Lšnder Länder/Staaten > Europa > Finnland Finnland

Land Karte: Finnland | Grenzen der Regionen auf der Karte anzeigen | Nachbarstaaten auf der Karte anzeigen

Staaten Nachbarstaaten: (4)

Nachbarstaaten Info Die Nachbarstaaten werden automatisch anhand der Grenzen errechnet. Daher kann es vorkommen, dass ein Nachbarstaat fehlt oder zu viel angezeigt wird.
Wir versuchen diese im Laufe der Zeit manuell anzupassen. Bei Fehlern kŲnnt ihr euch jederzeit an uns wenden Łber das Kontaktformular.

Staat Informationen : Finnland

Informationen:


Finnland (finnisch [ňąsu…Ēmi], schwedisch Finland [ňąf…™nland]), amtlich Republik Finnland (finnisch Suomen tasavalta, schwedisch Republiken Finland) ist eine parlamentarische Republik in Nordeuropa und seit 1995 Mitglied der Europ√§ischen Union. Finnland grenzt an Schweden, Norwegen, Russland und die Ostsee.

Mit etwa 5,5¬†Millionen Einwohnern auf einer Fl√§che fast so gro√ü wie Deutschland geh√∂rt Finnland zu den am d√ľnnsten besiedelten L√§ndern Europas. Der Gro√üteil der Bev√∂lkerung lebt im S√ľden des Landes mit der Hauptstadt Helsinki sowie den Gro√üst√§dten Espoo, Tampere, Vantaa und Turku. Die beiden Amtssprachen sind Finnisch und Schwedisch, wobei 88,7¬†% der Bev√∂lkerung finnisch- und 5,3¬†% schwedischsprachig sind. Die schwedischsprachige Inselgruppe √Öland hat einen weitreichenden Autonomiestatus.

Seit dem Ende der letzten Kaltzeit ist in Finnland eine menschliche Besiedlung nachweisbar. Ab der V√∂lkerwanderungszeit kam Finnland √ľber den sich ausweitenden Ostseehandel st√§rker in Kontakt mit dem √ľbrigen Europa; im Hochmittelalter wurde es christianisiert. √úber Jahrhunderte hinweg war Finnland integraler Teil Schwedens, bevor es im 18. Jahrhundert zunehmend in den Einflussbereich des expandierenden Russischen Kaiserreiches geriet und ihm 1809 als Gro√üf√ľrstentum Finnland eingegliedert wurde. Mit der Einf√ľhrung des Frauenwahlrechts 1906 war Finnland das erste Land in Europa, in dem das aktive Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene eingef√ľhrt wurde, und weltweit war es nach Neuseeland und Australien der dritte Staat. Beim passiven Wahlrecht ist Finnlands Spitzenstellung noch deutlicher: Erstmals weltweit wurden Frauen in ein Parlament gew√§hlt.

Erst der Sturz des russischen Kaisers und die anschließende Oktoberrevolution 1917 ermöglichten Finnland die Loslösung von Russland. Am 6. Dezember 1917 wurde vom finnischen Parlament die Unabhängigkeit erklärt.

Geographie

Finnland ist mit einer Fl√§che von 338.455¬†km¬≤, davon 303.921¬†km¬≤ Land und 34.534¬†km¬≤ Binnengew√§sser, etwas kleiner als Deutschland (357.578¬†km¬≤). Hinzu kommen 52.454¬†km¬≤ Meeresfl√§che. Auf einer geographischen Breite zwischen 60¬į und 70¬į liegend, z√§hlt es zu den n√∂rdlichsten L√§ndern der Erde. Ein Drittel Finnlands liegt n√∂rdlich des Polarkreises. Die Nord-S√ľd-Ausdehnung des finnischen Festlandes betr√§gt von Nuorgam bis Hanko 1157¬†km, die l√§ngste Ost-West-Distanz von Ilomantsi nach N√§rpes 542¬†km. Bei der Gliederung des Landesgebiets wird bereits etwa ab der H√∂he des Ouluj√§rvi (deutsch auch Oulusee, nordwestlich der Stadt Kajaani) von Nordfinnland gesprochen. So kann Oulu, genau in der Mitte des Landes gelegen, als nordfinnische Stadt bezeichnet werden, die Landschaft um Jyv√§skyl√§ hei√üt trotz ihrer s√ľdlichen Lage Mittelfinnland.

Die l√§ngste Staatsgrenze ist mit nach amtlichen Angaben 1340¬†km die zu Russland im Osten. Im Norden grenzt Finnland √ľber 736¬†km an Norwegen, die 614¬†km lange Grenze zu Schweden im Nordwesten bilden die Fl√ľsse K√∂nk√§m√§eno, Muonionjoki und Tornionjoki. Weitere 1250¬†km sind Seegrenzen.

Im Westen und S√ľden grenzt Finnland an Nebenmeere der Ostsee, im Westen an den Bottnischen Meerbusen, im S√ľden an den Finnischen Meerbusen. Fast alle finnischen Fl√ľsse und Seen geh√∂ren zum Einzugsbereich der Ostsee, nur der jenseits des Maanselk√§ gelegene √§u√üerste Nordosten des Landes entw√§ssert zum Nordpolarmeer. Durch die geringe Verdunstung und den steten S√ľ√üwasserzufluss sind die Meeresgew√§sser Finnlands wesentlich weniger salzig als die Weltmeere: Mit einer Salinit√§t von weniger als 0,3¬†% ist etwa die Bottenwiek, der n√∂rdliche Teil des Bottnischen Meerbusens, so brackig, dass sich auch S√ľ√üwasserfische in ihr finden.

Das hervorstechendste Merkmal der Landschaft Finnlands ist ihr Seenreichtum, der dem Land auch den Beinamen Land der tausend Seen eingebracht hat. Nach offizieller Zählung gilt ein Binnengewässer mit einer Fläche von mindestens 5 Ar als See, so dass das finnische Umweltministerium die Zahl der finnischen Seen auf 187.888 beziffert; rund 56.000 Seen haben eine Größe von mindestens einem Hektar. Die Gesamtlänge der Ufer der finnischen Seen beträgt mindestens 186.700 km, die Anzahl der Binneninseln beläuft sich auf 98.050.

Geologie

Der Felssockel Finnlands besteht √ľberwiegend aus den pr√§kambrischen Gesteinen des Baltischen Schildes (Gneise, Granite und Schiefer). Gebirgsbildungen liegen in Finnland rund eine Milliarde Jahre zur√ľck, sodass sich das Relief heute recht flach darstellt. Nur vereinzelt haben besonders harte Quarzite der Erosion so weit standhalten k√∂nnen, dass sie sich als Berge von der Umgebung abheben.

Die heutige Landschaft ist entscheidend durch die Gletscher im Eiszeitalter gepr√§gt worden. Gletscher bedeckten bis vor rund 10.000 Jahren das gesamte heutige Finnland, trugen Gesteine ab und schufen bei ihrem R√ľckzug weitl√§ufige Mor√§nenlandschaften, die wiederum durch Schmelzwasser umgeformt wurden. Typische glazial gepr√§gte Landschaftsformen sind Rundh√∂cker als Abtragungsform, Drumlins und Oser als Aufsch√ľttungsformen. In Mor√§nenr√ľcken wie dem Suomenselk√§ im Westen und dem Salpausselk√§ im S√ľden erreichen die glazialen Sedimente eine M√§chtigkeit von teils √ľber 100¬†Metern. Das Schmelzwasser bildete mit dem Ende der Eiszeit den Ancylussee, den Vorl√§ufer der heutigen Ostsee, und bedeckte weite Teile des Landes. Dieses Gew√§sser brach vor 7000 Jahren zur Nordsee durch. Durch den R√ľckgang des Wasserspiegels und die gleichzeitige isostatische Landhebung erhoben sich in den folgenden Jahrtausenden immer weitere Landmassen aus den Fluten. Im Binnenland sammelte sich Schmelzwasser in Gletschermulden und √§lteren Verwerfungen, wodurch die finnischen Seen entstanden. Die anhaltende Landhebung ist noch heute ein landschaftsformender Prozess. So steigt die Meeresk√ľste √Ėsterbottens um bis zu 8¬†Millimeter pro Jahr aus der Ostsee hervor. Dort kommt es aus diesem Grund auch fast jedes Fr√ľhjahr zu √úberschwemmungen, weil die Fl√ľsse zur K√ľste hin kaum noch Gef√§lle haben und sich Schmelzwasser im Binnenland staut. Auch mussten im Laufe der letzten Jahrhunderte St√§dte wie Pori und Vaasa teils mehrfach um einige Kilometer nach Westen verlegt werden, da ihre H√§fen verlandeten.

Das am weitesten verbreitete Sediment an der Oberfl√§che ist der Till, auch dies ein Erbe der Eiszeit. Da es in Finnland nur an wenigen Stellen Kalkstein oder Marmor gibt, sind die glazialen Ablagerungen oft kalkfrei. Die daraus entstandenen B√∂den neigen daher zur Versauerung. In den tieferliegenden Regionen, die in der Ancylusseephase und den sp√§teren Ostseevorl√§ufern unter Wasser lagen, sind die glazialen Sedimente oft von Seeablagerungen √ľberdeckt worden. Diese sind hingegen meistens karbonathaltig. Dank dieser fruchtbaren Lehmb√∂den, aber auch wegen des vergleichsweise milden Klimas konzentriert sich der Getreideanbau auf die K√ľstenregionen West- und S√ľdfinnlands. Im Binnenland sind die B√∂den durch Bodenversauerung und Vertorfung wenig f√ľr den Ackerbau geeignet und machen einen verst√§rkten Einsatz von D√ľngekalk erforderlich, der in mehreren Kalksteinbr√ľchen wie in Pargas, Lohja und Lappeenranta gef√∂rdert wird.

W√§hrend die finnischen Eisenerzlagerst√§tten fast ersch√∂pft sind, finden sich noch bedeutende Vorkommen an Kupfer, Nickel, Zink und Chrom. In den 1860er Jahren folgte auf den Fund von Gold im Flusssand des Kemijoki ein regelrechter Goldrausch in Lappland. Bis heute wird an den Fl√ľssen Lapplands teils durch Handw√§sche, teils industriell Gold gewaschen, eine gro√üe Untertagemine befindet sich in Pahtavaara bei Sodankyl√§. Weitere, gr√∂√ütenteils noch unerschlossene Goldvorkommen sind √ľber das gesamte Land verteilt, zuletzt wurde 1996 bei Kittil√§ eine auf Vorr√§te von 50 Tonnen Gold gesch√§tzte Lagerst√§tte entdeckt. Au√üerdem ist Finnland der gr√∂√üte europ√§ische Exporteur von Talk. Dieses vor allem in der Papierindustrie ben√∂tigte Mineral wird derzeit in Sotkamo und Polvij√§rvi in gro√üem Umfang abgebaut. Weitere in Finnland gewonnene Industrieminerale sind Wollastonit, Dolomit, Apatit, Quarz und Feldspat.

Klima

Das finnische Klima ist kaltgem√§√üigt. Finnland liegt an der Grenze zwischen maritimer und kontinentaler Klimazone. Die Tiefdruckgebiete der Westwindzone k√∂nnen feuchte und wechselnde Wetterlagen mit sich bringen. Andererseits schirmt das Skandinavische Gebirge Finnland vom Atlantik ab, sodass stabile kontinentale Hochdruckzonen f√ľr kalte Winter und vergleichsweise hei√üe Sommer sorgen. Die Ostsee, die Binnenseen und insbesondere der Golfstrom machen durch ihren m√§√üigenden Einfluss das Klima in Finnland deutlich milder als in anderen Orten auf denselben Breitengraden. Kuopio liegt etwa auf derselben Breite wie das sibirische Jakutsk, hat aber eine um fast 13¬†¬įC h√∂here Jahresdurchschnittstemperatur.

