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Staat Informationen : Ghana

Informationen:


Ghana [ňągaňźna] ist ein Staat in Westafrika, der an die Elfenbeink√ľste, Burkina Faso, Togo sowie im S√ľden an den Golf von Guinea als Teil des Atlantischen Ozeans grenzt. Seine Fl√§che ist fast so gro√ü wie die des Vereinigten K√∂nigreichs, mit dessen Geschichte es durch die Kolonialzeit eng verbunden ist. Mit dem Namen Ghana sollte historisch eine Verbindung mit dem Reich von Ghana, dem ersten namentlich nachweisbaren Gro√üreich in Westafrika, hergestellt werden. Die Hauptstadt Ghanas ist die Metropole Accra, die zweite Millionenstadt ist Kumasi.

Der 1966 fertiggestellte Volta-Stausee ist der gr√∂√üte Binnensee des Landes und bis heute das oberfl√§chengr√∂√üte k√ľnstliche Gew√§sser der Erde. Mit dem Bau des Akosombo-Staudamms verfolgte die Nkrumah-Regierung den Plan, die Energieversorgung f√ľr die wirtschaftliche Entwicklung und Industrialisierung Ghanas sicherzustellen. Weltwirtschaftlich bedeutend ist Ghana aufgrund seines Rohstoffreichtums. Gold, das der ehemaligen Kolonie auch den Namen ‚ÄěGoldk√ľste‚Äú gab, ist Ghanas wichtigstes Exportgut. Etwa ein Drittel der Exporterl√∂se und 93¬†Prozent der Produktion des Bergbausektors h√§ngen mit der F√∂rderung von Gold zusammen.

Geographie

Ghana hat insgesamt ein flaches Relief, das nur an wenigen Stellen H√∂hen von 900¬†Metern erreicht. Etwa die H√§lfte des Landes liegt unterhalb einer H√∂he von 150¬†Metern. Die K√ľste hat eine L√§nge von 543¬†Kilometern. Das Land wird geographisch in K√ľstenebene, Regenwald und Savanne unterteilt. Neben der geografischen Gliederung l√§sst sich Ghana auch nach der Oberfl√§chenstruktur in die f√ľnf Naturr√§ume Low Plains, Hochland von Aschanti, Akwapim-Togo-Kette, Volta-Becken und High Plains einteilen.

Von der K√ľstenniederung, den Low Plains, die in die K√ľstenebene mit weiten Sandstr√§nden und Mangrovengebieten und einem Flachland zwischen dem f√ľnften und sechsten Breitengrad unterteilt ist, steigt das westliche Land zum Hochland von Aschanti an, das im Mittel die H√∂he von 450¬†Meter √ľber dem Meeresspiegel erreicht. √Ėstlich des Hochlandes schlie√üt sich das Volta-Becken an, welches mit insgesamt 87.000¬†km¬≤ auch den gr√∂√üten Naturraum darstellt. Im Norden schlie√üen die High Plains das Land ab. Die Gebiete z√§hlen bereits zur Gro√ülandschaft des Sudan. Die Akwapim-Togo-Kette ist eine Bergkette und ein Naturraum, der in der N√§he von Accra beginnt und bis nach Togo hinein f√ľhrt. Hier liegen die h√∂chsten Berge des Landes.

Etwa zwei Drittel der Fl√§che Ghanas, rund 158.000¬†km¬≤, werden √ľber den Volta entw√§ssert, der in seinem Unterlauf durch den Akosombo-Staudamm zum oberfl√§chengr√∂√üten k√ľnstlich angelegten Gew√§sser der Erde aufgestaut wird. Aus dem Hochland von Aschanti entspringt zudem eine Vielzahl von Flusssystemen, die in den Atlantik m√ľnden.

Die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt ist in der Vergangenheit vermehrt unter Schutz gestellt worden. Immer mehr dieser Refugien werden f√ľr den Tourismus erschlossen. Die Einnahmen aus diesem Wirtschaftszweig sollen als √Ėkotourismus auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt liefern. Der in Resten vorhandene Regenwald ist sehr artenreich und die ganzj√§hrig konstante Temperatur und die hohe Luftfeuchtigkeit f√∂rdern das Pflanzenwachstum.

Klima

Ghana ist ein tropisches Land, kennt also keine Jahreszeiten, sondern einen Wechsel zwischen Regen- und Trockenzeit. Nahezu gleich lange Tage und N√§chte bestimmen das Leben. Grob l√§sst sich das Klima in den feuchten S√ľden mit seinen immergr√ľnen Regenwaldgebieten vom trockeneren Norden mit seiner Baumsavanne, Strauchsavanne und der Grassavanne im n√∂rdlichsten Teil unterscheiden. Der Harmattan, ein aus dem Nordosten wehender Passatwind, bestimmt zwischen November und Februar die trockene Jahreszeit. Die Regenf√§lle in der Regenzeit bringt der westafrikanische Monsun. Der meiste Niederschlag f√§llt mit √ľber 2000¬†mm pro Jahr im √§u√üersten S√ľdwesten des Landes an der K√ľste.

Die j√§hrliche Niederschlagsmenge betr√§gt im Norden um 1000¬†mm, im westlichen K√ľstenabschnitt bei der Stadt Axim bis zu 2200¬†mm; bei Accra erreicht sie kaum 800¬†mm (zum Vergleich: dies entspricht ungef√§hr dem langj√§hrigen Jahresmittel Deutschlands). Nur im feuchthei√üen S√ľdwesten w√§chst immergr√ľner Regenwald, der in regengr√ľnen Tropenwald √ľbergeht. Die Waldbest√§nde sind durch die fortschreitende Rodung bedroht. Landeinw√§rts folgen Feuchtsavanne und Trockensavanne.

Gebirge

Die Akwapim-Togo-Kette ist ein h√ľgeliger und leicht bergiger Ausl√§ufer des Togo-Atakora-Gebirges in den L√§ndern Togo und Benin. Diese Bergkette beginnt in der N√§he von Accra und zieht sich dann eine Weile an der Grenze zum Nachbarland Togo entlang, bis sie endg√ľltig die Grenze √ľberschreitet. Hier sind auch Wasserf√§lle in den zahlreichen Schluchten anzutreffen. Die Bergh√§nge und Bergkuppen sind teilweise vulkanischen Ursprungs und durchweg mit Regenwald bewachsen.

Die größte Erhebung im Land ist mit 885 Metern Höhe der Mount Afadjato in der Nähe des Dorfes Liati Wote direkt an der Grenze zu Togo. Der zweithöchste Berg Ghanas ist der Mount Dzebobo mit 876 Metern, er liegt nördlich des Mount Afadjato, ebenfalls direkt an der Grenze zu Togo. Beide Berge sind Teil der Akwapim-Togo-Kette.

Der Akwawa ist der vierthöchste Berg Ghanas.

Gewässer

Der riesige Volta-Stausee liegt im Zentrum des Landes und ist mit einer Gr√∂√üe von 8.502¬†km¬≤ etwa 15-mal gr√∂√üer als der Bodensee mit 536¬†km¬≤ und w√ľrde mehr als die H√§lfte Schleswig-Holsteins (15.799¬†km¬≤) bedecken. Er speist sich im Wesentlichen aus dem Schwarzen Volta (Mouhoun) und dem Wei√üen Volta, Afram, Daka und Oti. Nachdem der Akosombo-Staudamm passiert ist, m√ľndet der dann als Volta bezeichnete Fluss in einem weiten Flussdelta in den Atlantischen Ozean. Zusammen mit den Nebenfl√ľssen Roter Volta (Nazinon), Nasia und Kulpawn ist der Volta-Fluss das gr√∂√üte zusammenh√§ngende Gew√§ssersystem.

Der etwa eine Million Jahre alte Bosumtwisee, dessen Ursprung auf den Einschlag eines Meteoriten zur√ľckgeht, hat keine Zu- und Abfl√ľsse. F√ľr die traditionelle Bev√∂lkerung ist er von gro√üer religi√∂ser Bedeutung.

Weniger bekannte Fl√ľsse sind Pra, Bia, Ankobra und Tano, die direkt in den Atlantik m√ľnden. Die Nebenfl√ľsse des Pra sind der Anum, Offin und Birim; sie bilden zusammen mit dem Pra das zweitwichtigste Entw√§sserungssystem Ghanas. Der Pra ist nur in seinem M√ľndungsbereich mit Schiffen befahrbar, weil der Oberlauf durch Stromschnellen gekennzeichnet ist.

Weitere kleinere Fl√ľsse sind Laboni, Obosum, Sisili, Senne, Tain und Todzie.

Naturraum

√úbersicht

In Ghana √ľberwiegen drei verschiedene Biome. Der tropische Regenwald und der Feuchtwald befinden sich im S√ľdwesten des Landes, der Norden und der mittlere Teil des Landes sind von der Feuchtsavanne gekennzeichnet, die in Baum- und Grassavanne unterteilt wird. Au√üerdem besteht ein schmaler Streifen der K√ľste auch noch als K√ľstensavanne. Im immergr√ľnen tropischen Regenwald befindet sich die √ľppigste Vegetation des Landes.

Der Regenwald bestand urspr√ľnglich aus 85.000¬†km¬≤ Fl√§che und ist Heimat f√ľr eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt. Durch die unterschiedlichen √Ėkosysteme gibt es im Land auch keine landestypische Pflanzen- oder Tierwelt. Die einzelnen Lebensr√§ume unterscheiden sich sehr stark. In der Savanne mit ihren typischen Bewohnern, dem Regenwald mit seinem Artenreichtum und dem Volta-Delta als Zufluchtsst√§tte f√ľr eine Vielzahl von Zugv√∂geln und heimischen Arten ist die Natur √ľppig.

Aufgrund der unterschiedlichen Vegetationsformen und der größeren menschlichen Besiedlungsdichte ist die Tierwelt Westafrikas nicht mit Ostafrika vergleichbar. Es gibt keine großen Tierherden wie in den ostafrikanischen Nationalparks.

Flora

In Ghana kommen viele Pflanzen- und Tierarten vor. Besonders der tropische Regenwald Ghanas tr√§gt stark zur Biodiversit√§t des Landes bei. Die Fl√§che an tropischem Regenwald betrug im letzten Jahrhundert noch 85.000¬†km¬≤. Innerhalb der letzten 50¬†Jahre schrumpfte die Fl√§che um mehr als die H√§lfte auf 40.000¬†km¬≤. J√§hrlich verzeichnet das Land eine Waldabnahme von 1,7¬†Prozent. Rodungen und der Export von Edelh√∂lzern sind die Hauptgr√ľnde f√ľr diese sehr schnelle Abnahme der Waldfl√§che. Eine genaue Aufz√§hlung der im Regenwald lebenden Pflanzen ist schwer vorzunehmen, da Wissenschaftler dort noch unbekannte Arten vermuten.

Der immergr√ľne Regenwald wird √ľberdacht von hohen Baumriesen, die bis zu 50¬†Meter hoch, drei Meter dick und 300¬†Jahre alt werden k√∂nnen. Dies sind auch Arten, die im Rahmen der ghanaischen Holzexportwirtschaft eine gro√üe Rolle spielen: Wertvolle Harth√∂lzer liefern Mahagoniarten wie Azob√©, Sapeli und der auch afrikanische Mahagoni genannte Khaya sowie mehrere Arten des afrikanischen Walnussbaumes. Weitere Baumarten sind Odum, Wawa (wird teilweise auch Samba genannt, der Handelsname des Holzes ist Abachi), Bombax sowie Afrormosia. Verschiedene Feigenb√§ume wie Ficus spp. erreichen in den Regenw√§ldern Ghanas durchaus die Gr√∂√üe einer mittelgro√üen deutschen Buche. Verschiedene Aufsitzerpflanzen wie Orchideenarten aber auch Lianen zeigen eine gro√üe Artenvielfalt. H√§ufige Nutzpflanzen sind der afrikanische Kolabaum, der Kalebassenbaum (Flaschenk√ľrbis Crescentia cujete) oder der brasilianische Kautschukbaum.

Allein ungef√§hr 1200 verschiedene Palmenarten kommen √ľber das ganze Land verteilt vor. Die kubanische K√∂nigspalme (Roystonea regia) wird in den St√§dten als Alleebaum verwendet, da diese Schattenspender eine H√∂he von bis zu 25 Metern erreichen. H√§ufig mit einer Palme verwechselt wird der madagassische Baum der Reisenden, eine in Ghana beliebte Dekorationspflanze vor √∂ffentlichen Geb√§uden oder in G√§rten.

Die urspr√ľnglich pazifischen Kokospalmen haben f√ľr den Menschen einen betr√§chtlichen Nutzwert und wurden daher in Ghana eingef√ľhrt. Viele Produkte der Kokosnuss wie Kokosmilch, Kokosfett, aber auch Bast sowie Bl√§tter f√ľr Dachkonstruktionen und Matten werden von der Kokospalme geerntet. Die heimische √Ėlpalme (Elaeis guineensis) ist als Plantagenbaum sehr weit verbreitet. Aus den roten Fr√ľchten der √Ėlpalme wird Palm√∂l gepresst, dieses hat in Westafrika einen hohen Stellenwert in der landestypischen K√ľche.

Die vielf√§ltigsten Nutzpflanzen werden im Rahmen von Plantagenwirtschaft produziert. Zumeist finden sich diese Plantagen auf dem nunmehr gerodeten Gebiet des ehemaligen Regenwaldes. Hier werden Ananas, Bananen, Kochbananen, Avocados, Papayas, Guaven, Orangen und andere Zitrusfr√ľchte angebaut. Auch viele Gew√ľrzpflanzen, wie beispielsweise Gew√ľrzvanille, werden in Ghana kultiviert.

Neben den Baumarten und den Nutzpflanzen sind viele dekorative Pflanzen aus aller Welt in Ghana zu finden. Hibiskus, Flammenbaum und Fuchsien sind nur einige.

Gräser sind typische Savannenpflanzen, doch die Charakterpflanze der Savannen Ghanas ist ein Baum: Der einzeln stehende Afrikanische Affenbrotbaum fällt durch seinen dicken Stamm auf und ist weithin erkennbar. Ebenfalls in der Savanne wächst der heimische Karitébaum, auch Sheabutterbaum genannt. Die aus den Samen gewonnene Sheabutter ist ein wichtiges Exportprodukt Ghanas und wird zur Herstellung von Kosmetika und Lebensmitteln verwendet.

Die K√ľste ist neben Mangrovenw√§ldern auch von verschiedenen Palmenarten gekennzeichnet.

Fauna

Die Tierwelt Ghanas ist sehr artenreich. Neben tropischen Vogelarten wie Papageien, Nashornv√∂gel, Adlern, Spechten, Perlh√ľhner und Tauben, die im Regenwald beheimatet sind, wird die heimische Vogelwelt durch eine Vielzahl von Zugv√∂geln erweitert. Im Volta-Delta, aber auch in den Wasserlandschaften der Lagunen und entlang der vielen Flussl√§ufe, kommen verschiedene Wasservogelarten vor.

Zahlreiche S√§ugetierarten sind in Ghana beheimatet. Mehrere Antilopenarten wie Pferdeantilope, Kob und Bongo, Leoparden, Zibetkatzen, Elefanten, B√ľffel, Flusspferde, Warzenschweine leben haupts√§chlich in der Savanne.

Es gibt viele verschiedene Affenarten. In den Regenw√§ldern im S√ľdwesten leben Schimpansen, so im Ankasa-Schutzgebiet. In Ankasa und in Bia kommt auch die ebenfalls seltene Roloway-Meerkatze vor, diese lebt auch auf dem Monkey hill in Takoradi. Gr√ľne Meerkatzen sind wesentlich h√§ufiger und in vielen Schutzgebieten zu finden. Monameerkatzen sind die am leichtesten zu beobachtenden Waldarten und leben u.¬†a. in den Reservaten von Tafi-Atome und Buabeng-Fiema. In Buabeng-Fiema sind auch Geoffroy-Stummelaffen regelm√§√üig zu sehen. Paviane werden insbesondere im Mole-Nationalpark und in den Shai Hills angetroffen.

