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Staat Informationen : Kirgisistan

Informationen:


Kirgisistan [k…™rňą…°iňźz…™staňźn], auch Kirgistan (kirgisisch –ö—č—Ä–≥—č–∑—Ā—ā–į–Ĺ/Kyrgysstan, russisch –ö–ł—Ä–≥–ł–∑—Ā—ā–į–Ĺ), veraltet Kirgisien, amtlich Kirgisische Republik (kirgisisch –ö—č—Ä–≥—č–∑ –†–Ķ—Ā–Ņ—É–Ī–Ľ–ł–ļ–į—Ā—č/Kyrgys Respublikasy, russisch –ö–ł—Ä–≥–ł–∑—Ā–ļ–į—Ź –†–Ķ—Ā–Ņ—É–Ī–Ľ–ł–ļ–į), ist ein 199.951 km¬≤ gro√üer Binnenstaat in Zentralasien mit rund 6,5 Millionen Einwohnern. Er grenzt im Norden an Kasachstan, im Osten an China, im S√ľden an Tadschikistan und im Westen an Usbekistan.

Hauptstadt und mit rund 1 Million Einwohnern größte Stadt der ehemaligen Sowjetrepublik ist Bischkek. Weitere wichtige Städte des islamisch geprägten und demokratisch regierten Landes sind Osch, Dschalalabat und Karakol.

Landesname

Der Name qirqiz oder kyrgyz stammt vermutlich aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. Die heutigen Kirgisen stammen urspr√ľnglich aus dem sibirischen Jenissei-Tal, von wo aus sie als Folge der Ausbreitung der Mongolen in das heutige Siedlungsgebiet wanderten. Die Kirgisen glauben, dass ihr Volksname vom Begriff kirkkyz (‚Äěvierzig‚Äú) abstammt und sie selbst Nachfahren von 40 St√§mmen seien. Heute lebt ein Gro√üteil der Kirgisen in der nach ihnen benannten Republik, jedoch existieren gr√∂√üere kirgisische Minderheiten auch in China, Afghanistan, Tadschikistan und Usbekistan.

Im Deutschen herrschte seit dem 19. Jahrhundert der Name Kirgisien vor, dem russischen –ö–ł—Ä–≥–ł–∑–ł—Ź/Kirgisija entsprechend. In j√ľngster Zeit werden die fr√ľher selteneren Bezeichnungen Kirgisistan und Kirgistan h√§ufiger verwendet, beide sind Ableitungen vom kirgisischen Landesnamen –ö—č—Ä–≥—č–∑—Ā—ā–į–Ĺ (Transliteration: Kyrgyzstan; diese hat sich im englischen Gebrauch auch durchgesetzt). Es handelt sich dabei um eine Bildung mit dem aus dem Persischen stammenden Suffix -(i)stan f√ľr ‚Äědas Land‚Äú, wie sie auch bei anderen Staaten der Region gel√§ufig ist.

Geographie

Der gebirgige Binnenstaat Kirgisistan hat eine Landesfl√§che von 199.951¬†km¬≤ und etwa 6,5 Millionen Einwohner. Das Land grenzt im S√ľdosten an China (1048¬†km), im Norden an Kasachstan (1113¬†km), im S√ľdwesten an Tadschikistan (972¬†km) und im Nordwesten an Usbekistan (1374¬†km). Das kirgisische Territorium umschlie√üt vier usbekische Enklaven: So Ľx, Shohimardon, Chong-Kara und Jangail, sowie zwei tadschikische Enklaven: Qairaghotsch und Woruch.

Relief

Kirgisistan liegt im Hochgebirge des Tianshans und erreicht mit dem 7439¬†m hohen Dschengisch Tschokusu die gr√∂√üte H√∂he. √úber 90¬†% des Territoriums befinden sich oberhalb von 1500¬†Metern Seeh√∂he, 94¬†% der Landesfl√§che sind gebirgig, nur auf 20¬†% der Fl√§che ist das Betreiben von Landwirtschaft m√∂glich. Geologisch ist der Tianshan ein junges Gebirge (K√§nozoikum), weshalb die Berge in Kirgisistan dominant und schroff aufragen und sich T√§ler tief einschneiden. Den s√ľdlichen Abschluss des Landes bildet die Gebirgskette des Alai, wo sie in das Pamir-Gebirge √ľbergeht.

Bis in eine H√∂he von 1500 m besteht das Land aus Steppe, die allerdings durch weitl√§ufige Bew√§sserungssysteme urbar gemacht wurde. Ab 1500¬†m herrschen alpine Wiesen und Weiden vor, die bis an die Schneefelder und Gletscher heranreichen. Die W√§lder befinden sich in H√∂henlagen von 1500 bis 4000¬†m¬†√ľ.¬†NN und beherbergen etwa 120 Baum- und Straucharten. Mit nur 4¬†% Waldfl√§che ist Kirgisistan eines der wald√§rmsten L√§nder Asiens, jedoch befindet sich im Gebiet Dschalalabat der gr√∂√üte Walnusswald der Welt.

Siehe auch: Liste der Gebirge in Kirgisistan

Gewässer

Kirgisistan verf√ľgt √ľber riesige Reserven an Oberfl√§chenwasser. Etwa 30¬†% der Oberfl√§che sind von Gletschern oder ewigen Schneefeldern bedeckt. Es gibt mehr als 3000 Fl√ľsse, von denen der gr√∂√üte der Naryn ist. Weitere Fl√ľsse mit einer L√§nge √ľber 200¬†km sind der Karadarja, der Tsch√ľi, der Talas, der Sarydschas und der Kysyl-Suu. Die kirgisischen Fl√ľsse f√ľhren j√§hrlich etwa 44,5¬†Kubikkilometer Wasser ab. Sie speisen damit teilweise den gro√üen zentralasiatischen Fluss Syrdarja, andere Fl√ľsse flie√üen nach Xinjiang oder Tadschikistan ab.

Die Fl√ľsse Kirgisistans haben ein gro√ües Potential f√ľr die Gewinnung elektrischer Energie, welches auch schon relativ gut erschlossen ist. Allein am Unterlauf des Naryn gibt es sechs Kraftwerke mit D√§mmen. Die Kraftwerke Kirgisistans wurden jedoch vor mehr als drei√üig Jahren errichtet und befinden sich nicht auf modernem Sicherheitsstandard. Das fehlende Geld und die Abwanderung qualifizierter Arbeitskr√§fte f√ľhrt zu einem steigenden Risiko von Unf√§llen, vor allem f√ľr das dicht besiedelte Ferghanatal, welches sich unterhalb mehrerer Talsperren befindet.

Klima

Das Klima Kirgisistans ist semiarid. Es ist von kurzen, trockenen und kontinentalen hei√üen Sommern und von langen kalten Wintern gepr√§gt. Der Fr√ľhling ist kurz mit viel Regen und gleichzeitig stattfindender Schneeschmelze. Die t√§glichen Temperaturschwankungen sind erheblich.

Im S√ľden des Landes werden im Sommer Temperaturen von 45¬†¬įC gemessen, w√§hrend im Winter die Temperaturen auf minus 18¬†¬įC fallen k√∂nnen.

Der Klimawandel wird Projektionen zufolge zu einer Erh√∂hung der Durchschnittstemperatur um 6,5¬†¬įC f√ľhren, wenn sich die weltweite Durchschnittstemperatur um 2¬†¬įC erh√∂ht. Dies wird zu verst√§rkter Gletscherschmelze, st√§rkeren Niederschl√§gen und damit h√∂herem Erdrutschrisiko f√ľhren, der von diesen Risiken betroffene Anteil der Bev√∂lkerung wird ebenfalls steigen.

