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Staat Informationen : Tschechien

Informationen:


Tschechien (tschechisch Česko, amtlich Tschechische Republik, tschechisch ČeskĂĄ republika ) ist ein Binnenstaat in Mitteleuropa mit rund 10,5 Millionen Einwohnern. Es setzt sich aus den historischen LĂ€ndern Böhmen (Čechy) und MĂ€hren (Morava) sowie Teilen von Schlesien (Slezsko) zusammen. Das Land grenzt im Westen an Deutschland, im Norden an Polen, im Osten an die Slowakei und im SĂŒden an Österreich. Hauptstadt und Millionenmetropole des Landes ist Prag (tschechisch Praha), weitere GroßstĂ€dte sind BrĂŒnn (Brno), Ostrau (Ostrava), Pilsen (Plzeƈ), Reichenberg (Liberec) und OlmĂŒtz (Olomouc).

Im 6. Jahrhundert wanderten die Slawen in Böhmen ein, im 7. Jahrhundert war das Gebiet Teil des Samo-Reiches. Ende des 9. Jahrhunderts bildete sich unter den Mojmiriden das MĂ€hrerreich als erstes slawisches Staatswesen. Der geeinte tschechische Staat entstand unter der ab dem Ende des 9. Jahrhunderts regierenden Pƙemysliden-Dynastie, als im 11. Jahrhundert die Markgrafschaft MĂ€hren Böhmen unterstellt und 1085 das Königreich Böhmen geformt wurde. Es hatte eine Sonderstellung im Heiligen Römischen Reich und beherrschte unter den Pƙemysliden und Luxemburgern große Gebiete Kontinentaleuropas. Im Zuge des Aufstiegs der Habsburger und des DreißigjĂ€hrigen Krieges wurde das Gebiet Teil der Habsburgermonarchie und blieb es bis zu deren Zerfall nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg.

Im Jahre 1918 erfolgte die GrĂŒndung der demokratischen Tschechoslowakei. Im FrĂŒhjahr 1939 wurde sie durch das nationalsozialistische Deutschland besetzt und aufgeteilt, der tschechische Landesteil zum Protektorat Böhmen und MĂ€hren erklĂ€rt. 1945 befreiten die Alliierten mit UnterstĂŒtzung der Tschechoslowakischen Exilarmee das Land vom NS-Regime. In der Nachkriegszeit wurde die rund drei Millionen Angehörige umfassende Minderheit der Deutschböhmen und DeutschmĂ€hrer enteignet, ausgebĂŒrgert und gezwungen, das Land zu verlassen. Nachdem die Rote Armee den Großteil der Tschechoslowakei besetzt hatte, ĂŒbernahm 1948 die Kommunistische Partei (KSČ) im sogenannten Februarumsturz die Macht im Land, das somit zum Satellitenstaat der Sowjetunion wurde. Die Prager FrĂŒhling genannte Reformbewegung schlugen Truppen des Warschauer Pakts im Jahr 1968 nieder. 1989 wurde nach der Samtenen Revolution unter VĂĄclav Havel die Demokratie wiedererrichtet. Die heutige Tschechische Republik entstand am 1. Januar 1993 mit der friedlichen Teilung der Tschechoslowakei. 1999 wurde sie Mitglied der NATO und am 1. Mai 2004 Mitglied der EuropĂ€ischen Union.

Tschechien ist ein Industriestaat. Sein Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner ist das höchste der ehemaligen RGW-Mitglieder. Im Index der menschlichen Entwicklung belegte das Land 2019 weltweit Platz 26. Sowohl im Bezug auf die politische als auch die wirtschaftliche Transformation belegt Tschechien SpitzenplÀtze.

Geographie

Tschechien grenzt an Deutschland (810,3 km) im Westen und Nordwesten, an Polen (762 km) im Nordosten, die Slowakei (252 km) im SĂŒdosten und Österreich (466 km) im SĂŒden. Der Binnenstaat ist in etwa gleich weit von Ostsee und der Adria entfernt. Die West-Ost-Ausdehnung Tschechiens betrĂ€gt maximal 493 Kilometer, die Nord-SĂŒd-Ausdehnung 278 Kilometer. Von der GesamtflĂ€che mit 78.866 Quadratkilometern fallen 67 % auf Flach- und HĂŒgelland bis zu 500 m Seehöhe, 32 % liegen zwischen 500 und 1000 m und etwa 1 % darĂŒber. Der Anteil der WasserflĂ€che betrĂ€gt 3 %. Der tiefste Punkt Tschechiens ist die Elbe bei Hƙensko (115 m), der höchste Berg die Schneekoppe (1603 m).

Geomorphologie

Tschechien ist an seinen RĂ€ndern von GebirgszĂŒgen umgeben. Deswegen sagt man zum Beispiel in Oberösterreich und der Oberpfalz „ich fahre ins Böhmische hinein“. An der SĂŒdwestgrenze Tschechiens liegt der Böhmerwald (Ć umava, 1000 bis 1400 Meter), im Nordwesten das Erzgebirge (KruĆĄnĂ© hory, Keilberg 1244 Meter) und im Norden das Riesengebirge (KrkonoĆĄe) und das Altvatergebirge (HrubĂœ JesenĂ­k). Die Ostgrenze zur Slowakei bilden die Beskiden und Weißen Karpaten und die March. Nur die SĂŒdgrenze zu Niederösterreich verlĂ€uft großteils entlang eines Flusses – der stark mĂ€andrierenden Thaya.

Die geomorphologische Gliederung Tschechiens unterteilt das Land anhand der Gebirgsbildung in zwei Systeme. Die Böhmische Masse, die etwa drei Viertel der FlĂ€che einnimmt, gehört zu den mitteleuropĂ€ischen Varisziden. Der tschechische Anteil an den Karpaten im SĂŒdosten gehört zum alpidischen Gebirgssystem. Die Subprovinzen setzen sich aus Beckenlandschaften zusammen, die von Gebirgen umgeben und unterteilt werden. Die Böhmisch-MĂ€hrische Höhe (600 bis 800 Meter) trennt das Böhmische Becken vom SĂŒdmĂ€hrischen Tiefland. Reich an Kalksteinhöhlen ist der MĂ€hrische Karst. MĂ€hren hat im Osten Anteil am Karpatenvorland und im SĂŒden am Wiener Becken.

GewÀsser

Entlang der KÀmme des OberpfÀlzer- und Böhmerwaldes, der Böhmisch-MÀhrischen Höhe, der Beskiden und Westkarpaten verlÀuft die EuropÀische Hauptwasserscheide.

  • Die Elbe (Labe) entwĂ€ssert einen großen Teil Tschechiens in die Nordsee. Ihr Nebenfluss, die Moldau (Vltava), ist mit 433 Kilometern der lĂ€ngste Fluss auf tschechischem Gebiet.
  • In Schlesien entwĂ€ssert die Oder (Odra) mit der Opava in die Ostsee.
  • Die March (Morava) entwĂ€ssert nach SĂŒden ĂŒber die Donau ins Schwarze Meer. Ihr grĂ¶ĂŸter Nebenfluss ist die Thaya (Dyje).

In Tschechien gibt es relativ wenige natĂŒrliche Seen, der grĂ¶ĂŸte ist der ČernĂ© jezero im Böhmerwald. Seit dem 12. Jahrhundert wird jedoch Teichwirtschaft betrieben. Das grĂ¶ĂŸte System von Fischteichen befindet sich im sĂŒdböhmischen Tƙeboƈsko. Im 20. Jahrhundert entstanden durch den Bau von Stauanlagen zahlreiche kĂŒnstliche Seen, die dem Hochwasserschutz, der Energiegewinnung und der Erholung dienen. Die grĂ¶ĂŸten Stauseen sind entlangt der Moldau-Kaskade zu finden.

Klima

Tschechien liegt in der gemĂ€ĂŸigten Temperaturzone der Erde. Die Jahresdurchschnittstemperatur betrug in den Jahren nach 1951 bei rund 8,1 °C und in den letzten Jahren vor 2018 bei rund 10,0 °C. Sie hat in dieser Zeit also deutlich zugenommen (→ Globale ErwĂ€rmung).

Die Winter sind relativ mild (Februar: 0,5 °C) und die Sommer relativ kĂŒhl (Juni: 18,6 °C). Der Jahresniederschlag in Prag wurde mit 508 Millimetern gemessen; ein relativ geringer Wert aufgrund der Lage im Lee von Böhmerwald, OberpfĂ€lzer Wald und Erzgebirge.

Naturschutz

In Tschechien gibt es vier Nationalparks. Der grĂ¶ĂŸte, der Nationalpark Ć umava (Böhmerwald), bildet mit angrenzenden Schutzgebieten einen der artenreichsten NaturrĂ€ume Mitteleuropas. Auch die Nationalparks Riesengebirge, Böhmische Schweiz und Thayatal grenzen an Schutzgebiete in den NachbarlĂ€ndern. Daneben sind die Regionen Tƙeboƈsko, KƙivoklĂĄtsko, die Weißen Karpaten und das untere Marchtal als BiosphĂ€renreservate ausgewiesen. Die 26 Landschaftsschutzgebiete sind großflĂ€chige naturbelassene Landschaften, die 109 nationalen Naturreservate kleinrĂ€umig streng geschĂŒtzte einzigartige Ökosysteme. Tschechien liegt am GrĂŒnen Band Europas.

In letzter Zeit ist eine RĂŒckkehr grĂ¶ĂŸerer Wildtiere zu beobachten. Im Böhmerwald leben wieder Luchse und Elche. Vor allem in der Karpatenregion werden durchziehende Wölfe und BraunbĂ€ren beobachtet. Wolfsrudel haben sich seit 2014 um den MĂĄcha-See sowie um Broumov niedergelassen.

Bevölkerung

Am 10. April 2014 zĂ€hlte Tschechien 10.517.400 Einwohner. Bei der VolkszĂ€hlung 2001 bildeten die Tschechen mit 90,5 Prozent die grĂ¶ĂŸte Gruppe, gefolgt von den MĂ€hrern mit 3,7 Prozent und den Slowaken mit tschechischer StaatsbĂŒrgerschaft mit 1,9 Prozent. Tschechen und MĂ€hrer wurden bis 1980 nicht getrennt erfasst. Die Angabe der mĂ€hrischen NationalitĂ€t in der VolkszĂ€hlung wird eher als Ausdruck des mĂ€hrischen Patriotismus verstanden. So gaben 1991 bei der ersten Erhebung noch 13,2 Prozent der Bevölkerung an, mĂ€hrisch zu sein. 0,1 Prozent der Bevölkerung gaben bei der Erfassung 2001 an, Schlesier zu sein (1991 noch 0,4 %).

Die Tendenz ist bei nahezu allen ethnischen Minderheiten rĂŒcklĂ€ufig. So sank in denselben zehn Jahren die Zahl der (offiziell gezĂ€hlten) Polen – besonders im Teschener Gebiet wohnhaft – von 59.383 (0,6 %) auf 51.968 (0,5 %), die der Deutschen (ohne deutsche StaatsbĂŒrger mit Aufenthaltsrecht, aber einschließlich Deutsche mit doppelter StaatsbĂŒrgerschaft) von 48.556 (0,5 %) auf 39.106 (0,4 %).

Der tatsĂ€chliche Bevölkerungsanteil der Roma dĂŒrfte weit höher liegen, als bei dieser VolkszĂ€hlung angegeben. Man vermutet rund 250.000 bis 300.000 Roma in Tschechien, was etwa drei Prozent der Gesamtbevölkerung wĂ€ren. Viele Roma wohnen in den Randgebieten des Landes und in sozial schwĂ€cheren Großstadtvierteln. Aus verschiedenen GrĂŒnden (schwaches nationales Bewusstsein, Diskriminierung, Identifizierung als Tschechen) tendieren viele ihrer Angehörigen dazu, in VolkszĂ€hlungen eine andere Ethnie anzugeben.

Die Zahl der AuslĂ€nder stieg seit 2000 stetig an und hat sich binnen neun Jahren bis 2008 auf 410.000 mehr als verdoppelt. Zum Stichtag 31. Dezember 2016 lebten 493.441 AuslĂ€nder in Tschechien. Das entspricht 4,66 Prozent der Bevölkerung, eine Zahl, die trotz des starken Anstiegs immer noch deutlich unter dem EU-weiten Schnitt liegt. Unter den auslĂ€ndischen StaatsbĂŒrgern bilden die Ukrainer mit 107.418 und die Slowaken mit 107.251 die grĂ¶ĂŸten Gruppen. Es folgen die in Tschechien lebenden Vietnamesen mit 57.650, die Russen mit 33.970, die Deutschen mit 21.216 und die Polen mit 20.305 Personen. Die Zahl der EU-AuslĂ€nder betrĂ€gt insgesamt 208.166. Im Jahre 2017 waren 4,1 % der Bevölkerung Migranten.

