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Staat Informationen : Albanien

Informationen:


Albanien (albanisch unbestimmt: ShqipĂ«ri, bestimmt: ShqipĂ«ria), amtlich Republik Albanien (albanisch Republika e ShqipĂ«risĂ«), ist ein Staat in SĂŒdosteuropa auf der Balkanhalbinsel. Das Staatsgebiet grenzt im Norden an Montenegro und den Kosovo, im Osten an Nordmazedonien und im SĂŒden an Griechenland. Die natĂŒrliche Westgrenze wird durch die KĂŒsten des Adriatischen und des Ionischen Meeres gebildet, womit das Land zu den Anrainerstaaten des Mittelmeeres zĂ€hlt. Die Hauptstadt und gleichzeitig grĂ¶ĂŸte Stadt des Landes ist Tirana.

Albanien ist eine demokratisch verfasste parlamentarische Republik. Nach dem von den Vereinten Nationen erhobenen Index der menschlichen Entwicklung zĂ€hlt Albanien zu den hoch entwickelten Staaten der Erde. Seit dem Ende des Kommunismus wurden bedeutende Schritte zur Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage erreicht. Trotz aller Fortschritte war Albanien im Jahr 2017 noch immer eines der Ă€rmsten LĂ€nder Europas. Durch Drogenanbau und -schmuggel werden jedoch bedeutende Einnahmen generiert, und das Land galt Anfang 2019 als Hauptlieferant fĂŒr bestimmte Drogen in die EuropĂ€ische Union.

Das Land ist Mitglied der Vereinten Nationen, der NATO, der OSZE, des Europarates, des CEFTA, des Regionalen Kooperationsrates, der Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation und der Organisation fĂŒr Islamische Zusammenarbeit. Seit dem 24. Juni 2014 ist Albanien zudem Beitrittskandidat der EuropĂ€ischen Union. Außerdem ist es Mitglied der Welthandelsorganisation und der Weltbank.

Geographie

Überblick

Mit seiner FlÀche von 28.748 Quadratkilometern ist Albanien etwas kleiner als Belgien und hat mit 2,8 Millionen etwas mehr Einwohner als Schleswig-Holstein.

Albaniens KĂŒste an der Adria und am Ionischen Meer ist 362 Kilometer lang. An der engsten Stelle der Adria – der Straße von Otranto – ist sie nur 73 Kilometer von Italien entfernt, beim Ort Ksamil nur zwei Kilometer von der griechischen Insel Korfu. An der KĂŒste gibt es unzĂ€hlige natĂŒrliche Sand- und KiesstrĂ€nde. Bekannte Urlaubsorte sind Velipoja, ShĂ«ngjin, DurrĂ«s und Vlora an der Adria sowie DhĂ«rmi, Himara und Saranda am Ionischen Meer.

Die Landgrenze zu Montenegro und dem Kosovo (bzw. Serbien) ist 287 Kilometer lang, die zu Griechenland 282 Kilometer und die zu Nordmazedonien 151 Kilometer.

Wie der ganze Mittelmeerraum liegt auch Albanien in einer tektonisch sehr aktiven Region. Schwere Erdbeben sind immer wieder aufgetreten, so zum Beispiel 1967, 1979 und 2019.

NaturrÀumliche Gliederung

Etwa die HĂ€lfte des albanischen Staatsgebiets wird von Bergland mit Höhen von ĂŒber 600 mÂ ĂŒ. A. eingenommen. Ein kleiner Teil davon sind Hochgebirgsregionen. Vom Skutarisee im Norden bis nach Vlora im SĂŒden erstrecken sich zum Teil nur wenige Kilometer breite Alluvialböden entlang der KĂŒste, die sich in Mittelalbanien zur großen Myzeqe-Ebene ausdehnen. An der KĂŒste befinden sich zahlreiche Lagunen und Feuchtgebiete.

Nur die TĂ€ler, das HĂŒgelland, Teile der KĂŒstenebene und einige Hochebenen ermöglichen eine dichte menschliche Besiedlung. Dort ist die Bevölkerungsdichte relativ hoch, wĂ€hrend andere Teile des Landes spĂ€rlich bewohnt sind.

Im Norden des Staates befinden sich die Nordalbanischen Alpen, die zu den Dinariden gehören. Höchster Berg Albaniens ist der 2764 mÂ ĂŒ. A. hohe Korab, nordöstlich von Peshkopia direkt an der Grenze zu Nordmazedonien. Ein weiterer hoher und bekannter Berg ist die Jezerca. Diese ist mit 2694 mÂ ĂŒ. A. der höchste vollstĂ€ndig in Albanien liegende Berg.

GewÀsser

Alle großen FlĂŒsse Albaniens mĂŒnden in die Adria. Mit 282 Kilometern LĂ€nge ist der Drin der lĂ€ngste Fluss des Landes. Der Schwarze Drin entspringt dem Ohridsee. Beim nordalbanischen KukĂ«s vereinigt er sich mit dem aus dem Kosovo kommenden Weißen Drin. Der (Vereinigte) Drin fließt dann in westlicher Richtung durch mehrere große Stauseen und mĂŒndet bei Shkodra in die Buna. Die anderen grĂ¶ĂŸeren albanischen FlĂŒsse Mat, Shkumbin, Seman mit Devoll und Vjosa (in ihrer Nennung von Norden nach SĂŒden) fließen mehr oder weniger direkt in westlicher Richtung der Adria zu, wobei alle verschiedene Bergketten durchbrechen. Die kurze Buna entwĂ€ssert den Shkodrasee in die Adria und bildet dabei streckenweise die Grenze zu Montenegro.

Klima

In Albanien herrscht ein subtropisch-mediterranes Winterregenklima (Mittelmeerklima) mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 16 °C und einer Jahresniederschlagssumme von knapp 1200 Millimetern.

In Tirana sind zwei Sommermonate arid. In den nördlichen und östlichen Bergregionen sind die Winter hart; auch im Sommer kann es dort recht kĂŒhl werden. Im Winter sind viele Orte in diesen Gebieten wegen Schnees fĂŒr Monate von der Außenwelt abgeschnitten. Im SĂŒden am Ionischen Meer ist das Klima deutlich milder. In den KĂŒstenregionen sind im Winter die Niederschlagsmengen hoch. In Saranda werden jĂ€hrlich fast 300 Sonnentage verzeichnet.

StÀdte

StĂ€dte gibt es auf dem Gebiet Albaniens seit ĂŒber 2600 Jahren. Als eine der Ă€ltesten gilt DurrĂ«s, gegrĂŒndet 627 v. Chr. Eine knappe Mehrheit der Bevölkerung (54 %) lebt heute in StĂ€dten. Die grĂ¶ĂŸten liegen dabei in den westlichen KĂŒstenniederungen. Sie sind ab dem letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts stark gewachsen, wĂ€hrend kleinere Orte Einwohner verloren. Insbesondere Tirana hat sich durch die starke Landflucht in den 1990er Jahren weit ins Umland ausgedehnt und bildet heute zusammen mit VorstĂ€dten und DurrĂ«s eine Metropolregion.

Natur und Umwelt

Albanien verfĂŒgt ĂŒber eine reiche Artenvielfalt und kĂ€mpft gleichzeitig mit einer Reihe von Umweltproblemen, darunter Überweidung, illegale Rodungen, Wilderei bei Fischfang und Jagd sowie Überfischung. Im Jahr 2002 waren 3,6 % der LandesflĂ€che unter Schutz gestellt; im Jahr 2010 waren es 9,9 %. Albanien hat Anteile am GrĂŒnen Band Europas und liegt im Blauen Herzen Europas.

Flora und Fauna

Das Land liegt in einer artenreichen Region, die vor allem viele Pflanzenarten aufweist. Die albanische Flora zĂ€hlt ĂŒber 3221 Arten. Davon sind 489 auf der Balkanhalbinsel endemisch, und 40 Arten kommen nur in Albanien vor. In den Niederungen wachsen Palmen, Orangen- und ZitronenbĂ€ume. Die tief in das Bergland eingegrabenen FlusstĂ€ler sind von Walnuss- und MandelbĂ€umen gesĂ€umt. In den WĂ€ldern im Norden gedeihen unter anderen Tannen, Fichten, Eichen, Buchen und AhornbĂ€ume. Besonders EichenwĂ€lder sind typisch und bilden ein FĂŒnftel der albanischen WĂ€lder. Im wĂ€rmeren SĂŒden und in den KĂŒstenebenen wachsen vor allem Pinien, Linden und OlivenbĂ€ume. Macchie sind bis auf eine Höhe von 800 mÂ ĂŒ. A. verbreitet neben Eukalyptus-, Feigen- und LorbeerbĂ€umen.

Mit vielen unerschlossenen Gebieten bietet das Land Lebensraum fĂŒr eine Vielzahl von seltenen Vogelarten und anderen Tieren, die anderswo in der Region verschwunden sind. In den abgelegenen Berggebieten leben Wölfe, die letzten der stark gefĂ€hrdeten Balkanluchse und FĂŒchse; Hirsche, verwilderte Hausziegen und Wildschweine sind ebenfalls verbreitet. Die Zahl der BraunbĂ€ren soll sich Ende der 1990er Jahre stark dezimiert haben. Zudem hat Albanien mehr als 350 heimische Vogelarten. Dazu gehören unter anderen Adler, Falken und Milane. Die großen Feuchtgebiete an der KĂŒste, insbesondere die Lagunen von Karavasta, Narta und Butrint sowie Seen im Landesinneren sind wichtige Stationen fĂŒr viele Zugvögel. In albanischen GewĂ€ssern gibt es ca. 260 Salz- und SĂŒĂŸwasserfischarten sowie Suppenschildkröten und Karettschildkröten.

In den 25 Jahren nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes wurde in Albanien ein RĂŒckgang der BiodiversitĂ€t festgestellt. Zwei Pflanzen- und vier SĂ€ugetierarten sind ausgestorben. Bei 27 SĂ€ugetierarten, 89 Vogelarten, sechs Fischarten und vier Pflanzenarten wurde ein BestandsrĂŒckgang um mehr als die HĂ€lfte dokumentiert. Um die bedrohte Tierwelt zu schĂŒtzen, verhĂ€ngte die Regierung Anfang 2014 einen Jagdbann fĂŒr zwei Jahre. 2016 wurde der Jagdbann bis ins Jahr 2021 verlĂ€ngert. Im Februar 2016 wurde zudem ein zehnjĂ€hriges Abholzungsverbot erlassen. Laut dem Tiranaer Magazin Exit zeigt das Abholzungsverbot jedoch keinerlei Wirkung, denn neu gerodete FlĂ€chen werden im Zonenplan automatisch als „landwirtschaftliche FlĂ€che“ klassifiziert.

Nationalparks

In Albanien gibt es 14 Nationalparks, die rund 6,9 % des Staatsgebiets abdecken, und die Meeresschutzzone Karaburun-Sazan. Die grĂ¶ĂŸten sind der Nationalpark Hotova-Dangell, der Nationalpark Shebenik-Jablanica und der Nationalpark Dajti. Die Parks sind RĂŒckzugsgebiet zahlreicher Pflanzen und Tiere und beherbergen unberĂŒhrte Landschaften. Es fehlt jedoch ein praktischer und effektiver Schutz der Gebiete. Einzelne Nationalparks sind beliebte Touristenziele.

Umweltverschmutzung

Albanien galt 2004 als das Land mit der stÀrksten Umweltverschmutzung in Europa. Emissionen und Altlasten verschmutzen GewÀsser, Grundwasser, Böden und die Luft, vor allem in dicht besiedelten Regionen.

UrsĂ€chlich hierfĂŒr sind mitunter eine unzureichende Abfallentsorgung, darunter ein weit verbreitetes Verbrennen von MĂŒll jeglicher Art sowie wilde MĂŒllkippen, und der Verkauf von minderwertigen Kraftstoffen. Es gab 2013 nur zwei MĂŒlldeponien, welche die EU-Normen erfĂŒllten. Viele AbfĂ€lle werden an Flussufern oder auf Feldern entsorgt. Dennoch wird MĂŒll importiert. 2011 wurde der MĂŒllimport von der damaligen Regierung Berisha erlaubt, 2013 machte die neue Regierung Rama das entsprechende Gesetz rĂŒckgĂ€ngig. Im Sommer 2016 wurde das Gesetz unerwartet wieder erlassen. Zudem ist das neue MĂŒllimport-Gesetz viel freizĂŒgiger als das ursprĂŒngliche Gesetz aus dem Jahr 2011.

Viele der in Albanien betriebenen PKWs haben Dieselmotoren. Ebenso wie die LKWs sind viele von ihnen alt und schlecht gewartet. Die meisten Fahrzeuge wurden als Gebrauchtwagen importiert.