Tiere und Pflanzen

Trotz seiner geringen Waldbest√§nde beherbergt Kirgisistan die gr√∂√üten Walnussw√§lder der Welt. In den W√§ldern leben Sibirisches Reh, Braunb√§r, Marder, Wildschwein, Wolf und Luchs. In den Hochlagen gibt es die h√∂chst seltenen Arten Manul, Schneeleopard, Sibirischer Steinbock und Tianshan-Argali. Die Schneeleopardenpopulation brach aufgrund massiver Wilderei in j√ľngerer Zeit stark ein. Unter anderem durch die vom NABU Kirgistan, dem Innen- und Umweltministerium eingesetzte Anti-Wilderereinheit BARS gingen die Jagd und der Handel mit gesch√ľtzten Arten zur√ľck. Drei Murmeltierarten sind in den Hochwiesen weit verbreitet. Seit dem Zusammenbruch der sowjetischen Massenweidetierhaltung nach der Unabh√§ngigkeit nehmen die Wolfbest√§nde wieder zu.

Die Vogelwelt tr√§gt der gebirgigen Lage des Landes Rechnung. Im Land leben Greifvogelarten wie beispielsweise Schwarzmilan, G√§nsegeier, Schneegeier und verschiedene Adler- und Falkenarten. Seit Mitte der 1980er Jahre wandert die Hirtenmaina verst√§rkt aus S√ľden nach Kirgistan ein. Vogelzug findet sowohl horizontal (von Norden nach S√ľden) als auch vertikal (von h√∂her gelegenen Berggegenden hinab bzw. hinauf) statt. Der Bienenfresser (Merops apiaster) ist in den Sommermonaten landesweit anzutreffen.

Ein Schutzgebiet, in dem die Hochgebirgsfauna des Landes gesch√ľtzt wird, ist das Sarychat-Ertash-Naturreservat, das s√ľdlich des Issyk-Kul liegt.

Naturkatastrophen

Der Tianshan ist ein tektonisch aktives Gebirge, weshalb Erdbeben h√§ufig vorkommen. Das gesamte Land und die gesamte Bev√∂lkerung sind einem mittleren bis hohen Erdbebenrisiko ausgesetzt. Verbunden mit der geringen wirtschaftlichen Kraft des Landes bedeutet dies eine gro√üe Verwundbarkeit f√ľr die Bev√∂lkerung. Kirgisistan war von schweren Erdbeben in den Jahren 1885 (Epizentrum: Bjelowodsk, f√ľhrte zur Aufgabe von Pischpek und Neugr√ľndung von Bischkek), 1907 (Epizentrum: Karatag), 1948, 1949 (Epizentrum: Hait), 2008 (72 Todesopfer) und 2011 (Epizentrum: Ferganatal, mindestens 13 Tote) betroffen.

Durch die gro√üe Reliefenergie, die starke Seismizit√§t, das Klima, die B√∂den und den vom Menschen verursachten Landnutzungswandel treten immer wieder schwere Massenbewegungen mit zahlreichen Todesopfern auf. H√§ufig sind nach Erdbeben die meisten Todesopfer nicht durch das Beben, sondern die nachfolgenden Schlamm- oder Ger√∂lllawinen zu beklagen. Diese nat√ľrlichen Gefahren werden von schlecht gesicherten Lagerst√§tten von radioaktivem oder giftigem Abraum aus dem Bergbau noch verst√§rkt. Hiervon sind vor allem das Mailuusuu-Tal und das Einzugsgebiet des Syrdarja betroffen. In den Gebirgen Kirgisistans gibt es ca. 2200 Gletscher, die im Zuge der globalen Erw√§rmung ebenfalls im R√ľckzug begriffen sind. Immer h√§ufiger stellen durch den Gletscherr√ľckgang gebildete Gletscherseen eine Gefahr dar, da sie hoch oben im Gebirge gebildet werden und bei zunehmender Wasserh√∂he ausbrechen k√∂nnen und damit ganze T√§ler √ľberfluten.

Naturkatastrophen kosten Kirgisistan im Jahresdurchschnitt 0,53 % des Bruttoinlandsproduktes.

Bevölkerung

Die Kirgisen (64,9¬†% der Bev√∂lkerung) werden aufgrund ihrer Sprache den Turkv√∂lkern zugerechnet und bekennen sich √ľberwiegend zum sunnitischen Islam. Au√üerdem leben Usbeken (13,8¬†%), Russen (12,5¬†%), Dunganen (chinesische Muslime, 1,1¬†%), Uiguren (1,0¬†%), Ukrainer (1,0¬†%), Tadschiken (0,9¬†%), Tataren (0,9¬†%), Kasachen (0,9¬†%) und Angeh√∂rige weiterer Ethnien wie etwa 57.000 Mescheten im Lande. Anfang der 1990er Jahre lebten noch ca. 100.000 Deutsche (Kirgisistandeutsche) (meist Baptisten oder Mennoniten) dort; sie sind inzwischen mehrheitlich nach Deutschland ausgewandert, aber es gibt noch kleine deutsche Gemeinden in D√∂rfern wie Luxemburg und Rot-Front. 1999 gab es noch etwa 20.000 Deutsche (Bev√∂lkerungsanteil 0,4¬†%) in Kirgisistan; 2007 wurde ihre Zahl auf rund 12.000 gesch√§tzt.

Kirgisistan hat eine junge Bevölkerung. Das Durchschnittsalter betrug 2016 26,2 Jahre. Die Geburtenrate pro Frau lag im selben Jahr bei 2,6 Kindern. Auf 1000 Einwohner kamen 22,6 Geburten und 6,6 Todesfälle. Die Lebenserwartung bei der Geburt lag im Zeitraum von 2010 bis 2015 bei 70,3 Jahren (Frauen: 74,3 Jahre/Männer: 66,4 Jahre).

Die Bev√∂lkerung konzentriert sich vor allem im Tsch√ľital im Norden und dem Ferghanatal im S√ľden sowie in geringerem Ma√üe in Bergt√§lern wie dem um den gro√üen See Yssykk√∂l (kirgisisch –ę—Ā—č–ļ–ļ”©–Ľ).

Eine hohe Anzahl von Kirgisen ist ausgewandert, vor allem nach Russland.

Sprache

Kirgisistan ist ein offiziell zweisprachiges Land. Staatssprache ist Kirgisisch, Russisch hat seit 2001 wieder den Status einer weiteren offiziellen Sprache. Zuvor war es bereits zu sowjetischen Zeiten Amtssprache, hatte diesen Status aber zwischenzeitlich nach der Unabhängigkeit verloren.

Kirgisisch ist als Turksprache mit dem Usbekischen, Kasachischen und entfernter auch mit dem T√ľrkischen verwandt. Es ist aufgrund der kulturellen Tradition als Nationalsprache festgelegt und wird von 71¬†% der Bev√∂lkerung als Muttersprache gesprochen, nur 4¬†% hingegen sprechen sie als Zweitsprache. Russisch hingegen ist eine ostslawische Sprache. Es nimmt eine besondere Rolle in der Wirtschaft und Kultur ein und dient auch als Sprache der interethnischen Kommunikation. Viele bekannte Kirgisen, so etwa der Schriftsteller Tschingis Aitmatow, bedienten sich haupts√§chlich der russischen Sprache. Etwa 9¬†% der Bev√∂lkerung sprechen sie als Mutter- und weitere 34,5¬†% als Zweitsprache.

Seit der Unabh√§ngigkeit ist die Bedeutung des Kirgisischen gewachsen. Beide Sprachen, Kirgisisch und Russisch, werden heute im kyrillischen Alphabet geschrieben. W√§hrend f√ľr das Kirgisische bis 1926 noch das arabische Alphabet vorherrschend war, wurde es danach kurzzeitig durch das lateinische Alphabet abgel√∂st. 1940 erfolgte die √úbernahme des bis heute gebr√§uchlichen kyrillischen Alphabets. Eine R√ľckkehr zum lateinischen, wie in Usbekistan oder Turkmenistan, oder auch zum arabischen, wurde nach Erlangen der Unabh√§ngigkeit diskutiert, letztlich jedoch nicht durchgef√ľhrt.

