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Staat Informationen : Schweiz

Informationen:


Die Schweiz (französisch Suisse [sÉ„is(ə)], italienisch Svizzera [ˈzvitːsera], rĂ€toromanisch [ˈʒviːtsrɐ] oder [ˈʒviːtsʁɐ], lateinisch Helvetia), amtlich Schweizerische Eidgenossenschaft (französisch ConfĂ©dĂ©ration suisse, italienisch Confederazione Svizzera, rĂ€toromanisch , lateinisch Confoederatio Helvetica), ist ein föderalistischer, demokratischer Staat in Mitteleuropa. Er grenzt im Norden an Deutschland, im Osten an Österreich und Liechtenstein, im SĂŒden an Italien und im Westen an Frankreich.

In der Schweiz leben 8,6 Millionen Menschen. Das Land gehört damit zu den dichter besiedelten Staaten Europas, wobei sich die Bevölkerung im Mittelland, der Beckenzone zwischen Jura und Alpen, sowie im sĂŒdlichen Tessin konzentriert. Die acht grössten StĂ€dte bzw. Wirtschaftszentren sind ZĂŒrich, Genf, Basel, Bern, Lausanne, Winterthur, Luzern und St. Gallen.

Das Land hat Anteil an drei grossen SprachrĂ€umen: dem deutschsprachigen in der Deutschschweiz, dem französischsprachigen in der Romandie (Suisse romande, Westschweiz, Welschschweiz) und dem italienischsprachigen in der italienischen Schweiz; als viertes Sprachgebiet tritt das RĂ€toromanische hinzu (in Teilen des Kantons GraubĂŒnden). Die vier genannten Sprachen sind die offiziellen Amtssprachen des Bundes. Um keine einzelne zu bevorzugen, lautet das Landeskennzeichen «CH», die AbkĂŒrzung der lateinischen Bezeichnung Confoederatio Helvetica.

Die Schweizerische Eidgenossenschaft ist ein Bundesstaat, der aus 26 teilsouverĂ€nen Kantonen besteht. Sitz der Regierung und des Parlaments ist die Bundesstadt Bern. Die Schweiz gilt als Willensnation; nationale IdentitĂ€t und der Zusammenhalt der Schweiz basieren nicht auf einer gemeinsamen Sprache, ethnischen Herkunft oder Religion, sondern auf interkulturellen Faktoren wie dem Glauben an die direkte Demokratie, einem hohen Mass an lokaler und regionaler Autonomie sowie einer ausgeprĂ€gten Kultur der Kompromissbereitschaft bei der politischen Entscheidungsfindung. FĂŒr das SelbstverstĂ€ndnis grundlegend ist ĂŒberdies die dauernde NeutralitĂ€t.

Die Schweizerische Eidgenossenschaft ging aus den sogenannten Urkantonen Uri, Schwyz und Unterwalden hervor. Als inoffizielles und mythologisiertes GrĂŒndungsdokument gilt der Bundesbrief von 1291, die Ă€lteste erhaltene BĂŒndnisurkunde. Im WestfĂ€lischen Frieden von 1648 wurde ihre staatsrechtliche UnabhĂ€ngigkeit anerkannt. Der heutige Bundesstaat besteht seit 1848. Der Name Schweiz stammt vom Urkanton Schwyz bzw. von dessen gleichnamigem Hauptort.

Auf dem Index der menschlichen Entwicklung belegte die Schweiz 2019 den zweiten Platz und zÀhlt damit zu den sehr hoch entwickelten LÀndern. Obwohl sie nach der LÀndergrösse den 133. Rang belegt und nach der Anzahl der Einwohner den 98. Rang, hÀlt sie den 20. Rang der grössten Volkswirtschaften der Erde.

Geographie

Der Binnenstaat Schweiz liegt zwischen dem 46. und 48. Breitengrad und verfĂŒgt ĂŒber die Quellgebiete von FlĂŒssen, die in die Nordsee, das Mittelmeer und Schwarzes Meer mĂŒnden. Die maximale Nord-SĂŒd-Ausdehnung betrĂ€gt 220,1 Kilometer (von Bargen nach Chiasso), die grösste West-Ost-Ausdehnung 348,4 Kilometer (von Chancy nach Val MĂŒstair).

Der höchste Punkt in der Schweiz ist die 4634 mÂ ĂŒ. M. hohe Dufourspitze an der Grenze zu Italien, der tiefste Punkt ist das Ufer des Lago Maggiore mit 193 mÂ ĂŒ. M., ebenfalls an der italienischen Grenze. Die höchstgelegene Siedlung Juf im Kanton GraubĂŒnden liegt auf 2126 mÂ ĂŒ. M.; die tiefstgelegenen Siedlungen um den Lago Maggiore im Kanton Tessin auf 196 mÂ ĂŒ. M. Der geographische Mittelpunkt der Schweiz liegt im Kanton Obwalden auf der Älggi-Alp.

Die Schweiz hat eine Landesgrenze von total 1935 Kilometern LĂ€nge. Die lĂ€ngste Staatsgrenze ist mit 782 Kilometern diejenige zu Italien im SĂŒden (→ Grenze zwischen Italien und der Schweiz). Im Westen grenzt die Schweiz ĂŒber 585 Kilometer an Frankreich (→ Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz); im Norden an Deutschland ĂŒber 347 Kilometer, die zum grössten Teil den Rhein entlangfĂŒhren (→ Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz). Im Osten grenzt die Schweiz mit 180 Kilometern an Österreich (→ Grenze zwischen Österreich und der Schweiz) und mit 41 Kilometern an das FĂŒrstentum Liechtenstein (→ Grenze zwischen Liechtenstein und der Schweiz).

23,9 Prozent der FlĂ€che der Schweiz sind landwirtschaftliche NutzflĂ€che, 13 Prozent sind alpwirtschaftliche FlĂ€chen. SiedlungsflĂ€che sind 6,8 Prozent, und 25,5 Prozent – vorwiegend in den Alpen und im Jura – gelten als unproduktive NaturflĂ€che. Rund 30,8 Prozent sind Wald und Gehölze.

NaturrÀumliche Gliederung

Die Schweiz lÀsst sich in drei landschaftliche GrossrÀume einteilen, die grosse Unterschiede aufweisen: den Jura, das dichtbesiedelte Mittelland sowie die Alpen mit den Voralpen. Rund 48 Prozent der LandesflÀche gehören zu den Alpen im engeren Sinne, 12 Prozent zu den Voralpen. 30 Prozent werden zum Mittelland gerechnet, und der Jura nimmt die restlichen zehn Prozent der LandesflÀche ein.

Das Schweizer Mittelland wird im Nordwesten und Norden geographisch wie auch geologisch durch die langgestreckten HöhenzĂŒge des Juras abgegrenzt. Im SĂŒden gegen die Alpen hin wird meist der an einigen Orten relativ abrupte Anstieg zu Höhen ĂŒber 1500 mÂ ĂŒ. M. als Kriterium fĂŒr die Abgrenzung verwendet. Die sĂŒdwestliche Grenze des Schweizer Mittellandes bildet der Genfersee, die nordöstliche der Bodensee zusammen mit dem Rhein. Die Bevölkerungsdichte der Schweiz wird von den sĂ€mtlich im Mittelland liegenden Ballungszentren mit den beiden in der Grösse bescheidenen und dennoch wichtigen WeltstĂ€dten ZĂŒrich und Genf bestimmt.

Mit Voralpen werden in der Schweiz jene Gebiete bezeichnet, die den Übergang vom leicht hĂŒgeligen Schweizer Mittelland zum Gebirgsraum der Alpen markieren und sich durch ihre Erhebungen als Naherholungszone speziell wĂ€hrend Zeiten des Hochnebels auszeichnen. Mit den Alpen beschreiben sie einen Bogen zwischen SĂŒdwesten und Nordosten der Schweiz.

Die Alpen bilden im «Herzen Europas» eine wichtige Klima- und Wasserscheide mit zusĂ€tzlichen alpinen und inneralpinen Wettereffekten, durch die in der Schweiz trotz ihrer geringen Grösse meist mehrere Wetterlagen herrschen. Im Schweizer Alpenbogen liegen bekannte Feriendestinationen fĂŒr Sommer- und Wintertourismus sowie der einzige Schweizer Nationalpark. Das auch in den Alpen vorhandene Netz des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz bekam mit der Albulalinie ein UNESCO-Welterbe, das die Naturerbe der Gebirgslandschaften Tektonikarena Sardona und Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch ergĂ€nzt.

AlpensĂŒdseite ist ein Begriff, der vor allem in Wettervorhersagen verwendet wird, da sich Wetterlage, Klima und Vegetation meist von denjenigen auf der Alpennordseite unterscheiden. Die AlpensĂŒdseite umfasst den Kanton Tessin, die BĂŒndner SĂŒdtĂ€ler Misox, Calanca, Bergell, Puschlav und Val MĂŒstair sowie das Gebiet sĂŒdlich des Simplonpasses im Kanton Wallis und gehört naturrĂ€umlich zu den Alpen.

Der Schweizer Jura kann grob im Osten und SĂŒdosten durch das Schweizer Mittelland, im Norden durch den Hochrhein, im Nordwesten durch die Burgundische Pforte eingegrenzt werden. Der Jura ist ein geologisch junges Faltengebirge mit einer LĂ€ngenausdehnung von etwa 300 Kilometern und beschreibt einen grossen halbmondförmigen, nach SĂŒdosten offenen Bogen. Auf der Linie Besançon–Yverdon betrĂ€gt die grösste Breite des Gebirges rund 70 Kilometer. Bei Biel/Bienne Ă€ndern die Ketten ihre Richtung immer mehr nach Osten, das Gebirgssystem wird schmaler, und die Zahl der nebeneinanderliegenden Ketten nimmt ab. Die östlichste Jurakette, die LĂ€gernkette, verlĂ€uft in exakter West-Ost-Richtung und endet bei Dielsdorf, wo die gebirgsbildenden Schichten unter die Molasse des Schweizer Mittellandes abtauchen.

Geologie

Die geologische Struktur der Schweiz ist im Wesentlichen das Ergebnis einer Plattenkollision Afrikas und Europas wĂ€hrend der letzten Jahrmillionen. Dieses PhĂ€nomen ist bei der Glarner HauptĂŒberschiebung, einem UNESCO-Weltnaturerbe, besonders deutlich sichtbar.

Geologisch wird die Schweiz in fĂŒnf Hauptregionen eingeteilt: Die Alpen (→ Geologie der Alpen) bestehen im Kern aus Granit, der Jura (→ Geologie des Juras) ist ein junges Faltengebirge aus Kalkstein. Zwischen dem Jura und den Alpen liegt das teils flache, teils hĂŒgelige Mittelland (→ Geologie des Mittellandes). Dazu kommen noch die Po-Ebene im sĂŒdlichsten Zipfel des Tessins, dem Mendrisiotto (Mendrisio), sowie die Oberrheinische Tiefebene um Basel, die zum allergrössten Teil ausserhalb der Schweiz liegen.

Die Topografie der heutigen Schweiz wurde wÀhrend der letzten zwei Millionen Jahre massgebend durch die riesigen Eismassen geprÀgt und gestaltet, die wÀhrend der verschiedenen Eiszeiten bis weit ins Mittelland vorgestossen waren.

Die Schweiz weist im europĂ€ischen Vergleich eine mittlere ErdbebengefĂ€hrdung auf, wobei regionale Unterschiede bestehen: Im Wallis, in Basel, im St. Galler Rheintal, in MittelbĂŒnden, im Engadin und der Zentralschweiz treten Erdbeben hĂ€ufiger auf als in anderen Gebieten. Mit einem Erdbeben der Magnitude 6 oder grösser ist alle 60 bis 100 Jahre zu rechnen. Ein Erdbeben dieser StĂ€rke ereignete sich letztmals im Jahr 1946 bei Siders im Wallis. Das Erdbeben, das sich am 18. Oktober 1356 bei Basel ereignete, ist das stĂ€rkste, das in historischer Zeit in Zentraleuropa dokumentiert wurde. Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH ZĂŒrich ĂŒberwacht die ErdbebenaktivitĂ€t in der Schweiz sowie im grenznahen Ausland.

Gebirge

In der Schweiz gibt es ĂŒber 3350 Gipfel ĂŒber 2000 Meter Höhe. Die sechzehn höchsten Gipfel der Schweiz liegen alle in den Walliser Alpen. Der höchste Gipfel ist die 4634 mÂ ĂŒ. M. hohe Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv, das das mĂ€chtigste Bergmassiv der Alpen ist. Die Dufourspitze ist damit gleichzeitig der höchste Punkt der Schweiz. Der höchste vollstĂ€ndig auf Schweizer Territorium liegende Berg ist der Dom. Er gehört zur Mischabelgruppe und ist 4545 mÂ ĂŒ. M. hoch.

Der wohl bekannteste Berg in den Schweizer Alpen ist das 4478 mÂ ĂŒ. M. hohe Matterhorn. Im Berner Oberland bilden der Eiger (3967 mÂ ĂŒ. M.), der Mönch (4107 mÂ ĂŒ. M.) und die Jungfrau (4158 mÂ ĂŒ. M.) eine bekannte und auch aus dem Mittelland sichtbare Gruppe. Markante Punkte der Ostalpen sind der Piz Bernina (4049 mÂ ĂŒ. M.), der östlichste Viertausender der Alpen und einziger Viertausender der Ostalpen, sowie der Piz Kesch, ein weiterer Berg mit mehr als 1’500 Metern Prominenz.

In den Voralpen sind die Erhebungen niedriger, jedoch sind die Berge aufgrund ihrer Dominanz und Schartenhöhe nicht weniger imposant. Bekannte Berge sind der Luzerner Hausberg Pilatus (2132 mÂ ĂŒ. M.), der Mythen (1898 mÂ ĂŒ. M.), die Rigi (1797 mÂ ĂŒ. M.) im Kanton Schwyz oder der SĂ€ntis (2502 mÂ ĂŒ. M.) im Alpstein in der Ostschweiz.

Der höchste Schweizer Jura-Berg ist der Mont Tendre mit 1679 mÂ ĂŒ. M. Weitere bedeutende Berge sind La DĂŽle (1677 mÂ ĂŒ. M.), Chasseral (1607 mÂ ĂŒ. M.), Chasseron (1607 mÂ ĂŒ. M.) und Suchet (1588 mÂ ĂŒ. M.). Der östlichste AuslĂ€ufer des Juras ist der Randen im Kanton Schaffhausen.

Gletscher

Das Schweizer Hochgebirge wird massgeblich durch die vielen Gletscher dominiert. Der grösste und lĂ€ngste Alpen-Gletscher ist der Grosse Aletschgletscher, gefolgt vom Gornergletscher (nach FlĂ€che). Den letzten Höchststand erreichten die Schweizer Gletscher wĂ€hrend der Kleinen Eiszeit, die von Anfang des 15. bis Mitte des 19. Jahrhunderts dauerte. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist auch in der Schweiz, wie nahezu weltweit, ein deutlicher RĂŒckgang der Gletscher zu beobachten. Dieser Gletscherschwund hat sich in den letzten Jahrzehnten noch verstĂ€rkt. Zwischen 1973 und 2010 nahm die FlĂ€che aller Gletscher der Schweizer Alpen um 28 Prozent auf ca. 940 Quadratkilometer ab. Im Hitzesommer 2015 haben die Gletscher im Vergleich zu den Vorjahren ein Vielfaches an Masse verloren.

Höhlen

Das Hölloch im Kanton Schwyz ist das zweitlĂ€ngste Höhlensystem Europas und der Lac Souterrain de Saint-LĂ©onard im Kanton Wallis ist der grösste, natĂŒrliche unterirdische See in Europa.

GewÀsser und Inseln

In der wasserreichen Schweiz entspringen im Gotthardmassiv mit dem Rhein und der Rhone zwei der lĂ€ngsten FlĂŒsse Europas. Durch die Schweiz verlaufen mehrere europĂ€ische Hauptwasserscheiden: Sie trennen die Einzugsgebiete von Nordsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer. So fliesst der Rhein mit seinen ZuflĂŒssen in die Nordsee, die Rhone und der Ticino ins Mittelmeer, wĂ€hrend das Wasser des Inn ĂŒber die Donau ins Schwarze Meer gelangt. Eine dreifache Hauptwasserscheide findet sich auf dem Lunghinpass.

Innerhalb der Schweiz hat der Rhein mit 375 Kilometern den lĂ€ngsten Lauf, vor dem Rhein-Zufluss Aare mit 295 Kilometern. Die Rhone fliesst 264 Kilometer innerhalb der Schweiz, wĂ€hrend die Reuss als viertgrösster Fluss der Schweiz 158 Kilometer LĂ€nge erreicht. Weitere prĂ€gende FlĂŒsse sind die Saane im Westen, der Ticino im SĂŒden, die Birs und der Doubs im Nordwesten, die Linth/Limmat und die Thur im Nordosten und der Inn im SĂŒdosten. Bei Schaffhausen bildet der Rhein den grössten Wasserfall Mitteleuropas (Rheinfall). Zeitweise bestand eine Idee, mittels eines transhelvetischen Kanals zwischen Rhein und Rhone die Nordsee und das Mittelmeer mit einer Wasserstrasse zu verbinden, dieses Projekt wurde aber nie realisiert.

Die Schweiz hat aufgrund ihrer topographischen Struktur und vor allem aufgrund der Vergletscherung wĂ€hrend der Eiszeiten rund 1’500 Seen, ein Grossteil davon sind kleinere Bergseen. Insgesamt sind ungefĂ€hr vier Prozent der OberflĂ€che der Schweiz von Seen bedeckt, diese Summe wird aber hauptsĂ€chlich von den grössten Seen der Schweiz bestimmt: Der grösste See der Schweiz ist der Genfersee (580,03 Quadratkilometer) an der französischen Grenze. Er liegt zu knapp 60 Prozent auf Schweizer Boden. Der an Deutschland und Österreich grenzende Bodensee ist mit 536,00 Quadratkilometern etwas kleiner (23,73 Prozent der UferlĂ€nge auf Schweizer Boden). Der Lago Maggiore an der italienischen Grenze (19,28 Prozent auf Schweizer Territorium) bildet mit 193 mÂ ĂŒ. M. den tiefsten Punkt der Schweiz. Die grössten vollstĂ€ndig in der Schweiz liegenden Seen sind der Neuenburgersee (215,20 Quadratkilometer), der VierwaldstĂ€ttersee (113,72 Quadratkilometer) und der ZĂŒrichsee (88,17 Quadratkilometer).

In den Schweizer Seen und FlĂŒssen liegen zahlreiche grössere und kleinere Inseln. Zu den bekanntesten zĂ€hlen die Isole di Brissago, die St. Petersinsel und die Ufenau.

Klima

Nördlich der Alpen herrscht gemĂ€ssigtes, meistens von ozeanischen Winden geprĂ€gtes, mitteleuropĂ€isches Klima, sĂŒdlich der Alpen ist es eher mediterran. Das Klima ist regional jedoch sehr unterschiedlich, bedingt durch die geographischen Elemente.

GrundsĂ€tzlich herrscht vom Jurabogen ĂŒber Mittelland und Voralpen tĂ€glich ein Ă€hnliches Wetter, wĂ€hrend inneralpin und in der SĂŒdschweiz vollkommen anderes Wetter herrschen kann. In der Zentralschweiz, in den Alpen und im Tessin betrĂ€gt die durchschnittliche Niederschlagsmenge ungefĂ€hr 2000 Millimeter im Jahr. Niederschlagsreichster Ort ist der SĂ€ntis (2502 m.Â ĂŒ. M.) mit durchschnittlich 2837 mm (Normperiode 1981–2010), trockenster Ort ist Ackersand im Vispertal mit durchschnittlich 545 Millimetern im Jahr (beide Werte Normperiode 1981–2010). In der Normperiode 1961–1990 lag der Wert fĂŒr Ackersand noch bei 521 Millimetern. Im Mittelland betrĂ€gt die Menge etwa 1000 bis 1500 Millimeter pro Jahr. Als einzige Region der Schweiz verzeichnet diese Region seit dem Jahr 1864 eine statistisch signifikante Zunahme der jĂ€hrlichen Niederschlagsmengen, welche vor allem auf eine Zunahme in den Wintermonaten zurĂŒckzufĂŒhren ist. Die Niederschlagsmenge in der Schweiz ist im Sommer allgemein ungefĂ€hr doppelt so hoch wie im Winter. PrimĂ€r abhĂ€ngig von der Höhenlage fĂ€llt im Winter viel Niederschlag als Schnee, sodass in den Alpen und Voralpen monatelang eine geschlossene Schneedecke liegt. Vergleichsweise selten schneit es in den Regionen um Genf und Basel sowie im SĂŒdtessin, hier kann es auch Winter ohne Schneedecke geben. Die grösste Schneehöhe in der Schweiz wurde mit 816 cm im April 1999 auf dem SĂ€ntis gemessen.

Die Temperaturen in der Schweiz sind primĂ€r abhĂ€ngig von der Höhenlage. Zudem sind sie in der Tendenz im Westen statistisch etwas höher als im Osten (ca. 1 °C). Generell liegt in den Niederungen die Durchschnittstemperatur im Januar bei rund −1 bis +1 °C. Im wĂ€rmsten Monat, dem Juli, liegt sie bei 16 bis 19 °C. Die Jahresmitteltemperaturen betragen ungefĂ€hr 7 bis 9 °C. Die durchschnittlich wĂ€rmsten Orte mit verfĂŒgbaren Messreihen sind Locarno-Monti und Lugano mit einem Jahresmittel von jeweils 12,4 °C (Normperiode 1981–2010). Wie an fast allen Messstationen zeigt sich auch hier der Klimawandel: In der Normperiode 1961–1990 lagen die Durchschnittswerte noch bei 11,5 °C (Locarno/Monti) bzw. 11,6 °C (Lugano) und damit um 0,9 bzw. 0,8 °C niedriger als in der zuletzt gemittelten Normperiode. Der durchschnittlich kĂ€lteste Ort ist das Jungfraujoch mit −7,2 °C (Normperiode 1981–2010). Auch hier hat die Durchschnittstemperatur um 0,7 °C zugenommen seit der Normperiode 1961–1990. Absolute Rekorde wurden in Grono mit 41,5 °C am 11. August 2003 gemessen, beziehungsweise in La BrĂ©vine mit −41,8 °C (12. Januar 1987). Verglichen mit der Höhenlage von Vergleichsorten im Mittelland sind die Temperaturen im Rhonetal, im Rheintal und in der Region Basel durchschnittlich ein bis zwei Grad Celsius wĂ€rmer, in der Magadinoebene im Tessin zwei bis drei Grad. Obwohl klimatisch zur SĂŒdschweiz zĂ€hlend, sind die Temperaturen im Engadin um durchschnittlich zehn Grad Celsius kĂ€lter. Dies liegt daran, dass das Engadin ein alpines Hochtal ist. Ähnliches gilt fĂŒr die SeitentĂ€ler und das Goms im Wallis.

Hagel ist in den Alpen, in der Romandie und im Tessin ein eher seltenes Ereignis. In der Periode von 1999 bis 2002 hagelte es im Emmental, im Laufental und im Toggenburg am im Jahresdurchschnitt bis zu 60 Minuten, in den anderen Regionen waren es unter 30 Minuten.

Nebel ist im ganzen Mittelland zu beobachten, die Alpengebiete sind seltener betroffen. Besonders hĂ€ufig ist der Nebel entlang der Aare, der nördlichen Reuss und im Thurgau, wo er vor allem im Herbst, im Winter und im FrĂŒhfrĂŒhling ĂŒber mehrere Wochen auftreten kann. Mit Ausnahme von Hochnebel ist Nebel im Jurabogen und in der Region Basel ein vergleichsweise seltenes PhĂ€nomen. Die NebelhĂ€ufikeit im Schweizer Mittelland ist seit den 1970er-Jahren deutlich zurĂŒckgegangen. Die Wetterstation ZĂŒrich-Kloten zum Beispiel registrierte frĂŒher immer wieder Jahre mit 50 bis 60 Nebeltagen. Heute sind es um die 40. Ursachen fĂŒr den NebelrĂŒckgang dĂŒrfte in einer Umstellung der vorherrschenden Wetterlagen und in der Verbesserung der Luftreinhaltung zu finden sein.

HĂ€ufig auftretende Winde in der Schweiz sind der milde Föhn beidseits des Alpenkamms und die kalte Bise, von der die SĂŒdschweiz oft verschont wird. Die höchste je gemessene Windgeschwindigkeit ist 285 Kilometer pro Stunde (Jungfraujoch, 27. Februar 1990).

Das Bundesamt fĂŒr Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) ist der staatliche Wetterdienst der Schweiz. Weitere bekannte private Wetterdienste sind: SRF Meteo, Meteomedia und MeteoNews. In Davos ist das Institut fĂŒr Schnee- und Lawinenforschung beheimatet.

Klimawandel in der Schweiz

Im Zuge des globalen Klimawandels hat sich das Klima in der Schweiz verĂ€ndert. Seit 1971 hat die ErwĂ€rmung jede Dekade kontinuierlich zugenommen. Die Jahresdurchschnittstemperatur ist seit 1864 um rund 2 °C (Stand 2018) angestiegen. Dies ist mehr als doppelt so viel wie im weltweiten Durchschnitt – somit ist die Schweiz besonders stark vom Klimawandel betroffen. Als besonders grosse Herausforderung gilt u. a. der Gletscherschwund; er tangiert z. B. die VerfĂŒgbarkeit von Trinkwasser und die Gewinnung von Strom durch Wasserkraft. Im Jahr 2019 wurden nur mehr 1463 Schweizer Gletscher gezĂ€hlt, was einem Verlust von 700 Gletschern seit den 1970er-Jahren durch Abschmelzung entspricht. Klimawissenschaftler prognostizieren, dass die meisten Alpengletscher zum Ende des 21. Jahrhunderts verschwunden sein werden. Auch ergeben sich Trends in den Niederschlagssummen, z. B. eine signifikante Zunahme im Mittelland. DarĂŒber hinaus gibt es eine Zunahme in der HĂ€ufigkeit und IntensitĂ€t der StarkniederschlĂ€ge, was wiederum zu lokalen Überschwemmungen fĂŒhren kann. Die Sommer werden hingegen trockener und heisser, wodurch es vor allem in der Landwirtschaft zu Wasserknappheit kommen kann.

2021 belegt die Schweiz den 14. Rang beim Klimaschutz-Index. Am meisten trĂ€gt der Verkehrssektor zum Ausstoss von Treibhausgasen bei. Der CO2-Ausstoss der Schweiz pro Kopf und der CO2-Ausstoss bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt sind verglichen mit anderen OECD-Staaten relativ niedrig. Die Treibhausgase, die die Schweiz im Ausland produziert, werden nicht den Schweizern angerechnet. WĂŒrde man diese dazurechnen, sĂ€he die CO2-Bilanz weniger gut aus. Der Zementhersteller LafargeHolcim ist der grösste Schweizer Emittent von CO2. Pro Person hat die Schweiz hinter Luxemburg und Belgien den grössten CO2-Fussabdruck in Europa. Weltweit gibt es nur 13 LĂ€nder, die einen noch höheren CO2-Fussabdruck pro Person haben als die Schweiz. Bei den Spillover-Effekten belegt die Schweiz den letzten Platz. Die aktuelle Klimapolitik der Schweiz will bis 2030 die CO2-Emissionen um mindestens 50 % gegenĂŒber 1990 reduzieren und bis 2050 das Netto-Null-Ziel erreichen.

Natur

In der Schweiz leben schÀtzungsweise 40'000 Tierarten, davon sind ca. 30'000 Insekten und nur ca. 83 SÀugetierarten. Mindestens 40 Prozent der Tierarten sind gefÀhrdet, besonders Amphibien und Reptilien.

Das Schweizer GewĂ€ssernetz umfasst rund 65'300 km Fluss- und BachlĂ€ufe. Das Jedermannszutrittsrecht gestattet in der Schweiz allen Menschen, sich unter bestimmten EinschrĂ€nkungen frei in der Natur zu bewegen. Auch das Sammeln von Beeren und Pilzen ist mit EinschrĂ€nkungen gestattet. In einigen Kantonen darf an bestimmten GewĂ€ssern im Rahmen des Freiangelrechts unter gewissen Voraussetzungen ohne Bewilligung gefischt werden, ansonsten ist ein Patent nötig. Die Jagd ist in den nördlichen Kantonen als Revierjagd organisiert, in den meisten ĂŒbrigen Kantonen als Patentjagd; siehe auch Jagdrecht (Schweiz).

Flora und Vegetation

Ein Drittel der LandoberflĂ€che der Schweiz ist bewaldet. In den Alpen dominieren Nadelhölzer (Tannen, Fichten, LĂ€rchen und Arven). Die WĂ€lder in den Alpen haben wichtige Funktionen als Lawinen-Bannwald und Hochwasserschutz (der Wald fĂ€ngt die Regenmenge auf und gibt sie nur langsam wieder ab). Im Mittelland, im Jura und auf der AlpensĂŒdseite unterhalb von 1'000 Metern wachsen LaubmischwĂ€lder und LaubwĂ€lder. Besonders bekannte Waldgebiete in der Schweiz sind der Aletschwald, der Sihlwald und der Pfynwald sowie die alpinen UrwĂ€lder Bödmerenwald (unberĂŒhrter Kernbereich ca. 150 Hektaren), der Tannenurwald von Lac de Derborence (22 Hektaren), der Fichtenwald ScatlĂš bei Brigels im Kanton GraubĂŒnden (9 ha) sowie das Waldreservat Val Cama – Val Leggia im Misox. Der Tamangur im Unterengadin ist der höchstgelegene Arvenwald Europas. Im Tessin und im Misox gibt es als regionale Besonderheit ausgedehnte KastanienwĂ€lder, die in frĂŒheren Zeiten eine Hauptrolle in der ErnĂ€hrung der Bevölkerung spielten. Die drei grössten zusammenhĂ€ngenden WĂ€lder der Schweiz liegen in der SĂŒdschweiz sowie auf den Jurahöhen. Es sind dies WaldflĂ€chen westlich der Maggia (169 kmÂČ), zwischen dem Monte Tamaro und Roveredo (162 kmÂČ) sowie beim Col du Mollendruz bis zur Landesgrenze beim La DĂŽle (117 kmÂČ). Über 700 Pflanzenarten in der Schweiz gelten als vom Aussterben bedroht.

