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Staat Informationen : Kolumbien

Informationen:


Kolumbien (amtlich Rep√ļblica de Colombia ¬†[reňąpuő≤Őělika √įŐěe koňąlombja], deutsch¬†Republik Kolumbien; Kurzform auf Spanisch Colombia) ist eine Republik im n√∂rdlichen Teil von S√ľdamerika und bev√∂lkerungsm√§√üig der zweitgr√∂√üte Staat S√ľdamerikas. Sie grenzt sowohl an den Pazifischen Ozean als auch an das Karibische Meer und auf dem Festland im Nordwesten an Panama, im Osten an Venezuela, im S√ľdosten an Brasilien, im S√ľden an Peru und im S√ľdwesten an Ecuador. Der Landesname ist von Christoph Kolumbus abgeleitet. Bogot√° ist wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Kolumbiens und Hauptstadt des Landes.

Das Land ist geprägt von seinem Jahrzehnte andauernden bewaffneten Konflikt.

Geografie

Kolumbien liegt im Nordwesten S√ľdamerikas und grenzt an den atlantischen (1626¬†km K√ľstenlinie) und an den Pazifischen Ozean (1448¬†km). Im S√ľdwesten grenzt Kolumbien an die Nachbarstaaten Ecuador (590¬†km Grenzlinie) und Peru (1626¬†km), im S√ľdosten an Brasilien (1645¬†km), im Nordosten an Venezuela (2050¬†km) und im Nordwesten an das seit 1903 von Kolumbien abgetrennte Panama (225¬†km).

Die Gesamtlänge der kolumbianischen Landesgrenze beträgt 6136 Kilometer.

Der Erd√§quator verl√§uft durch Kolumbien (siehe auch Staaten, Inseln und St√§dte am √Ąquator).

Naturräumliche Gliederung

Kolumbien gliedert sich in sechs unterschiedliche Großräume.

Anden

Die westliche H√§lfte Kolumbiens wird von den Anden dominiert, die in drei gro√üe Bergketten geteilt sind: die westliche, die zentrale und die √∂stliche Kordillere. Zwischen den Bergketten flie√üen die gro√üen, teilweise befahrbaren Fl√ľsse Cauca und Magdalena ins Karibische Meer. Der Westen Kolumbiens entw√§ssert √ľber den Atrato in die Karibik, sowie √ľber die Fl√ľsse San Juan und Baud√≥ in den Pazifik. Die Hochgebirge beherbergen die zum Teil aktiven Vulkane Galeras, Nevado del Huila (5364¬†m), Nevado del Ruiz (5321¬†m), Purac√©, Nevado del Tolima (5215¬†m) und Nevado de Santa Isabel (4965¬†m). Im Norden Kolumbiens, an der Karibikk√ľste gelegen, erhebt sich die 5775¬†m hohe Sierra Nevada de Santa Marta, das h√∂chste K√ľstengebirge der Erde und gleichzeitig die h√∂chste Erhebung Kolumbiens. Die h√∂chsten Gipfel des isolierten pyramidenf√∂rmigen Gebirgsmassivs sind der Pico Crist√≥bal Col√≥n sowie der Pico Sim√≥n Bol√≠var, beide jeweils 5775¬†m hoch.

Klimatisch weist der andine Raum die typische, von Alexander von Humboldt beschriebene Höhenstufung tropischer Hochgebirge auf.

Karibisches K√ľstentiefland

Das karibische K√ľstentiefland Kolumbiens ist weitgehend eben und, vom K√ľstenstreifen abgesehen, relativ d√ľnn besiedelt. Weite Teile des Tieflandes sind von gro√üfl√§chigen Sumpfgebieten gepr√§gt, die eine Verkehrserschlie√üung erschweren. Die bekanntesten Inseln im Atlantik sind der Archipel von San Andr√©s und Providencia (770¬†km nordwestlich von Kolumbien), mit den Inseln San Andr√©s, Providencia, Santa Catalina, Roncador, Quita Sue√Īo, Serrana und Serranilla. Die teils unbewohnten Inseln Roncador, Quita Sue√Īo und Serrana z√§hlten bis in die 1980er Jahre zu den Au√üenbesitzungen der USA, da eine 1972 unterzeichnete R√ľckgabevereinbarung durch den US-Senat nicht ratifiziert wurde. Der karibischen K√ľste vorgelagert sind die Insel Fuerte und die Archipele von San Bernardo und del Rosario.

Pazifisches K√ľstentiefland

Das pazifische K√ľstentiefland ist, von wenigen Hafenst√§dten abgesehen, weitgehend unbesiedelt, was insbesondere auf seine immerfeucht-hei√üen Klimabedingungen zur√ľckzuf√ľhren ist. Pro Jahr k√∂nnen bis zu 10.000¬†mm Niederschlag fallen. Die Region ist weitgehend mit schwer zu erschlie√üendem tropischen Regenwald bedeckt und von einer vielf√§ltigen Flora und Fauna gepr√§gt. Als einzige Verkehrswege dienen praktisch die nat√ľrlichen Wasserstra√üen, vor allem der Atrato, der in Richtung Karibik entw√§ssert. Im Pazifik liegen die Inseln Malpelo (westlich von Buenaventura), Gorgona, eine alte Gef√§ngniskolonie, und Gorgonilla.

Amazonien und Orinokien

Die √∂stliche Landesh√§lfte Kolumbiens ist durch dicht bewaldetes Flachland charakterisiert, durch das die Fl√ľsse Putumayo, Yapura, Meta und Guaviare flie√üen, die entweder im Orinoco oder im Amazonas m√ľnden, und l√§sst sich in zwei Gro√ür√§ume unterteilen, deren Unterscheidungsmerkmal in erster Linie die Flie√ürichtung der Fl√ľsse ist. Der Raum mit den Richtung Orinoco entw√§ssernden Fl√ľssen wird als Orinokien bezeichnet. Er ist in Kolumbien auch unter dem Namen Llanos Orientales bekannt. Das Gebiet ist gr√∂√ütenteils eben und weist als einziges Gebirge die Serran√≠a de la Macarena auf, die zwar naturr√§umlich dem andinen Raum zugerechnet werden kann, jedoch wesentlich √§lter als die Andenkordilleren ist, was durch ihre nordwest-s√ľd√∂stliche Orientierung dokumentiert wird. Die Llanos Orientales sind von einer Feuchtsavanne bedeckt, wobei die heftigen Niederschl√§ge der Regenzeit die wenigen Stra√üen der Region oft unpassierbar machen. Vom Ostfu√ü der Anden abgesehen, ist das kolumbianische Orinokien weitgehend unbesiedelt.

Das s√ľd√∂stliche Viertel Kolumbiens umfasst den kolumbianischen Teil Amazoniens. Diese Region ist nahezu vollst√§ndig von dichtem Regenwald bedeckt, von einer extrem hohen Biodiversit√§t gepr√§gt und mit Ausnahme einer Anzahl indigener Bev√∂lkerungsgruppen kaum besiedelt.

Die großen Seen Kolumbiens erstrecken sich auf die Anden. Einige sind: Laguna de Guatavita, Laguna de Tota, Laguna de Iguaque und die Laguna de La Cocha.

Klima

Da der √Ąquator durch Kolumbien l√§uft, liegt das Land in der tropischen Klimazone. Der Norden, also die Karibikk√ľste, ist deutlich trockener als der Rest des Landes. Je nach Meeresh√∂he unterscheidet man vier Klimaregionen. In den Flachl√§ndern (Llanos) herrscht tropisches Klima √ľber 24¬†¬įC, zwischen 1000 und 2000¬†m gem√§√üigtes Tropenklima (17‚Äď30¬†¬įC), zwischen 2000 und 3000¬†m kalttropisches (12‚Äď17¬†¬įC) und in den Bergregionen (P√°ramos) ab 3000¬†m H√∂he hochalpines Gletscherklima (unter 12¬†¬įC).

Die Hauptstadt Bogot√° liegt auf einer H√∂he von 2600¬†m √ľber dem Meeresspiegel und hat ein Jahresmittel von 14¬†¬įC. J√§hrlich gibt es zwei Regenzeiten (April und Oktober) und zwei Trockenzeiten, die aber nicht extrem ausfallen.

Am Westrand der Anden f√§llt die gr√∂√üte Menge an Niederschlag. Im s√ľdlichen Teil des Landes werden ca. 3000¬†mm Niederschlag pro Jahr gemessen, im Norden bis zu 10.000¬†mm. Einige Orte mit einem Niederschlagsvolumen von bis zu 16.000¬†mm im Jahr geh√∂ren zu den regenreichsten Gebieten der Erde.

In den √∂stlichen Landesteilen regnet es weniger stark. Die Niederschlagsmenge in den Hocht√§lern und Hochbecken betr√§gt aufgrund der Regenschattenseite etwa 1000¬†mm. Teile der Karibikk√ľste sind aufgrund des Passatwindes sehr regenarm (unter 400¬†mm j√§hrlicher Niederschlag).

Die ersten Monate der Trocken- bzw. der Regenzeit sind Dezember und Januar sowie Mai bis Juli. Die Touristenorte werden allerdings zu dieser Jahreszeit auch von den Kolumbianern regelm√§√üig besucht. Gegen Ende der Trockenzeit ist das Land verdorrt und am Ende der Regenzeit toben die Tropenst√ľrme. √úberschwemmungen sind keine Seltenheit. Im Hochland kann es nachts kalt werden.

Städte

Kolumbiens gr√∂√üte St√§dte sind die Hauptstadt Bogot√°, Medell√≠n, Cali, Barranquilla, Cartagena de Indias, Ibagu√©, Manizales, Pasto, C√ļcuta und Bucaramanga.

Umwelt

Biodiversität

Hinsichtlich der Artenvielfalt belegt Kolumbien in S√ľdamerika den zweiten Platz: Zehn Prozent der weltweit vorhandenen Arten sind auf kolumbianischem Boden vertreten. Mit einer enorm hohen Biodiversit√§t und aufgrund der gro√üen Zahl von endemischen Arten, Gattungen und Familien sowie vielf√§ltigen √Ėkosystemen geh√∂rt Kolumbien zu den Megadiversit√§tsl√§ndern dieser Erde und beherbergt mit der √Ėkoregion Tumbes-Choc√≥-Magdalena an den Anden-Westh√§ngen (bis Costa Rica reichend) das artenreichste von f√ľnf weltweiten Zentren der Megadiversit√§t. Aufgrund der Gef√§hrdung f√ľr die Natur geh√∂rt diese Region zu den internationalen Hotspots der Vielfalt.

53,2¬†Millionen ha der Fl√§che Kolumbiens sind mit nat√ľrlichen W√§ldern bedeckt; 21,6¬†Millionen ha mit anderen Vegetationstypen der Savannen-, Trocken- und Feuchtgebiete; 1,1¬†Millionen mit Gew√§ssern, schneebedeckten Gebirgen, urbanen Siedlungen, wenigstens 38,4¬†Millionen ha der Fl√§che Kolumbiens werden landwirtschaftlich bewirtschaftet bzw. erschlossen. Die wichtigsten √Ėkosysteme Kolumbiens sind die feuchten Tropenw√§lder (378.000¬†km¬≤), die Savannenebenen (105.000¬†km¬≤), Auen und Torfw√§lder (95.000¬†km¬≤), der Andenwald (45.000¬†km¬≤) sowie die Nieder- und Amazonasw√§lder (36.000¬†km¬≤).

Der gr√∂√üte nat√ľrliche Reichtum des Landes ist seine Flora, insgesamt kommen in Kolumbien zwischen 45.000 und 55.000 Pflanzenarten vor, davon allein 3500 Orchideenarten, also 15¬†% aller auf der Welt existierenden Orchideenarten. Auch das Tierreich ist mit insgesamt 2890 Landwirbeltierarten sehr vielf√§ltig: mit 1721 Vogelarten sind 20¬†% aller weltweit vorkommenden Arten und mit 358 S√§ugetierarten sieben Prozent der weltweit vorkommenden Arten vertreten.

Kolumbien verf√ľgt j√§hrlich √ľber 2,1¬†Milliarden m¬≥ Wasserressourcen, die aus Feuchtgebieten, S√ľmpfen, Lagunen, Fl√ľssen und anderen flie√üenden Gew√§ssern stammen und das Grundwasser speisen.

Heterogene Bodenbedingungen, unterschiedliche H√∂henstufen und Klimazonen, die den √úbergang und Kontakt zwischen Amazonas und Anden einschlie√üen, bedingen eine gro√üe Biodiversit√§t mit einer hohen Anzahl endemischer Arten. Kolumbien ist eines der L√§nder mit der gr√∂√üten Artenvielfalt pro Gebietseinheit weltweit: Mit nur 0,7¬†% Anteil an der weltweiten Festlandsmasse vereinigt das Land zehn Prozent aller Tier- und Pflanzenarten des Planeten auf seinem Staatsgebiet. Obwohl Kolumbien den Schutz seiner nat√ľrlichen Ressourcen bereits seit den 1970er Jahren vorantreibt, haben neben nat√ľrlichen Umweltkatastrophen (h√§ufig entweder bedingt durch extreme Trocken- oder Regenzeiten) vor allem das dynamische soziale und wirtschaftliche Wachstum und die milit√§rischen Auseinandersetzungen in den letzten Jahrzehnten erhebliche Umweltsch√§den mit sich gebracht.

Mit der Verfassung von 1991 hat sich das Land explizit einer nachhaltigen Entwicklung verschrieben; etwa 60 Verfassungsartikel beziehen sich direkt oder indirekt auf die Umwelt. Den normativen Rahmen f√ľr die Ausgestaltung dieser Vorgaben bildet das Gesetz 99 von 1993, durch das ein Umweltministerium als Bestandteil des Nationalen Umweltsystems (Sistema Nacional Ambiental, kurz SINA) geschaffen wurde. Zum SINA geh√∂ren neben dem Ministerium unter anderem die Regionalentwicklungsbeh√∂rden, die mit dem Management der nat√ľrlichen Ressourcen und ihrer nachhaltigen Entwicklung beauftragt sind, st√§dtische Umweltplanungsbeh√∂rden und -systeme wie das DAMA in Bogot√° und der Ecofondo, der Zusammenschluss aller Umwelt-NGOs. Staatliche Umweltpl√§ne sollen zur Erreichung der ehrgeizigen Ziele beitragen. Allerdings werden den Regionalentwicklungsbeh√∂rden unter anderem √ľberh√∂hte Betriebskosten, fehlende Investitionen in Umweltprogramme und die Aufgabe wieder aufgeforsteter Gebiete vorgeworfen. Diese und andere M√§ngel sollen deshalb mittels einer weitgreifenden Umweltsektorreform beseitigt werden. Dazu wurde bereits im M√§rz 2003 ein Gesetzesvorschlag vorgelegt; dar√ľber hinaus wurde das Umweltministerium im April 2003 zum Ministerio de Ambiente, Vivienda y Desarollo Territorial fusioniert. Derzeit gibt es Bestrebungen, die bereits seit Jahrzehnten bestehende Nationalparkverwaltung (UAESPNN ‚Äď Unidad Administrativa Especial del Sistema de Parques) umzustrukturieren.

W√§hrend der Pr√§sidentschaft Uribe wurde oft √ľber R√ľckschritte berichtet, insbesondere, da die Umwelt- und Naturzerst√∂rung als Folge des bewaffneten Konflikts von Jahr zu Jahr stieg.

Mit Unterst√ľtzung der EMPA D√ľbendorf wurde Kolumbien ab 2008 ein Pionier im Recycling von Elektroschrott in S√ľdamerika. Bis ins Jahr 2018 folgten sukzessive Vorschriften des Staates zum Ausbau des formellen Recyclings, ohne dass die Unternehmer sich dagegen sperrten. Die Verkleinerung des informellen Sammelsektors gestaltet sich schwierig, weil Drogenh√§ndler diesen zur Geldw√§sche verwendeten.

Biosphärenreservate

Die UNESCO erkl√§rte insgesamt f√ľnf Gebiete in Kolumbien zu Biosph√§renreservaten:

  • Parque Nacional Natural El Tuparro (seit 1979) Areal in ha: 548.000
  • Nudo de los Pastos (seit 1979) Areal in ha: 175.300
  • Parque Nacional Natural Sierra Nevada de Santa Marta (seit 1979) Areal in ha: 2.115.800
  • Santuario de fauna y flora Ci√©naga Grande de Santa Marta (seit 2000) Areal in ha: 493.150
  • Parque Nacional Natural Old Providence (seit 2000) Areal in ha: 5348

Verschmutzung

Etwa 25 % der Feuchtgebiete Kolumbiens sind in den letzten Jahrzehnten verschwunden, vor allem infolge von Bergbauaktivitäten, Entwaldung und Flussverschmutzung.

Die Regierung plant mit ihrem Nationalen Entwicklungsplan 2018‚Äď2022 eine Wiederbelebung der Gold- und Kupferm√§rkte. Dar√ľber hinaus sind f√ľr 2022 161 neue √Ėlbohrpl√§tze geplant, viermal mehr als die 46 bestehenden Standorte im Jahr 2018. Fracking wird 2019 legalisiert.

Die Luftverschmutzung verursacht nach Angaben der Regierung in Kolumbien j√§hrlich mindestens 17.500 Todesf√§lle. Kolumbien ist nach Daten von Greenpeace das f√ľnftverschmutzteste Land Lateinamerikas (nach Mexiko, Chile, Peru und Brasilien).

