Lšnder Länder/Staaten > Europa > Ungarn Ungarn

Land Karte: Ungarn | Grenzen der Regionen auf der Karte anzeigen | Nachbarstaaten auf der Karte anzeigen

Staaten Nachbarstaaten: (11)

Nachbarstaaten Info Die Nachbarstaaten werden automatisch anhand der Grenzen errechnet. Daher kann es vorkommen, dass ein Nachbarstaat fehlt oder zu viel angezeigt wird.
Wir versuchen diese im Laufe der Zeit manuell anzupassen. Bei Fehlern kŲnnt ihr euch jederzeit an uns wenden Łber das Kontaktformular.

Staat Informationen : Ungarn

Informationen:


Ungarn (ungarisch Magyarorsz√°g [ňąm…í…ü…írorsaňź…°] ) ist ein Binnenstaat in Mitteleuropa mit rund 9,8 Millionen Einwohnern. Das im Pannonischen Becken gelegene und von der Donau durchflossene Land grenzt an √Ėsterreich, die Slowakei, die Ukraine, Rum√§nien, Serbien, Kroatien und Slowenien.

Hauptstadt und gr√∂√üte Stadt ist Budapest, zu den weiteren Gro√üst√§dten z√§hlen Debrecen, Miskolc, Szeged, P√©cs und GyŇĎr. Das Land ist seit 1999 Mitglied der NATO und geh√∂rt seit 2004 zur Europ√§ischen Union.

Staats- und Landesname

Herkunft

Die Eigenbezeichnung der Ungarn weicht stark von den ausl√§ndischen Namen f√ľr Ungarn ab. Der Begriff magyar (Aussprache /madjar/ von ung. magyar [ňąm…í…ü…ír]; fr√ľher magyeri) taucht schon im 9. und 10. Jahrhundert in islamischen Quellen auf und ist wahrscheinlich ein Kompositum aus magy (< ugrisch *maŇĄńáőĶ = ‚ÄěMensch, Mann, Geschlecht‚Äú) und er(i) (ebenfalls ‚ÄěMensch, Mann, Geschlecht‚Äú). Der Name bezeichnete anfangs nur einen von sieben halbnomadischen St√§mmen, die im 9. sowie im beginnenden 10. Jahrhundert r√§uberische √úberf√§lle in Europa (bis √ľber die Pyren√§en) unternahmen. Diese St√§mme hie√üen Megyer (Magyar), Tarj√°n, JenŇĎ, K√©r, Keszi, K√ľrt-Gyarmat und Ny√©k; sie sind auch unter dem Stammesbundnamen h√©tmagyar bekannt. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts ist es dem Stamm der Magyaren ‚Äď das hei√üt den Nachkommen √Ārp√°ds ‚Äď gelungen, die √ľbrigen St√§mme unter seiner Oberherrschaft zu vereinigen. Von da an kann von Magyaren gesprochen werden.

Der Name ‚ÄěUngarn‚Äú gelangte vermutlich aus dem Slawischen in die anderen europ√§ischen Sprachen. Das slawische Wort l√§sst sich auf die bolgarot√ľrkische Stammesbezeichnung onogur (on = ‚Äězehn‚Äú + ogur = ‚ÄěStamm‚Äú) zur√ľckf√ľhren, die dadurch entstand, dass die Vorfahren der Ungarn im 5. und 6. Jahrhundert in enger Verbindung mit den Onoguren lebten. Das ‚ÄěH-‚Äú im lateinischen hungarus (und dadurch auch in manchen anderen Sprachen) entstand dadurch, dass der Name irrt√ľmlicherweise mit den Hunnen (Hunni) gleichgesetzt wurde.

Gebrauch des Namens

Das K√∂nigreich Ungarn, das in wechselnden Grenzen von 1001 bis 1946 bestand, hei√üt auf Ungarisch Magyar Kir√°lys√°g, da magyar im Ungarischen als Staatsbezeichnung und auch als Volksbezeichnung fungiert. Das heutige Ungarn hei√üt in der Landessprache Magyarorsz√°g (dt.: Ungarland). Von magyar wird im Deutschen auch das Adjektiv ‚Äěmagyarisch‚Äú abgeleitet. In den meisten Sprachen der Welt ‚Äď so auch im Deutschen ‚Äď werden f√ľr das Land und seine Bewohner ebenfalls gleichlautende Bezeichnungen verwendet; sie stammen von dem lateinischen Begriff hungarus her. Dieser wiederum geht auf den Namen eines sp√§tantiken Reitervolks am Schwarzen Meer zur√ľck, den der Onoguren, die im Mittelalter ‚Äď m√∂glicherweise irrt√ľmlich ‚Äď mit den Magyaren gleichgesetzt wurden. In Form der Landesbezeichnungen ‚ÄěHungary‚Äú und ‚ÄěHongrie‚Äú gelangte dieser Name beispielsweise auch ins Englische und Franz√∂sische. Auf Rum√§nisch hei√üen das K√∂nigreich und die heutige Republik Regatul Ungariei beziehungsweise Republica Ungaria oder kurz Ungaria (Ungarn) und auf Ukrainisch –ö–ĺ—Ä–ĺ–Ľ—Ė–≤—Ā—ā–≤–ĺ –£–≥–ĺ—Ä—Č–ł–Ĺ–į (Koroliwstwo Uhorschtschyna) oder kurz –£–≥–ĺ—Ä—Č–ł–Ĺ–į (Uhorschtschyna).

Slowaken, Slowenen, Kroaten und Serben, die bis 1918 ganz oder teilweise im multiethnischen Ungarn lebten, unterscheiden dagegen bei der Staats- und Volksbezeichnung zwischen ‚Äěungarisch‚Äú und ‚Äěmagyarisch‚Äú. F√ľr den ungarischen Teil des einstigen Vielv√∂lkerstaats √Ėsterreich-Ungarn werden Bezeichnungen verwendet, die auf hungarus beruhen: Uhorsko (slowakisch), Ogrska (slowenisch) und Ugarska/–£–≥–į—Ä—Ā–ļ–į (kroatisch/serbisch). F√ľr den nach dem Vertrag von Trianon 1920 entstandenen Staat lauten die Bezeichnungen hingegen, abgeleitet von dem ethnischen Begriff Magyaren MańŹarsko (slowakisch), MadŇĺarska (slowenisch) und MańĎarska/–ú–į—í–į—Ä—Ā–ļ–į (kroatisch/serbisch).

Bis 2012 lautete die amtliche Vollform Republik Ungarn (ungarisch Magyar Köztársaság).

Geographie

Die Au√üengrenze ist 2009 Kilometer lang, davon 366 Kilometer mit √Ėsterreich, 515 mit der Slowakei, 103 mit der Ukraine, 443 mit Rum√§nien, 151 mit Serbien, 329 mit Kroatien und 102 Kilometer mit Slowenien.

Ungarn besteht aus 19 Komitaten (wobei umstritten ist, ob man Budapest als 20. Komitat mitz√§hlen soll). Im Westen, an √Ėsterreich grenzend, befinden sich die Komitate GyŇĎr-Moson-Sopron und Vas. Diese westliche Gegend des Landes ist besonders durch ihre Voralpenh√ľgel gekennzeichnet. Etwas weiter im Osten, beim Plattensee, befinden sich Veszpr√©m, Somogy und Fej√©r, weiter im Norden davon Kom√°rom-Esztergom. Diese Gegend ist vor allem wegen des Bakonygebirges bekannt. Weiter √∂stlich befinden sich die Hauptstadt Budapest, mit dem umliegenden Komitat Pest, und weiter s√ľdlich B√°cs-Kiskun. Dominiert wird diese Gegend vom Pilisgebirge und von der Donau.

Noch weiter √∂stlich befinden sich die Komitate Heves, J√°sz-Nagykun-Szolnok und Csongr√°d-Csan√°d. Diese Gegend ist der Zwischenraum zwischen der Donau und der Thei√ü (ungarisch: Tisza). Im S√ľden der Region finden sich kleine Steppen. Im Norden befindet sich das M√°tra-Gebirge mit dem h√∂chsten Berg Ungarns, dem K√©kes. Am √∂stlichen Rand des Landes befinden sich die Komitate Borsod-Aba√ļj-Zempl√©n, Szabolcs-Szatm√°r-Bereg, Hajd√ļ-Bihar und B√©k√©s. Diese Gegend wird von der Puszta im S√ľden und dem B√ľkk in Borsod-Aba√ļj-Zempl√©n dominiert.

Tiefebenen

Die Donau teilt Ungarn in das westliche Transdanubien mit der Kleinen Ungarischen Tiefebene (ungarisch Kisalf√∂ld) und in die von der Thei√ü durchflossene Gro√üe Ungarische Tiefebene (ungarisch Alf√∂ld) im zentralen und √∂stlichen Teil des Landes. Die fruchtbare Kleine Ungarische Tiefebene im Nordwesten Ungarns besteht haupts√§chlich aus dem Becken von GyŇĎr (Raab). Die abwechslungsreiche Landschaft wird bestimmt durch leicht welliges Terrain, kleine H√ľgel und zerschnittene Platten. Auf den fruchtbaren L√∂ssb√∂den kann dank des milden Klimas intensiv Landwirtschaft betrieben werden.

Die Gro√üe Ungarische Tiefebene nimmt nahezu die H√§lfte des gesamten Staatsgebiets Ungarns ein. Sie ist eine ebene, weitr√§umige Fl√§che und ist mit in vorgeschichtlicher Zeit aufgesch√ľtteten Ger√∂llen und Sanden bedeckt. Sie ist entlang der Thei√ü von Auenlandschaften durchzogen und mit einzelnen Waldinseln durchsetzt. Die Trockenlegung der Auen und die Rodung der W√§lder haben zur Versalzung der B√∂den gef√ľhrt. So entstand die typische Puszta mit Ziehbrunnen, Einzelgeh√∂ften und extensiver Weidewirtschaft. Aufgrund aufw√§ndiger Bew√§sserungsma√ünahmen entstanden fruchtbare B√∂den, die den Anbau von Tabak, Mais und Sonnenblumen erm√∂glichen. Der Hortob√°gyi-Nationalpark wurde geschaffen, um die urspr√ľngliche Puszta-Landschaft zu sch√ľtzen.

Gebirge

Die ungarischen Mittelgebirge verlaufen vom Zempl√©n-Gebirge im Nordosten bis zum Bakonywald im Westen. Fast alle Mittelgebirge in Ungarn tragen in h√∂heren Lagen dichten Laubwald. Die H√§nge und Becken sind mit fruchtbaren B√∂den bedeckt, die Acker-, Obst- und Weinbau erm√∂glichen. Thermalquellen, die an den R√§ndern der Mittelgebirge auftreten, sind Zeugnisse eines vergangenen und lebhaften Vulkanismus. Dies best√§tigen auch die vulkanischen Gesteine des Bakonywaldes und des M√°tra-Gebirges im Norden. Bis auf diese Ausnahmen bestehen die sonstigen Mittelgebirge in Ungarn aus Dolomit und Kalkstein. Das bewaldete Mecsekgebirge im S√ľdwesten n√∂rdlich von P√©cs erhebt sich inselartig auf bis zu 682¬†m. Im M√°tra-Gebirge liegt die mit 1014¬†m h√∂chste Erhebung Ungarns, der K√©kes.

Höhenverhältnisse:

  • Gr√∂√üte H√∂he: K√©kes im M√°tra-Gebirge, Komitat Heves, bis 1014¬†m.
  • Niedrigster Landesteil: an der Thei√ü, im Komitat Csongr√°d-Csan√°d, 78¬†m.
  • Etwa die H√§lfte des Landes liegt tiefer als 130 m (Gro√üe Ungarische Tiefebene).

Städte

Die mit Abstand gr√∂√üte Stadt ist die Hauptstadt Budapest mit etwa 1,75 Millionen Einwohnern (2017). Etwa 18 Prozent der Bev√∂lkerung Ungarns lebt in der Hauptstadt. Die nachfolgend gr√∂√üten St√§dte sind Debrecen (Debrezin, ca. 202.000 Einwohner), Szeged (Szegedin, ca. 161.000 Einwohner), Miskolc (Mischkolz, ca. 157.000 Einwohner), P√©cs (F√ľnfkirchen, ca. 145.000 Einwohner), GyŇĎr (Raab, ca. 129.000 Einwohner), Ny√≠regyh√°za (Kirchen, ca. 118.000 Einwohner) und Kecskem√©t (ca. 110.000 Einwohner).

Fl√ľsse und Seen

Der l√§ngste Fluss in Ungarn ist die Donau (ung. Duna), zu deren Einzugsgebiet das gesamte ungarische Staatsgebiet geh√∂rt. An ihrem Flusslauf liegen unter anderem die wichtigen St√§dte Kom√°rom (Komorn), Esztergom (Gran), die Hauptstadt Budapest (Ofen-Pest), Duna√ļjv√°ros, Baja und Moh√°cs. Die Donau erreicht Ungarn im Nordwesten und flie√üt zun√§chst als Grenzfluss zur Slowakei in Richtung Osten. Nach dem Donauknie, einer 90¬į-Wendung des Flusses bei Visegr√°d, flie√üt sie von Norden nach S√ľden und verl√§sst Ungarn in Richtung Balkan, wo der Fluss zuerst als Grenze zwischen Kroatien und Serbien fungiert, ehe er quer durch Serbien in Richtung Rum√§nien weiterflie√üt.

Der zweite Hauptfluss Ungarns ist die Thei√ü, die das Land im Nordosten aus der Ukraine kommend erreicht und im weiteren Verlauf √∂stlich parallel zur Donau nach S√ľden flie√üt, um schlie√ülich in Serbien in die Donau zu m√ľnden. Gr√∂√üere St√§dte an ihrem Lauf sind Tokaj, Tisza√ļjv√°ros (fr√ľher Leninv√°ros), Szolnok, Csongr√°d und Szeged.

Weitere wichtige Fl√ľsse in Ungarn sind die Drau (ung. Dr√°va), der Hern√°d, der Saj√≥, die K√∂r√∂s (dt. Kreisch), die Mur, die Raab (ung. R√°ba), die Zagyva und die Zala.

Fast alle genannten Fl√ľsse entspringen au√üerhalb Ungarns: die Donau im Schwarzwald (S√ľddeutschland), die Thei√ü in der Ukraine, die Drau in S√ľdtirol, Hern√°d und Saj√≥ in der Slowakei, die K√∂r√∂s in Siebenb√ľrgen (West-Rum√§nien), Mur und Raab in √Ėsterreich. Lediglich die Quellen von Zagyva und Zala befinden sich in Ungarn, wenn auch in unmittelbarer Grenzn√§he.

Der gr√∂√üte See in Ungarn ist der Plattensee (ungarisch Balaton) im h√ľgeligen Westungarn. Er ist zugleich der gr√∂√üte See in Mitteleuropa. Der Plattensee ist neben der Hauptstadt Budapest das wichtigste Tourismusgebiet Ungarns, vor allem wegen seiner Str√§nde und Thermalquellen. In seiner N√§he liegt der Velencer See (ungarisch Velencei-t√≥), ebenfalls ein beliebter Badesee mit einem bedeutenden Vogelschutzgebiet, der aber touristisch stark im Schatten des ‚Äěgro√üen Bruders‚Äú Plattensee liegt. Der Neusiedler See (ungarisch FertŇĎ-t√≥) liegt zu 75 Prozent in √Ėsterreich, nur der s√ľdlichste Teil geh√∂rt zu Ungarn. Der Nationalpark FertŇĎ-Hans√°g umfasst den ungarischen Teil des Sees sowie die S√ľmpfe im S√ľden und den Hans√°g und wurde 2001 zusammen mit dem √∂sterreichischen Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel zum UNESCO-Welterbes ernannt.

Der gr√∂√üte k√ľnstlich geschaffene See Ungarns ist der Thei√ü-See (ungarisch: Tisza-t√≥) in der Tiefebene im √∂stlichen Teil des Landes.

Klima

Wegen der Binnenlage und der abschirmenden Wirkung der Gebirge hat Ungarn ein relativ trockenes Kontinentalklima mit kalten Wintern und warmen Sommern. Die mittleren Temperaturen liegen im Januar zwischen ‚ąí3¬†¬įC und ‚ąí1¬†¬įC sowie im Juli zwischen +21¬†¬įC und +23¬†¬įC. Im Fr√ľhsommer sind die ergiebigsten Niederschl√§ge zu verzeichnen. Die mittlere Niederschlagsmenge betr√§gt im Westen auf Grund der vorherrschenden Regen bringenden Westwinde rund 800 Millimeter, w√§hrend in den √∂stlichen Landesteilen in trockenen Jahren 500 Millimeter unterschritten werden k√∂nnen. Die Niederschlagsmenge nimmt generell von Westen nach Osten ab.