Reptilien kommen in allen Lebensbereichen vor. Kleine Geckos und Eidechsen leben teilweise in den Häusern der Menschen, Leguane, Warane, Schlangen und Krokodile in den Gewässern des Landes.

Ghana verf√ľgt √ľber einen ausgesprochen gro√üen Artenreichtum an Insekten. Termitenh√ľgel pr√§gen die Landschaft. Einige der vorkommenden M√ľcken und Bremsen √ľbertragen Krankheiten, wie die Stechm√ľcke Anopheles Malaria. Mehr in den Savannengebieten ist die Tsetse-Fliege beheimatet, welche die auch f√ľr den Menschen gef√§hrliche Afrikanische Trypanosomiasis, die Schlafkrankheit, √ľbertr√§gt.

Im Atlantik vor der K√ľste Ghanas befinden sich einige der fischreichsten Gebiete der Erde. Wichtige Fischarten sind Barrakudas, Heringe, Makrelen, Haie, Thunfische, Tintenfische, Barsche, aber auch Meerestiere wie Hummer, Langusten und Krabben sowie Muscheln und Schnecken sind beheimatet.

Einige Tierarten, die in den tropischen Regenw√§ldern leben, sind als gef√§hrdet oder vom Aussterben bedroht einzustufen. Eine unbekannte Zahl von Tierarten gilt bereits als verschwunden, wie Miss Waldrons Roter Stummelaffe, ehemals beheimatet in den tropischen Regenw√§ldern der Elfenbeink√ľste, Ghanas und von Sierra Leone, der in den 1970er-Jahren letztmals gesichtet wurde.

Die West African Primate Conservation Action (WAPCA) wurde als internationaler Zusammenschluss von insgesamt elf europ√§ischen zoologischen G√§rten gegr√ľndet, um das Aussterben weiterer Arten zu verhindern. Auch der Conservation des esp√®ces et des populationes animales (CEPA) sowie die Zoologische Gesellschaft f√ľr Artenschutz (ZGAP) sind an dieser Aktion ma√ügeblich beteiligt. Die Zoos und die Vereinigungen bem√ľhen sich um den Schutz der hoch bedrohten Roloway-Meerkatzen und der Wei√ünackenmangaben. Beide Arten geh√∂ren zu den am meisten gef√§hrdeten 25¬†Primatenarten weltweit.

Der Zoo in Accra besitzt einige dieser Tiere zur Nachzucht. Am 29. Juni 2006 hatte dort ein Paar Weißscheitelmangaben ihren ersten Nachwuchs.

Umwelt

Das Bewusstsein f√ľr einen nachhaltigen Umgang mit den nat√ľrlichen Ressourcen des Landes nimmt erst in j√ľngster Zeit immer mehr zu. Die ghanaische Wirtschaft, insbesondere der Bergbau in Ghana, hat im Land teilweise erhebliche Umweltsch√§den verursacht. Die Politik der Regierung von Pr√§sident John Agyekum Kufuor ging vermehrt auf umweltpolitische Themen ein, doch in der Bev√∂lkerung ist ein Umweltbewusstsein eher gering ausgepr√§gt. Gerade auch die Forstwirtschaft spielt neben dem Bergbau eine entscheidende Rolle bei der eher negativ zu bewertenden Umweltbilanz des Landes. Die j√§hrliche Abnahme des Waldes wird auf 1,7¬†Prozent beziffert, wobei auch Prim√§rwald betroffen ist. Die fehlende staatliche Organisation der M√ľllbeseitigung ist ein weiteres gro√ües Problem besonders in den Metropolen. Nur ungef√§hr 5¬†Prozent des M√ľlls in Ghana werden wiederverwendet oder dem Recycling zugef√ľhrt. Zudem landet ein gro√üer Teil illegal eingef√ľhrten Elektroschrotts aus Europa bei der Elektronikschrottverarbeitung in Agbogbloshie in Accra, wo er unter Freisetzung hochgiftiger D√§mpfe teilweise verbrannt wird.

Der Umweltschutz liegt in der ghanaischen Regierung nicht im Aufgabenbereich eines Ministeriums, sondern ist aufgeteilt zwischen dem Land- und Forstwirtschaftsministerium f√ľr mit der Zust√§ndigkeit f√ľr B√∂den und W√§lder und dem Ministerium f√ľr Umwelt und Wissenschaft mit der Zust√§ndigkeit f√ľr die Vorbereitung, √úberwachung und Durchsetzung der internationalen Abkommen und die Entwicklung der Umweltpolitik.

Naturkatastrophen

Naturkatastrophen gr√∂√üeren Ausma√ües sind eher selten. Doch gibt es regelm√§√üig Probleme mit den teilweise schweren Regenf√§llen. Nach der mehrere Monate andauernden Trockenzeit kann der Boden nur langsam wieder Wasser aufnehmen. Die starken tropischen Regenf√§lle sind von gro√üer Heftigkeit. In den teilweise ausgetrockneten Flussbetten entstehen in k√ľrzester Zeit rei√üende Fluten. Auch normale Stra√üen verwandeln sich in K√ľrze in zwar seichte, aber schnell flie√üende Fl√ľsse. H√§ufig werden Menschen gerade in den ersten Wochen der Regenzeit von diesen Wassermassen √ľberrascht, denen kleinere Br√ľcken nicht standhalten. In fast jedem Jahr kommen in den Fluten Menschen ums Leben.

Vor allem der s√ľdliche Teil des Landes war in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder von gr√∂√üeren Erdbeben betroffen. In den Jahren 1615, 1636, 1862, 1906, 1939, 1964, 1969 und zuletzt 1997 wurden in K√ľstenn√§he starke Beben verzeichnet, die auch mehrere Todesopfer forderten. So zerst√∂rte 1615 in der N√§he des heutigen Takoradi ein Erdbeben die gesamte damalige Siedlung Takoradi. Am 18.¬†Dezember 1636 ereignete sich ganz im Westen des Landes, in der Gegend um Axim, ein Erdbeben, das zu sehr starken Ersch√ľtterungen im Distrikt East Nzema f√ľhrte. In einem gro√üen Radius wurden die Geb√§ude der Gegend fast vollst√§ndig zerst√∂rt. In einer Goldmine in Aboasi starben viele Minenarbeiter. Das Erdbeben von 1862 hatte sein Epizentrum in der N√§he der heutigen Hauptstadt Accra. Viele Steingeb√§ude, auch die kolonialen Forts, unter ihnen der heutige Regierungssitz in Osu Castle, wurden stark besch√§digt. Weniger Sch√§den richteten die Erdbeben von 1906 an, wenn auch aus Accra von Geb√§udesch√§den berichtet wurde. Das bisher st√§rkste Erdbeben ereignete sich in der N√§he von Accra am 22.¬†Juni 1939. Dieses Beben verursachte sehr starke Sch√§den an den Geb√§uden, siebzehn Menschen starben, 133¬†Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Es entstand Sachschaden in H√∂he von etwa einer Million Pfund. Auf der Richter-Skala erreichte das Beben den Wert 6,5. J√ľngste Erdbeben waren zwar weniger stark, doch l√∂sten sie in der Bev√∂lkerung gro√üe Panik aus.

Naturreservate

In fast allen Landesteilen wurden Naturreservate errichtet, die sich erheblich in ihrer Größe und Zielrichtung voneinander unterscheiden. Es gibt vier verschiedene Arten von Naturreservaten:

Zum einen sind Nationalparks ausgewiesen worden, um einem m√∂glichst gro√üen Publikum die erhaltenswerte Natur vorzuf√ľhren und die Menschen f√ľr deren Schutz zu interessieren. Die wohl bekanntesten Nationalparks sind der Mole-Nationalpark im Norden Ghanas sowie der Kakum-Nationalpark aufgrund seiner N√§he zu den geschichtlich und daher touristisch interessanten St√§dten Cape Coast und Elmina.

Wildtierreservate haben zunächst den Zweck, die Population der heimischen Wildtierarten zu erhöhen. Einige Arten sind bereits der Jagd durch die Menschen zum Opfer gefallen. Im ganzen Land ist Bush-Meat, also Wildtierfleisch, sehr beliebt. Hier gibt es durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Volksgruppen.

Andere Schutzgebiete (Strict Nature Reserves) sind ausgewiesen worden, um Tierarten zu retten, die vom Aussterben bedroht sind. Diese Schutzgebiete sind nur mit einer speziellen Genehmigung zu besuchen. Diese Genehmigung wird in der Regel nur zu Forschungszwecken ausgestellt.

Ausdr√ľcklich zur Rettung des Regenwaldes wurden Forstreservate eingerichtet, in denen grunds√§tzlich keine Rodungen stattfinden d√ľrfen. In diesen Forstreservaten sollen M√∂glichkeiten untersucht und aufgezeigt werden, wie eine nachhaltige Forstwirtschaft betrieben werden kann. In den Forstreservaten soll eine ausgeglichene Vegetation der Forstwirtschaft eine breitere Grundlage verschaffen. Illegaler Holzeinschlag und Schmuggel stellen ein Problem dar. Durch unkontrolliertes Abholzen ist der Bestand des Regenwaldes weiterhin gef√§hrdet.

Neben den Nationalparks gibt es in Aburi, das n√∂rdlich von Accra in den Akuakim-Bergen gelegen ist, einen botanischen Garten, der bereits 1890 durch die britischen Kolonialherren als landwirtschaftliche Forschungsstation angelegt wurde. Hier wachsen auch tropische Pflanzen, die in Ghana urspr√ľnglich nicht vorkamen.

Bevölkerung

Die Einwohner Ghanas werden heute korrekt als Ghanaer bezeichnet, veraltet ist die Bezeichnung Ghanesen. Die Lebenserwartung lag 2019 durchschnittlich bei 64,1¬†Jahren¬†‚Äď die zweith√∂chste in Westafrika¬†‚Äď, wobei die hohe Kindersterblichkeit und S√§uglingssterblichkeit eine der Hauptursachen f√ľr den im Vergleich mit der westlichen Welt niedrigen Wert ist. Aufgrund verbesserter medizinischer Versorgung und einer Aufkl√§rungsarbeit im Bereich der Hygiene sinkt die Rate der Kindersterblichkeit kontinuierlich.

Die Bev√∂lkerungsstruktur stellt die klassische Bev√∂lkerungspyramide dar. 37,4¬†% der Bev√∂lkerung ist unter 15¬†Jahre alt. J√§hrlich ist ein Bev√∂lkerungswachstum von 2,2¬†% zu verzeichnen, das geringste Bev√∂lkerungswachstum aller Staaten im s√ľdlichen Westafrika.

Ghana hat im Vergleich zu den Nachbarl√§ndern (vor allem im Norden) einen h√∂heren Grad an Wohlstand erreicht. Das ist der Grund, warum einige zehntausend Fl√ľchtlinge aus Togo, Burkina Faso, Liberia, Niger und Nigeria dort leben.

Es gibt eine ausgepr√§gte Wanderungsbewegung vom Land in die St√§dte. Dort besteht allerdings eine immer h√∂her werdende Arbeitslosigkeit gerade unter jungen Menschen. Vor allem junge M√§nner wandern daher ins Ausland ab, mit dem Ziel, in Europa oder Nordamerika Arbeit zu finden. Einige Familien sammeln Geld, um einen jungen Familienangeh√∂rigen ins Ausland schicken zu k√∂nnen, damit dieser von dort die Gro√üfamilie unterst√ľtzen kann.

Entwicklung

Die Bev√∂lkerung Ghanas wuchs rasant an und hat sich von 1990 bis 2020 mehr als verdoppelt. In der Tabelle sind die Ergebnisse der letzten Volksz√§hlungen von 1984, 2000 und 2010 aufgelistet sowie die Sch√§tzungen f√ľr die Jahre 1950 und 2020.

F√ľr das Jahr 2050 wird laut der mittleren Bev√∂lkerungsprognose der UN mit einer Bev√∂lkerung von √ľber 52 Millionen gerechnet.

Volksgruppen

Ghana ist ein Vielvölkerstaat, der aus beinahe ebenso vielen Ethnien wie Sprachgruppen heterogen zusammengesetzt ist. Die Bevölkerungszahl der unterschiedlichen Ethnien reicht von einigen hundert bis zu einigen Millionen Menschen.

Mittlerweile werden immer h√§ufiger Ehen zwischen Angeh√∂rigen unterschiedlicher Ethnien geschlossen, so dass die kleineren Volksgruppen langsam in den gr√∂√üeren aufgehen und die Grenzen zwischen den einzelnen Volksgruppen immer st√§rker verschwimmen. Diese Tatsache macht eine genaue Zuordnung zu den einzelnen Ethnien schwierig und f√ľhrt zu stark abweichenden Angaben in verschiedenen Quellen.

Die wichtigste ethnische Gruppe sind die Akan (rund 47,5 Prozent), deren bekannteste Untergruppe die Aschanti sind. Minderheiten bilden die Mole-Dagbani (16,6 Prozent), die Ewe (13,9 Prozent), die Ga-Adangme (7,4 Prozent) und die Gurma (5,7 Prozent). Etwa 1,4 Prozent der Bevölkerung stammt aus Europa oder ist anderer ethnischer Herkunft wie beispielsweise Chinesen oder Libanesen.

Sprachen

Mit 79 verschiedenen Sprachen und Idiomen ist die Sprachvielfalt recht groß. Amtssprache ist Englisch.

Die meisten Ghanaer wachsen bereits vor ihrem Schulbesuch mehrsprachig auf und lernen dann in der Schule zus√§tzlich die lokal dominierende Sprachgruppe Akan (80¬†Prozent) und/oder Englisch (70¬†Prozent). Nicht selten sprechen Ghanaer drei bis f√ľnf Sprachen flie√üend. Viele Sprachen Ghanas sind bedroht, da die Zahl der Sprecher kontinuierlich abnimmt. Hauptursachen sind das gr√∂√üere Sozialprestige einzelner Sprachen (z.¬†B. die Akan-Sprache Fante als Sprache des Handels), interethnische Eheschlie√üungen und die Abwanderung von Sprechern in gro√üe St√§dte, in denen die Kinder die Mehrheitssprache √ľbernehmen. Zus√§tzlich wird dem Franz√∂sischen seitens der Regierung ein immer gr√∂√üerer Stellenwert einger√§umt, insbesondere im Bildungssystem. Seit 2006 ist Ghana assoziiertes Mitglied der Internationalen Organisation der Frankophonie (OIF).

Religionen

Gemäß der Volkszählung von 2010 gehören in Ghana ca. 71,2 Prozent der Bevölkerung christlichen Kirchen an, die Mehrheit von ihnen protestantischen Glaubensgemeinschaften (18 Prozent) und charismatischen bzw. Pfingstkirchen (28,3 Prozent), der Rest zu der Römisch-katholischen Kirche (13,1 Prozent); andere christliche Konfessionen machen 11,4 Prozent aus. Ungefähr 17,6 Prozent werden dem Islam zugerechnet und etwa 5,2 Prozent gehören traditionellen Religionen an, vor allem zu der Religion der Akan und der Religion der Ga. 0,8 Prozent gehören anderen Glaubensrichtungen an und 5,3 Prozent sind konfessionslos.

Die Grenzen zwischen den verschiedenen Religionen sind nicht genau bestimmbar, da sich der traditionelle Glaube mit christlichen Hauptstr√∂mungen und Sekten vermischt hat. Viele christliche oder muslimische Ghanaer sehen im Besuch eines ‚ÄěFetischpriesters‚Äú keinen Widerspruch zu ihrer Religion. Alle hohen christlichen Feiertage sind nationale Feiertage, ebenso wie das Islamische Opferfest und das Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan. Von einzelnen ethnischen Gruppen werden zudem die ihrer traditionellen Religion entsprechenden Feste gefeiert.

Struktur und Migration

Die meisten Ghanaer leben in Gro√üfamilien, die einerseits Unterst√ľtzung f√ľr Verwandte bereithalten und bei Problemen helfen, andererseits m√ľssen viele Angeh√∂rige bis zur H√§lfte ihres Lohnes an die Familie abgeben. Diese Strukturen weichen allerdings in den St√§dten immer mehr auf, so dass dort manche Kinder nicht mehr von ihren Eltern versorgt werden.