Bevölkerung

Demografie

Mit 50,3¬†Millionen Einwohnern ist Kolumbien der nach Brasilien bev√∂lkerungsreichste Staat S√ľdamerikas und hat auf Grund seiner Geschichte eine sehr diversifizierte Bev√∂lkerungsstruktur. 74¬†% der Gesamtbev√∂lkerung leben in den Ballungsgebieten und St√§dten, haupts√§chlich in den T√§lern des R√≠o Magdalena und des R√≠o Cauca sowie an der Karibikk√ľste. Allein in Bogot√°, der Hauptstadt und dem Zentrum der Industrie, lebt etwa 1/6 der Bev√∂lkerung. Auf jedem Quadratkilometer leben durchschnittlich 42 Einwohner. 48,6¬†% sind M√§nner und 51,4¬†% Frauen.

Kolumbien ist durch eine sehr ungleiche Bev√∂lkerungsverteilung charakterisiert. 39¬†Millionen Einwohnern im Andenraum sowie dem karibischen Tiefland steht nur eine Million in Amazonien, Orinokien und dem Choc√≥ gegen√ľber, d.¬†h. rund die H√§lfte der Landesfl√§che ist sehr d√ľnn besiedelt (siehe auch unten √ľber Landflucht und Vertreibung). Mehr als zwei Drittel aller Kolumbianer leben in St√§dten.

Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten Lateinamerikas ist Kolumbien durch ein dezentrales St√§dtesystem charakterisiert. Neben Bogot√° haben sich mit Medell√≠n, Cali und Barranquilla weitere Millionenst√§dte entwickelt. Dar√ľber hinaus gibt es eine gro√üe Anzahl regionaler Zentren mit 200.000‚Äď600.000 Einwohnern, wie Bucaramanga und Cartagena, C√ļcuta im Nordosten und Pereira, Manizales und Ibagu√© in der Mitte sowie Neiva, Popay√°n und Pasto im S√ľden. Diese St√§dte erleben ein sehr dynamisches Wachstum.

Nur 0,3 % der kolumbianischen Bevölkerung sind Ausländer, aber drei Prozent der Kolumbianer leben im Ausland, davon 35,3 % in den USA, 23,4 % in Spanien und 18,5 % in Venezuela.

Die Lebenserwartung eines Kolumbianers betr√§gt bei der Geburt 73,0¬†Jahre bei M√§nnern und 78,0¬†Jahre bei Frauen. 78¬†% der Bev√∂lkerung sind j√ľnger als 45¬†Jahre. Die Fertilit√§tsrate pro Frau lag 2016 mit 2,02 Kindern knapp unter dem Ersatzniveau.

Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung

Die Bevölkerung setzte sich zur Kolonialzeit aus drei unterschiedlichen Gruppen zusammen: der indigenen Bevölkerung, den europäischen, zumeist aus Spanien stammenden Kolonisten und den importierten Sklaven sub-saharanisch-afrikanischer Herkunft. Verbindungen zwischen diesen Gruppen waren und sind weit verbreitet, so dass die heutige Bevölkerung des Landes aus einer Mischung dieser Gruppen besteht.

Den größten Anteil an der Bevölkerung stellen mit 48 % die Mestizen, deren Vorfahren Europäer und Indigene waren.

Zur hellh√§utigen Bev√∂lkerung geh√∂ren die Wei√üen, Nachfahren der europ√§ischen Kolonisten, mit 30¬†% der Bev√∂lkerung. W√§hrend der Kolonialzeit wurde Kolumbien durch Einwanderer aus allen Regionen Spaniens besiedelt. Im fr√ľhen 18. und 19. Jahrhundert wanderten Franzosen, Italiener, Deutsche und Iren nach Kolumbien ein. Weitere Einwanderer kamen aus Gro√übritannien sowie dem Libanon und Pal√§stina bzw. dem Nahen Osten.

Nachkommen von Europ√§ern und schwarzafrikanischen Sklaven stellen 14¬†% der kolumbianischen Bev√∂lkerung. 4¬†% der Bev√∂lkerung haben ausschlie√ülich schwarzafrikanische Vorfahren. 3¬†% der Bev√∂lkerung stammen sowohl von afrikanischen Sklaven als auch von Indigenen ab. Kolumbianer mit teilweise oder vollst√§ndig schwarzafrikanischer Abstammung werden zusammenfassend als Afrokolumbianer bezeichnet. Die afrokolumbianische Bev√∂lkerung lebt gr√∂√ütenteils in den karibischen und pazifischen K√ľstenregionen sowie deren unmittelbarem Hinterland. Im Dorf San Basilio de Palenque wird Palenquero gesprochen, die einzige spanisch-basierte Kreolsprache in Lateinamerika. Die dortigen Einwohner sind zum gr√∂√üten Teil Nachfahren geflohener Sklaven.

Der Anteil der Indigenen an der Gesamtbev√∂lkerung betr√§gt 3,2¬†%, also zirka anderthalb Millionen Menschen. Sie verteilen sich auf 102 Volksgruppen. Die indigene Bev√∂lkerung ist in erster Linie in den Hochl√§ndern der Kordilleren, besonders im S√ľdwesten des Landes, sowie in den Urwaldgebieten Amazoniens, des Pazifiktieflandes und der Sierra Nevada de Santa Marta ans√§ssig. Eine √úbersicht der indigenen V√∂lker S√ľdamerikas gibt die Liste s√ľdamerikanischer indigener V√∂lker.

Landflucht und Vertreibung

Der Anteil der städtischen Bevölkerung ist von 45,3 % der Gesamtbevölkerung im Jahre 1960 auf 76,7 % 2016 gestiegen. 30 Städte haben mehr als 100.000 Einwohner. Die östlichen Llanos Kolumbiens, die aus neun Departamentos bestehen und 54 % der Fläche ausmachen, beherbergen nur drei Prozent der Bevölkerung und haben damit eine Dichte von einer Person pro Quadratkilometer.

Die Wanderungsbewegungen vom Land in die Stadt sind massiv und werden dadurch verst√§rkt, dass ein Gro√üteil der intern Vertriebenen vor dem bewaffneten Konflikt und Menschenrechtsverletzungen in die Gro√üst√§dte flieht. Viele lassen sich an den Stadtr√§ndern sichererer Regionen nieder und werden von der Polizei immer wieder gewaltsam vertrieben. Nach Angaben der internationalen Nichtregierungsorganisation CODHES wurden allein im Jahr 2010 in Kolumbien 280.000 Menschen vertrieben. Damit summierte sich die Gesamtanzahl der Binnenvertriebenen im Land auf 5.200.000. Die Regierung beziffert die Anzahl der Vertriebenen deutlich niedriger mit 109.358 neu Vertriebenen im Jahr 2010 und 3.600.000 insgesamt. Der gro√üe Unterschied zwischen den Angaben der Nichtregierungsorganisation CODHES und denen der Regierung ist dem Umstand geschuldet, dass ein betr√§chtlicher Teil der Vertriebenen nicht im staatlichen Register der Vertriebenen (RUPD) erfasst ist. Nach Angaben der Comisi√≥n de Seguimiento de la Sociedad Civil (CSSC) sind 34,3¬†% der Vertriebenen nicht registriert. Von diesen hatten sich 72,8¬†% nicht bei den zust√§ndigen Beh√∂rden als Vertriebene gemeldet und 26,2¬†% von ihnen waren nicht im Register eingetragen, obwohl sie sich bei den zust√§ndigen Beh√∂rden gemeldet hatten. Die Tageszeitung junge Welt berichtete, dass allein im ersten Halbjahr 2008 in Kolumbien pro Tag durchschnittlich 1500 Menschen aus ihrem Dorf oder Wohnviertel vertrieben wurden. Vor dem Hintergrund des seit Jahrhunderten verbissen gef√ľhrten Kampfes um Land richtet sich, forciert durch nationale und internationale kommerzielle Interessen, die Mehrzahl der Vertreibungen gezielt gegen Kleinbauern und l√§ndliche Gemeinden. Laut Human Rights Watch wurden 2015 140.000 Menschen vertrieben, 2016 noch 35.000. √úber 30¬†% (1,3 Millionen) der intern Vertriebenen sind Afrokolumbianer und 15¬†% (600.000) Indigene. 96¬†% der Afrokolumbianer, die als interne Vertriebene gemeldet sind, leben unter der Armutsgrenze.

Die Rechtsanw√§ltin Yenly Mendez vom kolumbianischen Anwaltskollektiv ¬ĽHumanidad Vigente¬ę¬†(Wirksame Menschlichkeit) berichtete 2008, dass die Menschenrechtsverletzungen in der Amtszeit der Uribe-Regierung zugenommen haben. In den ersten sechs Jahren der Uribe-Regierung habe es 1122 willk√ľrliche Erschie√üungen durch staatliche Sicherheitskr√§fte gegeben. Gro√üprojekte zur Rohstoffnutzung w√ľrden gnadenlos durchgezogen und st√∂rende Bewohner vertrieben. Als Beispiele nannte die Rechtsanw√§ltin ein Goldbergwerk am Mittellauf des Magdalenaflusses, das mit Kapital aus S√ľdafrika betrieben wird, Staud√§mme f√ľr den Betrieb von Kraftwerken, sowie gro√üe L√§ndereien, auf denen Pflanzen f√ľr Agrotreibstoffe angebaut werden. Oppositionelle w√ľrden mit Drohbriefen und Morden eingesch√ľchtert. Menschenrechtsorganisationen w√ľrden von der Regierung als Verb√ľndete der Guerilla gebrandmarkt, was die paramilit√§rischen Banden zu weiteren Gewalttaten ermutige. Versuche, eine Diskussion √ľber die gravierenden sozialen Probleme zu f√ľhren, w√ľrden von der Regierung mit dem Terrorismus in Verbindung gebracht. Verantwortlich f√ľr die Vertreibungen seien die einst von Gro√ügrundbesitzern gegr√ľndeten paramilit√§rischen Gruppen, staatliche Sicherheitskr√§fte und die Regierung. Einer der wichtigsten F√ľhrer der Paramilit√§rs, Salvatore Mancuso, habe zugegeben, dass seine Truppen sogar vom Vizepr√§sidenten und vom Verteidigungsminister unterst√ľtzt werden. Dass gegen die Politiker ein Verfahren er√∂ffnet werde, habe Pr√§sident Uribe bisher durch Druck auf den Obersten Gerichtshof verhindert.

Vertreter der Nationalen Indigenenvereinigung Kolumbiens (ONIC) beklagen die systematische Missachtung der Landrechte der Ureinwohner durch die Staatsf√ľhrung. In der Amtszeit Uribes habe es mindestens 1200 Ermordete und 52.000 Vertriebene unter den Ureinwohnern gegeben. 18 Volksgruppen seien von der Ausrottung bedroht. Diese Angaben aus dem Jahre 2008 werden in einem Bericht des UNHCR vom August 2010 noch √ľbertroffen. Darin wird gewarnt, dass mindestens 34 indigene V√∂lker in Kolumbien aufgrund der anhaltenden Gewalt auf ihrem Land in ihrer Existenz bedroht sind. Die Zahl der Morde an kolumbianischen Indigenen sei von 2008 auf 2009 um 63¬†Prozent angestiegen. Der Anteil der Indigenen an Kolumbiens vier Millionen Binnenfl√ľchtlingen betr√§gt 15¬†Prozent, bei einem Bev√∂lkerungsanteil von nur zwei Prozent.

Religion

In Kolumbien wird die Religionsfreiheit als Grundrecht garantiert. Die vorherrschende Religion ist das Christentum, dem etwa 90¬†% der Bev√∂lkerung angeh√∂ren, davon sind gut 70¬†% r√∂misch-katholisch, mit etwa 20¬†% verzeichnen evangelikale Religionsgemeinschaften in den letzten Jahren √§hnlich wie in anderen Staaten Lateinamerikas vermehrt Zulauf. Die protestantische Minderheit setzt sich aus verschiedenen Herkunftsgruppen zusammen; viele davon kommen aus den USA, aber auch aus Gro√übritannien, Deutschland und den Niederlanden. Neben den Gemeinden, die aus den Missionsarbeiten von Neuapostolischen (ca. 6000 Kirchenmitglieder), Lutheranern, Calvinisten, Evangelikalen, Siebenten-Tags-Adventisten, Assemblies of God, Zeugen Jehovas (166.049), Mormonen, Mennoniten und charismatischen Str√∂mungen entstanden, besteht in Kolumbien auch ein Bistum der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika. Weniger vertreten sind Judentum und Islam. Etwa ein Prozent der Bev√∂lkerung bekennt sich zu indigenen s√ľdamerikanischen Religionen.

Sprachen

Seit der Kolonialzeit wird Spanisch in Kolumbien als alleinige Amtssprache verwendet. Das Spanisch, das in Kolumbien gesprochen wird, ist relativ nahe am Kastillanisch (castellano) Spaniens, ein eher höfisches Spanisch der einstigen Konquistadoren.

Das kolumbianische Spanisch hat dennoch auch regionale Besonderheiten, indem beispielsweise anstatt des Personalpronomens t√ļ f√ľr die 2. Person Singular vos (voseo) verwendet wird (Valle del Cauca, Antioquia, Caldas, Quind√≠o und Risaralda), w√§hrend in Boyac√°, Cundinamarca und Bogot√° (Altiplano-Cundiboyacense) die 2. Person Singular sumerc√© statt usted als besondere H√∂flichkeitsform verwendet wird. Weiterhin wird die 2. Person Plural vosotros auch in informeller Sprache durch die 3. Person Plural ustedes ersetzt, die im europ√§ischen Spanisch nur als H√∂flichkeitsform verwendet wird. Die Verben werden dabei anders konjugiert (im Pr√§sens immer endbetont und mit abweichenden Imperativformen). Dar√ľber hinaus gibt es eine Reihe lexikalischer Abweichungen.

Neben dem vorherrschenden Spanisch haben sich zahlreiche Minderheitensprachen gehalten, die von der indigenen Bevölkerung gesprochen werden. Die Linguisten Robert Malcolm Ward Dixon und Alexandra Aikhenvald gaben 1999 die Zahl der lebenden indigenen Sprachen im kolumbianischen Amazonasraum mit 66 an, die damals von etwa einer halben Million Menschen gesprochen wurden.

Ein Ausdruck der in Kolumbien allm√§hlich wachsenden Wertsch√§tzung der indigenen Sprachen ist der Beschluss des Obersten Verwaltungsgerichtes (Consejo de Estado de Colombia) vom Januar 2020, seine Urteile k√ľnftig in acht indigene Sprachen √ľbersetzen zu lassen, n√§mlich in die Sprachen Ikun, Kam√ęnts√°, Kogui, Nasa Yuwe, Tatuyo, Uitoto, Wiwa und Wayuunaiki sowie in die beiden Kreolsprachen des Landes.

Eine Kreolsprache des Englischen wird auf den Inseln San Andrés und Providencia gesprochen (Criollo sanandresano), eine Kreolsprache des Spanischen in San Basilio de Palenque (Criollo palenquero).

Soziale Situation

In Kolumbien konnte die Zahl der Menschen, die von absoluter Armut betroffen sind, also mindestens f√ľnf Armuts-Indikatoren aufweisen, in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts deutlich schneller gesenkt werden als in den Dekaden davor. Waren im Jahr 2003 noch 49¬†Prozent der Bev√∂lkerung von ernsthafter Armut betroffen, sank deren Anteil im Jahr 2012 auf 27¬†Prozent. Kolumbien blieb dennoch ein Land mit vergleichsweise hoher sozialer Ungleichheit. Der Gini-Index der Einkommensverteilung sank im Zeitraum von 2002 bis 2012 nur leicht von 0,57 auf 0,54, womit Kolumbien weit √ľber dem OECD-Durchschnitt liegt. Nach einer im Jahr 2009 ver√∂ffentlichten Untersuchung der Nationalen Universit√§t in Bogot√° betr√§gt der Gini-Index 0,59. Der Leiter der Studie, Ricardo Bonilla, betonte, dass Kolumbien damit den schlechtesten Wert ‚Äědieser entehrenden Kategorie‚Äú in ganz Lateinamerika aufweise. Gerade die Bev√∂lkerungsteile mit niedrigen und mittleren Einkommen seien in den letzten Jahren in prek√§re Besch√§ftigungsverh√§ltnisse gedr√ľckt worden, ihre Einkommen seien gesunken. Nur ein Drittel der Besch√§ftigten des Landes verf√ľge √ľber Sozial- und Krankenversicherungen. Die reichsten 20¬†Prozent der Bev√∂lkerung verf√ľgten √ľber 62¬†Prozent des gesamten Einkommens und seien damit verantwortlich f√ľr den wesentlichen Teil des landesweiten Konsums. Den Anteil der sehr Armen an der Bev√∂lkerung gibt die Studie mit 18¬†Prozent an. Grunds√§tzlich lebt man in der Stadt besser als auf dem Land, wobei das Leben in der Hauptstadt mit 19¬†Prozent unter dem Standard im Vergleich zu allen anderen Ballungsgebieten am schlechtesten abschneidet. Gro√üe Fortschritte wurden im Bereich der Schulbildung erreicht, da nur 2,4¬†Prozent der Kinder nicht regelm√§√üig die Schule besuchten, im Vergleich zu acht Prozent 1993. Auch die Anzahl an Familienmitgliedern, die zu dritt oder mehr in einem Zimmer schlafen, ist von 15,4¬†Prozent auf elf Prozent gesunken, wobei aber die Familien, die in unsachgem√§√üen Unterk√ľnften leben, nur von 11,6¬†Prozent auf 10,4¬†Prozent gesunken ist.