Daneben ist aufgrund der gro√üen usbekischen Minderheit auch die usbekische Sprache verbreitet, besonders im s√ľdlichen Landesteil. Diese besitzt keine offizielle Stellung, auch wenn sie von 1,5¬†% der Einwohner als Zweitsprache gesprochen wird. 14¬†% sprechen sie als Muttersprache. Etwa 1¬†% der Einwohner sprechen Dunganisch.

Religion

Die ersten Religionen in Kirgisistan waren der Zoroastrismus und der Schamanismus, die bis heute Einfluss auf religi√∂se Traditionen in Kirgisistan haben. Im 7. und 8. Jahrhundert verbreitete sich zudem der Buddhismus vor allem im Norden des heutigen Kirgisistans bei der Bev√∂lkerung in den T√§lern der Fl√ľsse Tsch√ľi und Talas. Vereinzelte √úberreste buddhistischer Kultur in Kirgisistan wie der Wallfahrtsort Tamga Tasch zeugen bis heute von dieser vergleichsweise kurzen Epoche in der kirgisischen Religionsgeschichte, die durch die Islamisierung weitestgehend beendet wurde.

Seit der Islamisierung ab dem 10. Jahrhundert ist Kirgisistan vorwiegend muslimisch gepr√§gt. Die Verbreitung des Islams in Kirgisistan wurde w√§hrend der Sowjet√§ra durch den staatlich propagierten Atheismus und die strikte staatliche Kontrolle religi√∂ser Bildung und Kultur stark eingeschr√§nkt. Diese Einschr√§nkungen sorgten f√ľr eine verst√§rkte Differenzierung des Islams in Kirgisistan im Vergleich zur Religionsaus√ľbung in den √ľbrigen, nicht-sowjetischen Staaten mit sunnitischer Bev√∂lkerungsmehrheit. So kam es zur Bildung eines Volksislams, der religi√∂se Traditionen aus der pr√§islamischen Zeit mit dem Islam vereinte und zu einem folkloristischen und weniger institutionalisierten Islam f√ľhrte. Durch die vorsichtige Liberalisierung der Religionspolitik in der Sowjetunion in den 1980er-Jahren kam es zu einer Reislamisierung, die sich nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabh√§ngigkeit Kirgisistans beschleunigte. Diese Entwicklung wurde auch durch Einfl√ľsse aus dem islamischen Ausland angetrieben, wobei insbesondere Investitionen aus Saudi-Arabien und der T√ľrkei f√ľr den Bau von Moscheen und islamischen Bildungseinrichtungen pr√§gend waren. In der Verfassung der Kirgisischen Republik von 1993 wurde Kirgisistan als s√§kularer Staat definiert. Insgesamt zielte die kirgisische Politik nach der Unabh√§ngigkeit auf die Etablierung eines moderaten Islams ab, auch um die Ausbreitung des Wahhabismus und des fundamentalistischen Islamismus zu unterbinden. Das Zentrum des konservativen Islams in Kirgisistan befindet sich im Ferghanatal in der Umgebung von Osch, wo auch islamistische Organisationen wie Hizb ut-Tahrir aktiv sind. Unterschiedliche Quellen beziffern den Anteil der muslimischen Bev√∂lkerung in Kirgisistan auf 75 bis 80¬†%, dieser gliedert sich wiederum in eine gro√üe Mehrheit sunnitischer Muslime der hanafitischen Rechtsschule und wenige Tausend schiitische Muslime. Auch die im Land lebenden Minderheiten der Uiguren, Dunganen und Usbeken sind in der Regel Muslime. Bedeutende Unterschiede innerhalb der muslimischen Bev√∂lkerung in Kirgisistan gibt es in der Auslebung des Islams, wobei der S√ľden Kirgisistans insgesamt als konservativer und st√§rker religi√∂s gepr√§gt gilt. Im Norden des Landes ist der Islam als Folge der sowjetischen Religionspolitik kaum in der √Ėffentlichkeit vertreten, sondern st√§rker im Privaten verwurzelt. Zudem gibt es im n√∂rdlichen Landesteil eine gr√∂√üere russische Minderheit, die mehrheitlich dem Christentum angeh√∂rt. Diese Verschiedenheit ist ein Symptom der Spaltung Kirgisistans in den landwirtschaftlich gepr√§gten, konservativeren und religi√∂seren S√ľden und den russisch gepr√§gten, wirtschaftlich st√§rkeren und weniger religi√∂sen Norden.

Die zweitstärkste religiöse Gruppe ist das Christentum, mit einem Anteil von 20 % der Bevölkerung bilden Angehörige der Russisch-Orthodoxen Kirche dabei die größte christliche Religionsgemeinschaft. Auch andere christliche Religionsgemeinschaften wie die Zeugen Jehovas, die Nestorianer und das Mormonentum konnten in den letzten Jahren eine gewisse Verbreitung in Kirgisistan erreichen. Die Angehörigen der deutschen Minderheit sind teils Katholiken, teils Lutheraner. Weitaus kleinere Minderheiten bilden bucharische Juden und Buddhisten.

Geschichte

Mittelalter und Neuzeit

Das Gebiet des heutigen Kirgisistan wurde seit dem 8.¬†Jahrhundert von verschiedenen Volksst√§mmen bev√∂lkert, √ľber deren Sprache nichts Genaues bekannt ist. Vermutlich war ein Teil dieser St√§mme turksprachig. Ab 1219 geh√∂rte es zum Mongolenreich Dschingis Khans, nach dessen Tod zum Erbe Tschagatais, eines Sohnes von Dschingis Khan. Das Gebiet blieb mongolisch, bis es im 18.¬†Jahrhundert von den Chinesen unterworfen wurde.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eroberte das Russische Kaiserreich schrittweise das Land. Die russische Dominanz in Kirgisistan dauerte schließlich von 1876 bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 an.

Aktives und passives Frauenwahlrecht wurden im Juni 1918 eingef√ľhrt.

Staatliche Unabhängigkeit 1991

Am 31. August 1991 erklärte Kirgisistan seine Unabhängigkeit. Erster Präsident wurde Askar Akajew, der seit 1990 Staatspräsident der Kirgisischen SSR war und bei der Präsidentschaftswahl in Kirgisistan 1991 zum Präsidenten des unabhängigen Kirgisistans gewählt wurde.

In den ersten Jahren der Unabh√§ngigkeit tat sich Kirgisistan als ‚ÄěInsel der Demokratie‚Äú unter den Nachfolgerepubliken der Sowjetunion hervor. Sharipa Sadybakasova wurde 1995 als erste Frau nach der Unabh√§ngigkeit ins Unterhaus des nationalen Parlaments gew√§hlt, im selben Jahr vier Frauen ins Oberhaus.

Der Regierungsstil Akajews wurde ab Ende der 1990er Jahre zunehmend autorit√§r. Nach der Pr√§sidentschaftswahl in Kirgisistan 1995 wurde durch Referenden zur Verfassungs√§nderung im Februar 1996 und vor allem im Oktober 1998 die ohnehin starke Stellung des Pr√§sidenten zu Lasten des Parlaments weiter ausgebaut und der Trend zur autorit√§ren Pr√§sidialdemokratie best√§tigt. Der Pr√§sident wurde bei der Wahl im Jahr 2000 erneut wiedergew√§hlt, diesmal mit mehr Macht. Ein Verfassungsreferendum im Februar 2003 √§nderte daran wenig. In der Folge kam es h√§ufiger zu Unruhen, in denen sich der √§rmere S√ľden gegen den reicheren Norden erhob.