Entwicklung

Quelle: UN, Werte fĂŒr 2030 und 2050 sind Prognosen

Religionen

Tschechien wird oft als besonders atheistisches Land in Europa dargestellt. Die drei VolkszĂ€hlungen nach der Wende des Jahres 1989 verzeichnen zwar einen dramatischen RĂŒckgang der Zugehörigkeit zu den traditionellen christlichen Kirchen, doch zugenommen hat nicht der Atheismus, sondern eine besondere Form individualisierter ReligiositĂ€t, aber auch religiöse Apathie. Zudem zeigen die historische Entwicklung und jĂŒngere Umfragen deutliche regionale Unterschiede auf. Nach formaler, institutioneller Religionszugehörigkeit gehören 71 % der tschechischen Bevölkerung keiner Religionsgemeinschaft an. Dies ist der höchste Wert in Europa vor dem Vereinigten Königreich (50,6 %) und Frankreich (50,5%). 27,1 % deklarieren sich als Christen. Nach der VolkszĂ€hlung 2011 sind 10,3 Prozent römisch-katholisch und 0,9 Prozent sind Protestanten (darunter: Tschechoslowakische Hussitische Kirche, Schlesische Evangelische Kirche A.B., Evangelische Kirche der Böhmischen BrĂŒder und die Union der Tschechischen Baptisten); 3,2 Prozent gehören sonstigen Religionsgruppen an, unter ihnen etwa 15.000 Zeugen Jehovas, 7000 Buddhisten, 5000 tschechische Juden und etwa 10.000 Muslime. Allerdings machen 45,2 Prozent der Bevölkerung keine Angaben zu ihrer Religionszugehörigkeit und weitere 6,7 Prozent antworteten, sie seien glĂ€ubig, ohne einer bestimmten Konfession anzugehören. Eine Besonderheit stellt die Orthodoxe Kirche der tschechischen LĂ€nder und der Slowakei dar, da diese nach der Auflösung der Tschechoslowakei bis heute eine binationale Glaubensgemeinschaft bildet. Von den insgesamt 77.053 orthodoxen Tschechen und Slowaken bekannten sich 2001 23.053 Tschechen zu dieser Glaubensgemeinschaft.

Ein wichtiger Feiertag fĂŒr Christen ist der 5. Juli, der an die Ankunft der Slawenapostel Kyrill und Method in GroßmĂ€hren im Jahr 862 erinnert. Neben dem Nationalheiligen Wenzel werden die Heiligen Ludmilla, Adalbert und Agnes verehrt. Der Reformator Jan Hus hat einen hohen Stellenwert im tschechischen SelbstverstĂ€ndnis.

Die Mehrheit des nach dem Zweiten Weltkrieg enteigneten Eigentums der Kirchen wird seit 2013 schrittweise zurĂŒckerstattet. Im Gegenzug wird die Subventionierung der Kirchen zurĂŒckgefahren.

Laut einer reprÀsentativen Umfrage des Eurobarometers glaubten im Jahr 2005 19 % der Menschen in Tschechien an Gott, 50 % glaubten etwas vager an eine spirituelle Kraft. 30 % Prozent der Befragten glaubten weder an einen Gott noch an eine andere spirituelle Kraft, 1 % der Tschechen war unentschlossen.

Statistik

Rund 75 Prozent der Einwohner Tschechiens leben in StĂ€dten. Die Lebenserwartung betrug 2015 78,2 Jahre (MĂ€nner: 75,1 Jahre, Frauen: 81,2 Jahre). Zur Gruppe der 0- bis 14-JĂ€hrigen zĂ€hlen 15,0 Prozent, zur Gruppe der 15- bis 64-JĂ€hrigen 66,5 Prozent und zu den ĂŒber 65-JĂ€hrigen zĂ€hlen 18,5 Prozent. Das Bevölkerungswachstum betrug 2015 0,1 Prozent, die Fruchtbarkeitsrate 1,5 Geburten pro Frau.

Die Mehrheit der Tschechen wohnt in eigenen Immobilien: 2008 bewohnten rund 40 Prozent der Haushalte in Tschechien ihr eigenes Haus und 20 Prozent der Haushalte die eigene Wohnung. 23 Prozent wohnten zur Miete, weitere 12 Prozent in Genossenschaftswohnungen. 1995 wohnten nur 2 Prozent in der eigenen Wohnung, 2005 waren es schon 18 Prozent. Im gleichen Zeitraum sank der Anteil der Haushalte, die zur Miete wohnten, von 40 auf 25 Prozent.

GrĂ¶ĂŸte StĂ€dte

Landesname

Im Tschechischen

Čechy ist das tschechische Wort fĂŒr Böhmen, es wird gelegentlich auch vereinfachend fĂŒr das gesamte Tschechien (inklusive MĂ€hren und Schlesien) verwendet. Die Eigenschaftswörter tschechisch und böhmisch heißen in der tschechischen Sprache identisch českĂœ. Nach einer Sage ist der Urvater Čech (Tschech) der GrĂŒnder des Volkes der Tschechen.

Česko ist das tschechische Kurzwort des offiziellen Namens ČeskĂĄ republika. Der Begriff ist seit 1777 belegt, wurde aber vor 1992 – außer in Fachkreisen und als Äquivalent zu Slovensko (Slowakei) in den politischen Diskussionen um 1918 und 1968 – selten verwendet. Obwohl er im offiziellen Wörterbuch der tschechischen Sprache sowie in Terminologie-Listen enthalten war, war der Begriff in der Öffentlichkeit weitestgehend ungebrĂ€uchlich und galt als archaisch. Seit der Eigenstaatlichkeit setzte sich diese Kurzform zwar mehr und mehr durch, jedoch versĂ€umte die Tschechische Republik die Etablierung einer Kurzform offiziell zu verkĂŒnden. Bereits am 11. Mai 2004 empfahl der tschechische Senat inoffiziell in einer Sondersitzung die Verwendung von Česko als Kurzform zusĂ€tzlich zu ČeskĂĄ republika (Langform). Erst im April 2016 haben die Verfassungsorgane den Kurznamen offiziell genehmigt, wie der damalige Außenminister LubomĂ­r ZaorĂĄlek bestĂ€tigte. Sie haben zugleich die Übersetzung des Begriffes „Česko“ fĂŒr mehrere Sprachen vorgeschlagen.

Im Deutschen

Angesichts der Teilung der Tschechoslowakei am 1. Januar 1993 musste ein deutscher Name fĂŒr den neuen Staat gefunden werden. In ErwĂ€gung der obigen Argumente schlug eine staatliche Kommission damals hierfĂŒr „Tschechien“ vor, unterstĂŒtzt von deutschen und österreichischen Sprachforschern. Dementsprechend ist seit 1992 in deutschen Nachschlagewerken ausschließlich „Tschechien“ als Kurzform fĂŒr die Tschechische Republik zu finden, wĂ€hrend „Tschechei“ heute nach wie vor eher ungebrĂ€uchlich ist. Bereits 1993 empfahl das Außenministerium in einem Memorandum an die tschechischen Botschaften die Verwendung der Kurzform „Tschechien“ in deutscher Sprache als legitim und Ă€quivalent. Im aktuellen Verzeichnis der Staatennamen fĂŒr den amtlichen Gebrauch in der Bundesrepublik Deutschland (Stand: 20. Februar 2017) wird „Tschechien“ als Kurzform genannt. Seit FrĂŒhjahr 2017 benutzt das AuswĂ€rtige Amt in der offiziellen LĂ€nderliste die Bezeichnung Tschechien, nachdem die tschechische Regierung dies selbst geĂ€ndert hatte. Auf Antrag des tschechischen Außenministeriums wurde der Kurzname Mitte 2016 in die Datenbank der UN eingetragen.

Die Bezeichnung „Tschechei“ wurde seit der Bildung der Tschechoslowakei 1918 verwendet. Eine breitere Verwendung dieser Bezeichnung (neben Böhmen) war seit den 1930er Jahren festzustellen. Gleichzeitig geriet der Ă€ltere Begriff „Tschechien“ außer Gebrauch. Der Begriff Tschechei besitzt heute jedoch einen negativen Klang wegen der Verwendung im NS-Sprachgebrauch, insbesondere wegen der Bezeichnung „Rest-Tschechei“. Vor allem die Ă€lteren Tschechen verbinden mit dem Begriff daher die NS-Zeit.

In anderen Sprachen

Im Englischen war bis 2016 die einzige allgemein akzeptierte Bezeichnung Czech Republic. Die Form Czechia wurde seit den 2010er Jahren intensiv diskutiert und hat vermehrt Akzeptanz gefunden. Sie wurde dann Mitte 2016 als offizielle englische Übersetzung des Kurznamens zusammen mit der arabischen (ŰȘŰŽÙŠÙƒÙŠŰ§), chinesischen (æ·ć…‹), deutschen (Tschechien), französischen (la TchĂ©quie), russischen (Đ§Đ”Ń…ĐžŃ) und spanischen (la Chequia) Kurzform – in den Datenbanken UNGEGN und Unterm der UN eingetragen. Außerdem ist Czechia in der ISO-LĂ€ndercodeliste und in der offiziellen EU-LĂ€nder-Liste registriert. Die Webdienste Openstreetmap, Google Maps, Apple Maps und Bing nutzen die Kurzform.

Das AuswÀrtige Amt benutzt Czech Republic in der offiziellen LÀnderliste, Czechia in der Artikeln.

Geschichte

Vor- und FrĂŒhgeschichte

FĂŒr die Anwesenheit von Menschen wĂ€hrend des AltpalĂ€olithikums gibt es lediglich Anhaltspunkte. Die Ă€ltesten Werkzeugfunde werden der Cromer-Warmzeit zugeordnet, ihr Status als Artefakt ist aber hĂ€ufig umstritten. Aus dem MittelpalĂ€olithikum sind Werkzeuge bekannt, die Homo erectus zugeschrieben werden, sowie Höhlen und LagerplĂ€tze des Neandertalers. Das JungpalĂ€olithikum ist die Ära des Cro-Magnon-Menschen. Die bekannteste palĂ€olithische Erscheinung auf dem Landesgebiet ist die Kultur der MammutjĂ€ger des Gravettien, deren BlĂŒtezeit in die Jahre 29.000-24.000 BP fĂ€llt und die vor allem mit mĂ€hrischen Fundorten wie DolnĂ­ Věstonice verknĂŒpft ist.

Ab 5300 bis 4500 v. Chr. ist eine weitreichende neolithische Besiedlung belegt. Am Ende des SpĂ€tneolithikum ist die Schnurkeramik mit mehreren großen GrĂ€berfeldern in Nordböhmen und die Glockenbecherkultur vertreten. In der Bronzezeit ist besonders die Aunjetitzer Kultur zu nennen. Es folgen HĂŒgelgrĂ€berkulturen und Urnenfelderkulturen. In der LatĂšnezeit besiedelte der keltische Stamm der Boier Teile des Gebiets des heutigen Tschechiens, dessen lateinischer Name, Boiohaemum, der Ursprung der Landesnamens Böhmen ist. Den Kelten folgten am Beginn des ersten Jahrhunderts nach Chr. germanische StĂ€mme, die Markomannen in Böhmen und die Quaden in MĂ€hren. WĂ€hrend der Völkerwanderungszeit wird nach archĂ€ologischen und historischen Quellen von einer Entvölkerung des Gebietes ausgegangen. Um 550 wanderten Slawen ein, ihr Ursprung wird östlich des Dnepr vermutet. Sie herrschten von 623 bis 658 ĂŒber ein erstes Herrschaftsgebilde, das sogenannte Reich des Samo. Von 768 bis 814 lag Böhmen wahrscheinlich in der frĂ€nkischen HerrschaftssphĂ€re unter Karl dem Großen.

SpĂ€testens im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts entstand unter FĂŒrst Mojmir I. das MĂ€hrerreich; ihm folgten die FĂŒrsten Rastislav im Jahr 846 und Svatopluk I. im Jahr 870. 864 kamen die byzantinischen Mönche Kyrill und Method in MĂ€hren an. Sie begrĂŒndeten die slawische Liturgie. 869 starb Kyrill, was das Ende der byzantinischen Mission bedeutete. Von 888/890 bis 895 war Böhmen Teil des MĂ€hrerreiches. 894 starb Rastislavs Nachfolger Svatopluk, dies bedeutete den Beginn des Zerfalls des MĂ€hrerreiches, und die RĂŒckkehr zur westlichen lateinischen Kirche und Kultur. 895 akzeptierte der MĂ€hrerfĂŒrst Spytihněv in Regensburg die ostfrĂ€nkische Oberherrschaft ĂŒber Böhmen. 907 zerfiel das Reich.

Die Pƙemyslidendynastie

Ende des 9. Jahrhunderts ließ sich der erste belegte Herzog aus der Pƙemyslidendynastie, Boƙivoj I., taufen. Der Pƙemyslide Wenzel wurde 929 (935) von seinem Bruder Boleslav ermordet und dadurch der Schutzheilige des Landes. 973 erteilte Bischof Wolfgang von Regensburg seine Erlaubnis zur GrĂŒndung eines Bistums in Prag. Der erste Bischof war Thietmar, zweiter Bischof der Heilige Adalbert (Vojtěch). 1003 eroberte Boleslaw I. von Polen Böhmen (bis 1004), 1031 wurde MĂ€hren an Böhmen angeschlossen (und 1182 zur Markgrafschaft erhoben). 1038 fiel Bƙetislav I. von Böhmen in Polen ein und entfĂŒhrte die Gebeine Adalberts aus Gnesen.

1085 krönte der römisch-deutsche Kaiser Heinrich IV. den Pƙemysliden Vratislav II. zum ersten böhmischen König. Im 12./13. Jahrhundert kam es zur Zuwanderung von deutschen Siedlern in die böhmischen Randgebiete. In der Sizilischen Goldenen Bulle von 1212 sprach Kaiser Friedrich II. dem böhmischen Herrscher Ottokar I. Pƙemysl die Erblichkeit des Königstitels zu. Fortan war das Königreich Böhmen in das Heilige Römische Reich eingegliedert, jedoch mit weitreichender Autonomie. Die böhmischen Herrscher gehörten zu den sieben KurfĂŒrsten. Als Mitglied dieses Kollegiums besaß der böhmische König oft eine große politische Bedeutung innerhalb des Reiches. Unter Ottokar II. Pƙemysl erreichten die Pƙemysliden den Gipfel ihrer Macht.

Ab 1300 bestand fĂŒr eine kurze Zeit eine Böhmisch-Polnische Personalunion unter Wenzel II. und Wenzel III. (Titularkönig in Polen). 1306 wurde Wenzel III. in OlmĂŒtz ermordet, dies bedeutete das Ende der Dynastie.

