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Staat Informationen : Iran

Informationen:


Iran, auch: der Iran (mit Artikel), persisch Ű§ÙŠŰ±Ű§Ù†, DMG ÄȘrān,  [ʔiːˈɟɒːn], Vollform: Islamische Republik Iran, vor 1935 auf internationaler Ebene (exonym) auch Persien, ist ein Staat in Vorderasien. Mit rund 83 Millionen Einwohnern (Stand 2019) und einer FlĂ€che von 1.648.195 Quadratkilometern zĂ€hlt Iran zu den 20 bevölkerungsreichsten und grĂ¶ĂŸten Staaten der Erde. Hauptstadt, grĂ¶ĂŸte Stadt und wirtschaftlich-kulturelles Zentrum Irans ist Teheran, weitere MillionenstĂ€dte sind Maschhad, Isfahan, TĂ€bris, Karadsch, Schiras, Ahvaz und Ghom. Der Iran bezeichnet sich selbst seit der Islamischen Revolution 1979 als Islamische Republik.

Iran besteht großteils aus hohem Gebirge und trockenen, wĂŒstenhaften Becken. Seine Lage zwischen dem Kaspischen Meer und der Straße von Hormus am Persischen Golf macht ihn zu einem Gebiet von hoher geostrategischer Bedeutung mit langer, bis in die Antike zurĂŒckreichender Geschichte.

Nachdem sich zwischen 3200 und 2800 v. Chr. das Reich Elam gebildet hatte, vereinigten die iranischen Meder das Gebiet um 625 v. Chr. erstmals zu einem Staat, der die kulturelle und politische FĂŒhrerschaft in der Region ĂŒbernahm. Die von Kyros begrĂŒndete Dynastie der AchĂ€meniden regierte von SĂŒdiran aus das bis dato grĂ¶ĂŸte Reich der Geschichte. Es wurde im Jahre 330 v. Chr. durch die Truppen Alexanders des Großen zerstört. Nach Alexander teilten seine Nachfolger (Diadochen) das Reich unter sich auf, bis sie im iranischen Bereich um die Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. durch die Parther abgelöst wurden. Auf diese folgte ab etwa 224 n. Chr. das Reich der Sassaniden, das bis zum 7. Jahrhundert neben dem Byzantinischen Reich zu den mĂ€chtigsten Staaten der Welt zĂ€hlte. Nach dem Übergreifen der islamischen Expansion auf Persien, in deren Verlauf der Zoroastrismus durch den Islam ersetzt wurde, wurden persische Gelehrte zu TrĂ€gern des Goldenen Zeitalters, bis der Mongolensturm im 13. Jahrhundert das Land in seiner Entwicklung weit zurĂŒckwarf.

Die Safawiden einigten das Land und machten 1501 das zwölferschiitische Bekenntnis zur Staatsreligion. Unter der 1794 gegrĂŒndeten Kadscharen-Dynastie schrumpfte der Einfluss Persiens; Russland und Großbritannien zwangen die Perser zu territorialen und wirtschaftlichen Konzessionen. 1906 kam es zur konstitutionellen Revolution, in deren Ergebnis Persien sein erstes Parlament und eine Verfassung erhielt, in der Gewaltenteilung vorgesehen war. Als Staatsform erhielt es die konstitutionelle Monarchie. Die beiden Monarchen der Pahlavi-Dynastie betrieben eine Politik der Modernisierung und SĂ€kularisierung, parallel dazu wurde das Land im Ersten Weltkrieg durch russische, britische und tĂŒrkische Truppen und im Zweiten Weltkrieg durch britische und sowjetische Truppen besetzt. Danach kam es wiederholt zu auslĂ€ndischer Einflussnahme wie der GrĂŒndung einer Autonomen Republik Aserbaidschan mit sowjetischer Hilfe oder einem von der CIA organisierten Staatsstreich im Jahr 1953. Die UnterdrĂŒckung der liberalen, kommunistischen und islamischen Opposition fĂŒhrte zu vielseitigen Spannungen, die in der Revolution von 1979 und dem Sturz des Schahs kulminierten.

Seitdem ist Iran eine theokratische Republik, die von schiitischen Geistlichen gefĂŒhrt wird, an deren Spitze der ReligionsfĂŒhrer die Macht auf sich konzentriert. Kontrolliert wird er nur vom Expertenrat. RegelmĂ€ĂŸige Wahlen werden abgehalten, aber aufgrund der umfassenden Einhegung durch die Machthaber, von ManipulationsvorwĂŒrfen und der unbedeutenden Stellung des Parlamentes sowie des PrĂ€sidenten als undemokratisch kritisiert. Der iranische Staat kontrolliert nahezu jeden Aspekt des tĂ€glichen Lebens in Hinblick auf religiöse und ideologische KonformitĂ€t und durchdringt so das Leben aller BĂŒrger und beschneidet die Freiheit des Einzelnen. Es gibt im Iran keine umfassende Presse- oder Meinungsfreiheit. Seit der Islamischen Revolution haben sich die guten Beziehungen zu westlichen Staaten in eine offene Feindschaft gewandelt, die vor allem bezĂŒglich der ehemals befreundeten USA und Israel auch fest in der Staatsideologie verankert ist. Der Iran ist außenpolitisch weitgehend isoliert, gleichzeitig eine Regionalmacht im Nahen Osten.

Neben ethnischen Persern leben im Iran zahlreiche andere Völker, die ihre eigene sprachliche und kulturelle IdentitĂ€t besitzen. Die Amtssprache ist Persisch. Die grĂ¶ĂŸten ethnischen Gruppen nach den Persern sind Aserbaidschaner, Kurden und Luren. Die Völker des Iran verfĂŒgen ĂŒber lange Traditionen in Kunsthandwerk, Architektur, Musik, Kalligraphie und Poesie; im Land befinden sich zahlreiche StĂ€tten des UNESCO-Welterbes.

Durch seine BodenschĂ€tze, allen voran die grĂ¶ĂŸten Erdgas- und die viertgrĂ¶ĂŸten ErdölvorrĂ€te der Welt, hat der Iran hohen Einfluss auf die Versorgung der Welt mit fossilen EnergietrĂ€gern. Abgesehen davon befand sich die iranische Wirtschaft, u. a. bedingt durch den hohen Anteil ineffizienter staatlicher Betriebe, durch Korruption und die Sanktionen im Gefolge des Konfliktes um das iranische Atomprogramm, lange in einer tiefen Krise.

Landesname

Seit frĂŒhester Zeit wurde das Land von seiner Bevölkerung als Irān (eine AbkĂŒrzung des mittelpersischen Ērān ĆĄahr) bezeichnet. Die altpersische Form dieses Namens, Aryānam XĆĄaΞra, bedeutet „Land der Arier“ (siehe auch Eran (Begriff)).

Die im Abendland bis ins 21. Jahrhundert gebrĂ€uchliche Bezeichnung Persien geht auf Pars (bzw. Parsa/Perser; damit verwandt „Parsen“), das Kernland der AchĂ€meniden zurĂŒck, die im 6. Jahrhundert v. Chr. ein erstes persisches Großreich schufen. Von den Griechen Persis genannt, bezeichnete es im Wesentlichen die heutige Provinz Fars um Schiras. Von ihr leitet sich auch das persische Wort FārsÄ« / ÙŰ§Ű±ŰłÛŒ /‚Persisch‘ fĂŒr die persische Sprache ab.

Im Jahr 1935 erhob der Schah Reza Chan „Iran“ zur offiziellen Bezeichnung.

Der geographische Begriff Iran bezieht sich auf das gesamte iranische Hochland.

Im Deutschen tritt das Wort sowohl mit bestimmtem mĂ€nnlichen Artikel („der Iran“) als auch artikellos auf. Das Centrum fĂŒr Nah- und Mitteloststudien der Philipps-UniversitĂ€t Marburg empfiehlt die auch in der deutschen Wissenschaftssprache ĂŒbliche Schreibung ohne Artikel. Das deutsche AuswĂ€rtige Amt verwendet den Artikel ebenfalls nicht.

Geographie

Der Iran grenzt an sieben Staaten: im Westen und Nordwesten an den Irak (Grenzlinie 1609 Kilometer), die TĂŒrkei (511 Kilometer), Aserbaidschan (800 Kilometer) und Armenien (48 Kilometer), im Nordosten und Osten an Turkmenistan (1205 Kilometer) sowie im Osten und SĂŒdosten an Afghanistan (945 Kilometer) und Pakistan (978 Kilometer).

Der nördlichste Punkt des Iran liegt auf 39° 47â€Č nördlicher Breite und befindet sich etwa auf demselben Breitengrad wie Palma (Spanien). Der sĂŒdlichste Punkt liegt auf 25° nördlicher Breite und befindet sich etwa auf demselben Breitengrad wie Doha (Katar). Der westlichste Punkt liegt auf 44° 02â€Č östlicher LĂ€nge und damit etwa auf selber LĂ€nge wie Bagdad (Irak). Der östlichste Punkt liegt auf 63° 20â€Č östlicher LĂ€nge und damit ungefĂ€hr auf selber LĂ€nge wie Herat (Afghanistan).

Relief

Etwa zwei Drittel des Territoriums des Iran nimmt das Hochland des Iran ein, das seinerseits in eine Reihe verschiedener Becken zerfĂ€llt. Die Ausdehnung dieser Becken reicht von wenigen Quadratkilometer großen Bolsonen bis hin zu den riesigen Becken der Lut (130.000 kmÂČ) und der Großen Kawir (200.000 kmÂČ). Die Becken liegen, je nach ihrer tektonischen Vorgeschichte, zwischen 200 m und 1500 m ĂŒber dem Meeresspiegel. Die Becken sind voneinander durch Schwellen unterschiedlicher Höhe abgeteilt; einige setzen sich in Afghanistan und Pakistan fort.

Das Hochland wird im Westen, SĂŒdwesten und SĂŒden von den Gebirgen Zagros und Kuhrud begrenzt. Diese gewaltigen Faltengebirge bestehen aus mehreren nebeneinander in nordwest-sĂŒdöstlicher Richtung verlaufenden Gebirgsketten, zwischen denen steile TĂ€ler sind. Seine höchsten Gipfel sind der Zard Kuh (4571 m) und der Kuh-e-Dinar (4432 m). Der Zagros hat eine maximale Breite von 250 km und eine LĂ€nge von 1800 km (Makran-Ketten eingeschlossen) und zĂ€hlt zu den grĂ¶ĂŸten geschlossenen Faltengebirgsmassiven der Welt. Der Norden des Iran wird durch mehrere Gebirge geprĂ€gt. Im Nordwesten dominiert der armenisch-aserbaidschanische Gebirgsknoten mit dem großen Becken des Urmiasees. Daran schließt sich das 1200 km lange, vom Talysch-Gebirge bis an die turkmenische Grenze reichende Elburs-Kopet-Dag-System an. Hier befindet sich der mit 5670 m höchste Berg des Nahen Ostens, der ruhende, gletscherbedeckte Vulkan Damavand, wie auch der 4840 m hohe Alam-Kuh. Der Kopet-Dag ist ein mĂ€chtiges Faltengebirge auf der Grenze zum heutigen Turkmenistan. Die fast 6000 m Höhenunterschied vom Kaspischen Meer zum nur 60 km entfernten Damavand gehören zu den steilsten Anstiegen der Welt.

Es gibt nur wenige TieflĂ€nder im Iran. Am sĂŒdlichen Ufer des Kaspischen Meeres befindet sich ein 600 km langes, nur wenige Kilometer breites KĂŒstentiefland. Östlich schließt sich die turkmenische Steppe an, westlich die Mugansteppe. Im SĂŒdwesten gehört ein kleiner Teil des mesopotamischen Tieflandes zum Iran, von dort verlĂ€uft ein schmaler, flacher, unfruchtbarer KĂŒstensaum entlang des persischen Golfes.

Geologie und Böden

Der Iran liegt auf dem Alpidischen GebirgsgĂŒrtel, zu dem allen voran das Zagros-Gebirge zĂ€hlt. Das iranische Hochland hingegen besteht aus einem prĂ€kambrischen Schild, der als Erweiterung des Arabischen Schildes gilt. Aus Sicht der Plattentektonik war das Gebiet des heutigen Iran einstmals Teil von Gondwanaland, das sich in der spĂ€ten Kreidezeit in seine heutige Position bewegt hat. Die Kollision mit der arabischen Platte hat zu starker vulkanischer und seismischer AktivitĂ€t gefĂŒhrt, in deren Zuge die Gebirgsbildung stattfand. Dies erklĂ€rt, warum die Gebirge des Iran teilweise starke Merkmale der prĂ€kambrischen Gebirge aufweisen, und warum es keine Gebirge gibt, die zwischen PrĂ€kambrium und Trias entstanden wĂ€ren. Die Sedimente sind im Zentraliran im Schnitt 3000 bis 4000 Meter dick, terrestrischen Ursprunges und homogen. Diese Sedimente lagern teils direkt auf dem prĂ€kambrischen Gestein, teils auf im Trias erodierten LandflĂ€chen.

Die fortwĂ€hrende Gebirgsbildung fĂŒhrt dazu, dass sich hĂ€ufig Erdbeben im Iran ereignen. Speziell die 1600 km lange und 250 km breite Zagros-Verwerfungslinie ist seismisch extrem aktiv. Hier kommt es im Durchschnitt einmal jĂ€hrlich zu stĂ€rkeren Erdbeben, die jedoch in der Regel keine katastrophischen Ausmaße annehmen. Die von Starkbeben hĂ€ufig betroffenen Gebiete liegen entlang des sogenannten „Iranischen Halbmondes“, eine Region entlang der Nord- und Ostgrenzen des Landes, von West-Aserbaidschan bis Makran. Hier befinden sich zahlreiche kleinere Störungen und Verwerfungen, die teils geologisch jung sind und sich durch unregelmĂ€ĂŸig auftretende Beben auszeichnen. Perioden mit hoher Bebenzahl wechseln sich ab mit langen Ruhephasen. Die ohnehin schwierige Vorhersage von Erdbeben ist dadurch nicht möglich.

Als gefĂ€hrdetste Gegend des Landes gilt die Region um TĂ€bris, in der es bereits mehrfach besonders schwere Beben gab, letztmals im Jahr 2012. Es gibt Anzeichen, dass sich die BebenaktivitĂ€t zwischen Nordwesten und Osten abwechselt und dass momentan der Nordwesten eine Phase relativer Ruhe hat, dafĂŒr die BebenaktivitĂ€t im Osten ihren Höhepunkt erlebt. Die letzten verheerenden Beben mit Tausenden Todesopfern ereigneten sich in Tabas (1978), Rascht (1990) und Bam (2003).

Auf dem Hochland des Iran dominieren Kies- und SteinwĂŒsten mit sterilen WĂŒstenböden, SanddĂŒnen und saline Böden. In den Endbecken finden sich meist Salz- oder Gipskrusten, weitflĂ€chig findet man Serir- oder Hammada-OberflĂ€chen, bei denen das Feinmaterial aufgrund der Vegetationsfreiheit ausgeweht wird. Der Humusanteil dieser Böden liegt meist unter 0,5 %.

Zwischen den Bergketten vereinigen sich mehrere Bodentypen zu Catenen, die Talböden haben meist FĂŒllmaterial aus Schwemmböden und braunen Steppenböden, dadurch erlauben sie landwirtschaftliche Nutzung. Im kaspischen Tiefland dominieren Schwemmböden, braune Wald- und Steppenböden, Regosole und Lithosole; in der Turkmenischen Steppe kommen Lössböden vor.

GewÀsser

Im Norden grenzt der Iran auf einer LĂ€nge von 756 Kilometern an das Kaspische Meer, den grĂ¶ĂŸten See der Erde, gleichzeitig ein Endsee. Im SĂŒden und SĂŒdwesten hat das Land eine 2045 Kilometer lange KĂŒste zum Golf von Oman und zum Persischen Golf, die voneinander durch die Straße von Hormus getrennt sind. In dieser fĂŒr den Transport von Erdöl wichtigen Meerenge bei Bandar Abbas liegen nahe der iranischen KĂŒste die Insel Qeschm und die namensgebende kleine Insel Hormus. Die Entfernung vom iranischen Festland zur Arabischen Halbinsel (Oman und Vereinigte Arabische Emirate) betrĂ€gt hier kaum 50 Kilometer.

Es gibt etwa 1300 kurze, meist geradlinig verlaufende FlĂŒsse, die die Nordflanken der Gebirge Talysch und Elburs entwĂ€ssern und in das Kaspische Meer mĂŒnden. Die grĂ¶ĂŸten sind Sefid Rud, Tschalus, Gorgan und Atrak. Die wichtigsten FlĂŒsse, die aus dem Zagros in Richtung des persischen Golfes fließen, sind Karun, Karche, Dez und Schatt al-Arab. Sie fĂŒhren im FrĂŒhling am meisten Wasser und können an ihren UnterlĂ€ufen verheerende Überschwemmungen verursachen. Im Sommer ist die WasserfĂŒhrung am niedrigsten mit nur einem Zehntel jener des FrĂŒhlings.

Zwei Drittel des Territoriums werden nicht in Richtung eines Meeres entwĂ€ssert. In den ariden Becken des iranischen Hochlandes fĂŒhrt kaum ein Fluss ganzjĂ€hrig Wasser, wie der Zayandeh Rud. Nach NiederschlĂ€gen fließt das Wasser durch FlĂŒsse oder BĂ€che aus dem Gebirge und versickert dort meist in Schotterfeldern, seltener mĂŒndet es in Seen, die dann hĂ€ufig salzhaltig sind. Zu solchen Seen gehören der Urmiasee, der Hamun-See, der Bachtegansee und der Maharlu-See.

Die Schotter-, Kalk- und Sandsteinschichten im Untergrund bergen hĂ€ufig Grundwasser. Deshalb gibt es in den gebirgigen Landesteilen zahlreiche Quellen, teils artesische Quellen. Die Menschen machen sich bereits seit 800 v. Chr. mittels Qanaten das Grundwasser nutzbar. FrĂŒher wurden alle menschlichen Siedlungen im ariden Gebiet mithilfe von Qanaten mit Wasser versorgt. Seit den 1950er Jahren werden verstĂ€rkt Brunnen und DĂ€mme gebaut, wobei das Absinken des See- und Grundwasserspiegels, die Erschöpfung von WasservorrĂ€ten und die Aufsedimentierung von Staubecken die Hauptprobleme fĂŒr die Wasserversorgung der Zukunft darstellen. Im Fokus von UmweltschĂŒtzern ist vor allem der stark salzhaltige Urmiasee, der zeitweise Pelikanen und Flamingos als Lebensraum dient, jedoch von fortschreitender Austrocknung bedroht wird. Die iranische Regierung hat deshalb 900 Mio. $ fĂŒr die Rettung des Sees freigegeben.

Klima

Das Klima in Iran wird im Winter durch die Interaktion von Kaltluftströmungen aus Zentralasien und Sibirien einerseits und feuchtwarmen mediterranen Luftmassen andererseits beeinflusst. Im Sommer weht konstant nordöstlicher Passatwind aus dem trocken-heißen Zentralasien. Durch diese Wetterlagen und die geographischen VerhĂ€ltnisse des Landes ist das Klima regional sehr unterschiedlich.

Die Bergregionen des Nord- und Westiran erhalten durch feuchte Westströmungen im SpĂ€therbst und Winter relativ viel Niederschlag, besonders an den WesthĂ€ngen des Zagros. Mit zunehmender Höhe nimmt hier die HumiditĂ€t zu. Die Höhenlage und die relative Meeresferne bedingen sehr kalte Winter und große Sommerhitze. Das Hochland des Iran liegt im Regenschatten der Gebirge, es ist daher ĂŒberall trocken bis dĂŒrr mit geringer Luftfeuchtigkeit und großen Schwankungen der jĂ€hrlichen Niederschlagsmenge. Die Temperaturen sind im Jahresmittel deutlich höher als in den Bergregionen, haben aber auch eine große Amplitude: extremer Hitze im Sommer, wo Werte ĂŒber 45 °C keine Seltenheit sind, stehen zum Teil strenge Fröste im Winter gegenĂŒber. Entlang der GolfkĂŒste und in Chuzestan herrscht nie Frost. Die Winter sind mild, die Sommer sehr heiß und oft schwĂŒl, die Luftfeuchtigkeit ganzjĂ€hrig sehr hoch, NiederschlĂ€ge fallen jedoch extrem selten. Das Klima des kaspischen KĂŒstentieflandes unterscheidet sich grundlegend vom Rest des Landes. Die aus Nordost wehenden Winde laden sich ĂŒber dem Kaspischen Meer mit Feuchtigkeit auf, stauen sich an den Bergmassiven und regnen dort ab. Somit ist diese Region ganzjĂ€hrig humid bei teils sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Das Klima ist mild im Winter und warm im Sommer, die Extremtemperaturen sind gegenĂŒber dem Hochland deutlich reduziert.

Zu den meteorologischen Besonderheiten gehören der mit großer Konstanz zwischen Mai und September wehende Nordwestwind der 120 Tage, der im Osten und SĂŒdosten des Iran aufgrund seines hohen Staubanteils fĂŒr Mensch und Vegetation Ă€ußerst ungĂŒnstig ist. Im Hochland, wo durch fehlende Vegetation lokale Luftdruckunterschiede markant sein können, sind regelmĂ€ĂŸig Staubtromben beobachtbar.

StÀdte

Bereits in der Antike gab es im heutigen Iran stĂ€dtische Siedlungen. Von vielen der frĂŒhen StĂ€dte, wie Susa, Bischapur oder den ResidenzstĂ€dten Pasargadae und Persepolis, sind jedoch nur Ruinen erhalten, andere sind spurlos verschwunden. Typisch fĂŒr den Iran ist, dass die StĂ€dte außerhalb der Regionen mit genĂŒgend Niederschlag entlang der Handelswege entstanden sind, etwa entlang der Linie Zandschan – Qazvin – Teheran – Semnan – Dāmghān – Maschhad – Herat, oder Yazd – Kerman. Im SĂŒden und SĂŒdosten des Landes war die Tendenz der Stadtentwicklung am wenigsten ausgeprĂ€gt. FĂŒr die Standortwahl war immer die NĂ€he zu Wasserquellen, die man mit Hilfe von Qanaten nutzbar machen konnte, entscheidend. An Orten, die leicht zu verteidigen gewesen wĂ€ren, bauten die Iraner fast nie. Die typische persische Stadt in islamischer Zeit hatte den Basar und die Freitagsmoschee als Zentrum, darum lagen Karawansereien und die Wohnviertel; all dies war von Stadtmauern und befestigten Toren umschlossen.

Die Urbanisierung begann sich in Teheran bereits im 19. Jahrhundert, im Rest des Landes in den 1920er Jahren zu beschleunigen, wobei Teheran und die StĂ€dte rund um Teheran das grĂ¶ĂŸte Wachstum verzeichneten. Die Stadtmauern wurden versetzt oder abgerissen, breite Straßen und neue Wohnviertel gebaut. Durch die zentrale Vorgabe dieser Umgestaltungen erhielten die iranischen StĂ€dte ein relativ uniformes Stadtbild. Die neuen Viertel und die neu errichtete Infrastruktur folgten in der Regel westlichen Konzepten von Stadtplanung und Architektur. Auch der Kontrast zwischen arm und reich spiegelte sich nun im Stadtbild, was zuvor kein Merkmal persischer StĂ€dte gewesen war. Bis in die 1970er Jahre verkamen die historischen Stadtzentren, erst die hohen Einnahmen aus der Erdölförderung und das gestiegene Bewusstsein fĂŒr die Wichtigkeit des architektonischen Kulturerbes fĂŒhrten ab 1973 zu Sanierungsprogrammen. Nach der Islamischen Revolution wuchsen die StĂ€dte weiter, zuletzt hat sich dieser Trend jedoch abgeschwĂ€cht.

Die VolkszĂ€hlung des Jahres 2011 ergab, dass es im Iran acht MillionenstĂ€dte gibt: Teheran (8.154.051 Einwohner), Maschhad (2.766.258), Isfahan (1.756.126), Karadsch (1.614.626), TĂ€bris (1.494.998), Schiras (1.460.665), Ahwaz (1.112.021) und Ghom (1.074.036). Weitere bedeutende StĂ€dte finden sich in der Liste der GroßstĂ€dte im Iran.

Flora und Vegetation

Die natĂŒrliche Vegetation des Iran ist durch jahrhundertelange Nutzung durch den Menschen weitgehend zerstört. Sie lĂ€sst sich in AbhĂ€ngigkeit von geographischen Faktoren in vier Zonen einteilen. Die WĂŒsten und HalbwĂŒsten haben, wo der Boden nicht ganz steril ist, ein Pflanzenkleid, das meist weniger als ein Drittel des Bodens bedeckt. Es besteht aus WermutstrĂ€uchern, Rheum ribes, verschiedenen Tragant-Arten, Dorema Ammoniacum, der begehrten Futterpflanze Prosopis farcta und dem Gehölz Zygophyllum atriplicoides. GrĂ€ser sind wegen Überweidung selten anzutreffen, zur natĂŒrlichen Flora gehören FedergrĂ€ser und Stipagrostis-Arten.

In den TrockenwĂ€ldern des Landes, die den Zagros und andere Gebirge bedecken, kommen verschiedene Eichen, Ahorne, Hainbuchen, kĂ€lteresistente Wacholder, Eschen, Paliurus, Oleander und Myrten vor; unter den StrĂ€uchern dominieren GranatapfelstrĂ€ucher, Weißdorne, Zwergmispeln, Prunus-Arten und RosengewĂ€chse. Mit zunehmender Trockenheit, besonders an den BerghĂ€ngen im Hochland des Iran, gehen die TrockenwĂ€lder in sehr lichte Bergmandel-Pistazien-Baumfluren ĂŒber, in denen auch besonders an Trockenheit angepasste Ziziphus-, Akazien- und sukkulente Arten vorkommen. FĂŒr Belutschistan ist die ZwergfĂ€cherpalme typisch; der Boden wird in den TrockenwĂ€ldern wiederum von Tragant- und Wermutpflanzen bedeckt.

Zwischen dem Elburs-Gebirge und dem Kaspischen Meer finden sich die einzigen FeuchtwĂ€lder des Iran, sie werden biogeographisch als Hyrcanischer Wald oder Kaspischer Wald bezeichnet. Sie sind Ă€ußerst artenreich und neigen wegen ihrer Schlingpflanzen zur Undurchdringlichkeit. Zur Flora dieser WĂ€lder gehören BĂ€ume wie die KastanienblĂ€ttrige Eiche, der Eisenbaum, Ulmen, Buchen, Ahorne, BuchsbĂ€ume oder Brombeeren; zahlreiche der Arten sind in der Region endemisch; die UrwĂ€lder der Orient-Buche haben sich in dieser Ausdehnung nur im Ă€ußersten Osten des Buchenareals erhalten. In Sonderlagen findet man auch ZypressenwĂ€lder. Die Hyrcanischen WĂ€lder sind ein Hotspot im Rahmen des CBD-Prozesses (Convention on Biological Diversity). Das Parrotia-Projekt des Iran, des deutschen Bundesamtes fĂŒr Naturschutz und der Michael-Succow-Stiftung soll zur Anerkennung der Hyrcanischen WĂ€lder als Weltnaturerbe der UNESCO und zu einem nachhaltigen Schutz- und Nutzungskonzept fĂŒhren.

Sonderformen von Vegetation befinden sich beispielsweise in den Endbecken, wo halophytische Marsch- und Sumpfpflanzen gedeihen. Entlang der FlĂŒsse findet man teilweise Galeriewald aus Weiden und Pappeln. In den SanddĂŒnen existieren BestĂ€nde von Saxaul, Calligonum-Arten und TamariskengewĂ€chsen.

Tierwelt

Die Tierwelt im Iran ist sehr vielfĂ€ltig und spiegelt die verschiedenen Vegetationszonen und die geographische Lage des Landes wider. Zur Großtierfauna zĂ€hlen Steppen- und HalbwĂŒstenbewohner wie Gazellen und Halbesel ebenso wie Wildschafe und Wildziegen als typische Gebirgstiere, aber auch Stachelschweine. In den WĂ€ldern des Landes kommen Rothirsche vor. Einige BraunbĂ€ren, Geparde, Luchse und Leoparden halten sich noch in entlegenen Gegenden, der Kaspische Tiger und der persische Löwe wurden im Iran dagegen ausgerottet. HyĂ€nen, Schakale und FĂŒchse ĂŒbernehmen eine wichtige natĂŒrliche Hygienefunktion. An der SĂŒdkĂŒste des Kaspischen Meeres gibt es Lagunen mit sehr hoher Vielfalt an Vogelarten, im Landesinneren kommen Fasane, RebhĂŒhner und SteppenhĂŒhner vor, die auch bejagt werden. Zu den iranischen Greifvogelarten gehören Steinadler, Falken, Bartgeier und LĂ€mmergeier. Die einzige im Iran endemische Vogelart ist der PleskehĂ€her. Die Fischerei an der KĂŒste des Kaspischen Meeres ist von hoher wirtschaftlicher Bedeutung, befischt wird vor allem der Stör fĂŒr die Gewinnung von Kaviar, darĂŒber hinaus werden MeerĂ€schen und Weißfische gefangen. In den kalten BergbĂ€chen von Albors und Zagros werden auch Forellen gefischt. Ein erstaunliches PhĂ€nomen ist das natĂŒrliche Vorkommen kleiner Fische in den Qanaten der WĂŒstengegenden.

Der Iran verfĂŒgt ĂŒber mehrere Schutzgebiete, wie das Arasbaran-Schutzgebiet, das Touran-Schutzgebiet, den Golestan-Nationalpark und den Kawir-Nationalpark. Auf einer Insel im Urmiasee wurde eine Population des Mesopotamischen Damhirschs angesiedelt, der in freier Wildbahn ausgestorben war.

Umweltproblematik

Die beschleunigte Industrialisierung des Iran hat zu einer umfassenden Luftverschmutzung in Teheran und anderen großen StĂ€dten gefĂŒhrt. Eine weitere Folge ist der enorme Anstieg des Energieverbrauchs. Der Iran zĂ€hlt zu den energieintensivsten LĂ€ndern der Welt. Dies ist einerseits auf das Fehlen fortschrittlicher Infrastrukturen sowie staatlicher Subventionen an EnergietrĂ€ger und andererseits auf ein ineffizientes Konsumverhalten der Bevölkerung zurĂŒckzufĂŒhren.

Wie das iranische Gesundheitsministerium 2010 bekannt gab, ist die Luftverschmutzung mittlerweile so gravierend hoch, dass sich der Anteil der Menschen, die sich mit schweren Atembeschwerden in die Notaufnahmen der KrankenhÀuser begeben, um 19 % erhöht hat. So waren in den ersten neun Monaten des Jahres 2010 mindestens 3600 Menschen allein in Teheran an den Folgen der Luftverschmutzung verstorben.