In den Tallagen des Tessins sowie vereinzelt im Mittelland wachsen als Zierpflanzen einige Palmenarten, beispielsweise die Zwergpalme oder die Chinesische Hanfpalme. Letztere Palmenart verwilderte und da sie einheimisches Gehölz bedrĂ€ngt, wird sie als invasiver Neophyt in der Schwarzen Liste invasiver Neophyten aufgefĂŒhrt.

Fauna

In der Schweiz leben circa 99 SĂ€ugetierarten in freier Wildbahn, davon ist der grösste Teil den FledermĂ€usen und anderen KleinsĂ€ugern zuzuordnen. Alle grossen Raubtiere sind in den letzten hundert Jahren aus der Schweiz verschwunden. Die Wichtigkeit von RĂ€ubern in einem gesunden Ökosystem wurde erkannt, und Luchs, Wolf und BĂ€r wurden unter Schutz gestellt. Der Luchs wurde wieder in die Schweiz eingefĂŒhrt. Der Wolf ist selbstĂ€ndig von Italien und Frankreich her eingewandert. Im SĂŒdosten GraubĂŒndens sind seit 2005 zudem vereinzelt von Italien herkommende BraunbĂ€ren, die seit 1910 durch die Jagd verschwunden waren, auf Schweizer Territorium anzutreffen, ohne dass sich jedoch bis anhin eine Population bilden konnte. Am hĂ€ufigsten zu beobachten ist der Rotfuchs. Er fĂŒhlt sich auch in den Schweizer StĂ€dten sehr wohl. Dachse bewohnen oft mit FĂŒchsen zusammen dieselbe Wohnhöhle, weshalb sie stark unter der Verfolgung des Fuchses litten. Als weitere Baubewohner gibt es in einigen Alpenregionen Murmeltiere. Neben dem Luchs gibt es in der Schweiz noch vereinzelte Populationen von Wildkatzen im Jura. Fischotter sind seit 1990 aus der Schweiz verschwunden, letzte Spuren fanden sich 1989 am Neuenburgersee. Hauptgrund ist wohl der Zustand der GewĂ€sser und die dadurch reduzierten FischbestĂ€nde. Oft in Siedlungen anzutreffen ist der Steinmarder. Sein Verwandter, der Baummarder, ist eher selten und hĂ€lt Abstand zu Menschen. Der erste Goldschakal wurde 2011 gesichtet.

Bei den Huftieren sind ebenfalls verschiedene Arten aus der Schweiz verschwunden, so zum Beispiel der Wisent und der Elch. Einige ausgerottete Arten wie der Alpensteinbock wurden mittlerweile wieder angesiedelt; er bevölkert das Hochgebirge der Alpen. Im Unterwallis gibt es zwei Kolonien von EuropĂ€ischen Mufflons, die aus Frankreich eingewandert sind. Die GĂ€mse ist in den höher gelegenen Regionen der Alpen sowie des Juras sehr hĂ€ufig. Grösste Hirschart ist momentan der Rothirsch. Kleinste einheimische Hirschart ist das Reh. Das Reh ist auch die hĂ€ufigste Hirschart und besiedelt Mittelland und Jura. Im zĂŒrcherisch-schaffhausischen Grenzgebiet beim Rafzerfeld kommt der Sikahirsch vor. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges entkamen einige Tiere aus sĂŒddeutschen Gehegen und besiedelten von dort aus die Schweiz. Ebenfalls recht hĂ€ufig in einigen Gebieten der Nordschweiz ist das Wildschwein. Von den Nagetieren wurde der Biber wieder eingefĂŒhrt.

In der Schweiz leben zahlreiche Vogelarten. Die Schweizer Seen und FlĂŒsse sind wichtige Rast- und Überwinterungsgebiete fĂŒr Wasservögel. So ĂŒberwintern jĂ€hrlich mehrere Tausend Reiher-, Tafel- und Kolbenenten sowie BlesshĂŒhner, GĂ€nsesĂ€ger und Haubentaucher in der Schweiz. Von den Greifvögeln sind vor allem der Turmfalke und der MĂ€usebussard sehr hĂ€ufig. Aber auch Rot- und Schwarzmilane kommen regelmĂ€ssig vor. Der Steinadler besiedelt erneut den gesamten Alpenraum. Auch die BestĂ€nde von Habicht und Sperber haben sich erholt und sind stabil. Der ausgerottete Bartgeier wurde im Schweizerischen Nationalpark ausgesetzt; 2007 brĂŒteten drei Paare erstmals in der Schweiz.

Von den RaufusshĂŒhnern besiedeln Haselhuhn, Alpenschneehuhn, Birkhuhn und Auerhuhn die Schweizer Alpen sowie zum Teil den Jurabogen. Die BestĂ€nde des Auerhuhns sind jedoch aufgrund des Alpentourismus sowie der Intensivierung der Forstwirtschaft stark gefĂ€hrdet. So ist das Auerhuhn bereits aus vielen Gebieten der Voralpen und des nördlichen Juras verschwunden. Naturschutzorganisationen bemĂŒhen sich jedoch intensiv um die Erhaltung der Art. Das Steinhuhn besiedelt die Gebiete im Bereich der Waldgrenze. Stark vom Aussterben bedroht sind das Rebhuhn, der Wachtelkönig sowie der Grosse Brachvogel.

In der Schweiz leben Eulenarten wie der Waldkauz, die Waldohreule, der Uhu, der Sperlingskauz sowie Raufusskauz und Schleiereule. In den alten BergwÀldern leben viele Spechtarten. Singvögel sind in der Schweiz zahlreich vertreten. Durch die Ausdehnung des Siedlungsraumes, der Intensivierung der Landwirtschaft auch in immer höheren Bergregionen sowie den Wintertourismus sind viele Vogelarten in der Schweiz gefÀhrdet. Insgesamt stehen knapp 40 Prozent der Vogelarten in der Schweiz auf der Roten Liste der gefÀhrdeten Arten. Bei Uhus und Weissstörchen ist der Stromschlag, laut Daniela Heynen von der Vogelwarte Sempach, eine der hÀufigsten bekannten Todesursachen (vgl. Vogelschlag).

An Reptilien sind vor allem viele Schlangenarten zu nennen, die sich in den sonnigen SĂŒdtĂ€lern der Alpen wohl fĂŒhlen, wie die Aspisviper. In den Hochlagen der Alpen und des Juras lebt zudem die Kreuzotter. Weitaus hĂ€ufiger und weiter verbreitet sind jedoch ungiftige Schlangen wie die Ringelnatter und die WĂŒrfelnatter. Stark verbreitet sind verschiedene Eidechsenarten. Als einzige Schildkrötenart ist in der Schweiz die EuropĂ€ische Sumpfschildkröte anzutreffen.

Amphibien sind in der Schweiz weit verbreitet. HĂ€ufig sind etwa der Grasfrosch, die Erdkröte und der Bergmolch. Deutlich seltener sind hingegen der Laubfrosch, die Geburtshelferkröte und der Alpen-Kammmolch. Das typischste Wirbeltier der Schweiz ist der Alpensalamander – dessen grösste Populationen und das Zentrum seiner Verbreitung sind die Schweizer Alpen.

In den Schweizer GewĂ€ssern gibt es etwa 65 einheimische Fischarten und Unterarten, davon eine einmalige Vielfalt an Felchen. ZusĂ€tzlich kommen etwa 20 eingefĂŒhrte Fischarten hinzu. Zudem gibt es vier einheimische Krebsarten (Edelkrebs, Italienischer Dohlenkrebs, Dohlenkrebs, Steinkrebs) und 4 eingefĂŒhrte Krebsarten. Seit dem 19. Jahrhundert werden die FischbestĂ€nde auch durch Besatzmassnahmen kĂŒnstlich erneuert, insbesondere seit den 1980er Jahren. Pro Jahr werden mehrere Hundert Millionen Jungfische ausgesetzt.

Naturschutz

Ziel des Naturschutzes in der Schweiz ist es, «das heimatliche Landschafts- und Ortsbild, die geschichtlichen StĂ€tten sowie die Natur- und KulturdenkmĂ€ler des Landes zu schonen, zu schĂŒtzen sowie ihre Erhaltung und Pflege zu fördern». Der Naturschutz ist rechtlich im Bundesgesetz ĂŒber den Natur- und Heimatschutz (NHG) geregelt. Teilregelungen existieren zudem in der Wald- und Landwirtschaftsgesetzgebung von Bund und Kantonen. Schweizweit sind etwa 300 Ranger im Einsatz.

Derzeit (Stand Mai 2016) sind 16 PĂ€rke von nationaler Bedeutung in Betrieb und 3 befinden sich in der Errichtungsphase. Der wohl bekannteste unter ihnen ist der 1914 gegrĂŒndete Schweizerische Nationalpark im Kanton GraubĂŒnden. Zwei Parks sind ausserdem auch als BiosphĂ€renreservate ausgezeichnet. 165 geschĂŒtzte Landschaften sind im Bundesinventar der Landschaften und NaturdenkmĂ€ler von nationaler Bedeutung aufgefĂŒhrt.

In der Schweiz gibt es 1073 Naturwaldreservate, inklusive des Schweizerischen Nationalparks, mit einer GesamtflÀche von 46.199 Hektar, das entspricht 3 Prozent der Schweizer WaldflÀche (Stand: 12/2018).

Auch private Organisationen kĂŒmmern sich um den einheimischen Naturschutz, so etwa Pro Natura, welche vertraglich ĂŒber 600 Naturschutzgebiete in der Schweiz mit einer GesamtflĂ€che von fast 600 kmÂČ sichert oder der Schweizer Vogelschutz.

Seit 1987 sind Moore und Hochmoore durch die Bundesverfassung streng geschĂŒtzt (Rothenthurm-Initiative). Das Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung verzeichnete 2007 1'163 schutzwĂŒrdige Moore mit rund 20'000 Hektaren GesamtflĂ€che und das Bundesinventar der Hochmoore von nationaler Bedeutung umfasst 549 Moore mit einer GesamtflĂ€che von rund 1'500 Hektaren. Dies entspricht etwa 0,04 % der LandesflĂ€che.

2019 wurde Lancy als erste Gemeinde Bio-Suisse-zertifiziert.

Bis 2020 wurden nicht genĂŒgend FlĂ€chen fĂŒr das Smaragd-Netzwerk angemeldet. Bisher existieren erst 37 Smaragd-Gebiete. Die Schweiz hat von allen europĂ€ischen LĂ€ndern den niedrigsten Anteil an Schutzgebieten im VerhĂ€ltnis zur LandesflĂ€che. Unter anderem trĂ€gt der Tourismus, die Ausdehnung der SiedlungsflĂ€che, die Intensivierung der Landwirtschaft, die Umweltverschmutzung und die Übernutzung von Ressourcen zum BiodiversitĂ€tsverlust bei. 2020 kam BirdLife Schweiz zum Schluss, dass die Schweiz viel zu wenig fĂŒr ihre reichhaltige BiodiversitĂ€t unternommen hat. Auch die OECD und die EuropĂ€ische Umweltagentur weisen darauf hin, dass die bisherigen Massnahmen zum Schutz der biologische Vielfalt lĂ€ngst nicht ausreichend seien.

Zoologische GĂ€rten

Verschiedene Zoos und TierpĂ€rke zeigen den Besuchern einheimische wie auch exotische Tiere. Zu den bekanntesten zoologischen GĂ€rten in der Schweiz gehören der Zoo Basel, der Zoo ZĂŒrich mit seiner Masoala-Halle, Knies Kinderzoo sowie der Berner BĂ€renpark.

Bevölkerung

StÀdte und Gemeinden

Die kleinste politische Einheit bilden die Gemeinden. So zÀhlen auch StÀdte als Gemeinden. Per 1. Januar 2021 existierten 2172 politische Gemeinden. Die Zahl hat in den letzten Jahren durch Gemeindefusionen stark abgenommen.

Die grösste Stadt der Schweiz ist ZĂŒrich mit 415'367 Einwohnern (31. Dezember 2018), die kleinste Gemeinde ist Kammersrohr mit 28 Einwohnern (31. Dezember 2018). Weitere GrossstĂ€dte sind Genf mit 201'818 (31. Dezember 2018), Basel mit 172'258 (31. Dezember 2018), Lausanne mit 139'111 (31. Dezember 2018), die Bundesstadt Bern mit 133'883 (31. Dezember 2018) sowie Winterthur mit 111'851 (31. Dezember 2018) Einwohnern. Die grössten StĂ€dte mit weniger als 100'000 Einwohnern sind Luzern (81'691), St. Gallen (75'833), Lugano (63'185) und Biel/Bienne (55'159) (alle per 31. Dezember 2014).

In der Agglomeration ZĂŒrich leben rund 1'369'000 Menschen, in der Agglomeration Genf 592'100, in der Agglomeration Basel 547'800, in der Agglomeration Lausanne 420'800 und in der Agglomeration Bern 418'200 Menschen (31. Dezember 2017). Insgesamt leben fast drei Viertel der Bevölkerung in einer der 49 Schweizer Agglomerationen.

Die flĂ€chengrösste politische Gemeinde ist seit dem 1. Januar 2015 die durch Fusion entstandene Gemeinde Scuol (Kanton GraubĂŒnden) mit 438 Quadratkilometern; zuvor war die flĂ€chenmĂ€ssig grösste Gemeinde die ebenfalls durch Fusion entstandene Gemeinde Glarus SĂŒd (Kanton Glarus) mit 430 Quadratkilometern. Die nach FlĂ€che kleinsten Gemeinden sind Gottlieben (Kanton Thurgau), Kaiserstuhl (Kanton Aargau) und Rivaz (Kanton Waadt) mit je 0,32 Quadratkilometern.

Schweizer BĂŒrgerrecht

Das Schweizer BĂŒrgerrecht ist die gebrĂ€uchliche Bezeichnung fĂŒr die schweizerische StaatsbĂŒrgerschaft. Es kann gemĂ€ss Art. 37 Abs. 1 der Bundesverfassung nicht ohne gleichzeitigen Erwerb des BĂŒrgerrechts einer Gemeinde und des BĂŒrgerrechts des Kantons erworben werden. Gemeinde- und KantonsbĂŒrgerrecht vermitteln das Schweizer BĂŒrgerrecht.

Die Gemeinde, deren (Gemeinde-)BĂŒrgerrecht ein Schweizer besitzt, wird BĂŒrgerort (auch Heimatort) genannt.

Der Schweizer Pass und die IdentitĂ€tskarte dienen dem Nachweis der StaatsbĂŒrgerschaft der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Das Staatsangehörigkeitsrecht der Schweiz ist im internationalen Vergleich restriktiv und in den Kantonen bestehen jeweils unterschiedliche Regelungen. In der Schweiz geborene Kinder von im Land lebenden AuslĂ€ndern erhalten nicht automatisch die StaatsbĂŒrgerschaft.

Schweizer, die im Ausland leben, werden Auslandschweizer und darĂŒber hinaus als FĂŒnfte Schweiz bezeichnet. Dieser Ausdruck erklĂ€rt sich aus den vier Sprachregionen der Schweiz. Ende 2018 lebten 760'200 Schweizer Staatsangehörige im Ausland, davon 62 % in Europa, 16 % in Nordamerika, 8 % in SĂŒdamerika, 7 % in Asien, 4 % in Australien und 3 % in Afrika (Statistik der bei einer schweizerischen Auslandsvertretung Gemeldeten).

Demographie

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt: von 3,3 Millionen (1900) auf 8,5 Millionen (2018). Das Bevölkerungswachstum flachte 2018 auf 0,7 Prozent ab. Die Bevölkerungszunahme erreichte ihren Höhepunkt zwischen 1950 und 1970. Zu BevölkerungsrĂŒckgĂ€ngen kam es einzig 1918 als Folge der Spanischen Grippe und in den wirtschaftlichen Rezessionsjahren 1975–1977. WĂ€hrend 2012 insgesamt 148'799 Menschen in die Schweiz einwanderten, verliessen 96'494 das Land.

Das Wachstum der Bevölkerung mit Schweizer Pass ist seit 1981 langsamer und konstanter als jenes der Gesamtbevölkerung verlaufen. Die Entwicklung der auslĂ€ndischen Wohnbevölkerung erfolgte etwas rascher, aber ĂŒber die Jahre unregelmĂ€ssiger – mit relativ hohen jĂ€hrlichen Zuwachsraten zwischen 1988 und 1993 von jeweils ungefĂ€hr 3 Prozent.

WĂ€hrend die allgemeine Geburtenziffer 1963 noch bei 2,67 lag, nahm sie danach stetig bis auf einen Wert von 1,38 im Jahre 2001 ab. Seither gab es wieder eine moderate Zunahme auf 1,46 im Jahr 2007. Damit ergab sich auch erstmals seit zehn Jahren wieder ein GeburtenĂŒberschuss von Schweizer Staatsangehörigen (+400). 2018 lag die Geburtenziffer bei 1,52 Kindern pro Frau.

Die Lebenserwartung betrug im Jahr 2019 gemĂ€ss Bundesamt fĂŒr Statistik 85,6 Jahre fĂŒr Frauen und 81,9 Jahre fĂŒr MĂ€nner. Laut UN war die Schweiz im Zeitraum von 2015 bis 2020 das Land mit der zweithöchsten Lebenserwartung weltweit.

Die Bevölkerungsdichte ist im flachen Mittelland mit ca. 450 Personen pro Quadratkilometer auf 30 Prozent des Staatsgebiets – fĂŒr Schweizer VerhĂ€ltnisse – sehr hoch, im Alpenland und im Jura naturgemĂ€ss dĂŒnn. Im Kanton GraubĂŒnden, im Alpengebiet gelegen, betrĂ€gt die Einwohnerdichte nur einen Bruchteil davon (ca. 27 Personen pro Quadratkilometer). Ausserdem ist das Mittelland, aber auch der Kanton Tessin, stark zersiedelt.

Eine verlangsamte Zuwanderung hat Auswirkungen auf den Immobilienmarkt: So stieg die Zahl der leerstehenden Wohnungen laut dem Bundesamt fĂŒr Statistik in den Jahren 2013 bis 2017 von 40'000 auf 65'000 Wohnungen. Demzufolge sinken auch die Mieten.

In der Schweiz wird zwischen AuslĂ€ndern (Bevölkerung ohne Schweizer BĂŒrgerrecht) und der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (Bevölkerung mit Schweizer BĂŒrgerrecht sowie auslĂ€ndischen Wurzeln) unterschieden. Der Begriff Secondo ist die in der Schweiz gebrĂ€uchliche Bezeichnung fĂŒr Einwanderer der zweiten Generation, die teilweise AuslĂ€nder und teilweise Schweizer Staatsangehörige sind.

AuslÀnder

AuslĂ€nder sind Personen ohne Schweizer BĂŒrgerrecht (offizielle Bezeichnung fĂŒr die Staatsangehörigkeit der Schweiz). Ende 2017 lebten in der Schweiz 2'126'400 Einwohner ohne Schweizer BĂŒrgerrecht, was einem AuslĂ€nderanteil von 25,1 Prozent entsprach, die meisten davon aus Italien (317'300), Deutschland (304'600), Portugal (266'600) und Frankreich (131'100) Jeder AuslĂ€nder erhĂ€lt einen AuslĂ€nderausweis. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts war der AuslĂ€nderanteil an der schweizerischen Gesamtbevölkerung höher als in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern. GrĂŒnde dafĂŒr sind u. a. die vielen Grenzregionen, die zentrale Lage in Europa und die geringe Grösse des Landes. Andere sehen den Grund hierfĂŒr eher in der restriktiven Gesetzgebung, die schnellere EinbĂŒrgerungen verhindert. WĂ€hrend der durchschnittliche Anteil an AuslĂ€ndern im gesamten Land bei 25,1 Prozent liegt, haben einige Gemeinden einen weit ĂŒberdurchschnittlich hohen Anteil. Hierzu gehören beispielsweise Basel (37,3 %), Lausanne (43,2 %), Dietikon (45,0 %), Montreux (46,5 %), Genf (47,9 %), Spreitenbach (50,3 %), Renens (51,2 %), Kreuzlingen (54,7 %).

Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund zÀhlen Personen, die in die Schweiz eingewandert sind und deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Weiter zÀhlen dazu die unmittelbaren (direkten) Nachkommen dieser Personen (sog. Secondos, Angehörige der zweiten Generation), die in der Schweiz geboren wurden.

Eine Person mit Migrationshintergrund kann sowohl die Schweizer wie auch eine auslÀndische Staatsangehörigkeit besitzen.

Keine Personen mit Migrationshintergrund sind folglich die AuslĂ€nder der dritten Generation und gebĂŒrtige Schweizer, bei denen mindestens ein Elternteil in der Schweiz geboren wurde. Das Bundesamt fĂŒr Statistik (BFS) hat bei der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren in der ganzen Schweiz per Ende 2013 einen Anteil an Personen mit Migrationshintergrund von 34,8 Prozent (2'374'000 Einwohner) ermittelt.

Asyl

Die Schweiz richtet sich nach den völkerrechtlichen Verpflichtungen gemĂ€ss der Genfer FlĂŒchtlingskonvention. Rechtsgrundlage ist das Asylgesetz (AsylG). ZustĂ€ndige Bundesbehörde ist das Staatssekretariat fĂŒr Migration (SEM). Asylbewerber und FlĂŒchtlinge erhalten, wie alle anderen AuslĂ€nder, einen AuslĂ€nderausweis: Den Ausweis «N» erhalten Asylsuchende, «F» vorlĂ€ufig aufgenommene AuslĂ€nder und «S» SchutzbedĂŒrftige.

2014 beantragten 23'765 Menschen in der Schweiz Asyl. Von den Asylsuchenden stammte die Mehrheit vornehmlich aus Eritrea, gefolgt von Syrien und Sri Lanka. 2015 beantragten 39'523 Menschen Asyl, vor allem aus Eritrea, Afghanistan und Syrien.

Sans-Papiers

Menschen, die ohne gĂŒltige Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz leben, werden Sans-Papiers (wörtlich «[Menschen] ohne Papiere») genannt. Ihre Zahl ist naturgemĂ€ss unbekannt. SchĂ€tzungen variieren zwischen 80'000 und 300'000 Personen, das Bundesamt fĂŒr Statistik (BFS) beziffert die Anzahl in einer Studie von 2015 auf rund 76'000. Die meisten Sans-Papiers gehen einer BeschĂ€ftigung fĂŒr «niedrig Qualifizierte» nach. Sans-Papiers arbeiten in Branchen, deren Personalbedarf durch Schweizer oder EU-Staatsangehörige nicht vollstĂ€ndig abgedeckt wird. Sie putzen in privaten Haushalten, betreuen Kinder und Betagte, arbeiten auf Baustellen oder in der Landwirtschaft.

Auswanderung

FĂŒr junge MĂ€nner war der Eintritt als Söldner in fremde Kriegsdienste bis in das erste Drittel des 19. Jahrhunderts die hĂ€ufigste Form der Auswanderung. Ab dem 14. Jahrhundert standen die sogenannten ReislĂ€ufer im Dienst des Kaisers, der französischen Könige und von italienischen StĂ€dten wie z. B. Mailand (→ Schweizer Truppen in fremden Diensten).

Hunger und Armut nach dem DreissigjĂ€hrigen Krieg fĂŒhrten zu Ausreisewellen nach Ostpreussen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fĂŒhrte die kriegsbedingte (→ Napoleonische Kriege) allgemeine Verarmung zu Auswanderungen nach Russland, wĂ€hrend in den Hungerjahren 1816–1817 (→ Jahr ohne Sommer) besonders Lateinamerika das Ziel war. Die Landwirtschaftskrisen der 1840er-, 1870er- und 1880er-Jahre, sowie Umstrukturierungsprobleme wĂ€hrend der Industrialisierung fĂŒhrten zu Massenauswanderungen in noch nie gekannten Dimensionen nach Übersee, besonders nach Nordamerika und SĂŒdamerika. Am Ende des 19. Jahrhunderts war Nordamerika fĂŒr fast 90 Prozent der Emigranten das Ziel. Zwischen 1851 und 1860 wanderten rund 50'000 Personen nach Übersee aus, in den 1860er- und 1870er-Jahren je 35'000 und zwischen 1881 und 1890 ĂŒber 90'000. Bis 1930 stabilisierte sich die Zahl der Auswanderer pro Jahrzehnt zwischen 40'000 und 50'000. In einigen Kantonen wurden Arme von den Behörden im grossen Stil zur Auswanderung gedrĂ€ngt.

Die Auswanderer grĂŒndeten in der neuen Welt Kolonien, so entstanden 1803 Nouvelle Vevay (heute New Vevay) in Indiana, 1831 New Switzerland in Illinois und 1845 New Glarus in Wisconsin. Der wohl bekannteste Auswanderer war Johann August Sutter. Der als General Sutter bekanntgewordene kalifornische LĂ€ndereienbesitzer grĂŒndete die Privatkolonie Neu-Helvetien. Auf seinem Land brach 1848 der kalifornische Goldrausch aus.

GemĂ€ss empirischen Daten war die Wanderungsbilanz fĂŒr das Gebiet der heutigen Schweiz von der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stets negativ.

Einwanderung

Heute ist die Schweiz – wie fast alle wohlhabenden westlichen Staaten der Welt – ein Einwanderungsland. Zur Zeit der Industrialisierung gab es eine grosse Binnenwanderung vor allem aus den Alpen. Seit dem grossen Wirtschaftswachstum in den 1960er-Jahren wurden Gastarbeiter (→ Saisonnierstatut) gezielt angeworben, spĂ€ter erreichten die Schweiz immer wieder FlĂŒchtlingsströme, etwa aus dem ehemaligen Jugoslawien wĂ€hrend der Jugoslawienkriege. Aus der TĂŒrkei kamen viele Gastarbeiter nach Westeuropa und damit auch in die Schweiz. Nachdem im Jahr 1992 8544 Menschen (davon 4876 Deutsche) aus Deutschland in die Schweiz zogen, waren es 14'792 (11'225) im Jahr 2003 und 35'061 (29'139) im Jahr 2008. Danach ermĂ€ssigten sich die ZuzĂŒge aus Deutschland bis auf 25'881 (19'930 Deutsche) im Jahr 2014. Im Jahr 2015 wanderten 106'805 Menschen aus der EU/EFTA ein und 55'111 EU/EFTA-Staatsangehörige verliessen die Schweiz. Im Jahr 2008 waren aus der EU/EFTA nur wenig mehr Menschen, 113'235, eingewandert. Wenige Tausend Menschen aus DrittlĂ€ndern erhalten jĂ€hrlich eine Arbeitsmarktzulassung.

2017 bildeten die italienischen StaatsbĂŒrger mit 14,9 Prozent die grösste AuslĂ€ndergruppe, gefolgt von den deutschen (14,3 Prozent), portugiesischen (12,5), französischen (6,2), kosovarischen (5,2), spanischen (3,9), tĂŒrkischen (3,2) und serbischen (3,1) StaatsbĂŒrgern. Aus dem ĂŒbrigen Europa stammen 19,9 Prozent, aus Asien 7,9, aus Afrika 5,1 und aus Amerika 3,8 Prozent.

42'699 Menschen, vor allem aus Italien, Deutschland, Portugal, Frankreich und dem Kosovo, wurden 2015 eingebĂŒrgert. Im Jahr 2008 waren 45'305 Menschen eingebĂŒrgert worden, insbesondere aus dem Kosovo, Italien, Deutschland und der TĂŒrkei.

Sprachen

In der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) werden die Begriffe Landessprachen und Amtssprachen verwendet.

Der Artikel 4 BV hÀlt seit 1999 fest:

Im Artikel 70 Absatz 1 BV heisst es zudem:

GemĂ€ss einer Erhebung der Bundesbehörden aus dem Jahr 2020 ist Deutsch (auf der nebenstehenden Karte blassrot) mit einem Anteil von 62 Prozent an der Gesamtbevölkerung die meistverbreitete Sprache. Im deutschsprachigen Teil der Schweiz werden schweizerdeutsche Dialekte (→ Schweizerdeutsch) und in geringerem Umfang (Schweizer) Hochdeutsch gesprochen, wĂ€hrend Geschriebenes in der Regel in Schweizer Hochdeutsch verfasst wird. Dies ist die Bezeichnung fĂŒr die in der Schweiz gebrĂ€uchliche deutsche Schriftsprache. Es ist die schweizerische VarietĂ€t des Standarddeutschen (Hochdeutsch) und unterscheidet sich von diesem in Wortschatz, Wortbildung, Morphologie, Syntax, Orthographie (z. B. kein Â«ĂŸÂ») und Aussprache. Diese Besonderheiten werden Helvetismen genannt. Das Schweizerdeutsche gehört zum schwĂ€bisch-alemannischen Sprachgebiet der deutschen Sprache.

Französisch (violett) wird von 23 Prozent der Gesamtbevölkerung gesprochen (→ Schweizer Französisch). Dieser Teil des Landes wird hĂ€ufig als Romandie, Suisse romande, Welschland oder Westschweiz bezeichnet, wo neben dem heute vorherrschenden Standardfranzösisch nur noch von einer kleinen Minderheit Patois (Dialekte) gesprochen werden.

Italienisch wird im Kanton Tessin und vier SĂŒdtĂ€lern (Misox, Calancatal, Bergell, Puschlav) sowie der Gemeinde Bivio des Kantons GraubĂŒnden (Grigioni italiano) (grĂŒn) gesprochen. Dies gilt fĂŒr 8 Prozent der Gesamtbevölkerung in der Schweiz (→ Schweizer Italienisch). Ein grosser, allerdings im Abnehmen begriffener Teil der italienischsprachigen Bevölkerung spricht lokale Dialekte, die zum Lombardischen gehören («TicinĂ©es»).