Herrschaft der Luxemburger

1310 heiratete Johann von Luxemburg, Sohn Kaiser Heinrichs VII., die böhmische Prinzessin Elisabeth, Tochter von Wenzel II., und wurde böhmischer König bis 1346. Nach seinem Tod in der Schlacht von CrĂ©cy folgte ihm 1347 sein Sohn Karl IV. als König von Böhmen nach. 1348 grĂŒndete Karl IV. die Karls-UniversitĂ€t Prag als erste UniversitĂ€t nördlich der Alpen. 1355 wurde Karl IV. in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Er wĂ€hlte Prag zu seiner Residenzstadt. Im Jahr 1356 erließ Karl IV. eine Goldene Bulle, das wichtigste der „Grundgesetze“ des Heiligen Römischen Reiches bis zum Ende des Alten Reiches 1806. In der Goldenen Bulle Karls IV. wurden u. a. die ModalitĂ€ten der Wahl der römisch-deutschen Könige durch die KurfĂŒrsten und ihrer Krönung geregelt. Im Jahr 1378 teilte Karl IV. in seinem Testament seine Erblande unter seinen Söhnen auf. Das Kerngebiet Königreich Böhmen erhielt sein Sohn Wenzel IV., der auch deutscher König wurde. Diesem folgte 1420 Sigismund als böhmischer König nach.

Die Hussitenbewegung

1415 wurde der Kirchenreformator Jan Hus wĂ€hrend des Konstanzer Konzils als HĂ€retiker verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dies markierte den Beginn der Hussitenbewegung, die zwischen 1415 und 1434 die politische und religiöse Situation in Böhmen maßgeblich bestimmte, und fĂŒhrte zu den Hussitenkriegen. Nach mehreren Niederlagen seiner Heere in Böhmen war der Machtbereich des böhmischen und ungarischen Königs und römischen Kaisers Sigismund in seinen Erblanden zeitweilig nur auf einige Randgebiete (u. a. SĂŒdböhmen unter der Herrschaft der Adelsfamilie Rosenberg, auf die beiden Lausitzen, Schlesien und auf Teile des Markgraftums MĂ€hren) beschrĂ€nkt. Die wichtigsten Feldherren der Hussiten waren Jan ĆœiĆŸka und nach seinem Tod 1424 Prokop HolĂœ. Zentrum der Hussitenbewegung war die neugegrĂŒndete Stadt TĂĄbor. Der radikale FlĂŒgel der Bewegung wurde erst 1434 in der Schlacht von Lipan entscheidend besiegt. 1458 wĂ€hlten die böhmischen StĂ€nde Georg von Podiebrad (tschechisch: Jiƙí z Poděbrad) zum König von Böhmen und damit zum ersten proto-protestantischen König in Europa.

Herrschaft der Jagiellonen

Nach dem Tod des Königs Jiƙí z Poděbrad 1471 entschieden sich die böhmischen StĂ€nde fĂŒr die polnisch-litauische Dynastie der Jagiellonen als neue Herrscher des Königreiches. Zuerst war Vladislav II. der gewĂ€hlte König von Böhmen. Der zweite Herrscher aus dieser Dynastie Ludwig II. starb in der Schlacht bei MohĂĄcs gegen die TĂŒrken, die mit einer folgenreichen Niederlage seines Heeres endete. Dadurch waren die böhmische und die ungarische Krone wieder frei.

Herrschaft der Habsburger

Von 1526 bis 1918 war das Königreich Böhmen mit allen LĂ€ndern der Wenzelskrone Teil des Herrschaftsgebiets der Habsburger. Die böhmischen StĂ€nde akzeptierten 1526 den Habsburger Ferdinand I. als König. 1547 kam es zu einem Aufstand der böhmischen StĂ€nde gegen Ferdinand I. Nach dessen Niederschlagung wurden erste EinschrĂ€nkungen der bisherigen Sonderrechte des Königreiches Böhmen, nicht jedoch der faktischen Religionsfreiheit, verfĂŒgt.

1583 zog Kaiser Rudolf II., der Enkel Ferdinands I., mit dem gesamten Hof von Wien nach Prag. Die Hauptstadt Böhmens stieg wieder zum bedeutenden Zentrum von Politik, Kunst und Wissenschaft auf. 1609 erließ Rudolf II. den MajestĂ€tsbrief ĂŒber die Religionsfreiheit. Am 23. Mai 1611, noch zu Lebzeiten Rudolfs II., ĂŒbernahm sein Bruder Matthias die Macht im Königreich Böhmen. Nach Rudolfs Tod wurde Matthias am 20. Januar 1612 auch zum römischen Kaiser gewĂ€hlt. Danach entflammten die Konfessionszwistigkeiten in Böhmen aufs Neue.

DreißigjĂ€hriger Krieg

Auf dem Höhepunkt der Unzufriedenheit mit der Politik des Kaisers gegenĂŒber ihrem Land drangen 1618 mehrere Vertreter der ĂŒberwiegend protestantischen böhmischen StĂ€nde in die Kanzlei der Prager Burg (des Hradschin) und warfen zwei kaiserliche Statthalter und einen Schreiber aus dem Fenster. Alle drei Personen ĂŒberlebten das Attentat kaum verletzt. Dieser sogenannte zweite Prager Fenstersturz leitete den böhmischen Aufstand gegen den Kaiser ein. Dieser Aufstand war der Auftakt zum DreißigjĂ€hrigen Krieg (1618–1648), der weite Teile Europas und vor allem Deutschlands verwĂŒsten sollte.

1619 starb Kaiser Matthias. Im August wĂ€hlten die böhmischen StĂ€nde den deutschen Protestanten Friedrich von der Pfalz zum neuen König von Böhmen. Als Friedrich sich im Herbst in Prag krönen ließ und dort seine Residenz aufnahm, wurde der Konflikt mit den Habsburgern zu einer Reichsangelegenheit. 1620 endete die Schlacht am Weißen Berg bei Prag mit einer entscheidenden Niederlage der böhmischen StĂ€nde und einem Sieg des kaiserlichen Heeres.

Friedrich von der Pfalz floh aus dem Land („Winterkönig“, da er nur einen Winter regierte). Die AnfĂŒhrer des böhmischen Aufstandes, insgesamt 27 Adlige und Prager BĂŒrger sowohl tschechischer als auch deutscher Abstammung, wurden am 21. Juni 1621 auf dem AltstĂ€dter Ring in Prag, einige von ihnen auf grausame Art und Weise, hingerichtet. Viele Protestanten, unter ihnen bedeutende Vertreter des böhmischen Adels und des geistigen Lebens wie der Bischof der Böhmischen BrĂŒder Johann Amos Comenius, verließen das Land und wĂ€hlten das Exil. Ihre umfangreichen GĂŒter wurden konfisziert und den ParteigĂ€ngern der katholischen Seite und bedeutenden HeerfĂŒhrern des Kaisers, z. B. Wallenstein, zugeteilt.

Die nach der fĂŒr Böhmen schicksalshaften Schlacht am Weißen Berg beginnende Epoche wird in der tschechischen Historiographie als die Epoche des temno, die Zeit der Dunkelheit, bezeichnet. Noch wĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Krieges setzte Kaiser Ferdinand II. (1619–1637) eine rigorose UnterdrĂŒckungspolitik gegen die Nicht-Katholiken in seinem Herrschaftsbereich, insbesondere in den Habsburger Erblanden einschließlich des Königreiches Böhmen, durch. In den böhmischen LĂ€ndern wurde Deutsch zunĂ€chst zur zweiten Amtssprache erhoben, drĂ€ngte aber Tschechisch bald aus den Ämtern und auch aus dem gehobenen Gebrauch fast vollstĂ€ndig hinaus. Die staatsrechtliche Sonderstellung des Königreiches Böhmen im Reich war zwar formal nur teilweise eingeschrĂ€nkt, die UnabhĂ€ngigkeit des Landes faktisch jedoch auf lange Zeit beseitigt. Die Herrschaft ĂŒber das Land ĂŒbten von dieser Zeit an bis 1918 der kaiserliche Hof und die Reichsregierung in Wien aus.

Nationale Wiedergeburt der Tschechen

Zwischen 1780 und 1790 fĂŒhrte Kaiser Joseph II. unter dem Leitsatz „Alles fĂŒr das Volk; nichts durch das Volk“ seine josephinischen Reformen im Sinne des aufgeklĂ€rten Absolutismus durch. Eine bedeutende Reform war beispielsweise 1781 die Aufhebung der Leibeigenschaft. Da der böhmische Adel dadurch seine Gewohnheitsrechte gefĂ€hrdet sah, entwickelte er im Gegenzug dazu das Konzept des Böhmischen Staatsrechts, das spĂ€ter auch bĂŒrgerliche Politiker aufgriffen.

Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ungefĂ€hr 1885 kam es zur nationalen Wiedergeburt der Tschechen. Als Reaktion auf den Wiener Zentralismus formierten sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts Intellektuelle in der tschechischen Nationalbewegung (Wiedergeburt). Sie förderten die Pflege, Anerkennung und Verwendung der tschechischen Sprache (unterstĂŒtzt auch von den deutschen Romantikern). Dem folgte spĂ€ter das Verlangen nach politischer Autonomie. Der Wunsch nach kultureller Autonomie fĂŒhrte zur GrĂŒndung von wissenschaftlichen Gesellschaften, wie zum Beispiel Matice českĂĄ und Matice moravskĂĄ, sowie der Turnbewegung Sokol.

Unmittelbar nach dem Slawenkongress in Prag im Juni 1848 wurde der Prager Pfingstaufstand niedergeschlagen. Die Industrialisierung begann, und die hochentwickelten böhmischen LĂ€nder stellten das „industrielle RĂŒckgrat“ der Donaumonarchie dar.

Nachdem Kaiser Franz Joseph I. den Neoabsolutismus mit dem Silvesterpatent von 1851 sanktioniert hatte, gab es mit dem Oktoberdiplom von 1860, dem Februarpatent von 1861 und der Dezemberverfassung von 1867 mehrere AnsĂ€tze, den Tschechen gewisse Freiheiten zu verschaffen. Nach wie vor waren und fĂŒhlten sie sich allerdings gegenĂŒber den Deutschen und Ungarn zurĂŒckgesetzt. Zwar bestand das Königreich Böhmen bis 1918, aber nicht alle Habsburger hielten es der MĂŒhe wert, sich ĂŒberhaupt in Prag zum böhmischen König krönen zu lassen. WĂ€hrend Ungarn als Königreich in Personalunion mit Österreich viele nationale Rechte gewĂ€hrt wurden, durften in den LĂ€ndern der Böhmischen Krone (Böhmen, MĂ€hren, Österreichisch-Schlesien) nicht einmal tschechischsprachige Zeitungen verlegt werden.

Im Sinne eines angestrebten österreichisch-tschechischen Ausgleichs erließ der österreichische MinisterprĂ€sident Badeni 1897 eine NationalitĂ€tenverordnung, wonach alle politischen Gemeinden in Böhmen und MĂ€hren zweisprachig zu verwalten waren. Damit avancierte Tschechisch in beiden KronlĂ€ndern von einer Minderheitensprache zur Nationalsprache. Daraufhin legten deutsche Abgeordnete den österreichischen Reichsrat lahm. 1899 wurde die NationalitĂ€tenverordnung wieder aufgehoben. Auch der MĂ€hrische Ausgleich von 1905 erzielte keine dauerhaften Erfolge, so dass der böhmische Landtag schließlich durch kaiserliches Patent vom 26. Juli 1913 aufgelöst wurde.

Tschechoslowakei

Von 1914 bis 1918 kĂ€mpften Tschechen im Ersten Weltkrieg. Gegen die Monarchie bildeten sich im Exil eine tschechische und slowakische, von TomĂĄĆĄ Garrigue Masaryk angefĂŒhrte Opposition. Am 28. Oktober 1918 grĂŒndeten fĂŒhrende tschechische UnabhĂ€ngigkeitskĂ€mpfer die Tschechoslowakei mit Masaryk als erstem StaatsprĂ€sidenten. Die bis dahin Ungarn administrativ unterstellte Slowakei schloss sich unter der FederfĂŒhrung Milan Rastislav Ć tefĂĄniks dem neuen Staat an. Der Beitritt der Karpatoukraine (1946 fiel sie an die Sowjetunion) erfolgte im Jahre 1919 und 1920 der Anschluss Teschens.

Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg

Von 1918 bis 1938 bestand die Erste Tschechoslowakische Republik. FĂŒr die Stadtratswahlen vom 15. Juni 1919 galten fĂŒr Frauen und MĂ€nner zum ersten Mal dieselben Bedingungen.

Vor der Trennung der Tschechischen Republik und der Slowakischen Republik erhielten Frauen in der Tschechoslowakei am 29. Februar 1920 das allgemeine aktive und passive Wahlrecht. Damit war das Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene eingefĂŒhrt. Die Wahl zur Nationalversammlung der Tschechoslowakei fand am 18. und 25. April 1920 statt.