Die damalige Gesundheitsministerin Marsieh Wahid Dastdscherdi berichtete zudem, dass die iranische Regierung außer der Schließung von Organisationen und Schulen keine anderen Lösungen parat halte, um die Umweltprobleme der großen StĂ€dte im heutigen Iran anzugehen. Im Gegensatz zum Gesundheitsministerium scheint die iranische Regierung weniger Bedenken zu haben. Diese fördert unaufhörlich, auch aufgrund ihrer eigenen Anteile in der Automobilindustrie, die Pkw-Verkaufszahlen, wobei allein in Teheran mittlerweile ĂŒber 3,5 Millionen Fahrzeuge das Straßenbild prĂ€gen.

Das iranische Atomprogramm verursacht ebenfalls ernsthafte Probleme in den die Atomanlagen umgebenden Gebieten, einschließlich Wasserquellen, Flora und Fauna. DarĂŒber hinaus ist die regionale Lage mehrerer Atomanlagen sehr beunruhigend. Das Kernkraftwerk Buschehr, das im November 2010 gestartet wurde, befindet sich zum Beispiel in einem seismisch besonders bedrohten Areal. Dieses wurde genau auf der Kreuzung dreier Platten (arabischen, afrikanischen und eurasischen) erbaut. Experten argumentieren, dass ein Erdbeben am und im GebĂ€ude solche SchĂ€den hinterlassen könnte, die dem Ausmaß der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl entsprechen wĂŒrden. Der kuwaitische Geologe Dschasem al-Awadi hat davor gewarnt, dass die strahlenden Lecks eine ernsthafte Bedrohung fĂŒr die Golfregion, insbesondere Kuwait, das nur 276 km von der Anlage Buschehr entfernt ist, darstellen wĂŒrden.

Der Iran sandte zwar eine Delegation unter der Leitung des damaligen PrĂ€sidenten Ahmadineschād zur Konferenz der Vereinten Nationen ĂŒber nachhaltige Entwicklung 2012 nach Rio de Janeiro. Die iranische Teilnahme an dem Gipfel sah sich jedoch der Kritik ausgesetzt, dass sich der Iran nicht mit seinen Umweltproblemen befassen will.

Aufgrund der Sanktionen gegen das Land wird am ideologisierten Ziel der Selbstversorgung festgehalten. Dabei wird der grĂ¶ĂŸte Teil des verfĂŒgbaren Wassers im trockenen Land in einer ineffizienten Ackerwirtschaft eingesetzt. Das Bewusstsein fĂŒr die katastrophalen Auswirkungen von Fluss-Umleitungen begann sich zwar zu verstĂ€rken und Aktivisten durften im Jahr 2017 die Regierung im Fernsehen kritisieren. Andererseits existiert eine Lobby von Baugesellschaften, welche solche Werke bauten. Kaveh Madani, wĂ€hrend weniger Monate vom September 2017 bis Januar 2018 stellvertretender Leiter des iranischen Umweltdepartements, prĂ€gte den Begriff des „iranischen Wasserbankrotts“.

Bevölkerung

Der Iran hat heute eine Einwohnerzahl, die etwa jener Deutschlands entspricht, die sich jedoch auf ein viereinhalb Mal so großes Territorium verteilt. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte betrĂ€gt somit 46 Einwohner/kmÂČ. Die Verteilung der Einwohner ist jedoch sehr ungleichmĂ€ĂŸig. Die Gebiete, die hinsichtlich ihrer Umweltbedingungen bevorzugt sind, weisen eine sehr hohe Bevölkerungsdichte auf, etwa die Provinzen am Kaspischen Meer (Provinzen Gilan und Mazandaran mit 177 bzw. 129 Einwohner/kmÂČ) oder entlang des Alborz (Provinzen Teheran und Alborz mit 890 bzw. 471 Einwohner/kmÂČ). DemgegenĂŒber sind die von WĂŒsten dominierten Landstriche Ă€ußerst dĂŒnn oder gar nicht besiedelt: in Semnan, SĂŒd-Chorasan und Yazd leben nur 6, 7 bzw. 8 Menschen auf einem Quadratkilometer.

Bevölkerungsentwicklung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Iran weniger als 12 Millionen Einwohner, von denen 25 bis 30 % nomadisch lebten und nur 15 % in StĂ€dten. Bis 1976 war die Bevölkerung auf 33,7 Millionen Menschen angewachsen. Die letzte VolkszĂ€hlung im Jahr 2016 ergab schließlich knapp 80 Millionen Personen. Die Stadtbevölkerung war bis 1956 auf etwa ein Drittel und bis 1976 auf knapp die HĂ€lfte der Gesamtbevölkerung angestiegen; 2011 lebten 70 % aller Iraner in StĂ€dten.

FĂŒr das starke Anwachsen der Bevölkerung ist vor allem die deutlich gestiegene Lebenserwartung verantwortlich: Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Menschen im Schnitt knapp 30 Jahre alt und die Kindersterblichkeit lag bei 50 %. Im Jahre 2015 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung hingegen 76,2 Jahre fĂŒr Frauen und 74,0 Jahre fĂŒr MĂ€nner. Gleichzeitig verharrte die FertilitĂ€t lange auf sehr hohem Niveau: Im Jahr 1956 bei durchschnittlich 7,9 Kindern pro Frau, und im Jahr 1986 bei 6,39 Kindern pro Frau. Sie ist seitdem sehr stark gesunken und lag im Jahr 2008 bei nur noch 1,81 Kindern pro Frau. 2018 lag die FertilitĂ€t bei 2,1 und somit ungefĂ€hr auf Bestandserhaltungsniveau. Der Welt-Durchschnitt lag 2018 bei 2,42. Nur in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg kann man einen schnelleren RĂŒckgang der FertilitĂ€t beobachten. Aufgrund dessen hat sich das natĂŒrliche Bevölkerungswachstum verlangsamt, im Zeitraum von 2010 bis 2013 lag es bei 1,1 % pro Jahr. Diese Bevölkerungsentwicklung resultiert in einer im Durchschnitt zwar nach wie vor sehr jungen, aber stetig alternden iranischen Bevölkerung. WĂ€hrend das Durchschnittsalter der Iraner im Jahr 1976 noch bei 22,4 Jahren lag, betrug es 2011 bereits 29,86 Jahre und steigt somit pro Jahrzehnt um etwa zwei Jahre. Drei Viertel der Iraner sind unter 40 und 55 % der Iraner unter 30 Jahren alt.

Im gleichen Zeitraum stieg die Anzahl der Haushalte ĂŒberproportional an, so dass die durchschnittliche GrĂ¶ĂŸe eines iranischen Haushaltes von fĂŒnf Personen im Jahr 1976 auf nur noch 3,5 Personen im Jahr 2011 sank.

Migration

Es wird geschĂ€tzt, dass heute etwa vier Millionen iranischstĂ€mmige Menschen außerhalb des Iran leben; im Jahr 2010 lebten etwa 1,3 Million iranische Staatsangehörige, etwa 1,7 % der Bevölkerung, außerhalb des Landes. Zu den wichtigsten Zielstaaten iranischer Auswanderer gehören die USA, Kanada, die nördlichen EU-Staaten, Israel und die reichen Anrainerstaaten des persischen Golfes wie Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate. Da unter den Auswanderern sehr viele gut ausgebildete junge Menschen sind, scheinen die Verluste durch Emigration fĂŒr die iranische Wirtschaft massiv: JĂ€hrlich sollen rund 50 Milliarden US-Dollar durch den Braindrain verlorengehen. Die aus dem Exil jĂ€hrlich in den Iran zurĂŒckfließenden Gelder summieren sich auf etwa 1,1 Milliarden US-Dollar. Die heimatverbundene iranische Diaspora ist ĂŒber persischsprachige Radio- und Fernsehsender sowie Blogs zudem wichtiger Bestandteil der Meinungsbildung der iranischen Bevölkerung.

Der Iran ist auch Ziel von Immigration. Die VolkszĂ€hlung 2011 ergab, dass knapp 1,7 Millionen AuslĂ€nder im Iran lebten, davon waren knapp die HĂ€lfte als FlĂŒchtlinge gekommen. Der Großteil der AuslĂ€nder (1,45 Millionen) kam aus Afghanistan. Afghanen migrieren bereits seit vielen Jahrzehnten in den Iran, einerseits als Arbeitsmigranten, jedoch seit dem sowjetischen Einmarsch und den nachfolgenden Kriegen verstĂ€rkt als FlĂŒchtlinge. Da viele Afghanen eine Variante des Persischen sprechen und auch einen sehr Ă€hnlichen kulturellen und religiösen Hintergrund haben, fĂ€llt es ihnen relativ leicht, sich im Iran zu integrieren und sich bei VolkszĂ€hlungen als Perser auszugeben; die Zahl der Afghanen könnte somit deutlich höher liegen. Gleichwohl sehen sich Afghanen im Iran auch Diskriminierungen ausgesetzt. Neben den Afghanen leben etwa 50.000 Iraker und 17.000 Pakistaner im Iran, weitere HerkunftslĂ€nder von Immigranten sind Aserbaidschan, die TĂŒrkei, Armenien und Turkmenistan.

Ethnien

Die vermittelnde Lage des Iran zwischen Zentralasien, Kleinasien, Arabien und dem indischen Subkontinent hat zu einer hohen ethnischen Vielfalt gefĂŒhrt. Indogermanische Gruppen wanderten vermutlich vom Norden her in das iranische Hochland ein und erreichten den Zagros zu Beginn des ersten Jahrtausends v. Chr. Die Meder waren das erste iranische Volk, das ein stabiles Reich auf iranischem Territorium errichten konnte. Nach der Eroberung des Iran durch die Araber ließen sich Araber ĂŒberall im Land nieder und vermischten sich mit der ansĂ€ssigen Bevölkerung; viele iranische Familien können ihre arabische Herkunft anhand ihrer Namen nachweisen. Im 11. Jahrhundert begannen tĂŒrkische StĂ€mme in immer neuen SchĂŒben in den heutigen Iran einzuwandern. Sie prĂ€gten vor allem mit ihrer nomadischen Lebensweise weite Landstriche des Iran bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts; sie siedelten sich letzten Endes vor allem im Nordwesten des Landes an, wo das Klima fĂŒr die nomadische Viehzucht am geeignetsten ist.

Die Völker indogermanischen Ursprungs dominieren das Land heute zahlenmĂ€ĂŸig. Zwischen 60 und 65 % der Bevölkerung zĂ€hlen sich zu den Persern; das iranische Hochland ist fast ausschließlich persisch besiedelt. Westlich des persischen Siedlungsgebietes leben Kurden, die 7 bis 10 % der Gesamtbevölkerung ausmachen, eine dem Persischen verwandte Sprache sprechen und grĂ¶ĂŸtenteils dem sunnitischen Islam anhĂ€ngen, und die ĂŒberwiegend schiitischen Luren (6 % der Bevölkerung des Iran). Im Osten des Iran leben die ebenfalls sunnitischen Belutschen, die 2 % der Bevölkerung bilden. Kleinere indogermanische Völker sind z. B. die Bachtiaren.

Zu den turksprachigen Völkern gehören vor allem die zumeist schiitischen Aserbaidschaner (Azeri), die 17 bis 21 % der Bevölkerung des Iran ausmachen und im Nordwesten des Landes wohnen. Die meist sunnitischen Turkmenen bewohnen die nördlichen Steppengebiete, darĂŒber hinaus gibt es zahlreiche ĂŒber das ganze Land verstreute Inseln tĂŒrkischstĂ€mmiger Bevölkerungsgruppen, zu denen die Kaschgai gehören.

Die Araber des Iran leben im SĂŒdwesten an der Grenze zum Irak; sie machen etwa 2 bis 3 % der Gesamtbevölkerung aus. Im Iran lebt außerdem eine große Zahl sehr kleiner Ethnien, die teils schon vor der Ankunft der Perser im Iran siedelten (wie die Assyrer) oder in mehreren Wellen, teilweise vor Jahrhunderten, ins Land kamen (wie die Armenier).

Die verfĂŒgbaren Zahlen zur ethnischen Zusammensetzung der iranischen Bevölkerung variieren stark, weil seitens des iranischen Staates keine Daten ermittelt und veröffentlicht werden. Nicht zuletzt fĂŒhren die heute zur NormalitĂ€t gehörenden Mischehen zu einer gewissen Verwischung der ethnischen Grenzen. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch sprachlich die Zuordnung zu ursprĂŒnglichen Ethnien nicht immer möglich ist, da inzwischen weite Teile der Minderheiten vor allem sprachlich an die persische Mehrheitskultur assimiliert sind.

Sprachen

Im Vielvölkerstaat Iran werden verschiedene Sprachen gesprochen. Die Amtssprache ist Persisch. Sie gehört zur Familie der indogermanischen Sprachen und hat somit keine gemeinsamen Wurzeln mit dem Arabischen, wenngleich Persisch zahlreiche Lehnwörter aus dem Arabischen aufgenommen hat und mit einem vom Arabischen abgeleiteten Alphabet geschrieben wird. Persisch wird nur von mehr als der HĂ€lfte der Iraner als Erstsprache gesprochen; auf der iranischen Hochebene sprechen fast alle Einwohner Persisch. Als Mutter- oder Zweitsprache beherrschten im Jahr 2000 85 % der Iraner Persisch, weitere 5 % konnten es verstehen, und nur 10 % beherrschten es ĂŒberhaupt nicht. Noch in den 1930er Jahren konnte jede Ethnie nur ihre eigene Sprache sprechen; ins MilitĂ€r eingezogene Rekruten mussten daher zunĂ€chst ein halbes Jahr Persisch lernen.

Der Teil der Bevölkerung, dessen Muttersprache nicht Persisch ist, zerfĂ€llt in mehrere Sprachgruppen, die vor allem in der Peripherie, entlang der Grenzen, lebt. Zu den Minderheitensprachen gehören solche, die mit dem Persischen verwandt sind wie das Kurdische, Mazandaranische, Gilaki, Paschtunische, Lurische, Bachtiarische, Belutschische und Talische; insgesamt sprechen etwa 70 % der Iraner eine indo-iranische Sprache. Turksprachen werden je nach Quelle von circa 18 bis 27 % der Iraner vor allem im Nordwesten und Nordosten des Landes gesprochen; dazu gehören das Aserbaidschanische, aber auch Turkmenisch, Kaschgaisch, Chorasan-TĂŒrkisch und Afscharisch. Die arabische Sprache wird im Iran von etwa 2 % der Bevölkerung gesprochen. Als Sprache des Korans wird sie aber von allen Kindern in der Schule erlernt. Da Mehrsprachigkeit bei den Iranern heutzutage eine SelbstverstĂ€ndlichkeit ist, liegen zur genauen Verteilung der Sprecher auf die vielen verschiedenen Sprachen sehr divergierende Zahlen vor. Zu in Iran gesprochenen persischen Dialekten gehört unter anderem das Bandari und das Sistani sowie das Chuzi (in der Provinz Fars). Auch dardische Dialekte wie Kohestani werden gesprochen.

Die persische Sprache ist in der iranischen Verfassung als alleinige Amts- und Bildungssprache festgelegt. Es ist jedoch erlaubt, die Minderheitensprachen neben dem Persischen an den Schulen zu unterrichten. Englisch ist nach dem Arabischen zweite Fremdsprache an den Schulen.

Religion

Trotz Modernisierung und einer 50 Jahre dauernden SĂ€kularisierung unter den Pahlavi ist der Iran heute ein Staat, in dem die Religion fast jeden Aspekt des sozialen Lebens durchdringt. Die VolkszĂ€hlung des Jahres 2011 ergab, dass 99,4 % der BĂŒrger des Iran Muslime sind. Es wird geschĂ€tzt, dass sich 89 % bis 95 % der Iraner der Staatsreligion der Zwölfer-Schia und die verbleibenden 4 % bis 10 % dem sunnitischen Islam zuordnen. Eine Untersuchung des Instituts GAMAAN von 2020 kam zu einem deutlich anderen Ergebnis. Demnach beschreiben sich 32 % der iranischen Bevölkerung als Schiiten, 9 % als Atheisten, 8 % als Zoroastrier, 7 % als spirituell, 6 % als Agnostiker und 5 % als Sunniten. Kleinere Anteile bezeichnen sich als Sufis, Humanisten, Christen, Bahais und Juden, 22 % identifizieren sich mit keiner dieser Weltanschauungen.

Das Bekenntnis zum Schiitentum gehört zu den Eigenschaften, die den Iran am stĂ€rksten von seinen Nachbarstaaten unterscheiden. Dabei sind die grundlegenden Inhalte wie der Glaube an einen einzigen, allmĂ€chtigen und ewigen Gott sowie an Mohammed als den letzten der Propheten, die Gott zu den Menschen gesandt hat, um seine Botschaft zu ĂŒberbringen, bei Schiiten und Sunniten identisch. Der fundamentale Unterschied zwischen diesen beiden Strömungen des Islams liegt in der Frage, wer zum FĂŒhren der islamischen Gemeinde legitimiert sei. Die Schiiten erkennen nur direkte Nachkommen des Propheten Mohammed als rechtmĂ€ĂŸige FĂŒhrer an und bezeichnen sie als Imame. Es lebten insgesamt zwölf Imame. Zentraler Glaubensinhalt der Zwölferschia ist der in Verborgenheit lebende zwölfte Imam, der eines Tages auf die Erde zurĂŒckkommen, den Islam in der ganzen Welt verbreiten und eine Ära einleiten wĂŒrde, die dem Ende der Welt vorausgeht. Die Imame und ihre Nachkommen werden von den Schiiten sehr verehrt. Um die GrĂ€ber dieser Personen und ihrer Verwandten wurden Schreine gebaut, von denen es mehr als eintausend im Iran gibt. Die bedeutenderen unter diesen HeiligtĂŒmern, wie der Imam-Reza-Schrein oder der Schrein der Fatima Masuma, sind Ziel von Pilgerfahrten; eine Praxis, die von den Sunniten abgelehnt wird. Eine weitere Besonderheit des schiitischen Bekenntnisses ist die Taghiyeh genannte Erlaubnis, seinen Glauben zu verheimlichen und religiöse Pflichten zu vernachlĂ€ssigen, wenn dem GlĂ€ubigen sonst Gefahr drohen wĂŒrde. Das sunnitische Bekenntnis ist vor allem unter Ethnien verbreitet, die in den Grenzgebieten zu den NachbarlĂ€ndern leben, wie den Kurden, Turkmenen oder Belutschen. Die schiitische FĂŒhrung betrachtet die iranischen Sunniten nicht als Minderheit, sondern als Muslime, die den FĂŒhrungsanspruch der Schiiten anerkannt haben, demzufolge stehen in mehrheitlich schiitisch bewohnten Gebieten auch nur schiitisch gefĂŒhrte Moscheen zur VerfĂŒgung.

Religiöse Minderheiten im heutigen Iran umfassen zwar nur sehr kleine Gruppen, die jedoch aus historischem und kulturellem Blickwinkel eine hohe Bedeutung aufweisen. Die Ă€lteste bekannte iranische Religion ist der Zoroastrismus. Sie wurde zwischen 1200 und 700 v. Chr. von Zarathustra gestiftet; Spielarten des Zoroastrismus galten unter den Sassaniden und Parthern als Staatsreligion. Vor allem der fĂŒr die damalige Zeit innovative Monotheismus und der religiöse Dualismus (Himmel und Hölle, Gott und Teufel) haben spĂ€ter entstandene Religionen beeinflusst. Einige iranische Feste, die heute noch gefeiert werden, enthalten zoroastrische Elemente, teils in synkretistischer Form. Die Verfassung erkennt die Zoroastrier als religiöse Minderheit an; bei der VolkszĂ€hlung 2011 bezeichneten sich mehr als 25.000 Personen als Zoroastrier. Ihre Zentren liegen in Yazd und Kerman, wo in den Feuertempeln nach wie vor heilige Flammen brennen.

Juden leben seit dem Altertum im heutigen Iran, umgekehrt hat der Iran in der jĂŒdischen Geschichte einen bedeutenden Platz, weil König Kyros II. die RĂŒckkehr jĂŒdischer Bevölkerungsteile aus dem babylonischen Exil ermöglichte. Die Juden wurden im Laufe der Zeit so assimiliert, dass sie sich von anderen Iranern nur durch ihre Religion unterscheiden. Die jĂŒdische Gemeinde, die vor 1979 etwa 80.000 Mitglieder hatte, ist seit der Islamischen Revolution stark auf etwa 20.000 Mitglieder geschrumpft. Dies liegt vor allem an der antizionistischen Politik der iranischen Regierung, durch die iranische Juden leicht verdĂ€chtigt werden, als israelische Spione tĂ€tig zu sein.

Das Christentum im Iran hat ebenfalls eine lange Geschichte; vor der Islamisierung des Iran wanderten viele Nestorianer in den heutigen Iran ein. Heute leben im Iran etwa 60.000 assyrische Christen und die Nachfahren der etwa 300.000 Armenischen Christen, die unter den Safawiden ins Land geholt worden waren; ihr Zentrum ist bis heute in Isfahan. Des Weiteren gibt es römisch-katholische, anglikanische, evangelische und andere christliche Gemeinden und Kirchen.

Artikel 13 und 14 der iranischen Verfassung erkennen Christentum, Judentum und Zoroastertum als religiöse Minderheiten an. Sie legen fest, dass der iranische Staat sie gerecht behandeln muss und ihre GlaubensausĂŒbung, Riten und Zeremonien zu schĂŒtzen hat. Die religiösen Minderheiten wĂ€hlen bei den Parlamentswahlen ihre eigenen Abgeordneten, fĂŒr die eine Mindestanzahl an Parlamentssitzen reserviert ist. Diese Religionsgemeinschaften dĂŒrfen aber keine AktivitĂ€ten gegen den Islam oder die Islamische Republik unternehmen. So mĂŒssen sie beispielsweise die Kleidungsvorschriften in der Öffentlichkeit beachten und dĂŒrfen unter den Muslimen keine Mitglieder werben. FĂŒr den Abfall vom Glauben droht Muslimen im Iran die Todesstrafe. In der Praxis sind alle Angehörigen von religiösen Minderheiten einer subtilen Form der Diskriminierung, wie bei der Arbeitsplatzwahl in der staatlich dominierten Wirtschaft, im Erbrecht oder bei Zeugenaussagen, ausgesetzt. Auch höhere Ämter wie Minister, StaatssekretĂ€re, Richter oder Lehrer an regulĂ€ren Schulen sind ihnen verschlossen.

Als grĂ¶ĂŸte nichtmuslimische Religion im Iran gilt das Bahaitum. Es entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem schiitischen Islam heraus, als eine Stiftergestalt (der Bab) sich zuerst als Tor zum zwölften Imam und spĂ€ter als Zwölfter Imam selbst bezeichnete, mit mehreren AnhĂ€ngern wie Qurrat al-Ain eine rege MissionierungstĂ€tigkeit entfaltete und die islamischen Gesetze fĂŒr abgeschafft erklĂ€rte. Bahāʟullāh formte spĂ€ter aus dem Babismus das heute international vertretene Bahaitum. Bereits seit seiner Entstehung wird diese Religion als Ketzerei betrachtet und in vielen islamischen LĂ€ndern entsprechend bekĂ€mpft. Die Verfolgung verstĂ€rkte sich im Iran nach der Islamischen Revolution noch einmal. Das Bahaitum ist im Iran offiziell verboten, seine etwa 300.000 AnhĂ€nger praktizieren ihre Religion somit im Untergrund, weil bekennende Bahai von höherer Bildung oder Arbeit beim Staat ausgeschlossen sind; sie riskieren darĂŒber hinaus Verhaftung und Hinrichtung.

Sozialsystem

In seiner Schrift Der islamische Staat formulierte Ruhollah Chomeini die Verbesserung der LebensumstÀnde der armen Bevölkerung und die Beseitigung sozialer Ungleichheit als Ziele einer islamischen Gesellschaftsordnung:

93 % der iranischen Bevölkerung erhalten Direktzahlungen von 40 US$ monatlich, seit im Zuge der Subventionsreformen die direkte Subventionierung von Grundnahrungsmitteln und Treibstoff abgebaut wurde. Abgesehen von den UnterstĂŒtzungsprogrammen der religiösen Stiftungen unterhĂ€lt der Staat 28 Organisationen fĂŒr Sozialhilfe, Sozialversicherung und Hilfsprogramme. Grundlage ist das Gesetz zur sozialen Sicherheit. Die dem Ministerium unterstellte Organisation fĂŒr soziale Sicherheit bietet Sozialversicherungen in Form von Arbeitslosengeld, Renten, Mutterschaftsgeld, Krankengeld und Gesundheitsservice (2. Gesundheitsanbieter im Land, fĂŒr Rentner, Arbeitslose, Sozialversicherte). Die Weltbank attestierte der IRI 2011 einen im Vergleich mit den regionalen Standards relativ hohe soziale Indikatoren, bedingt durch die Anstrengungen der Regierung, den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung zu erhöhen. Der Fokus des derzeitigen FĂŒnfjahresplanes liegt weiterhin auf der Sozialpolitik.

Trotz dieser BemĂŒhungen gibt es weiterhin große Probleme mit Armut. Nach einer offiziellen statistischen Erhebung lebten 2011 zwischen 44,5 und 55 % der stĂ€dtischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Die Wissenschaftler bemĂ€ngelten zudem Manipulationen bei der Veröffentlichung von Armutsstatistiken. Laut offiziellen Statistiken gibt es 2,5 Millionen Straßenkinder im Iran, die erst in letzter Zeit in das Blickfeld der staatlichen Wohlfahrtsorganisationen geraten sind.

Der Iran beherbergt die zweitgrĂ¶ĂŸte FlĂŒchtlingspopulation weltweit (ĂŒberwiegend aus Afghanistan). In der Hilfe fĂŒr FlĂŒchtlinge, die von den sonstigen staatlichen Sozialleistungen nicht profitieren, arbeitet die UNHCR mit staatlichen Wohlfahrtsorganisationen und der Imam-Chomeini-Hilfskomitee zusammen.

Bildung

In den letzten 30 Jahren hat sich das Bildungsniveau der iranischen Bevölkerung deutlich verbessert, dies trotz der Wirren, denen das Bildungssystem in den Jahren nach der Islamischen Revolution ausgesetzt war. Im Land stieg die mittlere Schulbesuchsdauer ĂŒber 25-JĂ€hriger von 4,2 Jahren im Jahr 1990 auf 8,5 Jahre im Jahr 2015 an. Die aktuelle Bildungserwartung betrĂ€gt bereits 14,8 Jahre. An den Verbesserungen haben Frauen stĂ€rker partizipieren können als MĂ€nner. Konkret lag bei der VolkszĂ€hlung von 2006 die Analphabetenquote aller BĂŒrger ĂŒber 6 Jahren bei 14 %, wĂ€hrend 1976 nur knapp die HĂ€lfte der MĂ€nner und nur ein Drittel der Frauen lesen und schreiben konnten. Der Anteil der Analphabeten an der Landbevölkerung ist von 75 % (1976) auf 22 % (2006) gesunken.

Der Anteil der Jungen in den Grund- und Mittelschulen liegt nur unwesentlich ĂŒber jenem der MĂ€dchen, in der höheren Bildung stellten junge Frauen im Jahr 2006 etwa 60 % der Studenten. Unter den jungen Einkommensgruppen ist somit in Hinblick auf Bildung kein geschlechtsspezifisches GefĂ€lle mehr vorhanden. Insbesondere in naturwissenschaftlichen oder mathematischen FĂ€chern ist der Frauenanteil an Studenten im Iran im internationalen Vergleich sehr hoch. 2012 fĂŒhrte die Regierung Ahmadineschād Quoten von maximal 50 % Frauen oder weniger fĂŒr manche StudienfĂ€cher ein. Die Vereinten Nationen rĂŒgten diese Praxis, die zu einem RĂŒckgang des Frauenanteils von 62 % 2007–2008 auf 48,2 % 2012–2013 fĂŒhrte. Von der Regierung Rohani wurden diese Bestimmungen wieder aufgehoben. 2015 betrug der Frauenanteil an Studenten naturwissenschaftlicher oder mathematischer FĂ€cher im Iran 65 %, wĂ€hrend er in Europa wesentlich niedriger liegt.

Das Bildungssystem des Iran besteht heute aus mehreren Stufen:

  • eine nicht verpflichtende einjĂ€hrige Vorschule fĂŒr alle Kinder im Alter von fĂŒnf Jahren
  • die fĂŒnfjĂ€hrige Grundschule fĂŒr alle Kinder ab sechs Jahren
  • daran anschließend eine dreijĂ€hrige Mittelschule, in der der weitere Bildungsweg des SchĂŒlers festgelegt wird; nach ihr endet auch die Schulpflicht.
  • die Sekundarschule, die drei Jahre dauert, in der Regel nicht kostenlos ist und in mehrere Spezialisierungen aufgeteilt ist
  • höhere Bildung an UniversitĂ€ten, Lehrerbildungsinstitute und Fachhochschulen, wovon es staatliche und private Einrichtungen gibt. Voraussetzung fĂŒr den Zugang zu höherer Bildung ist der Abschluss der Sekundarschule, die Teilnahme an einem einjĂ€hrigen Vorbereitungskurs sowie das Bestehen der landesweiten UniversitĂ€ts-EintrittsprĂŒfung.

Neben den staatlichen Schulen sind zahlreichen Moscheen religiöse Schulen angegliedert. Die ĂŒppigen Budgets, die die Regierung den religiösen Schulen zuteilt, werden fĂŒr Geldmangel an den staatlichen Schulen und die damit verbundene niedrige QualitĂ€t der Lehre sowie fĂŒr die niedrigen LehrergehĂ€lter verantwortlich gemacht. Das Bildungssystem des Iran ist laut Salehi-Isfahani zudem auf den Erwerb von Diplomen und nicht auf die Vermittlung produktiver FĂ€higkeiten fokussiert. Dies und der starre Arbeitsmarkt verursachen hohe gesamtwirtschaftliche Ineffizienzen, nicht zuletzt wird die hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen hierauf zurĂŒckgefĂŒhrt.

