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Staat Informationen : Mali

Informationen:


Mali (deutsch [ˈmaːli], französisch [maˈli], amtlich Republik Mali) ist ein Binnenstaat in Westafrika. In dem rund 1,24 Millionen kmÂČ großen Staat leben etwa 19,55 Millionen Menschen (Stand Juli 2020). Seine Hauptstadt ist Bamako. Der grĂ¶ĂŸte Teil der Bevölkerung lebt im SĂŒdteil des Landes, der von den beiden Strömen Niger und Senegal durchflossen wird. Der Norden erstreckt sich bis tief in die Sahara und ist kaum besiedelt.

Auf dem Gebiet des heutigen Mali existierten im Laufe der Geschichte drei Reiche, die den Transsaharahandel kontrollierten: das Ghana-Reich, das Mali-Reich, nach dem der moderne Staat benannt ist, und das Songhai-Reich. Im goldenen Zeitalter Malis blĂŒhten islamische Gelehrsamkeit, Mathematik, Astronomie, Literatur und Kunst. Im spĂ€ten 19. Jahrhundert wurde Mali Teil der Kolonie Französisch-Sudan. Zusammen mit dem benachbarten Senegal erlangte die Mali-Föderation 1960 ihre UnabhĂ€ngigkeit. Kurz danach zerbrach die Föderation, und das Land erklĂ€rte sich unter seinem heutigen Namen unabhĂ€ngig. Nach langer Einparteienherrschaft fĂŒhrte ein MilitĂ€rputsch 1991 zur Verabschiedung einer neuen Verfassung und zur Etablierung eines demokratischen Mehrparteienstaates.

Im Januar 2012 eskalierte der bewaffnete Konflikt in Nordmali erneut. Im Zuge dessen proklamierten die Tuareg-Rebellen die Abspaltung des Staates Azawad von Mali. Der Konflikt wurde durch den Putsch vom MĂ€rz 2012 und spĂ€tere KĂ€mpfe zwischen Islamisten und den Tuareg noch verkompliziert. Angesichts der Gebietsgewinne der Islamisten begann am 11. Januar 2013 die Operation Serval, im Verlaufe derer malische und französische Truppen den Großteil des Nordens zurĂŒckeroberten. Der UN-Sicherheitsrat unterstĂŒtzt den Friedensprozess mit der Entsendung der MINUSMA.

Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind die Landwirtschaft, die Fischerei und in zunehmendem Maße der Bergbau. Zu den bedeutendsten BodenschĂ€tzen gehören Gold, wovon Mali den drittgrĂ¶ĂŸten Produzenten Afrikas darstellt, und Salz. UngefĂ€hr die HĂ€lfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Das Land lag 2019 im Index der menschlichen Entwicklung auf dem 184. Platz.

In kulturellen Bereichen hat Mali lange Traditionen vorzuweisen. Speziell in Musik, Tanz, Literatur und bildender Kunst fĂŒhrt es ein eigenstĂ€ndiges Kulturleben, das weit ĂŒber seine Grenzen hinaus bekannt ist.

Geographie

Mali ist ein Binnenstaat im Inneren Westafrikas mit 1.240.192 Quadratkilometern FlĂ€che, von denen 20.002 kmÂČ auf GewĂ€sser entfallen. Es liegt in der Großlandschaft Sudan sowie im Sahel. Mali teilt sich seine 7243 Kilometer lange Landgrenze mit sieben Nachbarstaaten. Im Nordosten und Norden mit Algerien (1376 Kilometer LĂ€nge), im Nordwesten mit Mauretanien (2237 km), im Osten mit Niger (821 km) sowie im SĂŒdosten mit Burkina Faso (1000 km). An Mali grenzen außerdem Senegal (419 km) im Westen, Guinea (858 km) im SĂŒdwesten und die ElfenbeinkĂŒste (CĂŽte d’Ivoire, 532 km) im SĂŒden. Nördlich des Nigerbogens liegt die WĂŒste Sahara, die zwei Drittel der LandesflĂ€che bedeckt.

Relief

Die hĂ€ufigste Landschaftsform Malis ist die Ebene. Die monotonen, weitlĂ€ufigen Ebenen wie die Kaarta, der Gourma oder die Gondo-Ebene werden nur örtlich von flachen Tafelbergen oder DĂŒnenformationen aufgelockert. Der SĂŒden des AffolĂ©, das Mandingo-Plateau, das Bandiagara-Plateau oder das Mahardates-Plateau haben UntergrĂŒnde aus Sandstein. Sie sind durch Erosion vielfĂ€ltig gegliedert und erreichen Höhen zwischen 300 und 700 Metern ĂŒber dem Meeresspiegel. In einigen Regionen besteht der Untergrund aus den uralten Gesteinen des afrikanischen Schildes, der zu Ausdruckslosigkeit und breiten TĂ€lern neigt: Im Westen und Osten des Landes, im SĂŒdwesten des AffolĂ©, im Bambouk, im Adrar des Ifoghas und im Vorland der Tamboura-Stufe. DĂŒnenlandschaften, seien die DĂŒnen fossiler oder rezenter Herkunft, bedecken weite Teile des Nordens und reichen bis in die Kaarta im SĂŒden. Nennenswerte DĂŒnenlandschaften sind im Hodh, im Erg von NiafunkĂ©, im Gourma, in der Gondo-Ebene, in den Ergs von Azaouad, von Erigat, von MreyyĂ© oder im Erg Chech anzutreffen. WĂ€hrend die fossilen DĂŒnen meist parallel zueinander verlaufen, sind im AklĂ© Aouana chaotische und sehr mobile DĂŒnenfelder verbreitet. Schichtstufen, die steile, hunderte Meter tief abfallende HĂ€nge bilden, sind fĂŒr Westafrika generell charakteristisch, fĂŒr Mali sind die Bandiagara-Stufe, die Tamboura-Stufe oder die AffolĂ©-Stufe zu nennen. Die wenigen BerglĂ€nder Malis sind Dolerit-Formationen, die ĂŒber die Plateaus hinausragen. Dazu gehören die Erhebungen von Soninke. Der höchste Berg Malis ist der Hombori Tondo mit 1153 m.

Geologie und Böden

Mali liegt zur GĂ€nze auf dem niederafrikanischen Teil des Gondwana-Urkratons. Es dominiert die Becken- und Schwellenstruktur, wobei Mali grĂ¶ĂŸtenteils im Taoudenni-Becken liegt, das sich vom Niger-Binnendelta bis zur mittleren Sahara erstreckt. Die das Becken umgebenden Schwellen bestehen aus Aufwölbungen des kristallinen Urkratons. Er ist hĂ€ufig von Sandstein ĂŒberlagert, der zwischen PalĂ€ozoikum und KĂ€nozoikum durch mehrere Phasen der Überflutung mit Meerwasser entstand. Ablagerungen aus dem TertiĂ€r kommen seltener vor. Da Mali, wie die gesamte Sahelzone, zur randtropischen Zone der exzessiven FlĂ€chenbildung gehört, sind weitlĂ€ufige RumpfflĂ€chen typisch, die von Inselbergen unterbrochen werden. Auf der OberflĂ€che von Sedimenten haben sich verbreitet Lateritkrusten gebildet, die bis zu mehreren Metern dick sein können. Die jĂŒngsten geologischen Formationen verlaufen parallel in nordöstlich-sĂŒdwestlicher Richtung. Es sind alte DĂŒnen, die im JungpleistozĂ€n entstanden, bis zu 30 m hoch sind und durch Savannenvegetation stabilisiert werden.

Was Böden betrifft, sind tropische Roterden am weitesten verbreitet. Sie kommen auf kristallinem Untergrund oder alten Sedimentschichten vor und sind relativ steril. Dort, wo diese Erden Lateritkrusten gebildet haben, gedeiht karge Vegetation aus Combretaceen. In Pedimentbereichen kann sich Verwitterungsmaterial sammeln und taugliche Böden fĂŒr den Ackerbau bilden. Fersiallite, rötlich-braune lessivierte Böden auf Ă€olischen Sanden, kommen ebenfalls verbreitet vor und bilden Schichten von 2 bis 3 Metern. Sie enthalten wenig Humus und sind fĂŒr Bodenzerstörung durch den Menschen anfĂ€llig. Mit entsprechendem DĂŒngereinsatz eignen sie sich fĂŒr den Hirse- oder Baumwollanbau. In der nördlichen Sahelzone dominieren subaride Braunerden, die einerseits die selten fallenden NiederschlĂ€ge gut absorbieren, andererseits aber zur Erosion neigen. Dieser hĂ€ufig mit Gras bewachsene Boden ist fĂŒr die nomadische Weidewirtschaft von hoher Bedeutung. Die WĂŒstenregionen sind durch Rohböden gekennzeichnet, die durch physikalische Verwitterung entstanden sind und kaum organische Anteile aufweisen. Entlang der FlĂŒsse, speziell in den Überschwemmungsgebieten und im Binnendelta des Niger, kommen Gleyböden und Vertisole vor. Sie weisen eine hohe Fruchtbarkeit auf, bergen aber das Risiko der Versalzung und der Spaltbildung bei Trockenheit. Sie eignen sich zum Anbau von Sorghum, Reis, GemĂŒse und anderen FeldfrĂŒchten.

GewÀsser

Der Niger ist der bedeutendste Fluss Westafrikas, er durchquert Mali auf einer LĂ€nge von rund 1700 km. Er fließt aus Guinea kommend im sĂŒdwestlichsten Zipfel des Landes in das Territorium von Mali ein und bildet nach SĂ©gou ein großes Binnendelta. Bei Mopti nimmt er seinen grĂ¶ĂŸten Nebenfluss Bani auf, um sich kurz darauf in zwei Arme, den Bara Issa und den Issa Ber, zu zerteilen. Hier befindet sich eine etwa 100.000 kmÂČ große Schwemmebene, die von zahlreichen flachen, saisonal existierenden Seen bedeckt ist. Kurz vor DirĂ© vereinigen sich die beiden Arme, bei Timbuktu wendet sich der Flusslauf Richtung Osten und bei Bourem in Richtung SĂŒdosten.

Der Senegal-Fluss ist der zweite wichtige Fluss der Region. Er entsteht bei Bafoulabé durch den Zusammenfluss von Bafing und Bakoye. Auf seinem Weg durch den westlichen Teil Malis nimmt der Senegal-Fluss noch das Wasser von Falémé, Kolimbiné und Karakoro auf.

Die ganzjĂ€hrig bestehenden Seen liegen beiderseits des Niger und heißen Niangay und Faguibine. Letzterer ist mit 590 kmÂČ OberflĂ€che in der Regenzeit der grĂ¶ĂŸte See des Landes. Die zahlreichen saisonalen Seen fĂŒllen sich in der Regenzeit mit Wasser, die bedeutendsten von ihnen heißen DĂ©bo, Fati, Teli, Korientze, Tanda, Do, Garou und Aougoundou. Durch die seit den schweren DĂŒrren der frĂŒhen 1980er Jahre abnehmenden RegenfĂ€lle und vor allem dem Bau von StaudĂ€mmen am oberen Niger trocknen Niangay und Faguibine neuerdings regelmĂ€ĂŸig aus.

Die Fischerei in den FlĂŒssen und Seen bildet einen wichtigen Wirtschaftszweig. Die SĂŒmpfe und Feuchtgebiete, die sich in der Regenzeit entlang des Niger bilden, bieten zahlreichen Vogelarten Lebensraum.

Klima

Das Klima Malis wird primĂ€r von der Lage des Landes am Übergangsbereich zwischen wechselfeuchter Savanne im SĂŒden und vollarider Sahara im Norden beeinflusst. Die Wechselwirkung zwischen nordwĂ€rts wandernder innertropischer Konvergenzzone im Sommer und trockenem Nordost-Passat (Harmattan) im Winter beschert allen Regionen des Landes eine ausgeprĂ€gte Einteilung in Trocken- und Regenzeit. Die Trockenzeit fĂ€llt in den Winter und die Regenzeit in den Sommer. Die durchschnittlichen JahresniederschlĂ€ge nehmen von ĂŒber 1200 Millimeter im SĂŒden auf weniger als 25 Millimeter im Norden ab. GroßflĂ€chige Landwirtschaft wird wegen der klimatisch gĂŒnstigeren VerhĂ€ltnisse fast ausschließlich im SĂŒden betrieben. Im Norden gibt es in den Oasen nur kleine landwirtschaftliche NutzflĂ€chen.

Nicht nur die durchschnittlichen JahresniederschlĂ€ge, sondern auch die Regentage pro Jahr, die LĂ€nge der Regenzeit und die RegelmĂ€ĂŸigkeit der NiederschlĂ€ge verhalten sich im SĂŒden weitaus gĂŒnstiger als im Norden. In Sikasso regnet es durchschnittlich an 97 Tagen im Jahr, in Bamako an 76 Tagen, in Timbuktu an 29 und in Kidal an 18 Tagen pro Jahr. WĂ€hrend in Kidal weit mehr als die HĂ€lfte des Jahresniederschlages auf Juli und August entfĂ€llt, erfreut sich der SĂŒden einer Regenzeit, die im Mai einsetzt, im August ihren Höhepunkt erreicht und im Oktober abklingt. Je weiter man nach Norden vordringt, umso mehr fallen die NiederschlĂ€ge in Form von kurzen, heftigen und lokal begrenzten Gewitterregen. Dies erschwert die Landwirtschaft noch zusĂ€tzlich, denn die FeldfrĂŒchte verdorren hĂ€ufig zwischen zwei RegengĂŒssen und zwingen die Bauern zu mehreren Aussaatversuchen.

Die durchschnittlichen Jahrestemperaturen liegen in Mali zwischen 27 °C und 30 °C. Vom geographischen Breitengrad sind sie weitgehend unabhĂ€ngig. Die Jahresamplituden sind jedoch im Norden deutlich höher als im SĂŒden: in Gao oder Timbuktu sind die Sommer mit Durchschnittstemperaturen von bis zu 35 °C heißer und die Winter mit Januar-Temperaturen um die 20 °C kĂ€lter. In Bamako hingegen bewegen sich die durchschnittlichen Temperaturen zwischen 25 °C im Winter und 32 °C im April. Die Extremtemperaturen werden aus den Orten am Rande der Sahara gemeldet: sie liegen nahe dem Gefrierpunkt in kalten WinternĂ€chten und nahe 50 °C im Schatten an Sommertagen. Temperatur-Amplituden von 30 °C innerhalb eines Tages sind dort normal.

Die Regenmenge eines Jahres hĂ€ngt maßgeblich davon ab, wie weit sich die innertropische Konvergenzzone nach Norden bewegt und wie gleichförmig sie ausgeprĂ€gt ist. Ist sie nicht stetig, sondern wellenförmig oder unterbrochen ausgeprĂ€gt, fĂ€llt weniger Regen oder die Regenzeit beginnt spĂ€ter. Treten mehrere Jahre mit ungĂŒnstiger AusprĂ€gung der innertropischen Konvergenzzone hintereinander auf, kommt es zu DĂŒrreperioden. Diese Erscheinung tritt in der Sahelzone in unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden auf. Seit den 1960er Jahren kommen DĂŒrreperioden aber immer hĂ€ufiger vor. Auch ein langfristiger RĂŒckgang der NiederschlĂ€ge kann fĂŒr diese Zeitspanne nachgewiesen werden. Dies wird mit verminderter Verdunstung in den Innertropen aufgrund von Umweltzerstörung erklĂ€rt. FĂŒr die Zukunft erwarten manche Wissenschaftler, dass die NiederschlĂ€ge in Mali weiterhin abnehmen und dass die Vegetationszonen sich nach SĂŒden verschieben. Die Auswirkungen auf Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit wĂ€ren in diesem Falle schwerwiegend.

StÀdte

In Mali liegen einige der Ă€ltesten StĂ€dte Westafrikas. DjennĂ© entwickelte sich vom 9. Jahrhundert durch Zuwanderung von Soninke aus dem zerfallenen Ghana zu einem Handelszentrum, das seinen Höhepunkt im 13. Jahrhundert erlebte und dessen Architektur bis heute den Dörfern des Niger-Binnendeltas als Vorbild dient. Das am SĂŒdrand der Sahara gelegene Timbuktu entwickelte sich ab dem 12. Jahrhundert zu einer der wichtigsten StĂ€dte der Region, die von ihrer Lage am nördlichsten Punkt des Nigerbogens profitierte. WĂ€hrend diese alten StĂ€dte sinkende Bevölkerungszahlen vorweisen, weist Mali insgesamt eine schnelle VerstĂ€dterung auf, die die neuen urbanen Zentren schnell wachsen lĂ€sst. Neben dem allgemein hohen Bevölkerungswachstum trĂ€gt die Landflucht aufgrund sich verschlechternder ökologischer VerhĂ€ltnisse, DĂŒrre oder politischer InstabilitĂ€t zu einer schnellen Urbanisierung bei. Lebten im Jahr 1965 noch 9 % der Malier in StĂ€dten, so werden es 2015 voraussichtlich etwa 41 % sein.