Flora und Fauna

In Ungarn sind etwa 45.000 Tierarten und 2.200 Pflanzenarten beheimatet. Vereinzelt gibt es nord-, ost- und s√ľdeurop√§ische Arten, die Mehrheit wird von mitteleurop√§ischen Arten gebildet. 855 Tierarten und 535 Pflanzenarten stehen unter Schutz. Seltene, gesch√ľtzte Blumen sind beispielsweise die mediterrane Nieswurz, die wilde Pfingstrose im H√ľgelland vom Mecsek und die ungarische Windblume in der Ny√≠rs√©g-Gegend. Wildschweine, Hirsche, Rehe und F√ľchse sind ebenfalls in den ungarischen W√§ldern beheimatet. Auf den landwirtschaftlichen Landfl√§chen und im Tiefland leben vor allem Hasen, Fasane, Rebh√ľhner und Wachteln. Im Fr√ľhling ziehen riesige Vogelschw√§rme von S√ľden nach Norden. Zu ihnen geh√∂ren Schwalben und St√∂rche, die in Afrika den Winter verbringen. Gesch√ľtzte Vogelarten sind beispielsweise der Stelzenl√§ufer, die Trappe, die vor allem in der s√ľdlichen Tiefebene verbreitet ist, und der S√§belschn√§bler. Die ungarischen Fl√ľsse und Seen sind sehr fischreich. Beheimatet sind Brassen, Karpfen und Hechte. Aale und Amuren wurden aus fremden Seen und Fl√ľssen √ľbergesiedelt und leben mittlerweile zahlreich in ungarischen Gew√§ssern. Auf einer Gesamtfl√§che von 816.008 Hektar gibt es neun Nationalparks, 38 Landschaftsschutzgebiete und 142 Naturschutzgebiete.

Bevölkerung

Demografische Struktur

Wie in anderen westlichen Industrienationen zeigt sich auch in Ungarn eine Alterung der Gesellschaft. So waren 15,9 Prozent der Bev√∂lkerung unter 15 Jahre, die Mehrheit der Einwohner 15 bis 65 Jahre (68,6 Prozent) und 15,5 Prozent √ľber 65 Jahre alt. Die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer lag 2018 bei 1,6 Kindern pro Frau (Deutschland: 1,6; √Ėsterreich und Schweiz: 1,5; Welt: 2,4). Die Lebenserwartung lag 2015 bei der m√§nnlichen Bev√∂lkerung bei 71,7 Jahren und bei der weiblichen Bev√∂lkerung bei 78,9 Jahren.

Laut Volksz√§hlung 2001 hatte Ungarn in jenem Jahr noch knapp 10,2 Millionen Einwohner bei einem gesch√§tzten Bev√∂lkerungsr√ľckgang von 0,32 Prozent. Die Hauptursache ist die niedrige Geburtenrate von rund zehn Geburten auf 1000 Einwohner. Auch nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts setzt sich der seit den 1980er Jahren zu verzeichnende R√ľckgang der Einwohnerzahl fort. Gem√§√ü der j√ľngsten Sch√§tzung der CIA lebten in Ungarn 2018 etwa 9,826 Millionen Menschen.

Ethnien

Die weitaus größte Volksgruppe sind die Magyaren, die laut der Volkszählung von 2001 92,3 % der Bevölkerung ausmachen.

Als größte der ethnischen Minderheiten in Ungarn gelten die Roma (vgl. Roma in Ungarn). Laut einer Volkszählung sind es etwa 2 % der Gesamtbevölkerung; laut anderen Schätzungen sind es deutlich mehr.

Wichtige Volksgruppen sind Ungarndeutsche (u.¬†a. Donauschwaben) (0,6¬†%), Slowaken (0,2¬†%) und Kroaten (0,15¬†%). Alle anderen Ethnien sind laut dieser Statistik mit weniger als 10.000 Personen vertreten. Zahlenm√§√üig folgen Rum√§nen, Ukrainer, Serben, Slowenen und Wenden, Polen, Griechen, Bulgaren, Russinen und Armenier. Weitere Auswahlm√∂glichkeiten waren nicht vorhanden. √úber 27.000 Personen gaben ‚ÄěUnbekannt‚Äú an. √úber f√ľnf Prozent der Befragten beantworteten die Frage nicht.

Au√üerhalb Ungarns leben im Karpatenbecken etwa 2,4 Millionen Magyaren. Ihre Siedlungsgebiete liegen auf Grund des Vertrages von Trianon als Folge des Ersten Weltkrieges jenseits der heutigen Staatsgrenzen. Dies f√ľhrt noch heute gelegentlich zu politischen Verstimmungen zwischen den Nachbarl√§ndern und Ungarn.

Im Jahre 2017 waren 5,2 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Häufigste Herkunftsländer waren Rumänien (210.000 Personen), die Ukraine (50.000) und Serbien (40.000). In allen drei Ländern leben große ungarische Minderheiten.

Religionen und Konfessionen

Im Rahmen der Volksz√§hlung 2011 wurde auch nach der Konfession gefragt. 39 Prozent der Bev√∂lkerung bekannte sich zur r√∂misch-katholischen und zur ungarischen griechisch-katholischen Kirche. 11,6 Prozent der Bev√∂lkerung waren Calvinisten, 2,2 Prozent Lutheraner. Vor dem Holocaust lebten rund 800.000 Juden in Ungarn. Von den heute in Ungarn lebenden Juden bekannten sich bei der letzten Volksz√§hlung knapp 11.000 zum j√ľdischen Glauben. 18,2 Prozent der Bev√∂lkerung sagten, dass sie konfessionslos oder Atheisten seien. 27,2 Prozent machten keine Angaben. Es gibt in Ungarn keine Kirchenmitgliedschaft im eigentlichen Sinne. Es gibt keine Kirchensteuer. Allerdings besteht die M√∂glichkeit, ein Prozent der Einkommensteuer einer Religionsgemeinschaft zuzuweisen. Von dieser M√∂glichkeit hat 2008 zugunsten der katholischen Kirche eine halbe Million Steuerzahler Gebrauch gemacht. Danach folgen die Reformierten mit 160.000 und die Lutheraner mit 50.000 Steuerzahlern. Auf Platz vier liegt die Krishna-Bewegung (11.000), auf Platz f√ľnf folgen die j√ľdischen Gemeinden (5000).

Alle folgenden Zahlen beziehen sich auf die vorherige Volkszählung 2002.

Religionszugehörigkeit laut Volkszählung 2001:

  1. Christen und christlich Orientierte: 7.584.175 (74,37 %)
    1. Katholiken: 5.558.961 (54,51 %)
      • R√∂misch-Katholische: 5.289.521 (51,87¬†%)
      • Griechisch-Katholische: 268.935 (2,64¬†%)
      • Sonstige Katholiken: 505 (< 0,01¬†%)
    2. Evangelisch-Reformierte (Calvinisten und Mitglieder der Reformierten Kirche in Ungarn): 1.622.796 (15,91 %)
    3. Evangelisch-Lutherische: 304.705 (2,99 %)
    4. Zeugen Jehovas: 21.688 (0,21 %)
    5. Baptisten: 17.705 (0,17 %)
    6. Orthodoxe und orientalische Christen: 15.298 (0,15 %)
      • Rum√§nisch-Orthodoxe: 5.598 (0,05¬†%)
      • Russisch-Orthodoxe: 3.502 (0,03¬†%)
      • Sonstige Orthodoxe und Orientalische: 6.198 (0,06¬†%)
    7. Pfingstler: 8.428 (0,08 %)
    8. Unitarier: 6.541 (0,06 %)
    9. Adventisten: 5.840 (0,06 %)
    10. sonstige Christen und christlich Orientierte: 22.213 (0,22 %)
  2. Juden: 12.871 (0,13 %)
  3. Buddhisten: 5.223 (0,05 %)
  4. Muslime: 3.201 (0,03 %)
  5. sonstige: 5.143 (0,05 %)
  6. ohne Religionszugehörigkeit: 1.483.369 (14,55 %)
  7. keine Angaben oder unbekannt: 1.104.333 (10,83 %)

Sprache

Die in Ungarn gebräuchliche Sprache ist Ungarisch. Sie gehört zum finno-ugrischen Zweig der uralischen Sprachen, dem die meisten nicht-indogermanischen Sprachen angehören, die im mitteleuropäischen Raum gesprochen werden. Die Dialekte des Ungarischen unterscheiden sich weniger stark voneinander als etwa die deutschen Dialekte. Im gesamten ungarischen Sprachraum werden neun große Dialektgruppen unterschieden. Aus der Zeit der Herrschaft der Habsburger (1699 bis 1867 und 1918) in Ungarn stammt der Einfluss der deutschen Sprache. Neben Ungarisch sind die Sprachen der Minderheiten verbreitet, siehe hierzu den Artikel Ethnische Gruppen in Ungarn.

Bildung

Schulsystem

Das ungarische Schulsystem wies in der ersten H√§lfte des 20. Jahrhunderts noch viele √Ąhnlichkeiten mit dem Bildungssystem in √Ėsterreich auf und √ľbernahm nach dem Zweiten Weltkrieg einige Elemente des sowjetischen Schulsystems. Somit wurde ein System mit zw√∂lf Jahrgangsstufen geschaffen, das im Gegensatz zum sowjetischen Gesamtschulsystem in eine achtj√§hrige Grundschule und in eine drei- oder vierj√§hrige weiterf√ľhrende Schule gegliedert war, und das Notensystem von 1 bis 5 eingef√ľhrt, bei dem die Eins die schlechteste und die F√ľnf die beste Note ist. Dieses Notensystem gilt bis heute.

Alle Kinder mussten ab der 5. Klasse an Russischunterricht teilnehmen. Viele Sprachlehrer wurden in den 1950er Jahren zu Russischlehrern umgeschult. Nach der Wende im Jahr 1989 wurde Russisch als Pflichtfach aus dem Lehrplan gestrichen, und stattdessen konnten andere Sprachen gewählt werden, was wieder Umschulungsprogramme nach sich zog; diesmal mussten sich Russischlehrer zu Deutsch- oder Englischlehrern umschulen lassen.

Das Schulsystem wurde liberalisiert: Derzeit gibt es neben den vierj√§hrigen immer mehr sechs- und achtj√§hrige Gymnasien. Die ‚ÄěOberstufe‚Äú (die Klassen 5‚Äď8) der achtj√§hrigen Grundschule wird immer mehr den Haupt- und Realschulen im deutschsprachigen Raum √§hnlich. Neben den Gymnasien gibt es ‚ÄěFachmittelschulen‚Äú (szakk√∂z√©piskola), in denen neben dem Erwerb der Hochschulreife noch ein Beruf erlernt werden kann. Diese Ausbildungsform wird oft um ein zus√§tzliches Jahr erg√§nzt, in dem die Fachkenntnisse vertieft werden, diese Einrichtungen nennt man Technikum. Es gibt auch berufsbildende Schulen ohne Hochschulreife, die man besucht, wenn man eine Lehre macht. Die Anzahl der bilingualen Mittelschulen w√§chst st√§ndig. Interessant ist, dass es im sonst sehr auf Budapest zentrierten Ungarn viele zweisprachige Gymnasien auf dem Lande gibt. Es gibt auch Schulen f√ľr Minderheiten, ein Beispiel ist das Gandhi-Gymnasium in P√©cs, das talentierten Roma-Kindern die M√∂glichkeit bietet, die Reifepr√ľfung abzulegen.

Die Pr√ľfungen zum Erwerb der Hochschulreife werden im ganzen Land einheitlich und zentralisiert abgehalten. Seit 2005 gibt es die M√∂glichkeit, eine Art ‚ÄěLeistungsmatura‚Äú in einigen F√§chern abzulegen, die gleichzeitig als Aufnahmepr√ľfung f√ľr die Universit√§t gilt. Der Erwerb der Hochschulreife erm√∂glicht ein Studium an Universit√§ten und Fachhochschulen. F√ľr viele Studienzweige gelten Zugangsbeschr√§nkungen, es gibt Aufnahmepr√ľfungen, und auch die Leistungen in der Mittelschule oder die Sprachkenntnisse k√∂nnen bei der Aufnahme entscheidend sein. Allerdings gibt es auch Studienrichtungen, die ohne Aufnahmepr√ľfung belegt werden k√∂nnen, wenn die betr√§chtlichen Kosten selber getragen werden.

Br√§uche bei der Reifepr√ľfung

An den ungarischen Mittelschulen werden viele Traditionen gepflegt, von denen die meisten mit dem Schulabschluss und mit der Reifepr√ľfung zusammenh√§ngen. Einige Monate vor der Pr√ľfung lassen sich die Abschlussklassen in festlichem Gewand (die Jungen tragen meistens einen Anzug, die M√§dchen ein Matrosenkleid) einzeln fotografieren und arrangieren die Bilder zusammen mit den Lehrerfotos auf einer Holztafel. Diese Tafeln (die √©retts√©gi tabl√≥k, ‚ÄěReifetafeln‚Äú) werden bis zur Matura in verschiedenen Schaufenstern von Gesch√§ften ausgestellt. Etwa im Februar finden die Maturab√§lle statt, die szalagavat√≥ b√°l (‚ÄěB√§ndchenweihe‚Äú) hei√üen, weil die Maturanten ein B√§ndchen mit den Jahreszahlen, zwischen denen sie die Schule besuchten, auf die Jacke aufgesteckt bekommen. Das B√§ndchen muss bis zur Pr√ľfung getragen werden, sonst, so hei√üt es, f√§llt man durch. Am letzten Schultag der Abschlussklassen (vor den schriftlichen Pr√ľfungen) findet das Fest ballag√°s statt: ein Abschlussfest, bei dem die Sch√ľler in einer Polonaise durch das Schulgeb√§ude marschieren. Dabei singen sie alte Studentenlieder, wie zum Beispiel Gaudeamus igitur oder melancholische Volkslieder √ľbers Abschiednehmen. Sie bekommen von den Familien und Freunden Blumen. Am selben Abend besuchen die Abschlussklassen ihre Lieblingslehrer zu Hause und geben ihnen unter dem Fenster ein St√§ndchen (szeren√°d). Die meisten Lehrer laden sie dann auf eine Kleinigkeit ein. Die schriftlichen Maturapr√ľfungen sind allerdings in Ungarn zentral, das hei√üt jeder Sch√ľler bekommt um die gleiche Zeit exakt die gleichen Aufgaben, die √ľber das Internet und den Rundfunk bekannt gegeben werden. Es gab allerdings in den letzten Jahren mehrere Maturaskandale, weil die Aufgaben vor den Pr√ľfungen bekannt wurden.

Universität

Die bekannteste Universit√§t in Ungarn ist die E√∂tv√∂s-Lor√°nd-Universit√§t, sie hat eine Philosophische sowie eine Juristische Fakult√§t, ferner verf√ľgt sie √ľber eine P√§dagogische Hochschulfakult√§t. Die medizinische Ausbildung in Ungarn genie√üt international einen sehr guten Ruf. Die Semmelweis-Universit√§t ist hierbei als humanmedizinische Universit√§t weltweit bekannt. Sie bietet, wie die Universit√§ten von P√©cs und Szeged die medizinische Ausbildung in ungarischer, deutscher und englischer Sprache an. Weiterhin existiert seit 2001 die Andr√°ssy Universit√§t in Budapest als einzige komplett deutschsprachige Universit√§t au√üerhalb des deutschen Sprachraumes in Mitteleuropa. Die Anzahl der privaten und konfessionellen Universit√§ten w√§chst st√§ndig. Private Universit√§ten verlangen hohe Studiengeb√ľhren. Auch ein Zweitstudium oder PhD-Programm an einer √∂ffentlichen Universit√§t oder Hochschule muss teilweise von den Studierenden finanziert werden.

Geschichte

9. bis 15. Jahrhundert

Die Magyaren wanderten, angef√ľhrt von dem Gro√üf√ľrsten √Ārp√°d, Ende des 9. Jahrhunderts, angeblich im Jahr 896 in das Karpatenbecken ein und f√ľhrten Raubz√ľge durch ganz Europa. Diese wurden auch von √Ārp√°ds Nachfolgern erfolgreich weitergef√ľhrt, bis 955 Otto I. die Angriffe der Ungarn durch einen vernichtenden Sieg auf dem Lechfeld zur√ľckschlagen konnte. Das K√∂nigreich Ungarn wurde am 20. August 1000 von Stephan I. gegr√ľndet, der das Land gegen den erbitterten Widerstand des alten Adels nach karolingischem Vorbild gestaltete (Begr√ľndung des bis heute bestehenden Komitatswesens).

Im ‚ÄěMongolensturm‚Äú, wie die Angriffe der Goldenen Horde der Mongolen unter dem Heerf√ľhrer Batu Khan in den Jahren 1241 und 1242 bezeichnet werden, wurde das Land verw√ľstet und in weiten Teilen entv√∂lkert; 50¬†% der Bev√∂lkerung Ungarns kamen dabei ums Leben. K√∂nig B√©la IV. rief f√ľr die Neubesiedlung Siedler aus dem Heiligen R√∂mischen Reich (Schwaben) ins Land, die sich in der Folgezeit teilweise magyarisierten.