Die vierte Landessprache, RĂ€toromanisch (gelb), hat einen Anteil von 0,5 Prozent an der Gesamtbevölkerung und wird in GraubĂŒnden gesprochen, wobei praktisch alle RĂ€toromanischsprachigen auch die deutsche Sprache beherrschen. Das RĂ€toromanisch ist seit dem 19. Jahrhundert stark gefĂ€hrdet und wird trotz Fördermassnahmen zunehmend vom Deutschen verdrĂ€ngt. Seit 1860 haben 51 Gemeinden in GraubĂŒnden vom romanischen ins deutsche Sprachgebiet gewechselt. 1938 nahm das stimmberechtigte Volk eine VerfassungsĂ€nderung an, wonach das RĂ€toromanische zur Landessprache erhoben wurde. Erst seit 1996 gilt das RĂ€toromanisch auch als Amtssprache. Seit 2001 ist die Schriftsprache Rumantsch Grischun im Kanton GraubĂŒnden offizielle Amtsschriftsprache und im Bund fĂŒr den Verkehr mit der romanischsprachigen Bevölkerung; in den romanischen Gemeinden dient indes nach wie vor eines der fĂŒnf bĂŒndnerromanischen Idiome als Amtssprache.

Die Bundesverfassung legt die Sprachgebiete der Schweiz nicht fest. Art. 70 Abs. 2 BV weist den Kantonen die Kompetenz zu, ihre Amtssprachen zu bestimmen. Dabei mĂŒssen sie jedoch sprachliche Minderheiten und die herkömmliche Zusammensetzung der Sprachgebiete beachten. Wer aus einem anderssprachigen Landesteil zuzieht, hat kein Recht darauf, in seiner angestammten Sprache mit den neuen Kantons- und Gemeindebehörden zu verkehren (TerritorialitĂ€tsprinzip). Unter den mehrsprachigen Kantonen haben nur Bern und Wallis die Sprachgebiete rĂ€umlich festgelegt; der mehrsprachige Kanton Freiburg weist die Regelung der Amtssprache den Gemeinden zu. Offiziell per Kantonsverfassung zweisprachig sind die Gemeinden Biel/Bienne, Evilard/Leubringen und Freiburg/Fribourg an der Nahtstelle zwischen Französisch und Deutsch. Auch einige weitere Gemeinden wie die sieben des Schulkreises Murten/Morat sowie solche in der Umgebung von Biel bieten ebenfalls zweisprachige Dienstleistungen und Schulen in beiden Kantonssprachen an, um der französischsprachigen Minderheit entgegenzukommen.

Im Kanton GraubĂŒnden gelten gemĂ€ss Art. 16 des BĂŒndner Gemeindegesetzes von 2006 Gemeinden als amtlich einsprachig, wenn mindestens 40 Prozent der Einwohner die angestammte Sprache sprechen, und als zweisprachig, wenn mindestens 20 Prozent die angestammte Sprache sprechen. Faktisch kann das bedeuten, dass Romanisch dort zwar die Verwaltungs- und Schulsprache, jedoch Schweizerdeutsch die Verkehrssprache ist. Der Kanton Tessin definiert sich als ganz zum italienischen Sprachgebiet und der Kanton Jura als ganz zum französischen Sprachgebiet zugehörig, obwohl je eine Gemeinde (Jura: Ederswiler, Tessin: Bosco/Gurin) eine deutschsprachige Mehrheit aufweist.

Die Zahl der Fahrenden, unter denen die Jenischen neben einer geringeren Anzahl von Sinti und Roma die weit ĂŒberwiegende Mehrheit bilden, wird bei VolkszĂ€hlungen nicht erhoben, aber in offiziellen SchĂ€tzungen auf 20'000 bis 35'000 angesetzt. Das entsprĂ€che einem Anteil von annĂ€hernd 0,5 Prozent. Jenische leben in der ganzen Schweiz verstreut und sprechen neben ihrer internen Gruppensprache Jenisch meist eine der Landessprachen. Jiddisch (Westjiddisch) besitzt in der Schweiz eine alte Tradition in den Surbtaler Dörfern Endingen und Lengnau aufgrund der dortigen, heute nur noch marginal existierenden jĂŒdischen Gemeinden. Eine jĂŒngere Tradition hat Jiddisch (Ostjiddisch) in der Stadt ZĂŒrich, wo es teilweise in ultraorthodoxen Kreisen gesprochen wird. Die Sprecher des Jenischen und des Jiddischen werden seit 1997 von der Schweiz im Rahmen der EuropĂ€ischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen als nationale nicht territoriale «Minderheitsgemeinschaften» betrachtet, ihre Sprachen damit jedoch nicht als nationale Minderheitssprachen anerkannt.

Die GebÀrdensprachen werden von rund 10'000 in der Schweiz lebenden Personen beherrscht, in der Schweiz wird die Deutschschweizer GebÀrdensprache (DSGS), die Langue des signes Suisse romande (LSF-SR, westschweizer GebÀrdensprache) und die Lingua dei segni della Svizzera italiana (LIS-SI, Tessiner GebÀrdensprache) verwendet.

Eine andere Hauptsprache haben 25 Prozent der Gesamtbevölkerung. Durch Zuwanderung bedingt, sprechen mittlerweile 9 Prozent der Einwohner andere Sprachen als die Landessprachen. Von diesen ist das Serbisch-Bosnisch-Kroatische mit 1,5 Prozent am weitesten verbreitet.

Als Fremdsprachen lernen die Schweizer eine zweite Landessprache und Englisch. Es gibt Diskussionen darĂŒber, ob Englisch gleichzeitig mit oder sogar vor der zweiten Landessprache unterrichtet werden soll. Aufgrund von Protesten aus der jeweils anderen Sprachregion und GrundsatzĂŒberlegungen zum Zusammenhalt der Schweiz hat sich ein rein englischer Fremdsprachenunterricht bisher nirgendwo durchsetzen können.

Religionen

Von der gesamten Schweizer Wohnbevölkerung waren im Jahr 2017 3'213'411 Personen (37,9 Prozent) Mitglied der römisch-katholischen Kirche und 2'150'387 Personen (25,3 Prozent) Mitglied der evangelisch-reformierten Kirche (100 Prozent: 8'484'130 Personen).

Von der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren waren 2017 laut einer Umfrage des Bundesamtes fĂŒr Statistik (BFS) 35,9 Prozent römisch-katholisch, 26,0 Prozent konfessionslos, 23,8 Prozent evangelisch-reformiert, 5,9 Prozent gehörten zu anderen christlichen Gemeinschaften (Freikirchen, Christkatholiken und Orthodoxe Christen), 5,4 Prozent gehörten zu islamischen Gemeinschaften, 1,6 Prozent gehörten zu anderen Religionsgemeinschaften (darunter 0,3 Prozent Juden) und 1,4 Prozent machten keine Angabe.

Laut einer Studie des Pew Research Center aus dem Jahr 2017 bezeichnen sich 75 % der volljĂ€hrigen Bevölkerung in der Schweiz als Christen – unabhĂ€ngig davon, ob sie offiziell, z. B. durch das Zahlen einer Kirchensteuer, einer bestimmten christlichen Konfession bzw. Kirche angehören. Jedoch besuchen nur 27 % der Christen mindestens einmal im Monat einen Gottesdienst. 21 % der Befragten fĂŒhlen sich keiner Religion zugehörig, wobei sich davon fast die HĂ€lfte als Atheisten bezeichnet.

Die Religionsfreiheit in der Schweiz ist als verfassungsmĂ€ssiges Grundrecht verankert. Es ist den Kantonen ĂŒberlassen, ob sie ausgewĂ€hlten Religionsgemeinschaften einen besonderen Status als öffentlich-rechtliche Körperschaft und damit als Landeskirche verleihen wollen. In den meisten Kantonen haben die römisch-katholische Kirche und die evangelisch-reformierte Kirche, in vielen Kantonen zusĂ€tzlich die christkatholische Kirche und in einigen die jĂŒdischen Gemeinden diesen Status inne. Im Jahr 1973 wurde im Kanton Basel-Stadt die Israelitische Gemeinde Basel (IGB) als erste jĂŒdische Gemeinschaft der Schweiz vom Kanton öffentlich-rechtlich anerkannt, wobei nunmehr die Kantone Bern, Freiburg, St. Gallen, Waadt und ZĂŒrich dasselbe Recht kennen. Die christkatholische Kirche ist nur in Teilen der Nordwestschweiz von Bedeutung. In den Westschweizer Kantonen Genf und Neuenburg gibt es keine Landeskirchen, weil dort Kirche und Staat vollstĂ€ndig getrennt sind; sie sind dennoch als «Organisationen von öffentlichem Interesse» anerkannt. In Basel besteht die sogenannte «hinkende Trennung» von Kirche und Staat.

Mit 0,33 Prozent ist der Buddhismus in der Schweiz stĂ€rker vertreten als in anderen LĂ€ndern Europas. Synagogen, Moscheen (→ Liste von Moscheen in der Schweiz) und buddhistische Tempel existieren in mehreren Orten in der Schweiz.

Historisch gesehen waren die Einwohner der Kantone ZĂŒrich, Bern, Basel-Stadt, Basel-Landschaft (ausser Bezirk Arlesheim), Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden und Waadt noch um 1850 praktisch ausschliesslich reformiert, diejenigen der Kantone Freiburg (ausser Bezirk Murten), Wallis, Jura, Solothurn (ausser Bezirk Bucheggberg), Luzern, Ob- und Nidwalden, Uri, Schwyz, Zug, Appenzell Innerrhoden und Tessin fast nur katholischen Glaubens. Konfessionell gemischt waren hingegen die Kantone Glarus, Aargau, St. Gallen, GraubĂŒnden und Genf. Die Verteilung der Konfessionen war das Resultat der Anwendung des Territorialprinzips bei der Wahl der Konfession nach den Religionskriegen des 16. Jahrhunderts; die konfessionell gemischten Kantone wiesen entweder junge Kantonsgrenzen auf (Aargau, St. Gallen, Genf) oder aber kannten eine althergebrachte gemeindeweise Festlegung (Glarus, GraubĂŒnden). ParitĂ€t, das heisst gleichzeitiges Vorhandensein beider Konfessionen am selben Ort, war die Ausnahme; sie galt etwa im Toggenburg, in Teilen der vormaligen Untertanengebiete der Eidgenossenschaft (Thurgau, Echallens) und in einigen Gemeinden GraubĂŒndens und von Glarus.

Eine Volksabstimmung 1919 in Vorarlberg zu Verhandlungen mit der Schweiz ĂŒber einen Beitritt zur Schweizerischen Eidgenossenschaft ergab zwar eine Zustimmung von gut 80 Prozent, weitere Verhandlungen scheiterten an den Reformierten in der Schweiz, die durch einen zusĂ€tzlichen Kanton mit Katholiken ihre damalige Mehrheit verloren hĂ€tten.

Niklaus von FlĂŒe gilt als Schutzpatron der Schweiz.

Geschichte

Vorgeschichte

Das Gebiet der heutigen Schweiz ist seit der Altsteinzeit (PalĂ€olithikum) besiedelt. Spuren der MagdalĂ©nien-Kultur finden sich z. B. im Kesslerloch bei Thayngen. Erst nach der letzten Eiszeit, der sogenannten WĂŒrm-Kaltzeit, wurde das Schweizer Mittelland durch die Pfahlbauer dichter besiedelt, besonders die Gebiete um die Seen (→ PrĂ€historische Pfahlbauten um die Alpen). Mit dem Beginn der Eisenzeit setzte die keltische Besiedlung des Mittellands ein. Funde bei La TĂšne im Kanton Neuenburg gaben der gesamten Periode der jĂŒngeren Eisenzeit ihren Namen (→ LatĂšnekultur). Die Kelten pflegten Handelsbeziehungen bis in den griechischen Kulturraum.

Die Episode um Polyphem aus der Odyssee, die in mĂŒndlicher Überlieferung als die «Blendung des Ogers» in der Folklore vieler ethnischer Gruppen weltweit vorkommt, kommt in der schweizerischen Überlieferung fĂŒr das Gebiet des heutigen Kanton Wallis einer prĂ€historischen Ursprungsversion am nĂ€chsten.

FrĂŒhgeschichte

Vor der Eroberung durch die Römer lebten laut Aufzeichnungen des römischen Feldherrn und Politikers Julius Caesar in seiner Rechtfertigungsschrift fĂŒr den Gallischen Krieg (→ De bello Gallico) auf dem Gebiet der heutigen Schweiz verschiedene keltische StĂ€mme und Völker: die Helvetier (Mittelland), die Lepontier (Tessin), die Seduner (Wallis, Genfersee) und die Raetier (Ostschweiz). Im Zuge der Ausdehnung des Römischen Reiches (→ Die Schweiz in römischer Zeit) ĂŒber die Alpen wurde das Gebiet der heutigen Schweiz bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. ins Römische Reich integriert und die Bevölkerung romanisiert. Die wichtigsten römischen StĂ€dte der Schweiz waren Aventicum (Avenches), Augusta Raurica, Vindonissa (Windisch), Colonia Iulia Equestris (Nyon) und Forum Claudii Vallensium (Martigny). In der SpĂ€tantike wurde die Schweiz, ausgehend von den stĂ€dtischen Zentren, christianisiert. FrĂŒhe Bischofssitze waren Genf, Augusta Raurica/Basel, Martigny/Sitten, Avenches/Lausanne und Chur.

Nach dem Untergang des Römischen Reiches besiedelten die germanischen StÀmme der Burgunder und Alamannen von Norden her kommend das Mittelland und vermischten sich mit der romanisierten Bevölkerung. In den zur Römerzeit stÀrker besiedelten Gebieten der Westschweiz sowie in den AlpentÀlern hielten sich romanische Sprachen (spÀter Französisch, RÀtoromanisch und Italienisch) und das Christentum, wÀhrend sich in der Nordschweiz das germanische Alemannisch verbreitete. Bis 746 unterwarfen die Franken die Burgunder und Alemannen, womit die Schweiz Teil des FrÀnkischen Reiches wurde. Bei der Teilung dieses Reiches kam das Gebiet der Schweiz zum Ostfrankenreich, dem spÀteren Heiligen Römischen Reich. Ihr Gebiet gehörte dabei grösstenteils zum Stammesherzogtum Schwaben und zum Königreich Burgund. Bis ins 9. Jahrhundert wurden auch die Alamannen ausgehend von wichtigen klösterlichen Zentren wie St. Gallen und Reichenau christianisiert.

In der frĂŒhen Geschichte des römisch-deutschen Reichs spielten Adelsgeschlechter aus der Schweiz wie die Habsburger, Kyburger, Lenzburger und Rudolfinger eine wichtige Rolle. Ausserdem waren die AlpenpĂ€sse fĂŒr die deutsche Herrschaft ĂŒber Italien von grösster Wichtigkeit. So lĂ€sst sich erklĂ€ren, weshalb die deutschen Herrscher immer ein ganz besonderes Augenmerk auf die Talschaften in den Alpen legten und sich bemĂŒhten, diese direkt zu beherrschen. Die Bewohner der Talschaften der Innerschweiz sahen diese «Reichsunmittelbarkeit» als Privileg.

Ab Ende des 12. bis ins 14. Jahrhundert erfolgte eine Wanderbewegung von Bewohnern des Oberwallis in weitere Alpengebiete in der Schweiz, nach Nordwestitalien, Liechtenstein und Westösterreich, vereinzelt auch nach Savoyen und Bayern. Die Aussiedler wurden spĂ€ter als Walser bezeichnet. Auf einer LĂ€nge von rund 300 km im Alpenbogen bestehen noch heute rund 150 von den Walsern gegrĂŒndete Dörfer.

Alte Eidgenossenschaft

Die drei Urkantone oder WaldstĂ€tte (Orte) Uri, Schwyz und (bei allerdings unsicherer Lesart) Unterwalden schlossen 1291 nach dem Tod des deutschen Königs Rudolf I. von Habsburg einen Bund zum Schutz ihrer «alten Freiheiten». Eine diesbezĂŒgliche Urkunde, der sogenannte Bundesbrief, ist datiert auf Anfang August 1291. Der Legende nach geschah die Beschwörung dieses Bundes auf dem RĂŒtli. Im 19. Jahrhundert wurde der 1. August 1291 als Datum fĂŒr die «GrĂŒndung» der Alten Eidgenossenschaft und damit der 1. August als Schweizer Nationalfeiertag festgelegt.

Das schlechte VerhĂ€ltnis zwischen den Eidgenossen und dem Herrscherhaus der Habsburger rĂŒhrt von der deutschen Königswahl vom 25. November 1314 her, als der Wittelsbacher Ludwig der Bayer und der Habsburger Friedrich der Schöne gleichzeitig zum deutschen König gewĂ€hlt wurden. Die Eidgenossen hielten zu Ludwig dem Bayern. Dies und ein Überfall auf das Kloster Einsiedeln bewog Leopold I. von Österreich 1315 zu einem Kriegszug gegen die Eidgenossen, der in der Schlacht am Morgarten unglĂŒcklich fĂŒr ihn endete. Um ihre SelbstĂ€ndigkeit gegenĂŒber Habsburg zu wahren, schlossen sich die ReichsstĂ€dte Luzern, ZĂŒrich, Glarus, Zug und Bern im 14. Jahrhundert dem Bund der WaldstĂ€tte an. Das resultierende Gebilde wird als die Acht Alten Orte bezeichnet. Erst als die StĂ€dte ZĂŒrich, Bern und Luzern durch ihren Betritt die Eidgenossenschaft zum Instrument ihrer Kooperation machten, erlangte der eidgenössische Bund eine stabile politische Bedeutung, welche auch durch die europĂ€ischen höfischen Zentren in Wien, Paris und Mailand geduldet wurde.

Die Schlacht am Morgarten ist heute unter Historikern umstritten. Es folgten weitere Auseinandersetzungen mit dem Haus Habsburg: 1386 bei Sempach (die Lombardei, die ihre wirtschaftlichen Interessen durch die Habsburger gefĂ€hrdet sah, hatte die eidgenössische Bewaffnung finanziert) und 1388 bei NĂ€fels gelang es den Eidgenossen, habsburgische Ritterheere zu schlagen. 1415 eroberten sie (auf Betreiben von Kaiser Sigismund) die habsburgischen Stammlande im Aargau. Zwischen der Stadt ZĂŒrich und den ĂŒbrigen Eidgenossen kam es wegen der Erbschaft der Grafen von Toggenburg zum Alten ZĂŒrichkrieg (1436–1450), in dessen Verlauf sich ZĂŒrich mit Habsburg verbĂŒndete. ZĂŒrich war schliesslich zur RĂŒckkehr in die Eidgenossenschaft gezwungen. Ein weiterer Krieg brachte Habsburg 1460 um den Thurgau, sodass sich Herzog Sigismund von Tirol am 11. Juni 1474 in der «Ewigen Richtung» angesichts der Bedrohung durch Herzog Karl den KĂŒhnen von Burgund gezwungen sah, die Alte Eidgenossenschaft als eigenstĂ€ndiges Staatswesen anzuerkennen. 1474 zogen die Eidgenossen auf Wunsch Kaiser Friedrichs III. gegen Karl den KĂŒhnen und zerstörten in den Burgunderkriegen im Verbund mit Lothringen und Habsburg dessen Reich. Bern und Freiburg expandierten in dieser Zeit ins vormals savoyisch und burgundisch kontrollierte Waadtland, das sie bis 1536 ganz eroberten.

Der militĂ€rische Sieg ĂŒber die Burgunder bestĂ€rkte die Eidgenossenschaft in ihrem Willen nach SelbstĂ€ndigkeit. Aus diesem Grund widersetzte sie sich der Reichsreform des deutschen Königs und spĂ€teren Kaisers Maximilian I. Der Versuch Maximilians, die Eidgenossen im Schwabenkrieg gefĂŒgig zu machen, endete 1499 im Frieden zu Basel. Als konkrete Folge schlossen sich 1501 Basel und Schaffhausen dem Eidgenössischen Bund an, der sich zu den Dreizehn Alten Orten weiterentwickelte. Dazu kamen weitere VerbĂŒndete, die sogenannten Zugewandten Orte, insbesondere das Wallis und die Drei BĂŒnde, aber auch Monarchien wie die FĂŒrstabtei St. Gallen oder die Grafschaft Neuenburg. Als Gemeine Herrschaften wurden bis 1798 Gebiete bezeichnet, die von mehreren der Dreizehn Alten Orte gemeinsam erobert und als Vogteien auch gemeinsam verwaltet wurden. Dazu zĂ€hlten u. a. Gebiete in den heutigen Kantonen Thurgau und Tessin. Ausserdem besassen die meisten Orte politisch unselbstĂ€ndige Untertanengebiete.

Die Siege in den Burgunderkriegen und im Schwabenkrieg und ihre moderne Infanterietaktik begrĂŒndeten den Ruf der eidgenössischen KĂ€mpfer und gaben dem Söldnerwesen enormen Auftrieb. Bis ins 19. Jahrhundert blieb dieses in den lĂ€ndlichen Regionen der Innerschweiz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Die Expansion der Eidgenossenschaft in Richtung Oberitalien erfolgte zur Sicherung der AlpenpĂ€sse. Dadurch wurde die Eidgenossenschaft in die komplizierten italienischen Kriege zwischen Habsburg, Frankreich, Venedig, dem Papst, Spanien und den verschiedenen italienischen Potentaten verwickelt. Aus jener Zeit stammt auch die Schweizergarde, die der Papst Julius II. 1506 grĂŒndete. Bis 1513 gelang den Eidgenossen die Eroberung des heutigen Tessins und schliesslich sogar von Mailand, ĂŒber das sie die Schutzherrschaft ausĂŒbten. Nach der Niederlage gegen Frankreich in der Schlacht bei Marignano 1515 endete die militĂ€rische Dominanz ĂŒber Oberitalien. Der politische Mythos der Unbesiegbarkeit der Schweizer war widerlegt und es offenbarte sich die politische Zerstrittenheit der Orte untereinander. Dadurch wurde ab 1515 eine wirksame Aussenpolitik verhindert, und es begann die Phase des «Stillsitzens» (heute NeutralitĂ€tspolitik). Die Dreizehn Orte schlossen 1516 den Ewigen Frieden und 1521 ein SoldbĂŒndnis mit dem Königreich Frankreich ab und erhielten dafĂŒr Pensionen, Zoll- und HandelsvergĂŒnstigungen und politischen Beistand bei inneren und Ă€usseren Konflikten. Ausserdem wurde ein Grossteil der Ennetbergischen Gebiete endgĂŒltig den Eidgenossen zugesprochen.

Die von Ulrich Zwingli 1519 eingeleitete Reformation (→ Reformation und Gegenreformation in der Schweiz) in ZĂŒrich breitete sich im Mittelland aus und fĂŒhrte zu grossen Spannungen zwischen den verschiedenen Kantonen. Nach dem religiös begrĂŒndeten Ersten und Zweiten Kappelerkrieg kam es 1531 im Zweiten Kappeler Landfrieden (→ LandfriedensbĂŒnde der Schweiz) zum Kompromiss: ZĂŒrich, Bern, Basel, Schaffhausen und Teile von GraubĂŒnden blieben reformiert; die Urkantone, Luzern, Zug, Solothurn und Freiburg blieben katholisch. 1541 setzte Johannes Calvin in Genf die Reformation durch, das durch sein Wirken zum «reformierten Rom» wurde. Trotzdem kam es noch zweimal in den Villmergerkriegen von 1656 und 1712 zu militĂ€rischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Konfessionsgruppen unter den Orten. Die Zwinglianer und Calvinisten vereinigten sich 1536 im Helvetischen Bekenntnis und begrĂŒndeten damit die reformierte Kirche, die sich ĂŒber England, Schottland und die Niederlande weltweit verbreitete.

Angesichts der Wirren und VerwĂŒstungen des DreissigjĂ€hrigen Krieges beschloss die Eidgenossenschaft 1647 im Defensionale von Wil die «immerwĂ€hrende bewaffnete NeutralitĂ€t» und verhielt sich in den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts weitgehend neutral. Am 24. Oktober 1648 erreichten die Schweizer Kantone im WestfĂ€lischen Frieden die Anerkennung ihrer Ausgliederung aus dem Heiligen Römischen Reich und wurden somit unabhĂ€ngig. Die Auslegung des betreffenden Art. VI IPO bzw. § 61 IPM war umstritten, wurde dann jedoch ĂŒberwiegend als Anerkennung der völkerrechtlichen SouverĂ€nitĂ€t interpretiert. Im Inneren verhinderte die religiöse Spaltung eine Reform des anachronistischen eidgenössischen BĂŒndnisgeflechts. Besonders die stĂ€dtischen Kantone konsolidierten im 17. und 18. Jahrhundert ihre Herrschaft im Inneren im absolutistischen Sinn und entwickelten sich wirtschaftlich teilweise so stark, dass von einer Proto-Industrialisierung gesprochen werden kann. Trotzdem blieb die Eidgenossenschaft als Ganzes hinter den Entwicklungen zurĂŒck und wurde in der zeitgenössischen Literatur als rĂŒckstĂ€ndig, ungeordnet und ĂŒberkommen wahrgenommen. Damit kontrastiert die in der AufklĂ€rung in Literatur und Malerei vorherrschende Darstellung der Schweiz als Alpenidyll, Arkadien oder als Ort urtĂŒmlicher Demokratie (Rousseau).

Helvetische Republik und Restauration

Am 5. Mai 1798 wurde die Alte Eidgenossenschaft nach kurzer Gegenwehr von Frankreich besetzt und unter der Bezeichnung «Helvetische Republik» als Tochterrepublik seinem Einflussgebiet einverleibt. Die Helvetische Republik war das erste moderne Staatswesen auf Schweizer Gebiet und im Gegensatz zur Tradition als Einheitsstaat stark zentralistisch organisiert. Die bisherigen Unterschiede zwischen Untertanenlande und herrschenden StĂ€dten und Orten wurden aufgehoben. Rechtsgleichheit, Schaffung eines einheitlichen Wirtschafts- und WĂ€hrungsraumes, Glaubens- und Gewissensfreiheit waren nur einige der fortschrittlichen Neuerungen, die damit Eingang in die Schweiz fanden. Als französischer Satellitenstaat wurde die Helvetische Republik jedoch in die Kriegsereignisse der Koalitionskriege hineingezogen und mehrfach Kriegsschauplatz. Nach mehreren Staatsstreichen und der Niederschlagung eines bewaffneten Aufstands verordnete Napoleon Bonaparte 1803 in der Mediationsakte der Schweiz wieder eine föderalistische Verfassung mit autonomen Kantonen. Als Staatsname wurde die Bezeichnung «Schweizerische Eidgenossenschaft» festgelegt. Die ehemaligen Untertanengebiete und die Zugewandten Orte wurden in die neuen Kantone St. Gallen, GraubĂŒnden, Aargau, Thurgau, Tessin und die Waadt umgewandelt.

1815 wurden die inneren und Ă€usseren Grenzen der Schweiz im Wiener Kongress international anerkannt. Zu den 19 Kantonen der Mediationszeit kamen nun noch Neuenburg, Wallis und Genf hinzu, der Kanton Bern erhielt das Gebiet des FĂŒrstbistums Basel. Im Zweiten Pariser Frieden vom 20. November 1815 verordneten die GrossmĂ€chte der Schweiz die «immerwĂ€hrende bewaffnete NeutralitĂ€t», um ihr Gebiet dem Einfluss Frankreichs zu entziehen. Die Schweiz wurde durch den «Bundesvertrag» wieder zu einem Staatenbund, sodass wĂ€hrend der folgenden Epoche der Restauration die EigenstĂ€ndigkeit der Kantone gegenĂŒber der napoleonischen Zeit wieder grösser war. Der Kanton Jura entstand erst 1979 durch die Abspaltung eines Teils des 1815 zum Kanton Bern geschlagenen Gebiets.

Sonderbundskrieg

Streitigkeiten zwischen den liberal-progressiven und den konservativ-katholischen Kantonen Luzern, Schwyz, Uri, Zug, Ob- und Nidwalden, Freiburg und Wallis (Sonderbund) fĂŒhrten 1847 zum Sonderbundskrieg. Der BĂŒrgerkrieg dauerte vom 3. November bis zum 29. November 1847, als sich das Wallis als letzter der konservativ-katholischen Kantone dem Gegner ergab. Nach offiziellen Angaben hatte der Sonderbundskrieg 150 Menschen das Leben gekostet und rund 400 Verletzte gefordert. Er war die bislang letzte militĂ€rische Auseinandersetzung auf Schweizer Boden.

Moderner Bundesstaat

Nach dem Sieg der liberal-progressiven ĂŒber die konservativ-katholischen Kantone im Sonderbundskrieg wurde die Schweiz in den modernen Bundesstaat umgewandelt und die Autonomie der Kantone durch die Bundesverfassung von 1848 eingeschrĂ€nkt. Bern wurde zum Sitz der Bundesbehörden und des Parlaments. Der neu entstandene schweizerische Bundesstaat war in seinen AnfĂ€ngen politisch von der freisinnigen Bewegung dominiert. Sie stellte die Mehrheit in der Bundesversammlung und den gesamten Bundesrat. Die Bundesverfassung wurde bis jetzt zweimal total revidiert, nĂ€mlich 1874 und 1999. Am 1. Januar 1849 wurde die Schweizerische Post (→ Postgeschichte und Briefmarken der Schweiz) gegrĂŒndet.

In den ersten 25 Jahren seines Bestehens musste der noch junge Bundesstaat wegen kriegerischer Bedrohungen viermal einen General wĂ€hlen. Dem erfahrenen und im Sonderbundskrieg umsichtig agierenden General Guillaume Henri Dufour wurde in den Jahren 1849 (BĂŒsinger-Handel), 1856 (Neuenburgerhandel) und 1859 (Savoyerhandel) von der Bundesversammlung erneut der Oberbefehl ĂŒber das Schweizer Bundesheer ĂŒbertragen. General Hans Herzog war wĂ€hrend des Deutsch-Französischen Kriegs (1870/71) (→ Schweiz im Deutsch-Französischen Krieg) fĂŒr den Schutz der Landesgrenzen verantwortlich. Im Februar 1871 ĂŒberquerten unter den Augen der Schweizer Armee etwa 87'000 Mann der geschlagenen französischen «Bourbaki-Armee» in den Kantonen Neuenburg und Waadt die Grenze und wurden interniert. Die Aufnahme und Pflege der entkrĂ€fteten Soldaten ist die grösste humanitĂ€re Aktion, welche die Schweiz je durchgefĂŒhrt hat. (→ Schweiz im Deutsch-Französischen Krieg).

Auf Initiative von Henry Dunant erfolgte 1864 in Genf die GrĂŒndung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.