Die mit Abstand grĂ¶ĂŸte Stadt des Landes ist Bamako, das von 6500 Einwohnern im Jahr 1908 auf ĂŒber 1,8 Millionen Einwohner im Jahr 2009 gewachsen ist. Die Stadt ist Regierungs- und Verwaltungszentrum des Landes und dient als BrĂŒckenkopf ins Ausland, speziell fĂŒr Entwicklungshilfe. Hier befindet sich auch die Deutsche Botschaft Bamako, die offizielle und höchste diplomatische Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der Republik Mali, zu der die Bundesrepublik Deutschland am 23. September 1960 und die Deutsche Demokratische Republik am 19. April 1973 diplomatische Beziehungen aufgenommen hat. Eine grenzĂŒberschreitende Bedeutung hat die Stadt jedoch nicht. Weitere bedeutende StĂ€dte sind Sikasso (2009: 226.618 Einwohner), SĂ©gou (133.501 Einwohner) und das Zentrum der malischen Baumwollverarbeitung Koutiala (75.000 Einwohner 1998). Durch den Zustrom von DĂŒrreflĂŒchtlingen sind Mopti (81.000 Einwohner 1998, 120.786 im Jahr 2009) und SĂ©varĂ© stark gewachsen. Die StĂ€dte im Nordsahel wie Timbuktu (2005: 30.000 Einwohner, 2009 54.629) oder Gao (2009 86.353) sind von Abwanderung, vor allem junger Leute, betroffen.

Flora und Fauna

Die Vegetation in Mali ist das Ergebnis jahrhundertelanger menschlicher Eingriffe. Eine natĂŒrliche Vegetation ist nur noch in eng begrenzten Gebieten vorhanden. Die durch Beweidung, Ackerbau und Brandrodung entstandene Kulturlandschaft lĂ€sst sich, abhĂ€ngig von der Menge des Niederschlags, in vier Zonen einteilen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist den Pflanzen dieser Zonen gemeinsam, dass sie zu Beginn der Regenzeit austreiben und in den trockenen Monaten ihr Laub abwerfen bzw. den oberirdischen Teil absterben lassen.

Der Bereich der dichten bis offenen TrockenwĂ€lder im sĂŒdlichen Teil des Landes ist durch Baumarten wie Kapokbaum (Ceiba pentandra), KaritĂ©baum (Vitellaria paradoxa), Afrikanischer Affenbrotbaum (Adansonia digitata) oder Anabaum (Faidherbia albida) bestimmt. Alle diese BĂ€ume werden durch den Menschen intensiv genutzt. Auf weniger gĂŒnstigem Boden gedeihen Combretum-Gehölze. HorstgrĂ€ser wie Hyparrhenia-, Pennisetum-, Loudetia- und Andropogon-Arten bilden die Grasschicht. Nördlich der TrockenwĂ€lder, wo weniger als 600 mm Jahresniederschlag fallen, breitet sich die sahelische Dornstrauchsavanne aus. Es dominieren verschiedene Akazien-Arten, WĂŒstendattel (Balanites aegyptiaca) oder Combretum glutinosum, sowie die Gras-Arten Cenchrus biflorus oder Aristida mutabilis. Eragrostis tremula besiedelt hĂ€ufig FlĂ€chen, auf denen Hirse angebaut wurde. Bei dieser Savanne handelt es sich um den Tigerbusch; dort wechseln sich FlĂ€chen mit und ohne Vegetation in Streifenform ab.

Die Grenze zwischen Dornbaumsavanne und Nordsahel liegt bei 250 bis 100 mm Jahresniederschlag. In feuchten Niederungen des Nordsahel gedeihen noch Akazien-Arten, Strauch-Arten wie Leptadenia pyrotechnica oder die wichtigen Futterpflanzen Maerua crassifolia oder ZahnbĂŒrstenbaum (Salvadora persica). Die Sahara beginnt dort, wo der Jahresniederschlag 100 mm unterschreitet. In diesen Gebieten treten Akazien-Arten nur noch in Wadis auf. An gĂŒnstigen Standorten gedeihen HorstgrĂ€ser wie Aristida pungens, Aristida longiflora oder Panicum turgidum.

In Mali endemische Arten sind Maerua de waillyi aus der Familie der KaperngewĂ€chse, Elatine fauquei aus der Familie der TĂ€nnelgewĂ€chse, Pteleopsis habeensis (FlĂŒgelsamengewĂ€chse), Hibiscus pseudohirtus (MalvengewĂ€chse), Acridocarpus monodii (MalpighiengewĂ€chse), Gilletiodendron glandulosum (HĂŒlsenfrĂŒchtler), Brachystelmam edusanthernum (Gattung Brachystelma), Pandanus raynalii (SchraubenbaumgewĂ€chse).

Aufgrund der Überjagung durch Einheimische und andere JĂ€ger, der Desertifizierung weiter Gebiete mit starken Trockenheiten und der fortschreitenden Kultivierung und Konkurrenz mit Weidetieren sind in Mali vor allem grĂ¶ĂŸere Wildtiere viel seltener als in vielen anderen afrikanischen Staaten. Ebenso wie in Mauretanien lagen in der Vergangenheit die Aussterberaten fĂŒr Populationen von SĂ€ugetieren in Mali im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten sehr hoch, trotz der niedrigen Bevölkerungsdichte.

Insgesamt sind etwa 140 SĂ€ugetierarten in Mali heimisch. Zahlreiche Arten von GroßsĂ€ugern sind ausgestorben, darunter die ehemals hĂ€ufige SĂ€belantilope und die Mendesantilope (die vielleicht noch im Grenzgebiet zu Mauretanien vorkommt), oder wurden auf kleine Restpopulationen reduziert. Die Westafrikanische Giraffe kam ursprĂŒnglich in weiten Teilen in Zentralmali vor, wurde jedoch durch intensive Bejagung auf eine Restpopulation im Grenzgebiet zu Niger reduziert und gilt heute ebenfalls als ausgestorben. Etwa 350 Elefanten leben in der Region Gourma im Grenzgebiet zum nördlichen Burkina Faso. Bei letzteren handelt es sich um die nördlichste Population der Afrikanischen Elefanten und sie zeigen ein periodisches Wanderverhalten im Grenzgebiet, wobei das in Mali befindliche Areal den grĂ¶ĂŸeren Teil des Verbreitungsgebiets ausmacht. Im Niger, dem Nigerbinnendelta, dem DĂ©bo-See sowie im Senegal kommt zudem der Afrikanische Manati vor, eine Art der SeekĂŒhe. Die gefĂ€hrdete und international geschĂŒtzte Art kommt regelmĂ€ĂŸig vor, die BestĂ€nde sind jedoch durch Bejagung und die Verschlechterung der WasserqualitĂ€t rĂŒcklĂ€ufig und sollen in Zukunft besonders geschĂŒtzt werden.

Der Schimpanse kommt nur im Ă€ußersten SĂŒdwesten des Landes im Grenzgebiet zu Guinea vor, wo seine Anwesenheit erst 1977 zum ersten Mal dokumentiert wurde. Ihre Zahl wurde 1984 auf 500–1000 Individuen geschĂ€tzt, 1993 kam man hingegen auf eine Zahl von 1800 bis 3500. Wichtigste Habitate sind die von Gilletiodendron glandulosum aus der Familie der HĂŒlsenfrĂŒchtler durchsetzten WĂ€lder, die im Gilletiodendron-Wald etwa 60 fĂŒr Schimpansen essbare Pflanzenarten bieten. Die Gruppen sind dort grĂ¶ĂŸer als in denjenigen VerbĂ€nden, die in der Savanne leben. Wichtigstes Schutzgebiet ist daneben die 1990 eingerichtete RĂ©serve faunique du Bafing. Weitere in Mali anzutreffende Primaten sind der Husarenaffe, die Westliche GrĂŒnmeerkatze, der Anubispavian, sowie der Guinea-Pavian (nur im Ă€ußersten Westen) und der Senegal-Galago. An Raubtieren waren in der Vergangenheit unter anderem Löwen und Geparden in Mali anzutreffen, deren BestĂ€nde aber immer weiter abnahmen, sodass sie heute ebenso wie der Afrikanische Wildhund auch in den geschĂŒtzten Gebieten nicht mehr vorhanden sind. Kleinere Raubtiere wie der Blassfuchs, die Sandkatze, die Falbkatze, einige Schleichkatzen und Marder kommen weiterhin in Mali vor. Andere SĂ€ugetiere sind einige Arten kleinerer Antilopen, die MĂ€hnenziege, das Erdferkel und das Flusspferd, daneben leben zahlreiche KleinsĂ€uger in dem Land.

Nach Angaben von BirdLife International sind fĂŒr Mali insgesamt 562 Vogelarten nachgewiesen, davon 117 Wasservögel. 229 Arten werden als Zugvögel klassifiziert. Zahlreiche Vogelarten leben vor allem im Binnendelta des Niger, in diesem Gebiet ĂŒberwintern auch viele Zugvögel aus Europa. ErwĂ€hnenswert ist der Mali-Amarant, der in ReisefĂŒhrern gelegentlich als Endemit fĂŒr Mali ausgewiesen wird, jedoch auch in den NachbarlĂ€ndern vorkommt. Zu den gefĂ€hrdeten Vögeln Malis gehören grĂ¶ĂŸere bodenlebende Vögel wie der Afrikanische Strauß, Trappen wie die Arabertrappe und die Nubische Trappe sowie PerlhĂŒhner.

Unter den Reptilien Malis gibt es ĂŒber 170 Echsenarten, unter anderem Warane und Dornschwanz-Agamen, und ĂŒber 150 Schlangenarten. Hierzu zĂ€hlen Vipern wie die Puffotter, diverse Sandrasselottern und die WĂŒsten-Hornviper sowie Giftnattern wie mehrere Kobras und die Boomslang, die im SĂŒden prĂ€sent ist. Auch der Nördliche Felsenpython ist Bestandteil der Herpetofauna des Landes. Im Niger und anderen FlĂŒssen leben zudem wie in den meisten grĂ¶ĂŸeren FlĂŒssen Afrikas Krokodile, vor allem das Nilkrokodil. Neben diesen Arten sind auch 15 Schildkrötenarten fĂŒr Mali nachgewiesen.

Die FlĂŒsse und Seen Malis werden von ĂŒber 140 Fischarten bewohnt, darunter sind 18 Welsarten, 14 Salmlerarten, 9 Buntbarsche (u. a. die Niltilapie, Sarotherodon galilaeus und Coptodon zillii) und 4 Karpfenfische. Der grĂ¶ĂŸte Fisch Malis ist der planktonfressene Afrikanische KnochenzĂŒngler.

FĂŒr die Ökosysteme der Sahelzone sind Termiten wichtig, die den Boden auflockern und Humus bilden. Besonders auffallend sind die Bauten der Art Cubitermes fungifaber. Die Webervögel-Arten sind gefĂŒrchtete SchĂ€dlinge in den Reisfeldern. Noch mehr Sorgen bereiten der Bevölkerung Wanderheuschrecken. Die WĂŒstenheuschrecke, die ihre Brutgebiete im Maghreb hat, kann in Jahren mit ausreichend Niederschlag in riesigen SchwĂ€rmen ĂŒber die Sahara in den Sahel wandern und natĂŒrliche Vegetation wie auch Nutzpflanzen vernichten.

Einziger Nationalpark Malis ist der Boucle-du-BaoulĂ©-Nationalpark im Westen des Landes, rund 200 km nördlich von Bamako. Er umfasst eine FlĂ€che von 5430 kmÂČ und dient dem Schutz von Flusspferden, Giraffen, Wasserböcken, Pferdeantilope, Riesen-Elen- und Leierantilopen sowie Warzenschweinen, dazu einer entsprechenden Flora. Allerdings sind seine WĂ€lder durch agrarische und pastorale Übernutzung ebenso gefĂ€hrdet wie die der sĂŒdlich anschließenden RĂ©serve de Fina.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerung Malis gehört zu den am schnellsten wachsenden der Welt. Sie vermehrt sich jedes Jahr um 3 Prozent. Die Bevölkerung hat sich von 2000 bis 2020 verdoppelt. Dies liegt vor allem an der sehr hohen FertilitĂ€tsrate von 5,8 Kindern pro Frau. Anders als in vielen afrikanischen LĂ€ndern begann die FertilitĂ€t etwa 10 bis 15 Jahre spĂ€ter, nĂ€mlich erst seit Ende der 1990er Jahre, zu sinken – ausgehend von einem Wert von ĂŒber 7 Kindern pro Frau. Die Bevölkerung ist dementsprechend jung. 2019 waren 47,3 % unter 15 Jahre alt. Das Medianalter lag 2020 bei geschĂ€tzt 16,4 Jahren. Die Lebenserwartung bei Geburt ist von 29,7 Jahren (1950) auf 59,3 Jahre (2019) gestiegen. Diese Faktoren zusammengenommen bescheren dem Land ein Bevölkerungswachstum, fĂŒr das kein Abklingen in Aussicht steht, das jedoch in seiner Höhe nicht mehr lange aufrechterhalten werden kann. Rein rechnerisch hĂ€tte Mali bei konstant bleibendem Wachstum im Jahre 2050 43,5 Millionen Einwohner, was angesichts der ökologischen Voraussetzungen undenkbar ist. Somit befindet sich das Land auf dem Weg „in ein Desaster“ von grĂ¶ĂŸeren sozialen, demographischen und ökologischen Krisen.

Migration

Die Bevölkerung Malis setzt sich aus rund 30 verschiedenen Ethnien zusammen. Sie haben verschiedene Sprachen und Kulturen. FĂŒr die Völker Malis haben Migration und MobilitĂ€t eine lange Tradition. Einige ihrer frĂŒhen Reiche erlangten ihren Wohlstand und ihre Macht durch Handel treibende Karawanen. Das Nomadentum gehörte bei vielen Völkern des Landes noch bis vor kurzem zum Leben. Die traditionellen Bewegungen der Migranten verlaufen ĂŒber die erst vor wenigen Jahrzehnten gezogenen Grenzen hinweg.

Seitdem das Land unabhĂ€ngig wurde, verlor es ungefĂ€hr 3 Millionen BĂŒrger an das Ausland. Im Jahr 2010 lebten mehr als 1 Million Malier im Ausland. Das waren 7,6 % der Bevölkerung. Unter Personen mit höherer Ausbildung lag dieser Anteil doppelt so hoch. Zu den wichtigsten Zielen malischer Auswanderer gehören seine Nachbarn ElfenbeinkĂŒste, Nigeria, Niger, Burkina Faso, Senegal sowie Frankreich und Spanien. Im Jahr 2010 lebten 162.000 AuslĂ€nder in Mali. Das waren 1,2 % der Bevölkerung. Die meisten von ihnen kamen aus den benachbarten Staaten und waren zu etwa 6 % FlĂŒchtlinge.

Die Gelder, die ausgewanderte Malier nach Hause senden, sind zu einem wichtigen Faktor der malischen Wirtschaft geworden. Im Jahre 2009 beliefen sich diese Überweisungen auf 400 Millionen US-Dollar. Das war dreimal so viel wie sechs Jahre zuvor. Die Höhe dieser Transfers entspricht dem Vierfachen der Direktinvestitionen auslĂ€ndischer Unternehmen oder nicht ganz der HĂ€lfte der Entwicklungshilfe.

Ethnien

Die Grenzen Malis verlaufen nicht entlang nationaler oder ethnischer Siedlungen. Sie wurden durch koloniale EinflĂŒsse und VerwaltungsrĂ€ume bestimmt. Heute leben in Mali Völker, die sich durch Sprache, Religion und andere anthropologische und ethnologische Merkmale unterscheiden. Diese Menschen siedeln nicht allein in Mali, sondern auch in den NachbarlĂ€ndern. Die Zuordnung zu den Ethnien und deren Bezeichnung sind teilweise Konstrukte aus der Kolonialzeit.

Die dominierende Gruppe in Mali heißt Mande, sie macht rund 40–45 % der Bevölkerung aus. In diese Gruppe fallen die Bambara (35 %), Malinke (5 %) und Jula (2 %). Ihre Siedlungen liegen im sĂŒdwestlichen Dreieck des Landes.

Zu den Sudanvölkern, die 21 % der Bevölkerung erreichen, gehören die Soninke oder auch Sarakolle (8 %), Songhai (7 %), Dogon (5 %) und die Bozo (1 %).

Die Volta-Völker sind mit etwa 12 % vertreten. Sie siedeln vornehmlich nahe der Grenze zu Burkina Faso. Zu ihnen gehören die Senufo (9 %) und Bwa sowie Bobo (2 %) und Mossi (1 %).

WĂ€hrend alle diese Gruppen sesshaft leben und schwarzafrikanischer Herkunft sind, fĂŒhren die Fulbe (10 %), die Tuareg (6 %) und die „Mauren“ (3 %) ein nomadisches oder halbnomadisches Leben. Viele Nomaden mussten durch klimatische VerĂ€nderungen und kriegerische Auseinandersetzungen der letzten Jahre ihr traditionelles Leben aufgeben. Besonders die Tuareg sind von fortschreitender Marginalisierung bedroht.

Sprachen

In Mali werden 35 Sprachen gesprochen, die zu drei verschiedenen Sprachfamilien gehören, und die ihrerseits wieder in lokale Varianten und Dialekte zerfallen. Die Sprachgrenzen verlaufen entlang der ethnischen Grenzen. Bambara ist mit geschÀtzten 4 Millionen Muttersprachlern die bedeutendste dieser Sprachen, sie gilt als Verkehrssprache nicht nur des Landes, sondern der ganzen Region, und hatte diese Rolle bereits in der Vergangenheit. GeschÀtzte 5 Millionen Malier sprechen Bambara heute als Zweitsprache. Senufo hat geschÀtzte 2 Millionen Sprecher allein in Mali, auch in den NachbarlÀndern ist Senufo weit verbreitet. Weitere wichtige Sprachen sind Songhai (1,5 Millionen Sprecher), Fulfulde (auch 1,5 Millionen) und Maninka (1,2 Millionen Sprecher). Im Norden Malis sind Tuareg-Sprachen und Arabisch verbreitet, die dortige Bevölkerung betrachtet Bambara als Mittel der Machtentfaltung der subsaharischen Völker und weigert sich aus diesem Grund, diese Sprache zu lernen. Die Tuareg-Sprachen Tamascheq und Tamahaq haben in Mali gemeinsam rund 800.000 Sprecher.