Es gab eine große deutsche Minderheit, die im Sudetenland die Mehrheit bildete. Bei der VolkszĂ€hlung im Jahre 1930 betrug der Bevölkerungsanteil auf dem Gesamtgebiet der heutigen Tschechischen Republik 29,5 %. Die Deutschen in der Tschechoslowakei waren seit 1919 durch die Deutsche Nationalpartei vertreten. Die deutschen Sozialdemokraten waren von 1920 bis 1935 die stĂ€rkste deutsche Fraktion im Prager Abgeordnetenhaus und wurden ab 1929 mit ihrem Vorsitzenden Ludwig Czech, der verschiedene Ministerposten bekleidete, auch Regierungspartei. 1933 grĂŒndete Konrad Henlein die Sudetendeutsche Partei (SdP). Mit deutscher UnterstĂŒtzung forderte die SdP immer weitergehende Autonomie und Abtrennung des deutschsprachigen Landesteils von der Tschechoslowakei und verschĂ€rfte mit dem Karlsbader Programm vom 24. April 1938 die Sudetenkrise.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs drohte Adolf Hitler mit dem Einmarsch in das Sudetenland. Großbritannien und Frankreich hatten als SchutzmĂ€chte nach dem Vertrag von Saint Germain Schutzpflichten gegenĂŒber der Tschechoslowakei. Außerdem gab es noch zusĂ€tzliche BĂŒndnisvertrĂ€ge Frankreichs und der Sowjetunion mit der ČSR. Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens waren der Auffassung, durch Nachgeben („Appeasement-Politik“) einen drohenden Krieg verhindern zu können. Ohne die Beteiligung der tschechoslowakischen Regierung unterzeichneten Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier am 29. September 1938 das MĂŒnchner Abkommen, nach dem die Tschechoslowakei das Sudetenland an Deutschland abtreten musste. Die Tschechen nennen diese Vereinbarung das „MĂŒnchner Diktat“ oder den „MĂŒnchner Verrat“. Etwa ein Drittel des Staatsgebietes fiel damit an das Deutsche Reich. Am 1. Oktober entstand darauf die föderative Zweite Republik.

Am 5. Oktober 1938 trat PrĂ€sident Edvard BeneĆĄ zurĂŒck und ging ins Exil nach Großbritannien. Sein Nachfolger wurde Emil HĂĄcha.

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei am 15. MĂ€rz 1939 errichteten die Nationalsozialisten das Protektorat Böhmen und MĂ€hren. Der slowakische Staat war ein Satellitenstaat des Deutschen Reiches. Am 27. September 1941 folgte auf den dauerhaft beurlaubten Statthalter Neurath als neuer Reichsprotektor Reinhard Heydrich. Am 27. Mai 1942 verĂŒbten tschechoslowakische WiderstandskĂ€mpfer auf Heydrich ein tödliches Attentat. Als Vergeltungsmaßnahme ermordeten die Nationalsozialisten alle Bewohner der Dörfer Lidice und LeĆŸĂĄky. WĂ€hrend der deutschen Besetzung befanden sich auf tschechischem Boden das KZ Theresienstadt sowie mehrere Außenlager des KZ FlossenbĂŒrg, darunter das KZ-Außenlager Leitmeritz (Litoměƙice).

1945 fand die faktische Wiederherstellung der Tschechoslowakei durch das Kaschauer Programm der neuen Regierung unter Premierminister Zdeněk Fierlinger statt. US-amerikanische, sowjetische und tschechoslowakische Truppen befreiten das Land. Die in der ErklĂ€rung von Jalta vereinbarte Demarkationslinie zwischen dem von den USA und dem von der UdSSR verwalteten Gebiet verlief entlang der StĂ€dte Budweis, Pilsen und Karlsbad.

Ende des Zweiten Weltkriegs und Realsozialismus

Am 5. Mai 1945 begann der Prager Aufstand gegen die deutsche Besatzungsmacht, am 8. Mai war der Weltkrieg zu Ende. Am 9. Mai marschierten sowjetische Truppen in Prag ein. PrĂ€sident BeneĆĄ ĂŒbernahm wieder die Regierungsgewalt. Im Zuge der Wiederherstellung des Staates wurden die sogenannten BeneĆĄ-Dekrete erlassen. Neben gewöhnlichen Verwaltungsangelegenheiten regelten diese Gesetze auch die Vermögensenteignung und Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei, die nach dem Krieg als „Staatsfeinde“ angesehen wurden.

Am 26. Mai 1946 gewann die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei (KSČ) die Wahlen, wurde Bestandteil der Regierung und konnte mithilfe der UnterstĂŒtzung durch die UdSSR einen gewaltigen politischen Einfluss ausĂŒben. Klement Gottwald (KSČ) wurde in der Folge MinisterprĂ€sident.

Mit dem Februarumsturz 1948 kam es zur vollstĂ€ndigen Machtergreifung der Kommunisten, gefolgt von einer VerfassungsĂ€nderung und Umgestaltung des Landes nach sowjetischem Muster. Erster sog. „ArbeiterprĂ€sident“ war Klement Gottwald. Im November 1952 wurde Rudolf SlĂĄnskĂœ zusammen mit elf weiteren Angeklagten im „SlĂĄnskĂœ-Prozess“ zum Tode verurteilt. Der 1957 gewĂ€hlte StaatsprĂ€sident AntonĂ­n NovotnĂœ steht fĂŒr die stalinistische Repression zu dieser Zeit. Auf der Kafka-Konferenz 1964 in Liblice rehabilitierte den weitgehend verbotenen Franz Kafka. Rufe nach Reformen vermehrten sich und kulminierten auf dem vierten tschechischen Schriftstellerkongress im Juni 1967 in direkter Kritik an der politischen FĂŒhrung.

Prager FrĂŒhling

Zwischen dem 3. und dem 5. Januar 1968 setzte das Zentralkomitee PrĂ€sident NovotnĂœ ab. Alexander Dubček wurde Vorsitzender der KSČ, General LudvĂ­k Svoboda PrĂ€sident. Anfang MĂ€rz folgte die Aufhebung der Zensur. Der „Prager FrĂŒhling“ begann, die Weiterentwicklung verlief ĂŒberwiegend spontan. Am 5. April 1968 wurde ein Aktionsprogramm der KSČ unter Alexander Dubček verabschiedet. Ziel war ein „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ (verbĂŒrgte Versammlungsfreiheit, kleines Unternehmertum, Freilassung der politischen Gefangenen).

Am 21. August 1968 begann die militĂ€rische Intervention gegen den Prager FrĂŒhling: sowjetische und weitere Truppen des Warschauer Pakts besetzten die Tschechoslowakei. Im Zuge dieser Besetzung erließ Moskau die Breschnew-Doktrin der „Begrenzten SouverĂ€nitĂ€t der sozialistischen Staaten“. In der Folge emigrierten viele Tschechen. Die nachfolgende politische Etappe wurde „Normalisierung“ genannt. Am 1. Januar 1969 entstand mit dem Inkrafttreten des Verfassungsgesetzes ĂŒber die tschechoslowakische Föderation die Tschechische Sozialistische Republik als eine der beiden Teilrepubliken der Tschechoslowakei. Am 17. April 1969 erfolgte die Ablösung Dubčeks und die Wahl GustĂĄv HusĂĄks zum GeneralsekretĂ€r der KSČ.

Aufsehen erregten die Selbstverbrennungen der Studenten Jan Palach und Jan ZajĂ­c (16. Januar und 25. Februar 1969) als Protest gegen den Beginn der „Normalisierung“. Die ČSSR war in der Folge einer der konservativsten Mitgliedsstaaten des Ostblocks. Am 1. Januar 1977 wurde die oppositionelle BĂŒrgerbewegung „Charta 77“ gegrĂŒndet.

Die Samtene Revolution

Am 17. November 1989 unterdrĂŒckte die Polizei brutal eine Studentendemonstration, was Großdemonstrationen von bis zu 750.000 Menschen nach sich zog. Am 19. November 1989 wurde das BĂŒrgerforum zur tragenden Kraft der „Samtenen Revolution“ in der Tschechoslowakei. Am 10. Dezember 1989 erklĂ€rte StaatsprĂ€sident GustĂĄv HusĂĄk seinen RĂŒcktritt.

Die Föderalversammlung wĂ€hlte am 28. Dezember 1989 Alexander Dubček zu ihrem PrĂ€sidenten. Am 29. Dezember 1989 wurde der BĂŒrgerrechtler VĂĄclav Havel von der Föderalversammlung zum PrĂ€sidenten der ČSSR gewĂ€hlt. Am 23. April 1990 – nach dem sogenannten Gedankenstrich-Krieg – folgte die Umbenennung der Tschechoslowakei in Tschechische und Slowakische Föderative Republik (ČSFR).

Am 8. Juni 1990 fanden die ersten freien Parlamentswahlen in der ČSFR statt. Das neu gewĂ€hlte Parlament bestĂ€tigte am 5. Juli 1990 VĂĄclav Havel als StaatsprĂ€sidenten. Am 21. Februar 1991 trat die ČSFR dem Europarat bei. Am 16. Dezember 1991 folgte die Unterzeichnung des EG-Assoziierungsabkommens.

Am 5. Juni 1992 fanden Parlamentswahlen in der ČSFR statt. Der Ökonom VĂĄclav Klaus (ODS) wurde tschechischer MinisterprĂ€sident. Er vertrat eine vom Thatcherismus inspirierte Wirtschaftspolitik („Marktwirtschaft ohne Adjektiv“). Durch eine Coupon-Privatisierung wurden 8 Mio. Tschechen Anteilseigner von privatisierten Firmen. Klaus und VladimĂ­r Mečiar, der MinisterprĂ€sident der Slowakei, vereinbarten gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung eine Teilung der Tschechoslowakei in zwei Staaten. Am 20. Juli 1992 trat PrĂ€sident Havel von seinem Amt zurĂŒck. Am 25. November 1992 verabschiedete das föderale Parlament das Gesetz ĂŒber die Auflösung der ČSFR.

Am 16. Dezember 1992 wurde die neue Verfassung der Tschechischen Republik als „demokratischer Rechtsstaat“ verabschiedet. Die Charta der Grundrechte und -freiheiten, die nach dem Umbruch im Januar 1991 von der tschechoslowakischen Bundesversammlung beschlossen worden war, wurde unverĂ€ndert von Tschechien ĂŒbernommen. Nach der UnabhĂ€ngigkeit 1992 wurde das allgemeine Wahlrecht fĂŒr Frauen und MĂ€nner 1993 bestĂ€tigt.

Tschechische Republik

Am 1. Januar 1993 wurde die Tschechoslowakei einvernehmlich aufgelöst und die Tschechische Republik sowie die Slowakische Republik als unabhĂ€ngige Staaten ausgerufen. Am 2. Februar 1993 fand die Vereidigung des neugewĂ€hlten tschechischen PrĂ€sidenten VĂĄclav Havel statt. Am 30. Juni 1993 trat Tschechien dem Europarat bei. 1994–1995 war das Land nicht-stĂ€ndiges Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Tschechien unterschrieb 1995 das neue EU-Assoziierungsabkommen und trat 1995 der OECD und 1999 der NATO bei. Die Auseinandersetzungen um die Besetzung des Intendanten des Tschechischen Fernsehens ČeskĂĄ televize löste die grĂ¶ĂŸten Demonstrationen in Tschechien seit 1989 aus. Am 28. Februar 2003 wurde VĂĄclav Klaus zum StaatsprĂ€sidenten gewĂ€hlt.

Am 1. Mai 2004 trat die Tschechische Republik der EuropĂ€ischen Union bei (siehe: EU-Erweiterung 2004). Bei einer Wahlbeteiligung von 55,21 % hatten zuvor im Referendum ĂŒber den Beitritt 77,33 % der WĂ€hler dafĂŒr gestimmt. Seit dem 21. Dezember 2007 entfallen aufgrund des Beitritts zum Schengen-Raum alle Grenzkontrollen zu den vier NachbarlĂ€ndern. Tschechien ĂŒbernahm die EU-RatsprĂ€sidentschaft im Jahr 2009. Seit dem 8. MĂ€rz 2013 ist MiloĆĄ Zeman der erste direkt gewĂ€hlte StaatsprĂ€sident. Von 2014 bis 2017 bildeten die sozialdemokratische ČSSD, ANO 2011 und die KDU-ČSL eine Koalitionsregierung unter MinisterprĂ€sident Bohuslav Sobotka. Nach den Wahlen im Dezember 2017 gelang keine Regierungsbildung mit einer Parlamentsmehrheit. Zeman ernannte BabiĆĄ von der ANO 2011 am 6. Juni 2018 zum MinisterprĂ€sidenten mit dem Auftrag der Regierungsbildung. Nach einer Phase, in der das erste Kabinett BabiĆĄ keine Mehrheit im Parlament verfĂŒgte, einigte sich BabiĆĄ mit der ČSSD auf eine von den Kommunisten tolerierte Minderheitsregierung. Das Kabinett BabiĆĄ II ist seit Juni 2018 im Amt.

Politik

Politisches System

Tschechien ist eine parlamentarische Republik. Das Staatsoberhaupt ist der PrĂ€sident. Der Regierungschef besitzt aber erweiterte Rechte gegenĂŒber dem Staatsoberhaupt. Legislatives Organ ist das Parlament. Das Zweikammersystem besteht aus dem Abgeordnetenhaus und dem Senat.

Der PrÀsident ist das Staatsoberhaupt, das bis 2013 das Parlament wÀhlte. 2013 wurde der PrÀsident erstmals direkt gewÀhlt. Die Amtszeit betrÀgt 5 Jahre, Wiederwahl ist einmal möglich. Der PrÀsident ernennt oder entlÀsst den MinisterprÀsidenten und weitere Regierungsmitglieder. In bestimmten Krisensituationen kann er das Abgeordnetenhaus auflösen.

Im Legislativverfahren verfĂŒgt der PrĂ€sident ĂŒber ein suspensives Veto und kann so einen Gesetzesentwurf an das Parlament zurĂŒckleiten. Der PrĂ€sident kann ebenfalls Strafen erlassen oder mildern, des Weiteren anordnen, ein Strafverfahren einzustellen beziehungsweise nicht einzuleiten. Zusammen mit dem Senat ernennt er die Verfassungsrichter. Der PrĂ€sident kann nicht strafrechtlich verfolgt werden und er trĂ€gt von Amts wegen keine Verantwortung.