Im ganzen Land vollzieht sich eine starke Wanderung Richtung S√ľden. Jugendliche aus der Zentralregion ziehen nach Accra und Tema, um dort Arbeit zu finden, w√§hrend Jugendliche aus den n√∂rdlichen Gebieten Zuflucht in St√§dten wie Kumasi und Sunyani suchen. Da ihr Ausbildungsstand meistens gering und das Arbeitsangebot begrenzt ist, landen sehr viele dieser Jugendlichen auf der Stra√üe. Allein in Accra sind nach Angaben der Welthungerhilfe etwa 30.000 Kinder und Jugendliche obdachlos.

Im Jahre 2017 waren 1,2 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Die meisten Migranten stammen aus Togo (90.000), Nigeria (70.000) und Burkina Faso (60.000).

Soziale Lage

Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen st√ľtzt sich auf zwei S√§ulen. Einerseits versuchen der Staat und internationale Gesundheitsorganisationen bessere Bedingungen f√ľr die Volksgesundheit zu organisieren, zum anderen spielt die traditionelle Medizin eine starke Rolle. Die Kindersterblichkeit sinkt, die Versorgung der M√ľtter verbessert sich und die Zahl der Impfungen hat inzwischen eine Abdeckung von 80¬†Prozent der Bev√∂lkerung erreicht. Im Gesundheitswesen investierte die ghanaische Regierung zwischen 1992 und 2002 etwa 7¬†Prozent der gesamten Staatsausgaben.

Bis in die 1980er-Jahre war das Gesundheitssystem hinter den politischen und wirtschaftlichen Themen in der Politik wenig in Erscheinung getreten. Durch ein Umdenken in der Politik sowie durch einen starken Einsatz internationaler Hilfskräfte verbessert sich die Lage im Gesundheitswesen zunehmend.

Entwicklung der Lebenserwartung in Ghana

Krankheiten

Ghana hat neben den √ľblichen medizinischen Anforderungen zus√§tzlich das Problem der tropischen Krankheiten zu bew√§ltigen. Malaria, Cholera, Typhus, Tuberkulose, Gelbfieber sowie Hepatitis A und Hepatitis B sind einige der am h√§ufigsten auftretenden Krankheiten. Auch Bilharziose und Poliomyelitis sind ein gro√ües Problem. Vom hier fr√ľher verbreiteten und gef√ľrchteten Guineawurm (dracunculiasi, auch Medinawurm genannt) scheint allerdings heute keine besondere Gef√§hrdung mehr f√ľr die Bev√∂lkerung auszugehen. Im Jahr 1974 sollen 75¬†Prozent aller Krankheiten in einem direkten Zusammenhang mit unsauberem Wasser gestanden haben. Malaria z√§hlt zu den h√§ufigsten Todesursachen im Land. Etwa 40¬†Prozent der Krankenhausaufenthalte haben ihre Ursache in einer Malariaerkrankung. Bei der Kindersterblichkeit ist Malaria f√ľr ein Viertel aller Todesf√§lle verantwortlich.

Während der Trockenzeit zwischen Dezember und April werden im Nordosten des Landes immer wieder Fälle durch Meningokokken ausgelöster Meningitis gemeldet. Etwa 1,9 Prozent aller erwachsenen Personen waren 2007 mit HIV infiziert.

Gesundheitsdaten

Ghana ist grunds√§tzlich kein Land, das aufgrund von D√ľrrekatastrophen oder sonstigen Problemen an einem Mangel an Nahrungsmitteln leidet. Die ungleiche Verteilung der Nahrungsmittel stellt jedoch ein Problem dar. So litten noch im Jahr 2000 etwa 20¬†Prozent der Kinder unter f√ľnf Jahren an Unterern√§hrung. Diese Zahl hat sich aber in den letzten Jahren deutlich verringert. Im Jahr 1985 galten noch etwa 35¬†Prozent der Kinder der gleichen Altersstufe als unterern√§hrt.

Die Sterblichkeitsquote von Kindern bis f√ľnf Jahren sank in den letzten 20 Jahren erheblich. So starben im Jahr 1988 von 1000 Geburten noch 79,2 Jungen und 79,4 M√§dchen. Bereits 1993 war die Zahl auf 63,4 bei Jungen und 62,2 bei M√§dchen gesunken. Im Jahr 2003 starben von 1000 Kindern noch 44,2 Jungen und 52,3 M√§dchen.

Auch die Zahl der Impfungen stieg in den vergangenen Jahren erheblich an. Im Jahr 2004 wurden ungef√§hr 80¬†Prozent der Kinder gegen Diphtherie und Polio geimpft. Die M√ľttersterblichkeit sank seit 1990 von ungef√§hr 740 von 100.000 Geburten auf ungef√§hr 540 von 100.000 Geburten, wobei die Zahl der Geburten, die durch medizinisches Personal √ľberwacht wurden, nur leicht anstieg von etwa 40¬†Prozent im Jahr 1986 auf etwa 47¬†Prozent im Jahr 2004.

Im ganzen Land regulierten im Jahr 2005 etwa 25,2¬†Prozent der Frauen ihre Schwangerschaften durch irgendeine Methode der Geburtenkontrolle, dabei lag der Anteil des Kondoms als Verh√ľtungsmethode 2003 bei ungef√§hr 12,7¬†Prozent.

Im Jahr 2001 lebten etwa 200.000 Kinder, von denen beide Eltern oder mindestens ein Elternteil an AIDS gestorben ist, in Waisenhäusern.

Bildung

Seit der Unabh√§ngigkeit Ghanas erweitert sich das Bildungsangebot des Landes kontinuierlich. Im Bildungswesen investierte die ghanaische Regierung zwischen 1992 und 2002 etwa 7¬†Prozent der gesamten Staatsausgaben. Bereits seit 1957 besteht eine allgemeine neunj√§hrige Schulpflicht, die mit dem sechsten Lebensjahr beginnt. Im Jahr der Unabh√§ngigkeit waren nur etwa 450.000 Grundsch√ľler in den Schulen aufgenommen worden. Die Schulbildung erreicht nunmehr fast jedes Dorf, die Lehrer stellen teilweise Studenten oder Abiturienten, die ihren National Service, eine Art soziales Jahr, in einer Dorfschule absolvieren.

Das Bildungssystem war von Anfang an den Strukturen der ehemaligen Kolonialmacht Gro√übritannien angelehnt. Erst im Jahr 1986, w√§hrend der Pr√§sidentschaft von Jerry Rawlings, wurde das System ver√§ndert. Die allgemeine Schulpflicht besteht aus einer sechsj√§hrigen Grundschule mit einem anschlie√üenden dreij√§hrigen Besuch der Junior Secondary School. Erst mit dem erfolgreichen Abschluss der Junior Secondary School kann ein Sch√ľler die h√∂here Schulbildung in der Senior Secondary School beginnen, die weitere drei Jahre dauert, mit dem West African Senior Secondary Certificate Examination (WASSCE) (auch: Advanced Level Certificate) abschlie√üt und zum Studium berechtigt. Alternativ kann ein Sch√ľler eine technisch ausgerichtete Schule besuchen, deren Abschluss am ehesten mit dem deutschen Fachabitur vergleichbar ist. Damit kann ein Sch√ľler die Hochschulzugangsberechtigung nach fr√ľhestens zw√∂lf Jahren erlangen.

Auf die Ausbildung der Lehrer, bereits beginnend mit den Mitarbeitern in Kindergärten und den Grundschulen, wird immer mehr Wert gelegt. So dauert beispielsweise die Ausbildung eines regulären Grundschullehrers drei Jahre.

Vor allem im Norden und in den größeren Städten haben sich auch Koranschulen unter dem islamischen Teil der Bevölkerung durchgesetzt.

Es wird zudem ein Fernstudium f√ľr Abiturienten angeboten, die aufgrund von pers√∂nlichen oder praktischen Gegebenheiten nicht regelm√§√üig an den Vorlesungen in den Universit√§ten teilnehmen k√∂nnen.

2018 lag die Alphabetisierungsrate der erwachsenen Bevölkerung bei 79 %.

Geschichte

Mythologie

Die alte Stadt Gana lag im Norden der heutigen Republik Ghana. Ghana war die arabische Schreibweise des afrikanischen Namens Gana, dessen Bedeutung unbekannt ist. Vergeblich haben Archäologen die weiten Flächen Westafrikas nach ihrem genauen Standort abgesucht. Viele Geschichten erzählen von ihrem Reichtum, der Macht ihrer Könige und der Schönheit ihrer Gebäude. Andere Geschichten handeln von der Ursache ihres Falls. Es folgt eine davon.

Die Stadt New Wagadoo, die heute Wa-Gana hei√üt, war die Hauptstadt von 80 H√§uptlingen. Aber als der K√∂nig starb und nur eine Tochter hinterlie√ü, machten sich diese 80 H√§uptlinge unabh√§ngig. Die Prinzessin Tu-Bari war eine Frau von un√ľbertrefflicher Sch√∂nheit und versprach jenem Mann die Ehe, der die 80 rebellischen H√§uptlinge unterwerfen w√ľrde. Viele Prinzen, die von ihrer Sch√∂nheit geh√∂rt hatten, versuchten ihr Gl√ľck, aber keiner war erfolgreich. Schlie√ülich erschien der K√∂nig aus Gana namens Samba (stark). Er besiegte nacheinander die 80 rebellischen H√§uptlinge und schickte einen jeden von ihnen zur K√∂nigin Annalia, damit er sich ihr unterwarf. Als sich der letzte H√§uptling ergeben hatte, stimmte Annalia einer Ehe mit Samba zu, der K√∂nig von Gana und Wa-Gana wurde. Einige Jahre sp√§ter brach im Land eine verheerende D√ľrre aus und eine Hungersnot stand drohend bevor. Die D√ľrre wurde von einem Drachen namens Isa Bere verursacht, der in den Bergen von Futa Jallon lebte und den Fluss Niger leer trank. K√∂nig Samba musste sich aufmachen und den Drachen bek√§mpfen. Sein ber√ľhmter Barde Tarafe, der als Erster Annalias Ruhm besungen hatte, begleitete ihn.

Acht Jahre lang kämpfte König Samba gegen den Drachen und zerbrach 800 Speere an dessen Schuppenhaut. Schließlich traf er mit seinem langen Schwert das Herz des Drachen, worauf das Ungeheuer starb und der Niger, der heilige Fluss Jolliba, wieder floss. Tarafe sang ein Loblied auf das Schwert. König Samba liebte das Gebirge und die bewaldeten Hänge und entschied sich dort zu bleiben. Das alte Gana verfiel während seiner Abwesenheit.

Vorgeschichte und Archäologie

Es wird davon ausgegangen, dass das Gebiet des heutigen Ghana irgendwann im Zeitraum von vor 150.000 bis vor 20.000 Jahren erstmals von Menschen besiedelt war. Diese ersten Bewohner waren Angeh√∂rige der Sango- oder Sangoan-Kultur ‚Äď benannt nach ersten Fundpl√§tzen in der Sango-Bucht auf der ugandischen Seite des Viktoria-Sees ‚Äď, einer Kultur, die durch den √úbergang von der √§lteren zur j√ľngeren Altsteinzeit charakterisiert werden kann. Das Einsetzen einer Phase extremer Trockenheit, die vor etwa 25.000 Jahren begann und bis etwa vor 13.000 Jahren andauerte, veranlasste die Menschen der Sangoan-Kultur jedoch zum Verlassen der immer unwirtlicher werdenden Ebenen. Die √§ltesten Keramikfunde auf dem Gebiet des heutigen Ghana wurden auf ein Alter von etwa 5800 Jahren datiert. Im Allgemeinen wird der Zeitpunkt des Auftretens von Keramik mit dem Beginn der Nahrungsmittelerzeugung durch Feldbau gleichgesetzt, auch wenn Beweise daf√ľr aus der Fr√ľhzeit der Keramikpr√§senz bislang fehlen.

Vor etwa 3800 bis circa vor 2000 Jahren erfuhr das Klima in Westafrika und dem westlichen Zentralafrika eine intensive Trockenphase mit starken Winden. In dieser Zeit existierte auf dem Gebiet des heutigen Ghana am Nordrand des Regenwaldg√ľrtels etwa im Zeitraum von vor 4000 Jahren bis vor etwa 2700 Jahren mit der Kintampo-Kultur eine weitere vorgeschichtliche Kulturstufe. Die Kintampo-Kultur besa√ü eine sehr komplexe Wirtschaftsform, welche von einer Vermischung von feldbaulicher Waldlandbewirtschaftung und nahrungsproduzierender Viehhaltung in der Savanne gekennzeichnet war. Mit Sicherheit kann das Halten von Schafen und Ziegen f√ľr die Zeit vor 3750 bis 3550 Jahren nachgewiesen werden, wahrscheinlich wurden in der Sp√§tzeit auch Rinder gehalten. Der durch die Trockenheit immer lichter werdende Regenwald und das pl√∂tzliche verst√§rkte Auftreten der √Ėlpalme, die Nahrung, Faser- und Baumaterial lieferte, f√∂rderte wahrscheinlich den Entwicklungsprozess einer feldbaulichen Waldlandbewirtschaftung. Dennoch scheinen auf dem H√∂hepunkt der Trockenphase die Menschen erneut die immer unfreundlicher werdenden Gegenden wieder verlassen zu haben.

Die heute als autochthon geltende Bev√∂lkerungsschicht in Ghana und Togo sind im Wesentlichen Gruppen, die, beginnend im 9. und 10. Jahrhundert, in gro√üen Gruppen aus Norden oder Nordosten kommend in die Gebiete s√ľdlich des Savanneng√ľrtels des Togo und Ghana einwanderten. Ausl√∂ser dieser Migrationsbewegung war eine Klimaver√§nderung, die mit √Ąnderungen in der Vegetation der Savannengebiete verkn√ľpft war. Aber auch das Erstarken von Alt-Gana und der Vorl√§uferstaaten des Mali-Reiches trugen zum Ausl√∂sen der Migrationsbewegung bei sowie auch ein gewisser Zwang zu mehr Segmentierung innerhalb der Sozialordnung, der letztlich den Druck auf eine freiwillige Abspaltung vom bisherigen Volksverband erh√∂hte. Zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert haben gro√üe Bewegungen im Volta-Becken stattgefunden. Aber diese Einwanderergruppen sind nicht √ľber gro√üe R√§ume hinweg gewandert, sondern sie sind mehr oder weniger allm√§hlich in Nachbargebiete eingedrungen, aus denen sie wieder durch das Sich-Einschieben weiterer V√∂lker aus dem Norden in weiter s√ľdlich gelegene Gebiete gedr√§ngt wurden.

Mittelalter und fr√ľhe Neuzeit

Der moderne Staat Ghana hat seinen Namen vom alten Reich Ghana, das geografisch einige Tausend Kilometer nordwestlich gelegen war und in keinem ethnischen oder historischen Zusammenhang zum heutigen Staat Ghana steht. Auf dem Gebiet des heutigen Staates gab es in vorkolonialer Zeit mehrere gro√üe Reiche beziehungsweise F√∂derationen. Die ersten dieser Staatswesen, die Reiche der Dagomba, Mamprusi oder der Gonja entstanden in der Savannenregion von Nordghana und waren kulturell vom weiter n√∂rdlich gelegenen Reich der Mossi und dem Islam gepr√§gt. Die Macht ihrer Reiterheere endete am Regenwaldg√ľrtel. In der Regenwaldzone siedelten sich aus dem Norden kommend ab etwa 1300 n.¬†Chr. Akanv√∂lker an und gr√ľndeten verschiedene kleinere Reiche. Um 1600 begann dort in Zentralghana der Aufstieg des Aschantireichs zur beherrschenden Macht im gesamten heutigen Ghana. Die Aschantif√∂deration war eines der wenigen afrikanischen Reiche, das es bis Ende des 19. Jahrhunderts mit den britischen Kolonialtruppen aufnehmen konnte und diese in mehreren Kriegen schlug. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es endg√ľltig von den britischen Kolonialherren bezwungen. Mit dem Aschantireich konkurrierten im S√ľden des Landes die mit den Briten verbundenen Fantistaaten, die sich Ende des 19. Jahrhunderts zur Konf√∂deration der Fanti zusammenschlossen.