Die französische Sprache wird in Mali zwar lediglich von einer verschwindenden Minderheit als Muttersprache gesprochen, wird aber trotzdem von der Verfassung Malis zur Amtssprache erklĂ€rt. Das malische Gesetz erkennt neben Französisch 13 Sprachen als nationale Sprachen an (Bambara, Bomu, Bozo, Escarpment Dogon, Maasina Fulfulde, Hassaniya Arabisch, Mamara, Kita Maninkakan, Soninke, Koyra Senni, Senara, Tamascheq, Xaasongaxango) und verbietet Diskriminierung aufgrund von Sprache. WĂ€hrend Parlamentsdebatten auf Französisch gehalten werden, wird in Gerichten meist in einer nationalen Sprache verhandelt. Die Unterlagen werden in jedem Fall auf Französisch angefertigt. An den Schulen wird ebenfalls meist in der Sprache der Ethnie unterrichtet, Französisch nimmt jedoch schon in der Grundschule breiten Raum ein. Höhere Bildung wird allein auf Französisch angeboten. Als Mittel zur Steigerung der sozialen MobilitĂ€t, also als Mittel des gesellschaftlichen Aufstiegs und der regionalen MobilitĂ€t, besitzt die Sprache der frĂŒheren Kolonialmacht hohe Bedeutung. Es wird geschĂ€tzt, dass inzwischen 2,2 Millionen Malier Französisch lesen und schreiben können.

Religionen

Mali ist ein muslimisch geprĂ€gtes Land. Zwischen 85 % und 90 % der Bevölkerung bekennen sich zum sunnitischen Islam malikitischer Rechtsschule. Eine in Westafrika verbreitete, und auf der Gleichheit aller Muslime beharrende Richtung des Islams gelangte spĂ€testens im 11. Jahrhundert zu starkem Einfluss in Mali. TrĂ€ger dieser Variante der Islamisierung waren berberische HĂ€ndler, die als Charidschiten mit der Sudan-Zone Handel trieben. FĂŒr lange Zeit blieb der Islam auf die Elite der stĂ€dtischen Zentren beschrĂ€nkt. Herrscherfamilien, HĂ€ndler und Weise waren zum Islam konvertiert, wĂ€hrend die Mehrheit der Bevölkerung traditionellen Glaubenssystemen anhing. Trotzdem blĂŒhte in einigen StĂ€dten Malis ab dem 13. Jahrhundert die islamische Gelehrsamkeit. Nach 1800 kam es in Westafrika zur Bildung islamischer Staaten: durch Usman dan Fodio, den GrĂŒnder des Kalifats von Sokoto oder Seku Amadu Bari, der das theokratische Massina-Reich grĂŒndete. Parallel dazu konvertierten viele junge MĂ€nner zum Islam, der in ihren Augen eine Alternative zur europĂ€ischen Kolonialkultur darstellte; erst hiermit durchdrang der Islam die Landbevölkerung Malis. Der Islam Malis hat im Verlauf der Zeit zahlreiche Elemente der traditionellen Religionen aufgenommen. Besonders der Sufismus bot den Menschen Raum fĂŒr ihre Vorstellungen von Geistern, DĂ€monen und verborgenen KrĂ€ften. Auch heute noch sind religiöse Spezialisten einflussreich. Sie beziehen ihr Ansehen nach weit verbreiteter Auffassung aus der Kenntnis der arabischen Schrift, aus dem Wissen um besonders mĂ€chtige Suren im Koran und durch eine von den Vorfahren ererbte Segenskraft (Baraka). Seit den 1930er Jahren gibt es unter dem Einfluss Gelehrter, die in Saudi-Arabien oder Ägypten studiert haben, eine Bewegung, die sich gegen die esoterischen Praktiken im malischen Islam einsetzt. Die Verfechter der hybriden Religionspraxis verteidigen ihren Zugang zum Islam jedoch als Gehen auf zwei Pfoten. Die Sufi-Tradition der QādirÄ«ya aus dem 11. Jahrhundert und der TidschānÄ«ya aus dem 18. Jahrhundert, wie auch der geistige Austausch mit anderen Völkern Westafrikas haben den malischen Islam stark geprĂ€gt.

In den 1940er und 1950er Jahren verbreitete sich in den Kreisen malischer Studenten und HĂ€ndler, die direkte oder indirekte Kontakte mit dem Vorderen Orient hatten, das Wahhabitentum. WĂ€hrend des Regimes von Moussa TraorĂ© (1968–1991) erlebte das Land eine schleichende Islamisierung. TraorĂ© betonte seit den 1980er Jahren die muslimische IdentitĂ€t Malis.

Vor der Islamisierung herrschten ethnische Religionen vor. In ihrer ursprĂŒnglichen Form sind sie in abgelegenen Regionen des sĂŒdwestlichen Teils des Landes erhalten geblieben. Sie dienen vor allem der Aufrechterhaltung der lĂ€ndlichen Subsistenz-Gesellschaft und umfassen Ahnenkult, Glaube an Geister und Magie sowie die Praxis von Opfergaben und die Mitgliedschaft in GeheimbĂŒnden. Jeder Angehörige der Gemeinschaft durchlĂ€uft verschiedene Phasen, wobei am Beginn jeder dieser Phasen eine Initiation stattfindet. Auch der jeweils nĂ€chsten Phase geht ein Aufnahmeritual voran. Die religiösen Traditionen sind bei jeder der zahlreichen Ethnien des Landes anders.

Christen machen nach unterschiedlichen Angaben 1–5 % der Bevölkerung aus. Die meisten von ihnen bekennen sich zur katholischen Kirche und gehören den Völkern Dogon und Bobo an. Der malische Staat respektiert die in der Verfassung verankerte Religionsfreiheit. Der Erzbischof von Bamako, Luc SangarĂ©, galt bis zu seinem Tod als einflussreiche und auch von Muslimen respektierte Persönlichkeit. Sein Nachfolger ist seit 1998 Jean Kardinal Zerbo. Mali und der Heilige Stuhl unterhalten diplomatische Beziehungen. Apostolischer Nuntius ist seit MĂ€rz 2019 Erzbischof Tymon Tytus Chmielecki.

Die malische Gesellschaft war bis zum Ausbruch der Rebellion von Respekt gegenĂŒber AndersglĂ€ubigen geprĂ€gt, doch hat religiöse Verfolgung in der jĂŒngsten Vergangenheit stark zugenommen.

Bildung

Bis zum Ende der französischen Kolonialherrschaft existierte ein modernes Bildungssystem nur an wenigen Orten. Sein Ziel war vor allem die Ausbildung von Verwaltern und Übersetzern fĂŒr die koloniale Administration. Nach der UnabhĂ€ngigkeit machte die Regierung von Modibo KeĂŻta die Ausbildung von Fachpersonal fĂŒr die Entwicklung des jungen Staates zu einer PrioritĂ€t. Am Ende der 1960er Jahre besuchten immerhin ein Drittel der Jungen und ein FĂŒnftel der MĂ€dchen die Schule. Die Diktatur ab 1968 brachte RĂŒckschritte im Bildungssystem: Budgets wurden gekĂŒrzt, die Anzahl der Lehrer sank, die Lehrergewerkschaft war Repressalien ausgesetzt. Am Ende der 1980er Jahre konnte nur eines von fĂŒnf Kindern die Schule besuchen. In den 1990er Jahren wurde Bildung wieder PrioritĂ€t. In Zusammenarbeit mit der Weltbank wurde das Programm PRODEC aufgelegt, vor allem um die QualitĂ€t der Grundschulausbildung zu verbessern und allen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Das Bildungsbudget wurde aufgestockt und erreichte im Jahr 2004 einen Anteil von 30,06 % an den gesamten Staatsausgaben. Fast drei Viertel aller Kinder hatten dadurch Zugang zu Bildung.

Das malische Schulsystem ist an jenes anderer französischsprachiger LĂ€nder angelehnt. Weniger als 2 % der Kinder besuchen KindergĂ€rten (jardin d’enfants). Mit sechs Jahren werden die Kinder eingeschult, die Grundschule (Premier cycle) dauert sechs Jahre, daran schließt sich ein dreijĂ€hriger Second cycle an. Nach Abschluss dieses Second cycle können die SchĂŒler ein dreijĂ€hriges LycĂ©e besuchen. Akademische Bildungseinrichtungen gibt es in Bamako und SĂ©gou. An der UniversitĂ© de Bamako studierten im Jahr 2011 80.000 Studenten. 2011 wurde die UniversitĂ€t aufgelöst und an ihrer Stelle vier Institutionen entsprechend ihrer jeweiligen fachlichen Ausrichtung gegrĂŒndet. So entstanden in Bamako die UniversitĂ© des sciences sociales et de gestion, die UniversitĂ© des lettres et des sciences humaines, die UniversitĂ© des sciences, des techniques et des technologies und die UniversitĂ© des sciences juridiques et politiques sowie die École Normale d'Enseignement Technique et Professionnel.

Trotz der Fortschritte der letzten 15 Jahre sieht sich das malische Bildungssystem zahlreichen Problemen gegenĂŒber. Finanznot bedingt schlechte RĂ€umlichkeiten, den Mangel an Unterrichtsmaterial und an Lehrern: im Jahr 2006 musste im Schnitt ein Lehrer 66 SchĂŒler betreuen. Politische Krisen im In- und Ausland verursachen FlĂŒchtlingsströme, die die lokalen Schulen ĂŒberlasten. Der Anteil der SchĂŒler, die die Schule vor dem Abschluss abbrechen, ist sehr hoch, und der Zugang vom Bildungssystem ist aus kulturellen und finanziellen GrĂŒnden ungleich verteilt: MĂ€dchen haben eine viel niedrigere Chance auf Bildung als Jungen, die Landbevölkerung deutlich geringere Möglichkeiten als die Stadtbevölkerung. 2015 waren 61,3 Prozent aller mindestens 15 Jahre alten Personen Analphabeten (auch durch den frĂŒher geringeren Anteil des Schulbesuchs).

Außerhalb des formellen Bildungssystems arbeiten Koranschulen, wo die Kinder ausschließlich in arabischer Sprache und Koranversen unterwiesen werden, und wo sie sich ihren Lebensunterhalt selbst durch Betteln erwerben mĂŒssen. In MĂ©dersas werden die Kinder in religiösen FĂ€chern, aber auch in Französisch, Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet.

Gesundheit

Das Gesundheitssystem Malis ist wenig entwickelt, speziell außerhalb der Hauptstadt Bamako. Es stehen pro 100 000 Einwohner 5 Ärzte und 24 Krankenhausbetten zur VerfĂŒgung (Stand: 1999). Bedingt durch MangelernĂ€hrung, verkeimtes Trinkwasser und schlechte Hygiene treten Infektionskrankheiten wie Malaria, Cholera und Tuberkulose regelmĂ€ĂŸig auf. 43 % der Bevölkerung können bei Krankheit oder Verletzung einen Arzt aufsuchen. Im Jahr 2006 wurde in der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren eine HIV-PrĂ€valenz von 1,3 % ermittelt, was rund 66 000 Personen entspricht. Diese Zahl bedeutet einen RĂŒckgang gegenĂŒber den spĂ€ten 1990er Jahren, als die HIV-PrĂ€valenz auf bis zu 3 % geschĂ€tzt wurde. Fast zwei Drittel der Bevölkerung kennen die Übertragungswege von HIV. Trotzdem werden (vermeintlich) HIV-positive Menschen gesellschaftlich ausgegrenzt. Bluthochdruck, der in Afrika ĂŒberdurchschnittlich hĂ€ufig auftritt, betrifft in Mauretanien 35 %, was den höchste Wert in Afrika darstellt, in Mali 33,2 % der MĂ€nner (global: 24 %); bei den Frauen liegt Mali mit 29,5 % sehr hoch (global: 20 %). Die Kindersterblichkeit konnte stark gesenkt werden. Im Jahr 1950 starben 43 % der Kinder vor ihrem 5. Geburtstag, im Jahr 2018 waren es noch rund 10 %. Die SĂ€uglingssterblichkeitsrate liegt bei 6,3 %.

Mali gehört zu jenen Staaten, wo die Beschneidung junger MĂ€dchen am weitesten verbreitet ist. Im Jahr 2006 gaben 85 % der Frauen an, beschnitten zu sein. Ebenso viele Frauen gaben an, ihre Töchter beschneiden lassen zu wollen. Die Praxis ist unabhĂ€ngig von Einkommen, Ausbildungsniveau oder Religion: Zwei Drittel der Frauen christlicher Religion sind beschnitten. Frauen der Tuareg oder Songhai sind zu weniger als einem Drittel beschnitten, wĂ€hrend der Anteil beschnittener Frauen bei den Bambara oder MalinkĂ© bei 98 % liegt. Da der Eingriff vor dem 5. Lebensjahr und meist nicht von medizinischem Fachpersonal, sondern von einer traditionellen Beschneiderin durchgefĂŒhrt wird, sind Komplikationen hĂ€ufig. Trotzdem ist die Beschneidung so fest in der Tradition der Völker Malis verwurzelt, dass sĂ€mtliche Initiativen zur Abschaffung der Beschneidung nur zu einem geringen RĂŒckgang dieser Praxis gefĂŒhrt haben.

Politik

Mali war bis zum MilitĂ€rputsch im MĂ€rz 2012 politisch stabil. Zwei Jahrzehnte lang galt das Land aufgrund regelmĂ€ĂŸiger Wahlen als gelungenes Beispiel einer Demokratisierung. Gleichzeitig blieb es eines der Ă€rmsten und am wenigsten entwickelten LĂ€nder der Welt. Der Putsch von 2012 hat seine KrisenanfĂ€lligkeit und seine institutionellen SchwĂ€chen offenbart: InadĂ€quate Institutionen, mangelnde Aufsicht und Durchsetzung von Rechten, vor allem aber grassierende Korruption in Regierung, Wirtschaft und bei den SicherheitskrĂ€ften, ebenso wie im Bildungs- und im Gesundheitssektor. Hinzu kam die Veruntreuung von Geldern aus der Entwicklungshilfe. Der Vertrauensschwund in die Demokratie zeigte sich in Wahlbeteiligungen von unter 40, meist um die 20 %. Leistungen des öffentlichen Dienstes und der Vorsorge werden vorwiegend gegen „Geschenke“ (magouille) erbracht, Ämterkauf ist verbreitet, dazu kommt das Abzweigen von Geldern aus staatlichen Einnahmen, Nepotismus und Favoritismus, Missbrauch von Ausschreibungen und Vorkaufsrechten sowie Bestechung.

Die instabile Lage wirkt sich auf die NachbarlĂ€nder aus: Die RĂŒckwanderung von AuslĂ€ndern, die in Mali beschĂ€ftigt waren, drĂŒckt auf die ArbeitsmĂ€rkte der Nachbarstaaten. In den betroffenen Staaten wurden die Ausgaben fĂŒr Sicherheit und RĂŒstung erhöht.

Politisches System

Das politische Leben Malis basiert auf der 1992 durch eine Volksabstimmung angenommenen Verfassung. Das republikanische Regierungssystem ist an dasjenige Frankreichs angelehnt und als semiprÀsidentiell zu bezeichnen. Es sieht eine Gewaltenteilung in Exekutive, Legislative und Judikative vor.

Die exekutive Macht liegt in den HĂ€nden des StaatsprĂ€sidenten, der alle fĂŒnf Jahre durch direkte Wahl in zwei WahlgĂ€ngen bestimmt wird. Er ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte. Die Amtsdauer ist auf zwei Legislaturperioden beschrĂ€nkt.

Der PrĂ€sident ernennt einen Premierminister, der die Minister vorschlĂ€gt. Der PrĂ€sident ist Vorsitzender des Ministerrates. Der Ministerrat setzt die Regierungspolitik um und legt der Nationalversammlung GesetzesvorschlĂ€ge zur Abstimmung vor. Die Anzahl der Ministerien ist typischerweise hoch (24 im Jahre 2004, 34 im Jahre 2013), die Effizienz der Ministerien darf als niedrig bezeichnet werden. Im Einkammersystem wird die Legislative durch die Nationalversammlung reprĂ€sentiert. Die 147 Mitglieder der Nationalversammlung werden alle fĂŒnf Jahre vom Volk gewĂ€hlt. Der PrĂ€sident des Parlaments wird fĂŒr die gesamte Legislaturperiode gewĂ€hlt. Alle anderen Ämter im Parlament (die acht VizeprĂ€sidenten, die acht ParlamentssekretĂ€re und die zwei QuĂ€storen) werden jĂ€hrlich neu vergeben. Die Regierung muss sich dem Parlament gegenĂŒber verantworten. Der PrĂ€sident hat die Vollmacht, das Parlament aufzulösen.