Im Jahr 1301 starb Andreas III., der letzte Herrscher des Hauses √Ārp√°d. 1370‚Äď1386 und 1440‚Äď1444 wurde Ungarn von den Anjou und Jagiellonen in Personalunion mit Polen regiert.

In der Folgezeit hatte Ungarn nur noch einen ungarischen K√∂nig, Matthias Corvinus, der das Land von 1458 bis 1490 regierte. Unter dem hochgebildeten Matthias stieg Ungarn zur politischen Gro√ümacht und zu einem Zentrum der Renaissancekultur sowie des Humanismus auf. Als Renaissancef√ľrst zog er Gelehrte und K√ľnstler aus Italien an seinen Hof, gr√ľndete die Universit√§t in Pressburg (Pozsony, heute Bratislava) und die Bibliothek Corvina in Ofen (Budapest); sein Gro√üreich zerfiel nach seinem Tod.

Zwischen 1490 und 1526 regierten die polnisch-litauischen Jagiellonen Ungarn und Böhmen in Personalunion.

16. bis 19. Jahrhundert

Das Ende der Unabh√§ngigkeit Ungarns kam um die Mitte des 16. Jahrhunderts mit den Eroberungen durch das Osmanische Reich. Am 29. August 1526 besiegte Sultan S√ľleyman I. bei Moh√°cs (dort befindet sich seit 1976 eine Gedenkst√§tte) K√∂nig Ludwig II. von B√∂hmen und Ungarn, der auf der Flucht ertrank. Der gr√∂√üte Teil Ungarns geriet unter t√ľrkische Herrschaft, wobei die nicht eroberten Teile entweder in Kontinuit√§t des ungarischen K√∂nigtums als K√∂nigliches Ungarn unter habsburgische Herrschaft kamen (darunter der Westen Oberungarns) oder von Ungarn getrennt und als F√ľrstentum Siebenb√ľrgen unter osmanische Oberhoheit gestellt wurden.

Nach 145 Jahren t√ľrkischer Besetzung Ungarns fiel Buda nach der zweiten Belagerung im Jahr 1686, und die Habsburger eroberten nunmehr ganz Ungarn. Die Ungarn missbilligten aber deren harte Herrschaft, so dass es von 1703 bis 1711 zum Kuruzenaufstand unter F√ľrst Franz II. R√°k√≥czi kam, einem Adeligen aus Siebenb√ľrgen. Da die Spannungen zwischen dem ungarischen Adel und dem Wiener Hof nicht beseitigt werden konnten, entluden sie sich (nach scheinbar einvernehmlichen Verhandlungen und Zugest√§ndnissen des Kaisers gegen√ľber den Ungarn) in der Revolution von 1848/49, die mit Hilfe Russlands (mit Berufung auf die ‚ÄěHeilige Allianz‚Äú) blutig niedergeschlagen wurde, was das Klima in der Monarchie dauerhaft verschlechterte.

Nach anhaltenden Unruhen im Land wurde Ungarn durch den √∂sterreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 gleichberechtigter Teil der Doppelmonarchie √Ėsterreich-Ungarn. Franz Joseph I. nannte sich nun gleichrangig Apostolischer K√∂nig von Ungarn (er lie√ü sich nun in Buda kr√∂nen) und Kaiser von √Ėsterreich (bis dahin war der ungarische K√∂nigstitel dem Kaisertitel untergeordnet). Diese Personalunion, de jure begr√ľndet durch die Pragmatische Sanktion, wurde durch gleichlautende √∂sterreichische und ungarische Grundgesetze, Au√üenpolitik und Armee sowie deren Finanzierung betreffend, zur Realunion. Eine freiwillige Zoll- und Handelsunion folgte, die Gulden-, sp√§ter Kronenw√§hrung blieb gemeinsam (Oesterreichisch-ungarische Bank). F√ľhrend am Erfolg des Ausgleichs f√ľr die ungarische Seite beteiligt waren Ferenc De√°k und Graf Gyula Andr√°ssy. Zur ungarischen ‚ÄěReichsh√§lfte‚Äú (wie man im kaiserlichen √Ėsterreich gern sagte; Ungarn wollte den Begriff Reich f√ľr die Doppelmonarchie nicht) geh√∂rten die L√§nder des K√∂nigreichs Kroatien und Slawonien (im Wesentlichen der heutige Staat Kroatien ohne Dalmatien), die Vojvodina, ein gro√üer Teil Rum√§niens (Siebenb√ľrgen im weiteren Sinne und der heute rum√§nische Teil des Banats) sowie kleine Teile Polens und der Ukraine (Karpatenukraine). In der Folge kam es zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung des Landes und besonders seiner Hauptstadt, der nicht zuletzt in den Millenniumsfeiern der magyarischen Landnahme und der Budapester Millenniumsausstellung 1896 zum Ausdruck kam.

Allerdings war der Vielv√∂lkerstaat K√∂nigreich Ungarn durch innere Spannungen (Selbstst√§ndigkeitsbestrebungen der nichtmagyarischen V√∂lker, Nationalit√§tenkonflikte im Zuge der Magyarisierungspolitik) gekennzeichnet. Die f√ľhrende Rolle bei der Industrialisierung hatten zwar vielfach Repr√§sentanten von Minderheiten (Deutsch√∂sterreicher und Juden) inne, die eher zur freiwilligen Magyarisierung neigten, f√ľr die slawische und rum√§nische Bev√∂lkerung der ungarischen Reichsh√§lfte galt dies aber nicht. Dies beg√ľnstigte die Zerschlagung des heterogenen Staatsgebildes nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg. Die Entscheidungen der Siegerm√§chte f√ľhrten dazu, dass in der Tschechoslowakei (heute in der Slowakei), in Rum√§nien und im K√∂nigreich der Serben, Kroaten und Slowenen (heute vor allem in Serbien) aufgrund des Vertrages von Trianon ungarische Minderheiten leben. Allerdings verblieben auch slowakische, rum√§nische und deutsche Minderheiten in Ungarn.

Von 1918 bis 1945

Ungarn erkl√§rte am 31. Oktober 1918 den Austritt aus der Realunion mit √Ėsterreich und rief die magyarischen Truppen von der italienischen Front zur√ľck. Damit war die k. u. k. Monarchie aufgel√∂st. Auf dringende Forderungen ungarischer Spitzenpolitiker erkl√§rte K√∂nig Karl IV. am 13.¬†November 1918 auf Schloss Eckartsau (Nieder√∂sterreich) seinen Verzicht auf jeden Anteil an den ungarischen Staatsgesch√§ften, so wie er dies als Kaiser Karl I. zwei Tage zuvor f√ľr √Ėsterreich erkl√§rt hatte. Eine formelle Abdankung erfolgte jedoch nicht.

Ministerpr√§sident Mih√°ly K√°rolyi rief am 16. November 1918 die demokratische Republik Ungarn aus, im Januar 1919 wurde er zum ersten Pr√§sident des Landes gew√§hlt. Die sozialen Missst√§nde infolge des verlorenen Krieges hielten jedoch an. Nach der friedlichen B√ľrgerrevolution von 1918 setzte die Regierung der neuen Republik das Volksgesetz Nummer 1 in Kraft, das zum ersten Mal in der ungarischen Geschichte ein gleiches Wahlrecht f√ľr beide Geschlechter garantierte, das √ľber Parteilisten ausge√ľbt wurde. Es wurden aber keine Wahlen auf dieser Basis abgehalten. Der konservative Fl√ľgel der nationalistischen Bewegung st√ľrzte den Ministerpr√§sidenten Mih√°ly K√°rolyi in einer Gegenrevolution, und das Frauenwahlrecht wurde wieder abgeschafft.

Nach K√°rolys R√ľcktritt am 21. M√§rz 1919 √ľbernahmen die Kommunisten unter der F√ľhrung B√©la Kuns die Macht und gr√ľndeten eine R√§terepublik. Das nachrevolution√§re Wahlgesetz vom November 1919, das in der Regierungsverordnung 5985/1919/ME enthalten war, garantierte dann wieder ein stufenweise ausgeweitetes Wahlrecht. Dennoch waren die Wahlen von 1920 ersch√ľttert von Einsch√ľchterung und Korruption. Frauen und M√§nner √ľber 24 hatten das Wahlrecht, wenn sie seit sechs Jahren die ungarische Staatsangeh√∂rigkeit hatten und schon mindestens sechs Monate in Ungarn wohnten. Das Wahlrecht der Frauen war auf die Frauen beschr√§nkt, die lesen und schreiben konnten. M√§nner waren von der Altersbeschr√§nkung ausgenommen, wenn sie mindestens zw√∂lf Wochen Milit√§rdienst an der Front geleistet hatten. 1922 folgte ein ernster R√ľckschlag: Eine Wahlrechtsreform erh√∂hte das Wahlalter f√ľr Frauen auf 30. Auch wurde eine bestimmte Schulbildung zur Voraussetzung: Vier Jahre Grundschule f√ľr M√§nner und sechs f√ľr Frauen (vier, wenn sie mindestens drei Kinder hatten oder ihr eigenes Einkommen und Haushaltsvorst√§nde waren).

Zur R√ľckerlangung der nach dem Ersten Weltkrieg verlorenen Gebiete (Siebenb√ľrgen, Slowakei) ging Ungarn milit√§risch gegen seine Nachbarl√§nder vor. Im Ungarisch-Rum√§nischen Krieg geriet die ungarische ‚ÄěRote Armee‚Äú jedoch schnell in die Defensive. Mit der Besetzung weiter Teile des Landes durch rum√§nische Truppen brach die sozialistische Republik am 1. August 1919 zusammen, B√©la Kun musste fliehen. Nach dem Ende der R√§terepublik scheiterte zun√§chst Erzherzog Joseph August von √Ėsterreich, vom 7. August bis 23. August Reichsverweser, mit dem Versuch einer Regierungsbildung an der ablehnenden Haltung der Alliierten. Schlie√ülich zog der ehemalige k. u. k. Admiral Mikl√≥s Horthy, der zuvor in Szeged eine konservative Gegenregierung zu den Kommunisten gebildet hatte, am 16. November 1919 mit seinen Truppen in Budapest ein.

Von der Nationalversammlung zum Reichsverweser gew√§hlt, f√ľhrte Horthy am 1. M√§rz 1920 die Monarchie formal wieder ein, blieb in der Folge jedoch faktisches Staatsoberhaupt. Karl IV. versuchte von seinem Exil in der Schweiz aus zweimal, die Herrschaft in Ungarn wieder zu √ľbernehmen; beide Male verweigerte Horthy jedoch die √úbergabe der Macht. Die Restauration der habsburgischen Monarchie wurde Ungarn im Zuge der Friedensverhandlungen (Pariser Vorortvertr√§ge) verboten (Vertrag von Trianon). Am 6.¬†November 1921 beschloss der Reichstag im sogenannten Dethronisationsgesetz die formelle Absetzung der Dynastie Habsburg-Lothringen. Die Regierung erkannte daraufhin den Friedensvertrag von Trianon an, nach dessen Bedingungen Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebiets an die Tschechoslowakei, Rum√§nien, den s√ľdslawischen Staat und √Ėsterreich abtreten musste. Die meisten nun abgetretenen Gebiete hatten sich schon 1918/1919 von Ungarn getrennt und waren den neuen Nachfolgestaaten der Donaumonarchie beigetreten oder von ihnen in Besitz genommen worden; das sp√§tere Burgenland kam aber erst im Herbst 1921 zu √Ėsterreich.

Ungarn n√§herte sich ab 1933 unter Ministerpr√§sident Gyula G√∂mb√∂s aufgrund wirtschaftlicher Krisen und revisionistischer Propaganda politisch immer mehr dem nationalsozialistischen Deutschland an. In den von NS-Deutschland diktierten Wiener Schiedsspr√ľchen erhielt Ungarn 1938 die ungarisch bewohnte S√ľdslowakei (entlang der Donau) und 1940 einen betr√§chtlichen Teil Siebenb√ľrgens (von Rum√§nien) zur√ľck. Durch den Balkanfeldzug (1941) fiel zudem das Prekmurje an Ungarn. Jedes dieser Gebiete musste 1945 jedoch wieder aufgegeben werden.

Als Gegenleistung trat Horthy am 27. Juni 1941 auf Seiten der Achsenm√§chte in den Krieg gegen die Sowjetunion ein, musste jedoch aufgrund unzureichender Ausr√ľstung schwere Verluste hinnehmen. Man nahm Verbindung mit den Westalliierten auf, die jedoch auf Moskau verwiesen. Als diese Kontakte den Deutschen bekannt wurden, besetzten sie ab Mitte M√§rz 1944 das Land und setzten eine Kollaborationsregierung unter D√∂me Szt√≥jay ein, die sofort mit der Deportation der j√ľdischen Bev√∂lkerung begann. √úber 200.000 der auf dem Staatsgebiet von 1937 lebenden j√ľdischen Ungarn kamen in Konzentrations- und Vernichtungslagern ums Leben. Weitere √ľber 200.000 Opfer stammten aus den Gebieten, die Ungarn nach den Wiener Schiedsspr√ľchen besetzt hatte. Nach der Kapitulation Rum√§niens entschloss sich Horthy am 28.¬†September 1944, eine Abordnung mit einem Kapitulationsangebot an Moskau zu entsenden, die Verhandlungen f√ľhrten am 15.¬†Oktober zur Proklamation des Waffenstillstandes im Rundfunk. Nach der Festnahme Horthys im Herbst 1944 wurde die Kriegsbeteiligung unter der faschistischen Bewegung der Pfeilkreuzler von Ferenc Sz√°lasi fortgesetzt. F√ľr Ungarn endeten die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs mit dem Kampf um Ungarn und der Besetzung des Landes durch die Rote Armee, welche bis zum 4.¬†April 1945 abgeschlossen war.

Ostblock, Ungarnaufstand und Wende

Ungarn kam auf Grund des Vertrages von Jalta unter sowjetischen Einfluss. 1945 wurde das uneingeschränkte Wahlrecht wiederhergestellt. Bei der freien Parlamentswahl im November 1945 errang die Kleinlandwirtepartei 57 % der Stimmen, die Kommunisten lagen mit 17 % knapp hinter den Sozialdemokraten auf Platz 3. Auf sowjetischen Druck wurden die Kommunisten dennoch in die Regierung aufgenommen und rissen bis 1949 schrittweise die Macht an sich, das Land wurde dem Kommunismus nach sowjetischem Vorbild unterworfen. 1948 wurde die Sozialdemokratische Partei Ungarns mit den Kommunisten zwangsvereinigt zur Partei der Ungarischen Werktätigen (MDP), die 1956 durch die Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei (MSZMP) ersetzt wurde. Am 20. August 1949 wurde eine Verfassung nach sowjetischem Vorbild beschlossen. Bis 1953 verfolgte Ungarn unter Mátyás Rákosi einen stalinistischen Kurs.

Am 23.¬†Oktober 1956 kam es zu einem Volksaufstand, in dessen Verlauf Imre Nagy, der bereits von 1953 bis 1955 Ministerpr√§sident gewesen war, erneut dieses Amt erlangte. Er bildete eine Mehrparteienregierung und forderte die parlamentarische Demokratie sowie die Neutralit√§t Ungarns. Der Aufstand wurde jedoch durch die sowjetische Armee blutig niedergeschlagen. Viele Ungarn verlie√üen daraufhin das Land und emigrierten nach Westeuropa oder Nordamerika. Nagy wurde hingerichtet (seine Asche wurde erst 1989 feierlich in Ungarn beigesetzt). J√°nos K√°d√°r, bis dahin stellvertretender Ministerpr√§sident, wurde Generalsekret√§r der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei sowie Ministerpr√§sident. Den anf√§nglichen Repressionen gegen die Beteiligten des Aufstandes folgten in den Jahren zwischen 1959 und 1963 Amnestien, die zu Freilassungen f√ľhrten. 1968 beteiligte sich Ungarn am milit√§rischen Eingreifen der Warschauer-Pakt-Staaten in der f√ľr den Ostblock gef√§hrlich liberal gewordenen Tschechoslowakei.

Seit den 1960er Jahren erlaubte K√°d√°r, der bis 1988 Generalsekret√§r der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei und von 1956 bis 1958 sowie von 1961 bis 1968 auch Ministerpr√§sident war, gewisse Liberalisierungen im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich, die unter dem Begriff ‚ÄěGulaschkommunismus‚Äú bekannt wurden. 1987/1988 bildeten sich Oppositionsgruppen, die den friedlichen Systemwechsel vorantrieben und die Legitimit√§t der sowjetischen (faktisch russischen) Vorherrschaft in Frage stellten (erw√§hnt sei Imre Pozsgay, der im Amt eines Staatsministers √∂ffentlich der Doktrin von der ‚ÄěKonterrevolution von 1956‚Äú, widersprach).

