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Staat Informationen : Togo

Informationen:


Togo (deutsch [ˈtÊ°oːgo], französisch [tɔˈgo]) ist ein Staat in Westafrika, am Golf von Guinea gelegen, und grenzt an Ghana im Westen, Benin im Osten und Burkina Faso im Norden. Hauptstadt und Regierungssitz ist LomĂ©.

Das Staatsgebiet von Togo umfasst den östlichen Teil der von 1884 bis 1916 bestehenden deutschen Kolonie Togo. Von 1916 bis 1960 war Togo Mandatsgebiet des Völkerbunds bzw. Treuhandgebiet der Vereinten Nationen unter französischer Verwaltung. GeprĂ€gt wurde das Land fast 40 Jahre lang vom autokratisch regierenden PrĂ€sidenten GnassingbĂ© EyadĂ©ma. Nach dessen Tod 2005 wurde sein Sohn Faure GnassingbĂ© unter Missachtung der Verfassung von der togoischen Armee zum neuen PrĂ€sidenten ernannt. Internationaler Druck und Unruhen im Lande fĂŒhrten nicht zur RĂŒckkehr verfassungsgemĂ€ĂŸer ZustĂ€nde. Die folgenden Wahlen konnte GnassingbĂ© fĂŒr sich entscheiden, wobei ihm die Opposition und auch die EuropĂ€ische Union massiven Wahlbetrug vorwarfen. Nach wie vor befinden sich mehrere tausend FlĂŒchtlinge im Ausland.

Die Bezeichnung der Staatsangehörigen von Togo ist laut dem StĂ€ndigen Ausschuss fĂŒr geographische Namen Togoer bzw. Togoerin. Der Duden verzeichnet aber auch die gebrĂ€uchliche Form Togolese bzw. Togolesin.

Geographie

Togo hat eine LandesflĂ€che von 56.785 kmÂČ und ist fĂŒr afrikanische VerhĂ€ltnisse ein Kleinstaat: Nur wenige LĂ€nder Afrikas haben eine noch kleinere StaatsflĂ€che. Es hat eine langgestreckte, schmale Form mit einer Ausdehnung in Nord-SĂŒd-Richtung von etwa 550 km, in West-Ost-Richtung aber nur 50 bis 140 km. Davon sind 16 % bewaldet, 25 % Ackerland und 3,5 % Weideland.

Das Land liegt in Westafrika bei 8 Grad nördlicher Breite und 1° 10' östlicher LĂ€nge. Es ist in die fĂŒnf Regionen Maritime, Plateaux, Centre, Kara und Savanes aufgeteilt. Die Landesgrenze hat eine LĂ€nge von 1647 km. Davon entfallen 644 km auf die Grenze zu Benin, 126 km auf die Grenze zu Burkina Faso und 877 km auf die Grenze zu Ghana.

Von den palmengesĂ€umten Lagunen und SandstrĂ€nden der 56 km langen KĂŒste erstreckt sich das Ouatchi-Plateau bis ins höhere Tafelland. Das im SĂŒdwesten des Landesinneren bewaldete Togo-Gebirge verlĂ€uft nordostwĂ€rts bis nach Benin. In den niederen Lagen im Norden und SĂŒden herrscht eine Savanne mit Antilopen und Elefanten vor.

Der höchste Berg des Landes ist der Mont Agou mit 986 m Höhe ĂŒber dem Meeresspiegel. Der lĂ€ngste Fluss ist der Mono mit 467 km LĂ€nge. Er verlĂ€uft von Nord nach SĂŒd und ist auf 50 km als Wasserstraße nutzbar.

Klima

Das Klima ist ganzjĂ€hrig tropisch-feucht mit durchschnittlichen Temperaturen von 30 °C im Norden und 27 °C an der KĂŒste im SĂŒden. Nachts findet nur eine geringe AbkĂŒhlung statt. Im Norden herrscht fast schon Savannenklima. Am heißesten wird es im Februar und MĂ€rz. Im Dezember und Januar weht der staubfĂŒhrende Harmattan aus dem Norden.

