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Gebirge in Wallonische Region: 3
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Region Informationen Region: Wallonische Region

Informationen:


Die Wallonische Region (französisch RĂ©gion wallonne, niederlĂ€ndisch Waals Gewest), auch Wallonie und Wallonien (französisch Wallonie, niederlĂ€ndisch WalloniĂ«, wallonisch Walonreye [walɔ̃ʀɛjɜ]), ist eine der drei Regionen des Königreichs Belgien und somit ein Gliedstaat des belgischen Bundesstaates. Die Bevölkerung ist ĂŒberwiegend muttersprachlich Französisch, im Ă€ußersten Osten Deutsch. Die Hauptstadt ist Namur. Nach Einwohnern grĂ¶ĂŸte Stadt ist nach Kommunalreformen in der Nachkriegszeit Charleroi. Das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum ist die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt LĂŒttich (LiĂšge), die auch Zentrum der grĂ¶ĂŸten Agglomeration ist. Weitere wichtige StĂ€dte sind Mons, Tournai, Arlon, Bastogne, Wavre, Verviers, Dinant und die ehemals preußischen StĂ€dte Eupen und Malmedy im heutigen Ostbelgien. Geographisch umfasst die Wallonie die sĂŒdliche HĂ€lfte Belgiens.

Geografie

Landesnatur und Siedlungsstruktur

Die Wallonische Region hat eine FlĂ€che, die etwa mit den deutschen LĂ€ndern ThĂŒringen oder Schleswig-Holstein vergleichbar ist. In den Provinzen LĂŒttich und Luxemburg befinden sich ausgedehnte mittelgebirgige Regionen und mit dem Hohen Venn eine fĂŒr seine Moore bekannte Hochebene. Im SĂŒden liegen die Ardennen. Der Siedlungsschwerpunkt im Bereich der frĂŒheren industriellen Zentren des sogenannten wallonischen RĂŒckgrats befindet sich in den Provinzen Hennegau, Namur und LĂŒttich. Er erstreckt sich zwischen den StĂ€dten Charleroi, Namur und LĂŒttich entlang der Sambre und der Maas. Die Maas bildet das dominierende GewĂ€sser. Sie durchquert von Frankreich kommend in sĂŒdwestlich-nordöstlicher Richtung die Region. Weitere FlĂŒsse sind die Ourthe und die Weser. Im Westen befindet sich die eher flache Provinz Hennegau, wĂ€hrend das nördliche Zentrum die von der NĂ€he zu BrĂŒssel geprĂ€gte Provinz Wallonisch-Brabant bildet. Im Ă€ußersten Westen befindet sich mit Comines-Warneton eine von Flandern und Frankreich umschlossene Exklave.

Nachbarstaaten und -regionen

Die Wallonie grenzt im SĂŒdwesten an Frankreich, im SĂŒdosten an Luxemburg, im Osten an Deutschland, im Ă€ußersten Nordosten auf zwei kurzen Abschnitten an die Niederlande und im Norden an Flandern. Zwischen der Wallonie und den Niederlanden befindet sich die flĂ€mische Exklave Voeren (Fourons). Mit der Region BrĂŒssel-Hauptstadt besteht zwar keine gemeinsame Grenze, sie befindet sich aber nur wenige Kilometer von der Nordgrenze der Provinz Wallonisch-Brabant entfernt.

Etymologie

Die Bezeichnung Wallonie bzw. Wallonien leitet sich – ebenso wie die Bezeichnungen Wales (Vereinigtes Königreich), Welschschweiz, Walachei (RumĂ€nien) und Welschtirol (Italien) sowie Walnuss – von einer Vorform von Welsche ab, d. h. von einer germanischen Bezeichnung fĂŒr Römer und (romanisierte) Kelten.

Geschichte

Formell wurde die Wallonische Region erst 1980 bei der Zweiten belgischen Staatsreform geschaffen. Ihre UrsprĂŒnge sind aber weitaus Ă€lter.