Bildung

Von 1936 bis 1938 arbeitete der aus Deutschland emigrierte Schulreformer Fritz Karsen als Erziehungsberater der Regierung in Kolumbien. In W√ľrdigung seiner Verdienste um das kolumbianische Bildungssystem wurde ihm am 26. Februar 1937 die kolumbianische Staatsb√ľrgerschaft verliehen. In Bogot√° arbeitete Karsen mit dem ebenfalls aus Deutschland gefl√ľchteten Architekten Leopold Rother zusammen, mit dem er die Planungen f√ľr den Universit√§ts-Campus Bogot√° vorantrieb. Im Fr√ľhjahr 1938 musste Karsen aus gesundheitlichen Gr√ľnden Kolumbien verlassen und √ľbersiedelte in die USA. Rother blieb weiter in Kolumbien, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1978 noch zahlreiche bedeutsame Bauwerke verwirklichen konnte.

In Kolumbien wird die Bildung in f√ľnf Stufen aufgeteilt, ‚Äěeducaci√≥n inicial‚Äú (fr√ľhkindliche Bildung), ‚Äěeducaci√≥n preescolar‚Äú (Vorschule), ‚Äěeducaci√≥n b√°sica‚Äú (Grundschule, f√ľnf Jahre und Hauptschule neun Jahre), ‚Äěeducaci√≥n media‚Äú (Gymnasium, elf Jahre) und ‚Äěeducaci√≥n superior‚Äú (Hochschule). Verantwortlich f√ľr die Bildung ist das Ministerio de Educaci√≥n Nacional. Im Durchschnitt sind die staatlichen Bildungseinrichtungen f√ľr die Familien g√ľnstiger als die in privater Hand. Au√üerdem werden auch nicht staatlich anerkannte Titel, meist von privaten technischen Schulen, angeboten, die oft die Selbst√§ndigkeit des Auszubildenden zum Ziel haben.

Im Vorschulalter werden den Eltern, fast ausschlie√ülich aus dem privaten Sektor, Kinderg√§rten angeboten. Die letzten zwei Jahre vor der Grundschule werden Kinder (vier bis f√ľnf Jahre) und ‚Äětransici√≥n‚Äú (√úbergang, f√ľnf bis sechs Jahre) genannt. Von einem Kind in der Transici√≥n-Altersgruppe wird erwartet, dass es schon mit dem Lesen- und Schreibenlernen angefangen hat.

Die Schulzeit eines Kindes begrenzt sich auf neun Jahre, f√ľnf davon in der Grundschule und vier im Gymnasium. Meist nur f√ľr Familien, die die n√∂tigen finanziellen Mittel haben, bieten Schulen zwei weitere Jahre der Educaci√≥n Media, auch Bachillerato (entspricht etwa dem deutschen Abitur) genannt, an. Sch√ľler, die das Bachillerato machen, haben meist zum Ziel, die Universit√§t zu besuchen.

In Kolumbien gibt es 82 Universit√§ten, 32 davon sind staatlich, 50 privat (16 davon kirchlich). Daneben existieren 120 ‚ÄěInstituciones Universitarias‚Äú (nur Bachelor-Ausbildung), 51 ‚ÄěInstituciones Tecnol√≥gicas‚Äú (technisch-wissenschaftliche Berufsausbildung) und 35 ‚ÄěInstituciones T√©cnicas‚Äú (technische Berufsausbildung). Insgesamt werden in dem Land damit 288 Institutionen zum Hochschulbereich gez√§hlt.

Technische Abschl√ľsse werden nach drei Jahren, graduierte (vergleichbar mit Bachelor) nach vier und Diplome nach f√ľnf Jahren vergeben. Erg√§nzend werden Master- und Doktortitel, letztere nur durch staatlich anerkannte Institutionen, angeboten. Die bekannteste und angesehenste Universit√§t Kolumbiens ist die Universidad Nacional de Colombia mit Hauptsitz in Bogot√°. Weitere f√ľhrende Universit√§ten sind Universidad de los Andes, Universidad de Antioquia und Pontificia Universidad Javeriana. Ebenso gibt es die Universidad de los Llanos. Das Studium in Kolumbien ist in Lateinamerika f√ľr sein hohes Niveau bekannt. Es gibt vier Deutsche Schulen, in denen der Unterricht teilweise auf Deutsch gef√ľhrt wird; in Barranquilla, Bogot√°, Medell√≠n und Cali.

Die Alphabetisierungsrate lag 2015 bei 94,7¬†% (H√∂her in Ballungsgebieten). Im PISA-Ranking von 2015 erreichen kolumbianische Sch√ľler Platz 62 von 72 L√§ndern in Mathematik, Platz 58 in Naturwissenschaften und Platz 55 beim Leseverst√§ndnis. Die Leistung liegt damit weit unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten.

Gesundheit

Der Altersaufbau ist charakterisiert durch einen gro√üen Anteil an junger Bev√∂lkerung. Zwischen 1985 und 1990 ist zwar der Anteil von Menschen unter 15¬†Jahren von 45,7¬†% auf 36¬†% gesunken, dennoch ist dieser Wert sehr hoch. F√ľr die m√§nnliche Bev√∂lkerung ist die Lebenserwartung zwischen 1965 und 2016 von 54 auf 72,6¬†Jahre gestiegen, bei Frauen von 59 auf 79,0¬†Jahre.

Die medizinische Infrastruktur ist nicht gleichm√§√üig √ľber das Staatsgebiet verteilt; K√ľstengebiete und l√§ndliche Regionen sind hier benachteiligt. √Ąrzte, medizinische Angestellte und Krankenh√§user konzentrieren sich auf die Ballungsgebiete. 23.520 √Ąrzte, 13.815 Zahn√§rzte und 43.065 Krankenpfleger verrichten ihren Dienst an der Gesundheit; 1989 wurden 45.858 Krankenhausbetten gez√§hlt. Aufgrund von Unterern√§hrung und schlechter Wohnbedingungen sind Tuberkulose, Malaria, Dysenterie und Typhus in den medizinisch unterversorgten Gebieten weit verbreitet. Um diesen Missstand zu beseitigen, hat der kolumbianische Staat Weltbankdarlehen aufgenommen und Einnahmen aus der Erd√∂lproduktion f√ľr den Aufbau des Gesundheitssystems verwendet. Mutterschaft und Zahnarztbehandlung werden durch die Sozialversicherung unterst√ľtzt. Auch Arbeiter im Industriesektor sind unfallversichert und bei Berufsunf√§higkeit versichert, auch die Angeh√∂rigen erhalten eine Unterst√ľtzung. Die Sozialversicherung wird durch Arbeitnehmer, Arbeitgeber und durch den Staat mit Hilfe von Beitr√§gen finanziert.

Geschichte

Bereits lange vor der Ankunft der Spanier bestanden im Gebiet des heutigen Kolumbiens indianische Hochkulturen, die miteinander Handel trieben und insbesondere die Goldschmiedekunst auf h√∂chstem Niveau beherrschten und die von ca. 4000 v. Chr. bis etwa ins Jahr 1600 Ton zu Figuren und Gegenst√§nden verarbeiteten. Aufgrund der vielgestaltigen √∂kologischen und landschaftlichen Gegebenheiten entwickelte sich im vorkolonialen Kolumbien jedoch nie ein einheitliches Staatsgebilde, wie dies das Reich der Inka in Peru darstellte. Unter den zahlreichen Indianerv√∂lkern, die Kolumbien besiedelten, sind besonders hervorzuheben: die Muisca, die auf den Hochebenen der Ostkordillere lebten; die Tairona, die mit der sogenannten Ciudad Perdida in der Sierra Nevada de Santa Marta eine der fr√ľhesten St√§dte auf dem s√ľdamerikanischen Kontinent bauten; die Sin√ļ, die das Gebiet entlang des gleichnamigen Flusses bev√∂lkerten; die Quimbaya im Gebiet der heutigen Kaffeezone an der Westabdachung der Zentralkordillere; und nicht zuletzt die geheimnisvollen Kulturen von San Agust√≠n mit ihren Steinskulpturen und Tierradentro mit ihren bemalten Grabkammern, die bereits lange vor Ankunft der Spanier ihre Hochphasen erreichten.

Kolonialzeit

Kolumbien wurde 1499 von Alonso de Ojeda und Amerigo Vespucci f√ľr Europa entdeckt. Christoph Kolumbus hingegen, zu dessen Ehren das Land ‚ÄěKolumbien‚Äú benannt wurde, hat das Land nie betreten. Die beiden ersten Entdecker Kolumbiens gelangten zun√§chst zur Halbinsel ‚ÄěLa Guajira‚Äú, der sie im Glauben, es handle sich um eine Insel, zun√§chst den Namen ‚ÄěIsla de Coquivacoa‚Äú gaben. Im Jahr 1508 f√ľhrte Vasco N√ļ√Īez de Balboa eine Expedition in das Gebiet des Golfs von Urab√°. 1510 wurde mit der Stadt Santa Mar√≠a la Antigua del Dari√©n die erste stabile Siedlung auf dem Kontinent gegr√ľndet. Weitere Landesteile wurden dann sp√§ter u.¬†a. von Rodrigo de Bastidas und Juan de la Cosa entdeckt, erforscht und oft auch gepl√ľndert. Fr√ľhe koloniale St√ľtzpunkte waren Santa Marta (gegr. 1525) und Cartagena de Indias (gegr. 1533) an der kolumbianischen Karibikk√ľste.

Angelockt von Gold und Smaragden besetzten die Conquistadoren das Land. Gonzalo Jim√©nez de Quesada drang im Jahr 1537 in das Andengebiet vor, unterjochte die Chibcha und gr√ľndete 1538 Santa Fe de Bogot√°. Von S√ľden, aus dem heutigen Ecuador kommend, eroberte Sebasti√°n de Belalc√°zar den S√ľden Kolumbiens. Von Osten kommend erreichte der Ulmer Kaufmann Nikolaus Federmann im Jahre 1539 Bogot√°, um im Auftrag der Welser die Kolonisation des Landes voranzubringen. Die Spanier erbauten Siedlungen, welche die ehemaligen indianischen Handelszentren ersetzten, so zum Beispiel Santa F√© de Bogot√° (gegr. 1538) und Tunja (gegr. 1539).

Aufgrund seiner zentralen Bedeutung f√ľr die spanischen Besitzungen im n√∂rdlichen S√ľdamerika erhob man Kolumbien 1547 zu einer eigenen Provinz ‚ÄěNeugranada‚Äú innerhalb des Vizek√∂nigreichs Peru, und Bogot√° wurde Sitz einer Real Audiencia. Cartagena de Indias erlangte √ľberragende Bedeutung als Anlaufpunkt f√ľr die Flotten aus Spanien und entwickelte sich w√§hrend der Kolonialzeit zu einem der wichtigsten ‚Äď und bestgesch√ľtzten ‚Äď H√§fen der neuen Welt. Der Reichtum des Landes f√ľhrte in den Jahren 1544, 1560 und 1586 zu Piratenangriffen, u. a. durch Francis Drake, auf Cartagena. Im 17. Jahrhundert kamen 80¬†Prozent der weltweiten Goldproduktion aus Kolumbien. In den Goldminen arbeiteten Indianer, von denen viele an Schw√§che und den Krankheiten verstarben, die die Europ√§er eingeschleppt hatten. Danach √ľbernahmen meist afrikanische Sklaven die Arbeit, die im Hafen von Cartagena zu kaufen waren.

1717 wurde der Norden S√ľdamerikas (das heutige Kolumbien, Panama, Venezuela und Ecuador) als Vizek√∂nigreich Neugranada konstituiert mit Bogot√° als Hauptstadt. Im Jahr 1741 wurde Cartagena von einer englischen Armada mit 186 Kriegsschiffen angegriffen und von den spanischen Truppen unter Don Blas de Lezo verteidigt.

Unabhängigkeit

Der Konflikt, der zur Unabh√§ngigkeit von Spanien f√ľhrte, fand in Kolumbien zwischen 1810 und 1819 statt. Er begann damit, dass am 20. Juli 1810 eine Gruppe von Kreolen zu dem Spanier Jos√© Gonz√°lez Llorente in Bogota ging, vorgeblich um von ihm eine Blumenvase zu leihen. Als Llorente dies verweigerte, kam es zu einer Schl√§gerei (bekannt als ‚Äěel grito‚Äú). Auch der Begriff ‚ÄěEl Florero de Llorente‚Äú (‚Äědie Blumenvase von Llorente‚Äú) ist gel√§ufig.

Die zunehmende Herausbildung einer selbstbewussten Oberschicht in den Kolonien in Kombination mit der Schw√§chung Spaniens zur Zeit Napoleons, beg√ľnstigte die Konstituierung einer Unabh√§ngigkeitsbewegung. Angef√ľhrt von Sim√≥n Bol√≠var, erkl√§rte ein Land nach dem anderen seine Unabh√§ngigkeit. Nach zahlreichen Schlachten (u.¬†a. Pantano de Vargas, Puente de Boyac√°) gelang es Kolumbien, seine Unabh√§ngigkeit zu erringen. Der Traum Bol√≠vars von einem ‚ÄěGro√ükolumbien‚Äú, das Kolumbien, Venezuela, Ecuador und Panama vereinte, w√§hrte jedoch weniger als zehn Jahre. Das Gebilde zerfiel 1830 in seine Einzelteile und der Befreier verstarb verbittert in Santa Marta.

Zum Pr√§sidenten wurde 1821 Bol√≠var gew√§hlt. Bol√≠var versuchte erfolglos, die v√∂llige Abschaffung der Sklaverei in Kolumbien durchzusetzen. Die Gro√ügrundbesitzer hatten eine zu gro√üe Macht in der Gesellschaft, als dass nur durch das Gesetz die Sklaverei abgeschafft werden konnte. Erst in den 1850er Jahren gestatteten die Gro√ügrundbesitzer die Abschaffung der Sklaverei. Das Motiv war allerdings, dass eine ‚Äěfreie‚Äú zu einem sehr niedrigen Lohn besch√§ftigte Arbeitskraft dauerhaft noch billiger war.

1830, nach Bol√≠vars Tod, zerfiel die F√∂deration, auch weil Bol√≠vars Versuche gescheitert waren, Peru und Bolivien zu gewinnen. Ecuador und Venezuela erkl√§rten sich f√ľr unabh√§ngig. Panama und Kolumbien bildeten Neugranada. Dar√ľber hinaus gab es b√ľrgerkriegs√§hnliche politische Konflikte zwischen Liberalen und Konservativen. Die Liberalen wollten einen Bundesstaat und rekrutierten sich aus dem B√ľrgertum der Handelsst√§dte. Die Konservativen wollten einen starken Zentralstaat und entstammten der Schicht der Gro√ügrundbesitzer. 1863 setzten die Liberalen eine Verfassung durch und nannten den f√∂deralen Staat Vereinigte Staaten von Kolumbien. 1886 erlie√üen die Konservativen eine Verfassung, in der Kolumbien wieder einen Zentralstaat, die heutige ‚ÄěRepublik Kolumbien‚Äú, bildete. Kolumbien war die erste Demokratie Lateinamerikas und die zweite in Amerika nach den USA.

Erst 1886 gelang es, Kolumbien in einer zentralistisch gef√ľhrten Republik zu einigen. Diese Republik wurde bereits 1898 erneut auf eine Probe gestellt, als sich die anhaltenden internen Konflikte im ‚ÄěKrieg der Tausend Tage‚Äú entluden. Zwischen 1899 und 1902 k√§mpften die oppositionellen Liberalen gegen die konservative Zentralregierung, ohne dass eine der beiden Seiten einen klaren Sieg erringen konnte. Der verheerende Konflikt (√ľber 100.000 Tote) wurde schlie√ülich durch einen Friedensvertrag entsch√§rft, der den Liberalen eine zuk√ľnftige Regierungsbeteiligung sichern sollte. Nichtsdestoweniger blieb die ‚Äěkonservative Hegemonie‚Äú (seit 1886) noch bis 1930 erhalten. Wesentlich schwerwiegender als die materiellen Verluste des Krieges war jedoch dessen au√üenpolitisches Nachspiel. So nutzten die USA im Jahre 1903 die Schw√§che Kolumbiens aus, um ihre geostrategischen und wirtschaftlichen Interessen in Zentralamerika durchzusetzen. F√ľr den US-Pr√§sidenten Theodore Roosevelt (1901‚Äď1908) war der Bau eines Kanals √ľber die Landenge von Panama ein milit√§risches Gebot. Eine Abspaltung beg√ľnstigend war auch, dass der Isthmus nur schlecht in den kolumbianischen Zentralstaat integriert war und die dort ans√§ssige Kaufmannsoligarchie sich von Bogot√° bevormundet und √ľbergangen f√ľhlte. Zuvor hatte der kolumbianische Senat den von den USA forcierten Bau des Panamakanal unter Verweis auf einen drohenden Souver√§nit√§tsverlust abgelehnt, woraufhin die Vereinigten Staaten durch eine milit√§rische Intervention im Einvernehmen mit der panamaischen Separationsbewegung die Abspaltung und die anschlie√üende Konstituierung des Isthmusdepartements als unabh√§ngigen und eigenst√§ndigen Staat erzwangen. Kolumbien war derart geschw√§cht aus dem ‚ÄěKrieg der Tausend Tage‚Äú hervorgegangen, dass es die von den USA durch einen milit√§rischen Eingriff erm√∂glichte Sezession Panamas widerwillig akzeptieren musste.