2014 veröffentlichte das Umweltministerium einen umfassenden Bericht zum Umweltzustand in Albanien. Er gibt an, dass auf einigen Gebieten Fortschritte erzielt werden konnten, wÀhrend auf anderen Gebieten noch hoher Verbesserungsbedarf besteht.

  • Luftverschmutzung
    WĂ€hrend die Werte von Schwefeldioxid, Ozon und Stickstoffdioxid bei allen sieben Messstationen unter den zugelassenen Werten der EU lagen, waren die durchschnittlichen Jahreswerte fĂŒr Feinstaub teilweise bedenklich (der in der EU zugelassene Jahresmittelwert betrĂ€gt 40 ÎŒg/mÂł):
    • Tirana (sĂŒdliche Innenstadt bei der Nationalen Umweltagentur): 65 ÎŒg/mÂł
    • Tirana (östliche Innenstadt beim Umweltministerium): 45 ÎŒg/mÂł
    • DurrĂ«s: 15 ÎŒg/mÂł
    • Shkodra: 22 ÎŒg/mÂł
    • Elbasan: 47 ÎŒg/mÂł
    • Vlora: 15 ÎŒg/mÂł
    • Korça: 38 ÎŒg/mÂł
  • LĂ€rmbelastung
    Die albanischen StĂ€dte haben eine ĂŒberdurchschnittlich hohe LĂ€rmbelastung. Die durchschnittlichen Höchstwerte in Tirana wurden an der Rruga e Elbasanit mit 74,3 dB am Tag und beim UniversitĂ€tsspital Mutter Teresa mit 63,3 dB in der Nacht gemessen. Dabei ist die LĂ€rmbelastung in der Hauptstadt seit 2007 bei fast allen Messstationen zurĂŒckgegangen. Die zugelassenen Werte der EU sind fĂŒr den Tag 55 dB und fĂŒr die Nacht 45 dB. 2014 wurden folgende Werte gemessen:
    • Tirana: 67,9 dB (Tag), 57,3 dB (Nacht)
    • Fier: 60,9 dB, 48,5 dB
    • Vlora: 62,2 dB, 50,4 dB
    • Saranda: 62,3 dB, 46,1 dB
    • Korça: 61,9 dB, 43 dB
  • GewĂ€sserverschmutzung
    Messungen des Jahres 2014 bestĂ€tigten die Werte der letzten Jahre: Die Wasserverschmutzung ist vor allem in den stĂ€dtischen FlĂŒssen am höchsten, also in der Lana, im IshĂ«m, im Tirana-Fluss und in der Gjanica. All diese FlĂŒsse ĂŒberschritten die von der EU zugelassenen Werte von Phosphor und Ammonium. Von den grĂ¶ĂŸeren FlĂŒssen weisen einzig der Mat und die Vjosa gute bis sehr gute Wasserwerte auf. Die Flusssysteme von IshĂ«m, Erzen, Seman, Drin und Buna befinden sich in einem schlechten Zustand. Der Shkumbin weist mittelmĂ€ĂŸig negative Wasserwerte auf. Zudem ist die WasserqualitĂ€t der meisten Strandabschnitte bei Kavaja und DurrĂ«s sehr niedrig.
  • MĂŒllentsorgung
    Bei der MĂŒllentsorgung konnte Albanien große Fortschritte erzielen. So gab es mit Stand von 2014 fĂŒnf offizielle Deponien (Tirana, Shkodra, Saranda, RrĂ«shen und Bajram Curr), eine weitere bei Korça befand sich im Aufbau.

Bevölkerung

Demographie

Die Bevölkerung ist nach einem starken Anstieg im 20. Jahrhundert jetzt rĂŒcklĂ€ufig. Laut der im Oktober 2011 durchgefĂŒhrten VolkszĂ€hlung hatte Albanien 2.800.138 Einwohner. Dies entspricht einer Abnahme der Bevölkerung um ĂŒber acht Prozent in den Jahren 2001 bis 2011. Dieser Trend – durch Auswanderung und neuerdings auch durch tiefe Geburtenraten verursacht – setzte sich auch nach 2011 fort. Erstmals in der Geschichte des Landes lebte 2011 nur noch die Minderheit der Bevölkerung (46,5 %) auf dem Land.

Das Innenministerium erklĂ€rte im Dezember 2015, dass mehr als 4,4 Millionen Personen in den Zivilstandsregistern Albaniens registriert seien. Davon lebe aber ein sehr großer Teil im Ausland.

Wenn auch in kommunistischer Zeit ein Urbanisierungs- und Industrialisierungsprozess einsetzte, so wohnte doch die große Mehrheit der Albaner auch vor 1990 noch auf dem Land. Das prĂ€gt die MentalitĂ€t vieler Menschen bis heute auch in den StĂ€dten, denn wenn sie nicht erst selbst in die Stadt gezogen sind, so waren es ihre Eltern, und in jedem Fall haben sie nahe Verwandte, die noch immer von der Kleinlandwirtschaft leben. Ein traditionelles BĂŒrgertum ist in Albanien immer sehr rar gewesen. Moderne bĂŒrgerliche Kultur gab es Anfang des 20. Jahrhunderts nur in Shkodra, Korça, DurrĂ«s, Berat und Gjirokastra. In den zwanziger Jahren kam die neue Hauptstadt Tirana hinzu. Die Kommunisten lehnten das bĂŒrgerliche Selbstbewusstsein dieser StĂ€dte ab und zerstörten die bĂŒrgerlichen Kulturleistungen nach 1945 weitgehend.

Die Zeit nach der Wende von 1990 brachte große demographische Verschiebungen. Zum einen emigrierten Hunderttausende Albaner legal oder illegal nach Italien, Griechenland, in andere Staaten der EU und nach Nordamerika, zum anderen kam es zu einer großen Binnenwanderung, einer Landflucht von den Bergen und lĂ€ndlichen Gebieten in die stĂ€dtischen Zentren. 2004 bezifferte die albanische Regierung die Zahl der Emigranten auf eine Million Personen in weniger als 15 Jahren. Trotz Abwanderung verzeichneten beispielsweise die Hauptstadt Tirana und die Hafenstadt DurrĂ«s einen enormen Zuwachs aus der Binnenwanderung: Tirana wuchs von 250.000 Einwohnern im Jahr 1990 auf heute ĂŒber 600.000 Einwohner. Die Qarks Tirana und DurrĂ«s verzeichnen als einzige im Land Wachstum; zwischenzeitlich leben 42 % der Bevölkerung in diesem Ballungsraum. Das Land und auch nicht wenige KleinstĂ€dte veröden dagegen regelrecht. Im Gebirge und im SĂŒden sind schon zahlreiche Dörfer verlassen.

Hatten die Albaner vor 1990 die höchste Geburtenrate Europas (VerhĂŒtungsmittel waren verboten), so ist diese 2018 mit 1,37 Kindern pro Frau unter den europĂ€ischen Durchschnitt von anderthalb Kindern pro Frau gesunken. In der Hauptstadt Tirana liegt sie bei nur noch einem Kind je Frau, dem wohl niedrigsten Wert unter grĂ¶ĂŸeren europĂ€ischen StĂ€dten. Dieser Umstand und die anhaltende Abwanderung bewirken eine rapide Alterung der albanischen Bevölkerung, was aber angesichts der stark vertretenen Generation der 15- bis 30-JĂ€hrigen noch nicht allzu stark zu spĂŒren ist. Zwischenzeitlich ist das Durchschnittsalter der Bevölkerung auf 35,3 Jahre gestiegen. Im Jahr 2015 betrug die Lebenserwartung 77,7 Jahre (MĂ€nner: 75,6 Jahre, Frauen: 79,9 Jahre).

Ethnien

Albanien hat ethnisch gesehen eine relativ einheitliche Bevölkerung. Die Albaner stellen laut der VolkszĂ€hlung 2011 mit 82,58 % der Einwohner die grĂ¶ĂŸte Volksgruppe dar.

Bei dieser VolkszĂ€hlung gaben aus verschiedenen GrĂŒnden 13,96 % der Bevölkerung keine Antwort bezĂŒglich ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Weitere 1,58 % gaben eine ungĂŒltige Antwort. Aufgrund dieses großen Anteils verweigerter Aussagen, denen mehrheitlich Boykottaufrufe der Minderheitenorganisationen zugrunde liegen, gestatten diese Zahlen nicht, „ein klares und glaubhaftes Bild der ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung Albaniens zu gewinnen“ (DhimitĂ«r Doka: Albanische Hefte).

Laut den bei der VolkszĂ€hlung gegebenen Antworten sind die Griechen mit einem Anteil von 0,87 % die grĂ¶ĂŸte Minderheit; sie siedeln vor allem im SĂŒden des Landes. Mit je 0,3 % sind die Roma und die Aromunen in der Bevölkerung vertreten. Ihre Mitglieder leben ĂŒber das ganze Land verstreut, sind aber mehrheitlich in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten bzw. in der sĂŒdlichen LandeshĂ€lfte Albaniens konzentriert. Danach folgen mit 0,2 % die Mazedonier, die in einigen Dörfern entlang der Staatsgrenze zu Nordmazedonien siedeln. Als „Balkan-Ägypter“ bezeichnen sich 0,12 % der Bevölkerung. Diese von den Roma abzugrenzende Ethnie ist vor allem in den GroßstĂ€dten anzutreffen. Eine relativ kleine Minderheit bilden mit 0,01 % die Montenegriner. Ihre Siedlungsgebiete liegen im Nordwesten Albaniens und grenzen an Montenegro. DarĂŒber hinaus existieren noch andere Volksgruppen im Land, die zusammen 0,09 % der Bevölkerung ausmachen.

Im Jahre 2017 waren 1,8 % der Bevölkerung im Ausland geboren.

Albaner

Die Albaner gliedern sich in die zwei großen Dialekt- und Kulturgruppen der Gegen und Tosken. WĂ€hrend die Tosken in der SĂŒdhĂ€lfte des Landes viel stĂ€rker von der orientalisch-stĂ€dtischen Kultur des Osmanischen Reiches beeinflusst wurden, dominierte im gegischen Norden bis ins 20. Jahrhundert eine archaische Stammeskultur das Leben der Menschen. Ausnahmen bildeten die wichtige nordalbanische Stadt Shkodra, die bis ins 15. Jahrhundert lĂ€ngere Zeit venezianisch beherrscht war; dort prĂ€gten der Katholizismus und die Verbindungen nach Italien auch spĂ€ter noch die MentalitĂ€t der Bewohner, und auch DurrĂ«s, das zwar ebenfalls stark osmanisch geprĂ€gt war, jedoch ĂŒber konstante Verbindungen nach Italien verfĂŒgte.

Seit den 1990er Jahren ist zu beobachten, dass sich immer mehr Menschen im SĂŒden Albaniens als Griechen bekennen und ihren muslimischen Namen gegen einen christlichen oder griechischen tauschen. Sie erhoffen sich damit zumeist, ein Visum fĂŒr Griechenland zu erhalten.

Griechen

Die Griechen sind trotz einer starken wirtschaftlich motivierten Emigrationsbewegung nach Griechenland immer noch die zahlenmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸte Minderheit Albaniens. Ihr Bevölkerungsanteil ist umstritten: FĂŒr die Jahre 1991 und 1992 gingen unabhĂ€ngige Quellen von etwas ĂŒber 100.000 Griechen in Albanien aus. In Griechenland wurde ein Vielfaches davon angegeben, wĂ€hrend Tirana 1989 offiziell 58.758 Griechen zĂ€hlte. Rund 40 bis 70 Prozent der Griechen sind seitdem aus Albanien ausgewandert, so dass die Zahl heute viel tiefer liegen dĂŒrfte. Viele, ehemals hauptsĂ€chlich von Griechen bewohnte Dörfer sind heute verwaist oder nur noch von Ă€lteren Menschen bewohnt. Griechenland hat lange Renten an griechischstĂ€mmige PensionĂ€re in Albanien bezahlt, um der Abwanderung entgegenzuwirken.

Die 2011 durchgefĂŒhrte VolkszĂ€hlung ergab, dass in Albanien 24.243 Griechen leben, was 0,87 Prozent der Bevölkerung entspricht; 15.196 gaben als Muttersprache Griechisch an. Allerdings boykottierte die Organisation Demokratischer Bund der Griechischen Minderheit (Omonia) den Zensus und erklĂ€rte, dass sie das Ergebnis ĂŒber deren Bevölkerung nicht akzeptieren wĂŒrde.

Griechen leben vorrangig in den sĂŒdalbanischen Gemeinden Delvina, Finiq, Dropull, Kolonja, Korça, KĂ«lcyra, Konispol und Himara sowie im Dorf Narta. Sie wurden schon zu kommunistischen Zeiten als ethnische Gruppe offiziell anerkannt. In den 1990er Jahren ist es rund um die jeweiligen Minderheitenfragen wiederholt zu Spannungen zwischen Griechenland und Albanien gekommen (siehe auch: Çamen). Diese Probleme sind heute grĂ¶ĂŸtenteils beigelegt. Besonders in Himara gibt es aber immer wieder politische Spannungen zwischen griechischstĂ€mmigen Politikern und albanischen Behörden.