Im Norden gibt es eine Regenzeit von Mai bis Oktober des westafrikanischen Monsuns, der seine stĂ€rkste IntensitĂ€t im August erreicht. Dieser ist mit Mittagstemperaturen von etwa 30 °C auch der kĂŒhlste Monat. Der Januar ist am trockensten, die Luftfeuchtigkeit betrĂ€gt dann etwa 22 %. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen dann bei etwa 35 °C, wobei im MĂ€rz zur Mittagszeit ca. 39 °C erreicht werden.

Im SĂŒden kommt es zu zwei Regenzeiten, von April bis Juni und von September bis November. Die regenreichsten Monate sind der Juni und der Oktober. Die Luftfeuchtigkeit betrĂ€gt im Juni etwa 80 Prozent. Der trockenste Monat ist der Dezember. Am wĂ€rmsten ist es im MĂ€rz mit Mittagstemperaturen um die 32 °C. Der kĂŒhlste Monat ist der August mit Temperaturen von etwa 27 °C.

Hydrologie

Togo ist grob in zwei Haupteinzugsgebiete aufgeteilt. Der Norden entwĂ€ssert ĂŒber den Oti (38 % der LandesflĂ€che) in das Volta-System. Der SĂŒden entwĂ€ssert ĂŒber den Zio und vor allem ĂŒber den Mono.

Bevölkerung

Volksgruppen

Togo ist ein Vielvölkerstaat, der aus beinahe ebenso vielen Ethnien wie Sprachgruppen heterogen zusammengesetzt ist. Die Bevölkerungszahl der unterschiedlichen Ethnien reicht von einigen hundert bis zu einigen Millionen Menschen. Das ZugehörigkeitsgefĂŒhl zur eigenen Ethnie hat seit der UnabhĂ€ngigkeit zugenommen, aber auch immer wieder zu Spannungen gefĂŒhrt.

Die wichtigsten ethnischen Gruppen sind die Ewe (rund 40 %) im SĂŒden und die Kabiye (16 %) in der Mitte und im Norden. Die Ewe dominierten bereits in der deutschen Kolonialzeit das Staatssystem, und viele Beamte, FachkrĂ€fte und GeschĂ€ftsmĂ€nner waren Ewe. Ab 1967 endete diese Dominanz und es wurde auch der zweitgrĂ¶ĂŸten Volksgruppe des Landes, den Kabiye, eine gehobenere Position verschafft, da wĂ€hrend der Diktatur GnassingbĂ© EyadĂ©mas nun viele MilitĂ€rangehörige und SicherheitskrĂ€fte aus den Reihen der Kabiye rekrutiert wurden.

Minderheiten sind die Tem, die „Togo-Restvölker“ wie die Akebu (13,2 %) sowie Gurma (9,7 %) und Yoruba (6,8 %). Etwa 0,99 % der Bevölkerung stammen aus Europa oder sind anderer ethnischer Herkunft. Zu der hier genannten Gruppe der togoischen Minderheiten gehören neben kleineren Volksgruppen Togos auch andere afrikanische Minderheiten, die im Wesentlichen aus den NachbarlĂ€ndern Togos stammen. Im Jahre 2017 waren 3,6 % der Bevölkerung im Ausland geboren.

Sprachen

Nationalsprachen Togos sind Ewe und Kabiyé, alleinige Amtssprache ist allerdings Französisch, welches ein Erbe der französischen Kolonialherrschaft darstellt.

Neben Ewe, Kabiye und verschiedenen Kwa- und Gur-Sprachen wird auch die Amtssprache Französisch gesprochen. Dazu kommen noch die „Togo-Restsprachen“, wie etwa das Akebu und einige weitere. Deren Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Sprachfamilien ist nicht restlos geklĂ€rt.

Im Land werden 39 lebende Sprachen gesprochen. Neben diesen Sprachen werden aufgrund von Handelskontakten zu den umliegenden LÀndern sowie Migrationsbewegungen Sprachen, darunter Akan aus Ghana und Yoruba (Nigeria), aus den Nachbarstaaten oder anderen westafrikanischen Staaten von kleineren Minderheiten gesprochen. In Togo hat sich keine eigenstÀndige Gehörlosensprache entwickelt, daher wird in Togo die französische GebÀrdensprache verwendet. Etwa 100.000 Personen sprechen Deutsch als Fremdsprache.

