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Staat Informationen : Burkina Faso

Informationen:


Burkina Faso (deutsche Aussprache: [bÊŠÉÌŻËŒkÊ°iːnaˈfaːzo]), ĂŒbersetzt Land des aufrichtigen Menschen, ist ein westafrikanischer Staat, der sĂŒdlich des Nigerbogens liegt und an Mali, Niger, Benin, Togo, Ghana und die ElfenbeinkĂŒste grenzt. Seine UnabhĂ€ngigkeit erlangte das Land am 5. August 1960. Bis zum 4. August 1984 wurde der Name Republik Obervolta (französisch RĂ©publique de Haute-Volta), den es in seiner Zeit als französische Kolonie erhielt, verwendet. Die Umbenennung erfolgte durch den panafrikanistisch-sozialistisch orientierten PrĂ€sidenten Thomas Sankara, der nach einer Phase politischer InstabilitĂ€t 1983 durch einen Staatsstreich die Macht erlangt hatte.

Administrative und kulturelle Hauptstadt des rund 20,1 Millionen Einwohner zĂ€hlenden Landes ist die zentral gelegene Millionenstadt Ouagadougou. Der vorwiegend flache Binnenstaat mit Anteilen an der Großlandschaft des Sudan und der Sahelzone ist durch tropisches Klima und verschiedenartige Savannenlandschaften geprĂ€gt. Etwa die HĂ€lfte der Burkiner (Burkinabe) zĂ€hlt zur politisch dominierenden Ethnie der Mossi, die bis zur Kolonisierung durch Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts in mehreren streng hierarchisch organisierten Reichen lebten. In Burkina Faso werden etwa 60 einheimische Sprachen gesprochen. Der Islam ist neben den traditionellen Glaubensvorstellungen die meistpraktizierte Religion. Burkina Faso gehört zu den Ă€rmsten LĂ€ndern der Welt, zeichnet sich heute aber durch eine gewisse StabilitĂ€t und die kulturelle Vielfalt der friedlich zusammenlebenden Ethnien aus. RegelmĂ€ĂŸig wiederkehrende DĂŒrreperioden sorgen oft fĂŒr große Not der hauptsĂ€chlich als Bauern lebenden Bevölkerung.

Landesname

Der Name Burkina Faso, so gewĂ€hlt im Jahr 1984 vom damaligen PrĂ€sidenten Thomas Sankara, ist zweisprachig; burkÄ©na ist MĂČorĂ© und bedeutet etwa „ehrenwerte Person“. Das Wort faso entstammt der Sprache Dioula und heißt „Vaterland“ (von fa „Vater“ und so „Haus, Dorf“). Burkina Faso bedeutet also wörtlich „Vaterland der ehrenwerten Menschen“. Die in Burkina Faso offizielle Einwohnerbezeichnung lautet BurkinabĂš, wobei dieses Wort nicht flektiert wird. Das Pluralsuffix -bĂš ist der dritten Hauptsprache des Landes, dem Fulfulde der Fulbe, entnommen. Im amtlichen Sprachgebrauch sind in Deutschland die Einwohnerbezeichnungen Burkiner und Burkinerin vorgeschrieben, das Adjektiv ist burkinisch. Der Duden gibt auch die Form Burkinabe als maskulines und feminines Substantiv als gleichberechtigt an.

Geografie

Lage

Burkina Faso ist ein Binnenstaat im Inneren Westafrikas mit 267.950 kmÂČ FlĂ€che, von denen 400 kmÂČ auf die GewĂ€sser entfallen. Es liegt sĂŒdlich des Nigerbogens und der Sahara und teilt sich seine 3193 km lange Landgrenze mit sechs Nachbarstaaten; im Nordwesten und Norden mit Mali (988 km LĂ€nge), im Osten mit Niger (628 km) sowie im SĂŒdosten mit Benin (306 km) und Togo (126 km). An Burkina Faso grenzen außerdem Ghana (549 km) im SĂŒden und die ElfenbeinkĂŒste (CĂŽte d'Ivoire, 584 km) im SĂŒdwesten. Der grĂ¶ĂŸte Teil des Landes liegt in der Landschaft Sudan, außerdem hat Burkina Faso im Norden Anteil am Sahel.

Relief

Etwa drei Viertel des Landes werden von einer RumpfflĂ€che geprĂ€gt, die zum niedrigen Mittelabschnitt der Oberguineaschwelle gehört. Es handelt sich um eine flachwellige Hochebene, deren durchschnittliche Höhe etwa 250–350 Meter ĂŒber Meer betrĂ€gt und die Teil eines vor etwa 2–3 Milliarden Jahren entstandenen prĂ€kambrischen Sockels aus Granit und Gneis ist. Etwa 32 % (70.778 kmÂČ) der LandesflĂ€che entfallen auf das Zentralplateau (nach seinen Bewohnern auch Mossiplateau genannt). Die Landschaft des Plateaus ist vorwiegend flach mit vereinzelten HĂŒgeln, Senken, Kuppen, Inselbergen und freistehenden Granitfelsen, die der Erosion widerstanden haben. Ein Sandsteintafelland prĂ€gt den SĂŒdwesten Burkina Fasos, das mit dem Tena Kourou, dem höchsten Berg des Landes, 749 m Höhe erreicht. Dieses Massiv, das ĂŒberwiegend die Form eines monotonen Hochplateaus aufweist, hat eine durchschnittliche Höhe von 450 bis 500 m, fĂ€llt zu den mit Sedimenten bedeckten Sockeln steil ab und bildet dort den Höhenzug ChaĂźne de Banfora. Diese Kette erstreckt sich bei einer durchschnittlichen Höhe von 150 m in Nordost-SĂŒdwest-Richtung. Im SĂŒdosten befindet sich die ChaĂźne de Gobnangou, ein Massiv, das etwa 100 m ĂŒber das Zentralplateau hinausragt. QuartĂ€re Formationen existieren vor allem in Form von AltdĂŒnen im Norden des Landes, die bis zu 20 m Höhe und 10–20 km LĂ€nge erreichen. 40 % der FlĂ€chen nördlich von Markoye sind von DĂŒnen bedeckt. Der tiefste Punkt des Landes liegt im Flusstal des Oti mit 125 m.

Klima

Burkina Faso unterliegt tropischem Wechselklima, das primÀr beeinflusst wird von der Wechselwirkung des westafrikanischen Monsuns und des Passatwindes Harmattan, der den Regionen des Landes eine unterschiedlich lange, aber eine ausgeprÀgte Einteilung in Trocken- und Regenzeit beschert.

Von Nord nach SĂŒd hat das Land Anteil an den unterschiedlichen Vegetationszonen des Sahel und des Sudans. Erstere umfasst etwa 25 % der LandesflĂ€che und ist von Trockenheit geprĂ€gt; die NiederschlĂ€ge können auf unter 300 mm pro Jahr fallen, die Regenzeit zum Teil weniger als zwei Monate dauern. Die HĂ€lfte des Landes unterliegt dem Sudan-Sahel-Klima, fĂŒr das eine Regenzeitdauer von vier bis fĂŒnf Monaten charakteristisch ist. Etwa sechs Monate betrĂ€gt die Regenzeit in der im SĂŒden gelegenen Sudan-Zone; NiederschlĂ€ge von bis zu 1300 mm pro Jahr sind hier keine Seltenheit. Insgesamt fallen in dem Land durchschnittlich jĂ€hrlich 165 kmÂł Niederschlag, von denen allerdings nur 9 kmÂł zum Abfluss kommen.

Die Durchschnittstemperaturen bewegen sich zwischen 25 °C und 30 °C. Die niedrigste je gemessene Temperatur war 5 °C, 1971 bei Bobo-Dioulasso und 1975 in Markoye. Dort wurde mit 46 °C auch die höchste je gemessene Temperatur des Landes aufgezeichnet. MĂ€rz und April sind die heißesten Monate, Januar und Dezember die kĂ€ltesten. In der Regenzeit strömen warmfeuchte Winde aus SĂŒdwest ĂŒber das Land, wĂ€hrend im Winter der trockenheiße Harmattan Sand und Staub aus der Sahara in Richtung SĂŒdwest weht. In den vergangenen 35 Jahren konnten einige klimatische VerĂ€nderungen festgestellt werden, darunter ein Sinken der Niederschlagswerte sowie die Zunahme der Temperaturen. Extreme Klimaerscheinungen wie große Trockenheiten und Überschwemmungen haben in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls zugenommen.

GewÀsser

FließgewĂ€sser

Die WasserlĂ€ufe in Burkina Faso können drei Becken zugeordnet werden. Davon ist das Voltabecken mit einer FlĂ€che von etwa 180.000 kmÂČ das bedeutendste. Es umfasst die Becken des Mouhoun (Schwarzer Volta), des NakambĂ© (Weißer Volta) und des Pendjari (Oti), und nimmt dabei etwa 2/3 der LandesflĂ€che ein. Im Norden Ghanas nimmt der Mouhoun das Wasser der genannten NebenflĂŒsse sowie des Nazinon (Roter Volta) auf. Mit 18.000 kmÂČ FlĂ€che ist das Becken des ComoĂ©, dessen Lauf durch Stromschnellen und WasserfĂ€lle (zum Beispiel den Cascades de KarfiguĂ©la) unterbrochen wird, deutlich kleiner. Zum 77.000 kmÂČ großen EntwĂ€sserungssystem des Nigerbeckens zĂ€hlen die kleinen temporĂ€ren WasserlĂ€ufe, die diesem im Norden Burkina Fasos rechts zufließen (unter anderem BĂ©li, Gorouol und Sirba).

StillgewÀsser

Viele der zahlreichen kleinen Seen und abflusslosen TĂŒmpel, darunter das Ramsar-Schutzgebiet Mare d’Oursi, liegen saisonabhĂ€ngig trocken. Sie stellen wichtige Wasserreservoirs fĂŒr Mensch und Tier dar. Die beiden grĂ¶ĂŸten natĂŒrlichen Seen Burkina Fasos, der Bamsee und der Demsee, liegen etwa 100 km nördlich von Ouagadougou. Zahlreiche FlĂŒsse wurden zu Seen gestaut, so liegen im SĂŒdosten der Kompienga- und im SĂŒden der BagrĂ©-Stausee, die beide jeweils ein Speicherkraftwerk antreiben. Im Nordwesten wurde der Sourou gestaut, wĂ€hrend der Ziga-Stausee seit Juli 2004 die westlich gelegene Hauptstadt mit Wasser versorgt. Insgesamt gibt es in Burkina Faso 2100 Stauseen mit einer SpeicherkapazitĂ€t von 4,6 kmÂł.

Vegetation

In Burkina Faso sind 2067 Arten höherer Pflanzen bekannt, den grĂ¶ĂŸten Anteil daran haben die SĂŒĂŸgrĂ€ser und SchmetterlingsblĂŒtler. Zahlreiche Wildpflanzen werden als Rohstoff, Viehfutter, Nahrung oder Medizin genutzt. Besonders wichtige NutzbĂ€ume sind etwa KaritĂ©baum, Afrikanischer Affenbrotbaum (Baobab) und NĂ©rĂ©, aber auch Anabaum, Niembaum, Äthiopische Palmyrapalme und Tamarindenbaum. Im Zuge von NutzungsverĂ€nderungen und Klimawandel verschiebt sich das Areal vieler sahelischer Arten gegen SĂŒden.

Burkina Faso umfasst drei zum sudanosambesischen SavannengĂŒrtel zĂ€hlende phytogeographische Zonen; Sahel im Norden, Sudan im Zentrum und Sudan-Guinea im SĂŒden. Die Unterscheidung basiert unter anderem auf den niedrigeren NiederschlĂ€gen (weniger als 600 mm Niederschlagsmenge pro Jahr) und der lĂ€ngeren Trockenzeit im Norden. In der Sahelzone sind Dornstrauchsavannen vorherrschend – zum Teil mit Tigerbuschvegetation, die eine Form der Anpassung an die Trockenheit darstellt. BĂ€ume wachsen zumeist vereinzelt, teils zu Hainen gruppiert. Vorherrschende Arten sind unter anderem Verek-Akazie, Duftende Akazie, WĂŒstendattel, Indische Jujube sowie der fĂŒr den Sahel charakteristische Afrikanische Affenbrotbaum (Baobab).

Die Sudanzone, durch NiederschlĂ€ge im Bereich zwischen 600 mm und 1000 mm pro Jahr gekennzeichnet, ist wie der Sahel von Akazienbewuchs und DorngewĂ€chsen geprĂ€gt, unterscheidet sich aber unter anderem durch das Aufkommen weiterer Arten wie NĂ©rĂ©, KaritĂ©baum und vor allem FlĂŒgelsamengewĂ€chsen als dominierendes Element der sudanesischen Savannen. Die Baumdichte nimmt nach SĂŒden hin zu und bildet vereinzelt Haine, WĂ€lder und entlang der FlĂŒsse GaleriewĂ€lder. In den dichtbesiedelten Gegenden des Zentralplateaus dominieren durch menschlichen Einfluss degradierte Savannenlandschaften. Die Krautschicht besteht nach Arten und Abundanz zu einem großen Teil aus GrĂ€sern, wobei der Anteil hoher und ausdauernder Arten zum SĂŒden hin zunimmt.

