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Staat Informationen : Armenien

Informationen:


Armenien (armenisch Ő€ŐĄŐ”ŐĄŐœŐżŐĄŐ¶, Transkription Hajastan [hɑjɑsˈtɑn], amtlich Republik Armenien, armenisch Ő€ŐĄŐ”ŐĄŐœŐżŐĄŐ¶Ő« Ő€ŐĄŐ¶Ö€ŐĄŐșŐ„ŐżŐžÖ‚Ő©Ő”ŐžÖ‚Ő¶, Transkription Hajastani Hanrapetutjun [hɑjɑstɑˈni hɑnÉŸÉ‘pɛtutʰˈjun]) ist ein Binnenstaat in Vorderasien und im Kaukasus mit rund 3 Millionen Einwohnern. Er grenzt im Norden an Georgien, im Osten an Aserbaidschan, im SĂŒden an die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan und den Iran und im Westen an die TĂŒrkei. Das Staatsgebiet umfasst den nordöstlichen Teil des ehemals viel grĂ¶ĂŸeren armenischen Siedlungsgebiets, das jedoch in der wechselvollen Landesgeschichte nur selten ein vereintes Reich bildete. Hauptstadt und mit rund einer Million Einwohnern grĂ¶ĂŸte Stadt Armeniens ist Jerewan. Weitere wichtige StĂ€dte sind Gjumri, Wanadsor und Wagharschapat mit der Kathedrale von Etschmiadsin (UNESCO-Weltkulturerbe).

Staatswerdung

Im Jahr 188 v. Chr. rief sich Artaxias I. zum König von Armenien aus. Seine Nachkommen, die Dynastie der Artaxiden, festigten die weitere UnabhĂ€ngigkeit Großarmeniens als selbststĂ€ndiges Königreich. Um 95 bis 55 v. Chr. erreichte die Macht des Artaxidenstaates unter Tigranes dem Großen ihren Höhepunkt. Wenig spĂ€ter wurde das Land jedoch zum Spielball der beiden GroßmĂ€chte, zwischen denen es lag, nĂ€mlich dem Römischen Reich und dem arsakidischen Partherreich. In der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. vereinbarten die beiden MĂ€chte, dass fortan nur arsakidische Prinzen mit Zustimmung der römischen Kaiser auf den armenischen Thron gelangen sollten. Als 226 n. Chr. die Sassaniden im Iran die Macht ĂŒbernahmen, konnten sich die Arsakiden in Armenien noch bis 428 behaupten.

Als wesentliche Eckpunkte nationaler EigenstĂ€ndigkeit gelten die Annahme des Christentums durch König Trdat III., die nach der Überlieferung und der offiziellen armenischen Sichtweise 301 n. Chr., nach Ansicht der historischen Forschung hingegen um 315 (also erst nach Kaiser Konstantin) stattfand, und das Jahr 405, als die armenische Schrift eingefĂŒhrt wurde. In der SpĂ€tantike gab es allerdings nicht nur Christen im Land, sondern auch der Zoroastrismus hatte zahlreiche AnhĂ€nger. Nach der Aufteilung des armenischen Königreichs der Arsakiden 387 zwischen Ostrom im Westen und dem Sassanidenreich im Osten (Persarmenien) war das armenische Siedlungsgebiet nur noch einmal, von 885 bis 1045, unter den Bagratiden vereint, deren Hauptstadt ab 961 Ani war.

Bereits seit dem 7. Jahrhundert rangen christliche Byzantiner und muslimische Araber um die Kontrolle des Landes. 1064 eroberten die Seldschuken Armenien, im 13. Jahrhundert folgten die Mongolen. 1555 wurde das Land zwischen Persien und dem Osmanischen Reich geteilt, ein zweites Mal 1639, als die Safawiden ungefĂ€hr das heutige Staatsgebiet erhielten und die TĂŒrken den grĂ¶ĂŸeren westlichen Teil. Im Russisch-Persischen Krieg verlor Persien 1828 die Provinz Armenien an das Russische Kaiserreich. WĂ€hrend des Ersten Weltkriegs wurden zahlreiche Armenier im Osmanischen Reich beim Völkermord an den Armeniern systematisch vernichtet, und das armenische Siedlungsgebiet schrumpfte stark. Die Grenze zwischen der TĂŒrkei und der russischen EinflusssphĂ€re wurde 1922 festgelegt. Die zur Sowjetunion gehörende Armenische Sozialistische Sowjetrepublik erlangte mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 ihre UnabhĂ€ngigkeit. Die Gebiete westlich davon blieben fĂŒr Armenien verloren.

Geographie

Lage und Struktur

Armenien liegt in der Region Vorderasien am Übergang zwischen Kleinasien und (dem aus europĂ€ischer Sicht so benannten) Transkaukasien, zwischen 38° 51â€Č und 41° 16â€Č nördlicher geographischer Breite sowie 43° 29â€Č und 46° 37â€Č östlicher geographischer LĂ€nge. Der Staat umfasst ein Gebiet von 29.800 kmÂČ im Nordosten des Armenischen Hochlands und am SĂŒdrand des Kleinen Kaukasus.

Die LandesflĂ€che Armeniens ist mit knapp 30.000 kmÂČ etwa so groß wie das deutsche Land Brandenburg. Es grenzt im Norden an Georgien, im Osten an Aserbaidschan, im SĂŒdosten an den Iran, im SĂŒden an die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan und von SĂŒdwesten bis Westen an die TĂŒrkei. Die heutige Bevölkerungszahl betrĂ€gt etwa drei Millionen.

Armenien ist ein Gebirgsland. 90 % der LandesflĂ€che liegen mehr als 1000 Meter ĂŒber dem Meeresspiegel, die mittlere Höhe betrĂ€gt sogar 1800 Meter. Von Norden her erstrecken sich die ĂŒber 3000 Meter hohen AuslĂ€ufer des Kleinen Kaukasus. Die höchste Erhebung ist der erloschene Vulkan Aragaz (4090 Meter) unweit des biblischen Ararat, der tiefste Punkt liegt rund 380 Meter hoch am Fluss Aras an der Grenze zum Iran und zu Aserbaidschan. Das Gebiet liegt in einem Faltengebirge – es entstand und verĂ€ndert sich nach wie vor durch den Zusammenstoß der Eurasischen Platte mit der Arabischen Platte – und ist dementsprechend stark durch Verwerfungen erdbebengefĂ€hrdet. Das Gestein ist oft vulkanischen Ursprungs. Unter den nachgewiesenen BodenschĂ€tzen sind verschiedene Kupferoxide am wichtigsten, die als Nebenprodukt MolybdĂ€n, Eisen und Gold enthalten, außerdem Uran, verschiedene Halbmetalle, Schmucksteine und Gesteinsarten wie Tuff, Basalt, Marmor und andere. Hinzu kommen Mineralwasserquellen, deren Wasser fĂŒr Heilzwecke und im Alltagsgebrauch Verwendung findet.

Der grĂ¶ĂŸte See Armeniens und des ganzen Kaukasus ist der nordöstlich von Jerewan etwa 1900 Meter hoch gelegene Sewansee mit einer FlĂ€che von derzeit ungefĂ€hr 1242 kmÂČ. Durch Wasserentnahme ist seine FlĂ€che stark zurĂŒckgegangen (1984: 1262 kmÂČ). Die lĂ€ngsten FlĂŒsse Armeniens sind Aras, Worotan, Kassagh, Hrasdan und Debed.

Klima

Durch das Gebiet der Republik Armenien verlĂ€uft der 40. Breitengrad, der auch durch Menorca und die nördliche Grenzregion Kaliforniens verlĂ€uft und in dessen NĂ€he StĂ€dte wie Otranto, Aranjuez, Philadelphia und Peking liegen. Doch ergeben sich durch die betrĂ€chtlichen Höhenunterschiede – beispielsweise verlĂ€uft nur etwa 50 km sĂŒdlich des Berges Aragaz (Höhe 4090 m) das Tal des Flusses Aras (auf ca. 840 m Höhe) – und der kleinteiligen, abwechslungsreichen Landschaftsstruktur unterschiedliche lokale Klimata. Einerseits wirken die nahen Meere ausgleichend, andererseits begĂŒnstigen die Hochgebirge der Umgebung extreme Schwankungen. Die hohen Gipfel des Kaukasus wirken starken KĂ€lteeinbrĂŒchen von Norden her entgegen. In den TĂ€lern und Niederungen ist das Klima kontinental, wobei die Temperaturen im Sommer um die Mittagszeit meist ĂŒber 30 °C liegen. In den Bergen ist es insgesamt etwas kĂŒhler, und an der Grenze zum Iran subtropisch und sehr trocken.

Siehe auch: Klima im Artikel Jerewan

Pflanzen- und Tierarten

Das Gebiet der Republik Armenien ist artenreich; es gibt eine Vielzahl endemischer Arten. In der Arasniederung finden sich Salzpflanzen. Bis zu einer Höhe von 1400 Metern sind Artemisia weit verbreitet. Im gebirgigen GelÀnde wachsen viele dornige StrÀucher und andere stachelige Pflanzen, wie etwa Disteln. Im Hochgebirge treten vermehrt trockenliebende Pflanzen auf. Um das Jahr 1900 waren rund 25 Prozent der FlÀche von BÀumen oder StrÀuchern bedeckt, 1964 etwa 15 Prozent, 2005 nur noch acht bis 10 Prozent.

In Sangesur im SĂŒden des Landes liegt die Baumgrenze bei 2400 Metern. In noch höheren Lagen Ă€hnelt die Pflanzenwelt derjenigen der Alpen.

Der lateinische Name der Aprikose, Prunus armeniaca, lautet ĂŒbersetzt „armenische Pflaume“. Die Aprikose gehört zu den Symbolen Armeniens.

Es gibt viele Reptilien, darunter die Armenische Felseidechse und Giftschlangen wie etwa Vipern, unter den Spinnentieren auch Skorpione. In feuchten Niederungen leben Wildschweine, Schakale, Rehe, Nerze, Möwen und Adler; in den Steppen im Gebirge vor allem Nagetiere; in den WĂ€ldern auch Syrische BraunbĂ€ren, Wildkatzen und Wölfe. Im Naturschutzgebiet Chosrow leben noch Luchse, Wildziegen und einige Kaukasische Leoparden. Das Armenische Wildschaf kommt ebenfalls in der NĂ€he dieses Reservats und in den sĂŒdlichen Sangesur-Bergen vor. Deren Gesamtbestand in Armenien wird auf nur etwa 250 Tiere geschĂ€tzt. Allerdings kommt die Unterart des Mufflons auch in angrenzenden LĂ€ndern wie dem Iran vor.

Die Wirbellosen sind in Armenien nur schlecht untersucht. So sind zum Beispiel von den sehr artenreichen Webspinnen bisher nur etwa 150 Arten nachgewiesen worden.

Schutzgebiete

Armenien verfĂŒgt ĂŒber mehrere Reservate und Nationalparks. Dazu zĂ€hlen das sĂŒdöstlich der Hauptstadt gelegene Chosrow-Reservat, der trockene Nationalpark Erebuni in unmittelbarer NĂ€he zu Jerewan, das waldreiche Shikahogh-Reservat im SĂŒden des Landes, der Sevan- und der Dilijan-Nationalpark, der Arevik-Nationalpark, der Arpi-Nationalpark und das Zangezur-Reservat.

Armenien hat des Weiteren 23 Smaragd-Gebiete mit einer GesamtflĂ€che von 10.337,20 kmÂČ (34,69 % der StaatsflĂ€che) nominiert (Stand: Dezember 2020), deren Anerkennung durch das Komitee des Europarates als Schutzgebiete gemĂ€ĂŸ der Berner Konvention noch aussteht.

Geschichte

FrĂŒhgeschichte und Antike

Königreich Urartu

Die UrsprĂŒnge des Königreichs Urartu liegen am Vansee. Um sich gegen die Assyrer wehren zu können, kam es unter König Arama von ArzaĆĄkun um 850 v. Chr. zum BĂŒndnis mit dem aramĂ€ischen Stadtstaat Bit Agusi. 848 v. Chr. erfolgten schwere Angriffe von Salmanassar III. gegen ArzaĆĄkun, in dessen Verlauf auch die umliegenden Orte zerstört wurden und Arama in das Gebirge flĂŒchtete. In den Jahren 844–832 v. Chr. fĂŒhrte Salmanassar III. weitere FeldzĂŒge gegen Nairi. Unter Sarduri I. wurde um 832 v. Chr. die Königs- und Hauptstadt TuĆĄpa (heutige Stadt Van) in einer Provinz von Nairi am Vansee gegrĂŒndet.

Seine Nachfolger vergrĂ¶ĂŸerten das Reich und fĂŒhrten es zu hoher BlĂŒte; viele Festungen wurden neu gegrĂŒndet (wohl zur Sicherung der eroberten Gebiete). Unter Menuas Herrschaft (etwa 810–785 v. Chr.) entwickelten sich Handwerk und Landwirtschaft. Magazine und Getreidespeicher wurden angelegt. Auch legte er einen 70 Kilometer langen Kanal zur SĂŒĂŸwasserversorgung aus dem HoƟap-Tal nach TuĆĄpa an, da der naheliegende Vansee salzig ist. Heute wird er fĂ€lschlich nach der sagenhaften Königin Semiramis benannt.

Unter Sarduri II. (etwa 765–733 v. Chr.) erreichte Urartu seine grĂ¶ĂŸte Ausdehnung. Doch im Bestreben, die Vormachtstellung der Assyrer zu brechen, ĂŒberspannte er seine KrĂ€fte und wurde von ihnen vernichtend geschlagen.

Urartu konnte sich unter Rusa I. (etwa 733–714) wieder erholen. Der assyrische König Sargon II. (721–704 v. Chr.) zerstörte im Jahre 714 Musasir. Rusa I. beging angeblich Selbstmord und seine Nachfolger versuchten, das Reich erneut zu festigen. Bis 609 v. Chr. existierte Urartu weiter, ehe nach dem Ende von Assyrien bis 547 v. Chr. ein erneuter Aufschwung erfolgte und es dem Perser Kyros II. vorbehalten blieb, das Land erneut tributpflichtig zu machen.

Erste ErwĂ€hnung des Namens „Armenien“

In persischer Zeit wurde der Name Armenien 521 v. Chr. auf einer dreisprachigen Inschrift erstmals erwĂ€hnt. Auf assyrisch wird von UraĆĄtu (assyrisch fĂŒr Urartu) gesprochen, auf persisch von Arminia (Armenien). Welches Ereignis hinter dieser NamensĂ€nderung steht, ist unsicher. Die Selbstbezeichnung der Armenier (Hajer) ist eine andere, die armenische Sprache ist erst ca. 900 Jahre spĂ€ter in eigenen Schriftzeugnissen ĂŒberliefert.

Herodot berichtete, dass die Armenier im 7. Jahrhundert v. Chr. unter ihrem Eponym Armenos aus Phrygien einwanderten. Eine solche Einwanderung wird in der historischen Literatur zumeist angenommen.

