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Staat Informationen : Syrien

Informationen:


Syrien (amtlich Syrische Arabische Republik, arabisch Ű§Ù„ŰŹÙ…Ù‡ÙˆŰ±ÙŠŰ© Ű§Ù„ŰčŰ±ŰšÙŠŰ© Ű§Ù„ŰłÙˆŰ±ÙŠŰ©Â al-DschumhĆ«riyya al-Êżarabiyya as-sĆ«riyya) ist ein Staat in Vorderasien und Teil des Maschrek. Syrien grenzt im SĂŒden an Israel und Jordanien, im Westen an den Libanon und das Mittelmeer, im Norden an die TĂŒrkei und im Osten an den Irak. Die Insel Zypern befindet sich etwa 125 km Luftlinie von der syrischen KĂŒste entfernt. Mit rund 185.000 kmÂČ ist Syrien ungefĂ€hr halb so groß wie Deutschland. Im Jahr 2010 lebten knapp 21 Mio. Menschen im Land, die meisten in Aleppo, der Hauptstadtregion von Damaskus, in Homs, Hama und Latakia.

Die 63 v. Chr. begrĂŒndete römische Provinz Syria war reich und bedeutend, nach der Islamisierung im Jahr 634 wechselte das Gebiet zwischen HerrschaftsansprĂŒchen. Die Syrische Republik wurde erstmals im Jahr 1930 gegrĂŒndet und im Jahr 1946 unabhĂ€ngig. Seit einem Staatsstreich 1963 regiert die arabisch-sozialistische Baath-Partei das Land diktatorisch.

Seit FrĂŒhjahr 2011 entwickelte sich aus Demonstrationen gegen die syrische Regierung der BĂŒrgerkrieg in Syrien, der bislang (Stand 3/2017) nach SchĂ€tzung der Syrischen Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte mehr als 465.000 Todesopfer gefordert hat. Mehr als 5 Mio. Syrer sind (Stand 3/2017) aus dem Land geflohen, ĂŒberwiegend in NachbarlĂ€nder oder nach Europa. 6,3 Mio. weitere sind innerhalb Syriens auf der Flucht. Der BĂŒrgerkrieg fĂŒhrte zu einer De-facto-Teilung des Landes. Die Terrororganisation Islamischer Staat kontrollierte im Mai 2015 ĂŒber die HĂ€lfte des syrischen Staatsgebiets, in dem allerdings kaum 15 % der Bevölkerung leben, wĂ€hrend die Hauptstadt Damaskus, 10 der 13 ProvinzhauptstĂ€dte und die dicht besiedelten Gebiete im Westen des Landes, in dem die Mehrheit der Bevölkerung lebt, weiterhin unter der Kontrolle syrischer Regierungstruppen stehen. Die restlichen Gebiete werden von Rebellengruppen wie der Freien Syrischen Armee, kurdischen Milizen und dem al-Qaida-Ableger al-Nusra-Front kontrolliert.

Neben sunnitischen Muslimen gibt es in Syrien etwa 12 % Alawiten. Bereits in vorislamischer Zeit lebten Christen in Syrien, sie stellen heute noch etwa 10 % der Bevölkerung. Es gibt im Land acht staatliche und mehrere private UniversitĂ€ten, darunter die deutsch-syrische Wadi International University. Wirtschaftlich sind fĂŒr Syrien die Landwirtschaft, die Förderung und der Export von Erdöl sowie die Erzeugung von Textilien und Nahrungsmitteln bedeutend. Durch den BĂŒrgerkrieg brach die Wirtschaftsleistung jedoch stark ein, die Syrische Lira unterlag zeitweise einer starken Inflation.

Etymologie

Der Name Syrien ist in der bilingualen Çineköy-Inschrift aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. belegt, wo er auf Phönizisch als ÊŸĆĄr, „Assur“ und ÊŸĆĄrym, „Assyrer“, und auf Luwisch als Sura/i vorkommt. Einige Forscher glauben, dass es sich um ein Derivat des griechischen ÎŁÏÏÎčÎżÎč (SĂœrioi) oder ÎŁÏÏÎżÎč (SĂœroi) handelt, das als áŒˆÏƒÏƒÏ…ÏÎŻÎ± (Assyria) aus dem akkadischen AĆĄĆĄur abgeleitet sein könnte.

In der Behistun-Inschrift wird Syrien unter dem Begriff Syria (Surija) als 16. Satrap des altpersischen Reiches aufgezĂ€hlt und umfasst Zypern, Syrien, Jordanien, Libanon, Israel, Phönizien, Palestina, also das gesamte Kanaan bis zur Grenze Ägyptens und Arabiens. Sitz des Satrapen war Damaskus. Nach Ansicht einiger Forscher ist der Name daher nicht von Assyria abgeleitet. Von ihnen wird eine Ableitung von Tyros (áčąĆ«r) angenommen. Im Kurdischen ist „Soryan“ ein mögliches Derivat und wird mit „weiße Quelle“ ĂŒbersetzt, was vielleicht zum Ursprung fĂŒhrt.

Belegt ist auch ein akkadischer Name Ć ubartum/Subartum (sumerisch KUR SU.BIR4KI; assyrisch mĂąt Ć ubarri und mĂątsu-bar-te), der jedoch nur ungenau nördlich von Babylon lokalisiert werden kann und nach Naram-Sin wohl die ganze Region nordwestlich von Mesopotamien bis zum Amanusgebirge umschreibt. Er findet sich u. a. in Ugarit als Ć br und in den Armanabriefen des neuen Reiches von Ägypten wieder. Die Sprache der Subartu wird akkadisch als SuKI/SU.BIR4AKI bezeichnet und könnte eine nordsemitische Sprache meinen. Seit dem Ende der neuassyrischen Zeit und besonders in neubabylonischer Zeit wird Ć ubartu auch als Bezeichnung fĂŒr Assyrien verwendet, als Assyrien die Kontrolle ĂŒber weite Gebiete Kleinasiens erlangte. AĆĄĆĄur-uballit soll die Ć ubarĂ€er (SubĂ€er) unterworfen haben. Demnach wĂ€re der Name seit mindestens 5500 Jahren ĂŒberliefert und hat sich in dieser Zeit sowohl regional als auch linguistisch zu seiner heutigen Form weiterentwickelt. Die arabische Kurzform kommt in zwei Formen vor: SĆ«riyā (ŰłÙˆŰ±ÙŠŰ§) und SĆ«riya (ŰłÙˆŰ±ÙŠŰ©, bei Aussprache der Endung SĆ«riyatun), jeweils ohne Artikel.

Aus der griechischen Antike ist der Name Koilesyrien („Hohles oder Hohes Syrien“) bekannt, das sĂŒdlich des Eleutheris-Flusses (griechischer Name, heute Nahr al-Kabir al-Janoubi) einem Grenzfluss zwischen Jordanien und Syrien lokalisiert war und neben den Provinzen Syria und Syria Palaestina von Plinius auch genannt worden. Die syrische Sprache das (OstaramĂ€isch) war im 1. Jahrtausend v. Chr. zur Handelssprache aufgestiegen und daher noch wesentlich weiter verbreitet.

Offenbar hatte sich mit der Herrschaft der Assyrer (Neuassyrisches Reich 911–605 v. Chr.) eine Gleichsetzung von Assyrien und Syrien vollzogen, die aber unter dem Neubabylonischem Reich (612–539 v. Chr.) als neubabylonisches Ebir-nāri (aramĂ€isch Abar-Nahara, syrisch 'Ābēr Nahrā) neu definiert und vom Altpersischen Reich (539–332 v. Chr.) ĂŒbernommen wurde. Nun umfasste Syrien die gesamte kanaanitische KĂŒste, wurde in der griechischen Antike seit dem Sieg Alexanders ĂŒber die Perser 325 v. Chr. ĂŒbernommen und hatte durch die Verbreitung des Christentums und schließlich des Islams bis ins Mittelalter Bestand. Dieses Syrien beschreibt also ein erheblich grĂ¶ĂŸeres Gebiet als den heutigen Staat, das vom Mittelmeer und Taurus im Norden und der Arabischen Halbinsel und Mesopotamien im SĂŒden begrenzt wird. Die heutige Lokalisierung beruht also im Wesentlichen auf dem Islam und dessen Verwaltungseinheiten.

Geographie

Seine heutigen Grenzen erhielt Syrien nach dem Ersten Weltkrieg durch die Aufteilung des bis dahin vom Osmanischen Reich beherrschten Arabischen Ostens unter die SiegermĂ€chte Großbritannien und Frankreich durch das geheim verhandelte Sykes-Picot-Abkommen von 1916. UrsprĂŒnglich verstand man unter Syrien den ganzen westlichen Zweig des Fruchtbaren Halbmonds, wie Arthur Ruppin 1916 schrieb:

Landschaften

Syrien erreicht auf etwa 193 km die OstkĂŒste des Mittelmeeres, direkt nördlich des Staates Libanon. Entlang dieser KĂŒste erstreckt sich eine schmale Ebene. Parallel zu ihr verlĂ€uft – in etwa 20 km Abstand zur KĂŒste – das Alawitengebirge, dessen Ostabhang steil zur fruchtbaren Orontes-Ebene abfĂ€llt. An dessen Ostseite erhebt sich das nordsyrische Kalksteinmassiv, das geologisch den aufgebogenen Westrand der zentralsyrischen Ebene darstellt und in östlicher Richtung sanft abfĂ€llt. Diese Ebene wird weiter sĂŒdlich vom Antilibanon-Gebirge mit dem 2814 m hohen schneebedeckten Gipfel des Hermon (arabisch ŰŹŰšÙ„ Ű§Ù„ŰŽÙŠŰźÂ Dschabal asch-Schaich) gegen Westen abgeschirmt. Hier entspringen kleinere FlĂŒsse, die das ganze Jahr ĂŒber Wasser fĂŒhren und Oasenbildung ermöglichen; darunter die beiden FlĂŒsse Barada und Aaouaj, welche die Damaskus umgebende Oase Ghuta bewĂ€ssern.

Auf der Hochebene im Osten und SĂŒdosten Syriens dehnt sich die Syrische WĂŒste aus, die in ihrem Zentrum von kleineren HĂŒgelketten unterbrochen wird und allmĂ€hlich gegen die Euphratsenke abfĂ€llt. Im Nordosten Syriens durchschneidet der Euphrat die AuslĂ€ufer der WĂŒste. An sie schließt sich nach Norden eine fruchtbare Ebene an, die Dschazira. Im SĂŒdwesten liegt das Hauran-Gebiet mit dem vulkanischen Massiv des Dschebel ad-Duruz als östlicher Begrenzung zur WĂŒstensteppe. Die bedeutendsten FlĂŒsse Syriens sind der Euphrat (676 km) und der Orontes (325 km).