Religionen

Es besteht Religionsfreiheit. Fast die HĂ€lfte der Bevölkerung bekennt sich zu den traditionellen Religionen – vor allem zur Religion der Ga und zur Religion der Yoruba. Daneben hat auch die Voodoo-Religion große Bedeutung. Innerhalb der Volksgruppengesellschaften ĂŒben GeheimbĂŒnde, vor allem die der Ewe, großen Einfluss aus.

Die rund 26 Prozent Christen gehören der römisch-katholischen Kirche an, etwa 9 Prozent der Bevölkerung sind Protestanten. Dem Islam sunnitischer Richtung gehören ca. 20 % der Bevölkerung an, unter anderem Fulbe und Hausa. In den KĂŒstenregionen gibt es einige kleine jĂŒdische Gemeinden.

Urbanisierung

Es gibt eine ausgeprÀgte Wanderungsbewegung vom Land in die StÀdte. Dort besteht allerdings eine immer höher werdende Arbeitslosigkeit gerade unter jungen Menschen. Vor allem junge MÀnner wandern daher ins Ausland aus, mit dem Ziel, in Europa oder Nordamerika Arbeit zu finden.

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind laut Berechnung des togoischen Statistikamtes fĂŒr 2020: LomĂ© 2.174.00 Einwohner, Kara 115.000 Einwohner, SokodĂ© 109.000 Einwohner, KpalimĂ© 90.000 Einwohner und AtakpamĂ© 81.000 Einwohner. Insgesamt lebten 2019 42 % der Bevölkerung in StĂ€dten – Tendenz steigend.

Gesundheit

Die Lebenserwartung bei Geburt lag 2019 bei 61 Jahren (MĂ€nner 60,1, Frauen 61,9), wobei die hohe Kindersterblichkeit von 72 pro Tausend Lebensgeborenen wesentlicher Faktor dieses vergleichsweise niedrigen Wertes ist.

Die Bevölkerungsstruktur stellt die klassische Bevölkerungspyramide dar. 41 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Das Medianalter lag 2020 bei geschÀtzten 19,4 Jahren.

Die weltweite COVID-19-Pandemie erreichte Togo erstmals am 6. MĂ€rz 2020 mit einer Patientin, die vorher Deutschland und Frankreich bereiste.

Siehe auch: COVID-19-Pandemie in Togo

Bildung

Die Schulpflicht betrĂ€gt sechs Jahre, der Besuch der Grundschule ist gebĂŒhrenfrei. Das Bildungswesen leidet unter Lehrermangel, geringerer QualitĂ€t im lĂ€ndlichen Raum sowie hohen Wiederholungs- und Abbruchraten.

Schulangebot und Schulbesuch weisen ein erhebliches Nord-SĂŒd- sowie Stadt-Land-GefĂ€lle auf, wobei vor allem in den StĂ€dten des SĂŒdens die Menschen höhere Bildung haben; das unzureichende Bildungsangebot wird vor allem durch zahlreiche Missionsschulen ergĂ€nzt. Im Norden sind Koranschulen im Kommen. Die Analphabetenquote betrug 2020 noch 36,3 %. Dies liegt auch an der bisher geringen Schulbesuchsdauer der ĂŒber 25-JĂ€hrigen von durchschnittlich 4,9 Jahren. Die heranwachsende Generation hat dagegen eine erwartete Schulbesuchsdauer von 12,7 Jahren.

Geschichte

1958 gewann Sylvanus Olympio, ein Ewe aus dem SĂŒden, die ersten allgemeinen Wahlen. Am 27. April 1960 wurde er mit der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung von Frankreich der erste PrĂ€sident Togos. Bei einem Aufstand von Offizieren wurde er am 13. Januar 1963 ermordet. Es folgte eine instabile Mehrparteienregierung unter PrĂ€sident Grunitzky. Vom 13. Januar 1967 bis Anfang Februar 2005 beherrschte PrĂ€sident GnassingbĂ© EyadĂ©ma das Land. Er gehörte zur Ethnie der KabiyĂ© aus dem Norden. Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen haben viele Menschen ins Exil gezwungen.

