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Gebirge Karte: Mont-Blanc-Gruppe

Gebirge Lage und Zugehörigkeit

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Gebirge Informationen zur Gebirgsgruppe: Mont-Blanc-Gruppe

Informationen zur Lage und Bezeichnung:


ausführliche Beschreibung:
Wikipedia  *  Outdooractive  *  Alpenvereinaktiv.

Die Mont-Blanc-Gruppe ist eine Gebirgsgruppe der Westalpen im DreilÀndereck zwischen Frankreich, Italien und der Schweiz. Mit dem Mont Blanc (4810 m) weist sie den höchsten Berg der gesamten Alpen auf.

Nachfolgend wird hauptsĂ€chlich das Mont-Blanc-Massiv beschrieben, welches den nordöstlichen und höheren Teil betrifft; den sĂŒdwestlichen Teil bildet das Beaufortain-Massiv (kurz Beaufortain), in dem die Gemeinde Beaufort liegt.

Topographie

Die Mont-Blanc-Gruppe liegt in den Westalpen im französischen DĂ©partement Haute-Savoie, der italienischen Region Aostatal und dem Schweizer Kanton Wallis. FĂŒr die Abgrenzungen der Gebirgsgruppen in den Westalpen gibt es keine verbindliche Übereinkunft, hĂ€ufig wird die Mont-Blanc-Gruppe jedoch den Grajischen Alpen zugeordnet, alternativ wird sie auch als Bestandteil der Savoyer Alpen bezeichnet.

Im Westen wird das Massiv vom Val Montjoie, im Nordwesten vom Tal der Arve begrenzt. Hier liegt mit Chamonix einer der wichtigsten Talorte der Gebirgsgruppe. Nach Norden hin verlĂ€uft die Grenze ĂŒber den Pass Col des Montets zum Walliser Ort Martigny, nach Nordosten und Osten hin durch das Schweizer Val Ferret und das gleichnamige Val Ferret in Italien. SĂŒdlich von Courmayeur wird die Mont-Blanc-Gruppe vom Val Veny begrenzt. Insgesamt umfasst sie ungefĂ€hr 645 kmÂČ.

Obwohl das Massiv den höchsten Alpengipfel aufweist, ĂŒberragen ansonsten nur verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wenige Gipfel der kleinen und kompakten Gruppe die Viertausendergrenze. Der relative Höhenunterschied zu den TĂ€lern ist in dieser Gruppe der höchste der Alpen.

Geologie

Die sĂŒdwest-nordost-streichende Mont-Blanc-Gruppe wird in geologischem Zusammenhang meist als Mont-Blanc-Massiv bezeichnet. Das Mont-Blanc-Massiv ist Teil des Helvetikums, des nördlichsten der vier geologischen Großkomplexe der Alpen. Das Massiv ist ĂŒberwiegend aus variszischem kristallinen Grundgebirge („Altkristallin“) aufgebaut und umfasst zu einem geringen Teil auch dessen mesozoische Deckschichten.

In der Endphase der variszischen Gebirgsbildung sind im spĂ€ten Karbon in jenem Teil der Erdkruste, der heute durch die Mont-Blanc-Gruppe reprĂ€sentiert wird, kristalline Gesteine herausgehoben und bis ins folgende Perm hinein erodiert worden. Auf diesem kristallinen Sockel, der ab der Wende vom Perm zur Trias absank und das Grundgebirge des sogenannten helvetischen Schelfs am SĂŒdrand „Ur-Europas“ bildete, lagerten sich im Verlauf des Mesozoikums und noch wĂ€hrend des frĂŒhen PalĂ€ogens verschiedene Sedimente ab. Im OligozĂ€n erfasste die Alpenbildung auch die heutige Mont-Blanc-Region, wobei nicht nur die Sedimentschichten, sondern auch der variszische Sockel, bestehend aus Granit und Gneisen, in die Faltungsprozesse einbezogen wurden. Das variszische Kristallin baut heute den ĂŒberwiegenden Teil des Mont-Blanc-Massivs einschließlich des Mont Blanc, auf, wĂ€hrend die jĂŒngeren Sedimentgesteine an dessen RĂ€ndern zutage treten.

WÀhrend des QuartÀrs war die geologische Entwicklung des Massivs vor allem durch die TÀtigkeit der Gletscher der pleistozÀnen Kaltzeiten bestimmt.