Syrien besitzt nur eine Insel im Mittelmeer, Aruad.

Klima

Entlang der KĂŒste herrscht ein winterfeuchtes Mittelmeerklima mit NiederschlĂ€gen bis ĂŒber 1000 mm in den Höhenlagen des Dschebel Ansariye. Die Winter sind mild und die Sommer trocken-heiß. LandeinwĂ€rts nehmen die NiederschlĂ€ge rasch ab. Im sich östlich anschließenden Tal des Orontes liegen die JahresniederschlĂ€ge unter 500 mm. Diese semiaride Steppenzone setzt sich im Norden in einem Streifen entlang der tĂŒrkischen Grenze bis in den Osten fort, wo in Qamischhli bei Ă€hnlichen Niederschlagsmengen Regenfeldbau möglich ist. Im grĂ¶ĂŸten Landesteil östlich von Damaskus und sĂŒdlich des Euphrat herrscht arides Klima vor. In der Syrischen WĂŒste fallen die NiederschlĂ€ge unter 250 mm und im SĂŒdosten des Landes unter 100 mm.

In Latakia an der MittelmeerkĂŒste betrĂ€gt das Temperaturmaximum in den Sommermonaten 29 °C und das Minimum im Januar/Februar 9 °C. Im Landesinnern gibt es grĂ¶ĂŸere Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter, in Palmyra werden 38 °C im Juli und 3 °C im Dezember/Januar gemessen. In den Bergregionen sinken die Temperaturen im Winter unter den Gefrierpunkt.

Der Klimawandel mit steigenden Temperaturen und abnehmenden NiederschlĂ€gen wirkt sich in Syrien besonders auf die Landwirtschaft in den Gebieten aus, die auf Regenfeldbau angewiesen sind. In einer extremen DĂŒrreperiode von 2006 bis 2011 fielen lediglich ein Drittel der sonst ĂŒblichen NiederschlĂ€ge. Wegen der auf die HĂ€lfte geschrumpften Getreideernte verloren zwischen 2006 und 2009 etwa 800.000 Menschen ihre Lebensgrundlage. Die anhaltende Wasserknappheit wird durch die gesunkenen Grundwasserspiegel und durch die weniger Wasser fĂŒhrenden FlĂŒsse verstĂ€rkt.

Tier- und Pflanzenwelt

Die Tier- und Pflanzenwelt Syriens ist durch die jahrtausendelange Besiedlung des Landes stark verarmt. Außer Nutztieren gibt es keine grĂ¶ĂŸeren SĂ€ugetiere mehr. Selbst Dromedare findet man heute kaum noch. Lediglich die Vogelwelt ist noch vielfĂ€ltig. 354 Vogelarten wurden in Syrien dokumentiert. Syrien ist ein wichtiges Durchzugsland fĂŒr Zugvögel. Bemerkenswert sind die erst im Jahre 2002 in Syrien wiederentdeckten Waldrappe, welche zu den gefĂ€hrdetsten Vogelarten ĂŒberhaupt zĂ€hlen. Die natĂŒrliche Pflanzenwelt ist durch Abholzung und Überweidung schon seit dem Altertum stark degradiert. Wald findet man kaum noch im Lande. Die Aleppo-Kiefer und die Libanonzeder kommen noch in RestbestĂ€nden vor. Dagegen sind Öl- und FeigenbĂ€ume hĂ€ufig angepflanzt zu finden. In der Hochebene von Aleppo findet man auch das natĂŒrliche Verbreitungsgebiet der Goldhamster.

In Syrien kommen 23 Fledermaus-Arten vor.

Bevölkerung

Syrien ist nach den PalĂ€stinensischen Autonomiegebieten, Israel und dem Libanon das am dichtesten besiedelte Land im Nahen Osten. Innerhalb des Landes gibt es betrĂ€chtliche regionale Unterschiede, zu den Gebieten mit der höchsten Bevölkerungsdichte gehören Damaskus mit der umgebenden Ghuta-Oase, Aleppo sowie das Bergland nördlich und westlich bis zum Afrin. Von dort setzt sich das fruchtbare Altsiedelland ĂŒber Idlib in sĂŒdwestlicher Richtung am Nordrand des Dschebel Ansariye vorbei bis nach Latakia an der KĂŒste fort. Eine hohe Bevölkerungsdichte weist ferner der diesem Bergland vorgelagerte KĂŒstenstreifen auf, der Anfang des 20. Jahrhunderts noch dĂŒnn besiedelt war, die Ebene von Akkar sĂŒdlich und das Orontes-Becken östlich davon.

Bereits vor 1860 besiedelt und heute mittlere Bevölkerungszahlen aufweisend, war der breite Streifen des syrischen Altsiedellandes, der vom sĂŒdwestlichen Hauran nach Norden bis zur tĂŒrkischen Grenze verlĂ€uft und nach Osten an das Gebiet zwischen der tĂŒrkischen Grenze im Norden, dem Euphrat im SĂŒden und dem Belich im Osten anschließt, das ĂŒberwiegend zwischen 1860 und 1930 besiedelt wurde. Uralte Tradition hat der BewĂ€sserungsfeldbau entlang des Euphrat und des Chabur. Seit der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts wĂ€chst die Bevölkerung durch Umsiedlungen und BewĂ€sserungsprojekte in der nordöstlichen Region al-Dschazira. In der syrischen WĂŒste leben Menschen ganzjĂ€hrig nur in einigen Oasen mit oberflĂ€chennahem Grundwasser. Die Urbanisierung nimmt allgemein stark zu.

Die Bevölkerung Syriens ist im Lauf des 20. Jahrhunderts stark gewachsen. Nach dem Ersten Weltkrieg betrug die Bevölkerungszahl knapp ĂŒber 1,5 Mio. Die VolkszĂ€hlung 1938 ergab in den neun Provinzen (einschließlich Latakia und Dschebel ad-Duruz) 2.487.027 Einwohner. 1970 war die Bevölkerungszahl auf 6.299.000 angewachsen. Diese Zahl enthĂ€lt nicht die 340.000 Beduinen und die etwa 240.000 palĂ€stinensischen FlĂŒchtlinge. FĂŒr 2010 wurden 20.960.588 Einwohner berechnet. Auslandssyrer leben vor allem in SĂŒdamerika (Argentinien, Venezuela und Brasilien), den Golfstaaten und Europa.

Der amerikanische Doppelkontinent war lange ein Auswanderungsziel fĂŒr arabische Christen, bereits seit dem 19. Jahrhundert kamen Syrer in die verschiedenen LĂ€nder. Die grĂ¶ĂŸte Konzentration von Syrern außerhalb der arabischen Welt ist in Brasilien, wo mehrere Millionen Personen syrisch-arabischer Herkunft leben. Die Mehrheit der arabischstĂ€mmigen Argentinier ist entweder libanesischer oder syrischer Herkunft.

Bevölkerungsentwicklung

Quelle: UN

Ethnien

Die einzelnen Bevölkerungsgruppen definieren ihre ethnische Zugehörigkeit ĂŒber ihre Muttersprache und Religionszugehörigkeit, wobei innerhalb der gemeinsamen Sprache religiöse Unterschiede eine quasi-ethnische Abgrenzung bewirken können. Um ĂŒber das bestehende ZugehörigkeitsgefĂŒhl zu ethnischen Gruppen und Familienclans hinausgehend ein syrisches Nationalbewusstsein zu entwickeln, werden bei VolkszĂ€hlungen zwar die Religionszugehörigkeit, aber nicht die Ethnien zahlenmĂ€ĂŸig erfasst. Zu einer kulturellen und sozialen Gleichstellung der Kurden im Alltag hat dies nicht gefĂŒhrt.

Die Mehrheitsbevölkerung in Syrien bilden mit rund 90 % die Araber, die sich mit der arabischsprachigen Bevölkerung der NachbarlĂ€nder kulturell als Gemeinschaft fĂŒhlen. Sie sind ĂŒberwiegend Sunniten, in ihrer Minderheit Muslime anderer islamischer Glaubensrichtungen oder Christen.

Die zweitgrĂ¶ĂŸte Volksgruppe mit eigener Sprache sind die Kurden. Im Jahr 1979 wurde ihr Anteil auf etwa 9 % der Gesamtbevölkerung geschĂ€tzt. Mittlerweile stellen die Kurden gemeinsam mit den Armeniern und Angehörigen anderer ethnischer Gruppen etwa 10 % der Gesamtbevölkerung Syriens dar. Viele Kurden kamen zwischen 1924 und 1938 aus der TĂŒrkei ins Land, als es dort zu mehreren AufstĂ€nden der Kurden gegen ihre politische und wirtschaftliche Diskriminierung kam, die vom tĂŒrkischen MilitĂ€r niedergeschlagen wurden. Ein kurdischer Siedlungsschwerpunkt liegt entlang der tĂŒrkischen Grenze. Knapp die HĂ€lfte der syrischen Kurden lebt in der Region Kurd Dagh nordwestlich von Aleppo. Sie stellen dort und in der nordöstlichen Provinz al-Hasaka die Mehrheit. Aufgrund hoher Arbeitslosigkeit in den lĂ€ndlichen Bergregionen siedelten sich viele Kurden in den GroßstĂ€dten Aleppo und Damaskus an. 10 bis 15 % der Kurden leben in Hayy al-Akrad, einem Stadtteil von Damaskus am Fuße des Dschabal QāsiyĆ«n.

Die meisten Armenier kamen als FlĂŒchtlinge zwischen 1925 und 1945 aus der TĂŒrkei nach Syrien. Sie leben zu etwa Dreiviertel in Aleppo und zu knapp 20 % in Damaskus. Die Übrigen verteilen sich auf die grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte, besonders in der Dschazira-Region. Armenier gehören ĂŒberwiegend der Armenischen Apostolischen Kirche an, andere sind armenisch-katholisch. Die meisten sind in Handel, Kleinindustrie und Handwerk wirtschaftlich erfolgreich.

Die meist sunnitischen Turkmenen waren traditionell halbnomadische ViehzĂŒchter in der Dschazira und am unteren Euphrat sowie Ackerbauern um Aleppo. Sie haben sich weitgehend in der arabischen Gesellschaft assimiliert.