Die Niederschlagssumme betr√§gt in S√ľdfinnland 600‚Äď700¬†mm. Im Norden ist sie deutlich niedriger, was aber durch die geringe Verdunstung aufgrund der k√ľhlen Temperaturen kompensiert wird. Der wenigste Niederschlag f√§llt im ganzen Land im M√§rz, der meiste im Juli oder August.

Das Klima des Landes wird wegen der Nord-S√ľd-Ausdehnung von √ľber 1000 Kilometern nach Norden hin deutlich k√§lter. W√§hrend die durchschnittliche Jahrestemperatur im S√ľden 5¬†¬įC betr√§gt, so sind es im Norden Finnisch-Lapplands nur noch ‚ąí2¬†¬įC. Auch die Dauer der thermischen Jahreszeiten ist stark von der Lage abh√§ngig: Dauert der Winter im s√ľdwestfinnischen Sch√§rengebiet nur 100 Tage, herrscht er in Lappland bis zu 200 Tage lang. Im k√§ltesten Monat, dem Januar oder Februar, liegt die Durchschnittstemperatur zwischen ‚ąí4 und ‚ąí14¬†¬įC. Die k√§lteste jemals in Finnland gemessene Temperatur betrug ‚ąí51,5¬†¬įC in Pokka bei Kittil√§ am 28. Januar 1999. Eine bleibende Schneedecke f√§llt meist zwischen Ende Oktober und Anfang Januar. Sie entwickelt eine Dicke von 20‚Äď30¬†cm im S√ľden bzw. 60‚Äď90¬†cm im Osten und Norden und schmilzt zwischen Ende M√§rz und Ende Mai. Die Seen frieren zwischen November und Dezember zu und tauen oft erst zwischen Mai und Juni wieder auf. In kalten Wintern k√∂nnen der Bottnische und der Finnische Meerbusen fast vollst√§ndig zufrieren und m√ľssen mit Eisbrechern freigehalten werden.

Der Sommer dauert in S√ľdfinnland von Ende Mai bis Mitte September, in Lappland beginnt er einen Monat sp√§ter und endet einen Monat fr√ľher. Die Temperaturunterschiede zwischen Nord- und S√ľdfinnland sind im Sommer bei Durchschnittstemperaturen zwischen 12 und 17¬†¬įC im Juli weniger stark ausgepr√§gt. In S√ľd- und Mittelfinnland gibt es zwischen 10 und 15 Sommertage, an denen die Temperatur √ľber 25¬†¬įC steigt, im Norden und an den K√ľsten sind es 5‚Äď10. Die h√∂chste jemals in Finnland gemessene Temperatur betrug 37,2¬†¬įC am 28. Juli 2010 in Liperi.

In den Gebieten n√∂rdlich des Polarkreises scheint im Sommer die Mitternachtssonne, im Winter herrscht die Polarnacht (kaamos). Zur Zeit der Sommersonnenwende wird es selbst im S√ľden des Landes nicht vollkommen dunkel (sogenannte wei√üe N√§chte), in Utsjoki an der Nordspitze Finnlands geht die Sonne 73 Tage lang gar nicht unter. Entsprechend steigt dort im Winter die Sonne f√ľr 51 Tage kein einziges Mal √ľber den Horizont; auch in S√ľdfinnland geht sie am k√ľrzesten Tag nur f√ľr sechs Stunden auf. Vor allem im Norden erscheinen im Winter Polarlichter.

Naturräume

Finnland l√§sst sich in f√ľnf landschaftliche Gro√ür√§ume einteilen: die K√ľstenebenen S√ľdfinnlands, die K√ľstenebenen √Ėsterbottens, die Finnische Seenplatte im Landesinneren, das Finnische H√ľgelland im Osten und Lappland im Norden.

Die s√ľdfinnische K√ľstenebene erstreckt sich von Satakunta √ľber Uusimaa bis zur russischen Grenze. Sie ist vergleichsweise arm an Seen und landwirtschaftlich gepr√§gt. An der Westk√ľste schlie√üt sich der Gro√üraum √Ėsterbottens an. Das flache Gebiet wird von zahlreichen Fl√ľssen durchschnitten und wird ebenfalls intensiv landwirtschaftlich genutzt. Die K√ľste Finnlands ist eine reich gegliederte Sch√§renk√ľste mit einer Gesamtl√§nge von fast 40.000¬†km und √ľber 73.000 Inseln mit einer Gr√∂√üe von mindestens 500¬†m¬≤. Gemessen an ihrer Anzahl stellen die Inseln des Sch√§renmeers vor Turku den gr√∂√üten Archipel der Welt dar. Die Inseln der autonomen Inselgruppe √Öland liegen zwischen 15 und 100¬†km vom finnischen Festland entfernt.

Die Mor√§nenr√ľcken Salpausselk√§ im S√ľden und Suomenselk√§ im Westen sind die beiden Hauptwasserscheiden des Landes und trennen die K√ľstengebiete von der Finnischen Seenplatte (J√§rvi-Suomi) im Landesinneren. Das moor- und waldreiche Gebiet ist mit seinen ca. 42.200 Seen die gr√∂√üte Seenplatte Europas. Binnengew√§sser bedecken hier rund 18¬†% der Gesamtfl√§che. Hier haben auch die wichtigsten Str√∂me der s√ľdlichen Landesh√§lfte, der Kokem√§enjoki, der Kymijoki und der Vuoksi, ihren Ursprung. Der gr√∂√üte See des Landes ist mit einer Fl√§che von rund 4400¬†km¬≤ der stark zergliederte Saimaa-See im S√ľdosten.

Das Finnische H√ľgelland (Vaara-Suomi) erstreckt sich im Osten des Landes von Nordkarelien √ľber Kainuu bis in die s√ľdlichen Teile Lapplands. Charakteristisch sind die zahlreichen Anh√∂hen, von denen sich aber nur einzelne wie der Koli (347¬†m) in Nordkarelien als Berge von der Umgebung abheben. Im Norden geht das H√ľgelland in den Gro√üraum Lapplands √ľber.

In Lappland dominieren weitl√§ufige Wald- und Moorlandschaften, aus denen sich baumlose Fjells (tunturi) wie der Pallastunturi (807¬†m), der Yll√§stunturi (718¬†m) oder der Pyh√§tunturi (540¬†m) erheben. Die Gegend um den Inarij√§rvi in Nordostlappland weist eine hohe Seendichte auf. Der l√§ngste Fluss Finnlands ist mit rund 560¬†km der Kemijoki, der einen gro√üen Teil Finnisch-Lapplands entw√§ssert. Seine Quellfl√ľsse entspringen wie die der anderen gro√üen Fl√ľsse Nordfinnlands (Tornionjoki, Iijoki und Oulujoki) in den H√∂henlagen an der finnischen Nord- und Ostgrenze. Im Norden Lapplands steigt das Gel√§nde zum Skandinavischen Gebirge hin an. An seinem Hauptkamm hat Finnland jedoch nur im √§u√üersten Nordwesten in der Gemeinde Enonteki√∂ Anteil. Hier liegen auch alle Eintausender des Landes. Die h√∂chste Erhebung Finnlands ist mit 1324¬†m der Haltitunturi unmittelbar an der Grenze zu Norwegen.

Natur

In Finnland kommen insgesamt rund 42.000 Arten von Tieren, Pflanzen und Pilzen vor, darunter 65 S√§ugetierarten. Alles in allem ist die Artenvielfalt geringer als in s√ľdlicheren Gebieten, die Wildnis Finnlands bietet aber zahlreichen Tieren Lebensraum, die im Rest Europas selten anzutreffen sind.

Das Jedermannsrecht gestattet in Finnland allen Menschen, sich unter bestimmten Einschränkungen frei in der Natur zu bewegen. Auch das Sammeln von Beeren und Pilzen und das Angeln sind gestattet. Jagd und Fischerei sind in Finnland weit verbreitete Beschäftigungen. Sechs Prozent der finnischen Bevölkerung besitzen eine Jagdlizenz.

Flora

Finnland ist das waldreichste Land Europas: 86¬†% der Landfl√§che sind bewaldet. Dabei treten von Norden nach S√ľden drei Vegetationszonen auf. Der gr√∂√üte Teil Finnlands geh√∂rt zur borealen Nadelwaldzone (Taiga). Kennzeichnend sind die kurze Vegetationsperiode, n√§hrstoffarme B√∂den, auf denen die B√§ume nur langsam wachsen, das Vorherrschen von Nadelholzgew√§chsen und eine geringe Anzahl an Baumarten. Es dominieren Kiefern (50¬†%) und Fichten (30¬†%), die h√§ufigste Laubbaumart ist die Birke (16,5¬†%). Der Boden ist mit Blaubeerstr√§uchern und Moosen bedeckt, nach Norden hin auch mit Flechten.

Nur an der S√ľdwestk√ľste und auf den vorgelagerten Sch√§ren herrschen Mischw√§lder vor. Hier wachsen auch Baumarten, die in Finnland sonst nicht vorkommen, wie die Eiche. Der √§u√üerste Norden Lapplands ist weitgehend baumlos, in niedrigen Lagen wachsen nur noch gedrungene Birken, in h√∂heren Lagen herrscht eine tundraartige Vegetation vor.

Ein Drittel der Landesfl√§che Finnlands bestand urspr√ľnglich aus Moorland, etwa die H√§lfte dieser Fl√§che wurde in den vergangenen Jahrhunderten zur Kulturlandgewinnung trockengelegt. Im S√ľden dominieren torfreiche Hochmoore, n√∂rdlich davon Aapamoore. Der gr√∂√üte Teil des Moorlandes ist mit Bruchw√§ldern bedeckt.

Fauna

Elche sind trotz intensiver Bejagung in ganz Finnland sehr zahlreich. Obwohl allj√§hrlich √ľber ein Drittel der Elche erlegt wird, bleibt der Bestand nach Ablauf der Jagdsaison stabil bei √ľber 100.000 Tieren. F√ľr den Stra√üenverkehr stellt die gro√üe Elchpopulation eine Gefahr dar, weil es immer wieder zu schweren Unf√§llen mit den Tieren kommt. Im Norden des Landes trifft man allenthalben Rentiere an. Die rund 200.000 Rentiere sind halbdomestiziert und laufen das Jahr √ľber frei herum, im Sp√§therbst treiben ihre Besitzer die Tiere zusammen und suchen die Schlachttiere heraus. Weitaus seltener ist das wilde Waldren. Einst in weiten Teilen Finnlands verbreitet, wurde es Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet, ehe seit den 1950er Jahren wieder eine kleine Population aus Russland nach Kainuu und Nordkarelien einwanderte. In S√ľd- und Westfinnland sind aus Amerika eingebrachte Wei√üwedelhirsche in gr√∂√üerer Zahl heimisch geworden.