Tulpenrevolution 2005

H√∂hepunkt dieser Unruhen war die ‚ÄěTulpenrevolution‚Äú nach der Parlamentswahl vom Februar 2005. Sie f√ľhrte zum Sturz von Pr√§sident Akajew.

Aus der ‚ÄěTulpenrevolution‚Äú gingen der fr√ľhere Premierminister Kurmanbek Bakijew nach der Pr√§sidentschaftswahl in Kirgisistan 2005 als neuer Staatspr√§sident und der ehemalige Oberb√ľrgermeister von Bischkek Felix Kulow als Regierungschef hervor. Das Tandem hielt jedoch nicht lange, und Kulow ging ‚Äď Anfang 2007 ‚Äď in die Opposition. Pr√§sident Bakijew lie√ü am 21.¬†Oktober 2007 ein erneutes Verfassungsreferendum durchf√ľhren. Durch die Verfassungs√§nderungen ‚Äď die nach offiziellen Angaben von 75¬†% der Abstimmenden angenommen wurden ‚Äď st√§rkte der Pr√§sident seine Position beim Besetzen von Regierungsposten und beim Aufl√∂sen des Parlaments. Nach Annahme der Verfassungs√§nderungen l√∂ste Bakijew das Parlament und die Regierung von Premierminister Almasbek Atambajew auf.

Unruhen und Umsturz 2010

Im April 2010 kam es wegen der Unzufriedenheit in der Bev√∂lkerung zu Demonstrationen, die zunehmend gewaltt√§tiger wurden und schlie√ülich zu einem Regierungswechsel f√ľhrten. Pr√§sident Bakijew fl√ľchtete am 15. April nach Kasachstan. An seine Stelle trat eine √úbergangsregierung unter Ex-Au√üenministerin Rosa Otunbajewa. Sie legte eine Verfassungs√§nderung vor, um das Pr√§sidialsystem abzuschaffen. Im Verfassungsreferendum vom 27. Juni 2010 stimmten die B√ľrger dieser √Ąnderung zu. Sie schuf damit die Grundlage, als erster Staat Zentralasiens zu einer parlamentarischen Republik zu werden. Diese Schritte wurden jedoch in einem weiteren Verfassungsreferendum 2021 wieder r√ľckg√§ngig gemacht.

In den Wochen zuvor war es im S√ľden Kirgisistans zu schweren Unruhen zwischen Kirgisen und Usbeken gekommen. Es gab Hunderte Tote und Zehn- oder Hunderttausende fl√ľchteten, zumindest kurzzeitig. Die √úbergangsregierung warf den Anh√§ngern des gest√ľrzten Pr√§sidenten Bakijew vor, die Spannungen zwischen den beiden Ethnien zu instrumentalisieren, um das Verfassungsreferendum zu verhindern. Rechtzeitig vor der Abstimmung beruhigte sich die Lage wieder.

Politik

Politisches System

Das politische System Kirgisistans ist republikanisch und semi-präsidal mit schwankender Stärke der Rolle des Präsidenten. Durch eine Reform der Verfassung im Jahr 2010 wandelte sich das System hin zu einem parlamentarischen System, durch erneute Verfassungsänderungen (zuletzt 2021) wurde die Macht der Exekutive und des Präsidenten erneut zu ungunsten des Parlamentes verschoben.

Verfassung

Die Verfassung von 1993 war an westlichen Vorbildern orientiert und sah ein gewaltenteilendes Regierungssystem mit einer starken Stellung des Staatspräsidenten sowie einer weiten Palette an Grundrechten vor.

Am 27. Juni 2010 stimmte die Bev√∂lkerung Kirgisistans √ľber eine neue Verfassung ab. Das von der √úbergangsregierung ausgearbeitete Grundgesetz sieht eine Parlamentarische Republik nach deutschem Vorbild vor. Nach Angaben der Wahlkommission haben sich mehr als 90¬†% der Abstimmungsteilnehmer f√ľr die Verfassungs√§nderungen ausgesprochen. Durch das Verfassungsreferendum am 11. April 2021 wurde das kirgisische Regierungssystem zu einem Pr√§sidialsystem.

Parlament

Die Legislative liegt beim Einkammerparlament (Dschogorku Kengesch). Dieses besteht aus 120 Abgeordneten. Um den Einzug ins Parlament zu schaffen, muss eine Partei

  1. 5 % der Stimmen erzielen (bezogen auf die Gesamtzahl der Wahlberechtigten landesweit) und
  2. in jedem der sieben Gebiete und in den Städten Bischkek und Osch mindestens 0,5 % der Stimmen erreichen (bezogen auf die Gesamtzahl der Wahlberechtigten in jedem Gebiet).

Nach dem Wahlgesetz haben alle kirgisischen Staatsangeh√∂rigen ungeachtet ihrer Herkunft, Rasse, Geschlecht, Ethnie, religi√∂sen oder politischen √úberzeugung ab 18 Jahren das Recht zu w√§hlen und k√∂nnen ab 25 Jahren selbst gew√§hlt werden. Die Abgeordneten werden ausschlie√ülich √ľber Parteilisten und f√ľr f√ľnf Jahre gew√§hlt; die M√∂glichkeit von Einzelkandidaturen wurde im Jahr 2007 gestrichen.

Wahlergebnis 2015

Nach der Wahl vom 1. Oktober 2015 setzt sich das Parlament wie folgt zusammen:

Parteien und Regierung

Es gibt in Kirgisistan mehr als 80 politische Parteien (Stand: Februar 2007). Zu den Parlamentswahlen im Dezember 2007 wurden 12 Parteien zugelassen.

Die bis 2010 einflussreichste Partei war die im Vorfeld der Parlamentswahlen 2007 gegr√ľndete Pr√§sidentenpartei Ak Dschol. Sie war bis zur Parlamentswahl in Kirgisistan 2010 die regierende Partei. Die gr√∂√üte Oppositionspartei war die Partei Ata Meken, daneben auch Respublika, Ata-Schurt und Ar-Namys, als parlamentarische Oppositionspartei gab es die SDPK und die Partei der Kommunisten Kirgisistans. Nach der Wahlniederlage der Opposition in der Wahl von 2007 schlossen sich Anfang 2008 18 Organisationen (Oppositionsparteien und NGOs) zu einer Bewegung mit dem Namen ‚ÄěF√ľr Gerechtigkeit‚Äú zusammen.

An der Parlamentswahl 2010 nahmen 29 Parteien teil, von denen f√ľnf in das Parlament einzogen: Die nationalkonservative Ata-Schurt, die sozialdemokratische SDPK, die pro-russische Ar-Namys, die wirtschaftsliberale Respublika und die sozialistische Ata Meken. Nachdem eine Koalition aus SDPK, Respublika und Ata Meken nach wenigen Tagen gescheitert war, bildete sich Anfang Dezember 2010 eine Dreierkoalition aus SDPK, Respublika und Ata-Schurt. Achmatbek Keldibekow, der Parteichef von Ata-Schurt, wurde Parlamentspr√§sident, und der SDPK-Vorsitzende Almasbek Atambajew wurde Regierungschef.

Im Oktober 2020 verst√§rkte sich der interne Machtkampf, in dessen Verlauf Staatspr√§sident Sooronbai Dscheenbekow die Regierung entlie√ü, nachdem Ministerpr√§sident Kubatbek Boronow seinen R√ľcktritt erkl√§rt hatte. Oppositionsgruppen forderten Neuwahlen und den R√ľcktritt des Staatspr√§sidenten.