An der Goldk√ľste reihten sich seit dem 17. Jahrhundert die befestigten Niederlassungen europ√§ischer M√§chte (Portugiesen, Engl√§nder, Niederl√§nder, Brandenburger, Schweden, D√§nen) in einer Dichte aneinander, wie in keinem anderen Gebiet Afrikas. Gro√ü Friedrichsburg in Princes Town war beispielsweise im 17. Jahrhundert eine brandenburgisch-preu√üische Festung.

Kronkolonie Goldk√ľste

Um 1820 √ľbernahm das Colonial Office die britischen Handelsposten an der Goldk√ľste. Zwischen den Briten und dem Volk der Fanti wurde ein Abkommen geschlossen, um sich gegen die Aschanti aus dem Binnenland zu verteidigen. Im Jahr 1874 erkl√§rten die Briten den K√ľstenstreifen zur Kronkolonie. Das Aschantigebiet im Innern des Landes und auch die so genannten ‚ÄěN√∂rdlichen Territorien‚Äú wurden 1901 endg√ľltig annektiert und vom Gouverneur in Accra direkt verwaltet. Einigen K√ľstenst√§dten wurde bereits Mitte des 19.¬†Jahrhunderts indigene Gemeinder√§te zugestanden. 1925 kam es unter Gouverneur Gordon Guggisberg zu einer Verfassungsreform. Im Aschantiland und in den Nordterritorien wurde die indirect rule eingef√ľhrt. Die dortigen traditionellen Oberh√§upter waren dem Gouverneur in Accra direkt unterstellt. In der eigentlichen Colony an der K√ľste wurde ein Legislativrat mit 29¬†Mitgliedern eingef√ľhrt, in welchem erstmals neun Afrikaner vertreten waren. F√ľr Ghana bedeutete die Kolonialisierung nicht nur schlechtes, denn der Lebensstandard verbesserte sich signifikant, nachdem zu Beginn des 20.¬†Jahrhunderts der Kakaoanbau einsetzte. √Ąhnliches l√§sst sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg erkennen. Insgesamt weist Ghana zu diesen Zeiten bessere Lebensstandards auf als w√§hrend der Zeit nach der Unabh√§ngigkeit.

Am Zweiten Weltkrieg nahmen √ľber 40.000 Soldaten aus der Goldk√ľste auf der Seite des Britischen Empires teil. Der Gro√üteil davon wurde in S√ľdostasien eingesetzt.

Weg zur Unabhängigkeit

Durch die so genannte Burns-Constitution wurden 1946 den Nordterritorien und dem Aschantiland Sitze im Legislativrat zugesprochen. Die Stellung der traditionellen Oberhäupter wurde dadurch weiter gestärkt.

1947 bildete sich die United Gold Coast Convention Party (UGCC), zu deren Sekret√§r Kwame Nkrumah ernannt wurde. Dieser und weitere F√ľhrer der UGCC wurden ein Jahr sp√§ter nach Unruhen in Accra vor√ľbergehend inhaftiert. Dieses Jahr kann als Wendepunkt in der ghanaischen Geschichte angesehen werden.

In den folgenden zwei Jahren machte vor allem die Nationalbewegung um Kwame Nkrumah ‚Äď der sich inzwischen von der UGCC getrennt und die Convention People‚Äôs Party (CPP) gegr√ľndet hatte ‚Äď von sich reden. Sie organisierte Boykotte, Streiks und forderte von Gro√übritannien das Selbstbestimmungsrecht (‚ÄěSelf-Government Now!‚Äú). 1950 wurde Nkrumah von den Briten inhaftiert. Dennoch konnte die CPP bei den anstehenden Wahlen einen gro√üen Sieg erringen. Die Wahlen im Jahr darauf gewann sie mit √ľberw√§ltigender Mehrheit. Nkrumah wurde von Gouverneur Charles Noble Arden-Clarke (1949‚Äď1957) freigelassen und umgehend in die Regierung aufgenommen. Seit 1952 war er Premierminister.

Unter britischer Verwaltung wurde 1954 das aktive und passive Frauenwahlrecht eingef√ľhrt. In der Praxis behinderten die komplizierten Wahlvorschriften auch nach dem Erlangen des Rechts einer beschr√§nkten Selbstverwaltung (au√üer im Norden) 1951 und nur Mabel Dove Danquah gelang es, 1954 in das koloniale gesetzgebende Gremium gew√§hlt zu werden.

Wiedererlangen der Unabhängigkeit

Am 6.¬†M√§rz 1957 wurden die britische Kronkolonie Goldk√ľste und Britisch-Togoland unter dem Namen Ghana unabh√§ngig. Im Mai 1956 hatte sich in Britisch-Togoland, also in dem seit dem Ende des Ersten Weltkriegs unter britischer Verwaltung stehenden Teil der ehemaligen deutschen Kolonie Togo, in einer Volksabstimmung eine Mehrheit f√ľr den Anschluss an den neuen Staat entschieden.

Der 6.¬†M√§rz wurde bewusst als Tag der Unabh√§ngigkeitserkl√§rung gew√§hlt, da am 6.¬†M√§rz 1844 die Fanti-F√∂deration einem Vertrag mit den Briten zugestimmt hatte, durch den die F√∂deration zu einem britischen Protektorat wurde. Das Aschantiland und die Northern Territories wurden erst 1901 endg√ľltig von Gro√übritannien annektiert.

Nach der wiedererlangten Unabh√§ngigkeit wurden die Verbindungen mit Gro√übritannien jedoch nicht gekappt. Ghana wurde als erstes schwarzafrikanisches Land Vollmitglied im Commonwealth of Nations ‚Äď von 1957 bis 1960 als Commonwealth Realm, seither als Republik.

Das Frauenwahlrecht wurde bei der Unabhängigkeit 1957 bestätigt.

Zeit der Militärputsche

In den Jahren 1966, 1972, 1978 und 1979 putschte das Milit√§r. Auch die Milit√§rregierungen wurden der Schwierigkeiten nicht Herr. Unter der Herrschaft der kleptokratischen Milit√§rjunta von Ignatius Kutu Acheampong geriet das Land noch weiter in die Schuldenfalle. Korruption und Willk√ľr bestimmten in den 1970er-Jahren die Politik des Landes. 1981 putschte der Luftwaffenhauptmann Jerry Rawlings, nachdem er zwischenzeitlich die Macht an eine demokratisch gew√§hlte Regierung zur√ľckgegeben hatte, ein zweites Mal und herrschte zun√§chst diktatorisch. Eine 1985 mit Burkina Faso vereinbarte Westafrikanische Union scheiterte 1987. W√§hrend seiner Herrschaft verhalf Rawlings Ghana unter anderem mit Hilfe von Weltbank und IWF wieder zu wirtschaftlicher Stabilit√§t.

Demokratische Entwicklung

1992 gab Jerry Rawlings Ghana eine demokratische Verfassung, in der freie Wahlen, Meinungs- und Pressefreiheit, das Recht auf k√∂rperliche Unversehrtheit und die Gleichheit vor dem Gesetz garantiert wurden. Das Einparteiensystem wurde abgeschafft. Die von der UNO festgeschriebenen Menschenrechte wurden ebenso anerkannt. Nach den Wahlen 1993 und 1996 herrschte Rawlings als gew√§hlter Pr√§sident weiter. Nachdem Rawlings laut Verfassung bei den Wahlen 2000 nicht ein drittes Mal antreten durfte, gewann John Agyekum Kufuor (NPP) die Wahl gegen den fr√ľheren Vizepr√§sidenten John Atta Mills (NDC). Kufuor wurde bei den Wahlen im Dezember 2004 im Amt best√§tigt. Im Jahr 2008 fanden erneut freie demokratische Wahlen statt. Aus Verfassungsgr√ľnden konnte sich Pr√§sident Kufuor nicht mehr zur Wahl stellen. Den ersten Wahlgang am 7.¬†Dezember hatte Nana Akufo-Addo gewonnen, aber die absolute Mehrheit verfehlt. In der folgenden Stichwahl setzte sich NDC-Politiker Atta-Mills mit 50,23¬†Prozent der Stimmen durch, w√§hrend Akufo-Addo nur auf 49,77¬†Prozent kam, so die Wahlkommission Anfang Januar 2009. Am 24.¬†Juli 2012 verstarb John Atta Mills unerwartet in Accra. Der bisherige Vizepr√§sident John Dramani Mahama legte am selben Tag den Amtseid als Nachfolger ab. Im Dezember 2012 wurde Mahama mit 50,7¬†Prozent der Stimmen im Amt best√§tigt, sein Herausforderer Akufo-Addo erhielt 47,8¬†Prozent der Stimmen. Bei den Wahlen am 7.¬†Dezember 2016 traten insgesamt sieben Pr√§sidentschaftskandidaten an, darunter der bisherige Pr√§sident John Mahama und der oppositionelle Kandidat Nana Akufo-Addo. Akufo-Addo erhielt 53,85¬†Prozent der Stimmen, Mahama kam auf 44,40¬†Prozent. Damit verlor zum ersten Mal in der Geschichte Ghanas ein amtierender Pr√§sident sein Amt durch eine demokratische Wahl. Am 7.¬†Januar 2017 wurde Akufo-Addo als Pr√§sident vereidigt.

Politik

Politisches System

Ghana erhielt am 6. März 1957 als erstes Land Afrikas die Unabhängigkeit von Großbritannien. Seither gab es verschiedene Phasen der Demokratie und militärischer Putsche. Seit dem 7. Januar 1993 besteht die bisher als stabil bewertete vierte Republik in der Form einer Präsidialrepublik im Commonwealth mit einem Einkammerparlament. Seit den Wahlen von 2012 wurde die Anzahl der Parlamentssitze von 230 auf 275 angehoben. Die Judikative ist streng von den anderen beiden Staatsgewalten getrennt. Das Mehrheitswahlrecht bevorzugt die beiden großen Parteien im Lande, die beinahe alle Sitze im Parlament und den regionalen Vertretungen innehaben. Obwohl Ghana Mitglied des Commonwealth of Nations ist, wird das Land als Präsidialrepublik organisiert.

Parlament und Pr√§sident werden f√ľr eine Amtszeit von jeweils vier Jahren direkt vom Volk gew√§hlt. Sitz des Pr√§sidenten ist die ehemalige Sklavenburg Osu Castle an der K√ľste der Hauptstadt Accra.

Die Verfassung Ghanas garantiert der Bev√∂lkerung neben den umfassenden Menschenrechten insbesondere die Freiheit, sich zu versammeln und Parteien und Gewerkschaften zu gr√ľnden. Eine Vielzahl von Parteien, die nach der Verfassung allerdings nationale und keine lokalen Interessen oder Interessen von einzelnen Ethnien zu vertreten haben, wurde in der Vergangenheit gegr√ľndet. Zurzeit sind zehn Parteien registriert. Unter dem Trade Union Congress (TUC) sind 16 Einzelgewerkschaften Ghanas zusammengefasst.

Ghana ist in 16 Regionen unterteilt, die eine eigene Gerichtsbarkeit, eine regionale Regierung und eine eigene Verwaltung stellen. Diese Regionen sind in 216 kleinere Distrikte unterteilt, die in ihrem Bereich durch lokal ans√§ssige Verwaltungseinheiten zur Machtverteilung im Land beitragen und auch der gro√üen ethnischen Breite der Bev√∂lkerung in kleinen Einheiten besser Rechnung tragen k√∂nnen. F√ľr Gesetzgebung auf regionaler Ebene ist das ‚ÄěHouse of Chiefs‚Äú zust√§ndig. Dabei vertreten die sogenannten ‚ÄěH√§uptlinge‚Äú (Chiefs) ihre jeweilige Abstammungslinie analog zum Organisationssystem des vorkolonialen Aschantireichs. Diese Chiefs haben auf lokaler Ebene viel Macht und haben die Rolle von Schlichtern inne. Die Rolle der Chiefs ist in der Verfassung von 1992 verankert.

Im Demokratieindex 2019 der britischen Zeitschrift The Economist belegt Ghana Platz 55 von 167 L√§ndern und gilt als eine ‚Äěunvollst√§ndige Demokratie‚Äú. Im L√§nderbericht Freedom in the World 2017 der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation Freedom House wird das politische System des Landes als ‚Äěfrei‚Äú bewertet. Das Land z√§hlt damit zu den freisten innerhalb Afrikas.

Politische Parteien

Im Jahr 2003 gab es offiziell zehn registrierte Parteien, von denen bei der Parlamentswahl 2013 vier in das Einkammerparlament mit 275 Sitzen gew√§hlt wurden. St√§rkste Partei war die Partei National Democratic Congress (NDC) mit 146 Sitzen, als st√§rkste Oppositionspartei erhielt die New Patriotic Party (NPP) 121 Sitze; jeweils 1 Sitz entfiel auf die People‚Äôs National Convention (PNC) sowie die Convention People‚Äôs Party (CPP), daneben gab es drei parteilose Parlamentsmitglieder. Bei den Wahlen am 7. Dezember 2016 entfielen 169 Sitze auf die NPP und 106 Mandate auf den NDC. Andere Parteien sind nicht mehr im Parlament vertreten. Die Verfassung bezeichnet die Parteien ausdr√ľcklich als meinungs- und willensbildend im Rahmen des politischen Prozesses.

Menschenrechte

Im Jahresbericht 2009 der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wird unter anderem bem√§ngelt, dass die Strafjustiz zu langsam arbeite und die Gef√§ngnisse √ľberf√ľllt sind. Auch der Umstand, dass keine Schritte zur Abschaffung der Todesstrafe unternommen wurden, findet in dem Bericht Erw√§hnung. In Ghana werden laut Amnesty International j√§hrlich tausende Menschen Opfer rechtswidriger Zwangsr√§umungen oder waren von Zwangsr√§umung bedroht.

Laut einer Ende 2020 ver√∂ffentlichten Studie der Universit√§t Chicago gehen in Ghana und der Elfenbeink√ľste ‚Äď alleine in der Kakaoproduktion ‚Äď mehr als 1,5 Millionen Minderj√§hrige Kinderarbeit nach.

Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen ist an der Tagesordnung, obwohl neue Gesetze eigentlich zu einer Besserung der Situation beitragen sollten. Sch√§tzungen zufolge war jede dritte Frau von famili√§rer Gewalt betroffen. Das seit 2007 geltende Gesetz gegen famili√§re Gewalt zeigte offensichtlich noch keine Wirkung. Auch die weibliche Genitalverst√ľmmelung findet Anwendung.

In Ghana f√§llt das Problem der ‚ÄěHeimsklaverei‚Äú auf. In einigen Gebieten Ghanas werden vor allem M√§dchen aufgrund der Verschuldung der Eltern von wohlhabenden Personen als Pfand beansprucht oder mit dem Versprechen auf Ausbildung und Jobs ausgebeutet.

Homosexualit√§t unter M√§nnern ist illegal und wird strafrechtlich verfolgt. Menschen, die zu sexuellen Minderheiten (LGBT) geh√∂ren, werden massiv diskriminiert, gedem√ľtigt und mitunter von der Polizei erpresst. Homosexuelle M√§nner sind in Gef√§ngnissen oft sexuellen und sonstigen k√∂rperlichen Misshandlungen ausgesetzt.

Laut einem im Jahr 2009 ver√∂ffentlichtem Bericht des US-Au√üenministeriums gibt es gesellschaftliche Diskriminierung gegen√ľber Menschen mit Behinderungen. Auch gebe es gesellschaftliche Diskriminierung gegen√ľber Menschen mit HIV/AIDS. Der Bericht erw√§hnt auch Handel mit Frauen und Kindern, ethnische Diskriminierung, politisch und ethnisch motivierte Gewalt sowie Kinderarbeit einschlie√ülich Zwangsarbeit von Kindern.

Dennoch wird dem Land von europäischen Beobachtern, verglichen mit den Nachbarländern, eine relativ hohe Beachtung der Menschenrechte attestiert.