Die Verfassung sieht eine unabhÀngige Judikative vor. In der Praxis hat die Regierung jedoch erheblichen Einfluss auf das Justizsystem, weil sie Richter ernennen und beaufsichtigen darf. Die höchsten Instanzen sind das Verfassungsgericht und der oberste Gerichtshof.

Politische Indizes

Nordmali-Konflikt

Konflikte zwischen der sesshaften Bevölkerung und den Nomaden der Sahara, die vor allem aus Tuareg und arabischen StĂ€mmen bestehen, reichen weit in die Geschichte Westafrikas zurĂŒck. Die hellhĂ€utigen Nomaden fielen regelmĂ€ĂŸig in die Dörfer der dunkelhĂ€utigen sesshaften Bauern ein, um Nahrungsmittel, Vieh und Sklaven zu erbeuten. Die französischen Kolonialherren brachten die Nomaden nicht unter ihre Kontrolle. Die Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1904 betraf die Tuareg nicht. Ein latenter Rassengegensatz wurde von den Franzosen angestachelt.

Als sich die UnabhĂ€ngigkeit Französisch-Westafrikas anbahnte, gehörten die Tuareg zu den Gegnern der Loslösung von Frankreich. Aus ihrem Blickwinkel war die französische Herrschaft gegenĂŒber der Herrschaft dunkelhĂ€utiger Afrikaner – ihrer frĂŒheren Sklaven – das kleinere Übel. Die Politik der ersten Regierung Malis versuchte, die Tuareg sesshaft zu machen, zu Landwirtschaft zu bewegen, ihnen Bambara beizubringen und sie zu einem Teil des Nationalstaates zu machen. Diese Versuche schlugen fehl. Nachdem der erste Tuareg-Aufstand von 1957 sich noch gegen die französische Kolonialregierung gerichtet hatte, kam es 1962/63 zu einem Aufstand, der Zölle auf Viehexporte und damit die Bedrohung der Lebensgrundlage der Nomaden zur Ursache hatte. Dieser Aufstand wurde von der malischen Armee mit großer BrutalitĂ€t gegen Zivilisten bekĂ€mpft. Er wurde beendet, als Algerien zu erkennen gab, keine AufstĂ€ndischen auf seinem Territorium dulden zu wollen. In den 1970er und 1980er Jahren wurde die Wirtschaft der Nomaden durch anhaltende Trockenheit schwer geschĂ€digt, sie verloren bis zu 80 % ihrer Tiere. Viele Tuareg mussten ihr nomadisches Dasein aufgeben und zogen in die StĂ€dte, wo sie als HĂ€ndler tĂ€tig waren, oder verdingten sich bei auslĂ€ndischen Armeen als Söldner. Die Regierung von Diktator TraorĂ© ignorierte indes die Not und die vielen Toten in den Lagern der Nomaden.

Vor diesem Hintergrund kam es 1990/91 zum neuerlichen Aufstand der Tuareg, der zunĂ€chst nationalistische, spĂ€ter ethnische Ursachen hatte. Das malische MilitĂ€r war zu schwach, diesen Aufstand zu beenden, was nicht zuletzt zum Sturz des Diktators Moussa TraorĂ© fĂŒhrte. Die neue Regierung verhandelte unter algerischer Vermittlung den Nationalen Pakt, der 1992 unterzeichnet, jedoch von beiden Seiten nicht umgesetzt wurde. Die Gewalt und die FlĂŒchtlingsströme endeten nicht. Die Erkenntnis, dass der Konflikt nicht militĂ€risch zu lösen war, gab Anschub fĂŒr ein ziviles Programm zur Beilegung des Konflikts. 1995 flaute die Gewalt ab. FlĂŒchtlinge kehrten in ihre Heimat zurĂŒck, die KĂ€mpfer wurden in das zivile Leben eingebunden. Am 27. MĂ€rz 1996 wurde unter Anwesenheit zahlreicher EhrengĂ€ste in Timbuktu die Flamme des Friedens entzĂŒndet und 3000 Waffen verbrannt.

Seit 2006 haben die Angriffe von AufstÀndischen im Norden eine neue QualitÀt. Die nationalistischen oder ethnischen Motive haben RivalitÀten zwischen Schmugglerbanden Platz gemacht. Die Regierung nutzte mit Erfolg die Uneinigkeit der Nomaden, um im Jahr 2009 die Tuareg mit Hilfe von arabischen Milizen zu besiegen.

Der Krieg der Jahre 2012 und 2013 begann als so genannte vierte Tuareg-Rebellion. Sie wurde von der 2011 gegrĂŒndeten MNLA, einem Sammelbecken von mehreren Tuareg-Gruppen, angefĂŒhrt. Aus Libyen zurĂŒckgekehrte Tuareg, die neben militĂ€rischer Ausbildung schwere Waffen mitbrachten, förderten diese Rebellion. Die ersten KĂ€mpfe brachen am 17. Januar 2012 östlich von Gao aus und erreichten mit der brutalen Ermordung von 80 Soldaten der malischen Armee bei Aguelhok einen vorlĂ€ufigen tragischen Höhepunkt. Innerhalb kurzer Zeit brach in Nordmali die politische und militĂ€rische Staatsmacht zusammen. Dies nicht zuletzt, weil im Rahmen der FriedensbemĂŒhungen viele einflussreiche Posten an Tuareg vergeben worden waren. Diese liefen zur MNLA ĂŒber und nahmen die von den USA an die malische Armee gelieferte AusrĂŒstung mit. Bereits zu Beginn der MNLA-Rebellion waren Elemente der islamistischen Organisationen MUJAO, al-Qaida im Maghreb und Ansar Dine unter den KĂ€mpfern. Im Juni begannen die Islamisten, die MNLA zu bekĂ€mpfen und die Scharia in dem von ihnen gehaltenen Gebiet namens Azawad einzufĂŒhren. Die Ausdehnung des eroberten Territoriums ĂŒber den Norden hinaus und die Drohung, Mali zu erobern, fĂŒhrte zur Intervention des Westens in Form der OpĂ©ration Serval. WĂ€hrend die Islamisten mit beachtlicher Effizienz aus den StĂ€dten vertrieben wurden, sind die Ursachen des Konflikts nach wie vor latent. Schlechte RegierungsfĂŒhrung, Schmuggel, Korruption und die tiefe Kluft zwischen den hellhĂ€utigen Nomaden und den dunkelhĂ€utigen Bewohnern des SĂŒdens werden fĂŒr die nĂ€chsten Jahrzehnte Mali, seine Nachbarstaaten und die internationale Gemeinschaft vor große Herausforderungen stellen. Nach Serval schloss sich 2014 die OpĂ©ration Barkhane an.

Das 2015 zwischen der malischen Regierung und den beiden Tuareg-Gruppen CMA und „Platform of Armed Groups Mali“ (the Platform) in Algier ausgehandelte Friedensabkommen bleibt seit jeher brĂŒchig und unvollstĂ€ndig. Die zugrundeliegenden Ursachen des 2012 ausgebrochenen Konflikts, insbesondere die Marginalisierung der Tuareg und der arabischen Gemeinden im Norden und die Ungleichverteilung von Ressourcen zum Nachteil des Nordens konnten bisher nicht umfassend gelöst werden und bestehen fort.

Aufgrund der SchwĂ€che des malischen Staates können jihadistische Gruppen auch weiterhin aktiv sein. Inzwischen dient Mali ihnen sogar als RĂŒckzugsraum von benachbarten Regionen.

Parteienlandschaft

Die zahlreichen politischen Parteien sind von zentraler Bedeutung fĂŒr das politische Geschehen in Mali. Es existieren momentan ĂŒber 160 Parteien, von denen jedoch „nur“ 12 im Parlament vertreten sind. Die wichtigste Partei ist der von Ex-PrĂ€sident KeĂŻta gefĂŒhrte Rassemblement pour le Mali (RPM), die das ParteienbĂŒndnis Le Mali d’abord anfĂŒhrt und damit das Parlament dominiert. Weitere bedeutende Parteien sind die mit der RPM verbĂŒndete ADEMA und die Oppositionspartei Union pour la rĂ©publique et la dĂ©mocratie (URD).

Parteien sind in Mali kein Zusammenschluss von Menschen mit gleicher politischer oder ideologischer Gesinnung, sondern Vehikel von Patriarchen, die eine Gruppe von Klienten um sich scharen. Verschwindet die FĂŒhrungsfigur, geht meist auch die Partei unter; die HĂŒrden, zu einer anderen Partei zu wechseln, sind niedrig. Obwohl einschlĂ€gige Vorschriften existieren, ist das Gebaren der Parteien absolut intransparent. Es werden keine Mitgliederlisten gefĂŒhrt, es existiert keine Buchhaltung, Spenden werden bar angenommen, Spenderverzeichnisse werden nicht aufgestellt und Einfluss auf politische Entscheidungen wird zwecks Finanzierung von WahlkĂ€mpfen verkauft. Klare Programme lassen alle malischen Parteien vermissen. Bei Wahlen ist Stimmenkauf durch die Parteien ein hĂ€ufig praktizierter Vorgang; angesichts der weit verbreiteten Armut sind WĂ€hler bereit, fĂŒr die Zahlung von wenigen Euro einer Partei ihre Stimme zu geben. Die Wahlbeteiligung ist chronisch niedrig; in fast keinem Land Afrikas beteiligt sich ein so niedriger Anteil der Bevölkerung an Wahlen wie in Mali.

Korruption und KriminalitÀt

Die weit verbreitete Korruption hat maßgeblich zum Kollaps der staatlichen Ordnung Malis im Jahr 2012 beigetragen. Zahlreiche Quellen geben ĂŒbereinstimmend an, dass die Korruption bereits in den Jahren der MilitĂ€rdiktatur ein Problem war, jedoch wĂ€hrend der Demokratie schlimmer geworden sei.

Korruption kommt in Mali in vielen verschiedenen Formen vor. Von den BĂŒrgern werden regelmĂ€ĂŸig Schmiergeldzahlungen fĂŒr staatliche Leistungen verlangt, die eigentlich kostenlos oder zu festgelegten Preisen erbracht werden sollen. Lukrative Posten in Regierung oder Verwaltung werden routinemĂ€ĂŸig verkauft oder an ParteigĂ€nger von einflussreichen Politikern vergeben, selbst wenn Kriterien fĂŒr die Besetzung der betreffenden Posten gröblich verletzt werden. Die Veruntreuung von staatlichen Geldern oder Geldern aus der Entwicklungshilfe grassiert zu einem so schamlosen Ausmaß, dass diverse auslĂ€ndische Geldgeber ihre Programme vorĂŒbergehend auf Eis legten oder beendeten. Bei staatlichen Projekten verlangen korrupte Beamte vom Auftragnehmer regelmĂ€ĂŸig Kick-backs. Regierungsbehörden stellen gegen entsprechende Zahlung gefĂ€lschte Papiere aus, darunter auch DiplomatenpĂ€sse. Korrupte Beamte in Kommunalverwaltungen betrĂŒgen BĂŒrger beim Kauf von Land, Ärzte, die bei staatlichen KrankenhĂ€usern angestellt sind und dort ihr Gehalt beziehen, arbeiten in Wirklichkeit in privaten KrankenhĂ€usern. Staatliche Institutionen und ganze Ministerien entziehen sich jahrelang der Auditierung. Seit 2003 existiert in Mali das Amt eines VĂ©rificateur gĂ©nĂ©ral, der direkt dem StaatsprĂ€sidenten untersteht und ĂŒber die ordnungsgemĂ€ĂŸe Verwendung von staatlichen Mitteln wachen soll. Der VĂ©rificateur gĂ©nĂ©ral trug in seinem Bericht Hinweise auf Veruntreuung von 479 Millionen US-Dollar zusammen und empfahl strafrechtliches Vorgehen gegen mehrere hochrangige Politiker. WeiterfĂŒhrende Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft, geschweige denn Verhaftungen, wurden jedoch von PrĂ€sident Amadou Toumani TourĂ© persönlich verhindert.

Die Politik Malis ist mit der organisierten KriminalitĂ€t, vor allem dem Schmuggel und der Lösegelderpressung, auf mehrfache Weise verbunden. Der Transsaharahandel mit Nordafrika hat eine jahrhundertelange Tradition, seit den 1960er Jahren wurden in Algerien und Libyen subventionierte GĂŒter aus dem Land sowie Zigaretten und Vieh in das Land geschmuggelt. Seit den frĂŒhen 2000er Jahren werden vermehrt Drogen durch Mali transportiert, die auf dem Weg von SĂŒdamerika und Marokko nach Europa und in den Nahen Osten sind. Auch Waffen, speziell seit dem Zusammenbruch Libyens, und Menschen, vor allem Frauen, gehören zu den eintrĂ€glichsten SchmuggelgĂŒtern. Die Regierung Malis hat Milizen arabischen Hintergrundes erlaubt, am SchmuggelgeschĂ€ft und den damit verbundenen betrĂ€chtlichen Gewinnen teilzuhaben, um damit den Kampf gegen Tuareg-Rebellen, die ihrerseits ebenfalls am Schmuggel beteiligt sind, zu finanzieren. Es gibt zahlreiche Indizien dafĂŒr, dass auch hochrangige Politiker in Bamako am Schmuggel durch die Sahara verdienen, wenngleich direkte Beweise fehlen.

Das GeschĂ€ft der Lösegelderpressung wird vor allem von AQIM und ihren Splitterorganisationen betrieben. Zwischen 2003 und 2014 wurden mehrfach westliche AuslĂ€nder in Mali oder den Grenzregionen der Anrainerstaaten entfĂŒhrt, die Lösegeldzahlungen fĂŒr die betreffenden BĂŒrger spĂŒlten je nach Quelle zwischen 40 und 70 Millionen US-Dollar in die Kassen der Terroristen. Politiker der Sahel-Staaten, die sich als Vermittler zwischen EntfĂŒhrern und auslĂ€ndischen Regierungen anbieten, bekommen in der Regel einen Anteil des Lösegeldes. Da sich die GeschĂ€fte der Schmuggler und Erpresser ergĂ€nzen, sind sie Allianzen und Symbiosen mit hĂ€ufig wechselnder IntensitĂ€t eingegangen, die die Grenzen zwischen UnabhĂ€ngigkeitskĂ€mpfern, Terroristen und Kriminellen verschwimmen lassen. Um die Kontrolle ĂŒber Nordmali zurĂŒckzuerlangen, werden Mali und die internationale Gemeinschaft bis zu einem gewissen Grad mit Kriminellen zusammenarbeiten und ihnen gleichzeitig den NĂ€hrboden entziehen mĂŒssen.

Menschenrechte

WĂ€hrend des Krieges in Nordmali wurden von Seiten der Rebellen, Islamisten, diverser Milizen und der staatlichen SicherheitskrĂ€fte grobe Verletzungen der Menschenrechte begangen; auch seit Vertreibung der Rebellen aus den StĂ€dten Nordmalis werden Menschenrechte immer wieder verletzt. Den Rebellen und Islamisten wird konkret vorgeworfen, Gefangene hingerichtet zu haben, sexuelle Gewalt gegen Frauen und MĂ€dchen zu verĂŒben und in den beherrschten Gebieten mittelalterlich anmutende Körperstrafen wie Auspeitschungen, Steinigungen oder das Abhacken von Gliedmaßen zu vollziehen. Nach wie vor werden AuslĂ€nder zum Zweck der Lösegelderpressung entfĂŒhrt und zuweilen ermordet. Die Rebellen wie auch der Regierung nahestehende Milizen werden beschuldigt, Kindersoldaten rekrutiert und eingesetzt zu haben.

Der Armee und anderen staatlichen Sicherheitsorganen wird vorgeworfen, im Zuge der Kampfhandlungen FlĂŒchtlingslager und Zivilisten beschossen, willkĂŒrlich Menschen verhaftet und misshandelt zu haben, denen Verbindungen zu den Rebellen nachgesagt wurden. Insbesondere im Zusammenhang mit dem MilitĂ€rputsch von 2012 kam es zu willkĂŒrlichen Verhaftungen und auch zu Hinrichtungen ohne Gerichtsverfahren.

Außenpolitik

Nach seiner UnabhĂ€ngigkeit schloss sich Mali zunĂ€chst dem sozialistischen Lager an, fand sich mit dieser Politik jedoch zunehmend isoliert und orientierte sich somit mehr und mehr am westlichen Lager. Speziell seit seiner Demokratisierung im Jahr 2002 pflegte das Land gute Beziehungen zu den westeuropĂ€ischen Staaten und den USA, nicht zuletzt gehörte es in dieser Zeit zu den grĂ¶ĂŸten EmpfĂ€ngern von Hilfsleistungen in Afrika. Zur gleichen Zeit gehörte das Land zu den geachtetsten Staaten in Westafrika und vermittelte in den BĂŒrgerkriegen von Liberia, Sierra Leone oder der ElfenbeinkĂŒste. Spannungen mit seinen Nachbarn traten vor allem dann auf, wenn deren innere Konflikte auf Mali ĂŒberzugreifen drohten.

Mali gehört zwar der Francophonie an, spielt jedoch im Françafrique genannten diplomatischen Netzwerk Frankreichs fast keine Rolle. Nur wenige Franzosen leben in Mali, der Großteil von ihnen ist wiederum malischer Herkunft und hat nicht den wirtschaftlichen Einfluss wie die französischen StaatsbĂŒrger in der ElfenbeinkĂŒste oder in Gabun. Die BodenschĂ€tze des Landes werden nicht von französischen Firmen ausgebeutet. Die fĂŒr die Industrie Frankreichs interessantesten Rohstoffe, vor allem Uranerz und Erdöl, sind noch nicht genĂŒgend exploriert. Die Sicherung des Zugangs zu den BodenschĂ€tzen als alleinige ErklĂ€rung fĂŒr das militĂ€rische Eingreifen Frankreichs im Nordmalikonflikt greift somit zu kurz; vielmehr ging es darum, keinen dauernden Krisenherd in der Sahelzone entstehen zu lassen.