1866 wurden den Schweizer Juden die vollen BĂŒrgerrechte sowie die Niederlassungsfreiheit in der ganzen Schweiz gewĂ€hrt. Die vollstĂ€ndige Glaubensfreiheit folgte jedoch erst mit der Totalrevision der Schweizer Bundesverfassung 1874 (→ Judentum in der Schweiz).

WĂ€hrend der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts wurde die Schweiz von einer starken Welle der Industrialisierung und des Eisenbahnbaus (→ Geschichte der Schweizer Eisenbahn) erfasst. Wie kein anderer nahm der Politiker, WirtschaftsfĂŒhrer und Eisenbahnunternehmer Alfred Escher Einfluss auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz in jener Zeit. Nebst seinen politischen Ämtern war er massgeblich beteiligt bei den GrĂŒndungen der Schweizerischen Nordostbahn, dem Eidgenössischen Polytechnikum, der Schweizerischen Kreditanstalt, der Schweizerischen Lebensversicherungs- und Rentenanstalt, der Schweizerische RĂŒckversicherungs-Gesellschaft sowie der Gotthardbahn.

Immer deutlicher zeigten sich die Schattenseiten der Industrialisierung, z. B. mit der Kinderarbeit. Als erste Kantone erliessen Glarus und ZĂŒrich Fabrikgesetze zum Schutze der Arbeiter. 1877 ĂŒbernahm der Bundesstaat die entsprechende Gesetzgebungskompetenz um die schlimmsten MissstĂ€nde landesweit zu bekĂ€mpfen.

Auf religiösem und kulturellem Gebiet fand die Konfrontation zwischen dem Liberalismus und dem Konservativismus ihre Fortsetzung im Kulturkampf. Die Integration der Katholiken in den neuen Bundesstaat erfolgte 1891 durch die Wahl von Josef Zemp in den Bundesrat. Er war der erste Katholik in der Landesregierung. Zuvor war das Gremium seit GrĂŒndung des Bundesstaates ausschliesslich mit Vertretern der Liberalen besetzt gewesen. Seither traten die bĂŒrgerlichen Parteien mehr oder weniger geschlossen gegen die Arbeiterbewegung an (seit dem Ersten Weltkrieg im «BĂŒrgerblock»). Im Landesstreik von 1918 kam es zur bisher schĂ€rfsten Konfrontation zwischen Arbeiterschaft und BĂŒrgertum in der Schweiz. Die Arbeiterbewegung konnte sich politisch auf nationaler Ebene erst nach der EinfĂŒhrung des Proporzwahlverfahrens 1919 etablieren. Aus den Nationalratswahlen 1943 ging die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) als stĂ€rkste Fraktion hervor. In der Folge wurde mit Ernst Nobs erstmals ein Sozialdemokrat in den Bundesrat gewĂ€hlt. Mit der EinfĂŒhrung der Alters- und Hinterbliebenenversicherung (AHV) 1948 ging eine weitere Forderung aus dem Generalstreik in ErfĂŒllung.

WĂ€hrend des Ersten Weltkriegs (→ Die Schweiz im Ersten Weltkrieg) bewahrte die Schweiz die bewaffnete NeutralitĂ€t. Unter General Ulrich Wille erfolgte die Grenzbesetzung.

Die Schweiz und das FĂŒrstentum Liechtenstein unterzeichneten 1923 den heute noch gĂŒltigen Zollvertrag.

Das Friedensabkommen in der Metall- und Uhrenindustrie zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen lÀutete 1937 das Zeitalter des Arbeitsfriedens und der GesamtarbeitsvertrÀge ein. Seitdem sind Streiks in der Schweiz Àusserst selten.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs (→ Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg) berief sich die Schweiz erneut auf die bewaffnete NeutralitĂ€t und ordnete die allgemeine Mobilmachung der Armee unter dem Oberbefehlshaber General Henri Guisan an. Die Schweizer Armee zog sich mit dem Aktivdienst ins RĂ©duit zurĂŒck, um einem deutschen Angriff möglichst harten Widerstand in Gebirgsstellungen entgegenzuhalten. Der Bevölkerung der Schweiz wurde durch die behördlich geförderte Bewegung der «Geistigen Landesverteidigung» ein starker Behauptungswillen gegen den Nationalsozialismus vermittelt. Die Schweiz nahm wĂ€hrend der Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland zeitweise FlĂŒchtlinge auf, wies aber nach einiger Zeit gezielt Juden und vor allem als «politisch Verfolgte» eingestufte FlĂŒchtende zurĂŒck. Als Reaktion trat der jĂŒdische Nationalrat David Farbstein 1938 zurĂŒck. Am 31. August 1938 drohte die Schweiz an, das deutsch-schweizerische Sichtvermerksabkommen aufzukĂŒndigen, mit dem 1926 ein visafreier GrenzĂŒbertritt vereinbart worden war und das nach dem Anschluss Österreichs ohne formellen Vertrag auch dort Anwendung fand. Um die Visafreiheit fĂŒr «deutschblĂŒtige» Staatsangehörige zu erhalten, erklĂ€rte sich die deutsche Seite nach mehrtĂ€gigen Verhandlungen am 29. September 1938 bereit, die ReisepĂ€sse von Juden besonders zu kennzeichnen. PĂ€sse mit einem Judenstempel berechtigten den Inhaber zum GrenzĂŒbertritt nur dann, wenn vorher ein Visum zur Durchreise oder zum Aufenthalt erteilt worden war. Viele FlĂŒchtlinge wurden an den Grenzen zurĂŒckgeschickt, manche wurden sogar festgenommen und an deutsche Behörden ausgeliefert. Die ins Land gelassenen FlĂŒchtlinge wurden spĂ€testens nach Kriegsbeginn in Lager interniert. Sie durften sich in keiner Weise politisch Ă€ussern. In den Konzentrationslagern der Nazis litten zwischen 1933 und 1945 auch rund 1000 Schweizer BĂŒrger, mindestens 200 davon starben. Keine gewalttĂ€tige Auseinandersetzung hat in den letzten 200 Jahren mehr Schweizer Todesopfer gefordert.(→ Schweizer in Nazi-Konzentrationslagern)

Homosexuelle Handlungen in der Schweiz sind seit 1942 legal (→ Geschichte der HomosexualitĂ€t in der Schweiz).

Die Schweiz in der Nachkriegszeit bis heute

In der Nachkriegszeit wurden weitere problematische Themen der Vergangenheit aufgegriffen wie die Verfolgung der Jenischen durch das Programm «Kinder der Landstrasse», die Verdingkinder-Problematik, die Administrative Versorgung, die Zwangssterilisationen, die wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Apartheid-Staat SĂŒdafrika oder die Rolle der Schweizer Banken im Zusammenhang mit Fluchtgeldern von Diktatoren der Dritten Welt. In den spĂ€ten 1990er-Jahren entfachte ein Streit ĂŒber die EntschĂ€digung verlorener jĂŒdischer Vermögen bei Schweizer Banken in der Zeit von 1933 bis 1945. Die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg wurde in den 1990er-Jahren im Bergier-Bericht kritisch aufgearbeitet.

1960 wurde die Schweiz Mitglied der neugegrĂŒndeten EuropĂ€ischen Freihandelsassoziation (EFTA). Die Schweiz gehörte 1961 zu den GrĂŒndungsmitgliedern der Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Nach lĂ€ngerer innenpolitischer Auseinandersetzung, die sich hauptsĂ€chlich um die Frage der NeutralitĂ€t drehte, trat die Schweiz 1963 dem Europarat bei und ratifizierte 1974 die EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention. 1970 unternahm der Bundesrat erste Schritte der Schweiz in Richtung EWG, die 1972 in einem Freihandelsabkommen mĂŒndeten. 1971 wurde in einer Volksabstimmung das Frauenstimmrecht nach jahrzehntelangem Kampf angenommen. 1973 erfolgte der Beitritt zur Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

1969 und 1970 erschĂŒtterten drei TerroranschlĂ€ge gegen die Luftfahrt das Land. Dabei kamen insgesamt 51 Menschen ums Leben und die Swissair verlor 2 Flugzeuge (→ PalĂ€stinensische TerroranschlĂ€ge von 1969 und 1970 gegen die Schweiz). 1982 wurden die Pilatus-Flugzeugwerke in Stans Opfer eines Brandanschlags.

Die Jurafrage beschĂ€ftigte die Schweiz wĂ€hrend Jahrzehnten. Schliesslich wurde 1979 durch die Abspaltung der französischsprachigen Amtsbezirke Delsberg, Ajoie und Freiberge vom Kanton Bern der neue Kanton Jura gegrĂŒndet.

Als erste Frau wurde Elisabeth Kopp 1984 in den Bundesrat gewÀhlt.

Die Armee konnte in der Schweiz bis in die 1990er-Jahre eine starke gesellschaftliche Stellung behaupten, da durch ihren Aufbau als Milizarmee eine starke Verflechtung von zivilen und militĂ€rischen FĂŒhrungskadern gegeben war. Bereits in den 1970er-Jahren und verstĂ€rkt anlĂ€sslich der GSoA-Armeeabschaffungsinitiative 1989 kam es aber auch zu Spannungen zwischen Traditionalisten und Kritikern um die Rolle der Armee in der Gesellschaft. Seit dem Ende des Kalten Krieges nahm der Einfluss der Schweizer Armee auf die Zivilgesellschaft stark ab.

Der von der Regierung angestrebte Beitritt zum EuropĂ€ischen Wirtschaftsraum (EWR) scheiterte am 6. Dezember 1992 bei einer Abstimmung (→ Alleingang der Schweiz). Nach dem Jahr 1999 stimmte das Schweizervolk mehreren bilateralen VertrĂ€gen mit der EuropĂ€ischen Union zu. 2005 trat die Schweiz auch den Schengen- und Dublin-Abkommen bei. Die Schweiz trat nach einer positiv ausgegangenen Volksabstimmung am 10. September 2002 den Vereinten Nationen (UNO) bei.

2014 begannen Verhandlungen fĂŒr ein Rahmenabkommen EU-Schweiz. Als Ergebnis der Verhandlungen liegt seit November 2018 ein Vertragsentwurf vor.

Wegen der COVID-19-Pandemie in der Schweiz erklÀrte der Bundesrat die «besondere Lage» nach Epidemiengesetz mit Wirkung ab 28.02.2020. Sie wurde ab 16.03.2020 durch die «ausserordentliche Lage» abgelöst, die bis am 19. Juni 2020 galt. Seither ist wieder die «besondere Lage» in Kraft.

Die ausserordentliche Lage gab dem Bundesrat die Befugnis, mit Notrecht zu regieren. Es war das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass der Bundesrat lÀngere Zeit von dieser Möglichkeit Gebrauch machte. Die vom Bundesrat erlassenen Massnahmen umfassten

  • das Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern, weshalb u. a. der Engadin Skimarathon, der Automobilsalon Genf sowie die Basler Fasnacht abgesagt wurden,
  • die Schliessung aller LĂ€den (ausser fĂŒr Dinge des tĂ€glichen Bedarfs), Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe,
  • die Umstellung auf Fernunterricht in Schulen und UniversitĂ€ten,
  • die Möglichkeit, bis zu 8000 Angehörige der Schweizer Armee in den Assistenzdienst aufzubieten, um die zivilen Behörden zu unterstĂŒtzen. Dies bedeutete das grösste Truppenaufgebot der Schweizer Armee seit dem Zweiten Weltkrieg.

Zeitleiste der wichtigsten Ereignisse der Schweizer Geschichte

Reihenfolge des Eintritts der Kantone in die Eidgenossenschaft

Herkunft des Namens

Der Landesname «Schweiz» ist sprachgeschichtlich identisch mit dem Orts- und Kantonsnamen «Schwyz» (vgl. dort). In den Kriegen der alten Eidgenossen gegen die Habsburger spielten die Schwyzer Truppen eine wichtige Rolle. Die Schwyzer hatten zudem eine grosse Bedeutung fĂŒr das europĂ€ische SöldnergeschĂ€ft. Nach der Schlacht bei Sempach von 1386 wurde der Name «Swiz» oder «Sweiz» legendĂ€r: Die deutschen Chronisten bezeichneten nun alle Eidgenossen so. Das erste schriftliche Zeugnis dafĂŒr stellt ein Rechtsdokument des Königs Sigismund aus dem Jahr 1415 dar, in dem von «Schweizern» die Rede ist.

Die Mitglieder der Eidgenossenschaft benutzten diesen Sammelnamen ab dem Schwabenkrieg von 1499, als die als «Schweizer» beschimpften Eidgenossen in trotzigem Stolz anfingen, sich selbst so zu bezeichnen. Offiziell benutzten sie aber weiterhin den – sachlich zutreffenderen – Begriff «Eidgenossen». Erst im 18. Jahrhundert begann der Chronist Johannes von MĂŒller damit, die Eidgenossen als «schweizerische Eidgenossen» zu bezeichnen. 1803 wurde dieser Begriff in der Mediationsverfassung erstmals amtlich gebraucht.

Der lateinische Name der Schweiz, Confoederatio Helvetica, nimmt Bezug auf den antiken keltischen Stamm der Helvetier, der im Schweizer Mittelland und in Teilen SĂŒddeutschlands siedelte.

Nach dem Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798 wurde das neue Schweizer Staatswesen gemĂ€ss der gĂ€ngigen Praxis bei der Namensgebung fĂŒr französische Tochterrepubliken «Helvetische Republik» genannt. Bei der Neukonstituierung der Schweiz als Staatenbund 1803 wich man jedoch auf die Bezeichnung «Schweizerische Eidgenossenschaft» aus, um sich von der politisch instabilen und zentralistischen Helvetischen Republik abzugrenzen. Der Ausdruck «Confoederatio Helvetica» wurde 1848 anlĂ€sslich der Schaffung des Bundesstaates eingefĂŒhrt. Er findet sich seit 1879 auf MĂŒnzen sowie seit 1948 auf dem Siegel der Eidgenossenschaft und liegt dem LandeskĂŒrzel «CH» zugrunde.

In irischer (an EilvĂ©is), griechischer (ΕλÎČÎ”Ï„ÎŻÎ±, translit. Elvetia) und rumĂ€nischer Sprache (ElveĆŁia) wird der Ausdruck «Helvetia» ebenfalls verwendet, im Italienischen ist als Adjektiv elvetico (fĂŒr schweizerisch) gebrĂ€uchlich. In der Bundesverfassung von 1848 wurde der Landesname offiziell mit Schweizerische Eidgenossenschaft festgelegt.

Mythen

Die Nationalmythen der Schweiz sind eine Reihe von politischen Mythen und Legenden, die das schweizerische Nationalbewusstsein prĂ€gten und durch ihre Identifikationsfunktion entscheidend zum nationalen Zusammenhalt, insbesondere nach der GrĂŒndung des Bundesstaates 1848, beitrugen. Zu den Nationalmythen zĂ€hlen u. a. die nachfolgenden Personen und Ereignisse:

  • Wilhelm Tell: Der FreiheitskĂ€mpfer Wilhelm Tell gilt seit Ende des 19. Jahrhunderts als der Nationalheld des Landes. Weltbekannt wurde die Figur Tell durch das gleichnamige BĂŒhnendrama von Friedrich Schiller.
  • RĂŒtlischwur: Der Legende nach schlossen Vertreter von Uri, Schwyz und Unterwalden auf dem RĂŒtli, einer Wiese am VierwaldstĂ€ttersee, per Eid einen gegen die Habsburger «bösen Vögte» gerichteten Bund. Diese Geschichte einer ersten Verschwörung vermischte sich ab der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts mit der Vorstellung, der Bund sei schriftlich gefasst und besiegelt gewesen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine auf Anfang August 1291 datierte Urkunde vom Bundesrat als «Bundesbrief von 1291» in den Rang eines «GrĂŒndungsdokuments» der Eidgenossenschaft erhoben.
  • Helvetia: Seit dem 17. Jahrhundert versinnbildlicht Helvetia, eine allegorische Frauenfigur, die Schweiz. Sie gilt als die Identifikationsfigur der Eidgenossenschaft. Noch heute befindet sich das Bildnis der Helvetia auf den MĂŒnzen zu Âœ, 1 und 2 Franken.
  • Arnold Winkelried: Am 9. Juli 1386 soll der Legende nach Arnold Winkelried bei der Schlacht von Sempach ein BĂŒndel Lanzen der habsburgischen Ritter gepackt und, sich selbst aufspiessend, den Eidgenossen eine Bresche geöffnet haben. Diese aufopferungsvolle Tat soll der SchlĂŒssel zum eidgenössischen Sieg gegen die Habsburger gewesen sein. Zuvor soll er noch die Worte «Sorget fĂŒr mein Weib und Kind» gesagt haben. Die erste ErwĂ€hnung eines derartigen Helden, allerdings noch ohne Namen, erfolgte erst 1476 in der ZĂŒrcher Chronik.
  • Stauffacherin: Gertrud Stauffacher, in Friedrich Schillers Wilhelm Tell die Ehefrau des Landammanns Werner Stauffacher, Symbolfigur der kĂŒhnen und energischen Schweizerin.
  • Kappeler Milchsuppe: Im Ersten Kappelerkrieg Ende Juni 1529 marschierten die ZĂŒrcher Truppen gegen die Innerschweizer Kantone. Dank der Vermittlung durch die neutralen Orte konnte ein Bruderkrieg unter den Eidgenossen verhindert werden. WĂ€hrend der Verhandlungen kam es der Legende nach zwischen den beiden Heeren zu Fraternisierungserscheinungen. Die Soldaten kochten und assen, genau auf der Grenze zwischen den beiden Kantonen, gemeinsam eine Milchsuppe. Das gemeinsame Mahl hat fĂŒr die IdentitĂ€tsfindung der Schweiz einen grossen Symbolwert.

Recht

Politik

Die Politik der Schweiz ist durch das SelbstverstĂ€ndnis als Willensnation geprĂ€gt – die nationale IdentitĂ€t basiert nicht auf einer gemeinsamen Sprache und Kultur, sondern unter anderem auf der gemeinsamen Geschichte, gemeinsamen Mythen, der freiheitlichen, basisdemokratischen und föderalistischen Tradition sowie zum Teil aus dem GefĂŒhl, als neutraler und mehrsprachiger, auf sich selbst gestellter «Kleinstaat» in Europa einen «Sonderfall» zu bilden. Es liegt ein Direktorialsystem vor.

Diese Voraussetzungen haben sich in einem in seiner Gesamtheit einzigartigen politischen System niedergeschlagen, in dem der Föderalismus, erweiterte politische Volksrechte bzw. Elemente der direkten Demokratie, die aussenpolitische NeutralitÀt und innenpolitischer Konsens im Vordergrund stehen.

Politisches System

Die Schweiz ist ein republikanisch verfasster Bundesstaat. Sie unterscheidet sich von anderen Republiken durch

  • Elemente der direkten Demokratie: Das Volk kann ĂŒber Initiativen und Referenden direkten Einfluss auf die RegierungstĂ€tigkeit nehmen. In zwei Kantonen, Appenzell Innerrhoden und Glarus, gibt es noch eine Urform der Schweizer Basisdemokratie: die Landsgemeinde.
  • den ausgeprĂ€gten Föderalismus: Die Kantone sind neben dem Volk der Verfassungsgeber des Bundes und behalten alle Aufgaben, die in der Bundesverfassung nicht explizit dem Bund zugeordnet werden. Ausserdem starke Beteiligung der Kantone in allen Phasen der politischen Willensbildung (Vernehmlassung, StĂ€nderat, StĂ€ndemehr)
  • die Konkordanzdemokratie
  • ihre selbstdeklarierte schweizerische NeutralitĂ€t

Wie in Demokratien ĂŒblich, ist die Staatsgewalt, gestĂŒtzt auf die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, in drei SĂ€ulen gegliedert:

  • Die Legislative (Bundesversammlung) besteht aus zwei Kammern, dem Nationalrat mit 200 Mitgliedern als Vertreter des Volks sowie dem StĂ€nderat mit 46 Mitgliedern als Vertreter der Kantone. Das Schweizer Parlament ist ein sogenanntes Milizparlament: Die National- und StĂ€nderĂ€te ĂŒben ihr Mandat (wenigstens nominell) nebenberuflich aus. Die Erneuerungswahlen finden alle vier Jahre statt (→ Schweizer Parlamentswahlen 2019).
  • Die Exekutive ist der Bundesrat mit der Verwaltung. Er besteht aus sieben gleichberechtigten Mitgliedern (KollegialitĂ€tsprinzip), den sogenannten «BundesrĂ€ten» (Ministern), die je einem Departement der Bundesverwaltung vorstehen. Die BundesrĂ€te werden vom Parlament gewĂ€hlt. FĂŒr jeweils ein Jahr wird ein Mitglied des Bundesrates von der Bundesversammlung zum BundesprĂ€sidenten gewĂ€hlt. Er leitet die Sitzungen des Bundesrates und nimmt reprĂ€sentative Aufgaben im In- und Ausland wahr, hat aber keine Vorrechte gegenĂŒber dem Restbundesrat. FĂŒr gewöhnlich rotiert der Vorsitz auf Grundlage des Amtsalters, die eigentliche Wahl gilt allgemein als Formsache zu dessen BestĂ€tigung; eine Ablehnung durch das Parlament ist dabei allerdings theoretisch möglich. Der BundesprĂ€sident wird wĂ€hrend dieses Jahres in der Öffentlichkeit in der Regel als Herr BundesprĂ€sident, Frau BundesprĂ€sidentin angesprochen, nicht mehr als Herr Bundesrat bzw. Frau BundesrĂ€tin. WĂ€hrend des PrĂ€sidialjahres nimmt ein Bundesrat seine ĂŒblichen Regierungsaufgaben voll wahr.
  • Die Judikative besteht auf Bundesebene aus dem Bundesgericht mit Sitz in Lausanne und zwei sozialrechtlichen Abteilungen des Bundesgerichts in Luzern (bis 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht) als oberster gerichtlicher Instanz. Als untere eidgenössische Instanzen sind das Bundesstrafgericht in Bellinzona sowie das Bundesverwaltungsgericht und das Bundespatentgericht, beide in St. Gallen, tĂ€tig. GewĂ€hlt werden die Bundesrichter, die meistens einer Partei angehören, von der Bundesversammlung. Das Strafgericht hat die Arbeit 2004 aufgenommen; das Verwaltungsgericht tat dies 2007.
    Ein besonderer Verfassungsgerichtshof wie in anderen LĂ€ndern existiert in der Schweiz nicht, doch können alle Gerichte eine (beschrĂ€nkte) Verfassungsgerichtsbarkeit ausĂŒben. FĂŒr das Bundesgericht und die ĂŒbrigen Gerichte sind nach Art. 190 Bundesverfassung (BV) die Bundesgesetze verbindlich; sie können solche nicht aufheben, fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€ren oder ihnen die Anwendung versagen.

Die Reihenfolge der einzelnen BundesrÀte ergibt sich wie folgt: Der BundesprÀsident oder die BundesprÀsidentin steht zuoberst der Rangliste, gefolgt vom VizeprÀsidenten oder der VizeprÀsidentin. Danach folgen die BundesrÀte in der Reihenfolge des Amtsalters zur Wiederwahl gemÀss AnciennitÀtsprinzip.

Im Rahmen der Bundesratswahl 2019 hat die Vereinigte Bundesversammlung am 4. Dezember 2019 die sieben BundesrÀte und den Bundeskanzler gewÀhlt. Dabei wurden alle sieben bisherigen BundesrÀte wiedergewÀhlt. Die aktuelle Zusammensetzung des Bundesrates mit Parteizugehörigkeit und Verteilung der Departemente ist:

  • Guy Parmelin (SVP/VD), BundesprĂ€sident 2021, Eidgenössisches Departement fĂŒr Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF
  • Ignazio Cassis (FDP/TI), VizeprĂ€sident 2021, Eidgenössisches Departement fĂŒr auswĂ€rtige Angelegenheiten EDA
  • Ueli Maurer (SVP/ZH), Eidgenössisches Finanzdepartement EFD
  • Simonetta Sommaruga (SP/BE), Eidgenössisches Departement fĂŒr Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK
  • Alain Berset (SP/FR), Eidgenössisches Departement des Innern EDI
  • Viola Amherd (CVP/VS), Eidgenössisches Departement fĂŒr Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS
  • Karin Keller-Sutter (FDP/SG), Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement EJPD

Bundeskanzler der Schweizerischen Eidgenossenschaft und somit Vorsteher der Bundeskanzlei (BK) ist seit Dezember 2015 Walter Thurnherr (CVP/AG).

Politische Indizes

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 213,4 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 215,9 Milliarden US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein HaushaltsĂŒberschuss in Höhe von 0,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Die Staatsverschuldung betrug 2016 45,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des Bruttoinlandsprodukts) im Bereich Gesundheit 10,8 Prozent, im Bereich Bildung 5,8 Prozent im Jahr 2005 und im Bereich MilitÀr 1,0 Prozent im Jahr 2005.

2016 verzeichnete der Bund Einnahmen (ErtrÀge) von 67,01 Milliarden Franken. Die wichtigste Einnahmequelle war die Mehrwertsteuer (drei verschiedene SÀtze) mit 34,0 Prozent, gefolgt von der direkten Bundessteuer mit 31,0 Prozent, der Verrechnungssteuer (8,0 Prozent), der Mineralölsteuer (7,0 Prozent), der Tabaksteuer (3,0 Prozent), den Stempelabgaben (3,0 Prozent), weiteren Fiskaleinnahmen (8,0 Prozent) und nichtfiskalische Einnahmen (7,0 Prozent).

Der Bund tĂ€tigte im Jahr 2016 Ausgaben (Aufwendungen) in Höhe von 66,26 Milliarden Franken fĂŒr folgende Sektoren: soziale Wohlfahrt (34,0 Prozent), Finanzen und Steuern (14,0 Prozent), Verkehr (14,0 Prozent), Bildung und Forschung (11,0 Prozent), sonstige Ausgaben (10,0 Prozent), Landesverteidigung (7,0 Prozent), Landwirtschaft und ErnĂ€hrung (6,0 Prozent) sowie Beziehungen zum Ausland (5,0 Prozent).

Die Einnahmen der 26 Kantone beliefen sich 2016 auf 89,6 Milliarden Franken.

Durch die seit 2003 in der Verfassung verankerten Schuldenbremse soll der Bund verpflichtet werden, Einnahmen und Ausgaben ĂŒber den Konjunkturzyklus hinweg im Gleichgewicht zu halten.

Von der Ratingagentur Standard & Poor’s werden die Staatsanleihen der Schweiz bereits seit dem Jahre 1989 unverĂ€ndert mit der Bestnote AAA bewertet (Stand 2018). Die langfristigen Zinsen fĂŒr Schweizer Staatsanleihen sind im internationalen Vergleich sehr gering (siehe Grafik rechts).

Politische Parteien

Die Schweiz hat viele nationale, regionale und lokale politische Parteien. Die Organisation und Finanzierung der Parteien ist gesetzlich weitgehend nicht geregelt.

Laut einer Meinungsumfrage der Gesellschaft fĂŒr Konsumforschung (GfK) aus dem Jahr 2016 haben 19 Prozent der Schweizer Vertrauen in ihre Politiker. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen ist das zwar ein geringer Wert, doch das Vertrauen ist wesentlich höher als im westeuropĂ€ischen Durchschnitt mit 13 Prozent.

Kantone

Die Schweiz besteht aus 26 Kantonen (vor der Totalrevision der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1999: 23 Kantone, wovon drei in je zwei Halbkantone gegliedert waren). Traditionell werden die Kantone auch als StÀnde, auf kantonaler Ebene auch als Staat (französisch état) bezeichnet.

Die unten stehende Tabelle fĂŒhrt die 26 Kantone mit ihren Eckdaten auf. Dabei sind die Kantone in der Reihenfolge, wie sie in der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft aufgefĂŒhrt werden, sortiert. Die Einwohnerzahlen datieren auf den 31. Dezember 2019, die AuslĂ€nderanteile auf den 31. Dezember 2019 und die Arbeitslosenquoten auf den 31. Januar 2021.

Die Kantonsregierungen werden – je nach Kanton – als Regierungsrat, Regierung, Staatsrat, Standeskommission, Conseil exĂ©cutif, Conseil d’État (beide französisch), Consiglio di Stato (italienisch) oder Regenza Governo (rĂ€toromanisch) bezeichnet. Die Kantonsparlamente sind als Einkammernparlamente organisiert und heissen Kantonsrat, Grosser Rat, Landrat, Grand Conseil (französisch), Gran Consiglio (italienisch) oder Cussegl grond (rĂ€t.).

Die administrative Ebene zwischen Kanton und Gemeinde wird – soweit ĂŒberhaupt vorkommend – in den meisten Kantonen als Bezirk bezeichnet, in manchen Kantonen als Verwaltungsregion, Verwaltungskreis, Wahlkreis, Amtei, Amt, im französischsprachigen Landesteil district, im italienischen Landesteil distretto, im rĂ€toromanischen Landesteil districts.

Aufgrund des Föderalismus in der Schweiz liegt die Verantwortung fĂŒr viele staatliche Aufgaben ganz oder teilweise bei den Kantonen, so im Schul-, Gesundheits-, Finanz-, Polizei- und Justizwesen sowie im Verwaltungsrecht. Um diese Aufgaben effizient und nach einheitlichen GrundsĂ€tzen zu bewĂ€ltigen, haben die Kantone zahlreiche interkantonale Konkordate geschlossen. Alle Kantone gehören ĂŒberdies einer von fĂŒnf Regionalkonferenzen an, die ihnen der gegenseitigen Information, der Koordination der RegierungstĂ€tigkeiten und der wirkungsvollen Interessenvertretung gegenĂŒber dem Bund dienen. Weiter arbeiten die Kantone im Rahmen der verschiedenen Direktorenkonferenzen (z. B. Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren oder Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren) zusammen. Die Sekretariate dieser Konferenzen befinden sich im Haus der Kantone in Bern.

Enklaven und Exklave

BĂŒsingen am Hochrhein wie auch Campione d’Italia sind Enklaven in der Schweiz. Die deutsche Gemeinde BĂŒsingen ist nördlich des Rheins vom Kanton Schaffhausen umgeben, sĂŒdlich davon grenzt sie an die Kantone ZĂŒrich und Thurgau. Das italienische Campione, bekannt fĂŒr sein Spielcasino, liegt am Luganersee innerhalb des Kantons Tessin. Zollrechtlich sind beide Enklaven seit dem 1. Januar 2020 unterschiedlich zu behandeln. WĂ€hrend BĂŒsingen Teil des Schweizer Zollgebiets ist, ist Campione dies seit dem 1. Januar 2020 nicht mehr. Stattdessen gehört die Gemeinde seitdem zum Zollgebiet der EuropĂ€ischen Union.