Aromunen

Die Aromunen (Untergruppe der Walachen) leben in kleineren Gruppen ĂŒber ganz SĂŒdalbanien verstreut. Ortschaften mit einer bedeutenden aromunischen Bevölkerung sind vor allem Korça, wo sie eine eigene große orthodoxe Kirche haben, und das nahe gelegene Voskopoja, bis ins 18. Jahrhundert das Zentrum der Aromunen. Ein Teil von ihnen lebt auch in Tirana und Elbasan. Anfang 1999 grĂŒndeten Aromunen kulturelle Vereinigungen, die kĂŒnstlerische Veranstaltungen organisierten und BĂŒcher ĂŒber die Kultur und Geschichte der Aromunen veröffentlichten. Über ihre Gesamtzahl liegen keine sicheren Angaben vor, sie variieren zwischen 10.000 und 100.000. Die VolkszĂ€hlung 2011 ergab fĂŒr die Aromunen 8266 Personen als Ethnie, 0,30 Prozent der Bevölkerung; 3848 Personen hatten Aromunisch als Muttersprache.

Slawische Mazedonier

Als ethnische Mazedonier erklÀrten sich bei der VolkszÀhlung von 2011 5512 Personen respektive 0,20 Prozent der Bevölkerung. Von ihnen gaben 4443 Personen Mazedonisch als Muttersprache an. Laut der VolkszÀhlung 1989 gab es 4697 Slawische Mazedonier in Albanien.

Sie siedeln mehrheitlich in der Gemeinde Pustec (alb. Liqenas) am Prespasee. Die etwas ĂŒber 4000 Einwohner der Gemeinde sind fast alle Mazedonier. Sie haben eigene Schulen; so besteht unter anderem im Hauptort der Gemeinde das einzige mazedonischsprachige Gymnasium Albaniens. Kleinere slawische Gruppen gibt es in der Umgebung von Korça, bei Pogradec, in der mittelalbanischen Stadt Elbasan, in Tirana sowie in einigen Dörfern zwischen Peshkopia und Maqellara nahe dem DreilĂ€ndereck mit Kosovo und Nordmazedonien. Heute gibt es weniger als 20.000 Nordmazedonier in Albanien.

Roma und Balkan-Ägypter

Bei der VolkszÀhlung 2011 erklÀrten sich 8301 Personen respektive 0,30 Prozent der Bevölkerung als Roma; 4025 haben Romani als Muttersprache. SchÀtzungen zufolge leben in Albanien jedoch zwischen 30.000 und 150.000 von ihnen, was rund vier Prozent der Bevölkerung entsprÀche.

Sie leben im ganzen Land verstreut. In Mittelalbanien gibt es Roma, die traditionell sesshaft sind. Viele verfĂŒgen ĂŒber HĂ€user, sind aber als HĂ€ndler viel unterwegs, andere sind gar nicht sesshaft. WĂ€hrend des Kommunismus mussten sich alle niederlassen, registrieren lassen und Arbeit annehmen. Die Mehrheit dieser Volksgruppe lebt in Armut.

Neben den Roma gibt es auch die albanischsprechenden Balkan-Ägypter, die sich nicht als Teil der Roma-Gesellschaft betrachten. Es handelt sich jedoch um albanisierte Roma. Ihre GrĂ¶ĂŸe wurde 2011 mit 3368 Personen (0,12 Prozent der Bevölkerung) erfasst. Auch diese Volksgruppe lebt in schlechten sozialen VerhĂ€ltnissen und ist stark von Armut betroffen. Die Ă€gyptische Botschaft in Tirana erkennt die ethnischen Gruppen nicht als Minderheit an. Die Balkan-Ägypter sind besonders in Kavaja, Lushnja, CĂ«rrik, Elbasan, Gjirokastra, Vlora, Korça, Delvina, PĂ«rmet, KĂ«lcyra, Berat, Shkodra und anderen kleineren Ortschaften zu finden.

Nach einem Angriff Unbekannter auf Roma-Siedlungen in der Hauptstadt im Februar 2011 reagierten die Botschafter der EU, USA und OSZE mit scharfer Kritik. Sie forderten die albanischen Behörden auf, die Diskriminierung dieser Bevölkerungsgruppe zu stoppen sowie die Minderheitenrechte der Roma-Bevölkerung zu respektieren und zu garantieren. Wenn das Land der EU beitreten wolle, mĂŒsse diese Problematik mit höchster PrioritĂ€t in Zukunft gelöst werden. Beim Zwischenfall wurden rund 120 Roma vertrieben und deren Baracken verbrannt.

Bosniaken

Siehe auch: Bosniaken in Albanien

Auch Bosniaken stellen mit rund 10.000 Angehörigen eine kleine Minderheit im Land. Rund 3000 davon leben in der Region zwischen Durrës und Tirana, genauer in den Orten Boraka und Shijak. Insgesamt konnten sie ihre IdentitÀt und Sprache aufrechterhalten. Die VolkszÀhlung 2011 wies sie nicht separat aus.

Serben, Montenegriner, Goranen

Kleinere Gruppen Serben bzw. Montenegriner leben seit dem ersten Jahrtausend n. Chr. in der Region nördlich von Shkodra. Die genaue Zahl ist unbekannt; sie dĂŒrfte wenige Hundert nicht ĂŒbersteigen. Sie war schon in der Zwischenkriegszeit durch Assimilation auf wenige Tausend zurĂŒckgegangen. Gleichwohl gab es bis Mitte der 1930er Jahre noch ein halbes Dutzend kirchlicher Grundschulen, die in serbischer Sprache unterrichteten. Die albanische Regierung verweigerte der kleinen slawischen Minderheiten jahrzehntelang die Anerkennung und setzte nach dem Zweiten Weltkrieg die Assimilierungspolitik fort. Erst 2004 hat die Regierung Albaniens die Existenz montenegrinischer bzw. serbischer Minderheiten offiziell anerkannt.

Im Dorf Hamil im Kreis Fier wurde 2014 eine serbische Schule fĂŒr 60 Kinder eröffnet. Von serbischer Seite wurde die GrĂ¶ĂŸe der Minderheit bei dieser Gelegenheit mit 20.000 Personen angegeben. Bei der Volksbefragung 2011 bezeichneten sich 366 Personen als Montenegriner, und 66 gaben Serbokroatisch als Muttersprache an.

Religion

Laut der 1998 angenommenen Verfassung betrachtet sich der Staat Albanien heute als „laizistische Republik“. Die VolkszĂ€hlung von 2011 ermittelte folgende Religionszugehörigkeiten: 56,70 % muslimisch, davon 2,09 % Bektaschi. Die 16,92 % der Christen teilten sich auf in: 10,03 % römisch-katholisch, 6,75 % albanisch-orthodox und 0,14 % protestantisch/evangelikal. 13,79 % der Bevölkerung gaben keine Antwort, 5,49 % waren GlĂ€ubige, die sich keiner Glaubensgemeinschaft zuordnen und 2,5 % waren atheistisch.

Vor dem Zweiten Weltkrieg bekannten sich etwa 70 % der Bevölkerung zum Islam (Hauptartikel: Islam in Albanien). Davon waren die meisten sunnitisch und fast ein Drittel AnhÀnger des Bektaschi-Ordens. Knapp 20 % der Bevölkerung waren orthodoxe Christen, zu denen praktisch alle ethnischen Minderheiten zÀhlen. Etwa 10 % gehörten der römisch-katholischen Kirche an (Hauptartikel: Römisch-katholische Kirche in Albanien).

Am 13. November 1967 erklĂ€rten die Kommunisten Albanien zum „atheistischen Staat“ und verboten jegliche ReligionsausĂŒbung. Im Dezember 1990 wurde das Religionsverbot aufgehoben. Nach wie vor hat die Mehrheit der Albaner kein offizielles Bekenntnis abgelegt, fĂŒhlen sich aber gemĂ€ĂŸ der religiösen Tradition der Familie einer Glaubensgemeinschaft zugehörig. Die katholische Kirche reorganisierte sich nach 1990 vor allem mit italienischer Hilfe. Auch bis dahin in Albanien unbekannte Glaubensgemeinschaften wie protestantische Kirchen kamen nach Albanien. Der albanisch-orthodoxen Kirche fehlte die UnterstĂŒtzung durch eine große Organisation im Ausland. Der Islam erhielt viel UnterstĂŒtzung aus Arabien und der TĂŒrkei, und es wurden zahlreiche Moscheen errichtet. Extremistische Tendenzen konnten nicht Fuß fassen, die organisierte Religion spielt (Stand 2003) eine geringe Rolle.

Muslime gibt es außer in einigen Bergregionen fast im ganzen Land. Katholiken leben vor allem im Nordwesten Albaniens, so in der Region um Lezha, in der Mirdita, in der MalĂ«sia e Madhe sowie in der Stadt Shkodra und dem dazugehörigen Bergland. Im SĂŒden sind es insbesondere die Siedlungsgebiete der ethnischen Minderheiten, in denen die Orthodoxie mehr AnhĂ€nger hat; dazu zĂ€hlen die Gemeinden von Saranda, Finiq, Delvina, Dropull und Himara (Griechen) sowie die Dörfer Pustec (Mazedonier) und Voskopoja (Aromunen).

Wie schon in den Zeiten vor dem Religionsverbot ist die gegenseitige Akzeptanz und Toleranz unter den AnhĂ€ngern der alteingesessenen Religionen hoch. Zum Teil werden religiöse Feste gemeinsam gefeiert und auch religiöse StĂ€tten anderer Gemeinschaften aufgesucht. Ehen zwischen Christen und Muslimen waren schon zu Zeiten des Sozialismus fĂŒr beide Seiten kein Problem und sind in Albanien immer noch ĂŒblich.

Laut VolkszĂ€hlung gab es 2011 kaum Juden in Albanien. Die ursprĂŒngliche kleine jĂŒdische Gemeinde umfasste vor dem Zweiten Weltkrieg 204 Mitglieder. WĂ€hrend des Kriegs stieg die Zahl SchĂ€tzungen zufolge auf 800 bis 2000. Keiner der im Land Zuflucht suchenden Juden wurde deportiert. Sie wurden von Albanern geschĂŒtzt, die sie bei sich aufnahmen und versteckten. Die geflohenen Juden verließen das Land nach dem Krieg wieder. Anfang der 1990er Jahre – nach dem Ende des kommunistischen Regimes – wanderten die verbliebenen Juden nach Israel aus.

Sprachen

Die alleinige Amtssprache ist Albanisch, als StandardvarietĂ€t gilt ein toskischer Dialekt. GemĂ€ĂŸ der VolkszĂ€hlung von 2011 sprechen 98,767 % der Bevölkerung Albanisch als Muttersprache.

In Pustec in Ostalbanien hat Mazedonisch einen offiziellen Status. In einigen Gemeinden mit einer großen griechischen Minderheit gibt es griechischen Schulunterricht, soweit genĂŒgend SchĂŒler vorhanden sind, und auch mit den Lokalbehörden kann Griechisch kommuniziert werden. An der UniversitĂ€t Gjirokastra werden UnterrichtsgĂ€nge auf Griechisch angeboten. Dörfer mit griechischer Mehrheit sind zweisprachig gekennzeichnet.

Viele Albaner sind mehrsprachig. Die mit Abstand am meisten verbreitete Fremdsprache ist Italienisch. Italienischsprachige Medien wie Fernsehen und Radio sind in ganz Albanien verbreitet und beliebt. Die an UniversitÀten am meisten unterrichteten Fremdsprachen sind Englisch und Französisch. Auch Griechisch wird von vielen Albanern gesprochen.

Von den 1950er Jahren bis zum Ende der 1980er Jahre wurde in den Schulen und UniversitĂ€ten Russisch gelehrt, da es damals die Lingua franca der Ostblock-Staaten war. Albanien ist zudem Vollmitglied der Frankophonie. Französische Lyzeen in Korça und Gjirokastra wurden auch wĂ€hrend der kommunistischen Ära betrieben, da Staatschef Enver Hoxha an der UniversitĂ€t Montpellier studiert hatte. Nachdem sich Albanien im Zuge der ideologischen Kontroversen zwischen der Sowjetunion und China auf die Seite der Volksrepublik gestellt hatte, begannen zahlreiche Albaner, in China zu studieren, und lernten dort Chinesisch.

Bildung

Das Bildungssystem Albaniens hat in den letzten Jahren einige Reformen und Umstrukturierungen erlebt. So wurde 2008 die Schulpflicht von acht auf neun Jahre erhöht, die Zahl der Studierenden hat sich ungefÀhr verdoppelt, das Hochschulsystem wurde liberalisiert, die Einschulungsrate hat sich enorm erhöht, und auch die Staatsausgaben im Bildungswesen wurden erhöht.