In der Sudan-Guinea-Zone sind NiederschlĂ€ge ĂŒber 1000 mm pro Jahr ĂŒblich. Zu den auch in den nördlicheren Zonen beheimateten Arten gesellt sich hier unter anderem die Guineapflaume. In den GaleriewĂ€ldern finden sich Arten wie BreitblĂ€ttrige Feige, Westafrikanischer Butterbaum, Ölpalme oder Juckbohne. In den GaleriewĂ€ldern gedeihen vor allem Pflanzen, die feuchtwarmes Klima bevorzugen.

Fauna

Die meisten der großen, die Savannen bewohnenden SĂ€ugetiere sind auch in Burkina Faso zu finden, wo sie jedoch durch den enormen Bevölkerungsdruck in ihren LebensrĂ€umen bedroht sind. Einige Tierarten, wie zum Beispiel Giraffen und Geparden, sind im Land nicht mehr anzutreffen. In den Schutzgebieten leben Flusspferde, Elefanten, Antilopen, Affen, Gazellen und Leoparden, die durch Jagd dezimiert wurden. Es gibt Afrikanische Buschratten und Schlangen. Im Land wurden 495 Vogelarten nachgewiesen, unter anderem der Afrikanische Strauß, mehrere Storcharten, etwa 50 verschiedene Greifvögel, Nashornvögel, Eisvögel und Bienenfresser. In den Seen und mares leben Krokodile, die von der Bevölkerung als „heilige Krokodile“ besonders verehrt werden. FĂŒr bestimmte Tierarten bestehen Jagdverbote.

Umwelt

Zu den Naturschutzgebieten in Burkina Faso zĂ€hlen vier Nationalparks. Der Nationalpark Arly liegt wie der burkinische Teil des Nationalpark W im SĂŒdosten, der Nationalpark KaborĂ©-Tambi im SĂŒden und der Nationalpark Deux BalĂ©s im Westen des Landes. Es existieren weiterhin ein UNESCO-BiosphĂ€renreservat Mare aux Hippopotames und ein Ramsar-Schutzgebiet Mare d’Oursi sowie zahlreiche, rĂ©serves und forĂȘts classĂ©s genannte Schutzgebiete.

Der seit etwa 35 Jahren in Burkina Faso zu beobachtende Klimawandel, der sich in sinkenden Niederschlagswerten und höheren Temperaturen ausdrĂŒckt, sowie die von Landwirten zur Erschließung von Ackerland entfachten Buschfeuer, Abholzung sowie Erschöpfung der Böden sind GrĂŒnde fĂŒr eine wachsende Desertifikation, ausgehend vom sahelischen Norden des Landes. Im Jahre 1984 wurde der Plan national de lutte contre la dĂ©sertification (PNLD) erstellt, mit dem die noch intakten NaturrĂ€ume geschĂŒtzt, die Praxis der Buschfeuer bekĂ€mpft, die BodenqualitĂ€t verbessert und Wiederaufforstungsprogramme organisiert werden sollen. Allein in den Jahren 1996 bis 2000 wurden zu diesem Zweck rund 23 Millionen BĂ€ume gepflanzt. Es wurde davon Abstand genommen, reine Eukalyptusplantagen anzulegen, wie in den 1960er-Jahren geschehen, als man relativ schnell BĂ€ume zur Feuerholzgewinnung bekommen wollte. UnterstĂŒtzt durch die Suchmaschine Ecosia wurden seit 2014 in Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung ĂŒber 14 Millionen BĂ€ume auf ĂŒber 14.000 Hektar unfruchtbar gewordenem Boden gepflanzt. Dazu wurden einheimische und ungefĂ€hrdete Baumarten gewĂ€hlt, wie Balanitas aegyptica, Ziziphus mauritiana, Acacia nilotica und raddiana, Maerua crassifolia.

Bei den schweren Unwettern, die in der Regenzeit 2007 in zahlreichen LĂ€ndern Westafrikas Überflutungen zur Folge hatten, kam es auch in Burkina Faso zu SchĂ€den. Etwa 9000 HĂ€user wurden zerstört und 28.000 Menschen obdachlos, 51 Menschen starben. Zahlreiche Straßen und BrĂŒcken wurden beschĂ€digt sowie die Ernten zerstört; der Ernteausfall wird mit 13.268 Tonnen beziffert.

Bevölkerung

ZahlenmĂ€ĂŸig stĂ€rkste Ethnie sind die Mossi (40 %), deren Vorfahren etwa im 15. Jahrhundert aus dem SĂŒden eingewandert waren und sich im Laufe der Zeit mit den alteingesessenen Bewohnern, darunter den Yonyoose, assimiliert haben. In der Folge entwickelte dieses Gemisch aus autochthonen Gruppen (táșœng-biisi genannt) und Eroberern (nakombse) durch gemeinsame Sprache, GrĂŒndungsmythen, Rituale und hierarchisch organisierte Machtstrukturen eine ethnische IdentitĂ€t mit dem Moogo naaba als geistigem Oberhaupt und hat heute eine politisch dominierende Rolle in Burkina Faso inne. Eng verwandt mit ihnen sind die im Osten lebenden Gulmancema (8 % der Bevölkerung). Dem GrĂŒndungsmythos beider Völker zufolge stammen die jeweiligen StammvĂ€ter – OuĂ©draogo bei den Mossi und Diaba Lompo bei den Gulmancema – aus derselben Familie. Eine weitere Bevölkerungsgruppe sind die Fulbe (5 %), die hauptsĂ€chlich im Norden siedeln, als viehzĂŒchtende Nomaden allerdings im ganzen Land anzutreffen sind. Sie stammen ursprĂŒnglich aus dem Fouta Toro im heutigen Senegal. Ebenfalls nomadisch leben hoch im Norden, im Sahel, die Tuareg (7 %). Sprachlich eng miteinander verwandt sind die im SĂŒden lebenden Bissa und die im Nordwesten siedelnden Sanan. Der SĂŒdwesten des Landes zeigt sich ethnisch weniger homogen; neben den Bobo (14 %), Senufo (9 %), Lobi (6 %) und Bwaba leben dort zahlreiche kleinere ethnische Gruppen. Zu den frĂŒher unter dem Begriff Gurunsi zusammengefassten Ethnien zĂ€hlen unter anderem die Kassena, Nuna, und LyĂ©la. Die traditionellen Scherzbeziehungen (parentĂ© Ă  plaisanterie) zwischen den verschiedenen Gruppen leisten einen wichtigen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben: Bestimmten Ethnien ist es hierbei erlaubt, sich nach festgelegten Regeln gegenseitig zu verspotten, zum Beispiel Mossi und Sanan oder Fulbe und Bobo.

Etwa 3200 Franzosen leben dauerhaft in Burkina Faso, dazu kommen etwa 20.000, die sich unter anderem im Rahmen von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit temporÀr im Land aufhalten. Die wirtschaftlich bedeutende libanesische Gemeinschaft zÀhlt ungefÀhr 600 Mitglieder.

Das Bevölkerungswachstum betrĂ€gt pro Jahr rund drei Prozent. Die FertilitĂ€tsrate lag 2018 bei 5,19 und ist seit ihrem Höchststand von 7,17 im Jahr 1983 kontinuierlich gesunken. Die Kindersterblichkeitsrate lag 2020 geschĂ€tzt bei 52 von 1000 Geburten (Vgl. zu Deutschland: 4 von 1000). Die weibliche Lebenserwartung bei der Geburt lag 2019 bei 62,3 Jahren und die mĂ€nnliche bei 60,7. Bedingt durch die geringe Lebenserwartung und hohe Geburtenraten besteht ein hoher Anteil von jungen Menschen an der Gesamteinwohnerzahl. FĂŒr das Jahr 2050 wird laut der mittleren Bevölkerungsprognose der UN mit einer Bevölkerung von ĂŒber 43 Millionen gerechnet.

Sprachen

In Burkina Faso werden insgesamt 68 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen. Mit der UnabhĂ€ngigkeit wurde die Sprache der ehemaligen Kolonialherren, Französisch, alleinige Amtssprache. Zwar nimmt ihre Bedeutung weiter zu, sie wird allerdings nur von einer Minderheit beherrscht. Deshalb finden Alphabetisierungskurse fĂŒr diejenigen statt, die nie eine Grundschule besucht haben, unter anderem in den Nationalsprachen MĂČorĂ© (Sprache der Mossi), Dioula, und Fulfulde (Sprache der Fulbe). Dioula besitzt eine große Bedeutung als Verkehrs- und Handelssprache im sprachlich heterogenen Westen des Landes. Auch Arabisch besitzt eine Funktion als Handelssprache und wird unter anderem an Koranschulen gelehrt. Weitere Sprachen sind das Tuareg und die zahlreichen Niger-Kongo-Sprachen, die den Hauptanteil der im Land gesprochenen Sprachen ausmachen: darunter die Mande-Sprachen Bissa, San und Boboda, die Gur-Sprachen Gulmancema, Lobiri, Koromfe und Bwamu sowie die zahlreichen Gurunsi-Sprachen.

Religion

Die Bedeutung der traditionellen Religionen der einzelnen ethnischen Gruppen konnte sich bis heute stĂ€rker halten als in anderen Staaten, so sind ungefĂ€hr 15,3 % der Burkiner AnhĂ€nger einer afrikanischen Religion. Dies hĂ€ngt vor allem damit zusammen, dass sich die Mossi der Islamisierung aus dem Norden lange widersetzten. Im traditionellen Glauben der Mossi existiert ein Gott Wáșœnde, der das Universum erschaffen hat und sich anschließend von den Menschen zurĂŒckgezogen hat. Als Vermittler haben sich in der Folge an verschiedenen PlĂ€tzen, in Objekten und Tieren verschiedene Geister angesiedelt. Ahnenverehrung hat bei den Mossi große Bedeutung. Erst Ende des 18. Jahrhunderts konvertierte Moogo naaba Doulgou zum Islam.

Mit 60,5 % sind heute ĂŒber die HĂ€lfte der Burkiner Muslime. Bis heute wird im Land eine undogmatisch-pragmatische Variante des Islam gelebt, der Elemente der traditionellen Religionen einbezieht, darunter ein Dodo genannter, ursprĂŒnglich ritueller Maskentanz im muslimischen Fastenmonat Ramadan, der heute von Jungen zur Unterhaltung und vor Zuschauern aufgefĂŒhrt wird. Infolge intensiver Mission ist der Islam in stetigem Wachstum begriffen. Sammelverband der burkinischen Muslime ist die CommunautĂ© musulmane du Burkina Faso (CMBF), gegrĂŒndet 1962.

Die Zahl der Christen wird mit 23,2 % angegeben, in der Mehrzahl Katholiken (19 %) sowie Angehörige verschiedener protestantischer Glaubensrichtungen (4,2 %). Die kleine libanesische Gemeinschaft ist zu 90 % christlich. Es bestehen 13 katholische BistĂŒmer, davon drei ErzbistĂŒmer, die in der Bischofskonferenz von Burkina Faso und Niger organisiert sind. Erzbischof von Ouagadougou ist Philippe OuĂ©draogo.

Mit Ausnahme unter anderem der vorwiegend im Norden siedelnden Fulbe sind die ethnischen Gruppen religiös heterogen. Vor allem die Hauptstadt Ouagadougou ist religiös durchmischt, wÀhrend die Wirtschaftsmetropole Bobo-Dioulasso mehrheitlich muslimisch ist.

Besiedlung

Der VolkszĂ€hlung von 2006 zufolge leben in Burkina Faso 13.730.258 Menschen, davon 20,3 % in stĂ€dtischen Siedlungen. Von 1975 an kam es zu einer schnell zunehmenden Urbanisierung der Bevölkerung; waren zu diesem Zeitpunkt nur 6,4 % der Burkiner Stadtbewohner, so verdoppelte sich diese Zahl innerhalb von zehn Jahren auf 12,7 %. Trotz dieser Zunahme liegt der Urbanisierungsgrad niedriger als in LĂ€ndern wie Senegal oder der ElfenbeinkĂŒste (47 %, beziehungsweise 50 %). Vorrangiges Ziel der zum großen Teil jungen Landbevölkerung, die in ihren Dörfern keine Perspektiven sieht, ist die Hauptstadt Ouagadougou, deren Bevölkerungszahl sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt hat und die mit einem Anteil von 50 % Unter-20-JĂ€hriger an der Gesamtbevölkerung eine junge Stadt ist. ZweitgrĂ¶ĂŸte Agglomeration ist die im Westen des Landes gelegene Wirtschaftsmetropole Bobo-Dioulasso. Um den Zuzug in diese beiden StĂ€dte abzuschwĂ€chen, wird seit Ende der 1980er-Jahre versucht, weniger große StĂ€dte infrastrukturell aufzuwerten.

Diaspora

Die zahlenmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸte Gruppe der Auslandsburkiner ist diejenige in der ElfenbeinkĂŒste, ihre Zahl betrug 1998 ungefĂ€hr 2,2 Millionen Menschen. Sie leben dort zum Teil seit mehreren Generationen, da von 1932 bis 1947 ein Teil des heutigen Burkina Faso von den Franzosen der Kolonie ElfenbeinkĂŒste zugeschlagen worden war, um die BeschĂ€ftigung von Arbeitern auf den dortigen Plantagen zu erleichtern. Im Zuge des BĂŒrgerkriegs in der ElfenbeinkĂŒste ab 2002, bei dem unter anderem die burkinische Diaspora Zielscheibe von Verfolgung war, sind mehrere Hunderttausend Burkiner zurĂŒck in ihre Heimat oder die ihrer Vorfahren geflohen.