Tscherkessen, ebenfalls Sunniten, wurden Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Kaukasus vertrieben und siedelten sich in der Hauran-Region, besonders um Quneitra an, wo sie sich auf den Anbau von Getreide und daneben Viehzucht spezialisiert haben. FĂŒr das Jahr 1979 wurde ihre Zahl auf 55.000 geschĂ€tzt. Da viele von ihnen wĂ€hrend der französischen Kolonialzeit in der französischen Armee gedient hatten, wurden sie lange Zeit von den Arabern argwöhnisch beobachtet.

Die AramĂ€er und Assyrer gehören einer der christlichen Religionsgemeinschaften an, mehrheitlich der Syrisch-Orthodoxen Kirche. Assyrer im engeren Sinn gehören zu den nestorianischen Christen. Liturgie- und Alltagssprache ist aramĂ€isch, dessen regionaler Sprachzweig als syrisch bezeichnet wird. Sie leben vor allem in der Provinz al-Hasaka. Viele flohen 1933 bis 1936 vor der Verfolgung aus dem Irak und wurden von den Franzosen und mit UnterstĂŒtzung des Völkerbundes in Tell Tamer (am Chabur, nordwestlich von al-Hasaka) angesiedelt. Bis in die 1970er Jahre hatten sie auf bewĂ€ssertem Land in der Umgebung etwa 20 Dörfer gegrĂŒndet. Wegen der wirtschaftlich schwierigen Lage sind viele emigriert. AramĂ€er und Assyrer bezeichnen sich hĂ€ufig selbst als Suryoye.

Zehntausende syrischer BĂŒrger besitzen auch die russische Staatsangehörigkeit. Da viele Russen in Syrien und viele Syrer in Russland leben, gibt es auch viele russisch-syrische Ehepaare. Zwischen Syrien und der Sowjetunion bzw. Russland sind die bilateralen Beziehungen seit den 1950er Jahren stark und die wirtschaftlichen Beziehungen stabil.

Daneben gibt es etwa 476.000 (2002) palĂ€stinensische FlĂŒchtlinge und seit dem Irakkrieg 200.000 (2009) FlĂŒchtlinge aus dem Irak. Unter den Irakern sind viele Assyrer, von denen sich wiederum eine grĂ¶ĂŸere Zahl in Dscharamana niedergelassen hat.

Sprachen

Die Amtssprache des Landes ist Hocharabisch, das von der großen Mehrheit der einheimischen Bevölkerung beherrscht wird. Umgangssprache ist jedoch ein regionaler Dialekt der arabischen Sprache, das syrische Arabisch. Es unterscheidet sich im Vokabular, in der Grammatik und besonders in der Aussprache von der StandardvarietĂ€t des Arabischen. Syrisch-Arabisch ist eng mit dem libanesischen Arabisch, dem jordanischen Arabisch und dem palĂ€stinensischen Arabisch verwandt. Letzteres wird vor allem von vielen palĂ€stinensischen FlĂŒchtlingen im Land gesprochen. Auch Sprecher des irakischen Arabisch sind in letzter Zeit hinzugekommen, wodurch es allerdings zur Vermischung verschiedener Dialekte kommen und sich am Ende die Hochsprache durchsetzen kann.

Ferner werden von der einheimischen Bevölkerung die Sprachen der jeweiligen nationalen Minderheiten gesprochen, deren Gebrauch in der Öffentlichkeit und im Bildungswesen jedoch aufgrund der nationalistisch-panarabischen politischen Ideologie des Staates stark eingeschrĂ€nkt ist: Syrisch (von den AramĂ€ern/Assyrern), Westarmenisch (von den eingewanderten Armeniern), kurdische Dialekte, Turkomanisch sowie vereinzelt Tscherkessisch. In der Kleinstadt Maalula und zwei weiteren Orten am Osthang des Qalamun-Gebirges wird ein Dialekt der neuwestaramĂ€ischen Sprache gesprochen.

Die französische Sprache hatte (und hat) aufgrund der Mandatszeit eine besondere Stellung; frĂŒher hatte sie im Bildungswesen und in der Verwaltung große Bedeutung. Wie ĂŒberall setzt sich jedoch auch in Syrien die englische Sprache als ĂŒberregionale VerstĂ€ndigungssprache durch. Heute wird ab der 1. Klasse Englisch obligatorisch unterrichtet und ab der 7. Klasse Französisch oder Russisch (nach Wahl) als zweite Fremdsprache angeboten. Die deutsche Sprache dagegen wird im Sekundarschulbereich bisher nicht als Fremdsprache angeboten; es soll jedoch PlĂ€ne zur EinfĂŒhrung von Deutsch als dritter Fremdsprache in den Sekundarschulen geben. Deutsche Schulen gibt es in Syrien bislang nicht. Es existieren jedoch französische Privatschulen, an denen die deutsche Sprache unterrichtet wird.

Religionen

Muslime

Etwa 74 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, deren GlaubensverstĂ€ndnis regional unterschiedlich ist. Die Einwohner von Hama, Palmyra und einigen kleineren StĂ€dten wie Dschisr asch-Schugur gelten als besonders konservativ, die westlich orientierte Hafenstadt Latakia zeigt sich relativ liberal. In abgelegenen Regionen der westlichen BerglĂ€nder werden von einigen Sunniten volksislamische BrĂ€uche gepflegt, bei denen lokale Heilige verehrt werden; teilweise werden diese PilgerstĂ€tten gleichermaßen von Christen aufgesucht. Noch in den 1980er Jahren trug nur eine Minderheit der Frauen in Damaskus das Kopftuch (Hidschab); 2006 hingegen trug es die Mehrheit.

Alawiten (Nusairier) machen etwa 12 % der Gesamtbevölkerung aus. Die mutmaßlichen Vorfahren der Alawiten waren seit vorchristlicher Zeit in der Region ansĂ€ssig. Nach der EinfĂŒhrung des Christentums ab dem 4. Jahrhundert zogen sie sich in ihrer traditionellen Religion zurĂŒck und ĂŒberdauerten als abgeschlossene Gemeinschaften in den Bergregionen des Dschebel Ansariye das islamische Mittelalter. Von den Osmanen wurden sie als Nichtmuslime gesehen und mit hohen Steuern belegt. Alawiten lebten bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Kleinbauern zurĂŒckgezogen in Bergdörfern, die teilweise miteinander verfeindet waren. Viele MilitĂ€roffiziere und ein großer Teil der herrschenden politischen Elite entstammen heute der alawitischen Religionsgemeinschaft, der auch die Familie al-Assad angehört.

Schiiten sind mit 2 % in Syrien eine kleine, wenig einflussreiche Minderheit. Ihr wichtigster Verehrungsplatz ist die Saiyida-Zainab-Moschee in Damaskus. Die Ismailiten (etwa 1 %) flĂŒchteten nach dem Mongoleneinfall im 13. Jahrhundert in RĂŒckzugsgebiete auf dem Dschebel Ansariye, von wo sie erst Ende des 19. Jahrhunderts in ihr ursprĂŒngliches Zentrum Salamiyya am Rande der syrischen WĂŒste zurĂŒckkehren durften.

Eine Ă€ußerst kleine Minderheit im Land bilden die im Norden Syriens lebenden Aleviten. Anders als die arabischen Alawiten sind die Aleviten ethnische Turkmenen und Kurden.

Christen

Etwa 10 % der Bevölkerung sind Christen verschiedener Konfessionen; 1920 waren es noch 30 %. Diese leben im Raum Damaskus, Homs und Aleppo traditionell in ihren Dörfern. Syrisch-orthodoxe Gemeinden, die die grĂ¶ĂŸte christliche Gemeinschaft bilden, leben meist im Nordosten Syriens. Die melkitischen Kirchen trifft man hauptsĂ€chlich im Landesinneren. Der Patriarch, Youhanna X., residiert in Damaskus. Andere bekennen sich zur armenischen apostolischen Kirche und der mit Rom unierten syrisch-katholischen und griechisch-katholischen Kirche. GlĂ€ubige der Assyrischen Kirche des Ostens, auch Apostolische Kirche des Ostens genannt, zĂ€hlen etwa 30.000 und leben hauptsĂ€chlich entlang des Chabur im Nordosten, wo auch die chaldĂ€ische Kirche existiert. Das Oberhaupt der chaldĂ€ischen Christen ist Antoine Audo, Bischof von Aleppo in Nordsyrien. Rund 14.000 bekennen sich in Syrien zu dieser Konfession. Maroniten bilden etwas ĂŒber 2 %, rund 424.000. Daneben existieren noch verschiedene protestantische sowie römisch-katholische Gemeinden. Viele syrische Christen wanderten in den Libanon, nach Schweden und in die USA aus.

Der BegrĂŒnder der panarabischen Baath-Partei Michel Aflaq war christlicher Abstammung. Obwohl es in der Geschichte ein paar Mal zu interkonfessionellen Auseinandersetzungen kam, wie zum Beispiel im Jahr 1860 in Damaskus, ist das Zusammenleben vorwiegend friedlich geprĂ€gt. Der bedeutendste syrische Imam predigt, dass Muslime, Christen und Juden BrĂŒder seien und man als guter Muslim Christen und Juden auch als seine BrĂŒder behandeln solle. StaatsprĂ€sident Baschar al-Assad hat dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien im Jahr 2006 einen Weihnachtsbesuch abgestattet. Es war der erste Weihnachtsbesuch eines syrischen PrĂ€sidenten beim Patriarchen seit der UnabhĂ€ngigkeit des Landes im Jahr 1946. Mit dem Verfassungsreferendum in Syrien 2012 ist die Freiheit des Glaubens weiterhin garantiert, weshalb die Christen ihren Glauben unter der Baath-Partei offen praktizieren können. Als Symbol der religiösen Toleranz werden christliche Feiertage in Syrien anerkannt. Auch wird der Bau von Kirchen unterstĂŒtzt, wobei alle Kirchen – wie auch Moscheen – bei ihren kircheninternen Anschaffungen von der Steuer ausgenommen sind. Da das syrische Christentum weder staatliche noch gesellschaftliche Diskriminierung unter dem Baath-Regime erlitt, ĂŒbte Syrien nicht nur eine große Anziehungskraft aus, sondern hatte lange Zeit den Ruf, das sicherste Land fĂŒr Christen im Nahen Osten zu sein.

Drusen

Die schiitische Abspaltung der Drusen macht etwa 2 % der syrischen Bevölkerung aus. Ihr Hauptsiedlungsgebiet ist die gleichnamige Bergregion, der Dschebel ad-Duruz.