FĂŒr das Schuljahr 2012/2013 wurden 3952 Bildungsinstitutionen registriert. 1911 davon waren KindergĂ€rten, 1472 Grundschulen, 511 Mittelschulen und 58 Hochschulen bzw. UniversitĂ€ten. Mit Ausnahme der Grundstufe hat sich die Anzahl der Institutionen erhöht. Am meisten wuchs die Hochschulstufe. WĂ€hrend es 2008/2009 landesweit 26 Hochschulen gab (15 davon privat), waren dies 2012/2013 genau 58 (44 davon privat). Die Zunahme der Anzahl der Bildungsinstitutionen liegt daran, dass sich in den letzten Jahren die Verteilung der SchĂŒler und Studenten verĂ€nderte. WĂ€hrend sich die Zahl der GrundschĂŒler von 2008/2009 bis 2012/2013 um 67.049 verringerte, stieg die Anzahl der Studierenden im selben Zeitraum um ĂŒber 185 Prozent, also fast um das Doppelte.

Die Verringerung der SchĂŒler-, Lehrer- und Schulzahlen setzte sich nach 2012/2013 fort. 2016/2017 wurden noch 1370 Grundschulen, 24.866 Lehrpersonen (2012/2013: 25.363) und ca. 328.000 SchĂŒler (2012/2013: ca. 391.000) gezĂ€hlt. GrĂŒnde dafĂŒr sind laut Instituti i StatistikĂ«s zum einen die extrem zurĂŒckgegangene Geburtenrate und zum anderen die wieder aufkommende Auswanderung.

Einen großen Erfolg konnte Albanien bei der Einschulungsrate erzielen. Waren 2008/2009 68,1 % der Kinder eingeschult, waren dies nach nur vier Jahren schon 90,3 %. Die Regierung erhöhte auch den Anteil der Ausgaben fĂŒr den Bildungsbereich von 10,8 % im Jahr 2008 auf 13,3 % im Jahr 2012.

Die Alphabetisierungsrate betrug 2015 97,6 %.

Geschichte

Erste Spuren menschlicher Besiedlung auf dem Staatsgebiet des heutigen Albanien weisen auf die Zeit vor 100.000 Jahren. Etwa um 1000 v. Chr. besiedelten die Illyrer den Westbalkan. Es konnten einige Reiche von einzelnen StĂ€mmen gegrĂŒndet werden, wie das Reich der Labeaten, das von etwa 380 bis 168 v. Chr. bestand. ResidenzstĂ€dte waren Skodra (Shkodra) und Rhizon (Risan). Nach den Illyrischen Kriegen kam der westliche Balkan Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. unter römischen Einfluss, und die Romanisierung der Illyrer begann. Mit der Teilung des Römischen Reichs 395 n. Chr. kam das heutige Albanien unter byzantinische Herrschaft. Im Jahr 591 drangen die Slawen vom Norden her in das Gebiet ein, es folgten PlĂŒnderungen auf dem gesamten Balkan. Zwischen 880 und 1018 waren Mittel- und SĂŒdalbanien Teil des Bulgarischen Reiches. Im Jahr 1081 fielen die Normannen in das unter byzantinischer Herrschaft stehende Albanien ein.

Nach dem Zerfall des Byzantinischen Reiches infolge des Vierten Kreuzzugs (1204) wechselte die Herrschaft ĂŒber die Gebiete des heutigen Albanien in schneller Folge. Neben fremden MĂ€chten (Neapel, Serbien, Venedig) konnten auch einheimische Adelige eigene FĂŒrstentĂŒmer begrĂŒnden. Das FĂŒrstentum des Karl Thopias in Mittelalbanien bestand von 1359 bis 1388. UngefĂ€hr zur selben Zeit, von 1360 bis 1421 regierten die BalĆĄić mit ihrem FĂŒrstentum in Nordalbanien und Montenegro.

1443–1468 fĂŒhrte der FĂŒrst von Kruja, Skanderbeg, erfolgreich den Abwehrkampf gegen die TĂŒrken. Nach seinem Tod unterlagen die Albaner und ihre VerbĂŒndeten aber, und vom Ende des 15. Jahrhunderts an war das ganze Land mehr als vier Jahrhunderte lang Teil des Osmanischen Reiches. Im Laufe der Zeit traten die meisten Albaner zum Islam ĂŒber.

1912, nach dem Ersten Balkankrieg wurde das Königreich Albanien im Wesentlichen in den heutigen Grenzen unabhÀngig.

Der deutsche Wilhelm zu Wied war 1914 sechs Monate lang „FĂŒrst von Albanien“, er konnte seinen Einfluss aber kaum ĂŒber DurrĂ«s hinaus ausdehnen. Griechen riefen im SĂŒden den Staat „Nordepirus“ aus. Im Ersten Weltkrieg verlor Albanien seine UnabhĂ€ngigkeit. Bis 1919 war Albanien von den kriegfĂŒhrenden MĂ€chten besetzt.

Albanien versank von 1919 bis 1924 in Nachkriegswirren mit sich schnell ablösenden Regierungen. 1920 konnte der Kongress von Lushnja erste AnsĂ€tze einer neuen Staatsorganisation schaffen. Unter Fan Noli scheiterte der Versuch, eine demokratische Republik zu errichten. 1925–1939 folgte eine Phase der autoritĂ€ren Herrschaft des Ahmet Zogu, der sich 1928 zum König proklamierte. Albanien wurde zunehmend abhĂ€ngig vom faschistischen Italien, was sich die Italiener im Ersten und Zweiten Tiranapakt erkauften und im April 1939 in der Annexion des Landes durch Italien gipfelte. Im Zweiten Weltkrieg war Albanien bis zur Kapitulation Italiens im September 1943 von Italien besetzt, anschließend bis November 1944 von Deutschland.

Bis 1944 fĂŒhrten Albaner einen Partisanenkrieg gegen die italienischen und spĂ€ter deutschen Besatzer. Diese hatten dem albanischen Marionettenstaat auch Teile Kosovos, Nordmazedoniens und des griechischen Epirus angeschlossen. 1944 wurde Albanien von der faschistischen Fremdherrschaft befreit, und die Vorkriegsgrenzen wurden wiederhergestellt. Enver Hoxha, der FĂŒhrer der kommunistischen Partei, errichtete eine Diktatur. In den folgenden vier Jahren ging Albanien ein BĂŒndnis mit dem Jugoslawien Titos ein. Im Juli 1948 brach Hoxha mit Jugoslawien und eine Phase der Anlehnung an die Sowjetunion begann.

Im Jahr 1949 trat Albanien dem Rat fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe bei. 1955 wurde das Land Mitglied im Warschauer Pakt, im selben Jahr auch Mitglied der UNO. 1961 kam es zum Bruch mit der Sowjetunion und einer darauf folgenden Anlehnung an die Volksrepublik China.

1967 wurde ein totales Religionsverbot erlassen. Albanien wurde zum „ersten atheistischen Staat der Welt“ erklĂ€rt. Ein Jahr spĂ€ter trat Albanien aus dem RGW und dem Warschauer Pakt aus und blieb auf stalinistischem Kurs. Aus Angst vor einer feindlichen Invasion wurden im ganzen Land verstreut an die 200.000 Bunker errichtet. Einige Jahre bestand ein BĂŒndnis mit der Volksrepublik China, allerdings erfolgte eine zunehmende Selbstisolation des Landes. 1985 starb Enver Hoxha, zum Nachfolger wurde Ramiz Alia ernannt. 1990 wurde das kommunistische Regime gestĂŒrzt, und eine Massenauswanderung von Albanern begann.

Der anschließende Transformationsprozess verlief zunĂ€chst nur schleppend und ohne große Erfolge. Nur dank jahrelanger auslĂ€ndischer Hilfe (Operation Pelikan) konnte eine große Hungersnot vermieden werden. 1991 wurden die ersten freien Wahlen abgehalten, Sieger waren die Kommunisten. Das Land wurde in die Konferenz ĂŒber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aufgenommen. Die Demokraten unter Sali Berisha ĂŒbernahmen die Regierung 1992 und leiteten Reformen ein. 1995 wurde Albanien in den Europarat aufgenommen.

Mit dem sogenannten Lotterieaufstand 1997 ging der Zusammenbruch der staatlichen Strukturen einher. Es schloss sich eine Friedens- und Aufbaumission der OSZE an. 1998 wurde eine neue Verfassung durch Volksabstimmung angenommen. Durch den Kosovokrieg nahm das Land 1999 zehntausende FlĂŒchtlinge auf. Albanien unterzeichnete 2006 das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) mit der EuropĂ€ischen Union. Am 1. April 2009 trat das Land der NATO bei. Ende des Jahres 2010 lockerte die EuropĂ€ische Union die Visa-Bestimmungen fĂŒr albanische BĂŒrger, die fortan nur einen biometrischen Pass vorweisen mĂŒssen, um in den Schengen-Raum einreisen zu dĂŒrfen. Seit dem 24. Juni 2014 ist Albanien offizieller Beitrittskandidat der EuropĂ€ischen Union. Am 26. Juni 2018 stimmte die EU dem Beginn von Beitrittsverhandlungen zu.

Am 30. April 2015 beschloss das Parlament die Öffnung der Archive der kommunistischen Geheimpolizei Sigurimi. Ein fĂŒnfköpfiges Komitee entscheidet ĂŒber den Zugang fĂŒr ehemals ĂŒberwachte Personen, Institutionen und die, die kooperiert hatten, und stellt Unbedenklichkeitsbescheinigungen aus fĂŒr jene, die bei Wahlen antreten wollen oder im Staatsdienst arbeiten.

Staat und Politik

Verfassung

Albanien ist eine parlamentarische Republik. Gesetzgeber ist das Kuvendi i ShqipĂ«risĂ«, dessen 140 Abgeordnete alle vier Jahre gewĂ€hlt werden. Staatsoberhaupt ist der vom Parlament auf fĂŒnf Jahre gewĂ€hlte PrĂ€sident. Die dem Parlament verantwortliche Regierung wird vom MinisterprĂ€sidenten gefĂŒhrt. Albanien hat im Jahr 2000 ein Verfassungsgericht nach deutschem Muster eingerichtet, das sich in den politischen Krisen der jĂŒngsten Zeit als stabilisierender Faktor erwiesen hat. Die derzeit gĂŒltige Verfassung wurde am 28. November 1998 durch eine Volksabstimmung angenommen.

Wahlen

Das aktive und passive Frauenwahlrecht fĂŒhrte Albanien 1920 ein. Im kommunistischen Albanien war nur eine Partei zu den Wahlen zugelassen. 1991 wurden die ersten freien Wahlen mit mehreren Parteien abgehalten. SĂ€mtliche folgenden UrnengĂ€nge bis 2009 waren von UnregelmĂ€ĂŸigkeiten geprĂ€gt.

Inzwischen gibt es bei der StimmenzĂ€hlung nur noch selten Fehler. Internationale Wahlbeobachter rĂŒgen aber nach wie vor die Organisation der Wahlen: Die ablaufenden Prozesse sind nur unzulĂ€nglich bekannt, und ĂŒber die WĂ€hlerlisten wird noch immer vor jeder Wahl gestritten. Bei den Kommunalwahlen im Februar 2007 kam es noch innerhalb der Monatsfrist vor dem Urnengang zu GesetzesĂ€nderungen im Wahlrecht. Der Wahltermin wurde erst nach langem Streit festgelegt. Die Parlamentswahl 2013 hingegen war die erste Wahl ohne grĂ¶ĂŸere UnregelmĂ€ĂŸigkeiten, und erstmals gestand der Verlierer seine Niederlage ein. HierfĂŒr wurde Albanien international gelobt.

Bei den Parlamentswahlen am 3. Juli 2005 gewann die bis dahin oppositionelle Demokratische Partei (PD) von Ex-PrÀsident Sali Berisha, ohne eine absolute Mehrheit im Parlament zu erreichen. Aufgrund zahlreicher Einsprachen und notwendiger Wiederholung des Urnengangs in drei Wahlkreisen konnte das offizielle Resultat erst Anfang September veröffentlicht werden. Berisha wurde in der Folge neuer MinisterprÀsident Albaniens. Bei den Lokalwahlen vom 18. Februar 2007 musste die Demokratische Partei eine Niederlage hinnehmen.