Gesundheit

Der Iran ist ein Land, in dem außerehelicher Geschlechtsverkehr (Zinā) mit der Todesstrafe geahndet werden kann, und wo konservative moralische Standards einen sehr hohen Stellenwert haben, wird Wissen um sexuell ĂŒbertragbare Erkrankungen, HIV oder VerhĂŒtung, wenn ĂŒberhaupt, dann erst nach der Eheschließung vermittelt. Aufgrund dessen ist das Wissen um die Verbreitungswege sexuell ĂŒbertragbarer Krankheiten Ă€ußerst mangelhaft. Noch im Jahre 1997 hat die iranische Regierung die Existenz eines HIV-Problems im Land geleugnet. FĂŒr 2004 wurde die Zahl der HIV-positiven Iraner auf 10.000 bis 61.000 geschĂ€tzt, fĂŒr 2014 auf 51.000 bis 110.000 Personen. Das Nichtwissen um VerhĂŒtungsmittel, deren hoher Preis und deren mangelnde Akzeptanz bei der Bevölkerung fĂŒhren zu einer hohen Zahl nicht erlaubter oder nicht erwĂŒnschter Schwangerschaften, die in illegalen Kliniken abgebrochen werden. HĂ€ufiger noch setzen die betroffenen Frauen gefĂ€hrliche Substanzen aus der Tierzucht ein, um ihre Schwangerschaft abzubrechen, und tragen schwere gesundheitliche SchĂ€den davon.

Der Konsum bewusstseinsverĂ€ndernder Substanzen hat im Iran eine lange Geschichte. Vor 400 Jahren versuchte man, den Drogenkonsum zu beschrĂ€nken; zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Opium tief mit der iranischen Wirtschaft und Gesellschaft verwoben. Es war das eintrĂ€glichste landwirtschaftliche Produkt und wurde angesichts von Kriegen, Hungersnöten und des Mangels an medizinischer Versorgung rege konsumiert. Laut einer SchĂ€tzung waren im Jahr 1914 etwa 10 Prozent der Bevölkerung Teherans opiumabhĂ€ngig. Die Modernisierer der Pahlavi-Dynastie machten im Drogenkonsum eines der Hindernisse fĂŒr die Entwicklung des Iran zu einem starken Staat aus; 1955 wurden Opiumherstellung und -gebrauch verboten. Diese Maßnahme löste das Problem jedoch nicht; langsam entstand eine Infrastruktur fĂŒr die Behandlung von DrogenabhĂ€ngigen. Nach der islamischen Revolution wurden diese Einrichtungen abgeschafft. Man versuchte nun, dem Drogenproblem mittels der Durchsetzung religiöser und moralischer Verhaltensweisen beizukommen. Drogendelikte wurden und werden strafrechtlich hart geahndet; fĂŒr zahlreiche TatbestĂ€nde schreibt das iranische BetĂ€ubungsmittelgesetz die Todesstrafe vor. Der Großteil der Hingerichteten der letzten Jahre wurde wegen Drogendelikten verurteilt. Diese Maßnahmen haben nicht gefruchtet, sodass Maßnahmen weltlicher Natur eingeleitet wurden. Seitdem sind Einrichtungen zur Behandlung DrogenabhĂ€ngiger wieder erlaubt und werden gefördert. Auch wird versucht, die Bevölkerung ĂŒber die Gefahren des Drogenkonsums aufzuklĂ€ren. Der Iran hatte 2011 die weltweit vierthöchste Rate an Drogentoten. Laut DrogenbekĂ€mpfungs- und Gesundheitsbehörden sind ĂŒber 2,2 Millionen Iraner abhĂ€ngig von illegalen Drogen, 1,3 Millionen davon werden in Behandlungsprogrammen betreut. Insbesondere Crystal Meth wird (Stand 2015) besonders nachgefragt. Studenten verwenden es in Examensphasen; Arbeiter, die sich nur mit mehreren Jobs ĂŒber Wasser halten können, nutzen es als Wachmacher.

Entwicklung der Lebenserwartung ĂŒber Zeit

Frauen

Die traditionelle iranische Gesellschaft ist streng patriarchalisch; zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren im iranischen Stadtbild fast ausschließlich MĂ€nner zu sehen, Frauen blieben in der Regel zu Hause. Der Grad, zu dem Frauen an das Haus gebunden waren, war jedoch auch frĂŒher schon von Ethnie zu Ethnie verschieden: unter den Luren hatten die MĂ€nner absolute Macht ĂŒber die Frauen, die Kaschgai-Frauen hatten relativ viele Freiheiten. In den 1920er Jahren war nur wenigen MĂ€dchen der Schulbesuch möglich; erst die Pahlavi-Regierung ermutigte im Rahmen der angestrebten Modernisierung des Landes in den 1930er Jahren Eltern, ihre Töchter in die Schule zu senden. Im Jahr 1936 wurde der Schleier verboten. Wenngleich das Verbot nie ganz durchgesetzt werden konnte, hat es dazu gefĂŒhrt, dass Frauen aus konservativen Bevölkerungskreisen noch mehr aus dem öffentlichen Leben gedrĂ€ngt wurden und das Haus teils gar nicht mehr verließen. Mit der fortschreitenden Modernisierung fanden Frauen mehr und mehr BeschĂ€ftigung außer Haus, vor allem als Angestellte des Staates. In den 1960er Jahren wurde die Lage der Frauen im Rahmen der weißen Revolution weiter verbessert: Sie erhielten 1963 das Wahlrecht, die Abtreibung wurde erlaubt und fĂŒr Scheidungsfragen wurden weltliche Gerichte zustĂ€ndig gemacht.

Nach der islamischen Revolution wurden diese Reformen rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Seitdem bestimmen die Artikel 20 und 21 der Verfassung des Iran, dass MĂ€nner und Frauen unter BerĂŒcksichtigung islamischer Prinzipien gleichberechtigt sind. WĂ€hrend der Mann fĂŒr die ErnĂ€hrung der Familie verantwortlich ist, muss die Frau den Haushalt verrichten und ist ihrem Mann gegenĂŒber zu Gehorsam verpflichtet. EhemĂ€nner haben „das Recht“ auf die sexuelle VerfĂŒgbarkeit der Ehefrauen und dĂŒrfen dies auch mit Gewalt durchsetzen. Auch allgemeine hĂ€usliche Gewalt des Ehemanns gegen die Frau ist weitgehend erlaubt. Frauen dĂŒrfen zudem nur mit Einwilligung des Mannes berufstĂ€tig sein, verreisen, ihre eigenen Eltern besuchen, einen Reisepass besitzen oder sich scheiden lassen. SchlĂ€ge oder sexuelle Gewalt durch den Mann sind dabei ausdrĂŒcklich kein Scheidungsgrund, umgekehrt kann der Mann seine Frau jedoch jederzeit verstoßen. Vor Gericht gelten Aussagen einer Frau nur halb so viel wie jene eines Mannes, und fĂŒr die Verletzung oder den Tod einer Frau wird im sogenannten „Vergeltungsrecht“ nur die HĂ€lfte des Blutgeldes fĂ€llig. FĂŒr außerehelichen Geschlechtsverkehr sieht das iranische Recht die Todesstrafe vor, was vor allem Opfer von Vergewaltigung in eine prekĂ€re Lage bringt. MĂ€nnern ist die Polygamie und die Zeitehe erlaubt, das gesetzliche Mindestheiratsalter fĂŒr MĂ€dchen liegt bei 13 Jahren. Diese Regeln widersprechen teils den gesellschaftlich anerkannten Werten im heutigen Iran, so leben auch Geistliche in Einehe.

Es gelang nach der islamischen Revolution trotz alledem nicht mehr, die Frauen aus der Öffentlichkeit zu verbannen, denn sie hatten die Islamische Revolution unterstĂŒtzt und wurden im Iran-Irak-Krieg als ArbeitskrĂ€fte benötigt. Als Nebeneffekt der strengen öffentlichen Sitten der Islamischen Republik gilt, dass konservative Eltern keinen Grund mehr haben, ihren Töchtern Schule und Studium zu verwehren. Das Bildungsniveau der iranischen Frauen ist deswegen heute höher als je zuvor, sodass Frauen in Iran heute in fast allen Berufen bis hin zum Autorennsport (Laleh Sadigh) und Hochschulamt an den UniversitĂ€ten zu finden sind. SĂ€kular orientierte Frauen lassen ihre zukĂŒnftigen MĂ€nner EhevertrĂ€ge unterschreiben, die ihnen all jene Rechte, die ihnen das Gesetz verwehrt, einrĂ€umen. Mit Hilfe von AnwĂ€lten können sie Scheidungen durch Einforderung der Brautgabe durchsetzen. Eine religiöse Debatte um Gleichstellung der Frauen kommt in Gang, seitdem auch AbgĂ€ngerinnen islamischer Hochschulen Koranexegese betreiben. Wenngleich das iranische Strafrecht einen Verstoß gegen die Pflicht, einen Hidschab zu tragen, mit GefĂ€ngnis bedroht, so widersetzen sich Frauen den islamischen Bekleidungsvorschriften, indem sie die Grenzen des Erlaubten immer wieder austesten.

Geschichte

Antike und Mittelalter

Das heutige Staatsgebiet des Iran umfasst das historische Kernland des alten Persiens, das sich historisch ĂŒber ein zeitweise deutlich grĂ¶ĂŸeres Gebiet erstreckte. Bis ins 20. Jahrhundert wurde Iran im internationalen offiziellen Sprachgebrauch weltweit als Persien bezeichnet. Seine geographische Lage zwischen dem Kaukasus im Norden, der Arabischen Halbinsel im SĂŒden, Indien und China im Osten und Mesopotamien und Syrien im Westen ließen das Land zum Schauplatz einer wechselvollen Geschichte werden.

Im persischen Großraum fĂŒhrt Irans Geschichte vom Reich der Elamiter und der Meder zum Perserreich der AchĂ€meniden (Kyros II. der Große bis Dareios III.) und ĂŒber Alexander den Großen und das Diadochenreich der Seleukiden zu den Parthern und Sassaniden.

Ausbreitung des Islam

Die Kriege mit Byzanz hatten das Sassanidenreich militĂ€risch und finanziell so geschwĂ€cht, dass Unruhen im Inneren und Verwundbarkeit gegen Ă€ußere Feinde die Folge waren. So fiel das Reich einem Einfall der nomadischen Bewohner der arabischen Halbinsel zum Opfer (Islamische Expansion): Wohl im Jahre 638 verloren die Perser die Schlacht von Kadesia, kurz danach ging die Hauptstadt Ktesiphon verloren. Die Araber, durch die neue Religion des Islam geeint und motiviert, eroberten so das gesamte Sassanidenreich innerhalb kurzer Zeit, und es begann der langsame Prozess der Islamisierung des Iran. Zwar war Nichtmoslems die AusĂŒbung ihrer Religion erlaubt, sie mussten jedoch eine Steuer bezahlen und zahlreiche Verbote beachten; noch im 13. Jahrhundert gab es große zoroastrische Gemeinden. Da die Araber nicht darauf vorbereitet waren, ein so großes Reich zu regieren, ĂŒbernahmen sie die Regierungsstrukturen der Sassaniden. Im Unterschied zu anderen arabisch eroberten Gebieten gelang es den Persern deshalb, ihre Kultur weitgehend zu erhalten, das Persische neben dem Arabischen zu einer Sprache des Islam zu machen und in kulturellen, politischen und geistigen Bereichen maßgebend zur Entwicklung des Islam beizutragen.

Trotz der tragenden Rolle der Iraner in der islamischen Kultur waren sie zunĂ€chst als MawālÄ« oder gar Dhimmi benachteiligt. Der vierte Kalif Ali, der fĂŒr die Abschaffung dieser Benachteiligung eintrat, hatte deshalb unter den Iranern besonders viele AnhĂ€nger. Dies war beim Streit um die LegitimitĂ€t des FĂŒhrungsanspruches der islamischen Gemeinde und ihrem folgenden Auseinanderbrechen in Sunnitentum und Schiitentum ein bedeutender Faktor. Auch beim Sturz der Umayyaden-Dynastie im Jahre 750 und der folgenden BegrĂŒndung der stark am sassanidischen Vorbild orientierten Kalifen-Dynastie der Abbasiden in Bagdad waren iranische Rebellen unter General Abu Muslim entscheidend an den KĂ€mpfen beteiligt. Nachdem die Macht der Kalifen zugunsten des tĂŒrkischstĂ€mmigen MilitĂ€rs erodiert war, beherrschten im 9. und 10. Jahrhundert faktisch mehrere regionale Dynastien das Land, darunter die Tahiriden, die Saffariden und die Bujiden, die ab 945 als Schutzmacht des Abbassiden-Kalifen auftraten. Unter den Samaniden, deren Hauptstadt sich in Buchara befand, wurden zahlreiche sassanidische Werke in die arabische Sprache ĂŒbersetzt, was die Aufnahme iranischen Gedankenguts in den Islam beschleunigte. Unter den Samaniden löste sich auch der Islam von seiner arabischen Herkunft und begann, eine kosmopolitische Religion zu werden.

TĂŒrkische und mongolische Invasionen

Bereits im 9. und 10. Jahrhundert wurden aus Turkvölkern Zentralasiens stammende Mamluken genannte Waffensklaven in die Armeen eingegliedert. Beginnend mit dem 11. Jahrhundert wanderten Nomaden der Turkvölker ein und ließen sich auf dem Territorium des heutigen Iran nieder. Sie errichteten auf ihrer militĂ€rischen Basis kurzlebige Reiche nach iranisch-samanidischem Vorbild, wobei sie sich als Sunniten vom Abbassiden-Kalifen in Bagdad bestĂ€tigen ließen. Zu diesen HerrscherhĂ€usern gehören die Ghaznawiden und die Seldschuken. Sie förderten Kunst, Kultur, Medizin und Wissenschaften: die Arbeiten der bedeutenden Dichter Omar Chayyām, Rumi und Ferdosi fallen in diese Epoche. Nachdem die Seldschuken-Dynastie ihren Zenit ĂŒberschritten hatte, zerfiel das Land wieder in mehrere lokale Reiche; es kam zu schweren innerschiitischen KĂ€mpfen zwischen den Ismailiten und den Zwölferschiiten.

Im Jahre 1219 fielen die Mongolen unter Dschingis Khan, in dessen Heer auch zahlreiche TĂŒrken kĂ€mpften, in Iran ein. Die Mongolen zerstörten und plĂŒnderten die iranischen StĂ€dte, die Bevölkerungszahl schrumpfte dramatisch, Ackerland und BewĂ€sserungsanlagen verkamen und die Zentralgewalten lösten sich auf. Von 1256 bis 1335 war Iran Teil des Reiches der Ilchane. Nach der Ermordung des letzten Ilchans konnten sich wieder lokale Reiche bilden. Doch bereits kurze Zeit spĂ€ter wurde das iranische Hochland erneut von Zentralasien aus ĂŒberrannt, diesmal von den Truppen Timurs, der 1381 die Dynastie der Timuriden begrĂŒndet, die bis 1507 herrschte. Einige Landstriche erholten sich von den VerwĂŒstungen des Mongolensturms nie wieder. Die Wirren der mongolischen und timuridischen Herrschaft trugen zum Aufkommen des Volksislam und der Derwisch-Kultur bei.

Safawiden

Nach einem Zwischenspiel der turkmenischen StĂ€mme Qara Qoyunlu und Aq Qoyunlu, die zeitweise das gesamte iranische Territorium beherrschen konnten, gelang es den Safawiden, wieder einen stabilen Staat zu errichten. Sie hatten ihren Ursprung in einem turkmenischen Derwischorden, der zu großem Reichtum gelangt war und seine AnhĂ€nger militĂ€risch organisierte (Kizilbasch). Sie fĂŒhrten 1501 die Zwölferschia als Staatsreligion ein; sie stellt spĂ€testens seit Ende der Safawidenzeit ein einendes Band im iranischen Vielvölkerstaat dar. Das Reich der Safawiden stand in stĂ€ndigem Konflikt mit dem osmanischen Reich, das im 16. Jahrhundert am Zenit seiner Macht stand. Der heutige Irak mit seinen fĂŒr die Schiiten heiligen Schreinen schied im Zuge dieses Konfliktes fĂŒr immer aus dem iranischen Territorium aus. In diese Zeit fĂ€llt auch die Intensivierung der diplomatischen Kontakte mit europĂ€ischen LĂ€ndern und der Beginn des Seehandels mit Europa am persischen Golf. Den Höhepunkt der Macht erreichten die Safawiden unter Schah Abbas I., der die ihrem jeweiligen Stamm verbundenen Kizilbasch durch eine nur dem Schah treue Armee ersetzte und die Stadt Isfahan zu seiner glanzvollen Residenz machte. Zum Niedergang der Safawiden trug bei, dass das Heer große Ressourcen verschlang, dass die Nachfolger von Abbas I. grĂ¶ĂŸtenteils wenig fĂ€hig waren und dass die sunnitische Minderheit verfolgt wurde. Die schiitischen Gelehrten gewannen unter den im Niedergang befindlichen Safawiden deutlich an Macht und begannen, eine Oppositionsrolle zum Königtum einzunehmen.

WĂ€hrend der Herrschaft der Safawiden stieg die Zahl der Nomaden weiter an, sodass der Druck auf die sesshaften Bauern wuchs und die Nomaden sich bewaffneten. Diese militĂ€rische Macht blieb bis ins 20. Jahrhundert ein wichtiger Faktor. Die Safawidendynastie wurde schließlich von einer Invasion der Afghanen gestĂŒrzt. Die Afghanen wurden jedoch von einem NomadenfĂŒhrer vertrieben, der sich 1736 zu Nadir Schah krönen ließ, umfangreiche Eroberungen machte, jedoch 1747 ermordet wurde. WĂ€hrend der SĂŒdiran unter den Zand Ruhe und Wohlstand erlebte, herrschte im Norden Chaos.

Kadscharen

Der Stamm der Kadscharen war von Abbas I. ursprĂŒnglich zu Grenzsicherungszwecken angesiedelt worden. Sie eroberten den Nordiran, stĂŒrzten die Zand und krönten 1796 Agha Mohamed zum Schah; eine religiöse Legitimierung ihrer Macht erreichten die Kadscharen im Unterschied zu ihrer VorgĂ€ngerdynastie jedoch nicht. Auch das Ziel, ihr Reich auf die Grenzen des Safawidenreiches auszudehnen, verfehlten sie. Bereits zu Beginn der Kadscharenzeit begann die Auseinandersetzung mit Russland und Großbritannien. Bis 1828 ging der Kaukasus an Russland verloren und Russland bekam Mitspracherecht in der iranischen Thronfolgeregelung. Großbritannien erreichte, dass große Gebiete des Ostiran Teil Afghanistans wurden. Angesichts dieser Bedrohungslage wurden erste Versuche unternommen, den iranischen Staat und sein MilitĂ€r zu reformieren (defensive Modernisierung). Diese Initiativen, die auf Minister oder Prinzen zurĂŒckgingen, waren aber aufgrund Geldmangels und des Widerstandes konservativer WĂŒrdentrĂ€ger oder des Schahs selbst nicht erfolgreich. Immerhin wurden mit Dar al-Fonun die erste höhere Bildungseinrichtung gegrĂŒndet und LehrbĂŒcher ĂŒbersetzt.

Die Konstitutionelle Revolution

Der Umstand, dass die Regierung des Schahs kaum fĂ€hig war, Steuern einzutreiben, öffnete die TĂŒr fĂŒr die ökonomische Einflussnahme europĂ€ischer Staaten. Dies geschah vor allem durch die Vergabe von Konzessionen, die AuslĂ€ndern gegen Zahlung geringer Abgaben Teile der Wirtschaft ĂŒberließ, so etwa ab den 1860er Jahren der Aufbau des Telegraphennetzes, Fischereirechte, der Betrieb von Banken oder Erdölexplorationen. Der Höhepunkt dieser Entwicklung wurde mit dem Tabakmonopol fĂŒr ein britisches Konsortium erreicht, das zu einem vollstĂ€ndigen Tabakboykott und zur RĂŒcknahme der Konzession fĂŒhrte – die erste erfolgreiche Bewegung von HĂ€ndlern, Geistlichen und Intellektuellen gegen die Herrschenden. Die Geistlichkeit konnte sich in diesem Umfeld als Wahrer der nationalen Interessen profilieren und entwickelte unter Einfluss Intellektueller wie Dschamal ad-Din al-Afghani einen kĂ€mpferischen Islam. Als der Schah 1905 angesichts eines Staatsbankrottes weitere ZugestĂ€ndnisse an Russland machen wollte, kam es zu monatelangen Unruhen und einer konstitutionellen Revolution, in deren Resultat der Iran sein erstes Parlament erhielt. Es verabschiedete am 5. August 1906 die erste Verfassung, die 1907 umfassend erweitert wurde. Sie sah die VolkssouverĂ€nitĂ€t, Grundrechte und eine Gewaltenteilung nach westlichem Vorbild, aber auch die Vereinbarkeit aller Gesetze mit der Scharia und ein Kontrollgremium aus fĂŒnf Geistlichen vor. Diese Verfassung blieb auf dem Papier bis 1979 in Kraft. Somit beendete die konstitutionelle Revolution die absolute Monarchie im Iran.

Die neue Staatsform der konstitutionellen Monarchie ĂŒberdauerte zunĂ€chst nur 15 Jahre, sie neigte mehr und mehr zu Chaos und Zerfall und brachte insgesamt dem Land weder StabilitĂ€t noch Fortschritt. Bereits 1908 putschte Mohammed Ali Schah und ließ das Parlament beschießen; zahlreiche Abgeordnete wurden verhaftet und einige hingerichtet. Der ein Jahr dauernde BĂŒrgerkrieg fĂŒhrte zum RĂŒcktritt Mohammad Alis. Die Nachfolge auf dem Thron trat der zunĂ€chst durch einen Regenten vertretenen Ahmad Schah an. Russland und Großbritannien hatten das Land untereinander in Einflusszonen aufgeteilt und nötigten den Schah, den zur Lösung der chronischen Finanznot angestellten amerikanischen Experten Morgan Shuster zu entlassen. WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges wurden auf iranischem Territorium trotz NeutralitĂ€tserklĂ€rung heftige KĂ€mpfe zwischen Russland, Großbritannien und dem osmanischen Reich ausgetragen. Nach der Oktoberrevolution zog sich die russische Armee zurĂŒck. Britische PlĂ€ne, aus dem Iran ein britisches Protektorat zu machen, scheiterten jedoch. Gegen Ende der Kadscharen-Dynastie beschrĂ€nkte sich die Macht des Schahs auf die Hauptstadt. Die StreitkrĂ€fte bestanden lediglich aus einer Kosakenbrigade, kommandiert von russischen Offizieren, einer paramilitĂ€rischen Gendarmerie, und leichtbewaffneten KĂ€mpfern der Nomaden. Der Staat hatte keinerlei Organisation, seine Macht durchzusetzen, und war von Großgrundbesitzern, StammesfĂŒhrern und Geistlichen abhĂ€ngig. Zwischen 1917 und 1921 starben im Iran zwei Millionen Menschen, ein Viertel der Landbevölkerung, durch Krieg und darauf folgende Seuchen und Hungersnöte.

Vor dem Hintergrund eines drohenden staatlichen Zerfalls putschte die Kosakenbrigade unter Reza Khan und zwang Premierminister Sepahdar zum RĂŒcktritt. Reza Khan wurde zunĂ€chst Oberkommandierender der Kosakenbrigade, dann Kriegsminister unter Seyyed Zia al Din Tabatabai und spĂ€ter Ahmad Qavām als Premierminister. In dieser Funktion reformierte er das iranische MilitĂ€r und ging gewaltsam gegen mehrere Bewegungen mit Tendenzen zur Abspaltung vor wie in TĂ€bris, Maschhad, die Sowjetische Sozialistische Republik des Iran von Mirza Kutschak Khan, die Bachtiaren und Kaschgai. GestĂ€rkt durch diese Erfolge wurde Reza Khan im Jahre 1923 Premierminister. Bestrebungen, in Analogie zur Ausrufung der tĂŒrkischen Republik aus dem Iran eine Republik mit Reza Khan als erstem PrĂ€sidenten zu machen, scheiterten am Widerstand der Geistlichkeit. Schließlich setzte Ende 1925 das Parlament den letzten Kadscharen-Schah ab und erklĂ€rte Reza Khan zu Reza Schah Pahlavi. Er krönte sich im April 1926 selbst.

Pahlavis

Reza Schah war ein energischer FĂŒhrer und der erste seit langem, der echte Reformen anging. Ein modernes Bildungssystem wurde eingefĂŒhrt und das Justizsystem reformiert. Die Gerichtsbarkeit auslĂ€ndischer MĂ€chte ĂŒber ihre BĂŒrger im Iran wurde abgeschafft. Ein staatliches Tee- und Zuckermonopol wurde geschaffen; mit den Einnahmen daraus wurde die Transiranische Eisenbahn gebaut; auch Straßen und andere Bahnlinien entstanden. Die auslĂ€ndischen Banken wurden verstaatlicht, neue Banken gegrĂŒndet. Die Lage der Frauen wurde verbessert; fĂŒr alle MĂ€nner mit Ausnahme der Geistlichen wurde westliche Kleidung vorgeschrieben, Frauen wurde der Schleier verboten. Im Jahre 1925 wurde die allgemeine Wehrpflicht eingefĂŒhrt und teils mit Gewalt durchgesetzt, somit wurden gegen den Widerstand von Geistlichkeit und Landbesitzern alle jungen MĂ€nner des Landes aus ihren traditionellen WerdegĂ€ngen herausgerissen und durchliefen eine nationalistisch-sĂ€kulare Ausbildung. Das Gesetz zu IdentitĂ€t und persönlichem Stand verpflichtete alle Iraner, einen Nachnamen zu fĂŒhren, sich bei den neu geschaffenen Meldebehörden registrieren zu lassen und einen Personalausweis mit sich zu fĂŒhren; die Kadscharentitel wurden ersatzlos gestrichen. Diese beiden Maßnahmen schufen die Voraussetzung fĂŒr die Durchsetzung eines Zentralstaates auf Kosten der lokalen Machthaber. Reza Schah begann auch die Politik der Hinwendung zum vorislamischen Iran, benutzte Krone, Mantel und Banner nach altiranischem Vorbild, fĂŒhrte den iranischen Kalender ein und verlangte ab 1935 – nicht ganz unbeeinflusst durch das nationalsozialistische Deutschland, zu dem der Schah gute Beziehungen unterhielt – vom Ausland, das Land Iran („Land der Arier“) und nicht mehr Persien zu nennen. Reza Schah regierte jedoch diktatorisch und behielt das Parlament nur, um seiner Herrschaft den Schein von LegitimitĂ€t und VerfassungsmĂ€ĂŸigkeit zu verleihen. Er eignete sich persönlich riesigen Grundbesitz an, veranlasste die blutige Sesshaftmachung der Nomaden, eliminierte Kritiker und im spĂ€teren Verlauf seiner Herrschaft auch Mitstreiter.

Obwohl Reza Schah seinen Aufstieg maßgeblich britischem Einfluss zu verdanken hatte, setzte er alles daran, den Einfluss Großbritanniens auf das Geschehen im Iran zu beschneiden. Sein Versuch, die USA als Gegengewicht zu Großbritannien und der Sowjetunion zu positionieren, misslang. Das damals nationalsozialistisch regierte Deutschland ĂŒbernahm diese Rolle gern und wurde in der Folge wichtigster Partner des Iran. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verlangte Großbritannien den Eintritt in den Krieg auf Seiten der Alliierten und die Ausweisung der zahlreichen deutschen Berater, was Reza Schah erst nach lĂ€ngerem Zögern zusagte. Die iranische Regierung erklĂ€rte die NeutralitĂ€t des Iran und forderte von Großbritannien und der Sowjetunion die Respektierung dieser Entscheidung. Um den Zugriff auf die Ölvorkommen und um den Nachschub fĂŒr militĂ€risches Material an die Sowjetunion ĂŒber die Transiranische Eisenbahn zu sichern, marschierten britische und sowjetische Truppen am 25. August 1941 ohne KriegserklĂ€rung in den Iran ein (siehe: Anglo-sowjetische Invasion des Iran). Der Widerstand der iranischen Armee brach nach 48 Stunden zusammen. Reza Schah wurde zur Abdankung gezwungen. Es gab keinen Aufschrei der Öffentlichkeit, sein damals 22-jĂ€hriger Sohn folgte ihm auf dem Thron nach.

Das Jahrzehnt, das unmittelbar auf diese Ereignisse folgte, ist im Iran unter dem Namen Wiedergeburt der VerfassungsmĂ€ĂŸigkeit bekannt. Es herrschten Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Pluralismus wie nie zuvor in diesem Land. In diese Periode fallen zwei bedeutende Entwicklungen. Die Sowjetunion hatte, entgegen ihren Zusagen, ihre Truppen im Nordwest-Iran belassen und unterstĂŒtzte in der Irankrise die prokommunistischen Regierungen in Iranisch-Aserbaidschan und Kurdistan. Erst auf amerikanischen Druck hin willigte die Sowjetunion ein, sich zurĂŒckzuziehen und die iranische Armee konnte die beiden sezessionistischen Staaten zerschlagen. Die zweite Entwicklung war die Verstaatlichung der Ölindustrie, die seit 1941 gefordert wurde und 1951 vom Parlament verabschiedet wurde. Die britische Regierung, die die Einnahmen der Anglo-Iranian Oil Company benötigte, organisierte in der Folge einen Boykott iranischen Öls, was zur Abadan-Krise fĂŒhrte und den iranischen Staat an den Rand des Bankrotts brachte. Der bis heute populĂ€re Premierminister Mohammad Mossadegh, der am meisten mit der Verstaatlichung identifiziert wird, versuchte zur gleichen Zeit, die Kompetenzen des Schahs zu beschneiden. Im Jahre 1953 waren die Spannungen am Höhepunkt und der Schah floh aus dem Land. Mohammad Mossadegh wurde wenig spĂ€ter mit der Operation Ajax mit Hilfe der CIA gestĂŒrzt, Schah Mohammed Reza errichtete in der Folge mit UnterstĂŒtzung der USA eine Autokratie.

Monarchistische KrĂ€fte unter FĂŒhrung des Generals Fazlollah Zahedi verhafteten Mossadegh. Der Schah kehrte wieder in den Iran zurĂŒck. Die damalige Regierung, mit Zahedi als Premierminister, begann neue Verhandlungen mit einem internationalen Konsortium von Ölgesellschaften. Die Verhandlungen dauerten mehrere Jahre. Am Ende stand ein Abkommen, das bis zur ersten Ölkrise Bestand haben sollte.