1988 trat der nun schon greise K√°d√°r unter dem Druck der Verh√§ltnisse auf einem Sonderparteitag der Staatspartei USAP zur√ľck, Nachfolger wurde K√°roly Gr√≥sz. Auch in der kommunistischen USAP gab es oppositionelle Stimmen, die freie Wahlen und den Abzug der sowjetischen Truppen forderten. Dies leitete die Grenz√∂ffnung nach √Ėsterreich, den Abbau der Grenzanlagen und damit die Zerschneidung des Eisernen Vorhangs ein. Bereits am 2. Mai 1989 begannen ungarische Grenzsoldaten mit der Demontage des Grenzzaunes. Am 27.¬†Juni 1989 durchtrennte Gyula Horn, der ungarische Au√üenminister, zusammen mit seinem √∂sterreichischen Amtskollegen Alois Mock in einer symbolischen Aktion den Stacheldraht an der Grenze zwischen √Ėsterreich (Klingenbach) und Ungarn (Sopron). Bis August 1989 lieferte Ungarn gefasste Fluchtwillige grunds√§tzlich an die DDR aus. Ab dem 11. September 1989 erlaubte Ungarn auch DDR-B√ľrgern offiziell die Ausreise nach √Ėsterreich.

Ungarn hatte entscheidenden Anteil an den Revolutionen im Jahr 1989 in den ehemaligen Ostblockstaaten und damit auch an der friedlichen Revolution in der DDR, die den Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands ebnete.

Geschichte seit 1989

Nach 1989/90 wurde Ungarn (politisch gesehen) Teil des westlichen Staatensystems. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 wurde auch das ungarische Staatswesen erneuert. Am 23. Oktober 1989 ‚Ästdem Jahrestag des Ungarischen Volksaufstands von 1956¬†‚Äď wurde die Republik Ungarn ausgerufen, und eine modifizierte Version der sozialistischen Verfassung von 1949 trat in Kraft. Vorbild dieser ge√§nderten Fassung war unter anderem das deutsche Grundgesetz. Die Regierung ist dem Parlament verantwortlich, f√ľr die Regierungst√§tigkeit tr√§gt der Ministerpr√§sident Verantwortung. Um eine m√∂glichst gro√üe Stabilit√§t der Regierung zu gew√§hrleisten, wurde die Institution des konstruktiven Misstrauensvotums geschaffen. Im M√§rz 1990 fanden die ersten freien Parlamentswahlen Ungarns seit 1947 statt.

Das ungarische Parlament ist ein Einkammerparlament. Es w√§hlt den Pr√§sidenten der Republik, den Ministerpr√§sidenten, die Mitglieder des Verfassungsgerichts, den Ombudsmann der Minderheiten, den Pr√§sidenten des Obersten Gerichts und den Generalstaatsanwalt. Die Macht des auf f√ľnf Jahre gew√§hlten Pr√§sidenten ist gering.

Die ungarische Politik war seit der Einf√ľhrung freier und geheimer Wahlen bis 2010 von h√§ufigen Mehrheitswechseln gepr√§gt.

Nach der Wahl 1990 regierte bis 1994 eine konservative Koalitionsregierung aus MDF, FKgP und KDNP. Ministerpr√§sident war zun√§chst J√≥zsef Antall, nach dessen Tod im Dezember 1993 P√©ter Boross. Die Regierungskoalition erlitt bei der Wahl im Mai 1994 eine schwere Niederlage, w√§hrend die aus der ehemaligen kommunistischen Einheitspartei hervorgegangenen Sozialisten (MSzP) aufgrund des Wahlsystems mit 33¬†% der Stimmen die absolute Mehrheit der Mandate erzielten. Neuer Ministerpr√§sident wurde Gyula Horn, der trotz der absoluten Mehrheit seiner Partei mit den Linksliberalen (SzDSz) koalierte. Die Wahl 1998 brachte einen erneuten Machtwechsel. Fidesz, bis dahin eine kleine Partei, wurde st√§rkste Fraktion. Viktor Orb√°n wurde erstmals Ministerpr√§sident. Er stand bis zur √ľberraschenden knappen Wahlniederlage 2002 einer Koalition aus Fidesz, MDP und der w√§hrend der Wahlperiode zerfallenden FKgP vor.

Im M√§rz 1999 wurde Ungarn Mitglied der NATO, nachdem das Parlament am 9. Februar mit √ľberw√§ltigender Mehrheit f√ľr einen Beitritt gestimmt hatte. Das Land geh√∂rte damit zu den ersten Staaten des fr√ľheren Ostblocks, die der Allianz beitraten.

Nach den Wahlen 2002 √ľbernahm wieder die MSzP zusammen mit dem SzDSz die Regierungsverantwortung. Der neue Ministerpr√§sident Ferenc Gyurcs√°ny, der seit dem 29. September 2004 amtierte, war Nachfolger von P√©ter Medgyessy, der nach Versuchen der Regierungsumstrukturierung zur√ľckgetreten war.

Am 1. Mai 2004 trat Ungarn der Europäischen Union bei, nachdem sich in einem Referendum eine Zustimmung vom 83,8 % ergab.

Die Regierung von MSzP und SzDSz wurde bei den Parlamentswahlen vom 9. und 23. April 2006 wiedergewählt. Damit schaffte es eine Regierung erstmals, im Amt zu bleiben.

Im September 2006 wurden Details √ľber eine Rede publik, die Gyurcs√°ny nach der Parlamentswahl im April vor seiner Fraktion gehalten hatte. In dieser Rede sprach Gyurcs√°ny davon, dass die Regierung in den vergangenen Jahren nur gelogen habe, um den wahren Zustand der Staatsfinanzen zu verschleiern. Mit dieser Rede wollte Gyurcs√°ny seine Partei dazu bringen, die von ihm geplanten Konsolidierungsma√ünahmen mitzutragen (Mehrwertsteuererh√∂hung, Praxisgeb√ľhr, Entlassungen im √∂ffentlichen Dienst). Im September und Oktober 2006 kam es vor allem in Budapest wiederholt zu gewaltt√§tigen Ausschreitungen, die auch die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des Volksaufstands von 1956 √ľberschatteten. Gyurcs√°ny bot am 21. M√§rz 2009 seinen R√ľcktritt an. Eine Minderheitsregierung aus Sozialisten und parteilosen Fachleuten wurde daraufhin im April 2019 unter dem parteilosen vormaligen Wirtschaftsminister Gordon Bajnai gebildet, die vom SzDSz toleriert wurde.

Bei der Parlamentswahl 2010 erhielt das Wahlb√ľndnis aus Fidesz und KDNP 263 der 386 Mandate und verf√ľgte damit √ľber eine f√ľr Verfassungs√§nderungen n√∂tige Zweidrittelmehrheit. Am 29. Mai 2010 w√§hlte das neue Parlament Viktor Orb√°n zum neuen Ministerpr√§sidenten. Am 18. April 2011 wurde mit den Stimmen der Regierungsparteien die zum 1. Januar 2012 in Kraft getretene neue Verfassung verabschiedet, das Grundgesetz Ungarns. Als Grundlagen der Nation bekennt sich das Grundgesetz in seiner Pr√§ambel unter anderem zu Gott, Krone (Stephanskrone) und Vaterland, Christentum, Familie und Nationalstolz. Der offizielle Staatsname wurde von Republik Ungarn (Magyar K√∂zt√°rsas√°g) in Ungarn (Magyarorsz√°g) ge√§ndert. Die Staatsform Ungarns wird in Artikel B der Verfassung jedoch weiterhin als Republik bezeichnet, die Regierungsform ist parlamentarisch.

Staatspr√§sident ist seit 2012 J√°nos √Āder.

Bei den Parlamentswahlen 2014 und 2018 gewann Fidesz im B√ľndnis mit der KDNP bei ge√§ndertem Wahlrecht jeweils knapp eine Zweidrittelmehrheit.

Das Land wurde w√§hrend der Fl√ľchtlingskrise in Europa ab 2015 zur Zwischenstation einer gro√üen Wanderbewegung von Fl√ľchtlingen und Migranten. Diese versuchten, von Griechenland kommend, auf diversen als Balkanroute bekannt gewordenen Strecken nach Westeuropa zu gelangen. Die Regierung lie√ü einen Grenzzaun an den s√ľdlichen Landesgrenzen errichten und versch√§rfte ihre Migrations- und Fl√ľchtlingspolitik.

Seit 2018 ist Ungarn Beobachter im T√ľrkischen Rat.

Politik

Politisches System

Am 1. Januar 2012 trat eine neue Verfassung in Kraft, die bereits 2013 reformiert wurde. Sie löste die 1989 reformierte Verfassung von 1949 ab. Der Staatsaufbau wurde nicht wesentlich verändert. Die neue Verfassung und die Reform 2013 stießen im In- und Ausland auf erhebliche Kritik, auch seitens der EU. Kritisiert wurden unter anderem die Präambel, eine Beschneidung der Befugnisse des Verfassungsgerichts und die Befugnisse des neu geschaffenen Haushaltsrates.

Ungarn ist eine Republik. Staatsoberhaupt ist der Pr√§sident, welcher f√ľr eine f√ľnfj√§hrige Amtszeit gew√§hlt wird. Die Exekutive im Land √ľbt die Regierung Ungarns mit dem Ministerpr√§sidenten als Regierungschef an der Spitze aus. Die Ungarische Regierung ist dem Ungarischen Parlament (ung. Orsz√°ggyŇĪl√©s) verantwortlich. Vorsitzender des Parlaments ist der Parlamentspr√§sident, der aus der Mitte der Parlamentsmitglieder gew√§hlt wird.

Im¬†Demokratieindex¬†2020 der britischen Zeitschrift¬†The Economist¬†belegt Ungarn Platz 55 von 167 L√§ndern und gilt damit als eine ‚Äěunvollst√§ndige Demokratie‚Äú.¬†Im L√§nderbericht¬†Freedom in the World¬†2020 der US-amerikanischen¬†Nichtregierungsorganisation¬†Freedom House¬†wird das politische System des Landes mit 70 von 100 Punkten als ‚Äěteilweise frei‚Äú bewertet (2017: 76/100). Ungarn war damit der einzige Mitgliedsstaat der Europ√§ischen Union, der nicht als ‚Äěfrei‚Äú bewertet wurde.

Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index) von Transparency International lag Ungarn 2020 von 180 Ländern auf dem 69. Platz, mit 44 von maximal 100 Punkten.

Im Zuge der COVID-19-Pandemie in Ungarn verabschiedete das ungarische Parlament am 30. M√§rz 2020 ein Gesetz, wonach die Regierung f√ľr die Dauer der Gefahrenlage zum Erlass von Dekreten und zur Aussetzung von Grundrechten und Gesetzen befugt wurde, Wahlen und Volksabstimmungen sollten nicht stattfinden. Ein Enddatum war nicht vorgesehen. Kritiker bef√ľrchteten, dass die Regierung auf unbestimmte Zeit ohne Mitwirkung des Parlaments mittels Dekreten regieren wollte und sprachen von ‚Äěeiner Art Notstands-Diktatur‚Äú. Am 16. Juni 2020 beschloss das Parlament, den wegen der Corona-Krise verh√§ngten Notstand aufzuheben, der zum 18. Juni 2020 au√üer Kraft gesetzt wurde. Gleichzeitig beschloss das Parlament ein Durchf√ľhrungsgesetz, das es der Regierung erlaubt, wieder zu Verordnungen zur√ľckzukehren, um auf eine eventuelle Verschlechterung der Situation reagieren zu k√∂nnen. Kritiker bem√§ngeln daran, dass sich Orb√°n √ľber die Hintert√ľr weiterhin Vollmachten zu sichern trachtet.

Nach einem Jahrzehnt der Fidesz-KDNP-F√ľhrung unter der Leitung von Viktor Orb√°n stufte der Bericht ‚ÄěNations in Transit 2020‚Äú des Freedom House Ungarn von einer Demokratie in ein √úbergangs- oder Hybridregime ab. Dem Bericht zufolge ‚Äěhat das rechte B√ľndnis ‚Ķ die Rechtsstaatlichkeit in Ungarn allm√§hlich untergraben und eine strenge Kontrolle √ľber die unabh√§ngigen Institutionen des Landes eingef√ľhrt ‚Ķ [das rechte B√ľndnis] hat die ungarische Verfassung stetig umgeschrieben und demokratische Schutzmechanismen, die im Verfassungsgericht, der Staatsanwaltschaft, der Medienbeh√∂rde und dem staatlichen Rechnungshof gesetzlich verankert sind, abgeschafft¬†‚Ķ‚Äú. Es beschr√§nkte auch die parlamentarische Kontrolle, unabh√§ngige Medien, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaftler und festigte gleichzeitig die Macht um die Zentralregierung.

Verwaltungsgliederung

Ungarn ist in 19 Komitate (Gespanschaften) und die Hauptstadt Budapest eingeteilt. Innerhalb der Komitate gibt es 24 St√§dte mit Komitatsrecht. Diese geh√∂ren verwaltungsrechtlich zum Komitat, ihre Einwohner w√§hlen jedoch die Komitatsvertretung (Megyei K√∂zgyŇĪl√©s) nicht mit. 1999 wurde das Land in sieben Regionen eingeteilt, auch um die Auflagen der Europ√§ischen Union zu erf√ľllen. Die Komitate wiederum waren bis 2013 in Kleingebiete unterteilt, die im NUTS-System der EU der Ebene LAU 1 entsprachen. 2013 wurden die Kleingebiete durch Kreise (j√°r√°sok) ersetzt.

Parlament und Parteien

Das Parlament hat eine Kammer und besteht seit 2014 aus 199 Mitgliedern, zuvor waren es 386. Die Abgeordneten werden f√ľr vier Jahre gew√§hlt. Zu einer vorzeitigen Neuwahl kam es seit 1990 nicht. Das Wahlsystem ist eine Mischung aus Mehrheits- und Verh√§ltniswahl. F√ľr die Verteilung der Listensitze gilt eine F√ľnfprozenth√ľrde. Das im Dezember 2011 verabschiedete neue Wahlgesetz verst√§rkte die Beg√ľnstigung gro√üer Parteien.

Bei der Parlamentswahl vom April 2014 erreichten die Regierungsparteien Fidesz von Ministerpr√§sident Viktor Orb√°n und KDNP zusammen 133 der 199 Sitze im Parlament und damit nach 2010 erneut die f√ľr Verfassungs√§nderungen notwendige Zweidrittelmehrheit. Dieselbe Sitzzahl errangen sie bei der Parlamentswahl am 8. April 2018. F√ľr die Bildung einer Fraktion sind f√ľnf Abgeordnete erforderlich. Seit der Wahl 2018 sind folgende Parteien mit einer Fraktion im Parlament vertreten:

  • Fidesz
  • KDNP
  • Jobbik
  • MSZP
  • DK
  • LMP
  • PM

Außenpolitik

Mit dem Beitritt Ungarns 1999 zur NATO und im Zuge der EU-Osterweiterung 2004 auch zur Europ√§ischen Union wurden zwei grundlegende Ziele der ungarischen Au√üenpolitik erreicht. Ungarn ratifizierte am 17. Dezember 2007 als erstes Land den Vertrag von Lissabon und bekundete damit √∂ffentlich seine pro-europ√§ische Haltung. Ministerpr√§sident Ferenc Gyurcs√°ny sprach sich stark f√ľr ein integriertes Europa aus und bef√ľrwortete die St√§rkung des gemeinschaftlichen Entscheidungsprozesses nach dem Motto Fortschritt durch Kompromiss. Die Europapolitik Ungarns ist seit etwa 2009 auch durch Parteien mitbestimmt, die die EU kritisch sehen bzw. ablehnen, was insgesamt zu einer teilweisen Distanzierung f√ľhrte.

Ungarn ist an der wirtschaftlichen und politischen Stabilit√§t seiner s√ľdlichen Nachbarn interessiert, es setzte sich schon vor dem Sturz Slobodan MiloŇ°evińás f√ľr die demokratische Opposition in Jugoslawien ein. Die Infrastrukturverbindungen, insbesondere die Autobahnen zu den Nachbarn, sollen weiter ausgebaut und die wirtschaftlichen Beziehungen zu den zuk√ľnftigen EU-Mitgliedstaaten intensiviert werden. Zudem setzte sich Ungarn f√ľr den Beitritt Kroatiens zur EU ein. Innerhalb der Europ√§ischen Union soll die Zusammenarbeit innerhalb der Visegr√°d-Gruppe (mit Tschechien, der Slowakei und Polen) fortgesetzt werden. Ungarn hatte 2001 und 2002 den Vorsitz inne.

Seit 2016 hat das Land Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (siehe hierzu auch Portugiesisch-ungarische Beziehungen).