Das Parlament besteht aus zwei Kammern. Das Abgeordnetenhaus wird nach einem VerhĂ€ltniswahlverfahren gewĂ€hlt. Die politischen Parteien stellen in einzelnen Wahlkreisen (die mit den Gebieten der 14 Regionen ĂŒbereinstimmen) Listen mit Kandidaten auf. Es gibt eine Sperrklausel von 5 %. Das Abgeordnetenhaus bilden 200 Abgeordnete. Die Legislaturperiode betrĂ€gt 4 Jahre.

Der Senat besteht aus 81 Senatoren und wird nach einem Mehrheitswahlverfahren gewĂ€hlt. Die Legislaturperiode eines Senators betrĂ€gt 6 Jahre. Das Mindestalter der Kandidaten betrĂ€gt im Fall des Senats 40 Jahre. Die Wahlen erfolgen im Abstand von zwei Jahren, wobei jeweils in einem Drittel der 81 Wahlkreise gewĂ€hlt wird. Der Kandidat, der im betreffenden Wahlkreis im ersten Wahlgang mehr als 50 % der Stimmen erhĂ€lt, wird zum Senator gewĂ€hlt. Falls kein Kandidat im ersten Wahlgang die nötige Stimmenzahl erhĂ€lt, findet ein zweiter Wahlgang statt, an dem die zwei erfolgreichsten Kandidaten des ersten Wahlgangs teilnehmen. Im zweiten Wahlgang genĂŒgt eine relative Mehrheit.

Wahlberechtigt ist jeder StaatsbĂŒrger Tschechiens, der das 18. Lebensjahr vollendet hat.

Die Regierung ist das höchste Organ der Exekutive und besteht aus dem MinisterprÀsidenten und den Ministern. Der MinisterprÀsident wird vom PrÀsidenten der Republik ernannt. Nach seinem Vorschlag ernennt der PrÀsident daraufhin auch die weiteren Regierungsmitglieder. Die Regierung muss sich danach einer Vertrauensabstimmung im Parlament unterziehen.

In der Hierarchie folgen der Regierung und deren zentralen Behörden die Selbstverwaltungsgebietseinheiten. Höhere selbstverwaltende Gebietseinheiten sind die 14 Regionen (kraj), elementare selbstverwaltende Gebietseinheiten sind die Gemeinden.

Die Judikative besteht aus dem Verfassungsgericht und einem vierstufigen System allgemeiner Gerichte. An der Spitze stehen zwei oberste Gerichte (Oberstes Gericht und Oberstes Verwaltungsgericht).

DarĂŒber hinaus wird Tschechien, Ă€hnlich wie Israel und einige weitere osteuropĂ€ische und asiatische Staaten, als ethnische Demokratie beschrieben, in der „die Dominanz einer ethnischen Gruppe institutionalisiert ist“.

Im Demokratieindex 2020 belegt Tschechien Platz 31 von 167 LĂ€ndern. Laut dem Index liegt Tschechien bei der Demokratie nach Estland auf dem zweiten Platz des ehemaligen Ostblocks. Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index) von Transparency International lag Tschechien 2020 von 180 LĂ€ndern zusammen mit Oman und Ruanda auf dem 49. Platz, mit 54 von maximal 100 Punkten.

Amtssprache

Eine Amtssprache ist in Tschechien nicht allgemein festgelegt (im Gegensatz zur Vorkriegs-Tschechoslowakei, wo die Staatssprache mit dem Gesetz 122/1920 Sb. geregelt war). Tschechisch als Amtssprache ergibt sich erst aus einzelnen Gesetzen fĂŒr konkrete Bereiche.

Im Verwaltungsverfahrensgesetz (500/2004 Sb., § 16/1) und im Finanzverwaltungsgesetz (337/1992 Sb., § 3/1) wird Slowakisch der tschechischen Sprache ausdrĂŒcklich gleichgestellt. Ausgehend aus dem Art. 25/2 der tschechischen „Charta der Grundrechte und Grundfreiheiten“ rĂ€umt § 9 des Gesetzes 273/2001 Sb. in Tschechien lebenden Minderheiten, „die traditionell und langfristig auf dem Gebiet der Tschechischen Republik leben“, das Recht ein, ihre eigene Sprache gegenĂŒber Ämtern zu benutzen, ohne jedoch diese Minderheiten zu benennen. Allgemein wird darunter ein Recht auf eine Übersetzung oder einen Dolmetscher verstanden, teilweise auf Staatskosten (§ 16/4 des Verwaltungsverfahrensgesetzes 500/2004 Sb., § 3/2 des Finanzverwaltungsgesetzes 337/1992 Sb., § 18 der Zivilprozessordnung 99/1963 Sb., § 2 der Strafprozessordnung 141/1961 Sb.).

Administrative Gliederung

Das Staatsgebiet Tschechiens umfasst die drei historischen LÀnder Böhmen, MÀhren und Schlesien. Der Art. 99 der tschechischen Verfassung gliedert die Tschechische Republik in Gemeinden (obec), welche sog. elementare selbstverwaltende Gebietseinheiten sind, und in Regionen (kraj), welche sog. höhere selbstverwaltende Gebietseinheiten sind. Die 14 höheren selbstverwaltenden Gebietseinheiten wurden durch das Verfassungsgesetz zum 1. Januar 2000 errichtet. Die Grenzen der Regionen orientieren sich an den Grenzen der Okresy und des Stadtgebiets Prags.

Rechtswesen

Zur Übersicht → Kategorie:Recht (Tschechien)

Polizei

Neben der staatlichen Polizei der Tschechischen Republik (Policie ČeskĂ© republiky) existieren uniformierte Gemeindepolizeien (obecnĂ­ policie) bzw. Stadtpolizeien (městskĂĄ policie) und die fĂŒr das MilitĂ€r zustĂ€ndige MilitĂ€rpolizei (VojenskĂĄ policie).

MilitÀr

Die Tschechischen StreitkrĂ€fte (ArmĂĄda ČeskĂ© republiky, kurz AČR) sind eine Berufsarmee. Die Hauptbereiche sind in den Gemeinsamen KrĂ€ften (SpolečnĂ© sĂ­ly) zusammengefasst, welche aus den Organisationsbereichen Heer (PozemnĂ­ sĂ­ly), Luftwaffe (VzduĆĄnĂ© sĂ­ly) und UnterstĂŒtzungsstreitkrĂ€fte (PodpĆŻrnĂœ komplet společnĂœch sil) bestehen. Oberster Befehlshaber ist der StaatsprĂ€sident.

Tschechien verfĂŒgt aktuell etwa ĂŒber 21.100 Soldaten und ca. 11.000 Reservisten. Das Land hat derzeit 123 Kampfpanzer. Die LuftstreitkrĂ€fte verfĂŒgen ĂŒber 44 Kampfflugzeuge.

Tschechien gab 2017 knapp 1,1 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 2,2 Milliarden Dollar fĂŒr seine StreitkrĂ€fte aus.

Wirtschaft

Aktuelle Wirtschaftslage

Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrĂŒckt in Kaufkraftstandards nĂ€hert sich Tschechien immer mehr dem Durchschnitt der EU-28 an. Schwankte das BIP pro Kopf zwischen 1997 und 2003 zwischen 68,4 % und 73,4 % des EU-Durchschnitts, stieg es seit dem EU-Beitritt 2004 stetig an. Im Jahr 2014 erreichte Tschechien 84 % des EU-28-Durchschnitts. Dies bedeutete Platz 16 hinter Malta und vor Zypern. Bemerkenswert dabei sind jedoch die starken Unterschiede zwischen den Regionen. So erreichte die Hauptstadt Prag in der regionalen AufschlĂŒsselung des Jahres 2005 einen Wert von 160,3 % des EU-Durchschnittes, wĂ€hrend die Statistikregion MittelmĂ€hren, bestehend aus dem OlomouckĂœ kraj und dem ZlĂ­nskĂœ kraj, lediglich 59,8 % des EU-Durchschnitts erreichte.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Tschechiens betrug im Jahr 2015 165,4 Mrd. Euro. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im selben Jahr 15.680 Euro.

Im Jahr 2015 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 4,3 %. FĂŒr 2016 erwartet das tschechische Finanzministerium einen Anstieg von 2,7 %, fĂŒr 2017 2,6 %. Die Inflationsrate betrug 2015 im Durchschnitt 0,3 %.

Die Arbeitslosenquote betrug im Dezember 2015 4,5 %. Im Februar 2019 betrug sie 2,0 Prozent (1,8 Prozent bei MĂ€nnern und 2,2 Prozent bei Frauen) und war damit die niedrigste in der EuropĂ€ischen Union. Im Jahr 2017 betrug die Jugendarbeitslosigkeit 8,3 %. 2015 arbeiteten 2,8 % aller ArbeitskrĂ€fte in der Landwirtschaft, 38,0 % in der Industrie und 59,2 % im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der BeschĂ€ftigten wird fĂŒr 2017 auf 5,4 Millionen geschĂ€tzt; davon sind 44,4 % Frauen.

Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Tschechien Platz 31 von 138 LĂ€ndern (Stand 2016). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 28 von 180 LĂ€ndern.

Bei seiner EinfĂŒhrung Anfang 1999 kostete ein Euro noch 35,11 Kronen, im MĂ€rz desselben Jahres 38,58 Kronen. FĂŒnf Jahre spĂ€ter hatte sich der Euro auf 32,40 Kronen verbilligt. Anschließend erstarkte die Krone gegenĂŒber dem Euro weiter, bis sie Ende Juli 2008 mit 22,97 Kronen fĂŒr 1 Euro ihren bisher stĂ€rksten Wechselkurs erzielte. Im Jahr 2017 verfĂŒgte das Land ĂŒber WĂ€hrungsreserven in Höhe von 148 Milliarden US-Dollar. Das Land gehört damit zu den europĂ€ischen LĂ€ndern mit den höchsten Reserven.

WĂ€hrung: 1 Tschechische Krone (Kč, CZK) = 100 Heller

Der Heller wird jedoch seit der Abschaffung der 50-Heller-MĂŒnze zum 1. September 2008 nicht mehr im Bargeldzahlungsverkehr verwendet.

Kurs: 1 EUR = 25,927 CZK (Stand 16. April 2021)

Wirtschaftsgeschichte

Die böhmischen LĂ€nder waren ein Zentrum der Industrialisierung der Habsburgermonarchie. Das 1859 gegrĂŒndete Maschinenbau-Unternehmen Ć koda hatte im Jahr 1900 schon etwa 3500 Mitarbeiter; es war der grĂ¶ĂŸte Waffenproduzent Österreich-Ungarns. 1914 arbeiteten bei Ć koda etwa 10.000 Menschen, 1917 waren es 32.000. Die ersten Nachkriegsprodukte waren Lokomotiven. Es entstanden die GeschĂ€ftsfelder Lebensmittel-, Tabak-, Automobil- und Flugzeugindustrie. Auch im Jahr 2017 war Ć koda das grĂ¶ĂŸte Unternehmen im Land.

Auch die Wirtschaft der Tschechoslowakei gehörte traditionell zu den am meisten entwickelten in Europa. Sie erreichte insbesondere in der Zeit von 1918 bis 1939 einen hohen Stand. Nach der MachtĂŒbernahme durch die Kommunisten 1948 gehörte die Tschechoslowakei zwar zu den meistentwickelten LĂ€ndern des Ostblocks, infolge der Übernahme der Zentralverwaltungswirtschaft als die herrschende Wirtschaftsform und infolge der aufgezwungenen Ausrichtung auf die BedĂŒrfnisse des RGW konnte sie sich mindestens seit Mitte der 1950er nicht so stark entwickeln, um an der Weltspitze zu bleiben.

Nach der Samtenen Revolution Ende 1989 wurde die Wirtschaft des Landes privatisiert und erfreute sich, nach einer kurzen anfÀnglichen Rezession, erneut einer schnellen positiven Entwicklung. Das Gros des Bruttoinlandsproduktes wird im Dienstleistungssektor erzeugt.

Außenwirtschaft

Der tschechische Außenhandel hat 2016 mit rund 276 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert erreicht. Die tschechischen Exporte entsprechen fast 85 % (84,3) des BIP. Der bilaterale Handel mit Deutschland hatte 2016 ein Volumen von rund 81,6 Mrd. Euro, auch dies ein neuer Höchststand. Tschechien wickelt nahezu ein Drittel seines Außenhandels mit Deutschland ab, das damit der mit Abstand wichtigste Handelspartner ist. Tschechien liegt noch vor Russland an 12. Stelle der deutschen Handelspartner. Das Land strebt eine stĂ€rkere geographische Diversifizierung seiner Exporte durch ZuwĂ€chse auch auf MĂ€rkten außerhalb der EU an (z. B. China oder Indien). Tschechien ist fĂŒr seine Exportwirtschaft noch sehr stark auf auslĂ€ndische Unternehmen angewiesen die dort investieren und produzieren lassen.

HauptlieferlĂ€nder 2016 in Prozent: Deutschland 30,8 %; Polen 9,7 %; Volksrepublik China 7,5 %; Slowakei 6,4 %; Niederlande 5,4 %; Italien 4,2 %; Österreich 4,0 %; Sonstige 32,0 %

HauptabnehmerlĂ€nder 2016 in Prozent: Deutschland 32,4 %; Slowakei 8,4 %; Polen 5,8 %; Frankreich 5,2 %; Vereinigtes Königreich 5,2 %; Italien 4,3 %; Österreich 4,2 %; Sonstige 34,5 %

Industrie

Die tschechische Wirtschaft ist stark auf die Industrie (ĂŒber 37 % Industrieanteil am BIP) und insbesondere auf die Automobilindustrie ausgerichtet. Einen großen Teil der Industrie bildet die Erzeugung moderner Industrieanlagen und Industriekomplexe, die ĂŒberwiegend fĂŒr Westeuropa und andere hochentwickelte Staaten der Welt bestimmt sind, sowie die Automobilindustrie (die Ć koda-Auto-Werke gehören zu den grĂ¶ĂŸten Betrieben des Landes und bilden den wesentlichen Teil des tschechischen Exportes). Weitere wichtige Bereiche: die Metallurgie, Maschinen-, Lebensmittel- und Holzindustrie, ferner die chemische, petrochemische und pharmazeutische Industrie, Glas- und Keramikerzeugung.