Die Raubtierpopulationen wachsen durch den Erfolg von Schutzma√ünahmen schon seit Jahren; die Anzahl der finnischen Braunb√§ren und Luchse liegt heute bei je √ľber 1000 Individuen, die der W√∂lfe bei etwa 200. Inzwischen d√ľrfen sie wieder in begrenztem Ma√üe bejagt werden. Im finnischen Teil Lapplands lebt eine Restpopulation von etwa 150 Vielfra√üen. Der Polarfuchs war einst im ganzen Land recht h√§ufig, wurde aber durch Pelzj√§ger zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast ausgerottet. Der Rotfuchs ist hingegen bis heute sehr h√§ufig anzutreffen, seit einigen Jahrzehnten auch der Marderhund, der sich von Russland aus verbreitet hat.

Die Saimaa-Ringelrobbe kommt weltweit nur im Saimaa-Seengebiet vor. Diese seltene S√ľ√üwasser-Unterart der Ringelrobbe konnte durch gezielte Schutzma√ünahmen vor dem Aussterben gerettet werden und ist daher auch das Symboltier des Naturschutzes in Finnland. Besonderen Schutz genie√üt auch das Gleith√∂rnchen, das in der Europ√§ischen Union nur in Finnland und Estland vorkommt.

Zur Vogelwelt Finnlands geh√∂ren √ľber 430 Arten, darunter Steinadler und Seeadler, daneben H√ľhnerv√∂gel wie Auerhuhn, Birkhuhn, Haselhuhn und Moorschneehuhn sowie zahlreiche Wasservogelarten. Als finnischer Nationalvogel gilt wegen seiner Rolle in der finnischen Mythologie der Singschwan. Auch diese Art konnte durch ein rigides Jagdverbot gerettet werden: Z√§hlte man in den 1950er Jahren nur mehr 15 Brutpaare, so sind es heute wieder rund 1500.

Aufgrund der zahlreichen Gew√§sser, vor allem der Finnischen Seenplatte, besitzt Finnland mit 67 Spezies eine bemerkenswerte Fischfauna. Bei Sportfischern sind vor allem Hechte (finnisch ‚Äöhauki‚Äė), Barsche und Zander, die in den vielen Binnengew√§ssern und der salzarmen K√ľstenregion der Ostsee in gro√üen Mengen und Gewichten abwachsen, beliebt. Raubfische genie√üen wegen ihres starken Bestandes in Finnland keine Schonzeit, so dass sie auch im Winter beim Eisangeln erbeutet werden k√∂nnen. Auch spielen Salmoniden wie Bachforelle, Arktische √Ąsche, Lachs, Seesaibling, Amerikanischer Seesaibling, Meerforelle und Regenbogenforelle eine gro√üe Rolle f√ľr den Angeltourismus und die kommerzielle Fischerei. Von untergeordneter Bedeutung sind Friedfische wie Karpfen, aufgrund ihres hohen W√§rmebed√ľrfnisses nur in wenigen Gew√§ssern im S√ľden des Landes vorkommend, Brassen, Rotaugen, Rotfedern, Alande und Schleien. Im Freiwasser der gro√üen Seen trifft man Felchen und Mar√§nen an. Weitere Fischarten sind Aalquappe, Stint, Laube, Hasel, Z√§hrte, G√ľster, D√∂bel und Karausche.

Geschichte

Fr√ľhgeschichte

Die fr√ľheste sicher nachgewiesene Besiedlung auf dem Gebiet des heutigen Finnland stammt aus der Zeit nach Ende der letzten Eiszeit rund 8500 v.¬†Chr. Ursprung und Sprache der fr√ľhesten Bewohner Finnlands sind unklar. Durch Zuwanderung in den folgenden Jahrtausenden wurden neue Kulturen eingef√ľhrt, und sp√§testens um 5000 v.¬†Chr. sprachen die Bewohner Finnlands haupts√§chlich fr√ľhe finno-ugrische Sprachen. Um 3200 v.¬†Chr. sickerten Zuwanderer aus dem baltischen Raum ein, die eine fr√ľhe indogermanische Sprache sprachen, sich allm√§hlich mit der Stammbev√∂lkerung vermischten und deren Sprache annahmen. Der sprachliche Einfluss der Zuwanderer war mitverantwortlich f√ľr die Herausbildung des Unterschiedes zwischen der urfinnischen Sprache im K√ľstengebiet und der samischen Sprache im Binnenland.

Die Wurzeln der finnischsprachigen Bev√∂lkerung waren Gegenstand wiederholter Kontroversen und k√∂nnen bis heute nicht als gekl√§rt gelten. Nach traditioneller Auffassung wird das Gebiet √∂stlich des Urals oder die Gegend der Wolgaschleife f√ľr die Urheimat der Finnen gehalten. In der neueren Forschung √ľberwiegt die Ansicht, dass die Vorfahren der Finnen vor Jahrtausenden in mehreren Wellen aus verschiedenen Richtungen einwanderten, eine Jagd- und Ackerbaukultur einf√ľhrten und die jagenden und sammelnden Samen nach Norden verdr√§ngten oder mit diesen verschmolzen.

Die steinzeitliche Bev√∂lkerung Finnlands bestand aus J√§gern und Sammlern. Im S√ľdwesten herrschte die Suomusj√§rvi-Kultur, die zwischen ca. 5000 und 4200 v.¬†Chr. von der Kultur mit Kamm-Gr√ľbchen-Keramik abgel√∂st wurde. Ab ca. 3200 v.¬†Chr. werden Ausl√§ufer der Schnurkeramik-Kultur in den s√ľdwestlichen K√ľstengebieten angenommen, die ab ca. 2300 v.¬†Chr. in die Kiukainen-Steinh√ľgelgr√§ber-Kultur √ľbergeht.

Mit der Bronzezeit um 1700 v.¬†Chr. begannen, ausgehend von den K√ľstenregionen, Ackerbau und Viehzucht. Von 100 v.¬†Chr. an nahm der Handel mit Mitteleuropa zu. W√§hrend der Zeit der V√∂lkerwanderung kamen die finnischen K√ľstenregionen durch den Ostseehandel zu Wohlstand, der sich in der Zeit der Wikinger ab dem 8.¬†Jahrhundert weiter verst√§rkte. Um die Jahrtausendwende verdichteten sich √ľber den Osthandel die Beziehungen Ostfinnlands zu Nowgorod. Mit den Handelsverbindungen kam die Bev√∂lkerung Finnlands auch in Kontakt mit dem christlichen Glauben, im Westen mit dem r√∂misch-katholischen, im Osten mit dem orthodoxen.

Finnland als Teil Schwedens

Die Anbindung Westfinnlands an Schweden war ein allm√§hlicher Vorgang. Die erstarkten M√§chte Schweden und Nowgorod traten aus politischen, wirtschaftlichen und religi√∂sen Gr√ľnden in Wettbewerb um das von den Finnen bewohnte Gebiet. Beide Staaten unternahmen ab dem 12. Jahrhundert mehrere mehr oder weniger milit√§rische Kreuzz√ľge in die Region. Die Grenze zwischen beiden M√§chten und damit die Ostgrenze Finnlands wurde erstmals 1323 im Vertrag von N√∂teborg festgelegt.

Die T√§tigkeit der Kirche, die Siedlungsbewegungen schwedischer Einwanderer sowie die Reichsgesetzgebung und -verwaltung trugen dazu bei, dass die neuen Gebiete als √Ėsterland einer der vier festen Landesteile Schwedens wurden. Ab 1362 hatte √Ėsterland das Recht zur Teilnahme an der schwedischen K√∂nigswahl. Die Christianisierung Finnlands war mit der Gr√ľndung des Domkapitels Turku 1276 formell abgeschlossen, die alte Mythologie konnte sich aber noch f√ľr Jahrhunderte neben dem Christentum behaupten.

W√§hrend des Mittelalters entstand in Finnland eine st√§ndische Gesellschaft europ√§ischen Stils, ein St√§dtewesen und eine katholische Kirchenorganisation. Vom Ende des 14. bis zu deren Zerfall Anfang des 16. Jahrhunderts war Finnland als Teil Schwedens Bestandteil der Kalmarer Union. In der Herrschaftszeit Gustavs¬†I. Wasa von 1523 bis 1560 entwickelte sich Schweden zu einem starken Zentralstaat, der die Grundlage f√ľr die Gro√ümachtstellung des Reiches im 17. Jahrhundert bildete. Ebenfalls unter Gustav Wasa wurde im Zuge der Reformation der Katholizismus durch das evangelisch-lutherische Bekenntnis abgel√∂st.

W√§hrend der Gro√ümachtperiode gelang es Schweden, sein Gebiet in Kriegen mit D√§nemark, Polen und Russland im Umkreis der Ostsee zu erweitern. Finnland, das w√§hrend dieser Zeit von Kriegshandlungen verschont blieb, wurde enger in die Reichsverwaltung integriert. Unter der Leitung des Generalgouverneurs Per Brahe des J√ľngeren wurden mehrere St√§dte neu gegr√ľndet, in Turku die Akademie und ein Hofgericht geschaffen sowie ein Postwesen aufgebaut.

W√§hrend des 18. Jahrhunderts schwand die Machtstellung Schwedens, besonders im Gro√üen Nordischen Krieg (1700‚Äď1721), als Finnland russisch besetzt wurde (1714‚Äď1721). Nach Abschluss des Friedens von Nystad endete die Besetzung Finnlands, aber auch die Gro√ümachtstellung Schwedens. In einem weiteren russisch-schwedischen Krieg, dem sogenannten Krieg der H√ľte (1741‚Äď1743), wurde Finnland erneut besetzt, und im anschlie√üenden Frieden wurde die russische Westgrenze bis an den Fluss Kymijoki vorgeschoben.

Finnland als Gro√üf√ľrstentum im Russischen Reich

Im Zuge des Vierten Koalitionskrieges verb√ľndete sich Russland unter Zar Alexander¬†I. mit Frankreich gegen Gro√übritannien und das mit diesem verb√ľndete Schweden. 1808 griff Russland Schweden an und begann damit den Finnischen Krieg, als dessen Resultat Schweden im Vertrag von Fredrikshamn 1809 weite Gebiete an Russland abtreten musste. Zu diesen Gebieten geh√∂rten neben dem damals die heutige S√ľdh√§lfte Finnlands umfassenden Kernfinnland auch die √Ölandinseln sowie Teile Lapplands und V√§sterbottens. Aus diesen und den bereits 1721 und 1743 eroberten Gebieten wurde das Gro√üf√ľrstentum Finnland gebildet, das Teil des Russischen Reiches war, aber eine weitgehende politische Autonomie genoss. Insbesondere wurden die hergebrachten schwedischen Gesetze ebenso wie in weiten Teilen die herrschende Verfassung aufrechterhalten. Auch blieb Finnland beim gregorianischen Kalender, der in Schweden 1753 eingef√ľhrt worden war. Helsinki wurde 1812 zur Hauptstadt erkl√§rt (bis dahin Turku).

Die erste H√§lfte des 19. Jahrhunderts war von einer gewissen politischen Starre gepr√§gt. Nach dem Landtag von Porvoo 1809, mit dem das russische Gro√üf√ľrstentum Finnland konstituiert wurde, wurde der Landtag als st√§ndische Volksvertretung von den Zaren bis 1863 nicht mehr einberufen, die Politik konzentrierte sich auf die Verwaltung bei unver√§nderter Gesetzeslage. W√§hrend dieser Zeit erwachte aber auch ein finnisches Nationalbewusstsein und es wurden zahlreiche Anstrengungen zur St√§rkung der finnischen Identit√§t unternommen, ohne dass sich diese zun√§chst gegen die Zarenherrschaft gerichtet h√§tten.