Nach dem Tod von GnassingbĂ© EyadĂ©ma am 5. Februar 2005 ernannte die Armee des Landes seinen Sohn Faure GnassingbĂ©, bis dahin Minister fĂŒr Telekommunikation, zum neuen PrĂ€sidenten. Die Afrikanische Union spricht von einem verfassungswidrigen MilitĂ€rputsch. Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS suspendierte am 19. Februar als Reaktion auf die verfassungswidrige Machtergreifung die Mitgliedschaft Togos. Neben weiteren Sanktionen verhĂ€ngte die ECOWAS unter anderem auch ein Waffenembargo.

Am 25. Februar trat Faure GnassingbĂ© aufgrund des internationalen Druckes und des Widerstandes der Opposition zurĂŒck. Die ECOWAS hob daraufhin die Sanktionen auf. Interimistisch wurde der ParlamentsprĂ€sident Abass Bonfoh StaatsprĂ€sident. Der neue Staatschef sollte innerhalb von 2 Monaten gewĂ€hlt werden, was am 24. April geschah.

Die Opposition (Spitzenkandidat war der 74-jĂ€hrige Emmanuel Bob-Akitani) warnte jedoch bereits vor dem Wahltag vor organisiertem Betrug und bezeichnete die Wahlen – unter anderem mit Verweis auf UnregelmĂ€ĂŸigkeiten bei der Ausstellung von Wahlscheinen – deswegen schon am 23. April als nichtig. Auch auslĂ€ndische Wahlbeobachter berichteten von massiven UnregelmĂ€ĂŸigkeiten. Wahlurnen wurden vernichtet, Wahlbeobachtern die Überwachung der AuszĂ€hlung verwehrt und anderes mehr.

Am 26. April wurde Faure GnassingbĂ© mit angeblich 60,22 % der Stimmen zum Wahlsieger erklĂ€rt. Auch der Oppositionskandidat Emmanuel Bob-Akitani rief sich aber zum Wahlsieger aus und erkannte das Wahlergebnis nicht an. VorwĂŒrfe wegen Wahlbetrugs erhob auch der OppositionsfĂŒhrer Gilchrist Olympio, der nicht zur Wahl antreten durfte. WĂ€hrend der Wahlen wurden etliche Wahlurnen mit Stimmzetteln gestohlen und OppositionswĂ€hler verfolgt. In den der Wahl folgenden Tagen kam es zu StraßenkĂ€mpfen mit bis zu etwa 500 Toten und zahlreichen Verletzten, so die der Weltöffentlichkeit berichteten Zahlen. UnbestĂ€tigten Berichten zufolge fanden vor der Wahl auf dem Lande Massaker an SĂŒd-Togolesen statt. Aus der nordtogoischen Heimat des PrĂ€sidenten sollen Soldaten und einfache Bauern mit Waffen dorthin beordert worden sein. Auch schon vorher im SĂŒden ansĂ€ssige Nord-Togoer wurden angeblich fĂŒr diese Zwecke an ihren direkten Nachbarn eingespannt. Um die 35.000 Menschen aus SĂŒdtogo flohen in den folgenden Wochen vor allem in die NachbarlĂ€nder Benin und Ghana.

Im Verlauf der Unruhen wurde am 29. April 2005 auch das Goethe-Institut in LomĂ© nach einer VorankĂŒndigung von (vermutlich regierungsnahen) Personen beschossen, gestĂŒrmt und teilweise in Brand gesteckt. Niemand wurde verletzt. Die Regierung von Togo wirft Deutschland vor, auf der Seite der Opposition zu stehen. Das deutsche AuswĂ€rtige Amt verurteilte den Anschlag. Der damalige Bundesaußenminister Fischer forderte ein Ende der antideutschen Hetze. Am 30. April 2005 folgten die ersten Deutschen dem Aufruf des AuswĂ€rtigen Amtes, Togo zu verlassen.