Am 28. Juni 2009 fanden erneut Parlamentswahlen statt, bei denen die Mitte-rechts-Koalition unter FĂŒhrung von Berishas Demokratischer Partei 70 der 140 Sitze erringen konnte. Die Koalition unter der Sozialistischen Partei (PS) mit Edi Rama als Vorsitzenden erreichte 45,34 % der Stimmen und erhielt 66 Sitze. Die Wahl wurde von Beobachtern der EuropĂ€ischen Union als ordnungsgemĂ€ĂŸ erklĂ€rt, was ein wichtiger Schritt in der europĂ€ischen Integration Albaniens war. Die Sozialistische Partei warf der Regierung jedoch WahlfĂ€lschung vor, was eine lang andauernde und schwere politische Krise mit sich brachte. Die oppositionellen Sozialisten boykottierten eine Weile Parlamentssitzungen, traten in einen großen Hungerstreik und organisierten gewaltsame Proteste, die Todesopfer zur Folge hatte.

Bei den Kommunalwahlen 2011 wurde die Demokratische Partei unter Sali Berisha Siegerin. Unter anderem gewann sie die BĂŒrgermeister- und Stadtratswahlen in der Hauptstadt Tirana, wo seit 2000 Edi Rama (PS) regierte.

Im Vorfeld der Parlamentswahlen 2013 verließ im April die sozialistische LSI die seit 2009 gebildete Regierungskoalition mit den Demokraten, um zu den Sozialisten ĂŒberzugehen. Siegerin wurde die Koalition unter der FĂŒhrung der Sozialisten mit dem Spitzenkandidaten Edi Rama, der nun den MinisterprĂ€sidenten stellt.

Parteien

Die Politik wird von den beiden großen Parteien Demokratische Partei Albaniens (PD) und Sozialistische Partei Albaniens (PS) bestimmt. Die PD ging 1990 aus der antikommunistischen Studentenbewegung hervor, wĂ€hrend die PS die Nachfolgepartei der Partei der Arbeit Albaniens ist, die das Land fast ein halbes Jahrhundert sozialistisch und unter ihrem Vorsitzenden Enver Hoxha diktatorisch regierte. Zur Erlangung der absoluten Mehrheit im Parlament sind sie in der Regel auf Koalitionspartner angewiesen, wobei einzelne Parteien des mittleren Spektrums schon in demokratischen und sozialistischen Regierungen beteiligt waren.

Die politischen Parteien vertreten – mit Ausnahme der Christdemokratischen Partei – keine Religion. Die Demokraten haben im gegischen Nordalbanien eine Vorherrschaft, wĂ€hrend die Sozialisten ihre AnhĂ€nger vor allem im toskischen SĂŒden haben. Die griechische und die mazedonische Minderheit haben sich in der Partei Vereinigung fĂŒr die Menschenrechte (PBDNJ) formiert. Viele andere kleine Parteien sind als Abspaltungen der großen beiden Parteien entstanden.

Im Parlament vertretene Parteien (geordnet nach Anzahl ihrer Abgeordneten)

  • Sozialistische Partei (PS)
  • Demokratische Partei (PD)
  • Sozialistische Bewegung fĂŒr Integration (LSI)
  • Partei fĂŒr Gerechtigkeit, Integration und Einheit (PDIU)
  • Sozialdemokratische Partei Albaniens (PSD)

Politische Indizes

Menschenrechte und Demokratie

Seit 1993 hat Albanien ein Gesetz mit Grundfreiheiten und Menschenrechten. Nach EinschĂ€tzung von Amnesty International im Jahr 2013 ist jedoch familiĂ€re Gewalt gegen Frauen nach wie vor weit verbreitet. Schlecht sei die Situation fĂŒr junge Waisen, die nach dem Verlassen aus staatlichen FĂŒrsorgeeinrichtungen Gefahr liefen, obdachlos zu werden. Der albanischen Polizei werden Folter und Misshandlungen durch einige Polizeibeamte vorgeworfen. Die Dauer der Untersuchungshaft sei hĂ€ufig ĂŒbermĂ€ĂŸig lang, und es sei nicht gewĂ€hrleistet, dass HĂ€ftlinge rechtzeitig anwaltliche und Ă€rztliche Hilfe erhielten. Auch die Diskriminierung von Roma-Familien sei noch ein Problem.

Außenpolitik

Die Außenpolitik Albaniens hat sich nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur 1990/91 stark verĂ€ndert. Das Land ist nicht mehr eine „isolierte Insel“ auf der Karte Europas, sondern Mitglied in vielen internationalen Organisationen und strebt die Integration in europĂ€isch-atlantische Strukturen an. Im Februar 2006 konnte mit dem Abschluss eines Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens mit der EuropĂ€ischen Union der erste wichtige Meilenstein in diese Richtung gesetzt werden. Am 1. April 2009 folgte der Beitritt zur NATO, und am 28. desselben Monats reichte das Land einen Antrag auf Mitgliedschaft in der EuropĂ€ischen Union ein. Am 15. Dezember 2010 wurden albanische BĂŒrger von der Visapflicht befreit. Mit einem biometrischen Pass können sie ohne Hindernisse in alle EU-Staaten außer Irland und Großbritannien und in die „Schengen“-LĂ€nder Schweiz, Norwegen und Island einreisen. Am 24. Juni 2014 wurde Albanien offizieller Beitrittskandidat der EuropĂ€ischen Union. 2020 hatte Albanien den Vorsitz der OSZE.

Siehe auch: Botschafter in China, Botschafter in Deutschland, Botschafter beim Heiligen Stuhl, Botschafter in Russland, Botschafter in den Vereinigten Staaten

Sicherheit

MilitÀr

Die Republik Albanien besitzt seit 1912 eine eigenstĂ€ndige Armee. Sie bestand anfangs aus aktiven StreitkrĂ€ften, Reservisten oder Freiwilligen und der Gendarmerie. Insgesamt umfasste die damalige Armee 12.000 Mann. 1913 unterstĂŒtzen die niederlĂ€ndischen StreitkrĂ€fte die albanische Gendarmerie bei ihrer Umstrukturierung. In den darauffolgenden Jahren wurden die albanischen StreitkrĂ€fte in die bis heute bestehenden Komponenten des Heeres, der Luftwaffe und der Marine aufgeteilt.

1939 wurden der albanische Staat und somit auch die albanischen StreitkrĂ€fte im Zuge des Zweiten Weltkrieges und der italienisch-faschistischen Besetzung aufgelöst. Gleichzeitig entstanden im Land jedoch verschiedene Widerstandsbewegungen, von denen diejenige der Kommunisten unter Enver Hoxha – dem spĂ€teren Diktator – die kampfstĂ€rkste und populĂ€rste war. Zu Kriegsende im November 1944 umfassten die kommunistischen Partisanen rund 70.000 Mann, was damals sieben Prozent der Bevölkerung Albaniens entsprach.

Nach der Befreiung Albaniens wurde die Armee in der Sozialistischen Volksrepublik Albanien im Juli 1945 neugegrĂŒndet und besaß rund 40.000 Mann, ihre Zahl wurde jedoch bis im Dezember desselben Jahres auf 35.000 reduziert und bis ins Jahr 1948 noch einmal auf 27.000 aktive Soldaten.

Von 1950 bis 1968 war Albanien Mitglied im Warschauer Pakt, sodass es von der Sowjetunion mit Waffen und technischen Anlagen beliefert wurde. Mit den StreitkrĂ€ften der anderen kommunistischen Staaten fanden zu dieser Zeit regelmĂ€ĂŸig MilitĂ€rĂŒbungen statt, zu denen diejenige von 1950 die grĂ¶ĂŸte war.

In den 1970er und 1980er Jahren wurden die StreitkrĂ€fte sukzessive ausgebaut. So umfassten sie Ende der kommunistischen Herrschaft 61.000 aktive Soldaten, 260.000 Reservisten und eine hohe Zahl an „Freiwilligen“.

Nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur 1990/1991 schlug Albanien wie viele andere kommunistische Staaten einen neuen Weg ein und orientierte sich vermehrt am Westen. Dies gipfelte 1992 zum öffentlichen Regierungswunsch, einmal Mitglied der NATO werden zu wollen. Die StreitkrĂ€fte befanden sich in dieser frĂŒhen Phase der Demokratisierung jedoch in einem sehr schlechten Zustand. Nach dem Lotterieaufstand im Jahr 1997 zeigten sie gar Auflösungserscheinungen. Deswegen startete die Regierung im Jahr 2001 ein zehnjĂ€hriges Reformprogramm, um die StreitkrĂ€fte technisch auf den neuesten Stand zu bringen und sie professionell auszubilden. 2009 wurde Albanien Mitglied der NATO. Die Armee bestand 2010 aus 14.500 aktiven Soldaten sowie 5000 Reservisten, jedoch waren nur 7000 aktive Soldaten einberufen. 2010 wurde zudem die Wehrpflicht abgeschafft und Albanien verfĂŒgt daher seitdem ĂŒber eine Berufsarmee. Der Wehretat lag dabei im Jahr 2016 bei 1,23 % des BIP.

Polizei, Justiz und KriminalitÀt

Die Policia e Shtetit ist die Staatspolizei, die unter der Aufsicht des Innenministeriums steht. Mitte 2017 waren 10.958 Personen in allen Bereichen der albanischen Polizei angestellt. 2013 wurde durch die Regierung Rama ein Modernisierungsprozess der albanischen Polizei eingeleitet, der 2017 beendet wurde. Unter anderem wurde die Polizei mit neuen Transport- und Streifenwagen ausgestattet. Auch erhielt jeder Polizist eine Körperkamera, um die EinsĂ€tze spĂ€ter besser analysieren zu können. Es wurden fĂŒr alle Abteilungen neue Uniformen kreiert, und auch das Logo wurde geĂ€ndert. Zeitgleich fanden diverse Polizeioperationen statt, um das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizei wiederherzustellen. Weltweit Schlagzeilen machte im Juni 2014 die Einkreisung von Lazarat, das bis dahin nicht vom albanischen Staat kontrolliert wurde. Bei jener Operation zerstörten albanische Drogenfahnder Tausende von Cannabispflanzen und verhafteten mehrere Personen.

Teil der albanischen Polizei sind zudem die SpezialkrĂ€fte der RENEA und die Garda Republikane fĂŒr Ordnungsdienst- und Objektschutz-Aufgaben.

Der Kampf gegen die KriminalitĂ€t ist von Regierungsperiode zu Regierungsperiode unterschiedlich ausgeprĂ€gt. Seit das Land jedoch offizieller Beitrittskandidat der EuropĂ€ischen Union wurde, stiegen die Erwartungen der internationalen Gemeinschaft, vor allem im Hinblick auf die Anstrengungen zur BekĂ€mpfung des organisierten Verbrechens. So sprach der US-amerikanische Botschafter in Albanien, Donald Lu, am 2. Oktober 2017 von vier grĂ¶ĂŸeren Clans im Land, welche 20 Familien in einem weiten Spektrum von kriminellen AktivitĂ€ten kontrollieren. Solange das Land keinen „großen Fisch“ fange, werde der Drogenhandel stark sein, Richter und AnwĂ€lte bestochen und Regierungsbeamte korrupt sein, erklĂ€rte Lu weiter.

Verwaltungsgliederung

Das Gebiet der Republik Albanien gliedert sich in 12 Qarqe (Singular: Qark; auch PrĂ€fekturen genannt), die sich ihrerseits in 308 Land- und 65 Stadtgemeinden unterteilen. Ein Qark ist außerdem in zwei bis vier Kreise unterteilt, die heute jedoch keine Aufgaben mehr besitzen und im Grunde gesetzlich abgeschafft sind. Die Hauptstadt Tirana hat einen speziellen Status. Nach den Kommunalwahlen 2015 wird Albanien nunmehr in 61 Bashkia unterteilt sein, die Gemeindeform der Komuna wird abgeschafft sein, und Tirana wird keinen speziellen Status mehr haben.

Obwohl diesen beiden Verwaltungsebenen einige bestimmte Aufgaben der Selbstverwaltung zugewiesen sind, wird das Land noch stark zentralistisch von der Hauptstadt aus regiert. Die Regierung ernennt fĂŒr jeden einzelnen Qark einen PrĂ€fekten, der vor Ort die Qark- und GemeinderĂ€te beaufsichtigt. Er nimmt zudem gewisse lokale Verwaltungsaufgaben wahr, die nicht an die Lokalbehörden delegiert sind.

Wirtschaft

Albanien befindet sich in einem Transformationsprozess von der ehemals sozialistischen Planwirtschaft in eine moderne offene Marktwirtschaft. Nach schweren Krisen in den 1990er Jahren verbesserte sich die Lage. Viele staatliche Unternehmen wurden privatisiert, die rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert und die Inflation stabil gehalten. Die Arbeitslosenquote sank, wĂ€hrend das Bruttoinlandsprodukt und die GehĂ€lter stiegen. Der Tourismus-Sektor brachte steigende Einnahmen, und die Infrastruktur wurde verbessert. Die Volkswirtschaft wuchs von Jahr zu Jahr. Sogar zu Beginn der Finanzkrise ab 2007 verzeichnete Albanien im Gegensatz zu den meisten anderen europĂ€ischen LĂ€ndern noch ein Wirtschaftswachstum. Die Anzahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, ist gesunken. 2008 wurde eine Flat Tax-Rate von 10 Prozent eingefĂŒhrt, eine der niedrigsten in Europa.