Magyarische Minderheiten

Von den gut 12,5 Millionen autochthonen Magyaren im Gebiet des Karpatenbeckens leben als Folge des Friedensvertrags von Trianon und der Pariser Friedenskonferenz 1946 etwa drei Millionen au√üerhalb der Landesgrenzen. Seit der Novellierung der ungarischen Verfassung von 1989 sind die ungarischen Regierungen verpflichtet, sich um die Belange und Interessen der magyarischen Minderheiten jenseits der Grenzen zu k√ľmmern und die ungarisch-auslandsungarischen Beziehungen und den kulturellen sowie wirtschaftlichen Austausch zu f√∂rdern.

Daraus ergeben sich zwischenstaatliche Konflikte mit den Nachbarn, die sich besonders nach 2000 artikulierten. 2001 wurde ein Gesetz mit Beg√ľnstigungen f√ľr Auslandsungarn verabschiedet. Zwar schloss Ungarn zugleich auch Minderheitenabkommen und Grundlagenvertr√§ge √ľber freundschaftliche Beziehungen mit seinen Nachbarstaaten, um die Minderheitenfrage der im Ausland lebenden Ungarn zu l√∂sen. Im Zuge der Zunahme nationalistischer und patriotischer Str√∂mungen sowohl in Ungarn als auch in den Nachbarstaaten, die sich auch durch die parlamentarische Anwesenheit rechtsnationalistischer Parteien und deren Regierungsbeteiligung √§u√üerte, verschlechterte sich jedoch das bilaterale Verh√§ltnis insbesondere zur Slowakei, in der die Magyaren fast 10¬†% der Bev√∂lkerung stellen. Die bilateralen Verstimmungen zwischen der Slowakei und Ungarn zeigten sich am Konflikt um die verweigerte Einreise des ungarischen Staatspr√§sidenten L√°szl√≥ S√≥lyom am 21. August 2009 in das slowakische Kom√°rno, an der Novellierung des slowakischen Sprachgesetzes, mit dem die offizielle Benutzung der ungarischen Sprache in der Slowakei deutlich eingeschr√§nkt wurde, und am Inkrafttreten des Patriotismusgesetzes in der Slowakei.

In Einl√∂sung eines zentralen Wahlversprechens des Gewinners der Parlamentswahl 2010, Fidesz, verabschiedete das neu konstituierte ungarische Parlament am 26. Mai 2010 ein Gesetz zur doppelten Staatsangeh√∂rigkeit, mit der Auslandsmagyaren unabh√§ngig von einem ungarischen Wohnsitz die ungarische Staatsb√ľrgerschaft beantragen k√∂nnen. Die sofortige Reaktion des slowakischen Parlaments war die Verabschiedung eines Gesetzes, das slowakischen Staatsb√ľrgern bei Erlangung der ungarischen Staatsb√ľrgerschaft die Entziehung ihrer bisherigen und die Entfernung aus √∂ffentlichen √Ąmtern und der Verwaltung androht.

Mit dem Sieg eines B√ľndnisses aus konservativ-liberalen Parteien, zu denen auch die auf eine friedliche Koexistenz von Magyaren und Slowaken ausgerichtete slowakisch-magyarische Partei Most‚ÄďH√≠d geh√∂rte, bei den Nationalratswahl in der Slowakei 2010 ist eine Entspannung der slowakisch-ungarischen Beziehungen eingetreten.

Europapolitik

Zum 1.¬†Mai 2004 folgte ‚Ästmit der Zustimmung einer deutlichen Mehrheit der Bev√∂lkerung¬†‚Äď der Beitritt zur Europ√§ischen Union im Zuge der EU-Osterweiterung. Beim Referendums zum EU-Beitritt am 12.¬†April 2003 stimmten 84¬†% f√ľr den Beitritt, 45,6¬†% der acht Millionen Wahlberechtigten gingen zur Abstimmung.

Bei den Europawahlen 2004, 2009, 2014 und 2019 wurde die Fidesz im B√ľndnis mit der KDNP jeweils deutlich st√§rkste Partei. Das derzeitige ungarische Mitglied der EU-Kommission ist der Jurist Tibor Navracsics, der dem Fidesz (Ungarischer B√ľrgerbund) angeh√∂rt und von 2010 bis 2014 ungarischer Justizminister unter Viktor Orb√°n war. Seine Wahl zum Kommissar f√ľr Bildung, Kultur, Jugend und Sport war zun√§chst heftig umstritten und wurde vom Europ√§ischen Parlament erst best√§tigt, nachdem seinem Kommissariat die Zust√§ndigkeit f√ľr den Bereich B√ľrgerrechte entzogen wurde.

Bereits am 17. Dezember 2007 ratifizierte Ungarn als erstes Land den Vertrag von Lissabon und bekundete damit seine pro-europ√§ische Haltung. Im ersten Halbjahr 2011 √ľbernahm Ungarn erstmals den Vorsitz im Rat der Europ√§ischen Union; im Mittelpunkt dieser ungarischen Ratspr√§sidentschaft stand unter anderem die EU-Energiepolitik. Allerdings kam es, vor allem aufgrund des umstrittenen ungarischen Mediengesetzes, zu Beginn der Ratspr√§sidentschaft auch zu Kontroversen mit anderen EU-Partnern.

Am 12. September 2018 beschloss das Europ√§ische Parlament die Einleitung eines Verfahrens nach Artikel 7 des EU-Vertrages wegen Verletzung europ√§ischer Grundwerte. F√ľr eine Feststellung der Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung von europ√§ischen Grundwerten m√ľssten vier F√ľnftel der √ľbrigen EU-Staaten stimmen, f√ľr Sanktionen bis hin zu einem Stimmrechtsentzug Ungarns im Europ√§ischen Rat w√§re ein einstimmiger Beschluss erforderlich.

Militär

Im Friedensvertrag von 1947 wurden 65.000 Mann f√ľr das Heer und 5.000 f√ľr die Luftwaffe als Maximum festgelegt.

Ungarn hat eine Berufsarmee von etwa 20.000 Mann. Die Wehrpflicht wurde 2004 abgeschafft. Die Verteidigungsausgaben beliefen sich 2019 auf rund 1,74 Milliarden Dollar. Dies entsprach 1,2 % des Bruttoinlandsprodukts, ein niedrigerer Wert als in den meisten anderen NATO-Staaten.

Hinzu kommen 12.000 Mann Grenztruppen und eine Reserve von 60.000 Mann. Der Oberbefehl liegt beim Verteidigungsminister.

Von Seiten der NATO wird kritisiert, die Streitkräfte könnten den Schutz des eigenen Landes nicht gewährleisten.

Seit März 2006 ist in Ungarn neue Saab JAS-39 Gripen aus Schweden im Einsatz, die seit 2009 aktiv an den NATO-Übungen teilnimmt.

Ein kleines Detachement ungarischer Soldaten dient im Irak. Die Reservebasis der ungarischen Luftwaffe in Kaposv√°r wurde vor dem Irakkrieg von der US-Luftwaffe gemietet. Es bleibt offen, ob dort auch US-Geheimdienstmitarbeiter auf den Krieg im Irak vorbereitet oder daf√ľr ausgebildet wurden. Im NATO-Rahmen sind zudem auf dem Balkan ungarische Stabilisierungstruppen stationiert, au√üerdem engagiert sich Ungarn auch in Afghanistan mit eigenen Truppen.

Infrastruktur

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die Qualität der Infrastruktur misst, belegte Ungarn 2018 den 31. Platz unter 160 Ländern.

Straßenverkehr

Das gesamte Straßennetz umfasste 2014 etwa 203.601 km, wovon 77.087 km asphaltiert sind.

Die Infrastruktur wird sukzessive ausgebaut. Viele Autobahnen und Schnellstra√üen befinden sich in Planung und Bau. Es gibt f√ľnf Autobahnen, die in Richtung Budapest verlaufen. Drei davon sind komplett fertiggestellt, die M1, die M5 und die M7. Die M1 verl√§uft von der √∂sterreichischen Staatsgrenze bei Hegyeshalom zur Hauptstadt Budapest. Von ihr zweigt die M15 in Richtung Bratislava ab. Die M5 verl√§uft von der serbischen Grenze bei R√∂szke im S√ľden nach Budapest. Die M7 ist besonders aus touristischer Sicht wichtig, da sie Budapest mit dem Tourismusgebiet des Balaton und mit Kroatien (oder √ľber die M70 mit Slowenien) verbindet. Schon 1964 wurde mit dem Bau dieser ersten ungarischen Autobahn begonnen, jedoch war sie bis 2005 kurz nach Si√≥fok f√ľr mehrere Kilometer unterbrochen.

Andere bereits bestehende Autobahnen werden nach und nach bis an die Staatsgrenzen verl√§ngert, wie beispielsweise die M3. Die M3 erm√∂glicht die Durchquerung des Landes von West nach Ost, sie verl√§uft von Budapest nach Ny√≠regyh√°za. √úber die M3 und M30 ist Budapest mit Miskolc und mit Nordostungarn verbunden. Der Bauauftrag zur Verl√§ngerung bis zur ukrainischen Grenze wurde 2020 erteilt. √úber die M35 ist Debrecen an die M3 angebunden. Die erste Teilstrecke der M6 Richtung P√©cs wurde im Sommer 2006 zwischen Budapest und Duna√ļjv√°ros er√∂ffnet. Seit Fr√ľhjahr 2010 sind 193 der geplanten 212 Kilometer (Budapest‚ÄďGrenze zu Kroatien) f√ľr den Verkehr frei gegeben.

Eine weitere wichtige Autobahn ist die M0, die k√ľnftig zu einem kompletten Ring um Budapest ausgebaut werden und den Durchgangsverkehr aufnehmen soll. 2020 sind 79 Kilometer der geplanten 108 Kilometer befahrbar. Die M0 verbindet dann die Autobahnen (gegen den Uhrzeigersinn) M1, M7, M6, M5, M4, M31, M3 und M2 um Budapest. Am Ende der derzeitigen Ausbaustufe werden die M2 und die Landstra√üe 11 (Richtung Esztergom) angeschlossen. Weitere Autobahnen von und nach Budapest wie die M10 (Budapest‚ÄďEsztergom) oder ein weitl√§ufiger Ring um Budapest wie die M11 (Esztergom‚ÄďHatvan) sind derzeit in Planung.

In Ungarn lässt sich nahezu jede Gemeinde per Bus erreichen. Zwischen größeren Städten verkehren Buslinien in einem Takt von 30 bis 60 Minuten, kleinere Städte und Dörfer werden meist im Takt von ein bis zwei Stunden angefahren. Die größte Busverkehrsgesellschaft in Ungarn ist Volán, sie befördert pro Tag etwa 1,6 Millionen Fahrgäste.

Schienenverkehr

Die Eisenbahnlinien laufen, wie die Autobahnen auch, sternf√∂rmig auf die zentral gelegene Hauptstadt zu. Betreibergesellschaften sind die ungarische M√ĀV (Magyar √Āllamvasutak Rt.) und in Westungarn auch die √∂sterreichisch-ungarische GySEV/Raaberbahn.

Im internationalen Schienenverkehr zwischen Ungarn und den Nachbarl√§ndern verkehren Z√ľge der M√ĀV unter anderem als EuroCity (z.¬†B. nach Wien, Prag, Berlin und Hamburg) oder als InterCity (z.¬†B. nach Zagreb oder Bukarest). Sieben Mal t√§glich verbindet der Railjet der √ĖBB Budapest mit Wien und dar√ľber hinaus mit Zielen in S√ľddeutschland und der Schweiz.

W√§hrend im Auslandsverkehr haupts√§chlich klimatisierte Gro√üraum- und Abteilwagen eingesetzt werden, √ľberwiegen im Inlandsverkehr noch unklimatisierte Personenwagen aus der Zeit vor 1990. So sind unter anderem Halberst√§dter Mitteleinstiegswagen und aus solchen entstandene Steuerwagen in gro√üer Zahl zu finden, diese wurden nach 1990 von der Deutschen Bahn nach Ungarn verkauft. Nachdem die √ĖBB seit 2018 in Budapest einen regionalen G√ľterverkehr-Dispatcher f√ľr die L√§nder des Balkan und die GUS-Staaten betreibt, wird Ungarn nach Fertigstellung der Bahnstrecke Budapest‚ÄďBelgrad auch Drehscheibe im G√ľtertransit zwischen China und Europa.

Flugverkehr

Internationale Flugh√§fen sind Budapest Liszt Ferenc s√ľd√∂stlich von Budapest (Terminals 1, 2a, 2b), und seit dem Fr√ľhjahr 2006 der Flughafen Balaton bei S√°rmell√©k in S√ľdwestungarn, der seit einigen Monaten aus mehreren europ√§ischen L√§ndern angeflogen wird.

Dar√ľber hinaus gibt es in Ungarn noch eine Reihe von Binnenflugh√§fen, von denen immer mehr f√ľr den Personenverkehr genutzt werden, wie etwa der Flughafen von Debrecen.

Energieversorgung

Der Prim√§renergieverbrauch lag 2018 bei 2700 √Ėleinheiten pro Kopf (Deutschland 3600, √Ėsterreich 3700), der Stromverbrauch pro Kopf bei 4,4 Megawattstunden (Deutschland 6,9; √Ėsterreich 8,4 MWh).

Mit Abstand den gr√∂√üten Anteil bei der Stromerzeugung hat die Kernenergie. Im Jahr 2019 betrug ihr Anteil 47,8¬†%. Im selben Jahr betrug die Anteile anderer Arten der Stromerzeugung: Gas 25,2¬†%, Kohle 12,3¬†%, Biomasse 6,1¬†%, Windkraft 2,1¬†%, Photovoltaik 4,1¬†%, M√ľllverbrennung 1,1¬†%, Wasserkraft 0,6¬†%, √Ėl 0,2¬†%, Sonstige 0,5¬†%.

Im Gegensatz zu anderen Donau-Anrainerstaaten besitzt Ungarn keine gr√∂√üeren Wasserkraftwerke an der Donau. Dies liegt vor allem daran, dass der zusammen mit der Slowakei geplante Bau des Donauwasserkraftwerks Gabńć√≠kovo-Nagymaros auf gro√üen Widerstand der ungarischen Bev√∂lkerung stie√ü. Danach wurden Pl√§ne f√ľr weitere Wasserkraftwerke verworfen.

Das Kernkraftwerk Paks liegt 100 Kilometer s√ľdlich von Budapest direkt an der Donau; seine vier Kernreaktoren sind die einzigen in Ungarn. Das KKW ist der gr√∂√üte Arbeitgeber in der Region um Paks. Je ein Reaktor ging 1982, 1984, 1986 und 1987 ans Netz. Alle sind sowjetische Typen (WWER). J√§hrlich werden im Kernkraftwerk Paks zwischen 11.000 und 14.000 GWh Strom erzeugt. Die radioaktiven Abf√§lle werden im Lager P√ľsp√∂kszil√°gy zwischengelagert. Im Januar 2014 wurde mit dem russischen Rosatom-Konzern vereinbart, zwei zus√§tzliche Reaktorbl√∂cke mit einer Leistung von bis zu 2¬†Gigawatt zu errichten.

Ungarn deckt einen erheblichen Teil des Strombedarfs durch Importe. 2019 standen bei einem Stromverbrauch von 46667 Gigawattstunden (GWh) Exporte von 7269¬†GWh Importen von 19854¬†GWh gegen√ľber.

2019 hatte Ungarn mit umgerechnet durchschnittlich 11,2 Cent je Kilowattstunde nach Bulgarien den zweitniedrigsten Strompreis f√ľr Privathaushalte in der EU. Die Strompreise f√ľr Gesch√§ftskunden lagen knapp unter dem EU-Durchschnitt.

Bei weitem wichtigster Energietr√§ger zur W√§rmegewinnung ist Gas, 2019 betrug der Anteil 66,5¬†% (Biomasse 8,6¬†%, Kohle 8,5¬†%, Geothermie 5,0¬†%, M√ľllverbrennung 2,8¬†%, Kernenergie 1,2¬†%, √Ėl 0,2¬†%, Sonstige 7,3¬†%).

Wasserwirtschaft

Wasserversorgung

Aufgrund seiner beckenartigen Struktur verf√ľgt Ungarn im Vergleich zu anderen Staaten Mitteleuropas √ľber relativ gro√üe Wasserressourcen, die bei ungef√§hr 120 Milliarden Kubikmeter Frischwasser im Jahr liegen. Davon entfallen jedoch 90 Prozent auf Fl√ľsse, die au√üerhalb der Staatsgrenzen entspringen (Donau, Drau, Thei√ü). Das bedeutet, dass die Wasserqualit√§t dieser Fl√ľsse nur in begrenztem Ausma√ü durch nationale Ma√ünahmen zu beeinflussen ist. Dar√ľber hinaus hat Ungarn nationale Probleme, die vor allem aus der langj√§hrigen Vernachl√§ssigung der Abwasserbehandlung resultieren.