Schah Mohammad Reza Pahlavi (1941–1979) leitete ab 1963 mit der „Weißen Revolution“ umfangreiche wirtschaftliche, politische und soziale Reformen ein. Mit den steigenden Öleinnahmen konnte ein Industrialisierungsprogramm aufgelegt werden, das den Iran in wenigen Jahren von einem Entwicklungsland zu einem aufstrebenden Industriestaat machte. Aktives und passives Frauenwahlrecht wurden im September 1963 eingefĂŒhrt. Industrialisierung und gesellschaftliche Modernisierung fĂŒhrten von Beginn an zu Spannungen mit den konservativen Teilen der schiitischen Geistlichkeit. Insbesondere der Ajatollah Ruhollah Chomeini sprach sich bereits 1963 gegen das Reformprogramm aus. Neben der islamischen Opposition, der Fedajin-e Islam, bildete sich eine Linke Guerillabewegung im Iran, die das Land mit „bewaffnetem Kampf“ verĂ€ndern wollte. Die ab 1977 erfolgende politische Liberalisierung ermöglichte es der Opposition, sich zu organisieren. Es kam zu gewaltsamen Demonstrationen, Mord- und BrandanschlĂ€gen, die das Land in seinen Grundfesten erschĂŒtterten. Nach der Konferenz von Guadeloupe im Januar 1979, auf der der französische PrĂ€sident ValĂ©ry Giscard d’Estaing, PrĂ€sident Jimmy Carter aus den Vereinigten Staaten, Premierminister James Callaghan aus dem Vereinigten Königreich und Bundeskanzler Helmut Schmidt beschlossen hatten, den Schah nicht mehr zu unterstĂŒtzen und das GesprĂ€ch mit Ajatollah Ruhollah Chomeini zu suchen, verließ Mohammad Reza Pahlavi den Iran. Die islamische Revolution hatte begonnen.

Islamische Revolution und Republik

Am 1. Februar 1979 kehrte Ruhollah Chomeini aus dem französischen Exil zurĂŒck; dieser Tag wird seitdem als staatlicher Gedenktag, genannt Fadschr (Morgenröte), gefeiert. Rasch etablierte er sich als oberste politische AutoritĂ€t und begann aus der ehemals konstitutionellen Monarchie eine „Islamische Republik“ zu formen, unter anderem durch sukzessive und gewaltsame Ausschaltung aller anderen revolutionĂ€ren Gruppen. Seine Politik war von einer antiwestlichen Linie geprĂ€gt und schreckte auch nicht vor Terror und Massenhinrichtungen zurĂŒck. Mit zahlreichen ehemaligen AnhĂ€ngern – so seinem designierten Nachfolger Großajatollah Hossein Ali Montazeri – kam es darĂŒber zum Bruch.

Von 1980 bis 1988 befand sich Iran im Ersten Golfkrieg, nachdem der Irak angegriffen hatte. Die anhaltende internationale Isolation des Iran lockerte sich zeitweise Ende der 1990er Jahre. Mit dem ĂŒberraschenden Wahlsieg Mohammad Chātamis bei den PrĂ€sidentschaftswahlen 1997 etablierte sich die politische Bewegung islamischer Reformer im iranischen Parlament. So gelang es Chātami zu Beginn seiner Amtszeit, eine Liberalisierung der nationalen Presse durchzusetzen. Die systemkritischen Stimmen bekamen dadurch ein öffentliches Organ, um ihrem Reformwillen Nachdruck zu verleihen.

Das Aufleben der Pressefreiheit dauerte nicht sehr lange an. Der WĂ€chterrat machte die Gesetze mit Verweis auf die UnvertrĂ€glichkeit mit dem Islam rĂŒckgĂ€ngig und blockierte fortan nahezu alle Reformversuche des Parlaments. Seitdem sehen sich die Reformer mit großen Vertrauensverlusten in den reformwilligen Bevölkerungsgruppen konfrontiert. Die EnttĂ€uschung ĂŒber die Ohnmacht des Parlaments fĂŒhrte bei den Kommunalwahlen im Jahr 2003 zu einer sehr geringen Wahlbeteiligung (Landesschnitt 36 %, in Teheran 25 %) und zu einem klaren Sieg der konservativen KrĂ€fte.

PrÀsidentschaft Ahmadineschāds

Die PrĂ€sidentschaftswahl am 17. Juni 2005 setzte eine ZĂ€sur, zumal Chātami nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren durfte. Durch die Wahl des konservativen Mahmud Ahmadineschād zum PrĂ€sidenten und seine konfrontative Außen- sowie repressive Innenpolitik nahm die internationale Isolation erneut zu. Insbesondere seine Wiederwahl im Jahr 2009, die von zahlreichen ManipulationsvorwĂŒrfen begleitet wurde, fĂŒhrte zu massiven Protesten im Land, die trotz gewaltsamer Niederschlagung auch friedlicher Demonstrationen vor allem gegen Ende 2009 weiter zunahmen. Dabei stand der volksnah auftretende und Subsidien verteilende Ahmadineschād zusĂ€tzlich mit noch radikaleren, radikal-orthodoxen religiösen Gruppen um die einflussreichen, eschatologischen Geistlichen Dschannati, Yazdi und Ahmad Chatami in Konflikt, denen es mehrfach – auch mit Hilfe des Parlaments – gelang, Minister und Vertraute Ahmadineschāds zum RĂŒcktritt zu zwingen. Andere Minister blieben gegen den Willen des PrĂ€sidenten mit UnterstĂŒtzung radikal-orthodoxer Kreise im Amt, konnten aber nicht ihre von Ahmadineschād gestĂŒtzten StaatssekretĂ€re entlassen. Die Geistlichen warfen Ahmadineschād vor, einen national-islamischen Kurs, statt eines islamischen Kurses zu verfolgen. SchĂŒler dieser orthodoxen Geistlichen (Haghani-Schule in Ghom) besetzen zahlreiche SchlĂŒsselposition im iranischen MilitĂ€r und Geheimdienst.

Resultat der Konflikte waren Drohungen gegen Ahmadineschād und die Radikalisierung von Justiz, Exekutive und Legislative. So forderten Parlamentsabgeordnete 2011 den Tod der ebenfalls systemtreuen, bei den PrĂ€sidentschaftswahlen 2009 unterlegenen Oppositionskandidaten Mussawi und Karrubi, beide wurden gemeinsam mit ihren Ehefrauen unter offiziell nicht zugegebenen und illegalen Hausarrest gesetzt, was weltweit scharf kritisiert wurde. Der systemtreue ehemalige PrĂ€sident Rafsandschāni verlor den einflussreichen Posten als Vorsitzender des Expertenrats an einen greisen Haghani-Vertreter. Die Vertrauten und Kinder des ehemals als „Richelieu der Iranischen Revolution“ bezeichneten MilliardĂ€rs wurden Objekt von mobbenden, gewaltsamen Basidsch-e Mostaz'afin-Ausschreitungen auf der Straße.

Ein weiteres Resultat dieser Radikalisierung war eine zunehmende internationale wirtschaftliche und politische Isolation, in deren Folge Privatvermögen eingefroren und Reiseverbote sowie weitere Sanktionen gegen zahlreiche hochrangige iranische MilitÀrs, Polizisten, Richter und StaatsanwÀlte u. a. durch die EuropÀische Gemeinschaft im April 2011 verhÀngt wurden.

PrÀsidentschaft Rohanis

Am 11. April 2013 gab Hassan Rohani, der fĂŒr iranische VerhĂ€ltnisse als moderat und politisch dem ehemaligen PrĂ€sidenten Rafsandschani nahestehend gilt, seine Kandidatur fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl im Juni 2013 bekannt. Er bekundete u. a. die Absicht, eine BĂŒrgerrechts-Charta einzufĂŒhren, die Wirtschaft wiederaufzubauen und die Zusammenarbeit mit der Weltgemeinschaft zu verbessern, also insbesondere die Isolation des Iran und die Sanktionen, die zu einer verheerenden Wirtschaftskrise fĂŒhrten, aufgrund des Streits um das iranische Atomprogramm zu ĂŒberwinden. Im Wahlkampf verteidigte Rohani vehement sein Vorgehen als ChefunterhĂ€ndler und beharrte in einem TV-Interview darauf, dass es auch unter seiner VerhandlungsfĂŒhrung nie einen Stopp des Atomprogramms gegeben habe, der Ausbau des iranischen Atomprogrammes vielmehr erfolgreich vorangetrieben wurde. „Besonnenheit und Hoffnung“ sei das Motto der Regierung, die er bilden wolle. Nach den vorlĂ€ufigen Angaben des Innenministeriums gewann Rohani mit 18.613.329 Stimmen (50,71 %) bereits in der ersten Runde die Wahl.

Kurz vor einem Besuch Rohanis bei der UN-Vollversammlung in New York am 25. September 2013 kĂŒndigte er gemeinsam mit dem obersten religiösen und politischen FĂŒhrer Ali Chamenei an, dass sich die mit Ahmadineschād eng verbundene Iranische Revolutionsgarde kĂŒnftig aus der Politik fernhalten solle. Zudem wurden um den 18. September 2013 rund ein Dutzend politische Gefangene vorzeitig aus der Haft entlassen, u. a. die Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh. Einige Beobachter werteten dies als ersten Ansatz Rohanis, sein Wahlversprechen umzusetzen, im Iran kĂŒnftig mehr politische Freiheiten zuzulassen, gleichzeitig aber auch als Signal fĂŒr die vom Iran erhoffte Entspannung des VerhĂ€ltnisses zum westlichen Ausland. In der Tat erreichte Rohani die Aufnahme direkter GesprĂ€che zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran bezĂŒglich des Atomstreits. Andere, wie Human Rights Watch, begrĂŒĂŸten zwar die Freilassungen, sahen darin aber nicht viel mehr als eine symbolische Geste, da weiterhin hunderte politische Gefangene in iranischen GefĂ€ngnissen sĂ€ĂŸen. Auch mĂŒsse das Regime dafĂŒr sorgen, dass die Freigelassenen nicht erneut Ziel der SicherheitskrĂ€fte und der Justiz wĂŒrden. Auch die iranische FriedensnobelpreistrĂ€gerin Schirin Ebadi und Amnesty International kritisierten die Menschenrechtsbilanz Rohanis und die stark gestiegene Zahl der Hinrichtungen scharf.

Zwar zeigte Rohani nicht die exzessive israelfeindliche Rhetorik seines VorgĂ€ngers, vollzog inhaltlich jedoch keinen Wandel. So erklĂ€rte er anlĂ€sslich des al-Quds-Tags 2014, es könne fĂŒr die PalĂ€stinenser keinen diplomatischen Ausweg, sondern nur den des Widerstands geben: „Was die Zionisten in Gaza machen (Operation Protective Edge), ist ein unmenschlicher Völkermord, daher muss die islamische Welt heute einheitlich ihren Hass und Widerstand gegen Israel erklĂ€ren.“ Zudem verneinte er bei einem PodiumsgesprĂ€ch auf dem 44. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums Nachfragen des WEF-GrĂŒnders Klaus Schwab, ob er auch freundschaftliche Beziehungen zu Israel anstrebe, das von der Islamischen Republik Iran bisher nicht anerkannt wurde. Auch seine Betonung einer friedlichen Nutzung der Kernkraft sowie sein Angebot zur Vermittlung im syrischen BĂŒrgerkrieg, in dem der Iran auf Seiten Baschar al-Assads involviert ist, sorgten Mitte September 2013 fĂŒr internationale Aufmerksamkeit. Kritische Stimmen bemerkten, Rohani tue so, „als sei er ein neutraler Beobachter“, obwohl Iran lĂ€ngst Kriegspartei ist.

Mit dem Abschluss des Vertrags ĂŒber das Iranische Atomprogramm am 14. Juli 2015 mit den UN-VetomĂ€chten und Deutschland erreichte die iranische FĂŒhrung den Austritt des Iran aus seiner internationalen Isolation und mit dem Abkommen von Wien am 16. Januar 2016 die Aufhebung der internationalen Sanktionen. Davon versprachen sich der Iran wie auch westliche Wirtschaftsvertreter jeweils einen deutlichen Wachstumsschub fĂŒr ihre LĂ€nder.

Bei der PrÀsidentschaftswahl am 19. Mai 2017 wurde Rohani wiedergewÀhlt.

Im Mai 2018 kĂŒndigte US-PrĂ€sident Donald Trump das Atom-Abkommen mit dem Iran auf und kĂŒndigte neue Sanktionen an. Der Schritt wurde von der EU, Russland und China kritisiert. Als Reaktion darauf zog sich der Iran schrittweise aus dem Abkommen zurĂŒck und nahm 2019 die Urananreicherung wieder auf.

Bei einer zweiwöchigen Unruhe im November 2019 (den gewalttĂ€tigsten Ausschreitungen seit 1979) wegen einer drastischen Benzinpreiserhöhung kamen laut Insidern des iranischen Innenministeriums etwa 1500 Menschen ums Leben, da der Staat die Proteste gewaltsam niederschlagen ließ. Zuvor berichtete Amnesty International von mehreren hundert Toten durch die Proteste. Die iranische Regierung wies die Angaben von Amnesty als grundlose Behauptungen zurĂŒck. Das Internet im Land war wĂ€hrend der Ausschreitungen fĂŒr einige Tage auf staatliche Anordnung hin zumindest teilweise gesperrt, um die Verbreitung von Informationen ĂŒber die Proteste zu verhindern.

In Folge der zielgerichteten Tötung durch US-amerikanische StreitkrÀfte von Qasem Soleimani im Irak zu Beginn des Jahres 2020 gab es eine mehrtÀgig verordnete Staatstrauer und mehrere TrauermÀrsche mit bis zu mehr als eine Million Teilnehmern. Dabei kam es zu einer Massenpanik bei einem Trauerzug in Kerman mit ca. 40 Toten und mehreren hundert Verletzten.

Politik

Der iranische Staat ist in seiner heutigen Form einzigartig in der Welt und lÀsst sich von der vergleichenden Politikwissenschaft in keine der gÀngigen Kategorien einordnen. Er trÀgt Elemente theokratischer, totalitÀrer, posttotalitÀrer und autoritÀrer, aber auch demokratischer Systeme in sich.

Die heutige Staatsform des Iran geht maßgeblich auf Ajatollah Chomeini und Ajatollah Motahhari zurĂŒck und basiert auf dem islamischen Glaubensgrundsatz, dass der menschliche Wille abhĂ€ngig vom Willen Gottes sei und wahre Freiheit im Gehorsam Gott und seinem göttlichen Gesetz gegenĂŒber liege. Die diesem Grundsatz zugesprochene universelle GĂŒltigkeit ĂŒbertrĂ€gt sich entsprechend auf die entwickelte Staatsphilosophie: das GlĂŒck der Völker und der Gesellschaften ist nur durch die Befolgung dieser fĂŒr alle LĂ€nder gleichermaßen gĂŒltigen göttlichen Gesetze erreichbar.

Da in den Augen Chomeinis nur Gott die AutoritĂ€t zur Gesetzgebung hat, lehnte er ein gesetzgebendes Parlament nach westlichem Vorbild strikt ab. Der Mensch dĂŒrfe die Gesetze Gottes nicht verfĂ€lschen, Widerstand gegen oder Kritik an diesen Gesetzen sei Blasphemie. In der Konsequenz propagierte er ein Programmierungsparlament. Die Exekutive göttlich gegebener Gesetze obliege in Chomeinis Staatswesen dem legitimen FĂŒhrer der muslimischen Gemeinschaft, nach dem schiitischen Bekenntnis also dem Propheten und den rechtgeleiteten Imamen. In Abwesenheit des der Welt entrĂŒckten zwölften Imams, an dessen RĂŒckkehr die Schiiten glauben, soll ein profunder Kenner des göttlichen Gesetzes, also ein schiitischer Rechtsgelehrter, die Vertretung des Imams ausĂŒben. Dieses System, das Chomeini Statthalterschaft der Rechtsgelehrten nannte, verleiht dem obersten Rechtsgelehrten an der Spitze des Staates göttliche LegitimitĂ€t und verpflichtet damit die Subjekte des Staates zu Gehorsam.

Regierungssystem

Das höchste und mĂ€chtigste Amt im heutigen iranischen Staat ist der ReligionsfĂŒhrer, der im Deutschen synonym auch als Oberster oder Herrschender Rechtsgelehrter, geistlicher FĂŒhrer oder religiöser FĂŒhrer bezeichnet wird; im Persischen ist die Bezeichnung Rahbar gelĂ€ufig. Er regiert laut Artikel 5 der Verfassung als Stellvertreter des erwarteten Imams Muhammad al-MahdÄ«; mit dieser religiösen Legitimierung verfĂŒgt er ĂŒber fast uneingeschrĂ€nkte Macht: er definiert die Politik des Staates (als Gottesstaat) und ĂŒberwacht deren AusfĂŒhrung, er ist Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte und erklĂ€rt als solcher Krieg und Frieden, er ernennt den vom Volk gewĂ€hlten PrĂ€sidenten und kann ihn unter gewissen UmstĂ€nden absetzen. Nicht zuletzt ernennt er den obersten Richter, den obersten Staatsanwalt und die Oberbefehlshaber der Sicherheits- und OrdnungskrĂ€fte. Der ReligionsfĂŒhrer wird nicht vom Volk, sondern vom Expertenrat fĂŒr eine unbestimmte Zeit ernannt und kann von diesem theoretisch auch wieder abgesetzt werden. Bisher gab es nur zwei Amtsinhaber: Ali Chamenei folgte im Jahre 1989 auf Ruhollah Mussawi Chomeini.

Das zweithöchste Amt ist der StaatsprĂ€sident. Er ist der Leiter der Exekutive und ernennt die Regierungsmitglieder, die jedoch vom Parlament bestĂ€tigt werden mĂŒssen. Der PrĂ€sident leitet die Regierungsarbeit, koordiniert die Entscheidungen der Minister und ist fĂŒr diese dem Parlament und dem ReligionsfĂŒhrer gegenĂŒber verantwortlich. Alle Fragen, die die islamische FĂŒhrung direkt betreffen, sind jedoch Angelegenheiten des ReligionsfĂŒhrers; diese Regelung kann dazu herangezogen werden, die Befugnisse des StaatsprĂ€sidenten nach Belieben zugunsten des ReligionsfĂŒhrers zu beschneiden. Der PrĂ€sident wird in allgemeinen Wahlen fĂŒr eine vierjĂ€hrige Amtszeit bestimmt und kann nur einmal wiedergewĂ€hlt werden. Aktueller Amtsinhaber ist seit 2021 Ebrahim Raisi. Das Amt des MinisterprĂ€sidenten wurde im Rahmen der VerfassungsĂ€nderung von 1989 abgeschafft.

Der WĂ€chterrat ist eine sehr mĂ€chtige Institution aus zwölf Mitgliedern, von denen sechs vom ReligionsfĂŒhrer ernannt und weitere sechs vom Leiter der Judikative vorgeschlagen und vom Parlament gewĂ€hlt werden. Seine Aufgabe besteht darin, jedes Gesetz auf KonformitĂ€t mit dem Islam zu prĂŒfen und gegebenenfalls zurĂŒckzuweisen. DarĂŒber hinaus hat der WĂ€chterrat die Interpretationshoheit ĂŒber die Verfassung und prĂŒft jeden Kandidaten zu Parlaments-, PrĂ€sidentschafts- oder Expertenratswahlen auf seine Eignung. Kandidaten, die der WĂ€chterrat nicht zulĂ€sst, sind von den Wahlen automatisch ausgeschlossen. Somit hat der WĂ€chterrat direkten Einfluss auf die Gesetzgebung und den Ausgang der Wahlen; seine Rolle ist ein stĂ€ndiger Streitpunkt zwischen den konservativen und reformorientierten KrĂ€ften des Landes. Der Expertenrat ist ein Gremium von 86 Geistlichen, die teils stĂ€ndige Mitglieder sind und teils fĂŒr 8 Jahre direkt vom Volk gewĂ€hlt werden. Es hat die Aufgabe, den ReligionsfĂŒhrer zu wĂ€hlen; ansonsten tritt es zusammen, um ĂŒber GesetzesvorschlĂ€ge des Parlaments zu beraten, die die Verfassung verletzen.

Der Schlichtungsrat, auch Feststellungsrat genannt, ist ein Gremium, in dem Vertreter des WĂ€chterrates, der Exekutive, Judikative und Legislative sowie sonstige vom ReligionsfĂŒhrer direkt ernannte Mitglieder sitzen. Seine Aufgabe ist das Beraten des ReligionsfĂŒhrers einerseits, andererseits vermittelt er zwischen dem Parlament und dem WĂ€chterrat, wenn der WĂ€chterrat einen Gesetzesvorschlag als den Islam oder die Verfassung verletzend bewertet, und das Parlament den Vorschlag nicht Ă€ndern kann.

In der Islamischen Konsultativen Versammlung, also dem Madschles genannten Parlament des Iran, werden Sachfragen diskutiert, Budgets aufgestellt und verabschiedet, die Berichte der Regierung geprĂŒft, GesetzesvorschlĂ€ge ausgearbeitet, Referenden beschlossen und Untersuchungen angestellt. Das Parlament hat 290 Abgeordnete, die alle vier Jahre in allgemeinen Wahlen bestimmt werden. Kandidaten zur Parlamentswahl mĂŒssen vom WĂ€chterrat genehmigt werden.

Somit kann von einer Gewaltenteilung nicht die Rede sein; Artikel 57 der iranischen Verfassung bestimmt, dass Legislative, Exekutive und Judikative dem ReligionsfĂŒhrer unterstellt sind, dessen Meinung in allen Fragen ausschlaggebend ist. Dadurch, dass der ReligionsfĂŒhrer den WĂ€chterrat direkt und indirekt ĂŒber den von ihn bestimmten Vorsitzenden der Judikative bestimmt, der WĂ€chterrat die Kandidaten fĂŒr den Expertenrat zulĂ€sst, und der Expertenrat wiederum den ReligionsfĂŒhrer wĂ€hlt, entsteht ein Machtkreislauf, der sich innerhalb der Geistlichkeit abspielt und der vom Rest der Gesellschaft entkoppelt ist.

Politische Lager

Anders als in den meisten Staaten gibt es im Iran keine Parteien, die ĂŒber eine lĂ€ngere Zeit bestehen und politische Positionen vertreten. Es gibt jedoch verschiedene Lager oder Strömungen, die sich stĂ€ndig in intensiven MachtkĂ€mpfen befinden. Die Grenzen zwischen diesen informellen Lagern sind hierbei verschwommen. Nicht jeder politische Akteur kann einem dieser Lager exakt zugeordnet werden. Politiker wechseln auch hĂ€ufig die Lager. Beobachter unterscheiden meist zwischen vier großen Lagern:

  • Das konservative Lager steht fĂŒr die Herrschaft durch den Klerus, die Erhaltung der Errungenschaften der Revolution, wirtschaftliche Autarkie sowie Betonung islamischer Werte und des islamischen Lebensstils. Zu diesem Lager zĂ€hlen zahlreiche hochrangige Kleriker wie Ajatollah Mahdavi-Kani, Makarem-Schirazi oder die bereits verstorbenen Abbas Vaez-Tabasi und Ali Meschkini sowie Vertreter der traditionellen Wirtschaft des Iran (Bazaris). Es kontrolliert den WĂ€chterrat, den Expertenrat und die Freitagsgebete. Auch der religiöse FĂŒhrer steht ihm nahe und besetzt Posten meist mit Kandidaten aus diesem Lager. Seine Kandidaten werden von der unteren Mittelklasse, dem niederen Klerus und den Basar-Kaufleuten gewĂ€hlt.
  • Das reformorientierte Lager befĂŒrwortet mehr persönliche Freiheiten, die Vereinbarkeit von Demokratie und Islam, eine liberalere Kulturpolitik und die Öffnung gegenĂŒber dem Ausland im Rahmen des Dialoges der Zivilisationen. Es wird von der stĂ€dtischen Mittelschicht unterstĂŒtzt und erreichte in den 1990er Jahren eine Mehrheit im Parlament sowie die PrĂ€sidentschaft; seine BemĂŒhungen werden jedoch regelmĂ€ĂŸig vom konservativen Lager, besonders dem religiösen FĂŒhrer, geblockt. Seit den Protesten nach der Parlamentswahl von 2009 hat es an Einfluss verloren. In ihrem Zentrum steht der frĂŒhere PrĂ€sident Mohammad Chātami. Trotz seinen BemĂŒhungen um Reformen gilt es als stabilisierend fĂŒr das Regime, weil es als legales Sammelbecken fĂŒr Gegner des Regimes, vor allem der Jugend, fungiert.
  • Das pragmatische Lager steht fĂŒr eine liberale Wirtschaftspolitik und Öffnung in Richtung Westen. Zu diesem Lager werden Vertreter der Privatwirtschaft, des Kapitals und der Ölwirtschaft gezĂ€hlt. WĂ€hrend es in wirtschaftlichen Fragen den Reformern nahesteht, vertritt es in kulturellen und gesellschaftlichen Punkten konservative Positionen. Der bedeutendste Vertreter dieses Lagers war der mittlerweile verstorbene Akbar Hāschemi Rafsandschāni.
  • Das prinzipalistische Lager steht fĂŒr absolutes Festhalten am Prinzip der Welāyat-e Faqih. Es vertritt populistische Positionen wie Gerechtigkeit, Rechte der Armen und der Landbevölkerung sowie einen neuen Nationalismus. Zu diesem Lager zĂ€hlen zahlreiche Politiker aus der Generation, die im Irak-Iran-Krieg gekĂ€mpft hat wie der frĂŒhere PrĂ€sident Mahmud Ahmadineschād oder Akteure wie Ali Laridschani und Said Dschalili, aber auch Fundamentalisten wie Ajatollah Mesbah Yazdi. Es verhalf den Revolutionsgarden zu großem wirtschaftlichen und politischen Einfluss. Dem westlichen Ausland steht es skeptisch gegenĂŒber. Ihre Kandidaten werden von der armen Stadtbevölkerung und auf dem Land gewĂ€hlt.

Diese politischen Lager vertreten innerhalb des systemtreuen Spektrums sehr unterschiedliche Ansichten und Ziele, was bei Wahlen zu hohen Wahlbeteiligungen fĂŒhrt. Spieler außerhalb dieser systemtreuen Bandbreite gelangen jedoch ins politische Abseits, dies galt besonders fĂŒr zahlreiche reformorientierte Politiker nach den Protesten von 2009. Die Tendenz, dass sich ein wachsender Teil der Gesellschaft, besonders der Jugend, von niemandem innerhalb der systemtreuen KrĂ€fte vertreten fĂŒhlt, ist eine potentielle Quelle fĂŒr InstabilitĂ€t.

Gesetzgebung

Das iranische Einkammer-Parlament (Islamischer Konsultativrat; persisch Madschles-e Schora-ye Eslami) besteht aus 290 Abgeordneten, die in allgemeinen, direkten und geheimen Wahlen fĂŒr eine 4-jĂ€hrige Amtszeit gewĂ€hlt werden. Wegen der Auswahl des WĂ€chterrates wird das Parlament (außer von 2000 bis 2003) von den islamisch-konservativen KrĂ€ften dominiert. Bei Parlamentswahlen werden keine Parteien, sondern Personen gewĂ€hlt. Voraussetzungen fĂŒr die Wahl zum Parlamentsabgeordneten sind: ein Alter von 30 bis 75 Jahren, Glaube und aktives Bekenntnis zum Islam (von den Angehörigen religiöser Minderheiten wird ein Bekenntnis zu ihrer Religion verlangt), zur Verfassung und zum Prinzip des Velayat-e Faqih (Statthalterschaft der Rechtsgelehrten), geeignete physische Verfassung und ein akademischer Grad im Range eines Masters, ersatzweise eines Bachelors plus beruflicher und akademischer Praxis. Als Ausschlusskriterien fĂŒr eine Kandidatur gelten: Aktive Rolle im vorislamischen System, Großgrundbesitzertum, Mitgliedschaft in illegalen Gruppen, Verurteilungen wegen staatsfeindlicher AktivitĂ€ten, DrogenabhĂ€ngigkeit oder Drogenhandel, Personen, die nach religiösem Recht verurteilt wurden (es sei denn, sie hĂ€tten bereut) und fĂŒr Ausschweifungen bekannte Personen. Die religiösen Minderheiten können folgende Anzahl Parlamentsabgeordneter entsenden: Zoroastrier und Juden jeweils einen Abgeordneten, assyrische und chaldĂ€ische Christen gemeinsam einen Abgeordneten und armenische Christen jeweils einen Abgeordneten aus dem Norden und SĂŒden des Landes. Wahlberechtigt sind geistig gesunde BĂŒrger ĂŒber 18 Jahren. Das Parlament hat, wie die Regierung, legislatives Initiativrecht. Der PrĂ€sident muss fĂŒr sein Kabinett ein Vertrauensvotum seitens des Parlamentes erlangen, bevor er irgendwelche Maßnahmen ergreift. Die Sitzungen des iranischen Parlamentes sind, ausgenommen im Notstand, öffentlich.

Justizsystem

Durch die Islamische Revolution ist 1979 das islamische Recht, die Scharia, als Gesetzesgrundlage eingefĂŒhrt worden. Da die Scharia in islamischen LĂ€ndern niemals kodifiziert worden ist, obliegt die Rechtspflege und Fortentwicklung der Jurisprudenz in einer Art Fallrechtssystem, basierend auf dem iranischen Strafgesetzbuch und dem iranischen Familienrecht. In Bezug auf die Gewaltenteilung wirkte sich die TĂ€tigkeit des ersten Obersten Richters nach der Revolution, Chalkali, Ă€ußerst negativ aus. Bis heute gibt es keine Gewaltenteilung im Iran, der ReligionsfĂŒhrer hat weitreichende Befugnisse. Justizminister des Iran ist seit 2013 der konservative Kleriker Mostafa Pour-Mohammadi, der auf Sadegh Laridschani folgte.

Prozesse und Verfahren

Amnesty International kritisiert weiter die iranischen Gerichte bzw. Sondergerichte wegen Nichteinhaltung der internationalen Standards fĂŒr faire Verfahren. Folter und Misshandlungen an Gefangenen sind ĂŒblich. Aufsehen erregte 2006 die Forderung der kanadischen Regierung an Deutschland, den iranischen Generalstaatsanwalt Said Mortasawi in Frankfurt auf dem Flughafen bei seinem RĂŒckflug von Genf festnehmen zu lassen, weil ihm direkte Verwicklungen in den Mordfall der iranischstĂ€mmigen kanadischen Journalistin Zahra Kazemi vorgeworfen wird.

Kazemi war im Teheraner Evin-GefĂ€ngnis bei Verhören unter anderem mit Mortasawi zu Tode gekommen. Said Mortasawi war iranischer Vertreter bei dem in Genf tagenden UN-Menschenrechtsrat. Zusammen mit dem Chef des iranischen Justizapparats – Mahmud Haschemi Schahrudi – und dem Sicherheitschef des Evin-GefĂ€ngnisses, Mohammed Bachschi, gilt Mortasawi als Verantwortlicher fĂŒr die Behinderung einer freien Berichterstattung im Iran und fĂŒr massive Menschenrechtsverletzungen und Folter im Teheraner Evin-GefĂ€ngnis, das schon zu Zeiten der gestĂŒrzten Schah-Regierung als FoltergefĂ€ngnis galt.