Herrschaft der Perser

Ab etwa 546–331 v. Chr. wurde das Land von den Persern beherrscht, die inzwischen die Meder verdrĂ€ngt und deren Reich ĂŒbernommen hatten, ja es sogar zum ersten Weltreich ausbauten, das von Kleinasien bis nach Indien reichte. Die Provinz Armenien kam als Teil der Großsatrapie Medien an die Perser. Armenien selbst war in Ost- und Westarmenien aufgeteilt, wobei der Ostteil die Oberherrschaft ĂŒber den Westen hatte.

Alexander der Große, Seleukiden

334 v. Chr. begann Alexander der Große mit seinem Feldzug gegen die Perser und eroberte Persien in wenigen Jahren. Sein Ziel bestand darin, die Herrschaft der Hellenen durch die Verschmelzung der Kulturen auf Dauer zu festigen (Massenhochzeit von Susa, eigene Heirat mit der Tochter des Dareios III.). Er konnte sein Werk jedoch nicht beenden, da er 323 v. Chr. in Babylon an Fieber starb. Armenien kam auch unter hellenistischen Einfluss, doch wurde es nicht erobert.

Alexanders Nachfolger (Diadochen) teilten das riesige Reich unter sich auf (Diadochenreiche). Armenien kam in den Interessenbereich des Seleukidenreichs, die Armenien zwischenzeitlich (215–190 v. Chr.) auch beherrschten. Deren Reich umfasste Persien, Mesopotamien und Teile Kleinasiens.

Großarmenien

Nach der Niederlage des Seleukidenreichs gegen die Römer in der Schlacht bei Magnesia im Jahr 188 v. Chr. rief sich Artaxias I. zum König von Armenien aus. Seine Nachkommen, die Dynastie der Artaxiden, festigten die weitere UnabhĂ€ngigkeit Großarmeniens als selbststĂ€ndiges Königreich. Um 95 bis 55 v. Chr. erreichte die Macht des Artaxidenstaates ihren Höhepunkt. Tigranes der Große ließ sich zum König der Könige ausrufen und kontrollierte zeitweise sogar das ehemalige seleukidische Kernland Syrien. Sein BĂŒndnis mit Mithridates von Pontos brachte ihn jedoch in Konflikt mit den Römern, die ihn zwangen, Syrien wieder aufzugeben und ihre Oberhoheit ĂŒber seinen Staat anzuerkennen. Vor allem im Westen des Landes wurde der griechisch-römische Einfluss nun auch kulturell spĂŒrbar.

Da Armenien geostrategisch zentral lag, wurde es bald zum Zankapfel zwischen Rom und den Parthern: Dem in Mesopotamien und dem Iran herrschenden Partherreich gelang es, Vertreter des eigenen Herrscherhauses, der Arsakiden (Arschakuni, herrschten zwischen 54 und 428), auf den Thron zu setzen. Das Römische Reich erkannte dies nach einem militĂ€rischen Schlagabtausch 66 n. Chr. an: Ein Kompromiss sah vor, dass die Parther den jeweiligen armenischen Herrscher bestimmen dĂŒrften, dass dieser aber offiziell vom römischen Kaiser eingesetzt werden mĂŒsse. Unter Kaiser Trajan kam es 114 n. Chr. zu einem Krieg, als der damalige Partherkönig versuchte, die Römer bei der Nachfolgeregelung in Armenien zu ĂŒbergehen. FĂŒr kurze Zeit wurde Armenien nun als Provinz Armenia in das Römische Reich integriert, bereits nach wenigen Jahren aber wieder aufgegeben.

SpÀtantike

Auch nach dem Ende des Partherreichs blieb Armenien zwischen Rom und Persien umstritten. Zwischen 252 und 297 gelang es dem Sassanidenreich, den Nachfolgern der Parther, Großarmenien unter ihren Einfluss zu bringen. Das Gebiet blieb aber in der gesamten SpĂ€tantike ein Streitpunkt zwischen den Sassaniden und Rom, siehe auch Römisches Armenien. Nachdem Kaiser Diokletian die Sassaniden 298 besiegt hatte, mussten diese die Oberhoheit vorlĂ€ufig aufgeben. Trdat III. aus dem Haus der Arsakiden bestieg den Thron und erklĂ€rte um 314 n. Chr. das Christentum zur Staatsreligion. Armenien wurde der erste christliche Staat der Welt.

387 teilten Rom und das persische Reich der Sassaniden das großarmenische Königreich untereinander auf, siehe auch Persarmenien. In dieser Zeit entwickelten die Armenier eine hochstehende christliche Kultur, Literatur und Baukunst – vor allem nach der Schaffung eines eigenen Alphabets durch Mesrop im Jahr 406. 428 setzten die Sassaniden die arsakidischen Könige Armeniens ab und unterstellten Persarmenien direkter persischer Verwaltung. Als die Sassaniden dann unter König Yazdegerd II. versuchten, die zoroastrische Staatsreligion in Armenien einzufĂŒhren, kam es 451 unter den Mamikonjan zu einem Aufstand der Armenier. Es folgte ein langer Guerillakrieg, der schließlich im Jahr 484 mit der Anerkennung des Christentums durch die Sassaniden endete.

Im 6. Jahrhundert wurde Armenien erneut zu einem der Hauptkampfgebiete zwischen dem Oströmischen Reich und den Sassaniden (siehe Römisch-Persische Kriege). Kaiser Justinian I. unterstellte den römischen Teil Armeniens einem eigenen magister militum per Armeniam, was die gewachsene militĂ€rische Bedeutung des Gebietes unterstreicht. 572 bildete das gewaltsame Vorgehen des persischen Statthalters gegen die Christen Persarmeniens den Anlass fĂŒr einen neuen Krieg mit den Römern. Im Friedensschluss von 591 gelang es den Oströmern, den Großteil von Großarmenien unter ihre Kontrolle zu bringen. Allerdings fĂŒhrte die Besetzung zu AufstĂ€nden des armenischen Adels. Mit der Islamischen Expansion endete im 7. Jahrhundert dann die antike Phase der armenischen Geschichte. Die Oberhoheit ĂŒber das Gebiet wechselte spĂ€ter mehrfach zwischen Ostrom/Byzanz und dem Kalifat.

Islamische Eroberung und mittelalterliche armenische Staatsbildungen

Armenisches Königreich von Bagratiden

Bis 700 gelang es den arabischen StĂ€mmen, eine dauerhafte Herrschaft im Land zu errichten. AufstĂ€nde des armenischen Adels schlugen sie nieder. Innerhalb des Adels kam es in dieser Zeit zu einem Wechsel der fĂŒhrenden Familie: Die Bagratiden (Bagratuni) ĂŒbernahmen sie von den Mamikonjan und konnten ihre Herrschaft auf Teile Georgiens ausdehnen.

Aschot I. gelang es in der SchwĂ€chephase des Kalifats 885/886, wieder ein armenisches Königreich zu errichten, das sowohl der Kalif als auch der byzantinische Kaiser anerkannten. Aschot II. (915–928) brachte die FreiheitskĂ€mpfe zu einem vorlĂ€ufig erfolgreichen Abschluss.

In der zweiten HĂ€lfte des 11. Jahrhunderts ging das Reich durch unglĂŒckliche Kriege und innere Zwistigkeiten zugrunde. Das Reich spaltete sich in mehrere Teilreiche auf, die großenteils sukzessive von den Byzantinern okkupiert wurden. 1045 wurde die armenische Hauptstadt Ani durch byzantinische Truppen besetzt. Die Hoffnung der Byzantiner, selbst eine wirkungsvolle Verteidigung gegen die Seldschuken aufbauen zu können, erfĂŒllte sich nicht. In der Schlacht bei Manzikert 1071 unterlag der byzantinische Kaiser Romanos IV. dem Seldschukensultan Alp Arslan und Kleinasien ging den Byzantinern vorĂŒbergehend vollstĂ€ndig verloren.

Armenisches Königreich von Kilikien

In der Folge grĂŒndeten armenische FlĂŒchtlinge 1080 in Kilikien ein unabhĂ€ngiges FĂŒrstentum von Kleinarmenien unter den Rubeniden. Diese verbĂŒndeten sich mit den Kreuzfahrern gegen Byzantiner und TĂŒrken. 1342 fiel das Königreich an das katholische Haus Lusignan von Zypern, kam aber bald darauf an die Ă€gyptischen Mamluken und darauf zum osmanischen Reich.

Entwicklung nach dem Ende der mittelalterlichen armenischen Staatsbildungen

Das ursprĂŒngliche, antike Armenien geriet zumeist jeweils unter die Herrschaft der MĂ€chte, die den Iran beherrschten, der Seldschuken, Choresm-Schahs, der mongolischen Ilchane, der Timuriden, der Qara Qoyunlu und der Aq Qoyunlu. Das Gebiet wurde durch stĂ€ndige KriegszĂŒge verheert und durch Abwanderung nach Kleinasien, die Krim und die Ukraine entvölkert. In dieser Zeit wurde auch die Schicht der armenischen Feudalherren, der Nachararen, die bislang einen Puffer zwischen den muslimischen Oberherren und ihren Untertanen bildeten, Schritt fĂŒr Schritt weitgehend vernichtet. Zuletzt geriet es unter die Herrschaft der Safawiden. Nach der Schlacht bei Tschaldiran 1514 wurden die Kaukasusregion mit Georgien, Armenien und Aserbaidschan, Mesopotamien und die angrenzenden iranischen Gebiete Gegenstand der Expansion des Osmanischen Reiches und mehrerer Kriege zwischen Osmanen und Safawiden. Schließlich wurde 1639 im Vertrag von Qasr-e Schirin die Grenze zwischen den beiden Reichen in etwa dort festgelegt, wo noch heute die Grenze zwischen dem Irak und der TĂŒrkei einerseits und dem Iran, der zu Aserbaidschan gehörenden Autonomen Republik Nachitschewan und der Republik Armenien andererseits verlĂ€uft. Der östliche Teil des armenischen Siedlungsgebietes, einschließlich des Territoriums der heutigen Republik Armenien, verblieb unter persischer Herrschaft, der der Safawiden und ihrer Nachfolger.

Kaukasusarmenien unter persischer und russischer Herrschaft

Der unter persischer Herrschaft verbliebene Teil wurde durch die Umsiedlungen der armenischen Bevölkerung unter Schah Abbas dem Großen weitgehend von der armenischen Bevölkerung entvölkert. In abgelegenen Gebirgsregionen hielten sich aber eine armenische Bevölkerung und armenische KleinfĂŒrsten. Aus einer dieser KleinfĂŒrstendynastien entstammte der Stammvater des bayerischen Adelsgeschlechts von Aretin.

Nachdem das Persische Reich unter Nadir Schah letztmals als Großmacht aufgetreten war, bildeten sich nach dessen Tod 1747 auf dem Gebiet des heutigen Armenien und Aserbaidschans verschiedene Khanate unter aserbaidschanisch-tĂŒrkischen Herrschern, die die Oberhoheit des Schahs von Persien anerkannten.

1828 kam dieser östliche Teil Armeniens mit dem Frieden von Turkmantschai als Folge des Russisch-Persischen Kriegs von 1826 bis 1828 unter die Oberhoheit des Russischen Reiches. Es wurde aus dem Gebiet des Khanats Jerewan die Armenische Oblast gebildet, die 1850 in das Gouvernement Eriwan umgewandelt wurde. Nach der Erwerbung von Kars wurde die Oblast Kars gebildet. Unter russischer Herrschaft bildeten die Armenier auf dem Gebiet des heutigen Armenien allmĂ€hlich wieder die Bevölkerungsmehrheit in einem zusammenhĂ€ngenden grĂ¶ĂŸeren Territorium.

Im Gefolge der Revolution von 1905 kam es im östlichen Kaukasusraum zu gegenseitigen Massakern zwischen Armeniern und Aserbaidschanern.

Die Armenier unter osmanischer Herrschaft

Unter der Herrschaft der Osmanen genossen die Armenier nach dem Millet-System formell eine gewisse Autonomie. Das am dichtesten besiedelte Kerngebiet lag im Dreieck Erzurum–Jerewan–Vansee (siehe nebenstehende Karte).

Als das Osmanische Reich ab etwa 1800 zunehmend verfiel, sahen Teile der Armenier in Russland als einer christlichen Großmacht eine Schutzmacht, die es ihnen ermöglichen sollte, nach dem Vorbild der christlichen Balkanvölker die UnabhĂ€ngigkeit zu gewinnen. Nach dem neunten Russisch-TĂŒrkischen Krieg (1877–1878) im Kontext der Balkankrise musste das Osmanische Reich im Frieden von San Stefano weitere Teile Ostarmeniens und die Provinzen Kars und Ardahan an Russland abtreten. Diese territorialen Bestimmungen wurden auf dem Berliner Kongress weitgehend aufrechterhalten. Der Berliner Vertrag sah auch „Verbesserungen und Reformen“ vor, „welche die örtlichen BedĂŒrfnisse in den von den Armeniern bewohnten Provinzen erfordern“, sowie „fĂŒr die Sicherheit derselben gegen die Tscherkessen und Kurden einzustehen“ (Artikel 61 des Berliner Vertrages). Den diplomatischen Vertretungen der europĂ€ischen MĂ€chte wurden Schutzrechte fĂŒr Geistliche zuerkannt. Eine der Hauptbeschwerden der Armenier in diesen ostanatolischen Gebieten war, dass sowohl die osmanischen Beamten als auch die kurdischen Feudalherren von ihnen Steuern und Abgaben einzuziehen bzw. zu erpressen suchten. Das Gebiet dieser Reformen wurde als VilĂąyat-ı Sitte bezeichnet.

Dennoch trat keine Besserung der Lage ein. In den Jahren 1894–1896 veranlasste die osmanische Regierung mehrere Massaker an der armenischen Bevölkerung, denen 80.000 bis 300.000 Bewohner zum Opfer fielen.

1885 wurde in Van, das mehrheitlich von Armeniern bewohnt wurde, die erste armenische politische Partei gegrĂŒndet, die Demokratisch-Liberale Partei (unter dem damaligen Namen Armenakan). Nachdem Armenier und JungtĂŒrken bei der Revolution von 1908 noch VerbĂŒndete gewesen waren, wandelten sich die JungtĂŒrken unter dem Eindruck der desaströsen Entwicklung des Osmanischen Reichs (1908 Bosnische Annexionskrise, UnabhĂ€ngigkeit Bulgariens, UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung Kretas, 1912 Überfall Italiens im Tripoliskrieg, gefolgt von den Balkankriegen) zu einer zunehmend tĂŒrkisch-nationalistischen Partei, welche Entwicklung sich nach dem Eintritt des Osmanischen Reichs in den Ersten Weltkrieg noch steigerte.