In Italien leben ungefĂ€hr 35.000, in Frankreich etwa 4000–5000 Burkiner, dort zum Teil in der dritten Generation. Die Diaspora ist im Conseil supĂ©rieur des BurkinabĂš de l’étranger (CSBE) organisiert.

Zum 31. Dezember 2019 waren in Deutschland 2085, in Österreich zum 1. Januar 2007 60 und in der Schweiz 393 burkinische Staatsangehörige gemeldet.

Gesundheit

Burkina Faso leidet unter einem schlecht ausgebauten Gesundheitssystem. FĂŒr 2017 wurde die Ärztedichte auf 8 pro 100.000 Einwohner geschĂ€tzt. Die SĂ€uglingssterblichkeit liegt bei 54 auf 1000 Lebendgeburten, die Kindersterblichkeit liegt bei 88 auf 1000 Lebendgeburten. Zu den hĂ€ufigsten Todesursachen zĂ€hlen Infektionen der Atemwege (insbesondere LungenentzĂŒndung), Malaria und Durchfallerkrankungen wie Cholera. Eine gefĂ€hrliche und oft tödlich verlaufende Infektionskrankheit ist auch die Meningokokken-HirnhautentzĂŒndung (Meningitis), von der das Land wĂ€hrend der Trockenzeit in den Monaten Februar bis April regelmĂ€ĂŸig heimgesucht wird.

Ein weiteres Problem ist die Infektionsrate von HIV / AIDS. Die PrÀvalenz wurde 2019 mit 0,7 % angegeben, damit gehört Burkina Faso jedoch nicht zu den HochprÀvalenzlÀndern.

Burkina Faso ist (neben Malawi) eines der SchwerpunktlĂ€nder der EinDollarBrille-AktivitĂ€ten: Fehlsichtige erhalten fĂŒr umgerechnet 5 Euro eine Brille.

2018 beliefen sich die öffentlichen Gesundheitsausgaben auf 5,6 % des Bruttoinlandsprodukts. Das Gesundheitssystem ist in insgesamt fĂŒnf Ebenen gegliedert:

  • Poste de SantĂ© Primaire (PSP)
  • Centre de SantĂ© et de Promotion Sociale (CSPS)
  • Centre MĂ©dical (CM) bzw. Centre MĂ©dical avec Antenne Chirurgicale (CMA)
  • Centre Hospitalier Regional (CHR)
  • Centre Hospitalier National (CHN)

Auf den untersten Ebenen ist die Ausstattung unzureichend. Dort sind selten Ärzte vor Ort, sondern nur Pfleger. Doch auch auf den oberen Ebenen ist die Versorgung hĂ€ufig schlecht. Laut dem LĂ€nderinformationsportal der Gesellschaft fĂŒr internationale Zusammenarbeit hat das "CHN Yalgado Ouedraogo" in Ouagadougou "den Ruf, eine Sterbestation zu sein". Ärzte seien hier ĂŒberfordert und schlecht bezahlt und wĂŒrden nach Feierabend noch in privaten Krankenanstalten arbeiten. Große Probleme stellen zudem die Korruption sowie der Verkauf gĂŒnstigerer, aber unkontrollierter Medikamente von fliegenden HĂ€ndlern dar, obwohl ein Sprichwort davor warnt ("Les mĂ©dicaments de la rue, ça tue!" - Medikamente von der Straße töten).

Neben der Schulmedizin spielt die traditionelle Medizin eine große Rolle. Viele suchen Hilfe bei Heilern mit vermeintlich magischen FĂ€higkeiten oder "Scharlatanen, die Gris-gris (Amulette/GlĂŒcksbringer) verkaufen oder geisterbeschwichtigende Handlungen auferlegen (z.B. ein Ei im Straßenverkehr aus einem Taxi fallen lassen, einem Blinden ein Tuch geben, Brot an bettelnde KoranschĂŒler, einen roten Hahn an einen Schmied...). Nach ihrem VerstĂ€ndnis hat Krankheit seinen Ursprung in einer verborgenen Welt, in der sie auch durch Beruhigung der Geister (Kinkirgha) geheilt werden kann."

Geschichte

Vor- und FrĂŒhgeschichte

Etwa 400.000 Jahre alte Hackwerkzeuge (Chopping Tools) wurden im Norden des Landes bei Markoye gefunden. Es konnte nachgewiesen werden, dass vor etwa 14.000 Jahren JĂ€ger und Sammler im Nordwesten des heutigen Burkina Faso lebten. Zwischen 3600 und 2600 v. Chr. wurde von jungsteinzeitlichen Kulturen Landwirtschaft betrieben. FĂŒr die Zeit vor etwa 3000–3500 Jahren lassen Grabbeigaben auf ein erwachendes spirituelles Bewusstsein der Menschen schließen. Der Gebrauch von Eisenobjekten und Keramiken konnte nachgewiesen werden.

PrĂ€koloniale Ära

Einige der heute in Burkina Faso existierenden Ethnien waren schon zum Ende des ersten Jahrtausends nach Christus auf dem heutigen Gebiet des Landes ansĂ€ssig und in autonomen Dorfgemeinschaften organisiert, so die Dogon, die im 15. Jahrhundert in ihr heutiges Siedlungsgebiet im Grenzbereich von Mali und Burkina Faso weiterzogen, sowie die Bobo und Senufo. Zu den am lĂ€ngsten ansĂ€ssigen Gruppen gehören die Yonyoose, die sich mit den ab dem 15. Jahrhundert aus dem SĂŒden vordringenden Mossi assimilierten. Diese waren aus dem Norden Ghanas – der Legende nach unter der FĂŒhrung der Prinzessin Yennenga – nach Norden gezogen. Ihr Sohn OuĂ©draogo soll das Reich Tenkodogo gegrĂŒndet haben. Dies war das Ă€lteste von insgesamt 20 Reichen, darunter Ouagadougou und Yatenga. Dieses Moogo bezeichnete Gebiet war ein kultureller und linguistischer Raum, dessen administrative Elemente allerdings unabhĂ€ngige Einheiten bildeten, den Moogo naaba aber als geistiges und spirituelles Oberhaupt ansahen. Im Osten lag Gulmu, das Reich der Gulmancema, das seine UrsprĂŒnge ebenfalls im Norden Ghanas hat. Nördlich davon grĂŒndeten 1809/1810 Fulbe aus Massina das Emirat Liptako. Es war ein religiöser und kriegerischer Staat, der im Zuge des von Usman dan Fodio inspirierten „Dschihad der Fulbe“ entstand. 1827 wurde ein Teil des Emirats von Tuareg erobert, die dort das Reich Oudalan errichteten. Die westlich dieser Formationen siedelnden Ethnien waren unter anderem in segmentĂ€ren Gesellschaften organisiert, das heißt ohne zentrale Institutionen in autonomen Dorfgemeinschaften. Im Einzelnen unterschieden sich die Organisationsformen bei den verschiedenen Ethnien. Weiter im Westen kamen die dort lebenden Gruppen im 18. Jahrhundert unter den Einfluss der Herrscherdynastien von Kong in der heutigen ElfenbeinkĂŒste. In der Historiografie der frĂŒhen Kolonialzeit angenommene Reiche namens Gwiriko und KĂ©nĂ©dougou haben vermutlich nie existiert, vielmehr ĂŒbten die Herrschergruppen zum Teil in Allianz, zum Teil in kriegerischem Konflikt mit den Dorfgemeinschaften zahlreicher Ethnien ihren Einfluss auf die wirtschaftliche Produktion der Region aus. Dies geschah ohne BemĂŒhen um politische MachtausĂŒbung.

Französische Kolonialzeit

Der erste EuropĂ€er, der das heutige Burkina Faso bereiste, war Heinrich Barth. Er erreichte Liptako von Norden kommend und besuchte auf dem Weg nach Timbuktu die Stadt Dori. Nach der Kongokonferenz 1884/1885 in Berlin Ă€ußerte sich der „Wettlauf um Afrika“ im Westsudan im Versuch von Briten, Franzosen und Deutschen, durch ProtektoratsvertrĂ€ge mit den Mossiherrschern das Hinterland der KĂŒste unter Kontrolle zu bringen. Es waren schließlich die Franzosen, die 1896 mit militĂ€rischer Gewalt Ouagadougou einnehmen konnten und den Moogo naaba zur Flucht zwangen. In der Folge wurde durch zahlreiche ProtektoratsvertrĂ€ge das gesamte Gebiet des heutigen Burkina Faso unter Kontrolle gebracht und unter MilitĂ€rverwaltung gestellt. 1904 wurde es Teil der Kolonie Obersenegal und Niger, und 1919 wurde eine neue Kolonie Obervolta (französisch La Haute Volta, nach dem Fluss Rio Volta) begrĂŒndet, die zu Französisch-Westafrika gehörte. Der Versuch der wirtschaftlichen Entwicklung unter Gouverneur Édouard Hesling war erfolglos, und wegen mangelnder RentabilitĂ€t wurde das Territorium 1932 unter den Nachbarkolonien Französisch-Sudan (heutiges Mali), Niger und ElfenbeinkĂŒste aufgeteilt. Damit sollte unter anderem der Einsatz von Zwangsarbeitern auf den Plantagen an der KĂŒste erleichtert werden; Obervolta diente aufgrund seiner relativ hohen Bevölkerungszahl als Reservoir fĂŒr ArbeitskrĂ€fte. Wie im Ersten nahmen auch im Zweiten Weltkrieg Obervoltaer als Soldaten bei den Einheiten der sogenannten SenegalschĂŒtzen (tirailleurs sĂ©nĂ©galais) fĂŒr Frankreich teil.

Nach dem Krieg wurde die französische Kolonialordnung unter Charles de Gaulle mit der GrĂŒndung der Union française neu gestaltet. Vor allem die Mossi unter FĂŒhrung des Moogo naaba Koom II. drĂ€ngten auf Wiederherstellung Obervoltas in den Grenzen von 1932, und so wurde Obervolta 1947 Überseeterritorium (territoire d’outre-mer, TOM). In den folgenden Jahren entwickelte sich das politische Leben, und Obervoltaer waren im Parlament des Mutterlandes in Paris vertreten (Nazi Boni, Joseph Conombo, Henri Guissou, GĂ©rard Kango OuĂ©draogo und Mamadou OuĂ©draogo). Parteien boten allerdings kaum programmatische Unterschiede und waren vor allem auf die Persönlichkeiten der ParteifĂŒhrer orientiert. Zur bedeutendsten Partei in einer konfliktreichen und von Spaltungen und ZusammenschlĂŒssen geprĂ€gten Parteienlandschaft entwickelte sich die obervoltaische Sektion des interkolonialen ParteienbĂŒndnisses Rassemblement dĂ©mocratique africain (RDA) unter Daniel Ouezzin Coulibaly und nach dessen Tod Maurice YamĂ©ogo. In diesen Jahren wurden die Weichen fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit gestellt. Mit der loi-cadre Defferre von 1956 gab die Kolonialverwaltung Macht an neu zu wĂ€hlende Territorialversammlungen und -regierungen ab. Mit dem Referendum 1958 kam es im Rahmen der CommunautĂ© française zu einer Assoziation mit Frankreich als autonome Republik. Doch schließlich erklĂ€rte auch Obervolta im „Afrikanischen Jahr 1960“ seine UnabhĂ€ngigkeit.

UnabhÀngigkeit Obervoltas 1960

Erster PrĂ€sident des unabhĂ€ngigen Obervolta wurde Maurice YamĂ©ogo, der in der Folge eine Einparteiendiktatur des RDA errichtete. Sein verschwenderischer Regierungsstil, Korruption und wirtschaftliche Fehlentwicklung fĂŒhrten schließlich zu einem Volksaufstand. YamĂ©ogo dankte nach Straßenprotesten unter dem Druck von Gewerkschaften und der Untergrundopposition im Januar 1966 ab. Sein Nachfolger wurde SangoulĂ© Lamizana, der Oberbefehlshaber der Armee. Unter der MilitĂ€rregierung des pragmatischeren und bescheidener auftretenden Lamizana wurde eine neue Verfassung ausgearbeitet, die nach einem Referendum 1970 im Januar 1971 die Zweite Republik schuf. Nach den anschließenden Parlamentswahlen, den ersten freien Mehrparteienwahlen in Westafrika, wurde GĂ©rard Kango OuĂ©draogo (RDA) Premierminister. Innere Streitigkeiten der Partei fĂŒhrten dazu, dass 1974 wieder das MilitĂ€r die Macht ĂŒbernahm und die Gouvernement du renouveau national (GRN: „Regierung der nationalen Erneuerung“) schuf. Angesichts der Unzufriedenheit der Bevölkerung wegen der wirtschaftlichen und sozialen Probleme Mitte der 1970er-Jahre ernannte Lamizana eine Regierung der nationalen Einheit, die eine neue Verfassung ausarbeiten sollte. Nach deren Annahme per Referendum wurde Lamizana bei den Wahlen 1978 PrĂ€sident der Dritten Republik und ernannte Joseph Conombo zum Premierminister. Auch diese Regierung war aufgrund interner Querelen handlungsunfĂ€hig, und nach einem Streik von Lehrern putschte am 25. September 1980 eine Gruppe von MilitĂ€rs um Saye Zerbo, der daraufhin PrĂ€sident wurde. Im RĂŒckblick werden Lamizana seine ausgleichenden FĂ€higkeiten und die Tatsache, dass es unter ihm keine politischen Gefangenen gab, zugutegehalten. Eher zufĂ€llig an die Macht geraten, hatte das MilitĂ€r unter Lamizana zunehmend Gefallen daran gewonnen.