Doch im Land gibt es noch weiterhin gravierende strukturelle Probleme. Die Arbeitslosenquote lag 2014 offiziell bei 17,9 %. Der Durchschnittslohn (im staatlichen Sektor) lag im selben Jahr bei 379 Euro. Albanien war 2017 weiterhin einer der Àrmsten Staaten Europas. 2013 galten 14,3 % der Bevölkerung als arm.

Eines der grĂ¶ĂŸeren Probleme des Landes ist die schwache Infrastruktur. Die Hauptverbindungsachsen wurden zwar erneuert und ausgebaut, doch der Großteil der Transportwege in lĂ€ndlichen Gebieten ist noch immer sehr schlecht. Die Wasserversorgung ist dort meist auf wenige Stunden pro Tag beschrĂ€nkt, und auch StromausfĂ€lle kommen regelmĂ€ĂŸig vor. Wegen dieser wirtschaftlichen Probleme auf dem Land haben viele ihre Dörfer verlassen und sind entweder in eine Stadt umgezogen (Urbanisierung) oder ins Ausland ausgewandert.

Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2015 10,3 Mrd. Euro. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im selben Jahr 3.360 Euro. Bis ins Jahr 2008 ist das Bruttoinlandsprodukt mit zum Teil weit ĂŒber 5 % (real) rasant angestiegen. Das Wirtschaftswachstum in den Boomjahren grĂŒndete auf großer AktivitĂ€t der Bauindustrie, darĂŒber hinaus auch von Kleingewerbe und Dienstleistungen. Landwirtschaft sowie Industrie und Bergbau kamen, bedingt durch die gravierende Energiekrise, die ProduktionsausfĂ€lle zur Folge hatte, etwas langsamer voran. Im Zuge der europĂ€ischen Schuldenkrise sank das Wachstum Albaniens auf 1,1 % (2013). Im Jahr 2014 betrug das Wirtschaftswachstum knapp 2 %, fĂŒr 2015 wird das Wachstum mit 2,7 % angegeben. Die Inflation betrug 2015 ca. 1,8 %.

Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Albanien Platz 75 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land im Jahr 2018 Platz 65 von 180 LĂ€ndern.

Handel

Die Ausfuhren beliefen sich 2011 auf 1,954 Mrd. US-Dollar und die Einfuhren auf 5,076 Mrd. US-Dollar. Dies ergab ein Handelsdefizit von 3,122 Mrd. US-Dollar (24,3 % des BIP).

Wichtige Export-Handelspartner im Jahre 2010 waren Italien (48,8 %), die Volksrepublik China (8,4 %), TĂŒrkei (6,7 %), Griechenland (5,6 %), Spanien (5,4 %) und Indien (4,9 %). Importiert wurden 2010 vor allem Waren aus Italien (34,8 %), Griechenland (12,9 %), China (6,2 %), der TĂŒrkei (6,0 %) und Deutschland (4,6 %). Exportiert werden verarbeitete Nahrungsmittel, Chrom, Textilien, Rohöl, Asphalt und Baumwolle. Die importierten Waren sind vor allem Nahrungsmittel, Maschinen, Chemikalien, Textilien und andere VerbrauchsgĂŒter.

Finanzwesen

Die Zentralbank Banka e ShqipĂ«risĂ« ist fĂŒr die Geldpolitik zustĂ€ndig, emittiert die LandeswĂ€hrung Lek und ĂŒbt die Bankenaufsicht aus. Die ehemalige staatliche Bank Banka e Kursimeve wurde im Jahr 2004 von der österreichischen Raiffeisen International erworben und als Raiffeisen Bank Albania zum fĂŒhrenden Finanzdienstleister des Landes entwickelt. Gewisse Finanzdienstleistungen werden auch vom staatlichen Postunternehmen Posta Shqiptare erbracht.

Energie

Nach der Abschaltung des bulgarischen Kernkraftwerks Kosloduj im Dezember 2006 verschĂ€rfte sich die bereits prekĂ€re Energieversorgung im Land stark: Albanien, das Strom zu 97 % aus Wasserkraft erzeugt, war wie viele NachbarlĂ€nder auf Importe aus Bulgarien angewiesen, insbesondere da wegen fehlender NiederschlĂ€ge ĂŒber Jahre nur wenig Strom aus Wasserkraft produziert werden konnte. RegelmĂ€ĂŸige, langandauernde StromausfĂ€lle in den Folgejahren brachten große wirtschaftliche SchĂ€den mit sich.

Vor allem durch den Ausbau der Wasserkraft hat sich die Lage markant gebessert. Die meisten großen Wasserkraftwerke am Drin und Mat wurden mit Schweizer und österreichischer Hilfe erneuert. Auch die Stromnetze wurden saniert und ausgebaut. Neue StaudĂ€mme sind an mehreren Orten in Planung oder im Bau. Am Devoll im SĂŒden Albaniens baute Devoll Hydropower in den 2010er Jahren zwei große neue Wasserkraftwerke, die die Stromproduktion im Land deutlich erhöhten. Von den ĂŒber 300 Staudammprojekten sind aber viele stark umstritten, so die Verbauung der Vjosa.

Rohstoffe

Das Land verfĂŒgt ĂŒber zahlreiche Rohstoffe. Chrom ist eines der wichtigsten RohstoffgĂŒter Albaniens. Daneben gibt es grĂ¶ĂŸere Vorkommen an Nickel, Kupfer, Kohle, Gips, Kalkstein, Torf, Basalt, Sandstein und Lehm. Aus verschiedenen GrĂŒnden werden aber viele Rohstoffe kaum gefördert.

Albanien verfĂŒgt außerdem ĂŒber kaum erschlossene Gas- und Erdölvorkommen. Man schĂ€tzt ein Gasvorkommen von 3,014 Mrd. mÂł und ein Ölvorkommen von 2,987 Mrd. Barrel.

Landwirtschaft

Als traditionelles Agrarland ist die Landwirtschaft einer der wichtigsten Sektoren Albaniens. Fast 7000 kmÂČ, rund ein Viertel der GesamtflĂ€che, sind landwirtschaftlich nutzbar. Das Klima ist grundsĂ€tzlich fĂŒr alle Arten von Landwirtschaft und Viehzucht geeignet, die QualitĂ€t der Böden variiert stark nach Region und Lage. Es dominiert die Viehhaltung. Beim Ackerbau wird rund die HĂ€lfte der Produkte als Viehfutter verwendet.

Mit 21,4 % tragen landwirtschaftliche AktivitĂ€ten wesentlich zum BIP bei. 2010 waren 55 % der berufstĂ€tigen Bevölkerung in der Landwirtschaft tĂ€tig. Allerdings betreibt der Großteil nur Subsistenzwirtschaft. Die ProduktivitĂ€t in der Landwirtschaft ist nach wie vor gering. Hauptprobleme sind der Mangel an Kapital fĂŒr Investitionen in Maschinen und Anlagen sowie in die Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung der Bodenfruchtbarkeit, unzureichende BewĂ€sserungssysteme, veraltete Produktionsmethoden und der fehlende Zugang zu MĂ€rkten. Die starke ZerstĂŒckelung der AnbauflĂ€chen und ungeklĂ€rte EigentumsverhĂ€ltnisse stellen weitere strukturelle Probleme dar, die die Entwicklung der albanischen Landwirtschaft noch auf lĂ€ngere Zeit hinaus hemmen werden. Die Landwirtschaftsbetriebe haben eine durchschnittliche GrĂ¶ĂŸe von lediglich 1,05 Hektar (2011). Außerdem sind die BesitzverhĂ€ltnisse nach wie vor oft ungeklĂ€rt. Trotz eines radikalen Dekollektivierungsgesetzes aus dem Jahr 1991, das die Verteilung der landwirtschaftlich genutzten FlĂ€che an die Bauern der Betriebe vorsah ohne BerĂŒcksichtigung der vormaligen BesitzverhĂ€ltnisse, fehlen oftmals die formalen GrundstĂŒckeigentumspapiere.

Albanien exportierte 2011 AgrargĂŒter im Umfang von lediglich € 86 Millionen, mehrheitlich Fisch, HeilkrĂ€uter und Leder. Im selben Zeitraum mussten aber landwirtschaftliche Produkte im Wert von € 607 Millionen importiert werden. NischenmĂ€rkte wie der Export von GewĂŒrzen und Heilpflanzen bieten noch weiter viel Potential, obschon Albanien bereits zu den grĂ¶ĂŸten Exporteuren von Salbei, Rosmarin, Gelber Enzian und weiterer Heilpflanzen zĂ€hlt.

Tourismus

UnberĂŒhrte Natur und abwechslungsreiche Landschaften (Ökosystemvielfalt) charakterisieren große Teile Albaniens. Es beherbergt einzigartige Arten an Fauna und Flora, was Albanien bezogen auf seine GrĂ¶ĂŸe zu einem der artenreichsten LĂ€nder Europas macht (Endemie). Mit seiner vielfĂ€ltigen Kultur sowie dem mediterranen Klima besitzt Albanien weitere Voraussetzungen fĂŒr die Entwicklung unterschiedlicher Arten von Tourismus.

Die Zahl der Touristen steigt von Jahr zu Jahr. 2004 wurden 588.000 Übernachtungen registriert. Rund drei Viertel der Touristen stammen aus dem Inland; GĂ€ste aus dem Ausland kamen vorwiegend aus den NachbarlĂ€ndern. Im Jahre 2016 besuchten bereits 4,07 Mio. auslĂ€ndische Personen das Land. Der Großteil der Touristen kommt noch immer aus den NachbarlĂ€ndern Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro, Griechenland und Italien. Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr stiegen von 2002 auf 2004 von 480 auf 740 Millionen USD. 2016 beliefen sie sich auf ca. 1,69 Milliarden US-Dollar. Der Beitrag des Tourismussektors zum BIP betrug 2005 4,7 % und stieg im Vergleich zum Vorjahr um 3 % an. 11 % der erwerbstĂ€tigen Bevölkerung arbeiteten 2005 im Tourismus, das sind rund 165.000 Personen.

Ein Anstieg der Übernachtungszahlen wird auch fĂŒr die Zukunft erwartet. Das World Travel & Tourism Council prognostiziert ein jĂ€hrliches reales Wachstum des Tourismus von 5,4 % im Zeitraum von 2006 bis 2015. Tourismus ist ein wesentlicher Bestandteil der aktuellen albanischen Regierungsstrategie zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Basis fĂŒr die weitere Entwicklung des Sektors ist die 2004 von der albanischen Regierung verabschiedete, nationale Tourismusentwicklungsstrategie inkl. Aktionsplan.

WĂ€hrend in der Vergangenheit vor allem in die Errichtung und den Ausbau von UnterkĂŒnften und in die Gastronomie investiert wurde, fehlt es insbesondere im Bereich Infrastruktur an wichtigen Investitionen. Um in Zukunft vermehrt zahlungskrĂ€ftige Touristen aus dem Ausland anziehen zu können, sind vor allem verstĂ€rkte Investitionen in die kommunale Infrastruktur, das Verkehrsnetz und den Umweltschutz sowie Maßnahmen zur QualitĂ€tsverbesserung der Dienstleistungen sowie die Verbesserung der Ausbildung unabdingbar.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 3,55 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 3,20 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,8 % des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2016 71,5 % des BIP.

2012 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in %) folgender Bereiche

  • Gesundheit: 9,71 %
  • Bildung: 11,70 %
  • Verteidigung: 3,31 %

Probleme

Albanien hat heute mit großen strukturellen Problemen zu kĂ€mpfen, die der Wirtschaft oft im Weg stehen. Zu den grĂ¶ĂŸten zĂ€hlen die Armut, die schwache Infrastruktur, die weit verbreitete Korruption, das auf den sogenannten Kanun zurĂŒckgehende Sozialproblem der Blutrache, GeldwĂ€sche, Vetternwirtschaft, Ämterkauf und Ă€hnliche.

Albanien gilt bei westlichen Sicherheitsbehörden als grĂ¶ĂŸter Marihuanalieferant fĂŒr Europa. FĂŒr 2018 gehen SchĂ€tzungen von UmsĂ€tzen allein aus dem Marihuanahandel albanischer Banden von vier Milliarden US-Dollar aus, was etwa der HĂ€lfte des Bruttoinlandproduktes entspricht. Hinzu kommt die Rolle als bedeutende Drehscheibe fĂŒr den internationalen Heroin- und Kokainschmuggel.