Am 10. Juni 2005 ernannte PrĂ€sident Faure GnassingbĂ©, der wegen seiner umstrittenen Wahl bis heute von der EU nicht anerkannt wird, den AnfĂŒhrer der gemĂ€ĂŸigten Oppositionspartei Patriotic Pan-African Party Edem Kodjo zum Premierminister. Kodjo war bereits unter Gnassingbes Vater von 1994 bis 1996 Premierminister, davor von 1978 bis 1984 GeneralsekretĂ€r der damaligen Organisation fĂŒr Afrikanische Einheit (OAU), heute Afrikanische Union. Vor der Wahl hatte Kodjo die Einrichtung einer Wahrheits- und Versöhnungskommission nach dem Modell SĂŒdafrikas vorgeschlagen. (Literatur zu diesen GegensĂ€tzen und der Rolle der Bundesrepublik Deutschland sowie Frankreichs dabei siehe Geschichte Togos).

Politik

Politisches System

Togo ist laut der Verfassung von 2002 eine prĂ€sidentielle Republik. Der PrĂ€sident ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte und wird alle fĂŒnf Jahre direkt gewĂ€hlt.

Nach dem Tod des langjĂ€hirgen Diktators GnassingbĂ© EyadĂ©ma wurde dessen Sohn Faure GnassingbĂ© 2005 durch das MilitĂ€r zum PrĂ€sidenten bestimmt. Anschließende Wahlen sollten seine Macht demokratisch legitimieren. WĂ€hrend die Wahlen im Jahr 2005 und 2010 von Unruhen begleitet wurden, verliefen die Wahlen 2015 weitgehend friedlich. Bei der Wahl am 25. April 2015 fielen laut der nationalen unabhĂ€ngigen Wahlkommission CENI 58,75 Prozent der Stimmen auf den bisherigen PrĂ€sidenten. Jean-Pierre Fabre, der bekannteste Oppositionskandidat, bekam 34,95 Prozent. Im Mai 2019 wurde mit einer VerfassungsĂ€nderung die Amtszeit des PrĂ€sidenten auf zweimal fĂŒnf Jahre beschrĂ€nkt. Die Regelung gilt nicht rĂŒckwirkend, so dass Amtsinhaber Faure GnassingbĂ© 2020 und 2025 erneut kandidieren kann. Am 23. Februar 2020 wurde er mit 72 % der Stimmen im Amt bestĂ€tigt.

Der PrĂ€sident verfĂŒgt ĂŒber weit reichende Befugnisse, wie das Recht den Premierminister zu ernennen. Dieser muss jedoch der Mehrheitsfraktion im Parlament (AssemblĂ©e Nationale du Togo) angehören.

Das Parlament hat 91 Mitglieder und wird ebenfalls alle fĂŒnf Jahre nach VerhĂ€ltniswahlrecht in Mehrpersonenwahlkreisen neu gewĂ€hlt. Laut Verfassung sollte es neben der Nationalversammlung noch einen Senat geben, der aber nie eingerichtet wurde.

Aus der Parlamentswahl vom 14. Oktober 2007 ging die Rassemblement du peuple togolais (RPT) mit 50 von damals noch 81 Sitzen als Sieger hervor. 27 Sitze gingen an die Union des Forces du Changement (UFC) sowie 4 Sitze an die Comité d'Action pour le Renouveau.

Die ursprĂŒnglich fĂŒr Oktober 2012 vorgesehenen Parlamentswahlen mussten aufgrund von Protesten der Opposition auf den 25. Juli 2013 verschoben werden. Laut Wahlbeobachtern verlief die Abstimmung frei und fair. Die Regierungspartei Union pour la rĂ©publique (UNIR) gewann die Wahlen deutlich. Die Partei um StaatsprĂ€sident Faure GnassingbĂ© errang 62 der 91 Sitze. Die Koalition Collectif Sauvons le Togo (CST) des OppositionsfĂŒhrers Jean-Pierre Fabre kam auf 19 Sitze. Die Union des Forces du Changement (UFC) um Gilchrist Olympio kann nur noch drei Abgeordnete stellen.

Bei den Parlamentswahlen am 20. Dezember 2018 erhielt GnassingbĂ©s UNIR 59 Sitze (−3 im Vergleich zu 2013). ZweitstĂ€rkste Partei wurde die UFC mit 7 Sitzen (+4). DarĂŒber hinaus zogen vier weitere Parteien sowie 18 unabhĂ€ngige Kandidaten ins Parlament ein.