19. Jahrhundert

Als Belgien 1830 gegrĂŒndet wurde, beschlossen die BrĂŒsseler Eliten, die die Belgische Revolution ausgelöst hatten, dass Belgien ein französischsprachiger Einheitsstaat werden sollte und die Flamen daher französisch assimiliert werden sollten. Bereits frĂŒh nach der belgischen UnabhĂ€ngigkeit widersetzten sich die niederlĂ€ndischsprachigen Flamen diesem Vorhaben und grĂŒndeten in der nördlichen HĂ€lfte des Landes die sogenannte „FlĂ€mische Bewegung“, die einen verstĂ€rkten Gebrauch des NiederlĂ€ndischen in Flandern durchsetzen wollte. Im sĂŒdlichen Teil gab es vorerst keine entsprechenden Forderungen fĂŒr den Schutz der wallonischen Sprache, die von manchen als französischer Dialekt betrachtet und von anderen als eigenstĂ€ndige romanische Sprache eingestuft wurde.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Belgien mit seiner wallonischen Montanregion zum nach England am stĂ€rksten industrialisierten Land Europas. Ende des Jahrhunderts gab es erste Anzeichen auch fĂŒr eine „Wallonische Bewegung“ als Reaktion auf das „Gleichheitsgesetz“ vom 18. April 1898, das beide Sprachen offiziell zu Amtssprachen erklĂ€rte (siehe auch: Sprachgesetzgebung in Belgien). Erst nach einem ersten wallonischen Kongress im Jahre 1890 vereinten sich die verschiedenen wallonischen Versammlungen und riefen unter dem Vorsitz von Jules DestrĂ©e den zweiten wallonischen Kongress im Jahre 1912 aus. Im selben Jahr wies DestrĂ©e in einem Brief an den belgischen König Albert I. auf den entstandenen flĂ€misch-wallonischen Konflikt hin:

Erster Weltkrieg

Der grĂ¶ĂŸte geschichtliche Einschnitt der jĂŒngeren wallonischen Geschichte erfolgte durch den Ersten Weltkrieg. Die Wallonie war zusammen mit dem Großherzogtum Luxemburg als erstes von den Kriegsereignissen im Bereich der Westfront betroffen, da sie direkt an Deutschland grenzt. Nach einem Ultimatum vom 2. August 1914, in dem das Deutsche Reich Durchmarschrechte durch Belgien in Richtung Frankreich forderte und dieses Ansinnen von Belgien zurĂŒckgewiesen wurde, ĂŒberschritten Deutsche Truppen am 4. August 1914 bei Gemmenich in der NĂ€he von Aachen die Grenze. In der Folge gelang den deutschen Truppen trotz unerwartet heftiger belgischer Gegenwehr die Einnahme der stark befestigten Stadt LĂŒttich. Im weiteren Verlauf der KĂ€mpfe verĂŒbten deutsche Truppen in Belgien auf der Suche nach vermeintlichen FreischĂ€rlern, die in diesem Zusammenhang als Franc-tireurs bezeichnet wurden, wiederholt Kriegsverbrechen wie das Massaker von Dinant am 23. August 1914. In der englischsprachigen Presse entstand hierfĂŒr der Begriff Rape of Belgium (Vergewaltigung Belgiens). Mehrere StĂ€dte in ganz Belgien, auch in der Wallonie, erlitten schwere Zerstörungen. In den Kriegsjahren bezog die deutsche Oberste Heeresleitung ein Hauptquartier im wallonischen Kurort Spa. Deutschland verlor mit dem Ersten Weltkrieg durch den Vertrag von Versailles seine Regionen Eupen und Malmedy. Diese wurden Belgien und somit der Wallonie zugeschlagen.

Zwischen den Weltkriegen

Insbesondere wĂ€hrend des Ersten Weltkrieges fĂŒhrten die flĂ€misch-wallonischen Sprach- und Kulturunterschiede zu großen Problemen. So wird bis heute hĂ€ufig argumentiert, dass flĂ€mische Soldaten die französische Sprache der vorgesetzten wallonischen Offiziere nicht verstanden hĂ€tten. Nach dem großen Krieg wurden die Rufe nach einer Föderalisierung Belgiens von flĂ€mischer Seite lauter. Aber auch in der Wallonischen Region gab es mancherseits, besonders nach Einsetzen der Kohlekrise, ein Bestreben nach mehr Eigenverantwortung.