Verkehr

Straßennetz

Die Verkehrsgeographie Albaniens ist vor allem durch das Relief des Landes bestimmt. Die Straßen folgen im Wesentlichen den FlusstĂ€lern, haben aber an verschiedenen Stellen auch hohe PĂ€sse zu ĂŒberwinden. Die ĂŒberragende Bedeutung der Hauptstadt spiegelt sich auch im Straßennetz wider. Fast alle Nationalstraßen fĂŒhren nach Tirana.

Die ersten modernen Straßen wurden von 1939 bis 1942 von den italienischen Besatzern gebaut. Dazu gehört zum Beispiel die Strecke Tirana–Elbasan. Unter der kommunistischen Herrschaft ist das Straßenverkehrsnetz kaum entwickelt worden. Allerdings wurde auch der Bedarf kĂŒnstlich niedrig gehalten, denn Kraftfahrzeuge in Privatbesitz waren bis 1990 nicht gestattet, und die schwache Ökonomie des Landes benötigte ebenfalls nur relativ geringe TransportkapazitĂ€ten. Die StraßenverhĂ€ltnisse sind grĂ¶ĂŸtenteils noch schlecht, aber mit Mitteln des Balkan-StabilitĂ€tspakts konnten einige wichtige Fernstraßen saniert werden. Dazu gehört die wichtige mittelalbanische Route durch das Shkumbintal, die Elbasan mit Pogradec, Korça und Nordmazedonien verbindet.

Die erste Autobahn Albaniens, die SH 2 (Tirana–DurrĂ«s), wurde, obwohl erst im Jahr 2000 fertiggestellt, kurz vor Tirana bereits auf vier Spuren pro Fahrtrichtung ausgebaut. Der Bau eines Autobahnkilometers kostete mehr als in Deutschland. Die gesetzlich vorgegebene Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen liegt bei 120 km/h. Seit dem Herbst 2007 existiert eine weitere Autobahnverbindung als Teil der SH 4 von Rrogozhina ĂŒber Lushnja bis nach Fier.

Nachdem der PaneuropĂ€ische Verkehrskorridor VIII, die West-Ost-Verbindung von DurrĂ«s, dem grĂ¶ĂŸten Hafen des Landes, zur mazedonischen Grenze, sowie fast alle Strecken der Nord-SĂŒd-Verbindung von Montenegro nach Griechenland gut ausgebaut worden waren, legte die Regierung die PrioritĂ€t auf die Autobahn 1 zwischen DurrĂ«s und Pristina (GrenzĂŒbergang Morina). Zwischen Herbst 2006 und 2010 wurde am Verbindungskorridor in den Kosovo gebaut. Im Juni 2009 wurde die Autobahn zeitweise fĂŒr den Verkehr freigegeben. Diese Autobahn verlĂ€uft durch das teilweise alpine Nordalbanien. Aufgrund dieser Topographie weist sie eine große Zahl von Kunstbauten auf. Der Kalimash-Tunnel auf dieser Strecke ist mit 5,65 km der lĂ€ngste des Landes. Bei der Autobahn handelt es sich um das grĂ¶ĂŸte und teuerste Infrastrukturprojekt Albaniens. Die Bauarbeiten an der Strecke von KukĂ«s ins benachbarte Kosovo haben Mitte MĂ€rz 2010 begonnen.

Eisenbahn

Alle albanischen Eisenbahnlinien wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut, oft in „Freiwilligen-EinsĂ€tzen“ der Bevölkerung und Studenten. Die Bahngesellschaft Hekurudha Shqiptare betrieb 2016 nur noch die Linien DurrĂ«s–Kashar, DurrĂ«s–Elbasan–Librazhd, DurrĂ«s–Shkodra und DurrĂ«s–Fier. Nur fĂŒr den GĂŒterverkehr wiedereröffnet war die Strecke von Shkodra nach Podgorica im benachbarten Montenegro. Man beabsichtigt, mit Finanzierung der EBRD die Strecke von DurrĂ«s nach Tirana mit einem neuen Anschluss zum Flughafen bis 2019 wieder in Betrieb zu nehmen. Das Schienennetz hatte im Jahr 2013 eine GesamtlĂ€nge von 346 Kilometern, 101 Kilometer weniger als in der Mitte der 1990er Jahre. Bei den transportierten GĂŒtern belĂ€uft sich der RĂŒckgang in diesem Zeitraum auf 75 % und lag 2013 bei 151.000 Tonnen. Die Passagierzahl ist in den letzten 20 Jahren um ĂŒber 90 % zurĂŒckgegangen auf 329.000 Personen im Jahr 2013. 2016 musste der Betrieb wiederholt eingestellt werden.

Seefahrt

Der Hafen DurrĂ«s an der Adria ist der wichtigste albanische Hafen. Weitere kleinere HĂ€fen gibt es in ShĂ«ngjin, Vlora und Saranda. Von DurrĂ«s oder Vlora bestehen regelmĂ€ĂŸige FĂ€hrverbindungen nach Brindisi, Bari, Ancona, Triest und Venedig in Italien. Das sĂŒdalbanische Saranda ist von Korfu mit der FĂ€hre zu erreichen. Die albanischen HĂ€fen wurden erneuert und ausgebaut. In Vlora und nördlich von DurrĂ«s wurden Erdgas- (LPG) und Erdöl-Terminals errichtet.

Die HÀfen in Durrës, Shëngjin, Saranda und Vlora (hier vor allem die Anlagen auf Sazan und die Marinebasis Pashaliman) werden auch militÀrisch genutzt.

Flugverkehr

Tiranas Flughafen ist der einzige zivil genutzte Flughafen Albaniens, benannt nach Mutter Teresa. Er liegt 17 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt. Der Flughafen verzeichnete 2.947.172 Passagiere, 2249 Tonnen Luftfracht und 25.426 Flugbewegungen (2018). Er bietet auch ĂŒber 1000 BeschĂ€ftigten eine Arbeit. 2007 konnte der damalige Betreiber, ein deutsch-amerikanisches Konsortium, neue Terminals fĂŒr Passagiere und Fracht in Betrieb nehmen, die spĂ€ter erweitert wurden.

Albanien verfĂŒgt zurzeit ĂŒber die beiden Fluggesellschaften Air Albania (staatliche Beteiligung, 2019 im Aufbau) und Albawings. Fluggesellschaften aus diversen europĂ€ischen LĂ€ndern haben Tirana als Ziel.

Der neue Flughafen KukĂ«s wird zurzeit nicht regelmĂ€ĂŸig angeflogen. Die Baukosten fĂŒr den Geisterflughafen beliefen sich auf 20 Mio. US-Dollar. Außerdem betreibt die Luftwaffe den MilitĂ€rflugplatz Kuçova und einen Heliport in Farka bei Tirana.

Mitte der 1920er Jahre wurde in Albanien ein Inlandflugdienst aufgebaut, da es kein gutes Verkehrsnetz am Boden gab. Zwischenzeitlich wurden ab dem Flugplatz Lapraka am Stadtrand von Tirana acht albanische StÀdte angeflogen. Tirana war auch mit auslÀndischen StÀdten verbunden. Transportiert wurde neben Passagieren vor allem auch Post.

Kultur

Albanien hat eine facettenreiche Kultur vorzuweisen, die seit der UnabhĂ€ngigkeit von dem Osmanenreich 1912 eine weit umfassende Entwicklung durchlief. Sie konnte ĂŒber die Jahrhunderte in verhĂ€ltnismĂ€ĂŸiger Abgeschiedenheit im Großen und Ganzen ihre EigenstĂ€ndigkeit bewahren. Dennoch blieb sie in der westlichen Welt auch vielen Völkerkundlern und Anthropologen, die sich auf SĂŒdosteuropa spezialisiert hatten, weitgehend unbekannt.

Die Albaner in Albanien, Kosovo, Nordmazedonien, Serbien und Montenegro haben eine gemeinsame Kultur, die seit dem Fall des Eisernen Vorhangs einen rasanten Entwicklungsschub erfuhr und mit dem Begriff AlbanosphĂ€re als gemeinsamer Kulturraum erfasst wird. Entgegen dieser Wandlung bleiben kulturelle Differenzen zwischen den Albanern aus diesen Staaten. Zum Beispiel ist interreligiöses Heiraten in dem Kosovo nach wie vor eher selten, doch in Albanien ist es durch das jahrzehntelange Religionsverbot der Kommunisten gang und gĂ€be geworden. Und wĂ€hrend in Albanien und Kosovo Literatur, Kunst, Sport, Film und Musik ziemlich fortgeschritten sind, stecken sie in Nordmazedonien, Serbien und Montenegro durch das (frĂŒhere) Fehlen von stĂ€dtischen Zentren und einer ausgeprĂ€gten BĂŒrgergesellschaft eher in der FrĂŒhphase.

Volkskultur

Albanische Volkskultur konzentrierte sich vor allem in denjenigen albanischen Gebieten, wo der Großteil der Bevölkerung arm und nicht sehr gebildet war, auf reiche Volkstrachten, Volkstanz und mĂŒndlich ĂŒberlieferte Epen wie die Lieder der Grenzkrieger und Balladen wie Konstantin und Doruntina. Zum mĂŒndlich ĂŒberlieferten Kulturgut kann man auch die gewohnheitsrechtlichen Gesetzeswerke, die verschiedenen Kanun-Versionen, zĂ€hlen.

Insbesondere unter der kommunistischen Regierung wurde die Volkskultur gepflegt und gefördert, aber auch fĂŒr ideologische Zwecke eingesetzt. Folklore-Feste finden im ganzen Land regelmĂ€ĂŸig statt. Das Nationale Folklorefestival wird alle fĂŒnf Jahre in Gjirokastra ausgetragen. Dazu kommen jĂ€hrliche nationale Festivals fĂŒr Rhapsoden in Lezha, fĂŒr Polyphonie in Vlora, fĂŒr Saz und Volksorchester in Korça, fĂŒr stĂ€dtische Lieder in Elbasan und fĂŒr VolkstĂ€nze in Lushnja. Alle diese Festivals werden vom Qendra KombĂ«tare e Veprimtarive Folklorike (Nationales Zentrum fĂŒr Folklore-AktivitĂ€ten) organisiert.

Volksmusik

Traditionelle albanische Volksmusik gehört noch heute zu jedem Hochzeitsfest, Volksfest und zu jedem Stelldichein. Die musikalische Tradition ist reich und variiert ziemlich stark von Region zu Region.

Wie bei der Sprache gibt es auch bei der Volksmusik eine Trennung: Im SĂŒden ist iso-polyphone Musik typisch. Bezeichnend fĂŒr den Norden sind homophone Musik mit epischen Liedern, Lauten-Musik und Ausrufs-Lieder (kĂ«ngĂ« thirrje), die zur Übermittlung von Nachrichten in den Bergen dienten.

In der albanischen Volksmusik gibt es eine Vielzahl eigener Instrumente. Dazu zĂ€hlen zum Beispiel die Lahuta, eine einsaitige Schalenhalslaute, sowie verschiedene Langhalslauten wie die zweisaitige Çiftelia, die dreisaitige Sharki und die Saze mit zehn Saiten. Wichtig sind auch Flöten (Fyell) und Blasinstrumente wie die Kegeloboe Surle (Ă€hnlich der Zurna) oder der albanische Dudelsack Gajde, eine Variante der thrakischen Gaida. Fehlen dĂŒrfen auch verschiedene Rhythmusgeber wie Tamburin (Dajre) und Trommeln in vielen verschiedenen Materialien und GrĂ¶ĂŸen nicht.

Gesang ist in der albanischen Volksmusik sehr bedeutend. Bei epischen Liedern, die Geschichte und Wertvorstellungen darstellen, begleitet sich der SĂ€nger oft selber auf der Lahuta oder einer Laute. Im SĂŒden sind die iso-polyphonen GesĂ€nge der Tosken, die im Jahr 2005 von der UNESCO ins Welterbe der Meisterwerke des mĂŒndlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen wurden, besonders populĂ€r. Das Land hat eine reiche Tradition an stĂ€dtischer Musik, wo sich auch diverse Orchester und Kapellen bildeten: aus Shkodra Jahres-Lieder, aus Elbasan und Korça Serenaden-Lieder sowie aus Vlora, PĂ«rmet, Leskovik und Delvina Saze-Lieder.

VolkstÀnze

Albanien hat auch eine reiche Tradition an TĂ€nzen mit abwechslungsreichen KostĂŒmen und Choreographien. Es gibt epische und lyrische TĂ€nze, bei denen die TĂ€nzer auch singen. Es gibt viele Formen von ReihentĂ€nzen, Einertanz und kleinen Gruppen, am bedeutendsten sind hingegen die RundtĂ€nze, bei denen eine beliebige Zahl TĂ€nzer verschiedene Kreise in verschiedenen Variationen bilden.