StreitkrÀfte

In den frĂŒhen 1990er Jahren, am Ende der MilitĂ€rdiktatur, hatte Mali eine der stĂ€rksten Armeen Westafrikas. Doch die beiden demokratisch legitimierten PrĂ€sidenten gaben der wirtschaftlichen Entwicklung den Vorrang und verzichteten auf den Ankauf moderner RĂŒstungsgĂŒter. Dadurch veraltete das vorhandene Material. Vor dem Putsch von 2012 betrug das jĂ€hrliche Budget fĂŒr Verteidigung die vergleichsweise geringe Summe von umgerechnet 174 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig breiteten sich Korruption und Misswirtschaft auch im MilitĂ€r aus: Favoritismus und Postenkauf fĂŒhrten zu einer hohen Anzahl von Offizieren, deren hohe GehĂ€lter große Teile des Budgets fĂŒr Landesverteidigung verschlangen. Die AusrĂŒstung wurde nicht unterhalten, Gelder fĂŒr den Neukauf und fĂŒr Soldzahlungen wurden teils veruntreut. In Nordmali begannen Teile der ArmeefĂŒhrung, mit Schmugglern und sogar mit AQIM zusammenzuarbeiten.

Die UnterstĂŒtzung, die die malische Armee im Rahmen der Pan-Sahel-Initiative und danach der Trans-Saharan Counterterrorism Initiative erhielt, blieb weitgehend wirkungslos. Diese beiden Programme wurden von den USA aufgelegt, um die Sicherheitslage in der Sahara zu verbessern und um zu vermeiden, dass ein RĂŒckzugsgebiet fĂŒr Terroristen und Kriminelle entsteht. Das Geld und die Informationen wurden von den EmpfĂ€ngerstaaten, nicht nur von Mali, zur BekĂ€mpfung von innenpolitischen Gegnern benutzt. Die Ignoranz der ArmeefĂŒhrung gegenĂŒber den Soldaten im Feld, den Verwundeten und den Hinterbliebenen der Gefallenen fĂŒhrten zu sehr schlechter Motivation der Truppen. Somit hatten die Rebellen, als sie im MĂ€rz und April 2012 den Norden Malis einnahmen, leichtes Spiel mit den malischen Soldaten, viele der von den USA teuer ausgebildeten Offiziere liefen in den ersten Tagen der KĂ€mpfe zu den AufstĂ€ndischen ĂŒber.

Um die Armee wieder aufzubauen, wurde die African-led International Support Mission to Mali in die 11.200 Mann starke Friedensmission United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali ĂŒberfĂŒhrt, deren Aufgabe es ist, die aus der Hand der Extremisten befreiten Gebiete zu befrieden; eine 1000 Mann starke Paralleltruppe soll derweil die terroristischen Gruppen bekĂ€mpfen. Die Ausbildungsmission der EuropĂ€ischen Union bildet parallel dazu 3000 malische Soldaten aus. Die MINUSMA ist nach wie vor personell und materiell nicht hinreichend ausgestattet. Ob Mali im Zuge dieser Missionen eine korruptionsfreie, sich dem Gesetz unterordnende Landesverteidigung erhĂ€lt, wird nicht zuletzt davon abhĂ€ngen, ob die lokalen EntscheidungstrĂ€ger gewillt sind, ihre Privilegien und damit verbundenen ZusatzeinkĂŒnfte abzugeben.

Verwaltungsgliederung

Der Staat gliedert sich in zehn Regionen und den Hauptstadtdistrikt. Diese teilen sich in 49 Kreise (cercles) und 703 Gemeinden (communes). Die Regionen sind nach ihren HauptstÀdten benannt. Zwei dieser zehn Regionen, Ménaka und Taoudénit, wurden 2012 per Gesetzesbeschluss gebildet. Die Einrichtung ist seit 2016 im Gange.

Die Angaben der Regionen Gao und Timbuktu, aus denen die Regionen Ménaka und Taoudénit ausgegliedert wurden, spiegeln noch den Stand vor der Aufspaltung wider.

Um auch FlĂŒchtlinge und vor allem Nomaden in das Verwaltungssystem eingliedern zu können, entstanden sogenannte Fractions (Fractions Nomades, ein Begriff, den schon die Kolonialregierung nutzte), die es dementsprechend vor allem im Norden in der NĂ€he von Dörfern gibt. Seit den großen Trockenphasen entstanden durch Wanderungsbewegungen solche Verwaltungseinheiten allerdings auch verstĂ€rkt im SĂŒden.

Geschichte

Vorkoloniale Periode

Felsmalereien belegen die Besiedlung Malis seit dem PalĂ€olithikum. Man weiß, dass der Handel ĂŒber die Sahara mit Nordafrika bereits vor mehr als 2000 Jahren hohe Bedeutung hatte und den Handelsorten am SĂŒdrand der Sahara zu Wohlstand verhalf. Um 300 v. Chr. blĂŒhte die Jenne-Jeno-Kultur, sie ist durch archĂ€ologische Funde dokumentiert.

Zwischen dem 4. und 11. Jahrhundert dominierte das Ghana-Reich der Soninke die Region zwischen Senegal und Niger. Sein Zentrum lag in der NĂ€he des heutigen NĂ©ma. Zwei Jahrhunderte spĂ€ter erreichte das islamische Mali-Reich der Malinke die Hegemonie ĂŒber die Region, sein Zentrum lag am Oberlauf des Niger. Das Mali-Reich wurde durch die Aufzeichnungen des Ibn Batuta, aber auch durch die Pilgerfahrt seines sagenhaft reichen Herrschers Mansa Musa berĂŒhmt. Seinem Niedergang im 15. Jahrhundert folgte das Songhaireich mit Zentrum in Gao, das StĂ€dten wie DjennĂ© und Timbuktu (vgl. Lehmmoscheen von Timbuktu) zur BlĂŒte verhalf, unter anderem mit universitĂ€tsĂ€hnlichen Bildungseinrichtungen.

Das Songhai-Reich wurde zunĂ€chst durch eine marokkanische Invasion am Ende des 16. Jahrhunderts mit der Eroberung von Timbuktu und Gao geschwĂ€cht und es entstanden zahlreiche kleine Staaten. Ab dem 17. Jahrhundert bauten Bambara Herrschaftszentren entlang des Niger um SĂ©gou auf (Reich von Bambara). Im Gebiet des Massina entstand das Massina-Reich der Fulbe. Ende des 18. Jahrhunderts ĂŒbernahmen Herrscher des Volkes der Tukulor (andere Bezeichnung: Toucouleur) die Macht im nahezu gesamten heutigen Staatsgebiet Malis.

Koloniale Periode

In den 1880er Jahren begann die französische Kolonialarmee, beginnend vom Westen das heutige Mali unter ihre Kontrolle zu bringen. Vor dem Hintergrund der britischen Konkurrenz um Westafrika versuchten sie, mit militĂ€rischen und diplomatischen Mitteln ihren Einfluss auf die gesamte Sahelzone auszudehnen. Sie trafen dabei auf Kollaborateure wie auch auf militĂ€risch organisierte Rivalen, vor allem in SĂ©gou und in der Person von Samory TourĂ©, der selbst ein Reich aufbauen wollte. Bis 1899 eroberte Frankreich das gesamte heutige Mali, wenngleich es die Nomaden in der Sahara nie unter Kontrolle bringen konnte. Im Jahre 1893 wurde Louis Albert Grodet erster Gouverneur der Kolonie Französisch-Sudan. Bamako wurde Hauptstadt der Kolonie und 1904 wurde die Bahnlinie nach Dakar fertig gestellt. Die Region blieb fĂŒr die Franzosen aber von untergeordneter Bedeutung, es lieferte vor allem Soldaten, die in den beiden Weltkriegen auf französischer Seite kĂ€mpften.

Bereits seit den 1930er Jahren gab es Intellektuelle, die fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit der Kolonie eintraten. Es entstanden die Parteien PSP und US-RDA, wobei letztere stĂ€rker antikolonialistisch auftrat.

Entsprechend der Loi Lamine GuĂšye von 1946 hatten alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bei Wahlen zum französischen Parlament und auch bei lokalen Wahlen ein Wahlrecht. Das passive Wahlrecht wurde in dem Gesetz nicht ausdrĂŒcklich erwĂ€hnt, war aber auch nicht ausgeschlossen. Bei den Wahlen zum Pariser Parlament gab es in Französisch-Westafrika kein Zweiklassenwahlrecht wie in anderen französischen Kolonien, fĂŒr alle örtlichen Wahlen jedoch schon. 1956 wurde unter der französischen Kolonialverwaltung die loi-cadre Defferre eingefĂŒhrt, die das aktive und passive allgemeine Wahlrecht garantierte. Damit war das Frauenwahlrecht eingefĂŒhrt.

Nachdem die französische Verfassung von 1958 den Kolonien volle innere Autonomie erlaubte, vereinigten sich die Kolonien Senegal und Französisch-Sudan am 4. April 1956 und erklĂ€rten sich als Mali-Föderation am 20. Juni 1960 unabhĂ€ngig. Das allgemeine aktive und passive Wahlrecht wurde bestĂ€tigt. Aufgrund von Differenzen zwischen den fĂŒhrenden Politikern der beiden Landesteile Modibo KeĂŻta und LĂ©opold SĂ©dar Senghor zerbrach die Föderation bereits am 20. August desselben Jahres. Am 22. September 1960 erklĂ€rte die frĂŒhere Kolonie Französisch-Sudan formell ihre SelbstĂ€ndigkeit unter dem Namen Republik Mali.

UnabhÀngigkeit

Nach der UnabhĂ€ngigkeit wurde Mali ein Einparteienstaat unter PrĂ€sident KeĂŻta, dessen Macht sich auf die US-RDA stĂŒtzte. Er vertrat eine sozialistisch orientierte Politik, die auf Zentralisierung und Mobilisierung der Massen durch die Parteistrukturen abzielte. Ohne mit Frankreich zu brechen wurde eine engere Zusammenarbeit mit den Ostblockstaaten gesucht. Das Regime KeĂŻtas wurde aufgrund schlechter wirtschaftlicher Lage und wachsender Unzufriedenheit der Bevölkerung immer repressiver. Am 19. November 1968 putschte sich eine Gruppe junger MilitĂ€rs um Moussa TraorĂ© an die Macht. Zu ihrer Machtbasis wurde die Einheitspartei UDPM. Sie setzte die sozialistische Politik KeĂŻta im Großen und Ganzen fort, begann jedoch ab der Mitte der 1970er Jahre verstĂ€rkt, den Anschluss an die westlichen Industriestaaten zu suchen. In die Ära TraorĂ©s fielen zwei verheerende DĂŒrren, die Unruhen von 1980 und zu allem Überfluss verstrickte sich der ohnehin schon schwache malische Staat zweimal in bewaffnete Grenzkonflikte mit dem Nachbarstaat Burkina Faso. Im Norden revoltierten die Tuareg.

TraorĂ© wurde wiederum durch einen Staatsstreich am 26. MĂ€rz 1991 gestĂŒrzt. Im Jahr 1992 fanden die ersten freien Wahlen in der Geschichte des Landes statt, die der Geschichtsprofessor Alpha Oumar KonarĂ© (ADEMA-PASJ) gewann. Nach zwei Amtsperioden folgte KonarĂ© der Putschist von 1991, Amadou Toumani TourĂ© im Amt nach. In dieser Phase wurden mit auslĂ€ndischer UnterstĂŒtzung bedeutende Reformen in Verwaltung und Justiz durchgefĂŒhrt. Wenngleich Mali in der Folge als gelungenes Beispiel fĂŒr die Demokratisierung in Afrika gelobt wurde, blieb die Staatsverwaltung ineffizient, korrupt und die Armut hoch. Beide PrĂ€sidenten versĂ€umten es zudem, eine Lösung fĂŒr die Tuareg-Frage zu finden.

Putsch 2012 und danach

Der Nordmali-Konflikt wurde akut, nachdem zahlreiche schwer bewaffnete Söldner und Islamisten aus dem Krieg in Libyen nach Mali kamen und sich mit den Tuareg-Rebellen verbĂŒndeten. Im Januar 2012 griffen Tuareg-VerbĂ€nde das malische MilitĂ€r im Nordosten des Landes an, drei Monate spĂ€ter hatten sie den gesamten Norden unter ihre Kontrolle gebracht und erklĂ€rten das von ihnen beherrschte Gebiet fĂŒr unabhĂ€ngig. Die Armee Malis hatte den Rebellen nichts entgegenzusetzen, immerhin besaß sie die Kraft, den PrĂ€sidenten aus dem Amt zu putschen. Im MĂ€rz 2012 wurde die Regierung von einer Gruppe niederrangiger Offiziere um Hauptmann Amadou Sanogo fĂŒr gestĂŒrzt und PrĂ€sident Amadou Toumani TourĂ© fĂŒr abgesetzt erklĂ€rt. Die Putschisten begrĂŒndeten ihr Vorgehen mit der UnfĂ€higkeit der Regierung, den seit Mitte Januar 2012 andauernden Aufstand der Tuareg-Rebellen der Nationalen Bewegung fĂŒr die Befreiung des Azawad (MNLA) in der Region Azawad im Norden des Landes unter Kontrolle zu bekommen. Der UN-Sicherheitsrat, die Afrikanische Union und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilten den Staatsstreich und belegten die MilitĂ€rjunta mit Sanktionen; Entwicklungshilfe wurde vorĂŒbergehend eingestellt. DemgegenĂŒber nahm die Bevölkerung den Putsch gelassen hin, es kam sogar zu SolidaritĂ€tskundgebungen mit den Putschisten.

Unterdessen nahmen die Tuareg-Rebellen der MNLA im Norden des Landes alle StĂ€dte der Region Azawad ein und erklĂ€rten am 6. April 2012 die einseitige UnabhĂ€ngigkeit des Azawad. Zwischen Januar und Juli 2012 flĂŒchteten ĂŒber 250.000 Malier infolge der politischen InstabilitĂ€t, der unsicheren Lage und des mangelhaften Zugangs zu Nahrungsmitteln und Wasser in die NachbarlĂ€nder Burkina Faso, Mauretanien und Niger. Außerdem gab es im selben Zeitraum rund 105.000 BinnenflĂŒchtlinge im Norden und rund 69.000 BinnenflĂŒchtlinge im SĂŒden Malis.

Erst im Dezember 2012 stimmten die Vereinten Nationen einer Resolution zu, die den Weg zu einer militĂ€rischen Intervention des Westens in Mali frei machte. Als sich die Rebellen im Januar 2013 aufmachten, auch den SĂŒden des Landes zu erobern, bat ÜbergangsprĂ€sident Dioncounda TraorĂ© die frĂŒhere Kolonialmacht Frankreich um Hilfe. Mit der Operation Serval konnten die Islamisten schnell besiegt und das Kommando an afrikanische Truppen zurĂŒck ĂŒbertragen werden. Die mehrmals verschobene PrĂ€sidentschaftswahl in Mali 2013 gewann der frĂŒhere Premierminister Ibrahim Boubacar KeĂŻta (IBK); er gilt als Kandidat der Oligarchie, die schon vor dem Putsch die Macht innehatte. Gleichzeitig bleibt die Lage speziell im Norden instabil, es kommt immer wieder zu AnschlĂ€gen von islamistischer Seite, wĂ€hrend die Minderheiten der Mauren und Tuareg Vergeltungsmaßnahmen von Seiten der schwarzafrikanischen Bevölkerungsmehrheit ausgesetzt sind. 2014 gab es entsprechende AuftrĂ€ge fĂŒr das Internationale Komitee vom Blauen Schild mit Sitz in Den Haag, das sich dem Schutz von KulturgĂŒtern vor den Auswirkungen von Kriegen und bewaffneten Konflikten verschrieben hat, eine Notwendigkeit, die fĂŒr Mali in besonderem Maße gesehen wird. Dabei wurden auch Arbeiten hinsichtlich "No Strike Listen" vorgenommen, welche KulturgĂŒter auch vor LuftschlĂ€gen schĂŒtzen sollen.

Putsch 2020

Am 19. August 2020 hatte eine MilitĂ€rjunta die Macht ĂŒbernommen und vorgegeben, mit der Protestbewegung in dem westafrikanischen Land zusammenarbeiten. Um Mitternacht hatte IBK seinen RĂŒcktritt erklĂ€rt, nachdem er im Rahmen der von der Oppositionsbewegung M5-RFP (Mouvement du 5 Juin - Rassemblement des Forces Patriotiques) angefĂŒhrten umstrittenen Parlamentswahlen und massiven Demonstrationen durch Putschisten festgenommen worden war. Stunden spĂ€ter ĂŒbernahm das neugegrĂŒndete Nationale Komitee fĂŒr die Errettung des Volkes oder CNSP (ComitĂ© national pour le salut du peuple) die Macht. Es wurde von Assimi Goita gefĂŒhrt. Insbesondere von den westafrikanischen LĂ€ndern wurde der Putsch verurteilt und sie kĂŒndigten deswegen partielle Wirtschaftssanktionen an, die bis hin zu einem kompletten Handelsembargo reichen sollten. Ende September ernannte die Übergangsregierung den ehemaligen Verteidigungsminister Malis Bah N'Daw zum InterimsprĂ€sidenten. Goita wurde als VizeprĂ€sident nominiert. Ziel der Übergangsregierung sollte es sein, die Verfassung zu reformieren und innerhalb von 18 Monaten Wahlen durchfĂŒhren.