In Ungarn stammen 90 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasserressourcen. Insgesamt betr√§gt die j√§hrliche Wasserentnahmemenge etwa 5.500¬†Mio.¬†m¬≥, wovon etwa 85¬†% Oberfl√§chenwasser und 15 Prozent Grundwasser sind. Die durchschnittliche Gesamtwasserentnahme pro Kopf liegt in Ungarn bei etwa 550 Kubikmeter im Jahr oder 1500 Liter pro Tag, was ungef√§hr dem Doppelten der Werte von Polen, Rum√§nien oder Tschechien entspricht und leicht √ľber dem deutschen Verbrauch (500¬†m¬≥/Jahr/Person) liegt. Von dieser Menge entfallen auf die √∂ffentliche Wasserversorgung etwa 13 Prozent (195¬†l/Tag/Person), auf die Industrie und Energieerzeugung etwa 78 Prozent und auf die Landwirtschaft ungef√§hr 9 Prozent. Vor der Systemwende war der Wasserverbrauch noch bedeutend h√∂her. Der deutliche R√ľckgang ist bedingt durch die Stilllegung von Bauxit- und Kohlebergwerken, den r√ľckl√§ufigen Bedarf der Industrie und den stetigen Anstieg der Wasserpreise, die seit 1990 von den Gemeinden festgelegt werden und durch den Abbau von Subventionen erheblich gestiegen sind. In Budapest zum Beispiel betrugen im Jahr 2004 die Geb√ľhren f√ľr Frischwasser 0,56¬†‚ā¨/m¬≥ und die Abwassergeb√ľhren 0,73¬†‚ā¨/m¬≥ (Umrechnungskurs vom 12.¬†Mai 2004). Viele Kommunen wenden inzwischen au√üerdem einen progressiven Wassertarif an, der hohen Wasserverbrauch bestraft.

Von den 10,2 Millionen Ungarn sind mittlerweile 98 Prozent an die √∂ffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen. Allerdings entspricht die Trinkwasserqualit√§t noch nicht in allen Gebieten des Landes den Mindestanforderungen der Europ√§ischen Union. Gerade in l√§ndlichen Gebieten bestehen oft erhebliche, teilweise regionalspezifische Schwierigkeiten bei der Versorgung. Gro√üe Probleme gibt es mit der Belastung des Trinkwassers mit Arsen, Nitraten, Nitriten und anderen Stoffen wie Asbest, Eisen, Mangan, Antimon, Bor, Fluoriden oder Iodiden. Eine Ursache davon sind die zahlreichen wilden M√ľlldeponien, die in Trinkwassergebieten liegen und wegen mangelnder Abdichtung das Grundwasser verunreinigen.

Abwasserentsorgung

Der Anteil der Haushalte, die an die √∂ffentliche Kanalisation angeschlossen sind, liegt bei etwa 51 Prozent und betrifft etwa 60 Prozent der Bev√∂lkerung. Die Quote der an das Kanalnetz angeschlossenen Haushalte schwankt jedoch je nach Gr√∂√üe der Stadt. In der Hauptstadt Budapest liegt sie bei etwa 90 Prozent, in anderen Gro√üst√§dten Ungarns bei 75 Prozent. In mittelgro√üen St√§dten erreicht die Anschlussquote 45 bis 50 Prozent, und in D√∂rfern liegt sie lediglich bei 35 Prozent. Der Anschluss ans Kanalnetz besagt allerdings noch wenig √ľber die anschlie√üende Aufbereitung des Wassers. Nur etwa ein Drittel der Bev√∂lkerung ist bisher auch an Kl√§ranlagen angeschlossen, von denen drei Viertel sowohl mit einer prim√§ren als auch sekund√§ren Reinigungsstufe ausgestattet ist. Eine terti√§re Behandlungsstufe, in der Phosphor und Stickstoff entfernt werden, findet man nur in den wenigsten Anlagen. Die Abw√§sser derjenigen Haushalte, die nicht an ein √∂ffentliches Kanalnetz angeschlossen sind, werden etwa zu einem Drittel dezentral behandelt, √ľberwiegend in Kleinkl√§ranlagen, meistens Mehrkammerabsetzgruben. Etwa 3200 Gemeinden in Ungarn haben √ľberhaupt kein Abwassersystem und keine Kl√§ranlage. Dagegen werden Industrieabw√§sser zu mehr als 90 Prozent ordnungsgem√§√ü behandelt.

J√§hrlich fallen in Ungarn durch kommunale Abw√§sser √ľber 100.000 Tonnen Kl√§rschlamm in Trockenmasse an, die zum Gro√üteil auf Deponien verf√ľllt werden, aber auch in der Landwirtschaft als D√ľnger zum Einsatz kommen oder kompostiert werden.

Wirtschaft

Ungarn erwirtschaftete 2019 ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 143,8¬†Mrd. Euro, was rund 14.720¬†Euro pro Kopf entsprach. Verglichen mit dem BIP der EU ausgedr√ľckt in Kaufkraftstandards erreicht Ungarn einen Index von 73 (EU-27 = 100; 2019). Bei weitem gr√∂√üter Handelspartner ist Deutschland, worauf 2017 26¬†% der Importe und 28¬†% der Exporte entfielen. Ein hoher Teil der Ausfuhren wird von Unternehmen in ausl√§ndischem Besitz get√§tigt. Wichtige Industriestandorte sind vor allem der Raum Budapest und die Grenzregion zu √Ėsterreich. Die gr√∂√üte ungarische Unternehmung ist der Mineral√∂lkonzern MOL, an zweiter Stelle folgt die Audi Hungaria Motor Kft.

Ungarn hat sich zu einem bedeutenden Standort der Automobilindustrie entwickelt. Als ausl√§ndische Hersteller haben Mercedes-Benz (in Kecskem√©t), BMW (in Debrecen), Audi (in GyŇĎr), Suzuki (Magyar Suzuki, Esztergom) und Opel (in Szentgotth√°rd) Werke in Ungarn errichtet. Bedeutende einheimische Fahrzeughersteller waren lange Zeit die Nutzfahrzeug-Marken Ganz, Ikarus und R√°ba, die vor allem zur Ostblock-Zeit auch im Export erfolgreich waren, heute aber nur noch geringe, vorwiegend nationale Bedeutung haben.

Eine wichtige Rolle als Einnahmequelle spielt der Tourismus in Budapest, in der Puszta und am Plattensee (Balaton). Touristisch vermarktet Ungarn verst√§rkt seine √ľber 350 Thermalquellen. Mit √ľber 15,2 Millionen Touristen stand Ungarn 2016 auf Platz 23 der meistbesuchten L√§nder der Welt. Die Tourismuseinnahmen beliefen sich im selben Jahr auf 5,6 Mrd. US-Dollar.

Wirtschaftsdaten

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Ungarn Platz 60 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 56 von 180 L√§ndern.

  • Bruttoinlandsprodukt (BIP) (2019): 143,8 Mrd. ‚ā¨
  • Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (2019): 14.720 ‚ā¨
  • Wirtschaftswachstum (2019): 4,9¬†%
  • Monatliches Bruttoeinkommen (2018): 1.054¬†‚ā¨
  • Monatliches Nettoeinkommen (2018): 701¬†‚ā¨
  • Import (2019): 107,0 Mrd. ‚ā¨
  • Export (2019): 110,4 Mrd. ‚ā¨
  • Inflationsrate (2018): 3,7¬†%
  • Arbeitslosenquote (Januar 2020): 3,4¬†%
  • Besch√§ftigungsverteilung (2016)
    • Industrie: 30¬†%
    • Land-/Forstwirtschaft: 5¬†%
    • Dienstleistungen: 65¬†%

Wirtschaftliche Entwicklung

Seit 2010 ist die Leistungsbilanz positiv, während sie bis 2008 stark negativ war.

Die Inflationsrate unterliegt gr√∂√üeren Schwankungen als in der Eurozone. 2012 betrug sie 5,65¬†%, 2014 und 2015 herrschte geringf√ľgige Deflation, 2018 betrug die Inflationsrate 2,85¬†%.

Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft stieg die Arbeitslosenquote nach der Definition des Ungarischen Statistikamtes bis 1993 auf 12,1 % und fiel bis 2001 auf 5,7 %. 2005 begann ein erneuter deutlicher Anstieg bis auf 11,2 % im Jahr 2010, worauf ab 2014 ein deutliches Absinken bis auf 3,5 % im Jahr 2018 folgte. Die Arbeitslosigkeit bei der Bevölkerung unter 25 Jahren hatte 2012 einen Höchststand erreicht mit 28,2 % und fiel bis 2018 auf 10,2 %. Ungarn hat eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in der EU.

Die Besch√§ftigungsquote der Bev√∂lkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren lag im Jahr des EU-Beitritts 2004 bei 62,1¬†%, 2010 betrug sie 59,9¬†% und stieg dann bis 2019 konstant auf 75,3¬†%. 2016 √ľberschritt sie erstmals leicht den EU-Durchschnitt. 2015 arbeiteten 4,9¬†% aller Arbeitskr√§fte in der Landwirtschaft, 30,3¬†% in der Industrie und 64,5¬†% im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der Besch√§ftigten wird f√ľr 2017 auf 4,6 Millionen gesch√§tzt; davon sind 45,8¬†% Frauen.

Steuern

Bei der Einkommensteuer gibt es nur einen einzigen Steuersatz (Flat Tax) von 15 Prozent. Der Körperschaftssteuersatz beträgt 9 Prozent, der Regelsatz bei der Umsatzsteuer 27 Prozent.

Wirtschaftskennzahlen

Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt und Außenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaßen:

Staatshaushalt

Die Staatsverschuldung stieg zwischen 2001 und 2011 von 51,9 % auf 80,5 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP), danach sank sie im Verhältnis zum BIP auf 70,8 % im Jahr 2018. Das Defizit der öffentlichen Haushalte erreichte 2006 einen Höhepunkt mit 9,3 % des BIP, in den Jahren 2012 bis 2018 schwankte das Defizit zwischen 1,6 % und 2,6 % des BIP.

2018 betrugen die Staatsausgaben 46,7¬†% des BIP (Deutschland 44,6¬†%, √Ėsterreich 48,6¬†%), darunter entfielen auf:

  • Soziale Sicherung 13,3¬†%
  • Gesundheit: 4,7¬†%
  • Bildung: 5,1¬†%
  • Milit√§r: 0,9¬†%

Von der Finanzkrise ab 2007 war Ungarn besonders stark betroffen. Wegen des hohen Doppeldefizits (Leistungsbilanz und Staatshaushalt) und der hohen Verschuldung der privaten Haushalte, die zu erheblichen Teilen in Fremdw√§hrungen erfolgte, erlitt der Forint gegen den Euro im Oktober 2008 erhebliche Kursverluste. Die Zentralbank erh√∂hte daraufhin den Zins um drei Prozentpunkte. Au√üerdem musste die Europ√§ische Zentralbank Ungarn einen Swap in H√∂he von f√ľnf Milliarden Euro zur Verf√ľgung stellen, weil ungarische Banken die Vergabe von Devisenkrediten weitgehend eingestellt hatten. Nachdem auch der Markt f√ľr ungarische Staatsanleihen wegbrach, bat Ungarn den IWF um Hilfe. Am 27. Oktober 2008 gab der IWF bekannt, Ungarn mit einem Rettungspaket zu unterst√ľtzen, um den sonst unausweichlichen Staatsbankrott Ungarns zu verhindern. Die Europ√§ische Union und die Weltbank beteiligen sich ebenfalls an dem Rettungspaket; insgesamt wurde Ungarn ein Kredit √ľber 20 Milliarden Euro zugesagt. Am 21. November 2011 bat die ungarische Regierung vorbeugend den Internationalen W√§hrungsfonds und die EU erneut um finanzielle Unterst√ľtzung. Die Rendite auf ungarische Staatsanleihen war in den Monaten zuvor sukzessive angestiegen, wodurch sich auch die Refinanzierung der Schulden verteuerte.

Am 23. Mai 2014 beendete der IWF die 'Article IV consultation'. Ungarn zahlte Kredite des IWF vorzeitig zur√ľck.

Kultur

Feiertage

Die offiziellen Feiertage in Ungarn sind die folgenden Tage (an diesen Tagen sind die Geschäfte geschlossen, während sie sonst meistens auch sonntags geöffnet haben):

Feiertage vor und nach der Wende

Zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Wende gab es Feiertage, die mit dem kommunistischen Regime zusammenhingen, den 7.¬†November (Tag der sowjetischen Oktoberrevolution), den 4.¬†April (wurde als ‚ÄěTag der Befreiung (vom Faschismus)‚Äú gefeiert), oder den 21.¬†M√§rz (Tag der R√§terepublik 1919, die eine kommunistische Republik war). Am 15.¬†M√§rz war nur in den Schulen frei, und man bef√ľrchtete immer wieder Unruhen in den Kreisen der Jugend. An diesem Tag ist es √ľblich, eine Kokarde in den ungarischen Nationalfarben √ľber dem Herzen zu tragen.

Der 20.¬†August wurde in den kommunistischen Jahren als ‚ÄěTag der Verfassung und des neuen Brotes‚Äú bezeichnet und mit einer gro√üen Milit√§rparade begangen, ferner mussten die neuen Wehrpflichtigen ihren Eid ablegen. An diesem Tag findet immer noch eine Show der Luftwaffe √ľber der Donau statt, heute legen aber an diesem Tag nur noch die jungen Offiziere ihren Eid ab, weil die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft wurde. Die Feierlichkeiten am 20.¬†August sind nun (wie vor 1948) eher historischer Natur, im Mittelpunkt stehen die Gedenkfeierlichkeiten um den ersten K√∂nig Ungarns ‚Äď √ľberall in Ungarn gedenkt man Stephans des Heiligen, zu dessen Ehren Gottesdienste und Prozessionen abgehalten werden. Der Tag endet traditionell mit einem Riesenfeuerwerk in Budapest, das auch vom Fernsehen live √ľbertragen wird. Der 23.¬†Oktober durfte bis zur Wende nicht gefeiert werden. Am 1.¬†Mai fand ein gro√üer Aufmarsch der Arbeiter statt, der an einer Trib√ľne vorbeif√ľhrte, auf der die wichtigsten kommunistischen Parteifunktion√§re standen. Heute finden nur noch Maikundgebungen statt. Einige kirchliche Feiertage (Allerheiligen und Pfingsten) gelten erst seit 1998 wieder als offizielle Feiertage.

Andere Feste und Feiertage

In Ungarn feiert man den Muttertag (Anyák napja) nicht wie in vielen anderen Ländern am zweiten, sondern bereits am ersten Sonntag im Mai. Am ersten Sonntag im Juni ist Pädagogentag, in der darauf folgenden Woche wird den Lehrern gratuliert.

Namenstage werden in Ungarn sowohl in der Familie als auch im Kreis der Freunde und Kollegen groß gefeiert, sie haben oft einen größeren Stellenwert als die Geburtstage. Inzwischen haben auch Feste aus den angelsächsischen Ländern (Halloween, Valentinstag) in Ungarn Einzug gehalten.

Die meisten Br√§uche an den kirchlichen Feiertagen sind denen in anderen mitteleurop√§ischen L√§ndern √§hnlich. Eine wichtige Tradition ist es, dass M√§nner am Ostermontag die Frauen mit Parf√ľm begie√üen (locsolkod√°s), was auf einen alten Brauch zur√ľckzuf√ľhren ist. Fr√ľher war es vor allem auf dem Lande √ľblich, junge Frauen mit einem Eimer kaltem Wasser zu √ľbergie√üen, damit sie nicht ‚Äěverwelken‚Äú. Dieses Motiv ist in den meisten kleinen Osterreimen (locsol√≥ vers) zu finden, die aus diesem Anlass gerne aufgesagt werden: Z√∂ld erdŇĎben j√°rtam, k√©k iboly√°t l√°ttam, el akart hervadni, szabad-e locsolni? (‚ÄěIch ging im gr√ľnen Wald und fand ein blaues Veilchen, es wollte verwelken, darf ich es begie√üen?‚Äú eine andere √úbersetzung: ‚ÄěIm gr√ľnen Wald war ich/Blaue Blumen sah ich/Sie wollten verwelken/Darf ich Dich begie√üen?‚Äú). Die Frauen m√ľssen den M√§nnern f√ľr das Begie√üen ein rotes Ei oder ein kleines Geschenk (Schokolade) geben. Heutzutage gibt man Kindern Kleingeld, M√§nnern einen Schnaps daf√ľr.