Zweiter Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg und die darauffolgende „Königsfrage“ vertiefte den emotionellen Graben zwischen Wallonen und Flamen. WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges kollaborierte die Bewegung der Rexisten unter LĂ©on Degrelle bis 1944 mit der deutschen Besatzungsmacht. Auch im Zweiten Weltkrieg war Wallonien Schauplatz schwerer KĂ€mpfe, beispielsweise in der Ardennenoffensive. Nach 1945 folgten weitere Wallonische Kongresse, die sich mit der Föderalisierung befassten.

Beginn der Föderalisierung

Um Belgien stĂ€rker zu befrieden, wurde schließlich in den Jahren 1962–1963 eine sogenannte Sprachgrenze zwischen Flandern (dem niederlĂ€ndischsprachigen Norden) und Wallonien (dem französischsprachigen SĂŒden) festgelegt. FĂŒr BrĂŒssel wurde eine zweisprachige Lösung gefunden. Im Osten erhielt die deutsche Minderheit, deren Gebiet nach dem Ersten Weltkrieg dem belgischen Staat angeschlossen worden war, erste Anerkennung. WĂ€hrend in der Region BrĂŒssel-Hauptstadt die Partei „Front dĂ©mocratique des francophones“ (FDF) fĂŒr die politischen Belange der französischsprachigen BrĂŒsseler BĂŒrger eintrat, entstand in der Wallonie die Partei „Rassemblement Wallon“ (RW). Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie François Perin, Jean Gol oder spĂ€ter Paul-Henry Gendebien gehörten der Partei bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1985 an. 1968 fanden im flĂ€mischen Löwen Studentenproteste statt, in denen unter dem Schlagwort walen buiten die Forderung nach einer Aufspaltung der dortigen UniversitĂ€t erhoben wurden. In der Folge wurde im wallonischen Louvain-la-Neuve eine neue, frankophone UniversitĂ€t gegrĂŒndet, wĂ€hrend im flĂ€mischen Löwen eine davon getrennte niederlĂ€ndischsprachige UniversitĂ€t fortbestand.

Die Kulturgemeinschaften (flĂ€mische, wallonische und deutsche), VorgĂ€ngerinnen der heutigen Sprachgemeinschaften und Regionen, wurden 1970 bei der Ersten belgischen Staatsreform in die Verfassung aufgenommen. WĂ€hrend jedoch die Kulturgemeinschaften sofort arbeitsfĂ€hig waren, bekamen die Regionen nur eine provisorische Anerkennung. Man beschloss, vorerst eine vorbereitende Regionalisierung durchzufĂŒhren, mit RegionalrĂ€ten, die aus Senatoren bestanden und nur eine beratende Funktion besaßen. Ende der 1970er Jahre wurde das sogenannte „Egmont-Stuyvenberg-Abkommen“ unterzeichnet, das die Schaffung von Regionen vorsah. Doch das Problem um die BrĂŒsseler Region löste eine politische Krise aus, die mit dem RĂŒcktritt des Premierministers Leo Tindemans im Jahre 1978 ihren Höhepunkt erreichte.

GrĂŒndung als Region

Schließlich gab man von frankophoner Seite nach und einigte sich darauf, das BrĂŒsseler Problem vorerst unangetastet zu lassen. Bei der zweiten Staatsreform 1980 wurde die Verfassung abgeĂ€ndert und die Regionen bekamen eigene Institutionen und ZustĂ€ndigkeiten. Die Wallonische Region erhielt ihr erstes Parlament (damals noch „Rat“) und unter Jean-Maurice Dehousse ihre erste Regierung (damals noch „Exekutive“). Bedingt durch ihre Demographie ist seit der Schaffung der Wallonischen Region die Sozialistische Partei (PS), die sich auf eine starke Arbeiter- und Gewerkschafterbasis berufen kann, in der Regierung der Wallonischen Region vertreten. Die ZustĂ€ndigkeiten der Regionen beschrĂ€nkten sich, grob gesehen, auf alles, was den Boden betrifft (Raumordnung, StĂ€dtebau, Umwelt, Wohnungswesen, aber auch Wirtschaft etc.). Eine Fusion der regionalen Institutionen mit denen der Französischen Gemeinschaft, so wie dies in Flandern der Fall war, wurde abgelehnt. Bei der Schaffung der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Jahr 1983 sah man die Möglichkeit vor, dass die Gemeinschaft ZustĂ€ndigkeiten von der Wallonischen Region ĂŒbernehmen könnte.