Politische Indizes

Verwaltungsgliederung

Kirgisistan ist in sieben Gebiete (kirgis. –ĺ–Ī–Ľ—É—Ā/oblus, pl. –ĺ–Ī–Ľ—É—Ā—ā–ĺ—Ä/oblustor; russ. –ĺ–Ī–Ľ–į—Ā—ā—Ć/oblast) sowie die zwei zu keinem Gebiet geh√∂renden St√§dte (—ą–į–į—Ä/schaar, dt. Stadt) Bischkek und Osch gegliedert. Die Gebiete sind wiederum in 40 Landkreise (—Ä–į–Ļ–ĺ–Ĺ/rajon, pl. —Ä–į–Ļ–ĺ–Ĺ–ī–ĺ—Ä/rajondor) unterteilt. Die Stadt Bischkek ist in vier Bezirke unterteilt. Die Landkreise wiederum sind in insgesamt 473 l√§ndliche Lokalverwaltungen (–į–Ļ—č–Ľ ”©–ļ–ľ”©—ā“Į/ajyl √∂km√∂t√ľ, dt. Dorfregierung) und 22 St√§dte untergliedert.

2016 lebten 35,9 % der Bevölkerung in Städten oder städtischen Räumen. Die größten Städte sind (Stand 2017):

  1. Bischkek: 965.500 Einwohner
  2. Osch: 254.500 Einwohner
  3. Dschalalabat: 104.500 Einwohner
  4. Karakol: 72.800 Einwohner
  5. Tokmok: 61.800 Einwohner

Menschenrechte

Kirgisistan ist den wichtigsten Menschenrechtsabkommen beigetreten und garantiert die Grundrechte in der Verfassung. Nach Einsch√§tzung des deutschen Ausw√§rtigen Amtes (Stand 2012) ist die Durchsetzung der Menschenrechte allerdings in der Praxis durch mangelnde rechtsstaatliche Tradition und eine fehlende unabh√§ngige Justiz erschwert. Die Opposition klagte zunehmend √ľber die Einschr√§nkung der Pressefreiheit und Meinungsfreiheit, √ľber Einsch√ľchterung von Regierungskritikern und Vetternwirtschaft seit 2008. Noch im Juli 2008 hatten Menschenrechtsaktivisten beim Verfassungsgericht einen Sieg errungen, als dieses einer Klage gegen die Versch√§rfung des Demonstrationsrechts in Bischkek stattgab. Die EU und Kirgisistan haben seit Oktober 2008 vier Runden des vereinbarten regelm√§√üigen Menschenrechtsdialogs abgehalten, die letzte am 19. September 2012 in Br√ľssel.

Die Zust√§nde auf Polizeistationen, in der Untersuchungshaft und in Gef√§ngnissen sind nach Einsch√§tzung des deutschen Ausw√§rtigen Amtes (Stand 2012) in vielen F√§llen menschenunw√ľrdig. In der Praxis seien Misshandlungen weiterhin verbreitet. Auch kommt es zu ungerechtfertigten Stra√üenkontrollen, bei denen h√§ufig Schmiergeld an die Polizei bezahlt werden muss.

In Bezug auf Folter und Misshandlungen meldete auch der UN-Ausschuss gegen Folter gravierende Verst√∂√üe. Im Dezember 2013 ver√∂ffentlichten Bericht √§u√üerte man sich besorgt √ľber die ‚Äěanhaltende und weitverbreitete Folter und Misshandlung festgehaltener Personen, insbesondere im Polizeigewahrsam, um Gest√§ndnisse zu erzwingen.‚Äú Im April 2014 kam der UN-Ausschuss f√ľr Menschenrechte zusammen mit dem Antifoltergremium zum Ergebnis, dass die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen von kirgisischen Sicherheitsbeh√∂rden nicht konsequent und unvoreingenommen aufgekl√§rt werden und dass die schuldigen T√§ter meist ungestraft davon kommen.

Die Todesstrafe ist seit 1998 nicht mehr vollstreckt worden. Am 27. Juni 2007 wurde sie per Gesetz in Friedenszeiten endg√ľltig abgeschafft und durch lebenslange Haft ersetzt.

Außenpolitik

Nach dem 11. September 2001 wurden auf einem St√ľtzpunkt nahe Manas, dem Flughafen von Bischkek, 5000 Soldaten der USA stationiert. Nach st√§rkeren Unruhen im Land wurde 2002 bei Kant wieder eine Truppenbasis der Streitkr√§fte Russlands eingerichtet, die auch nach der Errichtung der US-Truppenpr√§senz die wichtigste Rolle als Ordnungsmacht im √∂stlichen Zentralasien spielt. Ank√ľndigungen, den US-St√ľtzpunkt Manas Mitte 2009 zu schlie√üen, wurden zur√ľckgenommen, nachdem die USA h√∂here Finanzhilfen zusagten. Nach wiederholtem Druck Russlands auf die Regierung, die Genehmigung f√ľr die Nutzung der Basis auslaufen zu lassen, verlie√üen im Juni 2014 die letzten US-Soldaten den St√ľtzpunkt, was angesichts der laufenden Ukraine-Krise von kirgisischen Oppositionellen bedauert wurde.

Seit Dezember 2015 zeichnet sich eine bemerkbare Abk√ľhlung in den kirgisisch-russischen Beziehungen ab. Ausl√∂ser dieser Tendenz sind die ausbleibenden Investitionen aus Russland f√ľr den vertraglich geplanten Aufbau von Staud√§mmen auf dem Fluss Naryn, die die kirgisische Regierung seit Jahren als √∂konomisches Vorzeigeprojekt forciert. Die z√∂gerliche Haltung der russischen Seite in dieser Frage hat Pr√§sident Almasbek Atambajew auf einer Pressekonferenz anl√§sslich des Siegestages √ľber Nazi-Deutschland am 9. Mai 2016 angeprangert. Zudem beschwerte er sich offen √ľber die wachsende Fremdenfeindlichkeit in Russland. Auch zeigte er sich entt√§uscht √ľber die mangelnden Vorz√ľge der Eurasischen Union f√ľr sein Land.

Ein bestimmendes Thema der kirgisischen Au√üenpolitik ist zudem das Verh√§ltnis zum s√ľdwestlichen Nachbarland Tadschikistan. Ungekl√§rte Grenzfragen sind der Grund f√ľr den seit Jahren in unterschiedlicher Intensit√§t andauernden Kirgisisch-Tadschikischen Grenzkonflikt, der ein wichtiges Thema kirgisischer Diplomatie darstellt.

Kirgisistan ist Mitglied der Gemeinschaft unabh√§ngiger Staaten (GUS), der Shanghaier Organisation f√ľr Zusammenarbeit (SCO), der Organisation des Vertrags √ľber kollektive Sicherheit (OVKS), der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), der Economic Cooperation Organization (ECO), der Organisation f√ľr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) und des Zentralasien-Gipfels der T√ľrkischen Republiken (OATCT). Als einer von sechs unabh√§ngigen Turkstaaten ist das Land au√üerdem Mitglied des T√ľrkischen Rates sowie der T√úRKSOY-Gemeinschaft.

Seit 2003 unterst√ľtzt die Weltbank die l√§ndlichen Gemeinden bei der Erstellung und Durchf√ľhrung ihrer eigenen √∂rtlichen Investitionspl√§ne, und ein deutsches Projekt, von der KfW finanziert, hat sich 2005 ebenfalls an dieser Aufgabe beteiligt.