Putsch 2021

Am 24. Mai 2021 wurden neben weiteren Regierungsmitgliedern ÜbergangsprĂ€sident Bah N'Daw und MinisterprĂ€sident Moctar Ouane von MilitĂ€rs festgenommen und, wie im Jahr zuvor Ibrahim Boubakar Keita, in das MilitĂ€rcamp in Kati gebracht. Wenige Stunden zuvor hatte die Übergangsregierung per Dekret ein neues Kabinett ernannt, in dem das MilitĂ€r trotz gegenteiliger Versprechen strategisch wichtige Ämter besetzte. So wurden die Ministerien fĂŒr Verteidigung, Sicherheit, territoriale Verwaltung und nationale Versöhnung von Offizieren geleitet. Einige Armeeoffiziere seien jedoch von der neuen Regierung ausgeschlossen worden. Nach dem Putsch erklĂ€rten die Festgenommenen ihre RĂŒcktritte und wurden daraufhin freigelassen. Das PrĂ€sidentenamt ĂŒbernahm kommissarisch Oberst Assimi Goita. Goita versprach eine RĂŒckkehr zur Demokratie. Bis dahin hat die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS Malis Mitgliedschaft ausgesetzt.

Wirtschaft

Mali ist ein Entwicklungsland, dessen Wirtschaft hauptsĂ€chlich auf Landwirtschaft, Bergbau sowie dem Export von Rohstoffen beruht und stark von Entwicklungshilfe abhĂ€ngig ist. Nach der UnabhĂ€ngigkeit des Landes schuf die Regierung einige staatliche Unternehmen in Wirtschaftszweigen, die sie fĂŒr strategisch wichtig hielt. Die Ineffizienz, Unbeweglichkeit und KorruptionsanfĂ€lligkeit dieser Staatsunternehmen, aber auch die schlechte Infrastruktur und das Ă€ußerst niedrige Ausbildungsniveau der Menschen behinderten und behindern das Wachstum der Wirtschaft. In den 1980er Jahren hatte die Politik der Regierung das Land in eine Wirtschaftskrise manövriert, die zur Schrumpfung der Wirtschaft und auch der landwirtschaftlichen Produktion fĂŒhrte. Die Geber von Entwicklungshilfe zwangen die Regierung zu Reformen, die zum RĂŒckzug des Staates aus zahlreichen Sektoren und zu Dezentralisierung fĂŒhrte. Wenngleich diese Reformen von zahlreichen Beobachtern kritisiert wurden, so entwickelte sich die Wirtschaft dynamisch, wie die OSZE 2008 feststellte. Trotz des hohen Bevölkerungswachstums ist auch das BIP pro Kopf gewachsen, von 269 US-Dollar im Jahr 2001 auf 660 im Jahr 2014, ein Jahr, in dem das Wirtschaftswachstum bei 7,2 % lag. Das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf betrug 2014 immerhin 1500 US-Dollar. Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Mali Platz 123 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegte Mali 2017 Platz 102 von 180 LĂ€ndern.

Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung lebten unterhalb der nationalen Armutsgrenze, die in Mali 2007 bei einem Einkommen von 0,86 US-Dollar pro Tag und Person lag. 2010 lag dieser Anteil bei 43,6 %. Vor dem neuerlichen Ausbruch des Nordmali-Konflikts waren rund 15 % der Kinder akut mangelernĂ€hrt. Die abnehmenden NiederschlĂ€ge fĂŒhrten immer wieder zu Nahrungsmittelknappheit, wodurch UnterstĂŒtzung durch das Ausland notwendig wird.

Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2016 bei 8,1 %, allerdings sind fast alle BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse informeller Natur und UnterbeschĂ€ftigung ist weit verbreitet. Die Gesamtzahl der BeschĂ€ftigten wird fĂŒr 2017 auf 6,45 Millionen geschĂ€tzt; davon sind 43,1 % Frauen.

Die Kriege haben zu einem Erliegen des Tourismus gefĂŒhrt, sodass in der Sahara kaum mehr eine legale Einkommensquelle existiert. Zudem war Mali nicht in der Lage, mehr als 45 % seines Strombedarfs selbst bereitzustellen. 2015 vereinbarte das norwegische Unternehmen Scatec Solar den Bau und den fĂŒr 25 Jahre vorgesehenen Betrieb einer Solaranlage im Wert von 52 Millionen Euro bei SĂ©gou. Der halbstaatliche Betreiber Énergie du Mali (zwei Drittel sind in Staatshand, ein Drittel gehört der Aga-Khan-Gruppe) erhielt 2013 87,7 Millionen Euro Subsidien, ist aber trotzdem nicht in der Lage, Projekte dieser GrĂ¶ĂŸenordnung zu betreiben. Scatec hĂ€lt 50 % der Anteile, die Weltbank 32,5 % und der malische Partner Africa Power 1 17,5 %.

Mali hat keine eigene WĂ€hrung, sondern ist seit 1984 Mitglied der CFA-Franc-Zone; der davor 1962 eingefĂŒhrte Mali-Franc wurde abgeschafft. Somit hat die Regierung keine Hoheit ĂŒber WĂ€hrungs-, Zins- und Wechselkurspolitik. Der CFA-Franc ist mit einem festen Wechselkurs an den Euro gebunden und frei konvertibel. Dies erlaubt den MitgliedslĂ€ndern, GlaubwĂŒrdigkeit, GeldwertstabilitĂ€t und damit niedrige Inflation zu importieren; die Vorteile eines effizienteren Handels mit den EU-Staaten werden jedoch durch allerlei Handelshemmnisse auf beiden Seiten zunichtegemacht.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist Malis wichtigster Wirtschaftszweig. Sie erbringt etwas weniger als 40 % der Wirtschaftsleistung des Landes, beschĂ€ftigt jedoch 70 bis 80 % der erwerbstĂ€tigen Bevölkerung. Der Anteil der Landwirtschaft an der Wirtschaftsleistung ist indes rĂŒcklĂ€ufig: In den 1970er Jahren steuerte sie noch rund 65 % des BIP bei. Traditionellerweise war jede Ethnie des Sahels auf die Herstellung eines landwirtschaftlichen Produktes spezialisiert, wie die Fulbe auf Viehzucht und Molkereiprodukte, die Bozo und Somono auf getrockneten Fisch, die Bambara auf Hirse und Baumwolle. Die Produkte wurden zwischen den Ethnien gehandelt, wodurch eine gegenseitige AbhĂ€ngigkeit entstand. Diese komplementĂ€re Ökonomie förderte seit dem 1. Jahrtausend v. Chr. ein Klima von Toleranz und Kooperation zwischen den Ethnien.

Wenngleich aufgrund klimatischer UmstĂ€nde lediglich 3 bis 3,5 Millionen ha genutzt werden können, hat die Landwirtschaft ein großes Potential. Speziell in den Gebieten entlang der FlĂŒsse Niger und Senegal sowie sĂŒdlich der 600 Millimeter Isolinie ist Ackerbau als Überflutungs- beziehungsweise BewĂ€sserungs- oder als Regenfeldbau möglich. Im nördlichen Mali treten jedoch immer wieder DĂŒrren auf. In der Region Gao wurden außerdem die Brunnen am Niger durch die Gefechte seit 2012 zerstört, wodurch es zu ErnteausfĂ€llen kommt.

Zu den Hauptanbauprodukten gehören Erdnuss, Mais, Sorghum sowie Baumwolle. Im Dogonland ist zudem die Produktion von Zwiebelmasse bedeutsam, in der Region um Bamako der Bananenanbau. Das grĂ¶ĂŸte kĂŒnstlich bewĂ€sserte Gebiet ist das Office du Niger, wo auf 100.000 Hektar Reis und Zuckerrohr angebaut werden. Es gibt PlĂ€ne, diese FlĂ€che bis 2018 zu verdoppeln.

2010 lag die Zahl der domestizierten Rinder bei 9,16 Millionen Tieren. Dazu kamen 11,86 Millionen Schafe, 16,52 Millionen Ziegen, ĂŒber 922.000 Kamele, fast 488.000 Pferde, ĂŒber 880.000 Esel, 75.000 Schweine und 36,75 Millionen Vögel. Letztere haben ihre Zahl seit 2006 beinahe verdoppelt. Hingegen fiel die Menge des gefangenen Fisches von 89.570 auf 63.286 t in den Jahren 2002 bis 2006, stieg jedoch seither wieder stark an, um 2010 95.640 t zu umfassen. Die Zahl der Fischer stieg seit 1967 von 70.000 auf ĂŒber 500.000.

Bergbau und Rohstoffe

Obwohl der Goldreichtum Malis bereits im Altertum legendĂ€r war, ist der dortige Bergbau ein relativ junger Wirtschaftszweig. Die ersten Explorationen wurden in den 1980er Jahren durchgefĂŒhrt, in den 1990er Jahren begann die stĂŒrmische Entwicklung der Goldgewinnung. Heute ist Mali der drittgrĂ¶ĂŸte Goldproduzent Afrikas nach SĂŒdafrika und Ghana. JĂ€hrlich werden bis zu 50 Tonnen Gold gewonnen (10 % davon von zahlreichen nicht-industriellen GoldschĂŒrfern); die Reserven werden auf 800 Tonnen geschĂ€tzt. Neben Gold lagern weitere Rohstoffe im Boden, dazu gehören geschĂ€tzte 20 Millionen Tonnen Phosphate, 40 Millionen Tonnen Kalk, 53 Millionen Tonnen Steinsalz, 1,2 Milliarden Tonnen Bauxit, 2 Milliarden Tonnen Eisenerz, 10 Millionen Tonnen Mangan, 10 Milliarden Tonnen Ölschiefer, 60 Millionen Tonnen Marmor, 5000 Tonnen Uran und 1,7 Millionen Tonnen Blei und Zink. Aufgrund schlechter Infrastruktur und Energieversorgung sind diese Rohstoffe bislang zwar geologisch erfasst, aber nicht erschlossen.

Die Dominanz des Goldbergbaus wird durch die Anzahl der erteilten Lizenzen demonstriert: im Jahr 2011 gab es 251 Explorationslizenzen und neun Abbaulizenzen fĂŒr Gold, jedoch nur 32 Explorationslizenzen und zwei Abbaulizenzen fĂŒr alle anderen Rohstoffe gemeinsam. Der Goldabbau steuert 25 % des Staatshaushaltes und 7 % des Bruttoinlandsproduktes bei. Die wichtigsten Minen wie Sadiola, Yatela, Morila oder Syama gehören mehrheitlich auslĂ€ndischen Gesellschaften wie Anglogold Ashanti, Iamgold oder Randgold Resources, lediglich das Unternehmen Wassoul’Or, Betreiber der Kodieran-Goldmine, ist ĂŒberwiegend in malischem Besitz.

Den Minenbetreibern wird vorgeworfen, Umwelt und Lebensgrundlage der Bevölkerung zu zerstören, ArbeitskrĂ€fte auszubeuten, den Dorfgemeinschaften jedoch keine Vorteile zu bringen. In der Tat hatten 2011 alle Bergbauunternehmen gemeinsam weniger als 10.000 ArbeitsplĂ€tze geschaffen. Vor diesem Hintergrund ist die AnkĂŒndigung zu sehen, dass eine Änderung des Bergbaugesetzes den Staatsanteil erhöhen und das Mitspracherecht der lokalen Gemeindeverwaltungen ausdehnen soll. Die Einrichtung einer Bergbauschule soll Mali helfen, seine Bergbauindustrie zu diversifizieren.

Handwerk, Industrie, Dienstleistungen

Mali hat wenig Industrie. WĂ€hrend unmittelbar nach der UnabhĂ€ngigkeit einige grĂ¶ĂŸere staatliche Unternehmen zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte aufgebaut wurden (Textilien, Zigaretten, GemĂŒsekonserven), gibt es heute lediglich kleine und einige mittelgroße Verarbeitungsbetriebe v. a. fĂŒr Nahrungsmittel und Baustoffe. Die Investitionsquote in der Industrie ist im Gegensatz zu der im Bergbau seit langer Zeit rĂŒcklĂ€ufig. 2007 erzeugte die Industrie Waren im Wert von 1,52 Milliarden US-Dollar, das sind 24,2 % des Bruttoinlandsprodukts.

Der Handels- und Dienstleistungssektor hat in den letzten Jahren durch den Tourismus einen gewissen Aufschwung erfahren, der jedoch durch EntfĂŒhrungen und den militĂ€rischen Konflikt in den Jahren seit 2011 gestoppt wurde.

Außenhandel

Mali hat nicht viele GĂŒter, die exportiert werden können. Aus diesem Grund machte Gold im Jahre 2013 zwei Drittel seiner Exporte aus, dahinter folgen mit großem Abstand Baumwolle, DĂŒngemittel und lebendes Vieh. Der hohe Anteil der Goldexporte bedingt, dass Exporteinnahmen und in der Folge das Leistungsbilanzdefizit stark vom Goldpreis abhĂ€ngen. Das Leistungsbilanzdefizit schwankte somit in den letzten Jahren zwischen 7,3 (2009) und 12,2 % (2008) des BIP, wobei es zuletzt dank hoher Gold- und Baumwollpreise tendenziell geschrumpft ist.

Im Jahr 2013 exportierte Mali 51 Tonnen Gold im Wert von 1,4 Milliarden Euro, daneben 187.000 Tonnen Baumwolle im Wert von 260 Millionen Euro, DĂŒngemittel im Werte von 117 Millionen Euro und Vieh im Wert von fast 100 Millionen Euro. Da das Gold fast zur GĂ€nze nach SĂŒdafrika exportiert wird, ist dieses Land gleichzeitig Malis wichtigster Exportmarkt. DarĂŒber hinaus waren im Jahr 2013 die Schweiz, die ElfenbeinkĂŒste und China die wichtigsten Abnehmer malischer GĂŒter, wobei letztere vor allem Baumwolle, HĂ€ute und Tiere abnahmen.

Die Importe Malis umfassen eine sehr breite Palette von GĂŒtern. Von den 2,8 Milliarden Euro, die Mali im Jahr 2013 fĂŒr Importe ausgab, entfielen 780 Millionen Euro auf Erdölprodukte, 630 Millionen Euro auf Maschinen und Fahrzeuge und 430 Millionen Euro auf Nahrungsmittel. Mali beschafft diese GĂŒter vor allem bei seinen Nachbarn Senegal und ElfenbeinkĂŒste, daneben liefern Frankreich und China vor allem Fahrzeuge, Maschinen, Lebensmittel und Medikamente.

KapitalzuflĂŒsse aus dem Ausland, vor allem in der Form von Entwicklungshilfe und Überweisungen der Malier im Ausland, sorgen dafĂŒr, dass die Zahlungsbilanz nicht so stark negativ ist wie die Leistungsbilanz – im Jahr 2012 betrug sie rund 1 % des BIP.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 3,1 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 2,5 Milliarden US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 3,9 Prozent des BIP. Die Auslandsschulden betrugen 2011 1414,4 Milliarden CFA-Francs oder 2,16 Milliarden Euro, was 28,1 % des BIP eines Jahres entspricht.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 5,8 Prozent
  • Bildung: 4,5 Prozent
  • MilitĂ€r: 1,9 Prozent

Infrastruktur

Mali investiert jedes Jahr rund 6 % seines BIP in Infrastruktur wie Verkehrseinrichtungen, Telekommunikation, Wasser- und Energieversorgung. Weitere 4 bis 5 % werden fĂŒr Betrieb und Erhaltung aufgebracht. Mittelfristig werden jedoch deutlich höhere Investitionen notwendig sein, um zukĂŒnftig eine positive Entwicklung des Lebensstandards fĂŒr die Bevölkerung abzusichern, vor allem im Energie- und Wassersektor.

Verkehr

Der öffentliche Fernverkehr wird auf den Straßen von privaten Autobuslinien abgewickelt, deren Linienbusse von Kleinbussen und – wenn auch in abnehmendem Maße – Sammeltaxis ergĂ€nzt werden.

Im Bereich des Nigers unterhalb von Bamako hatte die Schifffahrt seit langem große Bedeutung. Traditionelle Pinassen bieten heute Personen- und GĂŒterbeförderung an und werden rege angenommen.