Haftanstalten

Das Evin-GefĂ€ngnis gilt neben dem Ghasar-GefĂ€ngnis und dem Towhid-GefĂ€ngnis schon seit der Regierungszeit von Schah Mohammad Reza Pahlavi, aber auch nach dessen Sturz unter der FĂŒhrung Chomeinis und Chamene’is als FoltergefĂ€ngnis. Nach Aussage der ehemaligen Insassin Marina Nemat, die ĂŒber zwei Jahre im Evin-GefĂ€ngnis inhaftiert war, ĂŒberlebte von ihren Zellengenossinnen im Trakt 246 keine die Haft. Nach Angaben Nemats war der Trakt, in dem zu Schah-Zeiten 50 Personen einsaßen, wĂ€hrend ihrer Haftzeit mit 650 Frauen belegt. Im Kahrisak-GefĂ€ngnis sĂŒdlich von Teheran starben wĂ€hrend der Wahlunruhen 2009 drei Menschen. Nachdem mit Mohsen Rouhalamini, der ebenfalls dort festgesetzt worden sein soll, auch der Sohn eines prominenten Konservativen getötet wurde, protestierten konservative Politiker. In der Folge ließ Staatsoberhaupt Chamenei das GefĂ€ngnis schließen. Gegen zwei GefĂ€ngniswĂ€rter des Kahrisak-GefĂ€ngnisses wurde spĂ€ter die Todesstrafe verhĂ€ngt, insgesamt kamen 12 Beamte nach den brutalen Misshandlungen bei den Protesten gegen die PrĂ€sidentschaftswahlen vor Gericht, von denen neun zu Haft- und PrĂŒgelstrafen verurteilt wurden. Ein parlamentarisch berufenes Komitee machte in seinem Bericht Anfang 2010 den damaligen Generalstaatsanwalt Teherans, Said Mortasawi, fĂŒr die VorfĂ€lle verantwortlich.

Generell verweisen Oppositionsgruppen immer wieder auf die menschenunwĂŒrdigen ZustĂ€nde in iranischen Haftanstalten. So auch bezĂŒglich der Haftanstalt Vakilabad in der nordöstlichen Stadt Maschhad. In dem Zuchthaus sei es zu Massenhinrichtungen gekommen; die Haftbedingungen – darunter schwere Folterungen – wurden in einem Bericht des UN-GeneralsekretĂ€rs am 14. MĂ€rz 2011 beschrieben. Zu Gruppenexekutionen ist es auch in den GefĂ€ngnissen von Birdschand und Taibad gekommen. Menschenrechtsaktivisten in Maschhad werfen Ermittlungsbeamten körperliche Misshandlungen und schwere Folter in Haftanstalten vor, um von HĂ€ftlingen GestĂ€ndnisse zu erlangen, die dann bei ihrer Verurteilung oft der einzige Schuldbeweis seien.

Todesstrafe

Der Iran ist nach einer kurzen Phase zurĂŒckgehender Hinrichtungszahlen seit mehreren Jahren (Stand 2017) gemessen an der Bevölkerungszahl das Land mit den meisten Hinrichtungen. In absoluten Zahlen rangiert es heute an zweiter Stelle nach China. Vor allem in den Jahren nach der Islamischen Revolution von 1979 wurden die heutigen Hinrichtungszahlen teilweise jedoch weit ĂŒbertroffen. So wurden in Massenexekutionen mehrere tausend politische Gefangene, meist ohne faires Verfahren und teilweise trotz der Verurteilung zu einer Haftstrafe, hingerichtet. Im Jahresbericht von 1985 spricht Amnesty International von insgesamt 6108 Hinrichtungen zwischen Februar 1979 und Ende 1984. In einem Bericht von 1990 konstatierte Amnesty International tausende Hinrichtungen nach hĂ€ufig willkĂŒrlicher Inhaftierung zwischen 1987 und 1990. Allein zwischen Juli 1988 und Januar 1989 seien ĂŒber 2000 politische Gefangene, viele von ihnen wegen gewaltloser AktivitĂ€ten inhaftiert, exekutiert worden. RegelmĂ€ĂŸig weist Amnesty International darauf hin, dass die in den Jahresberichten angegebenen Zahlen als untere Grenze zu verstehen sind. Insbesondere die Exekutionen politischer Gefangener wĂŒrden hĂ€ufig geheimgehalten und seien so nur schwer vollstĂ€ndig erfassbar. Auch heute kommt es immer wieder zu Gruppen- und Massenhinrichtungen, ein rechtsstaatlicher Prozess ist nicht gewĂ€hrleistet. Insbesondere werden im Iran zur Verurteilung fĂŒhrende „GestĂ€ndnisse“ zum Teil durch Folter erzwungen.

Die Todesstrafe kann im Iran fĂŒr Mord, verschiedene Drogendelikte, „politische Vergehen“, Prostitution, Ehebruch und „VerstĂ¶ĂŸe gegen Moral“ sowie GotteslĂ€sterung verhĂ€ngt werden. Auch fĂŒr Apostasie (Abfall vom Islam) ist die Anwendung der Todesstrafe möglich und wird vollstreckt. 2011 wurde die Todesstrafe am hĂ€ufigsten (81 %) wegen Drogenhandels, GotteslĂ€sterung (4,3 %) und Vergewaltigung (4,1 %) vollzogen. Dabei ist HĂ€ngen als Hinrichtungsart ĂŒblich, 53 der 753 Verurteilten wurden 2014 öffentlich hingerichtet. Erschießen, Enthauptung, Steinigung und (theoretisch) die Kreuzigung sind nach dem iranischen Strafgesetzbuch möglich; Abseits der Todesstrafe werden nach wie vor Strafen wie die Amputation von Gliedmaßen, die PrĂŒgelstrafe und das Ausstechen der Augen verhĂ€ngt.

Iran Human Rights (IHR) weist darauf hin, dass die meisten Todesurteile seit 1979 durch das Islamische Revolutionsgericht verhĂ€ngt und vollstreckt wurden, 2016 64 % der Hinrichtungen und mehr als 3200 Hinrichtungen seit 2010. Die dortigen Verfahren sind weniger transparent als bei öffentlichen Gerichten und Amtsmissbrauch durch die Richter des Revolutionsgerichtes ist verbreitet. Verfahren an diesen Gerichten dauern hĂ€ufig weniger als 15 Minuten, es gibt kein Recht auf selbstgewĂ€hlte AnwĂ€lte und Verurteilungen basieren regelmĂ€ĂŸig auf von durch Folter erzwungenen GestĂ€ndnissen.

Auch Jugendliche unter 18 Jahren werden im Iran zum Tode verurteilt und hingerichtet, obwohl der Iran den UN-Zivilpakt unterzeichnet hat, der dies verbietet. Teilweise wird die Vollstreckung des Urteils bis zum Erreichen der VolljĂ€hrigkeit aufgeschoben. Seit der Islamischen Revolution wurden zudem ĂŒber 4000 homosexuelle MĂ€nner öffentlich hingerichtet.

Nur selten werden Exekutionen auf internationalen Druck hin gestoppt bzw. verschoben. Auch AuslĂ€nder werden hingerichtet, insbesondere weil der Iran doppelte StaatsbĂŒrgerschaften nicht anerkennt und so konsularische Hilfe verhindert. So wurde beispielsweise die aus Iran stammende NiederlĂ€nderin Sahra Bahrami im Januar 2011 durch HĂ€ngen hingerichtet. Bereits 2010 hatte der damalige stellvertretende Außenminister Hassan Ghaschghavi erklĂ€rt, dass das islamische System an der Hinrichtungspraxis festhalten wird:

Die jĂ€hrliche Entwicklung der Anzahl vollstreckter Todesstrafen in der Islamischen Republik Iran wird wie folgt von den Vereinten Nationen (fĂŒr den Zeitraum 2004 bis Ende 2015) sowie in nur leichter Abweichung von Amnesty International (zwischen 1979 und 2016) und dem Iranischen Menschenrechts-Dokumentationszentrum (IHRDC, von 2011 bis 2015) dokumentiert – eine hohe Dunkelziffer wird durchgĂ€ngig vermutet:

Anzahl der Hinrichtungen pro Jahr:

Quellen:

1. 1979 bis 2003: Amnesty International Jahresberichte Iran (fĂŒr das Jahr 1998 existiert kein Bericht, die Zahl fĂŒr 1979 beruht auf SchĂ€tzungen)
2. 2004 bis 2014: Iran Human Rights (IHR), MĂ€rz 2016
3. 2014 bis 2019: UN-Bericht zur Lage der Menschenrechte in der Islamischen Republik Iran

Nachdem 2005 im Iran nach Angaben von Amnesty International noch 94 Menschen hingerichtet wurden, darunter acht MinderjĂ€hrige, stiegen die Zahlen in den folgenden Jahren deutlich auf teilweise weit ĂŒber 600 Menschen an. 2009 wurden etwa 400 Personen hingerichtet. Allein 112 Todesurteile wurden zwischen der umstrittenen PrĂ€sidentenwahl am 12. Juni und der zweiten AmtseinfĂŒhrung von PrĂ€sident Mahmud Ahmadineschād am 5. August vollstreckt. 2011 warf Amnesty International der iranischen FĂŒhrung vor, zum Jahresanfang tĂ€glich mehr als zwei Menschen hinzurichten und sprach von einem Tötungsrausch. Der EuropĂ€ische Rat nennt namentlich zahlreiche Richter und Berufungsrichter – u. a. der Revolutionsgerichte in Teheran (Abteilungen 15, 26 und 28) und Maschhad – auf Sanktionslisten und wirft diesen summarische Todesurteile en masse ohne faire Anhörungsverfahren vor. Verantwortlich genannt und sanktioniert werden auch mehrere Staats- und GeneralstaatsanwĂ€lte, u. a. Ghorbanali Dorri-Nadschafabadi, Gholamhossein Mohseni-Esche'i und Said Mortasawi.

Nach der AmtseinfĂŒhrung Hassan Rohanis am 14. Juni 2013 stiegen die Exekutionszahlen nochmals deutlich. So wurden zwischen Juli 2013 und Juni 2014 nachweislich insgesamt 852 Personen hingerichtet. Allein im Januar 2014 wurden ĂŒber 70 Menschen im Iran hingerichtet, unter anderem der Dichter Haschem Schaabani. Damit wurden mit 33 Tötungen allein in der zweiten Januarwoche mehr Todesstrafen vollstreckt als im gesamten Januar des Vorjahres. Auch im Februar hielt die Hinrichtungswelle an. Die in den vergangenen Jahren leicht unter den Angaben der UN liegenden Zahlen des IHRDC verzeichneten fĂŒr das Jahr 2014 insgesamt 721 Hinrichtungen, davon nur 268 offiziell verkĂŒndet; der Report der UN vom MĂ€rz 2015 spricht von mindestens 753 hingerichteten Menschen fĂŒr 2014, von denen 53 öffentlich getötet wurden und die beinahe zur HĂ€lfte (362 Hinrichtungen) international als minderschwer und nicht der Todesstrafe fĂ€hig bewertete DrogenkriminalitĂ€t betrafen. Insbesondere die Vollstreckung des Todesurteils gegen die 26-jĂ€hrige Reyhaneh Jabbari sorgte fĂŒr internationale Empörung. Im Jahr 2015, dem Jahr der Beendigung der internationalen Isolation, stiegen die Exekutionszahlen mit etwa drei Toten pro Tag auf den höchsten Stand seit 1989 an; insgesamt wurden 969 Menschen hingerichtet. Auch 2016 richtete Iran trotz eines deutlichen RĂŒckgangs auf 567 Exekutionen weiterhin mehr Menschen hin als alle anderen Staaten des Nahen Ostens (66 %). Als einziger Staat neben Nordkorea veranstaltete Iran dabei auch mindestens 33 Hinrichtungen öffentlich. 2017 wurden 507 Hinrichtungen vorgenommen, 2018 waren es 253.

Hinrichtung MinderjÀhriger

Laut Scharia sind Jungen ab 15 Jahren und MĂ€dchen schon ab neun Jahren volljĂ€hrig und voll strafmĂŒndig. Das Mindestheiratsalter und damit auch die StraffĂ€higkeit wurde im Iran im Mai 2002 vom „Rat zur Feststellung der Interessen des Staates“ (ein Schlichtungsrat) fĂŒr MĂ€dchen auf 13 und fĂŒr Jungen auf 15 Jahre festgelegt. Immer wieder werfen Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International dem Iran vor, als einer der letzten Staaten zum Tatzeitpunkt MinderjĂ€hrige zum Tode zu verurteilen und hinzurichten. So stellte Amnesty International in einem Bericht fĂŒr das Jahr 2006 fest, dass mindestens drei Hinrichtungsopfer zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat und ein weiterer noch am Tag der Hinrichtung minderjĂ€hrig waren. 2007 seien bei einem massiven Anstieg der Hinrichtungszahlen unter anderem mindestens sieben zur Tatzeit MinderjĂ€hrige hingerichtet worden. Zudem hĂ€tten sich noch mindestens 75 minderjĂ€hrige StraftĂ€ter in Todeszellen befunden. Auch in den folgenden Jahren wurden regelmĂ€ĂŸig jugendliche StraftĂ€ter exekutiert: acht im Jahr 2008, fĂŒnf 2009, einer 2010, und drei bis sieben im Jahr 2011. Auch in den Berichten von 2013 und 2015 ist die Rede von etwa 100 jugendlichen StraftĂ€tern, die in Todeszellen auf ihre Hinrichtung warten. Laut dem UN-Bericht zur Lage der Menschenrechte in der Islamischen Republik Iran vom MĂ€rz 2015 wurden 2014 mindestens 13 Jugendliche exekutiert. 2016 wurden laut Amnesty International mindestens zwei zum Zeitpunkt der Festnahme minderjĂ€hrige Personen exekutiert.

Die Todesurteile seien dabei hĂ€ufig das Ergebnis ĂŒberhasteter Prozesse und widersprĂ€chen selbst den strafprozessualen Regeln der Scharia. So wurde in der Stadt Neka ein sechzehnjĂ€hriges MĂ€dchen wegen angeblich unkeuschen Verhaltens von dem Richter Hadschi Radschai verurteilt und nach der von diesem betriebenen BestĂ€tigung aus Teheran hingerichtet, obwohl die Hinrichtung als Verstoß gegen den vom Iran unterschriebenen Internationalen Pakt ĂŒber bĂŒrgerliche und politische Rechte einen völkerrechtswidrigen Akt darstellt. Der Westdeutsche Rundfunk nannte 2007 sechs weitere MinderjĂ€hrige, die wegen des gleichen Vergehens von einem Todesurteil bedroht sind. Die Wiener Zeitung warf dem wahlkĂ€mpfenden PrĂ€sidenten des Iran – Mahmud Ahmadineschād – vor, die Hinrichtung der zum Tatzeitpunkt 17-jĂ€hrigen Delara Darabi 2009 als Wahlkampfmittel zu benutzen. Auch ihre Hinrichtung war nach iranischem und islamischem Recht illegal.

Politische Indizes

Menschenrechte

Freedom House bewertet das politische System des Iran im Jahr 2012 als „nicht frei“, mit großen MĂ€ngeln in den Bereichen der politischen Rechte, der BĂŒrgerrechte und in einem generellen AbwĂ€rtstrend. Der ehemalige Verteidigungsminister Ahmad Vahidi wird von der argentinischen Justiz und von Interpol wegen Mordes gesucht, so wie der ehemalige Geheimdienstminister Ali Fallahian.

Nach der islamischen Revolution begann eine Mordserie an Dissidenten und Oppositionspolitikern im Ausland, die man zu Feinden Gottes erklĂ€rt hatte. Diese Serie erreichte zwischen 1989 und 1996 ihren Höhepunkt und forderte mehr als 160 Opfer. Zu den Opfern gehören der Neffe des Schahs, Shariar Shafiq (ermordet 1979 in Paris), Ali Akbar Tabatabai (ermordet 1980 in Bethesda), General Gholam Ali Oveisi (ermordet 1984 in Paris), der desertierte Pilot der iranischen Luftwaffe Ahmed Moradi-Talebi (ermordet 1987 in Genf), der Vorsitzende der Demokratischen Partei Kurdistan-Iran Abdul Rahman Ghassemlou (ermordet 1989 in Wien), der Menschenrechtsaktivist Kazem Rajavi (ermordet 1990 in Genf) der frĂŒhere Premierminister des Iran Schapur Bachtiar (ermordet 1991 nahe Paris) oder vier kurdische Politiker beim Mykonos-Attentat 1992 in Berlin. Die Ermordung von Salman Rushdie, fĂŒr die 1989 aufgrund des Buches The Satanic Verses bis zu 2,6 Millionen US-Dollar Belohnung versprochen wurden, gelang nicht. Das von Chomeini ausgesprochene Todesurteil wurde jedoch mehrfach bestĂ€tigt und bis heute (Stand 2016) nicht widerrufen. Zuletzt wurde im Februar 2016 anlĂ€sslich des Jahrestags der Fatwa das ausgesprochene Kopfgeld von vierzig staatlichen iranischen Medien um insgesamt 600.000 Dollar erhöht. Nur in den FĂ€llen Mykonos und Salman Rushdie kam es zu Verurteilungen in den betroffenen westlichen Staaten, die dann auch die Verantwortung der höchsten FĂŒhrungsebene des Iran feststellte. In den meisten FĂ€llen wurde aus RĂŒcksicht auf Handelsbeziehungen und aus Sorge um Vergeltung auf strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen verzichtet.

Nach Jahren der massiven Repression durch die neuen Machthaber gab die Wahl Mohammad Chātamis im Jahr 1997 vielen Anlass fĂŒr Hoffnung auf eine Besserung der Menschenrechtslage. So konnten sich in der Folge auch diverse Nichtregierungsorganisationen grĂŒnden. Die BemĂŒhungen erfuhren schließlich durch die Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahre 2003 an die iranische Menschenrechtsaktivistin Schirin Ebadi internationale Beachtung. Oppositionsgruppen kritisierten jedoch die verbreitete EinschĂ€tzung Chātamis als eines Reformers und wiesen anlĂ€sslich der zurĂŒckgehenden internationalen Isolierung des Iran darauf hin, dass weiterhin „die echten Reformer in Iran im GefĂ€ngnis [sitzen]“, die Opposition im Iran wie im Ausland verfolgt werde und die Menschenrechtsverletzungen fortbestĂŒnden. Auch Amnesty International berichtete von anhaltenden massiven Menschenrechtsverletzungen in großer Zahl, unter anderem von 73 Toten und mehreren Hundert Verletzten bei Übergriffen von Polizei- und SicherheitskrĂ€ften bei drei öffentlichen Kundgebungen im Jahr 2005.

In den folgenden Jahren verschlechterte sich die Menschenrechtslage im Iran jedoch abermals deutlich. Die politische wie alltĂ€gliche Repression wie auch die Zahl der Hinrichtungen nahm unter Mahmud Ahmadineschād wieder zu und fand in der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste nach den iranischen PrĂ€sidentschaftswahlen 2009 ihren vorlĂ€ufigen Höhepunkt. Ein Bericht des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen (UN), der vom UN-Sicherheitsrat aufgefordert worden war, die Situation der Menschenrechte des Iran zu untersuchen, sprach Ende MĂ€rz 2011 von unverĂ€nderten und zahlreichen Verletzungen grundlegender Menschenrechte im Iran. Genannt wurden insbesondere eine steigende Anzahl von Hinrichtungen, Amputationen, willkĂŒrliche Verhaftungen, unfaire Gerichtsverfahren, Folter sowie Misshandlungen von Menschenrechtsaktivisten, RechtsanwĂ€lten, Journalisten und Oppositionellen. Die Regierung des Iran wurde daraufhin vom UNO-Sicherheitsrat aufgefordert, die nationale Gesetzgebung zu ĂŒberprĂŒfen, insbesondere den Strafrechtskatalog und das MinderjĂ€hrigen-Recht, um eine Kongruenz mit internationalem Recht herzustellen. Weiterhin solle Iran Todesstrafen und andere Formen der Bestrafung unterlassen, soweit sie internationalem Recht widersprechen.

Die an die Wahl Hassan Rohanis im Jahr 2013 geknĂŒpften Hoffnungen auf eine Entspannung der innenpolitischen Lage, eine Entlassung der vielen seit 2009 inhaftierten politischen Gefangenen sowie auf grĂ¶ĂŸere politische wie alltĂ€gliche Freiheiten zerschlugen sich nach einigen als an den Westen gerichtete, symbolische Gesten kritisierte Maßnahmen sehr schnell. Unter anderem nominierte Rohani im August 2013 den konservativen Kleriker Mostafa Pour-Mohammadi als Justizminister.

Die iranische FriedensnobelpreistrĂ€gerin Schirin Ebadi kritisierte die Menschenrechtsbilanz Rohanis scharf und warf der Regierung vor, ĂŒber die Freilassung von politischen Gefangenen zu lĂŒgen. Keine ihrer Erwartungen sei erfĂŒllt. Laut Ebadi habe Rohani vielleicht „den Ruf eines moderaten Reformers“, sende bisher aber in Bezug auf Menschenrechte die „falschen Signale“. Ebadi und Amnesty International weisen dabei auch auf den starken Anstieg der Hinrichtungszahlen auf ein Rekordniveau seit Rohanis Amtsantritt hin.

Status der Minderheiten

Die Religionsgemeinschaften der Zoroastrier, der Juden und der Christen sind gemĂ€ĂŸ der Artikel 13 und 14 der iranischen Verfassung als „offizielle religiöse Minderheiten“ anerkannt, die unter dem Schutz der Menschenrechte stehen. Zum Schutz der jĂŒdischen Minderheit erließ Chomeini im Jahr 1979 eine Fatwa. ReprĂ€sentanten der jĂŒdischen Minderheit sitzen seit 1905 im iranischen Parlament. Die Zahl der jĂŒdischen Iraner hat sich seit der Revolution jedoch von 80.000-60.000 auf geschĂ€tzte 35.000-20.000 verringert. Doch werden religiöse Minderheiten im Iran seit der Revolution auch benachteiligt. Insbesondere zeigt das die Verfolgung der Bahai, welche die grĂ¶ĂŸte religiöse Minderheit stellen und als Apostaten gelten. Von der Regierung werden die Bahai zu Erzfeinden des Schiitentums und des Nationalstolzes stilisiert und dienen immer wieder als SĂŒndenböcke, die instrumentalisiert werden, um die emotionale UnterstĂŒtzung der Massen zu gewinnen. Ebenso wird die Verfolgung der Sufi (islamische Mystiker) von Seiten der Regierung toleriert bzw. unterstĂŒtzt.

Weiterhin werden AufstÀnde der Kurden mit massiven militÀrischen Sanktionen beantwortet, bei denen zahlreiche Zivilisten umkamen.

Ahwazi, Aserbaidschaner, Belutschen, Kurden und Turkmenen werden im Iran diskriminiert. So ist der Einsatz der jeweiligen Muttersprache in Regierungseinrichtungen verboten. Der Zugang zum Bildungswesen und zum Arbeitsmarkt ist im Vergleich zu Persern stark eingeschrÀnkt.

Politische Verfolgung

Angehörige von verschiedenen oppositionellen politischen Gruppierungen, darunter auch die linken Volksmudschahedin, sind von Todesurteilen und Folter bedroht. Menschenrechtsorganisationen verweisen auf hunderte politische Gefangene in iranischen GefĂ€ngnissen, darunter Menschenrechtler, Internetaktivisten, Journalisten, Feministen und Mitglieder religiöser und ethnischer Minderheiten. Laut dem Iranischen Menschenrechts-Dokumentationszentrum (IHRDC) saßen zu Beginn des Jahres 2016 mindestens 827 Personen fĂŒr die AusĂŒbung elementarer Menschenrechte im GefĂ€ngnis. gewaltfreie politische Forderungen, so auch die vom verstorbenen Chomeini-Antipoden Hossein Borudscherdi vorgetragene Forderung nach traditionell schiitischer Trennung von Staat und Religion sowie nach Gewaltenteilung, werden mit Haft und Folter beantwortet, so im Falle des international bekannten Hossein Kazemeyni Borudscherdi. Nach der gewaltsamen UnterdrĂŒckung der Proteste nach der iranischen PrĂ€sidentschaftswahl 2009 – die grĂ¶ĂŸten Massenproteste seit der Islamischen Revolution 1979 – kam es zur verschĂ€rften Verfolgung Oppositioneller, besonders durch die allgegenwĂ€rtige islamische Bassidschi-Miliz, die einen Teil der iranischen Revolutionsgarde stellt. Bis heute (Stand: Februar 2016) stehen die damaligen, als gemĂ€ĂŸigt geltenden PrĂ€sidentschaftskandidaten Mir Hossein Mussawi und Mehdi Karroubi sowie ihre Ehefrauen unter Hausarrest.

Mehrfach wurden auslĂ€ndische StaatsbĂŒrger im Iran festgenommen und in Schauprozessen verurteilt, um diese Geiseln anschließend als politisches Druckmittel gegenĂŒber fremden Staaten einzusetzen. Die GestĂ€ndnisse und Verhöre der Inhaftierten erfolgten, laut den spĂ€ter (bspw. im Rahmen von Gefangenenaustauschen) Freigelassenen, unter anderem unter Anwendung von Folter. Die Haftbedingungen selbst kommen einem Missbrauch gleich.

Meinungsfreiheit

Informations- und Redefreiheit sind im Iran nicht gegeben. Journalisten, Weblogger, Menschenrechtsaktivisten und Oppositionelle mĂŒssen mit Repressionen, Verhaftung, Folter und sogar mit der Todesstrafe rechnen. Im Sommer 2007 verschlechterten sich die Bedingungen fĂŒr die Pressefreiheit erheblich. Zeitungen wurden verboten und Journalisten verhaftet. Beispielsweise wurde die reformorientierte Zeitschrift Scharq wegen eines Interviews mit der in Kanada im Exil lebenden lesbischen Schriftstellerin Saghi Qahraman verboten. Beobachter sahen einen direkten Zusammenhang mit den schlechten Umfrageergebnissen fĂŒr den damals amtierenden StaatsprĂ€sidenten Ahmadineschad. Unter dem seit August 2013 amtierenden PrĂ€sidenten Hassan Rohani verschlechterte sich die Lage mit einer „regelrechten Jagd auf Blogger und Internet-Aktivisten“ jedoch nochmals dramatisch.

HomosexualitÀt

HomosexualitĂ€t widerspricht laut iranischer Rechtsprechung dem Islam. FĂŒr „sexuelle Handlung zwischen MĂ€nnern, entweder mit Eindringen oder in Form von Tafkhiz [ŰȘÙŰźÙŠŰ°] (Aneinanderreiben von Oberschenkel und Penis)“ gilt die Todesstrafe, hĂ€ufig in Verbindung mit einer öffentlichen Auspeitschung. Im Juli 2005 sorgte die öffentliche Auspeitschung (228 Peitschenhiebe) und Hinrichtung von zwei Jugendlichen wegen homosexueller Handlungen weltweit fĂŒr Aufsehen, auch weil vermutet wurde, dass der offizielle Grund der Hinrichtung, Vergewaltigung eines DreizehnjĂ€hrigen, von den Behörden erst nachtrĂ€glich hinzugefĂŒgt worden sei.

Auch andere homosexuelle Handlungen werden bestraft. So sieht das iranische Recht beispielsweise fĂŒr das „KĂŒssen aus Wollust“ bis zu 60 Peitschenhiebe vor. Aufgrund einer Fatwa von Ajatollah Chomeini sind im Gegensatz zu anderen islamischen LĂ€ndern geschlechtsangleichende Maßnahmen sowie der anschließende Wechsel des juristischen Geschlechts im Iran erlaubt.

Außenpolitik

Bis zum Jahre 1979 war der Iran der wichtigste VerbĂŒndete der westlichen Welt am Persischen Golf. Seit der islamischen Revolution verfolgt der Iran eine komplexe und teils widersprĂŒchliche Außenpolitik, die versucht, Islam, Antiimperialismus und FĂŒhrerschaft der Dritten Welt zu vereinen. Seit dem Tode Chomeinis ist Ideologie zunehmend der Wahrnehmung nationaler Interessen gewichen. Wenngleich der Iran als aggressiver Staat mit Bestrebungen, eine Regionalmacht zu werden, wahrgenommen wird, so ist er weitgehend isoliert. Er sieht sich heute von rivalisierenden sunnitischen Staaten und BĂŒndnispartnern des Westens umringt und hat wenige verlĂ€ssliche Partner. Das VerhĂ€ltnis zum Westen wird dabei vom Streit um das Atomprogramm dominiert.

Neben der Menschenrechtslage im Iran, die regelmĂ€ĂŸig von UN-Resolutionen verurteilt wird, ist seit einigen Jahren vor allem das iranische Atomprogramm der wichtigste Anlass fĂŒr internationale Kritik. In mehreren Resolutionen schloss sich der UN-Sicherheitsrat bezĂŒglich des iranischen Atomprogramms den Forderungen der IAEO an und verabschiedete auch mehrfach völkerrechtlich verbindliche Sanktionen gegen die Islamische Republik.

Teheran ist der Sitz des Sekretariats der Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit, in der auch die TĂŒrkei, Pakistan und Zentralasiatische Staaten Mitglied sind.

Isolation und Sanktionen

Als schiitische Mittelmacht und in der Tradition einer jahrtausendealten Kulturnation greift der Iran in die Innenpolitik seiner NachbarlĂ€nder ein, woraus sich zahlreiche diplomatische Spannungen ergeben. Insbesondere durch seine Politik der ballistischen und vermuteten atomaren AufrĂŒstung sowie durch die massiven Verletzungen grundlegender Menschen- und Minderheitenrechte geriet der Iran in eine zunehmende internationale Isolation, die auch mit massiven wirtschaftlichen Konsequenzen fĂŒr die Bevölkerung verbunden ist. So hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen seit 2006 in mehreren Resolutionen verschiedene Wirtschaftssanktionen und Reiseverbote gegen den Iran verhĂ€ngt, Geldtransfers in und aus dem Iran gestalten sich zunehmend kompliziert bis unmöglich. Mitte MĂ€rz 2012 wurde erstmals in der Geschichte der SWIFT der internationale Datenverkehr zwischen SWIFT und Iranischen Banken blockiert, um den Sanktionsregeln der EuropĂ€ischen Union zu genĂŒgen, wodurch nahezu vollstĂ€ndig Geldtransfers zwischen Europa und dem Iran unterbunden werden. Institutionen, Banken, Firmen, UniversitĂ€ten, Regierungsstellen und auch Einzelpersonen sind auf Sanktionslisten der Vereinten Nationen, der EuropĂ€ischen Union sowie der Vereinigten Staaten und Kanada aufgelistet, fĂŒr die ein teils totales Handels- bzw. Reiseverbot besteht. Darunter fĂ€llt auch der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi in seiner Funktion als ehemaliger Leiter der Iranischen Atomenergieorganisation sowie Minister fĂŒr Atomenergie im Kabinett Ahmadinedschad II.