In der zweiten H√§lfte des Jahrhunderts kam die finnische Politik in Bewegung, insbesondere durch die gr√∂√üere Freiz√ľgigkeit unter Zar Alexander¬†II. Die Beseitigung hergebrachter Wirtschaftsbeschr√§nkungen belebte die Wirtschaft. Ab den 1860er Jahren kam die Industrialisierung in Fahrt, angetrieben vor allem durch die Holzwirtschaft und die in gro√üer Zahl gegr√ľndeten S√§gewerke. Die hierdurch notwendige gesetzgeberische T√§tigkeit wurde durch die ab 1863 regelm√§√üige Einberufung des Reichstags erm√∂glicht.

Dem erstarkten finnischen Nationalbewusstsein traten ab dem Ende des 19. Jahrhunderts russische Bestrebungen einer Zentralisierung des Reiches und einer Russifizierung der zu diesem geh√∂renden Gebiete entgegen. Das sogenannte Februarmanifest Zar Nikolaus‚Äô¬†II. von 1899 schr√§nkte die autonomen Rechte Finnlands sp√ľrbar ein. Dies hatte einen z√§hen politischen Konflikt zur Folge, zu dessen Zuspitzungen die Ermordung des Generalgouverneurs Nikolai Bobrikow 1904 und, im Zusammenhang mit der Russischen Revolution 1905, ein umfassender Generalstreik im Herbst 1905 geh√∂rten. Infolge des Generalstreiks sagte Nikolaus die Wiederherstellung der Autonomie sowie die Schaffung einer nichtst√§ndischen Volksvertretung zu.

1905 beauftragte Zar Nikolaus¬†II. den finnischen Senat, ein neues Gesetz auszuarbeiten, das das allgemeine Wahlrecht f√ľr M√§nner vorsehen sollte. Aufgrund der Proteste auf den Stra√üen und der Haltung der Sozialdemokraten nahm der eingesetzte Ausschuss auch das Frauenwahlrecht in seinen Gesetzentwurf auf. Am 20. Juli 1906 ratifizierte Nikolaus¬†II. das Gesetz. Damit war Finnland das erste Land in Europa, in dem das aktive Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene eingef√ľhrt wurde, und weltweit war es nach Neuseeland und Australien der dritte Staat. Beim passiven Wahlrecht ist Finnlands Spitzenstellung noch deutlicher: Erstmals weltweit wurden Frauen in ein Parlament gew√§hlt. Zu dem 1907 neugeschaffenen Parlament hatten alle Finnen ab 24 Jahren gleiches Wahlrecht. Die w√§hrend des Generalstreiks zutage getretenen politischen und sozialen Spannungen konnten jedoch nicht beseitigt werden. Die Russifizierungsbem√ľhungen wurden 1909 wieder aufgenommen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, an dem finnische Soldaten, von einigen Freiwilligen abgesehen, nicht teilnahmen, kam das politische Leben aber zun√§chst zum Erliegen.

Unabhängigkeit und Kriege

Nach der Februarrevolution in Russland und der Absetzung des Zaren und der dadurch beendeten Personalunion wurde der Wunsch nach Unabh√§ngigkeit immer gr√∂√üer. Als nach der Oktoberrevolution die neue russische Regierung den V√∂lkern Russlands das Recht auf Sezession einr√§umte, erkl√§rte das finnische Parlament am 6.¬†Dezember 1917 Finnlands Unabh√§ngigkeit. Diese wurde von Sowjetrussland am 18.¬†Dezemberjul. / 31.¬†Dezember¬†1917greg. und danach von zahlreichen anderen Staaten anerkannt. Den Abl√∂sungsprozess von Russland begleiteten schwere innere Konflikte, die am 27.¬†Januar 1918 in einem sozialistischen Umsturzversuch gipfelten. In einem dreimonatigen B√ľrgerkrieg behielten letztlich die b√ľrgerlichen ‚ÄěWei√üen‚Äú die Oberhand.

Im Jahr 1919 gab sich Finnland eine republikanische Verfassung. Mit Sowjetrussland wurde 1920 ein Friedens- und Grenzvertrag unterzeichnet, aufgrund dessen die Grenzen Finnlands mit dem fr√ľheren Gro√üherzogtum √ľbereinstimmten, Finnland aber zus√§tzlich das Gebiet Petsamo mit dessen eisfreiem Zugang zum Nordmeer zugestanden wurde. Im Verh√§ltnis zu Schweden entstand Streit um die strategisch bedeutsamen √Öland-Inseln. Eine Entscheidung des V√∂lkerbundes sprach die Inseln schlie√ülich 1921 Finnland mit der Ma√ügabe zu, dass sie eine weitgehende Autonomie erhielten.

Der 1939 geschlossene deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt wies Finnland der sowjetischen Interessensph√§re zu. Der Angriff der Sowjetunion auf Finnland am 30.¬†November 1939 bildete den Auftakt f√ľr den Winterkrieg. Trotz zahlreicher erfolgreicher Abwehrschlachten stand die Verteidigung vor dem Zusammenbruch, als der Krieg am 13.¬†M√§rz 1940 durch den Friedensvertrag von Moskau beendet wurde. Finnland musste gro√üe Teile Kareliens, darunter mit Wyborg die damals zweitgr√∂√üte Stadt des Landes, und andere Gebiete an die Sowjetunion abtreten.

Als Deutschland unter Bruch des Nichtangriffspakts am 22.¬†Juni 1941 die Sowjetunion angriff, trat Finnland in Kooperation mit Deutschland in den Krieg ein, der in Finnland als Fortsetzungskrieg bezeichnet wird. Die finnische Armee eroberte nicht nur die verlorenen Gebiete zur√ľck, sondern drang auch tief in das zur Sowjetunion geh√∂rige Gebiet Ostkareliens ein. Mit den Erfolgen schien das Ziel erreichbar, die von vielen Finnen als Volksgenossen angesehenen nah verwandten Volksgruppen in einem Gro√üfinnland zusammenzuf√ľhren. 1944 musste sich Finnland jedoch nach den Erfolgen der Roten Armee aus den besetzten Gebieten zur√ľckziehen und sah sich erneut der drohenden sowjetischen Besetzung gegen√ľber. Am 19.¬†September 1944 schloss es mit der Sowjetunion den Separatfrieden von Moskau, der den Fortsetzungskrieg beendete. Die Gebietsverluste des Winterkrieges wurden best√§tigt, zudem musste das Gebiet Petsamo abgetreten werden.

Der Separatfrieden verpflichtete Finnland, die deutschen Truppen aus dem Land zu vertreiben, und so schloss sich der finnisch-deutsche Lapplandkrieg an, in dessen Verlauf die sich zur√ľckziehenden deutschen Truppen gro√üe Teile Lapplands v√∂llig zerst√∂rten. Der Krieg endete am 27.¬†April 1945 mit dem Abzug der letzten deutschen Soldaten aus Kilpisj√§rvi. Der Kriegszustand mit den Alliierten wurde durch den Pariser Friedensvertrag von 1947 endg√ľltig beendet.

Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit und insbesondere im Kalten Krieg nahm Finnland eine Sonderstellung im Spannungsfeld zwischen den Blöcken ein. Das Land hatte sich im Krieg seine Unabhängigkeit und die marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung bewahrt, die Sowjetunion behielt aber großen Einfluss auf die finnische Politik. Finnland verfolgte einerseits eine strikte Neutralitätspolitik, andererseits eine insbesondere durch Präsident Juho Kusti Paasikivi vorangetriebene Politik der Versöhnung mit der Sowjetunion. 1948 wurde mit der Sowjetunion ein Freundschafts- und Kooperationsabkommen geschlossen, das durch mehrfache Verlängerung bis zum Ende der Sowjetunion in Kraft blieb. Konflikte mit dem östlichen Nachbarn wurden durch intensive, oftmals inoffizielle Kontakte der finnischen Politik mit Moskau vermieden. Diese Politik, die verschiedentlich den Eindruck des vorauseilenden Gehorsams erweckte, wurde hauptsächlich von westdeutschen Politikern mit dem geringschätzigen Prädikat der Finnlandisierung belegt.

Der pr√§gende Politiker im Nachkriegsfinnland war Urho Kekkonen, von 1956 bis 1982 Pr√§sident der Republik Finnland. Er nutzte die seinerzeit weitreichenden verfassungsm√§√üigen Befugnisse des Pr√§sidenten f√ľr einen autokratischen F√ľhrungsstil und betrachtete die Pflege der Beziehungen zur Sowjetunion weitgehend als seine Privatangelegenheit. 1973 lie√ü er seine Amtszeit durch ein parlamentarisches Ausnahmegesetz verl√§ngern, obwohl an seiner Wiederwahl in den regul√§ren Wahlen kaum Zweifel bestanden h√§tte. Insgesamt wird der Amtszeit Kekkonens daher ein Demokratiedefizit bescheinigt. Der Pr√§sident konnte sich aber w√§hrend der gesamten Periode der Unterst√ľtzung der W√§hlermehrheit sicher sein. Zu seinen bedeutendsten Erfolgen geh√∂rt die 1975 in Helsinki abgehaltene KSZE-Konferenz, die neben ihren Auswirkungen auf den Verst√§ndigungsprozess in Europa auch die Stellung Finnlands als neutraler Staat festigte.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion st√ľrzte Finnland, dessen Wirtschaft sich zu einem gro√üen Teil auf den Osthandel st√ľtzte, Anfang der 1990er Jahre in eine schwere Wirtschaftskrise. Gleichzeitig erhielt das Land aber gr√∂√üeren au√üenpolitischen Spielraum. 1992 nahm Finnland Verhandlungen √ľber seinen Beitritt zur Europ√§ischen Gemeinschaft auf, die 1995 in eine Vollmitgliedschaft in der heutigen Europ√§ischen Union m√ľndeten. 2002 ersetzte der Euro die Finnische Mark als Landesw√§hrung.

Durch die zunehmende Globalisierung nahm im Laufe der 2000er Jahre die Abh√§ngigkeit der finnischen Wirtschaft vom Weltmarkt immer mehr zu. Dadurch traf die Weltwirtschaftskrise 2007 Finnland besonders stark. 2009 ging das Bruttoinlandsprodukt um 8,3¬†% zur√ľck. Trotz einer Erholung in den Folgejahren lag das BIP 2016 inflationsbereinigt immer noch unter dem von 2008.

Bevölkerung

Finnland hat eine Bev√∂lkerung von etwa 5,5 Millionen Menschen und ist mit einer Bev√∂lkerungsdichte von rund 16,3 Einwohnern pro Quadratkilometer d√ľnn besiedelt. Dabei ist die Bev√∂lkerung sehr ungleich verteilt. W√§hrend die n√∂rdliche Provinz Lappland mit 1,8 Einwohnern pro Quadratkilometer fast menschenleer ist, konzentrieren sich etwa 40¬†% der Bev√∂lkerung auf die Provinz S√ľdfinnland mit 62,6 Einwohnern pro Quadratkilometer. Allein rund 1,638 Millionen Menschen leben in der Landschaft Uusimaa rund um Helsinki. Weitere Ballungsr√§ume sind die St√§dte Tampere, Turku und Oulu mit ihren Einzugsgebieten.