K√ľche

Die ungarischen Speisen gelten im Vergleich zu anderen europ√§ischen Speisen als relativ ‚Äěschwere Kost‚Äú. Ein beliebtes Gericht der Ungarn (h√§ufig als Nationalgericht tituliert) ist p√∂rk√∂lt (nicht zu verwechseln mit dem guly√°s). P√∂rk√∂lt wird nicht nur im deutschsprachigen Raum f√§lschlicherweise auch als Gulasch bezeichnet. In Ungarn gibt es dieses sowohl als diszn√≥-p√∂rk√∂lt (mit Schweinefleisch) als auch als marhap√∂rk√∂lt (mit Rindfleisch). P√∂rk√∂lni bezeichnet das Verfahren der Fleischzubereitung (Schmoren in Zwiebeln, Paprika und Fett). Die Beilagen zu diesem Gericht sind variabel und von Region zu Region verschieden.

Das in Ungarn gekochte guly√°s ist im Gegensatz zum p√∂rk√∂lt eine Suppe. Die deutsche Bezeichnung ‚ÄěGulaschsuppe‚Äú ist also korrekt (ungarisch guly√°sleves). Traditionell wird die Suppe im Kessel (bogr√°cs) zubereitet. Das Kochen in diesem Ger√§t geht auf die Nomadenzeit zur√ľck und ist verwandt mit der chinesischen Version des Kessels: dem Wok. Das Fleisch wird zun√§chst wie p√∂rk√∂lt geschmort, jedoch nach ausreichender Garzeit mit Wasser aufgegossen. Au√üerdem gibt man Kartoffelst√ľcke und K√ľmmel dazu (nicht so beim p√∂rk√∂lt). F√ľr dieses Gericht wird traditionell nur Rindfleisch verwendet. Dass dies so ist, ergibt sich aus dem Wort guly√°s. Das Wort gulya bedeutet ‚ÄěRinderherde‚Äú, der guly√°s ist der Rinderhirte (sozusagen der ungarische Cowboy).

Weltber√ľhmt ist neben dem Paprika, der auch gemahlen als Gew√ľrz besonders in der ungarischen und mittlerweile auch in ausl√§ndischen K√ľchen verwendet wird, der Tokajer (ung. tokaji), ein Wein aus dem Tokajer Weingebiet (ung. tokaji borvid√©k). F√ľr diesen Wein werden nur sp√§treifende Rebsorten verwendet, so dass die Weintrauben nicht nur von den trockenen, hei√üen Sommern, sondern auch von den langen, warmen und nebelreichen Herbsten profitieren.

Architektur

Einige der wichtigsten erhaltenen Bauten Ungarns sind im sp√§tromanischen Stil erbaut. Sie sind stark von westeurop√§ischen Einfl√ľssen (Rheinland/K√∂ln) gepr√§gt, etwa die Kirchen in Zs√°mb√©k und J√°k (St. Georg) aus dem 13. Jahrhundert. In der Gotik sind besonders zwei- und dreischiffige Hallenkirchen aus dem 15. Jahrhundert charakteristisch. Unter K√∂nig Sigismund (ung. Zsigmond) entstand in Buda ein F√ľrstensitz, den K√∂nig Matthias Corvinus in florentinischem Stil ausbauen lie√ü. Eines der bedeutendsten Werke dieser Epoche ist das Schloss des F√ľrsten Esterh√°zy in FertŇĎd, dessen Vorbild Schloss Versailles war. Mih√°ly Pollack, einer der Hauptbaumeister des Klassizismus in Ungarn, stammte aus Wien. Mikl√≥s Ybl, der vornehmlich im Renaissancestil baute, lie√ü diese Epoche in Ungarn noch einmal aufleben (etwa beim Opernhaus in Budapest).

Imre Steindl errichtete 1885‚Äď1902 das Parlamentsgeb√§ude in Budapest im neugotischen Stil, wodurch dieser in Ungarn wieder kurzzeitig in Mode kam. Um die Jahrhundertwende wurden vor allem in der Hauptstadt viele Bauten im Jugendstil errichtet, zum Beispiel das Blindeninstitut. In Kecskem√©t ist ein sch√∂nes Beispiel f√ľr den Jugendstil der Cifra Palota, 1902 nach den Pl√§nen von G√©za M√°rkus mit Fassadenschmuck aus Zsolnay-Keramik gebaut. F√ľr den Baustil der Wohnh√§user in Budapest um die Jahrhundertwende sind H√§user mit Innenhof und offenen G√§ngen (gang) typisch; die Wohnungen in b√ľrgerlichen H√§usern √§hneln sehr den heutigen ‚ÄěAltbauwohnungen‚Äú in Wien. Sie sind vorwiegend in den linksufrigen Pester Bezirken am ‚ÄěGro√üen Ring‚Äú (nagyk√∂r√ļt) zu finden. In den Jahren der kommunistischen Herrschaft wurden diese H√§user (besonders im 7.¬†und im 8.¬†Bezirk) sehr vernachl√§ssigt und viele befinden sich bis heute in heruntergekommenem Zustand (die meisten Substandardwohnungen befinden sich in diesen Bezirken). In den 1930er Jahren erbaute man mehrere Mustersiedlungen im Bauhausstil, vor allem auf dem Sv√°bhegy (Schwabenberg) (im 12.¬†Bezirk) zu finden.

Ein architektonisches Juwel ist die kurz vor der Jahrhundertwende und vor der Wiener Stadtbahn errichtete erste U-Bahn-Linie √Ėsterreich-Ungarns, die vom V√∂r√∂smarty t√©r zur Mexik√≥i √ļt f√ľhrt. Auch Bauten im Stadtw√§ldchen (Sz√©chenyi-Bad, Zoo) sind erw√§hnenswert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten ungarische Architekten vorwiegend im Stil der Moderne. Der sozialistische Realismus kam nur w√§hrend der stalinistischen R√°kosi-Diktatur kurzzeitig zur Anwendung. Vor allem in den Au√üenbezirken der stark wachsenden Hauptstadt Budapest, aber auch in allen anderen Regionen, entstanden zur Minderung des Wohnungsproblems in der sozialistischen Zeit zahlreiche Plattenbauten (ungarisch panelh√°z). Zu den gr√∂√üten Einzelbauten z√§hlten das Faluh√°z in Budapest und das 2016 abgerissene Magash√°z in P√©cs. Daneben kamen auch Ziegel- und Betonbautechniken zum Einsatz. In den 1970er und 1980er Jahren stand nur die ungarische organische Architektur, zu deren Vertreter Imre Makovecz und Gy√∂rgy Csete z√§hlten, der Architektur der Moderne entgegen. Der Einfluss internationaler Str√∂mungen nahm in den 1980er Jahren immer weiter zu, da es nun erlaubt war, private Architekturb√ľros zu er√∂ffnen und sich das Land wirtschaftlich zunehmend √∂ffnete. Der neueste Trend ist die Errichtung von ‚ÄěWohnparks‚Äú, Wohnanlagen mit guter Infrastruktur, deren Stil dem in den westeurop√§ischen L√§ndern √§hnlich ist. Ein interessantes Bauprojekt war der Bau des neuen Nationaltheaters in Budapest nach den Pl√§nen von M√°ria Sikl√≥s, das 2002 fertiggestellt wurde.

Die traditionelle Architektur auf dem Lande ist heute noch in einigen Ortschaften authentisch erlebbar, wie in Holl√≥kŇĎ, das als Museumsdorf Teil des Welterbes der UNESCO ist. Die strohgedeckten H√§user in Tihany am Balaton sind ebenfalls denkmalgesch√ľtzt ‚Äď im Ortskern d√ľrfen H√§user nur in alter Bauweise errichtet werden. Die Vielfalt der ungarischen d√∂rflichen Baukultur kann man im Freilichtmuseum in Szentendre bewundern ‚Äď hier wurden abgetragene Originalh√§user aus allen Gebieten Ungarns wieder aufgebaut und der √Ėffentlichkeit zug√§nglich gemacht.

Malerei

Der bekannteste ungarische Maler des 15. Jahrhunderts war Michele Ongaro (auch Pannonio). Er arbeitete am Hof von Ferrara in Italien. Die ungarischen Maler des 17. und 18. Jahrhunderts arbeiteten ebenfalls haupts√§chlich im Ausland. Im 19. Jahrhundert kam die nationale Historienmalerei auf (mit bekannten Malern wie Gyula Bencz√ļr, Bertalan Sz√©kely, M√≥r Than). Mikl√≥s Barab√°s, einem Portr√§tisten, gelang es als erstem ungarischem Maler, im eigenen Land Anerkennung zu finden. Die Bilder von Mih√°ly Zichy und von G√©za M√©sz√∂ly sind vor allem von der Romantik gepr√§gt. Mih√°ly Munk√°csy verband in verschiedensten Kompositionen aus dem b√§uerlichen Volksleben die den Impressionismus vorbereitende Freilichtmalerei mit realistischen Elementen. √Ąhnlich gestaltet sind auch die Werke von P√°l Szinyei Merse.

Um die Jahrhundertwende erlangten die K√ľnstlerkolonie Nagyb√°nya, die von K√°roly Ferenczy gef√ľhrt wurde, sowie einige andere Gruppen Bedeutung, haupts√§chlich als K√ľnstler einer realistisch gef√§rbten oder romantisierenden ‚ÄěNaturmalerei‚Äú. Die sozialistisch-realistischen Genre- und Historienmalerei war in den 1950er und 1960er Jahren besonders beliebt. Danach kamen unterschiedliche internationale Str√∂mungen ins Spiel, haupts√§chlich aber die Medienkunst und die abstrakte und realistische Malerei (beispielsweise Imre Bak oder D√≥ra Maurer). Mit Victor Vasarely, Zsigmond Kem√©ny und L√°szl√≥ Moholy-Nagy stammen einige der f√ľhrenden, im Ausland arbeitenden K√ľnstler des 20. Jahrhunderts aus Ungarn. Heutzutage bekannte Maler aus Ungarn sind Istv√°n SzŇĎnyi, JenŇĎ Barcsay, L√°szl√≥ Lakner und Aur√©l Bern√°th.

Literatur

Aus der Zeit, in der die Magyaren noch nicht christianisiert waren (bis ca. 950‚Äď1000), sind lediglich einige Inschriften in ungarischen Runen erhalten. Seit der Christianisierung durch Stephan I. (Szent Istv√°n) wurde nur das lateinische Alphabet verwendet. Die Literatursprache war ebenfalls das Lateinische. Der √§lteste vollst√§ndig erhaltene sakrale Text in ungarischer Sprache ist die ‚ÄěGrabrede‚Äú (Halotti besz√©d) und ein angef√ľgtes Gebet, das um 1200 entstand. Im 13. und 14. Jahrhundert dominierte die lateinische Geschichtsschreibung. Hier sind vor allem die Gesta Hungarorum aus dem 13. Jahrhundert zu nennen. Der Autor nannte sich ‚ÄěAnonymus‚Äú. Wer er wirklich war, ist bis heute umstritten. Nach der Bl√ľte der Geschichtsschreibung gelangte die christliche Hymnendichtung in den Vordergrund. Das erste vollst√§ndig erhaltene Gedicht in ungarischer Sprache ist die ‚ÄěAltungarische Marienklage‚Äú (√ďmagyar M√°riasiralom), sie wurde erst 1922 entdeckt.

Mit dem Renaissancek√∂nig Matthias Corvinus (1458‚Äď1490) setzte in Ungarn ein kultureller Aufschwung ein, und f√ľr die Bibliotheca Corviniana entstanden zahlreiche Prachtcodices mit ungarischen Passagen. Bedeutende lateinisch schreibende Ungarn waren Janus Pannonius (1434‚Äď1472) und B√°lint Balassi (1554‚Äď1594). Der wichtigste Vertreter der Gegenreformation war P√©ter P√°zm√°ny (1570‚Äď1637), er hatte Vorbildwirkung f√ľr die ungarische Prosa. Sein Hauptwerk, der ‚ÄěF√ľhrer zur g√∂ttlichen Wahrheit‚Äú (1613), war ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung einer ungarischen Philosophiesprache. Erst in dieser Zeit setzte sich das Ungarische als Schriftsprache endg√ľltig durch. Mikl√≥s Zr√≠nyi (1620‚Äď1664) schrieb das Nationalepos ‚ÄěDie Belagerung von Sziget‚Äú (Szigeti veszedelem, 1645/1646), das 1821 auf Deutsch erschien und das erste Epos √ľberhaupt in ungarischer Sprache war.

Neben S√°ndor Bar√≥czi (1735‚Äď1809) und √Ābrah√°m Barcsay (1742‚Äď1806) waren es vor allem Gy√∂rgy Bessenyei (etwa 1747‚Äď1811), die sich in der Aufkl√§rung und der Romantik in den Vordergrund stellten und den Anschluss an die allgemeine europ√§ische Entwicklung fanden. Pest wurde zum literarischen Zentrum Ungarns. Der Wiener Hof blieb aber nicht unt√§tig und baute ein weit verzweigtes Netzwerk von Zensoren auf. Mih√°ly Csokonai Vit√©z (1773‚Äď1805) war ein gro√üer Lyriker, der in Ungarn seltene lyrische Formen einsetzte und einf√ľhrte, etwa das erste jambische Gedicht. Er schrieb das erste ungarische ironische Epos ‚ÄěDorothea‚Äú (Dorottya, 1795), in dem er die adelige Lebensweise karikiert.

Die Zeit zwischen 1823 und 1848 war eine Glanzzeit der ungarischen Literatur. Mit Mih√°ly V√∂r√∂smarty (1800‚Äď1855), J√°nos Arany (1817‚Äď1882) und S√°ndor PetŇĎfi (1823‚Äď1849) gab es eine Reihe bedeutender Dichter. Das Gedicht Sz√≥zat (1838) von Mih√°ly V√∂r√∂smarty, das w√§hrend der M√§rzrevolution 1848 als ungarische Nationalhymne diente, war eines der bedeutendsten Werke dieser Zeit. M√≥r J√≥kai (1825‚Äď1904) war ebenfalls ein Vertreter der Romantik. Ferenc K√∂lcsey schrieb 1823 die Nationalhymne Himnusz.

Endre Adys (1877‚Äď1919) wichtiges Werk sind die ‚ÄěNeuen Gedichte‚Äú aus dem Jahr 1906. Er war die √ľberragende Gestalt am Beginn des 20. Jahrhunderts in der ungarischen Literatur. Gyula Kr√ļdy (1878‚Äď1933) war ein stilbildender Prosaist der ungarischen Moderne, dessen umfangreiches literarisches Werk etwa 100 B√§nde Romane und Erz√§hlungen umfasst. G√©za Cs√°th z√§hlt zu den bedeutenden Vertretern der modernen Literatur in Ungarn im 20. Jahrhundert. In seinen Novellen, Erz√§hlungen und Tageb√ľchern brach er mit den Tabus seiner Zeit und thematisierte psychologische Abgr√ľnde. Sein Werk hat zahlreiche ungarische Schriftsteller beeinflusst. Mih√°ly Babits (1883‚Äď1941) √ľbersetzte Dantes G√∂ttliche Kom√∂die und schrieb Romane, Lyrik und Essays. DezsŇĎ Kosztol√°nyi (1885‚Äď1936) √ľbersetzte zeitgen√∂ssische Werke der Weltliteratur in ‚ÄěModerne Dichter‚Äú (1913). Ferenc Moln√°r (1878‚Äď1952) ist der bedeutendste ungarische Dramatiker, am bekanntesten ist sein Theaterst√ľck Liliom (1909). 1937 musste er ins Exil in die USA. S√°ndor M√°rai (1900‚Äď1989) war nach dem Zweiten Weltkrieg gezwungen im Exil zu leben.

Nach der kommunistischen Machtergreifung verstummten zahlreiche ungarische Schriftsteller, oder sie emigrierten. Dem Dogma des sozialistischen Realismus beugten sich aber nicht alle Schriftsteller. Mit dem Kommunismus setzten sich in ihren Werken Péter Nádas, Tibor Déry und Magda Szabó kritisch auseinander.

Imre Kert√©sz (* 1929) verarbeitete seine Erfahrungen als √úberlebender des Holocaust im KZ Auschwitz-Birkenau und in Buchenwald in seinem Roman eines Schicksallosen (Sorstalans√°g, 1975), f√ľr den er 2002 mit dem Nobelpreis f√ľr Literatur geehrt wurde.

Weitere zeitgen√∂ssische Autoren sind Ferenc Juh√°sz und Gy√∂rgy Konr√°d und Lyriker wie L√°szl√≥ Nagy, S√°ndor We√∂res und J√°nos Pilinszky. Istv√°n E√∂rsi und L√°szl√≥ Krasznahorkai setzten sich nach dem Ende des kommunistischen Regimes in Ungarn mit der Machtaus√ľbung in totalit√§ren Systemen auseinander. Der rechtsextreme Politiker Istv√°n Csurka war ein geachteter Schriftsteller. Besonders bekannt wurde der nach dem Krieg geborene Autor P√©ter Esterh√°zy (1950‚Äď2016) mit seiner ‚ÄěHarmonia Caelestis‚Äú und der ‚ÄěVerbesserten Ausgabe‚Äú derselben.