Lange Zeit funktionale Enklave war das italienische Livigno. Seit der Errichtung einer Passstrasse ist Livigno auch von Italien aus zu erreichen. Um das Leben in der dennoch abgeschiedenen Lage zu attraktivieren, ist die Gemeinde heute ein italienisches Zollausschlussgebiet, nachdem sie zuvor dem Schweizer Zollgebiet angehörte.

Die Gemeinde Samnaun war lange Zeit eine funktionale Exklave, da die einzige Zufahrtsstrasse bis 1912 ĂŒber österreichisches Hoheitsgebiet fĂŒhrte. Heute ist die Gemeinde ein Schweizer Zollausschlussgebiet.

Aussenpolitik

Die Schweiz versteht sich als aussenpolitisch neutral, d. h. sie beteiligt sich nicht an Kriegen zwischen Staaten. Die NeutralitĂ€t der Schweiz wurde 1815 am Wiener Kongress anerkannt. Sie ist dauernd und bewaffnet und auch heute noch international ausdrĂŒcklich anerkannt.

Die Schweiz ist Mitglied in vielen internationalen Organisationen. Als eines der letzten LĂ€nder trat die Schweiz 2002 der UNO bei, ist aber zugleich das erste Land, dessen Volk ĂŒber den Beitritt abstimmen durfte. Daneben ist die Schweiz in der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), dem Europarat wie auch in der EuropĂ€ischen Freihandelszone (EFTA) tĂ€tig. Die Schweiz nimmt an der Partnerschaft fĂŒr den Frieden der NATO teil und ratifizierte das Kyoto-Protokoll. Die Schweiz ist Mitglied im UN-Menschenrechtsrat. In der Forschung kooperiert die Schweiz mit einigen europĂ€ischen Organisationen. Sie ist GrĂŒndungsmitglied sowohl der EuropĂ€ischen Weltraumorganisation (ESA) als auch der EuropĂ€ischen Organisation fĂŒr Kernforschung (CERN) und stellt mit Genf den Standort der Forschungsanlage. Die Schweiz ist Teil des Schengen-Raums.

Die Schweiz ist weder Mitglied der EuropĂ€ischen Union (EU) noch des EuropĂ€ischen Wirtschaftsraumes (EWR); jedoch bestehen wichtige bilaterale VertrĂ€ge zwischen der Schweiz und der EU. Seit 2004 nimmt der Schweizer BundesprĂ€sident an den alljĂ€hrlichen Treffen der StaatsoberhĂ€upter der deutschsprachigen LĂ€nder teil, ein Format welches auf den Wunsch des damaligen BundesprĂ€sidenten Joseph Deiss zurĂŒckgeht den Dialog zwischen seinem Land und der EU zu intensivieren. Ein Beitritt zur NATO stĂŒnde im Konflikt zur NeutralitĂ€t der Schweiz.

VerhĂ€ltnis zwischen der Schweiz und dem FĂŒrstentum Liechtenstein

Das VerhĂ€ltnis zwischen der Schweiz und dem FĂŒrstentum Liechtenstein wird seit 1923 durch einen Zollvertrag (amtlich: «Vertrag zwischen der Schweiz und Liechtenstein ĂŒber den Anschluss des FĂŒrstentums Liechtenstein an das schweizerische Zollgebiet») geregelt.

Nachdem Österreich den Ersten Weltkrieg verloren hatte und die österreichische Monarchie zusammengebrochen war, löste FĂŒrst Johann II. 1919 den Zollvertrag von 1852 mit Österreich auf und suchte die NĂ€he zur Schweiz. Seit der Unterzeichnung des Zollvertrags mit der Schweiz im Jahre 1923 gehört das FĂŒrstentum zum Schweizer Zollgebiet und die LandeswĂ€hrung ist der Schweizer Franken. Einen offiziellen WĂ€hrungsvertrag mit der Schweiz schloss Liechtenstein jedoch erst am 19. Juni 1980 ab. Der Zollvertrag garantiert weiterhin die vollen souverĂ€nen Hoheitsrechte Seiner Durchlaucht des FĂŒrsten von Liechtenstein. Durch den Vertrag herrscht bis heute eine enge Partnerschaft zwischen den beiden Staaten.

Die Guten Dienste der Schweiz

In der Schweizer Aussenpolitik haben die Guten Dienste eine lange Tradition. Sie spielen neben den Schutzmachtmandaten eine zentrale Rolle in der schweizerischen Friedenspolitik. Die Guten Dienste der Schweiz beschrĂ€nken sich heute nicht nur darauf, dass die Schweiz Konfliktparteien ihr Territorium als Verhandlungsort zur VerfĂŒgung stellt («Hotelier-Funktion»), sondern sie bietet sich auch als Vermittlerin an (Konfliktmediation).

Schutzmachtmandate

Die Wahrung fremder Interessen als Schutzmacht ist ein klassisches Element der Guten Dienste und historisch gesehen fĂŒr die Schweiz von grosser Bedeutung.

Die AnfĂ€nge der schweizerischen Schutzmachttradition reichen bis ins 19. Jahrhundert zurĂŒck. Die Eidgenossenschaft vertrat im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 und 1871 die Interessen des Königreichs Bayern und des Grossherzogtums Baden in Frankreich. Den Grundstein ihrer Reputation als die bedeutendste und wichtigste Schutzmacht der Welt legte die Schweiz in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts. So ĂŒbernahm die Schweiz wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs 36 Mandate zur Interessenvertretung. Die SchutzmachttĂ€tigkeit der Schweiz erreichte im Zweiten Weltkrieg 1943/44 mit 219 Mandaten fĂŒr 35 Staaten ihren Höhepunkt. Nach Beendigung der Kriegshandlungen ging die Zahl der Mandate rasch wieder zurĂŒck. WĂ€hrend des Kalten Krieges nutzten mehrere LĂ€nder wieder die Interessenvertretung durch die Schweiz. Die Schweiz ist vor Schweden und Österreich das bedeutendste Land fĂŒr Schutzmachtmandate und verfĂŒgte zwischen 1966 und 1974 meist ĂŒber mehr als 20 Mandate. Die wichtigsten GrĂŒnde dafĂŒr sind die grosse Erfahrung, die neutrale Haltung sowie das ausgedehnte diplomatische Vertretungsnetz.

Die Schweiz nimmt zurzeit (Stand September 2020) sieben diplomatische Mandate wahr:

  • Vereinigte Staaten im Iran (1980): Umfassendes Mandat, das auf die Geiselnahme von Teheran in den Jahren 1979 bis 1981 und den daraus resultierenden Abbruch der diplomatischen Beziehungen zurĂŒckgeht.
  • Iran in Ägypten (1979)
  • Russland in Georgien (13. Dezember 2008)
  • Georgien in Russland (12. Januar 2009)
  • Iran in Saudi-Arabien (2016)
  • Saudi-Arabien in Iran (2016)
  • Iran in Kanada (2019)

Nur die Interessenvertretung der Vereinigten Staaten im Iran ist ein umfassendes Mandat. Die ĂŒbrigen Mandate sind eher formeller Natur.

Nachdem Kuba und die Vereinigten Staaten 2015 wieder direkte diplomatische Beziehungen aufnahmen, erlosch im Juli 2015 nach 54 Jahren das Schutzmachtmandat der Schweiz fĂŒr die Vereinigten Staaten in Havanna.

Sicherheit

GemÀss dem Global Peace Index belegt die Schweiz 2017 auf der Rangliste der sichersten LÀnder der Welt den 9. Platz (von 163 Nationen).

Schweizer Armee

Die Schweizer Armee ist die bewaffnete Streitmacht der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Sie besteht aus den TeilstreitkrÀften Heer und Luftwaffe. Das jÀhrliche Budget betrÀgt rund 4,873 Milliarden Franken (2011).

Die Besonderheit der Schweizer StreitkrĂ€fte ist ihr Milizsystem. Berufs- und ZeitmilitĂ€r machen nur etwa 5 Prozent der Armeeangehörigen aus; alle ĂŒbrigen sind wehrpflichtige BĂŒrger im Alter zwischen 20 und 34 (in speziellen FĂ€llen bis 50) Jahren. Schweizer BĂŒrgern ist es verboten, in einer fremden Armee zu dienen. Davon ausgenommen ist die Schweizergarde des Vatikans, da sie von der Schweiz lediglich als Sicherheitsdienst angesehen wird.

Im Rahmen des Milizsystems bewahren die Angehörigen der Armee ihre persönliche AusrĂŒstung inklusive persönlicher Waffe (bis 2008 inklusive Taschenmunition) zu Hause auf. Im Zusammenhang mit den Eigenheiten des Milizsystems entstand die frĂŒher ĂŒbliche Redewendung «Die Schweiz hat keine Armee, die Schweiz ist eine Armee». MilitĂ€rdienstpflichtig sind alle mĂ€nnlichen Schweizer BĂŒrger. Frauen können sich freiwillig fĂŒr den MilitĂ€rdienst melden und fĂŒr sie gelten seit 2007 dieselben körperlichen Anforderungen wie fĂŒr MĂ€nner. JĂ€hrlich werden ca. 20'000 Personen in Rekrutenschulen von 18 oder 21 Wochen Dauer zu Soldaten ausgebildet. Die MilitĂ€rdienstuntauglichen leisten Dienst im Zivilschutz und zahlen ĂŒberdies eine jĂ€hrliche MilitĂ€rpflichtersatzsteuer. MilitĂ€rdienstverweigerer haben die Möglichkeit, Zivildienst (→ Zivildienst in der Schweiz) zu leisten, sofern sie GewissensgrĂŒnde geltend machen und bereit sind, als Tatbeweis anderthalb so viele Diensttage wie Soldaten zu absolvieren. Dienstverweigerung aus anderen (etwa politischen oder persönlichen) GrĂŒnden fĂŒhrt zwingend zu einem militĂ€rgerichtlichen Verfahren.

Mit der Reform «Armee XXI» – per Volksabstimmung im Jahre 2003 angenommen – wird die im vorangehenden Leitbild «Armee 95» vorgesehene MannschaftsstĂ€rke von 400'000 auf ca. 200'000 reduziert. Davon sind 120'000 in aktive VerbĂ€nde und 80'000 in Reserveeinheiten eingeteilt.

Insgesamt fanden drei Generalmobilmachungen (GMob; auch Kriegsmobilmachung, KMob) zum Schutze der IntegritĂ€t und der NeutralitĂ€t der Schweiz statt. Die erste GMob fand anlĂ€sslich des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 statt. Als Reaktion auf den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und um einen deutschen oder französischen Durchmarsch durch die Schweiz zu verhindern, wurde auf den 3. August 1914 die erneute GMob der Armee beschlossen. Die dritte GMob der Armee fand am 1. September 1939 als Reaktion auf den deutschen Überfall auf Polen statt. Henri Guisan wurde zum General gewĂ€hlt und entwickelte sich in den Kriegsjahren zur Hauptintegrationsfigur der von den AchsenmĂ€chten eingeschlossenen Eidgenossenschaft.

Die heutige Schweiz wurde seit ihrer GrĂŒndung 1848 noch nie mit offenen Angriffen feindlicher KrĂ€fte zu Lande konfrontiert. Im Zweiten Weltkrieg kam es jedoch hĂ€ufig zu Luftraumverletzungen durch deutsche und alliierte Kampfflugzeuge. Beim folgenschwersten Angriff starben bei der Bombardierung von Schaffhausen am 1. April 1944 40 Menschen, 270 wurden zum Teil schwer verletzt (→ Alliierte BombenabwĂŒrfe auf die Schweiz).

Da sich die militĂ€rische Bedrohungslage im heutigen Europa fĂŒr die Schweiz geĂ€ndert hat, wird die Armee immer wieder in Frage gestellt. Besonders die Gruppe fĂŒr eine Schweiz ohne Armee (GSoA) setzt sich seit Jahren fĂŒr eine Abschaffung ein – bislang jedoch erfolglos: zwei Abstimmungen zur Abschaffung der Armee wurden vom Volk deutlich verworfen. Auch die Frage, ob friedenserhaltende ArmeeeinsĂ€tze im Ausland mit der NeutralitĂ€t vereinbar sind, ist umstritten.

Zivilschutzorganisation

Der 1934 gegrĂŒndete Zivilschutz untersteht dem Eidgenössischen Departement fĂŒr Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Er kĂŒmmert sich im Katastrophenfall als Einsatzmittel der zweiten Staffel (nach Feuerwehr, Polizei und Gesundheitswesen/Rettungsdienst, aber vor Armeeangehörigen) um den Schutz, die Betreuung und UnterstĂŒtzung der zivilen Bevölkerung. Ausserdem kĂŒmmert sich der Zivilschutz um den Schutz von KulturgĂŒtern, unterstĂŒtzt die FĂŒhrungsorgane auf kommunaler und regionaler Ebene und setzt Infrastrukturen wieder instand.

Nachrichtendienst des Bundes NDB

Der seit dem 1. Januar 2010 existierende Schweizerische Nachrichtendienst NDB ging aus der ZusammenfĂŒhrung des Dienstes fĂŒr Analyse und PrĂ€vention DAP und des Strategischen Nachrichtendienstes SND hervor. Der NDB ist direkt dem Chef des Departements fĂŒr Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) unterstellt. Der Nachrichtendienst beschafft Informationen mit nachrichten- bzw. geheimdienstlichen Mitteln und analysiert und wertet diese mit dem Ziel aus, eine fĂŒhrungsrelevante Nachrichtenlage fĂŒr EntscheidungstrĂ€ger aller Stufen zu erstellen. Mit seinen operativen und prĂ€ventiven Leistungen trĂ€gt der NDB direkt zum Schutz der Schweiz bei.

Die Schweiz möchte sich voraussichtlich am französischen Spionagesystem Composante Spatiale Optique beteiligen, da sie keine eigenen Satelliten unterhÀlt.

Grenzwachtkorps

Das Grenzwachtkorps (GWK) ist fĂŒr den Schutz der Schweizer Grenze verantwortlich. Die uniformierten und bewaffneten GrenzwĂ€chter sind Teil der Eidgenössischen Zollverwaltung, die dem Eidgenössischen Finanzdepartement unterstellt ist. Die Angehörigen des Grenzwachtkorps sind an der Grenze sowie auf den FlughĂ€fen von ZĂŒrich, Basel-MĂŒlhausen, Genf und Lugano-Agno stationiert; kontrollieren den Personen- und Warenverkehr; bekĂ€mpfen den Schmuggel, die grenzĂŒberschreitende KriminalitĂ€t, die SchleppertĂ€tigkeit und den Menschenhandel.

Polizei

Die Polizeihoheit liegt in der Schweiz bei den Kantonen. FĂŒr die Durchsetzung der polizeilichen Gewalt hat jeder Kanton seine eigene Kantonspolizei. In einigen Kantonen wird die polizeiliche Grundversorgung durch Stadt-/Gemeindepolizeien erbracht, so z. B. durch die Stadtpolizei ZĂŒrich. Die jeweilige Kantonspolizei ist auch fĂŒr die Sicherheit auf den auf ihrem Kantonsgebiet befindlichen Flughafen verantwortlich. Das Bundesamt fĂŒr Polizei (fedpol) ist fĂŒr die Koordination zwischen den Kantonspolizeien wie auch fĂŒr die auslĂ€ndischen Polizeistellen zustĂ€ndig.

Die allgemeingĂŒltige Notrufnummer der Polizei lautet in der Schweiz 117. Wer die EuropĂ€ische Notrufnummer 112 wĂ€hlt, wird automatisch mit der Einsatzzentrale der zustĂ€ndigen Kantonspolizei verbunden.

Feuerwehr

In den meisten Kantonen besteht fĂŒr erwachsene MĂ€nner und teilweise auch Frauen eine Feuerwehrpflicht. Eine Feuerwehr zu organisieren, ist in erster Linie Aufgabe der Gemeinden. Allerdings werden immer mehr Ortsfeuerwehren regional fusioniert. Die Feuerwehr in der Schweiz ist ĂŒber die Notrufnummer 118 erreichbar.

Luftrettung

Die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) ist eine selbstĂ€ndige und gemeinnĂŒtzige private Stiftung und in der Schweiz fĂŒr die Luftrettung zustĂ€ndig. Sie arbeitet eng mit den Blaulichtorganisationen Polizei, Feuerwehr und SanitĂ€t zusammen. FĂŒr alpine Rettungs- und BergungseinsĂ€tze ist die Rega enge Partnerin des Schweizerischen Alpen-Clubs SAC. Im Kanton Wallis ist nicht die Rega, sondern Air-Glaciers und Air Zermatt fĂŒr die Luftrettung zustĂ€ndig. Die Rega ist in der Schweiz ĂŒber die Notrufnummer 1414 erreichbar.

Gesellschaft

Sozialpolitik

Die Schweiz ist ein sehr gut ausgebauter Sozialstaat. Es existieren mehrere Sozialversicherungen. Diese sind Zwangsversicherungen, das heisst, fĂŒr die Bewohner besteht eine Versicherungspflicht. Die wichtigsten Sozialversicherungen sind:

  • die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), die staatliche Rentenversicherung
  • die Krankenversicherung
  • die Mutterschaftsversicherung
  • die Unfallversicherung
  • die Invalidenversicherung (IV), fĂŒr Personen, die aufgrund von Behinderungen nicht mehr vollstĂ€ndig erwerbstĂ€tig sein können oder ErgĂ€nzungsleistungen benötigen

Die staatliche Rentenversicherung (AHV), die berufliche Vorsorge (Pensionskasse) wie auch die private Vorsorge werden zusammen als Drei-SĂ€ulen-System bezeichnet. FĂŒr ErwerbstĂ€tige ist eine berufliche Vorsorge, die Pensionskasse, obligatorisch. Diese wird privatwirtschaftlich geregelt und ist Sache des Arbeitgebers. Freiwillig ist dagegen die private Vorsorge in Form von zum Beispiel Lebensversicherungen. Diese werden bis zu einer bestimmten Grenze steuerlich gefördert.

Daneben gibt es die Erwerbsersatzordnung, sodass MilitĂ€rdienstpflichtige wĂ€hrend der AusĂŒbung militĂ€rischer Pflichten ein Taggeld bekommen. Obligatorisch ist auch die Arbeitslosenversicherung.

Gesundheitswesen

In der Schweiz ist jeder Einwohner – unabhĂ€ngig von der Staatsangehörigkeit – aufgrund des Krankenversicherungsgesetzes verpflichtet, sich bei einer Krankenkasse seiner Wahl fĂŒr die Behandlungskosten bei Krankheit zu versichern («Grundversicherung», «obligatorische Krankenpflegeversicherung»). Die Krankenkassen sind in der Schweiz ausschliesslich privatwirtschaftliche Unternehmen. Sie sind gesetzlich verpflichtet, jeden in die Grundversicherung aufzunehmen, der einen entsprechenden Antrag stellt, sofern er im TĂ€tigkeitsgebiet der Kasse seinen Wohnsitz hat. Die Zahlung der PrĂ€mie (Mitgliederbeitrag) ist Sache des Versicherten. Es handelt sich dabei um eine KopfprĂ€mie, d. h., die PrĂ€mie ist einkommensunabhĂ€ngig, variiert jedoch von Krankenkasse zu Krankenkasse und von Kanton zu Kanton. Einkommensschwachen Personen werden von staatlicher Seite individuelle PrĂ€mienverbilligungen gewĂ€hrt. Die Finanzierung der staatlichen KrankenhĂ€user erfolgt einerseits durch Einnahmen aus Behandlungen, andererseits durch ZuschĂŒsse der Kantone oder Gemeinden. Die Finanzierung der PrivatkrankenhĂ€user erfolgt dagegen in der Regel nur aus den Behandlungstaxen, die deshalb markant höher sind als bei den staatlichen KrankenhĂ€usern. Die gesetzliche Grundversicherung deckt deswegen die Behandlung in Privatkliniken nicht. Ambulante Behandlungen dagegen werden von der Grundversicherung in der ganzen Schweiz und bei jedem zugelassenen Leistungserbringer gedeckt. Zahnarztbehandlungen werden von den Krankenkassen nicht getragen, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Mit den EU-Staaten bestehen VertrĂ€ge, die die gegenseitige Übernahme der Behandlung bei NotfĂ€llen regeln (Formular E111).

FĂŒr Behandlungskosten bei UnfĂ€llen ist jeder Angestellte durch das Unfallversicherungsgesetz (UVG) obligatorisch versichert. Auch gegen Lohnausfall sind die meisten Angestellten versichert, Ausnahme sind NichtberufsunfĂ€lle fĂŒr geringfĂŒgig Angestellte, mit einem Arbeitspensum von unter 8 Stunden bei einem Arbeitnehmer. Es gibt einerseits eine selbstĂ€ndige Unfallversicherung des öffentlichen Rechts (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt) (kurz SUVA), andererseits bieten auch die meisten privaten Versicherungskonzerne Unfallversicherungen nach UVG an. Die ZustĂ€ndigkeit, ob SUVA oder Privatversicherung, hĂ€ngt von der Wirtschaftsbranche des Arbeitgebers ab und wird vom Bundesrat in einer Verordnung geregelt. UnfalltrĂ€chtigere Branchen wie Bau und Forstwirtschaft sind beispielsweise bei der SUVA. Es ist Sache des Arbeitgebers, alle Angestellten – auch bei FreizeitunfĂ€llen – zu versichern. Wer nicht angestellt ist, muss sich selbst gegen Behandlungskosten bei UnfĂ€llen versichern.

Quelle: UN

Schulsystem

Das Schweizer Schulsystem ist ein komplexes Gebilde. Die Obhut des Schulwesens liegt nicht ausschliesslich beim Bund, sondern ist aufgrund des Föderalismus vorwiegend Sache der Kantone. In der Schweiz betrug die mittlere Schulbesuchsdauer der ĂŒber 25-jĂ€hrigen Bevölkerung 2015 insgesamt 13,4 Jahren und war damit die lĂ€ngste weltweit.

Der Bund und die Kantone teilen sich die Verantwortung fĂŒr das Bildungswesen, wobei die Kantone weitgehende Autonomie haben. Auf Bundesebene definiert ist die Garantie auf freie Schulbildung, der Beginn eines Schuljahres im August und die Sicherstellung der QualitĂ€tsanforderungen. In anderen Bereichen haben die Kantone die alleinige Kompetenz in der obligatorischen Schule.

In den weiterfĂŒhrenden Schulen hat der Bund etwas grössere Kompetenzen. Die Kantone sind jedoch weiterhin fĂŒr die AusfĂŒhrung zustĂ€ndig, und ihnen obliegt die Verantwortung.

In der TertiĂ€rstufe sind die Kompetenzen ebenfalls verteilt. Dem Bund obliegt die Regelungskompetenz fĂŒr die Fachhochschulen (FH) und die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) in ZĂŒrich (ETHZ) und Lausanne (EPFL) sowie fĂŒr die Eidgenössische Hochschule fĂŒr Sport Magglingen. Bei den UniversitĂ€ten liegt die Obhut wiederum bei den Kantonen.

Aufgrund dieser Tatsachen kann man entsprechend der Anzahl der Kantone von 26 verschiedenen Schulsystemen in der Schweiz sprechen.

Die Dauer der Primarschule, der Sekundarstufe I sowie die Anzahl der Ebenen (Leistungsniveau) in der Sekundarstufe I variiert von Kanton zu Kanton; insgesamt sind es meist neun Jahre. Es gibt auch grosse Differenzen im Schulstoff. Die Lehrmittel (SchulbĂŒcher) werden von den Kantonen meistens in eigener Regie erstellt und vertrieben. Nach dem Ende des Obligatoriums sind jedoch alle auf einem Ă€hnlichen Niveau. Nach dem Schulobligatorium hat man die Wahl zwischen einer weiterfĂŒhrenden Schule, die zur Matura fĂŒhrt, oder dem Beginn einer Berufsausbildung, einer Lehre. Die Lehre wird begleitet von einem regelmĂ€ssigen Besuch einer Berufsschule (→ Berufsfachschule in der Schweiz). Freiwillig ist der parallele Besuch einer Berufsmittelschule (BMS), die mit der BerufsmaturitĂ€t abgeschlossen wird. Die meisten Schweizer SchĂŒler wĂ€hlen den Weg einer Lehre. Über die BMS ist der Zugang fĂŒr ein Studium an einer Fachhochschule möglich. Mit der neuen sogenannten «Passerelle» wird ausserdem, nach Erwerb des BerufsmaturitĂ€tszeugnisses (BM-Zeugnis), durch ein zusĂ€tzliches Schuljahr und eine ZusatzprĂŒfung der prĂŒfungsfreie Zugang an eine universitĂ€re Hochschule ermöglicht.

Menschenrechte

Die Schweiz ist Depositarstaat der Genfer Konventionen. Das zwischenstaatliche Abkommen ist eine essentielle Komponente des humanitÀren Völkerrechts.

1942 wurde mit der EinfĂŒhrung des Schweizerischen Strafgesetzbuchs die Todesstrafe in der Schweiz in zivilen Strafprozessen abgeschafft. Seit 1999 ist die Todesstrafe auch auf Verfassungsebene verboten.

1974 ratifizierte die Schweiz die EuropÀische Menschenrechtskonvention.

In der Schweiz gibt es eine nationale Menschenrechtsinstitution und eine nationale Kommission zur VerhĂŒtung von Folter. Die Kommission besucht Orte des Freiheitsentzugs. In einer Volksabstimmung wurde eine VerfassungsĂ€nderung beschlossen, nach der auslĂ€ndische Staatsangehörige, die wegen bestimmter Straftaten verurteilt werden, unmittelbar in ihre HeimatlĂ€nder ausgewiesen werden mĂŒssen (siehe Eidgenössische Volksinitiative «FĂŒr die Ausschaffung krimineller AuslĂ€nder (Ausschaffungsinitiative)»). Das Strafrecht enthielt auch weiterhin keine nach internationalem Recht anerkannte Definition von Folter.

Amnesty International ĂŒbte wiederholt Kritik an der Asylpolitik der Schweiz. Der UN-Ausschuss gegen Folter Ă€usserte 2010 seine Besorgnis darĂŒber, dass das Schweizer Bundesgesetz ĂŒber die AuslĂ€nderinnen und AuslĂ€nder gegen das Prinzip des Non-Refoulement (Abschiebungsverbot) verstossen könne. Das Gesetz erlaubt die automatische Ausweisung auslĂ€ndischer Staatsangehöriger, die als Sicherheitsbedrohung gelten, ohne dass die Betroffenen Rechtsmittel einlegen können. Im gleichen Jahr drĂŒckte der UN-Ausschuss fĂŒr wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte seine Besorgnis darĂŒber aus, dass angesichts unzureichender Einrichtungen fĂŒr die Aufnahme von Asylsuchenden Menschen fĂŒr unbestimmte Zeit in unterirdischen Zivilschutzanlagen untergebracht werden.

Ab Februar 2010 setzte das Bundesverwaltungsgericht die Überstellung von mehreren Asylsuchenden nach Griechenland im Rahmen der Dublin-II-Verordnung aus, um ein Grundsatzurteil zur Frage der ZulĂ€ssigkeit dieser Überstellungen nach Griechenland abzuwarten. Das Bundesamt fĂŒr Migration BFM schob dessen ungeachtet im Jahresverlauf 2010 insgesamt 50 Asylsuchende nach Griechenland ab.

Orden und Ehrenzeichen

Die Schweiz und ihre Kantone gelten als eines der wenigen Staatswesen, das keine Orden oder Ehrenzeichen verleiht.

Verkehr

Schienenverkehr

Die Schweiz hat mit etwa 122 Metern pro Quadratkilometer das dichteste Eisenbahnnetz der Welt (ausgenommen Kleinststaaten wie Vatikanstaat oder Monaco), obwohl zwei Drittel des Landes in sehr gebirgigem GelÀnde liegen und keinerlei Beitrag zu diesem Rekord leisten. Das Schweizer normalspurige Eisenbahnnetz betrÀgt 3778 km und ist komplett elektrifiziert. Die Schmal-, Meter- und Breitspurbahnen haben zusammen eine LÀnge von 1766 km, wovon 30 km (1,7 Prozent) nicht elektrifiziert sind. Die Elektrifizierung erfolgte zu 80 Prozent mit AC (Wechsel- und Drehstrom) und zu 20 Prozent mit DC (Gleichstrom).

Mit einer Strecke von 3236 km betreiben die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) die meisten Eisenbahnlinien. Sie allein befördern jĂ€hrlich ĂŒber 300 Millionen Passagiere. Das zweitlĂ€ngste Streckennetz mit gerade noch 420 km Streckenkilometern betreibt die BLS AG, worauf gleich die meterspurige RhĂ€tische Bahn mit 384 Kilometern folgt, deren Linien ausschliesslich im Kanton GraubĂŒnden liegen. Daneben gibt es in der Schweiz weitere 47 Privateisenbahngesellschaften. Als Privatbahnen werden in der Schweiz jene Eisenbahnunternehmen bezeichnet, die privatrechtlich organisiert sind, also in der Regel als Aktiengesellschaften nach Obligationenrecht. In den meisten FĂ€llen sind die HauptaktionĂ€re die öffentliche Hand. Die öffentliche Hand spielt auch eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des Schienenverkehrs. Bund, Kantone und Gemeinden haben im Jahr 2016 rund 5,1 Milliarden Franken (45 %) der Gesamtkosten ĂŒbernommen.

2019 unternahm jeder Schweizer durchschnittlich 74 Bahnfahrten und legte dabei eine Distanz von 2505 km zurĂŒck; damit ist die Schweiz die weltweit fĂŒhrende Bahnfahrernation.

Im Rahmen der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) wurden die Gotthard- und Lötschberg-Basistunnel erstellt, die der verfassungsmĂ€ssig vorgeschriebenen Verkehrsumlagerung des Transitverkehrs dienen. Der Lötschberg-Basistunnel wurde mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 fĂŒr den regulĂ€ren Personen- und GĂŒterverkehr in Betrieb genommen; der Gotthard-Basistunnel, mit 57 km lĂ€ngster Tunnel der Welt, folgte am 11. Dezember 2016.