Frauenwahlrecht

Nach einer Volksabstimmung 1956, an der Frauen sich beteiligen konnten, wurde das Gebiet unter britischer Verwaltung 1957 Teil des unabhĂ€ngigen Staates Ghana und ĂŒbernahm deshalb das allgemeine Wahlrecht fĂŒr Erwachsene.

In den französischen Landesteilen hatten die meisten Frauen seit 1951 an den Wahlen zum lokalen gesetzgebenden Gremium (Conseil de Circonscription) teilgenommen. Das aktive Frauenwahlrecht fĂŒr die Wahl zum französischen Parlament wurde am 22. August 1945 eingefĂŒhrt. 1946 stimmten Frauen bei den Wahlen zur ersten gesetzgebenden Versammlung mit ab, nachdem Togos Bewerbung um das allgemeine Wahlrecht abgeschlossen und das französische Dekret vom 22. August 1945 in Kraft getreten war. Ab 1956 ermöglichte den Frauen die loi-cadre Defferre, sich an den Wahlen zur gesetzgebenden Versammlung vor Ort zu beteiligen. 1958 wurde das allgemeine Wahlrecht fĂŒr Erwachsene eingefĂŒhrt. Das allgemeine Wahlrecht wurde bestĂ€tigt.

Außenpolitik

Togo ist Mitglied bei den Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union, der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft, der Westafrikanischen Wirtschafts- und WĂ€hrungsunion, der Gemeinschaft der Sahel-Sahara-Staaten und der Zone d’Alliance et de CoprospĂ©ritĂ©.

Menschenrechte

Menschenhandel, besonders der Handel mit Kindern, ist ein ernstzunehmendes Problem in Togo. Von Togo aus werden Kinder nach Nigeria, Benin, Kamerun, Liberia oder Gabun verkauft, wo sie sehr oft als Zwangsarbeiter enden. Über 300.000 togoische Kinder im Alter zwischen 5 und 15 Jahren werden schĂ€tzungsweise in anderen LĂ€ndern als ArbeitskrĂ€fte ausgebeutet. Als Drehkreuz des internationalen Handels mit Kindersklaven gilt die Stadt LomĂ©. Die Anzahl arbeitender Kinder zwischen 5 und 14 Jahren in Togo wird insgesamt auf 32,7 % geschĂ€tzt (Jungen: 33,7 %, MĂ€dchen: 31,6 %).

Amnesty International beanstandete fĂŒr das Jahr 2008, dass es zu Misshandlungen von HĂ€ftlingen gekommen sei und auch die Haftbedingungen selbst wurden als unmenschlich eingestuft. Im Jahr 2009 sollen mehrere Menschen in Polizeigewahrsam an Folter oder Misshandlung gestorben sein. Im Juni 2009 wurde die Todesstrafe fĂŒr alle Straftaten abgeschafft.

Am 25. Mai 2015 kam es in der Ortschaft Gléi, 160 km nördlich von Lomé, bei einer Kundgebung zu Auseinandersetzungen mit den SicherheitskrÀften. Angehörige der Armee schossen mit scharfer Munition auf die Demonstranten, dabei wurden mindestens 30 Menschen verletzt. Bei Demonstrationen in der Stadt Sansanné-Mango wurden durch SicherheitskrÀfte im November 2015 sieben Menschen getötet und mindestens 117 weitere verletzt, darunter auch viele Kinder und schwangere Frauen. Personen in Polizeigewahrsam wurden nach Informationen von Amnesty International gefoltert und auf andere Weise misshandelt, um von ihnen "GestÀndnisse" zu erpressen. Auch wurde demnach Gefangenen eine rechtzeitige medizinische Behandlung verweigert.

Das Recht auf freie MeinungsĂ€ußerung gilt als bedroht. Journalisten werden gezielt misshandelt. Nichtstaatliche (NGOs) und Non-Profit-Organisationen wie Amnesty International berichten jedes Jahr von EinschrĂ€nkungen der Versammlungsfreiheit.

Das AuswĂ€rtige Amt der Bundesrepublik Deutschland informiert darĂŒber, dass sich die Menschenrechtslage seit 2006 zwar gebessert hat, aber HomosexualitĂ€t in der Öffentlichkeit weiterhin verfolgt und mit GefĂ€ngnisstrafen von bis zu drei Jahren und Geldstrafen geahndet werden kann.