Beziehung zu Kasachstan

Seit der Unabh√§ngigkeit 1991 pflegte Kirgisistan gutnachbarschaftliche Beziehungen zu seinem n√∂rdlichen Nachbar Kasachstan. Das Verh√§ltnis verschlechterte sich allerdings mit der Revolution in Kirgisistan im Jahr 2010 massiv, als die kasachische Seite die gemeinsame Grenze geschlossen hatte. Dieser Schritt wurde in Bischkek als von Astana betriebene Blockade, welche die sozio√∂konomische Lage innerhalb des Landes verschlimmert h√§tte, eingestuft. Die kirgisischen Offiziellen warfen der kasachischen F√ľhrung au√üerdem vor, die Flucht des im Zuge der Revolution gest√ľrzten Pr√§sidenten Kurmanbek Bakijew organisiert zu haben. Mehrere weitere Streitpunkte, wie etwa das in Kasachstan hergestellte Tuberkulosenmittel FS-1, durch dessen Anwendung zwei kirgisische Staatsb√ľrger gestorben sein sollen, oder die Erh√∂hung der Internetpreise in Kirgistan durch kasachische Internetprovider etc. belasteten in den Folgejahren die beiderseitige Beziehungen zusehends.

2017 erreichten die Spannungen eine neue Eskalationsstufe, nachdem der scheidende kirgisische Pr√§sident Almasbek Atambajew seinem kasachischen Amtskollegen Nursultan Nasarbajew vorwarf, sich in den laufenden kirgisischen Pr√§sidentschaftswahlkampf einzumischen. Ausl√∂ser war Nasarbajews angebliche √Ąu√üerung, wonach Kirgisistan eine junge Regierung brauche. Atambajew erwiderte: ‚ÄěDer √§lteste Pr√§sidentschaftskandidat in Kirgisistan ist 20 Jahre j√ľnger als Nasarbajew. Ich selbst bin 16 Jahre j√ľnger. Wer braucht nun einen j√ľngeren Pr√§sidenten: Wir oder Kasachstan?‚Äú. Das angespannte politische Klima f√ľhrte zu versch√§rften Kontrollen an der Grenze zwischen beiden L√§ndern. Da Kirgisistan gerade wirtschaftlich von Kasachstan abh√§ngig ist, k√ľndigte die Regierung an, in der Zukunft mit Tadschikistan und China enger kooperieren zu wollen, um neue M√§rkte und Lieferrouten f√ľr die kirgisische √Ėkonomie zu erschlie√üen.

Wirtschaft

Das 1991 unabh√§ngig gewordene Land √ľbernahm eine vollkommen auf den Markt der Sowjetunion ausgerichtete Wirtschaftsstruktur. Die Restrukturierung derselben und die Privatisierung der Betriebe wurden zwar in Angriff genommen, auch mit Hilfe internationaler Organisationen wie des IWF und der Weltbank, gerieten aber immer wieder wegen Korruption, politischer Opposition und mangelndem Investoreninteresse ins Stocken. Dennoch bekam die Regierung ein √∂konomisches Grundproblem postsowjetischer Staaten, hohe √∂ffentliche Ausgaben bei gleichzeitigem Einbruch der Staatseinnahmen, relativ gut in den Griff. Das Haushaltsdefizit nahm im Laufe der 1990er Jahre stetig ab, so dass 2001 sogar ein kleiner √úberschuss vermeldet werden konnte. Die Haushaltsplanung aber blieb problematisch. Naturkatastrophen in den darauffolgenden Jahren erh√∂hten die √∂ffentlichen Ausgaben und sorgten f√ľr ein Haushaltsdefizit 2002 und 2003. Ein gro√üer Schwarzmarkt (gesch√§tzte 40‚Äď50¬†% des Bruttoinlandsproduktes), korrupte und inkonsequente Steuereintreibung und niedrige Steuers√§tze sorgen f√ľr beschr√§nkte Haushaltsmittel; Ma√ünahmen wie eine Erh√∂hung der Mehrwertsteuer im Jahr 2004 auf 20¬†% wurden ergriffen. Kirgisistan ist der zweit√§rmste Staat ‚Äď nach Tadschikistan ‚Äď Zentralasiens.

Eine strenge W√§hrungspolitik konnte die Inflation von √ľber 700¬†% (1993) und 200¬†% (1994) auf Werte um 4¬†% im Jahre 2006 dr√ľcken. Dennoch ist die Armut nicht zur√ľckgegangen. Laut der Asian Development Bank leben 25,4¬†% (2016) der Bev√∂lkerung unter der Armutsgrenze. Im Jahr 2008 stieg die Inflation wieder auf 25¬†%. 2016 lag sie nur noch bei 0,4¬†%. Die Arbeitslosenquote wird 2017 mit 7,4¬†% angegeben.

Ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor sind auch die im Ausland ‚Äď vor allem in Russland, aber auch in Kasachstan ‚Äď arbeitenden Kirgisen. Laut Sch√§tzungen haben (vor der globalen Wirtschaftskrise ab 2008) zwischen 500.000 und 800.000 Gastarbeiter Zahlungen nach Kirgisistan √ľberwiesen, die rund 25¬†% des BIP ausmachten.

Kirgisistan ist seit dem 15. August 2015 Mitglied in der Eurasischen Wirtschaftsunion.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (Kaufkraftparität) angeben.

Regionale Disparitäten

W√§hrend zu Sowjetzeiten im Norden moderne urbane Zentren gegr√ľndet wurden, blieb der S√ľden mit seiner gro√üen usbekischen Minderheit l√§ndlicher gepr√§gt. Ethnische Konflikte im S√ľden sowie eine Unterrepr√§sentanz des S√ľdens in der kirgisischen Politik bergen weiter ein Spannungspotenzial. Diesem wird mit pr√§sidialer Kontrolle √ľber die Provinzgouverneure einerseits sowie Investitionsprogrammen f√ľr den S√ľden andererseits zu begegnen versucht.

Landwirtschaft

Mit 35¬†% des BIP ist die Landwirtschaft die Basis kirgisischer Wirtschaft. 75¬†% des Ackerlandes wurden an die l√§ndliche Bev√∂lkerung verteilt, der Rest wurde den l√§ndlichen Gemeindeverwaltungen unterstellt, damit sie durch Pachteinnahmen eine eigene Finanzquelle haben. 85¬†% der landwirtschaftlichen Produktion stammen mittlerweile aus Privatbetrieben. In der kirgisischen Landwirtschaft sind nach dem starken R√ľckgang im Zuge des Zusammenbruchs der UdSSR seit einigen Jahren wieder Zuw√§chse zu verzeichnen, und die Gesamtproduktion liegt heute deutlich √ľber der der letzten Sowjetjahre. Angebaut werden in den T√§lern vorwiegend Weizen, Kartoffeln, Zuckerr√ľben und Gem√ľse, im S√ľden au√üerdem Tabak und Baumwolle. Problematisch f√ľr die Landwirtschaft sind das unbest√§ndige Wetter, zahlreiche Naturkatastrophen und die Knappheit von D√ľngemitteln, Maschinen und Treibstoff.

Dienstleistungen

Mit √ľber 35¬†% tr√§gt der Dienstleistungssektor seit einiger Zeit in einem h√∂heren Ma√üe zum BIP bei als die lange dominierende Landwirtschaft. Die Liberalisierung der kirgisischen Wirtschaft f√ľhrte zum Entstehen unz√§hliger Familienbetriebe im Einzelhandels- und Nahrungsmittelgewerbe.