Am 20. Januar 2014 wurden die Sanktionen zunĂ€chst fĂŒr 6 Monate erheblich gelockert. Die Unterzeichnung eines Abkommens zur dauerhaften Regelung wurde in der Folge immer wieder verschoben und schließlich am 14. Juli 2015 in Wien als erfolgt verkĂŒndet.

Die Bewegung der Blockfreien Staaten ist angesichts der Isolierung des Landes eine wichtige Institution, in der das Land Kontakte und Anerkennung findet und in dem es einen FĂŒhrungsanspruch fĂŒr die Dritte Welt zu verwirklichen sucht. Andere VerbĂŒndete wie Venezuela oder Nordkorea, mit denen der Iran diverse Abkommen geschlossen hat, verfĂŒgen nicht ĂŒber den Einfluss, dem Iran aus seiner Isolation zu helfen.

USA

Bis zur Islamischen Revolution im Jahre 1979 waren der Iran und die Vereinigten Staaten VerbĂŒndete im Kalten Krieg. Als Konsequenz der Geiselnahme von Teheran brachen die Vereinigten Staaten ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran jedoch ab; die ideologische Feindschaft gegenĂŒber dem Großen Satan USA war seither Konstante der iranischen Außenpolitik. Seitdem gab es ĂŒber viele Jahre fast keine direkten Kontakte zwischen den Regierungen beider Staaten. Obwohl beiden von Beobachtern eine Vielzahl gemeinsamer Interessen zugeschrieben wird, sind mehrmals AnsĂ€tze zu einer Normalisierung der Beziehungen von der Gegenseite abgelehnt worden. Nicht zuletzt ist die DĂ€monisierung des Feindes sowohl im Iran als auch in den USA innenpolitisch nĂŒtzlich.

Israel

Im Rahmen des antiisraelischen Paradigmas hat der Iran nach 1979 die politischen und wirtschaftlichen Kontakte mit Israel abgebrochen, von den israelischen Waffenlieferungen an den Iran von 1980 bis 1986 im ersten Golfkrieg abgesehen. Iran bestreitet Israel jedes Recht auf Existenz. Chamenei bezeichnete Israel als ein zu beseitigendes „KrebsgeschwĂŒr“. Die ReprĂ€sentanten der jĂŒdischen Minderheit im Iran, Haroun Yashyaei und Ciamak Moresadegh, sehen einen Antizionismus, doch keinen Antisemitismus im Iran, was von Beobachtern teils bestĂ€tigt und teils in Abrede gestellt wird. Moresadegh, als Abgeordneter der jĂŒdischen Minderheit im iranischen Parlament, verglich die israelische MilitĂ€roffensive in Gaza 2014 dagegen mit NS-Aktionen wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs.

Propagandistischer Höhepunkt ist der seit 1979 jĂ€hrlich stattfindende al-Quds-Tag mit seinen staatlich organisierten Massendemonstrationen gegen Israel. Ferner wurden 2006 und 2014 sogenannte „internationale Holocaust-Konferenzen“ veranstaltet, bei denen Antizionisten, Rechtsextremisten und Islamisten den Holocaust leugneten und das Existenzrecht Israels bestritten. Zudem unterstĂŒtzt Iran im Rahmen seiner antiisraelischen Staatsdoktrin offen radikalislamische Terrorgruppen wie Hamas und Hisbollah im bewaffneten Kampf gegen Israel. In einer vieldiskutierten Rede vom 26. Oktober 2005 griff der iranische PrĂ€sident Ahmadineschad die seit 1979 von beiden FĂŒhrern vorgegebene und regelmĂ€ĂŸig von verschiedenen ReprĂ€sentanten des Iran vorgetragene Vernichtungsdrohung gegen Israel auf und forderte: „Das Regime, das Jerusalem besetzt hĂ€lt, muss aus den Annalen der Geschichte (safhe-ye ruzgār) getilgt werden.“ In einigen Medien, darunter auf der Webseite der staatlichen iranischen Rundfunkanstalt IRIB, wurde der Satz mit „Israel muss von der Landkarte getilgt werden“ ĂŒbersetzt.

Auch in der Regierungszeit Rohanis behielt Iran seine feindliche Haltung bei und unterstrich diese u. a. mit mehreren Raketentests Anfang MĂ€rz 2016. Getestete Geschosse waren laut der staatlichen Nachrichtenagentur Fars mit dem Satz „Israel muss ausradiert werden“ beschriftet. Zudem erklĂ€rte ein hochrangiger Kommandeur der RevolutionswĂ€chter in diesem Zusammenhang, dass das iranische Raketenprogramm gegen Israel gerichtet sei: „Wir haben unsere Raketen mit einer Reichweite von 2000 Kilometern gebaut, um unseren Feind, das zionistische Regime, aus einer sicheren Entfernung treffen zu können“. Die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland betrachteten die Tests als Verstoß gegen das kurz zuvor geschlossene Atomabkommen.

Arabische LĂ€nder

Die Mehrheit der arabischen LĂ€nder sieht den Nachbarn Iran mit Argwohn. Dies liegt unter anderem in dem einst von Chomeini proklamierten Revolutionsexport und dem allgemeinen Streben nach Einfluss in der Region begrĂŒndet, der sich auch in der Finanzierung und militĂ€rischen UnterstĂŒtzung bestimmter Gruppierungen Ă€ußert.

Seit den 1980er Jahren war Syrien der einzige zuverlĂ€ssige langfristige Partner des Iran. Ein eventueller Sturz des syrischen Regimes im BĂŒrgerkrieg könnte fĂŒr Iran bedeuten, seinen Einfluss auf die Politik in der Levante zu verlieren.

Russland und China

In den westlichen Staaten wird eine Allianz zwischen Russland und dem Iran befĂŒrchtet. Beide LĂ€nder haben eine Reihe gemeinsamer Interessen: Russland benötigt den Iran als Abnehmer von Waffen und NukleargĂŒtern, der Iran war bisher auf Russland angewiesen, die Sanktionen des Westens zu umgehen. Das gegenseitige Misstrauen war aus historischen GrĂŒnden jedoch groß, indem sich beide Staaten gegenseitig mangelnder Kooperationsbereitschaft beschuldigten. Dies hat sich inzwischen geĂ€ndert, und im politisch instabilen Kaukasus verfolgt der Iran eine sachorientierte Politik. Iran pflegt mit dem christlichen Armenien beste Beziehungen und unterstĂŒtzt es gegen das schiitische Aserbaidschan, mit dem es sich in einem Konflikt um die Grenzziehung im Kaspischen Meer befindet und das verdĂ€chtigt wird, Separatismus bei der aserbaidschanischen Minderheit im Iran zu fördern.

China ist in letzter Zeit zu einem wichtigen Partner des Iran aufgestiegen. Besonders bei der Erreichung der One Belt, One Road – Initiative Chinas ist Iran ein strategischer Partner. Im August 2019 besuchte Irans Außenminister Javad Zarif Peking um den Fahrplan fĂŒr eine strategische Partnerschaft zu diskutieren. Ziel der Partnerschaft sind chinesische Investitionen in iranische SchlĂŒsselindustrien im Ausgleich fĂŒr Öllieferungen aus dem Iran zu sehr gĂŒnstigen Bedingungen. Zwar sieht China einen eventuell nuklear gerĂŒsteten Iran als gegenlĂ€ufig zu seinen Interessen, es half dem Iran aber, die westlichen Sanktionen abzumildern und hat im Gegenzug seine wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Land ausgebaut.

Atomprogramm

Der Beginn des iranischen Atomprogramms fĂ€llt in die 1950er Jahre: Dem Zeitgeist entsprechend beabsichtigte der Schah, mit Hilfe der Atomkraft eine starke Nation aufzubauen. Im Rahmen des Atoms-for-Peace-Programms kam bereits im Jahr 1957 der erste Reaktor in den Iran. Dank des großen persönlichen Interesses des Schahs an der Atomkraft und den hohen Erdöleinnahmen wurde die 1974 gegrĂŒndete AEOI mit einem großen Budget ausgestattet. Nicht zuletzt bestand damals das Ziel, die großen Ölgewinne so im Land zu investieren, dass die Wirtschaft nicht aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Das Atomprogramm sah zu Beginn der 1970er Jahre den Bau von bis zu 20 Reaktoren vor. Im Jahre 1975 wurde der Vertrag fĂŒr den Bau des ersten Atomkraftwerkes mit der Kraftwerk Union AG unterzeichnet, etwas spĂ€ter jener fĂŒr den Bau eines weiteren Kraftwerkes mit Framatome, beide waren schlĂŒsselfertige Projekte. DarĂŒber hinaus wurde von der CEA ein schlĂŒsselfertiges Forschungszentrum nahe Isfahan gebaut. Der Erwerb von Atomwaffen stand ausdrĂŒcklich nicht im Zentrum dieser BemĂŒhungen. Der Schah hielt seine konventionelle RĂŒstung fĂŒr so stark, dass er meinte, seine Beziehungen zu den USA nicht mit einem Atomwaffenprogramm belasten zu mĂŒssen. Somit gehörte der Iran zu den ersten Unterzeichnern des Atomwaffensperrvertrages. Bis zur Islamischen Revolution hielt sich der Iran an alle Verpflichtungen unter diesem Abkommen und ließ sĂ€mtliche Inspektionen ungehindert zu. Die USA hatten jedoch Bedenken dagegen, den Iran atomar zu unterstĂŒtzen: Sie hatten das Szenario eines Sturzes der Pahlavi-Diktatur und eines irrationalen Nachfolgerregimes vor Augen und versuchten zu verhindern, dass der Iran die volle Kontrolle ĂŒber den Brennstoffkreislauf bekommt.

Nach der islamischen Revolution wurde das Atomprogramm zunĂ€chst als Teil eines Komplotts zur Verwestlichung des Iran betrachtet und gestoppt, auslĂ€ndische Arbeiter mussten das Land verlassen. Zahlungen an die Auftragnehmer wurden eingestellt. Erst 1984 wurde wieder Geld fĂŒr den Atomkraftwerks-Bau budgetiert, die Auftragnehmer weigerten sich jedoch, wĂ€hrend des Irak-Iran-Krieges am Kraftwerk Buschehr weiterzuarbeiten. Ab Mitte der 1980er Jahre befand sich der Iran auf der Suche nach einem Partner, um sein Atomprogramm weiterzufĂŒhren, denn die ihm laut Atomwaffensperrvertrag zustehende UnterstĂŒtzung wurde von den offiziellen Atomstaaten verweigert. Hilfe anderer Staaten wurde durch die USA erfolgreich verhindert. Offiziell lehnte der Iran nach wie vor die Atombombe ab. Diese Haltung wurde aber bereits in den frĂŒhen 1980er Jahren angezweifelt, weil das Land angesichts seiner komplizierten außenpolitischen Gemengelage allen Grund gehabt hĂ€tte, nach Atomwaffen zu streben. Medien der westlichen Welt spekulierten bereits damals, wie weit der Weg bis zur iranischen Atombombe noch sei. In der zweiten HĂ€lfte der 1980er Jahre begann der Iran, ohne Meldung an die IAEA und unter Umgehung von ExportbeschrĂ€nkungen, an einem Programm zur Uran-Anreicherung zu arbeiten. Der erste Aufruf zur Atomwaffenentwicklung kam 1988 aus dem Mund von Rafsandschani, der wegen der Israelischen Atomwaffen eine islamische Atombombe forderte. Ab der Mitte der 1990er Jahre begann der Bau des Schwerwasser-Reaktors in Arak und der Urananreicherungsanlage in Natanz; parallel dazu verschlechterten sich die Beziehungen speziell zu den USA weiter.

Im Jahre 2002 machten im Ausland lebende Mitglieder der Volksmudschahedin die geheim gehaltenen AktivitĂ€ten öffentlich; 2003 flog das Netzwerk von Abdul Kadir Khan, ĂŒber das der Iran PlĂ€ne und AusrĂŒstung bezogen hatte, auf. Somit war offenbart, dass der Iran an zwei Wegen zu Kernwaffen arbeitete und dass er das Programm verschwiegen hatte. WĂ€hrend der Iran Luftangriffe auf die Anlagen befĂŒrchtete, starteten Verhandlungen mit den EU-3, die in einem Abkommen mĂŒndeten, in dem der Iran sich zur Aussetzung der Uran-Anreicherung, zu Transparenz und zu Zusammenarbeit mit der IAEA verpflichtete. Da der Iran seiner Meinung nach fĂŒr die Aussetzung der Anreicherung keine Gegenleistung erhielt, nahm man zwei Jahre spĂ€ter die BemĂŒhungen wieder auf; inzwischen hatte sich auch herausgestellt, dass der Iran ĂŒber PlĂ€ne fĂŒr den Atombombenbau verfĂŒgte. Nach dem Amtsantritt von Mahmud Ahmadineschād ging das Land auf Konfrontationskurs mit dem Westen und verweigerte den Dialog. Es gelang, 2006 Uran auf bis zu 3,5 % anzureichern, was fĂŒr Brennstoff in Atomkraftwerken genĂŒgt, im August 2006 wurde die Anlage in Arak eröffnet, und 2007 wurde der Bau der Anreicherungsanlage in Fordo an die IAEA gemeldet. Gleichzeitig gelang auch die Herstellung höherangereicherten Urans. Das westliche Ausland reagierte mit Sanktionen: Ende 2006 wurden durch die Resolution 1737 des UN-Sicherheitsrates Lieferungen von GĂŒtern fĂŒr die Atomindustrie verboten, diese wurden im MĂ€rz 2007 verschĂ€rft und auf Raketentechnik ausgedehnt. Resolution 1803 (2008) erließ Reiseverbote, Sanktionen gegen iranische Firmen, die im Nuklearsektor tĂ€tig waren, und Handelsverbote mit Dual-Use-Technik. Die USA und die EU erließen weitergehende einseitige Sanktionen gegen iranische Staatsfirmen und die Revolutionsgarden, die Guthaben der Bank Melli wurden eingefroren. Trotz einer verstĂ€rkten Wendung des Iran in Richtung China und Russland sorgten diese Maßnahmen fĂŒr Wirtschaftsprobleme; 2010 wurden die Sanktionen um ein Waffen- und Finanzembargo ausgedehnt (Resolution 1929), schließlich verstĂ€rkte die EU ihr Embargo, in dem sie iranisches Öl boykottierte und die Guthaben der iranischen Zentralbank einfror. Parallel zur diplomatischen Schiene wurde das iranische Atomprogramm geheimdienstlich bekĂ€mpft, so beeintrĂ€chtigte das Computervirus Stuxnet im Jahr 2009 Zentrifugen fĂŒr die Urananreicherung; iranische Nuklearwissenschaftler (Dariusch Rezaie, Mostafa Ahmadi Roschan) wurden ermordet. Explosionen in iranischen Forschungszentren traten seit dem Jahr 2010 gehĂ€uft auf. Bei Explosionen im Sommer 2020 wurde unter anderem eine unterirdische Nuklearanlage in Natanz beschĂ€digt.

Erst nach einem neuerlichen Regierungswechsel waren Verhandlungen mit dem Iran fruchtbar: Am 20. Januar 2014 wurden die Sanktionen zunĂ€chst fĂŒr 6 Monate erheblich gelockert. Die Unterzeichnung eines Abkommens zur dauerhaften Regelung wurde in der Folge immer wieder verschoben und schließlich am 14. Juli 2015 in Wien als erfolgt verkĂŒndet.

Nach mehreren Raketentests im MĂ€rz 2016, forderten die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland in einem Brief den Sicherheitsrat auf, „angemessene Reaktionen“ in die Wege zu leiten, da Iran damit gegen die Bedingungen des Atomabkommens verstoßen habe. Die getesteten Raketen „[könnten] grundsĂ€tzlich Atomsprengköpfe transportieren“.

MilitÀr

Mit dem Aufbau eines MilitĂ€rs nach westlichem Vorbild wurde im Iran erst in den 1920er Jahren begonnen. Reza Schah wendete zeitweise bis zu 40 % der iranischen Staatsausgaben fĂŒr militĂ€rische Zwecke auf, das MilitĂ€r wurde zu einer der wichtigsten StĂŒtzen der Herrschaft der Schahs. Vor der islamischen Revolution verfĂŒgte der Iran ĂŒber die fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte Streitmacht der Welt, hatte 400.000 Mann unter Waffen und importierte moderne Waffensysteme in großen Mengen, sodass sich bis zu 20.000 US-amerikanische MilitĂ€rberater im Land befanden. Nach der Revolution kam es im MilitĂ€r zu politischen SĂ€uberungen, der etwa 17.000 Offiziere zum Opfer fielen, was zu chaotischen ZustĂ€nden und geminderter Schlagkraft im Iran-Irak-Krieg fĂŒhrte.

In den regulĂ€ren StreitkrĂ€ften des Iran (Artesh) dienen heute etwa 400.000 Soldaten. Die RevolutionswĂ€chter (Pasdaran) verfĂŒgen ĂŒber 120.000 Soldaten. Diese Zahlen sind seit 2001 etwa gleich geblieben. Beide verfĂŒgen ĂŒber Land-, See- und LuftstreitkrĂ€fte. WĂ€hrend die regulĂ€ren StreitkrĂ€fte im konventionellen Bereich besser ausgerĂŒstet sind, besitzen die RevolutionswĂ€chter starke Verflechtungen mit der politischen Elite des Landes. Zu den RevolutionswĂ€chtern gehört auch die Al-Quds-Einheit fĂŒr Missionen im In- und Ausland. Der dritte Arm des iranischen MilitĂ€rs ist die Miliz Basidsch-e Mostaz'afin, die sich unter dem Kommando der RevolutionswĂ€chter befindet und AufstĂ€nde niederschlagen sowie Invasionen abwehren soll. UrsprĂŒnglich zĂ€hlte zu den Aufgaben der RevolutionswĂ€chter auch der Revolutionsexport, dies vergrĂ¶ĂŸerte und legitimierte jedoch die PrĂ€senz des US-MilitĂ€rs in den NachbarlĂ€ndern des Iran. Deshalb verfolgte der Iran seit den 1990er Jahren eine Strategie der Abschreckung und Entspannung; seit 2001 fĂŒrchtete man jedoch einen Feldzug der USA gegen den Iran und begann trotz der internationalen Isolation, sich militĂ€risch fĂŒr dieses Szenario vorzubereiten.

Die RevolutionswĂ€chter sind nicht nur eine militĂ€rische, sondern auch eine wirtschaftliche Kraft im Iran. Dank ihrer Verflechtung mit der Politik haben sie mit zahlreichen Unternehmen eine dominierende Stellung in Bau-, Öl-, Gas-, Elektronik- und RĂŒstungsindustrie aufgebaut, die sie weiterhin festigen.

Das Verteidigungsbudget des Iran hat sich zwischen den Jahren 2001 und 2010 verdoppelt und erreichte im Jahre 2010 10,5 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2017 lagen sie bei knapp 14,5 Milliarden US-Dollar oder 3,1 % der Wirtschaftsleistung. Im regionalen Vergleich ist das jedoch nicht besonders hoch: Allein die sieben Mitglieder des Golf-Kooperationsrates geben insgesamt sieben Mal so viel fĂŒr ihr MilitĂ€r aus wie der Iran. Speziell bezĂŒglich konventionellen FĂ€higkeiten sind die iranischen StreitkrĂ€fte limitiert. Es ist davon auszugehen, dass die iranische Armee ĂŒberfordert wĂ€re, wenn sie in eines ihrer NachbarlĂ€nder einmarschieren mĂŒsste. Aus diesem Grunde basiert die im Iran als passive Verteidigung bezeichnete Verteidigungsstrategie darauf, einen Angriff mit unkonventionellen Mitteln fĂŒr den Angreifenden so teuer wie möglich zu machen.

Zensur

In seiner Geschichte hat der Iran Phasen mit strenger Zensur (etwa nach dem Putsch 1953 und nach den Protesten der grĂŒnen Bewegung 2009) und relativer Achtung der Meinungsfreiheit (kurz vor und nach der islamischen Revolution) durchgemacht. Im Jahr 2011 unterhielt das Ministerium fĂŒr Kultur und islamische FĂŒhrung ein System, das Verlage dazu zwingt, sich eine Lizenz und fĂŒr jedes zu veröffentlichende Buch eine Freigabe zu besorgen; Lizenzentzug bedeutet, das GeschĂ€ft aufgeben zu mĂŒssen. Selbst mit einer Freigabe ist es jedoch möglich, dass die Staatsanwaltschaft schĂ€dliche Inhalte in einer Publikation ausmacht und deshalb Autor, Verleger und Zensor zur Rechenschaft gezogen werden. Dieses System, dessen Existenz die iranische Regierung abstreitet, verletzt die Verfassung des Iran und die im Rahmen des Internationalen Pakts ĂŒber bĂŒrgerliche und politische Rechte durch den Iran gemachten Zusagen. Es erzeugt bei allen Beteiligten aufgrund seiner WillkĂŒrlichkeit und Intransparenz Angst. Dazu kommen ein hohes finanzielles Risiko fĂŒr die Verleger sowie hohe Kosten. Es schĂ€digt dadurch die Entwicklung der iranischen Literatur ganz erheblich. AuslĂ€ndische Werke werden hĂ€ufig gar nicht oder nur in verĂ€nderter Form zur Veröffentlichung zugelassen, was weitergehendes Misstrauen bei der potentiellen Leserschaft schĂŒrt. Autoren publizieren ihre Werke deshalb teilweise nur im Internet, wenngleich auch dort Zensur herrscht.

Die Regierung ĂŒberwacht und filtert den Internetverkehr oder verlangsamt ihn stark, wie etwa wĂ€hrend der PrĂ€sidentschaftswahlen von 2013. Im Jahre 2007 waren zehn Millionen Internetseiten fĂŒr Benutzer im Iran gesperrt, im Jahre 2009 wurde das Gesetz gegen virtuelle Verbrechen erlassen und eine Institution gegen kriminelle Inhalte geschaffen. Aus diesem Grund verwendeten im Jahre 2014 mehr als zwei Drittel der Iraner Technologien, die die Internetkontrollen umgingen. WidersprĂŒchlicherweise sind auch fĂŒhrende iranische Politiker auf Plattformen wie Facebook oder Twitter vertreten, die eigentlich gesperrt sein sollten. Im Wahlkampf zu den PrĂ€sidentschaftswahlen war eine Lockerung der Internetzensur eines der wichtigsten Wahlversprechen des spĂ€teren Siegers Rohani. Seitdem ist die iranische Internetzensur nach chinesischem Vorbild zentraler und intelligenter geworden und wird von Bestrebungen begleitet, ein inlĂ€ndisches und von der Regierung kontrolliertes Angebot zu schaffen, um dadurch die AttraktivitĂ€t auslĂ€ndischer Dienste zu senken.

Verwaltungsgliederung

  1. Teheran
  2. Ghom
  3. Markazi („Zentral“)
  4. Qazvin
  5. Gilān
  6. Ardabil
  7. Zandschān
  8. Ost-Aserbaidschan
  9. West-Aserbaidschan
  10. Kordestān
  11. Hamadān
  12. Kermānschāh
  13. Ilam
  14. Lorestān
  15. Chuzestān
  16. Tschahār Mahāl und Bachtiyāri
  17. Kohgiluye und Boyer Ahmad
  18. Buschehr
  19. Fārs
  20. Hormozgān
  21. Sistan und Belutschistan
  22. Kerman
  23. Yazd
  24. Esfahān
  25. Semnān
  26. Māzandarān
  27. Golestān
  28. Nord-Chorāsān
  29. Razavi-Chorāsān
  30. SĂŒd-Chorāsān
  31. Alborz

Der Iran ist in 31 Provinzen, die Ostans (Persisch: ostān, Plural ostānhā) genannt werden, unterteilt. Jeder Provinzverwaltung steht ein Gouverneur, der Ostandar (Persisch: ostāndār) genannt wird, vor. Dieser wird vom Innenminister mit Zustimmung des Kabinetts ernannt.

Die Provinzen untergliedern sich weiter in Verwaltungsbezirke (vergleichbar etwa einem deutschen Landkreis), die Schahrestan (persisch ŰŽÙ‡Ű±ŰłŰȘŰ§Ù†, Singular: schahrestān, Plural: schahrestānhā) genannt werden.

Verwaltungsbezirke wiederum werden in Kreise, die Bachschs (persisch ۚ۟ێ, DMG baឫƥ) genannt werden, unterteilt.

Im Jahr 2006 gab es im Iran 30 Ostans, 336 Schahrestans, 889 Bachschs, 1016 StĂ€dte (ŰŽÙ‡Ű±Â Schahr) und 2400 Gemeinden (ŰŻÙ‡ŰłŰȘŰ§Ù†Â Dehestan). Am 23. Juni 2010 wurde aus dem nordwestlichen Teil der Provinz Teheran die neue Provinz Alborz geschaffen, womit der Iran nun aus 31 Provinzen besteht.

2016 lebten 73,9 % der Bevölkerung in StÀdten oder stÀdtischen RÀumen. Im Jahre 1960 betrug die Urbanisierungsrate noch 33,9 %. In den letzten Jahrzehnten schritt die Urbanisierung des Landes aufgrund der weitverbreiteten Landflucht rasant voran.

Wirtschaft

Die iranische Wirtschaft ist geprĂ€gt von starker staatlicher Einflussnahme, der hohen Bedeutung von Öl- und Gasexport sowie den internationalen Sanktionen aufgrund des iranischen Atomprogrammes. Die grĂ¶ĂŸte Herausforderung fĂŒr die Regierung besteht darin, fĂŒr die zahlreichen jungen Menschen ausreichende ArbeitsplĂ€tze bereitzustellen.

Das um die KaufkraftparitĂ€t bereinigte Bruttoinlandsprodukt betrug vor der Islamischen Revolution etwa 8000 US-Dollar, bis 1988 war es auf 4000 US-Dollar gesunken und bis 2005 auf 7000 US-Dollar gestiegen. Das Wirtschaftswachstum schwankt seit der Revolution stark; es lag im Jahr 1991 bei 12 %, im Jahr 1994 stagnierte die Wirtschaft. Zu den GrĂŒnden hierfĂŒr zĂ€hlen Krieg, schwankende Einnahmen aus dem Ölexport, staatliche Eingriffe und schlechtes Management. Es wird erwartet, dass das nominale Bruttoinlandsprodukt, das 2016/17 377 Milliarden US-Dollar betragen hat, in den kommenden Jahren jeweils um etwa 4,3 % wĂ€chst, wobei das Wachstum des Nicht-Öl-Anteils schwĂ€cher ausfĂ€llt. Die Inflation lag 2016/17 bei 8,9 %, es wird erwartet, dass sie in den kommenden Jahren zwischen 10 und 11 % verharren wird. Die Arbeitslosigkeit, die 2016/17 bei 12,5 % lag, wird wahrscheinlich auf diesem Niveau verbleiben.

Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Iran zĂ€hlen die Öl- und Gasindustrie, petrochemische Industrie, Kfz-Industrie, Landwirtschaft, Metallindustrie und die Zement- und Baustoff-Produktion.

Trotz vieler Probleme und internationaler Sanktionen wird die Wirtschaft des Iran aufgebaut. Die Stahlproduktion des Iran wuchs von 0,55 Mio. Tonnen im Jahr 1980 ĂŒber 1,6 Mio. Tonnen im Jahr 1990 und 6,6 Mio. Tonnen im Jahr 2000 auf 14,5 Mio. Tonnen im Jahr 2012. Die Zementproduktion stieg von 7,5 Mio. Tonnen im Jahr 1980 ĂŒber 23,9 Mio. Tonnen im Jahr 2000 und 35,0 Mio. Tonnen im Jahr 2007 auf 70 Mio. Tonnen im Jahr 2012. Damit ist der Iran der viertgrĂ¶ĂŸte Zementhersteller weltweit.

Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt der Iran Platz 69 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 155 von 180 LĂ€ndern. Die Wirtschaft des Iran wird sehr stark vom Staat beeinflusst und ist nicht liberalisiert. Iran belegt im Doing Business-Index der Weltbank von 2018 Rang 124 unter 190 Nationen. Im theokratischen Staat Iran sind weite Teile der Wirtschaft verstaatlicht. Dazu zĂ€hlen z. B. bis auf wenige Ausnahmen die Banken. Weitere wirtschaftliche Bereiche sind privat oder genossenschaftlich organisiert. Allgemein wird die kapitalistisch ausgerichtete Wirtschaft als Kommandowirtschaft bezeichnet, in der die politischen Machtzentren versuchen die Wirtschaft zu steuern. Der staatlichen Planung liegen jeweils FĂŒnfjahresplĂ€ne zugrunde.

In den 2010er Jahren schwankte der Korruptionswahrnehmungsindex zwischen 25 und 30 Punkten, wobei 100 Punkte den besten Wert darstellen.

Wirtschaftszahlen

Außenhandel

2014 exportierte der Iran GĂŒter im Wert von 70,9 Milliarden US-Dollar. Die grĂ¶ĂŸten Export-Partner waren 2014 China (41,9 %), Indien (17,1 %), TĂŒrkei (15,0 %), Japan (9,4 %) und SĂŒdkorea (7,0 %). Das wichtigste Exportgut ist Erdöl. Der hohe Erdölpreis erlaubt Iran Quersubventionen seiner Industrie und Staatskasse.

Der Import betrug 2014 70,2 Milliarden US-Dollar. Die grĂ¶ĂŸten Importpartner waren 2014 China (23,4 %), die Vereinigten Arabischen Emirate (22,0 %), SĂŒdkorea (7,7 %), Indien (7,7 %) und die TĂŒrkei (7,2 %).