In Böhmen hat die Glasindustrie Tradition. Viele der GlashĂŒtten können besichtigt werden, allerdings ist die Glasindustrie heute nur noch von geringer wirtschaftlicher Bedeutung.

Energie

Der Anteil der Kraftwerksarten an der Stromerzeugung (brutto) von insgesamt 83892 Gigawattstunden (GWh) betrug im Jahr 2015: Kohle: 52,3 %, Kernenergie 32 %, Biomasse 5,6 %, Wasserkraft 3,7 %, Photovoltaik 2,7 %, Gas 2,7 %, Windkraft 0,7 %, Sonstige 0,4 %. An zwei Standorten (Dukovany und TemelĂ­n) werden Kernkraftwerke mit insgesamt 6 Reaktoren betrieben. Zur WĂ€rmegewinnung wurden 2015 hauptsĂ€chlich Kohle (62,6 %) und Gas (25,9 %) eingesetzt, der Anteil von Öl war gering (0,9 %).

Die Tschechische Republik fĂŒhrt jĂ€hrlich rund 20 Prozent ihrer Stromproduktion aus. Stromexporten von 28661 GWh standen 2015 Importe von 16146 GWh gegenĂŒber. Das entspricht etwa der Gesamtproduktion des Atomkraftwerks TemelĂ­n. Nach 2014 veröffentlichten PlĂ€nen des Industrieministeriums wird sich dieses VerhĂ€ltnis bis 2040 umkehren; dann wĂŒrden 5 % des Strombedarfs importiert werden. Grund seien fallende Börsenstrompreise aufgrund des Ausbaus erneuerbarer Energien in NachbarlĂ€ndern, sodass sich viele Kraftwerke auf fossiler oder atomarer Brennstoffbasis nicht mehr wirtschaftlich betreiben ließen. Die Stromproduktion aus Kohle solle schrittweise reduziert, und NeubauplĂ€ne fĂŒr Atomkraftwerke verschoben oder verworfen werden. Die Ausschreibung fĂŒr zwei neue AKW-Blöcke am Standort TemelĂ­n zog der halbstaatliche Energiekonzern ČEZ zurĂŒck, nachdem die Regierung keine staatlich garantierten Strompreise zusagen wollte.

Land- und Forstwirtschaft

Die tschechischen Beckenlandschaften sind sehr fruchtbar. Die Landwirtschaft betreibt vorwiegend den Anbau von Weizen, Mais, Gerste, ZuckerrĂŒben, Kartoffeln, RĂŒben, Raps, GemĂŒse und Obst. Besonders wichtig ist die Hopfenproduktion, vor allem im Saazer Becken, als Grundlage der tschechischen Braukultur. Böhmen ist ein traditionelles Bierbrauerland, in SĂŒdmĂ€hren wird hingegen Wein angebaut. Rinder, vorrangig Fleckvieh, Schweine und HĂŒhner machen den grĂ¶ĂŸten Teil der Viehzucht aus. Von Bedeutung ist auch die Zucht von SĂŒĂŸwasserfischen, insbesondere Karpfen. 54 % der GesamtflĂ€che Tschechiens wird landwirtschaftlich genutzt. Ein Drittel der FlĂ€che bedecken WĂ€lder, die auch Holz fĂŒr den Export produzieren.

Die Landwirtschaft ist in Tschechien außergewöhnlich großstrukturig organisiert. Ein Betrieb wirtschaftet im Schnitt auf 152 Hektar, wĂ€hrend der EU-weite Schnitt nur 14 Hektar betrĂ€gt. Hauptgrund dafĂŒr ist das Genossenschaftswesen und die erzwungene Kollektivierung in den 1950er Jahren. Überdurchschnittlich groß auch der Anteil verpachteten Bodens, auch wenn der Anteil von Grundeigentum kontinuierlich steigt (2014: 22 %). Der Anteil von BeschĂ€ftigten in der Landwirtschaft betrĂ€gt ungefĂ€hr drei Prozent der Bevölkerung.

Tourismus

Mit ĂŒber 12 Millionen Touristen stand Tschechien 2016 auf Platz 29 der meistbesuchten LĂ€nder der Welt. Die Tourismuseinnahmen beliefen sich im selben Jahr auf 6,3 Mrd. US-Dollar. Wichtigstes Touristenziel in Tschechien ist die Hauptstadt Prag. Im Land gibt es insgesamt 12 UNESCO-WelterbestĂ€tten. 2018 waren die meisten Touristen aus Deutschland, der Slowakei, Polen, China und den USA.

Bergbau

In Tschechien werden Stein- und Braunkohle, Kaolin, Ton, Graphit, Kalkstein und Quarzsand gefördert. Der Kohleabbau verliert kontinuierlich an Bedeutung, er ging in den letzten 25 Jahren um gut die HĂ€lfte zurĂŒck. Bis zum Jahr 2017 wurde bei DolnĂ­ RoĆŸĂ­nka Uran gefördert. Der Großteil des Erdöls und Erdgases wird aus Russland eingefĂŒhrt.

Wirtschaftskennzahlen

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 74,7 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 73,7 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 0,5 % des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2016 55,2 Mrd. US-Dollar oder 37,6 % des BIP.

Tschechische Staatsanleihen werden von der Ratingagentur Standard & Poor’s mit der Note AA- bewertet (Stand: Dezember 2018).

Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 7,68 % (2017)
  • Bildung: 3,8 % (2015)
  • MilitĂ€r: 1,19 % (2019)

Infrastruktur

Verkehr

Das Land verfĂŒgt ĂŒber eine gute Verkehrsanbindung an seine Nachbarstaaten. Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die QualitĂ€t der Infrastruktur misst, belegte Tschechien 2018 den 22. Platz unter 160 LĂ€ndern. Von allen LĂ€ndern in Zentral/Osteuropa belegt es damit den ersten Rang.

Fernstraßen

Der Bau des tschechischen Autobahnnetzes reicht bis zum Jahr 1967 zurĂŒck. WĂ€hrend bis 1990 weitgehend nur die Strecken Prag–BrĂŒnn und BrĂŒnn–Pressburg fertiggestellt wurden, wurde das Netz in den folgenden Jahren stetig ausgebaut. Die Baumaßnahmen konzentrierten sich bislang auf die Autobahn D5 Prag–Pilsen–deutsche Grenze/A6–NĂŒrnberg und D8 Prag–deutsche Grenze/A17–Dresden. Beide Strecken wurden mit Ausnahme eines kleinen TeilstĂŒckes auf der D8 2006 fertiggestellt. Zum Jahresende 2006 betrug die LĂ€nge des Autobahnnetzes damit etwa 630 km. Weitere zirka 200 km befinden sich im Bau, darunter vor allem Abschnitte der D1 zwischen BrĂŒnn und Ostrau. Diese und andere Bauarbeiten werden jedoch durch zahlreiche EinwĂ€nde erheblich verzögert. Mittelfristig wird der Ausbau des Autobahnnetzes bis auf eine GesamtlĂ€nge von etwa 1000 km angestrebt. Geplant ist dafĂŒr insbesondere noch der Bau einer von Prag ĂŒber ČeskĂ© Budějovice nach Linz fĂŒhrenden Strecke sowie die VerlĂ€ngerung der D11 bis an die polnische Grenze nach Trutnov. Auf den tschechischen Autobahnen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h.

Unterhalb des Autobahnnetzes existiert ein ĂŒber 55.000 km langes Straßennetz, welches sich in 336 km Schnellstraßen, 6156 km Straßen erster Ordnung, 14.669 km Straßen zweiter Ordnung und 34.128 km Straßen dritter Ordnung gliedert.

FĂŒr die Benutzung der Autobahnen sowie der Schnellstraßen ist eine Maut zu bezahlen. Autofahrer sind verpflichtet, eine Autobahnvignette zu kaufen, die von innen an die Windschutzscheibe geklebt werden muss.

Grundvorschriften im Straßenverkehr

  • Die GeschwindigkeitsbeschrĂ€nkungen betragen innerorts 50 km/h, außerorts 90 km/h und auf den Autobahnen 130 km/h.
  • Seit dem 1. Juli 2006 muss ganzjĂ€hrig mit Licht gefahren werden, ErsatzglĂŒhlampen sind mitzufĂŒhren.
  • Kinder bis 36 kg oder kleiner als 150 cm mĂŒssen durch einen Kindersitz gesichert werden.
  • Es gilt absolutes Alkoholverbot beim Lenken von Fahrzeugen.
  • Telefonieren ist dem Lenker wĂ€hrend der Fahrt nur mit einer Freisprechanlage erlaubt.

Schienenverkehr

Der Schienenverkehr in Tschechien hat eine 160-jĂ€hrige Tradition. Beim Stand von 2010 ist das Streckennetz mit 9.620 Kilometern, gleichauf mit der Schweiz und abgesehen von den Stadtstaaten Monaco und Vatikanstadt das dichteste Eisenbahnnetz der Welt. Die meisten Strecken werden von der derzeit noch 100 % staatlichen Aktiengesellschaft ČeskĂ© drĂĄhy (Tschechische Bahnen) betrieben. Bedingt durch die Lage in Mitteleuropa, ist die Tschechische Republik zu einem wichtigen Transitland geworden. Durch das Staatsgebiet fĂŒhren verschiedene EuroCity-Korridore (z. B. Berlin–Prag–Wien oder Hamburg–Berlin–Prag–Bratislava–Budapest). Die meisten Strecken werden im Halbstunden-, Stunden- oder Zweistundentakt befahren. Seit 2005 wird der tschechische Pendolino BR 680 als SuperCity von Prag nach Ostrava eingesetzt. Seit 2014 verkehrt der Railjet von Prag nach Wien und Graz. Die ČeskĂ© drĂĄhy konkurrieren auf mehreren Strecken mittlerweile mit den privaten Verkehrsunternehmen RegioJet und LEO Express.

Aktuell wird das Streckennetz auf vier sogenannten „Transitkorridoren“ ausgebaut, die im Endzustand mit einer Geschwindigkeit von 160 km/h befahren werden sollen, teilweise wird ein weiterer Ausbau fĂŒr Tempo 230 km/h angestrebt:

  • Der weitgehend fertiggestellte erste Korridor durchquert das Land von Nordwest nach SĂŒdost: Er fĂŒhrt ĂŒber (Dresden–)Děčín, Prag und BrĂŒnn weiter in Richtung Bƙeclav(–Wien) oder ab Bƙeclav alternativ nach Bratislava.
  • Der zweite Korridor fĂŒhrt ĂŒber die Bahnstrecke Bƙeclav–Petrovice u KarvinĂ© und erschließt damit hauptsĂ€chlich die mĂ€hrischen Landesteile und die drittgrĂ¶ĂŸte Stadt des Landes Ostrava.
  • Der dritte Korridor fĂŒhrt aus der Slowakei ĂŒber die Bahnstrecke Ćœilina–BohumĂ­n nach Ostrava und teilt sich ab hier die Trasse mit dem zweiten Korridor bis Pƙerov. Von dort fĂŒhrt er ĂŒber Olomouc nach ČeskĂĄ TƙebovĂĄ, von wo er sich wiederum bis Prag die Trasse mit dem ersten Korridor teilt. Ab Prag fĂŒhrt er ĂŒber die Bahnstrecke Praha–Plzeƈ und die Bahnstrecke Plzeƈ–Cheb und von Cheb weiter in Richtung NĂŒrnberg.
  • Der vierte Korridor durchquert das Land in Nord-SĂŒd-Richtung: Er teilt sich zwischen Děčín und Prag die Trasse mit dem ersten Korridor und wird von Prag ĂŒber TĂĄbor nach ČeskĂ© Budějovice gefĂŒhrt. Von dort wird der Korridor in Richtung Linz weitergefĂŒhrt.

Teilweise ist auch ein fĂŒnfter Korridor im GesprĂ€ch, der ĂŒber die Bahnstrecke Praha–Turnov und von Turnov weiter nach Liberec fĂŒhren soll.

Luftfahrt

Wichtige tschechische VerkehrsflughĂ€fen sind der Flughafen Prag (12,6 Millionen Passagiere im Jahr 2008), der Flughafen BrĂŒnn-Tuƙany, der Flughafen Ostrava und der Flughafen Karlsbad. Die meisten HauptstĂ€dte der Regionen können ĂŒber SportflugplĂ€tze angeflogen werden. Insgesamt gibt es in Tschechien 91 zivile FlugplĂ€tze.

Die grĂ¶ĂŸten Fluggesellschaften sind Czech Airlines, Travel Service und die Billigfluggesellschaft Smart Wings.

Wasserverkehr

In Tschechien ist der Wasserverkehr auf den FlĂŒssen Elbe und Moldau und auf geschlossenen WasserflĂ€chen (Stauseen und Seen), die fĂŒr die Schifffahrt geeignet sind, nur zum Teil erschlossen. Die Abschnitte der Elbe und Moldau mit internationalem Status sind mit dem europĂ€ischen Wasserwege-System verbunden, das heißt mit FlĂŒssen zu den SeehĂ€fen (Elbe-Hamburg) und mit dem System der europĂ€ischen KanĂ€le zu anderen FlĂŒssen und ihren Binnen- und SeehĂ€fen (Magdeburg, Duisburg, Rotterdam).

Mit dem Moldauhafen besitzt die Tschechische Republik im Hamburger Hafen einen Freihafen mit direktem Zugang zur Nordsee. Dieses 30.000 Quadratmeter große Gebiet ist bis 2028 an Tschechien, als Rechtsnachfolger der ČSSR verpachtet.