1980er und 1990er Jahre

Die 1980er Jahre waren vor allem durch den Kampf der Wallonen in der Gemeinde Voeren (frz. Fourons) geprĂ€gt, die sich unter dem Sozialisten JosĂ© Happart fĂŒr einen Anschluss der Gemeinde an die Wallonische Region einsetzten. Eine erneute Regierungskrise und der RĂŒcktritt des Premierministers Wilfried Martens waren die Folge (siehe auch: Sprachgesetzgebung in Belgien). Darauf folgte die dritte Staatsreform von 1988, bei der einerseits das Problem Voeren und andererseits das Problem BrĂŒssel durch die Schaffung der Region BrĂŒssel-Hauptstadt vorerst behoben wurden. Bei dieser Staatsreform erhielten die Regionen weitere ZustĂ€ndigkeiten vom Föderalstaat (öffentliches Verkehrswesen, öffentliche Arbeiten und Regionalisierung gewisser Wirtschaftszweige). Innerhalb der Wallonischen Region ist vor allem die Ermordung des mĂ€chtigen PrĂ€sidenten der Parti Socialiste und VorkĂ€mpfer der Wallonischen Bewegung, AndrĂ© Cools, am 18. Juli 1991 zu erwĂ€hnen. Bis heute gibt es Spekulationen ĂŒber die GrĂŒnde der Ermordung (politischer Mord, Mafia, MachtkĂ€mpfe etc.).

Es war die Vierte Staatsreform (1994), die Belgien definitiv in einen Bundesstaat (oder Föderalstaat) verwandelte. Die Regionen erhielten wiederum neue ZustĂ€ndigkeiten (Außenbeziehungen innerhalb ihrer Kompetenzen etc.). Nach der Teilung der ehemaligen Provinz Brabant erhielt die Wallonische Region mit der Provinz Wallonisch-Brabant eine fĂŒnfte Provinz. Im Anschluss an diese Staatsreform wurde der Wallonischen Region auch erlaubt, gewisse ZustĂ€ndigkeiten von der Französischen Gemeinschaft (Tourismus, SchĂŒlertransport etc.), die sich in großen finanziellen Schwierigkeiten befand, zu ĂŒbernehmen. In BrĂŒssel wurden diese Kompetenzen dann von der COCOF ausgeĂŒbt.

2000er Jahre

Die FĂŒnfte Staatsreform von 2001 erweiterte den ZustĂ€ndigkeitsbereich der Regionen erneut (gewisse Steuerhoheit, Landwirtschaft, Außenhandel, lokale Behörden etc.). Besonders seit dieser Staatsreform ist die politische AktualitĂ€t in der Wallonischen Region weniger durch Ă€ußere Faktoren, als durch innere Angelegenheiten beeinflusst worden. Ein politischer Skandal entstand im Jahr 2005, nachdem sich herausgestellt hatte, dass verschiedene Lokalpolitiker der Sozialistischen Partei (PS) in Charleroi öffentliche Gelder veruntreut hatten („CarolorĂ©gienne-AffĂ€re“). Dies hatte zur Folge, dass der amtierende wallonische MinisterprĂ€sident Jean-Claude Van Cauwenberghe zurĂŒcktreten musste. Auch andere Persönlichkeiten der PS, wie der BĂŒrgermeister von Charleroi Jacques Van Gompel, der ehemalige wallonische MinisterprĂ€sident und BĂŒrgermeister von Namur Bernard Anselme oder die BĂŒrgermeisterin von Huy Anne-Marie Lizin, wurden daraufhin verdĂ€chtigt, in ihren Gemeinden organisierten Klientelismus zu betreiben.

Politik

Wie die anderen Gemeinschaften und Regionen des Landes besitzt die Wallonische Region ein Parlament (Legislative) und eine Regierung (Exekutive). Sie ĂŒben die ZustĂ€ndigkeiten der Regionen auf dem französischen und deutschen Sprachgebiet aus. Des Weiteren ist die Wallonische Region in fĂŒnf Provinzen unterteilt.