Verwaltungsgliederung

Der Staat gliedert sich in fĂŒnf Regionen. Die Regionen sind in 39 PrĂ€fekturen und die Hauptstadt LomĂ© weiter untergliedert (Stand 2020).

MilitÀr

Die StreitkrĂ€fte Togos (franz. Forces armĂ©es togolaises) haben eine PersonalstĂ€rke von ca. 8550 Mann. Togo gab 2017 knapp 1,6 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 88 Millionen US-Dollar fĂŒr seine StreitkrĂ€fte aus.

Die StreitkrÀfte teilen sich auf in Heer (Armée de terre togolaise), Marine (Marine Nationale Togolaise) und Luftwaffe (Force Aérienne Togolaise). Zudem gibt es die (paramilitÀrische) nationale Polizeitruppe (Gendarmerie Nationale) (Stand 2008).

Das MilitÀr war in den vergangenen Jahrzehnten keine reine Verteidigungsstreitkraft, sondern auch stark in die Politik des Landes involviert. So konnte sich Gnassingbé Eyadéma gerade auch wegen verschiedener MilitÀrputsche und militÀrischer Interventionen 40 Jahre an der Macht des Landes halten. Menschenrechtsorganisationen nennen das MilitÀr Togos im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen im Land.

Infrastruktur

Das Schienennetz Togos ist auf derzeit 517 km, das Straßennetz auf 7250 km, davon 2376 km befestigt, ausgebaut. Vor wenigen Jahren wurde der Bahnverkehr eingestellt. LomĂ© besitzt den einzigen Hochseehafen des Landes, ĂŒber den fast der gesamte Im- und Export abgewickelt wird.

Togo verfĂŒgt ĂŒber zwei internationale FlughĂ€fen: Flughafen LomĂ© (IATA-Code LFW) und Niamtougou/Lama Kara (IATA-Code LRL).

Wirtschaft

Togo ist hauptsĂ€chlich ein tropisches, regenabhĂ€ngiges Agrarland. Fast zwei Drittel der ErwerbstĂ€tigen sind in der Landwirtschaft tĂ€tig. Zu den angebauten Grundnahrungsmitteln zĂ€hlen Yams, Maniok, Mais, Hirse, ErdnĂŒsse und Sorghum (Sorgho).

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Togos betrug im Jahr 2015 3734 Mio. EUR. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im selben Jahr 520 EUR. Die Inflation lag 2015 bei 1,9 Prozent. Togo hat in den letzten Jahren einen beachtlichen Wirtschaftsaufschwung erfahren. Die Armut im Land ist jedoch immer noch groß. Etwa 40 Prozent der Bevölkerung Togos verfĂŒgen ĂŒber weniger als 1,25 US-Dollar und ungefĂ€hr 70 Prozent ĂŒber weniger als 2 US-Dollar am Tag. Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2016 bei 6,9 %, allerdings sind viele BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse informeller Natur und UnterbeschĂ€ftigung ist weit verbreitet. Die Gesamtzahl der BeschĂ€ftigten wird fĂŒr 2017 auf 2,6 Millionen geschĂ€tzt; davon sind 49,2 % Frauen. 2015 waren 11,5 % der Bevölkerung unterernĂ€hrt. Im Jahr 2000 lag der Anteil bei 30,4 %.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (KaufkraftparitÀt) angeben.

Außenhandel

Der Phosphatabbau durch die SociĂ©tĂ© Nouvelle des Phosphates du Togo, der 1985 noch 8,4 % zum BSP beigetragen hat, kam 2001 nur noch auf einen Anteil von 2,2 %. Importiert werden IndustriegĂŒter, Maschinen, Fahrzeuge, Nahrungsmittel und Brennstoffe. Die wichtigsten ExportgĂŒter sind Calciumphosphat, verarbeitete Baumwolle (27 %), Kaffee (10 %), Tee und Kakao.

Weitere wirtschaftliche Anreize wurden durch die Schaffung einer Freihandelszone gegeben.