Mit dem Putsch von 1980 stĂŒrzte Obervolta fĂŒr drei Jahre in ein Chaos, das durch den Machtkampf der alten Garde des MilitĂ€rs und einer Gruppe junger Offiziere, die den Stillstand des Landes ĂŒberwinden wollten, verursacht wurde. Zerbo regierte das Land mit einem ComitĂ© militaire de redressement pour le progrĂšs national (CMRPN), verlor durch unpopulĂ€re Maßnahmen – darunter das Verbot von Streiks – rasch seine PopularitĂ€t. Zu dieser Zeit begann der Aufstieg des charismatischen linksgerichteten Thomas Sankara. Schließlich kam es am 7. November 1982 zu einem erneuten MilitĂ€rputsch. Da der als Drahtzieher angesehene Sankara nicht die Macht anstrebte, wurde der MilitĂ€rarzt Jean-Baptiste OuĂ©draogo PrĂ€sident. WĂ€hrend in einer Übergangsphase die RĂŒckkehr zu einer verfassungsgemĂ€ĂŸen Ordnung angestrebt wurde, intensivierte Sankara – zum Premierminister ernannt – Kontakte zum antiwestlichen Regime Muammar al-Gaddafi in Libyen. Dies tat er zum Missfallen OuĂ©draogos, der die Untergrabung seiner Macht zu verhindern versuchte und die Bindungen zu Frankreich und den gemĂ€ĂŸigten Staaten Afrikas aufrechterhalten wollte. Sankara wurde schließlich festgenommen, was Unruhen in den Reihen des MilitĂ€rs und Proteste bei der Bevölkerung auslöste. Nachdem der Offizier Blaise CompaorĂ© mit der ihm unterstehenden Fallschirmspringereinheit nach Ouagadougou gezogen war, um seinen Freund Sankara zu befreien, kam es am 4. August 1983 zum Staatsstreich, der Sankara an die Macht brachte und spĂ€ter als Revolution bezeichnet wurde.

Revolution 1983

Sankara errichtete eine linksgerichtete MilitĂ€rdiktatur mit dem Conseil national de la rĂ©volution (CNR: „Nationaler Revolutionsrat“) als Exekutivorgan, betrieb eine energische Sozial- und Entwicklungspolitik, die den lĂ€ndlichen Raum zu Ungunsten der Stadtbevölkerung und Staatsklasse fördern sollte, und forcierte die Gleichstellung der Frauen. Ziel war eine radikale Umgestaltung der Gesellschaft und das Beenden der AbhĂ€ngigkeit vom Ausland. Bei einem Gegenputschversuch kamen in der Nacht vom 9. auf den 10. August zwei der Beteiligten ums Leben. Damit war es in Obervolta zum ersten Mal bei einem Umsturzversuch zu Blutvergießen gekommen.

In Folge schuf Sankara ComitĂ©s de dĂ©fense de la rĂ©volution (CDR: „Komitees zur Verteidigung der Revolution“), die in allen Orten des Landes den Verlauf und den Fortbestand der Revolution gewĂ€hrleisten und ĂŒberwachen sollten. Die CDR hatten Anteil am erfolgreichen Verlauf zahlreicher Entwicklungskampagnen, wie eines großangelegten, von WHO und UNICEF unterstĂŒtzten Programms zur Impfung von Kindern oder des als bataille du rail bezeichneten Ausbaus der Eisenbahnstrecke unter Beteiligung der Bevölkerung. In der Anfangsphase der Revolution kam es zu Verhaftungen und Denunzierung von der Gegenrevolution verdĂ€chtigten Personen, darunter Joseph Ki-Zerbo. An der Spitze des Staates stand eine Gruppe, die neben Sankara aus Blaise CompaorĂ©, Henri Zongo und Jean-Baptiste Lingani bestand.

Am 2. Oktober 1983 prĂ€sentierte Sankara der Bevölkerung in einer als discours d’orientation politique (DPO) bezeichneten Rede die politischen Ziele der Revolution. Ziel sei es, die mit dem Imperialismus verbundene Bourgeoisie zu Gunsten der arbeitenden Klassen zu neutralisieren und die landwirtschaftliche Selbstversorgung zu ermöglichen. Dazu wurden Grund und Boden verstaatlicht, deren Nutzung zuvor von traditionellen AutoritĂ€ten in den Dörfern organisiert wurde. Alphabetisierung und Gleichstellung der Geschlechter waren weitere Schwerpunkte Sankaras. Vor den tribunaux populaires de la rĂ©volution (TPR: „Volkstribunale der Revolution“) mussten sich ehemalige Politiker und Beamte wegen Vergehen wie Korruption und Unterschlagung von öffentlichen Geldern verantworten. Ex-PrĂ€sident Zerbo bekam mit 15 Jahren Haft, davon sieben auf BewĂ€hrung, die höchste Strafe. 1985 wurden die ausgesprochenen Urteile wieder aufgehoben. Um mit der kolonialen Vergangenheit zu brechen, benannte Sankara den Staat 1984 in Burkina Faso („Land der ehrenwerten Menschen“) um, schuf eine neue Flagge in den panafrikanischen Farben und fĂŒhrte eine neue, von ihm selbst verfasste Nationalhymne (DitanyĂš) ein. Sankara „nimmt die Blockfreiheit ernst, verbittet sich jede Einmischung“. Er rief auf, die Schulden afrikanischer Staaten als Ergebnis kolonialer europĂ€ischer Ausbeutung zu betrachten und zu ignorieren. Frankreichs PrĂ€sident Mitterrand bezeichnete ihn öffentlich als „einen, der einem den Schlaf raubt“.

Im Mai 1984 wurden sieben Personen wegen eines versuchten Putsches verurteilt und hingerichtet. Diese vorher nicht erlebte Gewaltanwendung schockierte die Bevölkerung, ebenso wie die Brandstiftung in den RĂ€umen der unabhĂ€ngigen Zeitung L’Observateur (heute L’Observateur paalga), die in Folge ihr Erscheinen einstellen musste. Sankara „beschneidet massiv die Privilegien der urbanen Oberschicht 
 Die Unzufriedenen im In- und Ausland sammeln sich ausgerechnet hinter Blaise CompaorĂ©â€œ.

Der 1985 ausgebrochene Grenzkrieg mit Mali um einen schmalen Grenzstreifen im Sahel endete mit einer militĂ€rischen Niederlage der deutlich unterlegenen Burkiner und einem Richterspruch des Internationalen Gerichtshofes. Dem Konflikt vorangegangen waren Beschuldigungen Sankaras zu malischer Subversion und seine Ermunterung zu einer Revolution in Mali, das unter Diktator Moussa TraorĂ© „im Dienste des amerikanischen Imperialismus handele“. Gegen Mali suchte Sankara Burkina Faso in einer Westafrikanischen Union mit Ghana zusammenzuschließen.

In einem Klima von VerdĂ€chtigungen, Machtmissbrauch der CDR und politischen Gefangennahmen – bis hin zu Folter und Tod – wuchs die Unzufriedenheit der Bevölkerung. Der repressive Charakter des Regimes entfremdete die Bevölkerung vom Projekt der Revolution. Innerhalb des CNR kam es zu Meinungsverschiedenheiten bezĂŒglich der Geschwindigkeit weiterer Reformen und der Art ihrer Umsetzung. Thomas Sankara wurde ein Abgleiten in einen an Blindheit grenzenden Dogmatismus und Verrat an der Revolution vorgeworfen. Im Laufe eines Putsches am 15. Oktober 1987 wurde er mit etwa 30 weiteren Personen, „nachweislich von [TĂ€tern] aus CompaorĂ©s Lager“, erschossen. Das Unionsvorhaben mit Ghana wurde unter seinem Nachfolger Blaise CompaorĂ© verworfen.

Bis heute (2015) sind die TodesumstĂ€nde Sankaras nicht endgĂŒltig geklĂ€rt. CompaorĂ© hatte sich einer Exhumierung und einer Aufarbeitung der TodesumstĂ€nde immer widersetzt. 28 Jahre nach Sankaras Tod wurden dessen Überreste im Mai 2015 ausgegraben. Die Exhumierung, initiiert von seiner Witwe Mariam Sankara, sollte Licht bringen in die ungeklĂ€rten UmstĂ€nde des Todes des frĂŒheren Staatschefs. Mithilfe einer DNA-Analyse soll nun festgestellt werden, ob die Knochen im Grab tatsĂ€chlich jene Sankaras sind. Just an dem Tag, an dem die ersten Ergebnisse prĂ€sentiert werden sollten, fand ein weiterer gewaltsamer Umsturz unter der FĂŒhrung des Generals Gilbert DiendĂ©rĂ© statt.

Unter PrÀsident Blaise Compaoré 1987 bis 2014

CompaorĂ© regierte das Land zunĂ€chst an der Spitze einer Front populaire (FP: „Volksfront“) an der Seite von Zongo und Lingani. In einer als rectification („Verbesserung“) bezeichneten Entwicklung "machte er das meiste rĂŒckgĂ€ngig, was sein einstiger Freund initiiert hatte. Er wandte sich wieder Frankreich zu, liberalisierte die Wirtschaft und etablierte eine Art Fassadendemokratie."

Es gab drei missglĂŒckte Putschversuche – und ein Klima der Repression; zahlreiche Tote waren zu beklagen, darunter auch Zongo und Lingani, die 1989 erschossen wurden. Diejenigen Parteien und Organisationen, die CompaorĂ©s Wandel mittrugen, vereinigten sich in der Organisation pour la dĂ©mocratie populaire-Mouvement du travail (ODP-MT), der VorgĂ€ngerin der heutigen Regierungspartei CongrĂšs pour la dĂ©mocratie et le progrĂšs (CDP). Unter dem Einfluss der weltpolitischen Ereignisse 1990/91 kam es auch in Burkina Faso zum Prozess einer formalen Demokratisierung; CompaorĂ© ließ eine Verfassung ausarbeiten, die 1991 in einem Referendum von der Bevölkerung angenommen wurde. Die folgenden PrĂ€sidentschaftswahlen wurden von der Opposition boykottiert und zu einem Misserfolg fĂŒr CompaorĂ©, der seine Macht bei einer Wahlbeteiligung von nur 27 % nicht legitimieren konnte. In den folgenden Jahren gelang die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilisierung, trotz der Entwertung des CFA-Francs im Jahre 1994. Nachdem CompaorĂ© bei den Wahlen von 1998 in seinem Amt bestĂ€tigt worden war, kam es nach der Ermordung des kritischen Journalisten Norbert Zongo zu einer großen Krise mit zum Teil gewalttĂ€tigen Protesten. Bei den Parlamentswahlen 2002 verlor die Regierungspartei CDP zahlreiche Sitze an die zersplitterte Opposition.

Dank einer umstrittenen VerfassungsÀnderung konnte Compaoré bei den PrÀsidentschaftswahlen im November 2005, die zum ersten Mal nicht von der Opposition boykottiert wurden, 80,4 % der Stimmen gewinnen und damit seine dritte Amtszeit antreten. Am 21. November 2010 gewann Compaoré wieder die PrÀsidentschaftswahlen und trat seine vierte Amtsperiode an.

Schwerwiegende VorwĂŒrfe, in den BĂŒrgerkriegen von Liberia und Sierra Leone beteiligt gewesen zu sein und am Handel von Waffen und sogenannten „Blutdiamanten“ profitiert zu haben, konnten bisher nicht bewiesen werden. Der ehemalige liberianische PrĂ€sident Charles Taylor, der als Freund CompaorĂ©s gilt, organisierte seinen Angriff von Burkina Faso aus, das ihm Asyl gewĂ€hrt hatte. Einige NachbarlĂ€nder beschuldigten CompaorĂ©, destabilisierenden Einfluss auszuĂŒben, indem er Oppositionelle und Rebellen unterstĂŒtze und beherberge. Gleichzeitig bemĂŒhte sich Burkina Faso um eine Rolle als Vermittler und Friedensstifter bei zahlreichen Krisen in Afrika, zum Beispiel nach dem Tod des PrĂ€sidenten von Togo, GnassingbĂ© EyadĂ©ma.

Mit dem BĂŒrgerkrieg in der ElfenbeinkĂŒste kam es zur wohl schwersten außenpolitischen Krise des Landes. Burkina Faso wurde von der ElfenbeinkĂŒste beschuldigt, die Rebellen zu unterstĂŒtzen, und wollte seinerseits ein militĂ€risches Eingreifen nicht ausschließen, um den etwa zwei Millionen Burkinern oder BurkinischstĂ€mmigen beizustehen, die bei den Unruhen Zielscheibe von Gewalt wurden. Die Normalisierung der Beziehung und die Vermittlung des Vertrags von Ouagadougou zur Beendigung des BĂŒrgerkriegs gelten als Erfolg der Diplomatie Burkina Fasos und CompaorĂ©s.