Jesiden

Die Jesiden werden meist den Kurden zugerechnet. Diese religiöse Minderheit aus einigen Tausend Mitgliedern lebt in den Bergen zwischen Aleppo und Afrin und in Dörfern um Amude und Qamischli im Ă€ußersten Nordosten.

Juden

Die wenigen noch in Syrien verbliebenen Juden leben in Aleppo und Damaskus. Im Jahr 1943 wurde ihre Zahl auf 43.000 geschĂ€tzt, im Jahr 1978 noch auf etwa 4500. Die meisten wurden in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts nach Israel vertrieben, einige flohen auf dem Umweg ĂŒber Beirut. Es gab Ausschreitungen gegen die jĂŒdische Minderheit, so etwa das Pogrom von Aleppo im Jahr 1947 oder den Angriff auf die Menarscha-Synagoge im Jahr 1949. In der Sprache und in der Kleidung unterscheiden sich die jĂŒdischen Syrer nicht von den Muslimen.

Geschichte

Ur- und FrĂŒhgeschichte

Die Ă€ltesten archĂ€ologischen Funde auf dem Gebiet des heutigen Syriens sind ca. eine Million Jahre alt und stammen aus dem AcheulĂ©en. Das Neolithikum beginnt im 8. Jahrtausend v. Chr. Ab Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. werden dort semitischsprachige Völker vermutet: AramĂ€er, Amoriter und Kanaaniter. Seine Lage zwischen Mesopotamien, Anatolien und Ägypten bedingte wechselnde Oberherrschaft durch Akkader, Mitanni, Hethiter, Ägypter, Assyrer und Perser.

Das antike Syrien

Nach der Eroberung durch Alexander den Großen gehörte Syrien von 301 bis 64 v. Chr. zum Seleukidenreich. Im Römischen Reich (ab 64 v. Chr.) war Syria neben Aegyptus die reichste und einflussreichste Provinz des Imperiums. Die oströmische Herrschaft endete im 7. Jahrhundert n. Chr. mit der Eroberung durch die arabischen Umayyaden.

Islamisierung und Arabisierung

Nach der arabisch-muslimischen Eroberung 634 gewann Syrien unter dem Statthalter und spĂ€teren Umayyaden-Kalifen Mu'awiya (661–680) eine zentrale Bedeutung. Er baute als erster eine arabische Flotte auf und verlegte 661 das Kalifat von Medina nach Damaskus, das neben Mekka und Jerusalem zur dritten Heiligen Stadt des Islam wurde. 877 geriet Syrien in AbhĂ€ngigkeit von Ägypten, die mit Unterbrechungen mehr als 600 Jahre dauerte. WĂ€hrend dieses Zeitraums blieben die Kreuzfahrerstaaten auf syrischem Boden, die auch den Norden (Aleppo und Antiochia) umfassten. Der zweite Kreuzzug (1147–1149) mit der gescheiterten Belagerung von Damaskus spielte sich vorwiegend in Ägypten ab. 1260 eroberten die Mongolen das Land, erlitten aber eine Niederlage gegen die Mamluken, die Syrien mit Ägypten vereinigten.

TĂŒrkische und französische Herrschaft

Die Herrschaft der Mamluken dauerte bis 1516. Dann wurde Syrien Teil des Osmanischen Reichs, zu dem es bis auf eine relativ kurze Ă€gyptische Besetzung (1831–1840) bis 1918 gehörte. Die erste arabisch-nationalistische Opposition gegen die osmanische Regierung nach 1840 wurde sofort unterdrĂŒckt. Nach der Revolution der JungtĂŒrken 1908 verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Arabern und TĂŒrken weiter. Die Araber beteiligten sich – ausgenommen beispielsweise die aufseiten Deutschlands kĂ€mpfenden PalĂ€stinenser – im Ersten Weltkrieg auf der Seite der Entente gegen die TĂŒrkei, da ihnen die Briten alle Gebiete, die sie befreien halfen, zugesichert hatten. Die Hoffnung des Haschemiten-Prinzen Faisal, das geplante Königreich „Großsyrien“ zu erhalten, scheiterte an Frankreich, das das Völkerbundmandat fĂŒr Syrien und Libanon erhielt und seine Herrschaft in Syrien – „das heutige Syrien ist eine Schöpfung der französischen Kolonialzeit“ (Bassam Tibi) – bis zum 17. April (Nationalfeiertag) 1946 aufrechterhalten konnte, als die Syrische Republik (arabisch Ű§Ù„ŰŹÙ…Ù‡ÙˆŰ±ÙŠŰ© Ű§Ù„ŰłÙˆŰ±ÙŠŰ© al-dschumhĆ«riyya as-sĆ«riyya) ausgerufen wurde. WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs wurde Syrien von den Alliierten besetzt.

UnabhĂ€ngigkeit, Vereinigung mit Ägypten

Die Geschichte Syriens nach dem Zweiten Weltkrieg stand ganz im Zeichen des arabisch-israelischen Konfliktes. 1949 endete die syrische Teilnahme am Überfall ohne KriegserklĂ€rung auf den durch UNO-Beschluss neu gegrĂŒndeten Staat Israel unmittelbar nach dessen GrĂŒndung, mit einer schweren Niederlage der arabischen AllianzstreitkrĂ€fte unter anderem in NordpalĂ€stina (siehe auch Abschnitt Syrische Offensive → PalĂ€stinakrieg) und in einem separaten Waffenstillstandsabkommen am 20. Juli. Syrien wurde fĂŒr ĂŒber 20 Jahre in eine innere Dauerkrise gestĂŒrzt, von der zahlreiche Staatsstreiche Zeugnis ablegen.

Der Aufstieg des Panarabisten Gamal Abdel Nasser in Ägypten nĂ€hrte auch in Syrien Hoffnungen auf die Schaffung eines gemeinsamen arabischen Staates. Im Vorfeld des Sueskriegs bildeten beide LĂ€nder ein gemeinsames Oberkommando. Nach schweren Spannungen zwischen der arabisch-sozialistischen Baath-Partei und der Kommunistischen Partei wurde aus Furcht vor einer kommunistischen MachtĂŒbernahme eine Delegation nach Ägypten entsandt, und am 1. Februar 1958 wurde dann der Zusammenschluss Ägyptens und Syriens zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) bekanntgegeben.

Da von Anfang an die Ă€gyptische Seite dominierte und die wichtigsten Politikbereiche bestimmte, wuchs die Unzufriedenheit in Syrien. Hinzu traten wirtschaftliche Probleme. Ein Putsch syrischer Offiziere im September 1961 bedeutete schließlich das Ende der Vereinigten Arabischen Republik von syrischer Seite. Nach einem weiteren Putsch im Mai 1963 erlangte die Baath-Partei, die jedoch weiterhin zerstritten war, zum ersten Mal die Macht in Syrien.

Syrische Arabische Republik

Nach dem Sechs-Tage-Krieg gegen Israel im Juni 1967 und dem Verlust der Golanhöhen folgte eine Phase allgemeiner Niedergeschlagenheit. Aus den jahrelangen MachtkĂ€mpfen innerhalb der Baath-Partei trat am 16. November 1970 schließlich Hafiz al-Assad als Sieger hervor. Assad, unter Salah Dschadid noch Verteidigungsminister, ließ den AltprĂ€sidenten und einige seiner AnhĂ€nger bei dieser sogenannten Korrekturbewegung verhaften, nachdem er selbst einst aus politischen GrĂŒnden einige Zeit hatte im GefĂ€ngnis verbringen mĂŒssen. 1971 ließ er sich mit 99,2 % der Stimmen (ohne Gegenkandidaten) zum StaatsprĂ€sidenten wĂ€hlen; im selben Jahr wurde er GeneralsekretĂ€r der Baath-Partei.

Im Jom-Kippur-Krieg von 1973 gelang es der syrischen Armee, fĂŒr kurze Zeit einen kleinen Teil der von Israel besetzten Golanhöhen zurĂŒckzuerobern. Ein Kennzeichen von Assads Politik war die UnterdrĂŒckung der islamistischen Opposition. Es kam unter anderem zu TerroranschlĂ€gen, die auf das Konto der syrischen MuslimbrĂŒder gingen. Nach einem weiteren Anschlag in der MilitĂ€rakademie von Aleppo 1979, dem 50 oder mehr alawitische Kadetten zum Opfer fielen, ging die Regierung verschĂ€rft gegen die MuslimbrĂŒder vor.

Zu einem folgenschweren Aufstand, wiederum von MuslimbrĂŒdern initiiert, kam es im Februar 1982 in der mittelsyrischen Stadt Hama. Das MilitĂ€r griff mit Panzern und Kampfflugzeugen ein und es kam zu heftigen KĂ€mpfen, in deren Verlauf große Teile der Altstadt zerstört wurden. Etwa 1000 Soldaten und zwischen 10.000 und 30.000 Zivilisten verloren ihr Leben. Der Niederschlagung des Aufstands, welcher als das Massaker von Hama bekannt wurde, folgte eine umfangreiche Verhaftungswelle, die der fundamentalistischen Opposition das RĂŒckgrat brach. In der Folge war Assads Machtposition sehr stark und kaum gefĂ€hrdet.

WĂ€hrend des ersten Golfkrieges (1980–1988) unterstĂŒtzte Syrien den Iran gegen den ebenfalls von der Baath-Partei regierten Irak unter Saddam Hussein. Nach dem Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait war Syrien militĂ€risch an dessen Befreiung wĂ€hrend des zweiten Golfkrieges beteiligt. Die Beziehungen zum östlichen Nachbarland wurden erst ab 1997 teilweise normalisiert, die 1980 abgebrochenen diplomatischen Beziehungen wurden aber erst im November 2006 wieder aufgenommen.

1994 kam Assads Àltester Sohn Basil al-Assad, der sein Nachfolger werden sollte, bei einem Autounfall in der NÀhe des Flughafens von Damaskus ums Leben.

Nach dem Tod des syrischen PrĂ€sidenten Hafiz al-Assad am 10. Juni 2000 wurde am 10. Juli sein zweitjĂŒngster Sohn Baschar al-Assad nach einer VerfassungsĂ€nderung bezĂŒglich des Mindestalters eines PrĂ€sidenten mit einer Mehrheit von 97,29 % (offizielles Wahlergebnis) zum nĂ€chsten PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Unter ihm begann der Damaszener FrĂŒhling, der demokratische Reformen zum Ziel hatte.