Wallonisches Parlament

Das Wallonische Parlament (oder Parlament der Wallonischen Region), frĂŒher „Rat der Wallonischen Region“, zĂ€hlt 75 Abgeordnete, die in den dreizehn Wahlbezirken der Wallonischen Region fĂŒr fĂŒnf Jahre gewĂ€hlt werden. Die Abgeordneten, die im französischen Sprachgebiet gewĂ€hlt wurden, sind gleichzeitig Mitglieder des Parlamentes der Französischen Gemeinschaft. Die Abgeordneten des deutschen Sprachgebietes (derzeit zwei) sind ebenfalls beratende Mandatare im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Das Wallonische Parlament stimmt ĂŒber sogenannte Dekrete ab, die im belgischen Föderalstaat auf dem Gebiet der Wallonischen Region Gesetzeskraft haben. Da das Wallonische Parlament ĂŒber die sogenannte „konstitutive Autonomie“ verfĂŒgt, kann es mittels einer Zweidrittelmehrheit auch ĂŒber Sonderdekrete abstimmen, mit denen es teilweise seine eigene Funktionsweise abĂ€ndern kann (Art. 118, § 2 der Verfassung) (siehe auch: Gesetzgebungsverfahren (Belgien)). Solche Sonderdekrete sind auch notwendig, wenn das Parlament ZustĂ€ndigkeiten von der Französischen Gemeinschaft ĂŒbernehmen will (Art. 138 der Verfassung) oder wenn es die AusĂŒbung gewisser ZustĂ€ndigkeiten an die Deutschsprachige Gemeinschaft abtreten will (Art. 139 der Verfassung).

Das Parlament hat seinen Sitz in Namur. Eine Besonderheit des Plenarsaales ist, dass sich Mehrheit und Opposition, Ă€hnlich wie im britischen Parlament, gegenĂŒbersitzen.

Wallonische Regierung

Die Regierung der Wallonischen Region (oder Wallonische Regierung), frĂŒher „Exekutive der Wallonischen Region“, ist das ausfĂŒhrende Organ in der Wallonischen Region. Sie fĂŒhrt die Dekrete des Parlamentes durch Regierungserlasse aus. Dabei wird sie von der Verwaltung, dem Öffentlichen Dienst der Wallonie (frz. Service public de Wallonie, SPW), unterstĂŒtzt.

Nach den Regionalwahlen von 2014 war Paul Magnette (PS) MinisterprÀsident Walloniens. Die PS-cdH-Koalition wurde am 28. Juli 2019 infolge eines konstruktiven Misstrauensvotums durch die MR-cdH-Regierung unter Willy Borsus (MR) abgelöst.

Bei der Regionalwahl 2019 verlor die Regierung ihre Mehrheit. Am 13. September trat eine Koalitionsregierung aus PS, MR und Ecolo ihr Amt an. MinisterprÀsident wurde Elio Di Rupo (PS), der bereits zweimal wallonischer und von 2011 bis 2014 belgischer MinisterprÀsident war.

ZustÀndigkeiten

Die ZustÀndigkeiten der Wallonischen Region (und der Regionen im Allgemeinen) sind in Artikel 6, 6bis und 7 des Sondergesetzes vom 8. August 1980 zur Reform der Institutionen festgehalten:

  • Agrarpolitik
  • Aufsicht ĂŒber die untergeordneten Behörden
  • BeschĂ€ftigungspolitik, d. h. vor allem
    • Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
  • LĂ€ndliche Erneuerung und Naturschutz, d. h. vor allem
    • Fischzucht
    • GrĂŒngebiete, insbesondere Natura-2000-Gebiete
    • Wald- und Forstpolitik
  • Öffentliche Arbeiten und Verkehrspolitik, d. h. vor allem
    • die BinnenhĂ€fen (z. B. der Hafen von LĂŒttich) und die regionalen FlughĂ€fen (z. B. die FlughĂ€fen BrĂŒssel-Charleroi oder LĂŒttich-Bierset)
    • der öffentliche Nahverkehr (d. h. die TEC)
    • das Straßennetz und die Wasserwege, einschließlich der Autobahnen
  • Raumordnung, d. h. vor allem
    • Bodenpolitik
    • Denkmalschutz
    • Raumordnung und StĂ€dtebau
    • Stadterneuerung
  • Regionale Energiepolitik, d. h. vor allem
    • Strom- und Gasversorgung
    • Erneuerbare Energien
    • nicht die Kernkraftwerke, die unter föderaler Aufsicht bleiben
  • Umwelt- und Wasserpolitik, d. h. vor allem
    • Abfallpolitik, außer fĂŒr radioaktive AbfĂ€lle
    • Umweltschutz
    • Wasserversorgung
  • Untergeordnete Behörden, d. h. vor allem
    • die Finanzierung der untergeordneten Behörden
    • die Gesetzgebung ĂŒber die Gemeinden, Provinzen und Interkommunalen
    • Kirchenfabriken, GrabstĂ€tten und Bestattungen
  • Wirtschaft, d. h. vor allem
    • Außenhandel, einschließlich Export von Waffen (z. B. von der FN in Herstal)
    • nicht das öffentliche Auftragswesen, der Verbraucherschutz, die WĂ€hrungspolitik oder das Gesellschaftsrecht, die föderal bleiben
    • Wirtschaftspolitik
  • Wissenschaftliche Forschung in den oben erwĂ€hnten Gebieten
  • Wohnungswesen