Gegen den Iran wurden verschiedene Embargos verhĂ€ngt. FĂŒr die LĂ€nder der EuropĂ€ischen Union sind die BeschrĂ€nkungen der Verordnung (EU) Nr. 267/2012 einschlĂ€gig.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 72,29 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 65,87 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 1,6 % des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2016 35,0 % eines BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 6,8 %
  • Bildung: 5,1 %
  • MilitĂ€r: 2,5 %

Religiöse Stiftungen

Einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor stellen die religiösen Stiftungen (Bonyād) dar. Sie kontrollieren ca. 80 % der Wertschöpfung. Die Regierung plant, den privaten Sektor deutlich zu erhöhen. Das System der Bonyāds bestand bereits unter dem Schah und erfĂŒllte schon damals karitative Aufgaben, wie sie auch schwarze Kassen fĂŒr die herrschende Elite darstellten. Auch heute werden den Bonyāds VorwĂŒrfe wegen mangelnder Transparenz, Korruption und Vetternwirtschaft gemacht. Steuervorteile wĂŒrden die Entwicklung eines privaten Wirtschaftssektors behindern. Die Bonyāds agieren in Form von Holdings und sind in großen Teilen der Wirtschaft marktbeherrschend, so z. B. im Bereich des Exports, beim Baumaterial (Beton), Reedereien und Petrochemie, außerdem betreiben sie Hotels, UniversitĂ€ten und Banken. Verantwortlich sind die Bonyāds alleine dem ReligionsfĂŒhrer und Staatsoberhaupt Āyatollāh Ali Chamenei. Die beiden grĂ¶ĂŸten Stiftungen, deren Besitz je auf bis zu 15 Milliarden US$ angesetzt wird, sind die Bonyād-e-Mostafezān (Stiftung fĂŒr Entrechtete) sowie der Āstān-e Qods-e Razavi von Maschhad, ursprĂŒnglich die Verwaltung eines Heiligengrabs, inzwischen aber ein Großkonzern. Im Sozialsystem des Iran sind die Bonyāds neben dem Staat der grĂ¶ĂŸte Faktor und unterstĂŒtzen ungefĂ€hr die HĂ€lfte der bedĂŒrftigen Bevölkerung.

Privatisierung

Bereits seit 2001 betreiben die iranischen Regierungen Programme zur Förderung der Privatwirtschaft. Der Verfassungsartikel 44 musste dafĂŒr geĂ€ndert werden. 2006 gab die Regierung ein Privatisierungsprogramm heraus, das strategisch wichtige Industrien im Ölsektor und im Finanzbereich einschloss. Die Umsetzung des Programms war schwach, weil der private Sektor wenig Interesse an Investitionen zeigte. 2008 gab die Regierung ein weiteres Programm zur Ermutigung der privaten Investitionen heraus. Von den Privatisierungsbestrebungen profitiert auch die Iranische Revolutionsgarde, deren Rentenkassen große Firmen z. B. in der Telekommunikationsindustrie aufkaufen. Inwiefern die Kommandeure der Revolutionsgarden direkten Einfluss auf die GeschĂ€ftsfĂŒhrung der erworbenen Firmen nehmen, ist umstritten. Da Kapitalmonopole im Iran nicht wie in anderen LĂ€ndern vorhanden sind, sind viele Firmen mit akkumuliertem Kleinkapital und durch Rentenkassen finanziert. Eine direkte Einflussnahme der Revolutionsgarden auf die GeschĂ€ftsfĂŒhrung ist nicht in jedem Fall zu erkennen, so sitzt im Aufsichtsrat der von den Revolutionsgarden erworbenen Telekom kein Mitglied der Pāsdārān. Auch dieser Kauf war zur HĂ€lfte privat finanziert. Kritisiert werden Steuervorteile gegenĂŒber privaten Unternehmen sowie die Zollfreiheit der Revolutionsgarden. Am Ausbau der Teheraner Metro sind die Nationale Baugesellschaft, die den Revolutionsgarden gehören soll, und die religiöse Stiftung Bonyād-e Mostazafin va Dschānbāzān („Stiftung der UnterdrĂŒckten und Kriegsversehrten“) je zur HĂ€lfte beteiligt. Die Pāsdārān selber bestreiten jede direkte wirtschaftliche AktivitĂ€t und weisen insbesondere den Vorwurf des Schmuggels, der von PrĂ€sident Ahmadineschad erhoben wurde, zurĂŒck.

Landwirtschaft

Die landwirtschaftliche NutzflĂ€che betrĂ€gt trotz zahlreicher Gebirge und WĂŒsten 10 % der LandesflĂ€che, wobei ein Drittel kĂŒnstlich bewĂ€ssert wird. Die Landwirtschaft ist einer der grĂ¶ĂŸten Arbeitgeber des Landes. Wichtige Produkte sind Pistazien, Weizen, Reis, Zucker, Baumwolle, FrĂŒchte, NĂŒsse, Datteln, Wolle und Kaviar. Seit der Revolution von 1979 wurde der Anbau von Weintrauben wegen des islamischen Alkoholverbots auf den 200.000 Hektar RebflĂ€che fast vollstĂ€ndig auf Tafeltrauben und Rosinen umgestellt. Bei Rosinen ist der Iran inzwischen nach der TĂŒrkei der zweitgrĂ¶ĂŸte Exporteur der Welt, bei Safran mit ungefĂ€hr 90 % Marktanteil des globalen Bedarfs mit Abstand der grĂ¶ĂŸte.

Bergbau, Erdöl und Erdgas

Die Förderung und Verarbeitung von Erdöl und Erdgas spielen in der iranischen Wirtschaft eine besonders wichtige Rolle. Das erste iranische Erdöl wurde in Masdsched Soleyman im Jahr 1908 von der britischen Burma Oil Company, die die D’Arcy-Konzession ĂŒbernommen hatte, gefunden. In der Folge wurde die Anglo-Persian Oil Company gegrĂŒndet, die in britischem Besitz war, aber einen Anteil der Gewinne an den iranischen Staat abliefern musste. Die auslĂ€ndische Kontrolle ĂŒber das iranische Öl und die niedrigen Zahlungen, die der iranische Staat aus dem ÖlgeschĂ€ft erhielt, mĂŒndeten ab 1946 zur Forderung, die Ölindustrie zu verstaatlichen, spĂ€ter zur Abadan-Krise und zum Sturz der Regierung Mossadegh. Im Jahr 1960 war der Iran GrĂŒndungsmitglied der OPEC.

1968 förderte der Iran 2.847.580 Barrel pro Tag und wurde damit zum grĂ¶ĂŸten Erdölproduzenten im Nahen Osten und nach den USA, der UdSSR und Venezuela zum viertgrĂ¶ĂŸten Ölproduzenten der Welt, sowie einer der grĂ¶ĂŸten Erdgas-Produzenten. Seit der Islamischen Revolution sind alle natĂŒrlichen Ressourcen in staatlichem Eigentum, alle Öl- und Gasprojekte laufen ĂŒber die staatlichen Firmen National Iranian Oil Company, National Iranian Gas Company und National Petrochemical Company. Die Produktionsniveaus von vor der Revolution (6 Millionen Barrel pro Tag) wurden seitdem wegen Kriegen, nicht getĂ€tigten Investitionen und des RĂŒckganges der Ergiebigkeit existierender Quellen nicht mehr erreicht.

Die Förderung und Verarbeitung von Erdöl und Erdgas trug im Jahr 2012 etwa 20 % zum iranischen BIP bei. Im gleichen Jahr war der Iran der drittgrĂ¶ĂŸte Förderer von Erdgas und der sechstgrĂ¶ĂŸte Förderer von Erdöl. Es wurde geschĂ€tzt, dass zu Ende des Jahres 2012 157 Milliarden Barrel Erdöl, d. h. 9,4 % der weltweiten Erdölvorkommen, und 33,6 Billionen Kubikmeter Erdgas, d. h. 18 % der weltweiten Erdgasvorkommen, im Iran lagern. Allerdings meldete der Iran im Jahr 2019 den Fund eines neuen Erdölfeldes mit 53 Milliarden Barrel Öl. Im Jahr 2014 förderte der Iran tĂ€glich 3,4 Millionen Barrel Erdöl. Davon verblieben 1,8 Millionen Barrel fĂŒr den Eigenverbrauch im Land; die RaffineriekapazitĂ€ten lagen 2014 bei 2 Millionen Barrel pro Tag. Trotzdem mussten etwa 61.000 Barrel pro Tag an Erdölprodukten importiert werden. Im Jahr 2013 wurden darĂŒber hinaus 163 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert (4,8 % der weltweiten Menge) und fast zur GĂ€nze im Inland verbraucht. South Pars ist das grĂ¶ĂŸte Gasfeld des Landes, es liegt im Persischen Golf und enthĂ€lt 40 % der iranischen Gasreserven. Somit gehört der Iran zu den grĂ¶ĂŸten Erdgasverbrauchern der Welt. Um das Wachstum des Energiebedarfes zu verlangsamen, und um Verschwendung sowie Schmuggel einzudĂ€mmen, wurden im Jahr 2010 die Subventionen gekĂŒrzt, weitere Maßnahmen werden noch folgen.

Die ErdöllagerstĂ€tten des Iran befinden sich grĂ¶ĂŸtenteils im SĂŒdwesten des Landes und setzen sich teilweise auf das Territorium von Nachbarstaaten fort. Eines der grĂ¶ĂŸten Erdgasfelder liegt bei Gach Saran am Rand des Zagros-Gebirges. Etwa 70 % der Erdölvorkommen sind onshore, etwa 80 % der LagerstĂ€tten wurden vor 1965 entdeckt (Stand 2015). Von den HĂ€fen am Persischen Golf muss das Öl durch die dichtbefahrene Straße von Hormus zu den EmpfĂ€ngerlĂ€ndern transportiert werden; durch diese Straße flossen 2013 tĂ€glich 17 Millionen Barrel Erdöl und 3,7 Tcf verflĂŒssigtes Erdgas.

Aufgrund der internationalen Sanktionen gegen den Iran sank die Erdölförderung zwischen 2011 und 2014 stark und die Förderung von Erdgas nahm nur sehr leicht zu. Die Einnahmen fĂŒr den iranischen Staat sanken von 118 Milliarden US-Dollar 2011/12 auf rund 56 Milliarden US-Dollar 2013/2014. Der RĂŒckgang in der Fördermenge wird vor allem auf den Mangel an auslĂ€ndischer Technik und Investition, den RĂŒckzug auslĂ€ndischer Partner bei der Erschließung neuer Quellen und auf die nicht mögliche Versicherungsdeckung fĂŒr Tankertransporte zurĂŒckgefĂŒhrt.

Der Bergbau und die Weiterverarbeitung der abgebauten Rohstoffe tragen weitere 14,2 % zum BIP des Iran bei. Zu den wichtigsten dieser Rohstoffe gehören Kohle (1,3 Millionen Tonnen 2012), Eisen (24 Millionen Tonnen), Kupfer (260.000 Tonnen), Aluminium (230.000 Tonnen), Blei (40.000 Tonnen) und Mangan (70.000 Tonnen). Die Minen sind teils in privatem Besitz, teils werden sie ĂŒber das staatliche Unternehmen IMIDRO von der Regierung kontrolliert.

Automobilindustrie

In der Automobilindustrie waren 2010 rund 500.000 Menschen beschĂ€ftigt, damit ist die Branche der zweitgrĂ¶ĂŸte Arbeitgeber nach der Ölindustrie und der Iran der grĂ¶ĂŸte Automobilproduzent im Mittleren Osten. 2012 ist die Automobilproduktion des Iran jedoch scharf eingebrochen; es wurden nur noch 989.110 Fahrzeuge produziert – 40 Prozent weniger als 2011. Darunter fallen 848.000 PKW und 141.110 Nutzfahrzeuge. Die beiden grĂ¶ĂŸten Automobilhersteller sind die staatliche SAIPA – derzeit im Privatisierungsprozess – und Iran Khodro (IKCO). Die IKCO produziert neben einheimischen Modellen wie Dena und Runna in Lizenz Modelle u. a. von Peugeot. SAIPA hat die IKCO im Jahr 2010 das erste Mal in der Rangfolge ĂŒberholt. Nach Ansicht des Business Monitor International’s Iran Autos Report wird sich die Belastbarkeit der iranischen Automobilindustrie erst in den nĂ€chsten Jahren zeigen, wenn der einheimische Markt gesĂ€ttigt ist und der Iran zunehmend auf dem internationalen Markt agiert, denn bisher ist der Produktionsanstieg noch ĂŒberwiegend auf die UnterstĂŒtzung der Regierung zurĂŒckzufĂŒhren. 12,64 % der zugelassenen Kraftfahrzeuge werden mit Gas betrieben. Der Iran liegt damit weltweit an fĂŒnfter Stelle der Nutzung von gasbetriebenen Kraftfahrzeugen. Der schwedische LKW-Produzent Scania eröffnete 2011 eine neue Produktionslinie in Qazvin und löst damit Daimler-Chrysler ab, das seine GeschĂ€ftskontakte mit dem Iran abgebrochen hat.

Tourismus

ErklÀrtes Ziel der iranischen Regierung ist es, mehr Touristen anzulocken, um Deviseneinnahmen und ArbeitsplÀtze zu generieren. Bis ins Jahr 2025 sollen jÀhrlich zehn Millionen Personen den Iran besuchen. Als besondere touristische Anziehungspunkte gelten:

  • StrĂ€nde am Kaspischen Meer und am persischen Golf, die insgesamt 3000 Kilometer KĂŒstenlĂ€nge umfassen
  • SandwĂŒsten Kawir und Lut
  • StĂ€dte wie Teheran und Isfahan mit ihren alten Bauten, Museen und Bazaren

Ungleichverteilung und Subventionen

Zu den Leitmotiven der Islamischen Revolution gehörte die Umverteilung von den Kapitalisten zu den Enterbten. Aus diesem Grund wurden nach der Revolution zahlreiche Anstrengungen wie die Elektrifizierung lĂ€ndlicher Regionen und Verbesserungen im Gesundheits- und Bildungssystem unternommen, aber auch Subventionen fĂŒr Lebensmittel, Medikamente und Energie sowie Arbeitsmarktregulierungen eingefĂŒhrt. In den 1990er Jahren ist der Anteil der Bevölkerung, der in Armut leben muss, stark gesunken; heute leben nur 2–3 % der Iraner in schwerer Armut, im internationalen Vergleich ein niedriger Wert. Der die Ungleichverteilung messende Gini-Koeffizient liegt mit 0,43 nur wenig unter dem Niveau von vor der Revolution; im internationalen Vergleich ist er durchschnittlich.

Die iranische Regierung gab im Jahr 2005 etwa 2 Milliarden US-Dollar fĂŒr Subventionen fĂŒr Nahrungsmittel und Medikamente aus.

In der zweiten JahreshĂ€lfte 2010 begann die iranische Regierung mit der Umsetzung einer lange geplanten Reform von Subventionen auf Energiepreise, Getreide, Brot und öffentlichen Personenverkehr. Der IWF attestierte dem Iran dazu gute Startbedingungen beim RĂŒckgang der Inflation von ĂŒber 30 % auf 10 % ab September 2009. Im ersten Jahr der Reformen wurden $ 60 Milliarden an Subventionen zurĂŒckgefahren, 15 % des Bruttoinlandproduktes. Grund fĂŒr die Reform sind die steigenden Energiepreise auf dem Weltmarkt, bei kĂŒnstlich niedrig gehaltenen Preisen im Inland, was dazu fĂŒhrte, dass der Iran zu einem der grĂ¶ĂŸten Energieverschwender wurde, wĂ€hrend gleichzeitig Haushalte mit niedrigem Einkommen von den Subventionen kaum profitierten. Der IWF nennt eine Summe von durchschnittlich $ 4000 jĂ€hrlicher Subventionen fĂŒr einen vierköpfigen Haushalt, wobei es aber einen großen Teil Iraner gibt, deren Jahreseinkommen unter $ 4000 liegt. Man verspricht sich also sowohl einen sparsameren Umgang mit Energie als auch die Entwicklung energiesparender Techniken, z. B. in der iranischen Autoproduktion, und mehr soziale Gerechtigkeit durch Direktzahlungen an einkommensschwache Haushalte sowie erhöhte Staatseinnahmen durch mehr ExportkapazitĂ€ten bei Öl und Gas. Insgesamt gehen 30 % des durch die gestrichenen Subventionen eingesparten Geldes direkt an die BĂŒrger zurĂŒck, 20 % werden an die Industrie zur Entwicklung von Energiesparmaßnahmen gezahlt, der Rest verbleibt zum Ausgleich der erhöhten Energiepreise im Staatshaushalt. Es sind 93 % der iranischen BĂŒrger fĂŒr die Direktzahlungen registriert. Pro Person eines Haushaltes werden ca. $ 80 alle zwei Monate ausgezahlt. Der IWF zog im Juni eine positive Zwischenbilanz der Reformen: Trotz der bis um das 20fache erhöhten Energiepreise stieg die Inflationsrate maßvoll auf 14,2 % im Mai 2011. Es wird eine vorĂŒbergehende AbschwĂ€chung des Wirtschaftswachstums und ebenso vorĂŒbergehender Anstieg der Inflationsrate erwartet, der IWF konstatiert aber jetzt schon mehr soziale Gerechtigkeit und geringeren Energieverbrauch.

Arbeitsmarkt

Der Iran verfĂŒgt ĂŒber eine große und gut ausgebildete Bevölkerung im arbeitsfĂ€higen Alter. Das Land kann davon profitieren, den demographischen Übergang absolviert zu haben, sodass verstĂ€rkt in Humankapital investiert wurde und wird. Bis etwa 2045 wird der Iran ein guter AbhĂ€ngigenquotient vorausgesagt. Der ineffiziente Arbeitsmarkt verhindert jedoch, dass das Land den maximalen Nutzen aus dieser Situation zieht. In den vergangenen 30 Jahren lag die Arbeitslosenquote des Iran immer um die 11 %, wobei die Jugendarbeitslosigkeit bei etwa 30 % liegt. DarĂŒber hinaus partizipieren nur 17 % der Frauen am Arbeitsmarkt, wodurch eine im internationalen Vergleich sehr niedrige Partizipationsrate resultiert. Dazu kommt ein großes GefĂ€lle zwischen stĂ€dtischer und lĂ€ndlicher Arbeitslosigkeit. Das Arbeitsgesetz von 1990 sieht hohe Strafen fĂŒr jene Unternehmen vor, die Arbeitnehmer ohne wichtigen Grund kĂŒndigen. Dies hat zur Folge, dass private Unternehmen nur sehr vorsichtig neue ArbeitskrĂ€fte einstellen und dass sie sich nur an vorgelegten Diplomen ĂŒber die FĂ€higkeiten eines Bewerbers orientieren können. Die Folge davon ist, dass junge Leute bestrebt sind, bestmögliche Diplome statt produktiver FĂ€higkeiten zu erwerben, und dass etwa 84 % aller UniversitĂ€tsabgĂ€nger im staatlichen und halbstaatlichen Sektor aufgenommen werden. Somit ĂŒbernimmt der Arbeitsmarkt die Funktion einer Sozial- und Arbeitslosenversicherung, was zu großen gesamtwirtschaftlichen Kosten fĂŒhrt.

Nach der islamischen Revolution bestimmte Ajatollah Chomeini, dass nur GlĂ€ubige, die an die Islamische Republik glauben, Spitzenaufgaben in Staat und Wirtschaft ĂŒbernehmen dĂŒrfen: Fromme und rechtschaffene Personen mĂŒssen staatliche Aufgaben ĂŒbernehmen, weil sonst der Staat verderbe. Dieses Prinzip gilt heute im gesamten staatlichen Bereich des Landes, der 70 % der Wirtschaftsleistung erbringt. Das im Auswahlgesetz von 1996 verankerte Gozinesh-Verfahren sieht die Auswahl des Personals anhand religiöser Denkweise sowie ideologischer, moralischer und politischer Faktoren vor. Diese Kriterien werden anhand von Fachfragen zu religiöser Praxis, dem Koran sowie Politik, Ideologie und Geschichte der Islamischen Republik abgeprĂŒft, darĂŒber hinaus werden Nachbarn und Familie befragt. Die KonformitĂ€t von Arbeitnehmern, die das Gozinesh-Verfahren bestanden haben, werden am Arbeitsplatz weiterhin ĂŒberwacht. Diese Praxis fĂŒhrt dazu, dass das Potential an gut ausgebildetem Personal vergeudet wird, dass gut ausgebildete Personen in Berufen arbeiten mĂŒssen, fĂŒr die sie ĂŒberqualifiziert sind, und dass entscheidende Positionen von Leuten bekleidet werden, die dafĂŒr nicht geeignet sind. Viele sĂ€kular eingestellte Menschen mĂŒssen somit fĂŒr ihren Arbeitsplatz ein Doppelleben fĂŒhren. Diese UmstĂ€nde tragen maßgeblich zur Talentflucht, der Abwanderung qualifizierter Personen aus dem Iran bei.

Neben der hohen Arbeitslosigkeit ist Kinderarbeit und die BeschĂ€ftigung von Billiglohnarbeitern vor allem aus Afghanistan verbreitet. FĂŒr die BeschĂ€ftigten gibt es keine gewerkschaftliche Vertretung. Besonders Billiglohnarbeiter sind starken Repressionen ausgesetzt.

Infrastruktur

Verkehr

Der Iran hat ca. 2500 km Autobahnen, sowie ein großes Netz weiterer Straßen inklusive ausgebauter Schnellstraßen. Das gesamte Straßennetz hat eine LĂ€nge von 198.866 km (160.366 km waren davon asphaltiert).

Mit 32,1 Toten auf 100.000 Einwohner hatte das Land eine der höchsten Raten an Verkehrstoten weltweit. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Insgesamt kamen damit ca. 25.000 Personen im Straßenverkehr ums Leben. GrĂŒnde dafĂŒr sind ein ĂŒberlastetes Verkehrsnetz mit einer ungenĂŒgenden Infrastruktur bei einer relativ fortgeschrittenen Motorisierung. 2017 kamen im Iran 256 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner (in Deutschland waren es ĂŒber 500 Fahrzeuge).

Seit 1888 verfĂŒgt der Iran ĂŒber ein Eisenbahnnetz.

  • Eisenbahngesellschaft der Islamischen Republik Iran
  • Transiranische Eisenbahn.

Die staatliche Fluggesellschaft Iran Air befliegt nationale und internationale Routen. Aufgrund der internationalen Sanktionen hat die Airline mit dem Zustand einer veralteten Flotte zu kĂ€mpfen. Neben der staatlichen Iran Air besteht eine Reihe privater Fluggesellschaften, wodurch alle grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte im Iran mit dem Flugzeug erreicht werden können.

Im Iran wurden im Jahr 2013 etwa 224 Milliarden kWh an elektrischer Energie generiert, 92 % davon in WÀrmekraftwerken, die mit Erdgas (70 %) oder Erdöl befeuert wurden. Die verbleibenden 8 % kamen aus Atomkraft, Wasserkraft und anderen erneuerbaren Energiequellen. Es wird erwartet, dass der Bedarf an elektrischer Energie weiter steigen wird, wenngleich die Regierung zu Beginn des Jahres 2014 die Strompreise um 25 % angehoben hat und im Jahre 2015 eine weitere Anhebung plant, um das Wachstum zu vermindern und den Druck auf die existierenden KapazitÀten zu dÀmpfen. Um den Bedarf zu decken, aber auch um noch mehr elektrische Energie exportieren zu können, hat das Energieministerium den Bau von 35 neuen Kraftwerken vorgeschlagen.

Das momentan einzige Atomkraftwerk des Iran ist die Anlage in Buschehr, die eine Leistung von 700 MW haben soll. Mit seinem Bau wurde bereits in den 1970er Jahren begonnen, aufgrund von Islamischer Revolution, BeschĂ€digungen im Irak-Iran-Krieg und Problemen mit dem Auftragnehmer Rosatom, den man mit der Fertigstellung betraut hatte, ging das Kraftwerk erst im Jahr 2013 ans Netz. Es existieren PlĂ€ne fĂŒr zwei weitere Blöcke in Buschehr, die jeweils 1000 MW leisten sollen. Bereits seit langem ist ein weiteres Atomkraftwerk in Darkhovin in Planung. PlĂ€ne, an 15 weiteren Standorten Atomkraftwerke zu errichten, sind aufgrund der internationalen Sanktionen gegen den Iran bisher nicht in die Umsetzung gelangt.

Der Iran entwickelte sich zu einem großen Staudammbauer. 157 DĂ€mme wurden gebaut, 84 befinden sich im Bau oder Planung, vor der Islamischen Revolution gab es nur 13 StaudĂ€mme im Land. Abgesehen von der Produktion von ElektrizitĂ€t, die dann wiederum mehr Öl fĂŒr den Export freigibt, will das Land damit die fortschreitende Wasserknappheit handhaben. Das grĂ¶ĂŸte Projekt ist der Bachtiyari-Staudamm in der Provinz Lorestan im SĂŒdwesten des Iran, im Zagros Gebirge. Er soll der grĂ¶ĂŸte doppelbögige Staudamm der Welt werden, mit einer Höhe von 315 Metern. Bedingt durch seine schwierige geographische Lage ist es nicht notwendig, Menschen dafĂŒr umzusiedeln.

Internet

Der Iran erhielt 1993 Zugang zum Internet. Im Jahr 2018 nutzten etwa 70 Prozent der Einwohner Irans das Internet.

Siehe: Iran#Medien

Kultur

Literatur

Persien, hierbei insbesondere das sĂŒdliche Fars, weist in der Dichtkunst zahlreiche BerĂŒhmtheiten auf, von denen Firdausi, Hafis und Saadi einige der bekanntesten sind. In der Neuzeit gewann die Prosa in der persischen Literatur zunehmende Bedeutung, so beispielsweise mit den Werken Sadegh Hedayats, der erhebliche und teils wegweisende Neuerungen sowohl im Stil als auch im Bereich der Themenwahl vornahm. Außerhalb des Rahmens der klassischen persischen Poesie entwickelten sich in der Dichtkunst im 20. Jahrhundert neue Richtungen, zu denen insbesondere das Neue Persische Gedicht (Sche’r-e Nou) und das Weiße Gedicht (Sche’r-e Sepid) zu zĂ€hlen sind. Eine unĂŒbliche Kunstform wĂ€hlte in jĂŒngerer Zeit die im französischen Exil lebende Comic- Autorin Marjane Satrapi, die im autobiographischen Werk Persepolis von ihrer Kindheit und Jugend wĂ€hrend der islamischen Revolution erzĂ€hlt sowie in Sticheleien GesprĂ€che unter Frauen ihrer Familie aufzeichnete.

Die heute vorliegende, vorislamische Literatur reicht bis zu den dem Religionsstifter Zarathustra zugeschriebenen Hymnen, den Gathas, sowie den Yaschts zurĂŒck. Es existieren Werke in verschiedenen alten iranischen Sprachen. Hierzu gehören insbesondere avestische sowie mittelpersische Arbeiten, die zu einem großen Teil zoroastrische Themen, jedoch auch unter anderem historische und manichĂ€ische Inhalte behandeln.

Architektur

Die traditionelle iranische Architektur spiegelt die klimatischen und sozialen Gegebenheiten des Landes wider. Um das sehr heiße und trockene Sommerwetter zu ĂŒberstehen, wurden bereits seit drei Jahrtausenden, Qanate, unterirdische Wasserspeicher und EishĂ€user gebaut. Mit WindtĂŒrmen wird frische Luft in die teils unter der Erde liegenden WohnrĂ€ume gebracht, wo man es ĂŒber WasserflĂ€chen streichen lĂ€sst, um die RĂ€umlichkeiten zu kĂŒhlen. Als Baumaterial dient vor allem Lehm und daraus gebrannte oder ungebrannte Ziegel; dieses Baumaterial schĂŒtzt gegen Hitze und hĂ€lt bei KĂ€lte die WĂ€rme im Raum. Mauern, seien es Stadtmauern oder Mauern um das eigene Haus, widerspiegeln die zahlreichen ÜberfĂ€lle, unter denen die Bevölkerung des Iran zu leiden hatte, aber auch die religiös bedingte Notwendigkeit, das private Leben vom öffentlichen Leben zu trennen. So hat das traditionelle Wohnhaus keine Fenster nach außen, sondern nur in einen Innenhof. Die aus dem Zoroastrismus stammende Vorliebe fĂŒr das Licht als Quelle von Schönheit, aber auch die Vorliebe fĂŒr reiche Verzierungen, hat sich bis in die heutige Zeit als prĂ€gendes Element der Architektur des Iran ĂŒberliefert. Die traditionelle iranische Stadt trennt Wohnviertel von GeschĂ€ftsvierteln, wo sich auch Basar und Hauptplatz befinden. Ethnischen und religiösen Minderheiten sind meist auch eigene Stadtviertel zugewiesen; reiche und arme Bewohner wurden jedoch nicht voneinander getrennt.

Die frĂŒheste prĂ€islamische Architektur des Iran ist in Form von Überresten von HĂ€usern aus Lehmziegeln erhalten (Tappe Zaghe nahe Qazvin). Die Elamiten bauten riesige Zikkurate, die mit Mosaiken aus glasierten Ziegeln verkleidet waren, wie in Tschogha Zanbil. Die erste grĂ¶ĂŸere Stadt war die geplant gebaute Residenz der Meder-Könige, Ekbatana. Aus der Zeit der AchĂ€meniden sind zahlreiche architektonische Reste von den typischen eleganten, mit Reliefs geschmĂŒckten PalĂ€sten, Mausoleen und Feuertempeln erhalten, allen voran die HauptstĂ€dte Pasargadae und Persepolis. Unter den Parthern hielten Gewölbe, Kielbögen sowie der starke Gebrauch von Steinmetz- und Stuckarbeiten Einzug. Die Sassaniden orientierten sich an den Bauwerken der AchĂ€meniden, ihre Bauwerke waren durch kunstvolle Bemalungen charakterisiert.

Nach der EinfĂŒhrung des Islam im Iran Ă€nderte sich auch das architektonische Schaffen. Moscheen, zunĂ€chst noch einfache GebĂ€ude, wurden bald nach iranischem Geschmack KuppelgebĂ€ude, verziert mit Kalligraphien, Stuck, Muqarnas, Fliesen, Mosaiken und Spiegelarbeiten. Zu den architektonisch bedeutendsten religiösen GebĂ€uden zĂ€hlen der Imam-Reza-Schrein, der Schrein der Fatima Masuma, der Schah-Abdol-Azim-Schrein oder Schah Tscheragh. Die Verzierung der Moscheen mit Fliesen nicht nur außen, sondern auch innen, kam im 13. Jahrhundert auf, wobei die Fliesen Blumen-, Kalligraphie- oder geometrische Motive haben können. Die Safawiden waren besondere Förderer der Architektur, sie ließen ihre Hauptstadt Isfahan mit dem Ensemble um den Meidan-e Emam, GĂ€rten und PalĂ€sten wie dem Tschehel Sotun ausstatten; die Zand verschönerten Schiras mit zahlreichen Bauwerken wie der Zitadelle oder Gartenanlagen wie dem Bāgh-e Eram.