Entwicklung seit 2014

Eine geplante VerfassungsĂ€nderung, die CompaorĂ© eine fĂŒnfte Amtszeit ermöglichen sollte, wurde von der Opposition stark kritisiert und fĂŒhrte Anfang 2014 zur grĂ¶ĂŸten Demonstration seit langem. In der letzten Oktoberwoche weiteten sich die Proteste aus und fĂŒhrten zu Ausschreitungen. Am Vortag der Abstimmung im Parlament ĂŒber die VerfassungsĂ€nderung hatten Gewerkschaften und Opposition zu einem Streik aufgerufen. Am 30. Oktober 2014, dem Tag der geplanten Abstimmung, entmachtete das MilitĂ€r nach eigenen Angaben die Regierung und löste das Parlament auf. Am folgenden Tag trat CompaorĂ© als PrĂ€sident zurĂŒck; Armeechef NabĂ©rĂ© HonorĂ© TraorĂ© hatte zuvor erklĂ€rt, bis zur Wiederherstellung einer verfassungsmĂ€ĂŸigen Ordnung „binnen zwölf Monaten“ werde eine Übergangsregierung die Macht ĂŒbernehmen. Er habe „gemĂ€ĂŸ der Verfassung“ das Amt des Staatschefs ĂŒbernommen; CompaorĂ© kĂŒndigte Neuwahlen innerhalb von 90 Tagen an. Auch der Vizechef der PrĂ€sidentengarde, Oberst Isaac Yacouba Zida, erhob Anspruch auf den Posten des ÜbergangsprĂ€sidenten und bezeichnete die ErklĂ€rung TraorĂ©s als „unwirksam“. Am 1. November stellte sich die MilitĂ€rfĂŒhrung einstimmig hinter Zida, auch Konkurrent TraorĂ© unterzeichnete eine entsprechende ErklĂ€rung. CompaorĂ© hatte zwischenzeitlich das Land verlassen und war in den Nachbarstaat ElfenbeinkĂŒste geflohen. Am 16. November wurde Michel Kafando als ziviler ÜbergangsprĂ€sident fĂŒr 1 Jahr berufen, Zida ĂŒbernahm das Amt des Premierministers. Freie Parlaments- und PrĂ€sidentschaftswahlen wurden fĂŒr den 11. Oktober 2015 angesetzt.

Am 16. September 2015 kam es zu einem MilitĂ€rputsch der PrĂ€sidentengarde gegen die amtierende Übergangsregierung und den ÜbergangsprĂ€sidenten. Die PrĂ€sidentengarde, die als persönliches Machtinstrument CompaorĂ©s aufgebaut worden war, sah nach dessen Abgang ihre Existenz durch die anstehenden freien demokratischen Wahlen gefĂ€hrdet. Nach der VerkĂŒndung des Regierungssturzes im Fernsehen durch die Putschisten am 17. September 2015 kam es zu Protesten in Ouagadougou. Die Vereinigten Staaten, Frankreich und die Afrikanische Union verurteilten den Putsch. Am 18. September entließ der AnfĂŒhrer der Putschisten, General Gilbert DiendĂ©rĂ©, Kafando sowie nahezu das gesamte Kabinett. DiendĂ©rĂ© bestritt Kontakte zu CompaorĂ©. Im weiteren Verlauf des Putsches zeigte sich, dass die Armee und Polizei sowie die große Mehrheit der Bevölkerung nicht gewillt waren, die Putschisten als neue Regierung anzuerkennen. Armeesprecher erklĂ€rten, ein Blutvergießen vermeiden zu wollen, forderten die Putschisten ultimativ zur Aufgabe auf und riefen die in Ouagadougou Protestierenden zu Ruhe auf. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) versuchte zu vermitteln. Die Putschisten verlangten eine vollstĂ€ndige Amnestie der am Putsch Beteiligten und die Möglichkeit, dass Gefolgsleute von Ex-PrĂ€sident CompaorĂ© bei der anstehenden PrĂ€sidentschaftswahl kandidieren dĂŒrften. In der Nacht vom 22. auf den 23. September unterzeichneten die Putschisten und die Armee einen FĂŒnf-Punkte-Plan. Er sah vor, dass sich die RSP aus Ouagadougou in ihren StĂŒtzpunkt Naaba Koom II zurĂŒckzieht. Ihren Posten in der Hauptstadt musste die Elitetruppe aufgeben. Die regulĂ€re Armee sagte den Putschisten dafĂŒr Sicherheit fĂŒr sie und ihre Familien zu. Unklar war, ob den Putschisten Straffreiheit gewĂ€hrt werde. Nach der ersten Kabinettssitzung der wieder eingesetzten Übergangsregierung wurde ein Erlass zur Auflösung und Entwaffnung gefasst. Die Entwaffnung verlief ohne grĂ¶ĂŸere ZwischenfĂ€lle. Eine Kommission sollte die HintergrĂŒnde des Staatsstreichs untersuchen. Außerdem wurde vereinbart, dass ein neuer Zeitplan fĂŒr die Parlaments- und PrĂ€sidentschaftswahlen erstellt werden sollte.

Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen am 29. November 2015 errang der Oppositionspolitiker und ehemalige MinisterprĂ€sident Roch Marc KaborĂ© 53,49 Prozent der Stimmen. Bei der gleichzeitig durchgefĂŒhrten Parlamentswahl gewann KaborĂ©s neue Partei Mouvement du peuple pour le progrĂšs (MPP) 55 der 127 Sitze, verfehlte damit aber die absolute Mehrheit. ZweitstĂ€rkste Kraft wurde mit 33 Sitzen die Partei von KaborĂ©s Hauptrivalen ZĂ©phirin DiabrĂ©. Die Partei CongrĂšs pour la dĂ©mocratie et le progrĂšs (CDP) des langjĂ€hrigen Staatschefs Blaise CompaorĂ© erhielt 18 Sitze.

2019 stellte die UNO fest, dass die Regierung die Kontrolle ĂŒber den Norden und Osten des Landes weitgehend an Dschihadisten verloren habe. Teils seien diese durch französische Truppen aus Mali verdrĂ€ngt, teils von Ansaroul Islam aus der muslimischen Ethnie der Fulbe rekrutiert worden. Es gĂ€be eine halbe Million BinnenflĂŒchtlinge und 300.000 Kinder können keine Schule besuchen. Im Februar 2020 meldete das UNHCR rund 865.000 BinnenflĂŒchtlinge und fast 2000 Tote durch islamistische Gruppen.

Am 22. November 2020 fanden turnusmĂ€ĂŸig wieder PrĂ€sidentschaftswahlen statt.

Politik

Politisches System

Exekutive

Mit der Annahme der Verfassung 1991 wurde die "Vierte Republik" errichtet. Nach dieser ist Burkina Faso eine prĂ€sidentielle Republik. Staatsoberhaupt ist der PrĂ€sident (PrĂ©sident du Faso), der alle fĂŒnf Jahre (bis 2000 alle sieben Jahre) direkt vom Volk gewĂ€hlt wird und einmal wiedergewĂ€hlt werden kann.

Bisherige PrÀsidenten:

Der PrÀsident besitzt weitgehende Kompetenzen. Er ernennt und entlÀsst den Premierminister und das Kabinett.

  • Tertius Zongo (4. Juni 2007 bis 18. April 2011)
  • Luc-Adolphe Tiao (18. April 2011 bis 30. Oktober 2014)
  • Isaac Zida (Interims-Premierminister 19. November 2014 bis 29. Dezember 2015)

Legislative

Burkina Faso hat ein Einkammersystem. Alle fĂŒnf Jahre wird das Parlament (AssemblĂ©e Nationale) gewĂ€hlt. Dieses zĂ€hlt 127 Abgeordnete. 111 Abgeordnete werden in 45 Mehrpersonen-Wahlkreisen, die vom Zuschnitt mit den Provinzen Burkina Fasos identisch sind, gewĂ€hlt. Die Anzahl der Abgeordneten pro Wahlkreis schwankt zwischen zwei und neun. 16 weitere werden ĂŒber eine landesweite Liste nach VerhĂ€ltniswahlrecht gewĂ€hlt.

Bis zum Sturz des LangezeitprĂ€isdenten CompaorĂ© 2014 dominierte die CDP (CongrĂšs pour la dĂ©mocratie et le progrĂšs) im Parlament, die die Politik des PrĂ€sidenten unterstĂŒtzte. Seit dessen RĂŒcktritt gibt es jedoch starke Verschiebungen zugunsten der Opposition. Neue stĂ€rkste Kraft ist die MPP (Mouvement du peuple pour le progrĂšs), der auch der amtierende PrĂ€sident angehört.

Die Parteienlandschaft des Landes ist in zahlreiche kleine Parteien zersplittert. Im Parlament sitzen seit den Wahlen 2020 15 Parteien. Zu den grĂ¶ĂŸten Oppositionsparteien gehört neben der CDP noch UPC (Union pour le ProgrĂšs et le Changement).

Demokratie und Menschenrechte

Die Lage der Menschenrechte hat sich dem deutschen Bundesministerium fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zufolge verbessert. Die Regierung von Burkina Faso hat in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen zum Schutz der Menschenrechte ergriffen. Unter anderem wurde ein Menschenrechtsministerium eingerichtet, ein Fonds fĂŒr die Opfer politischer Gewalt gegrĂŒndet, und es wurden Reformen im Justizwesen eingeleitet. Allerdings werden auf dem Land die Grundrechte – und besonders die Frauenrechte – noch wenig respektiert; Frauen sind kaum an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt. In vielen lĂ€ndlichen Gebieten wird, obwohl die Regierung mit gravierenden Strafen dagegen vorgeht, immer noch die GenitalverstĂŒmmelung von MĂ€dchen praktiziert. Laut UNICEF geht jedoch als Folge einer breiten Bildungsbewegung die Verbreitung dieses Ritus langsam zurĂŒck.

Ein Frauenwahlrecht gab es bereits 1946: Entsprechend der Loi Lamine GuĂšye von 1946 hatten alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bei Wahlen zum französischen Parlament und auch bei lokalen Wahlen ein Wahlrecht. Das passive Wahlrecht wurde in dem Gesetz nicht ausdrĂŒcklich erwĂ€hnt, war aber auch nicht ausgeschlossen. Bei den Wahlen zum Pariser Parlament gab es in Französisch-Westafrika, wozu das damalige Obervolta gehörte, kein Zweiklassenwahlrecht wie in anderen französischen Kolonien, fĂŒr alle örtlichen Wahlen jedoch schon. Vor der UnabhĂ€ngigkeit, unter französischer Verwaltung, erhielten Frauen am 23. Juni 1956 im Rahmen der EinfĂŒhrung der loi-cadre Defferre das allgemeine aktive und passive Wahlrecht. Dieses Recht wurde in der Verfassung vom 28. September 1958 bestĂ€tigt.

Die Kinderrechte sind ausreichend gesetzlich verankert, doch werden sie wegen der enormen Armut im Land im Alltag kaum respektiert und umgesetzt. Viele Kinder werden zu schwerer Arbeit herangezogen und dĂŒrfen deshalb die Schule nicht besuchen. Auch gibt es immer noch Kinderhandel, der zu sklavenĂ€hnlichen Lebensbedingungen fĂŒhren kann.

Nach Kenntnis der deutschen Bundesregierung sind auch einvernehmliche homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen in Burkina Faso verboten. HomosexualitĂ€t findet im Strafgesetzbuch als Straftatbestand keine explizite ErwĂ€hnung, kann aber als „Störung der öffentlichen Ordnung“ oder „Verstoß gegen die guten Sitten“ strafrechtlich verfolgt und mit bis zu drei Jahren GefĂ€ngnis bestraft werden. Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften stoßen in Burkina Faso auf heftige gesellschaftliche Ablehnung.

Bei Protesten gegen die steigenden Lebenshaltungskosten wurden im Jahr 2009 laut Amnesty International ĂŒber 300 Personen festgenommen. Mehr als 80 der Festgenommenen wurden ohne anwaltlichen Beistand zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Außenpolitik

In der Außenpolitik sind die Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich besonders seit dem Konflikt in der ElfenbeinkĂŒste wieder intensiver geworden, wichtiger Partner der burkinischen Diplomatie war aber auch Libyen unter Muammar al-Gaddafi. Das Land unterhĂ€lt ebenfalls gute Beziehungen zur Republik China auf Taiwan. Deutschland ist traditionell sehr in der Entwicklungszusammenarbeit engagiert. Es bestehen viele Kontakte und Partnerschaften auf der Ebene von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zwischen deutschen Vereinen oder Kommunen und Orten in Burkina Faso. Die Deutsch-Burkinische Freundschaftsgesellschaft ist seit 1990 das Netzwerk dieser Partnerschaften in Deutschland. Burkina Faso bemĂŒht sich in den letzten Jahren intensiv, auf internationaler Ebene wahrgenommen zu werden, und bietet sich immer öfter als Ausrichter von Großereignissen an, wie beispielsweise dem Frankophoniegipfel 2004 und Treffen der Afrikanischen Union. Die Hauptstadt Ouagadougou gilt seit Jahren als sicherer und stabiler internationaler Mittelpunkt Westafrikas.

Im Rahmen der 62. ordentlichen Generalversammlung der Vereinten Nationen wurde Burkina Faso am 16. Oktober 2007 als nichtstĂ€ndiges Mitglied fĂŒr die Periode 2008–2009 in den UN-Sicherheitsrat gewĂ€hlt.