Dazu hat die Wallonische Region seit 1993 in AusfĂŒhrung von Artikel 138 der Verfassung eine Anzahl von ZustĂ€ndigkeiten von der Französischen Gemeinschaft ĂŒbernommen:

  • gewisse Aspekte der Gesundheitspolitik
  • gewisse Aspekte des Personenbeistands
  • Berufliche Umschulung und Fortbildung
  • SchĂŒlerverkehr
  • Soziale Förderung (u. a. Behindertenpolitik)
  • Sportinfrastrukturen
  • Tourismus

Dagegen ĂŒbt die Wallonische Region gewisse ZustĂ€ndigkeiten nicht mehr auf dem deutschen Sprachgebiet aus. Diese wurden in AusfĂŒhrung von Artikel 139 der Verfassung an die Deutschsprachige Gemeinschaft ĂŒbertragen. FĂŒr die Angelegenheiten des Denkmal- und Landschaftsschutzes (1994), der archĂ€ologischen Ausgrabungen und der BeschĂ€ftigungspolitik (2000) sowie der Gemeindeaufsicht und -finanzierung (2005) war dies bis heute der Fall.

Politische Gliederung

Die Wallonische Region ist in fĂŒnf Provinzen gegliedert (Art. 3 der belgischen Verfassung). Diese Provinzen stellen die Zwischenebene zwischen der Wallonischen Region und den 262 wallonischen Gemeinden dar. Die Provinzen kĂŒmmern sich laut der Verfassung um alles, was von „provinzialem Interesse“ ist (Art. 162). Sie unterstehen dabei der Verwaltungsaufsicht der Wallonischen Region. Auch kann die Region die reine AusĂŒbung gewisser regionaler ZustĂ€ndigkeiten an die Provinzen abgeben. Die Provinzgouverneure sind die Kommissare der Wallonischen Regierung vor Ort.

Wirtschaft

An der Störungszone der Haine-Sambre-Maas-Furche liegen reiche FundstÀtten von Steinkohle.

Bis in das 20. Jahrhundert hinein wurde die Wirtschaft der Wallonie von Eisenerz- und umfangreichen Kohlevorkommen nahe Mons, Charleroi und LĂŒttich (Nordfranzösisches Kohlerevier) geprĂ€gt. Der Abbau oberflĂ€chennaher Flöze lĂ€sst sich bereits fĂŒr die Zeit des Römischen Reichs und fĂŒr das Hochmittelalter belegen.

1720 nahm die erste Dampfmaschine auf dem europĂ€ischen Festland, ein Modell von Thomas Newcomen, in einer Kohlemine bei LĂŒttich ihren Betrieb auf. Die Wallonie war im 19. Jahrhundert die erste Region Kontinentaleuropas, die von einer massiven Industrialisierung erfasst wurde. Kohle- und Stahlindustrie, aber auch Glasindustrie konzentrierten sich dabei entlang des in West-Ost-Richtung verlaufenden Henne-Sambre-Maas-Weser-Tals.

Die flache Topographie Belgiens begĂŒnstigte den Bau von KanĂ€len; diese verbanden SeehĂ€fen mit Orten im Binnenland und ermöglichten es schon vor dem Ausbau des Eisenbahnnetzes, MassengĂŒter preisgĂŒnstig und mit geringem Energieaufwand zu transportieren: 1817 wurde der Canal de PommerƓul Ă  CondĂ© eröffnet, 1827 der Kanal Gent–Terneuzen, 1832 der Kanal Charleroi-BrĂŒssel, 1846 der Maas-Schelde-Kanal und 1866 der Kanal durch Zuid-Beveland.