Baschār galt anfangs als liberaler als sein Vater, da er unter anderem in London studierte und auch heiratete. Erstes Anzeichen eines neuen politischen Kurses war die Freilassung von 600 politischen Gefangenen im November 2000. Unter Baschar wurde die Benutzung des Internets erlaubt. Allerdings wurden im September 2001 erneut bekannte Oppositionelle inhaftiert. Im FrĂŒhjahr 2004 wurden nach Demonstrationen und ZusammenstĂ¶ĂŸen mit den Sicherheitsdiensten hunderte syrische Kurden, darunter auch Kinder, verhaftet und getötet. Diese Demonstrationen fanden in Qamischli, Amuda und Afrin statt, wo die meisten Kurden leben.

Im Februar 2005 wurde in Beirut ein Attentat auf den Fahrzeugkonvoi von Rafiq Hariri verĂŒbt, den ehemaligen und langjĂ€hrigen Regierungschef des Libanon. Da es Hinweise auf Geheimdienst-AktivitĂ€ten gab, wuchs der Druck auf Syrien. Insbesondere die USA machte dessen FĂŒhrung fĂŒr das Attentat verantwortlich. Doch auch Frankreich forderte von Syrien die volle SouverĂ€nitĂ€t Libanons zurĂŒck. Im Mai 2005 gab PrĂ€sident Assad diesen Forderungen teilweise nach.

Im Verlauf seiner Herrschaft hat auch Baschar al-Assad einen ausgeprÀgten Personenkult um sich aufgebaut.

BĂŒrgerkrieg seit 2011

Ab MĂ€rz 2011 kam es zu Protesten gegen die Regierung Assads, die sich im Laufe der Monate zu einem BĂŒrgerkrieg entwickelten. Seit Beginn des Krieges wurden 400.000 Menschen getötet, schĂ€tzte im April 2016 der Sondergesandte der Vereinten Nationen (UN) fĂŒr Syrien, Staffan de Mistura. Rund 12,9 Mio. Syrer sind innerhalb oder außerhalb Syriens auf der Flucht. Dabei wurden mehrere Massaker, gleichermaßen an der oppositionellen wie auch der regierungstreuen Zivilbevölkerung oder auch vielerorts an Bediensteten öffentlicher Einrichtungen verĂŒbt. Die verschiedenen Oppositionsgruppen bekĂ€mpfen sich auch gegenseitig. Großes Aufsehen erregte Ende Mai 2012 das Massaker in der Region Hula. Diese Verbrechen werden einerseits dem Staat und den staatsnahen Milizen (Schabiha) oder andererseits den oppositionellen KrĂ€ften wie der Freien Syrischen Armee (FSA) und anderen kriegfĂŒhrenden Gruppen zugeordnet. Die FSA wird von der tĂŒrkischen Regierung und von der US-amerikanischen Regierung mit Waffen beliefert. 2013 gab es in Syrien umfangreiche Missionen des Internationalen Komitee vom Blauen Schild (Association of the National Committees of the Blue Shield, ANCBS) mit Sitz in Den Haag zum Schutz der vom BĂŒrgerkrieg, den Unruhen und von Diebstahl bedrohten KulturgĂŒter (Museen, Archive, AusgrabungsstĂ€tten, DenkmĂ€ler, Bauten etc.), denn in vielen FĂ€llen versuchen die Konfliktparteien ganz bewusst, das kulturelle Erbe und GedĂ€chtnis des Gegners zu zerstören. Dabei wurden auch Erstellungen von „No-Strike-Listen“ vorgenommen.

Politik

Politisches System

Syrien ist nach der Verfassung von 2012 ein Mehrparteiensystem mit semiprĂ€sidentiellem Regierungssystem. Es hat aber de facto ein Einparteiensystem, da die Baath-Partei das gesamte politische System des Landes dominiert und sich nur formal in einer Koalition mit kleineren Blockparteien (in der Nationalen Fortschrittsfront) befindet. Zudem ist das politische System weitgehend auf den PrĂ€sidenten fokussiert. Üblicherweise wird die syrische Regierung deshalb als Diktatur und Baschar al-Assad als Diktator angesehen und bezeichnet.

PrÀsident

Staatsoberhaupt, Inhaber der Exekutivgewalt und Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte ist der mit weitgehenden Vollmachten ausgestattete PrĂ€sident, welcher der Verfassung nach vom Parlament nominiert und auf sieben Jahre direkt gewĂ€hlt wird. Er bestimmt die Richtlinien der Politik, ernennt bzw. entlĂ€sst die Regierung unter Vorsitz des MinisterprĂ€sidenten und hat Gesetzesinitiativ- sowie Vetorecht. Der PrĂ€sident muss außerdem muslimischen Glaubens sein. Das Mindestalter des PrĂ€sidenten wurde von 40 auf 34 Jahre gesenkt, damit nach dem Tod des langjĂ€hrigen PrĂ€sidenten Hafiz al-Assad sein Sohn Baschar die politische FĂŒhrung des Landes ĂŒbernehmen konnte.

Legislative

Die Legislative liegt nominell beim Volksrat, dessen 250 Abgeordnete fĂŒr vier Jahre gewĂ€hlt werden. Laut Artikel 3 der Verfassung ist die Fiqh eine Hauptquelle der Gesetzgebung. Das anwendbare Ehe- und Familienrecht bestimmt sich in Syrien nach der Religionszugehörigkeit. Nur auf Moslems ist die Scharia anwendbar, fĂŒr katholische Christen ist der codex iuris canonici maßgeblich.

Frauenwahlrecht

Das Regime nach dem Staatsstreich von Oberst Husni az-Za'im 1949 sah ein begrenztes Wahlrecht fĂŒr Frauen mit einer gewissen Bildung als Teil einer Reihe von politischen und sozialen Reformen vor. Am 10. September 1949 wurde fĂŒr alle Frauen, die die sechste Klasse der Schule abgeschlossen hatten, das aktive und passive Frauenwahlrecht eingefĂŒhrt. Es wurde spĂ€ter auf alle Frauen, die lesen und schreiben konnten, ausgeweitet, und 1953 wurden alle BildungseinschrĂ€nkungen aufgehoben, die das Wahlrecht von Frauen beschnitten hatten. Nach einem weiteren Staatsstreich im selben Jahr wurde das Wahlrecht wieder auf die Basis von 1949 zurĂŒck geschraubt. Erst 1973 erhielten Frauen das volle Wahlrecht zurĂŒck.

Parteien

Die derzeit stÀrkste Partei ist die Baath-Partei. Der GeneralsekretÀr der Baath-Partei ist zugleich der PrÀsident. Daneben gibt es kleinere Parteien wie die Kommunistischen Parteien und die Arabische Sozialistische Union, welche als Blockparteien mit der Baath-Partei zur Koalition Nationale Front zusammengeschlossen sind, sowie die Syrische Soziale Nationalistische Partei (SSNP). Parteien, welche eine ethnische Minderheit oder eine religiöse Gruppe reprÀsentieren, sind verboten.

Politische Indizes

Verwaltungsgliederung

Syrien ist seit 1987 in 14 Gouvernements (muងāfaáș“āt, singular: muងāfaáș“a) unterteilt:

Die Gouvernements sind weiter unterteilt in Distrikte (manāáč­iq, Sg. mináč­aqa), diese weiter in nawāងī (Sg. nāងiya).

StÀdte

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind (amtliche Zahlen, Stand 1. Januar 2005): Damaskus 4.139.714 Einwohner, Aleppo 2.576.797 Einwohner, Homs 1.124.871 Einwohner, Latakia 431.606 Einwohner und Hama 348.862 Einwohner. Die Agglomeration um Damaskus hat etwa sechs Millionen Einwohner, die um Aleppo etwa 2,5 Millionen.

Menschenrechtslage

Nach einem Bericht von Human Rights Watch 2012 setzte die syrische Regierung systematisch Folter ein, im Sinne von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die UN-Hochkommissarin fĂŒr Menschenrechte, Navi Pillay, verlangte die Verfolgung dieser Verbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Die Verantwortlichen der Folterzentren stehen auf der Sanktionsliste der EuropĂ€ischen Union gegen Syrien.

Von Human Rights Watch wurden 2012 die GPS-Daten von 27 Geheimdienstzentralen und GefĂ€ngnissen veröffentlicht, in denen gefoltert werde. Die Folterzentralen lassen sich vier Zweigen zuordnen: dem MilitĂ€rgeheimdienst, dem Luftwaffengeheimdienst, dem Direktorat fĂŒr politische Sicherheit und dem allgemeinen Geheimdienst.

Amnesty International dokumentierte wĂ€hrend des BĂŒrgerkrieges in Syrien zahlreiche außergerichtliche Massenhinrichtungen von Zivilisten.

Außenpolitik

Syrien hat traditionell enge Kontakte zur Hamas, zur Hisbollah sowie zur Amal-Bewegung und der Islamischen Republik Iran. Bis 2011 kam Syrien deshalb aus Sicht des Westens eine strategische Rolle als Vermittler in der Region zu.

VerhÀltnis zu Israel

Seit der israelischen StaatsgrĂŒndung erkennt Syrien den jĂŒdischen Staat nicht an und fĂŒhrte mehrfach Krieg gegen Israel, u. a. 1948 im PalĂ€stinakrieg infolge der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung Israels. In syrischen Atlanten wird die Gegend an der sĂŒdöstlichen KĂŒste des Mittelmeeres inklusive des israelischen Staatsgebietes nur als „PalĂ€stina“ bezeichnet.

Im Verlauf des Sechstagekrieges 1967 besetzte Israel einen Großteil der Golanhöhen, von wo immer wieder syrischer Beschuss erfolgt war. Seitdem herrscht zwischen den beiden LĂ€ndern lediglich ein Waffenstillstand. Der Abschluss eines Friedensvertrages, der eine völkerrechtliche Anerkennung beinhalten könnte, ist fĂŒr die syrische Seite eng an die RĂŒckgabe der Golanhöhen geknĂŒpft, die wiederum fĂŒr Israel aus SicherheitsgrĂŒnden von immenser strategischer Wichtigkeit sind.

Israel beschuldigt die syrische Regierung, Terroristen Unterschlupf zu gewĂ€hren. Nach einem Selbstmordanschlag des Islamischen Dschihad in einem Lokal in Haifa, bei dem 19 Menschen getötet wurden, flogen die israelischen LuftstreitkrĂ€fte im Oktober 2003 den ersten Luftangriff auf Syrien seit 30 Jahren. Ziel war ein vermutetes Terroristenausbildungslager sĂŒdlich von Damaskus, in dem nach israelischen Angaben auch Angehörige des Islamischen Dschihad trainiert wurden.