Seit 1990 sind mehrere S-Bahnen (→ S-Bahnen in der Schweiz) entstanden, die mittlerweile einen Grossteil des Schienennahverkehrs bewĂ€ltigen. Um die Fahrpreise möglichst einfach zu gestalten, wurden flĂ€chendeckende TarifverbĂŒnde gegrĂŒndet.

Der internationale Schienenpersonenfernverkehr soll wieder verstĂ€rkt gefördert werden. Dazu haben die Verkehrsminister aus Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz im Dezember 2020 einen Grundsatzentscheid gefĂ€llt und die vier Staatsbahnen SBB, DB, ÖBB und SNCF eine entsprechende AbsichtserklĂ€rung unterzeichnet.

Nahverkehr

Als ErgĂ€nzung zum sehr dichten Schienennetz ĂŒbernehmen Busse, Trams und Stadtbahnen die Feinerschliessung im öffentlichen Nahverkehr.

Bus: Mehrere Dutzend regionale Verkehrsbetriebe befördern Passagiere in den StĂ€dten und auf dem Land. Es gibt kaum einen Ort, der nicht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen ist; selbst der Ort Juf (Kanton GraubĂŒnden), höchstgelegene Siedlung Europas, wird tĂ€glich vom öffentlichen Verkehr erschlossen. In den grösseren StĂ€dten werden auch elektrisch angetriebene Trolleybusse eingesetzt. Das gelbe Postauto bildet in vielen lĂ€ndlichen- und Berggebieten das RĂŒckgrat des öffentlichen Verkehrs.

Tram: Bis in die 1960er-Jahre verkehrten in vielen StĂ€dten und Agglomerationen Trams (Strassenbahnen). Der wachsende Strassenverkehr brauchte mehr Platz und so wurden vielerorts die Trams durch Busse ersetzt. In den sechs StĂ€dten Basel, Bern, Genf, Neuenburg, Lausanne und ZĂŒrich bestehen noch heute viele Tramlinien.

Stadtbahn: Als ErgĂ€nzung zu den S-Bahnen, Bus und Trams wurden in den letzten Jahren mehrere Stadtbahnen gebaut oder sind noch in Planung. Die jĂŒngste Stadtbahn ist die Glattalbahn bei ZĂŒrich.

U-Bahn: Abgesehen von der Skymetro auf dem Flughafen ZĂŒrich ist die MĂ©tro Lausanne die einzige stĂ€dtische U-Bahn der Schweiz.

Strassenverkehr

Der Grossteil der Bevölkerung im dicht besiedelten Mittelland wohnt weniger als 10 km von der nĂ€chsten Autobahn oder Autostrasse entfernt. Eine grosse FlĂ€che der Schweiz mit einem relativ geringen Bevölkerungsanteil ist demgegenĂŒber durch Hauptstrassen erschlossen, und schliesslich gibt es im Gebirge verschiedene, im Winter meist gesperrte, Verbindungen ĂŒber Passstrassen (→ Liste der PĂ€sse in der Schweiz) und durch Tunnels (→ Liste der Schweizer Tunnel). 2017 betrug die GesamtlĂ€nge aller Strassen 71'557 km, wovon 1458 km Autobahnen waren. 2020 waren mehr als eine Million Menschen von ĂŒbermĂ€ssigem StrassenverkehrslĂ€rm betroffen. Die öffentliche Hand zahlt jedes Jahr Milliarden von Franken, um die Kosten der externen Effekte zu begleichen. Diese Kosten lagen im Jahr 2017 bei 9,5 Milliarden Franken, was 71 % der gesamten externen Kosten des Verkehrs in der Schweiz entspricht. Diese Kosten sollten im Prinzip den Automobilisten in Rechnung gestellt werden.

Das gut ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz macht sich dadurch bemerkbar, dass rund ein FĂŒnftel aller Schweizer Haushalte nicht ĂŒber ein eigenes Auto verfĂŒgt. Dieser Anteil steigt in den StĂ€dten auf bis zu 57 Prozent, zusĂ€tzlich durch den Umstand unterstĂŒtzt, dass in der Schweiz auch das Carsharing weit verbreitet ist. Im Kanton GraubĂŒnden blieb der individuelle Motorfahrzeugverkehr bis zum Jahr 1926 verboten. Durch Reifenverschleiss gelangen mehrere Tausend Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Da immer mehr und auch immer grössere Autos im Einsatz sind, nimmt die Energieeffizienz des Strassenverkehrs laufend ab. Im Jahr 2018 wurde ein Viertel des gesamten Schweizer Energieverbrauchs im Strassenverkehr verbraucht und die Durchschnitts-CO2-Werte von Neuwagen waren die höchsten in Europa. Im Jahr 2019 gab es auf Schweizer Strassen 187 Verkehrstote, der tiefste Stand seit 1940. Im selben Jahr lag der Motorisierungsgrad (Personenwagen pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner) bei 541 und die CO2-Emissionen der Neuwagen nahmen weiter zu. Durch Alternative Antriebe und Treibstoffe etc. soll der Strassenverkehr wieder energieeffizienter und klimaschonender werden. Im Jahr 2019 wurden 13'197 reine Elektroautos zugelassen, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr (+143,9 %). Da im selben Jahr aber auch (mit dem motorisieren Fahrzeugbestand von 6'160'300) mehr gefahren wurde, gingen die CO2-Emissionen nicht zurĂŒck. Im Jahr der Corona-Wirtschaftskrise 2020 wurden 236'828 neue Personenwagen zugelassen, so wenige wie seit der Ölkrise Mitte der 1970er Jahre nicht mehr. Dennoch hat sich der Strassenfahrzeugbestand weiter vergrössert.

Die BenĂŒtzung des Schweizer Strassennetzes ist fĂŒr Personenkraftwagen grundsĂ€tzlich unentgeltlich. FĂŒr die BenĂŒtzung der Autobahnen mit weiss-grĂŒner Beschilderung besteht in der Schweiz jedoch Vignettenpflicht fĂŒr Personenkraftwagen, die einmalig fĂŒr ein Jahr zu entrichtende Nationalstrassenabgabe (CHF 40). GebĂŒhren auf einer der Öffentlichkeit zugĂ€nglichen Privatstrasse sind die absolute Ausnahme (bekanntestes Beispiel: der nach Italien fĂŒhrende Tunnel am Grossen St. Bernhard).

FĂŒr Lastkraftwagen gilt seit dem 1. Januar 2001 die LeistungsabhĂ€ngige Schwerverkehrsabgabe (LSVA), die elektronisch erhoben wird und deren Höhe nicht vom Typ der befahrenen Strasse, sondern von der gefahrenen Strecke und von der Emissionskategorie des Fahrzeuges abhĂ€ngt. Am 28. Februar 2016 wurde in einer Volksabstimmung der Bau einer zweiten Röhre des Gotthard-Strassentunnels mit einem Ja-Anteil von 57 Prozent genehmigt. Die neue Tunnelröhre wird wegen der Sanierung des alten Gotthard-Strassentunnels benötigt (→ Eidgenössische Abstimmung ĂŒber die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels).

Flugverkehr

Die Schweiz verfĂŒgt ĂŒber drei LandesflughĂ€fen, elf RegionalflugplĂ€tze, 44 Flugfelder und fĂŒnf zivil mitbenutzte MilitĂ€rflugplĂ€tze. Die grössten FlughĂ€fen und Ausgangspunkte von LangstreckenflĂŒgen befinden sich in Kloten (Flughafen ZĂŒrich) und Cointrin (Flughafen Genf). Der drittgrösste Flughafen der Schweiz, der Flughafen Basel-MĂŒlhausen, liegt in HĂ©singue und Saint-Louis auf französischem Boden. RegionalflugplĂ€tze befinden sich ausserdem in Sitten (Flughafen Sion), Bern-Belp (Flughafen Bern-Belp), Lugano-Agno (Flughafen Lugano-Agno) und St. Gallen-Altenrhein (Flugplatz St. Gallen-Altenrhein). Einer der am höchsten gelegenen FlugplĂ€tze Europas, der Engadin Airport, liegt bei Samedan.

Laut Greenpeace wird der Flugverkehr in der Schweiz mit jÀhrlich 1,7 Milliarden Franken subventioniert, da bei Fluggesellschaften auf die Mineralölsteuer (siehe auch Kerosinsteuer) verzichtet wird. Zudem gingen im Jahr 2016 die Umwelt- und Gesundheitskosten aus dem Luftverkehr von rund 1,2 Milliarden Franken fast vollumfÀnglich zu Lasten der Allgemeinheit. Die Kosten dieser externen Effekte lagen im Jahr 2017 bei 1,4 Milliarden Franken, was 10 % der gesamten externen Kosten des Verkehrs in der Schweiz entspricht. Im Jahr 2018 lagen 77 Prozent der Zieldestinationen aus der Schweiz in Europa.

Bis zur Nachlassstundung im Oktober 2001 war die Swissair nationale Fluggesellschaft und unterhielt ein weltumspannendes Streckennetz und die Regionalfluggesellschaft Crossair. Die Nachfolgerin Swiss ist seit Juli 2007 eine Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa AG und weiterhin interkontinental tÀtig. Weitere Schweizer Fluggesellschaften sind u. a. die Edelweiss Air und die Helvetic Airways.

Einzige Inlandflugverbindung ist die von Swiss angebotene Strecke ZĂŒrich–Genf.

Skyguide, eine privatrechtliche Aktiengesellschaft, kĂŒmmert sich im Auftrag des Bundesamts fĂŒr Zivilluftfahrt (BAZL), um die Flugsicherung im Schweizer Luftraum sowie des angrenzenden Luftraumes in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien. Im Schweizer Luftraum umfasst dies sowohl die zivile als auch die militĂ€rische Flugsicherung.

Der Lufttransportdienst des Bundes, der unter anderem auch fĂŒr die beiden Jets des Bundesrats verantwortlich ist, ist auf dem Flughafen Bern-Belp stationiert.

In Luftfahrzeugkennzeichen ist das Hoheitszeichen der Schweiz HB, Schweizer FlugplÀtze bekommen ICAO-Codes, die auf LS beginnen.

Schiffsverkehr

Die einzigen internationalen HĂ€fen mit Meeresanbindung sind die Schweizerischen RheinhĂ€fen, die in und bei Basel am Rhein liegen. Vier Reedereien betreiben insgesamt 19 Hochseeschiffe (Stand 2020) unter Schweizer Flagge (→ Schweizer Hochseeschifffahrt).

Dazu kommen die HĂ€fen der Binnenseen, die neben den FĂ€hrbetrieben ĂŒber den ZĂŒrichsee, den Bodensee und VierwaldstĂ€ttersee sowie die Erschliessung der Gemeinde Quinten am Walensee einen hohen touristischen Anteil haben.

Einziger GĂŒterverkehr auf den Seen sind normalerweise Kiestransporte mit Ledischiffen. Auf den meisten grösseren Seen und FlĂŒssen verkehren, teilweise nur im Sommerhalbjahr, Ausflugsschiffe. Besonders beliebt bei den FahrgĂ€sten sind die restaurierten und unter Denkmalschutz stehenden Raddampfer.

Bergbahnen

Bedingt durch die Topographie, existieren in der Schweiz viele Berg-, Standseil- und Luftseilbahnen, die zum einen Teil als öffentlicher Verkehr zur Erschliessung von Siedlungen, zum anderen Teil der touristischen Erschliessung dienen. Die Bahnstation auf dem Jungfraujoch ist der höchstgelegene Bahnhof Europas und die Luftseilbahn auf das Kleine Matterhorn ist die höchstgelegene Bahnstation Europas.

Einige Orte im Schweizer Berggebiet sind aufgrund ihrer Lage nicht oder nur teilweise mit einer Strasse erschlossen. Zu den nur per Eisenbahn oder Seilbahn erreichbaren Orten und Feriensiedlungen gehören in der Schweiz Belalp, Bettmeralp, Braunwald, Fiescheralp, Gimmelwald, Gspon, Landarenca, Lauchernalp, MĂŒrren, Niederrickenbach, Rasa, Riederalp, Schatzalp, Stoos, Wengen, Wirzweli und Zermatt. FĂŒr mit dem Auto Anreisende stehen an der jeweils letzten mit dem Auto erreichbaren Bahnstation bzw. an der Talstation ParkplĂ€tze oder gar ParkhĂ€user zur VerfĂŒgung, beispielsweise fĂŒr MĂŒrren und Wengen in Lauterbrunnen, fĂŒr Zermatt in TĂ€sch.

Langsamverkehr

SchweizMobil ist das nationale Netzwerk fĂŒr den Langsamverkehr, insbesondere fĂŒr Freizeit und Tourismus. Langsamverkehr ist in der Schweiz der offizielle Oberbegriff fĂŒr das Wandern, Velofahren, Mountainbiken, Skaten und Kanufahren. Das Projekt wurde 1998 lanciert und besteht aus mehreren Teilen. Die Stiftung Veloland Schweiz fördert das Freizeitfahrradfahren in der Schweiz und schuf bis 1998 neun nationale Routen. Weitere Themen sind Mountainbikeland Schweiz, Skatingland Schweiz und Kanuland Schweiz.

Unter dem Namen Wanderland Schweiz sind auch die Wanderwege Teil des Projekts SchweizMobil. Die Schweiz verfĂŒgt ĂŒber ein Netz von einheitlich markierten Wanderwegen von einer LĂ€nge von insgesamt 62'441 km, davon 13'880 km Hartbelag und 23'090 km Bergwege (Stand: 2007). Es werden dabei drei Arten von Wanderwegen unterschieden mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad: gelb markierte Wanderwege, weiss-rot-weiss markierte Bergwege sowie die weiss-blau-weiss markierten Alpinen Routen. 2017 wurde SchweizMobil ergĂ€nzt durch ein einheitlich Signalisiertes Winterangebot fĂŒr Winterwandern, Schneeschuhlaufen, Langlaufen und Schlitteln.

Wirtschaft

Die Schweiz gehört zu den wohlhabendsten LÀndern der Welt. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt rangierte die Schweiz im Jahr 2019 mit umgerechnet 705 Milliarden US-Dollar an 20. Stelle, beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf mit 82'484 US-Dollar auf dem zweiten Platz. Laut einer Studie der Bank Credit Suisse haben die Einwohner der Schweiz mit 537.599 US-Dollar das zweithöchste Pro Kopf Vermögen weltweit (Stand 2017) und jede zehnte Erwachsene Person besitzt ein Vermögen von mehr als einer Million Dollar.

2020 gingen 5,0 Millionen Menschen in der Schweiz einer BeschĂ€ftigung nach. 2,8 Prozent arbeiteten in der Landwirtschaft (PrimĂ€rsektor), 20,8 Prozent in der Industrie und im Gewerbe (SekundĂ€rsektor) und 76,4 Prozent im Dienstleistungssektor (TertiĂ€rsektor). Per 31. Januar 2021 betrug die Arbeitslosenquote 3,7 Prozent. Das allgemeine Preisniveau ist hoch. Die Lebenshaltungskosten sind die höchsten in ganz Europa und lagen 2015 um 63,3 Prozent ĂŒber dem EU-Durchschnitt. ZĂŒrich und Genf galten 2016 als die teuersten StĂ€dte der Welt.

Die Wirtschaft der Schweiz gilt als eine der stabilsten Volkswirtschaften der Welt. Als Erfolgsfaktor gilt unter anderem die PreisstabilitĂ€t. So lag 2008 die Jahresteuerung mit 2,4 Prozent zum ersten Mal seit 1994 ĂŒber einem Wert von 1,8 Prozent. Die Wirtschaftsfreiheit wird durch Art. 27 der Schweizerischen Bundesverfassung sowie von allen 26 Kantonsverfassungen garantiert. Im Jahr 2020 nahm die Schweiz auf dem Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit den 5. Platz ein. Im Global Competitiveness Report 2017–2018 des Weltwirtschaftsforums, das die WettbewerbsfĂ€higkeit von LĂ€ndern misst, rangiert die Schweiz auf dem ersten Platz vor Singapur und den Vereinigten Staaten. Die Schweiz nimmt auf dem Global Innovation Index, welche die InnovationsfĂ€higkeit einzelner LĂ€nder darstellt, den ersten Platz ein.

Die fĂŒnf wertvollsten Marken (und Unternehmen) aus der Schweiz sind laut Brand Finance: NestlĂ©, UBS, Zurich, Rolex und Roche. Economiesuisse ist der grösste Dachverband der Schweizer Wirtschaft (→ Liste der WirtschaftsverbĂ€nde der Schweiz). Der Schweizerische Gewerkschaftsbund ist die grösste Gewerkschaft im Land (→ Liste von Gewerkschaften in der Schweiz).

Schweizer Franken

Der Schweizer Franken (kurz Fr., SFr. und CHF) ist die offizielle WÀhrung der Schweiz. Nach dem US-Dollar, Euro, Pfund und Yen gehört der Schweizer Franken zu den wichtigsten kleineren WÀhrungen der Welt.

Die Schweizerische Nationalbank SNB fĂŒhrt als unabhĂ€ngige Zentralbank die Geld- und WĂ€hrungspolitik der Schweizerischen Eidgenossenschaft und hielt 2013 WĂ€hrungsreserven von 477,4 Milliarden Franken und einen Goldbestand von 35,6 Milliarden Franken. Der Notenumlauf belief sich auf 65,8 Milliarden Franken. Bis Februar 2018 stiegen die Devisenreserven auf 826 Milliarden US-Dollar (779 Mrd. Franken), womit das Land die dritthöchsten WĂ€hrungsreserven hinter der Volksrepublik China und Japan besitzt.

Landwirtschaft

Die kleingliedrigen Strukturen, das zum Teil ungĂŒnstige GelĂ€nde, das hohe Lohnniveau und die strengen Vorschriften (Tierhaltung, Landschaftsschutz) wirken sich negativ auf die internationale WettbewerbsfĂ€higkeit aus. Mit zunehmender Öffnung des Agrarmarktes gerĂ€t die Schweizer Landwirtschaft unter Druck. Der Strukturwandel von vielen Kleinbetrieben in Berg- und Voralpenregionen hin zu wenigen Grossbetrieben im flachen Mittelland hĂ€lt seit Jahrzehnten an. Zwischen 2000 und 2011 ging die Zahl der VollzeitbeschĂ€ftigten in der Landwirtschaft um 23'280 zurĂŒck und betrug im Jahr 2011 nur noch 72'715 (−24 Prozent). Die Zahl der Betriebe sank ebenfalls um 1,8 Prozent, wĂ€hrend die NutzflĂ€che kaum abnahm. Die Landwirtschaft wird vom Bund mit betrĂ€chtlichen Mitteln unterstĂŒtzt (Subventionen bzw. an Auflagen gebundene Direktzahlungen). Der brutto Selbstversorgungsgrad lag in den letzten Jahren bei unter 60 Prozent. Der netto Selbstversorgungsgrad (Einberechnung von importierten Futtermitteln) lag 2016 bei 48 Prozent.

Rohstoffe und Energieproduktion

Die ökologischen Ressourcen in der Schweiz sind knapp. Die BiokapazitÀt respektive das biologisches Naturkapital pro Kopf ist 40 % kleiner als der Weltdurchschnitt: Im Jahr 2016 hatte die Schweiz 1,0 globale Hektar BiokapazitÀt pro Person verglichen mit dem Weltdurchschnitt von 1,6 globalen Hektar pro Person. Die Nutzung von BiokapazitÀt und damit der konsumbedingte ökologische Fussabdruck der Schweiz betrug hingegen 4,6 Hektar pro Kopf. Mit rund 4,6 mal mehr beanspruchter BiokapazitÀt, als die Schweiz enthÀlt, weist das dichtbevölkerte Land ein substantielles BiokapazitÀtsdefizit auf.

Abgebaut werden in der rohstoffarmen Schweiz Kies, Kalk (→ Kalkfabrik Netstal), Ton, Granit und Salz (→ Schweizer Salinen).

In der Schweiz werden jĂ€hrlich rund 5 Millionen Tonnen Zement verbraucht, welcher 2019 zu 86 Prozent durch die sechs schweizerischen Zementwerke und zu 14 Prozent durch Importe gedeckt wurde. Die sechs Zementwerke befinden sich an den Standorten EclĂ©pens, Cornaux, PĂ©ry, Wildegg, Siggenthal-Station und Untervaz. Neben dem Einsatz von Kohle, Schweröl, Petrolkoks und Erdgas, verwerten diese auch KunststoffabfĂ€lle, Lösungsmittel, KlĂ€rschlamm, Tiermehl, Tierfette und fast die HĂ€lfte aller in der Schweiz anfallenden Altreifen. Alleine die Vigier Cement AG, mit Sitz in PĂ©ry, hat 2018 ĂŒber 475 Tausend Tonnen Kohlendioxid (CO2) in die Luft emittiert. Dazu kamen im selben Zeitraum rund 2054 Tonnen Kohlenmonoxid, rund 508 Tonnen Stickstoffoxide, rund 30 Tonnen Ammoniak (NH3), fast 3,8 Tonnen Benzol und 40 kg Quecksilber.

Die schweizerische Erdölraffinerie Cressier ist direkt an die SĂŒdeuropĂ€ische Pipeline angeschlossen. 2014 lag der Öl-Anteil am Schweizer Energieverbrauch bei 51,5 Prozent.

Die Schweizer Erdgashandels- und Transportgesellschaft Swissgas beschafft und transportiert Erdgas im Auftrag der vier schweizerischen regionalen Gasverteilgesellschaften. 12 Einspeisestellen sind an das europĂ€ische Gaspipelinenetz angeschlossen. Die wichtigste Zufuhrleitung ist die Trans-Europa-Naturgas-Pipeline, die von den Niederlanden nach Italien fĂŒhrt. 2012 stammten 41 Prozent des in der Schweiz verbrauchte Erdgases aus der EU, 24 Prozent aus Norwegen und 21 Prozent aus Russland. Die restlichen 12 Prozent stammten aus ĂŒbrigen LĂ€ndern. 2015 lag der Gasanteil am gesamten Endenergieverbrauch bei 13,5 %.

Ein wichtiger Rohstoff in der Schweiz ist die Wasserkraft; die ĂŒber 500 grösseren und kleineren Speicherkraftwerke und Laufwasserkraftwerke decken rund zwei Drittel des Schweizer ElektrizitĂ€tsbedarfs (→ Liste der Speicherseen in der Schweiz). 2016 zĂ€hlte die Eidgenössische Forschungsanstalt fĂŒr Wald, Schnee und Landschaft anhand der HandelsregistereintrĂ€ge 249 Energiegenossenschaften, welche insbesondere erneuerbare Energien handeln und vorantreiben. Zudem gibt es 30 Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) welche aufgrund des Konsumverhaltens und des Bevölkerungswachstums mit ĂŒberdurchschnittlich hohen Abfallmengen rechnen können. 2017 fiel gemĂ€ss Eurostat 703 Kilogramm Siedlungsabfall pro Kopf an, wovon 336 Kilogramm verbrannt wurden. Ein flĂ€chendeckendes Recycling von GetrĂ€nkekartons fĂŒr die Gewinnung von SekundĂ€rrohstoffen wurde wieder eingestellt, da sich nicht der gesamte Handel an der Sammlung beteiligen wollte.

Die Kernenergie trĂ€gt an die inlĂ€ndische Stromproduktion im Zehnjahresdurchschnitt 39 Prozent bei, im Winter bis zu 45 Prozent. Die schweizerischen Kernkraftwerke, mit vier Reaktorblöcken an drei Standorten, haben eine Gesamtleistung von 3,095 Gigawatt; ihre jĂ€hrliche VerfĂŒgbarkeit liegt bei rund 90 Prozent (→ Kernenergie in der Schweiz). Am 21. Mai 2017 stimmte die Schweizer Bevölkerung der Energiestrategie 2050 mit 58,2 % Ja-Stimmen zu. Dies hat zur Folge, dass der Bau neuer Atomkraftwerke verboten ist. Des Weiteren sollen erneuerbare Energien (u. a. mit der EinspeisevergĂŒtung) und die effizientere Nutzung von Energie gefördert werden.

In der Schweiz werden pro Jahr gut fĂŒnf Millionen Kubikmeter Holz geerntet, was ca. zwei Dritteln des im Schweizer Wald jĂ€hrlich nachwachsenden nutzbaren Holzes entspricht. Die Schweiz importiert mehr Holz und Holzprodukte, als sie exportiert. Pro Jahr werden gut sechs Millionen Kubikmeter Holz energetisch verwendet, als Karton oder Papier verbraucht, zu Möbeln verarbeitet oder auf dem Bau verwendet. Indes wird auch mehr virtuelles Wasser importiert als exportiert. Unter dem Strich jeden Tag die Menge des Thunersees. Rund 82 Prozent des Wasser-Fussabducks der Schweiz entsteht ausserhalb des Landes. WĂŒrden alle so wie in der Schweiz leben, brĂ€uchte es drei Erden, ansonsten wĂ€ren die weltweiten Ressourcen bereits am 11. Mai erschöpft (Stand 2021). Der in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsene Verbrauch fossiler Energie macht fast drei Viertel des ökologischen Fussabdrucks der Schweiz aus.

Gewerbe und Industrie

Der grösste Teil des Bruttoinlandsproduktes wird im sekundĂ€ren und tertiĂ€ren Sektor erwirtschaftet. Der Anteil der Wertschöpfung im Industriesektor am gesamten Bruttoinlandsprodukt ging seit 1970 von rund 30 Prozent auf heute noch rund 22 Prozent zurĂŒck. Der grösste RĂŒckgang entfiel dabei in die Jahre zwischen 1973 und 1979, in denen der Anteil um rund 6 Prozentpunkte auf unter 24 Prozent sank. Die frĂŒher dominante Textilindustrie ist weitgehend verschwunden (→ Textilindustrie in der Ostschweiz).

Den kleinen und mittleren Unternehmen (kurz «KMU»; Unternehmen bis 249 Mitarbeiter) kommt in der Schweizer Wirtschaft eine entscheidende Bedeutung zu. Mehr als 99 Prozent aller Unternehmen zÀhlen zu den KMU. Sie stellen zwei Drittel aller ArbeitsplÀtze.

Eine wichtige Rolle spielen internationale Grossunternehmen in der Maschinenindustrie wie ABB, in der Nahrungsmittelindustrie wie NestlĂ©, Lindt & SprĂŒngli (→ Schweizer Schokolade) und Givaudan, in der Pharmaindustrie mit Novartis und Roche, in der Chemieindustrie mit Syngenta sowie in der Uhren- und LuxusgĂŒterindustrie mit Swatch Group und Richemont.

2008 zog die Schweiz mit ihrem Industrieanteil an der Wertschöpfung mit Deutschland gleich und ĂŒberholte Japan. Dies liegt vor allem daran, dass die Industrie sehr hochwertige GĂŒter produziert wie Medizinaltechnikprodukte, Pharmazeutika, PrĂ€zisionsinstrumente oder Luxusuhren. In absoluten Zahlen ist die Industrieproduktion der Schweiz mit rund 100 Milliarden US-Dollar deutlich grösser als diejenige Belgiens, Norwegens oder Schwedens und liegt etwa auf gleicher Höhe mit derjenigen von Taiwan und den Niederlanden. Umgerechnet auf einen Prokopfanteil, liegt die Schweiz weltweit an der Spitze mit rund 12'400 US-Dollar, vor Japan mit 8600 US-Dollar und Deutschland mit 7700 US-Dollar.

Ein Teil der bundeseigenen RĂŒstungsbetriebe wurde 1998 in der RUAG zusammengefasst.

Von den 1'035'000 BeschĂ€ftigten in der Industrie und im Gewerbe arbeiteten 2013 31,7 % im Baugewerbe, 10,4 % in der Uhren- und PrĂ€zisionsinstrumentenindustrie, 9,6 % in der Metallverarbeitung, 9,5 % im Maschinen- und Fahrzeugbau, 6,8 % in der Chemie, 6,4 % im Bereich Nahrung, GetrĂ€nke und Tabakwaren, 1,4 % in der Textilindustrie sowie 24,2 % in der ĂŒbrigen Industrie.

Dienstleistungen

Der tertiĂ€re Sektor zĂ€hlt bei weitem die meisten ErwerbstĂ€tigen (72 Prozent). Dominant sind der Handel, das Gesundheits- und Bildungswesen sowie das Banken- (→ Schweizer Bankwesen) und das Versicherungswesen mit u. a. UBS, Credit Suisse, Zurich, Swiss Life und Swiss Re sowie die Anwaltschaft, wobei AnwĂ€lte vielfach auch als FinanzintermediĂ€re tĂ€tig sind. In den Jahren nach 2000 siedelten sich Unternehmen aus dem Bereich des Rohstoffhandels an: Vitol, Glencore, Xstrata, Mercuria Energy Group.

Tourismus

Seit etwa 150 Jahren ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Schweiz. Er wurde begĂŒnstigt durch die Alpen, die vielen Seen, die zentrale Lage in Europa, eine stabile Politik, eine sichere Gesellschaft und eine starke Wirtschaft. Zu den beliebtesten Destinationen und meistbesuchten Regionen zĂ€hlen ZĂŒrich, Luzern, GraubĂŒnden, Berner Oberland, Wallis, Genf, Waadt, Basel, Tessin, Ostschweiz und Bern. In der Schweiz gab es 2013 insgesamt 5129 Hotels und Kurbetriebe mit 249'666 Betten und ĂŒber 25'000 klassierte Ferienwohnungen und GĂ€stezimmer. Weiter gibt es 755 GruppenunterkĂŒnfte, 52 Jugendherbergen, 412 CampingplĂ€tze, ĂŒber 1000 Bed-and-Breakfast-Betriebe, 29'000 Bahnhöfe und 2500 Seilbahnen. 210'000 der Schweizer Arbeitnehmer (4 Prozent) in 167'590 Vollzeitstellen arbeiteten im Tourismus. 2012 wurden 34,8 Millionen HotelĂŒbernachtungen verzeichnet. Der Tourismus (nur auslĂ€ndische GĂ€ste) stand 2012 mit 16 Milliarden Franken (4,6 Prozent) an vierter Stelle der Exporteinnahmen. Besonders in den wirtschaftlich schwĂ€cheren Bergregionen ist der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. In den Bergkantonen GraubĂŒnden und im Wallis betrĂ€gt der Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) bis zu 30 Prozent, schweizweit sind es 2,6 Prozent.