Demographische Entwicklung

Die Bevölkerungsentwicklung ist bis heute von einer andauernden, aber nicht gleichmäßig hohen Landflucht geprägt, vor allem junge Menschen ziehen zur Ausbildung und Arbeit in die Städte, wodurch die ländlichen Gemeinden besonders in Ost- und Mittelfinnland unter Bevölkerungsschwund und Überalterung zu leiden haben. Während zum Beispiel 2005 landesweit rund 36 % der Bevölkerung unter 30 Jahren alt war, waren es im ostfinnischen Suomussalmi nur 28 %. Die Lebenserwartung betrug im Zeitraum von 2010 bis 2015 80,7 Jahre (Männer 77,6 Jahre, Frauen: 83,4 Jahre).

Insgesamt zeigt die Bev√∂lkerungsstruktur eine Tendenz zur Alterung. Die Geburtenrate liegt zwar mit rechnerisch 1,74 Kindern pro Frau √ľber dem europ√§ischen Durchschnitt, gen√ľgt aber nicht, um insbesondere die Alterung der besonders geburtenstarken Jahrg√§nge 1946 bis 1949 auszugleichen. Dennoch zeigt die Bev√∂lkerungsentwicklung eine ansteigende Tendenz. Es wird erwartet, dass der Bev√∂lkerungsanstieg insbesondere durch Zuzug von Ausl√§ndern noch mindestens bis 2060 anh√§lt und die Einwohnerzahl dann bei ann√§hernd sechs Millionen liegen wird.

Der Ausl√§nderanteil ist mit rund 4¬†% im Vergleich zu den Nachbarl√§ndern Norwegen und Schweden gering, hat sich aber seit dem Ende des Kalten Krieges vervielfacht. Der Grund f√ľr diese niedrige Zahl ist zum einen die bis heute recht restriktive Einwanderungspolitik des finnischen Staates, zum anderen war Finnland zur Zeit der gro√üen Arbeitsmigration in den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit insbesondere im Vergleich zu Schweden wirtschaftlich schwach und selbst eher Auswandererland als Einwanderungsziel. Nach 1945 wanderte √ľber eine halbe Million Finnen aus, meist nach Schweden. Ihre Spitze erreichte diese Entwicklung um 1970, als in Schweden Hochkonjunktur herrschte, in Finnland die geburtenstarken Nachkriegsjahrg√§nge auf den Arbeitsmarkt dr√§ngten und j√§hrlich rund 40.000 Finnen nach Schweden umsiedelten. In der Folge hat der Auswandererstrom stark nachgelassen. Heute verlassen j√§hrlich rund 10.000 bis 15.000 Menschen das Land, ein Verlust, der durch die Zuwanderung von knapp 20.000 Menschen √ľberkompensiert wird.

Sprachen und indigene Völker

Finnland ist offiziell zweisprachig. Landesweit geben 88,7¬†% der Bev√∂lkerung Finnisch und 5,3¬†% Schwedisch als Muttersprache an. Die schwedischsprachige Bev√∂lkerung konzentriert sich vor allem auf die K√ľstenregionen im S√ľden und in √Ėsterbotten sowie auf die Provinz √Öland. Das Finnlandschwedische unterscheidet sich vor allem in Aussprache und Wortschatz von dem in Schweden gesprochenen Reichsschwedischen.

Die schwedischsprachige Minderheit entstammt der vom 12. Jahrhundert bis 1809 dauernden Zugeh√∂rigkeit Finnlands zu Schweden. Sie entstand einerseits durch Zuzug aus dem schwedischen Mutterland und sp√§ter auch aus Mitteleuropa (die meisten mitteleurop√§ischen Einwanderer √ľbernahmen die schwedische, nicht die finnische Sprache), andererseits durch Assimilation vor allem der gehobenen finnischen Bev√∂lkerungsschichten. Der Wechsel vom Finnischen zum Schwedischen war attraktiv, weil bis ins 19. Jahrhundert Schwedisch neben Latein die einzige Kultur- und Verwaltungssprache und die Sprache der Oberschicht des Landes war, w√§hrend Finnisch vor allem von der b√§uerlichen Bev√∂lkerung gesprochen wurde. Im Mittelalter betrug der Anteil der Finnlandschweden sch√§tzungsweise 25¬†%.

Die Sprachpolitik Finnlands wurde seit dem 19. Jahrhundert durch teilweise erbitterte Auseinandersetzungen um das Verh√§ltnis zwischen der finnischen und der schwedischen Sprache bestimmt. Heute sind beide Sprachen durch die finnische Verfassung als Amtssprachen festgeschrieben. Jede Gemeinde ist entweder finnischsprachig, schwedischsprachig oder zweisprachig. Eine Gemeinde gilt als zweisprachig, wenn die sprachliche Minderheit einen Bev√∂lkerungsanteil von mindestens acht Prozent hat oder von mindestens 3000 Einwohnern repr√§sentiert wird. Nach der derzeitigen, bis zum Jahr 2022 g√ľltigen Einteilung sind von den 317 Gemeinden in Finnland 16 rein schwedischsprachig (alle in der Provinz √Öland) und 33 zweisprachig, davon 15 mehrheitlich schwedischsprachig und 18 mehrheitlich finnischsprachig. Die √ľbrigen Gemeinden sind ausschlie√ülich finnischsprachig. Eine Besonderheit der finnischen Sprachpolitik ist auch, dass Finnland als einziges Land der Europ√§ischen Union das Recht auf den Gebrauch der Geb√§rdensprache in seiner Verfassung verankert hat.

Besonderen Schutz als ethnische Minderheit genie√üen die Samen, die ihr Siedlungsgebiet in den n√∂rdlichen Regionen Lapplands haben. Die drei in Finnland gesprochenen samischen Sprachen sind Nordsamisch, Inarisamisch und Skoltsamisch. Sie werden heute von etwa 1750 finnischen Samen als Muttersprache gesprochen und haben einen offiziellen Status in den Gemeinden Enonteki√∂, Inari und Utsjoki sowie im Nordteil der Gemeinde Sodankyl√§. In diesen Gemeinden leben rund 4000 der 7000 von der samischen Verwaltung als ethnische Samen eingestuften Finnen. Zur √úberwachung der Stellung der samischen Sprachen und zur Verwirklichung einer sprachlichen und kulturellen Selbstverwaltung wurde 1996 mit dem S√°mediggi eine eigene parlamentarische Vertretung der Samen in Finnland gegr√ľndet.

Seit etwa 500 Jahren ist eine kleine Gruppe von heute rund 10.000 Roma (2008) in Finnland ans√§ssig, die sich in ihrer Kleidung deutlich von der finnischen Mehrheitsgesellschaft und von den √ľbrigen europ√§ischen Roma unterscheiden. Roma-Frauen unterliegen dem Gebot der Gemeinschaft, eine bestimmte Tracht zu tragen. Die Roma wurden fr√ľher von Teilen der finnischen Bev√∂lkerung abf√§llig als mustalaiset (‚Äědie Schwarzen‚Äú) bezeichnet. Heute hat ihre Sprache, Romani, einen Status als offizielle Minderheitensprache. Dar√ľber hinaus leben heute etwa 800 Tataren im Land, deren Vorfahren zwischen 1870 und 1920 nach Finnland kamen. Durch Einwanderung aus dem Ausland sind heute auch zahlreiche andere Ethnien in Finnland vertreten, jedoch ohne einen besonderen Status zu besitzen. Die Russen in Finnland stellen mit fast 49.000 Sprechern die gr√∂√üte sprachliche Minderheit des Landes. Zu ihnen geh√∂ren auch zahlreiche finnischst√§mmige Zuwanderer aus Karelien und dem Ingermanland, denen seit den 1990er Jahren das Recht auf ‚ÄěR√ľckkehr‚Äú nach Finnland zugestanden wurde.

Religion

Seit 1923 ist die Religionsfreiheit in der finnischen Verfassung garantiert. Die Evangelisch-Lutherische Kirche und die Orthodoxe Kirche sind per Gesetz als Volkskirchen festgeschrieben und genie√üen besondere Vorrechte. Ihre Mitglieder zahlen eine Kirchensteuer in H√∂he von 1 bis 2,25¬†% ihres Einkommens, zudem erhalten die Volkskirchen staatliche Zuwendungen f√ľr soziale und karitative Zwecke und Instandsetzungsaufgaben. Obwohl die finnische Gesellschaft weitgehend s√§kularisiert ist, sind rund 70¬†% der Bev√∂lkerung konfessionell gebunden (Stand Ende 2019).

Die Mehrzahl der Finnen (fast 69¬†% der Gesamtbev√∂lkerung) geh√∂rt der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands an. Die Zahl ist seit Jahren r√ľckl√§ufig, ebenso die der Gottesdienstbesucher. Nur 2¬†% der Kirchenmitglieder besuchen w√∂chentlich eine Kirche, rund 10¬†% einmal monatlich. Die meisten Gl√§ubigen besuchen Gottesdienste nur an hohen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern oder zu famili√§ren Anl√§ssen wie Taufen, Hochzeiten und Bestattungen. Dennoch genie√üt die Kirche hohes Ansehen in der Bev√∂lkerung und stellt insbesondere in l√§ndlichen Gebieten ein wichtiges soziales Netzwerk dar. In manchen l√§ndlichen Gegenden dominieren Erweckungsbewegungen das Gemeindeleben. In Nordfinnland ist der Laestadianismus weit verbreitet, insgesamt hat er in Finnland rund 120.000 Anh√§nger. Vor allem in Teilen Savos und √Ėsterbottens sind pietistische Gruppen stark vertreten.

Der seit 1923 autonomen Orthodoxen Kirche Finnlands geh√∂ren rund 60.000 Menschen in 24 Gemeinden an, also rund 1,1¬†% der Bev√∂lkerung. Das orthodoxe Christentum verbreitete sich seit dem Mittelalter von Nowgorod aus vor allem nach Karelien. W√§hrend der russischen Herrschaft bildeten sich mit dem Zuzug russischer Beamten und Milit√§rs auch orthodoxe Gemeinden in den Gro√üst√§dten des Landes, deren Nachkommen, die ‚Äěalten Russen‚Äú, heute rund 3000 K√∂pfe z√§hlen. Als Finnland nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg gro√üe Teile Kareliens an die Sowjetunion abtreten musste, wurden auch zehntausende Orthodoxe aus Karelien umgesiedelt und √ľber ganz Finnland verstreut. Seit 1990 hat sich die Anzahl der orthodoxen Christen durch die Einwanderung von ‚Äěneuen Russen‚Äú aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion deutlich erh√∂ht.

Nicht zur evangelischen Volkskirche geh√∂ren die verschiedenen Pfingstkirchen, denen 2010 mindestens 50.000 Menschen angeh√∂rten. Zudem gibt es in Finnland 19.000 Zeugen Jehovas und √ľber 3200 Mormonen. Die Katholische Kirche in Finnland hat rund 16.000 Anh√§nger, zumeist Ausl√§nder oder Einwanderer, vor allem aus Polen. Das katholische Bistum Helsinki besteht seit 1955 und umfasst ganz Finnland.

In Finnland existieren zwei j√ľdische Gemeinden mit insgesamt rund 1500 Mitgliedern, von denen 1200 in Helsinki und 200 in Turku leben. Die rund 800 Finnland-Tataren sind muslimischen Glaubens. Seit 1990 hat sich die Zahl der in Finnland lebenden Muslime durch die Aufnahme von Tausenden somalischer Fl√ľchtlinge, aber auch durch Einwanderung aus dem Nahen Osten und S√ľdosteuropa vervielfacht. Insgesamt lebten in Finnland im Jahr 1999 schon rund 20.000 Muslime, aber laut Statistics Finland hatten die islamischen Gemeinden im Jahr 2010 nur etwa 8200 Mitglieder.