Tourismus

Kirgisistan ist touristisch bislang wenig erschlossen. Tourismus findet vor allem in Spezialsegmenten auf niedrigem Niveau statt. So ist das Land bei Extremtourenfahrern ein beliebtes Abenteurerziel. Gleichfalls hat das Land bei Spezialveranstaltern f√ľr Studien-, Ethno- und Jagdreisen seinen festen Platz. Mitte der neunziger Jahre engagierte sich die Schweizer Helvetas, eine halbstaatliche Entwicklungsorganisation, und die deutsche GIZ, um in der Region Bischkek, dem Yssykk√∂l und im kasachisch-chinesischen L√§nderdreieck hochpreisigen, sanften Agro- und Aktivtourismus bei Nomaden zu implementieren. Zielgruppe waren Westeurop√§er und Japaner. Zu dieser Zeit trat das Land auf gro√üen Touristikmessen wie der ITB auf und bewarb seine Visafreiheit und demokratischen Strukturen als Schweiz Asiens, meinte damit aber lediglich den Norden bis zum Kasarman-Pass. Der S√ľden des Landes war zu dieser Zeit der Bischkeker Zentralregierung durch Unruhen in Osch und Dschalalabat sowie einsickernde Mudschahedin, die ihre Drogenrouten durch Geiselnahmen ausl√§ndischer Expats absicherten, weitgehend entzogen. Die Tulpenrevolution 2005 versetzte den touristischen Bestrebungen einen R√ľckschlag. So beschr√§nkt sich der Fremdenverkehr nach 2010 gr√∂√ütenteils auf die j√§hrlich etwa 400.000 Besucher aus den ehemaligen Sowjetrepubliken und auf junge Abenteuer- und √§ltere Studientouristen.

Das bekannteste Ziel ist der See Yssykköl im Norden des Landes. 2006 und 2007 kamen mehr als eine Million Besucher an den See, die meisten aus den ehemaligen Sowjetstaaten. Die beliebtesten Strände sind in der Umgebung der Städte Cholpon-Ata, Kara-Oi (Dolinka), Bosteri und Korumdy. Die umliegenden Berge und Gletscher sind Ziel von Trekkingtouren.

Bergbau

Kirgisistan hat reiche Vorkommen an mineralischen Bodenschätzen. Die Lagerstätten an Erdgas, Erdöl und Kohle sind hingegen vernachlässigbar. Das ohnehin beschränkte Potenzial kann aufgrund mangelnder und mangelhafter Anlagen nicht optimal genutzt werden.

Kirgisistan besitzt Uranvorkommen; eine Anlage zur Herstellung von angereichertem Uran ist in Planung. Diese soll von einem russisch-kasachisch-kirgisischen Joint Venture erstellt und betrieben werden; die Gelder kommen zum Großteil aus Russland. Ein erhebliches Problem, das dringend gelöst werden muss, sind die vielen ungesicherten nuklearen Abfalllager aus sowjetischer Zeit; die Weltbank hat 2004 mit einem ersten Projekt diese Problematik in Angriff genommen.

Des Weiteren besitzt Kirgisistan enorme Vorkommen an Seltenen Erden und Gold. In internationalen Geologenkreisen nennt man die Region "Tien Shan Gold Belt". Sie erstreckt sich √ľber Kirgisistan, Usbekistan und Tadschikistan. Das Kumtor-Vorkommen mit 18 Millionen Unzen Gold z√§hlt mit zu den gr√∂√üten Goldvorkommen der Welt; es wird vom kanadischen Unternehmen Centerra ausgebeutet. Weitere gro√üe Vorkommen: Jerooy (5,6 Millionen Unzen), Taldy-Balak (4,1 Millionen Unzen), Chaarat (4 Millionen Unzen), Kuru-Tegerek (3 Millionen Unzen).

Industrie

Weitere 15¬†% des BIP bildet die Industrie, vorrangig die Gewinnung von Gold und in geringerem Ausma√ü Antimon aus Minen in den abgelegenen Bergregionen des Landes. Die staatseigene Gesellschaft Kyrgysaltyn √ľberwacht die T√§tigkeiten aller Minen.

Mit Ausnahme der Textil- und Nahrungsmittelindustrie k√∂nnen andere Industriebranchen kein oder kaum Wachstum seit den fr√ľhen 1990er Jahren nachweisen; im Vergleich zu den anderen GUS-Staaten war der R√ľckgang der Industrieproduktion um 70¬†% deutlich.

Wirtschaftsbeziehungen

Als erster GUS-Staat wurde Kirgisistan 1998 als erster Staat Zentralasiens Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) und blieb bis 2015 einziges zentralasisches Mitglied. Geschichte und isolierte Lage des Landes binden es aber weiterhin eng an die anderen ehemaligen Sowjetrepubliken. Die Auslandsverschuldung bel√§uft sich auf eine Milliarde Euro (das entspricht 85¬†% des BIP) und ist vor allem auf schlecht geplante und durchgef√ľhrte Investitionsprogramme zur√ľckzuf√ľhren, die mit ausl√§ndischen (insbesondere t√ľrkischen und russischen) Krediten in den ersten Jahren der Unabh√§ngigkeit finanziert wurden. Ziel der Regierung war es daher, ausl√§ndische Direktinvestitionen ins Land zu bekommen sowie den Exportsektor jenseits des traditionellen Goldexports auszubauen. Dieser sorgt f√ľr 40¬†% der Exporteinnahmen und sogar f√ľr √ľber zwei Drittel der Einnahmen aus Exporten in Nicht-GUS-Staaten. Importiert wird haupts√§chlich aus China, daneben aus Russland. Chinesische Produkte werden hier weiter verarbeitet und dann exportiert. Kasachstan entwickelte sich zum Hauptexportmarkt zu Lasten Usbekistans, mit dem es wiederholt zu Grenzstreitigkeiten gekommen ist.

Seit dem 12. August 2015 ist Kirgisistan Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 2,35 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 2,04 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 4,8¬†% des BIP. Die Staatsverschuldung lag 2016 bei 58,5¬†% des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 6,4¬†%
  • Bildung: 4,9¬†% (2005)
  • Milit√§r: 1,4¬†% (2005)

Infrastruktur

Straße

Hochgebirge trennen den Norden und den S√ľden Kirgisistans. Die Verkehrsverbindungen sind grunds√§tzlich mangelhaft, abgesehen von der Gegend um Bischkek. Eine ganzj√§hrig benutzbare Stra√üenverbindung von Bischkek in den S√ľden besteht erst seit 2003. In den Gebieten Osch, Batken und Dschalalabat sind die Hauptdurchgangsstra√üen durch h√§ufige Grenz√ľberg√§nge durch usbekisches und tadschikisches Gebiet behindert, da der Stra√üenbau w√§hrend der Sowjetzeit ohne Ber√ľcksichtigung administrativer Grenzen ausgef√ľhrt wurde. Es gibt zwei Stra√üenverbindungen nach China ‚Äď den Torugart-Pass und die Route √ľber Irkeschtam ‚Äď, die im Winter h√§ufig durch schwere Schneef√§lle und Lawinen blockiert sind.

Die Nummerierung der Hauptstraßen entspricht noch der sowjetischen Nummerierung. Es handelt sich dabei um: M39, M41 (Teil des Tian-Shan- sowie des Pamir-Highway)
A361, A362, A363, A364, A365, A366, A367, A371, A372, A373.

Asienstra√üen: AH5, AH 7, AH 61, AH65 ‚Äď insges. 1.695¬†km.

Europastraßen: E40, E60, E125, E007, E010, E011.

Siehe auch Liste der Passstraßen in Kirgisistan

Luftverkehr

Kirgisistan verf√ľgt √ľber drei internationale Flugh√§fen: den Flughafen Manas in der Hauptstadt Bischkek, den Flughafen Osch und den Flughafen Tamtschi-Yssykk√∂l n√∂rdlich des Issyk Kul (seit 2014).