Am 6. September 2007 fĂŒhrten die israelischen VerteidigungsstreitkrĂ€fte einen Luftangriff auf die MilitĂ€reinrichtung Al Kibar (35° 42â€Č 28,2″ N, 39° 49â€Č 59,8″ O) in Syrien durch. Bislang machte die israelische Regierung keine weiteren Angaben ĂŒber den Angriff. Von der New York Times veröffentlichte Videoaufnahmen erhĂ€rten den Verdacht, das Ziel sei eine im Bau befindliche Atomanlage nordkoreanischer Bauart gewesen. Die US-Regierung beschuldigt Syrien, mit Nordkorea ein kooperatives Atomprogramm zu unterhalten. Syrien bestreitet dies und beteuert, bei der Anlage habe es sich um ein leeres MilitĂ€rgebĂ€ude gehandelt.

Im Februar 2009 veröffentlichte die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) jedoch einen Bericht, dem zufolge in Proben aus der Anlage Spuren von Uran gefunden wurden. Ende Mai 2011 veröffentlichte die Organisation die EinschĂ€tzung, es handele sich „sehr wahrscheinlich“ um einen Atomreaktor. In diesem Bericht hieß es, dies ergebe sich aus allen der Behörde vorliegenden Informationen und der technischen Auswertung derselben.

Im Mai 2008 erklĂ€rten Israel und Syrien, Friedensverhandlungen aufzunehmen. Den GesprĂ€chen gingen indirekte Verhandlungen zwischen den Staaten voraus, die seit dem Jahr 2004 unter tĂŒrkischer Vermittlung stattfanden. Auch in der strittigen Frage der RĂŒckgabe der besetzten Gebiete der Golanhöhen sei man sich bereits nĂ€hergekommen. Mit dem Gaza-Konflikt Ende 2008 wurden die GesprĂ€che mit Israel ausgesetzt.

VerhÀltnis zum Libanon

Syrien betrachtete sich lange als Schutzmacht des kleinen Nachbarstaates Libanon, der fast die gesamte östliche Landgrenze mit Syrien gemeinsam hat. Die langjĂ€hrige Besetzung grĂ¶ĂŸerer Teile des Libanon galt offiziell als UnterstĂŒtzung gegen Israel und wurde von der pro-syrischen Regierung des Omar Karame bis zuletzt befĂŒrwortet. Die letzten Einheiten der syrischen Armee verließen den Libanon Ende April 2005, als es dort nach dem Mord an Ex-Premier Rafik Hariri (14. Februar) schwere VorwĂŒrfe an den syrischen Geheimdienst und tagelange Massenproteste gab. Sie fĂŒhrten auch zum RĂŒcktritt der Regierung Karame.

Im April 2005 beauftragten die Vereinten Nationen ihren Spitzendiplomaten Detlev Mehlis, den bis dato ungeklĂ€rten Mord in Beirut an Ex-Premier Hariri zu untersuchen. Am 20. Oktober 2005 berichtete Mehlis dem Sicherheitsrat ĂŒber eine klare MittĂ€terschaft syrischer Geheimdienstkreise an dem Anschlag in Beirut, bei dem außer Hariri 21 Menschen umkamen. Syrien hatte eine Verwicklung stets verneint und sprach von einem Komplott des Westens – insbesondere weil die USA auch Kontakte zu den AttentĂ€tern vom 11. September vermuteten. Am 31. Oktober forderte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in einer einstimmigen UN-Resolution von Syrien volle Kooperation zur AufklĂ€rung des Hariri-Mordes. Er verzichtete zwar auf die lange diskutierten Sanktionen, behielt sich aber weitere Schritte und eine Untersuchung durch UN-Ermittler vor. Die Hauptforderung war, es mĂŒssten alle verdĂ€chtigen Personen vernommen werden, zu denen auch Bruder und Schwager des syrischen PrĂ€sidenten Assad gehören.

Laut UN-Chefermittler Mehlis (siehe 20. Oktober) habe Syrien „bisher den Daumen auf viele wichtige Informationen gehalten“ und ihn an Befragungen gehindert. Die von den USA, Großbritannien und Frankreich eingebrachte Resolution wurde nach Abmilderung einstimmig beschlossen und verpflichtet alle Staaten, VerdĂ€chtigen die Einreise zu verweigern und ihre Bankguthaben einzufrieren. WĂ€hrend Syriens Außenminister al-Scharaa in New York einen Eklat verursachte und in Damaskus gegen die Resolution demonstriert wurde, stimmten ihr der Libanon und auch arabische Staaten zu.

Die Abmilderung des vom Westen eingebrachten Resolutionsentwurfs war auf Druck Russlands und Chinas erfolgt. So wurde auf die offene Androhung von Sanktionen gegen Syrien verzichtet, doch behielt sich der Sicherheitsrat „weitere Maßnahmen“ vor, falls sich Syrien nicht an die Vorgaben hĂ€lt. Auch die Aufforderung an die syrische FĂŒhrung, jede UnterstĂŒtzung des Terrorismus zu beenden, wurde gestrichen.

Die heftige Protestwelle in Syrien gegen die UN-BeschlĂŒsse und die USA wurde vom Westen als gesteuert angesehen. Auch die Reden des syrischen Außenministers trugen zur weiteren Isolation des Landes bei, von dem erst kurz zuvor strengere Grenzkontrollen zum Irak gegen den Übertritt von Terroristen gefordert worden waren.

Der Nachfolger von Detlev Mehlis ist Serge Brammertz, der am 19. Januar 2006 im Libanon eingetroffen ist. Dieser soll, wie Detlev Mehlis, den Mord an Ex-Premierminister Hariri aufklĂ€ren, wobei der PrĂ€sident Syriens, Baschar Assad, zusagte, ihn bei den Ermittlungen zu unterstĂŒtzen.

Im Oktober 2008 einigten sich beide LÀnder auf die Aufnahme vollstÀndiger diplomatischer Beziehungen; hierzu sollten auch erstmals in der Geschichte beider Staaten Botschafter ausgetauscht werden. Dieser Schritt wurde als offizielle Anerkennung des Libanon seitens Syriens gewertet. Im Dezember 2008 wurde die syrische Botschaft in Beirut eröffnet, die libanesische Botschaft nahm im MÀrz 2009 ihre Arbeit auf.

StreitkrÀfte

Die StreitkrĂ€fte Syriens hatten vor dem BĂŒrgerkrieg eine GesamtstĂ€rke von 420.000 Soldaten. Sie setzten sich aus Heer, Marine und Luftwaffe zusammen. Alle mĂ€nnlichen Syrer im Alter von 18 Jahren mĂŒssen einen 24-monatigen Wehrdienst leisten, falls sie nicht unter die Ein-Sohn-Regelung fallen: Der einzige Sohn einer Familie ist nicht wehrpflichtig. Oberster Befehlshaber der StreitkrĂ€fte ist der PrĂ€sident des Landes. Das MilitĂ€rbudget fĂŒr das Jahr 2006 betrug etwa 921 Mio. US-Dollar.

Syrien wurde beschuldigt, heimlich an einem Atomprojekt zu arbeiten. Diplomaten erklÀrten im November 2008, in der Anlage El Kibare entdecktes Uran sei aufbereitet gewesen, was eine Verbindung zu einem geheimen Atomprogramm Syriens nahelege. Die US-Regierung bezichtigt Syrien einer Atom-Kooperation mit Nordkorea.

Wirtschaft

Die syrische Wirtschaft ist ĂŒberwiegend staatlich gelenkt, doch tritt seit einigen Jahren ein Strukturwandel ein. Die Landwirtschaft kann unter gĂŒnstigen Bedingungen bis zu einem Drittel der Wirtschaftsleistung ausmachen und ist fĂŒr das Land besonders wichtig. Erdöl, Textilien und Nahrungsmittel sind Syriens HauptexportgĂŒter, die jedoch nicht ausreichen, das leichte Handelsbilanzdefizit auszugleichen. 2010 standen Importen im Wert von ca. 13,57 Mrd. US-Dollar nur Exporte im Wert von ca. 12,84 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber.

Angesichts des BĂŒrgerkrieges und der verhĂ€ngten wirtschaftlichen Sanktionen wurde berichtet, dass sich die Wirtschaftslage des Landes zusehends verschlechtere. Die auf ungefĂ€hr 17 Mrd. US-Dollar geschĂ€tzten WĂ€hrungsreserven sollen Mitte 2012 nahezu aufgebraucht gewesen sein. Im August 2012 bat Syrien Russland um einen Kredit in harter WĂ€hrung. Im Laufe des Krieges verlor das syrische Pfund ungefĂ€hr 70 % seines Wertes, die Inflationsrate wurde im Juli 2013 auf 213 % geschĂ€tzt.

FĂŒr 2017 schĂ€tzt die CIA die Arbeitslosenquote auf 50 %.

WĂ€hrung

Der Internationale WĂ€hrungsfonds lobte die BemĂŒhungen der syrischen Wirtschaftspolitiker bereits, vor allem die Anpassung des syrischen Pfunds an einen realistischen Wechselkurs.

Strukturwandel

Da die Erdölvorkommen in Syrien vermutlich in einigen Jahren erschöpft sein werden und die syrischen Machthaber eine breiter diversifizierte Wirtschaft errichten wollen, streben sie einen Strukturwandel und den Umbau zu einer funktionierenden Marktwirtschaft an. Dieser soll mit jĂ€hrlichen Privatinvestitionen von bis zu fĂŒnf Milliarden US-Dollar, Zusatzeinnahmen aus dem Ölexport und Investitionen aus dem Ausland finanziert werden. Die Wirtschaftspolitiker sehen in den nĂ€chsten fĂŒnf bis zehn Jahren die beste Gelegenheit fĂŒr StrukturĂ€nderungen. Zu den im neuen FĂŒnfjahresplan festgeschriebenen weitreichenden VerĂ€nderungen gehört unter anderem eine umfassende Steuerreform, Privatisierung, der Abbau von Monopolen, Deregulierung wichtiger Sektoren und die Reduzierung des öffentlichen Sektors.