Stadtverkehr

In grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten sind Straßenbahnen, Busse und auch Oberleitungsbusse die ĂŒblichen öffentlichen Verkehrsmittel. In kleineren StĂ€dten fahren nur Busse beziehungsweise O-Busse. In der Hauptstadt Prag betreiben die dortigen Verkehrsbetriebe die Prager Metro mit drei U-Bahnlinien, die das Zentrum mit den StadtrĂ€ndern verbindet. Die Preise der Fahrkarten sind in den einzelnen StĂ€dten unterschiedlich; Senioren fahren ĂŒberall kostenlos. Fahrkarten werden an Schaltern, Automaten und teilweise in den Fahrzeugen selbst angeboten. In Prag und anderen grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten sind Touristenkarten fĂŒr mehrere Fahrten, wie Wochenfahrkarten, im Verkauf. Beim Betreten der Verkehrsmittel mĂŒssen die Tickets in der Regel sofort entwertet werden.

Radverkehr

In den Hauptzentren des Fremdenverkehrs und in den StĂ€dten wird ein ausgedehntes Radwegenetz ausgebaut, dort kann man auch StraßenrĂ€der oder Mountainbikes leihen. Eine Anzahl europĂ€ischer Radwege durchquert Tschechien. Viele Radwege fĂŒhren durch hĂŒgeliges Terrain, wie etwa die vielen Routen im Böhmerwald, die weiter in den Bayerischen Wald fĂŒhren. Fahrradfahren ist in Tschechien weit verbreitet, in den letzten Jahren wurde daher intensiv an einem nationalen Radnetz gearbeitet. Eine landesweit einheitliche Ausschilderung mit gelben Radweg-Schildern und nummerierten Radwegen ist Fahrradtouristen sehr hilfreich.

Medien und Telekommunikation

Bei der Rangliste der Pressefreiheit 2020, welche von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Tschechien Platz 40 von 180 LĂ€ndern. Das Land hatte damit eine weitestgehend freie Presse.

In Tschechien erscheinen 75 Tageszeitungen, die von 19,9 % der Bevölkerung gelesen werden. Daneben werden 62 Periodika herausgegeben, die von 8,9 % der Einwohner konsumiert werden. Über insgesamt 3.405.834 FernsehanschlĂŒsse – durchschnittlich 33,2 je 100 Einwohner – können 150 Fernsehsender empfangen werden; der durchschnittliche tĂ€gliche Fernsehkonsum betrĂ€gt 194 Minuten.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen heißt ČeskĂĄ televize und umfasst die Programme ČT1 (allgemein), ČT2 (Bildung und Kultur), ČT24 (Nachrichten), ČT sport, ČT art und den Kindersender ČT :D. Der öffentlich-rechtliche Hörfunk heißt ČeskĂœ rozhlas und umfasst unter anderem ČRo 1 (Informationskanal mit Nachrichten und Minderheitensendungen), ČRo 2 (Familienkanal mit Reportagen, Hörspielen, Wissenschafts- und Religionssendungen), ČRo 3 (Kultur + Hörspiele), ČRo 7 (Auslandsprogramm „Radio Prag“ mit Sendungen in mehreren Sprachen) und ĂŒber 10 Regionalprogramme die von Regionalstudios produziert werden.

2013 wurden in Tschechien 19 FestnetzanschlĂŒsse und 131 MobiltelefonvertrĂ€ge pro 100 Einwohner gezĂ€hlt. 2016 nutzten 88,4 % der Tschechen das Internet.

Das staatliche Postunternehmen ist die ČeskĂĄ poĆĄta. Das tschechische Postleitzahlensystem besteht in seiner heutigen Form seit 1973. FĂŒr telefonische OrtsgesprĂ€che ist die ehemalige Vorwahlnummer erforderlich, sie gehört nun zur Anschlussnummer, die internationale Telefonvorwahl ist +420.

Bildung

Das Schulwesen ist in Tschechien dreistufig organisiert. Die Grundschule (ZĂĄkladnĂ­ ĆĄkola) dauert neun Jahre und deckt den gesamten Pflichtschulbereich ab. Nach der fĂŒnften oder siebten Klasse kann jedoch nach einer AufnahmeprĂŒfung in ein acht- beziehungsweise sechsjĂ€hriges Gymnasium gewechselt werden. Daneben gibt es das vierjĂ€hrige Oberstufengymnasium. Das Gymnasium wird mit der Matura (maturita) abgeschlossen, die zum Hochschulstudium berechtigt. Neben dem Gymnasium gibt es Konservatorien fĂŒr musische FĂ€cher und mittlere Fachschulen (StƙednĂ­ odbornĂĄ ĆĄkola), die auf technische, kaufmĂ€nnische oder andere Fachrichtungen spezialisiert sind und ebenfalls mit Matura abschließen. Die Lehrlingsausbildung erfolgt an dreijĂ€hrigen Berufsschulen (StƙednĂ­ odbornĂ© učiliĆĄtě).

Die Hochschulbildung gliedert sich in die drei Stufen Bakkalaureat, Master- bzw. Magisterstudium und Doktorat. 29 Hochschulen haben den Rang einer UniversitĂ€t. Die Ă€lteste und mit 50.000 Studenten grĂ¶ĂŸte UniversitĂ€t ist die Prager Karls-UniversitĂ€t. Weitere große Hochschulen sind die Masaryk-UniversitĂ€t in BrĂŒnn und die Palacky-UniversitĂ€t Olomouc sowie die Technische UniversitĂ€t BrĂŒnn und die Tschechische Technische UniversitĂ€t Prag.

Im PISA-Ranking von 2015 erreichen Tschechiens SchĂŒler Platz 28 von 72 LĂ€ndern in Mathematik, Platz 28 in Naturwissenschaften und Platz 30 beim LeseverstĂ€ndnis. Tschechien liegt damit minimal unter den Durchschnitt der OECD-Staaten.

Kultur

Architektur

Prag wird „Die Stadt der 100 TĂŒrme“ und „Goldene Stadt“ genannt. Hier sind architektonisch bedeutsame Bauten aus den verschiedenen Epochen der europĂ€ischen Kulturgeschichte vereint. Doch auch außerhalb der Hauptstadt finden sich herausragende Bauten und KulturdenkmĂ€ler. 12 StĂ€tten in Tschechien sind als UNESCO-Welterbe ausgewiesen, darunter die historischen AltstĂ€dte von ČeskĂœ Krumlov, KutnĂĄ Hora und Telč.

Imposante Kathedralen der mittelalterlichen Gotik sind der Prager Veitsdom und der Dom der heiligen Barbara in KutnĂĄ Hora. Älter als die berĂŒhmte KarlsbrĂŒcke ist die SteinbrĂŒcke in PĂ­sek. Zahlreiche Burgen und Klöster aus dem Mittelalter prĂ€gen die Landschaft, beispielsweise die Burgen KarlĆĄtejn und PernĆĄtejn, das Kloster Porta Coeli und das Kloster VyĆĄĆĄĂ­ Brod. Schlösser der böhmischen Renaissance sind LitomyĆĄl, JindƙichĆŻv Hradec und KratochvĂ­le. Die StadtplĂ€tze von Slavonice oder Prachatice sind von diesem Stil geprĂ€gt. Eine tschechische Eigenart ist die sogenannte Barockgotik von Johann Blasius Santini-Aichl, deren Höhepunkt die Wallfahrtskirche ZelenĂĄ Hora darstellt. Barock und Rokoko hinterließen im ganzen Land ihre Spuren. Beispiele sind das Schloss KromÄ›Ć™Ă­ĆŸ, die DreifaltigkeitssĂ€ule in OlmĂŒtz, Schloss Troja oder das Rokokoschloss NovĂ© Hrady. Eine volkstĂŒmliche Spielart ist das sĂŒdböhmische Bauernbarock, von dem das Dorf HolaĆĄovice Zeugnis gibt. Klassizistische Parkanlagen sind die Kulturlandschaft Lednice-Valtice oder Franzensbad. Dem Historismus ist die Generation des Nationaltheaters zuzuordnen.

Die moderne Architektur beginnt mit dem Prager Jugendstil, dessen prĂ€chtigstes Bauwerk das Prager Gemeindehaus ist. Josef Gočár und andere entwickelten die Stilart kubistische Architektur. Diese spezifische Richtung entwickelte sich zu einer Art Nationalarchitektur und brachte die Sonderform des Rondokubismus hervor. Sie wurde in den 1920er Jahren jedoch von der funktionalistischen Architektur abgelöst. BrĂŒnn, wo Bohuslav Fuchs wirkte und die Villa Tugendhat steht war das Zentrum des Funktionalismus. Mit der Architektur der kommunistischen Zeit werden oft Plattenbauten assoziiert, sie ist umstritten. Architektonische Leistungen dieser Zeit sind der Fernsehturm ĆœiĆŸkov und der Fernsehturm JeĆĄtěd. Das bekannteste Bauwerk der Zeit nach 1989 ist das Tanzende Haus.

Bildende Kunst

Das Ă€lteste erhaltene romanische Fresko befindet sich in der Znaimer Katharinenrotunde. Der reich illustrierte VyĆĄehrader Kodex ist ein Meisterwerk der Buchmalerei aus dem 11. Jahrhundert. Unter Karl IV. erlebte die gotische Malerei eine BlĂŒte, die fĂŒr Europa stilbildenden Maler des 14. Jahrhunderts werden deshalb als böhmische Malerschule bezeichnet. Neben dem Hofmaler Theoderich gehörten dazu etwa der Meister von Hohenfurth und der Meister des Leitmeritzer Altars. Peter Parler wirkte zu dieser Zeit als Bildhauer und Dombaumeister. Herausragende Maler der Barockzeit sind die Karel Ć krĂ©ta, Jan KupeckĂœ und Peter Johann Brandl. Die Kupferstiche des VĂĄclav Hollar zeichnet eine in seiner Zeit einzigartige realistische Genauigkeit aus. Bedeutende barocke Bildhauer sind Matthias Bernhard Braun und Ferdinand Maximilian Brokoff.

Josef NavrĂĄtil und Josef MĂĄnes sind Vertreter der Romantik. Großen Erfolg als Historienmaler hatte VĂĄclav BroĆŸĂ­k. Mit der national ausgerichteten reprĂ€sentativen Kunst der sogenannten Generation des Nationaltheaters stehen unter anderen die Maler MikolĂĄĆĄ AleĆĄ und Vojtěch Hynais sowie die Bildhauer Josef VĂĄclav Myslbek in Zusammenhang.

Die tschechische moderne Malerei leiten Max Ć vabinskĂœ und AntonĂ­n Slavíček ein. Der bekannteste Bildhauer dieser Zeit ist Ladislav Ć aloun. der Kunstverein MĂĄnes entwickelte sich zum Organ der modernen bildenden Kunst. Alfons Mucha ist ein weltbekannter Vertreter des Jugendstils, der hauptsĂ€chlich fĂŒr seine charakteristische Plakatkunst, aber auch fĂŒr das Monumentalwerk Das Slawische Epos mit Szenen aus der slawischen Geschichte berĂŒhmt ist. Weniger bekannte Jugendstilmaler sind Viktor Oliva und Karel VĂ­tězslav MaĆĄek.

Ein Pionier der abstrakten Kunst weltweit war FrantiĆĄek Kupka, der bereits 1911 abstrakte GemĂ€lde ausstellte. In der Folge war die kubistische Malerei stark vertreten (Emil Filla, Bohumil KubiĆĄta, Josef Čapek). Otto Gutfreund schuf kubistische Plastiken. In den 1930er Jahren begrĂŒndeten Jindƙich Ć tyrskĂœ und Toyen den tschechischen Surrealismus, der mit Jan Ć vankmajer bis in die Gegenwart wirkt. Herausragend sind mehrere tschechischen Illustratoren, allen voran Josef Lada und Zdeněk Burian, welcher das prĂ€historische Leben wiederauferstehen ließ. SpĂ€ter wirkten Adolf Born und Květa PacovskĂĄ in diesem Bereich. Zeitgenössische bildende KĂŒnstler sind etwa Anna Chromy, FrantiĆĄek SkĂĄla, Jaroslav RĂłna oder David ČernĂœ die unter anderem Kunst im öffentlichen Raum schaffen.

Literatur

Im 9. Jahrhundert fĂŒhrten Kyrill und Method in GroßmĂ€hren die Altkirchenslawische Sprache als erste slawische Schriftsprache ein. Daraus entwickelte sich die alttschechische Sprache, die im Mittelalter neben Latein und Deutsch zur Literatursprache in Böhmen und MĂ€hren aufstieg. Die ersten Belege fĂŒr alttschechische Literatur stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert, zur kulturellen BlĂŒtezeit kam es unter der Herrschaftszeit Karls IV. Jan Hus fĂŒhrte 1406 die diakritischen Zeichen in der tschechischen Sprache ein. Die Kralitzer BibelĂŒbersetzung aus dem 16. Jahrhundert hatte großen Einfluss auf das tschechische Schrifttum. Herausragende Literaten der Barockliteratur sind der PĂ€dagoge und Universalgelehrte Johann Amos Comenius und der Jesuitenprediger Bedƙich Bridel. Ende des 18. Jahrhunderts setzten Josef DobrovskĂœ und Josef Jungmann mit ihren sprachwissenschaftlichen Arbeiten den Grundstein fĂŒr die nationale Wiedergeburt. Es folgten die Romantik mit Karel Hynek MĂĄcha als Hauptvertreter und der Realismus mit BoĆŸena NěmcovĂĄ und Jan Neruda (Kleinseitner Geschichten).