In der ersten H√§lfte des 20. Jahrhunderts erlebte Kolumbien eine wirtschaftliche Bl√ľtezeit. In den 1920er Jahren machte Kaffee bis zu 90 Prozent der kolumbianischen Exporte aus und erm√∂glichte es dem Land, in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu investieren und die staatlichen Institutionen zu st√§rken. Die Schattenseite dieses Booms waren zunehmende soziale Spannungen zwischen einer reicher werdenden Oligarchie und einer verarmenden Landbev√∂lkerung. Bis 1929 gedieh die Wirtschaft mit bis dahin unerh√∂rten j√§hrlichen Wachstumsraten. Nach dem ‚Äěschwarzen Freitag‚Äú 1929 kam es zur Krise und 1930 zum Regierungswechsel. Die Liberalen brachten dem Land eine Bodenreform und die Industrialisierung. Die Ermordung des linkspopulistischen Pr√§sidentschaftskandidaten Jorge Eli√©cer Gait√°n am 9. April 1948 in Bogot√° war der Funke, der das Pulverfass zur Explosion brachte. Der bereits seit 1946 in l√§ndlichen Gebieten zwischen Liberalen und Konservativen tobende B√ľrgerkrieg (La Violencia) wurde nun auch in die St√§dte getragen.

Bewaffnete Konflikte ab 1948

Von 1948 bis zur Militärdiktatur

Zwischen 1948 und 1953 trat die sogenannte La Violencia (w√∂rtlich ‚ÄěDie Gewalt‚Äú) in ihre h√§rteste Phase ein. Der konservative Pr√§sident Mariano Ospina P√©rez (1946‚Äď50) strebte eine Regierungsbeteiligung der Liberalen an und setzte auf M√§√üigung. P√©rez' ebenfalls konservativer Nachfolger Laureano G√≥mez schlug jedoch ab 1950 einen radikalen Kurs ein. Obwohl er wegen seines schlechten Gesundheitszustands zeitweilig von Roberto Urdaneta vertreten werden musste, blieb G√≥mez bis 1953 der bestimmende Mann im Hintergrund. W√§hrend seiner knapp dreij√§hrigen Regierung kamen etwa 80.000 Menschen in dem politischen Konflikt ums Leben. Die La Violencia, die sich noch bis etwa 1963 hinzog, forderte insgesamt mehr als 200.000 zivile Todesopfer. Nach Bildung der sogenannten ‚ÄěNationalen Front‚Äú (1958) kehrte trotz einer umfassenden Amnestie unter Pr√§sident Alberto Lleras Camargo (1958‚Äď62) noch kein Frieden ein. Der eliteninterne Pakt zwischen den F√ľhrern der Konservativen (Gruppe um Laureano G√≥mez) und der Liberalen (Fraktion um Alberto Lleras) hatte ein parit√§tisches Regierungssystem zur Folge, bei dem sich beide Traditionsparteien im Wechsel von vier Jahren an der Macht abl√∂sten; dabei wurden s√§mtliche √Ąmter in der Staatsverwaltung ebenfalls parit√§tisch nach Parteizugeh√∂rigkeit besetzt. Das System, das formal bis 1974 bestand, dessen Wirkung jedoch noch bis in die 1980er Jahre sp√ľrbar war, verst√§rkte den bereits bestehenden politischen Exklusivismus. Vor allem linksgerichtete politische Akteure (FARC, ELN, M-19, Quint√≠n Lame, EPL etc.) sahen sich daher geradezu herausgefordert, gewaltsam ein tats√§chlich partizipatorisches politisches System herzustellen. Von den w√§hrend der 1960er und 1980er Jahre entstandenen Guerillagruppen hatten jedoch nur die aus den liberalen b√§uerlichen Selbstverteidigungsgruppen (rep√ļblicas independientes) hervorgegangene FARC direkte Wurzeln in der Zeit der violencia.

Nach dem kurzen ‚Äď und f√ľr Kolumbien untypischen ‚Äď Intermezzo einer Milit√§rdiktatur unter dem von einem Teil der politischen Eliten gest√ľtzten Gustavo Rojas Pinilla (1953‚Äď1957) setzte sich die traditionelle zivile ‚Äěscheindemokratische Herrschaft‚Äú fort. Die Durchf√ľhrung umfassender sozialer Reformen blieb jedoch weiterhin aus. Bestimmte Strukturmerkmale des politischen Systems wie zum Beispiel das starke √úbergewicht der Exekutive oder der Ausschluss ‚Äěradikaler‚Äú politischer Parteien verfestigten sich so mit der Zeit. Die formal √§lteste Demokratie S√ľdamerikas nahm so den Charakter einer kartellhaften Konkordanzdemokratie an.

Die durch Volksentscheid (am 10. Dezember 1957) angenommene Verfassungsreform verankerte das aktive und passive Frauenwahlrecht, ein Recht, das bereits im Acto Legislativo N√ļmero 3 vom 25. August 1954 von der Verfassunggebenden Versammlung unter der Regierung des General Rojas Pinilla gew√§hrt wurde, aber welches nach seinem Sturz, wie alle Resolutionen des Kongresses, f√ľr null und nichtig erkl√§rt wurde; aber das Dekret 247 von 1957 der Milit√§rjunta rief auch die Frauen zum Volksentscheid. Zur Wahl gingen Frauen erstmals 1957.

Ab 1974: Liberaler Wahlsieg, Drogenmafia und ‚Äělinks gegen rechts‚Äú

Nach den liberalen Wahlsiegen von Alfonso L√≥pez Michelsen (1974‚Äď1978) und Julio C√©sar Turbay Ayala (1978‚Äď1982) nahmen Korruption und Misswirtschaft zu. Die Abh√§ngigkeit der Polizei und Justiz von politischen Parteien bzw. der Regierung beg√ľnstigte eine Aush√∂hlung des Rechtsstaates und die Unterdr√ľckung der Opposition. Paramilit√§rische Verb√§nde hielten Teile des Landes im Auftrag von Milit√§r und Gro√ügrundbesitzern besetzt.

Die zeitgleich an wirtschaftlicher Macht gewinnende Drogenmafia sah sich seit Anfang der 1980er Jahre durch das Eingreifen der USA in den lokalen Drogenkrieg bedroht. Nach der Zerschlagung der großen Netzwerke Cali-Kartell und Medellín-Kartell im Drogenkrieg gewannen (Stand 2008) kleine dezentrale Netzwerke an Bedeutung, die die Drogen meist in den USA vertreiben.

Seit Jahrzehnten dauerte nun schon ein bewaffneter Konflikt in Kolumbien an. Nach einer weiteren Welle von Gewalt und Terror verh√§ngte Pr√§sident √Ālvaro Uribe V√©lez am 12. August 2002 f√ľr 90¬†Tage den Ausnahmezustand. Die im Jahre 2003 von Uribe begonnene Demobilisierung der paramilit√§rischen Verb√§nde drohte zu scheitern. Ein Grund daf√ľr war das spurlose Verschwinden des Gr√ľnders der Paramilit√§rs, Carlos Casta√Īo, ein anderer die Forderung der Paramilit√§rs, f√ľr ihre Taten, einschlie√ülich des Drogenhandels, weder bestraft noch an die USA ausgeliefert zu werden. Kolumbien bleibt weltweit das Land mit den meisten Entf√ľhrungen und politischen Morden. Ein Gro√üteil der von den UN beanstandeten Menschenrechtsverletzungen geht auf das Konto der Paramilit√§rs. Der Demobilisierungsprozess l√∂ste eine Kontroverse √ľber die Straffreiheit von Personen aus, die schwere Verbrechen begangen haben. Daneben wird kritisiert, dass Drogenh√§ndler, die eine Auslieferung an die USA umgehen wollen, sich offiziell als ehemalige Paramilit√§rs ausgeben und so in den Genuss der Amnestie gelangen.

Ohne Einnahmen aus dem Drogenhandel h√§tten sich die nicht-staatlichen bewaffneten Akteure in Kolumbien nicht finanzieren k√∂nnen. Ein erfolgreicher Einsatz der Industriel√§nder gegen illegale Drogenimporte w√ľrde deshalb den Aufst√§ndischen schaden. Viele Beobachter halten den Krieg gegen die Drogen, der wesentlich durch die USA unterst√ľtzt wird, f√ľr weitgehend verloren.

Im Jahre 2007 erreichte die Koka-Anbaufl√§che etwa 100.000 Hektar. Sie nahm jedoch in den n√§chsten Jahren an Umfang ebenso wie die Fl√§che der Felder, die durch Herbizide, vor allem durch Verspr√ľhen von Glyphosat aus der Luft vernichtet wurden, ab. Im November 2011 erwog der kolumbianische Pr√§sident Juan Manuel Santos eine begrenzte Legalisierung von Kokain und Marihuana als m√∂glichen Beitrag zur L√∂sung der milit√§rischen Auseinandersetzung in Kolumbien, was von den USA erbittert bek√§mpft wurde. 2014 stieg die Anbaufl√§che nach verschiedenen Sch√§tzungen wieder um 20 bis 39 Prozent auf 60.000 bis 70.000 Hektar. Pr√§sident Santos entschied im Jahr 2015, die chemische Vernichtung der Kokapflanzen wegen der gesundheitlichen Folgen ganz einzustellen. Die US-Botschaft gab ihren Widerstand dagegen inzwischen auf. Beobachter halten die Entscheidung des Pr√§sidenten auch f√ľr eine Friedensgeste gegen√ľber der FARC.

2016/17: Friedensverhandlungen mit der linken Guerillabewegung FARC

Am 22.¬†Juni 2016 vereinbarten beide Seiten einen endg√ľltigen Waffenstillstand. Beide Seiten hatten sich bereits auf eine √úbergangsjustiz, landwirtschaftliche Entwicklungsprogramme in den Hochburgen der Rebellen sowie die k√ľnftige politische Beteiligung der Guerilla verst√§ndigt. Am 26. September unterschrieben die FARC und die Regierung den Friedensvertrag. Am 2. Oktober fand ein (nicht bindendes) Referendum statt, bei dem die Abstimmenden den Friedensvertrag entgegen den Prognosen mit knapp √ľber 50 Prozent der Stimmen ablehnten. Entgegen vorherigen Ank√ľndigungen lie√üen beide Seiten hoffen, am Waffenstillstand festzuhalten. Ein Problem schien die Frage zu sein, wie lange die FARC √ľberhaupt finanziell aufrechterhalten werden k√∂nne, ohne dass sie ihre kriminelle Aktivit√§t wieder aufnehmen m√ľsste. Zu der Ablehnung kam es aus folgenden Gr√ľnden: 60 Prozent der Stimmberechtigten beteiligten sich nicht an der Abstimmung. Unter den 40 Prozent, die sich beteiligt hatten, gab es offensichtlich viele Menschen mit starken Motiven, mit Ja oder Nein zu stimmen. Ein Motiv der Ablehnung vor allem bei Anh√§ngern der konservativen Partei war die Vermutung, dass die FARC nach schweren milit√§rischen Niederlagen ohnehin so geschw√§cht sei, dass man ihr nun auch noch den ultimativen Vernichtungsschlag zuf√ľgen k√∂nne. Ein Anf√ľhrer der Nein-Bewegung gab nach dem Plebiszit zu, dass man in der Anh√§ngerschaft aus mittleren und h√∂heren Schichten systematisch Angst erzeugt habe, indem man die Gefahren der Straflosigkeit f√ľr FARC-Mitglieder heraufbeschworen habe. In den unteren Schichten habe man die L√ľge verbreitet, dass nach Abschluss eines Friedensabkommens Subventionen durch das Volk aufgebracht werden m√ľssten. Da das Abkommen fast 300 Seiten umfasste, verlie√üen sich viele Stimmberechtigte auf die Botschaften ihrer Anf√ľhrer. Erst die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Pr√§sidenten Juan Manuel Santos f√ľhrte zu einer anderen Wahrnehmung des Friedensprozesses innerhalb Kolumbiens und zu einer nie dagewesenen Mobilisierung der bis dahin indifferenten Jungen und Studierenden. Der Nobelpreis wirkte insofern wie ein salvavidas (Rettungsring) f√ľr Santos.

Im November 2016 wurde in Havanna ein neuer Friedensvertrag mit Zugeständnissen der FARC geschlossen, der am 30. November 2016 von beiden Kammern des Kongresses ohne Gegenstimme gutgeheißen wurde. Die Gegner hatten die Abstimmung boykottiert und die Vorlage soll nicht mehr dem Volk vorgelegt werden.

Am 7. Februar 2017 begannen in Ecuador Gespräche zwischen der Regierung und der zweitgrößten Rebellenorganisation ELN mit dem Ziel der Entwaffnung.

Um den Friedensprozess abzusichern, setzten die Vereinten Nationen Anfang 2016 eine politische d.¬†h. rein zivile Friedensmission namens UN Mission in Kolumbien ein. Deren Ziel ist die √úberwachung des Friedensabkommens, des Waffenstillstands sowie die √úberwachung der Entwaffnung von Rebellen. Im Juli 2017 beschloss der UN-Sicherheitsrat, eine zweite politische Mission in Kolumbien durchzuf√ľhren. Die im September 2017 beginnende ‚ÄěVerifikationsmission‚Äú hat das Ziel, die Wiedereingliederung der FARC-Rebellen und den Wiederaufbau ziviler Institutionen in betroffenen Gebieten zu √ľberwachen. Dem Staat gelang es auch mangels Infrastruktur nicht, die Kontrolle √ľber alle ehemaligen FARC-Gebiete zu erlangen, weswegen das dadurch entstandene Machtvakuum in diesen Randgebieten von bewaffneten Gruppen ausgenutzt wurde, die sich zum Teil auch aus abtr√ľnnigen FARC-Guerilleros zusammensetzen sollen.

Kolumbien war im Jahr 2018 aufgrund der Guerilla-Kriege das Land mit der h√∂chsten Anzahl Binnenvertriebener auf der Welt. Dazu kam die Belastung durch Fl√ľchtlinge aus Venezuela w√§hrend der dortigen Versorgungskrise.

Teile des Landes sind immer noch mit Landminen durch die FARC, Drogenkartelle und Milizen gesperrt und verursachen besonders unter der Landbevölkerung Minenopfer.

Umweltschutz, Anerkennung kollektiven, indigenen Landbesitzes

1989 wurde das √úbereinkommen √ľber eingeborene und in St√§mmen lebende V√∂lker in unabh√§ngigen L√§ndern als Teil der Verfassung verabschiedet. Zwischen 1986 und 1990 erkannte die Regierung √ľber 200.000¬†km¬≤ Regenwaldgebiet in der Amazonasregion als kollektive indigene Territorien (resguardos) an. Zudem wurde eine eigene Kommission f√ľr Indianerangelegenheiten und eine f√ľr Umweltangelegenheiten eingerichtet.

Seit 1986 war Mart√≠n von Hildebrand Vorsitzender der Indigenenbeh√∂rde und Ratgeber des Pr√§sidenten Virgilio Barco Vargas. Er gr√ľndete ein Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen, eine Stiftung namens Fundaci√≥n Gaia Amazonas. Er legte das Programm COAMA auf, das sich um neue Wege des Umweltschutzes in Zusammenarbeit mit indigenen Gruppen bem√ľht. Die staaten√ľbergreifende Initiative CANOA ist inzwischen in Kolumbien, Brasilien und Venezuela t√§tig.

Politik

Verfassung

Kolumbien ist seit 1886 eine demokratisch verfasste Republik mit einer politisch starken Stellung des Präsidenten nach US-amerikanischem Vorbild. Die (offizielle) Charakterisierung Kolumbiens als Demokratie beruht in erster Linie auf formalen Kriterien wie regelmäßig abgehaltenen Wahlen und einer oberflächlichen institutionellen Stabilität. In qualitativer Hinsicht weist die kolumbianische Demokratie allerdings Defizite auf.

Der Pr√§sident wird direkt vom Volk f√ľr eine vierj√§hrige Wahlperiode gew√§hlt und kann ‚Äď seit einer k√ľrzlich erfolgten Verfassungs√§nderung ‚Äď einmal wiedergew√§hlt werden. Ein Vizepr√§sident hilft ihm bei den Amtsgesch√§ften. Der Pr√§sident kann das Parlament aufl√∂sen und Neuwahlen erzwingen.

Als Pr√§sidialrepublik ist Kolumbien verfassungsm√§√üig in Exekutive, Legislative und Judikative aufgeteilt. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, hei√üt Kongress und setzt sich aus dem Repr√§sentantenhaus (C√°mara de Representantes) mit 166 Sitzen und dem Senat (Senado), der Vertretung der 32 Regionen, mit 102 Sitzen zusammen. Die geltende Verfassung wurde am 5. Juli 1991 nach einem Volksentscheid verabschiedet und gilt als eine der fortschrittlichsten ‚Äď und umfangreichsten ‚Äď der Welt. Fast alle √Ąmter, vom Pr√§sidenten bis zum Abgeordneten, werden direkt vom Volk gew√§hlt. Als vollj√§hrig gilt jeder ab dem 18. Lebensjahr und nur Mitglieder der Armee und Strafgefangene d√ľrfen nicht w√§hlen. Der Pr√§sident des Senats und die Senats- und Kongressabgeordneten werden f√ľr eine Amtszeit von vier Jahren gew√§hlt.