Erster Weltkrieg und UnabhÀngigkeit

Am 24. April 1915 veranlasste der osmanische Innenminister TalĂąt Bey, der der zuletzt 1913 an die Macht gekommenen und nationalistisch orientierten jungtĂŒrkischen Bewegung angehörte, die Verhaftung und Deportation armenischer Intellektueller in Istanbul. Diese Deportation gilt als Beginn des Völkermords an den Armeniern.

Von 1918 bis 1920 existierte die unabhĂ€ngige Demokratische Republik Armenien, die sich der Entente gegen die MittelmĂ€chte anschloss. Der Vertrag von SĂšvres vom 10. August 1920, einer der Pariser VorortvertrĂ€ge, die den Ersten Weltkrieg beendeten, sah die Abtretung großer Gebiete im Osten der heutigen TĂŒrkei an die Republik Armenien vor. Dieser Vertrag trat nie in Kraft, da die tĂŒrkische Nationalregierung in Ankara ihn nicht anerkannte und den Alliierten Mittel, Einigkeit und Entschlossenheit fehlten, die Vertragsbestimmungen durchzusetzen. Die Regierung des Sultans hatte durch die Unterzeichnung des Vertrags fast vollstĂ€ndig den RĂŒckhalt in der Bevölkerung verloren und verfĂŒgte ĂŒber keine eigene AutoritĂ€t mehr. Die Republik Armenien selbst verfĂŒgte nicht ĂŒber die Mittel, das nach dem Völkermord an Armeniern ĂŒberwiegend nicht mehrheitlich von Armeniern bevölkerte Gebiet, abgesehen von einigen grenznahen Gebieten, in Besitz zu nehmen. Nach dem Griechisch-TĂŒrkischen Krieg (1919–1922) wurde der Vertrag von SĂšvres im Vertrag von Lausanne vom 24. Juli 1923 zugunsten der TĂŒrkei revidiert. Die Republik Armenien gehörte nicht mehr zu den Vertragsparteien und ihre Grenze mit der TĂŒrkei war kein Vertragsgegenstand.

Die Grenze zwischen der TĂŒrkei und Armenien wurde in Folge des TĂŒrkisch-Armenischen Krieges zunĂ€chst durch den Vertrag von Alexandropol, ein tĂŒrkisches Diktat, am 2. Dezember 1920 festgelegt. Zu einer Ratifizierung des Vertrages durch die Republik Armenien kam es durch die Sowjetisierung Armeniens nicht mehr. Nachdem die TĂŒrkei und Sowjetrussland im Vertrag von Moskau die heutige Grenze zwischen der TĂŒrkei einerseits sowie Georgien und Armenien andererseits festgelegt hatten, stimmten die formal noch unabhĂ€ngigen transkaukasischen Sowjetrepubliken dieser Regelung im Vertrag von Kars vom 23. Oktober 1921 zu. Am 13. Dezember 1922 wurde aus Armenien, Georgien und Aserbaidschan die Transkaukasische SFSR gebildet, die am 30. Dezember 1922 Teil der neu gegrĂŒndeten Sowjetunion wurde.

Sowjetische Herrschaft

Nach der Auflösung der Transkaukasischen Sowjetrepublik 1936 blieb die Armenische Sozialistische Sowjetrepublik (Armenische SSR) als formal eigenstĂ€ndige Unionsrepublik Teil der Sowjetunion. Sie entwickelte sich zu einem wichtigen Standort der chemischen Industrie, der Schuhindustrie und der Informatik. Viele elektronische Bauteile fĂŒr die sowjetische Raumfahrt und auch Roboter wurden hier entwickelt. In der Sowjetunion war die Armenische SSR unter anderem wegen des warmen Klimas ein beliebtes Reiseziel.

Die Armenische SSR war seit dem Ende der 1980er Jahre neben der Estnischen SSR, der Lettischen SSR, der Litauischen SSR und der Georgischen SSR ein Zentrum der separatistischen Bewegungen innerhalb der Sowjetunion. Zu dieser Zeit flammte auch der Konflikt um Bergkarabach, einem mehrheitlich armenisch besiedelten Gebiet innerhalb der Aserbaidschanischen SSR, wieder auf.

Am 7. Dezember 1988 erschĂŒtterte ein schweres Erdbeben die Region Lori im Norden der Armenischen SSR, das den Wert 6,8 auf der Richterskala erreichte. Viele GebĂ€ude, insbesondere Schulen und KrankenhĂ€user, hielten dem Erdbeben nicht stand, 25.000 Menschen starben. Hinzu kamen die winterlichen Temperaturen und die Ă€ußerst mangelhafte Vorbereitung der Behörden. Die Regierung ließ auslĂ€ndische Helfer ins Land. Dies war der erste Fall, in dem die Sowjetunion auslĂ€ndische Hilfe in grĂ¶ĂŸerem Ausmaß annahm. Die damals entstandenen schweren SchĂ€den an der Infrastruktur hemmen die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region bis in die heutige Zeit (2006).

Die erstmals freien Parlamentswahlen im Mai und Juni 1990 gewann die Nationalistische Bewegung Armeniens. Lewon Ter-Petrosjan wurde als ParlamentsprÀsident Staatsoberhaupt Armeniens. Am 23. August 1990 wurde die SouverÀnitÀt des Landes deklariert.

Im August 1991 benannte sich die Armenische SSR in Anlehnung an die erste Republik in Republik Armenien um. Nach der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung am 21. September 1991 entstand das heutige Armenien. Der westliche, weitaus grĂ¶ĂŸte Teil des historischen Siedlungsgebietes der Armenier blieb unter tĂŒrkischer Herrschaft.

Wiedererlangung der UnabhÀngigkeit

Am 21. September 1991 erklĂ€rte sich Armenien von der sich in Auflösung befindlichen Sowjetunion fĂŒr unabhĂ€ngig und am 6. Oktober 1991 wurde Lewon Ter-Petrosjan zum ersten PrĂ€sidenten der armenischen Republik gewĂ€hlt. Zur Politik der unabhĂ€ngigen Republik zĂ€hlte schon sehr frĂŒh die Privatisierung und Übergang zur Marktwirtschaft. Damit wurde zunĂ€chst im Agrarsektor begonnen. Zwischen 1991 und 1992 waren bereits 80 % des Agrarlandes privatisiert worden, was zur GrĂŒndung von 320.000 einzelnen Agrarbetrieben und -Genossenschaften fĂŒhrte. Im November 1993 wurde die neue WĂ€hrung – Armenisches Dram eingefĂŒhrt, die aufgrund der krisenhaften Wirtschaft stetig an Wert verlor. FĂŒr die Wirtschaftskrise waren neben weiteren Faktoren maßgeblich die Zerstörungen durch das Erdbeben von 1988, der Krieg mit Aserbaidschan, der Zusammenbruch der sowjetischen Planwirtschaft, sowie die Blockade durch Aserbaidschan und die TĂŒrkei verantwortlich.

In den 1990er Jahren kamen zu den traditionellen politischen Gruppierungen, wie den „Daschnaks“, neugegrĂŒndete hinzu. Jedoch verlief der Demokratisierungsprozess nicht geradlinig. So wurden die AktivitĂ€ten der Daschnaks im Dezember 1994 und mehrere oppositionelle Zeitungen verboten. Am 5. Juli 1995 wurde die Verfassung des unabhĂ€ngigen Armenien per nationalem Referendum angenommen, welche in der damaligen Form jedoch auch eine SchwĂ€chung der Befugnisse des Parlamentes gegenĂŒber dem PrĂ€sidenten zur Folge hatte. Der PrĂ€sident war seitdem fĂŒr eine Amtszeit von 5 Jahren gewĂ€hlt. Die damals 190 Mitglieder des Einkammerparlamentes waren seitdem fĂŒr vier Jahre gewĂ€hlt. Die Verfassung sah fĂŒr jeden armenischen BĂŒrger das Wahlrecht vor, welcher mindestens 18 Jahre alt war und seit mindestens einem Jahr in Armenien lebte. FĂŒnf Monate nach dem Verfassungsreferendum wurde am 1. Dezember 1995 eine neue territoriale und verwaltungstechnische Gliederung des Landes beschlossen.

Am 22. September 1996 wurde Ter-Petrosjan als PrĂ€sident Armeniens wiedergewĂ€hlt. Seine PopularitĂ€t sank jedoch zunehmend. Im Februar 1998 wurde er zum RĂŒcktritt gezwungen, weil er im Krieg um die Region Bergkarabach zusĂ€tzliche ZugestĂ€ndnisse an Aserbaidschan zur Lösung des Konflikts machte. Lewon Ter-Petrosjans Minister, angefĂŒhrt von Premierminister und spĂ€terem Nachfolger im PrĂ€sidentenamt Robert Kotscharjan, lehnten einen Friedensplan ab, den internationale Vermittler im September 1997 vorgeschlagen hatten und den Lewon Ter-Petrosjan und Aserbaidschan befĂŒrworteten. Kotscharjan gewann 1998 die vorgezogenen PrĂ€sidentschaftswahlen.

Politik

Politische VerhÀltnisse

Das armenische Parlament, die Nationalversammlung, wird alle vier Jahre gewĂ€hlt. Es gibt nur eine Kammer mit 132 Abgeordneten, die seit der vorgezogenen Parlamentswahl im Dezember 2018 von der erst im gleichen Jahr gegrĂŒndeten Mein-Schritt-Allianz (IKD) mit 88 Abgeordneten dominiert wird. Der seit Mai 2018 amtierende MinisterprĂ€sident Nikol Paschinjan kam durch den Druck einer zivilen, massiven Protestbewegung, welche in die sogenannte Samtene Revolution von 2018 mĂŒndete, an die Regierung. Sein im Januar 2019 nach der Parlamentswahl gebildetes zweites Kabinett bildet die gegenwĂ€rtige armenische Regierung. Die anderen beiden im Parlament vertretenen Parteien sind die Partei BlĂŒhendes Armenien (BHK) mit 26 Sitzen und Leuchtendes Armenien (LH) mit 18 Sitzen.

Die bedeutendsten Parteien waren bis zur letzten Wahl lange Zeit die Republikanische Partei Armeniens, die von 1999 bis 2018 durchgĂ€ngig den Premierminister stellte, und die Armenische RevolutionĂ€re Föderation (gegrĂŒndet 1890), die beide jedoch seit der Revolution und durch den Verlust aller Parlamentssitze in der anschließenden Parlamentswahl stark an politischem Einfluss verloren haben.

Armenien ist eines der wenigen LĂ€nder des ehemaligen Ostblocks, in dem (ex-)kommunistische Parteien nie an der Regierung beteiligt waren.

1918, als Armenien erstmals unabhĂ€ngig war, erhielten Frauen ĂŒber 25 Jahre das Wahlrecht. Unter der sowjetischen Verwaltung hatten ab dem 2. Februar 1921 Frauen das aktive und passive Wahlrecht. Diese Rechte wurden bei der UnabhĂ€ngigkeit 1991 bestĂ€tigt.

Armenien im 21. Jahrhundert

Die Wiederwahl Robert Kotscharjans als PrĂ€sident Armeniens im Jahr 2003 war von UnregelmĂ€ĂŸigkeiten und Protesten von Demonstranten begleitet. Im Januar 2006 trat auf Grundlage des Referendums vom 27. November 2005 eine Änderung der Verfassung von 1995 in Kraft, wodurch das Parlament mehr Rechte erhielt, was vom Europarat schon seit langem gefordert worden war. So darf der PrĂ€sident zwar weiterhin den MinisterprĂ€sidenten ernennen, welcher fortan jedoch vom Parlament bestĂ€tigt werden muss. Die Todesstrafe wurde im September 2003 abgeschafft.

Bei der PrĂ€sidentenwahl am 19. Februar 2008 kam es zu Ausschreitungen, die laut offiziellen Angaben acht Todesopfer und zahlreiche Verletzte forderten, siehe Proteste in Armenien 2008. Laut den Angaben von Human Rights Watch und Freedom House gab es insgesamt 10 Todesopfer und ca. 350 Verletzte. Berichten zufolge setzte die Polizei GummiknĂŒppel, Eisenstangen, Leuchtspurmunition, TrĂ€nengas und Elektroschockpistolen (Taser) ein. AnhĂ€nger der Opposition und ihres Kandidaten Lewon Ter-Petrosjan protestierten tagelang gegen angebliche WahlfĂ€lschungen. Ihr Kandidat kam auf nur 21,5 % der Stimmen, wĂ€hrend Amtsinhaber Sersch Sargsjan mit 49,9 % der Stimmen bereits im ersten Wahlgang fast eine absolute Mehrheit erreichte. Beobachter der OSZE stellten zwar UnregelmĂ€ĂŸigkeiten fest, Wahlbetrug jedoch nicht. Die Regierung verhĂ€ngte einen vierwöchigen Ausnahmezustand und ging mit massiver Waffengewalt gegen die Demonstranten der Opposition vor. Trotz Protests der internationalen Gemeinschaft befanden sich ĂŒber einen gewissen Zeitraum fast 80 Oppositionspolitiker in politischer Gefangenschaft. Auf Grundlage von Empfehlungen des Europarats respektive der Venedig-Kommission wurde danach in Armenien das Versammlungs-, Medien- und Wahlrecht reformiert und Änderungen im Strafgesetzbuch beschlossen. Der Prozess einer unabhĂ€ngigen Judikative ist noch nicht abgeschlossen.

„Samtene Revolution“ in Armenien 2018

Eine umstrittene Verfassungsreform im Dezember 2015 hatte eine Machtverschiebung vom PrĂ€sidenten auf den Regierungschef zur Folge, das Referendum wurde angenommen, nachdem der PrĂ€sident erklĂ€rt hatte, nicht als MinisterprĂ€sident zu kandidieren. Nachdem der amtierende Staatschef laut dieser neuen Regelung nach zwei Wahlperioden nicht mehr kandidieren durfte, wurde er Mitte April 2018 vom Parlament zum MinisterprĂ€sidenten ernannt. Daraufhin kam es unter anderem in der Hauptstadt Jerewan tagelang zu massenhaften Protesten gegen diese Entscheidung. Die SicherheitskrĂ€fte gingen mit Blendgranaten gegen die Demonstranten vor. Es wurden bis zu 500 Protestteilnehmer, darunter der OppositionsfĂŒhrer Nikol Paschinjan, festgenommen. Die Demonstrationen, an denen viele Intellektuelle, Jugendliche, hochrangige Vertreter der Armenisch-Apostolischen Kirche sowie Teile des armenischen MilitĂ€rs beteiligt waren, gelten als die grĂ¶ĂŸten in Armenien seit Ende der 1980er Jahre.