Togo ist Mitglied der International Cocoa Organization.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 1377 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1140 Mio. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,3 % des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2016 79,1 % des BIP.

Sport

Traditioneller Nationalsport Togos ist der Ringkampf, ebenfalls eine bedeutende Rolle kommt dem Fußball zu. Die togoische Fußballnationalmannschaft nahm bereits mehrmals an Afrikameisterschaften teil, kam jedoch nur einmal, im Jahr 2013, ins Viertelfinale. 2006 konnte sich die togoische Mannschaft fĂŒr die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, mit Unterkunft in Wangen im AllgĂ€u, qualifizieren, wo sie als Außenseiter in der Vorrunde scheiterte. Auch fĂŒr die Fußball-Afrikameisterschaft 2010 in Angola konnte sich Togo qualifizieren, doch zog es seine Teilnahme zurĂŒck, da zwei Tage vor Beginn des Turniers, am 8. Januar 2010, der Mannschaftsbus angegriffen wurde. Drei Delegierte starben und weitere Personen, darunter auch Spieler, verletzten sich bei dem von der Frente para a Libertação do Enclave de Cabinda veranlassten Anschlag bei Cabinda. Auf Grund dieses RĂŒckzugs vom Afrika-Cup wurde die Nationalmannschaft Togos vom Afrikanischen Fußballverband CAF zunĂ€chst fĂŒr die nĂ€chsten zwei Turniere gesperrt. Diese Sperre wurde jedoch ein paar Monate spĂ€ter wieder aufgehoben. Bei der Fußball-Afrikameisterschaft 2013 gelangte die togoische Nationalmannschaft erstmals in das Viertelfinale.

Die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking war die achte togoischer Sportler. Benjamin Boukpeti konnte hier mit einer Bronzemedaille im Kanuslalomfahren die erste olympische Medaille fĂŒr Togo gewinnen.

Literatur

  • Rebekka Habermas: Skandal in Togo. Ein Kapitel deutscher Kolonialherrschaft. Fischer, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-10-397229-0.
  • JĂŒrgen Runge. Republik Togo. Geographische Einblicke zwischen dem Golf von Guinea und der Sudanzone in Westafrika. Shaker Verlag, Aachen 2013, ISBN 978-3-8440-1709-0.
  • Margret Kopp: Beim Baobab rechts runter, 2. Auflage, Verlag Togo-Contact, Maisach 2012, ISBN 978-3-00-040570-9. Persönliche Erlebnisse aus ĂŒber 30 Jahren Entwicklungshilfe in Togo, sowie Wissenswertes ĂŒber das Land.
  • Jonas Bakoubayi Billy: Musterkolonie des Rassenstaats: Togo in der kolonialpolitischen Propaganda und Planung Deutschlands 1919–1943, J.H.Röll-Verlag, Dettelbach 2011, ISBN 978-3-89754-377-5.
  • Ederer, Norbert: Togo – inklusive Saharadurchquerung, 2. Auflage, M. Velbinger Verlag, Seefeld 2009.
  • Kleiner Deutscher Kolonialatlas, in 3. Auflage hrsg. von der Deutschen Kolonialgesellschaft im Verlag Dietrich Reimer (Ernst Vohsen), Berlin 1899, mit Bemerkungen zu den Karten (Beschreibung der Kolonialgebiete). Ausgabe 2002 der Verlagsgruppe Weltbild GmbH in Augsburg, ISBN 3-8289-0526-9.

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Togo
  • LĂ€nderinfo Togo des AuswĂ€rtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland
  • Informationen des Honorarkonsuls in Deutschland

Einzelnachweise


 

Region Regionen (0)

Abk Name O
TG.CE Centre  
TG.KA Kara  
TG.MA Maritime  
TG.PL Plateaux  
TG.SA Savanes  
 

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Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Flagge: Togo

Name englisch: Togo
Hauptstadt: Lome
Kfz: RT
ISO: TG
ISO3: TGO
Fläche: 56785 km²
Tld: .tg
Wärung Einheit: XOF
Währung: Franc
Vorwahl: 228

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 11.1394957
südlichster Punkt: 6.1123578
westlichster Punkt: -0.1440418
östlichster Punkt: 1.8090501


 
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