Da die Kristallingesteine sehr erosionsresistent sind, bilden sie die Hochlagen des Mont-Blanc-Massivs. Das hierbei am hĂ€ufigsten auftretende Gestein ist Biotitgranit. An der Nordwestflanke des Massivs sind auch Orthogneise, Glimmerschiefer, Amphibolite und Marmore zu finden. In Tallagen, etwa im Arvetal oder um Courmayeur, finden sich die erosionsanfĂ€lligeren, schwach- bis unmetamorphen Sedimentgesteine des Mesozoikums. Nordwestlich des Arvetals liegt das „Schwestermassiv“ des Mont-Blanc-Massivs, das Aiguilles-Rouges-Massiv, das aber hauptsĂ€chlich aus Metamorphiten und kaum aus Granit besteht.

Durch die anhaltende Hebung der Alpen wachsen die Berge der Gruppe heute noch um ca. 2 mm pro Jahr.

Klima

Durch ihre exponierte Lage am westlichen Ende des Alpenbogens ist die Mont-Blanc-Gruppe stark den hĂ€ufigen Westströmungen ausgesetzt, gegen die die deutlich niedrigeren vorgelagerten Savoyer Voralpen kaum einen Schutz bilden. Das fĂŒhrt neben starkem Wind (besonders auf der Nordwestseite) auch zu hĂ€ufigem Auftreten heftiger WetterstĂŒrze. Im Falle von Föhnlagen können aber auch starke Winde von der SĂŒdseite her auftreten. Die besondere Exposition des Gebirges kann zur Folge haben, dass die höheren Gipfel des Massivs bereits in Föhnwolken gehĂŒllt sind, in denen SchneestĂŒrme auftreten, wĂ€hrend ringsherum noch sonniges und warmes Wetter herrscht. Diese charakteristischen Wolken werden hier wegen ihrer Form als L'Ăąne („Der Esel“) bezeichnet. Das Wallis und das Aostatal sind von mediterranem Klima geprĂ€gt.

Die Staulagen haben große Niederschlagsmengen insbesondere an der Nordseite zur Folge, was zu einem hohen Grad an Vergletscherung fĂŒhrt. UngefĂ€hr ein Drittel des gesamten Massivs ist von Eis bedeckt. Hier liegen auch besonders große Gletscher wie das Mer de Glace und mit dem Glacier des Bossons einer der tiefst gelegenen Gletscher der Alpen. Durch die große Steilheit und die hohe Fließgeschwindigkeit (bis zu 50 cm pro Tag) der Gletscher bilden sich besonders viele Spalten und SĂ©racs.

Die Eishöhe erreichte in diesem Gebiet wĂ€hrend der Eiszeiten bis zu 1000 Meter oberhalb der Talsohle von Chamonix, nur wenige Gipfel ragten als Nunataks aus dem Eis. Die letzten großen EisvorstĂ¶ĂŸe waren im Zuge der Kleinen Eiszeit im 16. und 17. Jahrhundert zu beobachten und mit großen Zerstörungen verbunden.

Wie nahezu alle Alpengletscher sind auch die Gletscher der Mont-Blanc-Gruppe im Rahmen der globalen ErwĂ€rmung von umfassendem Schwund betroffen; so verkĂŒrzte sich bspw. der Trientgletscher am Nordhang zwischen 1900 und 2017 um knapp 1400 Meter. Der Bossongletscher erreichte zuletzt in den Jahren 1818, 1854 und 1892 das Tal. Durch den Gletscherschwund sind heute RĂŒckgĂ€nge der Gletscherzungen um 7 bis 14 Meter jĂ€hrlich zu beobachten.

Flora und Fauna

Im milden Klima des Aostatals liegt die Waldgrenze bei etwa 2300 m, durchgehender Bewuchs in Form alpiner Matten ist bis 3400 m zu finden, bis in die Gletscherregion hinauf wĂ€chst beispielsweise der Gletscherhahnenfuß. In den Tallagen wird hier Wein angebaut, sogar Kakteen und Palmen sind zu finden. Die Nordwestseite ist von kĂŒhlerem Klima geprĂ€gt, hier liegt die Waldgrenze hĂ€ufig unterhalb von 2000 Metern. Almwirtschaft ist nur in einem kleinen Teil des Gebiets möglich.