Sersch Sargsjan trat daraufhin unter dem Druck der massiven Proteste am 23. April 2018 als Regierungschef zurĂŒck. Der AnfĂŒhrer der Proteste Nikol Paschinjan wurde am 8. Mai im zweiten Wahlgang zum neuen MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt. Damit stammte erstmals seit mehr als 21 Jahren weder der PrĂ€sident noch der Premier aus Bergkarabach, sondern aus Armenien selbst. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen vom 9. Dezember 2018 erhielt das BĂŒndnis von Paschinjan bei einer Wahlbeteiligung von 49 % eine Mehrheit von 70,43 % der Stimmen. Die bisher stĂ€rkste Partei des ehemaligen Regierungschefs, die Republikanische Partei, ist seitdem nicht mehr im Parlament vertreten. Die internationalen Wahlbeobachter der OSZE lobten die freien und gut organisierten Wahlen. Nennenswerte Fehler bei der Wahl sowie Stimmenkauf und Nötigung von WĂ€hlerinnen und WĂ€hlern habe es nicht gegeben. In der Medienlandschaft habe es Fortschritte bei der Meinungsvielfalt gegeben. Am 14. Januar 2019 wurde Paschinjan von StaatsprĂ€sident Sarkissjan erneut zum MinisterprĂ€sidenten ernannt.

Menschenrechtslage

Armenien hat seit der UnabhĂ€ngigkeit schwierige Transformationsprozesse durchlaufen. Das Land ist vielen internationalen Abkommen zum Schutz von Menschenrechten beigetreten. Im Januar 2001 wurde Armenien zum Mitgliedsstaat des Europarats und verpflichtete sich dadurch, Menschenrechte und Demokratie zu fördern. Die Entwicklung der Lage hinsichtlich der Menschenrechte und der Demokratisierung werden mithilfe der Monitoring-Mechanismen des Europarates beobachtet. „Es ist erforderlich, grĂ¶ĂŸere Anstrengungen zu unternehmen, um die Wunden vom MĂ€rz 2008 zu heilen und den Schutz von Menschenrechten zu verstĂ€rken“, meinte der ehemalige Menschenrechtskommissar des Europarates in Straßburg, Thomas Hammarberg wĂ€hrend seiner Reise nach Jerewan im Januar 2011. Die vom Europarat geforderte Ermittlung zu der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste in der armenischen Hauptstadt Jerewan nach den PrĂ€sidentschaftswahlen 2008 erfolgte unter der Regierung der Republikanischen Partei nicht mehr und bis zum Verlust ihrer Regierungsgewalt durch die Samtene Revolution von 2018 war niemand wegen der TodesfĂ€lle zur Verantwortung gezogen worden. Das Ă€nderte sich erst durch die Revolution. Polizeiliche Ermittlungen und juristische Aufarbeitung ĂŒber die Geschehnisse von 2008 gehörten zu den zentralen Forderungen der Protestbewegung von 2018 und nach der Übernahme des Premierministeramtes durch den AnfĂŒhrer der Proteste, dem Politiker Nikol Paschinjan, kam es zu ersten Ermittlungen. Am 3. Juli 2018 erklĂ€rte Armeniens Special Investigation Service (SIS), dass gegen den ehemaligen Verteidigungsminister Mikael Harutunjan ermittelt werde. Auch gegen den ehemaligen PrĂ€sidenten Robert Kotscharjan wurde vom SIS ermittelt. Ende Juli 2018 wurde dieser in Gewahrsam genommen. Im Zuge der Ermittlungen wurde auch Ex-PrĂ€sident Sersch Sargsjan vom SIS befragt.

Presse- und Medienfreiheit

Die Berichterstattung in Armenien wurde vom Staat lange Zeit teilweise eingeschrĂ€nkt. Im Jahr 2002 wurde dem als regierungskritisch geltenden armenischen Fernsehsender „A1+“ die Lizenz entzogen. Im Jahr 2008 kam es zu einem Urteil des EuropĂ€ischen Gerichtshofs fĂŒr Menschenrechte, wonach „A1+“ wieder senden durfte. Dieses Urteil wurde jedoch damals nicht umgesetzt. Erst im September 2012 konnte „A1+“ mithilfe des privaten Senders „ArmNewsTv“ nur eingeschrĂ€nkt weiter senden. Im Jahr 2011 wurde einem anderen regierungskritischen Fernsehsender „Gala TV“ die Lizenz entzogen.

Die Printmedien gelten als nicht unabhĂ€ngig in Armenien, da sie auf die staatliche finanzielle UnterstĂŒtzung angewiesen sind. Deswegen sind die armenischen Printmedien extrem polarisiert und dienen in der Regel einer politischen Kraft. Gewalt gegen Journalisten bleibt ein weiteres Problem in Armenien. Die armenische Nichtregierungsorganisation „Komitee zum Schutz der MeinungsĂ€ußerung“ berichtete im Jahr 2013 ĂŒber 56 FĂ€lle von DruckausĂŒbung auf Journalisten. Laut dem Bericht wurde im Jahr 2014 gegen sieben Journalisten körperliche Gewalt ausgeĂŒbt.

Die Lage der Pressefreiheit ist laut der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen "schwierig". Sie war 2017 jedoch besser als in den meisten anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, insbesondere im benachbarten Aserbaidschan. Wie Reporter ohne Grenzen 2017 berichtete, konnten unter der damaligen armenischen Regierung kritische Journalisten wegen Beleidigung oder Verleumdung eingesperrt werden. Aufgrund der Androhung von Gewalt sowie Straffreiheit dafĂŒr wĂŒrden viele Journalisten Selbstzensur ĂŒben.

Die VerĂ€nderungen der politischen VerhĂ€ltnisse durch die Samtene Revolution 2018 brachten Hoffnungen auf mehr Pressefreiheit mit sich. Bisher kam es unter der neuen Regierung von Paschinjan durchaus nicht mehr zu direkten Einmischungen der Regierung in die Berichterstattung. Doch herrschen in der Medienlandschaft noch immer gemischte EindrĂŒcke und Meinungen zur neuen Situation vor. So hat Paschinjan kritische Journalisten oder gar allgemein „die Medien“ mehrfach öffentlich verbal angegriffen. Auch AnhĂ€nger des Premiers in der Bevölkerung reagieren bisweilen Ă€hnlich. Der Verband der Journalisten in Armenien veröffentlichte im Januar 2019 eine Stellungnahme zu dieser Situation. In der diesbezĂŒglichen Pressekonferenz sagte der Vorsitzende des Verbands dazu: „Jetzt sind die Republikaner weg und die Verantwortung liegt bei Ihnen (Paschinjan). Die Medien sind zum SĂŒndenbock geworden.“ Positiv sei dagegen, einem Bericht von Eurasianet zufolge, in der Medienlandschaft die leichtere VerfĂŒgbarkeit von Vertretern der Politik zumindest in der ersten Zeit nach RegierungsĂŒbernahme wahrgenommen worden. Auch eine kritischere Haltung gegenĂŒber der neuen Regierung werde von immer mehr Menschen in der Bevölkerung akzeptiert, so meinte zumindest Journalist Taguhi Melkonjan im Februar 2019.

Versammlungsfreiheit

Nach einem Bericht von Amnesty International 2016 war 2015 geprĂ€gt von zunehmender öffentlicher Unzufriedenheit, zahlreichen Demonstrationen zu sozialen und politischen Anliegen und einem harten Vorgehen der Behörden gegen die Protestierenden. Auslöser fĂŒr die heftigsten landesweiten Proteste 2015 waren eine geplante Strompreiserhöhung und Verfassungsreform, die es dem StaatsprĂ€sidenten erlauben wĂŒrde, ĂŒber seine zweite Amtszeit hinaus an der Macht zu bleiben. Zuvor ließen die armenischen SicherheitskrĂ€fte im Januar 2015 eine Kundgebung vor dem russischen Konsulat in Gjumri nach der Ermordung einer sechsköpfigen Familie durch einen russischen Soldaten gewaltsam auflösen.

Im April 2018 kam es nach dem Amtsantritt von MinisterprĂ€sident Sersch Sargsjan zu Massenprotesten in der Hauptstadt Jerewan und in weiteren StĂ€dten des Landes, an denen sich zum Teil rund 50.000 Demonstranten beteiligten. Die Polizei versuchte zunĂ€chst, die Demonstrationen zu beenden und nahm hunderte Demonstranten fest. Am 23. April 2018 beugte sich Sargsjan den Protesten und reichte seinen RĂŒcktritt vom Amt des Premierministers ein.

Religionsfreiheit

Religionsfreiheit ist als ein fundamentales Menschenrecht in der Verfassung Armeniens verankert. 90 % der armenischen Bevölkerung gehören der Armenischen Apostolischen Kirche an. Obwohl die Registrierung von religiösen Organisationen gesetzlich nicht erforderlich ist, haben die nicht-registrierten Organisationen nicht die gleichen Privilegien wie die registrierten. Die Armenische Apostolische Kirche genießt die dominante Rolle, was von der Regierung offen unterstĂŒtzt wird. Die anderen Kirchen und Sekten, religiösen Vereinigungen, Organisationen und deren AnhĂ€nger werden von der breiten Öffentlichkeit kritisiert und als VerrĂ€ter des nationalen Glaubens wahrgenommen. Die armenische Regierung und die Apostolische Kirche setzen sich fĂŒr die Vereinheitlichung von ethnischen und religiösen IdentitĂ€ten der Armenier ein. Die Apostolische Kirche wird als nationale Kirche und ihr Glaubenssystem wird als nationaler Glauben betrachtet. Solche Vorgehensweise lĂ€sst keine Alternativen fĂŒr die anderen armenischen ReligionsanhĂ€nger zu.

Meinungsfreiheit

Die Lage der Meinungsfreiheit bleibt insgesamt schwierig. Eine Verletzung des patriotisch-nationalistischen Geistes bei der MeinungsĂ€ußerung gilt in Armenien nach wie vor als tabu. Im Vorfeld eines Festivals des aserbaidschanischen Films in Gyumri und Vanadzor im April 2012 wurden etwa die Organisatoren massiv eingeschĂŒchtert und körperlich angegriffen, woraufhin die Veranstaltung untersagt werden musste.

HomosexualitÀt

HomosexualitĂ€t ist in Armenien seit 2003 zwar gesetzlich nicht mehr strafbar, jedoch sind Menschen mit „abweichender“ sexueller Orientierung in allen Bereichen des Lebens benachteiligt. Nach Aussagen des armenischen Menschenrechtsbeauftragten (Ombudsmann) wurde die sexuelle Orientierung als Diskriminierungsgrund aufgrund von Protesten religiöser und konservativer Gruppen aus dem Text des Antidiskriminierungsgesetzes gestrichen. Eine geplante Demonstration und mehrere Veranstaltungen anlĂ€sslich des Tags der kulturellen Vielfalt im MĂ€rz 2012 konnten nicht stattfinden, weil die Polizei den Schutz vor aggressiven, gewalttĂ€tigen Gegnern nicht gewĂ€hrleisten konnte.

Wegen der stark ausgeprĂ€gten Vorurteile können sich Homosexuelle nur unzureichend gegen Bedrohungen und Angriffe wehren. Selbst einzelne hochrangige Politiker haben sich in der Vergangenheit wohlwollend ĂŒber Angriffe auf Menschen wegen ihrer tatsĂ€chlichen oder vermeintlichen sexuellen Orientierung geĂ€ußert. Illustriert wird dies am Beispiel des Brandanschlags auf die Bar „DIY“ (Do it Yourself) in Jerewan, deren Inhaberin eine lesbische Frau war. Die beiden festgenommenen Angreifer wurden aufgrund einer von zwei Parlamentsabgeordneten der nationalistischen, seit Ende 2018 nicht mehr im Parlament vertretenen Partei Daschnakzutjun (Armenische RevolutionĂ€re Föderation) gestellten Kaution freigelassen. Auch der damalige stellvertretende Parlamentssprecher Eduard Scharmasanow, ein Mitglied der bis 2018 regierenden Republikanischen Partei, hieß den Anschlag gut. Die BekĂ€mpfung der HomosexualitĂ€t sei laut dem damaligen Abgeordneten Arzwik Minassjan (Daschnakzutjun) eine Frage der nationalen Sicherheit. Die Inhaberin des DIY ist aus Angst um ihr Leben ins Ausland geflohen. Allein im Zeitraum zwischen 2011 und 2013 verließen 5891 Personen aus der LSBT-Gemeinschaft wegen Diskriminierung, Drohungen, Hass, EinschrĂ€nkung und Verletzung verschiedener Freiheiten und Rechte sowie des mangelnden Schutzes durch den armenischen Staat das Land.

Vom 15. bis 18. November 2018 planten das EuropĂ€ische Forum christlicher LGBT-Gruppen und die humanitĂ€re armenische Nichtregierungsorganisation „Neue Generation“ eine Konferenz in der Hauptstadt Jerewan unter dem Motto „Take heart, I have overcome the world“ (Nimm dir ein Herz, ich habe die Welt ĂŒberwunden), um ĂŒber die Probleme glĂ€ubiger homosexueller Christen zu diskutieren. Doch gegen die Veranstaltung regte sich ein großer Widerstand in den Reihen der zivilgesellschaftlichen Institutionen, und die Organisatoren des Events wurden im Vorfeld offen eingeschĂŒchtert. Der ehemalige stellvertretende Leiter des Nationalen Sicherheitsdienstes Armeniens Gurgen Jegiasarjan reagierte in einem Interview empört: „Sie (LGBT-Leute) infizieren ihre Umgebung, unterziehen die Menschen einer GehirnwĂ€sche. Wir sollten als Nation dieser Gruppe von Schurken ‚Nein‘ sagen.“ Am 6. November erklĂ€rte schließlich der Polizeichef der Republik Armenien Waleri Osipjan, das Forum werde aufgrund von Sicherheitsbedenken abgesagt.

Korruption

Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International konnte sich Armenien von 33 Punkten im Jahr 2016 auf 49 Punkte im Jahr 2020 verbessern. Die BekĂ€mpfung der Korruption war zentrales Anliegen der durch Nikol Paschinjan angefĂŒhrten Massenproteste von 2018 und war ein ebenso zentrales Wahlversprechen seiner Partei Zivilvertrag, welche daraufhin im BĂŒndnis der Mein-Schritt-Allianz die vorgezogenen Wahlen gewann.

Auf Initiative des damaligen Premierministers Armeniens Howik Abrahamjan (HHK) war 2015 ein Rat zur KorruptionsbekÀmpfung ins Leben gerufen worden. Doch Beobachter urteilten, dass die neue Instanz wie im Fall der zuvor geschaffenen Antikorruptionsstrukturen den Scheincharakter trug und in Wirklichkeit keinen Einfluss auf die Problemlösung habe.

Außenpolitik

Die Außenpolitik der Republik Armenien verfolgt vor allem zwei Ziele: Zum einen soll die nationale Sicherheit und EigenstĂ€ndigkeit gewĂ€hrleistet und die Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen verbessert werden. Dazu gehört die Normalisierung der Beziehungen zu allen seinen Nachbarn, insbesondere zur TĂŒrkei und Aserbaidschan und die friedliche Lösung des Bergkarabachkonfliktes und die Anwendung des KomplementaritĂ€tsprinzips, was gute Beziehungen sowohl zu den westlichen Staaten (EU, USA) als auch zu Russland und dem Iran bedeutet. Zum anderen bemĂŒht sich Armenien um Integration in die Weltgemeinschaft, der Überwindung seiner Isolation und um die weltweite Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern; gleichzeitig möchte es keinem militĂ€rischen Block angehören.