In der Zeit der Kadscharen hielten europĂ€ische Konzepte Einzug in die iranische Architektur. Vor allem die Beaux-Arts-Architektur ist in zahlreichen staatlichen Neubauten sichtbar. In der Zwischenkriegszeit wurden viele GebĂ€ude von europĂ€ischen Architekten fĂŒr den Iran geplant, die nur oberflĂ€chlich mit persischen Formen geschmĂŒckt sind. Das Stadtbild vieler StĂ€dte wurde mit großen PlĂ€tzen und DenkmĂ€lern bereichert, wovon der Schahyad-Turm aus dem Jahre 1971 das bekannteste ist. Nach der Islamischen Revolution wurde alles Westliche und Vorislamische zunĂ€chst abgelehnt, seitdem sind Bauformen erschienen, die iranische, islamische und westliche Traditionen vereinen, wofĂŒr das Abbasi Hotel in Isfahan steht. Angesichts der schnell wachsenden Stadtbevölkerung ist heute vielerorts die schnelle Wohnraumbeschaffung ohne architektonische Überlegungen dominierend.

Hinsichtlich der BaudenkmĂ€ler und KulturgĂŒter gibt es seit 2018 eine Initiative von Karl von Habsburg, PrĂ€sident von Blue Shield International und des österreichischen Botschafters Stephan Scholz zur Errichtung eines nationalen Blue Shield Committes.

Feste und Feiertage

Es gibt im Iran eine so hohe Anzahl an Feiertagen und Festen, dass kritische Stimmen befĂŒrchten, die Wirtschaft nehme vom vielen Feiern Schaden.

Die Islamischen Festtage zĂ€hlen zu den wichtigsten im Leben der Iraner; dabei gibt es Feste, die generell zur islamischen Religion gehören und andere, die nur im schiitischen Islam gefeiert werden. Zu den generell islamischen Feiertagen gehören die Freitage, der Ramadan und das Fest des Fastenbrechens oder das Opferfest, wobei die Tradition, ein Kamel fĂŒr das Opferfest zu schmĂŒcken, mit einer Prozession durch die Stadt zu treiben und dann zu opfern, in der Pahlavi-Zeit abgeschafft wurde. Von den Feiertagen, die mit dem Leben des Propheten Mohammed in Zusammenhang stehen, werden der Geburtstag, die Nachtreise und sein Tod gefeiert, wobei dies von konservativen Muslimen nicht gern gesehen, aber als Zeichen der Gemeinsamkeit mit den sunnitischen Muslimen trotzdem begangen wird. Die wichtigsten schiitischen Feiertage werden im Monat Muharram begangen. An Tasua und Aschura werden in allen StĂ€dten von religiösen Bruderschaften Prozessionen organisiert, bei denen sich die Teilnehmenden selbst geißeln oder ĂŒbergroße Objekte, die an den Tod des Imam Husain ibn Ali in der Schlacht von Kerbela erinnern, mittragen. Typisch fĂŒr den Iran sind die zu diesem Anlass aufgefĂŒhrten dramatischen AuffĂŒhrung namens Ta'zieh, die das Martyrium von Husain nachspielen. Dabei wird es sehr gern gesehen, wenn die Teilnehmer echte, ungehemmte Trauer zeigen. Betrauert wird indes nicht nur der Tod von Husain, sondern besonders auch von der Prophetentochter Fatemeh, seines Schwiegersohnes Ali, Imam Dschafar und Imam Ali Reza.

Vier Mal im Jahr werden wichtige Feste gefeiert, die aus der zoroastrischen Tradition stammen, heute aber weitgehend sĂ€kularisiert sind und die im iranischen Kulturraum von fast allen Völkern begangen werden. Dies sind Tschahar Schanbeh Suri, Nouruz, Sizdah bedar und Yalda. Nouruz ist das iranische Neujahrsfest, das zur Tag-und-Nacht-Gleiche im FrĂŒhling stattfindet. Es symbolisiert einen Neuanfang, fĂŒr den die Leute ihre HĂ€user grĂŒndlich sĂ€ubern, neue Kleidung tragen und sich gegenseitig beglĂŒckwĂŒnschen. Zentrales Element der Feiern ist das Arrangieren eines Sofreh, eines besonders schönen Tuches, auf dem man sieben GegenstĂ€nde mit symbolisch positiver Bedeutung anordnet, wobei alle diese GegenstĂ€nde mit dem persischen S (Haft Sin) beginnen mĂŒssen. Am Mittwoch vor dem Nouruz-Fest werden an Tschahar Schanbeh Suri Freudenfeuer entzĂŒndet und wer immer kann, springt ĂŒber eines der Feuer, um im kommenden Jahr GlĂŒck und Gesundheit zu haben. Sizdah Bedar wird am 13. Tag des neuen Jahres gefeiert; da die Zahl 13 als UnglĂŒckszahl gilt, soll man sich an diesem Tag nicht Ă€rgern oder streiten. An Sizdah Bedar bevölkern die Iraner die Parks und GĂ€rten und vergnĂŒgen sich bei Picknicks. An Yalda, der lĂ€ngsten Nacht des Jahres, entzĂŒnden die Menschen ein Feuer und versuchen, es die ganze Nacht brennen zu lassen. In dieser Nacht schlafen die Leute nicht, sondern unterhalten sich bei Essen, GeschichtenerzĂ€hlen oder auch Tanz und Musik.

Wie in allen anderen LĂ€ndern gibt es auch Feiertage, die dem Erinnern an bedeutende Ereignisse in der nationalen Geschichte dienen sollen. Im Falle des Iran wird vor allem Ereignissen aus dem Zusammenhang mit der Islamischen Revolution und dem Leben von Ajatollah Chomeini gedacht, wobei die Feierlichkeiten in der Regel von der Regierung organisiert werden. Der Feiertag mit der grĂ¶ĂŸten Anteilnahme der BĂŒrger ist der Todestag von Chomeini, der jedes Jahr am 4. Juni begangen wird. Familien, die das herrschende System unterstĂŒtzen (oder als solche wahrgenommen werden wollen), besuchen einen Ort, der mit dem Leben Chomeinis verbunden ist, um dort zu trauern: Chomeinis Geburtsort, sein Mausoleum, den Chomeini-Schrein oder die Stadt Ghom. An diesem Tag hĂ€ngen ĂŒberall schwarze Fahnen und besonders zurĂŒckhaltende Kleidung wird von allen erwartet. Andere nationale Feiertag finden anlĂ€sslich der Verhaftung Chomeinis nach den Unruhen von 1963 statt (5. Juni), des Sieges der Islamischen Revolution (12. Februar), der Verstaatlichung der Anglo-Iranian Oil Company (20. MĂ€rz) und der Volksabstimmung ĂŒber die Errichtung der Islamischen Republik (1. April) statt.

KĂŒche

Die KĂŒche des Iran ist sehr vielfĂ€ltig. Sie hat mit der indischen, den zentralasiatischen, der tĂŒrkischen und anderen orientalischen KĂŒchen zahlreiche Gemeinsamkeiten. Die stĂ€dtische Kochkunst des persischen Hochlandes wird als Standard betrachtet und um zahlreiche Gerichte lokaler oder ethnischer Herkunft bereichert. Die Hauptnahrungsmittel im Iran sind Reis und Weizen. Weizen wird vor allem in Form von Brot konsumiert, das die Iraner gern frisch fĂŒr jede Mahlzeit kaufen. Die beiden beliebtesten Brotsorten sind TĂąftun und LavĂąsch, die zu sehr dĂŒnnen Laiben geformt und an die Innenwand des Ofens gedrĂŒckt gebacken werden. In der traditionellen Mahlzeit, die auf einem Tuch sitzend von geteilten SchĂŒsseln und Platten eingenommen wird, dient dieses flache Brot nicht nur als Nahrungsmittel, sondern ersetzt auch Teller und Besteck. Reis war lange Zeit ein Luxusprodukt fĂŒr die Reichen, heute kommt er im ganzen Land regelmĂ€ĂŸig auf den Tisch. Er wird einfach gekocht und mit Butter versetzt (Kateh), mit GemĂŒse oder Fleisch zu einer eigenstĂ€ndigen Mahlzeit zubereitet (Polo, z. B. der Sauerkirschreis Ālbālu Polo) oder kunstvoll gekocht, dann gedĂ€mpft (Tschelo, mit der begehrten Kruste am Boden des Topfes, Tahdig) und mit Safranreis garniert. Diese Art von Reis mit gegrilltem Fleisch, Tomaten, Zwiebel und KrĂ€utern ist unter dem Namen Tschelo Kabāb das Nationalgericht des Iran und steht in vielen Variationen im ganzen Land auf den Speisekarten der Restaurants. Tschelo kann auch zusammen mit Chorescht serviert werden, eine Art Ragout, das man ebenfalls in vielen Varianten antrifft. Zu den Varianten von Tschelo-Chorescht gehören Chorescht-e fesendschan (HĂ€hnchen in einer Walnuss- und Granatapfel-Soße) oder Ghormeh Sabzi (GrĂŒner Eintopf). Abguscht ist ebenfalls eine Art Ragout, bei der Fleisch, Bohnen, GemĂŒse, KrĂ€uter und Obst gekocht werden. Nach dem Kochen werden die festen Bestandteile aus der BrĂŒhe gesiebt und pĂŒriert; BrĂŒhe und PĂŒree werden mit Brot gereicht. Abguscht in einer seiner vielen Formen wird von den Ă€rmeren Iranern fast tĂ€glich gegessen. Auch Eintöpfe (Āsch) mit GemĂŒse, Nudeln, Bohnen, Gerste oder Joghurt als Hauptbestandteil sind untrennbarer Teil der iranischen KĂŒche.

GewĂŒrze werden in der iranischen KĂŒche, im Gegensatz zu jenen einiger NachbarlĂ€nder, nur zurĂŒckhaltend eingesetzt. Eine wichtige Besonderheit der traditionellen iranischen Kochkunst ist die Klassifizierung der Lebensmittel in heiß und kalt. Diese Bezeichnung bezieht sich nicht auf die Temperatur der Produkte, sondern auf deren vermutete Auswirkung auf die menschliche Befindlichkeit. Iranische Köche streben danach, heiße und kalte Lebensmittel so zu kombinieren, dass sie zueinander im Gleichgewicht stehen.

Das NationalgetrĂ€nk des Iran ist Tee, der pur durch ein mit den ZĂ€hnen gehaltenes StĂŒck Zucker geschlĂŒrft wird. Alkoholische GetrĂ€nke sind den Moslems des Iran seit der Islamischen Revolution streng verboten. Zum Essen trinken Iraner gern Dugh, ein leicht gesalzenes JoghurtgetrĂ€nk, das hĂ€ufig mit GewĂŒrzen oder KrĂ€utern verfeinert wird.

Film

Die ersten Filme, die jemals im Iran gespielt wurden, gehen auf Mozaffar ad-Din Schah zurĂŒck, der im Jahre 1900 von einem Staatsbesuch in Frankreich einen CinĂ©matographen mitbringen ließ. Die Filme, die sein Fotograf Mirza Ebrahim Khan Akkas Baschi aufnahm, wurden fortan Teil der Unterhaltung des königlichen Hofes. Das neue Medium hatte aber große Schwierigkeiten, in der iranischen Gesellschaft akzeptiert zu werden: Die ersten Kinos wurden der Hexerei bezichtigt, man behauptete dass dort der Satan angerufen wĂŒrde und dass Kinobesucher unmoralischen AktivitĂ€ten nachgehen wĂŒrden; der damalige religiöse FĂŒhrer Ajatollah Fazlollah Nuri verlangte die Schließung der Kinos. Speziell die ersten iranischen Schauspielerinnen waren zahlreichen Anfeindungen und gesellschaftlicher Isolation ausgesetzt. In den frĂŒhen 1930er Jahren gab es immerhin 26 Kinos im Land. Die Pioniere des Filmes im Iran kamen entweder aus dem Ausland zurĂŒck wie Khan Baba Motazedi oder waren armenische Immigranten wie Hovhannes Ohanian. Sie schufen auch die ersten iranischen Filme, grĂ¶ĂŸtenteils Dokumentationen oder Gemische aus Komödie und Melodrama, wie sie in den folgenden Jahrzehnten populĂ€r bleiben sollten. Der erste persischsprachige Tonfilm wurde von Abdolhossein Sepanta im Jahre 1933 in Indien produziert; im Jahre 1935 beauftragte die Regierung Sepanta mit der Schaffung des ersten Filmes, der fĂŒr Bildungszwecke bestimmt war: ein Streifen ĂŒber den Dichter Firdausi.

Unter Reza Schah Pahlavi wurde das Kino gefördert. Der Schah ließ Filme produzieren, um seine Zeremonien, RegierungstĂ€tigkeit und Errungenschaften zu prĂ€sentieren. Er schuf gĂŒnstige Bedingungen fĂŒr den Import auslĂ€ndischer Filme, sodass Produktionen aus den USA, Russland und Europa dominierten. Die einheimische Filmindustrie beschrĂ€nkte sich auf die Synchronisierung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begannen erste Filmproduktionen im Studio Mitrā Film von Esmail Koushan, der nach ein paar finanziellen FehlschlĂ€gen mit Scharmsār (GeschĂ€ndet) seinen ersten Erfolg erzielte; dieser Film war an die damals populĂ€ren indischen Filme angelehnt. Es folgte eine Teilung des iranischen Films in zwei Strömungen: das Sinemā Farsi mit grĂ¶ĂŸtenteils billigen, kommerziell orientierten Produktionen und die Filme der Neuen Welle (mowdsch-e now), die von in Europa ausgebildeten Schauspielern und Regisseuren produziert wurden und kĂŒnstlerisch anspruchsvoll, meist aber nur außerhalb des Iran erfolgreich waren. Im Rahmen der Weißen Revolution der Pahlavi-Regierung wurden schließlich Filmakademien, die Produktionsfirma Telefilm und Kunstfestivals gegrĂŒndet. Ein großes Budget wurde der Filmproduktion unter staatlicher Kontrolle zugeteilt.

Die Islamische Revolution brachte das Filmschaffen im Land zunĂ€chst zum Stillstand: zahlreiche Kinos, die von den islamischen Aktivisten als Hort der Korruption betrachtet wurden, wurden zerstört – dazu zĂ€hlte auch der Anschlag auf das Kino Rex in Abadan mit 430 Todesopfern. Den KĂŒnstlern wurden die Finanzierungen entzogen, sie wurden willkĂŒrlichen Regelungen unterworfen, illegaler AktivitĂ€ten beschuldigt, verhaftet, manche sogar hingerichtet. Die neuen Machthaber erkannten aber auch das propagandistische Potential des Mediums und nutzten es beispielsweise zur Verbreitung „islamischer Werte“ und im Kontext des Irak-Iran-Krieges. Erst seit den 1990er Jahren gibt es wieder Filmschaffen zu anderen Sujets im Land, wobei die Regeln je nach politischer Lage extrem restriktiv sein können. Das gilt besonders fĂŒr weibliche Figuren, die immer nach moralischen und islamischen MaßstĂ€ben korrekt dargestellt sein mĂŒssen.

Dieser auch filmisch reflektierten (beispielsweise in Taxi Teheran) widrigen Produktionsbedingungen zum Trotz, existiert heute eine lebendige, international wahrgenommene iranische Filmszene mit international hoch angesehenen iranischen Regisseuren wie Abbas Kiarostami, Majid Majidi und Jafar Panahi. Viele Filme dĂŒrfen im Iran selbst jedoch nicht gezeigt werden. Wegen der Zensur, des behördlichen Drucks auf Darsteller und Produzenten sowie der VerhĂ€ngung von AusreisebeschrĂ€nkungen und Berufsverboten leben inzwischen einige Filmschaffende, wie die Schauspielerin Golshifteh Farahani oder der Regisseur Mohsen Makhmalbaf im Exil. 2012 erhielt Nader und Simin – Eine Trennung von Asghar Farhadi als erster iranischer Film einen Oscar als Bester fremdsprachiger Film.

Neben den vielschichtigen subtil-suggestiven Werken der Neuen Welle, die hohen Ă€sthetischen AnsprĂŒchen genĂŒgen und die bei internationalen Festivals immer wieder ausgezeichnet werden, ist im Inland vor allem die zweite Strömung des hĂ€ufig mit Gewaltszenen versehenen Film Farsi erfolgreich. AuslĂ€ndische Filme werden offiziell kaum gezeigt, sind der Bevölkerung aber ĂŒber den Schwarzmarkt meist dennoch zugĂ€nglich.

Medien

Zur Zeit (Stand: Januar 2018) sitzen laut Reporter ohne Grenzen im Iran mindestens sieben Journalisten und zwölf Blogger in Haft, darunter Narges Mohammadi, eine Journalistin, Frauenrechtlerin und Sprecherin des Zentrums der Verteidigung fĂŒr Menschenrechte.

Teheran ist das Medienzentrum des Landes. Hier erscheinen die wichtigsten Tageszeitungen wie u. a. Abrar, Ettelā’āt, Hamschahri, Dschumhori-yi Islami, Keyhan, Resalat, Schargh, die englischsprachigen Tehran Times, Kayhan International, Iran Daily, Iran News sowie die Literatur- und Kunstzeitschrift Nafeh. Die bekanntesten Nachrichtenagenturen sind Islamic Republic News Agency, Iranian Students News Agency und Mehr News Agency. SĂ€mtliche Zeitungen, Nachrichtenagenturen und die staatlichen Rundfunk- und Fernsehsender (IRIB) unterliegen staatlicher Zensur. Nach Artikel 110 der Iranischen Verfassung unterstehen diese direkt dem obersten Rechtsgelehrten. Bei im Januar 2018 stattgefundenen Protesten gegen die Regierung wurden die Messenger Telegram und WhatsApp im Mobilfunknetz blockiert. Die Arbeit der Presse und die Organisation der Proteste wurde damit massiv eingeschrĂ€nkt, da keine Koordination und kein Austausch von Informationen mehr möglich war.

ZusĂ€tzlich gibt es ĂŒber 30 persischsprachige Fernsehsender aus dem bei Los Angeles liegenden San Fernando Valley, Kalifornien, die ĂŒber Satellit oder Internet im Iran empfangen werden können.

Der Iran erhielt 1993 Zugang zum Internet. Im Jahr 2018 nutzten etwa 70 Prozent der Einwohner Irans das Internet. Laut den Statistiken von Alexa Internet ist Google die am hĂ€ufigsten verwendete Suchmaschine im Iran und Instagram das beliebteste Soziale Netzwerk. Der direkte Zugang zu vielen weltweit populĂ€ren Websites wurde im Iran blockiert, einschließlich Instagram und Facebook. 2017 hatte Facebook jedoch rund 40 Millionen Abonnenten im Iran (48,8 % der Bevölkerung), die VPN und Proxyserver verwendeten, um auf die Website zuzugreifen. Auch hochrangige Politiker, wie der iranische Außenminister Javad Zarif benutzen im Iran verbotene US-amerikanische Soziale Netzwerke.

Sport

Unmittelbar nach der Islamischen Revolution war das Sportgeschehen im Iran von der puritanischen Weltanschauung der neuen Machthaber geprĂ€gt: eine Reihe von Sportarten wie Boxen, Pferdesport, Fechten oder Schach wurden aus verschiedenen GrĂŒnden verboten. Frauen war das Sporttreiben generell nicht mehr erlaubt. In der neuen iranischen Gesellschaft war fast jede Form von Unterhaltung abgeschafft, so dass Fußballspiele einige von wenigen verbliebenen Zerstreuungen fĂŒr junge MĂ€nner waren. Obwohl es immer wieder Ausschreitungen im Zusammenhang mit Fußballspielen gab, wagte es die Regierung nicht, Fußballspiele zu verbieten. In den 1980er Jahren setzte sich Sport als fĂŒr die Regierung akzeptable Form der Unterhaltung durch, seitdem werden Sportereignisse aus dem In- und Ausland im iranischen Fernsehen ĂŒbertragen, sofern die Kleidung der Sportler die Vorstellungen der religiösen FĂŒhrung nicht zu stark verletzt.

Fußball ist die populĂ€rste Mannschaftssportart des Iran. Die iranische Nationalmannschaft konnte mehrmals die Asienspiele und die Fußball-Asienmeisterschaft gewinnen. An Fußball-Weltmeisterschaften nahm sie mehrmals teil, ohne ĂŒber die Vorrunde hinauszukommen. Der Sieg gegen die USA im Jahre 1998 löste im Iran jedoch eine große Euphorie aus, die Regierung konnte nicht anders als den Menschen das Feiern auf den Straßen zu erlauben.

Irans Regierung betrachtet den Fußball nach wie vor als westlich-korrupt und versucht daher, ihm den traditionellen iranischen Kraftsport entgegenzusetzen, wenngleich er stark mit dem Pahlavi-Regime assoziiert wird. Diese BemĂŒhungen waren wenig erfolgreich, weil ihn die jungen Iraner als altmodisch betrachten. Aus dieser Tradition heraus ist aber die iranische StĂ€rke bei Individualsportarten wie Ringen, Gewichtheben, Taekwondo und Judo erwachsen. Der iranische Gewichtheber Hossein Rezazadeh gewann mehrere olympische Goldmedaillen und iranische Athleten wie Hadi Saei Bonehkohal konnten im koreanisch dominierten Taekwondo internationale Erfolge erzielen.

Iranischen Frauen ist heute das Sporttreiben wieder erlaubt. Besonders Faezeh Haschemi, die Tochter des frĂŒheren PrĂ€sidenten Rafsandschāni hatte sich dafĂŒr eingesetzt, dass es fĂŒr Frauen eigene Sporteinrichtungen gibt. Seit Anfang Oktober 2019 ist es Frauen in Iran erstmals seit 1979 außerdem wieder gestattet, Fußballstadien zu Spielen von MĂ€nnermannschaften zu betreten. Der Aufhebung des Verbots ging die öffentliche Selbstverbrennung von Sahar Chodāyāri voraus, was Proteste der iranischen Bevölkerung, internationale Kritik, sowie Druck durch die FIFA zur Folge hatte. Chodāyāri, die ihren Verletzungen schließlich erlag, hatte sich als Mann verkleidet, um ein Fußballspiel zu besuchen, war jedoch enttarnt und daraufhin festgenommen worden. Mit ihrem Suizid protestierte sie gegen die ihr drohende Verurteilung zu einer GefĂ€ngnisstrafe.

WeiterfĂŒhrende Literatur

  • Katajun Amirpur, Reinhard Witzke: Schauplatz Iran. Ein Report. In: Herder-Spektrum. Band 5535. Herder, Freiburg im Breisgau, Basel, Wien 2004, ISBN 3-451-05535-X.  Rezension auf der Webseite des Eurasischen Magazins.
  • Hakan Baykal: Vom Perserreich zum Iran. 3000 Jahre Kultur und Geschichte. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-2035-3.
  • Christopher de Bellaigue: Im Rosengarten der MĂ€rtyrer. Ein Portrait des Iran. C.H. Beck, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-406-54374-X.
  • W. Bode, H. D. Knapp (Hrsg.): Schutz der Biologischen Vielfalt und integriertes Management der Kaspischen WĂ€lder (Nordiran) (= Naturschutz und Biologische Vielfalt. 12). [Bilingual Deutsch/Farsi]. Bundesamt fĂŒr Naturschutz, Bonn-Bad Godesberg 2005, ISBN 3-7843-3912-3.
  • George Nathaniel Curzon: Curzon's Persia. (1892: Persia and the Persian Question.) Hrsg.: Peter King, Sidgwick & Jackson, London 1986, ISBN 0-283-99742-7.
  • Eckhart Ehlers: Iran (= Wissenschaftliche LĂ€nderkunden. Band 18). Darmstadt 1980.
  • Philipp W. Fabry: Iran, die Sowjetunion und das kriegfĂŒhrende Deutschland im Sommer und Herbst 1940. Göttingen 1980.
  • Philipp W. Fabry: Zwischen Schah und Ayatollah. Ein Deutscher im Spannungsfeld der iranischen Revolution. Darmstadt 1983.
  • Carsten Felgentreff, Hans-Joachim BĂŒrkner, Manfred Rolfens (Hrsg.): Die Islamische Republik Iran. Eine Studienreise (= Praxis Kultur- und Sozialgeographie. Band 39). UniversitĂ€tsverlag Potsdam, Potsdam 2006, ISBN 3-939469-25-4 (Komplettansicht in der Google-Buchsuche). 
  • Nasrollah Kasraian, Ziba Arshi: Our Homeland Iran. 2001, ISBN 964-416-170-X. 
  • Navid Kermani: Iran. Die Revolution der Kinder (= Beck’sche Reihe. Band 1485). 2., erweiterte und aktualisierte Auflage. C. H. Beck, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-406-47625-2 (Beschreibung und Pressestimmen auf der Webseite des Autors. Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  • Parinas Parhisi: Frauen in der iranischen Verfassungsordnung. Dissertation. In: Beiheft zu „Verfassung und Recht in Übersee“. Band 24. Nomos, Baden-Baden 2010, ISBN 978-3-8329-5492-5. 
  • Volker Perthes: Iran. Eine politische Herausforderung. Die prekĂ€re Balance von Vertrauen und Sicherheit (= Edition Suhrkamp. Band 2572). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-12572-4. 
  • Roman Laal Riahi: Der Iran von den Qajaren bis zur Islamischen Republik. Politische Kultur unter den Bedingungen asymmetrischer Interaktion. Dissertation. Der Andere Verlag, Tönning/ LĂŒbeck/ Marburg 2010, ISBN 978-3-86247-053-2. 
  • Amin Saikal: Iran Rising: The Survival and Future of the Islamic Republic. Princeton University Press, Princeton 2019, ISBN 978-0-691-17547-8.
  • Bruno Schirra: Iran – Sprengstoff fĂŒr Europa. Econ, Berlin 2006, ISBN 3-430-17957-2.
  • Claudia Stodte: Iran. (= Edition Erde ReisefĂŒhrer) 7. Auflage. Edition Temmen, Bremen 2018, ISBN 978-3-86108-860-8.
  • Ray Takeyh: Hidden Iran – Paradox and Power in the Islamic Republic. New York 2006, ISBN 0-8050-7976-9.
  • Wahied Wahdat-Hagh: Die islamische Republik Iran. Die Herrschaft des politischen Islam als eine Spielart des Totalitarismus. Dissertation (= Konfrontation und Kooperation im Vorderen Orient. Band 10). LIT, MĂŒnster 2003, ISBN 3-8258-6781-1. 
  • Geo Widengren: Iranische Geisteswelt von den AnfĂ€ngen bis zum Islam. Holle, Baden-Baden 1961. 
  • Charlotte Wiedemann: Der neue Iran. Eine Gesellschaft tritt aus dem Schatten. dtv, MĂŒnchen 2017, ISBN 978-3-423-28124-9.

Nachschlagewerke und HandbĂŒcher

  • Ehsan Yarshater u. a. (Hrsg.): EncyclopĂŠdia Iranica. Routledge & Kegan Paul; EncyclopĂŠdia Iranica Foundation, London, New York (iranica.com – seit 1985, Umfangreichste iranistische EnzyklopĂ€die mit bisher (2009) 15 BĂ€nden.). 
  • The Cambridge History of Iran. 7 BĂ€nde. Cambridge University Press, Cambridge 1993, ISBN 0-521-45148-5 (collection?id=set_cambridge_history_iran histories.cambridge.org – 1968–1991, Umfangreiche, ĂŒber vier Jahrzehnte und von verschiedenen Autoren verfasste Sammlung der iranischen Geschichte bis zur Islamischen Revolution.). 
  • Handbuch der Altertumswissenschaft. 3,7.
  • Werner van Gent, Antonia Bertschinger, Tori Egherman (Fotos), Kamran Ashtary (Fotos): Iran ist anders. Hinter den Kulissen des Gottesstaates. Rotpunkt, ZĂŒrich 2010, ISBN 978-3-85869-415-7. 

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Iran
  • PrĂ€sident des Iran; offizielle Webseite (englisch)
  • Botschaft der Islamischen Republik Iran in der Bundesrepublik Deutschland
  • Iran.ir; offizielle Webseite (englisch)
  • CIA World Factbook: Iran (englisch)
  • LĂ€nderprofil des Statistischen Bundesamtes
  • ecoi.net – SchwerpunktlĂ€nder » Iran (European Country of Origin Information Network; umfangreiche Quellen- und Linksammlung)
  • Country Analysis Brief: Iran, Energy Information Administration (englisch)
  • Monatlicher Iran-Report der Heinrich-Böll-Stiftung seit 2002 zum Download
  • DW-Special Iran: Innenansichten eines Gottesstaates
  • Iranisches Menschenrechts-Dokumentationszentrum (englisch)
  • Verfassung der Islamischen Republik Iran (englisch)

Einzelnachweise


 

Region Regionen (30)

Bezeichnung der Regionen: Provinz
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Ardebil 39.708 37.155 46.566 48.883  
Bushehr 30.25 27.322 50.051 52.971  
Esfahan 34.542 30.772 49.453 55.386  
Fars 31.713 27.139 50.601 55.557  
Gilan 38.445 36.562 48.456 50.576  
Golestan 38.119 36.477 53.705 56.303  
Hamadan 35.756 33.989 47.581 49.567  
Hormozgan 28.951 25.394 52.679 59.276  
Ilam 34.044 32.103 45.724 47.899  
Kerman 32.049 26.01 54.398 59.515  
Kermanshah 35.285 33.633 45.38 47.999  
Khuzestan 33.045 29.957 47.58 50.43  
Kohgiluye und Boyer Ahmad 31.488 30.145 49.918 51.671  
Kordestan 36.508 34.739 45.501 48.226  
Lorestan 34.357 32.601 46.827 50.002  
Markazi 35.677 33.499 48.895 51.033  
Mazandaran 36.989 35.767 50.305 54.12  
Nord-Chorasan 38.278 36.622 55.867 58.228  
Ost-Aserbaidschan 39.187 36.735 45.089 48.455  
Qazvin 36.813 35.438 48.598 50.801  
Qom 35.218 34.106 50.06 51.896  
Razavi-Chorasan 37.901 32.749 56.21 61.29  
Semnan 37.354 34.325 51.789 57.087  
Sistan und Belutschistan 31.449 25.077 58.775 63.319  
SĂŒd-Chorasan 34.278 30.392 57.835 61.143  
Tehran 36.339 34.875 50.23 53.079  
Tschahār Mahāl und Bachtiyāri 32.655 31.094 49.736 51.324  
West-Aserbaidschan 39.772 35.977 44.014 47.332  
Yazd 35.201 29.793 52.824 58.224  
Zanjan 37.231 35.556 47.188 49.404  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Flagge: Iran

Name englisch: Iran
Hauptstadt: Tehran
Kfz: IR
ISO: IR
ISO3: IRN
Fläche: 1648000 km²
Tld: .ir
Wärung Einheit: IRR
Währung: Rial
Vorwahl: 98

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 39.7816755
südlichster Punkt: 25.0594286
westlichster Punkt: 44.0318907
östlichster Punkt: 63.3333366


 
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