Mali verfĂŒgt ĂŒber eine einzige, in der FrĂŒhzeit der französischen Kolonialzeit begonnene, 584 km lange Eisenbahnlinie, die von Bamako westlich in Richtung der senegalesischen Grenze verlĂ€uft und dort ĂŒber weitere 644 km zum Hafen von Dakar fĂŒhrt. 1888 erreichte die Eisenbahnlinie, die zunĂ€chst nur dort entstand, wo kein Schiffsverkehr möglich war, BafoulabĂ© im Westen Malis. Bamako ist seit 1904 angebunden und verdankt ihr zu erheblichen Teilen seinen Aufschwung. Obwohl diese Linie das Potenzial hat, zur Hauptroute fĂŒr Malis Außenhandel zu werden, ist sie in schlechtem Zustand, denn Gleise wie Fahrzeuge stammen teils noch aus der Kolonialperiode und sind stark erneuerungsbedĂŒrftig, was zu hĂ€ufigen Entgleisungen oder anderen Betriebsunterbrechungen fĂŒhrt. Selbst im afrikanischen Kontext sind die Indikatoren schlecht. Seit 2003 wird der Betrieb vom kanadischen Unternehmen Transrail gefĂŒhrt, das die Situation jedoch nicht verbessern konnte und mittlerweile selbst in finanziellen Nöten steckt. Aus diesem Grund beabsichtigen die beiden involvierten Regierungen, die Konzession zu restrukturieren. Der in den frĂŒhen 2000er Jahren geplante Bau einer Bahnstrecke von Bamako nach Guinea wurde fallen gelassen. Seit 2014 werden nach einer Vereinbarung mit der chinesischen China Railway Construction Corporation International Machbarkeitsstudien durchgefĂŒhrt, um die Strecke fĂŒr den internationalen Verkehr wiederherzustellen.

Das Straßennetz Malis hatte im Jahr 2000 eine GesamtlĂ€nge von 18.560 km. Davon waren 4450 km befestigt. Auf 1000 kmÂČ Land entfallen somit nur 27,9 km Straße, was auf die dĂŒnne Besiedlung weiter Teile des Landes zurĂŒckzufĂŒhren ist, aber auch die schlechte Anbindung des Landes illustriert: nicht mehr als 17 % der Landbevölkerung haben eine Straße in 2 km Entfernung ihres Wohnorts.

Die Regierung hat in den letzten Jahren PrioritĂ€t auf den Ausbau des Fernstraßennetzes gelegt, um die Transportrouten fĂŒr den Außenhandel zu diversifizieren. Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte des Landes sind daher alle untereinander verbunden und der Zustand der Straßen ist im Allgemeinen gut. Mit durchschnittlich 550 Fahrzeugen pro Tag ist die Verkehrsdichte sehr gering. Etwa die HĂ€lfte der Straßen sind aus strategischen ErwĂ€gungen befestigt, obwohl sie wenig Verkehr aufweisen. Entsprechend sind die Unterhaltskosten sehr hoch.

Der Luftverkehr spielt in Mali eine sehr untergeordnete Rolle, weil die Preise fĂŒr den Großteil der Bevölkerung nicht erschwinglich sind. Der grĂ¶ĂŸte Flughafen des Landes, der Flughafen Bamako, zĂ€hlte im Jahr 2009 rund 200.000 Passagiere, die wichtigsten Flugziele sind Dakar und Paris. Alle anderen FlughĂ€fen zusammen, wovon die grĂ¶ĂŸten in Kayes, Timbuktu und Mopti sind, weisen nicht einmal 30.000 FluggĂ€ste pro Jahr aus. Die nationale Fluglinie Air Mali hat den Betrieb bereits mehrmals, zuletzt 2003 und 2012, eingestellt. Wenngleich die malischen Fluglinien ihr FluggerĂ€t in den vergangenen Jahren erneuert haben, so bleiben bedeutende Sicherheitsdefizite zu lösen.

Telekommunikation

Im Jahre 2002 gab es in Mali 56.600 TelefonanschlĂŒsse, davon 80 % in der Hauptstadt Bamako. Der Standard galt als niedrig und unzuverlĂ€ssig. Vor diesem Hintergrund hat die Mobiltelefonie einen idealen Wachstumsmarkt gefunden. Seit im Jahr 1998 der Telekommunikationsmarkt liberalisiert und eine Aufsichtsbehörde geschaffen wurde, ist die Branche rasant gewachsen und bietet dabei den Kunden niedrige Preise, wenngleich es im Land lediglich zwei Betreiber gibt. Die Zahl der Mobilfunkkunden Malis ist von 10.000 im Jahr 2000 auf 2,5 Millionen im Jahr 2007 in die Höhe geschnellt. Mali ist ĂŒber zwei Korridore mit je zwei Links an das internationale Unterseekabel South Atlantic 3 angeschlossen: ĂŒber Bamako-Dakar und Bamako-Abidjan. Im Jahr 2017 nutzten 13 Prozent der Einwohner Malis das Internet. Der Gebrauch von Telekommunikations-Dienstleistungen ist weitgehend ein stĂ€dtisches Privileg. Die Versorgung des Landes ist markant schlechter; etwa 12 % der Malier wohnen in so dĂŒnn besiedelten Gebieten, dass sie ohne Subvention nie in den Genuss solcher Services kommen werden.

Energie- und Wasserversorgung

Elektrische Energie wird in Mali zu 55–60 % aus Wasserkraft gewonnen, der Rest wird in Ölkraftwerken generiert. Da in Mali keine fossilen EnergietrĂ€ger gefördert werden und importierte Erdölprodukte aufgrund der langen Transportwege deutlich teurer sind als im Rest der Welt, stellt der hohe Anteil des Öls an der ElektrizitĂ€tsgewinnung eine schwere BĂŒrde fĂŒr die Wirtschaft dar. Als Resultat daraus zĂ€hlen die Energiepreise Malis zu den höchsten der Welt, und selbst diese hohen Preise erlauben es Energie du Mali nicht, seine Kosten zu decken. Im Jahre 2009 hatten weniger als 20 % der Malier einen Stromanschluss, wobei es in der Stadt fast 50 % der Bevölkerung waren, hingegen weniger als 5 % auf dem Land. Seit der Inbetriebnahme des Wasserkraftwerkes Manantali im Jahr 2003 hat sich die ZuverlĂ€ssigkeit des Stromnetzes bereits stark verbessert und die Anzahl und Dauer der StromausfĂ€lle ist deutlich niedriger als in anderen westafrikanischen Staaten. Der Anteil elektrischer Energie, der durch die Verbraucher selbst mit Generatoren erzeugt wird, lag 2007 bei 16 %.

Die Nachfrage nach elektrischer Energie steigt jĂ€hrlich um bis zu 10 %. Dies stellt die Erzeuger vor große Herausforderungen: Das Wasserkraft-Potenzial ist niedrig, und das Netz ist noch nicht an jenes der NachbarlĂ€nder angeschlossen. Der Import elektrischer Energie aus Guinea oder der ElfenbeinkĂŒste wĂŒrde zwar die Kosten drastisch senken, bedingt jedoch hohe Investitionen in die Infrastruktur. Somit sind die Erhöhung der KapazitĂ€t, der Anschluss wichtiger Bergbau- und Baumwollregionen sowie die Senkung der Übertragungsverluste von derzeit 25 % mitentscheidend fĂŒr die StĂ€rkung der WettbewerbsfĂ€higkeit der malischen Wirtschaft.

In den letzten 20 Jahren wurden große Anstrengungen unternommen, die Wasserversorgung der Bevölkerung zu verbessern. Vor allem durch den Bau von Brunnen hatten im Jahr 2007 60 % der Bevölkerung Zugang zu sicherem Wasser, wĂ€hrend es 1987 noch 30 % waren. Dies gelang trotz gleichzeitigem starken Bevölkerungswachstum. Parallel dazu schrumpfte der Anteil der Menschen ohne Zugang zu Latrinen auf 20 %, was deutlich weniger ist als in den NachbarlĂ€ndern. Doch Energie du Mali kann auch bei der Wasserversorgung seine Kosten nicht decken, das Bevölkerungswachstum und die schnelle Urbanisierung bringen die Infrastruktur an die Grenzen ihrer LeistungsfĂ€higkeit und die QualitĂ€t des Zugangs zu Wasser ist auf dem Land nach wie vor deutlich schlechter als in der Stadt.

Kultur

Die Kultur Malis besitzt einen großen Reichtum an Mythen und Traditionen wie Musik und rituelle TĂ€nze, mit abstrakten Mustern bedruckte Stoffe oder kunstvolle Holzmasken. Sie ist dabei durch die Vermischung des Islam mit vorislamischen religiösen Praktiken gekennzeichnet. Die Musik, die sowohl der Unterhaltung als auch der Belehrung dient, nimmt hier einen ganz bedeutenden Platz ein, die Mythen, Epen und Geschichten wurden in Liedform ĂŒberliefert. Aus dieser Kunst ist die heute international sehr erfolgreiche malische Popmusik entstanden. Das Schmiedehandwerk und die Holzschnitzerei sind Handwerksformen, die besonderes Ansehen genießen.

Musik und Tanz

Musik, Tanz, Sprache und AuffĂŒhrung sind in der malischen Gesellschaft tief verwurzelt. Sie bilden in der Ansicht der Malier eine Einheit, und Maliern ist nicht eingĂ€ngig, warum diese vier Elemente voneinander getrennt werden sollen. Dabei hat jede Ethnie ihre eigenen Musiktraditionen. Klassische Musik europĂ€ischen Zuschnitts spielt in Mali keine Rolle. Die Pflege des musikalischen Erbes der einzelnen Völker unterlag einer speziellen gesellschaftlichen Gruppe, die in SĂŒdmali Jeli heißt. Die Jeli waren mit einer einflussreichen Familie durch Patronage verbunden und bekamen als Gegenleistung fĂŒr ihre Dienste als LobsĂ€nger, Berater, Vermittler und Kenner der mĂŒndlich vermittelten Geschichte Geschenke fĂŒr ihren eigenen Lebensunterhalt. Bestimmte Gesangs- oder Rezitierformen sowie Instrumente waren dabei ausschließlich den mĂ€nnlichen beziehungsweise weiblichen Jeli vorbehalten. Die Tradition der Jeli gibt es auch heute noch; kein Politiker kann es wagen, einen Jeli fĂŒr seinen Lobgesang nicht großzĂŒgig zu belohnen, selbst wenn der betreffende Jeli gar nicht um die Lobpreisung gebeten worden war.

Aus der Jeli-Tradition heraus stammen viele der zahlreichen Stars der malischen Popmusik, die seit den 1960er Jahren international bekannt geworden ist. Zu diesen Stars sind Boubacar TraorĂ©, der fĂŒr seinen WĂŒstenblues bekannte Ali Farka TourĂ©, Habib KoitĂ© und Salif KeĂŻta zu zĂ€hlen, wobei letzterer keine Jeli-Herkunft aufweisen kann und somit wie kein anderer fĂŒr neue soziale MobilitĂ€t steht. Weitere bekannte malische Musiker sind Rokia TraorĂ© oder das blinde Pop-Duo Amadou & Mariam. Eine Besonderheit Malis ist der hohe Anteil an SĂ€ngerinnen. Sie prĂ€gen wie die in der Tradition der Wassoulou-Musik stehende Oumou SangarĂ© oder die beiden Jeli-SĂ€ngerinnen Ami Koita und Kandia KouyatĂ© ebenfalls die populĂ€re Musik des Landes. Malische Musiker pflegen nicht zuletzt einen lebhaften internationalen Austausch, dazu gehören Projekte wie Afrocubism, das kubanische und malische Musik kombiniert, die CD Talking Timbuktu, die Ali Farka TourĂ© mit Ry Cooder eingespielt hat oder die Platte Songhai, die unter Beteiligung von Toumani DiabatĂ© malische Musik mit Flamenco kombiniert.

HĂ€ufig verwendete Instrumente sind Kora – eine Stegharfe der Mandinka – sowie die Spießlaute Ngoni, das Stabspiel Balafon, die Bechertrommel DjembĂ©, die tief klingende Röhrentrommel Dununba, die einsaitige Laute Gurkel (auch djerkel) und die einsaitige Fiedel Njarka.

Die Tuareg haben ihre eigenen Musiktraditionen, zum Teil aber Ă€hnliche Instrumente. Die einsaitige Fidel Imzad ist den Tuaregfrauen vorbehalten, beide Geschlechter spielen die dreisaitige Zupflaute Tahardent und die Mörsertrommel TendĂ©. Die Tuareg-Band Tinariwen wurde 1982 gegrĂŒndet. Sie nutzt elektrisch verstĂ€rkte Instrumente und ist auch in Europa bekannt.

Theater und Tanztheater

In Mali gibt es, abhĂ€ngig von Region und ethnischer Zugehörigkeit, eine unĂŒberschaubare Menge von traditionellen Theaterformen, die sich bezĂŒglich Form, Figuren und Handlungen unterscheiden. Theater wird in der Regel von jungen MĂ€nnern aufgefĂŒhrt, die sich in Rhetorik, Parodie, Komödie und satirischer Imitation ĂŒben und damit LebensumstĂ€nde wie Politik, Regierung oder Generationenkonflikte aufs Korn nehmen. Das Publikum ist dabei integraler Bestandteil der AuffĂŒhrung. Dessen spontane Reaktion entscheidet, ob die Rhetorik des WortfĂŒhrers als gekonnt und witzig oder aber als unverschĂ€mt gilt. Puppentheater und Maskeraden gibt es ebenso in vielen Formen. Auch diese Art von AuffĂŒhrung vereint Theater, Musik, Tanz und Rhetorik. Die Puppen können Stereotype aus der Gesellschaft oder Geister darstellen, wĂ€hrend bei den Maskeraden die Darsteller zur GĂ€nze unter teils riesigen Masken verschwinden.

In den Jahren kurz vor und nach der UnabhĂ€ngigkeit Malis rief die Regierung mehrere Theater-, Puppentheater- und Tanzensembles ins Leben. Diese Ensembles nahmen an Wettbewerben teil und spielten vor den GĂ€sten der jeweiligen Regierungen. Im Jahre 1964 wurde ein nationales Kulturinstitut gegrĂŒndet, dessen TĂ€tigkeit zu einer gewissen Standardisierung der Theater- und Tanzformen fĂŒhrte, aber auch die Kulturen Nordostmalis zu Gunsten jener des SĂŒdens marginalisierte. Seit sich der Staat als Sponsor von professionellen Theatergruppen zurĂŒckgezogen hat, greifen Entwicklungshilfeorganisationen gern auf das Medium Theater zurĂŒck. Sie hoffen, durch die Verwendung dieser traditionellen Kulturforum die malische Bevölkerung besser mit ihrem Anliegen zu erreichen.

Literatur

Das literarische Leben Malis ist durch die Begegnung von traditionellen, mĂŒndlich ĂŒbertragenen Texten, arabisch-muslimischer Literatur, französischer Kolonialvergangenheit und modernem, zeitgenössischen Literaturschaffen geprĂ€gt. Die mĂŒndlich ĂŒbertragene Literatur ist bis heute lebendig und viele Malier halten sie fĂŒr ausdrucksstĂ€rker als schriftlich festgehaltene Texte. Darbietungen derartiger Überlieferungen schaffen hohe emotionale Anteilnahme unter der Zuhörerschaft. Inhalte der mĂŒndlichen Überlieferungen sind kulturelle Werte und soziale Normen in Form von Sprichwörtern und Fabeln, aber auch Berichte von historischen Ereignissen oder Heldenepen, deren historische AuthentizitĂ€t umstritten ist. Aufzeichnungen arabischer Reisender und Historiker von El Bekri (11. Jahrhundert) bis Leo Africanus (16. Jahrhundert) sind bis heute erhalten und bilden die Grundlage fĂŒr die heutige Geschichtsschreibung der Region; die Timbuktu-Handschriften sind weltberĂŒhmt geworden. SpĂ€ter wurden religiöse, exegetische und pĂ€dagogische Texte in lokalen Sprachen, aber arabischer Schrift verfasst. Diese Ajamiyya genannte Literatur hatte, wenngleich die arabische Schrift zur Wiedergabe afrikanischer Sprachen schlecht geeignet war, eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung des Islam im heutigen Mali.

Unter der französischen Kolonialherrschaft verlangte die Politik der kulturellen Assimilierung, dass sĂ€mtliche literarische TĂ€tigkeit in französischer Sprache sein mĂŒsse, und dass sie dem Geschmack der französischen Kultur zu entsprechen habe. Moderne Literatur existiert in Mali deshalb fast ausschließlich in französischer Sprache. Die ersten bedeutenden modernen Schriftsteller waren deshalb in Frankreich ausgebildete Kolonialbeamte, die den politischen UnabhĂ€ngigkeitskampf unterstĂŒtzten. Dazu gehören der zum Vater der frankophonen malischen Literatur erklĂ€rte Fily Dabo Sissoko, der Historiker Amadou HampĂątĂ© BĂą oder Aoua KĂ©ita, deren Autobiografie tiefgrĂŒndige Einblicke in die Lage der Frauen wĂ€hrend der Kolonialzeit erlaubt.

Nach Erlangen der UnabhĂ€ngigkeit war literarischer Erfolg an politische AktivitĂ€t geknĂŒpft. In dieser Zeit arbeiteten Seydou Badian KouyatĂ©, Yambo Ouologuem, der mit der angeblich glorreichen afrikanischen Vergangenheit abrechnete, Massa Makan Diabate oder Ibrahima Aya. Alle diese verfolgten das Ziel, mittels Literatur die malischen MitbĂŒrger aufzuklĂ€ren. Seit der EinfĂŒhrung des Mehrparteiensystems haben sich die Schriftsteller von politischen Themen abgewandt. Zu den bedeutenden zeitgenössischen Schriftstellern Malis gehören Aicha Fofana, Aida Mady Diallo, Habib DembĂ©lĂ©, IsmaĂŻla Samba TraorĂ©, Moussa KonatĂ© oder M’Bamakan Soucko.