Außenpolitik

Die aktuelle Au√üenpolitik orientiert sich an den westlichen Staaten, vor allem an den USA. Ghana hat ein gro√ües Gewicht in Westafrika und gilt als stabilisierender Faktor. Die Regierungen Ghanas haben in der Vergangenheit mehrfach internationale humanit√§re und milit√§rische Eins√§tze unterst√ľtzt. Es besteht eine teilweise langj√§hrige Mitgliedschaft in vielen internationalen Organisationen. Seit 1957 ist das Land Mitglied der Vereinten Nationen, deren ehemaliger Generalsekret√§r Kofi Annan geb√ľrtiger Ghanaer ist, und im Commonwealth of Nations. Ghana war 1963 eines der Gr√ľndungsmitglieder des OAE, der Vorg√§ngerorganisation der Afrikanischen Union. Weitere Mitgliedschaften bestehen bei dem EG-AKP Abkommen zwischen der EU und einigen afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten, der Welthandelsorganisation, der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS, der UNESCO, der Weltgesundheitsorganisation, der Internationale Arbeitsorganisation, der Ern√§hrungs- und Landwirtschaftsorganisation und dem Internationalen W√§hrungsfonds.

Das Land hat an vielen Friedensmissionen der Vereinten Nationen teilgenommen, unter anderem in Afrika in Burundi, der Elfenbeink√ľste, der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda, im Kosovo und im Libanon.

Militär

Ghana verf√ľgt √ľber eigene Streitkr√§fte mit insgesamt etwa 14.000 Soldaten. Die Streitkr√§fte sind gegliedert in Heer, Marine, und Luftwaffe. Es besteht keine gesetzliche Wehrpflicht. Das ghanaische Milit√§r war in den drei Jahrzehnten nach der Unabh√§ngigkeit Ghanas an mehreren Milit√§rputschen beteiligt.

Accra ist Sitz des Verteidigungsministeriums sowie Sitz des Hauptquartiers der milit√§rischen F√ľhrung der Streitkr√§fte. Am Flughafen Accra wird von der Luftwaffe ein milit√§rischer Teil genutzt. In Tamale und in Takoradi befinden sich Milit√§rst√ľtzpunkte sowie Milit√§rflugpl√§tze. In Kumasi wurde eine Versorgungseinheit eingerichtet. Die Marineeinheiten sch√ľtzen die Gew√§sser im Inland (Volta-See) sowie die Fischereiinteressen und milit√§rischen Zonen im Atlantik.

Das Waffeninventar der ghanaischen Streitkr√§fte ist ein Mix aus russischer, chinesischer und westlicher Ausr√ľstung. Die Spitzenlieferanten von R√ľstungsg√ľtern seit 2010 sind China, Deutschland, Spanien und Russland. Die Staatsausgaben f√ľr das Milit√§r liegen mit 0,4¬†% der Wirtschaftsleistung auf sehr niedrigen Niveau (Platz 151 im Jahr 2019).

Ghana ist Mitglied der Vereinten Nationen und engagiert sich seit mehreren Jahrzehnten bei UN-Friedensmissionen. Das Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre (KAIPTC) wurde in der N√§he von Accra eingerichtet und dient der Ausbildung und Schulung von Personal f√ľr den Friedenseinsatz. J√§hrlich werden hier Personen aus dem Milit√§r, der Polizei oder Justiz aus Ghana und anderen westafrikanischen L√§ndern f√ľr die Durchf√ľhrung von Friedensmissionen weitergebildet, wobei auch Ausbilder aus Deutschland eingesetzt werden.

Verwaltungsgliederung

Ghana gliedert sich seit Februar 2019 in 16 Regionen mit jeweils einem ‚ÄěRegional Minister‚Äú an der Spitze.

Die einzelnen Regionen untergliedern sich wiederum in kleinere Bezirke, die so genannten districts. Zunächst gab es 110 Distrikte, doch wurde diese Zahl in einer Verwaltungsreform auf nunmehr 260 (Stand 2019) angehoben.

Größte Städte

Die größten Städte in Ghana waren (nach Daten der Volkszählung):

Accra ist die gr√∂√üte Stadt des Landes und zugleich Hauptstadt mit Regierungssitz. Die K√ľstenstadt Accra ist ein Schmelztiegel beinahe aller in Ghana vertretenen Ethnien sowie zahlreicher Ausl√§nder.

Kumasi liegt etwa 220¬†km von der K√ľste entfernt im Landesinneren und ist nicht nur die zweitgr√∂√üte Stadt des Landes, sondern auch Hauptstadt der gr√∂√üten Volksgruppe, der Aschanti. Das √ľber 300 Jahre alte Kumasi ist eine der traditionsreichsten St√§dte des Landes und wird aufgrund seiner Gr√ľnanlagen und Stra√üenbegr√ľnungen von den Ghanaern auch Gardentown genannt. Als Verwaltungshauptstadt der Aschanti-Region ist Kumasi ein wichtiges Kultur-, Handels- und Verwaltungszentrum f√ľr das gesamte Land. In Kumasi lebt der Asantehene, das traditionelle ‚Äď und immer noch einflussreiche ‚Äď Oberhaupt der Aschanti.

Tamale, die Hauptstadt der Northern Region, ist die mit Abstand gr√∂√üte Stadt des gesamten Nordens. Anders als Accra und Kumasi, deren Bev√∂lkerung √ľberwiegend aus Anh√§ngern christlicher Glaubensrichtungen besteht, leben in Tamale √ľberwiegend Muslime.

Die St√§dte Sekondi und Takoradi werden h√§ufig als eine Stadt genannt, da sie inzwischen nahezu zusammengewachsen sind. Die Stadtkerne liegen kaum zehn Kilometer auseinander. Man spricht auch von der ‚ÄěZwillingsstadt‚Äú Sekondi-Takoradi. In Takoradi sowie in Tema (bei Accra) liegen die beiden einzigen √úberseeh√§fen des Landes. Ihr Wachstum beruht auf der sich hier ansiedelnden Industrie und den stetig zuwandernden Menschen auf der Suche nach Arbeit.

Die Stadt Ashaiman war noch vor 60 Jahren lediglich ein kleines Fischerdorf. Ihre Entwicklung hat im Besonderen mit dem Bau der vollst√§ndig aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten geplanten Stadt Tema als √úberseehafen zu tun. Viele Menschen nutzten Ashaiman mit den g√ľnstigeren Mieten als Wohnort aufgrund seiner N√§he sowohl zu Tema als auch zur Hauptstadt Accra. Dieser Ort zieht Landfl√ľchtlinge auf der Suche nach Arbeit und g√ľnstigem Wohnraum an.

Wirtschaft

Basisdaten

Das Bruttosozialprodukt hatte im Jahr 2016 eine Höhe von 43,264 Mrd. Euro und war damit laut IMF auf Platz 86 weltweit.

Ghana ist trotz der Ansätze zur Industrialisierung insgesamt ein Agrarland. Die Landwirtschaft trug 2015 21,1 Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Etwa 56 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft und Fischerei tätig, meistens im Rahmen von Subsistenzwirtschaft, also als Selbstversorger.

Die wirtschaftliche Gesamtsituation hat sich seit dem Jahr 2001 etwas stabilisiert. Die Regierung schloss sich im Jahr 2004 dem Entschuldungsprogramm der Weltbank und des Internationalen W√§hrungsfonds f√ľr die am h√∂chsten verschuldeten L√§nder an. Es erreichte den so genannten Completion Point unter der erweiterten HIPC-Initiative zur Entschuldung der am h√∂chsten verschuldeten Entwicklungsl√§nder. Weitgehend wurde Ghana durch die verschiedensten multi- und bilateralen Gl√§ubiger von seinen Schulden freigestellt (Die Gesamtentlastung Ghanas betrug 7,4 Milliarden US-Dollar). Deutschland erlie√ü die Schulden mit einem Nominalwert von 1,49¬†Millionen US-Dollar Handelsforderungen und 169¬†Millionen US-Dollar aus der finanziellen Zusammenarbeit vollst√§ndig.

Die Wirtschaftspolitik gilt als schl√ľssig. Noch 2003 belief sich der Anteil der Bev√∂lkerung mit einem Einkommen von weniger als einem US-Dollar pro Tag auf 45¬†Prozent. Von 2002 bis 2013 hat sich das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf jedoch von 312 auf 1858¬†US-Dollar versechsfacht. Weniger als 30¬†Prozent der Bev√∂lkerung gilt als arm; es gibt eine wachsende Mittelschicht. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung von 2016 steht Ghana auf dem 139. Platz von 187 L√§ndern. Im Weltbank-Bericht ‚ÄěDoing Business 2010‚Äú, der das Investitionsklima in 181 L√§ndern misst, liegt Ghana auf Platz 92 und hat sich damit gegen√ľber dem Vorjahr um f√ľnf R√§nge verschlechtert. Die Wachstumsrate der letzten Jahre (bis 2014) betrug im Durchschnitt 6 bis 7 Prozent.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Ghana 111 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). In der Rangliste von 2017 gem√§√ü dem Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit liegt Ghana auf Platz 118 von 180. Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International lag Ghana 2017 von 180 L√§ndern zusammen mit Indien, Marokko und der T√ľrkei auf dem 81. Platz, mit 40 von maximal 100 Punkten.

Wirtschaftsbeziehungen

Seit dem 23. November 1998 ist das ghanaisch-deutsche Investitionsschutzabkommen in Kraft. Zudem wurde ein Doppelbesteuerungsabkommen am 2. August 2004 unterzeichnet, welches zum 14. Dezember 2007 in Kraft getreten ist.

Deutschland und Ghana hatten 2008 ein Handelsvolumen von etwa 291¬†Mio.¬†Euro. Im Vergleich zwischen den Exporten Deutschlands von 192,9¬†Millionen Euro nach Ghana und den entsprechenden Importen von 98,3¬†Millionen Euro besteht zu Gunsten Deutschlands ein Handels√ľberschuss von etwa 94,6¬†Millionen Euro.

Es existiert eine deutsche Auslandshandelskammer, die als Delegation der Deutschen Wirtschaft in Ghana in Accra ansässig ist. Ihr Arbeitsschwerpunkt bildet die Versorgung mit Energie, besonders mit erneuerbaren Energien. Hierzu organisiert sie seit 2009 jährlich im November die West African Clean Energy and Environment Exhibition and Conference (WACEE).

Rohstoffe

Bis zur Erschlie√üung der kalifornischen Goldfelder 1850 war die Goldk√ľste einer der gro√üen Goldproduzenten der Welt. Trotz des eher bescheidenen Anteils an der Weltgoldproduktion ist Gold f√ľr das heutige Ghana nach wie vor ein sehr wichtiger Rohstoff, denn der Goldexport hat einen Anteil am Gesamtexport Ghanas von etwa 32¬†Prozent.

Weitere mineralische Rohstoffe des heutigen Ghana sind Erd√∂l, Diamanten (gr√∂√ütenteils Industriediamanten), Bauxit, Mangan und Kalkstein. 2007 wurden Erdgasvorkommen vor der K√ľste Ghanas entdeckt, 2008 auch Erd√∂l, das seit 2010 gef√∂rdert wird. Mit der F√∂rderung lie√ü auch die Haushaltsdisziplin nach. Zudem fiel der √Ėlpreis 2014 stark, so dass die Erl√∂se gerade noch ausreichen, um ein Viertel der Zinszahlungen der Staatsschulden zu begleichen.

F√ľr den Export bestimmte landwirtschaftliche G√ľter sind insbesondere Kakao, Zuckerrohr, Kaffee, Tee und Kautschuk. Diese landwirtschaftlichen Produkte werden in gro√üen Plantagen in Monokulturen angebaut. Die Grundz√ľge f√ľr diesen Wirtschaftszweig legten schon die Kolonialherren. Diese Grundstoffe werden, nunmehr zu h√∂herwertigen Waren umgewandelt, wieder importiert wie z.¬†B. Instant-Kaffee, Beutel-Tee, Schokolade, W√ľrfelzucker, Autoreifen. Nach der Elfenbeink√ľste ist Ghana der zweitgr√∂√üte Produzent von Kakao (20¬†Prozent). Es gibt etwa eine Million Kakaobauern sowie drei Millionen Erntehelfer. Wildkautschuk (1880‚Äď1890) und die Kakaowirtschaft (Landwirtschaft, Handel, Transport der Bohnen) waren bereits vor 1900 Haupttreiber f√ľr eine h√∂here Kaufkraft. Die Ostprovinz der Goldk√ľstenkolonie war zu dieser Zeit der fr√ľheste und gr√∂√üte Kakaoproduzent, die Exporte von Ashanti-Kakao nahmen jedoch bis 1917 rasch zu.

Von den traditionellen Produkten wurde in der Vergangenheit zugunsten anderer landwirtschaftlicher Produkte immer weiter abger√ľckt. So werden in der Landwirtschaft nunmehr auch Ananas, Tabak, Bananen, Palmkern√∂l, getrocknete Kokosfaser, Kolan√ľsse, Sheabutter und Baumwolle produziert. Steigende Bedeutung erlangte die Fleischverarbeitung.

Das Land ist der drittgr√∂√üte Lieferant von Hartholz und anderen Holzprodukten in Afrika und Deutschlands gr√∂√üter Lieferant f√ľr Holzprodukte. Es werden 23 Edelholzarten geschlagen, darunter Mahagoni, Kokrodua, Utile, auch Sipo-Mahagoni genannt, und Sapeli. Es ist verboten, unverarbeitetes Holz zu exportieren. Mit diesem Verbot soll die heimische Holzwirtschaft gest√ľtzt werden. 1999 wurden etwa 475.000 Tonnen Holz und Holzprodukte exportiert, insgesamt machte dieser Wirtschaftszweig 10¬†Prozent der gesamten Exportums√§tze aus.

Die Fischerei als traditioneller Wirtschaftszweig ist zunehmend bedroht. In den k√ľstennahen Gew√§ssern und teilweise auch im Bereich der Hohen See gehen die Fischbest√§nde zur√ľck. In den Fischereih√§fen Sekondi-Takoradi und Tema gibt es eine moderne Hochseeflotte. Die Fischm√§rkte des Landes werden jedoch mehrheitlich von Fischereigenossenschaften beliefert, dieser Fischhandel hat sich inzwischen zu einer Dom√§ne der Frauen entwickelt. Fisch wird auch in die westafrikanischen Nachbarl√§nder exportiert. Haupts√§chlich werden Heringe, Barrakudas, Thunfische, Makrelen und Haie gefangen.

Über Meerwasserentsalzungsanlagen wird Salz gewonnen. Dieser Rohstoff nimmt eine immer wichtiger werdende Stellung in der Exportwirtschaft ein. Jährlich werden ungefähr 600.000 Tonnen exportiert.

Importiert werden vor allem Maschinen, Transportausr√ľstungen, Brennstoffe und Nahrungsmittel, insbesondere Fleisch und Reis.

Energie

Im Jahr 2010 bestand eine Produktionskapazit√§t von 6,489 Milliarden Kilowattstunden elektrische Energie und ein Bedarf von 7,095 Milliarden Kilowattstunden. Der Gro√üteil des Stromes stammt aus Wasserkraftwerken (5,57 Milliarden kWh, etwa dem Akosombo-Staudamm), der Rest aus meist √∂lbefeuerten W√§rmekraftwerken. Die staatliche Volta River Authority erzeugt und √ľbertr√§gt den gr√∂√üten Teil des Stromes, daneben existieren die Takoradi International Company und kleinere Erzeuger. Verteilung und Abrechnung liegen bei den beiden staatlichen Unternehmen Electricity Company of Ghana und Northern Electricity Department. Nach der durch starke Trockenheit ausgel√∂sten Stromkrise 2006/2007 unternahm die Regierung Anstrengungen, ihre Kapazit√§t bei Wasser-, √Ėl- und Gaskraftwerken auszubauen. 2007 wurde diskutiert, bis zum Jahr 2018 ein Kernkraftwerk mit 400¬†MW Leistung zu errichten. Von China wurde f√ľr 600¬†Millionen Dollar am s√ľdlichen Ende des Bui-Nationalparks ein Staudamm errichtet. Die Turbinen des Bui-Staudamms haben eine Leistung von insgesamt 400¬†MW. Das Wasserkraftwerk ging 2013 in Betrieb.