Musik

Aus Ungarn stammen wesentliche Beitr√§ge zur europ√§ischen Musikgeschichte. Zu erinnern ist an Komponisten wie Franz Liszt, Imre K√°lm√°n, Franz Leh√°r, Le√≥ Weiner, Ernst von Dohn√°nyi, B√©la Bart√≥k, Zolt√°n Kod√°ly und Gy√∂rgy Ligeti. Als bedeutende Dirigenten sind Antal Dor√°ti, Ferenc Fricsay, Georg Solti und Gy√∂rgy Sz√©ll zu nennen, als bekannte Pianisten G√©za Anda, Gy√∂rgy Cziffra, Andor Foldes, Zolt√°n Kocsis, und Andr√°s Schiff und schlie√ülich, als bedeutende Gesangssolisten, die Sopranistin Sylvia Geszty und der Tenor S√°ndor K√≥nya. In der Popmusik sind bekannte Namen Katalin Kar√°dy, Omega, Piramis, Kati Kov√°cs, Locomotiv GT, Sarolta Zalatnay, Ill√©s, √Ākos Kov√°cs und Magdi R√ļzsa. Moderne Volksmusik hat auch einige ber√ľhmte Interpreten wie: M√°rta Sebesty√©n, Muzsik√°s und Bea Palya. Europaweit bekannte Musikfestivals sind Sziget und Balaton Sound.

Film

Die ungarische Filmgeschichte begann Anfang des 20. Jahrhunderts, als etwa Michael Curtiz und Alexander Korda ihre ersten Filme inszenierten. In den turbulenten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, mit der Errichtung der kurzlebigen Diktatur von B√©la Kun und auch nach der Abschaffung der R√§terepublik im August 1919, fl√ľchteten viele Ungarn ins Ausland ‚Äď meist ins nahe √Ėsterreich. Auch zahlreiche Filmschaffende belebten in den 1920er-Jahren den √∂sterreichischen Film: neben den bereits erw√§hnten Michael Curtiz und Alexander Korda, die es sp√§ter in Hollywood und Gro√übritannien zu Ber√ľhmtheit brachten, auch Schauspielstars wie Lucy Doraine, Mar√≠a Corda, Oskar Beregi, Vilma B√°nky, Marika R√∂kk, Marta Eggerth oder auch der Filmtheoretiker B√©la Bal√°zs. Ebenfalls ungarischer Abstammung war der amerikanische Weltstar Tony Curtis.

Medien

Presse

In Ungarn erscheinen 40 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage 1,6 Millionen, was einer Käuferschaft von 194 Zeitungsexemplaren pro 1000 Einwohnern entspricht.

Die bekanntesten Tageszeitungen sind:

  • N√©pszabads√°g (sozialdemokratisch, ehemals Presseorgan der Staatspartei, ca. 100.000 Exemplare, im Oktober 2016 eingestellt)
  • Magyar Nemzet (rechtskonservativ, ca. 50.000 Exemplare, im April 2018 eingestellt)
  • Magyar H√≠rlap (fr√ľher liberal, heute konservativ, ca. 25.000 Exemplare)
  • N√©pszava (traditionell sozialdemokratisch, ca. 20.000 Exemplare)

Zu den bekanntesten Wochenzeitungen z√§hlen das liberale Literatur- und Politikblatt √Člet √©s Irodalom, die Wirtschaftszeitschrift Heti Vil√°ggazdas√°g (HVG), die b√ľrgerlich-konservativen politischen Zeitschriften Heti V√°lasz und Demokrata, die liberalen politischen Zeitschriften 168 √≥ra und Besz√©lŇĎ, die Frauenillustrierte NŇĎk Lapja, das R√§tselblatt F√ľles, die Zeitung Reform√°tusok Lapja der Reformierten Kirche, und die katholische Zeitschrift √öj Ember. Das Boulevardblatt Blikk erfreut sich gro√üer Popularit√§t. Die satirische Zeitschrift Ludas Matyi wurde vor einigen Jahren eingestellt. Die Obdachlosenzeitung von Budapest hei√üt Fed√©l n√©lk√ľl.

Rundfunk und Telekommunikation

Bis 2003 existierten in Ungarn Rundfunk- und Fernsehgeb√ľhren. Die Duna M√©diaszolg√°ltat√≥ Z√°rtk√∂rŇĪen MŇĪk√∂dŇĎ Nonprofit R√©szv√©nyt√°rsas√°g, kurz: Duna M√©dia (etwa Donau Media Service Gesellschaft) ist seit 2015 die zentrale √∂ffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft Ungarns. Sie ist der einzige √∂ffentliche Rundfunk Dienstleister des Landes und entstand durch die Fusion der Duna Telev√≠zi√≥ (Regionales Fernsehen), Magyar Radio (Nationales Radio) und Magyar Telev√≠zi√≥ (Nationales Fernsehen). Produziert werden 2 Hauptfernsehprogramme (M1, M2) und etliche Sparten- und Regionalprogramme. s√§mtliche Kan√§le von MTV und Duna Telev√≠zi√≥ AG werden auch noch analog terrestrisch verbreitet.

Daneben existieren private Fernsehsender, die unter der Regierung Orb√°n mehrheitlich im Besitz von ungarischen Medienunternehmen sind. Dazu z√§hlen Programme Magyar ATV, TV2, RTL Klub, Viasat 3, H√°l√≥zat Telev√≠zi√≥ und Spartenkan√§le wie Minimax, Animax (Kinderkan√§le), H√≠r TV (Nachrichtenkanal), TV Paprika (Gastronomie), Viasat History (Geschichtliche Dokumentationen), Spektrum Telev√≠zi√≥ (Technische Dokumentationen) und Ableger internationaler Fernsehkan√§le (Viva, Music Television Hungary, National Geographic Channel, Nickelodeon, Eurosport, History Channel, Discovery Channel u.¬†v.¬†a.). Duna TV, Duna II Auton√≥mia, m2, TV Paprika und Budapest TV strahlen ihre Programme auch √ľber Satellitenkan√§le aus. Ein Ableger des Bezahlfernsehprogramms HBO ist HBO Hungary.

Viele Privat- und Regionalsender und Sender, die speziellen Zielgruppen oder Themen gewidmet sind, senden in Ungarn.

Die größte Telekommunikationsgesellschaft ist die Magyar Telekom. Sie war außerdem als T-Mobile in Ungarn aktiv. Weitere Telekommunikationsanbieter sind Vodafone Magyarország und Pannon GSM.

Medienfreiheit

Am 21. Dezember 2010 verabschiedete das ungarische Parlament ein neues Mediengesetz, das am 1. Januar 2011 rechtsg√ľltig in Kraft trat. Zudem wurde eine neue Medienbeh√∂rde geschaffen, die ‚ÄěStaatliche Beh√∂rde f√ľr Medien und Nachrichten√ľbermittlung‚Äú, Nemzeti M√©dia- √©s H√≠rk√∂zl√©si Hat√≥s√°g (kurz: NMHH). Sowohl das Gesetz als auch die Medienbeh√∂rde wurden auf nationaler und internationaler Ebene von zahlreichen Experten, Wissenschaftlern, Journalisten und Politikern kontrovers diskutiert.

In der Rangliste der Pressefreiheit 2020 von Reporter ohne Grenzen rangiert Ungarn auf Platz 89 von 180 Ländern.

Ein neues NMHH-Gesetz verf√ľgt, dass √ľber bestimmte Themen nur noch nach Absprache mit der Regierung berichtet werden darf.

Sport

Fu√üball ist in Ungarn die popul√§rste Sportart. Zwischen den 1930er und den 1960er Jahren z√§hlte die ungarische Fu√üballnationalmannschaft zur Weltspitze. Insgesamt nahm Ungarn neunmal an Fu√üball-Weltmeisterschaften teil, bei Olympischen Spielen gewann Ungarn dreimal (1952, 1964, und 1968) die Goldmedaille. Bei der WM 1938 und der WM 1954 stand das Team (damals auch Aranycsapat, ‚ÄěGoldene Mannschaft‚Äú, genannt) im Finale und wurde Vize-Weltmeister. Das Finale der WM 1954 wird seither als Nationaltrag√∂die behandelt, in dem das hoch favorisierte Ungarn gegen Deutschland 2:3 verlor. 1953 hatte Ungarn als erste Mannschaft √ľberhaupt in England gewonnen, und das mit 6:3. Dieser Sieg galt als Symbol, dem dar√ľber hinaus eine politische Deutung zugeschrieben wurde: Ungarn hatte eine ‚Äěimperialistische‚Äú Gro√ümacht besiegt. Eine Symbolfigur dieser Mannschaft war Ferenc Pusk√°s (Pusk√°s √Ėcsi). Seit 1986 hat Ungarn allerdings nicht mehr an einer WM-Endrunde teilgenommen und in den letzten Jahren war die Nationalelf nicht mehr sehr erfolgreich. Erfolgreichster Verein ist Ferencv√°ros Budapest, kurz Fradi, der neben 28 Meistertiteln auch als bis heute einziger ungarischer Verein einen internationalen Titel erringen konnte (1965 Gewinn des Messepokals (Vorl√§ufer des UEFA-Pokals) durch ein 1:0 gegen Juventus Turin). Die finanziellen Schwierigkeiten des Vereins f√ľhrten 2006 allerdings dazu, dass er in die zweite Liga absteigen musste. Die h√∂chste Spielklasse im ungarischen Fu√üball ist die Nemzeti Bajnoks√°g I., die aufgrund von Sponsorenvereinbarungen wechselnde kommerzielle Namensgeber aufweist.

Auch der Handball spielt in Ungarn eine wichtige Rolle. So sind bei den M√§nnern die Vereine KC Veszpr√©m und SC Szeged sowie bei den Frauen die Vereine GyŇĎri ETO KC und FTC Budapest regelm√§√üig in der EHF Champions League vertreten. Bekannte Spieler sind L√°szl√≥ Nagy, N√°ndor Fazekas, Tam√°s Mocsai und Ferenc Ily√©s sowie Anita G√∂rbicz und Katalin P√°linger. Als Trainer sind Lajos Mocsai und Ildik√≥ Barna zu nennen.

Ungarn hat eine ganze Reihe herausragender Schachspieler hervorgebracht, darunter Rudolf Charousek, G√©za Mar√≥czy, L√°szl√≥ Szab√≥, Lajos Portisch und Andr√°s Adorj√°n. In j√ľngerer Zeit geh√∂ren P√©ter L√©k√≥, Zolt√°n Alm√°si und Judit Polg√°r zu den weltweit besten Schachspielern. Bei offiziellen Schacholympiaden hat Ungarn dreimal Gold gewonnen.

Seit 1986 werden auf dem Hungaroring Formel-1-Rennen zum Großen Preis von Ungarn ausgetragen. Eine zweite international bekannte Rennstrecke ist der Pannonia-Ring, auf dem vor allem Motorradrennen stattfinden. An der Formel 1 nahm in der Saison 2004/05 auch der Ungar Zsolt Baumgartner teil. Im Speedway sind die Rennbahnen in Miskolc, Debrecen und Szeged international bekannt.

Bei den Olympischen Sommerspielen sind die ungarischen Sportler h√§ufig erfolgreich, und Ungarn belegt im Verh√§ltnis zur Gr√∂√üe des Landes gute Pl√§tze im Medaillenspiegel. Der erste Sportler, der f√ľr Ungarn olympische Medaillen gewonnen hat, war der Schwimmer Alfr√©d Haj√≥s, nach dem das Sportschwimmbad auf der Margareteninsel benannt ist. Besonders erfolgreich sind die Schwimmer (Krisztina Egerszegi, Tam√°s Darnyi, L√°szl√≥ Cseh, √Āgnes Kov√°cs, Katinka Hossz√ļ), die Wasserballmannschaft, die Handballmannschaft der Frauen, die Fechter und die F√ľnfk√§mpfer. Ein legend√§rer Boxer war L√°szl√≥ Papp. Nach dem Turner Zolt√°n Magyar wurde eine Figur auf dem Pferd benannt: magyar v√°ndor.

Bekannt ist auch der ungarische Tischtennissport. Victor Barna konnte von den 1920er- bis zum Ende der 1930er-Jahre insgesamt 21 Weltmeistertitel gewinnen (f√ľnf im TT-Einzel, sieben im TT-Doppel und neun WM-Titel mit der Mannschaft), was bis heute Weltrekord ist.

Die ungarische Eishockey-Nationalmannschaft qualifizierte sich f√ľr die Top-Division der Eishockey-Weltmeisterschaften 2009 und 2016. Die wichtigsten Teams der obersten Liga sind der Rekordmeister Ferencv√°ros TC, Alba Vol√°n Sz√©kesfeh√©rv√°r, Duna√ļjv√°rosi Ac√©lbik√°k (Duna√ļjv√°ros), GyŇĎri ETO HC, DVTK Jegesmedv√©k und √öjpest Budapest.

Siehe auch

  • Finno-ugrische V√∂lker
  • K√∂nigreich Ungarn
  • √Ėsterreich-Ungarn

Literatur

  • Thomas Bauer: Wo die Puszta den Himmel ber√ľhrt. Auf Umwegen durch Ungarn. F. A. Herbig Verlag, M√ľnchen, 2007, ISBN 978-3-7766-2512-7.
  • Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus. BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0.
  • Matthias Eickhoff: Ungarn. DuMont Reise-Taschenbuch, Ostfildern 2005, ISBN 3-7701-3149-5.
  • Janos Hauszmann: Ungarn. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Pustet, Regensburg 2004, ISBN 3-7917-1908-4.
  • Paul Lendvai: Die Ungarn. Eine tausendj√§hrige Geschichte. Goldmann 2001, ISBN 3-442-15122-8.
  • Paul Lendvai: Auf schwarzen Listen. Goldmann 2001, ISBN 3-442-15110-4.
  • Andreas Schmidt-Schweizer: Politische Geschichte Ungarns von 1985 bis 2002. Von der liberalisierten Einparteienherrschaft zur Demokratie in der Konsolidierungsphase. M√ľnchen 2007, ISBN 978-3-486-57886-7.
  • Deutsche und Ungarn ‚Äď eine besondere Beziehung. Zukunftschance oder Auslaufmodell? Dokumentation des Potsdamer Forums vom 13. Mai 2004 in der Vertretung des Freistaats Th√ľringen beim Bund, Berlin. 1. Auflage. Deutsches Kulturforum √∂stliches Europa e.¬†V., Potsdam 2005, ISBN 3-936168-22-9.
  • L√°szl√≥ Beke: Abstrakt ‚Äď Konkret ‚Äď Konstruktiv. 6 Positionen aus Ungarn. Ausstellungskatalog. 1. Auflage. Deutsches Kulturforum √∂stliches Europa e.¬†V., Potsdam 2006, ISBN 3-936168-40-7.

Weblinks

  • Offizielle Website der ungarischen Regierung (ungarisch, englisch)
  • Tourismusportal der ungarischen Regierung (deutsch)
  • Ungarisches Statistikamt (ungarisch, englisch)

Einzelnachweise


 

Region Regionen (20)

Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
B√°cs-Kiskun 47.152 45.906 18.786 20.154  
Baranya 46.412 45.742 17.617 18.852  
B√©k√©s 47.236 46.232 20.408 21.671  
Borsod-Aba√ļj-Zempl√©n 48.569 47.672 20.038 22.159  
Budapest 47.607 47.36 18.93 19.327  
Csongr√°d 46.803 46.108 19.653 20.787  
Fej√©r 47.562 46.702 18.095 18.968  
Gyor-Moson-Sopron 48.021 47.398 16.407 17.929  
Hajd√ļ-Bihar 47.961 46.941 20.819 22.154  
Heves 48.151 47.425 19.581 20.774  
J√°sz-Nagykun-Szolnok 47.679 46.764 19.665 21.028  
Kom√°rom-Esztergom 47.832 47.342 17.879 18.935  
N√≥gr√°d 48.227 47.706 18.933 20.096  
Pest 48.055 46.946 18.685 20.202  
Somogy 46.972 45.851 16.879 18.219  
Szabolcs-Szatm√°r-Bereg 48.418 47.583 21.114 22.877  
Tolna 46.848 46.1 18.038 19.002  
Vas 47.454 46.697 16.094 17.302  
Veszpr√©m 47.493 46.649 17.098 18.23  
Zala 47.047 46.302 16.366 17.227  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Hungary

Name englisch: Hungary
Hauptstadt: Budapest
Kfz: H
ISO: HU
ISO3: HUN
Fläche: 93030 km²
Tld: .hu
Wärung Einheit: HUF
Währung: Forint
Vorwahl: 36

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 48.585233
südlichster Punkt: 45.7370425
westlichster Punkt: 16.1136812
östlichster Punkt: 22.8977483


 
Ungarn: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Ungarn. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

Twitter twitter.com/deinebergede Instagram instagram.com/deineberge.de Facebook facebook.com/DeineBerge Frage Kontakt Fragen, Fehler, Lob, Kritik?
Schreib uns eine Nachricht.