MilitÀr

Die Armee (Forces armĂ©es nationales) (FAN) wurde 1960 gegrĂŒndet und besteht aus 10.800 Mann. 1961 wurde die Befehlsgewalt von den französischen auf die obervoltaischen Behörden ĂŒbertragen. In der Folge ĂŒbernahm das MilitĂ€r mehrmals die Macht durch Staatsstreiche. In den 1980er-Jahren kam es zum Krieg mit Mali um die Kontrolle ĂŒber den Agacher-Streifen.

Die Beziehungen zum Nachbarland ElfenbeinkĂŒste, in dem mehrere Millionen Burkiner oder BurkinischstĂ€mmige leben, sind infolge des dort herrschenden BĂŒrgerkrieges sehr angespannt. Abidjan beschuldigt Burkina Faso, die Rebellen im Norden des Landes zu unterstĂŒtzen. Mehrere Hunderttausend FlĂŒchtlinge sind in den vergangenen Jahren vor der Gewalt gegen die Immigranten aus den SahellĂ€ndern zurĂŒck nach Burkina Faso geflohen. Die Möglichkeit eines Eingreifens der burkinischen Armee wurde nicht ausgeschlossen.

Infolge eines Putschversuchs aus Reihen des MilitÀrs wurde im Jahre 2004 Verteidigungsminister Kouamé Lougé entlassen.

Zum Jahreswechsel 2006/2007 kam es in Ouagadougou zwischen unzufriedenen Soldaten und PolizeikrĂ€ften zu Schießereien, die auf beiden Seiten mehrere Tote sowie verletzte Zivilisten forderten. Hunderte von Soldaten zogen nachts schießend durch die Stadt und ließen etwa 600 Insassen des HauptgefĂ€ngnisses entkommen. Der Unmut der Soldaten beruhte unter anderem auf dem GefĂŒhl der Benachteiligung gegenĂŒber der immer besser ausgestatteten Polizei durch schlechtere Ausstattung und niedrigere Besoldung.

Burkina Faso beteiligt sich an verschiedenen FriedenseinsÀtzen der UN-Blauhelme.

Heer

Die LandstreitkrĂ€fte verfĂŒgen ĂŒber folgendes schweres GerĂ€t:

  • EE-9 Cascavel (24 bestellt 1983–1984)
  • M8 Greyhound (10 M-8 + 4 M-20, ausgeliefert 1961)
  • Ferret-Radpanzer (30)
  • Panhard AML (13 AML-90 + 2 AML-60 ausgeliefert 1975)
  • Truppentransportpanzer Panhard M3 (13)
  • Eland-90 (4)
  • 122-mm-Raketenwerfer BM-21 Grad (5)
  • Raketenwerfer Typ 63 (107mm MLR) (4)
  • 105-mm-Haubitze M101 (8)
  • Luftabwehrraketen Strela-3 (10) und 9K32 Strela-2 (20)

Luftwaffe

Die folgende Tabelle zeigt die AusrĂŒstung der Luftwaffe Burkina Fasos der 2000er-Jahre

Verwaltungsgliederung

Burkina Faso ist in 13 Regionen (rĂ©gions) unterteilt, die jeweils von einem Gouverneur verwaltet werden. Diese Regionen gliedern sich in 45 Provinzen (provinces), denen Hochkommissare vorstehen. Darunter folgen 351 von PrĂ€fekten verwaltete Departements/Gemeinden (dĂ©partements), die deckungsgleich mit den im Rahmen der Dezentralisierungsmaßnahmen geschaffenen Gemeinden (communes urbaines und communes rurales) sind. Nach den Kommunalwahlen im Jahre 2006 bestehen auf dem gesamten Territorium des Landes nun basisdemokratisch organisierte Verwaltungseinheiten mit GemeinderĂ€ten und BĂŒrgermeistern.

Regionen

Infrastruktur

Verkehr

Das Straßennetz verbindet Burkina Faso mit allen NachbarlĂ€ndern ĂŒber Asphaltstrecken, deren Ausbau zum Teil von der EuropĂ€ischen Union finanziert wird. Der Großteil des Netzes besteht aus Lateritstraßen; Asphaltierungsarbeiten sind auf der West-Ost-Achse abgeschlossen, auf den diversen Nordstrecken dagegen noch im Bau.

Burkina Faso besitzt eine Eisenbahnstrecke (Abidjan-Niger-Bahn), die in die ivorische Wirtschaftsmetropole Abidjan fĂŒhrt und bis zu den Unruhen dort eine der wichtigsten Lebensadern des Binnenstaates war. Es verkehren tĂ€glich GĂŒter- und PersonenzĂŒge nach Abidjan. Die Linie wurde wĂ€hrend der Herrschaft Sankaras bis Kaya ausgebaut (bataille du rail), um die BodenschĂ€tze aus dem Sahel leichter abtransportieren zu können. Nach seinem Sturz wurde der Ausbau eingestellt, die Strecke ist heute nur bis Ouagadougou befahrbar.

Das Land ist ĂŒber zwei internationale FlughĂ€fen zu erreichen; europĂ€ische Fluglinien, die die Hauptstadt bedienen, sind Air France, Brussels Airlines und die Chartergesellschaft Point-Afrique Voyages. Nationale Fluglinie ist Air Burkina.

Versorgung

Der Versorgungsgrad mit Strom und Wasser ist im ganzen Land sehr niedrig. Durch den Bau des neuen Stausees in Ziga in der NĂ€he von Ouagadougou hat sich zumindest fĂŒr die Hauptstadt die Situation etwas entspannt. Staatliche ElektrizitĂ€tsgesellschaft ist die SONABEL, fĂŒr das Wasser zustĂ€ndig ist ONEA. Strom wird zum grĂ¶ĂŸten Teil aus der Verbrennung von importierten fossilen Brennstoffen (Erdöl, Erdgas) gewonnen. Ein weiterer Teil des Strombedarfs wird durch Importe aus Ghana und der ElfenbeinkĂŒste gedeckt; außerdem liefert ein Wasserkraftwerk am Kompienga-Stausee ElektrizitĂ€t. Solarenergie dient der punktuellen Stromversorgung von KrankenhĂ€usern oder Schulen vor allem in lĂ€ndlichen Gebieten.

Telekommunikation

Das Verlegen von Telefonleitungen war bisher kaum finanzierbar. Entsprechend blĂŒht das Gewerbe privater „Telecenter“, in denen Privatleute eine kleine Anzahl Telefonapparate zur öffentlichen Nutzung bereitstellen. Neue Möglichkeiten bietet die Mobiltelefonie; drei Anbieter sorgen auch in kleineren StĂ€dten fĂŒr die nötige Netzabdeckung. InternetzugĂ€nge existieren fĂŒr Privatleute und kleine Organisationen entweder als WĂ€hlleitung („dial-in“) ĂŒber die Telefonleitungen der ONATEL oder ĂŒber die in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten boomenden Internet-CafĂ©s. Seit 2006 ist im ganzen Land Zugang ĂŒber ADSL möglich. GrĂ¶ĂŸere Organisationen verfĂŒgen auch ĂŒber Standleitungen zu den Internetanbietern. Die Zahl der regelmĂ€ĂŸigen Internetnutzer wird auf 30.000 geschĂ€tzt. Studien zufolge nutzen die Burkiner das Internet weniger zur Recherche von Informationen als zur Kommunikation per E-Mail oder Instant Messaging.

Wirtschaft

Burkina Faso ist einer der Ă€rmsten und am wenigsten entwickelten Staaten der Erde und wird zur Gruppe der Hochverschuldeten EntwicklungslĂ€nder (englisch Heavily Indebted Poor Countries, abgekĂŒrzt HIPC) gezĂ€hlt. 2005 wurde im Rahmen der HIPC-Entschuldungsinitiative von Weltbank und IWF die Streichung seiner Auslandsschulden vereinbart. Im Index der menschlichen Entwicklung des Entwicklungsprogrammes der Vereinten Nationen (UNDP) lag Burkina Faso im Jahre 2013 auf Platz 181 bei 187 untersuchten LĂ€ndern.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach KaufkraftparitĂ€t betrug 2011 etwa 32,8 Milliarden US-Dollar, was einem Wert von 1800 Dollar pro Kopf entspricht. Der Anstieg des BIP im Jahre 2016 betrug 5,9 %, die Inflationsrate 2016 −0,2 %. Das Wirtschaftswachstum kommt allerdings nur einer kleinen, von Mossi dominierten Schicht in den stĂ€dtischen Zentren zugute. UngefĂ€hr 61 % der Bevölkerung mĂŒssen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen.

Burkina Faso nimmt an der Westafrikanischen Wirtschafts- und WĂ€hrungsunion UEMOA teil; WĂ€hrung ist der CFA-Franc BCEAO.

Der befĂŒrchtete Einbruch der Wirtschaft infolge der Konflikte in der ElfenbeinkĂŒste ist weitgehend ausgeblieben; Burkina Faso hat rechtzeitig die Bindungen zu anderen NachbarlĂ€ndern gestĂ€rkt, vor allem zu Ghana.

Landwirtschaft und BodenschÀtze

Etwa 80 % der Bevölkerung betreiben Subsistenzwirtschaft, also den Anbau von Obst, GemĂŒse und Getreide fĂŒr den Eigenbedarf. Den Grundbedarf der Nahrungsversorgung deckt der Anbau von Hirse, Mais, Sorghum, Fonio und Reis, der etwa 85 % der 110.000 kmÂČ landwirtschaftlich nutzbaren FlĂ€che des Landes in Anspruch nimmt. Im SĂŒden des Landes werden außerdem Jamswurzel, Maniok und Zuckerrohr angebaut. FĂŒr den Export wichtig sind ErdnĂŒsse und vor allem Baumwolle, das Hauptexportgut des Landes. Die ungĂŒnstigen klimatischen Bedingungen erschweren die AusĂŒbung der Landwirtschaft; jĂ€hrliche Schwankungen der NiederschlĂ€ge können DĂŒrren und damit lokale Hungersnöte (besonders im Norden des Landes) verursachen.

Trotz der guten QualitĂ€t der burkinischen Baumwolle hat das Land aufgrund hoher Agrarsubventionen in westlichen IndustrielĂ€ndern große Probleme, seine ErnteertrĂ€ge auf dem Weltmarkt zu verkaufen. So wird ihre Baumwollwirtschaft zum einen Teil durch die Vereinigten Staaten mit drei bis vier Milliarden US-Dollar pro Jahr subventioniert; den restlichen Teil bilden die Subventionszahlungen der EU von zirka 700 Millionen Euro. StaatsprĂ€sident Blaise CompaorĂ© setzte sich zusammen mit anderen betroffenen afrikanischen Staaten fĂŒr die Aufhebung dieser Subventionen und freien Zugang afrikanischer Baumwolle auf den Weltmarkt ein. Die Wirtschaft Burkina Fasos, die maßgeblich vom Export der Baumwolle abhĂ€ngt (50 % der Exporte), hat unter schwankenden Weltmarktpreisen zu leiden. Das halbstaatliche Unternehmen Sofitex ist das drittgrĂ¶ĂŸte Textilunternehmen Afrikas. Seit der Schließung der Fabrik Faso Fani im Jahre 2000 ist in Burkina Faso keine Weiterverarbeitung der Baumwolle in grĂ¶ĂŸerem Stil mehr möglich.

Mit einem Projekt zum Anbau von Weizen sollte das Land von Importen unabhÀngig werden; die erste Ernte konnte 2006 eingefahren werden.

Burkina Faso ist Exporteur von Vieh (vor allem Rindern) in die NachbarlĂ€nder. Traditionell wird die Viehzucht von den nomadisch lebenden Fulbe ausgeĂŒbt. Wegen der geringen ProduktivitĂ€t und der fehlenden Weiterverarbeitungsmöglichkeit liegt der Anteil des Landwirtschaftssektors am Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur bei 35 % (2012; zum Vergleich Dienstleistungen: 38 %).

Nur wenige der zahlreichen natĂŒrlichen Ressourcen sind abbauwĂŒrdig; Gold wird seit Jahrhunderten zu Tage gefördert und ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Das kanadische Unternehmen Orezone sieht großes Potenzial in den Goldvorkommen Burkina Fasos. Der Manganabbau soll in Zukunft ausgebaut werden. Problematisch ist vor allem der Transport; die Vorkommen befinden sich hauptsĂ€chlich im verkehrstechnisch schlecht erschlossenen Norden. Der geplante Ausbau der einzigen Bahnlinie Burkina Fasos zu den Minen von Tambao wurde nie zu Ende gefĂŒhrt.

Seit 2009 war Gold der wichtigste Exportartikel; 2013 wurden 72 % der Exporteinnahmen durch Goldausfuhr gewonnen, wobei die Erlöse ĂŒberwiegend ins Ausland (vor allem nach Kanada) fließen. Sein Abbau entwickelte sich zur treibenden Kraft des Wirtschaftswachstums, das jedoch 2014/15 infolge des Preisverfalls von Gold und Baumwolle einbrach.