Detailhandel

Der Schweizer Detailhandel (Einzelhandel) wird durch die beiden genossenschaftlich organisierten Detailhandelsriesen Migros und Coop beherrscht. Die beiden deutschen Detailhandelsketten Aldi und Lidl sind 2005 bzw. 2009 in den Schweizer Markt eingetreten. Derzeit sind sie daran, ein flÀchendeckendes Filialnetz aufzubauen. Das grösste Einkaufszentrum des Landes ist das Glattzentrum.

Aussenhandel

Die folgende Tabelle zeigt die zehn wichtigsten Handelspartner der Schweiz jeweils fĂŒr die Ausfuhr (Export) und fĂŒr die Einfuhr (Import) von Waren an (Stand 2019). An den Ausfuhren hat die Pharma- und Chemieindustrie einen besonders grossen Anteil, 2016 betrug er 44,9 Prozent.

Die Schweiz ist Mitglied der Internationalen Kakao-Organisation (ICCO) und der Internationalen Zucker-Organisation (ISO).

Messen

JĂ€hrlich finden wichtige internationale und nationale Messen in der Schweiz statt. Die wichtigsten Messen sind:

  • Art Basel, eine der weltweit wichtigsten Kunstmessen
  • Genfer Auto-Salon, eine der weltweit wichtigsten Automobil-Fachmesse in Le Grand-Saconnex
  • Internationale Messe fĂŒr Erfindungen in Genf
  • OLMA, Schweizer Messe fĂŒr Landwirtschaft und ErnĂ€hrung in St. Gallen
  • BEA, Ausstellung fĂŒr Gewerbe, Landwirtschaft und Industrie in Bern

Ehemalige Messen:

  • Baselworld, weltweit wichtigste Messe der Uhren- und Schmuckindustrie
  • MUBA, Mustermesse in Basel
  • ZĂŒspa, Herbstmesse in ZĂŒrich

Medien, Kommunikation und Post

Presse

Überregionale Zeitungen sind die international geachtete Neue ZĂŒrcher Zeitung (NZZ) und die durch ihre Redaktion verbundenen Zeitungen Tages-Anzeiger, Basler Zeitung und Der Bund. Die am meisten gelesene Tageszeitung ist die kostenlose Pendlerzeitung 20 Minuten (französisch 20 minutes), vor der Boulevardzeitung Blick und dem Tages-Anzeiger. Andere Zeitungen sind regional ausgerichtet. In der Romandie (französischsprachige Schweiz) ist Le Temps eine ĂŒberregionale Tageszeitung. Eine regionale Tageszeitung in der Romandie ist 24 heures.

Bekannte Nachrichtenmagazine sind die wöchentlich erscheinenden Formate Die Weltwoche und Die Wochenzeitung. Bekannte französischsprachige Zeitschriften sind L’Hebdo und L’illustrĂ©.

Ein «MedienqualitĂ€tsranking» von Medienwissenschaftlern der UniversitĂ€ten ZĂŒrich und Freiburg erwĂ€hnte 2018 die NZZ, Le Temps und den Bund an fĂŒhrender Stelle.

Radio und Fernsehen

Nebst zahlreichen privaten Anbietern ist die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR die mit Abstand wichtigste und grösste Anbieterin von Radio- und Fernsehprogrammen in der Schweiz.

SRG SSR

Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR ist ein privater Verein mit öffentlichem Auftrag mit Sitz in Bern und TrĂ€gerin des grössten Unternehmens fĂŒr elektronische Medien des Landes. Die TĂ€tigkeit der SRG stĂŒtzt sich auf die Schweizerische Bundesverfassung, das Radio- und Fernsehgesetz, die Radio- und Fernsehverordnung sowie die Konzession des Bundes, welche ihr umfangreiche Aufgaben im Dienste der allgemeinen Öffentlichkeit (Service public) ĂŒbertragen. Die SRG SSR ist publizistisch als auch organisatorisch unabhĂ€ngig. Durch ihre Unternehmenseinheiten

  • Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)
  • Radio TĂ©lĂ©vision Suisse (RTS)
  • Radiotelevisione Svizzera (RSI)
  • Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR)

ist die SRG SSR mit ihren Radio- und Fernsehprogrammen in allen Sprachregionen prÀsent.

Radio

Die öffentliche SRG SSR betreibt sechs Radioprogramme in deutscher Sprache (Radio SRF 1, Radio SRF 2 Kultur, Radio SRF 3, Radio SRF 4 News, Radio SRF Virus und Radio SRF Musikwelle). Des Weiteren gibt es vier Programme in französischer (La PremiĂšre, Espace 2, Couleur 3 und Option Musique), drei in italienischer (Rete Uno, Rete Due, Rete Tre), sowie eines in rĂ€toromanischer Sprache (Radio Rumantsch). Ausserdem betreibt die SRG SSR die Spartenprogramme Radio Swiss Pop, Radio Swiss Classic und Radio Swiss Jazz. Die Radioprogramme sind durch RundfunkgebĂŒhren finanziert. Radiowerbung ist der SRG SSR nicht gestattet.

Seit 1983 werden in allen Regionen private, kommerzielle Radiosender betrieben. Hinzu kommt eine grosse Gruppe von nichtkommerziellen Regionalsendern, die komplementÀre Programme abseits des Einheitsbreis produzieren. Sie haben sich in der Gruppe Union nicht-kommerzorientierter Lokalradios (UNIKOM) zusammengeschlossen.

Alle SRG-Radioprogramme sowie viele private Radiosender werden nicht nur ĂŒber UKW, sondern auch ĂŒber DAB+ ausgestrahlt (→ Digital Audio Broadcasting in der Schweiz).

Fernsehen

Das öffentliche Fernsehangebot der SRG SSR umfasst sechs KanĂ€le mit Vollprogramm, je zwei fĂŒr die drei grossen Sprachregionen (Deutschschweiz SRF 1 und SRF zwei, Westschweiz RTS Un und RTS Deux, italienischsprachige Schweiz RSI LA 1 und RSI LA 2). SRF produziert ausserdem den Nachrichten- und Wiederholungskanal SRF info, welcher unverschlĂŒsselt ĂŒber Satellit in ganz Europa empfangen werden kann. Alle sieben FernsehkanĂ€le werden in HDTV-QualitĂ€t (720p) produziert und können ĂŒber den Satelliten Hotbird empfangen werden. Das französischsprachige RTS Info kann als Live-Stream in der ganzen Welt empfangen werden.

Zur Förderung der rÀtoromanischen Sprache werden auf SRF 1 tÀglich kurze Sendungen mit deutschen Untertiteln der Televisiun Rumantscha ausgestrahlt.

Die Fernsehprogramme der SRG SSR werden durch RundfunkgebĂŒhren und Werbung finanziert.

Private Sender mit nationalem Sendegebiet sind u. a. 3+, 4+, 5+, Star TV, Puls 8, S1, TV24 und TV25. Daneben existieren viele Lokalsender. Viele deutsche Sender wie RTL, RTL II, VOX, Sat.1, kabel eins oder ProSieben senden ihre Programme in der deutschsprachigen Schweiz mit speziellen Werbefenstern und einigen wenigen speziell fĂŒr die Schweiz produzierten Sendungen. Mit Ausnahme von lokalen Programmen können in der Schweiz fast alle deutschen und österreichischen KanĂ€le sowie französische und italienische Sender empfangen werden.

Auslandsdienst

Swissinfo.ch heisst der von der SRG in 10 Sprachen produzierte multimediale Auslandsdienst der Schweiz. Die Internetplattform löste 1999 den veraltete Mittelwellendienst Schweizer Radio International ab und wird vom Bund finanziell mitgetragen.

Kommunikation und Post

Die drei Netzanbieter Swisscom, Sunrise Communications und Salt Mobile betreiben je ein eigenes landesweit flĂ€chendeckendes Mobilfunknetz. Der damalige staatliche Telefonmonopolist PTT (VorgĂ€ngerin von Swisscom und Die Post) nahm 1978 das analoge Natel A-Netz in Betrieb. 1983 folgte das NATEL B-Netz und 1987 das NATEL C-Netz. Da die transferierten Datenmengen stĂ€ndig zunehmen, wurde das Mobilfunknetz inzwischen bereits mehrfach Ausgebaut, aktuell auf 5G. 1998 fiel das staatliche Monopol. Das Wort Natel ist eine AbkĂŒrzung fĂŒr «Nationales Autotelefon» und wird in der Schweiz noch heute als Synonym fĂŒr Mobilfunk verwendet. Der Bund hĂ€lt 51,22 Prozent per Ende 2013 an der Swisscom AG.

2016 nutzten 87,2 % der Bevölkerung das Internet.

Die Schweizerische Post AG ist das staatliche Postunternehmen der Schweiz.

Siehe auch: Postgeschichte und Briefmarken der Schweiz, Postleitzahl, Schweizer Mobilfunkmarkt, Telefonvorwahl und Service public

Kultur

Die Kultur ist von den NachbarlĂ€ndern beeinflusst, aber ĂŒber die Jahre hat sich eine eigenstĂ€ndige, schweizerische Kultur entwickelt. Die Aufteilung der Schweiz in mehrere Sprach- und auch Kulturregionen macht es schwierig, von einer einheitlichen Schweizer Kultur zu sprechen. Die drei grösseren Sprachregionen werden von den jeweiligen NachbarlĂ€ndern sowie von den angelsĂ€chsischen LĂ€ndern stark beeinflusst, wĂ€hrend die rĂ€toromanische Kultur keinen «grossen Bruder» hat.

BrÀuche

BrauchtĂŒmer sind Teil der kulturellen Vielfalt und des immateriellen Erbes der Schweiz. Sie sind Teil der Volkskultur und stets von lokalem beziehungsweise regionalem Charakter. In einigen FĂ€llen (Fasnacht, OsterbrĂ€uche, WeihnachtsbrĂ€uche) können sie auch ĂŒberregional sein. Zu den BrĂ€uchen gehören verschiedene tradierte Ausdrucksformen in Musik, Tanz, Volksdichtung z. B. an der Basler Fasnacht sowie im traditionellen Handwerk. Ausserdem zĂ€hlen dazu verschiedene Riten und religiöse Feste.

2008 ratifizierte die Schweiz die UNESCO-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes (2003) und die UNESCO-Konvention ĂŒber den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, in dem die Sorge um das Verschwinden und die Vermarktung des Brauchtums zum Ausdruck kommt.

Beispiele von Brauchtum in der Schweiz sind: die Luzerner Fasnacht, die Basler Fasnacht, das Unspunnensteinwerfen in Interlaken, das SechselĂ€uten in ZĂŒrich oder die FĂȘte des Vignerons (Fest der Winzer) in Vevey.

Feiertage

In der Schweiz ist auf Bundesebene nur der 1. August als Feiertag fĂŒr das gesamte Land festgelegt (siehe auch Schweizer Bundesfeiertag). Die Regelung aller anderen Feiertage ist allein Sache der Kantone, die bis zu acht weitere Tage als gesetzliche Ruhetage festlegen können. Aufgrund dieser Tatsache gibt es ausser der Bundesfeier nur noch drei weitere Tage, die ebenfalls in der gesamten Schweiz anerkannt sind: Neujahr, Auffahrt und der erste Weihnachtsfeiertag. In weiten Teilen des Landes werden weiterhin Karfreitag, Ostermontag, Pfingstmontag und der Stephanstag (zweiter Weihnachtsfeiertag) begangen. Die Mehrheit der Feiertage hat einen christlichen Hintergrund. So werden Fronleichnam, MariĂ€ Himmelfahrt, Allerheiligen und MariĂ€ EmpfĂ€ngnis nur in den katholischen Kantonen gefeiert, umgekehrt ist der Berchtoldstag (zweiter Neujahrstag) weitgehend auf die protestantischen Kantone beschrĂ€nkt. Ohne religiösen Bezug ist der Tag der Arbeit, der oft auch als Kampftag der Arbeiterbewegung bezeichnet wird. Daneben gibt es eine Vielzahl lokaler Feiertage wie etwa das Knabenschiessen in ZĂŒrich oder der Schmutzige Donnerstag.

KĂŒche

Die Schweizer KĂŒche verbindet EinflĂŒsse aus der deutschen, französischen und italienischen KĂŒche. Sie ist regional sehr unterschiedlich, wobei die Sprachregionen eine Art Grobaufteilung bieten. Viele Gerichte haben die örtlichen Grenzen ĂŒberschritten und sind in der ganzen Schweiz beliebt.

Typische Schweizer Gerichte sind KĂ€sefondue, Raclette, Älplermagronen und Rösti. Diese hat auch den Röstigraben definiert. Östlich dieser Grenze gehört Rösti zu den populĂ€rsten Nationalgerichten, westlich davon nicht. Das heute weltweit bekannte BirchermĂŒesli wurde um 1900 von einem Schweizer Arzt, Maximilian Bircher-Benner, in ZĂŒrich entwickelt. Die Honig-Mandel-Nougat-Schokolade Toblerone wird seit ĂŒber 100 Jahren nur in Bern hergestellt und von dort aus in ĂŒber 120 LĂ€nder verkauft. Der Cervelat ist die wohl beliebteste Wurst der Schweiz.

Sehr beliebte Schweizer Produkte sind Schweizer KĂ€se sowie Schweizer Schokolade. Zu lokalen SpezialitĂ€ten gehören etwa: Basler LĂ€ckerli, Vermicelles, Appenzeller Biber, Baiser, die Aargauer RĂŒeblitorte oder die Zuger Kirschtorte.

In der Schweiz sehr beliebt ist das SĂŒssgetrĂ€nk Rivella. Das im Aargau produzierte GetrĂ€nk konnte sich international allerdings bis jetzt nur in den Niederlanden durchsetzen. Auch die Ovomaltine ist eines der beliebtesten Schweizer GetrĂ€nke. Im Gegensatz zu Rivella hat sich Ovomaltine weltweit verbreitet, mehrheitlich unter dem Namen Ovaltine.

UNESCO-Welterbe in der Schweiz

In der Liste des UNESCO-Welterbes in der Schweiz sind zwölf Kultur- und NaturgĂŒter als WelterbestĂ€tten eingetragen.

Architektur

Der wohl bekannteste und bedeutendste Schweizer Architekt ist Le Corbusier. Atelier 5, Mario Botta und Diener & Diener sind weitere bekannte Schweizer Architekten der Gegenwart, die die moderne Architektur im Ausland mitgeprÀgt haben. Die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron (Herzog & de Meuron) haben sich in den vergangenen Jahren unter anderem mit dem GebÀude der Tate Modern in London oder dem Nationalstadion («Vogelnest») in Peking einen Namen gemacht und den Pritzker-Preis erhalten. Peter Zumthor, dessen bekanntester Bau das Thermalbad in Vals ist, ist ebenfalls Pritzker-Preis-TrÀger. Im Jahr 1928 entstand in Dornach bei Basel das Goetheanum, einer der ersten Stahlbetonbauten, der mit seiner skulpturalen Gestalt bis heute zu den bekannten Bauten des Expressionismus und der Organischen Architektur gezÀhlt wird.

Kultur- und BaudenkmÀler

Die neutrale Schweiz wurde – mit Ausnahme der Stadt Schaffhausen (→ Bombardierung Schaffhausens im Zweiten Weltkrieg) – beinahe vollstĂ€ndig von den grossen zerstörerischen Kriegen der Neuzeit verschont. Deshalb blieb im ganzen Land bis heute viel historische Bausubstanz erhalten.

In den aufstrebenden StĂ€dten des 11. und 12. Jahrhunderts wurde intensiv gebaut. Neue Kirchen entstanden in StĂ€dten, Dörfern und Klöstern. Alle fĂŒnf Bischofskirchen der damaligen Zeit auf dem Gebiet der heutigen Schweiz (Basel, Chur, Genf, Lausanne, Sitten) wurden in der zweiten HĂ€lfte des 12. Jahrhunderts neu erbaut. Neben dem voll entfalteten Formenrepertoire der Romanik wurde aber bereits deren Ablösung durch die Gotik sichtbar. Der Stil der Romanik findet sich in der Schweiz u. a. im Basler MĂŒnster, in der Kathedrale Unsere Lieben Frau in Sitten, in der Kathedrale St. Maria Himmelfahrt in Chur und der Kathedrale St. Peter in Genf. Das MĂŒnster zu Allerheiligen in Schaffhausen gilt heute als der grösste romanische Sakralbau der Schweiz.

Im Gebiet der heutigen Schweiz manifestierte sich die Gotik ausserordentlich frĂŒh. Die ab 1190 erbaute Kathedrale Notre-Dame in Lausanne gilt heute als eines der bedeutendsten gotischen Bauwerk in der Schweiz.

Die Klosterkirche von Einsiedeln sowie die Stiftskirche in St. Gallen und die St. Ursenkathedrale in Solothurn wurden im ĂŒppigen Barock erbaut.

Die Ă€ltesten HolzhĂ€user in Europa stehen im Kanton Schwyz. Die HĂ€user Nideröst (1176) und Bethlehem (1287) wurden als Blockhaus aus qualitativ bestem Fichten-Kernholz noch vor der GrĂŒndung der Alten Eidgenossenschaft erbaut. In der Gegend zwischen Arth und dem Muotatal stehen nachweislich ĂŒber ein Dutzend der uralten HolzhĂ€user. GemĂ€ss neuen Forschungsergebnissen war es den Hausbesitzern damals möglich, bei einem Umzug in ein Nachbardorf die HĂ€user in ihre einzelnen Balken zu zerlegen und mitzunehmen. Fachleute sprechen von der mit Abstand Ă€ltesten Holzhausgruppe in ganz Europa.

FĂŒr die Entstehung monumentaler Renaissance-, Barock- und Rokokoschlösser fehlten in der Schweiz die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen. Einige der wenigen Ausnahmen waren die fĂŒrstbischöfliche Residenz in Chur, die bischöfliche Residenz in Pruntrut sowie die FĂŒrstabtei St. Gallen. Die Schlösser in der Schweiz gehen meist auf mittelalterliche Burgen zurĂŒck. In der Zeit zwischen dem 10. und dem 15. Jahrhundert sind im Gebiet der heutigen Schweiz ca. 2000 Burgen meist durch edelfreie oder grĂ€fische Familiengruppen, durch den Kleinadel oder Rittersleuten erbaut worden. Die eidgenössischen Orte ĂŒbten bei der Umgestaltung ihrer als Landvogteien genutzten Schlösser sparsame ZurĂŒckhaltung aus. Dadurch blieb wertvolle mittelalterliche Bausubstanz erhalten. Im Gegensatz dazu entfaltete die lĂ€ndliche und v. a. die stĂ€dtische Oberschicht, die sogenannten Patrizier, eine rege private BautĂ€tigkeit bei der Errichtung reprĂ€sentativer Landsitze. Zu den bekanntesten Schlössern des Landes zĂ€hlen heute Schloss Chillon, Schloss Thun, das Wasserschloss Bottmingen, die Habsburg, Schloss Tarasp, Schloss Grandson und Schloss Sargans. Die drei Burgen von Bellinzona gehören zum UNESCO-Welterbe.

Moderne Waffentechniken machten die mittelalterlichen stĂ€dtischen Befestigungsanlagen im 18. Jahrhundert nutzlos. Das Schleifen der Stadtbefestigungen in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts ging mit Stadterweiterungen im Zuge der beginnenden Industrialisierung einher. Strassen- und besonders der Eisenbahnbau sprengten die Stadtmauern und verdrĂ€ngten die turmbesetzten Verteidigungsringe und Schanzenanlagen. Einige Orte konnten ihre mittelalterlichen Befestigungsanlagen bewahren, so z. B. das StĂ€dtchen Murten. In anderen StĂ€dten blieben nur einzelne wenige Teile der Befestigungen erhalten wie der Zytglogge-Turm in Bern, das Spalentor in Basel oder der Munot in Schaffhausen. In dieser Zeit wurde in ZĂŒrich auch die Bahnhofstrasse durch ZuschĂŒtten des Fröschengrabens angelegt.

Im jungen Bundesstaat des ausgehenden 19. Jahrhunderts war die RĂŒckbesinnung auf die eigene Geschichte von grosser Bedeutung. Diese RĂŒckbesinnung fĂŒhrte in der Architektur zur Verwendung historischer Stilelemente und ihre Verschmelzung zu einem neuen Ganzen. FĂŒr einige Jahrzehnte hat sich in der Schweiz der Historismus als neuer Baustil durchgesetzt. Zu den bekanntesten GebĂ€uden dieser Zeit gehört das Bundeshaus in Bern (1852–1902), die Elisabethenkirche in Basel (1857–1864), das Stadthaus in Winterthur (1865–1869), der Hauptbahnhof ZĂŒrich (1870–1871), das Historische Museum Bern (1892–1894) sowie das Schweizerische Landesmuseum in ZĂŒrich (1897).

Im 20. Jahrhundert wurden vereinzelt auch GebÀude im neoklassizistischen Stil erstellt, so 1903 das Stadttheater Bern und anfangs der 1930er-Jahre das Palais des Nations in Genf. Zwischen 1922 und 1927 entstand in Lausanne das BundesgerichtsgebÀude im klassizistischen Stil.

Die bĂ€uerliche Baukultur hat eine reiche Zahl verschiedener Baustile hervorgebracht, jeweils bestens angepasst an die verschiedenen Landschaften und klimatischen Bedingungen. Die Dörfer der Ostschweiz sind geprĂ€gt durch die typischen Riegelbauten, im Wallis dominieren die von der Sonne dunkel gebrannten BlockhĂ€user (z. B. in Grimentz), im Berner Mittelland sind die BauernhĂ€user mit den weit ausladenden DĂ€chern, den typischen RĂŒnden, ĂŒberall anzutreffen und die reich mit Sgraffiti geschmĂŒckte HĂ€usern gehören unverkennbar in jedes Engadiner Dorf (z. B. in Ardez). Einen umfassenden Überblick ĂŒber die verschiedenen Bauernhaustypen der Schweiz bietet das Freilichtmuseum Ballenberg mit seinen mehr als 100 original Exponaten.

2013 kĂŒrte der Schweizer Heimatschutz (SHS) 50 herausragende Bauobjekte aus der Zeit zwischen 1960 und 1975 als Zeugen der jĂŒngeren Baukultur, so zum Beispiel die beiden GrossĂŒberbauungen Telli in Aarau und die CitĂ© du Lignon in Vernier. Objekte aus dieser Zeit prĂ€gen viele Gemeinden der Schweiz, gelten jedoch hĂ€ufig immer noch als BausĂŒnden oder «Energieschleudern». Eine Auseinandersetzung mit der Baukultur dieser Epoche hat kaum stattgefunden.

Der Wakkerpreis ist ein seit 1972 durch den Schweizer Heimatschutz verliehener Preis, mit dem politische Gemeinden fĂŒr beispielhaften Ortsbildschutz ausgezeichnet werden. Die erste Auszeichnung erhielt das StĂ€dtchen Stein am Rhein fĂŒr sein auf mittelalterlichem Grundriss gewachsenes und hervorragend erhalten gebliebenes Stadtbild.

Bildende Kunst

Im 16. Jahrhundert hat der Protestantismus die Bildkunst der Schweiz stark beeinflusst. Seither konnten sich einige Schweizer KĂŒnstler international durchsetzen. Johann Heinrich FĂŒssli erlangte im 18. Jahrhundert in England unter dem Namen Henry Fuseli beachtlichen Ruhm mit seinen grotesk-fantastischen Bildern. Aus dem 19. Jahrhundert sind unter anderem Arnold Böcklin, Albert Anker und Ferdinand Hodler zu nennen. Alberto Giacometti und HR Giger wurden im 20. Jahrhundert international bekannt. Jean Tinguely hat Menschen mit komplexen bewegenden Skulpturen aus Altmetall fasziniert. Paul Klee wird manchmal als der bedeutendste Maler der Schweiz gefeiert. Die Farbenlehre von Johannes Itten gilt als herausragendes Standardwerk. Sophie Taeuber-Arp gehört als Vertreterin der konkreten, rhythmisch-geometrischen Kunst zu den herausragenden abstrakten KĂŒnstlerinnen des 20. Jahrhunderts.

Theater

Das Schauspielhaus ZĂŒrich gilt als eines der bedeutendsten deutschsprachigen Theater. Zahlreiche StĂŒcke von Bertolt Brecht erlebten hier ihre UrauffĂŒhrung. Auch die meisten StĂŒcke von Max Frisch und Friedrich DĂŒrrenmatt wurden hier uraufgefĂŒhrt. In den Jahren 2002 und 2003 wurde es von den Kritikern der Zeitschrift Theater heute zum Theater des Jahres gewĂ€hlt.

Das 1891 eröffnete Opernhaus ZĂŒrich ist ebenfalls Ort vieler Erst- und UrauffĂŒhrungen. So sind internationale Opernstars regelmĂ€ssig Gast auf der ZĂŒrcher OpernbĂŒhne. AnfĂ€nglich wurden auch Sprech- und Musiktheater aufgefĂŒhrt. Nach der Eröffnung des Schauspielhauses beschrĂ€nkte sich das Opernhaus jedoch auf Oper, Operette und Ballett.

Weitere Theater von Bedeutung sind das Theater Basel, das Stadttheater Bern sowie das Cabaret Voltaire, der Geburtsort des Dadaismus.

Der seit 1957 jĂ€hrlich von der Schweizerischen Gesellschaft fĂŒr Theaterkultur (SGTK) vergebene Hans-Reinhart-Ring gilt als die höchste Auszeichnung im Theaterleben der Schweiz.

Musik

Die Geschichte der Musik in der Schweiz wurde durch zwei Faktoren geprĂ€gt: Durch das Fehlen von FĂŒrstenhöfen und GrossstĂ€dten gab es in frĂŒheren Jahrhunderten keine stilprĂ€genden Zentren. Ausserdem wurde in der mehrsprachigen Schweiz die Musik durch die umliegenden Kulturkreise massgeblich beeinflusst. Deshalb entstand nie ein eigenstĂ€ndiger Schweizer Musikstil.

Im 20. Jahrhundert brachte das Land eine Anzahl von bekannten Komponisten der klassischen Moderne hervor. Arthur Honegger, Othmar Schoeck und Frank Martin haben es alle zu internationalem Ruhm gebracht.

Seit den 1950er-Jahren besteht eine lebendige Musikszene aus dem Pop- und Rockbereich. Vor allem seit den spĂ€ten 1970er-Jahren etablierte sich in der Deutschschweiz mehr und mehr die Pop-/Rockmusik mit Dialekttexten (Mundartrock). VorlĂ€ufer dieser Musik waren in den 1960er-Jahren die Berner Troubadours. Sie trugen ihre eigenen Lieder in Dialekt vor und begleiteten sich meist selbst auf der Gitarre. Der bekannteste dieser Musikpoeten war Mani Matter. Heute finden sich Mundarttexte in allen Bereichen der Musik. Bekannte MundartsĂ€nger sind bzw. waren Polo Hofer, Toni Vescoli, ZĂŒri West, Patent Ochsner, Stiller Has, Peter Reber, Trio Eugster, Vera Kaa, Dodo Hug, Sina, GölĂ€, PlĂŒsch, Mash, Florian Ast, Sandee und Adrian Stern. Nur wenige Mundart-Interpretationen wie Hemmige von Stephan Eicher oder Nach em RĂ€ge schint Sunne von Artur Beul wurden auch international bekannt.

Hip-Hop

Im Hip-Hop erfolgreich sind zum Beispiel die schweizerdeutsch rappenden Greis, Gimma, Bligg, Wurzel 5 und Sektion KuchikÀschtli, oder die Westschweizer Stress und Sens Unik mit französischen Texten.

Pop, Rock

Auch im Ausland erfolgreiche Pop- und Rockmusiker wurden etwa DJ BoBo, Patrick Nuo, Stephan Eicher, Krokus, Yello, The Young Gods, Gotthard, Eluveitie, Double, DJ Antoine und Andreas Vollenweider. Unter den im ganzen deutschsprachigen Raum bekannten Musikern und Schlagerstars sind Lys Assia, Vico Torriani, Hazy Osterwald, Paola Felix, Pepe Lienhard, Nella Martinetti, Francine Jordi, Leonard und Beatrice Egli zu erwĂ€hnen. Der seit den 1990er-Jahren in der Schweiz lebende Rockstar Tina Turner gab, nachdem sie das Schweizer BĂŒrgerrecht erhalten hatte, ihre US-StaatsbĂŒrgerschaft zurĂŒck.

Jazz

Einen festen Platz im kulturellen Leben der Schweiz hat die Jazz-Musik eingenommen. Die beiden ĂŒber die Jazz-Szene hinaus bekannten Schweizer Jazz-Leute waren George Gruntz und Claude Nobs. Die Jazz-Festivals von Montreux, Willisau und Lugano gehören international zu den bekanntesten AnlĂ€ssen ihrer Art.

Den Eurovision Song Contest (→ Schweiz beim Eurovision Song Contest) gewann die Schweiz zweimal: bei der Erstausgabe 1956 mit Lys Assia sowie 1988 mit CĂ©line Dion. Das Trio Peter, Sue & Marc hat viermal am ESC teilgenommen.

Volksmusik

Die traditionelle Schweizer Volksmusik, die zur AlpenlĂ€ndischen Volksmusik gehört, geniesst im Land einen hohen Stellenwert. Sie wird auch als LĂ€ndlermusik bezeichnet. Typisch schweizerische Instrumente sind das Alphorn und das Schwyzerörgeli, aber auch Geige, Bassgeige und Klarinette sind hĂ€ufig. Im Gegensatz zum ĂŒbrigen deutschsprachigen Raum bezeichnet LĂ€ndler in der Schweiz nicht nur 3/4-taktige LĂ€ndlermelodien, sondern eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Volksmusik des 19. Jahrhunderts hervorgegangene Tanz- und Unterhaltungsmusik. Instrumentale Schweizer Volksmusik wird in zahlreichen lokalen Gruppen gespielt, die meisten Spieler haben Amateur-Status, einige sind auch schweizweit bekannt, beispielsweise die Streichmusik Alder, Carlo Brunner oder die Swiss LĂ€ndler Gamblers. Die Musik ist ĂŒberwiegend Tanzmusik wie LĂ€ndler oder Schottisch, wird jedoch oft auch ohne Tanzgelegenheit gespielt. Blasmusik-Formationen sind im ganzen Land sehr verbreitet. Auch der traditionelle Jodelgesang wird in vielen Vereinen gepflegt. Um den Schweizer Jodel besser vom damals populĂ€ren Tiroler Jodel abgrenzen zu können und um das beinahe verschwundene Alphorn wieder populĂ€r zu machen, wurde 1910 der heutige Eidgenössische Jodlerverband gegrĂŒndet. In regelmĂ€ssigen AbstĂ€nden finden Eidgenössische Feste in verschiedenen Musikrichtungen statt, wie das Eidgenössische Musikfest, welches als grösstes Blasmusikfestival der Welt gilt.