Bildung

In Finnland besteht gesetzliche Schulpflicht f√ľr alle Sieben- bis Sechzehnj√§hrigen. Die meisten Kinder beginnen mit sieben Jahren die neun Schuljahre umfassende Grundschule (peruskoulu). Nach dieser obligatorischen Grundausbildung kann die Schulbildung entweder auf einer Berufsschule oder in einem Gymnasium (lukio) fortgesetzt werden. Die Dauer der gymnasialen Ausbildung ist nicht konkret festgelegt, sondern h√§ngt √§hnlich wie im Hochschulstudium von der pers√∂nlichen Studienleistung des Sch√ľlers ab. Die Mehrheit der Sch√ľler legt nach insgesamt zw√∂lf Schuljahren das Abitur ab. Sowohl dieses als auch der Abschluss der Berufsschule qualifizieren den Sch√ľler prinzipiell f√ľr eine Hochschulausbildung, jedoch sind an den Hochschulen Aufnahmepr√ľfungen mit zum Teil starker Selektion √ľblich. Die Grundschulen und Gymnasien sowie ein Teil der Berufsschulen stehen unter Verwaltung der Gemeinden.

In den PISA-Studien haben die Sch√ľler Finnlands mit ihren Platzierungen in der Spitzengruppe f√ľr Aufsehen gesorgt. Zu den Erkl√§rungsversuchen f√ľr das gute Abschneiden des finnischen Schulsystems geh√∂ren unter anderem staatliche Bildungsinitiativen wie das seit 1996 bestehende sogenannte LUMA-Programm zur F√∂rderung des naturwissenschaftlichen und mathematischen Unterrichts. Weiter wird auf die einheitliche Schulausbildung f√ľr alle Sch√ľler unabh√§ngig von ihrem sozio√∂konomischen Hintergrund und das damit bessere Abschneiden der schw√§cheren Sch√ľler verwiesen. Die oft ins Gespr√§ch gebrachte finnische Ganztagsschule gibt es jedoch im Regelfall nicht. Nur etwa ein Viertel der finnischen Sch√ľler nimmt an schulischen Nachmittagsaktivit√§ten teil. Weder sind die Gemeinden zur Einrichtung von Ganztagsschulen, noch die Sch√ľler zur Teilnahme am Nachmittagsangebot verpflichtet.

Die offizielle Zweisprachigkeit Finnlands spiegelt sich auch im Schulsystem wider. Alle Gemeinden, in denen sowohl finnisch- als auch schwedischsprachige Einwohner leben, sind gesetzlich verpflichtet, f√ľr beide Sprachgruppen gesonderte Schulbildung anzubieten. Zu den Besonderheiten der schulischen Fremdsprachenbildung und zu den immer wieder heftig diskutierten Themen geh√∂rt die Verpflichtung aller Sch√ľler, die jeweils andere Landessprache zu erlernen. Die immer wieder aufflammende √∂ffentliche Debatte √ľber diese Pflicht wird insbesondere von Vertretern der finnischsprachigen Mehrheit unter dem Schlagwort ‚ÄěZwangsschwedisch‚Äú (pakkoruotsi) gef√ľhrt.

Die Hochschulen gliedern sich wie in Deutschland in Universit√§ten und Fachhochschulen. W√§hrend erstere akademische Lehre und Forschung betreiben, konzentrieren sich letztere auf berufsbezogene Ausbildung. Die Fachhochschulen stehen unter Leitung der Gemeinden oder privater Stiftungen, w√§hrend die 15 Universit√§ten des Landes eine weitgehende Selbstverwaltung genie√üen. Lehre und Forschung an den Hochschulen werden haupts√§chlich durch √∂ffentliche Mittel finanziert. Die Unterrichtssprache an den finnischen Hochschulen ist in der Regel Finnisch, f√ľr die schwedischsprachige Minderheit werden jedoch ebenfalls Studienm√∂glichkeiten angeboten. Einige Hochschulen, allen voran die √Öbo Akademi, sind rein schwedischsprachig. In j√ľngerer Vergangenheit sind zunehmend auch Lehrinhalte in anderen Sprachen, vor allem Englisch, eingef√ľhrt worden.

Die Schulausbildung ist frei von Geb√ľhren. Auch die universit√§re Hochschulausbildung ist f√ľr B√ľrger der EU, des Europ√§ischen Wirtschaftsraums und der Schweiz geb√ľhrenfrei. B√ľrger von Drittstaaten ohne permanente Aufenthaltserlaubnis in einem EU-Land m√ľssen f√ľr ein nach 2017 angefangenes Bachelor- oder Masterstudium ggf. Geb√ľhren bezahlen. Die H√∂he h√§ngt von Universit√§t und Studienfach ab. Sie bewegt sich im Bereich von ca. 12.000¬†‚ā¨ j√§hrlich. Studenten erhalten zur Finanzierung ihres Studiums staatliche Studienzusch√ľsse, Wohngeld sowie staatlich beb√ľrgte und zinsg√ľnstige Studiendarlehen. Ein im internationalen Vergleich gro√üer Teil von gut 40¬†% der jeweiligen Altersklassen erwirbt in Finnland einen Hochschulabschluss. Die Studiendauer bis zum Erreichen des h√∂heren Hochschulabschlusses betr√§gt im Schnitt 5,1 effektive Studienjahre. Die Gesamtdauer des Studiums wird allerdings erh√∂ht durch die unter Studenten verbreitete Erwerbsarbeit.

Politik

Politisches System

Seit 1919 ist Finnland eine parlamentarisch-demokratische Republik. Grundlage ist die heutige Verfassung Finnlands vom 11. Juni 1999, die am 1. März 2000 in Kraft trat. Die neue Verfassung bedeutete eine erhebliche Verschiebung der Machtbefugnisse vom zuvor dominierenden Staatspräsidenten zu Parlament und Regierung (semipräsidentielles Regierungssystem).

Gesetzgebendes Organ ist das Parlament (finn. eduskunta, schwed. riksdagen), ein Einkammerparlament mit 200 Abgeordneten, die f√ľr vier Jahre nach dem Verh√§ltniswahlrecht gew√§hlt werden. Wahlberechtigt ist jeder finnische Staatsb√ľrger ab 18 Jahren. Jeder W√§hler hat eine Stimme, die er einem bestimmten Kandidaten gibt, so dass die W√§hler nicht nur auf die Kr√§fteverh√§ltnisse der Parteien, sondern auch auf die Reihenfolge der Kandidaten auf den Parteienlisten Einfluss haben.

Die finnische Regierung, der Staatsrat (valtioneuvosto), ist seit der Verfassungsreform direkt dem Parlament verantwortlich. Der Ministerpr√§sident wird direkt vom Parlament gew√§hlt, die √ľbrigen Mitglieder vom Pr√§sidenten auf Vorschlag des Ministerpr√§sidenten ernannt. Traditionell werden in Finnland gro√üe Koalitionen auch √ľber das zur Schaffung einer absoluten Mehrheit notwendige Ma√ü hinaus gebildet. Derzeit wird der Staatsrat unter Ministerpr√§sidentin Sanna Marin durch eine Koalition von SDP, KESK, VIHR, VAS und RKP gebildet.

Die Befugnisse des Präsidenten der Republik wurden durch die Verfassungsreform 1999 zugunsten von Parlament und Regierung eingeschränkt. Der auf sechs Jahre direkt gewählte Präsident leitet die Außenpolitik nun in Zusammenarbeit mit der Regierung. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und kann hohe Staatsbeamte und Richter ernennen. Seit 2012 ist Sauli Niinistö finnischer Präsident.

Parteien

Nach den Parlamentswahlen vom 14. April 2019 sieht das Kräfteverhältnis im finnischen Parlament wie folgt aus:

Die nationale Sammlungspartei (Kansallinen Kokoomus) hat ihren Schwerpunkt im Gegensatz zur Zentrumspartei in den Ballungszentren. Die 1918 von Monarchisten gegr√ľndete Partei steht heute f√ľr eine Betonung der b√ľrgerlichen Freiheiten und eine liberale Wirtschaftspolitik. W√§hrend die Partei in der Nachkriegszeit keine zentrale Rolle spielte, war sie seit 1987 mit vierj√§hriger Unterbrechung an allen Regierungen beteiligt.

Die zweite gro√üe b√ľrgerliche Gruppierung ist die Zentrumspartei (Suomen Keskusta). Sie wurde 1906 unter dem Namen Landbund (Maalaisliitto) als Interessenvertretung der republikanisch denkenden selbst√§ndigen Bauern gegr√ľndet. Die Partei wurde 1965 umbenannt, hat aber bis heute den Schwerpunkt ihrer Unterst√ľtzung in der Landbev√∂lkerung au√üerhalb der St√§dte. Die Zentrumspartei war in der Nachkriegszeit die pr√§gende Partei Finnlands, insbesondere durch den langj√§hrigen Pr√§sidenten Urho Kekkonen.

Die Sozialdemokratische Partei Finnlands (Suomen Sosialidemokraattinen Puolue) wurde 1899 als Arbeiterpartei Finnlands gegr√ľndet und nahm 1903 ein marxistisches Parteiprogramm an. Die Geschehnisse des B√ľrgerkriegs 1918 f√ľhrten zur Abspaltung der Kommunisten von der Partei, die in der Folge als demokratische Kraft die Zusammenarbeit mit der politischen Mitte suchte. Nach den Kriegen haben die Sozialdemokraten zahlreiche Ministerpr√§sidenten gestellt, zuletzt Paavo Lipponen von 1995 bis 2003.

Die kleineren Parteien werden angef√ľhrt vom Linksb√ľndnis (Vasemmistoliitto), das 1990 aus einem Zusammenschluss verschiedener linksgerichteter oder kommunistischer Gruppierungen hervorgegangen ist. √Ąhnlich stark wie das Linksb√ľndnis ist der 1988 gegr√ľndete Gr√ľne Bund, der wie die anderen europ√§ischen gr√ľnen Parteien aus der Umweltbewegung hervorgegangen ist. Beide Parteien waren 1995 bis 2003 in der Regenbogenkoalition Paavo Lipponens vertreten. Weitere derzeit im Parlament vertretene Parteien sind die Christdemokraten (Suomen Kristillisdemokraatit), eine betont religi√∂s ausgerichtete Kleinpartei, sowie die rechtspopulistischen Wahren Finnen (Perussuomalaiset).

Eine Sonderstellung nimmt die Schwedische Volkspartei (Svenska folkpartiet) ein, die sich als Interessenvertretung der schwedischsprachigen Minderheit in Finnland auffasst. Seit 1930 ist die Partei, die heute die Unterst√ľtzung von rund vier Prozent der W√§hler genie√üt, mit vereinzelten kurzzeitigen Ausnahmen an allen Regierungskoalitionen beteiligt gewesen. Die autonome Provinz √Öland hat eine eigenst√§ndige Parteienlandschaft und w√§hlt einen Parlamentsabgeordneten, der sich unabh√§ngig von seiner Parteizugeh√∂rigkeit der Schwedische Fraktion genannten Parlamentsfraktion der Schwedischen Volkspartei anschlie√üt.