Die tschechische Moderne greift die zahlreichen literarischen Strömungen auf, die um die Jahrhundertwende in Europa entstehen. Die Entstehung der Tschechoslowakei belebte den Kulturbetrieb enorm. Namhafte Autoren der Zwischenkriegszeit sind beispielsweise Jaroslav HaĆĄek (Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk) und Karel Čapek. Die Ära des Kommunismus brachte erneut Zensur oder veranlasste die Schriftsteller ins Exil zu gehen, wie etwa Josef Ć kvoreckĂœ und Milan Kundera. Die im Land Verbleibenden, wie Bohumil Hrabal oder LudvĂ­k VaculĂ­k publizierten im Samizdat. Seit 1989 ist die freie Literaturproduktion wieder möglich.

Musik

Das Ă€lteste musikalische Dokument auf tschechischem Gebiet ist das geistliche Lied Hospodine, pomiluj ny (Herr, erbarme dich), das in die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert datiert. Der alttschechische St.-Wenzels-Choral (SvatĂœ VĂĄclave) aus dem 12. Jahrhundert ruft den heiligen Wenzel als FĂŒrsprecher an und fungierte bis ins 19. Jahrhundert als Nationalhymne. In den Klöstern existierte eine reiche Tradition der Kirchenmusik, an die die Hussitenlieder im 15. Jahrhundert anschließen. Das Kampflied KtoĆŸ jsĂș boĆŸĂ­ bojovnĂ­ci ist das berĂŒhmteste unter ihnen. Aus der Barockzeit sind erstmals Namen von Komponisten bekannt, darunter Adam Michna, Heinrich Biber, Jan Dismas Zelenka, Georg Anton Benda, FrantiĆĄek Xaver Brixi, Josef Mysliveček, Johann Baptist Vanhal, Jan Ladislav DusĂ­k, Leopold KoĆŸeluh und AntonĂ­n Rejcha.

Zwei weltbekannte tschechische Komponisten lebten im 19. Jahrhundert: Zu Bedƙich Smetanas bekannten romantischen Werken gehören etwa Die Moldau oder die Oper Die verkaufte Braut. AntonĂ­n Dvoƙáks vielseitiges Schaffen umfasst neun Sinfonien, darunter die Sinfonie Aus der Neuen Welt, Opern, Oratorien, Kammer- und Klaviermusik. Ein weiterer berĂŒhmter Komponist ist LeoĆĄ Janáček, dessen Opern (Das schlaue FĂŒchslein) von der mĂ€hrischen Volksmusik inspiriert sind. Sprichwörtlich bekannt ist die böhmische Blasmusik, deren herausragendste Komponisten FrantiĆĄek Kmoch und Julius Fučík sind.

Vertreter der modernen Musik sind Alois HĂĄba, ein Pionier der mikrotonalen Musik, der Jazzkomponist Jaroslav JeĆŸek oder Pavel Haas. Zu den bekannten tschechischen Liedermachern gehören Karel HaĆĄler, Jiƙí Ć litr und Karel Kryl. In den 1960er und 1970er Jahren entwickelte sich in Prag eine Underground-Kultur mit Bands wie The Plastic People of the Universe, DG 307 und PsĂ­ vojĂĄci. Zeitgenössische Musiker verschiedener Genres sind zum Beispiel der auch im deutschsprachigen Raum berĂŒhmte Schlagerstar Karel Gott, Iva BittovĂĄ, Lucie BĂ­lĂĄ oder JaromĂ­r Nohavica.

Von internationaler Bedeutung ist das jĂ€hrliche klassische Musikfestival Prager FrĂŒhling.

Film

Der Filmsektor ist in Tschechien stark entwickelt. Die Filmstudios Barrandov gehören zu den grĂ¶ĂŸten und renommiertesten in Europa. AlljĂ€hrlich findet das Internationale Filmfestival Karlovy Vary statt. Regisseure wie MiloĆĄ Forman (Einer flog ĂŒber das Kuckucksnest), Jan SvěrĂĄk (Kolya) und Jiƙí Menzel (Liebe nach Fahrplan) erhielten fĂŒr ihre Produktionen Oscars.

KĂŒche

Die KĂŒche in Böhmen und MĂ€hren gilt als deftig und reichhaltig. Es dominieren Fleischspeisen, wie Schweinsbraten (vepƙo-knedlo-zelo) oder Lendenbraten (svíčkovĂĄ). Typische Beilagen sind Knödel in vielen Variationen, Weiß- und Rotkraut sowie Pilze. Zu den fleischlosen Gerichten zĂ€hlen Kartoffelpuffer (bramborĂĄky) und gebackener KĂ€se (smaĆŸenĂœ sĂœr). Einen wichtigen Stellenwert haben die böhmischen Mehlspeisen, die auch in die österreichische KĂŒche Eingang gefunden haben. Dazu gehören Palatschinken, Buchteln, Kolatschen, Powidltascherl, Zwetschkenknödel, Dalken und andere.

Bier gilt als NationalgetrÀnk. TatsÀchlich ist der Bierkonsum in Tschechien weltweit am höchsten, das Bierbrauen hat eine jahrhundertealte Tradition. Weltweit bekannte Marken sind Pilsner Urquell und Budweiser. Besonders in MÀhren wird auch Weinbau betrieben. Bekannte Spirituosen sind Sliwowitz und Becherovka.

Feiertage und Brauchtum

In Tschechien sind mehrere historische Gedenktage zu staatlichen Feiertagen erklĂ€rt worden. Dazu zĂ€hlen der Tag der tschechischen Staatlichkeit am Todestag des Heiligen Wenzel am 28. September, der Tag der Entstehung des tschechoslowakischen Staates am 28. Oktober und der Tag des Kampfes fĂŒr Freiheit und Demokratie am 17. November. Bis auf den Karfreitag, den Ostermontag und die Weihnachtsfeiertage (24., 25. und 26. Dezember) sind die christlichen Feiertage in Tschechien nicht arbeitsfrei.

Zum immateriellen Kulturerbe zÀhlen der Ritt der Könige, der Rekrutentanz Verbuƈk in der MÀhrischen Slowakei, die Faschingsprozessionen in der Hlinecko-Region, das Puppentheater und der Blaudruck.

Sport

SchÀtzungsweise 15 Prozent der tschechischen Bevölkerung sind in Sportvereinen organisiert.

Wintersport

Der wichtigste Sport (auch als Nationalsport bezeichnet) ist Eishockey. In diesem Sport erzielt die Tschechische Republik regelmĂ€ĂŸig internationale Erfolge (Weltmeisterschaften, Olympische Spiele).

Bedeutende Regionen des Wintersports sind das Riesengebirge im Norden, der Böhmerwald im Westen, sowie der Keilberg (KlĂ­novec) im tschechischen Teil des Erzgebirges. Harrachov und Liberec sind internationale Zentren nordischer Sportarten. Hier finden regelmĂ€ĂŸig FIS-Weltcup-Springen statt, in Liberec die Nordische Ski-WM (2009). NovĂ© Město na Moravě hat ebenfalls eine Bedeutung im internationalen Wintersport. Hier fand im Februar 2015 der Biathlon-Weltcup statt.

Fußball

Die erste Liga umfasst 16 Mannschaften. Zwei davon steigen am Ende der Saison, also nach 30 Spieltagen, in die landesweite FNL (FotbalovĂĄ nĂĄrodnĂ­ liga, „Fußballnationalliga“) ab. Von dort steigen dementsprechend zwei Teams in die 1. Liga auf. Die dritthöchste Spielklasse ist zweigeteilt. Den westlichen Teil (Böhmen) deckt die ČFL (ČeskĂĄ fotbalovĂĄ liga, „Böhmische Fußballliga“, 18 Teams) ab, den östlichen Teil des Landes (MĂ€hren und Schlesien) die MSFL (MoravskoslezskĂĄ fotbalovĂĄ liga, „MĂ€hrisch-Schlesische Fußballliga“, 16 Teams). Der jeweilige Meister der beiden dritten Ligen steigt in die zweite Liga auf. Der Abstieg aus der zweiten Liga bestimmt auch den Abstieg aus den Ligen darunter mit, denn es können zum Beispiel zwei Mannschaften aus der FNL absteigen, die beide in den Bereich der ČFL oder eben der MSFL fallen, womit dort eine Mannschaft zu viel wĂ€re. Es muss also noch eine zusĂ€tzliche Mannschaft absteigen.

Der Unterbau des dritten Levels ist fĂŒnfgeteilt. Unterhalb der ČFL gibt es drei Gruppen (A, B, C) der Divize, unterhalb der MSFL zwei (D und E). Von diesen Ligen steigt jeweils der Meister in die ĆFL beziehungsweise MSFL auf, die jeweils letzten zwei in einen der regionalen „KrajskĂœ pƙebor“ ab, je nach Zugehörigkeit. Insgesamt gibt es nach einer Reform 2002/03 nun 13 Gruppen solcher fĂŒnften Ligen (zuvor lediglich 10), 9 als Unterbau der ČFL beziehungsweise der Divize A, B, C und 5 als Unterbau der MSFL beziehungsweise der Divize D und E.

Motorsport

Bei Ć ternberk findet jĂ€hrlich ein Lauf zur Europa-Bergmeisterschaft statt (Ecce Homo). Josef KopeckĂœ (1994), Otakar KrĂĄmskĂœ (1995, 1997, 1998), Robert Ć enkĂœĆ™ (2003, 2004), Miroslav JakeĆĄ (2008) und VĂĄclav JanĂ­k (2009) wurden Meister dieser Serie. 2008 und 2009 belegten tschechische Fahrer Platz eins bis drei der EBM. Weitere Bergrennstrecken sind bei ÚstĂ­ nad OrlicĂ­ (ÚsteckĂĄ 21), LanĆĄkroun und MalĂĄ Bystƙice.

Mit dem „Automotodrom Brno“ steht bei BrĂŒnn eine internationalen AnsprĂŒchen genĂŒgende Rundstrecke zur VerfĂŒgung, die von der DTM genutzt wurde, und im Rahmen der WTCC angefahren wird. Des Weiteren findet hier im Rahmen der FIM-Motorrad-Weltmeisterschaft ein Rennen der MotoGP statt. In Most besteht eine Rennstrecke (Autodrom Most). Die wird international vor allem fĂŒr die Truck Race Serie sowie zum Teil auch fĂŒr Tourenwagen genĂŒtzt. Im Marketa Stadion von Prag findet seit mehreren Jahren im Rahmen der Speedway-Einzel-Weltmeisterschaft der Grand Prix von Tschechien statt. In Pardubice findet seit etlichen Jahrzehnten das traditionelle Internationale Speedwayrennen um den Goldhelm von Pardubice („ZlatĂĄ pƙilba Pardubice“) statt.

In MariĂĄnskĂ© LĂĄzně fand auf der 1000 Meter langen Sandbahn in den Jahren 1976, 1979, 1983, 1989, 1991 und 1994 das Finale zur Langbahn-Weltmeisterschaft statt. Seit 1997 der Langbahn-WM Grand Prix eingefĂŒhrt worden ist, gab es auch schon einige Male den Langbahn-WM Grand Prix der Tschechischen Republik in MariĂĄnskĂ© LĂĄzně.

Weitere Sportarten

Von internationaler Bedeutung ist das alljĂ€hrlich stattfindende Pferderennen von Pardubice. Dieser Wettbewerb findet unter dem Namen VelkĂĄ PardubickĂĄ seit 1874 statt und ist wegen seiner besonderen HĂ€rte berĂŒchtigt.

An der Weltspitze spielt das tschechische Frauentennis mit KarolĂ­na PlĂ­ĆĄkovĂĄ und Petra KvitovĂĄ.

Siehe auch

  • Landesname Tschechische Republik

Weblinks

  • Außenministerium der Tschechischen Republik (tschechisch, englisch)
  • Seite der Tschechischen Regierung (tschechisch, englisch)
  • Statistisches Amt der Tschechischen Republik (tschechisch, englisch)
  • LĂ€nderprofil (2005) des Statistischen Bundesamtes (PDF)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (14)

Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
JihoceskĂœ kraj 49.6212548 48.5518081 13.5363203 15.6041293  
JihomoravskĂœ kraj 49.6332547 48.6165377 15.5424287 17.6458148  
Karlsbad 50.459847 49.891137 12.0909912 13.3011975  
Kraj Vysocina 49.8611195 48.9375446 14.8887667 16.4184401  
KrĂĄlovĂ©hradeckĂœ kraj 50.7804396 50.0388059 15.1049794 16.5855247 KrĂĄlovĂ©hradeckĂœ kraj  
LibereckĂœ kraj 51.0231974 50.4718301 14.3435357 15.6330293 LibereckĂœ kraj  
MoravskoslezskĂœ kraj 50.3279579 49.392608 17.1462628 18.8592549  
OlomouckĂœ kraj 50.4494346 49.2669759 16.7115968 17.9172214  
PardubickĂœ kraj 50.2076373 49.5720141 15.3630765 16.8665452  
Pilsen 50.1033335 48.9412671 12.400522 13.835103  
Prag 50.177403 49.9419363 14.2244533 14.7067945  
StƙedočeskĂœ kraj 50.6190994 49.5013366 13.3973366 15.5345257  
ÚsteckĂœ kraj 51.0557757 50.0774318 12.940246 14.6528592 ÚsteckĂœ kraj  
ZlĂ­nskĂœ kraj 49.5399786 48.8542302 17.1108595 18.4155308  
 

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Flagge: Czech Republic

Name englisch: Czech Republic
Hauptstadt: Prague
Kfz: CZ
ISO: CZ
ISO3: CZE
Fläche: 78866 km²
Tld: .cz
Wärung Einheit: CZK
Währung: Koruna
Vorwahl: 420

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 51.0557185
südlichster Punkt: 48.5518081
westlichster Punkt: 12.090589
östlichster Punkt: 18.8592361


 
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