Schiene

Das winzige Schienennetz ‚Äď im Grunde lediglich letzte Ausl√§ufer des ehemaligen sowjetischen Eisenbahnnetzes und heute durch die Grenzen mit Kasachstan und Usbekistan durchschnitten ‚Äď hat eine L√§nge von nur 370¬†km und spielt kaum eine Rolle im inl√§ndischen Verkehr. Die eingleisige, nicht elektrifizierte Zweigstrecke der Turksib von Lugowoi √ľber Bischkek nach Balyktschy stellt dagegen die einzige l√§ngere Strecke der Kirgisischen Staatseisenbahn (kirgisisch –ö—č—Ä–≥—č–∑ –Ę–Ķ–ľ–ł—Ä –Ė–ĺ–Ľ—É/ Kyrgys Temir Scholu) dar. Allerdings bestehen fahrplanm√§√üige Personen- und Frachtverbindungen bis nach Moskau, Nowokusnezk und Jekaterinburg.

Wasser

Auf dem See Yssykköl besteht geringer Schiffsverkehr.

Die √∂ffentliche Wasserversorgung ist im ganzen Land unzureichend. Selbst Gemeinden, die nahe am Yssykk√∂l liegen, haben teilweise nur wenige Stunden am Tag flie√üendes Wasser. Spannungen bietet zudem die Toktogul-Talsperre. Die Talsperre liegt nahe an der Grenze zu Usbekistan. Deshalb kommt deren Nutzen ‚Äď Bew√§sserung und Hochwasserschutz ‚Äď haupts√§chlich Usbekistan zugute, wird aber von Kirgisistan kontrolliert. Aus diesem Grunde gibt es vertragliche Vereinbarungen, aber auch Auseinandersetzungen zwischen beiden Nachbarl√§ndern.

Kultur

Einen zentralen Platz in der kirgisischen Kultur nehmen Pferdezucht und Jurte ein. Der Stellenwert der Jurte l√§sst sich leicht an der Tatsache ablesen, dass die Nationalflagge das Gest√§nge einer Jurte um die obere Rauchabzugs√∂ffnung (den T√ľnd√ľk) darstellt. Die Strahlen im Kreis stellen die verschiedenen kirgisischen St√§mme dar, die sich unter Manas vereinigt haben.

Filz- und Lederbearbeitung haben eine lange Tradition.

Die Falkenjagd, insbesondere mit Adlern, wie auch die Jagd mit Windhunden (insbesondere mit dem einheimischen Taigan) hat auch eine lange Tradition im Land.

Medien

Bei der Situation der Pressefreiheit im Land gibt es laut der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen ‚Äěerkennbare Probleme‚Äú.

In Kirgisistan gibt es vier landesweit erscheinende Tageszeitungen. Im Jahr 2017 nutzten 38 Prozent der Einwohner Kirgisistans das Internet. Rundfunksender sind mit Audio-/Video-Streams im Internet unter azattyk.org und ktrk.kg vertreten. Auf Kurzwelle sind Sendungen des ersten Programms von Kyrgyz Radio Bishkek auch auf den Frequenzen 4010 und 4795 kHz in den Nachmittags-/Abendstunden in Mitteleuropa gelegentlich zu empfangen.

Ein TV-Vollprogramm liefert der staatliche Fernsehsender ElTR.

Literatur

Das zentrale Werk der kirgisischen Literatur ist das gro√üe Manas-Epos, erheblich l√§nger als die Odyssee und seit etwa 1000 Jahren durch m√ľndliche √úberlieferung bewahrt und weitergeformt. Es besingt die Taten des mythologischen Helden Manas und seiner Gef√§hrten, die im 10. Jahrhundert im Kampf gegen die benachbarten Uiguren die kirgisische Freiheit bewahrten. Die moderne Prosaliteratur entstand um 1930. Der bekannteste moderne kirgisische Autor war der in russischer Sprache schreibende Tschingis Aitmatow, der einen Teil seiner Werke ins Kirgisische √ľbertrug. Weniger bekannt ist der Autor und √úbersetzer Sooronbay Zhusuyev (* 1925).

Sport

Die Kirgisen konnten seit ihrer Unabhängigkeit bisher vier olympische Medaillenträger feiern. Die mit 48 Aktiven bislang größte Olympiamannschaft stellte Kirgisistan 2000 in Sydney; zu den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro sandte Kirgisistan 19 Athleten.

Die Kirgisische Fu√üballnationalmannschaft der M√§nner konnte sich bisher nicht f√ľr eine Weltmeisterschaft qualifizieren. 2019 nahm sie erstmals an der Endrunde der Asienmeisterschaft teil, wo sie nach beachtlicher Turnierleistung im Achtelfinale mit 2:3 nach Verl√§ngerung gegen die Gastgeber aus den VAE ausschied. Nationalstadion ist das Dolen-Omurzakov-Stadion in Bischkek.

Im Jahre 2015 nahm erstmals die kirgisische E-Sports-Nationalmannschaft der Sparte CounterStrike:Global Offensive an ‚ÄěThe World Championships‚Äú teil.

Literatur

  • Judith Beyer, Roman Knee: Kirgistan: Ein ethnografischer Bildband √ľber Talas / Kirgistan: A photoethnography of Talas. Hirmer-Verlag, M√ľnchen 2007, ISBN 978-3-7774-3805-4.
  • Wassilios Klein: Das nestorianische Christentum an den Handelswegen durch Kyrgyzstan bis zum 14. Jh. (= Silk Road Studies. 3). Brepols, Turnhout 2000, ISBN 2-503-51035-3.
  • Thomas Kunze: Zentralasien. Portr√§t einer Region. Christoph Links Verlag, Berlin 2018. ISBN 978-3-86153-995-7.
  • Jakob Lempp, Alexander Wolters: Das politische System Kirgistans. In: Jakob Lempp, Sebastian Mayer, Alexander Brand (Hrsg.): Die politischen Systeme Zentralasiens ‚Äď Interner Wandel, externe Akteure, regionale Kooperation. Springer VS, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-31633-4, S. 75‚Äď90.
  • Thomas Scholl: Kirgistan entdecken. (= Trescher Reihe Reisen). 2. Auflage. Berlin 2006, ISBN 3-89794-076-0.
  • Peter Scholl-Latour: Das Schlachtfeld der Zukunft. Zwischen Kaukasus und Pamir. 1. Auflage. Siedler, Berlin 1996, ISBN 3-88680-602-2.
  • Friedrich Hitzer, Tschingis Aitmatow: Kindheit in Kirgisien. Unionsverlag, Z√ľrich 2010, ISBN 978-3-293-20480-5.
  • Aus dem Steppenleben Ru√ülands. In: Die Gartenlaube. Heft 13, 1867, S.¬†197‚Äď200 (Volltext [Wikisource] ‚Äď illustriert von Heinrich Leutemann).¬†

Weblinks

  • botschaft-kirgisien.de: Konsularabteilung in Berlin
  • Amnesty International, amnesty.de: Bericht 2019
  • Deutschlandfunk.de Wissenschaft im Brennpunkt 1. M√§rz 2020, Dagmar R√∂hrlich: Kirgistans nukleares Erbe

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (8)

Bezeichnung der Regionen: Gebiet
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Batken 40.331959 39.381691 69.276619 72.109795  
Bishkek  
Dschalalabat 42.156296 40.256115 70.178894 74.908089  
Naryn 42.474075 40.277287 73.347582 78.216438  
Osch 40.782661 39.172844 71.490394 74.700386  
Talas 42.832809 41.370205 70.871117 73.850444  
Tsch√ľi 43.238235 41.991234 73.023163 77.194237  
Yssykk√∂l 42.951714 41.138474 75.583566 80.28318  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Kyrgyzstan

Name englisch: Kyrgyzstan
Hauptstadt: Bishkek
Kfz: KS
ISO: KG
ISO3: KGZ
Fläche: 198500 km²
Tld: .kg
Wärung Einheit: KGS
Währung: Som
Vorwahl: 996

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 43.265357
südlichster Punkt: 39.180254
westlichster Punkt: 69.250998
östlichster Punkt: 80.2265593


 
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