Zur Versorgung der Gaskraftwerke k√§me nigerianisches Gas, das √ľber die westafrikanische Gaspipeline geliefert werden soll, zum Einsatz. Die Versorgung mit Gas ist nicht sichergestellt, wie das Beispiel des von chinesischen Investoren gebauten 560¬†MW Sunon Asogli Gaskraftwerks zeigte (1.¬†Stufe 200¬†MW ist seit 2009 fertiggestellt; 2.¬†Stufe ist gerade im Bau), welches aufgrund von Gasmangel nicht wie geplant in Betrieb genommen werden konnte.

√úbersch√ľssige Energie wurde eine Zeit lang von Ghana in die Nachbarl√§nder Elfenbeink√ľste, Burkina Faso und Mali exportiert. Seit 2014 steckt Ghana jedoch erneut wie schon 2006/2007 in einer schweren Energiekrise. Aufgrund des starken Wirtschaftswachstums der letzten Jahre und wegen des f√ľr Afrika √ľberdurchschnittlichen Elektrifizierungsgrades sowie aufgrund von √úbertragungsverlusten im ineffizienten Stromnetz √ľbersteigt der Energiebedarf die Produktion um ca. 50¬†Prozent. Die Ausbeute der Erdgasvorkommen verz√∂gerte sich. Goldminen, Getr√§nkeindustrie und Tierk√∂rperverarbeitung sind besonders betroffen, hier kommt es durch die Energieknappheit zu Entlassungen. Der staatliche Stromproduzent, die Volta River Authority ist stark verschuldet.

Industrie

Nur etwa ein Viertel des Wirtschaftsvolumens ist bisher der Industrie zuzuschreiben. Um die Abh√§ngigkeit von Importen f√ľr h√∂her verarbeitete Waren zu reduzieren, wurde und wird versucht, den industriellen Sektor weiter auszubauen. Von Bierbrauereien √ľber Textilbetriebe bis hin zu Lebensmittel verarbeitenden Betrieben erstreckt sich die Bandbreite der Leichtindustrie. Besonders im Gro√üraum Accra finden sich die Standorte der Schwerindustrie. Hier werden Stahl, Aluminium (aus dem Rohstoff Bauxit), Zement und √Ėle hergestellt. Mittlerweile arbeiten etwa 15¬†Prozent der Erwerbst√§tigen in der Industrie.

Tourismus

Ein Sektor, der f√ľr die wirtschaftliche Zukunft Ghanas zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist der Tourismus. Hinsichtlich seiner Entwicklung hat im Jahre 1996 die ghanaische Regierung einen auf 15 Jahre angesetzten Integrated National Tourism Development Plan initiiert, mit dem versucht werden soll, die Zahl der allj√§hrlich Ghana besuchenden Touristen auf 1¬†Million im Jahre 2020 zu steigern. Ghanas touristische Attraktionen sind die Str√§nde der Atlantikk√ľste, Naturparks und Wildtierreservate, traditionelle Festivals und die alten Europ√§erforts an der K√ľste. Gerade unter Afroamerikanern hat Ghana aufgrund der Geschichte des Sklavenhandels eine gro√üe touristische Bedeutung. Besonders im K√ľstenbereich ist bereits eine nennenswerte Tourismusindustrie mit kleineren und mittelgro√üen Hotelanlagen entstanden. Die Bettenkapazit√§t liegt bei ca. 10.000 Betten und steigt stetig an. Haupttourismuszentren sind die Regionen um Accra f√ľr den Badetourismus, Elmina und Cape Coast aufgrund der historischen Vergangenheit sowie Kumasi. Daneben wird aber auch z.¬†B. das Volta-Delta bevorzugt von Wassersportlern und Vogelkundlern besucht. √Ėkotourismus gewinnt in Ghana zunehmend an Bedeutung.

Außenhandel

Ghana exportiert vor allem Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse w√§hrend gleichzeitig √ľberwiegend industrielle G√ľter importiert werden. 2015 waren die Hauptlieferanten Ghanas China (32,6¬†% der Importe), Nigeria (14,1¬†%), Niederlande (5,5¬†%) und die Vereinigten Staaten (5,5¬†%). Das Land exportierte vorwiegend nach Indien (27,4¬†% der Exporte), die Schweiz (11,8¬†%), China (10,2¬†%) und Frankreich (5,5¬†%). Ghana hatte ein Au√üenhandelsdefizit in H√∂he von ca. 6¬†% des Bruttoinlandsprodukts.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 11,55¬†Milliarden US-Dollar. Dem standen Einnahmen von umgerechnet 9,06¬†Milliarden US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 5,7¬†Prozent des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2016 31,3¬†Mrd. US-Dollar oder 72,4¬†Prozent des BIP (zum Vergleich: vor der Finanzkrise 2007 nur 26¬†Prozent). Im Februar 2020 verk√ľndete Pr√§sident Nana Addo Dankwa Akufo-Addo beim Staatsbesuch in Bern (Schweiz), dass Ghana in Zukunft ohne Entwicklungshilfe auskommen will.

Aufwendungen im Staatshaushalt 2009

Infrastruktur

Das Land besitzt f√ľr ein westafrikanisches Land ein gut ausgebautes Verkehrsnetz, mit allen bekannten Verkehrsmitteln.

Straßenverkehr

Das Stra√üennetz wurde bisher auf √ľber 109.515 Kilometer ausgebaut. Davon sind etwa 13.787 Kilometer asphaltiert, jedoch von unterschiedlicher Qualit√§t und in teilweise erneuerungsbed√ľrftigem Zustand. Die wichtigsten Stra√üen sind die K√ľstenstra√üe, die Accra zum einen mit Togo und zum anderen mit Elfenbeink√ľste verbindet. Alle St√§dte an der K√ľste werden hier√ľber verbunden. Ferner ist als Nord-S√ľd-Achse eine Hauptstrecke √ľber Kumasi und eine weitere Nord-S√ľd-Achse √ľber den Volta-Fluss geleitet worden, um die Gebiete √∂stlich des Volta-Sees in die Infrastruktur einzubinden.

Eine sehr gut ausgebaute geb√ľhrenpflichtige Autobahn verbindet Accra und den wichtigsten Hafen Tema.

Das Stra√üennetz wird haupts√§chlich von privaten Pkw und Tro-Tro genannten Kleinbussen, aber auch Bussen und Lkw befahren, seltener von Zweir√§dern. Auch in den St√§dten sind Fahrr√§der trotz der hohen Kosten f√ľr Kraftstoffe selten zu finden. Fahrr√§der haben jedoch in den n√∂rdlichen Gebieten eine weite Verbreitung gefunden.

In den letzten Jahren waren die Stra√üen in den St√§dten und der Hauptverkehrsstra√üen h√§ufig zu den Sto√üzeiten v√∂llig √ľberlastet. Der weit √ľberwiegende Teil der PKW besteht aus alten, in Europa und Amerika bereits ausrangierten, Gebrauchtwagen. Mehrere Gesellschaften (z.¬†B. STC) bieten Transitfahrten in die gr√∂√üten St√§dte des Landes in relativ modernen √úberlandbussen an. Allerdings ist auch hier mit Ausf√§llen zu rechnen, da die Zahl der Busse den derzeitigen Anforderungen nicht gen√ľgt.

F√ľr breite Teile der Bev√∂lkerung ist der Kleinbus Tro-Tro das Hauptverkehrsmittel. Diese Tro-Tros fassen zw√∂lf bis 35 Personen und kommen in allen Formen und Farben vor. Oft wird das Fahrzeug von einem Wahlspruch vorne auf der Windschutzscheibe oder am Heck geschm√ľckt, der h√§ufig religi√∂sen Charakter hat oder einfach nur der Name des Fahrzeugs ist. Tro-Tros sind innerst√§dtisches Verkehrsmittel, befahren aber auch √úberlandrouten. Beinahe jedes Dorf ist mit Tro-Tros wenigstens einmal am Tag zu erreichen. Auch Routen in die Nachbarl√§nder werden befahren. Tro-Tros haben Sammelpunkte innerhalb der St√§dte und es gibt √ľber das ganze Land verteilt Umsteigepunkte. Ein Tro-Tro startet meist dann, wenn alle Pl√§tze besetzt sind. √úber die Fahrtroute verteilt haben Tro-Tros in der Regel keine weiteren festen Haltestellen. Wer einsteigen will, gibt dem Fahrer ein Zeichen und wird bei freien Pl√§tzen mitgenommen.

Individuelle Massenverkehrsmittel sind auch die zahlreichen Taxis, zu erkennen an den orange beklebten oder lackierten Kotfl√ľgeln, die fast ausschlie√ülich in den St√§dten vorkommen, aber auch √úberlandfahrten machen, wenn dieses individuell vereinbart wird.

Verschiedene Mietwagenanbieter sind √ľberwiegend in Hotels vertreten, jedes Taxi kann auch mitsamt Fahrer als Mietwagen genutzt werden, soweit mit dem Fahrer ein akzeptabler Preis ausgehandelt ist.

Luftverkehr

Ghana hat mit dem Kotoka International Airport in Accra einen internationalen Flughafen, den unter anderem mit Turkish Airlines, KLM, British Airways, Emirates, TAP Portugal, Iberia, Alitalia, Royal Air Maroc und Afriqiyah Airways auch große Fluggesellschaften ansteuern. Neben dem internationalen Personenverkehr wird hier ein wesentlicher Teil des Frachtverkehrs abgewickelt. Der Flughafen soll in den nächsten Jahren zu einem bedeutenden regionalen Hub entwickelt werden.

Der Kotoka International Airport in Accra wurde bis vor wenigen Jahren grundlegend erneuert und modernisiert.

Zwei Gesellschaften haben den Luftverkehr mit Inlandsfl√ľgen seit 2003 wieder aufgenommen. Insgesamt verf√ľgt das Land √ľber neun √∂ffentliche Flugh√§fen, die sich √ľber das ganze Land verteilen und haupts√§chlich dem Inlandsverkehr und dem Warentransport dienen. Folgende St√§dte haben einen Flughafen:

  • Accra
  • Kumasi
  • Sekondi-Takoradi
  • Obuasi
  • Sunyani
  • Wa
  • Bolgatanga
  • Tamale
  • Kade

Der Aufbau einer neuen nationalen Fluggesellschaft ist mit Unterst√ľtzung von Air Mauritius, Ethiopian Airlines oder Africa World Airlines (Stand November 2017) vorgesehen.

Schiffsverkehr

Der Hauptwarenstrom ins Ausland und nach Ghana verl√§uft √ľber die H√§fen in Tema und Sekondi-Takoradi. Im August 2002 wurde in Tema, dem wirtschaftlich wichtigeren der beiden H√§fen, ein modernes Containerterminal mit einer Umschlagskapazit√§t von 40.000 Containern im Jahr errichtet. Der Bau dieses Containerterminals verursachte Kosten in H√∂he von zehn Millionen US-Dollar.

Neben den gro√üen atlantischen H√§fen hat der Volta-See mit seinen Binnenh√§fen eine nicht unbetr√§chtliche Bedeutung. Auf dem Wasser des Volta-Sees werden in alle Richtungen Waren und Personen bef√∂rdert. Auch f√ľr den Tourismus hat der Schiffsverkehr auf dem Volta-See eine Bedeutung. H√§fen am Volta-See sind Kpandu, Kete Krachi, Yeji und Yapei (Tamale Port).

Auf dem Volta-See werden Fährverbindungen betrieben, die häufig mehrmals täglich Personen und leichte Waren befördern.

Schienenverkehr

Ein Erbe aus der Kolonialzeit mit noch ungewissem Schicksal ist das Schienennetz, welches von der Ghana Railway Corporation betrieben wird. Die Schienen wurden in der Kolonialzeit verlegt, um die Rohstoffe und Waren aus dem gesamten s√ľdlichen Land nach Accra zu transportieren, das zum damaligen Zeitpunkt Hauptumschlagplatz f√ľr Waren aller Art war. Im Wesentlichen ist ein dreieckiges Schienennetz entstanden, das sich zwischen Sekondi, Kumasi und Accra spannt.

Die ersten Gleise wurden 1907 zwischen Sekondi und Tarkwa gelegt und in den folgenden Jahren √ľber Dunkwa, Obuasi und Bekwai nach Kumasi verl√§ngert. Von Kumasi wurde die Eisenbahnstrecke ab 1922 in vielen Jahren Arbeit √ľber Konongo, Nkawkaw und Koforidua bis nach Accra ausgebaut. Letztlich wurde von Accra die Bahnlinie parallel zur K√ľste im Inland vorbei an den Ortschaften Akoroso, Achiasi, Foso und Twifo-Praso etwas n√∂rdlich von Tarkwa mit der ersten Linie zwischen Sekondi und Kumasi verbunden.

In den letzten Jahren wurde der Unterhalt des Schienennetzes stark vernachl√§ssigt, so dass 2006 nur noch die Strecke zwischen Kumasi und Sekondi-Takoradi regelm√§√üig befahren wird. Der Zug verkehrt im Zwei-Tagesrhythmus zwischen diesen beiden St√§dten; das hei√üt an einem Tag f√§hrt er von Kumasi nach Sekondi-Takoradi und am anderen Tag wieder zur√ľck.

Aktuell gibt es Planungen, das Schienennetz auszubauen. Insgesamt geht es um die Entwicklung, Wiederherstellung und Erweiterung eines 1500¬†km langen Streckenbereiches, welches in der ersten Stufe von Tema nach Paga durch Accra, Ejisu, Nkoranza, Techniman und Tamale sowie √ľber 350¬†km von Tema nach Kumasi verl√§uft. Die Spurweite soll von Kapspur, 1067¬†mm auf Normalspur, 1435¬†mm ver√§ndert werden, wodurch die Geschwindigkeit von 56¬†km/h auf 160¬†km/h angehoben werden kann. Die erlaubte Achslast soll auf der Westlichen Eisenbahnstrecke auf 16 Tonnen, auf der √Ėstlichen Eisenbahnstrecke auf 14 Tonnen und auf der Zentralen Eisenbahnstrecke auf 25 Tonnen angehoben werden. Das Projekt soll als Public Private Partnership mit der chinesischen NIT Holdings Limited durchgef√ľhrt werden. Der Projektzeitraum ist vom vierten Quartal 2007 bis 2013/2014 angesetzt. Nach 35 Jahren soll das gesamte Schienennetz dem Staat Ghana f√ľr den symbolischen Preis von einem Dollar √ľbergeben werden. NIT Holdings Limited gibt sechs Milliarden US-Dollar als Budget an. Die Machbarkeitsstudie f√ľr dieses Projekt wurde von der Deutschen-Bahn-Tochter DE-Consult durchgef√ľhrt. In den Budgetplanungen des Staates Ghana f√ľr das Jahr 2009 wird angemerkt, dass die Machbarkeitsstudie f√ľr den Westlichen Korridor (Westliche Eisenbahnstrecke, Hafen von Takoradi) im Jahr 2009 abgeschlossen sein wird. Im Jahr 2008 wurde die Machbarkeitsstudie f√ľr das Teilst√ľck des westlichen Korridors von Tema √ľber Akosombo nach Buipe abgeschlossen.

Telekommunikation

Die Verbreitung von Telekommunikation und Computern ist von einem starken Stadt-Land-Gef√§lle gepr√§gt. In den St√§dten wie auf dem Land existieren √∂ffentliche Internetcaf√©s. Der private Internetanschluss ist auch in der Stadt selten. Die meisten Unternehmen haben wenigstens einen Internetzugang und sind in den St√§dten mit Computern ausger√ľstet.