Festivals

Die Schweiz ist eine eigentliche Hochburg von Musikfestivals aller Musikrichtungen. In Luzern findet jĂ€hrlich das internationales Musikfestival statt, das Lucerne Festival. Auch in anderen Orten werden Ă€hnliche Veranstaltungen ausgetragen. Zudem finden jeden Sommer zahlreiche Open-Air-Veranstaltungen statt wie das Gurtenfestival, das PalĂ©o Festival oder das Open Air St. Gallen. Die jĂ€hrlich stattfindende ZĂŒrcher Street Parade mit gegen einer Million Besuchern, ist die weltweit grösste Techno-Veranstaltung.

Die Schweizerische Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik (SUISA) vertritt die Nutzungsrechte aus dem Urheberrecht von Komponisten, Textdichtern und Verlegern von Musikwerken.

Film

Die Schweiz kann auf eine der jĂŒngsten Filmgeschichten in Europa zurĂŒckblicken. Erst in den 1930er-Jahren und nur durch die Einwanderung von ambitionierten KĂŒnstlern und Unternehmern konnte eine Schweizer Filmszene ĂŒberhaupt erst entstehen. Am bedeutsamsten waren in der frĂŒhen TonfilmĂ€ra bis etwa 1950 die aus Österreich stammenden Lazar Wechsler, der die Praesens-Film grĂŒndete, die damals einzige bedeutende Filmproduktionsgesellschaft, und Leopold Lindtberg, der produktivster und erfolgreichster Regisseur der Praesens-Film war, die insgesamt vier Oscars und Auszeichnungen an allen international bedeutsamen Festivals gewann.

Wie in allen europĂ€ischen LĂ€ndern ist auch in der Schweiz das Filmschaffen heute auf staatliche Filmförderung angewiesen. Die Fördermittel reichen jedoch nur fĂŒr einen geringen jĂ€hrlichen Filmausstoss. In der jĂŒngeren Geschichte schafften es daher nur wenige Schweizer Filme zu internationaler Bekanntheit. Mangels konkurrenzfĂ€higer Alternativen sind in allen Sprachgebieten der Schweiz US-amerikanische Filme und Fernsehserien stark verbreitet. Im Kino ĂŒberwiegen die US-amerikanischen Produktionen. Die Eintrittspreise zĂ€hlen zu den höchsten Europas.

Der vermutlich bekannteste Film aus Schweizer Produktion ist Die Schweizermacher. Weitere Komödien, die viel Beachtung fanden, sind Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz von Daniel Schmid und Gekauftes GlĂŒck von Urs Odermatt. Im Gegensatz dazu ist das Werk Höhenfeuer von Fredi M. Murer sehr viel ernster: Es handelt von Inzest in abgelegenen Bergregionen. Ebenfalls in lĂ€ndlicher Umgebung spielen Kleine Fluchten von Yves Yersin. Einen Oscar gewann 1991 die Reise der Hoffnung von Xavier Koller. Dieser Film handelt von einer kurdischen Familie, die auf der Suche nach einem besseren Leben in die Schweiz flieht. Weitere Erfolge konnten auch verschiedene Filme mit Schweizer Beteiligung verzeichnen. So erhielt die Hauptdarstellerin (Halle Berry) des Films Monster’s Ball des Schweizer Regisseurs Marc Forster fĂŒr ihre Rolle einen Oscar. JĂŒngste Erfolge konnte das Schweizer Filmwesen etwa mit «Mein Name ist Eugen», «Heidi» und «Schellen-Ursli» erzielen.

Der erfolgreichste Schweizer im internationalen FilmgeschĂ€ft ist der Produzent Arthur Cohn, der bereits viermal fĂŒr einen Oscar nominiert war und dabei drei Oscars in der Kategorie Bester Dokumentarfilm gewonnen hat.

Der Schweizer Filmpreis wird jeweils an den Solothurner Filmtagen Ende Januar verliehen. AlljĂ€hrlich im August findet zudem das Internationale Filmfestival von Locarno statt, eines der bedeutendsten internationalen Filmfestivals weltweit. Das jĂŒngste Festival ist das Zurich Film Festival, das 2005 zum ersten Mal stattfand.

Literatur und Philosophie

Da die Schweiz vier Landessprachen besitzt, werden oft vier Bereiche unterschieden: die Literatur der deutsch-, französisch-, italienischsprachigen und der rĂ€toromanischen Schweiz. Bereits im Mittelalter gab es literarisches Schaffen in verschiedenen Klöstern: Im Kloster Muri entstand um 1250 das Ă€lteste deutschsprachige Osterspiel und das erste Weihnachtsspiel etwas spĂ€ter in St. Gallen. Obwohl die deutschsprachige Schweizer Literatur immer im Schatten Deutschlands stand, gibt es Werke, die im ganzen deutschen Sprachraum bekannt sind, darunter jene von Friedrich DĂŒrrenmatt, Max Frisch, Friedrich Glauser, Jeremias Gotthelf, Hermann Hesse, Gottfried Keller, Pedro Lenz, Conrad Ferdinand Meyer, Adolf Muschg und Johanna Spyri. Neben der dominierenden Schweizer Hochdeutschen Literatur gibt es auch bedeutende ReprĂ€sentanten der Schweizer Mundartliteratur wie Ernst Burren, Pedro Lenz oder Kurt Marti. Die Bestseller des frankophonen JoĂ«l Dicker wurden in ĂŒber 40 Sprachen ĂŒbersetzt und in Millionenauflagen verkauft.

Bedeutende Literaturveranstaltungen in der Schweiz sind die Solothurner Literaturtage und das Buch- und Literaturfestival Basel.

Museen

GemĂ€ss der Museumsstatistik des Bundesamts fĂŒr Kultur (BAK) verzeichneten die 1111 Schweizer Museen 2015 ĂŒber 12 Millionen Eintritte.

Das Kunstmuseum Basel ist das Ă€lteste öffentliche Museum in Europa. Seinen Ursprung hat es im Kabinett der Familie Amerbach im 16. Jahrhundert. Dieses umfasste eine Sammlung weltberĂŒhmter GemĂ€lde sowie den Nachlass von Erasmus von Rotterdam. Das Kunsthaus ZĂŒrich besitzt die bedeutendste Sammlung von Werken Alberto Giacomettis, dazu die grösste Munch-Sammlung ausserhalb Norwegens. Das Kunstmuseum Bern ist das Ă€lteste Kunstmuseum der Schweiz mit einer permanenten Sammlung und beherbergt Werke aus acht Jahrhunderten. Bekannt fĂŒr moderne und Gegenwartskunst ist die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel.

Das Schweizerische Landesmuseum hat seinen Hauptsitz in ZĂŒrich und beherbergt die grösste kulturgeschichtliche Sammlung der Schweiz. Sie umfasst sĂ€mtliche Epochen von der Urgeschichte bis zum 21. Jahrhundert. Das zweitgrösste historische Museum der Schweiz ist das Historische Museum Bern mit 250'000 Objekten verschiedenster Herkunft. ErwĂ€hnenswert sind insbesondere die Burgunderteppiche, die wĂ€hrend der Burgunderkriege dem burgundischen Herzog Karl dem KĂŒhnen abgenommen wurden. Seit dem Jahr 1998 befindet sich in Prangins im Kanton Waadt im Schloss Prangins der Westschweizer Sitz des Schweizerischen Nationalmuseums. Es legt seinen Schwerpunkt auf die kulturelle, soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz im 18. und 19. Jahrhundert.

Ein weiteres Museum von Bedeutung ist das Anatomische Museum Basel. Dieses zeigt OriginalprÀparate und Wachsmodelle von menschlichen Körperbereichen und Organen. Darunter befindet sich das Àlteste anatomische PrÀparat der Welt, ein 1543 prÀpariertes Skelett.

Das meistbesuchte Museum der Schweiz ist das Verkehrshaus in Luzern mit seiner grossen Sammlung an Lokomotiven, Autos, Schiffen und Flugzeugen.

Das Technorama in Winterthur ist das grösste Science Center der Schweiz. Es fĂŒhrt zahlreiche Experimente vor, die den Besuchern technische und naturwissenschaftliche ZusammenhĂ€nge nĂ€herbringen.

In der Westschweiz thematisieren einige Museen internationale Organisationen. Das Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum in Genf dokumentiert die Geschichte der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, und das Olympische Museum in Lausanne dokumentiert die neuzeitliche olympische Bewegung seit 1896.

Eidgenössische Feste

Zu den wichtigsten eidgenössischen Festen zĂ€hlt das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das Eidgenössische Jodlerfest, das Eidgenössische Turnfest und das Eidgenössische Feldschiessen.

Der Wunsch nach nationalen Festen kam bereits 1799 wĂ€hrend der Zeit der Helvetischen Republik auf. Die Unspunnenfeste von 1805 und 1808 gelten als VorlĂ€ufer der eidgenössischen Feste. Das erste eidgenössische Fest war 1824 das Eidgenössische SchĂŒtzenfest. Im 19. Jahrhundert spielten die aufkommenden, föderalistisch durch Vereine und VerbĂ€nde organisierten eidgenössischen Feste eine wichtige Rolle beim Aufbau der Willensnation und des Bundesstaates. Die gemeinsamen Feste drĂŒcken die Verbundenheit aller Teilnehmer aus, obgleich diese verschiedenen sprachlichen, kulturellen Gruppen oder Konfessionen angehörten.

Heute sind die in regelmĂ€ssigen AbstĂ€nden stattfindenden eidgenössischen Feste ein beliebter Treffpunkt fĂŒr Sportler und Musiker aus allen Landesteilen und bilden fĂŒr viele Vereine den Höhepunkt in ihrem Vereinsleben.

Landesausstellungen und Gartenschauen

Seit Bestehen des Bundesstaates wurden die folgenden sechs Landesausstellungen durchgefĂŒhrt:

  • 1883 in ZĂŒrich (Schweizerische Landesausstellung 1883)
  • 1896 in Genf
  • 1914 in Bern (Schweizerische Landesausstellung 1914)
  • 1939 in ZĂŒrich (Landi)
  • 1964 in Lausanne (Expo 64)
  • 2002 in Biel/Bienne, Neuenburg, Yverdon-les-Bains und Murten (Expo.02)

1991 fanden anlĂ€sslich der Feierlichkeiten zum 700-Jahre-JubilĂ€um der Eidgenossenschaft dezentrale Feiern in allen Landesteilen statt, so auch die nationale Forschungsausstellung Heureka in ZĂŒrich.

Mit der G59 fand 1959 in ZĂŒrich die erste von bisher zwei Gartenbau-Ausstellungen statt. 1980 folgte um Basel die GrĂŒn 80.

Diverse Kulturthemen

  • In der Schweiz gibt es ĂŒber 700 verschiedene Trachten (→ Trachten in der Schweiz). Der Dachverband der Trachtenleute ist die Schweizerische Trachtenvereinigung.
  • Die durch die Eidgenossenschaft finanzierte Stiftung Pro Helvetia ist fĂŒr die kulturelle Darstellung der Schweiz im Ausland sowie fĂŒr den kulturellen Dialog zwischen den verschiedenen Landesteilen zustĂ€ndig.
  • Der international bekannte Circus Knie ist der grösste und meistbesuchte Zirkus der Schweiz. Weitere bekannte Zirkusunternehmen sind: Circus Nock, Circus Monti, Circus Conelli.
  • Der seit 1974 jĂ€hrlich vergebene Prix Walo ist die wichtigste Auszeichnung im Schweizer Showbusiness. Er gilt als «Schweizer Oscar». Den Preis haben viele bekannte Schweizer Schauspieler, Kabarettisten und SĂ€nger gewonnen.
  • Das Jassen, ein Kartenspiel der BĂ©zique-Familie, gilt in der Schweiz als Nationalspiel. Mit «französischen» Karten wird westlich der BrĂŒnig-Napf-Reuss-Linie, mit «deutschen» Karten östlich davon gespielt.
  • KuhkĂ€mpfe, meist mit Eringer-KĂŒhen, finden jeden FrĂŒhling und Sommer im französischsprachigen Teil des Wallis statt.

Internationale Organisationen

Wegen ihrer NeutralitÀt, der politischen StabilitÀt sowie ihrer humanitÀren Tradition ist die Schweiz der Sitz vieler internationaler Organisationen, VerbÀnde und Nichtregierungsorganisationen aus Politik, Sport, Wissenschaft und Kultur. Besonders viele von ihnen haben ihren Sitz in Genf, der diplomatisch wohl am besten vernetzten Stadt des Landes.

  • Genf:
    • In Genf befindet sich mit dem BĂŒro der Vereinten Nationen (UNOG) neben New York, Wien und Nairobi einer der vier permanenten Sitze der Vereinten Nationen (UNO). Genf ist ausserdem der Hauptsitz mehrerer UNO-Sonderorganisationen und UNO-Nebenorganen. Mit mehr als 2700 Konferenzen und Sitzungen pro Jahr, an denen rund 200'000 Delegierte aus der ganzen Welt teilnehmen, ist Genf das weltweit aktivste Zentrum der multilateralen Diplomatie. Ausserdem beherbergt Genf rund 250 Nichtregierungsorganisationen mit beratendem Status bei den Vereinten Nationen. Genf war bereits in der Zwischenkriegszeit Hauptsitz von der VorgĂ€nger-Organisation der UNO, dem Völkerbund.
    • Welthandelsorganisation (WTO)
    • Konferenz der Vereinten Nationen fĂŒr Handel und Entwicklung (UNCTAD)
    • Internationale Arbeitsorganisation (ILO)
    • Weltgesundheitsorganisation (WHO)
    • Hoher FlĂŒchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR)
    • Internationale Organisation fĂŒr Normung (ISO)
    • International Electrotechnical Commission (IEC)
    • Internationale Fernmeldeunion (ITU)
    • Weltorganisation fĂŒr Meteorologie (WMO)
    • Weltorganisation fĂŒr geistiges Eigentum (WIPO)
    • EuropĂ€ische Rundfunkunion (EBU)
    • Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und Internationale Föderation der Nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondsgesellschaften (IFRK), siehe Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung
    • EuropĂ€ische Organisation fĂŒr Kernforschung (CERN)
    • Weltpfadfinderorganisation (WOSM)
    • Ökumenischer Rat der Kirchen (WCC)
    • Lutherischer Weltbund (LWF)
    • Weltverband fĂŒr Investitionsförderungsagenturen (WAIPA)
    • Internationale Organisation fĂŒr Migration (IOM)
  • Basel:
    • Bank fĂŒr Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)
    • Eurofima
    • Internationale Handballföderation
  • Lausanne nimmt als Sitz des Internationalen Olympischen Komitees (CIO) sowie des Internationalen Sportgerichtshofs (TAS) eine besondere Stellung in der Sportwelt ein. Sie gilt als «Olympische Hauptstadt».
    • Internationale Eislaufunion (ISU)
  • ZĂŒrich:
    • FĂ©dĂ©ration Internationale de Football Association (FIFA)
    • Internationale Eishockey-Föderation (IIHF)
  • Aigle:
    • Union Cycliste Internationale (UCI)
  • Bern:
    • Weltpostverein (UPU)
  • Cologny:
    • Weltwirtschaftsforum (WEF)
  • Gland
    • International Union for Conservation of Nature (IUCN), Weltnaturschutzunion
    • World Wide Fund For Nature (WWF)
  • Nyon:
    • Union des Associations EuropĂ©ennes de Football (UEFA)
  • Oberhofen am Thunersee:
    • FĂ©dĂ©ration Internationale de Ski (FIS)

Wissenschaft

Die erste UniversitĂ€t in der Schweiz wurde 1460 in Basel gegrĂŒndet. Hervorzuheben ist das Wirken des Arztes und Mystikers Paracelsus (Theophrastus Bombastus von Hohenheim). Auf ihn geht die lange Tradition der chemischen und medizinischen Forschung in der Schweiz zurĂŒck. Auf der anderen Seite machte Erasmus von Rotterdam mit seinem Wirken ab dem Jahr 1515 an der UniversitĂ€t Basel die Hochschule und zugleich die Stadt zu einem der wichtigsten Zentren des Wissens wĂ€hrend der Renaissance nördlich der Alpen. Weitere Forschungsschwerpunkte fĂŒr die Zukunft liegen insbesondere in den Bereichen Nanotechnologie, Informatik, Weltraumforschung und Klimaforschung. Die Wichtigkeit der Wissenschaft fĂŒr die Schweiz ergibt sich besonders daraus, dass die Schweiz ein rohstoffarmes Land ist.

In der Schweiz forschten zahlreiche NobelpreistrĂ€ger wie zum Beispiel der Physiker Albert Einstein. Ein internationaler Forschungsstandort ist die EuropĂ€ische Organisation fĂŒr Kernforschung (CERN) in Meyrin im Kanton Genf.

Dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) zugeordnet, jedoch nicht unterstellt, sind die beiden technischen Hochschulen ETH in ZĂŒrich und EPF in Lausanne. Den technischen Hochschulen ĂŒber den ETH-Bereich angeschlossen sind das Paul Scherrer Institut (PSI), die Eidgenössische MaterialprĂŒfungs- und Forschungsanstalt (Empa), die Eidgenössische Forschungsanstalt fĂŒr Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und die Eawag, die zum Thema Wasser forscht. Dem EDI angegliedert sind die Swissmedic und das Nationalmuseum. Über das Bundesamt fĂŒr Kultur (BAK) untersteht dem EDI die Schweizerische Nationalbibliothek.

Innerhalb des Eidgenössischen Departements fĂŒr Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) betreibt das Bundesamt fĂŒr VeterinĂ€rwesen (BVET) das Institut fĂŒr Virologie und Immunologie (IVI). Das Bundesamt fĂŒr Landwirtschaft (BLW) betreibt die drei Forschungsinstitute der Agroscope.

Das Eidgenössische Departement fĂŒr Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) betreibt ĂŒber das Bundesamt fĂŒr Bevölkerungsschutz (BABS) das Labor Spiez.

Die meisten ĂŒbrigen UniversitĂ€ten und Fachhochschulen werden von den Kantonen, einige Fachhochschulen auch privat betrieben. FĂŒr die Koordination zwischen Bund und Kantonen sorgt die Schweizerische UniversitĂ€tskonferenz. Die Rektorenkonferenz der Schweizer UniversitĂ€ten vertritt die Interessen der UniversitĂ€ten gegenĂŒber den Behörden der Kantone und des Bundes.

In der Schweiz existieren diverse Einrichtungen und Stiftungen zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Insbesondere zu erwÀhnen ist dabei der Schweizerische Nationalfonds (SNF).

Die Schweiz ist Mitglied und GrĂŒndungsstaat der EuropĂ€ischen Weltraumorganisation ESA. Der Schweizer Astronaut Claude Nicollier flog im Rahmen eines Kooperationsprogramms der ESA mit der NASA mit vier verschiedenen RaumfĂ€hren viermal ins All.

Sport

Die gebirgige Topographie des Staats hat das Freizeitverhalten seiner Einwohner nachhaltig beeinflusst. So war Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts Skifahren eine der beliebtesten Sportarten. Mit dem Wachstum von Touristenresorts in den Bergen hat sich die Bevölkerung schliesslich zu einer eigentlichen Wintersportnation entwickelt. Skifahren, Langlauf und in neuerer Zeit Snowboarden stehen hoch im Kurs. Durch die verĂ€nderte Demographie und insbesondere durch die Migration hat sich das Freizeitverhalten der Bevölkerung in den letzten Jahren stark verĂ€ndert. Der Anteil der Bevölkerung, die Skisportarten betreibt, ist rĂŒcklĂ€ufig. Ebenfalls von den Bergen geprĂ€gt wurden die im Sommer praktizierten Sportarten Wandern und Bergsteigen.

In organisierter Form den grössten Zulauf haben in der Schweiz die zahlreichen Turnvereine, von denen in der Regel in jedem Dorf mindestens einer existiert.

Zu den sogenannten «typisch schweizerischen» Sportarten zĂ€hlen das Schwingen und das Hornussen. Dabei erfreut sich das Schwingen einer anhaltenden Beliebtheit, wĂ€hrenddessen das frĂŒher sehr verbreitete Hornussen nur noch eine Randsportart darstellt. Ebenfalls rĂŒcklĂ€ufig ist das frĂŒher von der Armee geförderte Schiessen.

Einen hohen Stellenwert geniessen die Teamsportarten, allen voran Fussball, vor Handball, Volleyball und Unihockey (nach aktiver Beteiligung der Bevölkerung) (→ Liste der höchsten Sportligen in der Schweiz). Profisportarten, die von einem Grossteil der Bevölkerung verfolgt werden, sind wiederum Fussball (→ Fussball in der Schweiz) und Eishockey (→ Eishockey in der Schweiz). Die Eishockey National League A gehört zu den stĂ€rksten der Welt.

Swiss Olympic ist die Dachorganisation der Schweizer SportverbÀnde.

Viele bedeutende WeltsportverbĂ€nde, unter anderem die IIHF, die FIFA, die FIS und die ISU, haben ihren Sitz in der Schweiz. Eine besondere Stellung hat Lausanne, das als Sitz des Internationalen Olympischen Komitees sowie des Internationalen Sportgerichtshofs zuweilen auch als «Sporthauptstadt» bezeichnet wird. DarĂŒber hinaus hat der europĂ€ische Fussballverband UEFA seinen Sitz in Nyon (→ WeltsportverbĂ€nde mit Sitz in der Schweiz).

Die Schweiz brachte zahlreiche erfolgreiche Sportler hervor, insbesondere im Ski- und Bobsport, wo besonders in den 1970er- und 1980er-Jahren Schweizer Sportler die Klassemente anfĂŒhrten. In jĂŒngerer Zeit gelangen Schweizer Sportlern einzigartige Erfolge, v. a. im Tennis mit Roger Federer, den beiden Grand-Slam-Turnier-Siegern Martina Hingis und Stan Wawrinka, der Serienweltmeisterin im Orientierungslauf Simone Niggli-Luder, der Triathletin Natascha Badmann, die sechsmal den Ironman Hawaii gewann, dem Extrembergsteiger Ueli Steck oder dem Segel-Syndikat Alinghi.

Die Schweiz und Österreich waren GastgeberlĂ€nder der UEFA Fussball-Europameisterschaft 2008, ausserdem fanden im Jahr 1954 die Fussball-Weltmeisterschaften in der Schweiz statt. Das Finalspiel Ungarn–Deutschland ging als Wunder von Bern in die Geschichte ein. 2009 richtete die Schweiz bereits zum zehnten Mal die Eishockey-Weltmeisterschaft aus. Daneben wurden auch eine Vielzahl von Weltmeisterschaften der FIBT in der Schweiz ausgetragen. So fanden in St. Moritz auf der einzigen Natureisbahn der Welt, dem Olympia Bobrun St. Moritz–Celerina, bereits zwanzig Mal Bob-Weltmeisterschaften statt. 2014 fanden in ZĂŒrich die Leichtathletik-Europameisterschaften statt.

St. Moritz war Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1928 und 1948. 2020 werden in Lausanne und Umgebung die Olympischen Jugend-Winterspiele 2020 durchgefĂŒhrt (→ Olympische Geschichte der Schweiz).

Im Jahr 2006 fanden 230'000 Sportveranstaltungen in der Schweiz statt mit einem direkten Gesamtumsatz von 1,2 Milliarden Schweizer Franken, davon waren 68 Grosssportveranstaltungen mit einem Umsatz von 355 Millionen Franken. Zu den bedeutendsten regelmĂ€ssigen Sportveranstaltungen gehören die Leichtathletikmeetings Weltklasse ZĂŒrich und Athletissima in Lausanne, die Tennisturniere ATP Basel, ATP Gstaad und WTA ZĂŒrich, die Springturniere CSI ZĂŒrich und CSIO Schweiz in St. Gallen, das Eishockeyturnier Spengler Cup in Davos, die Radrundfahrt Tour de Suisse sowie die Skiweltcuprennen in Adelboden (ChuenisbĂ€rgli), St. Moritz, Lenzerheide und Wengen (Lauberhornrennen).

Siehe auch

  • Landschaften mit der Bezeichnung «Schweiz» im Namen

Literatur

  • Susann Sitzler: Total alles ĂŒber die Schweiz. Folio Verlag, Wien/Bozen 2016, ISBN 978-3-85256-673-3, 2. Aufl. ebd. 2018, ISBN 978-3-85256-780-8.
  • Georg Kreis: Schweiz. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 19. Juni 2015.
  • Bundesamt fĂŒr Statistik (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Schweiz 2012 – Annuaire statistique de la Suisse 2012. NZZ Libro, ZĂŒrich 2012, ISBN 978-3-03823-750-1 (Sprachen: Italienisch, Französisch, Englisch, Deutsch).
  • Patrick Sele, Gerhard R. Hochuli, Donat BĂŒchel: Schweiz. In: Historisches Lexikon des FĂŒrstentums Liechtenstein. 31. Dezember 2011.
  • Thomas Maissen: Geschichte der Schweiz. hier + jetzt, Verlag fĂŒr Kultur und Geschichte, Baden 2010, ISBN 978-3-03919-174-1, 6., korr. Aufl. ebd. 2016, ISBN 978-3-03919-174-1.
  • Schweizer Brevier 2009/2010: Die Schweiz in ihrer Vielfalt. Natur, Bevölkerung, Staat, Wirtschaft, Kultur. Hallwag KĂŒmmerly & Frey, Urtenen-SchönbĂŒhl 2009, ISBN 978-3-259-05531-1.
  • Iso Camartin: Schweiz (Reihe Die Deutschen und ihre Nachbarn). C. H. Beck, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-406-57856-4.
  • Jost Wolf (Texte), Roland Gerth und Christian Heeb (Bilder): Faszinierende Schweiz. Flechsig, WĂŒrzburg 2007, ISBN 978-3-88189-662-7, 2. Aufl. ebd. 2015, ISBN 978-3-88189-662-7.
  • Volker Reinhardt: Die Geschichte der Schweiz. Von den AnfĂ€ngen bis heute. C. H. Beck, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-406-53601-8, 5. akt. Aufl. ebd. 2014, ISBN 978-3-406-53601-4.
  • Manfred Hettling, Mario König, Martin Schaffner, Andreas Suter, Jakob Tanner: Eine kleine Geschichte der Schweiz. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-12079-4.
  • Peter DĂŒrrenmatt: Schweizer Geschichte. 1. Aufl. Hallwag, Bern 1957.

Weblinks

  • Website der Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft (admin.ch)
  • fedlex – Publikationsplattform des Bundesrechts (admin.ch)
  • Schweiz entdecken (admin.ch)
  • Portal ch.ch (Bundeskanzlei) – Schweizer Portal von Bund, Kantonen und Gemeinden
  • Website von Schweiz Tourismus
  • Archives Online (Schweizerische Nationalbibliothek, Archiv fĂŒr Zeitgeschichte der ETH ZĂŒrich, Staatsarchive von 17 Kantonen)

Einzelnachweise und Anmerkungen


 

Region Regionen (26)

Bezeichnung der Regionen: Kanton
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
AG Aargau 47.62092 47.13755 7.71347 8.45517 Aargau  
AR Appenzell Ausserrhoden 47.46903 47.24695 9.19104 9.63088 Appenzell Ausserrhoden  
AI Appenzell Innerrhoden 47.43874 47.234 9.30981 9.61748 Appenzell Innerrhoden  
BL Basel-Land 47.56441 47.33792 7.32527 7.9618 Basel-Land  
BS Basel-Stadt 47.601 47.51931 7.55482 7.69372 Basel-Stadt  
BE Bern 47.34526 46.32643 6.86163 8.45544 Bern  
FR Freiburg 47.00678 46.43786 6.74234 7.38017 Freiburg  
GE Genf 46.36465 46.12859 5.95608 6.31022 Genf  
GL Glarus 47.17393 46.79636 8.87123 9.25249 Glarus  
GR GraubĂŒnden 47.06496 46.16905 8.65094 10.49234 GraubĂŒnden  
JU Jura 47.50452 47.15048 6.84042 7.55821 Jura  
LU Luzern 47.2871 46.77499 7.8365 8.5139 Luzern  
NE Neuenburg 47.16579 46.84652 6.43278 7.08753 Neuenburg  
NW Nidwalden 47.01997 46.77149 8.21821 8.57489 Nidwalden  
OW Obwalden 46.98021 46.75307 8.04235 8.50664 Obwalden  
SH Schaffhausen 47.80837 47.55222 8.40461 8.87619 Schaffhausen  
SZ Schwyz 47.22246 46.88528 8.38877 9.00455 Schwyz  
SO Solothurn 47.50248 47.0743 7.34052 8.03124 Solothurn  
SG St. Gallen 47.55729 46.87289 8.79559 9.67405 St. Gallen  
TI Tessin 46.63241 45.81792 8.38218 9.15973 Tessin  
TG Thurgau 47.69541 47.3757 8.66793 9.52646 Thurgau  
UR Uri 46.99331 46.52757 8.39746 8.95788 Uri  
VD Waadt 46.98671 46.18703 6.06401 7.24926 Waadt  
VS Wallis 46.65397 45.85827 6.77046 8.47854 Wallis  
ZG Zug 47.24849 47.08092 8.39486 8.70103 Zug  
ZH ZĂŒrich 47.69492 47.15945 8.35789 8.9849 ZĂŒrich  
 

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Flagge: Switzerland

Name englisch: Switzerland
Hauptstadt: Bern
Kfz: CH
ISO: CH
ISO3: CHE
Fläche: 41290 km²
Tld: .ch
Wärung Einheit: CHF
Währung: Franc
Vorwahl: 41

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 47.808381
südlichster Punkt: 45.81792
westlichster Punkt: 5.95608
östlichster Punkt: 10.49234


 
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