Obgleich die Exekutive in formeller Hinsicht der Kontrolle der Judikative (Corte Suprema, Corte Constitucional, Consejo de Estado, Consejo Superior de la Judicatura) der Legislative und sogar einem Ombudsman (Defensor del Pueblo) untersteht, ist in der politischen Praxis ein starkes √úbergewicht des Pr√§sidenten zu beobachten. Der von Klientelismus und der Durchsetzung partikularer Interessen gekennzeichnete Kongress hat in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr von seiner Kontrollfunktion eingeb√ľ√üt. Aktuelle Skandale wie die sogenannte parapol√≠tica (etwa 30¬†% aller Kongressabgeordneten stehen unter dem Verdacht, die Interessen der rechtsgerichteten und illegalen Paramilit√§rs zu vertreten) haben das Vertrauen in den Kongress ersch√ľttert. √Ąhnliches gilt f√ľr die unterschiedlichen Gerichtsh√∂fe, deren Kompetenzen sich mehrfach √ľberschneiden. Dies f√ľhrt gegenw√§rtig zu einer betr√§chtlichen L√§hmung des Justizsystems, das wie alle anderen Teile der Staatsverwaltung unter Korruption und Nepotismus leidet. Infolgedessen ist die sprichw√∂rtliche Straffreiheit (impunidad) zu einem massiven innergesellschaftlichen Problem geworden. Insbesondere das 2004 erlassene Gesetz Gerechtigkeit und Frieden (Ley de Justicia y Paz) hat den weitgehenden Straferlass von mehr als 30.000 Paramilit√§rs zur Folge, unter denen sich auch zahlreiche ‚Äěgew√∂hnliche Kriminelle‚Äú verbergen.

Die verfassungsm√§√üige Stellung des Pr√§sidenten gegen√ľber dem Parlament (veto power) ist im Vergleich zu anderen Regierungssystemen der Hemisph√§re ungew√∂hnlich stark und mit der politischen Reform des Jahres 2003 noch dominanter geworden. Der ehemalige Pr√§sident, √Ālvaro Uribe V√©lez, verf√ľgte √ľber eine komfortable Mehrheit sogenannter ‚ÄěUribismo-Parteien‚Äú im Parlament, darunter der Partido de la U. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um historisch gewachsene und straff organisierte Parteien mit einer breiten Basis, sondern um Ad-hoc-Wahlb√ľndnisse. Die Anh√§nger dieser Wahlplattformen setzen sich √ľberwiegend aus Dissidenten der beiden Traditionsparteien zusammen, die zwar in der Vergangenheit eine gro√üe Anh√§ngerschaft mobilisieren konnten, jedoch ebenfalls nicht entlang sozialer Konfliktlinien entstanden sind. Von einem definitiven Ende der klassischen ‚ÄěZwei-Parteien-Herrschaft‚Äú (bipartidismo) kann daher noch keine Rede sein.

Obwohl √Ālvaro Uribe keiner Partei angeh√∂rt, ma√ügebliche Verfassungs√§nderungen vorgenommen hatte (z.¬†B. Wiederwahl) und sich als ‚ÄěPr√§sident aller Kolumbianer‚Äú gab, bleibt das entscheidende Charakteristikum des politischen Systems unver√§ndert. Noch immer bestimmen die traditionellen Eliten √ľber die Verteilung der G√ľter und die Aus√ľbung politischer Macht. Die w√§hrend des Frente Nacional (1958‚Äď62) entstandene kartellhafte Konkordanzdemokratie hat somit nur einen oberfl√§chlichen Wandel erfahren. Qualitative Demokratiekriterien wie Partizipation und Pluralismus sind hingegen nur eingeschr√§nkt verwirklicht. Die auf einer massiven Militarisierung beruhende Politik der aktuellen Regierung (seguridad democr√°ctica), gepaart mit dem Kompetenzzuwachs der Exekutive (Estado comunitario) stehen der Entwicklung einer starken Zivilgesellschaft und eines stabilen Rechtsstaates diametral entgegen. Internationale Organisationen wie Amnesty International kritisieren deswegen vor allem die negative Menschen- und B√ľrgerrechtsbilanz der gegenw√§rtigen Regierung.

Kolumbien ist Mitglied in der Union S√ľdamerikanischer Nationen, der Organisation Amerikanischer Staaten, der CELAC und der Andengemeinschaft (CAN). Im Rahmen der CAN bem√ľht sich Kolumbien um den Abschluss eines Assoziierungsabkommens mit der EU. Kolumbien ist au√üerdem Mitglied der Weltbank, der WTO, der IDB und des IWF, der G3 und den Vereinten Nationen. Beitrittsverhandlungen zum Mercosur werden gef√ľhrt. Kolumbien hat in den vergangenen Monaten erste Anstrengungen unternommen, um mit den zentralamerikanischen Staaten El Salvador, Guatemala und Honduras ein Freihandelsabkommen zu vereinbaren. Mit den USA hat Kolumbien einen bilateralen Freihandelsvertrag abgeschlossen, dessen Ratifizierung durch das nordamerikanische Parlament im Juni 2007 noch aussteht. Mit der OECD unterh√§lt Kolumbien Arbeitsbeziehungen. Am 28. April 2020 erfolgte der Beitritt zur OECD.

Die kolumbianische Nationalflagge tr√§gt die ‚Äěbolivarianischen‚Äú Farben Gelb-Blau-Rot. Das Staatswappen zeigt die Landenge von Panama, den Kondor als Wappentier sowie den Leitspruch ‚ÄěFreiheit und Ordnung‚Äú. Die kolumbianische Nationalhymne mit dem Titel ‚ÄěO unverwelklicher Ruhm‚Äú entstand Ende des ausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts. Sie wurde von Rafael N√ļ√Īez geschrieben und von dem Italiener Oreste Sindici vertont. Sie wurde im Jahr 1928 die offizielle Hymne des Landes. Bei offiziellen Anl√§ssen wird nur die erste Strophe gesungen. Als erste Hymne Kolumbiens wird allgemein ein Volkslied aus dem S√ľden des Landes ‚ÄěLa Guane√Īa‚Äú angesehen.

Staatspräsident Kolumbiens

Politische Indizes

Parteien

  • Partido Social de Unidad Nacional (uribistisch, liberalkonservativ)
  • Partido Liberal Colombiano (sozialliberal, Mitglied der Sozialistischen Internationale)
  • Partido Conservador Colombiano (konservativ)
  • Movimiento de Salvaci√≥n Nacional (konservativ)
  • Movimiento 19 de Abril (ehemalige Partei der gleichnamigen Guerillagruppe)
  • Polo Democr√°tico Independiente
  • Uni√≥n Democr√°tica
  • Uni√≥n Patri√≥tica (kommunistisch)
  • Partido Comunista de Colombia (kommunistisch)
  • Movimiento Obrero Independiente y Revolucionario
  • Alianza Verde (Gr√ľne)
  • Cambio Radical
  • Centro Democr√°tico
  • Movimiento Independiente de Renovaci√≥n Absoluta (MIRA)
  • Fuerza Alternativa Revolucionaria del Com√ļn, ehemalige FARC-Guerilla, 10 garantierte Sitze im Kongress laut Friedensvertrag von 2017, dies trotz W√§hleranteil von unter einem Prozent.

Wahlbetrug

In einigen Regionen des Landes ist die Praxis des Stimmenkaufs verbreitet. Die Misi√≥n de Observaci√≥n Electoral (Mission der Wahlbeobachtung) gab an, dass bewaffnete Gruppen, die aus ehemaligen Paramilit√§rs entstanden sind, die Bev√∂lkerung zur Stimmenabgabe zugunsten von Kandidaten bewegen, wobei die Praxis der erzwungenen Stimmabgabe inzwischen h√§ufig einem aus Drogengeldern finanzierten Stimmenkauf gewichen ist; bei den Parlamentswahlen 2010 in einem Ausma√ü und in einer Offenheit wie nie zuvor. Eine Stimme kann je nach Region von 10 bis 70 Dollar kosten. Laut einer Umfrage von Gallup haben sieben Prozent der W√§hler irgendwann f√ľr Geld, Beg√ľnstigungen oder Versprechen ihre Stimme verkauft und 22 Prozent haben ein solches Angebot erhalten. Auch die Guerilla beteiligen sich in den von ihnen umk√§mpften Gebieten am Stimmenkauf.

Außenpolitik

Ein Schwerpunkt der kolumbianischen Au√üenpolitik ist die regionale Integration. Ein besonders enges Verh√§ltnis unterh√§lt Kolumbien zu den Partnerl√§ndern der Pazifik-Allianz (Chile, Peru und Mexiko), die in kurzer Zeit deutliche Integrationsfortschritte und eine Vertiefung der gegenseitigen Beziehungen erzielt hat. Kolumbien ist dar√ľber hinaus Mitglied der Andengemeinschaft (CAN), der Vereinigung Karibischer Staaten (AEC) und der Union S√ľdamerikanischer Staaten (UNASUR).

Mit dem Ziel einer verst√§rkten regionalen Zusammenarbeit hat die Regierung Santos das Verh√§ltnis zu den Nachbarstaaten deutlich verbessert. Das Verh√§ltnis zu Venezuela hat sich allerdings seit Mitte 2015 wieder erheblich eingetr√ľbt, messbar an der √ľber einj√§hrigen Schlie√üung der Grenze. Erst im August 2016 wurde die Landgrenze zu Venezuela wieder ge√∂ffnet, wobei es nach wie vor zu sporadischen Grenzschlie√üungen durch die venezolanische Regierung kommt. Anfang 2019 brach Venezuela die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien schlie√ülich ab.

Die Vereinigten Staaten sind ein wichtiger Verb√ľndeter Kolumbiens. Kolumbien geh√∂rt zu den amerikafreundlichsten Staaten Lateinamerikas. Beide L√§nder haben im Oktober 2011 ein gemeinsames Freihandelsabkommen unterzeichnet. Der asiatisch-pazifische Raum ist au√üerdem f√ľr Kolumbien politisch und wirtschaftlich zunehmend von Interesse.

Recht

Menschenrechte

Seit Jahrzehnten schwelt in Kolumbien ein bewaffneter Konflikt zwischen linksgerichteten Guerillatruppen, rechtsgerichteten Paramilit√§rs und der regul√§ren kolumbianischen Armee. S√§mtliche beteiligte Parteien machten und machen sich schwerster Menschenrechtsverletzungen schuldig. Die Opfer stammen mehrheitlich aus der Zivilbev√∂lkerung. Besonders gef√§hrdet sind Angeh√∂rige indigener Volksgruppen, Afro-Kolumbianer und Kleinbauern, welche in Gebieten leben, die f√ľr die Konfliktparteien von besonderem strategischem oder √∂konomischem Interesse sind. Millionen Menschen wurden w√§hrend dieses Konflikts aus ihren Heimatorten gewaltsam vertrieben. Auch Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Gewerkschafter, Sprecher von Opferverb√§nden sowie Opfer paramilit√§rischer Organisationen, die die Restitution ihres Landbesitzes oder Entsch√§digung fordern, sind besonders gef√§hrdet.

Im Fall von Vertreibungen wird den Opfern häufig vom Staat die Anerkennung als Vertreibungsopfer verweigert. Demzufolge gehen auch die offiziellen Zahlen und jene von Nichtregierungsorganisationen stark auseinander. Gemäß der staatlichen Registrierungsstelle Registro Único de Víctimas wurden von 1996 bis 2012 etwas mehr als 4,7 Millionen Menschen vertrieben, während die Nichtregierungsorganisation CODHES zwischen 1985 und 2012 von mehr als 5,7 Millionen ausgeht.

Die kolumbianische Regierung hatte 2005 ein Gesetz f√ľr ‚ÄěGerechtigkeit und Frieden‚Äú (justicia y paz) erlassen, das den Grundstein f√ľr den Reintegrationsprozess der Demobilisierten und die Entsch√§digung ihrer Opfer bilden sollte. Die Erfolge sind jedoch mager.

Der Vertreter des UN-Hochkommissariats f√ľr Menschenrechte in Kolumbien, Christian Salazar, erkl√§rte das Verschwindenlassen von Menschen zu einem der ‚Äěschwersten Menschenrechtsverbrechen‚Äú. In den letzten 30 Jahren seien in Kolumbien mehr als 57.200 Menschen verschwunden, von denen nur 15.600 auf offiziellen Opferlisten auftauchten, obwohl die Generalstaatsanwaltschaft wahrscheinlich sogar √ľber mehr als 26.500 F√§lle von Verschwundenen informiert worden sei.

Menschenrechtsverletzungen durch Guerillas und Drogenkartelle

Sowohl die Revolution√§ren Streitkr√§fte Kolumbiens (FARC) als auch die Nationale Befreiungsarmee (ELN) begingen laut Human Rights Watch im Jahr 2010 weiterhin mehrfach schwere Verst√∂√üe gegen die Menschenrechte der Zivilbev√∂lkerung und das internationale V√∂lkerrecht. Insbesondere die FARC sind h√§ufig f√ľr Morde, Bedrohungen, gewaltsame Vertreibung, die Rekrutierung von Kindersoldaten und Geiselnahmen verantwortlich zu machen. Die Regierung sch√§tzt die Anzahl der rekrutierten Kinder, durch FARC, ELN und das Drogenkartell Clan del Golfo in den Jahren von 2000 bis 2020 auf 14.000.

Sowohl die FARC als auch die ELN benutzen weiterhin die international geächteten Anti-Personen-Landminen, denen sowohl Sicherheitskräfte als auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer fielen.

Menschenrechtsverletzungen durch Paramilitärs und deren Nachfolger

Seit 2003 sollen 30.000 Angeh√∂rige paramilit√§rischer Gruppen demobilisiert worden sein. Jedoch gibt es starke Hinweise daf√ľr, dass viele von ihnen entweder keine Paramilit√§rs waren oder dem bewaffneten Kampf nicht abschworen. Viele angeblich demobilisierte Truppen setzten ihre Aktionen unter neuer F√ľhrung, meist aus dem ehemaligen mittleren Kommando, fort, um die Kontrolle √ľber zahlreiche Gebiete zu erhalten. Terrorakte gegen Zivilisten werden dabei sehr h√§ufig angewandt. Laut Angaben der kolumbianischen Polizei hatten diese Organisationen im Juli 2010 rund 7350 Mitglieder. Die NGO Instituto de Estudios para el Desarrollo y la Paz (Institut f√ľr Studien der Entwicklung und des Friedens) sch√§tzte die Zahl der bewaffneten K√§mpfer jedoch auf rund 6000, die sich auf 29 der insgesamt 32 Departamentos Kolumbiens ausgebreitet h√§tten. Die Unterst√ľtzung durch offizielle Sicherheitseinheiten ist ein Hauptgrund f√ľr das Wiedererstarken der Nachfolgeorganisationen.

Ebenso wie die ehemaligen Paramilit√§rs sind deren Nachfolger f√ľr Drogenhandel, Zwangsrekrutierungen, weit verbreiteten Missbrauch, wie Morde, Massaker, Vergewaltigungen und gewaltsame Vertreibung verantwortlich. Nach Angaben der kolumbianischen Regierung waren die Bacrim genannten Erben der Paramilit√§rs f√ľr 47¬†Prozent der 15.400 im Jahr 2010 begangenen Morde in Kolumbien verantwortlich.

Kolumbiens Oberster Gerichtshof hat in den letzten Jahren gro√üe Fortschritte bei der Aufarbeitung der Verbindungen zwischen Kongressmitgliedern und Paramilit√§rs gemacht. Im Zuge des sogenannten ‚ÄěParaskandals‚Äú wurden Untersuchungen bei bis zu 150 Kongressmitgliedern eingeleitet, die meisten davon aus der Koalition von Ex-Pr√§sident √Ālvaro Uribe. Letztendlich wurden 20 Anklagen erhoben. Uribes Regierung hatte entsprechende Untersuchungen regelm√§√üig versucht zu sabotieren, unter anderem mit √∂ffentlichen oder pers√∂nlichen Attacken gegen Mitglieder des Obersten Gerichts. Der neue Pr√§sident Santos versprach die Achtung der Unabh√§ngigkeit der Gerichte.

Ein Gesuch der kolumbianischen Koalition gegen Folter (CCCT), das Fakultativprotokoll zum √úbereinkommen gegen Folter zu ratifizieren, wurde von der kolumbianischen Regierung abgelehnt. Die Ratifizierung w√ľrde es unabh√§ngigen internationalen Organisationen erm√∂glichen, Inspektionen von Haftorten durchzuf√ľhren. Die Ablehnung wurde damit begr√ľndet, dass das Protokoll in Kolumbien unn√∂tig sei, weil verschiedene Mechanismen auf allen staatlichen Ebenen existierten, die Folterungen verh√ľteten.