H√§ufig sieht man in den Stra√üen kleine Holzh√§user, in denen ein √∂ffentlicher Telefonanschluss verlegt ist den ein Betreiber beinahe Tag und Nacht gegen Entgelt anbietet, Verbindungen herzustellen oder Anrufe entgegenzunehmen. Dabei handelt es sich meist nicht um einen M√ľnzfernsprecher, sondern um ein normales Telefon, f√ľr dessen Benutzung das Entgelt nach Dauer f√§llig wird. In der Regel sind von diesen Telefonbuden nur nationale Gespr√§che ins Mobil- oder Festnetz m√∂glich, doch es gibt auch fl√§chendeckend diese Telefonh√§uschen mit internationalem Anschluss. Auch zahlreiche M√ľnzfernsprecher sind in den St√§dten zu finden.

Ein Mobilfunknetz besteht in Ghana seit 1992, als die Mobitel mit dem Betrieb eines entsprechenden Netzes begann. Bis 1997 wurden die Basis-Dienste f√ľr die Telekommunikation von der Staatsmonopolgesellschaft Ghana Posts and Telecom Corporation (GPTC) zur Verf√ľgung gestellt. Im Jahre 1995 wurde in Ghana ein Kommunikationsgesetz verabschiedet, was den Weg ebnete, Anfang 1997 ein neues duopoliges Festnetz einzurichten. Gleichzeitig wurde 1995 ein zweiter Operator zugelassen, die ACG (inzwischen Westel Telecom). Einige Jahre sp√§ter erfolgte der Zusammenschluss zwischen Celtel Ghana und Scancom als Antwort auf diese beiden Konkurrenzunternehmen. Ghana Telecom und Westel waren damals vom Staat erm√§chtigt worden, Mobilfunkservices einzurichten, die erstmals zwischen Ende 1999 und Anfang 2000 als Dienstleistung angeboten wurden. Inzwischen wurde die GPTC (zwischenzeitlich in Ghana Telecom umbenannt) privatisiert, den Hauptanteil mit 30¬†Prozent der Anteile hielt im Jahre 2000 die Telecom Malaysia (G-Com of Malaysia). Beide Operatoren besa√üen im Jahre 2000 20-Jahres-Lizenzen f√ľr die wichtigsten Telefon-Dienstleistungen. Die ehemalige Onetouch ist eine Mobilfunksparte von Ghana Telecom, die von Areeba Ghana (ehemals Spacefon) angeboten wird. Die nationalen und internationalen Verbindungen werden von der GS Telecom Ghana realisiert, die ein Ableger der kanadischen GS Telecom ist. Im Jahr 2008 hat der Kommunikations-Konzern Vodafone einen Gro√üteil der Ghana Telecom und deren Mobilfunksparte √ľbernommen. Das Unternehmen firmiert nun unter dem Namen Vodafone Ghana. Seither wird verst√§rkt in den Ausbau der Mobilfunknetze investiert. Mit der √úbernahme wurden erstmals drahtlose Internet-Dienste in einem Gro√üteil des Landes verf√ľgbar, die zuvor vom Internet abgeschnitten waren.

Festnetztelefonie ist in den urbanen Bereichen des s√ľdlichen Ghanas so gut wie fl√§chendeckend m√∂glich, hier bestehen seit Februar 1997 Telekommunikationsangebote von der Capital Telecom, einer 1994 gegr√ľndeten Gesellschaft, die sich vollst√§ndig im Staatsbesitz befindet. Der Telekommunikationssektor Ghanas wird von der 1996 gegr√ľndeten National Communications Authority reguliert.

Internet-Provider waren im Jahre 2000 in Ghana Network Computersystems (NCS), Africa Online und Internet Ghana Limited. Die Internetbenutzung wird vor allem an den Universit√§ten und von der j√ľngeren Generation betrieben. 2016 nutzten 28,4¬†% der Bev√∂lkerung das Internet.

Kultur und Gesellschaft

Neben der Vielzahl verschiedener Sprachen existiert eine Vielfalt an Kulturen. Das Staatsgef√ľge st√ľtzt sich auf ein multi-ethnisches Zusammenspiel der verschiedensten Kulturen, die zu einem Volk zusammengewachsen sind.

Neben den ghanaischen Volksgruppen lebt eine Vielzahl von Minderheiten aus anderen, vor allem afrikanischen Volksgruppen der angrenzenden Staaten, in Ghana. Auch ungef√§hr 6000 Europ√§er und einige Asiaten, vor allem Chinesen, leben √ľberwiegend in Accra und den anderen gr√∂√üeren St√§dten entlang der K√ľste.

Die Mehrheit der Ghanaer wird aber zu der gro√üen, heterogenen Gruppe der Akan gez√§hlt. Die Akan sind traditionell matriarchalisch organisiert, was sich urspr√ľnglich auch erbrechtlich niedergeschlagen hat. So erbte bei dem Tod eines Familienvaters nicht seine Witwe und/oder seine Kinder dessen Verm√∂gen, sondern seine Neffen, also die Kinder der Schwester des Verstorbenen. Dieses traditionelle Muster wird immer weniger anerkannt. Ber√ľhmte Elemente der Akankultur sind beispielsweise die Kente-Stoffe, die Adinkra-Kleidung oder die Goldgewichte der Ashanti.

Frauen nehmen in der ghanaischen Kultur eine selbstbewusste pr√§gende Stellung ein. √úber 80¬†Prozent der ghanaischen Frauen sind neben ihrer eher traditionellen Rolle in den Familien erfolgreich beruflich t√§tig. Nicht selten haben sich Frauen als H√§ndlerinnen, N√§herinnen oder K√∂chinnen einer der vielen Stra√üenk√ľchen ihre wirtschaftliche Selbstst√§ndigkeit erarbeitet.

Oware ist ein weltweit bekanntes Brettspiel, das auch zu den √§ltesten bekannten Spielen geh√∂rt und bereits von fr√ľhester Kindheit von den Ghanaern gespielt wird. Da das Spiel notfalls auch in Erdmulden oder auf gezeichneten Papierkreisen gespielt werden kann, erfreut es sich einer gro√üen Beliebtheit und ist zu einem Nationalspiel geworden. In Ghana gibt es neben der einfachen Oware-Brettform auch ein Spielbrett, das an einen Aschanti-Thron erinnert.

Bedeutende Artefakte ghanaischer Kultur sind im National Museum in Accra zu sehen. Hier werden neben einer wertvollen Sammlung der Goldgewichte der Aschanti auch kostbare Kente-Stoffe ausgestellt. Ebenfalls wichtiger Ausstellungsort der Kulturgeschichte der Aschanti ist in Kumasi das Prempeh II Jubilee Museum und der Manhiya Palace, der ehemalige K√∂nigspalast der Asantehene. In Cape Coast wird im Museum des Cape Coast Castle eine der weltweit umfassendsten Ausstellungen zum Thema Sklaverei ausgestellt. Diese ehemalige Milit√§rburg war eine Sammelstelle f√ľr Sklaven vor der Verschiffung nach Amerika, die hier die ber√ľchtigte ‚ÄěDoor of no Return‚Äú durchschritten.

Medien

Die Bedeutung der Medien in Ghana war lange Zeit eingeschr√§nkt, vor allem da die Printmedien aufgrund der hohen Analphabetenrate kaum genutzt werden konnten. Von der Organisation Reporter ohne Grenzen wurde Ghana 2011 auf der ‚ÄěRangliste der Pressefreiheit‚Äú auf Platz neun aller weltweiten Staaten gef√ľhrt, womit Ghana der bestplatzierte nicht-europ√§ische Staat war. Laut Bericht der Organisation Reporter ohne Grenzen hat Ghana eine vielf√§ltige Medienlandschaft und Kritik an der Regierung ist m√∂glich.

Die National Media Commission (NMC) bezifferte 2006 die Zahl der Zeitungen im gesamten Land auf 450. Allerdings schwankt dieser Wert sehr stark. Insbesondere im Vorfeld von Wahlen erscheinen viele neue Zeitungen und Zeitschriften, die oftmals danach wieder eingestellt werden. Ende 2009 erschienen insgesamt neun Tageszeitungen.

Ghanaian Times und Daily Graphic sind regierungseigene √ľberregionale Zeitungen. Ein gr√∂√üeres Spektrum besteht bei der unabh√§ngigen Tages-, Mehrtages- und Wochenpresse in unterschiedlicher Qualit√§t. Fast alle Zeitungen und Zeitschriften erscheinen auf Englisch. Ausnahmen bilden der Pioneer und Ns…õmpa, die als Regionalzeitungen f√ľr die Ashanti Region auch Artikel auf Akan ver√∂ffentlichen. Als erste sub-saharaische Nachrichtenagentur wurde 1957 die Ghana News Agency (GNA) gegr√ľndet.

Von besonderer Bedeutung waren in der Vergangenheit die nationalen Rundfunksender. Bereits zu Zeiten Kwame Nkrumahs und im Zuge der Milit√§rputsche im Land wurden Themen nationaler Bedeutung √ľber den Rundfunk verbreitet. So rief beispielsweise Col. Emmanuel Kotoka den erfolgreichen Putsch gegen Nkrumah im Radiosender GBC in Accra am 24.¬†Februar 1966 aus. Bei den Radiosendern ist bemerkenswert, dass hier in den letzten Jahren besonders regionale oder lokale Radiosender entstanden, die den nicht englischsprachigen Bereich bedienen. W√§hrend fr√ľher eher nur in englischer Sprache oder einem Akan-Dialekt gesendet wurde, gibt es nunmehr Radiosender in allen h√§ufig gesprochenen Sprachen Ghanas. Allein in Accra sind derzeit etwa 29 Radiosender aktiv.

Neben den ghanaischen Radiosendern haben auch BBC, RFI und die Deutsche Welle einen eigenen Sendeplatz. Bedingt durch das mittlerweile große Angebot an Radiosendern, suchen Programmdirektoren ständig nach neuen Nischen im Programm.

Fernsehen ist in Ghana eine beliebte Freizeitgestaltung. Neben der staatlichen Rundfunkanstalt Ghana Broadcasting Corporation (GBC) gibt es in Ghana einen wachsenden Markt f√ľr die verschiedenen Privatsender wie beispielsweise Metro TV, TV Africa, TV3, Private TV channel, Crystal TV (Kumasi), Multichoice Satellite TV sowie f√ľr f√ľnf Kabelfernsehanbieter (MNET Cable, TV channel, V-NET Cable TV channel, Fantazia Cable TV channel, DSTV und Cable Gold). Erst in der ersten H√§lfte der 1990er-Jahre wurden in Ghana im Zuge der verfassungsm√§√üig garantierten Pressefreiheit weitere Fernsehsender neben dem bis dahin einzig auf Sendung stehenden GBC gegr√ľndet.

K√ľche

Die Landesk√ľche ist vielf√§ltig und greift beinahe auf alles Essbare zur√ľck, was das Land zu bieten hat. Als Fleischsorte ist neben Rind-, Schaf-, Gefl√ľgel- und Ziegenfleisch das in Ghana gebr√§uchliche Bush-Meat (Wildfleisch) gerade in den l√§ndlichen Regionen ein weiterer Bestandteil der Ern√§hrung. Schweinefleisch hatte in der Vergangenheit so gut wie keine Bedeutung. Seit einigen Jahrzehnten dehnt sich jedoch die Schweinezucht in S√ľdghana aus, da die Produktion von Schweinefleisch billiger ist als die Produktion von Rindfleisch. Jedoch findet dieses Nahrungsmittel aus religi√∂sen Gr√ľnden bei der gro√üen Zahl der muslimischen Bev√∂lkerung, vor allem in Nordghana keine Verwendung. Der Fischreichtum des Volta-Sees und seiner Zubringer sowie die K√ľstenlage des Landes zu einer der fischreichsten Regionen der Erde, dem Golf von Guinea, f√ľhrt dazu, dass besonders Fisch gerne gegessen wird. Au√üerdem wird h√§ufig eine Wildtierart verzehrt, die auf Englisch grasscutter oder cane rat und auf Deutsch als Rohrratten bezeichnet werden. Es gibt inzwischen auch Versuche, die Tiere in K√§fighaltung zu vermehren.

Fisch und Fleisch sind sehr wichtige Bestandteile der kulinarischen Kultur, doch sind sie auf den M√§rkten nur relativ teuer zu haben. Daher bilden die Basis jeden Essens die s√§ttigenden Kohlenhydratlieferanten wie Reis, Mais, Hirse, Grie√ü, Maniok, Yams, Taro, S√ľ√ükartoffeln und Kochbananen. Nudeln sind eher unbeliebt und werden, anders als die vorgenannten Nahrungsmittel, lediglich durch Importe ins Land gebracht. Ghana produziert zurzeit erheblich weniger Reis als es selbst verbraucht. Als Importgut ist er f√ľr viele Familien etwas Besonderes. Maniok, Yams oder S√ľ√ükartoffeln werden h√§ufig von der l√§ndlichen Bev√∂lkerung direkt angebaut und dienen der Selbstversorgung. Brot ist als Grundnahrungsmittel erst im Rahmen der Kolonialisierung Ghanas zur Zeit der Kronkolonie Goldk√ľste durch die Briten eingef√ľhrt worden. Daher sind lediglich zwei Brotsorten bekannt, Sugar-Bread, eine Art Milchbr√∂tchen in gr√∂√üerem Format und Tea-Bread, eine Art Baguette; beides sind Brote lediglich aus Weizenmehl. Milchprodukte sind aufgrund ihrer kurzen Haltbarkeit sehr teuer, K√§se ist weitgehend unbekannt. Frische Milch ist in l√§ndlichen Gebieten aufgrund der Tierhaltung h√§ufig anzutreffen. Die Milch wird sofort verwendet. Anstelle von Butter wird oft importierte Margarine verwendet. Kondensmilch hat weite Verbreitung gefunden. Auch Milchpulver ist beliebt. Mit dem Milo-Pulver wird auf der Basis von hei√üem Wasser eine Art Schokolade getrunken.

Zu vielen Mahlzeiten bevorzugen die Menschen Gem√ľsesorten wie Zwiebeln, Tomaten, Auberginen, Garteiei, auch Gardenegg oder afrikanische Aubergine genannt, Bohnen, Avocados, Karotten, Okra und Spinat.

Ghanaer ziehen warme Mahlzeiten vor und kennen traditionell kein Fr√ľhst√ľck direkt nach dem Aufstehen. Die erste Mahlzeit wird im Laufe des Vormittags eingenommen, bei der dann h√§ufig die Reste vom Abendbrot des Vortages oder frisch zubereitete warme Bohnen, Porridge oder Omeletts gegessen werden.

Als Zwischenmahlzeit, selten auch als Dessert, werden in Ghana die vielf√§ltigen Fr√ľchte verwendet. √Ąpfel sind eine beliebte Importware, S√ľdfr√ľchte wachsen jedoch an den Stra√üen, in vielen G√§rten, Plantagen und W√§ldern. Bananen, Papaya, Ananas, Mangos, Apfelsinen, Mandarinen, Melonen, Brotfr√ľchte, Guaven, Zitronen, Orangen und Grapefruits gibt es vielerorts direkt von H√§ndlern am Stra√üenrand zu kaufen oder werden von den H√§ndlern auf der Stra√üe auf dem Kopf in einem Korb oder in einer Sch√ľssel transportiert und zum Verkauf angeboten.

Zu jedem Essen sind in Ghana Saucen oder Suppen beliebt, die in gro√üer Menge gegessen werden. Diese Saucen oder Suppen bestehen aus den vielf√§ltigsten Kr√§utern, Gew√ľrzen und Gem√ľse. In der Regel wird das Essen sehr scharf gew√ľrzt. Hierzu dienen mindestens zehn verschiedene Chilisorten, die haupts√§chlich frisch im Essen verarbeitet werden. In getrockneter Form kommen sie seltener vor.

Typische Gerichte sind Jollofreis, Kelawele, Banku, Kenkey, Gari und das Nationalgericht Fufu. Shito ist eine dem Pesto ähnliche Sauce, die vielfältig und häufig bei schnellen Gerichten Verwendung findet.

Musik

Eine charakteristische Musikgattung ist der seit den 1940er-Jahren populäre Highlife, der seit einigen Jahren wieder beliebter wird. Die vielen lokalen Radiosender sind tagtäglich in den beiden Hauptverkehrsmitteln, den Taxis und den Trotros (Kleinbussen), zu hören. Auf Hochzeiten, Taufen und Todesfeiern spielen Musik und Tanz im Rahmen eines geselligen und gastfreundlichen Beisammenseins eine große Rolle.