F√ľr die Registrierung einer neuen politischen Partei muss diese Unterst√ľtzungserkl√§rungen von 5000 Wahlberechtigten beibringen. Wenn eine Gruppierung in zwei aufeinanderfolgenden Parlamentswahlen keine Sitze errungen hat, wird sie aus dem Parteienregister gel√∂scht und muss eine erneute Registrierung betreiben, wenn sie wieder zu Wahlen antreten m√∂chte.

Die nächste Parlamentswahl findet regulär im Jahr 2023 statt, wenn keine vorzeitigen Wahlen notwendig werden.

Politische Indizes

Verwaltungsgliederung

Die kommunale Selbstverwaltung wird in Finnland in den 310 Gemeinden (kunta) ausge√ľbt. W√§hrend die Gemeinden in den dichter besiedelten Gegenden Finnlands der Gr√∂√üe nach mit mitteleurop√§ischen Gemeinden vergleichbar sind, haben die Gemeinden besonders in der Nordh√§lfte des Landes meist eine erhebliche geographische Ausdehnung. Die kleinste Gemeinde, Kauniainen, hat eine Fl√§che von nur 6¬†km¬≤, die gr√∂√üte Gemeinde, Inari, ist mit √ľber 17.000¬†km¬≤ gr√∂√üer als das deutsche Land Th√ľringen.

Die Entscheidungsgewalt in der Gemeinde wird durch einen alle vier Jahre direkt gew√§hlten Gemeinderat (valtuusto) ausge√ľbt. Dieser w√§hlt als Verwaltungsorgan die Gemeinderegierung (kunnanhallitus). Den Vorsitz in der Gemeinderegierung f√ľhrt entweder ein hauptamtlicher Gemeindedirektor (kunnanjohtaja) oder ein ehrenamtlicher B√ľrgermeister (pormestari). Ob eine Gemeinde als Stadt bezeichnet wird, ist rechtlich und organisatorisch bedeutungslos. Die Bezeichnung darf jede Gemeinde f√ľhren, die nach eigener Meinung eine st√§dtische Struktur aufweist.

Die Gemeinden Finnlands sind in insgesamt 70 Verwaltungsgemeinschaften (seutukunta) zusammengeschlossen, in welchen die jeweiligen Gemeindeverwaltungen in unterschiedlichem Maße zum Zwecke der Wirtschaftsförderung und der Bereitstellung von öffentlichen Dienstleistungen zusammenarbeiten.

Die allgemeine staatliche Regionalverwaltung wird von sechs Regionalverwaltungsbeh√∂rden (aluehallintovirasto) ausge√ľbt. Zu deren Aufgaben geh√∂ren neben allgemeinen Exekutivaufgaben vor allem die Verwaltungsaufsicht. F√ľr speziellere Aufgaben der Fachverwaltung bestehen 15 Gewerbe-, Verkehrs- und Umweltzentren. Die traditionelle Aufteilung Finnlands in Provinzen (l√§√§ni) ist zum Beginn des Jahres 2010 aufgegeben worden. In √Öland besteht eine abweichende Verwaltungsstruktur und sind alle Regionalaufgaben in einer einzigen Staatsbeh√∂rde zusammengefasst.

Aus schwedischer Zeit hergebracht ist die regionale Aufteilung Finnlands in 19 Landschaften (maakunta). Im Gegensatz zu den heutigen Verwaltungsregionen verf√ľgen diese √ľber eine traditionelle regionale Identit√§t. Die Landschaften haben als Verwaltungseinheiten keine eigenst√§ndige Bedeutung. Die Gemeinden einer Landschaft kooperieren aber jeweils in einem Landschaftsverbund (maakuntaliitto). Eine Ausnahme hiervon ist √Öland, wo der gew√§hlte Landschaftsrat die Selbstverwaltung der Inselgruppe aus√ľbt. Ein Experiment in Kainuu, den Rat direkt w√§hlen zu lassen, lief von 2005 bis 2012 und ist inzwischen beendet. In dieser Form geh√∂rte die Landschaft daher im Gegensatz zu den Provinzen zum Kreis der kommunalen Selbstverwaltung.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 132,7 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 127,6 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 2,9¬†% des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2016 150,2 Mrd. US-Dollar oder 63,5 % des BIP. Finnische Staatsanleihen werden von der Ratingagentur Standard & Poor’s seit dem 10. Oktober 2014 mit der Note AA+ bewertet (Stand 23. Februar 2020).

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Bildung: 6,4¬†% (2005)
  • Gesundheit: 8,2¬†%
  • Milit√§r: 2,0¬†% (2005)

Gesellschaftspolitik

Finnland versteht sich seit der Nachkriegszeit als ausgepr√§gter Wohlfahrtsstaat. Arbeitslose erhalten eine Unterst√ľtzung in Form von Tagegeldern, die nicht vom fr√ľheren Einkommen abh√§ngig sind. Die Altersrente f√ľr Berufst√§tige ist als √∂ffentliche Pflichtversicherung geregelt. Die Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, zwei Drittel der Versicherungsbeitr√§ge zu tragen. Wer keinen Anspruch auf Arbeitsrente hat, erh√§lt im Alter oder bei Berufsunf√§higkeit eine sogenannte Volksrente. Diese betr√§gt 2007 f√ľr einen alleinstehenden Einwohner Helsinkis monatlich 524,85 Euro.

Auch das finnische Gesundheitswesen ist auf einer staatlichen Grundsicherung aufgebaut. Die √§rztliche Versorgung wird aus Steuergeldern finanziert und staatlich organisiert. Zu diesem Zweck unterhalten die Gemeinden Gesundheitszentren, in denen √Ąrzte aller Fachrichtungen arbeiten. Jeder B√ľrger muss in der Regel das f√ľr seinen Wohnort zust√§ndige Gesundheitszentrum aufsuchen; eine freie Arztwahl gibt es im Rahmen der √∂ffentlichen Versorgung nicht. Die Begrenztheit der Ressourcen hat teilweise monatelange Wartelisten f√ľr nicht lebensnotwendige Operationen zur Folge. Neben diesem √∂ffentlichen System bestehen heute zahlreiche private √Ąrztestationen und Krankenh√§user, von deren erheblich h√∂heren Kosten die √∂ffentliche Krankenversicherung nur einen Bruchteil ersetzt.

Auch den Arbeitgebern obliegt ein Teil der Verantwortung f√ľr die Gesundheitsversorgung. Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Gesundheitsversorgung am Arbeitsplatz muss der Arbeitgeber Vorsorgeuntersuchungen finanzieren; eine weitergehende Versorgung der Mitarbeiter ist steuerlich beg√ľnstigt. Auch in anderen Bereichen spielen gesellschaftspolitische Zielsetzungen in den Arbeitsplatz hinein. Die finnische Vorstellung von flachen Hierarchien und der Verteilung von Verantwortung findet ihren Ausdruck in der Verpflichtung der Arbeitgeber, alle Ma√ünahmen mit Einfluss auf Arbeitspl√§tze und Arbeitsbedingungen im Voraus eingehend mit den betroffenen Mitarbeitern zu verhandeln. Auch m√ľssen in Betrieben Pl√§ne zur F√∂rderung der Gleichberechtigung von Mann und Frau aufgestellt werden.

Die Gleichstellung der Geschlechter wird in Finnland auch durch eine umfangreiche Familienpolitik gef√∂rdert. Alle werdenden Eltern erhalten ein Mutterschaftspaket, das eine Babyausstattung f√ľr das erste Lebensjahr enth√§lt. Die ersten sechs Monate nach Geburt eines Kindes kann ein Elternteil oder beide abwechselnd unbezahlten Elternurlaub nehmen und in dieser Zeit finanzielle Unterst√ľtzung aus der Krankenversicherung erhalten. Danach haben alle Kinder bis zur Einschulung das Recht auf einen Platz in einer kommunalen Kindertagesst√§tte oder auf finanzielle Unterst√ľtzung f√ľr die Betreuung zu Hause. Die Ergebnisse dieser Politik sind in der Besch√§ftigungsrate der Frauen sichtbar. Diese lag 2005 bei 66,5¬†% der Frauen im arbeitsf√§higen Alter im Vergleich zu 57,5¬†% im EU-Schnitt.

Im Jahr 2006 wurden in Finnland 28.236 Ehen geschlossen und 13.255 geschieden. Bei Eingehung der ersten Ehe sind finnische Frauen durchschnittlich 29,7, M√§nner 32,1 Jahre alt. Die Rechtsstellung gleichgeschlechtlicher Paare wurde schrittweise an die der heterosexuellen Partnerschaften angeglichen. Seit 2002 konnten sie eine eingetragene Partnerschaft eingehen, die im Wesentlichen die gleichen Rechtswirkungen wie die Ehe hatte. 2006 wurden 84 M√§nner- und 107 Frauenpaare eingetragen. Seit dem 1. M√§rz 2017 ist es homosexuellen Paaren m√∂glich eine Ehe einzugehen. Gleichgeschlechtliche Paare besitzen seitdem die M√∂glichkeit zur Adoption und k√∂nnen einen einheitlichen Familiennamen f√ľhren.

Zu den gesellschaftspolitischen Dauerthemen in Finnland geh√∂rt die Alkoholpolitik. Im Jahr 2005 war Alkohol die h√§ufigste Todesursache unter Finnen im arbeitsf√§higen Alter. Der Verkauf von alkoholischen Getr√§nken unterliegt in Finnland zahlreichen gesetzlichen Beschr√§nkungen. Getr√§nke mit einem Alkoholgehalt √ľber 4,7¬†% d√ľrfen nur in den staatlichen Monopolgesch√§ften der Alko-Kette verkauft werden. Die Alkoholsteuern sind im europ√§ischen Vergleich hoch. Sie standen zuletzt wegen des Abbaus der Einfuhrbeschr√§nkungen innerhalb der EU unter Senkungsdruck, eine erneute Anhebung ist aber geplant.

Finnland z√§hlt kriminalstatistisch zu den sichersten L√§ndern Europas. Es gibt rund 7700 Polizisten. Die finnische Polizei ist dreistufig organisiert. Neben der Polizeiabteilung im Innenministerium gibt es die Polizeidirektion in Helsinki und die Provinzpolizeikommandos. Die unterste Stufe bildet die lokale Polizei in den Amtsbezirken. Im ganzen Land gibt es 280 Polizeidienststellen, dazu kommen √ľber 50 mit anderen Beh√∂rden gemischte Dienststellen. Die autonomen √Öland-Inseln haben eine unabh√§ngige Polizeiorganisation.

Im Weltgl√ľcksbericht der UNO landete Finnland 2021 zum vierten Mal in Folge auf dem ersten Platz.

Umweltschutz

Etwa ein Zehntel der Landesfl√§che Finnlands steht unter Naturschutz unterschiedlichen Grades. Im Norden des Landes, wo die Bev√∂lkerungsdichte niedrig und ein gro√üer Teil des Landes in staatlichem Besitz ist, ist der Anteil noch weitaus h√∂her. Seit Juni 2017 gibt es 40 Nationalparks mit einer Gesamtfl√§che von 9892¬†km¬≤ (2,7¬†% der Gesamtfl√§che Finnlands), darunter in Lappland der Lemmenjoki- und der Urho-Kekkonen-Nationalpark, die jeweils √ľber 2500 Quadratkilometer gro√ü sind. Die Verantwortung f√ľr den Umweltschutz obliegt dem finnischen Umweltministerium. Dessen Hauptziele sind der Erhalt der Biodiversit√§t, der Schutz des Landschaftsbildes, eine nachhaltige Nutzung der nat√ľrlichen Ressourcen, aber auch die Freizeitnutzung der Naturfl√§chen.