Volkstrachten

Die Volkstrachten waren bis in die 1950er Jahre auch im Alltag verbreitet. FrĂŒher zeigten sie oft den Reichtum oder den gesellschaftlichen Status eines Menschen. Heutzutage werden die Trachten in den zahlreichen Kultur-Ensembles gepflegt. Vor allem in lĂ€ndlichen Gebieten aber trifft man sie noch zu Hochzeiten und anderen familiĂ€ren AnlĂ€ssen.

KulturrÀumliche Gliederung

Albanien wird kulturell oft in drei Großregionen gegliedert, die sich weiter in kleinere KulturrĂ€ume unterteilen. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal dieser drei Großregionen ist der Dialekt bzw. die Dialektgruppe. Nordalbanien (ShqipĂ«ria e Veriut) umfasst grob die Qarqe von Shkodra, KukĂ«s, Lezha und Dibra. In diesem Gebiet werden gegische Dialekte gesprochen, die denjenigen in Kosovo und Nordmazedonien Ă€hnlich sind. Der Kanun des LekĂ« Dukagjini war das traditionelle Gewohnheitsrecht der gegischen Albaner wĂ€hrend der osmanischen Zeit und auch darĂŒber hinaus.

SĂŒdalbanien (ShqipĂ«ria e Jugut) liegt etwa in den heutigen Qarqe von Fier, Berat, Korça, Gjirokastra und Vlora. Hier sind toskische Dialekte verbreitet, an die auch die albanische Standardsprache bei ihrer Entstehung orientiert war. Der SĂŒden ist im Allgemeinen fĂŒr seine Musik berĂŒhmt; der dortige Gesangsstil wurde gar als UNESCO-Kulturerbe klassifiziert.

Mittelalbanien (ShqipĂ«ria e Mesme) ist eine Übergangszone zwischen diesen beiden Regionen. Sie umfasst traditionell den Flusslauf des Shkumbin und die Ebenen und das HĂŒgelland nördlich davon. Dies sind heute die Qarqe von DurrĂ«s, Tirana und Elbasan. Die Dialekte variieren hier stĂ€rker von Gegend zu Gegend, als dies im Norden und SĂŒden der Fall ist. Im SĂŒden Mittelalbaniens ĂŒberwiegen toskische, im Norden gegische Elemente. Sprachlich gesehen verlĂ€uft deshalb etwa am Shkumbin die Dialektgrenze zwischen der GegĂ«ria im Norden und der ToskĂ«ria im SĂŒden. Ein weiteres Merkmal Mittelalbaniens, das es von den anderen zwei Regionen unterscheidet, ist seine Volksmusik, die von den KlĂ€ngen der Klarinette, der Daira und des Akkordeons geprĂ€gt ist.

Architektur

Die Architektur in Albanien ist wie die Kultur ziemlich kontrastreich. Dort, wo historische Stadtkerne bewahrt werden konnten, kann man architektonische Leistungen vor allem aus osmanischer und venezianischer Zeit betrachten. So wurden die sĂŒdalbanischen StĂ€dte Berat (Stadt der Tausend Fenster genannt) und Gjirokastra wegen ihrer architektonischen Besonderheit aus der osmanischen Epoche zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Auch in Tirana und Elbasan finden sich ganze Straßen mit solchem Architekturstil. Gute Beispiele des ottomanischen Baustils sind unter anderem das Historische Museum von Shkodra und das Hotel Tradita ebenda. Andere StĂ€dte wiederum erhielten durch verschiedene kulturelle oder wirtschaftliche EinflĂŒsse ihr heutiges – fĂŒr Albanien – einzigartiges Aussehen. Da sind vor allem Korça (Kaufmanns-WohnhĂ€user im Stil der GrĂŒnderzeit und aber auch im Jugendstil), Shkodra, Vlora, Saranda und DurrĂ«s (italienische Architektur) zu nennen. Sehr archaische Formen der Architektur finden sich vor allem in den bergigen Regionen. Einige Überbleibsel der mittelalterlichen Bauweise finden sich z. Bsp. in der Burg von Petrela.

Heute ist die Architektur durch zahlreiche Plattenbauten aus der sozialistischen Zeit (1944 bis 1990) geprĂ€gt, die Teil der PlĂ€ne der diktatorischen Regierung von Enver Hoxha waren, welche ein einheitliches Aussehen fĂŒr jede Ortschaft wollten.

Einen ganz eigenen Weg hat die moderne Architektur eingeschlagen: Nachdem der KĂŒnstler und damalige BĂŒrgermeister von Tirana, Edi Rama (spĂ€ter MinisterprĂ€sident), im Jahr 2000 damit begonnen hatte, triste GebĂ€ude im Stadtzentrum farbig zu streichen, wurden HĂ€user im ganzen Land farbenfroh bemalt. Insbesondere die Stadtbilder der grĂ¶ĂŸeren Orte werden durch viel Farbe und verspielte Architektur aufgelockert.

Zu den bekanntesten Bauwerken der modernen Architektur Albaniens zÀhlen das ABA Business Center, das ETC European Trade Center, die Twin Towers und der TID Tower, allesamt in der Hauptstadt Tirana.

KĂŒche

Die albanische KĂŒche ist mediterran und orientalisch geprĂ€gt. Albanische SpezialitĂ€ten sind Byrek, Pite, Fli, Bohnensuppe, Biftek, Tarator, Llokum, Kadajif, Sultjash und Bakllava. Typische einheimische GetrĂ€nke sind Boza, DhallĂ« und Raki. Viele SpezialitĂ€ten sind auch in anderen LĂ€ndern SĂŒdosteuropas und des Nahen Ostens verbreitet.

Film

Albanische Filmproduktion gibt es seit dem Jahr 1952, als mit russischen Regisseuren der erste Kinofilm gedreht wurde. Es handelt sich dabei um einen Film ĂŒber den Nationalhelden Skanderbeg, sein Leben und dem Krieg gegen die Osmanen. Produziert wurden die Filme vom 1991 aufgelösten Kinostudio „ShqipĂ«ria e Re“ (Neues Albanien) in Tirana. Dieses Studio produzierte bis zu 14 Filme pro Jahr. Heute gibt es zahlreiche kleine Produktionsfirmen. Seit 2003 findet jĂ€hrlich das Tirana International Film Festival statt.

Kunst

Herausragendes Beispiel frĂŒher albanischer Kunst ist der im 16. Jahrhundert in SĂŒdalbanien tĂ€tige Ikonenmaler Onufri. KolĂ« Idromeno gilt als erster Albaner, der sich sĂ€kularer, realistischer Malerei widmete.

Zeitgenössische Musik

Zahlreiche Festivals und Fernsehsendungen widmen sich aktueller Musik, so das in Tirana stattfindende Musikfestival Festivali i Këngës, das seit 1961 jedes Jahr organisiert wird und seit 2003 den albanischen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest darstellt.

Literatur

Zu den bedeutendsten Dichtern der albanischen Literatur des 19. Jahrhunderts gehören neben Gjergj Fishta (1871–1940) unter anderem Naim FrashĂ«ri (1846–1900) und Girolamo de Rada (1814–1903). Die bekanntesten Vertreter der neueren Prosa sind Fan Noli (1882–1965), Mimoza Ahmeti (* 1963) und Anila Wilms (* 1971). Namhafte Autoren des albanischen sozialistischen Realismus und der zeitgenössischen Literatur sind unter anderem Sterjo Spasse (1914–1989), DritĂ«ro Agolli (* 1931) und der auch international bekannte Ismail Kadare (* 1936).

Medien

Neben dem staatlichen Radio Televizioni Shqiptar gibt es weitere, private Sender wie Albanian Screen Radio Television, Top Channel und TV Klan. Wie die staatlichen Medien sind auch viele private Sender und Publikationen politisch nicht unabhĂ€ngig. Seit 2004 sendet der Bezahlfernsehen-Konzern Digitalb viele albanische und internationale KanĂ€le durch den Satelliten Eutelsat, aber auch durch nationalen Funk aus. Die Reichweite der elektronischen Medien ist viel grĂ¶ĂŸer als die der meisten Zeitungen und Zeitschriften, von denen viele mit sehr kleinen Auflagezahlen und schwieriger Distribution zu kĂ€mpfen haben. Mit einer Gesamtzirkulation von 95.100 aller zwölf im Jahre 2001 in Albanien erscheinenden Tageszeitungen hat das Land eine der niedrigsten Zeitungsleserraten Europas. Die meistgelesenen Zeitungen Albaniens sind Shqip und Shekulli.

Im Jahr 2019 nutzten 70 Prozent der Einwohner Albaniens das Internet.

Sport

Der beliebteste Sport im Land ist der Fußball. In der Kategoria Superiore spielen zwölf Mannschaften um den Landesmeistertitel. Die bisher meisten Siege erzielte der Hauptstadtclub KS Dinamo Tirana. Zu den grĂ¶ĂŸten Erfolgen der albanischen Fussballnationalmannschaft gehören der Sieg beim Balkan-Cup 1946 und die Teilnahme an der EM 2016. Daneben spielen Basketball, Volleyball, Gewichtheben und Sportschießen eine wichtige Rolle. Seit einigen Jahren gewinnt auch der Motorsport markant an Fans.

Albanien ist Mitglied der UEFA, FIFA und des Internationalen Olympischen Komitees.

Albanien nahm erstmals im Jahr 1972 in MĂŒnchen an den Olympischen Sommerspielen teil. Das Land verpasste die nĂ€chsten vier Austragungen, zwei davon aufgrund des Boykotts (1980 und 1984), kehrte jedoch fĂŒr die Spiele von 1992 in Barcelona zurĂŒck. Albanische Sportler nehmen seitdem meist an Wettbewerben wie Schwimmen, Leichtathletik, Gewichtheben, Schießen und Ringen teil. 2006 zĂ€hlte zum ersten Mal ein albanischer Sportler zu den Teilnehmern an den Olympischen Winterspielen. Neben Bosnien und Herzegowina ist Albanien das einzige europĂ€ische Land ohne olympische Medaille.

2013 wurden mit den Europameisterschaften im Gewichtheben erstmals bedeutende internationale WettkĂ€mpfe in Tirana ausgetragen. Das internationale Straßenradrennen Tour of Albania wird seit 1925 ausgetragen, 2018 zum 75. Mal.

Feiertage

Siehe auch

Literatur

In der Reihenfolge des Erscheinens:

  • Peter Bartl: Albanien. Pustet, Regensburg 1995, ISBN 3-7917-1451-1.
  • Marianne Graf: Albanien nördlich des Shkumbin. Ein StĂŒck vergessenes SĂŒdeuropa. Weishaupt, Gnas 2003, ISBN 3-7059-0166-4.
  • Peter Jordan, Karl Kaser u. a. (Hrsg.): Albanien. Geographie – Historische Anthropologie – Geschichte – Kultur – Postkommunistische Transformation. (= Österreichische Osthefte. Sonderband 17). Peter Lang, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-631-39416-0.
  • Christine von Kohl: Albanien. Beck, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-406-50902-9.
  • Hanns Christian Löhr: Die GrĂŒndung Albaniens: Wilhelm zu Wied und die Balkan-Diplomatie der GroßmĂ€chte. 1912–1914. Peter Lang, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-631-60117-4.
  • Christiane Jaenicke: Albanien. Ein LĂ€nderportrĂ€t. Ch. Links Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-96289-043-8.

Weblinks

  • Albanische Regierung (albanisch, englisch)
  • Le patrimoine culturel dans le Sud-Est europĂ©en: Albanie. Rapport de mission 26 avril–7 mai 2004. In: unesco.org, 2004 (französisch).
  • Delegation of the European Union to Albania (albanisch, englisch)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (12)

Bezeichnung der Regionen: Qarqe
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Berat 40.882 40.355 19.73 20.443  
DibĂ«r 41.899 41.322 19.804 20.551  
DurrĂ«s 41.59 41.244 19.393 19.911  
DurrĂ«s 41.51 41.009 19.441 20.236  
Elbasan 41.389 40.716 19.669 20.602  
Fier 41.07 40.421 19.305 19.905  
GjirokastĂ«r 40.527 39.785 19.759 20.615  
Korçë 41.087 40.081 20.293 21.036  
LezhĂ« 42.028 41.557 19.462 20.268  
Qark Kukes 42.565746 41.812133 19.803667 20.628136  
Qark Shkodra 42.665615 41.836345 19.350515 20.2430606  
VlorĂ« 40.659 39.637 19.29 20.299  
 

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Flagge: Albanien

Name englisch: Albanien
Hauptstadt: Tirana
Kfz: AL
ISO: AL
ISO3: ALB
Fläche: 28748 km²
Tld: .al
Wärung Einheit: ALL
Währung: Lek
Vorwahl: 355

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 42.6610819
südlichster Punkt: 39.6447296
westlichster Punkt: 19.2639041
östlichster Punkt: 21.0572394


 
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