BodenschÀtze

Der bedeutendste Bodenschatz Syriens ist Erdöl. Daneben spielt in grĂ¶ĂŸerem Maße auch Erdgas eine Rolle, wĂ€hrend Syrien in den 2000er-Jahren weltweit fĂŒnftgrĂ¶ĂŸter Exporteur von Phosphat war. In geringerer Menge fördert Syrien auch Eisen, Chrom, Mangan, Asphalt und Steinsalz.

In den 1960er Jahren wurde im Nordosten des Landes das erste Öl entdeckt, das zu den schwereren Öltypen gehörte. In den 1980ern wurde außerdem in der Gegend von Deir ez-Zor leichtes, schwefelarmes Öl entdeckt. 1995 erreichte das Land jedoch bereits sein Fördermaximum mit 610.000 Barrel Tagesförderung. Danach sank die Förderrate konstant und erreichte 2008 noch 379.000 Barrel pro Tag. Im Januar 2009 wurden die verbliebenen Reserven auf 2,5 Mrd. Barrel geschĂ€tzt, wobei Fachleute sich einig waren, dass ungeachtet neuerer Entdeckungen Syrien spĂ€testens um 2020 zum Nettoimporteur von Öl und Ölprodukten werden wĂŒrde. Im Jahr 2008 wurden dagegen noch 150.000 Barrel tĂ€glich exportiert.

Im Jahr 2008 machte der Ölexport 20 % der Exporte aus, die Einnahmen deckten 23 % des Staatshaushalts und hatten einen Anteil von 22 % am Bruttosozialprodukt. 2006 hatten die Einnahmen aus dem Erdölsektor noch 33 bis 40 % des Staatshaushalts beigetragen. GrĂ¶ĂŸtes Unternehmen im Bereich der Ölförderung und -verarbeitung ist die Syrian Petroleum Company.

Syrien förderte darĂŒber hinaus im Jahr 2012 rund 22 Mio. Kubikmeter Erdgas tĂ€glich, die Reserven wurden damals auf 240 Mrd. Kubikmeter geschĂ€tzt. Obwohl Kooperationen mit internationalen Energieunternehmen bestanden, exportierte Syrien damals kein Erdgas, da der stark steigende inlĂ€ndische Energiebedarf sĂ€mtliche FörderzuwĂ€chse absorbierte, so wie Syrien auch jedes Jahr 10 % mehr ElektrizitĂ€t verbrauchte.

Tourismus

Der internationale Tourismus beschrĂ€nkte sich vor dem BĂŒrgerkrieg schwerpunktmĂ€ĂŸig auf Kultur- und Sprachtouristen, wĂ€hrend die fast 200 km lange KĂŒste vornehmlich von Einheimischen besucht wurde. Touristische Schwerpunkte waren neben den Metropolen Damaskus und Aleppo die antike Oasenstadt Palmyra, die mittelalterlichen Burgen im westlichen HĂŒgelland, in jĂŒngerer Zeit auch das landschaftlich eindrucksvolle Hauran-Gebiet im SĂŒden mit den Ruinen von Bosra. Die Infrastruktur war in den touristischen Zentren gut entwickelt, jedoch deutlich geringer in anderen Zonen, etwa um das Simeonskloster nordwestlich von Aleppo oder an den antiken AusgrabungsstĂ€tten am Euphrat.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 14,3 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 11,4 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,3 % des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2009 17,5 Mrd. US-Dollar oder 31,9 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 3,9 %
  • Bildung: 3,9 % (1999)
  • MilitĂ€r: 5,9 % (2005)

Infrastruktur

Schienenverkehr

Damas–Hama et Prolongements

Die erste Bahnlinie in dem Gebiet, das heute Syrien ist und damals Teil des Osmanischen Reichs war, wurde durch die Eisenbahn Damas–Hama et Prolongements (D.H.P.) angelegt. Sie hatte die aus französischer Kolonialtradition kommende seltene Spurweite von 1050 mm, da Konzessionsnehmer eine französische Gesellschaft war.

Die Strecken der Bahn fĂŒhrten von Beirut ĂŒber den Anti-Libanon nach Damaskus und von dort weiter nach Muzeirib. Die Überquerung des Gebirges war technisch aufwĂ€ndig; so gab es zum Beispiel Spitzkehren, die zu erzielenden Geschwindigkeiten und die anhĂ€ngbare Last pro Zug waren eng begrenzt und die KapazitĂ€t der Bahn gering.

Die Verbindung Damaskus – Muzeirib wurde bereits im Ersten Weltkrieg wieder abgebaut, um das Material fĂŒr die sĂŒdlichen VerlĂ€ngerungen der Hedschasbahn in PalĂ€stina einzusetzen. Die Verbindung Beirut – Damaskus wurde wĂ€hrend des libanesischen BĂŒrgerkriegs zwischen 1975 und 1990 zerstört.

Hedschasbahn

Der Bau der Hedschasbahn begann im Jahr 1900. Als Spurweite wurde die der D.H.P. gewĂ€hlt (1050 mm), weil einerseits der osmanische Staat mit den Betreibern ĂŒber eine Übernahme verhandelte – was scheiterte – und andererseits auf diese Weise unproblematisch Rollmaterial fĂŒr den Neubau der Hedschasbahn nach Damaskus gefahren werden konnte – angesichts fehlender Straßen ein nicht zu unterschĂ€tzender logistischer Vorteil.

Die Hauptstrecke wurde bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zwischen Damaskus und Medina im heutigen Saudi-Arabien in Betrieb genommen. Eine weitere Strecke fĂŒhrte von der Hauptstrecke abzweigend nach Haifa.

Die Stammstrecke wird in ihrem in Syrien gelegenen Abschnitt befahren. Der historische Kopfbahnhof Damaskus-Kanawat aber wurde geschlossen. Auf seinem Gleisfeld entsteht ein Einkaufszentrum, in das auch ein unterirdischer Bahnhof integriert werden soll.

Normalspurnetz

Die erste Eisenbahnstrecke in Normalspur entstand 1902 zwischen Aleppo und Midan Ekbas an der heutigen syrisch-tĂŒrkischen Grenze. Eine Erweiterung folgte 1906 in Richtung Hama.

Im Übrigen ist das 2460 km lange Normalspurnetz – mit Ausnahme des kurzen Abschnitts der Bagdadbahn ganz im Osten des Landes – verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig neu. Das Netz entstand weitestgehend erst nach 1970 und wurde zunĂ€chst mit sowjetischer Hilfe errichtet.

  • Die 750 km lange Strecke vom Hafen Latakia ĂŒber Aleppo zu den Ölfeldern bei Kamechli im Nordosten wurde in Etappen zwischen 1974 und 1978 in Betrieb genommen.
  • Dem Phosphattransport – das Abbaugebiet liegt in der WĂŒste rund um Palmyra – nach dem Hafen Tartus dient die 1980 eröffnete Strecke ĂŒber Homs.
  • Durch eine Zweigstrecke wurde 1983 auch die Hauptstadt Damaskus an das Normalspurnetz angeschlossen.
  • Die 80 km lange LĂŒcke am Mittelmeer zwischen Latakia und Tartus wurde 1992 geschlossen.
  • Von Deir Ezzor sollte ab 1981 eine 150 km lange Strecke nach Abou Kemal und weiter Richtung Bagdad gebaut werden. Aus politischen GrĂŒnden stellte Syrien im Folgejahr die Arbeiten wieder ein, nahm sie aber jetzt wieder auf.
Projekte
  • Die 203 km lange Linie von Deir Ezzor nach Palmyra existiert bisher nur auf dem Reißbrett.
  • Parallel zur Hedschasbahn sollte ab 1996 eine fĂŒr 160 km/h trassierte Strecke nach Dera’a und weiter nach Jordanien entstehen. Bis heute konnte Jordanien sich aber nicht zu einer Bauzusage entschließen.
  • Ebenfalls noch Zukunftsmusik ist ein neuer unterirdischer Hauptbahnhof in Damaskus. Im Vorgriff darauf wurde der Kopfbahnhof Damaskus-Kanawat geschlossen.
Betrieb

Die Eisenbahnlinien Syriens sind eingleisig und nicht elektrifiziert.

Das Regelspurnetz wird durch die CFS, die syrische Eisenbahngesellschaft (Chemins de Fer Syriens), betrieben, das Schmalspurnetz durch die Hedschas-Bahngesellschaft. Betrieben wird vom Schmalspurnetz heute noch die Strecke Damaskus–Amman/Jordanien und von hier abzweigend die Strecke Dar’a – Muzeirib.

Iran liefert GĂŒterwagen in großer StĂŒckzahl.

Lokomotiven und Triebwagen

Von den vierachsigen französischen B&L-Lokomotiven der Reihe LDE 650 abgesehen, besteht der normalspurige CFS-Diesellokomotivenpark nur aus sechsachsigen dieselelektrischen Maschinen. Die Baureihen LDE 1200 (Baujahr 1972) und LDE 2800 (1974 bzw. 1984) stammen aus der Sowjetunion, die Reihe LDE 1800 (1976) von General Electric und die Reihe LDE 1500 von ČKD. Ab 1999 wurde der ĂŒberalterte Lokomotivbestand durch die Lieferung von 30 französischen Alstom-Lokomotiven („Prima“) verjĂŒngt. Nach der Jahrtausendwende begann die CFS mit einem Modernisierungsprogramm fĂŒr die Reihe LDE 2800, die mit General Electric-Dieselmotoren ausgerĂŒstet wird.

FĂŒr den Verkehr zwischen Damaskus und Aleppo wurden 2006 fĂŒnf fĂŒnfteilige Triebwagen fĂŒr eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h aus koreanischer Produktion geliefert.

Personenverkehr

Infolge des starken Konkurrenzdrucks von der Straße ist das Reisezugangebot der CFS gering. TĂ€glich verkehren zwischen 16 und 20 ReisezĂŒge auf einem Teilnetz. Die Fahrgastzahlen tendieren aber aufwĂ€rts. Es gibt internationale Verbindungen nach Jordanien, in die TĂŒrkei und den Iran. Der zweimal wöchentlich verkehrende Reisezug Damaskus–Amman ist das einzige regulĂ€re Angebot der beiden Bahnen im Personenverkehr, wobei der Zuglauf an der Grenze in Dar’a gebrochen wird, damit die Fahrzeuge noch am selben Tag zum Ausgangsbahnhof zurĂŒckkehren können.

Der grĂ¶ĂŸte Teil der Reisezugwagen stammt aus der frĂŒheren DDR, ein kleinerer aus RumĂ€nien. Der Wagenpark wird nach und nach bei Wagon Pars im Iran modernisiert.