Kolumbianisches Militär und Straflosigkeit

Den Sicherheitskr√§ften wird vorgeworfen, zwischen 1981 und 2012 insgesamt 2.399 Menschen ermordet zu haben. Die meisten bekannten illegalen Hinrichtungen fanden zwischen 2006 und 2008 statt, als Juan Manuel Santos Verteidigungsminister war. Darunter befanden sich die sogenannten ‚ÄěFalsch Positiven‚Äú (falsos positivos), Zivilisten, die ermordet und in Uniformen der FARC gesteckt wurden, um ein von der Regierung ausgelobtes Kopfgeld f√ľr jeden get√∂teten FARC-K√§mpfer zu erhalten. Nachdem die Zahl der illegalen Hinrichtungen durch Milit√§rangeh√∂rige im Jahr 2009 stark abgenommen hatte, gab es im Jahr 2010 nach Angaben der kolumbianischen Nichtregierungsorganisation CINEP wieder 58¬†Prozent mehr F√§lle und 70¬†Prozent mehr Opfer als im Jahr 2009. Damals waren es sieben F√§lle mit 16 Opfern, w√§hrend 2010 zw√∂lf F√§lle mit 23 Opfern registriert wurden. Im Unterschied zu fr√ľher w√ľrden die Opfer nun nicht mehr als Guerilla-K√§mpfer pr√§sentiert, sondern als Verbrecher. Zwischen 2001 und 2010 habe es insgesamt 887 au√üergerichtliche Hinrichtungen, au√üerdem F√§lle von Folter, Vertreibung und anderen Straftaten durch offizielle Einheiten von Polizei oder Milit√§r gegeben. Ermittlungen fanden zu 3600 F√§llen statt. Seitens der Milit√§rjustiz werden entsprechende Untersuchungen h√§ufig behindert, indem man sich weigert, entsprechende F√§lle an normale Zivilgerichte abzugeben.

Gewalt gegen Gewerkschafter

Kolumbien gilt als eines der gef√§hrlichsten L√§nder f√ľr Gewerkschafter. Von 1997 bis 2010 z√§hlte die Nichtregierungsorganisation f√ľr Arbeiterrechte ENS 2800 Morde, zumeist ausgef√ľhrt von paramilit√§rischen Gruppen. Zwar ist die Zahl in letzter Zeit gesunken, jedoch wurden auch zwischen 2007 und 2009 j√§hrlich zwischen 39 und 52 F√§lle berichtet.

Menschenrechtsaktivisten

Menschenrechtsverteidiger sind regelmäßig Ziel von Bedrohungen oder körperlichen Angriffen. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2010 wurden sieben Aktivisten getötet und 51 waren ernsthaften Bedrohungen ausgesetzt. Zwischen Juli und dem 15. Oktober 2010 wurden gemäß kolumbianischer und internationaler NGOs 30 Menschenrechtsverteidiger und Sozialarbeiter getötet.

Illegales Abhören

Im Februar 2009 deckte die meistgelesene kolumbianische Zeitschrift Semana (Woche) einen Abh√∂rskandal auf, in den der kolumbianische Geheimdienst DAS verwickelt war. Dabei wurde jahrelang die Tele- und elektronische Kommunikation von einer Vielzahl von Angeh√∂rigen verschiedener zivilgesellschaftlicher Gruppen, darunter Journalisten, Oppositionspolitiker und Richter des Obersten Gerichtshofs √ľberwacht. Ziel des Geheimdienstes, der bis in h√∂chste Regierungskreise um das B√ľro von √Älvaro Uribe berichtete, waren Todesdrohungen und Schmutzkampagnen.

Militär

Die Kolumbianischen Streitkr√§fte gliedern sich in das Heer (Ej√©rcito Nacional de Colombia), die Marine (Armada Nacional), die Luftwaffe (Fuerza A√©rea Colombiana) und die Bundespolizei (Polic√≠a Nacional de Colombia). In Kolumbien herrscht f√ľr M√§nner eine allgemeine Wehrpflicht von 12 bis 22 Monaten. Frauen k√∂nnen sich freiwillig f√ľr den Dienst an der Waffe entscheiden. In der Praxis wird die Wehrpflicht jedoch h√§ufig unterlaufen (es gibt gesetzliche Ausnahmen: ‚ÄěBachilleres‚Äú, Studenten, Einzelkinder usw.), weswegen sich die Streitkr√§fte fast ausschlie√ülich aus den unteren Schichten rekrutieren. Aufgrund dieser sozialen Ungerechtigkeit hat Pr√§sident √Ālvaro Uribe angek√ľndigt, langfristig eine Berufsarmee einzuf√ľhren.

Die Streitkr√§fte unterstehen direkt dem Pr√§sidenten, der Oberbefehlshaber ist. Nach dem Amtsantritt von Pr√§sident Uribe (2002) hat sich die Zahl der Soldaten um mehr als die H√§lfte erh√∂ht. Dienten 2001 noch ca. 190.000 Mann als Soldaten, so dienen in allen Bereichen gegenw√§rtig ca. 250.000 Soldaten. Im Rahmen der Politik der ‚Äědemokratischen Sicherheit‚Äú soll sich diese Zahl bis zum Jahr 2010 auf ca. 270.000 Soldaten erh√∂hen. Hinzu kommen etwa 150.000 Polizisten, von denen ein Teil jedoch zur Milit√§rpolizei geh√∂rt.

F√ľr das Jahr 2008 plant die Regierung Kolumbiens 5¬†% des BIP im milit√§rischen Sektor zu verwenden, womit der BIP-Anteil der Milit√§rausgaben der USA (4,06¬†%, 2005) √ľbertroffen w√§re. Mit einem Budget im Jahr 2007 von 13,9 Mrd. US$ (6,3¬†% des BIP) liegt Kolumbien hinter dem wesentlich gr√∂√üeren Brasilien auf dem zweiten Platz in ganz S√ľdamerika, die Milit√§rausgaben betreffend, was sich aber auch durch die fortw√§hrende Pr√§senz der aggressiv agierenden Guerillabewegungen erkl√§rt. In den Jahren 2010 bis 2013 lagen die Milit√§rausgaben bei zwischen 3,1 und 3,6¬†% des Bruttoinlandsproduktes.

Der Plan Colombia legitimiert die Streitkr√§fte, auch polizeiliche Aufgaben zu erf√ľllen, speziell im ‚ÄěKrieg gegen Drogen‚Äú.

Administrative Gliederung

Zwischen 1861 und 1886 war Kolumbien eine Bundesrepublik und bestand aus den neun Bundesstaaten Antioquia, Bol√≠var, Boyac√°, Cauca, Cundinamarca, Magdalena, Panam√°, Santander und Tolima. 1886 wurden die Bundesstaaten aufgel√∂st und durch 23 Departamentos ersetzt. Im fr√ľhen 20. Jahrhundert wurden weitere vier Intendencias und f√ľnf Comisar√≠as zur Verwaltung der d√ľnnbesiedelten Urwaldgebiete am Amazonas eingerichtet. 1991 wurden s√§mtliche Intendencias und Comisar√≠as in regul√§re Departamentos umgewandelt.

Kolumbien ist politisch in 32 Departamentos und einen Hauptstadtdistrikt (Distrito Capital) unterteilt. Jedes Departamento hat einen Gouverneur (gobernador) und einen Departementsrat (asamblea departamental), die alle vier Jahre vom Volk gew√§hlt werden. Der Gouverneur kann nicht f√ľr eine unmittelbar folgende Regierungszeit wiedergew√§hlt werden. Die Departamentos sind weiter in 1121 Gemeinden (municipios) oder gemeinde√§hnliche Verwaltungseinheiten (corregimientos departamentales abgek√ľrzt: C.D.) eingeteilt, die von einem volksgew√§hlten B√ľrgermeister (Alcalde) und einem Gemeinderat (Consejo Municipal) regiert werden.

Zehn Gemeinden gelten wegen ihrer besonderen Stadtstruktur als Distrikte (Distritos), sie werden ebenfalls von einem B√ľrgermeister und einem Rat des Distrikts (Consejo Distrital) geleitet:

  • Bogot√° ist als Bundesdistrikt eine Ausnahme und ist weiterhin vom Departamento Cundinamarca abh√§ngig.
  • Barranquilla bildet offiziell den Spezial-, Industrie- und Hafendistrikt Barranquilla (Distrito Especial, Industrial y Portuario de Barranquilla kurz: Distrito Barranquilla).
  • Santa Marta (Distrito Tur√≠stico, Cultural e Hist√≥rico de Santa Marta)
  • Cartagena (Distrito Tur√≠stico y Cultural de Cartagena de Indias)
  • 2007 wurden C√ļcuta, Popay√°n, Tunja, Buenaventura, Turbo und Tumaco ebenfalls zu besonderen Distrikten erkl√§rt.

Liste der Departamentos, deren jeweilige Hauptstadt in Klammern:

Die Departamentos finden sich auch in den kolumbianischen Postleitzahlen wieder. Sie sind in den ersten beiden von sechs Ziffern kodiert.

Infrastruktur

Seit der neuen Verfassung von 1991 sind die staatlichen Investitionen in die Infrastruktur zur√ľckgegangen, die privaten dagegen angestiegen. Dadurch ist die Beteiligung des Privatsektors in Infrastrukturprojekte des Transportes, Strom und Wasserversorgung rasant gestiegen. Seit 1994 werden Teile des Fernstra√üennetzes in Konzession an Privatunternehmer vergeben, die bis dato dadurch 10¬†% bis 15¬†% des Stra√üennetzes verwalten. Diese Strecken werden √ľber eine Maut finanziert.

Straßenverkehr

Zusammen mit dem 112.998¬†km-Stra√üennetz, von denen nur ca. 26.000¬†km asphaltiert sind, besitzt Kolumbien daher eine der schlechtesten Verkehrsinfrastrukturen S√ľd- und Mittelamerikas. Der Stra√üenausbau liegt mit etwa 100¬†m/km¬≤ unter dem lateinamerikanischen Durchschnitt von 118¬†m/km¬≤.

Eine der Hauptverbindungsstra√üen ist die Panamericana, die von Alaska bis S√ľd-Chile f√ľhrt und Nordamerika mit S√ľdamerika verbindet. Im Urwaldgebiet des Dari√©n, im Grenzgebiet zwischen Panama und Kolumbien, befindet sich jedoch eine Unterbrechung, der sogenannte Tap√≥n del Dari√©n (auch unter dem englischen Namen Darien Gap bekannt), die bisher noch nicht geschlossen wurde ‚Äď unter anderem aus seuchenhygienischen Gr√ľnden und zum Schutz des dortigen Regenwaldgebiets.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Großprojekte in Angriff genommen, darunter ein Tunnel im Raum Armenia und Ibagué unter der Zentralkordillere hindurch, um Bogotás Verbindung nach Cali und weiter zum Pazifikhafen Buenaventura zu verbessern.

Der Straßenverkehr des Landes gilt als unsicher. 2013 kamen in Kolumbien insgesamt 16,8 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Insgesamt kamen damit 8100 Personen im Straßenverkehr ums Leben.

Busverkehr

Das Busnetz ist im ganzen Land, wie auch in der Hauptstadt, in privater Hand und kann un√ľbersichtlich erscheinen. Auch das in der Hauptstadt angesiedelte TransMilenio-System wird privat betrieben, unterliegt jedoch st√§rkerer staatlicher Kontrolle. Dieses ist eher mit einer U-Bahn vergleichbar, denn die Fahrbahnen werden ausschlie√ülich f√ľr den TransMilenio-Busverkehr benutzt. Vergleichbare Bussysteme sind in den meisten gro√üen St√§dten eingef√ľhrt worden (z.¬†B. Masivo Integrado de Occidente). Zwischen den St√§dten und D√∂rfern ist die g√§ngigste Verkehrsart der √úberlandbus. Verschiedene Busunternehmer bieten eine Vielzahl an Komfort- und Preisklassen an. Busbahnh√∂fe sind in fast jeder Stadt vorhanden. Im Stadtverkehr gibt es au√üerhalb des TransMilenio-Systems kaum Bushaltestellen. Der Bus h√§lt fast √ľberall auf Zuruf.

Schienenverkehr

Kolumbien besitzt ein 3304¬†km langes Schienennetz in 914¬†mm-Spur sowie ein 150¬†km langes Normalspurnetz zum Kohletransport von El Cerrej√≥n zum Hafen Puerto Bol√≠var. Der Personenverkehr auf der Schiene beschr√§nkt sich auf drei kurze touristische Strecken im Raum Bogot√°. Das Pazifik-Netz vom Hafen Buenaventura √ľber Cali nach Zarzal und Armenia wird zurzeit modernisiert. In Medell√≠n gibt es mit der Metro de Medell√≠n au√üerdem ein modernes Schnellbahnsystem (mit Oberleitung).

Schiffsverkehr

Ein Gro√üteil des kolumbianischen Im- und Exports Kolumbiens wird √ľber gro√üe Seeh√§fen abgewickelt, die √ľber moderne Containerterminals verf√ľgen. Von gr√∂√üerer Bedeutung sind die H√§fen von Barranquilla (Karibik), Buenaventura (Pazifischer Ozean), Cartagena (Karibik), Muelles El Bosque, Puerto Bolivar (Karibik), Santa Marta (Karibik) und Turbo (Karibik).

Luftverkehr

Der größte Flughafen Kolumbiens ist der Aeropuerto Internacional El Dorado in der Hauptstadt, der derzeit ausgebaut wird. Ein zweiter noch größerer Flughafen, Eldorado II, nordwestlich von El Dorado wurde beschlossen und ist derzeit in Planung bzw. im Bau. Über das ganze Land sind zusätzlich viele kleine Regionalflughäfen verteilt, die Zahl der Flughäfen wird auf 980 geschätzt.

Telekommunikation

Es sind etwa 26 Millionen Festnetztelefone in Betrieb. Der zweitgr√∂√üte Telekommunikationskonzern in Kolumbien ist TELECOM, der gr√∂√üte ist ETB (Empresa de Tel√©fonos de Bogot√°), der gr√∂√üte Anbieter von Internet- und Mobilfunkdiensten in Kolumbien. COMCEL, Movistar und Tigo und weitere zum Teil lokale Anbieter betreiben heute ein nahezu fl√§chendeckendes Netz f√ľr die Mobiltelefonie.

Offiziell senden 413 Mittelwellen- und 217 UKW-Radiosender. Es gibt ca. 10,5 Millionen Fernsehempfänger.

Im Jahr 2019 nutzten 65 Prozent der Einwohner Kolumbiens das Internet.

Postwesen

Das Postwesen wurde bereits w√§hrend der spanischen Kolonialzeit eingef√ľhrt, ab 1859 gab es kolumbianische Briefmarken.

Elektrizitätsversorgung

Laut der Unidad de Planeación Minero Energética (UPME) betrug die installierte Leistung der Kraftwerke in Kolumbien im Jahre 2014 14.620 MW, davon entfielen auf Wasserkraftwerke 9913 MW (67,8 %), auf Gaskraftwerke 3909 MW (26,7 %) und auf sonstige kalorische Kraftwerke 701 MW (4,8 %). Insgesamt wurden im Jahre 2013 62,197 Mrd. kWh erzeugt, davon 41,836 Mrd. (67 %) durch Wasserkraftwerke und 16,839 Mrd. (27 %) durch kalorische Kraftwerke. Im Jahre 2011 lag Kolumbien mit 61,82 Mrd. kWh bzgl. der Erzeugung an Stelle 45 in der Welt.

Wirtschaft

Volkswirtschaftliche Lage

Kolumbiens Wirtschaft w√§chst seit den 1990er Jahren kontinuierlich und stellt damit in S√ľdamerika den gr√∂√üten Wachstumsmarkt nach Chile dar. In den vergangenen 20 Jahren wurden die Konsumg√ľter- und die Grundstoffindustrie verst√§rkt ausgebaut. Heute spielen die Nahrungsmittel- und die Textilindustrie die gr√∂√üte Rolle.

Kolumbien wird im Allgemeinen ein großes ökonomisches Potential zugeschrieben. Das liegt unter anderem an der fortgeschrittenen Industrialisierung und an der großen Menge an Rohstoffen.

In einem Ranking der unternehmerfreundlichsten L√§nder der Welt, welches von der Weltbank-Tochter International Finance Corporation erstellt wurde, besetzte Kolumbien 2009 nach St. Lucia und vor Aserbaidschan den 37. Platz (Platz 1 Singapur) und gilt demnach als ein positives Beispiel f√ľr finanzielle Stabilit√§t und Marktreformen.

Ein gro√üer Teil der kolumbianischen Wirtschaft wird direkt oder indirekt vom Anbau und der Produktion von illegalen Drogen beeinflusst. Die Hilfsorganisation Brot f√ľr die Welt berichtete im Jahr 2009, dass rund 70¬†% der weltweiten Kokainproduktion auf Kolumbien entf√§llt. So bauen Bauern insbesondere Koka, aber auch Schlafmohn an, da sie sich so ein besseres Einkommen versprechen als bei der Produktion von Nahrungsmitteln oder Kaffee; und der Druck der Drogenkartelle erm√∂glicht es den Kokabauern oft auch nicht, auf legale Waren umzuschwenken.