Als im 19. Jahrhundert die kleine Eiszeit in Westeuropa zu Ende ging, profitierten Regionen am Ärmelkanal (Seeklima) davon stĂ€rker als z. B. Deutschland. Belgien profitierte auch von der wachsenden Bedeutung des Seehandels und dem Aufkommen der Dampfschiffe.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor zunĂ€chst die Kohleförderung an Bedeutung (Kohlekrise) und spĂ€ter auch die Stahlindustrie (Stahlkrise). Die Wallonie verlor ihre Funktion als wirtschaftliche Antriebskraft Belgiens an die nördliche Nachbarregion Flandern. Auf dem Gebiet des frĂŒheren IndustriegĂŒrtels leben heute etwa zwei Drittel der wallonischen Bevölkerung.

Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt der EuropĂ€ischen Union ausgedrĂŒckt in Kaufkraftstandards erreichte die Wallonie im Jahr 2015 einen Index von 86 (EU-25: 100), deutlich niedriger als der belgische Durchschnitt von 119.

Verkehr

Eisenbahn

Durch wallonisches Gebiet fĂŒhren die Hochgeschwindigkeitsstrecken HSL 1, teilweise die HSL 2 und die HSL 3, die unter anderem vom Thalys, dem TGV und dem Eurostar befahren werden, sowie die Bahnstrecken BrĂŒssel–Namur, Namur-Luxemburg, LĂŒttich–Aachen, BrĂŒssel–Charleroi, die Athus-Maas-Linie, das sogenannte wallonische RĂŒckgrat und die Bahnstrecke Verviers–Spa. Hinzu kommen weitere Nebenstrecken. Das Netz stellt eine wichtige Verbindung zwischen Frankreich, Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden her. Wichtige Bahnhöfe sind LiĂšge-Guillemins, Namur, Verviers Central und Charleroi-Sud.

Flugverkehr

FlughĂ€fen befinden sich unter anderem in LĂŒttich, Charleroi und Namur.

Öffentlicher Personennahverkehr

Das Verkehrsunternehmen Transport en Commun (TEC) betreibt den öffentlichen Nahverkehr in der Wallonischen Region.

HĂ€fen

BinnenhĂ€fen befinden sich in Namur, LĂŒttich, Charleroi und La LouviĂšre. Wichtige Wasserstraßen sind die Maas, die Sambre, der Albert-Kanal, der Kanal Charleroi-BrĂŒssel, der Canal du Centre und der Canal de PommerƓul Ă  CondĂ©. Von hier aus bestehen Verbindungen nach Frankreich, Flandern und die Niederlande.

Bevölkerung

Zuwanderung

Die Wallonische Region gehört insgesamt zu den dichter besiedelten Regionen Europas, wobei es hier Unterschiede in der Bevölkerungsdichte gibt. So steht das dicht besiedelte Maasgebiet eher dĂŒnn besiedelten Regionen der Ardennen und des Hohen Venns gegenĂŒber. Insbesondere die Industrialisierung und der Bergbau sorgten fĂŒr eine Zuwanderung sowohl aus anderen Regionen Belgiens als auch aus anderen LĂ€ndern, beispielsweise aus Italien und Portugal. SpĂ€ter kamen weitere Zuwanderergruppen aus Vorderasien, aus Nordafrika und aus dem zentralen Afrika hinzu. In den Bereich nahe der deutschen Grenze sind in der jĂŒngeren Vergangenheit viele Deutsche gezogen, die nach Aachen pendeln.

Sprachen

Amtssprachen

Amtssprache und dominierende Sprache in der Wallonischen Region ist Französisch. Amtssprache im Ă€ußersten Osten, im Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die der Wallonischen Region politisch angeschlossen ist, ist Deutsch. Aufgrund der GrĂ¶ĂŸe der Bevölkerungsgruppen dominiert in Parlament und Regierung der Wallonischen Region zwar das Französische, alle Regionalgesetze mĂŒssen auch in einer deutschsprachigen Version veröffentlicht werden und Schreiben an deutschsprachige BĂŒrger mĂŒssen auf Deutsch verfasst sein.