Armenien war in Folge des Bergkarabachkonfliktes genötigt, eine pro-russische Politik zu verfolgen. Als einziges Land des SĂŒdkaukasus trat es freiwillig der Gemeinschaft UnabhĂ€ngiger Staaten bei und erlaubte russisches MilitĂ€r auf seinem Staatsgebiet, im Gegenzug erhielt es militĂ€rische Hilfe fĂŒr den Krieg gegen Aserbaidschan. Heute ist Armenien Mitglied in der von Russland gefĂŒhrten Organisation des Vertrags ĂŒber kollektive Sicherheit (OVKS) und Russland hat erheblichen wirtschaftlichen Einfluss im Land, vor allem durch seine Energiepolitik. Armenien ist sich bewusst, in Russland einen unzuverlĂ€ssigen Partner zu haben: Im Sommer 2013 erhöhte Russland kurzzeitig die Preise fĂŒr Energielieferungen, um PrĂ€sident Sargsjan eine Zustimmung zur Eurasischen Wirtschaftsunion abzuringen. Im MĂ€rz 2014 stimmte Armenien in der UNO-Generalversammlung mit nur neun anderen Staaten, darunter Nordkorea, Weißrussland und Syrien, gegen eine Verurteilung des russischen Vorgehens auf der Krim.

Nach dem Scheitern von Normalisierungsversuchen mit der TĂŒrkei unmittelbar nach Armeniens UnabhĂ€ngigkeit, unterhĂ€lt es zu diesem Nachbarland zurzeit keine offiziellen diplomatischen Beziehungen. Die Spannungen der beiden Staaten sind ĂŒberwiegend auf historische Belastungen und den Bergkarabachkonflikt zurĂŒckzufĂŒhren, in Folge dessen die TĂŒrkei ein Wirtschaftsembargo gegen Armenien verhĂ€ngt und die gemeinsame Grenze geschlossen hat. Im Jahr 2008 rief der armenische Außenminister Edward Nalbandjan die TĂŒrkei auf, ihre Grenze zu Armenien wieder zu öffnen. Im Folgejahr unterschrieb er mit dem damaligen tĂŒrkischen Außenminister Davutoğlu eine Vereinbarung zur Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen. Jedoch verweigerte im Jahr 2010 der tĂŒrkische PrĂ€sident Erdoğan die Ratifizierung der Vereinbarung, solange Armenien sich nicht aus Bergkarabach zurĂŒckziehe. Die Grenze bleibt seitdem geschlossen.

Die Beziehungen zwischen dem christlich geprĂ€gten Armenien und seinem sĂŒdlichen Nachbarn, der Islamischen Republik Iran, sind konfliktfrei. Seit der UnabhĂ€ngigkeit Armeniens hat sich die Zusammenarbeit zwischen den beiden LĂ€ndern dynamisch entwickelt, zahlreiche Abkommen vor allem auf dem wirtschaftlichen Gebiet wurden geschlossen. Die armenische Minderheit im Iran spielte hierbei eine bedeutende Rolle. FĂŒr beide Partner hat die Zusammenarbeit die wichtige Funktion, die internationalen Embargos zu unterlaufen. Die 2007 eröffnete Iran-Armenien-Erdgaspipeline macht Armenien weniger abhĂ€ngig von russischen Erdgaslieferungen. FĂŒr Armenien sind die guten Beziehungen zum Iran nicht ohne Risiko, weil gleichzeitig auch die westlichen Staaten, ganz besonders die USA, wichtige Partner Armeniens darstellen.

VerhÀltnis zu Aserbaidschan

Die Beziehungen zu Aserbaidschan sind durch den Konflikt um Bergkarabach belastet. Armenien befindet sich in einer lang dauernden Auseinandersetzung mit der Nachbarrepublik Aserbaidschan um jenes mehrheitlich von Armeniern bewohnte Gebiet in der vormaligen Aserbaidschanischen Sowjetrepublik. Die ehemalige Autonome Oblast Bergkarabach erklĂ€rte sich 1991 fĂŒr unabhĂ€ngig und nennt sich heute Republik Arzach, ist jedoch international nicht anerkannt. Es starben in diesem Konflikt schĂ€tzungsweise 17.500 Armenier und 25.500 Aserbaidschaner. Zu FlĂŒchtlingen wurden 200.000 bis 250.000 Aserbaidschaner aus Armenien, rund 40.000 aus Bergkarabach und knapp 540.000 aus den umliegenden Gebieten sowie rund 500.000 Menschen aus Aserbaidschan, davon allein bis 1991 350.000 Armenier aus Aserbaidschan. Etwa 12.000 kmÂČ (13,62 % der FlĂ€che der ehemaligen Aserbaidschanischen Sowjetrepublik) sind unter der Kontrolle der Republik Arzach und armenischer StreitkrĂ€fte. Einige von armenischem Gebiet umgebene aserbaidschanische Exklaven, wie z. B. Kərki, sind zudem von Armenien besetzt; armenische Exklaven wie Arzwaschen wiederum von Aserbaidschan.

Seit einem Waffenstillstand im Mai 1994 hat sich die Situation nicht wesentlich verbessert. Bis heute gibt es keinen Durchbruch in der Beziehung zwischen Armenien und Aserbaidschan, ein Zustand, der die wirtschaftliche Entwicklung Armeniens negativ beeinflusst. Die beiden Staaten pflegen deshalb auch derzeit keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich heute noch im Kriegszustand. Auch die Einreise und der Transit armenischer StaatsbĂŒrger und aller anderen auslĂ€ndischen StaatsbĂŒrger armenischer Abstammung oder mit armenisch klingenden Namen werden von Aserbaidschan nicht gestattet.

Internationale Organisationen

Armenien ist Mitglied der folgenden internationalen Organisationen: Vereinte Nationen (seit 1992), Organisation des Vertrags ĂŒber kollektive Sicherheit, GUS, OSZE, Europarat, NATO-Partnerschaft fĂŒr den Frieden, EBRD, Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation, Asiatische Entwicklungsbank, Welthandelsorganisation (seit 2003), EAWU (seit 2015). Mit der NATO kooperiert Armenien seit 2005 im Individual Partnership Action Plan (IPAP), an dem auch die NachbarlĂ€nder Georgien und Aserbaidschan teilnehmen. An ISAF in Afghanistan ist Armenien ebenso wie diese LĂ€nder als Truppensteller beteiligt.

Seit Juli 2010 befand sich Armenien in Assoziierungsverhandlungen mit der EU. Diese wurden jedoch durch den Beitritt Armeniens zur Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) im Jahr 2015 abgebrochen. Am 24. November 2017 unterzeichneten die EU und Armenien stattdessen ein neues Abkommen ĂŒber eine umfassende und verstĂ€rkte Partnerschaft.

MilitÀr

Das MilitĂ€r der Republik Armenien sind die StreitkrĂ€fte Armeniens, welche aus dem Heer, den LuftstreitkrĂ€ften (inklusive Flugabwehr) und dem Grenzschutz bestehen. Da Armenien ein Binnenstaat ohne direkten Zugang zum Meer ist, verfĂŒgt das Land ĂŒber keine Marine.

Es gilt eine zweijĂ€hrige Wehrpflicht im Land fĂŒr MĂ€nner. Wehrpflichtig sind Personen im Alter von 18 bis 27 Jahren. 17-JĂ€hrige können Kadetten an MilitĂ€rhochschulen werden, wo sie als MilitĂ€rpersonal eingestuft werden.

Neben den StreitkrĂ€ften Armeniens stehen Russische Truppen im Land: Im Rahmen eines Sicherheitsabkommens kontrolliert Russland die armenischen Grenzen zur TĂŒrkei und zum Iran. Russland unterhĂ€lt eine Luftwaffenbasis in Gjumri.

Armenien gab 2018 mit 609 Millionen Dollar rund 4,8 Prozent der Wirtschaftsleistung fĂŒr seine StreitkrĂ€fte aus und lag in diesem Jahr auf Platz 3 des Globalen Militarisierungsindex (GMI).

Verwaltung

Verwaltungseinheiten

StÀdte

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte und deren Einwohnerzahlen (Stand Januar 2018, geschĂ€tzt) sind:

Bevölkerung

Bevölkerungsgruppen

Nach dem letzten Zensus von 2011 waren 98,11 % (2.961.801 Personen) von insgesamt 3.018.854 Einwohnern des Landes ethnische Armenier. Damit kann die Gesamtbevölkerung Armeniens als beinahe ethnisch homogen gelten. Die grĂ¶ĂŸte ethnische Minderheit waren mit einem Bevölkerungsanteil von 1,17 % (35.272 Personen) die Jesiden. Dahinter folgten mit 0,39 % (11.911 Personen) Russen, mit 0,09 % (2.769 Personen) Assyrer, mit 0,07 % (2.162 Personen) Kurden, mit 0,04 % (1.176 Personen) Ukrainer, mit 0,03 % (900 Personen) die Gruppe der Pontosgriechen, sowie mit jeweils 0,02 % Georgier (617 Personen) und Iraner (476 Personen). Weiteren verschiedenen Minderheiten gehörten 0,05 % (1.634 Personen) der Bevölkerung an, wĂ€hrend 100 Personen eine Aussage zu ihrer Zugehörigkeit im Zensus verweigerten.

Damit hatte sich wenig an der ethnischen Zusammensetzung im Vergleich zum Zensus von 2001 verĂ€ndert. Von den 3.213.011 Einwohnern des Landes bei der 2001 erfolgten VolkszĂ€hlung waren 3.145.354 Personen oder 97,9 % Armenier, 40.620 oder 1,3 % Jesiden und 14.660 oder 0,5 % Russen (darunter auch Molokanen). Als weitere Minderheiten wurden auch 2001 festgestellt: Kurden (damals mit 1.519 Personen weniger als 2011), Assyrer und Pontosgriechen. Kleinere Gruppen bildeten auch damals Ukrainer, Georgier, sowie ferner Weißrussen, Walachen, Mordwinen, Osseten, Udinen und Taten.

Die sehr kleine Minderheit der Kaukasiendeutschen (zwischen 1941–1944 zumeist deportiert) ist heute wie die kleine polnische Minderheit stark russifiziert. Vor dem Bergkarabachkonflikt lebten auch zahlreiche Aseris in Armenien (2,5 % im Jahr 1989).

Bevölkerungsentwicklung

In Armenien ist die Bevölkerungsentwicklung rĂŒcklĂ€ufig (−0,4 % pro Jahr). Allein von 1991 bis 1998 sind etwa 750.000 Armenier vor allem nach Russland und in andere Staaten der GUS emigriert, grĂ¶ĂŸere Gruppen emigrierten außerdem in die Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich oder Australien, wo es jeweils bereits etablierte Gemeinschaften von Armeniern gibt.

Nach SchĂ€tzung der Vereinten Nationen lebten im Jahr 2015 940.000 Menschen, die im Gebiet des heutigen Armenien geboren wurden, in anderen LĂ€ndern. Das VerhĂ€ltnis von Auswanderern zur Gesamtbevölkerung (einschließlich Auswanderer) war mit 25 % das vierthöchste der Welt und blieb zwischen 1990 und 2015 nahezu unverĂ€ndert. In Armenien selbst betrug der AuslĂ€nderanteil 6,5 %. Der grĂ¶ĂŸte Teil davon sind ethnische Armenier, die in Russland oder Aserbaidschan geboren wurden.

Quelle: UN

Bildung

Trotz der Armut gilt das Bildungssystem Armeniens als ausgezeichnet, vor allem da die Staatsausgaben fĂŒr Bildung sehr hoch sind. Seit langem stellen die Analphabeten eine verschwindend geringe Minderheit dar. Bereits im Jahr 1960 wurde eine Alphabetisierungsrate von 100 Prozent verzeichnet. Obwohl der Bildung traditionell große Bedeutung beigemessen wird, fehlen teilweise die Mittel fĂŒr Lehrmaterialien, GebĂ€ude oder Heizung.

Das Land hat mehrere UniversitĂ€ten, siehe Liste der UniversitĂ€ten in Armenien. Die grĂ¶ĂŸte und bedeutendste ist die 1919 gegrĂŒndete Staatliche UniversitĂ€t Jerewan. Weitere staatliche UniversitĂ€ten sind z. B. die Armenisch-Russische Staatliche UniversitĂ€t von Armenien, die Französische UniversitĂ€t in Armenien, die Jerewaner Staatliche W. Brjussow-UniversitĂ€t fĂŒr Sprachen und Sozialwissenschaften, die Staatliche Medizinische UniversitĂ€t Jerewan, die Staatliche UniversitĂ€t Gawar, die Nationale Polytechnische UniversitĂ€t Armeniens, die Armenische Staatliche UniversitĂ€t fĂŒr Wirtschaftswissenschaften Jerewan, die Armenische Staatliche PĂ€dagogische UniversitĂ€t und die Nationale UniversitĂ€t fĂŒr Architektur und Bauwesen Armeniens. Neben diesen gibt es einige private UniversitĂ€ten wie die American University of Armenia und die Eurasia International University.

Neben den UniversitĂ€ten verfĂŒgt das Land auch ĂŒber eine ganze Reihe an Hochschulen, wie z. B. das Staatliche Konservatorium Jerewan oder das Staatliche Institut fĂŒr Volkswirtschaft Jerewan.

Die Armenische Nationale Akademie der Wissenschaften mit Hauptsitz in Jerewan ist Armeniens nationale Körperschaft fĂŒr die DurchfĂŒhrung und Koordination von Forschung im Bereich der Natur- und Sozialwissenschaften. Sie dient außerdem als Sprachgesellschaft fĂŒr die armenische Sprache. In Jerewan befindet sich auch die 1832 gegrĂŒndete Armenische Nationalbibliothek mit der weltweit grĂ¶ĂŸten Sammlung armenischer gedruckter Literatur.

Gesundheit

Im Jahre 2015 betrug die Lebenserwartung der MÀnner 70,6 und die der Frauen 77 Jahre.

2016 beliefen sich die Gesundheitsausgaben der Regierung auf 9,93 % des BIP (359 US-Dollar pro Kopf).

Quelle: UN

Sprachen

Die armenische Sprache ist die Amtssprache des Landes und stellt einen eigenen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie dar. Sie (Eigenbezeichnung Hajeren) wird weltweit von etwa sieben Millionen Menschen gesprochen, in Armenien von etwa drei Millionen, das sind ĂŒber 95 % der Bevölkerung. Das armenische Alphabet wurde am Anfang des 5. Jahrhunderts durch Mesrop fĂŒr das Altarmenische entwickelt. Seitdem ist dieses Alphabet die feste Grundlage der nationalen Sprache und der Kultur geworden. Als StandardvarietĂ€t gilt in Armenien der ostarmenische Dialekt.