Die Arbeitslosenrate liegt 2017 bei 10,5¬†%. 2011 arbeiteten 17¬†% aller Arbeitskr√§fte in der Landwirtschaft, 62¬†% im Dienstleistungssektor und 21¬†% in der Industrie. Ein gro√üer Teil der Arbeitspl√§tze ist informell. Die Gesamtzahl der Besch√§ftigten wird f√ľr 2017 auf 25,8 Millionen gesch√§tzt, davon 42,9¬†% Frauen.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Kolumbien Platz 66 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 37 von 180 L√§ndern.

Nach tagelangen Protesten trat Alberto Carrasquilla ‚Äď welcher auch im Vorstand der Banco de la Rep√ļblica (Zentralbank) sitzt ‚Äď Anfang Mai 2021 als Wirtschaftsminister zur√ľck.

Beschäftigung

Das Hauptproblem der kolumbianischen Wirtschaft ist die Arbeitslosigkeit. Gem√§√ü offiziellen Statistiken gibt es in Kolumbien 2,85 Millionen Arbeitslose (Januar 2017). Personen, die unter Unterbesch√§ftigung leiden oder einen so geringen Lohn erhalten, dass er nicht zur Deckung der elementaren Bed√ľrfnisse ausreicht, sind jedoch in dieser Zahl nicht ber√ľcksichtigt. Das Resultat dieser steigenden Arbeitslosigkeit ist eine stetige Zunahme der Armut in Kolumbien. Ein weiteres ernstes Problem ist die Korruption, die sowohl die staatliche Verwaltung als auch den Privatsektor betrifft.

Außenhandel

Kolumbien hat Freihandelsabkommen mit mehr als einem Dutzend L√§ndern unterzeichnet oder verhandelt; Das Freihandelsabkommen Kolumbien ‚Äď USA ist im Mai 2012 in Kraft getreten. Die USA und Kolumbien haben von der FTA profitiert, aber Kolumbiens F√§higkeit, vollen Nutzen aus seinem verbesserten Zugang zu den amerikanischen M√§rkten zu nehmen, ist weiterhin durch den Mangel an Exportdiversifizierung eingeschr√§nkt.

Die Diversizierung der kolumbianischen Wirtschaft ist immer noch nicht zufriedenstellend. Inzwischen spielt der Kaffee eine zwar wichtige aber mit rund 15¬†% der Exporterl√∂se nur noch untergeordnete Rolle. Mit der Globalisierung der Wirtschaftswelt sind andere Produkte in den Vordergrund ger√ľckt wie Bananen, Schnittblumen, Smaragde, exotische Fr√ľchte, Zuckerrohr und Zucker, Tabak, Reis, Industrieprodukte, Mode- und Designerartikel, Bekleidung, Textilien, Lederwaren, Chemikalien, Lebensmittel, Erd√∂l, Erdgas und Erd√∂lderivate, Steinkohle und Kohlederivate, Gold und Nickel. Wichtigste Einfuhrg√ľter sind Kraftfahrzeuge, Ausr√ľstungen f√ľr die Telekommunikation, chemische Produkte und Vorprodukte, Eisen- und Stahlprodukte, Papier und Karton, Polyethylen und Agrarerzeugnisse.

Das Land steht an 17. Stelle bei Exporten landwirtschaftlicher Produkte in die USA.

Bedeutendster Handelspartner sind die USA, die 40 % der gesamten Exporte abnehmen. Zweitwichtigster Handelspartner sind die Staaten der Andengemeinschaft, gefolgt von der Europäischen Union. Haupthandelspartner des Landes sind in Lateinamerika: Venezuela, Mexiko, Ecuador, Brasilien, Chile und Argentinien. Auch der Handel mit der Volksrepublik China gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Im Dezember 2012 hat das Europ√§ische Parlament ein Freihandelsabkommen mit Kolumbien und Peru ratifiziert, das den Handel zwischen Europa und den beiden lateinamerikanischen Staaten erleichtern soll. Umweltorganisationen wie Rettet den Regenwald kritisieren jedoch, dass das Abkommen keine verbindlichen Umwelt- und Menschenrechtsstandards enth√§lt. Ein Gutachten der EU legt dar, dass ohne solche Richtlinien der Freihandelsvertrag die Wasserqualit√§t und die Artenvielfalt in Kolumbien und Peru gef√§hrdet sowie die Zerst√∂rung empfindlicher √Ėkosysteme nach sich zieht. Vorteile f√ľr Kolumbien sind:

  • Bis zu 62.000 Tonnen Zucker d√ľrfen zollfrei in die EU exportiert werden. 3-%-Wachstum dieser Quote pro Jahr.
  • Produkte die aus Zucker erstellt sind, d√ľrfen bis zu 20.000 Tonnen in die EU exportiert werden. Auch hier gilt ein 3-%-Wachstum dieser Quote pro Jahr.
  • Ethanol und Biodiesel, ger√∂steter Kaffee, Palm√∂l, Tabak d√ľrfen zollfrei exportiert werden.
  • Blumen d√ľrfen in unbegrenzter Menge exportiert werden.
  • Fr√ľchte und Gem√ľse d√ľrfen gro√üteils zollfrei vermarktet werden. Bei Bananen reduziert sich der Zolltarif auf ‚ā¨ 148 und bis 2020 weiter bis auf ‚ā¨ 75 pro Tonne.
  • Bis zu 5600 Tonnen Fleisch d√ľrfen exportiert werden. 10-%-Wachstum dieser Quote pro Jahr.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 84,2 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 76,0 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 2,0¬†% des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2016 47,6 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 7,3¬†%
  • Bildung: 4,7¬†%
  • Milit√§r: 3,4¬†% (2005)

Wirtschaftskennzahlen

Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt und Außenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaßen:

Kultur

Die gro√üe Fl√§che des Landes, die Kolonisation durch die Spanier und die geografische Abgeschiedenheit einiger Regionen lassen es nicht zu, von einer einheitlichen kolumbianischen Kultur zu sprechen. Die Regionen des Landes haben sich √ľber die Jahrzehnte unterschiedlich entwickelt und wurden durch Zuwanderung aus Europa und Arabien ebenso wie durch eingeschleppte Sklaven aus Afrika und Arabien beeinflusst. Seit der Kolonialisierung kann die christliche katholische Religion in gewisser Weise als ein verbindendes Merkmal gewertet werden, da √ľber 90¬†% der Bev√∂lkerung katholisch getauft sind. Viele der folgenden Merkmale einzelner Subkulturen in Kolumbien sind vergleichbar mit denen anderer s√ľd- und mittelamerikanischer Staaten.

Feiertage

K√ľche

Die kolumbianische K√ľche ist, der Geografie des Landes entsprechend, sehr vielf√§ltig mit starken regionalen Unterschieden. Gemeinsamer Nenner ist dabei die Bedeutung von Reis, Kartoffeln, Bohnen und Kochbananen. In den K√ľstentiefl√§ndern dominiert der Fisch als Hauptspeise, w√§hrend in den Hochl√§ndern eher deftige Speisen wie der Ajiaco-Eintopf pr√§gend sind.

Architektur

Auch die kolumbianische Architektur hat bedeutende Beitr√§ge geliefert. Neben den herausragenden Bauten der Kolonialzeit, die sich in St√§dten wie Cartagena oder Mompox erhalten haben, sind auch Bauwerke j√ľngeren Datums zu nennen. Der Name Rogelio Salmona steht besonders f√ľr die Bauten der Moderne, die das Gesicht vieler kolumbianischer Gro√üst√§dte pr√§gen.

Regionale Kulturen

Kultur der Paisas

Das Wort Paisa stammt sicherlich von dem Wort paisano (Landmann) ab, gilt aber in Kolumbien als Beschreibung einer Subkultur derer, die aus den Departamentos Antioquia, Caldas, Quindío, Risaralda, dem Norden des Valle del Cauca und Nordosten des Tolimas stammen.

Der Paisa gilt als produktiv, aktiv, sparsam und unternehmerisch, was aber durchaus aus einer Vielzahl von Vorurteilen stammen könnte. Auf Grund der geografischen Lage, die sehr bergig ist, waren die Paisas während der Conquista sehr unabhängig von der Kultur der Spanier und den Nachbargebieten. Auch diese Subkultur ist durch einen eigenen Akzent geprägt, der sich durch die Eigenart des Voseo, eine unterschiedliche Art im Spanischen zu Duzen, kennzeichnet.

Kultur der Cale√Īos

Die Cale√Īos kommen aus der Region des Cauca Tals. Sie sind ein fr√∂hlicher Menschenschlag, deren Leben vom Salsa tanzen zur Musik des Salsa dominiert wird. Die Fiesta auf dem Sals√≥dromo ist weltber√ľhmt und zieht Tausende Besucher an. Die Bev√∂lkerung ist bekannt langsam zu sprechen und sich Zeit zu nehmen. Statt Pan (Brot) sagen sie Pam. Deshalb wird von den dort lebenden Einwohnern z.¬†B. in allen Fernsehimitationen oder Radioparodien ‚Äěde huev√≥m‚Äú gesprochen, was so viel bedeutet wie ‚Äědumme Person, die jeder ausnutzt oder eine Gelegenheit nicht ausnutzt‚Äú.

Kultur der Coste√Īos

Als Coste√Īo wird eine Person aus der karibischen K√ľstenregion Kolumbiens genannt, die meistens afrikanischer Abstammung ist. Die Coste√Īos werden als fr√∂hliches und lautes Volk charakterisiert. Besonders ausgepr√§gt ist diese Subkultur in den Gebieten um die St√§dte Cartagena, Barranquilla und Santa Marta. Die f√ľr diese Gegend √ľblichen Nahrungsmittel Bananen, Kokosnuss, Reis und Fisch sind f√ľr die Coste√Īos kennzeichnend. Deren Akzent wird dadurch erkannt, dass das ‚Äös‚Äė am Ende des Wortes nicht ausgesprochen wird und unterdr√ľckt wird, wenn ein Konsonant darauf folgt (Beispiel: cohta anstatt costa).

Kultur der Llaneros

Die Llaneros kommen aus den tropischen Savannen um den Orinoko-Fluss. Seit der Teilung von Kolumbien und Venezuela 1830 ist die Kultur weitgehend dieselbe geblieben.

Kunst allgemein

Kolumbien r√ľhmt eine lange Geschichte der K√ľnste, die bis in die pr√§kolumbischen Zeiten zur√ľckgeht. Bekannt sind aus diesen Zeiten Goldfiguren, Schmuck und Tonarbeiten. In der Hauptstadt Bogot√° sind im Goldmuseum viele dieser St√ľcke zu bewundern, weil es das gr√∂√üte der Welt ist. Ein Gro√üteil der Kunstst√ľcke ist aber seit der Entdeckung, erst durch die Entdecker und dann durch Grabr√§uber, verschwunden. Die diversen Volksgruppen stellen weiterhin unterschiedlichste Arten von Kunst her, unter anderem die handgewebten Handtaschen (Mochilas) und H√§ngematten der Guajiros.

Zu den bekanntesten kolumbianischen K√ľnstlern des 20. Jahrhunderts z√§hlen √ďmar Rayo, Enrique Grau, Fernando Botero und Alejandro Obreg√≥n. Weitere herausragende K√ľnstler der vergangenen Jahrzehnte sind Edgar Negret, Eduardo Ram√≠rez Villamizar, Rodrigo Arenas Betancourt, Doris Salcedo sowie die deutschst√§mmigen Guillermo Wiedemann und Leopold Richter.

Literatur

Bekanntester kolumbianischer Schriftsteller ist der Literaturnobelpreistr√§ger Gabriel Garc√≠a M√°rquez, der mit Werken wie Hundert Jahre Einsamkeit oder Die Liebe in den Zeiten der Cholera Weltruhm erlangt hat. Andere ber√ľhmte Schriftsteller sind Jorge Isaacs, √Ālvaro Mutis, Tom√°s Carrasquilla, Fernando Vallejo und Jos√© Eustasio Rivera. Weltbekannte Dichter sind Jos√© Asunci√≥n Silva und Guillermo Valencia. In der Kinderliteratur vertritt das Land der Fabeldichter Rafael Pombo.

Bogot√° wurde von der UNESCO zur Welthauptstadt des Buches 2007 auserkoren.

Theater

Das kolumbianische Theater geh√∂rt zur Avantgarde Lateinamerikas. Insbesondere das zweij√§hrlich von Fanny Mikey organisierte Festival Iberoamericano de Teatro in Bogot√° hat sich zum Pflichttermin lateinamerikanischer Theaterschaffender entwickelt. Barranquilla, Pasto und Riosucio sind durch √ľberregional bekannte Karnevalsfeiern bekannt geworden.

Musik und Tanz

Die traditionelle kolumbianische Musik ist sehr vielf√§ltig. Die Musik der Karibikk√ľste, wo viele Afro-Kolumbianer leben, ist stark von afrikanischen Rhythmen gepr√§gt, wie man es in Stilen wie der Cumbia und dem verwandten, aber melodischem Vallenato h√∂ren kann. Eine neue in dieser Region Kolumbiens entstandene Musikrichtung ist der ebenfalls stark von afrikanischen und karibischen Einfl√ľssen gepr√§gte Champeta. Als Beispiel f√ľr einen von den spanischen Eroberern gepr√§gten Musik- und Tanzstil w√§re Joropo zu nennen, der in den Llanos, einer gemeinsamen Region Kolumbiens und Venezuelas popul√§r ist.

V√∂llig anders ist dagegen die traditionelle Musik der Andenregion um Bogot√°, die eine Mischung spanischer und vorkolumbischer Stilelemente ist und damit der Folkloremusik des Hochlandes von Peru und Ecuador √§hnelt. Im Rest des Landes ist die traditionelle Musik vor allem von spanischen und italienischen Einfl√ľssen gepr√§gt.

Salsa ist in Kolumbien wie auch im Rest S√ľdamerikas ebenfalls sehr beliebt. Ber√ľhmte kolumbianische Salsa-Interpreten sind die Grupo Niche, Fruko y sus Tesos und Joe Arroyo. Die derzeit bekanntesten Musiker Kolumbiens sind die S√§ngerin Shakira und die S√§nger J Balvin und Maluma. Mittlerweile haben es auch der Pop-S√§nger Juanes und der Vallenato-Interpret Carlos Vives zu internationaler Ber√ľhmtheit gebracht.

In den kolumbianischen Großstädten gibt es seit den 1990er Jahren eine ständig wachsende moderne Musikkultur. Im Jahr 1994 fand zum ersten Mal das Festival Rock al Parque statt, das mittlerweile das größte kostenlose Rockfestival Lateinamerikas ist. In den vergangenen Jahren hat auch der Hip-Hop in den Großstädten Kolumbiens immer mehr an Anerkennung gewonnen. Die oft in ghettoähnlichen Vierteln lebenden Jugendlichen identifizieren sich mit der afroamerikanischen Subkultur, da auch sie am Rande der Gesellschaft leben. Die Sociedad FB7 aus Medellín machte 2005 eine Tour durch Deutschland.

Kolumbien besitzt au√üerdem eine lange Tradition in der Komposition klassischer Musik europ√§ischer Pr√§gung. Diese beginnt mit den teilweise heute im Kathedralarchiv erhaltenen geistlichen Kompositionen an der Kathedrale von Bogot√° aus dem 17. Jahrhundert. Auch aus dem 18. und fr√ľhen 19.¬†Jahrhundert sind Kompositionen √ľberliefert.

Einen Aufschwung erfuhr die ‚Äěklassische‚Äú Musikproduktion im sp√§ten 19. und 20.¬†Jahrhundert, vergleichbar mit der Entwicklung in anderen s√ľdamerikanischen Staaten nach der Erlangung der Unabh√§ngigkeit. Hervorzuheben ist hier insbesondere der Komponist Adolfo Mej√≠a, dessen Werke in Kolumbien sehr popul√§r sind.

Kolumbien besitzt mehrere professionelle Sinfonieorchester und mehrere Berufsausbildungsst√§tten f√ľr Musikberufe.

Auch der kolumbianische Tanz gehört zum Kulturgut, der sich in vielen regionalen Arten entwickelt hat.

Film

Der kolumbianische Film ist zwar international nicht so bekannt wie die Filmindustrie Brasiliens oder Kubas, hat aber mit Vertretern wie Sergio Cabrera Anerkennung auf Filmfestivals in Europa gefunden. In diesem Zusammenhang sind auch ‚Äď seichtere ‚Äď kolumbianische TV-Produktionen zu nennen, wie das Telenovela-Format Yo soy Betty, la Fea, das rund um den Globus kopiert wird.

Weltkulturerbe der UNESCO in Kolumbien

Die UNESCO erklärte bisher sechs Plätze in Kolumbien zum Weltkulturerbe:

  • Hafen, Befestigungen und Baudenkm√§ler der Kolonialzeit in Cartagena (K/1984)
  • Nationalpark Los Kat√≠os (N/1994)
  • historisches Zentrum von Santa Cruz de Mompox (K/1995)
  • arch√§ologischer Park Tierradentro (K/1995)
  • arch√§ologischer Park San Agust√≠n (K/1995)
  • Naturreservat Malpelo (N/2006)

als Meisterwerke des m√ľndlichen und immateriellen Kulturerbes sind anerkannt:

  • der Karneval von Barranquilla (2003)
  • der Kulturraum von San Basilio de Palenque (2005)

Medien

Die meistgelesenen Zeitungen sind El Tiempo und bis zur Umwandlung zur Wochenzeitung El Espectador. Au√üerdem werden die Publikationen El Nuevo Siglo, El Colombiano, El Pa√≠s und La Rep√ļblica, Vanguardia Liberal, La Patria, El Heraldo, El Nuevo Dia und El Universal verlegt. Die bekanntesten Zeitschriften sind Semana (Politik), Cambio (Politik), Portafolio (Wirtschaft), Cromos (Variet√©) und SoHo (Variet√©).