Flugverkehr

Syrien verfĂŒgt ĂŒber sechs FlughĂ€fen, von denen die FlughĂ€fen von Damaskus, Aleppo und Latakia internationale Verbindungen bieten.

Die syrische Fluggesellschaft Syrian Arab Airlines fliegt nationale und internationale Ziele in Europa, Afrika und Asien an. Die private Fluggesellschaft Cham Wings Airlines fliegt von Damaskus aus die Ziele Bagdad, Nadschaf, Malmö, Scharm El-Scheich und Dschidda an, darĂŒber hinaus im Charterverkehr saisonal Ziele wie Antalya.

Gesundheitsversorgung

Nach Ausbruch der Revolution und nach der Zunahme der Anzahl der Demonstrationen stieg laut einem Bericht von Ärzte ohne Grenzen vom Februar 2012 auch die Anzahl der verwundeten Demonstranten durch Angriffe der staatlichen SicherheitskrĂ€fte, der regulĂ€ren Armee und der Schabiha-Milizen drastisch. Diese Verwundeten konnten allerdings nicht in staatlichen KrankenhĂ€user und Kliniken versorgt werden, da es sich schnell herausstellte, dass die Verwundeten in den KrankenhĂ€usern verhaftet, gefoltert oder umgebracht wurden. Ärzte, die die Demonstranten versorgen wollten, wurden ebenfalls verhaftet oder sogar ermordet. Dies fĂŒhrte dazu, dass provisorische Kliniken in den Orten der Demonstrationen errichtet wurden, wo medizinisches Personal – auch unter Lebensgefahr – die Verwundeten versorgte.

Bildung

Es gibt 8 öffentliche und 22 private UniversitĂ€ten in Syrien. ZustĂ€ndig dafĂŒr ist das Bildungsministerium (Ministry of Higher Education) in Damaskus. Die Schulpflicht dauert bis zum Alter von elf Jahren. Dabei sind v. a. die unteren Bildungsstufen kostenfrei, wĂ€hrend die private kostenpflichtige Bildung in den höheren Bildungsstufen dominiert.

Das Bildungssystem unterliegt strenger Regierungsaufsicht. Von der Bevölkerung ĂŒber 15 Jahre können 81 % der Frauen und 92 % der MĂ€nner lesen und schreiben, unter den jungen Leuten zwischen 15 und 24 Jahren ist die Analphabetismusrate jedoch mit 5,5 % relativ gering, was daran liegt, dass sie in der Zeit nach EinfĂŒhrung der allgemeinen Schulpflicht herangewachsen sind. Englisch wird schon ab der 1. Klasse unterrichtet.

Die staatlichen UniversitÀten sind: UniversitÀt Damaskus, UniversitÀt Aleppo, Tischrin-UniversitÀt, Albaath-UniversitÀt, Al-Furat-UniversitÀt, UniversitÀt Tartus, UniversitÀt Hama, Syrian Virtual University.

Kultur

Feiertage

In Syrien gibt es sowohl staatliche als auch religiöse Feiertage. Grundlage fĂŒr die staatlichen Feiertage ist dabei, wie in mittlerweile fast allen arabischen LĂ€ndern, der Gregorianische Kalender, der aus muslimischer Sicht oft fĂ€lschlich als christlich konnotiert wird.

FĂŒr die islamischen Feiertage gilt die Hidschra-Zeitrechnung nach dem Mondkalender. Da das Mondjahr elf Tage kĂŒrzer ist als das Sonnenjahr, „wandern“ die islamischen Feiertage jedes Jahr entsprechend „nach vorn“.

Syrische Esskultur

Die syrische KĂŒche ist vielfĂ€ltig regional geprĂ€gt. Die Gerichte spiegeln die EinflĂŒsse von Gerichten der umgebenden LĂ€nder, der TĂŒrkei, Griechenlands und des Nahen Ostens und der Mandatsmacht Frankreich wieder. Wichtige Gerichte sind Falafel, Makloube, Mehshi, Manakish, Bulgur, Kibbeh, Hummus, TaboulĂ©, Fatousch, Laban, Schawarma, Mujaddara, Shanklish, Pastırma, Sucuk und Baklava.

GetrĂ€nke in Syrien sind Schwarzer Tee, TĂŒrkischer Kaffee, Ayran, Dschallab aber auch Arak und Wein.

Medien

Die wichtigsten Tageszeitungen sind unter anderem die Parteizeitungen al-Baath und ath-Thaura, die private al-Watan, Tishrin, al-Dschamahir al-Arabia, al-Fida sowie die englischsprachige Syria Times.

Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen beurteilt die Lage der Pressefreiheit in Syrien als „sehr ernst“. Die syrischen Behörden verweigern Journalisten und unabhĂ€ngigen Beobachtern die Einreise ins Land. Auch syrische unabhĂ€ngige und oppositionelle Journalisten wurden des Landes verwiesen oder verhaftet.

Im Jahr 2017 sind vier Online-Aktivisten und BĂŒrgerjournalisten in Syrien getötet worden. Laut dem Bericht von Reporter ohne Grenzen steht der Tod der Opfer in direktem Zusammenhang mit deren journalistischer TĂ€tigkeit. Außerdem sind 15 Online-Aktivisten und BĂŒrgerjournalisten in Haft.

Film

Sport

Literatur

BĂŒcher

  • Michael LĂŒders: Die den Sturm ernten: Wie der Westen Syrien ins Chaos stĂŒrzte. C.H.Beck, MĂŒnchen 2019, ISBN 978-3-406-70780-3.
  • Thomas Collelo: Syria : a country study. Federal Research Division, Washington, D.C. 1988. (online)
  • Alan George: Syria – Neither Bread Nor Freedom. London 2003, ISBN 1-84277-212-0.
  • Daniel Gerlach: Herrschaft ĂŒber Syrien. Macht und Manipulation unter Assad. Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2015, ISBN 978-3-89684-164-3. (Rezension)
  • Kristin Helberg: Brennpunkt Syrien. Einblick in ein verschlossenes Land. Herder Spektrum, Freiburg im Breisgau 2012, ISBN 978-3-451-06544-6.
  • Fred H. Lawson (Hrsg.): Demystifying Syria. The London Middle East Institute at SOAS, London 2009, ISBN 978-0-86356-654-7.
  • Bernd Lemke (Hrsg.): Irak und Syrien (= Wegweiser zur Geschichte). Im Auftrag des Zentrums fĂŒr MilitĂ€rgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Schöningh, Paderborn 2016, ISBN 978-3-506-78662-3.
  • Flynt Levert: Inheriting Syria – Bashar’s Trial by Fire. Washington D.C. 2005, ISBN 0-8157-5204-0.
  • Volker Perthes: Geheime GĂ€rten – Die neue arabische Welt. Siedler, Berlin 2002, ISBN 3-88680-747-9.
  • Michael Sommer: Syria. Geschichte einer zerstörten Welt. Klett-Cotta, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-608-94977-3.
  • Arthur Ruppin: Syrien als Wirtschaftsgebiet. In: Der Tropenpflanzer; Beiheft 3/5. 1916. Berlin 1916, S. 179 – 555 (Digitale Sammlung Judaica der UniversitĂ€t Frankfurt [abgerufen am 5. Oktober 2014] urn:nbn:de:hebis:30:1-129200). 
  • Anne-BĂ©atrice Clasmann: Der arabische (Alb-)Traum. Aufstand ohne Ziel. 2. Auflage. Passagen Verlag, Wien 2016, ISBN 978-3-7092-0217-3 (Passagen Thema), S. 215–252 ("Die syrische Tragödie")

AufsÀtze

  • Bawar Bammarny: The Legal Status of the Kurds in Iraq and Syria. In: Constitutionalism, Human Rights, and Islam After the Arab Spring. Oxford University Press, S. 475–495.
  • Shmuel Bar: Bashar’s Syria – The Regime and its Strategic Worldview. In: Comparative Strategy. Band 25, Nr. 5, 2006, Special Issue, S. 353–445.
  • Nadja Thoma: Syrien – zwischen BestĂ€ndigkeit und Wandel: gesellschaftliche Strukturen und politisches System. Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie, 6/2008 (Artikel online lesen; PDF; 1,3 MB)
  • Themenheft: Syrien Endspiel. Inamo 70, Sommer 2012
  • Ulrike Freitag: Syrien in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts. In: JĂŒrgen Osterhammel (Hrsg.): Asien in der Neuzeit 1500–1950. Frankfurt 1994, ISBN 3-596-11853-0, S. 143–159 und 182–185.

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Syrien
  • Botschaft der Syrischen Arabischen Republik in Berlin. Abgerufen am 10. April 2011. 
  • Deutsche Botschaft Damaskus. Abgerufen am 10. April 2011. 
  • CIA World Factbook: Syrien (englisch) – Dossier
  • Linkkatalog zum Thema Syrien bei curlie.org (ehemals DMOZ)
  • Khalid ElKaoutit: Syrien Kompakt bei der Deutschen Welle
  • Wolfgang G. Schwanitz: Abendröte des al-Asad-Regimes, Webversion 12-2011 (PDF; 302 KB)
  • Dossiers zum Thema Syrien in der Pressemappe 20. Jahrhundert der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

Einzelnachweise


 

Region Regionen (13)

Bezeichnung der Regionen: Gouvernement
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
al-Hasaka 37.325 35.552 39.442 42.377  
Aleppo 36.909 35.435 36.531 38.671  
ar-Raqqa 36.744 35.249 38.021 39.805  
as-Suwaida 33.225 32.313 36.336 37.494  
Damascus 34.228 32.69 35.83 38.315  
DarÊżÄ 33.295 32.357 35.769 36.571  
Deir ez-Zor 36.464 34.073 39.242 41.308  
Hamah 35.756 34.85 36.137 38.303  
Homs 35.391 33.131 36.112 40.173  
Idlib 36.333 35.317 36.149 37.216  
Latakia 35.927 35.22 35.724 36.288  
Quneitra 33.323 32.836 35.819 35.987  
Tartus 35.261 34.628 35.867 36.313  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Syria

Name englisch: Syria
Hauptstadt: Damascus
Kfz: SYR
ISO: SY
ISO3: SYR
Fläche: 185180 km²
Tld: .sy
Wärung Einheit: SYP
Währung: Pound
Vorwahl: 963

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 37.320569
südlichster Punkt: 32.311136
westlichster Punkt: 35.7165956
östlichster Punkt: 42.376309


 
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