Eine Sonderrolle spielt in Armenien das Russische. Es ist zwar keine Amtssprache, aber Pflichtfach an den Schulen, Unterrichtssprache an zahlreichen UniversitĂ€ten und auch im GeschĂ€ftsleben weit verbreitet. Es wird von etwa 100.000 Muttersprachlern in Armenien gesprochen, 94 % der Bevölkerung besitzen mindestens grundlegende Kenntnisse dieser Sprache. Es gibt inzwischen aber einen gewissen Trend fĂŒr das Englische als erste Fremdsprache.

Eine weitere bedeutende Sprache des Landes war bis 1989 die Turksprache Aserbaidschanisch mit rund 160.000 Sprechern; aufgrund des Konfliktes um Bergkarabach wanderten die meisten Aserbaidschaner aus Armenien aus. Das nordwestiranische Kurmandschi (wird dort von Jesiden und Kurden gesprochen) wird von etwa 40.620 Jesiden und 1519 Kurden gesprochen. (Stand 2001)

Insgesamt werden in Armenien zwölf Sprachen aus vier verschiedenen Sprachfamilien gesprochen. Weitere kleine Minderheitensprachen sind Ezdiki (Jesidisch, 40.620 Sprecher – Stand 2001), Ukrainisch (8000 Sprecher), Griechisch (Pontisch, 5000), Georgisch (Grusinisch, etwa 2000), Karatschai-Balkarisch (unter 1000), Lomavren (Bosha, noch 50 Sprecher), AramĂ€isch, Deutsch (fast ausgestorben) und TĂŒrkisch (Sprecherzahl unbekannt).

Religion

Die dominierende Konfession im Land ist das orientalisch-orthodoxe Christentum, das in Armenien die Armenische Apostolische Kirche reprĂ€sentiert; ihr gehören gemĂ€ĂŸ dem letzten Zensus von 2011 etwa 92,64 % der Bevölkerung an. Sie spielt eine zentrale Rolle fĂŒr die armenische IdentitĂ€t. Das Christentum ist tief verwurzelt, immerhin erhob Armenien im Jahre 301 als erstes Land der Welt das Christentum zur Staatsreligion. Zwar ist die Religionsfreiheit in der Verfassung garantiert, aber faktisch ist die Armenische Apostolische Kirche nach wie vor eine Art Staatskirche, der gewisse Sonderrechte eingerĂ€umt werden.

Die zweitgrĂ¶ĂŸte religiöse Gruppe sind demselben Zensus zufolge die AnhĂ€nger protestantischer Kirchen mit allerdings nur 0,97 % der Bevölkerung (ĂŒber 29.000 Personen). Dahinter folgen die AnhĂ€nger des jesidischen Glaubens mit 0,83 % (ĂŒber 35.272 Personen, Stand 2011). Die Jesiden in Armenien sind dort seit 2001 als eigenstĂ€ndige Ethnie anerkannt. Die Kurden Armeniens sind hĂ€ufig Sunniten. Die katholische Minderheit, die AnhĂ€nger der Armenisch-katholischen Kirche sind, ist kleiner als die jesidische mit nur 0,46 % (fast 14.000 Personen). Als nĂ€chstkleinere Minderheit wĂ€ren die Zeugen Jehovas zu nennen, mit 0,29 % der Bevölkerung (etwa 8.700 Personen).

Daneben gehören dem Zensus von 2011 nach 0,25 % weiteren christlich-orthodoxen Kirchen an (um die 7.500 Personen), sowie 0,18 % neopaganen Strömungen (etwa 5.400 Personen). Seit dem 18. Jahrhundert leben auch einige Tausend Molokanen (eine Abspaltung von der russisch-orthodoxen Kirche) in eigenen Dörfern, nachdem sie ihr angestammtes Siedlungsgebiet an der Wolga verlassen mussten. Sie machen allerdings nur 0,1 % der Bevölkerung mit fast 2.900 Personen aus. Weitere 0,26 % der Bevölkerung (fast 8.000 Personen) gehören anderen, im Zensus nicht nÀher erfassten Religionen an. Dazu gehören auch die wenigen noch im Land verbliebenen Aserbaidschaner, welche schiitische Muslime sind, siehe Islam in Armenien.

1,14 % der Bevölkerung (ĂŒber 34.000 Personen) gaben im Zensus von 2011 an, keiner Religion anzugehören. Weitere 2,89 % (ĂŒber 87.000 Personen) machten keine Angaben ĂŒber eine Religionszugehörigkeit.

Diaspora

Weniger als ein Drittel der rund zehn Millionen ethnischen Armenier auf der Welt lebt in der Republik Armenien. Seit Jahrhunderten gibt es armenische Gemeinschaften im Iran und in Georgien, seit dem Völkermord an den Armeniern gibt es traditionelle Gemeinschaften im Libanon, Frankreich und den Vereinigten Staaten. Nach Angaben des Instituts fĂŒr Genozid und Diaspora an der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum liegt die Zahl der in Deutschland lebenden Armenier bei 35.000 bis 40.000, siehe auch Armenier in Deutschland. Seit 2000 besitzt die Diaspora in Russland, vor allem in Moskau und St. Petersburg, die grĂ¶ĂŸte Bedeutung. Die Überweisungen an Verwandte in der Heimat sind wichtig fĂŒr die Übertragungsbilanz und Armenien profitiert von einer Vielzahl von Stiftungen.

Wirtschaft

1988 wurde Armenien durch ein sehr starkes Erdbeben schwer getroffen, was einige Regionen noch immer belastet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion geriet der junge Staat (Ă€hnlich wie die meisten anderen ehemaligen Unionsrepubliken) in eine schwere Wirtschaftskrise. Neben den ĂŒblichen tiefgreifenden Problemen, die sich bei einer Umstellung von einer Zentralverwaltungswirtschaft auf eine liberale Marktwirtschaft ergeben, kam erschwerend der Konflikt um Bergkarabach mit Aserbaidschan hinzu.

Monopolbildung, oligarchische Strukturen sowie eine hohe Korruption behindern die Modernisierung der armenischen Wirtschaft und hemmen Investitionen. Kleine und mittlere Betriebe haben es schwer, Fuß zu fassen. Trotz einiger Fortschritte im Rechtssektor gibt es noch keine unabhĂ€ngige Justiz.

Entwicklung

Nach einer umfassenden Liberalisierung der Wirtschaft – die Privatisierung begann 1994 und ist inzwischen weitgehend abgeschlossen – setzte 1997 das Wirtschaftswachstum wieder ein. Seit dem Jahr 2001 weist Armenien sogar zweistellige Wachstumsraten auf und konnte im Jahre 2006 die Wirtschaftskraft des Jahres 1988 wiedererlangen.

Das jĂ€hrliche Pro-Kopf-Einkommen betrug im Jahre 2016 durchschnittlich 3.511 Dollar. Im Jahr 2005 betrugen die Steuer- und Zolleinnahmen 304 Milliarden Dram (680 Millionen US-Dollar) oder 21,6 % mehr als 2004. Trotzdem machen die Einnahmen nur 14,4 % des Bruttoinlandsproduktes aus – im internationalen Vergleich ein sehr niedriger Wert. Die Landwirtschaft basiert vor allem auf dem Anbau von Obst und GemĂŒse sowie Tabak. Die Wirtschaft des Landes basiert auf der Nutzung der Rohstoffe Kupfer, Bauxit, Gold und MolybdĂ€n.

Im Global Competitiveness Index 2017–2018, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Armenien Platz 73 von 137 LĂ€ndern. Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2019 Platz 47 von 180 LĂ€ndern.

Der gesetzliche Mindestlohn lag 2013 bei 70 Euro.

Entwicklung der Kennzahlen seit 2000

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (KaufkraftparitÀt) angeben.

WĂ€hrung

Die nationale WĂ€hrung, der Dram (AMD), wurde 1993 eingefĂŒhrt. Die Zentralbank der Republik Armenien verfolgt eine Politik des flexiblen Wechselkurses. Lange verlor der Dram gegenĂŒber dem US-Dollar wegen des Handelsbilanzdefizits Armeniens an Wert, der niedrigste Wechselkurs lag im MĂ€rz 2003 bei 591,76 AMD:1 USD. Im August 2006 sank der Kurs erstmals unter 400 AMD:1 USD, was eine Aufwertung um 45 % bedeutet. Die Zentralbank schĂ€tzt, dass die armenischen Haushalte im Jahr 2005 rund 940 Millionen US-Dollar von Verwandten aus dem Ausland erhielten. Allein der ĂŒber das Bankensystem abgewickelte Teil (750 Millionen US-Dollar) machte 78 % aller Geldtransfers des Landes aus. Diese Überweisungen und die auslĂ€ndischen Direktinvestitionen sind der Hauptgrund fĂŒr den Anstieg des Drams. Die Inflation lag zu dieser Zeit bei fĂŒnf Prozent, was ein im regionalen Vergleich niedriger Wert ist. Trotzdem ist Armenien weiterhin die Ă€rmste Volkswirtschaft des Kaukasus und der angrenzenden Gebiete.

Industrie

Die Industrie ist wenig entwickelt und machte im Jahr 2017 mit 28,7 % etwas ĂŒber ein Viertel des BIP des Landes aus. Ihre wichtigsten Zweige sind Maschinenbau, chemische Industrie, Textil-, Metall-, Nahrungsmittel- und Aluminiumindustrie.

In den SchlĂŒsselindustrien Energie und Telekommunikation sind insbesondere russische Firmen prĂ€sent. So gehören unter anderem die Firmen Armrosgazprom (Erdgasimport- und Versorgung) mehrheitlich dem russischen Staatskonzern Gazprom, das armenische Stromnetz gehört einer Tochterfirma der ebenfalls staatlichen UES und die Armenia Telephone Company ist zu 100 % im Besitz der Firma VimpelCom.

Im Bereich der Hochtechnologien wird die armenische Wirtschaft gegenwĂ€rtig besonders durch IT-Unternehmen gestĂ€rkt, die ihre Produktentwicklungen in Armenien durchfĂŒhren. Arminco (Armenian Internet Company) ist der grĂ¶ĂŸte Internetdienstanbieter in Armenien.

50 % der Exporte des Landes wurden im Jahr 2011 jedoch von der Bergbauindustrie produziert. Zu den abgebauten Metallen und Mineralien zÀhlen MolybdÀn, Diamanten, Kupfer, sowie Gold. In kleineren Mengen werden Blei, Silber, Zink, Granit, Gips, Kalkstein, Basalt und Kieselgur (Diatomit) abgebaut.

Im Bereich der Agrarindustrie und in der einfachen Landwirtschaft ist der Anbau von Weizen, Gerste und FrĂŒchten wie Feigen, Aprikosen, Oliven und GranatĂ€pfeln verbreitet. Diese gedeihen insbesondere auf den sehr vulkanisch geprĂ€gten und damit nĂ€hrstoffreichen Böden Armeniens. Im Jahr 2006 betrug die Getreideproduktion 212.500 Tonnen, die Obstproduktion 286.000 Tonnen und die GemĂŒseproduktion 915.000 Tonnen. Vieh wie Schafe, Ziegen und Pferde sind im Land verbreitet.

Die einzige in Armenien aktive Wertpapierbörse, die Armenische Börse (Armex), hat ihren Sitz in Jerewan.

Außenwirtschaft

In den ersten Jahren der UnabhĂ€ngigkeit des Landes war die Exportstruktur noch relativ stark differenziert, was der Rolle Armeniens innerhalb der intra-sowjetischen Arbeitsteilung entsprach. 17 verschiedene GĂŒter auf dem dreiziffrigen SITC-Niveau machten 1997 drei Viertel des Exportvolumens aus: darunter auch verarbeitete Waren wie Elektromaschinen, optische Instrumente, Stahlrohre und Bekleidung. Im Jahr 2005 entfielen drei Viertel des Exportvolumens auf nur noch 7 verschiedene GĂŒter: Edelsteine, Gusseisen, alkoholische GetrĂ€nke, Kupfer, Gold, Juwelen und Erze – also fast ausschließlich unverarbeitete GĂŒter. Auf der Importseite allerdings konnte Armenien seine hohe AbhĂ€ngigkeit von Nahrungsmittel- und Energieimporten reduzieren und fĂŒhrt nun auch zunehmend KapitalgĂŒter ein.

Seit Februar 2003 ist Armenien Mitglied der Welthandelsorganisation. Bilaterale Freihandelsabkommen bestehen unter anderem mit Georgien und Russland. Ein wirtschaftliches Problem ist die Binnenlage Armeniens, verbunden mit der Tatsache, dass zwei der vier NachbarlĂ€nder aufgrund politischer Konflikte die Grenzen zu Armenien geschlossen halten, nĂ€mlich die TĂŒrkei und Aserbaidschan. Ein großer Teil der Importe nach Armenien erfolgt deshalb ĂŒber den georgischen Hafen Poti und von dort weiter per Eisenbahn durch Georgien. Unter den Staaten des sĂŒdlichen Kaukasus ist Armenien u. a. im wirtschaftlichen Bereich stark von Moskau abhĂ€ngig. Mehr als 40 Prozent der Investitionen stammen aus Russland. Durch diverse bilaterale Abkommen zwischen beiden LĂ€ndern, die in den vergangenen Jahren unterzeichnet wurden, verfĂŒgen russische Unternehmen inzwischen ĂŒber große Dominanz in einigen SchlĂŒsselsektoren wie Energie, Telekommunikation, Verkehr und Bergbau.

Geldtransfers der zahlreichen Auslandsarmenier sind eine wesentliche StĂŒtze der armenischen Volkswirtschaft. Im Jahre 2004 entsprachen sie knapp 10 % der armenischen Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt). Weitere KapitalzuflĂŒsse aus dem Ausland sind auslĂ€ndische Direktinvestitionen und offizielle Entwicklungshilfezahlungen (entsprechend 6 bzw. 7 % der armenischen Wirtschaftsleistung).

Von den Transfers kamen ca. 45 % aus Russland und 15 % aus den Vereinigten Staaten. Hans-Heinrich Bass und Irina Schmidt bezeichnen diese Transfers als „mixed blessing“ (etwa: „zweischneidiges Schwert“) fĂŒr die armenische Volkswirtschaft: einerseits trĂŒgen sie zur ArmutsĂŒberwindung bei, andererseits verschĂ€rften sie die Einkommensungleichheit im Land. Der Wachstumseffekt sei eher gering, da sie hauptsĂ€chlich zur Finanzierung von Immobilien verwendet wĂŒrden. Zudem trĂŒgen die Überweisungen zu einer Aufwertung der armenischen WĂ€hrung bei und wirkten sich damit nachteilig auf die WettbewerbsfĂ€higkeit armenischer Exporte aus.

Im Jahre 2005 stiegen Firmen aus Deutschland zum grĂ¶ĂŸten Investor in Armenien auf, sie tĂ€tigten 97,5 Millionen US-Dollar Direktinvestitionen.