Dialekte und Minderheiten

Wichtigste Mundart in der Wallonie ist das mit dem Französischen verwandte Wallonisch, das einige Linguisten als eigenstĂ€ndige Sprache betrachten. Im westlichen Teil der Wallonie werden die mit dem Französischen verwandten picardischen Mundarten gesprochen. Ihre Sprecher betrachten sie als eigenstĂ€ndige Sprache. Als Regionalsprache genießt sie eine begrenzte (offizielle) Anerkennung. An den sĂŒdlichen RĂ€ndern der Wallonie werden das Lothringische und das Luxemburgische gepflegt.

Neben Französisch und Deutsch wird in der Wallonie und ihren Randgebieten von einer Minderheit NiederlĂ€ndisch gesprochen. In den Gemeinden Comines-Warneton (Komen-Waasten), Enghien (Edingen), Flobecq (Vloesberg) und Mouscron (Moeskroen) gibt es gewisse sprachliche Erleichterungen fĂŒr die niederlĂ€ndischsprachigen Einwohner (siehe FazilitĂ€ten-Gemeinde). Die Gemeinden Baelen (Balen), PlombiĂšres (Bleyberg/Bleiberg) und Welkenraedt (Welkenrath/Welkenraat) haben fĂŒr ihre niederlĂ€ndischsprachigen Einwohner 1966 diese Möglichkeit gleichfalls erhalten, jedoch bis heute davon in der Verwaltung keinen Gebrauch gemacht.

Kultur

Um kulturelle Belange kĂŒmmern sich in staatlicher Hinsicht die Französische und die Deutschsprachige Gemeinschaft. Kulturelles Zentrum der Wallonischen Region ist die Stadt LĂŒttich. Hier befinden sich verschiedene Kunstmuseen wie beispielsweise das Kunstmuseum Grand Curtius, das ArchĂ©forum und die Schatzkammer der Kathedrale. LĂŒttich ist Geburtsort des Schriftstellers Georges Simenon. Die Stadt Mons war 2015 eine der KulturhauptstĂ€dte Europas, neben dem tschechischen Pilsen. Die Stadt Dinant sĂŒdlich von Namur ist der Geburtsort von Adolphe Sax, dem Erfinder des Saxophons. Die Wallonische Region ist bekannt fĂŒr ihre Koch- und Speisekultur.

Bildung

In der Wallonie befinden sich verschiedene Hochschulen und UniversitĂ€ten. Hierzu zĂ€hlen die UniversitĂ€t LĂŒttich mit der Gembloux Agro-Bio Tech in LĂŒttich, die UniversitĂ© catholique de Louvain in Ottignies-Louvain-la-Neuve, die UCL Mons und die UniversitĂ€t Mons in Mons und die UniversitĂ€t von Namur in der wallonischen Hauptstadt Namur.

Siehe auch

  • Politisches System Belgiens und darin u. a. auch:
  • die FlĂ€mische Region, die das niederlĂ€ndische Sprachgebiet umfasst
  • die Region BrĂŒssel-Hauptstadt, die das zweisprachige Gebiet BrĂŒssel-Hauptstadt umfasst

  • FlĂ€misch-wallonischer Konflikt
  • Rexisten
  • KĂŒche in BrĂŒssel und der Wallonie
  • (3198) Wallonia, ein Asteroid des inneren HauptgĂŒrtels, der nach der Region benannt ist

Weblinks

  • Website der Wallonischen Region (französisch, englisch)
  • Website der Wallonischen Regierung (französisch)
  • Website des Wallonischen Parlamentes (französisch)
  • Website von Belgien-Tourismus Wallonie (mehrsprachig)
  • Website von der wallonischen Exportagentur (deutsch)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

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auch: Wallonie, Wallonien
Wappen/Flagge: Wallonische Region

ISO 3166-2:
Bezeichnung der Region: Region

Fläche ca.: km²

Länge der Grenze ca.: km


Ausdehnung / Grenzen (dezimale Koordinaten nach WGS 84):
nördlichster Punkt: 50.81192
südlichster Punkt: 49.49701
westlichster Punkt: 2.84213
östlichster Punkt: 6.40782

 
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