Traditionelle Musik

Vor allem in den Dörfern und zu traditionellen Festen in den Städten wird die Trommelkunst hoch geschätzt. Häufig wird zu traditioneller Musik auch getanzt, etwa die Tänze Bosoe, Adowa, Agbadza, Taka, Kpanlogo.

Im Norden hat sich unter den Hirten eine Flötenmusik entwickelt. Atenteben ist eine Bambuslängsflöte.

Die traditionelle ghanaische Musik greift auf ihre eigenen Musikinstrumente zur√ľck. So werden im Norden eher Balafon oder Xylophon gespielt, im S√ľden sind Rhythmusinstrumente wie Zimbeln, Klappern, die Gef√§√ürassel axatse, die Doppelglocke gankogui und Trommeln zu finden.

Die Trommelmusik und der Trommelbau sind wesentlicher Bestandteil der traditionellen Musik. Trommeln waren in der Geschichte in viele wichtige Lebensbereiche integriert. So wurden Trommeln in Kriegen eingesetzt, um die eigenen Leute anzufeuern und auf die Ereignisse einzustimmen. Ebenso dienten sie lange vor dem Telefon als Nachrichten- und Verst√§ndigungsmedium √ľber lange Entfernungen hinweg. Bei gesellschaftlichen Anl√§ssen wie Festen und Feiertagen, Inthronisationen, Initiationsriten und religi√∂sen Ereignissen, aber auch bei famili√§ren Festen und Feiern wie Hochzeiten oder Beerdigungen spielten und spielen Trommler eine Rolle. Durch diese breite Einsetzbarkeit der Trommel erreichte ein Trommler einen gewissen Status in der traditionellen ghanaischen Gesellschaft. Die Position eines Trommlers, wenn auch nur im Familienkreis auf einem Fest, ist angesehen und respektiert.

Der Trommelbau hat eine lange, ehrenvolle Tradition. Es ist eine gro√üe Zahl verschiedener Trommeln zu finden, die teilweise nur bestimmte Funktionen wahrnehmen oder auch nur zu bestimmten Anl√§ssen gespielt werden. Die donno-Trommel ist eine Trommel, die von beiden Seiten gespielt werden kann. Der Spieler klemmt sich das Instrument unter den Arm und kann mit dem Druck seines Armes die Spannung der Felle der Trommel variieren. Die bekannte Sprechtrommel mit der Bezeichnung atumpan ist mit Elefantenhaut bespannt und darf nur von Spezialisten hergestellt werden. Die Trommel etwiay wurde traditionell in Schlachten verwendet oder um den K√∂nig anzuk√ľndigen, sie soll das Fauchen eines Leoparden nachahmen. Im National Museum in Accra ist eine Ausstellung dieser Trommeln und weiterer Exemplare zu sehen.

Moderne Musik

Die moderne Musik hat nach wie vor traditionelle Einfl√ľsse. Nach der Unabh√§ngigkeit entwickelte sich die Musikrichtung High Life. Sie ist eine Tanz- und Musikform, die in den t√§glichen Radiosendungen, den Clubs und Bars gespielt wird. High Life vereinigt traditionelle Einfl√ľsse mit Instrumenten, die durch die Kolonialmacht England nach Ghana gebracht worden waren. In den fr√ľhen Formen wurden relevante Elemente aus dem Jazz entliehen und weiterentwickelt, sowie Instrumente wie Saxophone, Schlagzeug, Trompete und Bass verwendet. Sp√§ter kamen verst√§rkt Percussioninstrumente dazu.

Seit den 1990er Jahren entstand aus der westlichen Popmusik die typisch ghanaische Variante Hiplife (auch: Hip Life). Hierbei wird mit der Unterst√ľtzung von Mischpulten und Computern gearbeitet. Auch die Musikrichtung Gospel hat in Ghana erhebliche Bedeutung.

Im Genre High Life hat Ofori Amponsah im Jahr 2006 besonderes Aufsehen erregt. Er gewann den Titel des besten K√ľnstlers des Jahres 2006 sowie den Titel des besten Songs und des besten Albums (Otoolege). Castro wurde bester K√ľnstler im Bereich Hiplife. Der Gospelsong des Jahres 2006 Metease stammt von Nobel Nketia.

Traditionelle Kleidung

Neben der Musik ist die Kleidung der Ghanaer mit ihrer Farbenpracht eine leuchtende Freude. Die Frauen tragen, unabh√§ngig von ihrer Religion, aus modischen Gr√ľnden h√§ufig kunstvoll gewickelte Kopfbedeckungen aus demselben Stoff wie ihre Kleider. Unifarbene Drucke sind eine absolute Seltenheit. Bei gesellschaftlichen Ereignissen, wie etwa einer Hochzeit oder einem Todesfall, ist es √ľblich, dass sich die Ausrichter (beispielsweise die Braut) einen Stoff aussucht und die geladenen G√§ste sich ein Kleid aus diesem Stoff nach traditionellen und modischen Aspekten von den vielen lokalen Schneiderinnen fertigen lassen. M√§nner tragen traditionell ein aus einem Stoffst√ľck hergestelltes gewickeltes Gewand, das einer r√∂mischen Toga √§hnelt.

Kente ist eine typisch ghanaische Webkunst in leuchtenden Farben. Aus diesen gewebten Stoffen werden viele der traditionellen Kleider vor allem der Aschanti hergestellt. Insbesondere traditionelle Stammeshäuptlinge tragen nicht selten Kente-Stoff als Ausdruck ihres nationalen Stolzes.

Literatur in Ghana

Besondere Bekanntheit genießen ghanaische Autoren im englischen Sprachraum, da einige als Professoren in den USA tätig sind, zum Beispiel Abena Busia, spezialisiert auf afroamerikanische Literatur an der amerikanischen Rutgers-Universität, oder Michael Dei-Anang, der nicht nur einer Lehrtätigkeit in den USA nachging, sondern auch wegen seiner Verbindungen zum Regime von Kwame Nkrumah nach dessen Sturz in Haft war.

Unter den Schriftstellern befinden sich Namen, wie Ama Ata Aidoo, die durch die √úbersetzung ihres Werkes Die Zweitfrau auch in Deutschland Bekanntheit erlangt hat. Jojo Cobbinah wurde bekannt f√ľr seine Reisef√ľhrer und Zeitungsartikel √ľber Ghana.

Efua Dorkenoo ist eine Autorin, deren Werk Cutting The Rose: Female Genital Mutilation the Practice and its Prevention aus dem Jahr 1994 in die Liste der 100 besten B√ľcher Afrikas aus dem 20. Jahrhundert aufgenommen worden ist.

Der h√§ufig ins Deutsche √ľbersetzte Kinderbuchautor Meshack Asare ist international bekannt geworden und hat wichtige Preise gewonnen, wie f√ľr das mit dem von der UNESCO vergebenen Titel Bestes Bilderbuch aus Afrika ausgezeichnete Werk Tawai Goes to Sea.

Sport

Der Sport in Ghana wird organisiert vom Ghana Olympic Committee, das 1952 gegr√ľndet und im selben Jahr vom IOC anerkannt wurde.

Nationalsport ist Fu√üball, Verband ist die 1957 gegr√ľndete Ghana Football Association (GFA). Die ghanaische Nationalmannschaft konnte bisher viermal Afrikameister werden und nahm 2006 zum ersten Mal an einer Fu√üball-Weltmeisterschaft teil. Dabei gelang den Black Stars auf Anhieb der Einzug ins Achtelfinale. Sie unterlagen dort gegen den f√ľnfmaligen Weltmeister Brasilien. 2009 gewann Ghana die U-20-Fu√üball-Weltmeisterschaft in √Ągypten durch einen Sieg im Elfmeterschie√üen im Finale gegen Brasilien. In der deutschen Bundesliga spielten und spielen viele ghanaische Fu√üballer, von denen einige mittlerweile auch die deutsche Staatsangeh√∂rigkeit besitzen; Gerald Asamoah spielte in den vergangenen Jahren mehrfach im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. In Ghana am bekanntesten ist Ab√©di Pel√©, der unter anderem mit Olympique Marseille den Europapokal der Landesmeister gewann und in Deutschland in der Bundesliga spielte und seit dem Ende seiner aktiven Karriere haupts√§chlich in der Nachwuchsf√∂rderung im ghanaischen Fu√üball t√§tig ist.

Ghana war vom 20. Januar 2008 bis zum 10. Februar 2008 Austragungsort des Africa Cup of Nations, bei dem sie Dritter wurden.

Ghana nahm mit 31 Sportlern an den Olympischen Spielen 2004 in Athen teil, diese konnten aber keine Medaille gewinnen. Auch 2008 in Peking konnte keiner der neun Teilnehmer eine Medaille erobern. In der olympischen Geschichte haben ghanaische Sportler bisher eine Silber- und drei Bronzemedaillen gewonnen.

Bei der Fu√üball-Weltmeisterschaft 2010 in S√ľdafrika schaffte es das Nationalteam als dritte afrikanische Fu√üballmannschaft (neben Kamerun bei der WM 1990 und Senegal bei der WM 2002) bis in das Viertelfinale, wo es gegen Uruguay ungl√ľcklich im Elfmeterschie√üen unterlag.

Welterbe

Die Festungen und Schl√∂sser der Kolonialzeit sowohl an der Volta-M√ľndung als auch in Accra und entlang der gesamten K√ľste der Zentral- und der Westregion wurden 1979 in die Liste des Welterbes aufgenommen; die traditionellen Geb√§ude der gr√∂√üten ghanaischen Volksgruppe, der Aschanti, folgten im Jahr 1980. Von der UNESCO zum Biosph√§renreservat ernannt wurde 1983 der Bia-Tawaya-Nationalpark.

Feiertage

Landesweit werden eine Reihe nationaler Feiertage sowie die christlichen und islamischen Hauptfeste gefeiert. Falls diese Tage auf einen Sonntag fallen, werden sie dann am nachfolgenden Werktag ‚Äěnachgefeiert‚Äú. Daneben gibt es eine gro√üe Zahl regionaler und traditioneller Feste.

In Ghana finden alle zwei Jahre das Panafest Pan African Festival (2007, 2009) und das NAFAC (National Festival of Arts and Culture) (2006, 2008) statt. Das Panafest ist ein Fest zur Solidarität zwischen den afrikanischen Völkern und wird in Accra und Cape Coast gefeiert. Dieses Festival ist ein kultureller Höhepunkt. Das NAFAC findet in den Jahren zwischen dem Panafest seit 1992 in jeweils einer anderen regionalen Hauptstadt Ghanas statt.

Siehe auch

  • Liste der Abk√ľrzungen (Ghana)

Literatur

  • Dennis Austin: Politics in Ghana 1946‚Äď1960. Oxford 1964.
  • Hans-Heinrich Bass: Structural Problems of West African Cocoa Exports and Options for Improvement. (PDF-Datei; 174¬†kB). In: African Development Perspectives Yearbook. Volume 11, 2005/06 und Afrika ‚Äď escaping the Primary Commodities Dilemma. Lit-Verlag, M√ľnster 2006, ISBN 3-8258-7842-2, S.¬†245‚Äď263.
  • Adu Boahen: Ghana. Evolution and Change in the Nineteenth and Twentieth Century. London 1975. (Neudruck: 2000, Accra, ISBN 9988-7884-0-1)
  • Angela Christian: Facetten der Kultur Ghanas. Heidelberg 1992, ISBN 3-927198-07-2.
  • Jojo Cobbinah: Ghana. Praktisches Reisehandbuch f√ľr die ¬ĽGoldk√ľste¬ę¬†Westafrikas. 11. Auflage. Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-89859-155-3.
  • Oliver Davies: The Sangoan culture in Africa. In: South African Journal of Science. 50 (10), 1954, S. 273‚Äď277.
  • Roger S. Gocking: The history of Ghana. Westport 2005, ISBN 0-313-31894-8.
  • Eboe Hutchful: The IMF and Ghana. The confidential record. London 1987, ISBN 0-86232-614-1.
  • Trevor Jones: Ghana‚Äôs First Republic 1960‚Äď1966. The Persuit of the Political Kingdom. Methuen & Co, London 1976, ISBN 0-416-84440-5.
  • Christian Kohrs: Ghana. In: Wolfgang Gieler (Hrsg.): Staatenlexikon Afrika. Geographie, Geschichte, Kultur, Politik und Wirtschaft. Bundeszentrale f√ľr politische Bildung, 2016, ISBN 978-3-8389-0691-1, S. 179‚Äď195.
  • Michael Landgraf: Akwaaba. Ein Nachdenk- und Aktionsbuch √ľber Ghana in Westafrika. Speyer 2009, ISBN 978-3-939512-11-0.
  • Christian Kohrs: Nkrumah-Rawlings. Eine Ann√§herung an das politische Denken zweier ghanaischer Staatsm√§nner. Books on African Studies, 2001.
  • Nicholas Mansergh: The Commonwealth Experience. London 1969, ISBN 0-297-17071-6.
  • William David McIntyre: The Commonwealth of nations. Origins and impact 1869‚Äď1971. Minneapolis 1977, ISBN 0-19-690424-2.
  • Sven E. Nygaard, Michel R. Talbot: Stone Age Archaeology and Environment on the Southern Accra Plains, Ghana. In: Norwegian Archaeological Review. 17 (1), 1984, S. 19‚Äď38.
  • Fran√ßois Maher Presley: Akwaaba ‚Äď Willkommen in Ghana. Hg. von Gerhard Buchmann. in-Cultura.com, Hamburg 2007, ISBN 978-3-930727-18-6.
  • Thomas Siebold: Ghana 1957‚Äď1987. Entwicklung, R√ľckentwicklung, Verschuldung und IWF-Intervention (= Hamburger Beitr√§ge zur Afrika-Kunde. 31). Hamburg 1988, ISBN 3-923519-76-1.
  • M. A. Sowunmi: Environmental and human responses to climatic events in West and West Central Africa during the late holocene. In: Fekri A. Hassan (Hrsg.): Droughts, Food and Culture. Ecological Change and Food Security in Africa‚Äôs Later Prehistory. New York u.¬†a. 2002, ISBN 0-306-46755-0.
  • John Iliffe: Geschichte Afrikas. 2. Auflage. C.H. Beck, M√ľnchen 2000, ISBN 3-406-46309-6.
  • Einhard Schmidt-Kallert: Ghana. Perthes L√§nderprofile, Gotha 1994.
  • Daniel Kuehnhenrich: Entwicklung oder Profit? Die staatliche und private Presse in Ghana. 2012, ISBN 978-3-8382-0304-1. (online)
  • Adwoa Pinnamang-Tutu, Stephen E. Armah: An Empirical Investigation into the Costs and Benefits from Moving up the Supply Chain: The Case of Ghana Cocoa. In: Journal of Marketing and Management. 2 (1), May 2011, S. 27‚Äď50.
  • Carl Reindorf: History of the Gold Coast and Asante. Basel 1895.

Weblinks

  • Ghana Homepage ‚Äď Ghana Government Portal (englisch)
  • Eintrag Ghana auf dem LIPortal der Deutschen Gesellschaft f√ľr internationale Zusammenarbeit
  • L√§nder√ľbersicht Ghana auf der Website des Deutschen Ausw√§rtigen Amts
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Ghana
  • Ghana country profile auf der Website von BBC News (englisch)

Belege



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (0)

Abk Name O
GH.AH Ashanti  
GH.BA Brong Ahafo  
GH.CP Central  
GH.EP Eastern  
GH.AA Greater Accra  
GH.NP Northern  
GH.UE Upper East  
GH.UW Upper West  
GH.TV Volta  
GH.WP Western  
 

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Flagge: Ghana

Name englisch: Ghana
Hauptstadt: Accra
Kfz: GH
ISO: GH
ISO3: GHA
Fläche: 239460 km²
Tld: .gh
Wärung Einheit: GHC
Währung: Cedi
Vorwahl: 233

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 11.1666675
südlichster Punkt: 4.7388737
westlichster Punkt: -3.260786
östlichster Punkt: 1.1993625


 
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