Von der Tierwelt sind besonders die wiedereingebĂŒrgerten Steinböcke und Bartgeier zu erwĂ€hnen.

Erschließungsgeschichte

Die Erstbesteigung des Mont Blanc durch Jacques Balmat und Michel-Gabriel Paccard 1786 war ein Höhepunkt des frĂŒhen Alpinismus. Er blieb in der folgenden Zeit fast das einzige Ziel von Bergsteigern. Im 19. Jahrhundert machten sich dann besonders Michel Croz und Edward Whymper um die Erschließung der anderen Berge des Massivs verdient. SpĂ€ter erschloss Albert Mummery viele der bis dahin noch unbestiegenen Berge. Im 20. Jahrhundert wurden das Bergsteigen und der Skilauf zum Breitensport und damit zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor.

Erschließung

Das Mont-Blanc-Massiv wird durch das Chamonix-Tal und das Aostatal mit Straßen erschlossen, auf italienischer Seite sogar durch eine Autobahn (A5). Der Mont-Blanc-Tunnel verbindet die StĂ€dte Chamonix und Courmayeur.

Die bekannteste Seilbahn der Mont-Blanc-Gruppe ist die TĂ©lĂ©pherique de l'Aiguille du Midi, die von Chamonix aus auf die 3842 m hohe Aiguille du Midi fĂŒhrt und eine der höchsten Seilbahnen der Alpen ist. Von dort aus fĂŒhrt die Kleinkabinenbahn VallĂ©e Blanche zur Pointe Helbronner (3462 m), die wiederum von Courmayeur aus per Seilbahn erreichbar ist. Somit kann das gesamte Massiv mit Hilfe von Seilbahnen ĂŒberquert werden. Mehrere weitere Seilbahnen erschließen das Gebiet hauptsĂ€chlich von der französischen Seite aus. Des Weiteren fĂŒhren Zahnradbahnen zu den Aussichtspunkten Montenvers und Nid d’Aigle.

In einem Tunnel unter dem Gebirge befindet sich das solcherart vor kosmischer Strahlung geschĂŒtzte Mont Blanc Laboratory.

HĂŒtten

Das Gebiet ist mit vielen bewirtschafteten alpinen SchutzhĂŒtten der alpinen Vereine Club Alpin Français, Club Alpino Italiano und Schweizer Alpen-Club erschlossen. Bekannte HĂŒtten sind:

  • Refuge du GoĂ»ter (3817 m)
  • Refuge des Cosmiques (3613 m)
  • Cabane du Trient (3170 m)
  • Refuge de TĂȘte Rousse (3167 m)
  • Refuge des Grands Mulets (3051 m)
  • Refuge d’ArgentiĂšre (2771 m)
  • Refuge des Conscrits (2602 m)

DarĂŒber hinaus gibt es mehrere Biwakschachteln und unbewirtschaftete HĂŒtten, deren höchste das Refuge Vallot auf einer Höhe von 4362 m ist.

Einzelgipfel des Mont-Blanc-Massivs

  1. Mont Blanc/Monte Bianco (4810 m)
  2. Mont Maudit (4465 m)
  3. DÎme du Goûter (4304 m)
  4. Mont Blanc du Tacul (4248 m)
  5. Grandes Jorasses (4208 m)
  6. Aiguille Verte (4122 m)
  7. Aiguille Blanche de Peuterey (4112 m)
  8. Aiguille de Bionnassay (4052 m)
  9. DĂŽme de Rochefort (4015 m)
  10. Dent du GĂ©ant/Dente del Gigante (4013 m)
  11. Les Droites (4000 m)
  12. Mont Mallet (3989 m)
  13. Aiguille de TrĂ©latĂȘte (3930 m)
  14. Aiguille d’Argentiùre (3901 m)
  15. Aiguille du Midi (3842 m)
  16. Grand Capucin (3838 m)
  17. Mont Dolent (3823 m)
  18. Aiguilles des Glaciers (3817 m)
  19. Aiguille Noire de Peuterey (3773 m)
  20. Aiguille du Dru (3754 m)
  21. Aiguille de l’A Neuve (3753 m)
  22. DĂŽmes de Miage (3673 m)
  23. Aiguille de BlaitiĂšre (3522 m)

Sonstiges

Am 30. Juli 1921 landete der schweizerisch-französische Aviatikpionier François Durafour mit seiner Caudron G-III auf dem DÎme du Goûter im Montblanc-Massiv.