Industrie und Dienstleistungen

Mit dem Anschluss an die Eisenbahnlinie nach Abidjan 1933 konnte in Bobo-Dioulasso die industrielle Entwicklung beginnen; es wurden eine Brauerei, eine ÖlmĂŒhle und eine Fabrik fĂŒr motorisierte FahrrĂ€der gegrĂŒndet. Die NĂ€he zu den Baumwollanbaugebieten im Nordwesten des Landes spielte eine große Rolle beim wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt. Erst 30 Jahre spĂ€ter wurde die Eisenbahn bis Ouagadougou fertiggestellt, die Voraussetzung fĂŒr das Entstehen industrieller Betriebe. Heute befinden sich 64 % davon in der Hauptstadt, vor allem im Bereich der Lebensmittelindustrie. Nach der UnabhĂ€ngigkeit entstand in Koudougou eine Baumwollspinnerei, die aber bald ihre Arbeit einstellen musste. Ein Wiederbelebungsversuch von Faso Fani scheiterte im Jahre 2000. In Banfora befinden sich eine große Zuckerfabrik (SOSUCO) und die Grands Moulins du Burkina, die vorwiegend Mehl produzieren. Seit 2004 werden in Ouagadougou von MĂ©gamonde Autos aus chinesischer Fertigung unter dem Markennamen Tenga montiert.

Staatliche Unternehmen wurden in den letzten Jahren privatisiert, so das Telekommunikationsunternehmen ONATEL; 51 % der Besitzanteile hÀlt seit 2006 die marokkanische Maroc Telecom.

Im Handels-, Bau- und Dienstleistungssektor ist die libanesische Gemeinschaft stark vertreten, die seit etwa 1900 im Lande anzutreffen ist.

Viele Menschen sind im informellen Sektor beschĂ€ftigt; sie verdienen sich mit dem Handel auf der Straße oder kleinen Dienstleistungen ihren Lebensunterhalt. Dem Staat entgehen dadurch Steuereinnahmen; Arbeitslosenzahlen werden durch dieses PhĂ€nomen erheblich verzerrt. Etwa 45 % der Einwohner leben unter der Armutsgrenze.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 2,77 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 2,44 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,8 % des BIP.

Die Staatsverschuldung erreichte 2014 mit 28,3 % des Bruttoinlandprodukts einen neuen Rekordwert (gegenĂŒber 2007: 20,9 %).

Bildung

Die Alphabetisierungsrate in Burkina Faso betrĂ€gt 41,2 %, was einer der niedrigsten Werte weltweit ist. ZurĂŒckzufĂŒhren ist dies auf die weltweit niedrigste durchschnittliche Schulbesuchsdauer der ĂŒber 25-JĂ€hrigen, die bei gerade einmal 1,6 Jahren liegt (Frauen: 1,1 und MĂ€nner 2,3). Ein Hoffnungsschimmer ist die erwartete Schulbesuchsdauer der aktuellen SchĂŒlergeneration, die bei 9,3 Jahren liegt. Die Grundschulbildung ist jedoch durch vielschichtige Probleme gekennzeichnet. Die Unterrichtssprache ist Französisch; es bestehen AnsĂ€tze zu einer bilingualen Ausbildung (Satellitschulen der UNESCO). Viele Kinder im Grundschulalter gehen nicht zur Schule, doch die Schule ist neben traditioneller Bildung, Koranschulen und Einrichtungen von Nichtregierungsorganisationen nicht die einzige Ausbildungsmöglichkeit.

Zu den UniversitĂ€ten des Landes zĂ€hlen die UniversitĂ€t Ouagadougou und die in mehreren westafrikanischen Staaten vertretene UniversitĂ© Catholique de l’Afrique de l’Ouest.

Grundschule

Die Grundschulzeit dauert sechs Jahre. Dass die Unterrichtssprache Französisch ist, hĂ€lt viele Kinder vom Schulbesuch ab, die nur ihre indigene Muttersprache beherrschen. Es gibt staatliche, private und katholische Schulen, in der Regel sind sie kostenlos, verlangen aber Einschreibe- und VerwaltungsgebĂŒhren. Dies ist fĂŒr viele ein weiterer Grund, nicht in die Schule zu gehen, denn nur wenige Eltern können sie bezahlen. Auch Schulhefte und Stifte mĂŒssen selbst bezahlt werden, außerdem muss in einigen Landesteilen die örtliche Bevölkerung beim Bau der SchulgebĂ€ude mithelfen. In einer Schulklasse sitzen bis zu 120 Kinder. An vielen Schulen fehlen Strom- und WasseranschlĂŒsse.

Kultur

Traditionen

Die etwa 60 Ethnien in Burkina Faso sorgen fĂŒr eine große Vielfalt an kulturellen Traditionen; Tanz, Musik und die Verwendung von Masken sind prĂ€gend fĂŒr die sudanischen Savannenvölker. Zu vielen AnlĂ€ssen des Gemeinschaftslebens finden Feste und Zeremonien statt, bei denen das kulturelle Repertoire prĂ€sentiert wird. Bedeutend sind die Griots, die fĂŒr die Wahrung und Weitergabe der Geschichte und Traditionen zustĂ€ndig sind. Dies geschieht durch mĂŒndliche Überlieferung von einer Generation auf die nĂ€chste.

Bedeutend ist das Kunsthandwerk, das etwa 960.000 Personen beschĂ€ftigt und dem die alle zwei Jahre stattfindende Messe SIAO gewidmet ist. Neben Arbeiten aus Leder und Holz, Korbflechterei und Töpferei sind Bronzegussskulpturen, die im Verfahren der Verlorenen Form hergestellt wurden, charakteristisch fĂŒr Burkina Fasos Kunsthandwerk.

Jean-Luc Bambara ist ein Bildhauer, der auch in Europa ausstellt. Die Sculptures de Laongo sind ein 1989 geschaffener Skulpturenpark, in dem unter anderem Granitsteine von nationalen und internationalen KĂŒnstlern bearbeitet werden.

Zwei kulturelle Veranstaltungen, die regelmĂ€ĂŸig stattfinden sind die Semaine Nationale de la Culture (SNC) in Bobo-Dioulasso und die Nuits Atypiques de Koudougou (NAK) in Koudougou. Im Osten gibt es seit 2004 jĂ€hrlich das Festival Dilembu au Gulmu (FESDIG).

Musik

Traditionelle afrikanische Musik begleitet in Burkina Faso den Alltag der Menschen und ist in diesen eng eingebunden. Die traditionelle Musik der Ethnien Burkina Faso ist geprĂ€gt von verschiedenen Arten von Trommeln und dem Balafon. Die Balafongruppe Farafina aus Bobo-Dioulasso, die in wechselnder Besetzung seit 1978 existiert, hat unter anderem mit den Rolling Stones zusammengearbeitet und konnte wie auch Gabin DabirĂ© eher in Europa Erfolge feiern. Äußerst populĂ€r war Black So Man, der fĂŒr seine kritischen Texte bekannt war und 2002 an den Folgen eines Autounfalls von 1997 starb. Viel Beachtung im In- und Ausland findet auch Victor DĂ©mĂ©, der nach zahlreichen Gastauftritten 2008 sein erstes Soloalbum veröffentlicht hat.

Als bedeutender Musikpreis wird seit 2001 der KundĂ© d’Or verliehen. Bisher zweimal konnte Bil Aka Kora den Preis fĂŒr seine auf den traditionellen Rhythmen der Kassena basierenden Musik gewinnen. Weitere Sieger waren Solo Dja Kabaco, Georges OuĂ©draogo, der seit 1973 bis zu seinem Tod 2012 aktiv war, die SĂ€ngerin Amity MĂ©ria sowie Yoni, der wie OuĂ©draogo moderne und traditionelle Melodien und Rhythmen zu musique tradi-moderne zusammenbringt. Sieger 2009 wurde Hamed Smani. Als Vertreter des burkinischen Hip-Hop wurden Produzent, Rapper und politischer Aktivist Smockey, Faso Kombat und die Gruppe Yeleen ausgezeichnet. Ausgezeichnete KĂŒnstler der letzten Jahre sind EugĂšne Kounker, Dez Altino, Floby und Alif Naaba. JĂ€hrlich findet das Festival Waga Hip Hop mit KĂŒnstlern aus Afrika und Europa statt.

Bekannte ReggaekĂŒnstler sind ZĂȘdess und Sams'K Le Jah, der wie Smockey Aktivist in der BĂŒrgerbewegung Le Balai Citoyen ist. Jazz Ă  Ouaga ist ein regelmĂ€ĂŸig stattfindendes Jazz­festival.

Im Oktober 2011 wurde das Operndorf Afrika nach den PlĂ€nen des Architekten DiĂ©bĂ©do Francis KĂ©rĂ© in Laongo in der NĂ€he von Ouagadougou eröffnet. Nach dem Tod des Initiators Christoph Schlingensief fĂŒhrt seine Witwe Aino Laberenz die Arbeit weiter.

Film

Burkina Faso gilt als bedeutendes Zentrum des Afrikanischen Kinos und richtet seit 1972 das panafrikanische Filmfestival FESPACO aus, das seit 1979 alle zwei Jahre stattfindet und Cineasten aus der ganzen Welt anzieht. Der burkinische Film erfĂ€hrt UnterstĂŒtzung durch die Regierung, ist aber auf auslĂ€ndische Finanzierung angewiesen.

Zum ersten Mal wurden in Obervolta in den 1920er-Jahren Filme durch katholische Missionare vorgefĂŒhrt. 1947 wurde der erste Film in Obervolta gedreht; Paysan noir ou Famoro le tyran von Georges RĂ©gnier, der im Dienste der Kolonialpropaganda produziert wurde. Nach der UnabhĂ€ngigkeit schufen Franzosen zahlreiche ethnografische Filme, wĂ€hrend sich obervoltaische Eigenproduktionen zumeist einem Bildungsauftrag fĂŒr die Bevölkerung widmeten. Ab 1980 begann vermehrt die Produktion von Spielfilmen. Wend Kuuni, der erste Langspielfilm von Gaston KaborĂ©, brachte eine neue Ästhetik und QualitĂ€t in das Kino Afrikas und erlangte internationale Anerkennung. 1990 wurde TilaĂŻ von Idrissa OuĂ©draogo mit dem Großen Preis der Jury bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet, sein Film Kini and Adams wurde beim Festival 1997 fĂŒr die Goldene Palme nominiert. Seit den 1990er-Jahren erlangten Filmemacher wie Pierre YamĂ©ogo, Dani KouyatĂ© oder Fanta RĂ©gina Nacro internationale Beachtung.

Bekanntester Schauspieler ist Sotigui KouyatĂ© – Vater von Dani KouyatĂ© – der unter anderem in Filmen von Peter Brook mitspielte.

Literatur

Bedingt durch die Schriftlosigkeit der sudanischen Kulturen und damit der Tradition mĂŒndlicher Überlieferung sowie den hohen Anteil von Analphabeten an der Bevölkerung hat die Literatur nur nachrangige Bedeutung im heutigen Burkina Faso. Zur Zeit der literarischen Entwicklung in anderen Teilen Westafrikas waren die Intellektuellen des Landes mit politischem Engagement – insbesondere dem Kampf um die Wiederherstellung Obervoltas nach dem Zweiten Weltkrieg – beschĂ€ftigt, und so beginnt die Literaturgeschichte erst nach der UnabhĂ€ngigkeit. Hatte Antoine Dim Delobsom schon 1934 ein Werk zu den Mythen und Legenden der Mossi veröffentlicht, zĂ€hlt das 1962 veröffentlichte CrĂ©puscule des temps anciens von Nazi Boni als Beginn der burkinischen Literatur. In diesem in der Tradition der NĂ©gritude stehenden Roman beschreibt Boni die Bedrohung der traditionellen Strukturen und Werte seiner Ethnie, der Bwaba, durch die Kolonialisierung. In den folgenden Jahren erschienen nur wenige Werke, darunter von Pierre DabirĂ©, Roger NikiĂ©ma und Titinga FrĂ©dĂ©ric PacĂ©rĂ©.

Erst mit der Revolution begann der Staat mit der Literaturförderung. Neben einer Aufwertung der Literatur und Motivierung der Autoren hatte dies aber auch Einfluss auf die verarbeiteten Themen der Literatur, die sich zum Großteil dem offiziellen staatlichen Bildungsauftrag und der Vermittlung von traditionellen Werten unterwirft und wenig kritisches Potenzial entfaltet, da sie vom Wohlwollen der staatlichen Förderer abhĂ€ngt. Kritik wird allenfalls, wie bei Norbert Zongo oder Pierre Claver Ilboudo, verschlĂŒsselt oder auf eine abstrakte Ebene gehoben, indem die Handlung zum Beispiel in fiktive LĂ€nder verlegt wird. Aufgrund eines fehlenden Verlagswesens und Marktes fĂŒr Literatur entstehen die meisten Werke in Eigenproduktion in niedriger Auflage. Die zeitgenössische Literatur ist von Frauen geprĂ€gt, darunter Monique Ilboudo, Bernadette Sanou und Sophie Kam.

Zu den großen Intellektuellen Afrikas zĂ€hlt Joseph Ki-Zerbo, der als erster Afrikaner ein Werk zur Geschichte des Kontinents herausgab und bis zu seinem Tod politisch engagiert war.

Zwei bedeutende Theatergruppen sind das Théùtre de la Fraternité des Wissenschaftlers, Autors und Regisseurs Jean-Pierre Guingané sowie das Atelier-Théùtre BurkinabÚ (ATB) von Prosper Kompaoré.

Sport

Das Nationale Olympische Komitee ComitĂ© National Olympique et des Sports BurkinabĂš (CNOSB), das 1972 vom IOC anerkannt wurde, entsandte fĂŒnf Sportler zu den Olympischen Spielen 2012 in London; zwei Leichtathleten, zwei Schwimmer und eine Judoka.