Am 2. Januar 2015 wurde Armenien in die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) aufgenommen. Nach der friedlichen Revolution von 2018 erklÀrte Nikol Paschinjan, als neuer Premierminister, die engen Beziehungen zu Russland und die EAWU-Mitgliedschaft erhalten zu wollen.

Im Jahr 2017 stiegen Exporte Armeniens um 25,2 % auf 2,26 Mrd. USD. Außenhandelsumsatz stieg um 26,9 % auf 6,43 Mrd. USD.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 2,96 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 2,44 Milliarden US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,0 % des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2016 51,8 % des BIP.

Der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des BIP) folgender Bereiche betrug:

  • Gesundheit: 4,7 (2006)
  • Bildung: 3,2 (2001)
  • MilitĂ€r: 6,5 (2001)

Tourismus

Der Tourismussektor Armeniens befindet sich im Wachstum. Das Wirtschaftsministerium erklÀrte, dass Armenien 2009 von 575.281 Touristen besucht worden sei, 3 % mehr als noch im Jahr 2008. Bisher (Stand 2017) kommen die meisten Touristen aus Russland, Iran, Georgien und den Vereinigten Staaten.

In Armenien befinden sich mehrere UNESCO Weltkulturerbe-StĂ€tten: Die Klöster Haghpat und Sanahin, die Kathedrale und Kirchen von Etschmiadsin und die archĂ€ologische FundstĂ€tte von Zvartnots, sowie das Kloster von Geghard im Oberen Azat-Tal. Der Sewansee, der zu den grĂ¶ĂŸten Gebirgsseen weltweit zĂ€hlt, ist ein beliebtes Touristenziel im Sommer. Das Skigebiet Zaghkadsor ist im Winter zum Skifahren und im Rest des Jahres zum Wandern und Picknicken geöffnet. Jerewan, die Hauptstadt Armeniens, beherbergt Opern, Theater, Museen und andere kulturelle Einrichtungen, sowie zahlreiche Restaurants und CafĂ©s.

Energie

Armenien produzierte im Jahr 2016 elektrischen Strom von rund 6.951 Milliarden kWh, wovon etwa 5.291 Milliarden kWh im Land selbst verbraucht wurden. Im Jahr 2015 exportierte Armenien ElektrizitÀt von etwa 1.424 Milliarden kWh ins Ausland und deckte (2016) nur rund 275 Millionen kWh durch Importe.

Die Energieversorgung beruht nur zu einem kleinen Teil auf den heimischen Wasserkraftwerken am Hrasdan, dem Abfluss des Sewansees, wĂ€hrend rund 39 % vom Kernkraftwerk Mezamor erzeugt werden, das daher der grĂ¶ĂŸte einzelne Stromlieferant ist. Daneben sind Windkraft- und Erdgas-Anlagen im geringen Umfang vorhanden.

In Form von Erdgas und Öl sind die Energie-Importe, v. a. aus Russland, groß. Es gibt aber auch Pipelines aus dem Iran, durch die Erdgas importiert wird, siehe Iran-Armenien-Erdgaspipeline. Im Jahr 2017 importierte und verbrauchte Armenien rund 2,35 Milliarden m³ Erdgas.

WÀrmekraftwerke tragen zu etwa einem Viertel zur Stromversorgung bei. Bis zum Jahr 2020 hofft das armenische Energieministerium das Wasserkraftwerk bei Meghri am Fluss Aras mit einer KapazitÀt von 260 MW fertiggestellt zu haben. Auch ein Geothermie-Kraftwerk in Dschermaghbjur in der Provinz Sjunik mit einer KapazitÀt von 150 MW soll nach Inbetriebnahme zur Energieversorgung beitragen.

Verkehr

Straßenverkehr

Eine Besonderheit im Straßenverkehr ist der im internationalen Vergleich außergewöhnlich hohe Anteil an Erdgasfahrzeugen. Das Verkehrsministerium schĂ€tzt, dass deren Anteil 20 bis 30 % betrĂ€gt (in den Niederlanden sind es rund 3 %, in Deutschland noch weniger). Der Grund sind die hohen Transportkosten fĂŒr Benzin und Diesel, wĂ€hrend Erdgas zu gĂŒnstigen Preisen aus Russland per Pipeline importiert wird. Im MĂ€rz 2007 wurde außerdem die strategisch bedeutende Iran-Armenien-Erdgaspipeline eröffnet.

Eisenbahn

Die Eisenbahn in Armenien wird von der Harawkowkasjan Jerkatughi, einer Tochtergesellschaft der Russischen Eisenbahnen, seit dem 1. Juni 2008 nach dem Gewinn einer Ausschreibung zunĂ€chst fĂŒr 30 Jahre betrieben. WĂ€hrend dieses Zeitraums sollen mindestens 570 Millionen USD investiert werden, 70 % davon in die Infrastruktur. Die Eisenbahnverbindung zwischen Georgien und Russland ist wegen des Konflikts in Abchasien geschlossen; ebenso seit 1992 die Verbindung in die TĂŒrkei zwischen Gjumri und Kars. Zur Umgehung von Armenien ist die Bahnstrecke Kars–Tbilissi im Oktober 2017 in Betrieb genommen worden. Zwischen Armenien und dem Iran besteht keine Eisenbahnverbindung. Der Grenzabschnitt zu Iran ist nur etwa 40 km lang, aber aufgrund der Blockade durch die TĂŒrkei und Aserbaidschan von großer Bedeutung fĂŒr Armenien, das traditionell gute Beziehungen zu Iran pflegt.

Nahverkehr

In Armenien basiert der Nahverkehr gegenwĂ€rtig v. a. auf Bussen, Sammeltaxis (Marschrutka) und Taxis. Die einzige U-Bahn des Landes befindet sich in der Hauptstadt Jerewan und wird von der Gesellschaft Metro Jerewan betrieben. Sie wurde 1981 eröffnet und wird seitdem weiter ausgebaut. Eine Besonderheit ist die sogenannte Kindereisenbahn Jerewan, die ihren Namen noch aus der Sowjetunion durch die Mitwirkung von Kindern am Betrieb der Bahn erhalten hat und heute als Parkeisenbahn ĂŒber 2,1 km durch die Schlucht des Flusses Hrasdan fĂ€hrt.

Flugverkehr

Der einzige bedeutende Flughafen des Landes ist der Flughafen Jerewan (KĂŒrzel EVN). Er wird von mehreren internationalen Fluggesellschaften angeflogen. Die nationale Fluggesellschaft Armenia Aircompany operiert ebenfalls von diesem Flughafen aus. Daneben ist der Flughafen Gjumri (KĂŒrzel LWN) als internationaler und zweitgrĂ¶ĂŸter Flughafen des Landes zu nennen, von dem aus mit Stand von 2019 nur internationale Flugverbindungen mit der russischen Hauptstadt Moskau existierten. FĂŒr den 30. MĂ€rz 2020 kĂŒndigte Ryanair die Inbetriebnahme einer Verbindung mit dem AllgĂ€u Airport in Memmingen an.[veraltet]

Der Flughafen Erebuni sĂŒdlich der Hauptstadt Jerewan ist ein auch zivil, inzwischen aber ĂŒberwiegend militĂ€risch genutzter Flughafen, der auch den russischen LuftstreitkrĂ€ften als StĂŒtzpunkt dient. Ein paar Kilometer nördlich der Stadt Stepanawan im Norden Armeniens existiert ebenfalls ein kleiner, ziviler Flughafen.

Kultur

Bedeutung der Familie

Die Familie steht bei vielen Armeniern im Zentrum des Lebens und die Familienbande sind generell bei Armeniern im Vergleich zu Westeuropa extrem stark. Trotz der zur Zeit der Sowjetunion verordneten Emanzipation sind viele armenische Familien patriarchalisch strukturiert. Kindererziehung gilt allgemein als Frauensache. Eine Ausnahmestellung hat dabei die FamilienĂ€lteste (ĂŒblicherweise die Frau oder Witwe des Familienoberhauptes) inne: Sie wird hoch geachtet und ĂŒbt auf diskrete Art und Weise oft grĂ¶ĂŸeren Einfluss aus als das nominelle Familienoberhaupt. Überhaupt werden traditionell die Alten sehr geachtet (beispielsweise wird ein junger Anwalt einem alten Straßenfeger ĂŒblicherweise sehr respektvoll begegnen). Nachkommen ordnen sich auch als Erwachsene oft sehr stark ihren Eltern unter.

Trifft dieses Gesamtbild vor allem auf die vielen traditionell orientierten Familien zu, bewirken verschiedene Faktoren inzwischen auch ein Aufweichen traditioneller Strukturen. So leben nicht wenige Familien nicht mehr als Großfamilie an einem Ort, sondern die im arbeitsfĂ€higen Alter befindlichen Familienmitglieder erwirtschaften oft ihr Einkommen in fernen StĂ€dten, vor allem im Ausland. Enkel, die bei ihren Großeltern aufwachsen, wĂ€hrend die Eltern im Ausland arbeiten, sind keine Seltenheit. HĂ€ufig ist es auch nur ein einzelner Elternteil, meistens der mĂ€nnliche, welcher im Ausland lebt und von dort seine Familie versorgt. Die örtliche Abwesenheit des Vaters kann jedoch an den traditionell patriarchalischen VerhĂ€ltnissen rĂŒtteln. Ein weiterer Faktor sind kulturelle EinflĂŒsse aus dem Ausland, denn die meisten Armenier leben seit dem Völkermord im Osmanischen Reich außerhalb Kleinasiens, siehe den Abschnitt Diaspora, und auch der Zerfall der Sowjetunion mit anschließenden wirtschaftlichen Problemen, politischen Konflikten und Naturkatastrophen hat weitere Armenier in die Emigration getrieben, die aber oft noch Verwandte in Armenien haben. Viele Bewohner der heutigen Republik Armenien haben daher Verwandte im Ausland oder haben selbst temporĂ€r im Ausland gelebt. Ein dritter Faktor wĂ€re die Globalisierung, die auch vor Armenien nicht Halt macht, und das Land kulturell z. B. ĂŒber die Medien und das Internet beeinflusst. Subkulturen, wie zum Beispiel eine Metal-Szene, finden sich so auch in Armenien.

Feiertage und Feste

In christlicher, speziell armenisch-apostolischer Tradition stehen gesetzliche Feiertage wie Weihnachten am 6. Januar, der Tag der Heiligen Vardanants am Samstag acht Wochen vor Ostern oder der Tag des Heiligen Etschmiadsins am Sonntag 64 Tage nach Ostern. Weitere Feste die zur christlichen Tradition und zum Brauchtum zÀhlen, sind nicht als gesetzliche Feiertage festgelegt. Hierzu gehören das Fest MariÀ Aufnahme in den Himmel am nÀchsten Sonntag zum 15. August, das mit der Segnung der Traubenernte verbunden ist, und Barekendan, die armenische Variante des Karneval, die sieben Wochen vor Ostern gefeiert wird.

Neben den Feiertagen mit christlichem Hintergrund ist der Festtagskalender Armeniens auch stark von Gedenktagen geprĂ€gt. So ist der 28. Februar der Gedenktag fĂŒr die Opfer der Pogrome in Aserbaidschan, dem Pogrom in Sumgait (1988) und dem Pogrom in Baku (1990). Es folgt am 24. April der Gedenktag fĂŒr die Opfer des Völkermords an den Armeniern. Der 9. Mai ist der Tag des Sieges ĂŒber das Dritte Reich und des Friedens (1945). Armenische Soldaten kĂ€mpften damals innerhalb der Sowjetarmee gegen die Wehrmacht. Der 28. Mai ist der Tag der Republik, bei dem an die UnabhĂ€ngigkeit der Ersten Republik Armenien (1918) erinnert wird. Am 14. Juni wird mit dem Tag des Gedenkens an Repressierte den unrechtmĂ€ĂŸig Verurteilten der Sowjetunion gedacht. Der 21. September gilt als UnabhĂ€ngigkeitstag, womit die UnabhĂ€ngigkeit von der Sowjetunion (1991) gemeint ist. Der 7. Dezember ist der Gedenktag fĂŒr die Opfer des Erdbebens von Spitak (1988) und der 9. Dezember schließlich der Tag der Verurteilung und Verhinderung von Genoziden, welcher auch ein internationaler, von den Vereinten Nationen initiierter Feiertag ist.

Museen

Jerewan beherbergt die zentralen Museen des Landes. Am bekanntesten ist wohl die nationale Kunstgalerie mit mehr als 16.000 Werken. Die BestĂ€nde der Sammlung gehen bis ins Mittelalter zurĂŒck. Die Hauptstadt kann neben einer Vielzahl weiterer Museen ein Museum fĂŒr moderne Kunst und ein dem wohl berĂŒhmtesten armenischen Maler Martiros Sarjan gewidmetes Museum vorweisen. Zudem sind in Jerewan zahlreiche private Galerien entstanden.

Zu den bekannteren und grĂ¶ĂŸeren Museen des Landes zĂ€hlt das Museum, Archiv und Forschungsinstitut Matenadaran, in dem ĂŒber 17.000 Manuskripte aufbewahrt werden, die zum Teil aus dem frĂŒhen Mittelalter stammen und sehr wertvoll sind. Das Historische Museum Armeniens im Zentrum von Jerewan gehört ebenfalls zu den stĂ€rker besuchten Museen und prĂ€sentiert die Geschichte des Landes und der Armenier vor allem anhand archĂ€ologischer Funde verschiedener Epochen. Im Sergei-Paradschanow-Museum werden Leben und Werk des bekannten sowjet-armenischen Regisseurs prĂ€sentiert. Das Museum fĂŒr moderne Kunst befindet sich in der Kaskade von Jerewan. Weitere Museen und Sammlungen befinden sich vor allem in der Hauptstadt Jerewan.

Kunst

Als armenische Kunst wird in der Regel jene Kunst angesehen, die entweder in hauptsĂ€chlich von Armeniern bewohnten Gebieten, beginnend mit dem antiken Reich Urartu, hervorgebracht, die nachweisbar von Armeniern oder die im direkten Zusammenhang mit armenischen Institutionen wie der Armenischen Apostolischen Kirche geschaffen wurde. Armenische Kunst umfasst daher eine große Bandbreite an Richtungen von der Buchmalerei bis zur Architektur, sowie Epochen seiner Entstehung. Sie reicht von der Antike mit seinem heute bei Touristen beliebten Mithras-Tempel von Garni, ĂŒber mittelalterliche Bibelkunst bis in die Neuzeit mit Vertretern wie der Architekten-Dynastie Balyan, Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski (1817–1900), Martiros Sarjan (1880–1971), Hakob Kodschojan (1883–1959), Arshile Gorky (1904–1948) oder Jean Carzou (1907–2000).