Im Mont-Blanc-Massiv ereigneten sich Mitte des 20. Jahrhunderts zwei schwere FlugunfĂ€lle: Am 3. November 1950 kollidierte bei Air-India-Flug 245 eine Lockheed L-749 Constellation, die den Namen „Malabar Princess“ trug, mit dem Montblanc-Vorgipfel Rochers de la Tournette. Alle 48 Passagiere starben. Über 15 Jahre spĂ€ter prallte am 24. Januar 1966 eine Boeing 707 erneut der Air India bei Flug 101 knapp unterhalb des Gipfels gegen das Gebirgsmassiv. Alle 106 Passagiere an Bord, unter ihnen der indische Kernphysiker Homi Jehangir Bhabha, sowie die 11 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Auch Jahrzehnte nach diesen UnfĂ€llen werden am Glacier des Bossons immer noch Funde gemacht, die von diesen beiden UnglĂŒcksfĂ€llen stammen (fĂŒr Details siehe dort).

DarĂŒber hinaus hat insbesondere der Flugunfall von 1950 immer wieder mediale Rezeption erfahren:

  • Der Roman „Der Berg der Versuchung“ von Henri Troyat, der wiederum Grundlage fĂŒr den US-amerikanischen Spielfilm „Der Berg der Versuchung“ aus dem Jahr 1956 mit Spencer Tracy und Robert Wagner wurde, basiert auf den Ereignissen dieses Absturzes.
  • Im Film „Die fabelhafte Welt der AmĂ©lie“ aus dem Jahr 2001 liest die Titelfigur Amelie einen Zeitungsbericht ĂŒber Bergsteiger, die zufĂ€llig auf dem Mont Blanc einen Postsack entdecken und dabei feststellen, dass er von dem Flugunfall der „Malabar Princess“ vor ĂŒber 40 Jahren stammt. Diese Schlagzeile bewegt sie, die einsame Concierge ihres Hauses durch einen gefĂ€lschten Liebesbrief ihres verschollenen Ehemannes glĂŒcklich zu machen, der sich angeblich in diesem Postsack befunden habe und ihr somit erst jetzt nach mehr als vier Jahrzehnten zugestellt werden konnte.
  • Der französische Spielfilm „Malabar Princess“ aus dem Jahr 2004 handelt von einem Jungen, dessen Mutter auf der Suche nach dem Flugzeugwrack der „Malabar Princess“ in den französischen Alpen verschwunden ist und der sich fĂŒnf Jahre spĂ€ter auf die Suche nach ihr macht.

Literatur

  • Hartmut Eberlein: AlpenvereinsfĂŒhrer Mont-Blanc-Gruppe. 7. Auflage. Bergverlag Rudolf Rother, MĂŒnchen 1991, ISBN 3-7633-2412-7. 
  • JĂŒrgen F. von Raumer, François Bussy: Mont Blanc and Aiguilles Rouges – Geology of their polymetamorphic Basement (External Massifs, Western Alps, France-Switzerland). In: MĂ©moirs de GĂ©ologie (Lausanne). Nr. 42, 2004, S. 1–210 (online, inkl. separat downloadbarer farbiger geologischer Karten). 

Weblinks

  • Mont-Blanc-Gruppe auf alpenvereinaktiv.com
  • Montblanc-Gruppe unter outdooractive
  • Mont-Blanc-Gruppe auf deine-berge.de

Einzelnachweise

 

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Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

Touren in diesem Gebirge Touren in diesem Gebirge

Bücher und Karten Bücher und Karten


Staaten die sich in dieser Gebirgsgruppe befinden (3):
Schweiz SchweizItalien ItalienFrankreich Frankreich

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 46.130958
südlichster Punkt: 45.483244
westlichster Punkt: 6.394385999
östlichster Punkt: 7.153816000


Das Gebirge hat eine Fläche
von etwa
1696 km²

Die Länge der Grenze
beträgt ca.
220 km
 
Mont-Blanc-Gruppe: Große Karte mit den Grenzen und Hütten, Gipfeln sowie Touren der Gebirgsgruppe
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