Beliebter Sport in Burkina Faso ist Fußball, der nationale Verband ist die FĂ©dĂ©ration BurkinabĂš de Football (FBF), die mit der UnabhĂ€ngigkeit 1960 gegrĂŒndet und 1964 Mitglied des Weltverbandes FIFA wurde. Die grĂ¶ĂŸten Erfolge der Nationalmannschaft waren der zweite Platz der Afrikameisterschaft 2013 und der vierte Platz bei der Afrikameisterschaft 1998 im eigenen Land. Um die burkinische Meisterschaft kĂ€mpfen jedes Jahr 16 Vereine, von denen der grĂ¶ĂŸte Teil aus Ouagadougou stammt. Bekannte Auslandsprofis sind Charles KaborĂ©, Moumouni Dagano oder Bertrand TraorĂ©. Die U-17-Nationalmannschaft erreichte bei der U-17-WM 2001 den dritten Platz.

Radsport gilt in Burkina Faso als Nationalsport. Jedes Jahr finden die Radrennen Tour du Faso und Boucle du Coton statt. Ersteres ist Bestandteil der UCI Africa Tour. Zu den erfolgreichen Radfahrern der letzten Jahre zÀhlen Jérémie Ouédraogo und Abdoul Wahab Sawadogo.

Der als lutte traditionnelle bekannte Kampfsport ist eine Art Ringen und wird besonders von den Sanan praktiziert. In Toma findet jÀhrlich ein Wettbewerb statt.

Medien

Bei der Rangliste der Pressefreiheit 2017, welche von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Burkina Faso Platz 42 von 180 LĂ€ndern. Bei der Situation der Pressefreiheit im Land gibt es laut der Nichtregierungsorganisation „erkennbare Probleme“ sie gehörte jedoch zu den besseren innerhalb Afrikas.

Seit dem Beginn der formalen Demokratisierung 1990/91 hat sich ein vielfĂ€ltiger Pressemarkt herausgebildet. Die von der Verfassung garantierte Pressefreiheit ist bei bestimmten Themen allerdings eingeschrĂ€nkt; so wurde 1999 der Journalist Norbert Zongo unter bisher nicht geklĂ€rten UmstĂ€nden ermordet, als er mit Recherchen ĂŒber einen Mordfall in der PrĂ€sidentengarde beschĂ€ftigt war. Zu den Problemen der defizitĂ€ren Presse zĂ€hlen niedrige Verkaufs- und Anzeigenerlöse, mangelnde technische Ausstattung und Ausbildung der Journalisten. Die drei in Ouagadougou erscheinenden Tageszeitungen sind der dem Informationsministerium unterstehende Sidwaya, der 1973 gegrĂŒndete L’Observateur paalga, der wĂ€hrend Sankaras Revolution sein Erscheinen einstellen musste, sowie Le Pays. In Bobo-Dioulasso erscheint seit 1998 L’Express du Faso, dessen Schwerpunkt die Berichterstattung aus Burkina Fasos Westen ist. Regierungskritische Zeitungen, die wöchentlich oder zweiwöchentlich erscheinen, sind unter anderem L’ÉvĂ©nement, L’IndĂ©pendant, BendrĂ©, San Finna und das satirische Wochenblatt Journal du Jeudi. Weitere Wochenzeitungen sind L’Opinion und L’Hebdomadaire du Burkina.

Das staatliche Fernsehen der RTB sendet seit 1963 und stellt bisher das einzige Vollprogramm dar. Mit CANAL 3 der Groupe Fadoul und BF1 bestehen private Fernsehsender. Satellitenfernsehen, darunter die Programme der französischen Sender TV5MONDE und Canal+ Horizons, kann empfangen werden, ist allerdings nur fĂŒr wenige erschwinglich.

Das Radio ist das wichtigste Informationsmedium in Burkina Faso. Seit 1959 sendet das staatliche Radio der RTB, die außerdem den Sender Canal arc-en-ciel unterhĂ€lt. Zahlreiche private Radiostationen entstanden in den vergangenen Jahren, Horizon FM war bei seiner GrĂŒndung einer der ersten privaten Sender Westafrikas, es folgten unter anderem Ouaga FM, Radio Pulsar oder Savane FM. Zahlreiche konfessionelle Sender wie Radio Évangile DĂ©veloppement oder Radio Ave Maria bieten neben religiösen Themen auch Informationen fĂŒr die Landbevölkerung.

Zu den burkinischen Internetangeboten zĂ€hlen LeFaso.net, das eine Zusammenstellung von Zeitungsartikeln bietet, Burkina 24 sowie Fasozine.com, das als die erste Internettageszeitung Westafrikas gilt. Die Zahl der regelmĂ€ĂŸigen Internetnutzer wird auf 30.000 geschĂ€tzt (2006). Studien zufolge nutzen die Burkiner das Internet weniger zur Recherche von Informationen als zur Kommunikation per E-Mail oder Instant Messaging.

KĂŒche

Als Grundnahrungsmittel dienen vor allem Reis und tĂŽ, ein Brei, der aus Mais, Hirse oder Sorghum zubereitet wird. Dazu werden Soßen auf Basis von Tomaten, GemĂŒse, HibiskusblĂ€ttern, Okra, AffenbrotbaumblĂ€ttern oder Erdnussbutter gegessen, mit oder ohne Beigabe von Fleisch. Als riz gras/riz au gras wird Reis zusammen mit Tomaten und Zwiebeln gekocht. Basis fĂŒr Gerichte sind auch Couscous aus Reis, Foniohirse oder Maniok (attiĂ©kĂ© genannt) sowie der aus den KĂŒstenlĂ€ndern stammende Foufou (Maisbrei), der oft mit einer Soße aus den FrĂŒchten der Ölpalme (sauce graines) gegessen wird. Fleisch stammt zumeist von Rind, Hammel, Ziege, Huhn oder Perlhuhn, auch Wildfleisch von Savannentieren und Fisch werden gegessen. BrathĂ€hnchen sind sehr beliebt und als poulets tĂ©lĂ©visions („FernsehhĂŒhner“) bekannt. Sie sind so benannt, da sie am Straßenrand in rechteckigen GlaskĂ€sten gebraten werden. Frittierte Kochbananen werden aloco genannt, außerdem gibt es frittierte SĂŒĂŸkartoffeln und Jamswurzeln, die jeweils mit einer scharfen Soße serviert werden können. Auch Raupen werden in Burkina Faso gegessen. Soumbala ist ein GewĂŒrz, das zum Beispiel bei den Lyela fĂŒr riz au soumbala verwendet wird.

ErfrischungsgetrĂ€nke sind Ingwersaft, Tamarindensaft, das Hirsemehlwasser zom-koom oder bissap, ein GetrĂ€nk aus getrockneten RosellenblĂ€ttern. Im SĂŒdwesten, vor allem in Bobo-Dioulasso, gibt es auch Horchata, ein GetrĂ€nk aus Erdmandeln. Lokale alkoholische GetrĂ€nke sind das Hirsebier Dolo, Palmwein und Palmschnaps, der wegen seiner GefĂ€hrlichkeit allerdings verboten wurde.

Einheimische Biermarken sind Brakina und So.B.Bra., Mineralwassermarken unter anderem Lafi und Jirma.

Feiertage

Die 14 gesetzlichen Feiertage in Burkina Faso sind neben denen, die an nationale Ereignisse erinnern, zumeist religiöse Feste des Christentums oder des Islams. Im Jahr 2000 wurden die Feiertage, die an Thomas Sankaras Revolution (4. August) und Sturz (15. Oktober) erinnerten, vom Parlament aus dem Kalender gestrichen. Der 11. Dezember, der wie der 5. August die UnabhĂ€ngigkeit des damaligen Obervolta wĂŒrdigt, wurde eingefĂŒhrt, um die Feierlichkeiten in der Trockenzeit nach der Erntesaison stattfinden lassen zu können. Die zentralen Feiern mit einer großen Parade zu diesem Anlass finden jedes Jahr im Wechsel in einer anderen Regionalhauptstadt statt. Vor einiger Zeit wurde der Pfingstmontag als Feiertag gestrichen. FĂ€llt ein Feiertag auf einen Sonntag, wird der darauffolgende Montag arbeitsfrei.

Siehe auch

Literatur

Verwendete Literatur

  • FrĂ©dĂ©ric Lejeal: Le Burkina Faso. Karthala, Paris 2002, ISBN 2-84586-143-5.
  • Danielle Ben Yahmed (Hrsg.): Atlas du Burkina Faso. Jaguar, Paris 2005, ISBN 2-86950-397-0.
  • Sylviane Janin: Burkina Faso. 5. Auflage. Olizane, Genf 2010, ISBN 978-2-88086-386-9.
  • YĂ©nouyaba Georges MadiĂ©ga, Oumarou Nao (Hrsg.): Burkina Faso. Cent ans d’histoire, 1895–1995. 2 BĂ€nde. Karthala, Paris 2003, ISBN 2-84586-431-0.
  • Richard Kuba, Carola Lentz, Nurukyor Claude Somda (Hrsg.): Histoire du peuplement et relations interethniques au Burkina Faso. Karthala, Paris 2003, ISBN 2-84586-459-0.

WeiterfĂŒhrende Literatur

  • Erich Schmitz: Politische Herrschaft in Burkina Faso. Von der UnabhĂ€ngigkeit bis zum Sturz Thomas Sankaras, 1960–1987. Arnold-Bergstraesser-Institut, Freiburg 1990, ISBN 3-9801944-7-7.
  • Raimund Hörburger, Helmut Nehr, Sabine Neuweg: Burkina Faso. Unterentwicklung und Selbsthilfe in einem Sahel-Land. Brandes & Apsel, Frankfurt 1991, ISBN 3-925798-49-8.
  • Jacques Barrat, Derek El Zein, Nicolas Lambret: GĂ©opolitique du Burkina Faso. SEM, Paris 2008, ISBN 978-2-35764-044-3.
  • Michel Izard: Moogo. L’émergence d’un espace Ă©tatique ouest-africain au XVIe siĂšcle. Karthala, Paris 2003, ISBN 2-84586-449-3.
  • Gabriel Massa, YĂ©nouyaba Georges MadiĂ©ga: La Haute-Volta coloniale. Karthala, Paris 1995, ISBN 2-86537-480-7.
  • Mathieu Hilgers, Jacinthe Mazzocchetti: RĂ©voltes et oppositions dans un rĂ©gime semi-autoritaire. Le cas du Burkina Faso. Karthala, Paris 2010, ISBN 978-2-8111-0078-0.
  • RenĂ© Otayek, Filiga Michel Sawadogo, Jean-Pierre GuinganĂ©: Le Burkina entre rĂ©volution et dĂ©mocratie, 1983–1993. Karthala, Paris 1996, ISBN 2-86537-702-4.
  • Salaka Sanou, Jean-Marie Grassin: La LittĂ©rature burkinabĂš. L’histoire, les hommes, les oeuvres. PULIM, Limoges 2000, ISBN 2-84287-190-1.
  • VladimĂ­r Sattran, Urbain Wenmenga: GĂ©ologie du Burkina Faso/Geology of Burkina Faso. Czech Geological Survey, 2002, ISBN 80-7075-516-4.
  • Auguste Ferdinand Kaboret, Oger KaborĂ©: Histoire de la musique moderne du Burkina Faso. GenĂšse, Ă©volution et perspectives. EDIPAP International, Ouagadougou 2004, ISBN 2-914707-31-2.
  • Katrin Langewiesche: MobilitĂ© religieuse. Changements religieux au Burkina Faso. LIT, MĂŒnster 2003, ISBN 3-8258-5679-8.
  • Marietta Mayrhofer-DeĂĄk: Sprache Macht Schule. Neokoloniale Erfahrungen in Burkina Faso. VDM, SaarbrĂŒcken 2009, ISBN 978-3-639-20159-8.

Weblinks

  • CIA World Factbook: Burkina Faso (englisch)
  • Website der Regierung (französisch)
  • LĂ€nderĂŒbersicht Burkina Faso auf der WebprĂ€senz des AuswĂ€rtigen Amts
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Burkina Faso
  • LeFaso.net – Website mit Nachrichten aus Burkina Faso (französisch)
  • Jörg Lange: Burkina Faso. In: LIPortal, Deutsche Gesellschaft fĂŒr Internationale Zusammenarbeit (GIZ).
  • Informationen ĂŒber Burkina Faso auf BBC News (englisch)

Einzelnachweise


 

Region Regionen (0)

Abk Name O
BF.BA BalĂ©  
BF.BM Bam  
BF.BW Banwa  
BF.BZ BazĂ©ga  
BF.BB Bougouriba  
BF.BL Boulgou  
BF.BK BoulkiemdĂ©  
BF.GZ Ganzourgou  
BF.GG Gnagna  
BF.GM Gourma  
BF.HO Houet  
BF.IO Ioba  
BF.KA Kadiogo  
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BF.KW KourwĂ©ogo  
BF.KN KĂ©nĂ©dougou  
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Flagge: Burkina Faso

Name englisch: Burkina Faso
Hauptstadt: Ouagadougou
Kfz: BF
ISO: BF
ISO3: BFA
Fläche: 274200 km²
Tld: .bf
Wärung Einheit: XOF
Währung: Franc
Vorwahl: 226

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 15.0851111
südlichster Punkt: 9.3938888
westlichster Punkt: -5.5211114
östlichster Punkt: 2.4042926


 
Burkina Faso: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Burkina Faso. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

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