Literatur

Die armenische Literatur zĂ€hlt mit der aus der armenischen BibelĂŒbersetzung rĂŒhrenden armenischen Schrift und der dort fixierten armenischen Sprache zu den Ă€ltesten lebenden Nationalliteraturen der Welt. Ihre AnfĂ€nge werden um das Jahr 405 festgemacht als der Mönch Mesrop Maschtoz das armenische Alphabet erfand. Zu den frĂŒhen Schriften zĂ€hlen u. a. Übersetzungen syrischer und griechischer Handschriften oder historio- und biographische Werke. In einer spĂ€teren Periode wurden als Hauptwerke eine "Streitschrift wider die Paulikianer", eine "Synodalschrift", sowie eine Sammlung der KonzilsbeschlĂŒsse und der Schriften der KirchenvĂ€ter bis zur Gegenwart verfasst. Mit dem Entstehen einer armenischen Diaspora kam es zur Herausbildung einer eigenen Literatur von Armeniern der Diaspora, die auch von der Erfindung des Buchdrucks Gebrauch machten. Gedruckte armenische WörterbĂŒcher und Grammatiken entstanden so in der FrĂŒhen Neuzeit. Prosa, Belletristik und Lyrik entwickelten sich v. a. in der Neuzeit. Zu den bekannteren Schriftstellern und Autoren der Gegenwart aus Armenien zĂ€hlen David Mouradian (* 1951), Violette Krikorian (* 1962) oder Armen Melikian (* 1963). Aus der Diaspora sind als Autoren William Saroyan (1908–1981), Peter Balakian (* 1951) oder Varujan Vosganian (* 1958) bekannt geworden.

Musik

Das Nationalinstrument Armeniens ist die duduk (auch nay), ein zylindrisches Doppelrohrblattinstrument aus Aprikosenholz mit einem samtigen weichen Klang. Sie spielt eine zentrale Rolle in der armenischen Volksmusik und Kammermusik. Außerhalb Armeniens ist sie insbesondere durch das Werk Dschiwan Gasparjans bekannt geworden. Das zweite, in der gepflegten Unterhaltungsmusik gespielte Blasinstrument ist die LĂ€ngsflöte blul, die ursprĂŒnglich von Hirten auf der Weide geblasen wurde. Dagegen wird die schrill und laut klingende Kegeloboe zurna nur im Freien meist bei Familienfeiern zur Tanzbegleitung eingesetzt. Die lĂ€ndliche armenische Volksmusik ist ĂŒberwiegend vokal. Saiteninstrumente gehören zu den Kammerensembles der StĂ€dte und stammen sĂ€mtlich aus der persischen und osmanischen Musikkultur. Hierzu zĂ€hlen die Stachelgeigen k’yamancha und k’amani, die arabische Knickhalslaute ÊżĆ«d, die Langhalslauten saz, tar und tschungur (Ă€hnlich der georgischen tschonguri) sowie die Trapezzithern kanun und santur. FĂŒr den Rhythmus sorgen die zweifellige Zylindertrommel dhol (Ă€hnlich der georgischen doli), die Rahmentrommeln ghaval oder dap und das Kesseltrommelpaar naqqara. Ein typisches Ensemble ist das im SĂŒdkaukasus verbreitete sazandar (armenisch nvagurd), das mit tar, k’yamancha und ghaval auftritt. HĂ€ufig spielen Blas- und Saiteninstrumente zusammen.

Neben der traditionellen armenischen Musik gibt es in Jerewan auch international erfolgreiche klassische Orchester. Hervorzuheben sind hier insbesondere das armenische philharmonische Orchester und das nationale Kammerorchester Armeniens. Der wohl bekannteste Komponist des Landes ist Aram Chatschaturjan. BegrĂŒnder der modernen klassischen Musik Armeniens ist der Mönch Komitas Vardapet. Weitere Komponisten sind in der Liste armenischer Komponisten aufgefĂŒhrt.

Im Mai 2006 nahm Armenien zum ersten Mal am Eurovision Song Contest in Athen teil. Mit dem Titel Without Your Love trat der landesweit bekannte SĂ€nger Andre an. Nachdem er das Halbfinale ĂŒberstanden hatte, konnte er im Finale einen ĂŒberraschenden 8. Platz erreichen. Damit war Armenien auch fĂŒr das nĂ€chste Finale in Finnland gesetzt, wo man wieder erfolgreich einen 8. Platz erreichen konnte mit dem populĂ€ren SĂ€nger Hayko und dem Song Anytime you need. 2008 in Belgrad erreichte Sirusho mit Quele Quele den 4. Platz. Eine sehr erfolgreiche Jazzformation ist die Armenian Navy Band um Arto Tunçboyacıyan, die ihre Musik als Avantgarde Folk Music bezeichnet.

Film

Seit 2004 hat sich im Sommer in Jerewan das Internationale Filmfestival „Goldene Aprikose“ etabliert, dessen PrĂ€sident der armenischstĂ€mmige Kanadier Atom Egoyan ist. Es vergibt Preise sowohl an Spielfilme als auch an Dokumentarfilme und kann teilweise prominente Teilnehmer aufweisen. Weltweit renommierte Filmregisseure sind – neben Egoyan – die Armenier Sergei Paradschanow, Henri Verneuil, Don Askarian und der experimentelle Dokumentarfilmer Artawasd Peleschjan. Auch auf dem Gebiet des Zeichentrickfilms hat Armenien eine lange Tradition, die sich in der Sowjetzeit entwickelt hat.

Auch außerhalb Armeniens bekannte Schauspieler sind Armen Dschigarchanjan und Mher „Frunsik“ Mkrtschjan. Simon Abkarian stammt nicht aus dem heutigen Armenien, sondern aus der armenischen Diaspora im Libanon und wuchs in Frankreich auf. In beiden LĂ€ndern existiert seit dem Völkermord eine große armenische Exilgemeinde.

Medien

Im Januar des Jahres 2018, kurz bevor sich im Zuge der Samtenen Revolution die politischen VerhĂ€ltnisse stark verĂ€nderten, waren im Land folgende Zeitungen von Bedeutung und sind es grĂ¶ĂŸtenteils noch immer: Arawot (Morgen, private Tageszeitung), Ajastani Anrapetutjun (Armenische Republik, Tageszeitung der Regierung), Ajkakan Zhanamak (Armenische Zeit, Tageszeitung), Azg (Nation, Tageszeitung), Tschorrord Inknischchanutjun (Vierte Kraft, Tageszeitung), Golos Armenii (Armeniens Stimme, russischsprachige Zeitung), Irawunk (Recht, private Wochenzeitung) und Jerkir (Land, Tageszeitung).

Wichtiger aufgrund ihrer weit grĂ¶ĂŸeren Wahrnehmung sind im Land jedoch die Fernsehsender, wĂ€hrend Printmedien in der Regel nur Auflagen von wenigen Tausend Exemplaren erreichen. Der staatliche Sender ist ARMTV (Öffentliches Fernsehen Armeniens). Zu den bedeutenden privaten Fernsehsendern (Stand Januar 2018) zĂ€hlen Armenia TV, der Nachrichtensender ArmNews TV, Shant, Kentron TV und Jerkir Media. Russische Sender sind im Land leicht verfĂŒgbar.

Im Bereich des Hörfunks sind mit dem Stand vom Januar 2018 das Öffentliche Radio Armeniens (staatlich), sowie die privaten Sender Hay FM 105.5 und Radio Van zu nennen. Alle drei senden aus Jerewan.

Online-Medien und insbesondere online-basierte soziale Medien werden inzwischen in Armenien nicht nur stark genutzt, sondern spielten auch eine wichtige Rolle fĂŒr die Koordination von ProtestaktivitĂ€ten gegen die Regierung im Zuge der Samtenen Revolution 2018. Unter den sozialen Netzwerken sind Facebook und das russische Odnoklassniki in Armenien am beliebtesten (Stand Januar 2018). Zu den wichtigsten armenischen Online-Medien zĂ€hlten Anfang 2018 außerdem die staatliche Seite Armenpress, sowie die privaten Seiten Arka, Arminfo, A1+ und Mediamax.

49,9 % (nach anderen Angaben 62 %) der Bevölkerung hatten 2016 einen Internetzugang. Im Jahr 2017 gab es im Land etwa 315.319 BreitbandanschlĂŒsse, womit ungefĂ€hr jeder zehnte Einwohner Armeniens darĂŒber verfĂŒgte. Der grĂ¶ĂŸte Teil der armenischen Internetnutzer benutzt mobile ZugĂ€nge wie Smartphones und Laptops.

Sport

Schach ist ein in Armenien weit verbreiteter Sport und die professionellen Schachspieler sind im Armenischen Schachverband organisiert. Der ehemalige Schachweltmeister Tigran Petrosjan war Armenier. Garri Kasparow ist armenischer Abstammung. Die Nationalmannschaft gewann 2006 in Turin, 2008 in Dresden sowie 2012 in Istanbul die Schacholympiade, des Weiteren 2011 die Mannschafts-Weltmeisterschaft und 1999 die EuropĂ€ische Mannschaftsmeisterschaft. Bekannte Großmeister sind Lewon Aronjan, Smbat Lputjan, Karen Asrjan, Sergej Movsesjan, Wladimir Hakobjan (bekannter als Wladimir Akopjan), Gabriel Sarkissjan, Rafael Vaganian, Varuzhan Akobian und Artasches Minassjan.

Fußball ist in Armenien eine populĂ€re Sportart, wobei sich die armenische Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften bislang nie fĂŒr die Endrunde qualifizieren konnte. Der wohl bekannteste Nationalspieler ist Henrich Mchitarjan von der AS Rom. Der Armenische Fußballverband wurde 1992 gegrĂŒndet und ist seitdem Mitglied in UEFA und FIFA.

PopulĂ€r ist auch der Boxsport. Prominente Vertreter sind der Europameister Khoren Gevor und der langjĂ€hrige IBF-Weltmeister im Fliegengewicht und Superfliegengewicht Vic Darchinyan. Der deutsche Boxer Arthur Abraham, der in Armenien aufgewachsen ist und die armenische StaatsbĂŒrgerschaft im Jahr 2006 zugunsten der deutschen aufgeben musste, ist ehemaliger ungeschlagener IBF-Weltmeister im Mittelgewicht, sowie ehemaliger zweifacher WBO-Weltmeister im Supermittelgewicht. Im Frauenboxen ist Susianna Kentikian, die im Besitz der armenischen und der deutschen StaatsbĂŒrgerschaft ist, ehemalige WBA- und WIBF-Weltmeisterin im Fliegengewicht.

Die Armenische Basketballnationalmannschaft ist mit seinem nationalen Basketballverband seit 1992 Mitglied der FIBA. Sie hat sich bisher nicht fĂŒr Europa- oder Weltmeisterschaften qualifizieren können. Die Armenische Eishockeynationalmannschaft trat mit dem Armenischen Eishockeyverband 1999 der IIHF bei und nahm bereits mehrfach an Weltmeisterschaften teil.

Armenische KĂŒche

Die armenische KĂŒche ist eng verwandt mit anderen Kochtraditionen des Kaukasus und Kleinasiens. Auch EinflĂŒsse aus Osteuropa sind erkennbar. Üblicherweise kommt bei den armenischen Gerichten eine grĂ¶ĂŸere Bandbreite an GewĂŒrzen, KrĂ€utern, GemĂŒsesorten, Fisch, Fleisch, NĂŒssen und FrĂŒchten zum Einsatz. In der Regel sind die Gerichte zwar gewĂŒrzt, aber nicht sehr scharf.

Als Beilage findet sich hĂ€ufig das Lawasch-Brot, welches in Armenien als Nationalgericht angesehen wird. Es findet sich jedoch auch in NachbarlĂ€ndern wie der TĂŒrkei, Aserbaidschan oder Iran. Oft wird das Brot noch auf traditionelle Weise in einem Tandur per Hand zubereitet. Es wurde sogar 2014 von der UNESCO zu einem immateriellen Kulturerbe erklĂ€rt.

Der Granatapfel, der symbolisch mit Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht wird, gilt als eine der nationalen FrĂŒchte Armeniens und findet sich deshalb auch in vielen Souvenirs reprĂ€sentiert. Die Aprikose gilt ebenfalls als Nationalfrucht.

Siehe auch

  • berĂŒhmte Armenier
  • Armenische Diaspora
  • Liste der Herrscher von Armenien

Literatur

  • Sabine Allafi: Armenien heute. Zahlen und Fakten. GlarĂ© Verlag, Frankfurt/Main 2015. ISBN 978-3-930761-87-6.
  • Museum Bochum – Kunstsammlung, Stiftung fĂŒr Armenische Studien (Hrsg.): Armenien. 5000 Jahre Kunst und Kultur. Wasmuth, TĂŒbingen 1995; ISBN 3-8030-3066-8
  • Tessa Hofmann: AnnĂ€herung an Armenien. Geschichte und Gegenwart. Beck, MĂŒnchen 1997; ISBN 3-406-42023-0.
  • Adriano Alpago Novello: Die Armenier. BrĂŒcke zwischen Abendland und Orient. Belser, Stuttgart und ZĂŒrich 1986. ISBN 3-7630-2335-6.
  • Huberta von Voss: Portrait einer Hoffnung: Die Armenier. Lebensbilder aus aller Welt.Schiler, Berlin 2004. ISBN 3-89930-087-4.
  • Christopher J. Walker: Armenia: the Survival of a Nation. Saint Martin’s Press, London 1980 (19902). ISBN 978-0-312-04230-1. (Onlineversion (Memento vom 10. MĂ€rz 2014 im Internet Archive))
  • Burchard Brentjes: Drei Jahrtausende Armenien. Koehler und Amelang, Leipzig 19843. Schroll, Wien MĂŒnchen 1984. ISBN 3-7031-0594-1

Weblinks

  • Website der armenischen Regierung (armenisch, englisch, russisch)
  • Armenica.org: Informationen ĂŒber Armenien (englisch, schwedisch)
  • Englischsprachige und russischsprachige Kurznachrichten von Kawkasski Usel aus Armenien
  • Dossiers zum Thema Armenien in der Pressemappe 20. Jahrhundert der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (11)

Bezeichnung der Regionen: Marser
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Aragatsotn 40.743 40.185 43.594 44.553  
Ararat 40.165 39.703 44.351 45.11  
Armavir 40.285 40.009 43.652 44.44  
Erevan 40.229 40.054 44.418 44.648  
Gegharkunik 40.734 39.866 44.788 45.982  
Kotayk 40.7 40.083 44.408 45.03  
Lori 41.23 40.661 43.966 44.939  
Shirak 41.165 40.409 43.436 44.2  
Syunik 39.851 38.864 45.701 46.602  
Tavush 41.291 40.638 44.752 45.601  
Vayots Dzor 39.999 39.488 45.075 45.809  
 

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Flagge: Armenia

Name englisch: Armenia
Hauptstadt: Yerevan
Kfz: ARM
ISO: AM
ISO3: ARM
Fläche: 29800 km²
Tld: .am
Wärung Einheit: AMD
Währung: Dram
Vorwahl: 374

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 41.300993
südlichster Punkt: 38.840244
westlichster Punkt: 43.4472118
östlichster Punkt: 46.634222


 
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