Architektur

Die Architektur der verschiedenen Völker Malis hĂ€ngt von deren Lebensform ab: wĂ€hrend nomadische oder halbnomadische Völker in Zelten aus mit TierhĂ€uten bespannten HolzgerĂŒsten wohnen, ist unter den sesshaften Völkern die Lehmarchitektur am weitesten verbreitet. Dies liegt einerseits daran, dass Holz und Lehm die in der Region am leichtesten verfĂŒgbaren Baustoffe sind, andererseits ist diese Bauweise am besten an das Klima der Sahelzone angepasst. WĂ€hrend der Stunden mit sehr hoher Sonneneinstrahlung schirmt der Lehm den Innenraum des Hauses ab und hĂ€lt ihn kĂŒhl, wĂ€hrend der kalten NĂ€chte oder auch wĂ€hrend des Harmattan geben die LehmwĂ€nde die wĂ€hrend des Tages aufgenommene WĂ€rme ab. Die BelĂŒftung ist durch die EingĂ€nge und Rauchabzugsöffnungen gewĂ€hrleistet. Die meist fensterlosen HĂ€user dienen nur zum Schlafen, Kochen und Lagern von Lebensmitteln und anderem Material. Gearbeitet und gelebt wird außerhalb der HĂ€user, die runden oder eckigen Grundriss sowie flache DĂ€cher oder Grashauben haben können. Die Struktur der Dörfer reicht von sehr kompakt, wo sie einige Dutzend Familien beherbergen und vom Weide- und Ackerland umgeben sind, bis zu einzeln in der trockenen Ebene stehenden RundhĂ€uschen mit Grasdach.

Moscheen sind die wichtigsten religiösen GebĂ€ude Malis. Wie die WohnhĂ€user werden sie aus Lehm gebaut. Vor allem die Moscheen Ă€lteren Datums sind aus massivem Lehm, in dem horizontale hölzerne TrĂ€ger verankert sind. Diese TrĂ€ger dienen als GerĂŒste fĂŒr die hĂ€ufig notwendigen Reparaturarbeiten. Beispiele fĂŒr diese Architektur vor sind die Djinger-ber-Moschee und die SankĂłre-Moschee von Timbuktu sowie das Mausoleum fĂŒr Askia Muhammed in Gao. Die Moschee von DjennĂ© ist deutlich jĂŒngeren Datums und unterscheidet sich von den Ă€lteren hinsichtlich der Symmetrie des Bauwerkes, der Integration der Minarette in die Fassade und der Verwendung der OberflĂ€chenstruktur des Lehms als Gestaltungselement. Da die Lehmbauweise wenig witterungsbestĂ€ndig ist, kommt die Bevölkerung der betreffenden Orte einmal im Jahr zusammen, um nach der Regenzeit eine frische Schicht Lehm auf die OberflĂ€che der Moscheen aufzutragen.

Festungsartige Bauwerke, die Tata genannt werden, ebenfalls aus Lehm bestehen und der Bevölkerung Schutz bei kriegerischen Auseinandersetzungen oder vor SklavenjĂ€gern boten, stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts und sind heute noch teilweise erhalten. Jedoch selbst das Tata von Sikasso, das in den 1870er Jahren neun Monate lang der Belagerung von Samori TourĂ© trotzte und somit eigentlich ein Baudenkmal sein sollte, wird nicht unterhalten oder geschĂŒtzt, zerfĂ€llt langsam und dient der lokalen Bevölkerung als Quelle fĂŒr Baumaterial. VestibĂŒle aus Lehm haben eine große historische und kulturelle Bedeutung; sie symbolisieren meist die KontinuitĂ€t eines bedeutenden Familienclans oder haben rituelle Funktionen, wie das Kamablon von Kangaba, das angeblich auf Sundiata KeĂŻta im 13. Jahrhundert zurĂŒckgeht und in einer Zeremonie alle sieben Jahre neu ĂŒberdacht wird. Es gehört seit wenigen Jahren zum UNESCO-Welterbe.

Französische Kolonialarchitektur entstand vor allem in den StĂ€dten Kayes, Kita, Bamako und SĂ©gou. Es handelt sich meist um sehr solide, dreistöckige GebĂ€ude mit großen Veranden und BogengĂ€ngen, die eine ausreichende BelĂŒftung sicherstellten. Diese GebĂ€ude befinden sich heute hĂ€ufig in schlechtem Zustand, obwohl sie Einrichtungen der malischen Regierung beherbergen.

KĂŒche

Die Hauptnahrungsmittel in Mali sind die Getreide Hirse, Sorghum, Reis, Fonio und Mais. Dabei wird Reis in Mali angebaut oder importiert, er ist auf dem Land allein zu besonderen AnlĂ€ssen auf dem Teller, jedoch fast zur HĂ€lfte in der Stadt. Das Getreide wird zum FrĂŒhstĂŒck als Brei, womöglich mit Milch und Zucker, zubereitet und in wohlhabenden Haushalten um Brot ergĂ€nzt. Zum Mittag- und Abendessen werden Hirse oder Reis zusammen mit einer schweren Sauce aus Öl, GemĂŒse und/oder Baobab-BlĂ€ttern gegessen. Fleisch und Fisch findet sich lediglich bei den reichsten Maliern regelmĂ€ĂŸig in dieser Sauce. Sie hat in Mali einen so hohen Stellenwert, dass ihre QualitĂ€t als Maßstab gesehen wird, wie sehr eine Frau ihren Mann liebt. Das Saucen-Geld ist das Synonym fĂŒr den Betrag, den die Frau von ihrem Mann fĂŒr das Bestreiten des Haushaltes bekommt, er nimmt in alltĂ€glichen GesprĂ€chen wie auch in malischen Seifenopern breiten Raum ein. Das Kochen ist traditionell ausschließliche Aufgabe der Frauen. Sie richten das Getreide und die Sauce in großen Schalen. Gegessen wird in Gruppen, nach Geschlechtern getrennt, auf dem Boden sitzend und mit den Fingern.

Das Essen ist eine Angelegenheit, die zu Hause stattfindet. Es wird nach Möglichkeit soviel gekocht, dass man ĂŒberraschend eintreffende GĂ€ste bewirten kann. Es ist inakzeptabel, in der Gegenwart anderer zu essen, ohne diese zum Essen einzuladen. Restaurants sind in Mali eine Einrichtung, die erst in der französischen Kolonialzeit eingefĂŒhrt wurde.

WĂ€hrend zu den Mahlzeiten Wasser getrunken wird, ist starker GrĂŒntee mit viel Zucker das GetrĂ€nk, das zu Genusszwecken konsumiert wird. Kaffee und Schwarztee sind nicht sehr verbreitet. SĂŒĂŸgetrĂ€nke wie Jenjenbere, Dableni oder westliche Softdrinks werden nur an speziellen AnlĂ€ssen getrunken. Bier und andere alkoholische GetrĂ€nke werden religiös bedingt Ă€ußerst selten und höchstens zu speziellen gesellschaftlichen AnlĂ€ssen gereicht. RegelmĂ€ĂŸiger oder exzessiver Alkoholkonsum ist gesellschaftlich geĂ€chtet.

Bekleidung

Der Bekleidungsstil, wie er heute in Mali gepflegt wird, ist das Ergebnis von tiefgreifenden VerÀnderungen in den letzten 150 Jahren, die durch Kolonisierung und Islamisierung hervorgerufen wurden.

Frauen bevorzugen die Poncho-artige Robe namens Dloki-Ba, die aus bedrucktem oder besticktem Stoff hergestellt sein kann. Sofern es die finanziellen Gegebenheiten erlauben, wĂ€hlt die Frau exquisiten importierten Stoff und lĂ€sst ihn selbst nach ihrem persönlichen Geschmack fĂ€rben. Der combinaison genannte Zweiteiler aus einem zwei Meter langen, um die HĂŒfte gewundenen Tuch und einer Bluse ist ebenfalls sehr verbreitet. Die Kopfbedeckung signalisiert, dass eine Frau verheiratet ist. AbhĂ€ngig von Geschmack und Modebewusstsein ihrer TrĂ€gerin kann dieses BekleidungsstĂŒck spektakulĂ€r und farbenfroh ausfallen. Westliche Kleidung wird in der Regel nur von einigen jungen unverheirateten Stadtbewohnerinnen getragen. FĂŒr jeden Kleidungsstil gilt, dass er der Frau zu Selbstachtung verhelfen soll, indem er den Körper und seine Konturen verdeckt.

Die am meisten verbreitete Kleidung fĂŒr MĂ€nner wird Pipau genannt, es handelt sich um ein einteiliges, Kaftan-artiges Gewand, das den Körper bis zu den FĂŒĂŸen verdeckt. In Kombination mit einer Kappe und eventuell einem Bart betont er die muslimische IdentitĂ€t seines TrĂ€gers. Einflussreiche Personen tragen hĂ€ufig eine reich verzierte dreiteilige Kombination aus weit geschnittener Hose, Hemd und Überwurf, der wiederum Dloki-ba oder Grand Boubou genannt wird. Westliche Kleidung wird von Mitgliedern der gebildeten, stĂ€dtischen Elite getragen.

Kino

Bereits seit der Kolonialperiode hat Mali einige Regisseure hervorgebracht, die mit ihren Filmen das Land, sein reiches kulturelles und historisches Erbe sowie das komplexe soziale GefĂŒge Malis international bekannt machten. Der 1940 in Bamako geborene Souleymane CissĂ© landete fĂŒr seinen Film Den muso im GefĂ€ngnis, sein Streifen Yeelen wurde mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnet. Der 1945 in San geborene und in Frankreich ausgebildete Cheick Oumar Sissoko gewann fĂŒr Guimba, Le GenĂšse und die Verfilmung eines Romans von Aminata Sow Fall namens BattĂč ebenfalls mehrere Preise. Der Regisseur Abderrahmane Sissako legte mit Das Weltgericht von Bamako (2006) und Timbuktu (2014) zwei international beachtete Filme vor.

Medien

Die erste Zeitung des Landes war Le Soudanais, der von der französischen Kolonialverwaltung fĂŒr das französischsprachige Publikum, also in Mali lebende Franzosen und die afrikanische Elite aufgelegt wurde. Zeitungen wie L’Essor wurden von der UnabhĂ€ngigkeitsbewegung herausgegeben. Nach der UnabhĂ€ngigkeit wurden L’Essor (ab 1949 durch US-RDA herausgegeben) und die Presseagentur Agence Malienne de Presse zum Sprachrohr der Regierung. Seit 1992 ist die Pressefreiheit in der Verfassung verankert und Publikationen wie Le RĂ©publicain, Les Echos, Nouvel Horizon oder Info Matin sind entstanden. Ihre Verbreitung ist jedoch auf das kleine Segment der lesekundigen Stadtbewohner, die sich den Erwerb von Zeitungen leisten können, beschrĂ€nkt. Selbst in Bamako mit seinen rund zwei Millionen Einwohnern erreichen die grĂ¶ĂŸten Zeitungen eine Auflage von nicht mehr als 3500 Exemplaren. Dabei halten 44 % der Bevölkerung die Pressefreiheit fĂŒr verzichtbar, womit Mali nur noch von Liberia (47 %), ElfenbeinkĂŒste (48 %), Guinea (48 %) und Sudan (49 %) ĂŒbertroffen wird. Dies steht in scharfem Gegensatz zu Aussagen, fast 70 % der Afrikaner sehen die Presse in einer Aufpasserfunktion gegenĂŒber Regierung und Korruption. Hauptgrund ist Misstrauen gegenĂŒber der Wahrheitsliebe der Presse.

Radio gibt es in Mali seit der GrĂŒndung von Radio Soudan 1957. Bis zum Beginn der 1990er Jahre war der Empfang lediglich in den StĂ€dten möglich, das Medium diente vor allem der Bildung und der Verbreitung der Regierungspolitik. Gesendet wurde fast ausschließlich auf Französisch und Bambara. Seit 1992 ist ein starkes Wachstum an lokalen Radiostationen zu beobachten: im Jahre 2011 waren mehr als 150 Stationen auf Sendung, die meisten davon auf Lokalsprachen und mit lokalen Inhalten. Die finanziellen und technischen BeschrĂ€nkungen bedingen jedoch ein niedriges QualitĂ€tsniveau. Es gibt zwei nationale Programme, Chaine Nationale und Chaine 2.

Das malische Fernsehen existiert seit 1983 als die Radiodiffusion TĂ©lĂ©vision du Mali seine Programmausstrahlungen begann. Bis heute ist das Fernsehen im Landesinneren nur in urbanen Gebieten empfangbar, abgesehen von den populĂ€ren Musikshows und Seifenopern gibt es kaum im Land produzierte Inhalte. Einige Rundfunk-/TV-Stationen sind inzwischen auch ĂŒber Audio-/Video-Stream ĂŒber das Internet zu empfangen. ORTM (bis 1993 RTM) ist das landesweite Programm Malis. TM2 sendet seit 31. Dezember 2011 und ist das zweite Programm. Es richtet sich vorwiegend an Frauen und Kinder. ORTM ist in Europa ĂŒber Eutelsat 7A auf 7°Ost frei empfangbar.

Die Medienlandschaft in Mali galt bis zum Krieg als relativ frei, seitdem ist sie Repressalien ausgesetzt. Freedom House fĂŒhrte Mali noch im Jahre 2010 in der Liste der Staaten mit freier Presse und damit unter anderem vor Italien, wo die Medien als „teilweise frei“ gewertet wurden. Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen listete in der Rangliste Pressefreiheit 2008 Mali noch vor der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich. Im Jahr 2015 listet Freedom House Mali unter den LĂ€ndern mit nur teilweise freier Presse.

Sport

Das Nationale Olympische Komitee Comité National Olympique et Sportif du Mali (CNOSM), das 1963 vom IOC anerkannt wurde, entsandte 17 Sportler zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking; zwei Leichtathleten, zwei Schwimmer, einen TaekwondokÀmpfer sowie die Basketballnationalmannschaft der Damen.

Nationalsport von Mali ist Fußball, der nationale Verband ist die FĂ©dĂ©ration Malienne de Football (FMF), die mit der UnabhĂ€ngigkeit 1960 gegrĂŒndet und 1962 Mitglied des Weltverbandes FIFA wurde. GrĂ¶ĂŸte Erfolge der Nationalmannschaft waren der zweite Platz bei der Afrikameisterschaft 1972, der dritte Platz bei der Afrikameisterschaft 2012 und 2013 sowie die drei Halbfinalteilnahmen 1994, 2002 und 2004. Um die Malische Meisterschaft kĂ€mpfen jedes Jahr 14 Vereine, von denen der grĂ¶ĂŸte Teil aus Bamako stammt. Erfolgreichster Spieler der Vergangenheit ist Salif KeĂŻta, der in Frankreich bei AS Saint-Étienne und Olympique Marseille spielte. Der in Mali geborene Jean Tigana wurde mit der französischen Nationalmannschaft 1984 Europameister. Bekannte Auslandsprofis sind Seydou Keita (AS Rom) und Mohamed Sissoko (Levante UD).

Erfolgreich sind auch die Fußball-Junioren. Die U-20-Nationalmannschaft erreichte bei der U-20-WM 1999 den dritten Platz. 2015 wurde die U 17 von Mali Afrikameister und anschließend bei der U 17 WM in Chile Vizeweltmeister, und die U 20 von Mali erreichte mit ihrem besten Mann Adama Traore vom AS Monaco bei der U 20 WM in Neuseeland nach einem Sieg gegen die Deutsche U 20 den 3. Platz.

Literatur

  • Martin Hofbauer, Philipp MĂŒnch (Hrsg.): Mali (= Wegweiser zur Geschichte). Im Auftrag des Zentrums fĂŒr MilitĂ€rgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, 2. aktualisierte Auflage, Schöningh, Paderborn 2016, ISBN 978-3-506-78661-6.
  • Rolf Hofmeier, Andreas Mehler: Afrika-Jahrbuch 2003. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Afrika sĂŒdlich der Sahara. Vs-Verlag, 2004.
  • Thomas Krings: SahellĂ€nder. WBG-LĂ€nderkunden, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-11860-X.
  • Philipp Meuser, Adil Dalbai (Hrsg.): Sub-Saharan Africa. Architectural Guide. DOM publishers, Berlin 2021, ISBN 978-3-86922-400-8. 
  • Dorothea E. Schulz: Culture and Customs of Mali. Santa Barbara 2012, ISBN 978-0-313-35912-5.

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Mali
  • LĂ€nder- und Reiseinformationen des deutschen AuswĂ€rtigen Amtes
  • Artikel-Dossier – Der Spiegel

Einzelnachweise


 

Region Regionen (8)

Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Bamako 15.496 11.456 -9.142 -5.945  
Gao 18.955 14.911 -1.707 4.235  
Kayes 15.698 11.891 -12.265 -8.132  
Kidal 21.849 17.629 -2.043 4.232  
Mopti 15.895 13.166 -5.664 -0.772  
SĂ©gou 15.553 12.555 -7.081 -3.958  
Sikasso 12.817 10.14 -8.701 -4.387  
Timbuktu 24.995 15.057 -6.594 0.004  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Flagge: Mali

Name englisch: Mali
Hauptstadt: Bamako
Kfz: RMM
ISO: ML
ISO3: MLI
Fläche: 1240000 km²
Tld: .ml
Wärung Einheit: XOF
Währung: Franc
Vorwahl: 223

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 25.000012
südlichster Punkt: 10.147811
westlichster Punkt: -12.2388849
östlichster Punkt: 4.2666666


 
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