Radio ist ein sehr beliebtes Medium in Kolumbien. Es gibt eine F√ľlle von staatlichen und privaten Radiosendern. Von den privaten Radiosendern sind viele in Cadenas (Radio-Ketten) zusammengeschlossen und so kann man viele Sender aus Bogot√° im ganzen Land empfangen. Eine Besonderheit sind in Kolumbien die sogenannten Geisel-Radios wie etwa Las voces del secuestro (‚ÄěDie Stimmen der Entf√ľhrung‚Äú) des Senders Caracol. In diesen speziellen Sendungen, die meist in der Nacht ausgestrahlt werden, k√∂nnen die Familien der vielen von Guerilla oder Paramilit√§rs Entf√ľhrten ihren Angeh√∂rigen eine Botschaft schicken.

Kolumbiens Fernsehwelt besteht aus etwa 15 Sendern. Einige kolumbianische Fernsehserien, darunter viele Telenovelas und Familienserien wie Yo soy Betty, la fea, sind wegen ihrer niedrigen Produktionskosten und der hohen Qualit√§t zu einem Exportschlager geworden. Yo soy Betty, la fea wurde zur Vorlage f√ľr einige andere Fernsehserien, so zum Beispiel in Deutschland f√ľr Verliebt in Berlin.

In Kolumbien herrscht heutzutage weitestgehend Pressefreiheit. Wie in vielen L√§ndern sind die einzelnen Medien im Eigentum von nur wenigen Gesellschaften und werden auch zu politischen Zwecken genutzt. Die Organizaci√≥n Ardila L√ľlle als Beispiel ist Eigent√ľmer von Radio Cadena Nacional (RCN), einem gro√üen Radiosender, seit 1995 auch des eigenen TV Senders RCN Televisi√≥n (RCNTV) und auch des gr√∂√üten Musikverlegers Sonolux. Firmen und Beteiligungen der Familie Santo Domingo mit der Gruppe Valorem sind (Teil)Inhaber von Radio Caracol, Caracol TV, Bogot√° City TV und der Zeitung El Espectador.

Sport

Kolumbien ist besonders f√ľr Fu√üball und Radsport international bekannt und war mehrere Jahre lang durch Juan Pablo Montoya, der jetzt in der NASCAR Liga f√§hrt, in der Formel 1 vertreten.

2005 hat die Golfspielerin Mar√≠a Isabel Baena erstmals einen Titel f√ľr Kolumbien bei dem in New Jersey, USA ausgetragenen Match Play-Meisterschaft gewonnen. Mittlerweile belegt der Kolumbianer Camilo Villegas den zweiten Platz hinter dem legend√§ren Spieler Tiger Woods in der Ford Golf Championship 2006 in Miami. Baena, Villegas und Jesus Armando Amaya ‚ÄěLa Estrellita‚Äú sind die st√§rksten Vertreter des Landes in dieser au√üergew√∂hnlichen Disziplin f√ľr ein lateinamerikanisches Land. Sie versprechen viel f√ľr die LPGA und PGA in den n√§chsten Jahren. Bekannteste Tennisspieler sind Fabiola Zuluaga, Miguel Tob√≥n und Alejandro Falla. Clara Juliana Guerrero ist die weltbeste Kegelspielerin, eine Sportart in der auch u.¬†a. die Geschwister Paola Roc√≠o G√≥mez Ardila und Jaime Andr√©s G√≥mez Ardila das Land vertreten.

Boxen

Geboxt wird in Kolumbien besonders an den K√ľsten. Jedoch ist die Infrastruktur zur F√∂rderung dieses Sports nicht Priorit√§t des Staates. So sind ein Gro√üteil der sp√§ter bekanntgewordenen Boxer mit eigenen Mitteln zu dem geworden. Ber√ľhmte Boxer sind der legend√§re Antonio Cervantes ‚ÄěKid Pambel√©‚Äú, der vier Jahre lang Weltmeister in der Gewichtsklasse 140¬†Pfund Juniorgewicht der (WBA) war und Miguel ‚ÄěHappy‚Äú Lora, der zwischen 1985 und 1989 den Weltmeistertitel in der Gewichtsklasse 118¬†Pfund Bantamgewicht der (WBC) hielt. Ein weiterer aufstrebender Boxer, der zurzeit zu den besten im Mittelgewicht geh√∂rt, ist Edison Miranda.

Leichtathletik

Caterine Ibarg√ľen holte bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro mit 15,17 Meter die Goldmedaille im Dreisprung.

Fußball

Eine Fu√üballliga wurde 1924 geplant und durch den Beitritt 1936 zu der Confederaci√≥n Sudamericana de F√ļtbol (CONMEBOL) besiegelt. Die Nationalelf spielte zum ersten Mal 1962 in Chile bei der Weltmeisterschaft mit. Aus drei Spielen erhielt sie aber nur einen Punkt, spielte aber mit einem 4:4 gegen die UdSSR eine historische Partie. 1964 wurde die Bundesliga ‚ÄěFederaci√≥n de F√ļtbol de Colombia (Fedebol)‚Äú mit Unterst√ľtzung der FIFA gegr√ľndet. Kolumbien wurde 1974 von der FIFA die Austragung der 1986 zu spielenden Weltmeisterschaft zugesprochen, die aber letztlich wegen Uneinigkeiten zwischen Privat- und Staatsfinanzierungen 1981 an Mexiko ging.

Der bisher gr√∂√üte Erfolg der Fu√üball-Nationalmannschaft ist der im Jahre 2001 errungene Titel der Copa Am√©rica, welcher zudem in Kolumbien ausgetragen wurde. Weitere H√∂hepunkte waren die jeweilige Qualifikation zu den Fu√üball-Weltmeisterschaften von 1962, 1990, 1994, 1998, 2014 und 2018 sowie der historische 5:0-Sieg √ľber Argentinien in Buenos Aires. Dieses Spiel diente der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1994 in den USA.

Baseball

Baseball wird in Kolumbien seit 1948 in der Liga Colombiana de Béisbol Profesional professionell gespielt. Die Liga besteht aus sechs Teams. Die besten Baseballtalente Kolumbiens spielen in der MLB in Nordamerika.

Gewichtheben

√ďscar Figueroa holte bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro in der Gewichtsklasse bis 62 kg die Goldmedaille im Gewichtheben mit 318 kg.

Radsport

Der Radsport kann nach Fu√üball als Volkssport der Kolumbianer gewertet werden. Das erste in Etappen gefahrene Rennen S√ľdamerikas, die Vuelta a Colombia wurde 1951 in Kolumbien absolviert.

Erster bekannter kolumbianischer Radrennfahrer bei der Tour de France war Mart√≠n Emilio Rodr√≠guez, der das Rennen 1977 als 27. beendete. Fabio Parra gewann 1988 drei Etappen und endete als Dritter in der Gesamtwertung. Luis ‚ÄěLucho‚Äú Alberto Herrera gewann 1985 und 1987 zweimal das Gepunktete Trikot des Siegers der Bergwertung und holte insgesamt f√ľnf Etappensiege und wurde dadurch zum kolumbianischen Nationalhelden.

2013 gewann Nairo Quintana nach bereits starken Vorleistungen eine Etappe der Tour de France, das Gepunktete Trikot, die Nachwuchswertung und sicherte sich den zweiten Platz in der Gesamtwertung und löste damit abermals eine große Radsporteuphorie in Kolumbien aus.

Mariana Pajón gewann bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro mit 34,09 Sek. die Goldmedaille im BMX.

2019 gewann Egan Bernal als erster Kolumbianer die Tour de France.

Inline-Skating

Seit einigen Jahren zählt Kolumbien in dieser Disziplin zu den stärksten Nationen weltweit. Die bekannteste Inline-Skaterin ist Cecilia Baena (Sportlerin des Jahres 2001 in Kolumbien), bei den Panamerikanischen Meisterschaften 2005 gewann sie neun Medaillen. 2004 wurde sie in Italien dreifache Weltmeisterin. Außerdem gewann sie das größte Inlinerennen der Welt, den Berlin-Marathon mit 10.000 Teilnehmern. Weitere bekannte Weltmeister, sowie Weltrekordhalter sind Diego Rosero und Jorge Andrés Botero. Die Nationalmannschaft gewann die Weltmeistertitel 2000, 2002, 2004, 2005, 2006 und 2007.

Tejo

Tejo, eine moderne Version eines Indianerspieles namens Turmequ√©, wird schon √ľber 500¬†Jahre lang in den Departamentos Cundinamarca und Boyac√° gespielt und wurde im Juni 2000 vom kolumbianischen Kongress zum Nationalsport ernannt. Die moderne Version sieht vor, eine eiserne Halbkugel, den Tejo, in einen metallischen Kreis zu werfen und so, die an den vier Himmelsrichtungen aufgelegten Schwarzpulvertaschen, die Mechas, zum lauten Knall zu zwingen. Wer dem Zentrum am n√§chsten liegt, gewinnt das Spiel wenn keine der Mechas getroffen wird. Wenn eine Mecha getroffen wird, so gewinnt der Einzelspieler oder das Team des Spielers, ganz egal wer der Mitte am n√§chsten liegt. Die Partien werden traditionell von alkoholischen Getr√§nken wie Bier und Aguardiente begleitet. Die Brauereien sind daher naturgem√§√ü die gr√∂√üten Sponsoren.

Literatur

  • Mik Berger: Kolumbien ‚Äď s√≠ o no? Eine Reise in die Rumba. 3. Auflage. SONRRIE, Bad Bramstedt 2008, ISBN 978-3-936968-13-2.
  • Hella Braune, Frank Semper: Nah Dran Kolumbien. ISBN 3-9805953-9-0.
  • Oliver Curth: Musik der Welt: Kolumbien. Lugert Verlag, Oldershausen 2002, ISBN 3-89760-803-0.
  • Thomas Fischer: Die Persistenz der FARC. In: David Graaff u.¬†a. (Hrsg.): Kolumbien: Vom Failing State zum Rising Star? Ein Land zwischen Wirtschaftswunder und humanit√§rer Krise. Wissenschaftlicher Verlag Berlin, Berlin 2013, ISBN 978-3-86573-734-2, S. 49‚Äď70.
  • Thomas Fischer: 40¬†Jahre FARC in Kolumbien. Von der b√§uerlichen Selbstverteidigung zum Terror. In: Sozial.Geschichte. 20(2005)1, ISBN 3-89760-803-0, S. 77‚Äď99.
  • Thomas Fischer: Krisenland Kolumbien. Krisendimensionen, Krisenmanagement und Chancen f√ľr einen dauerhaften Frieden, 1985‚Äď2005. In: Andreas Boeckh, Rainer √Ėhlschl√§ger (Hrsg.): Krisenregionen in Lateinamerika. Institut f√ľr Iberoamerika-Kunde, Hamburg 2006, ISBN 3-89502-228-4, S. 191‚Äď228.
  • Thomas Fischer, Susanne Klengel, Eduardo Pastrana Buelvas (Hg.): Kolumbien heute. Politik Wirtschaft Kultur, Vervuert, Frankfurt am Main, 2. Auflage 2017, ISBN 3954876418
  • Linda Helfrich, Sabine Kurtenbach (Hrsg.): Colombia. Caminos para salir de la violencia. Iberoamericana/Vervuert, Frankfurt am Main 2006, ISBN 84-8489-214-X.
  • Werner H√∂rtner: Kolumbien verstehen. Geschichte und Gegenwart eines zerrissenen Landes. Rotpunktverlag, Z√ľrich 2006, ISBN 3-85869-326-X.
  • Werner H√∂rtner: Kolumbien am Scheideweg. Ein Land zwischen Krieg und Frieden. Rotpunktverlag, Z√ľrich 2013, ISBN 978-3-85869-559-8.
  • Thomas J√§ger u.¬†a.: Die Trag√∂die Kolumbiens. Staatszerfall, Gewaltm√§rkte und Drogen√∂konomie. VS Verlag f√ľr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007.
  • Daniel P√©caut: Cr√≥nica de cuatro d√©cadas de pol√≠tica colombiana. Norma, Bogot√° 2006, ISBN 958-04-9551-3.
  • Frank Semper: Die Rechte der indigenen V√∂lker in Kolumbien. ISBN 3-9805953-7-4.
  • Frank Semper: Tor zum Amazonas. ISBN 3-9805953-1-5.
  • Christian V√∂lkel: The Political Origins of Human Development. State Formation, Institutional Persistence and Long-Run-Educational Development in Latin America. Dissertation. Bremen 2011.
  • Bruce M. Wilson: Institutional Reform and Rights Revolutions in Latin America: The Cases of Costa Rica and Colombia. In: Journal of Politics in Latin America. Hamburg 2009.
  • Ernesto Vendries Bray, Leopold Rother und die moderne Bewegung in Kolumbien, Dissertation am Fachbereich Architektur der Technischen Universit√§t Darmstadt, Darmstadt, 2014. Im Internet verf√ľgbar unter Dissertation √ľber Leopold Rother

Weblinks

Offizielle Websites

  • Homepage Regierung/Pr√§sident von Kolumbien (spanisch)
  • Kolumbianische Botschaft in Deutschland (spanisch, deutsch)
  • Deutsche Botschaft in Kolumbien (spanisch, deutsch)
  • Goethe Institut Bogot√° (spanisch, deutsch)
  • Kolumbianische Nationalbibliothek

Dossiers

  • Informationen des Deutschen Ausw√§rtigen Amtes
  • Christiane Schwarz und Alexandra Huck: DOSSIER Innerstaatliche Konflikte - Kolumbien. Bundeszentrale f√ľr politische Bildung, 13.¬†Oktober 2020, abgerufen am 23.¬†Januar 2021.¬†
  • Der kolumbianische Konflikt. Entstehung ‚Äď Zusammenh√§nge ‚Äď Dimensionen

Europäisch-kolumbianische Beziehungen

  • Deutsch-Kolumbianische Industrie- und Handelskammer (spanisch, deutsch)
  • Deutsch-Kolumbianischer Freundeskreis e.¬†V.
  • √Ėsterreichisch-Kolumbianische Gesellschaft e.¬†V. (deutsch-spanisch)
  • Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien

Sonstige Websites

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Kolumbien
  • kolko e.¬†V. ‚Äď Menschenrechte f√ľr Kolumbien
  • IDMC ‚Äď Internal Displacement Monitoring CentreStatistiken und Lebensgeschichten von Vertriebenen in Kolumbien (englisch)

Einzelnachweise


 

Region Regionen (33)

Bezeichnung der Regionen: Departamento
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Amazonas 0.133 -4.236 -74.415 -69.419  
Antioquia 8.87 5.434 -77.126 -73.888  
Arauca 7.1 6.026 -72.351 -69.432  
Atl√°ntico 11.129 10.267 -75.266 -74.722  
Bogota 4.836 3.675 -74.494 -73.995  
Bol√≠var 10.811 6.996 -75.71 -73.755  
Boyac√° 7.04 4.661 -74.662 -71.964  
Caldas 5.779 4.8 -75.927 -74.632  
Caquet√° 2.951 -0.685 -76.297 -71.322  
Casanare 6.351 4.298 -73.069 -69.856  
Cauca 3.318 0.972 -77.978 -75.781  
Cesar 10.866 7.678 -74.137 -72.916  
Choc√≥ 8.678 3.995 -77.896 -76.042  
C√≥rdoba 9.446 7.364 -76.505 -74.799  
Cundinamarca 5.826 3.704 -74.891 -73.053  
Guain√≠a 4.04 1.173 -70.909 -66.876  
Guaviare 2.905 0.664 -73.675 -69.994  
Huila 3.772 1.56 -76.601 -74.494  
La Guajira 12.468 10.4 -73.651 -71.107  
Magdalena 11.358 8.888 -74.948 -73.562  
Meta 4.919 1.625 -74.898 -71.06  
Nari√Īo 2.655 0.334 -79.052 -76.844  
Norte de Santander 9.296 6.875 -73.64 -71.995  
Putumayo 1.438 -0.564 -77.239 -73.864  
Quind√≠o 4.72 4.079 -75.89 -75.39  
Risaralda 5.577 4.671 -76.183 -75.378  
San Andr√©s und Providencia 13.578 12.503 -81.724 -80.089  
Santander 8.161 5.711 -74.519 -72.477  
Sucre 10.143 8.28 -75.722 -74.542  
Tolima 5.314 2.889 -76.113 -74.48  
Valle del Cauca 5.036 3.093 -77.476 -75.708  
Vaup√©s 2.101 -1.238 -72.036 -69.138  
Vichada 6.314 2.783 -71.064 -67.419  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Colombia

Name englisch: Colombia
Hauptstadt: Bogota
Kfz: CO
ISO: CO
ISO3: COL
Fläche: 1138910 km²
Tld: .co
Wärung Einheit: COP
Währung: Peso
Vorwahl: 57

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 13.3973501
südlichster Punkt: -4.22711
westlichster Punkt: -81.7359299
östlichster Punkt: -66.851923


 
Kolumbien: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Kolumbien. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

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