ISBN 0-300-09309-8.
  • Robert Kravchuk: Ukrainian Political Economy. The First Ten Years. Palgrave Macmillan, New York 2002, ISBN 978-0-312-21034-2.
  • Britta Böhme: Grenzland zwischen Mythos und RealitĂ€t. Real- und Ideengeschichte des ukrainischen Territoriums. Berliner Debatte Wissenschafts-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-931703-33-9.
  • Claus Remer: Zum Ukrainebild in Deutschland vom 19. zum 20. Jahrhundert. In: Erhard Hexelschneider (Hrsg.): Russland & Europa. Historische und kulturelle Aspekte eines Jahrhundertproblems. Jenaer Forum fĂŒr Bildung und Wissenschaft, Leipzig 1995, ISBN 3-929994-44-5, S. 225–243.
Lexikalische Artikel und Àltere Darstellungen
  • Lexikoneintrag zu Ukraine. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 19, Leipzig/Wien 1909, S. 877.
  • Lexikoneintrag zu Kleinrußland. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 11, Leipzig/Wien 1907, S. 124.
  • Lexikoneintrag zu Russisches Reich. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 17, Leipzig/Wien 1909, S. 289–328.
  • Guillaume le Vasseur (Sieur de Beauplan): Beschreibung der Ukraine, der Krim, und deren Einwohner. Aus dem Französischen ĂŒbersetzt und nebst einem Anhange der die Ukraine, und die Budziackische Tatarey betrifft, und aus dem Tagebuche eines deutschen Prinzen, und eines Schwedischen Kavaliers gezogen worden, herausgegeben von Johann Wilhelm Moeller. Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1780 (Google Books).
  • Johann Georg Kohl: Reisen im Inneren von Rußland und Polen. Zweiter Theil: Die Ukraine. Kleinrußland. Nebst einem Titelkupfer, einem Plane der Wintermesse in Charkow und einer Karte von Kleinrußland. Arnoldische Buchhandlung, Dresden/Leipzig 1841 (Google Books).

Dokumentationen

  • Im Schatten Russlands – Ukraine – Zerrissen zwischen Ost und West. TV-Dokumentation von Bettina Wobst, ZDF, 2022.
  • Blackbox Ukraine: Kampf um die Geschichte, TV-Geschichts-Dokumentation von Dirk Schneider (Regie) und Andreas Fauser (Autor), MDR, 20. Februar 2024, verfĂŒgbar bis 11. August 2024.

Weblinks

  • Offizielle Website der Ukraine
  • Offizielle Website des ukrainischen PrĂ€sidenten (ukrainisch, russisch, englisch)
  • Offizielle Website der ukrainischen Regierung (ukrainisch, englisch)
  • Offizielle Website des ukrainischen Parlaments (ukrainisch, englisch)
  • LĂ€nder- und Reiseinformationen des AuswĂ€rtigen Amts
  • Ukraine-Analysen (Forschungsstelle Osteuropa, Uni Bremen)
  • Stichwort Ukraine im Online-Lexikon des BKGE
  • Indexmundi – statistische Daten zur Ukraine
  • Umfangreiche Kartensammlung der gesamten Ukraine (ukrainisch)
  • Texte und HintergrĂŒnde zum Krieg in der Ukraine
  • Literatur von und ĂŒber Ukraine im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Anmerkungen

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (24)

Bezeichnung der Regionen: Oblast
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Cherkasy 50.251 48.453 29.593 32.855  
Chernivtsi 48.678 47.714 24.928 27.504  
Chmelnyzkyj 50.587 48.452 26.148 27.889  
Crimea 47.583 44.381 31.505 36.639  
Dnipropetrowsk 49.183 47.474 32.984 36.927  
Donezk 49.232 46.876 36.531 39.056  
Ivano-Frankivs'k 49.525 47.71 23.533 25.646  
Kharkiv 50.432 48.527 34.841 38.081  
Kiev 51.493 49.171 29.27 32.139  
Kirowohrad 49.262 47.748 29.738 33.919  
L'viv 50.644 48.724 22.641 25.434  
Luhansk 50.063 47.812 37.847 40.159  
Mykolajiw 48.221 46.43 30.209 33.137  
Odessa 48.222 45.214 28.199 31.307  
Poltava 50.547 48.746 32.069 35.475  
Rivne 51.929 50.013 25.063 27.705  
Saporischschja 48.13 46.255 34.204 37.221  
Sumy 52.361 50.107 32.94 35.692  
Ternopil 50.265 48.51 24.707 26.381  
Transkarpatien 49.086 47.897 22.133 24.641  
Tschernihiw 52.369 50.343 30.508 33.487  
Winnyzja 49.881 48.001 27.37 30.076  
Wolyn 51.95 50.295 23.593 26.096  
Zhytomyr 51.652 49.582 27.192 29.736  
 

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Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Flagge: Ukraine

Name englisch: Ukraine
Hauptstadt: Kiev
Kfz: UA
ISO: UA
ISO3: UKR
Fläche: 603700 km²
Tld: .ua
Wärung Einheit: UAH
Währung: Hryvnia
Vorwahl: 380

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 52.379581
südlichster Punkt: 44.386463
westlichster Punkt: 22.1357201
östlichster Punkt: 40.2285809


 
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