Der Treibhausgasaussto√ü pro Kopf des Landes geh√∂rt mit knapp 16 Tonnen CO2-√Ąquivalent zu den weltweit h√∂chsten. Zwischen 1990 und 2004 stiegen die Treibhausgasemissionen um 14,5¬†% von 71,1 auf 81,4 Millionen Tonnen CO2-√Ąquivalent. Im Kyoto-Protokoll hatte sich Finnland verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis zum Zeitraum 2008‚Äď12 gegen√ľber 1990 nicht steigen zu lassen.

Außen- und Verteidigungspolitik

Die finnische Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist nachhaltig von der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges gepr√§gt. In der kollektiven Erinnerung ist die Ansicht tief verwurzelt, dass auf Verb√ľndete kein Verlass sei und die Landesverteidigung im Kriegsfall aus eigener Kraft gew√§hrleistet sein sollte. Die Verteidigungspolitik Finnlands ist auf eine ‚Äětotale Verteidigung‚Äú (kokonaismaanpuolustus) der staatlichen Souver√§nit√§t, territorialen Integrit√§t und demokratischen Verfassung des Landes ausgerichtet.

Im Kalten Krieg war Finnland bem√ľht, gute Beziehungen zur Sowjetunion zu unterhalten, den m√§chtigen Nachbarn und vormaligen Kriegsgegner aber gleichzeitig auf Abstand zu halten. So schlossen die beiden Staaten 1948 einen Vertrag √ľber Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand ab, doch wusste Finnland die darin vorgesehenen Gipfeltreffen immer wieder zu vertagen. Das Bem√ľhen, im Zuge der fortschreitenden Blockbildung die Neutralit√§t zu wahren, bestimmte die finnische Au√üenpolitik ab den 1950er Jahren und wird nach den Staatspr√§sidenten dieser Zeit als Paasikivi-Kekkonen-Linie bezeichnet. Zwar war Finnland durch die stete R√ľcksichtnahme auf die Interessen Moskaus in seiner au√üenpolitischen Handlungsf√§higkeit stark eingeschr√§nkt, konnte die Wehrf√§higkeit des Staates jedoch wahren.

Auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges h√§lt Finnland an der Allianzfreiheit fest, doch ist die Doktrin der strikten Neutralit√§t einer aktiven Westpolitik gewichen. So kooperiert Finnland seit 1994 im Rahmen der Partnerschaft f√ľr den Frieden und seit 1997 als Mitglied des Euro-Atlantischen Partnerschaftsrats mit der NATO. Finnische Soldaten sind derzeit f√ľr die von der NATO gef√ľhrten Sicherungstruppen im Kosovo (KFOR) und Afghanistan (ISAF) im Einsatz. Mit dem Beitritt zur Europ√§ischen Union 1995 und dem Bekenntnis zur gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik trat das Land zwar keinem eigentlichen Milit√§rb√ľndnis bei, stellte aber dennoch seine Sicherheitspolitik und damit auch seine Streitkr√§fte in den Dienst supranationaler Interessen. Am 1.¬†Januar 2006 nahmen erstmals finnische Soldaten an einem Kampfverband der EU teil und standen f√ľr Eins√§tze im Sinne der Petersberg-Aufgaben bereit.

Die M√∂glichkeit eines NATO-Beitritts war eines der umstrittensten Themen in der finnischen √Ėffentlichkeit. Die ehemalige Pr√§sidentin Tarja Halonen sah in dieser Frage keinen Handlungsbedarf; eine Mehrheit der Finnen stand einer NATO-Mitgliedschaft ablehnend gegen√ľber. Gegner der Mitgliedschaft beriefen sich vor allem auf die bew√§hrte Neutralit√§tspolitik und bevorzugten die Zusammenarbeit innerhalb der EU, w√§hrend Bef√ľrworter die Verteidigungsinteressen Finnlands insbesondere mit Blick auf das instabile Russland betonten. Die Diskussion intensivierte sich nach dem russischen Einmarsch in Georgien 2008. Nachdem der russische Pr√§sident Putin 2014 die europ√§ische Friedensordnung umstie√ü, wollten alle Parteien im Jahr 2015 einen Beitritt nicht mehr ausschlie√üen.

Im Jahr 2006 machte das Budget der finnischen Streitkr√§fte rund 5,7¬†% des Gesamthaushalts aus und betrug absolut 2,274 Milliarden Euro. Der Anteil der Milit√§rausgaben am Bruttosozialprodukt liegt bei 1,6¬†%, was deutlich unter dem gesamteurop√§ischen Schnitt liegt. In Finnland gilt die allgemeine Wehrpflicht. Der Wehrdienst dauert je nach Ausbildungsstand zwischen 6 und 12 Monaten. Zwar besteht die M√∂glichkeit zur Wehrdienstverweigerung und Ableistung eines zivilen dreizehnmonatigen Ersatzdienstes, doch leisten mehr als 80¬†% eines Geburtsjahrgangs Milit√§rdienst. Ausdr√ľcklich vom Wehrdienst ausgenommen sind nur Zeugen Jehovas und die Bewohner der autonomen und demilitarisierten Provinz √Öland. Seit 1995 besteht f√ľr Frauen die M√∂glichkeit zum freiwilligen Wehrdienst.

Die finnischen Streitkr√§fte haben in Friedenszeiten eine St√§rke von 35.000 Mann, davon 26.000 im Heer, 5.000 in der Marine und 4.000 in der Luftwaffe. Bis zu 35.000 Finnen werden j√§hrlich zu Reserve√ľbungen einberufen. Im Kriegsfall k√∂nnen bis zu 520.000 Mann in kurzer Zeit unter Waffen gestellt werden, zudem kann der Finnische Grenzschutz mit einer Kriegsst√§rke von 30.000 Mann dem Heereskommando unterstellt werden.

Recht und Justiz

Das finnische Rechtssystem ist historisch bedingt stark vom Recht Schwedens gepr√§gt, das bei der Abl√∂sung Finnlands aus dem Verbund mit Schweden 1809 in Kraft blieb. Bis in die j√ľngere Vergangenheit zeichnete sich die Gesetzgebung durch ein hohes Ma√ü an Kontinuit√§t aus. Seit dem Beitritt Finnlands zur Europ√§ischen Union 1995 hat das Unionsrecht vielf√§ltige Neuerungen und Reformen in der finnischen Gesetzgebung erforderlich gemacht.

Es gibt in Finnland kein gesondertes Verfassungsgericht. Die Gesetzm√§√üigkeit der Verwaltungst√§tigkeit wird von den regul√§ren Gerichten √ľberpr√ľft. Die Verfassungsm√§√üigkeit der vom Parlament beschlossenen Gesetze ist jedoch richterlicher Kontrolle entzogen. Das Parlament √ľbt eine Selbstkontrolle der Verfassungsm√§√üigkeit seiner Gesetzgebung mittels eines Grundgesetzausschusses (perustuslakivaliokunta) aus.

Die allgemeinen Gerichte sind in Finnland

  • der Oberste Gerichtshof (finn. korkein oikeus, schwed. h√∂gsta domstolen)
  • 5 Appellationsgerichte (hovioikeus, hovr√§tt)
  • 20 Amtsgerichte (k√§r√§j√§oikeus, tingsr√§tt).

Als Verwaltungsgerichte entscheiden

  • der Oberste Verwaltungsgerichtshof (korkein hallinto-oikeus, h√∂gsta f√∂rvaltningsdomstolen)
  • 6 regionalen Verwaltungsgerichte (alueellinen hallinto-oikeus, regional f√∂rvaltningsdomstol) und das Verwaltungsgericht der √Ölandinseln (Ahvenanmaan hallintotuomioistuin, √Ölands f√∂rvaltningsdomstol).

Sonder- oder Fachgerichte sind

  • das Marktgericht (markkinaoikeus, marknadsdomstolen)
  • das Arbeitsgericht (ty√∂tuomioistuin, arbetsdomstolen)
  • das Versicherungsgericht (vakuutusoikeus, f√∂rs√§kringsdomstolen)
  • der Staatsgerichtshof (valtakunnanoikeus, riksr√§tten).

Wirtschaft

Finnland geh√∂rt heute zu den wohlhabenden L√§ndern innerhalb der Europ√§ischen Union. Im Jahr 2014 erreichte der Kaufkraftindex f√ľr Finnland den Wert 110 im Vergleich zum Unionsdurchschnitt 100 (EU-28). Die finnische Au√üenhandelsbilanz weist einen leichten √úberschuss auf. Im Jahr 2006 betrug der Export 61,40 Mrd.¬†‚ā¨ bei einem Import von 55,89 Mrd.¬†‚ā¨. Die wichtigsten Handelspartner sind Deutschland mit einem Handelsanteil von 14,9¬†% bzw. 13,1¬†% (Import/Export), Schweden mit 11,2/10,7¬†% und Russland mit 11,2/5,7¬†%.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Finnland Platz 10 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď18). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegt Finnland im Jahr 2017 Platz 24 von 180 L√§ndern.

Wirtschaftliche Entwicklung

Bis weit ins 20. Jahrhundert z√§hlte Finnland zu den √§rmsten L√§ndern Europas. Auch wenn bereits in der ersten H√§lfte des 19. Jahrhunderts Industriebetriebe, vor allem Papierm√ľhlen, Baumwollspinnereien und Eisenh√ľtten entstanden, war das Leben der meisten Finnen bis nach dem Zweiten Weltkrieg von der Landwirtschaft gepr√§gt. Erst nach dem Krieg wurde die Industrialisierung st√§rker vorangetrieben, nicht zuletzt, um die umfangreichen Reparationsforderungen der Sowjetunion zu bew√§ltigen. Innerhalb von zwanzig Jahren entwickelte sich eine diversifizierte Wirtschaft mit einer leistungsf√§higen Elektroindustrie, Petrochemie und Maschinen- und Fahrzeugbau. Ein weiterer wichtiger Bereich wurde der Schiffbau.

Das kr√§ftige Wirtschaftswachstum der Nachkriegszeit, das auch mit dem lebhaften Osthandel verkn√ľpft war, wurde nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 j√§h unterbrochen. In der nachfolgenden schweren Wirtschaftskrise sank das Bruttosozialprodukt um 13¬†%, die Arbeitslosenquote stieg von 3,4 im Jahr 1990 auf 18,4¬†% im Jahr 1994. Die Krise brachte eine einschneidende Umstrukturierung der finnischen Wirtschaft. Zur Stabilisierung des Staatshaushaltes wurden zahlreiche Staatsunternehmen privatisiert. Gleichzeitig investierte der Staat umfangreich in die Hochschulbildung im Hochtechnologiebereich. So wurde dann auch die Mikroelektronikbranche mit Nokia an der Spitze zum Zugpferd f√ľr den wirtschaftlichen Aufschwung.

Der Beitritt zur Europ√§ischen Gemeinschaft 1995 trug seinerseits zur wirtschaftlichen Stabilisierung bei. Die Neuausrichtung der Wirtschaftsstruktur sorgte bis zum Jahr 2001 f√ľr eine Halbierung der Arbeitslosenquote auf 9,2¬†%. In der Folge sank die Arbeitslosigkeit weiter, fiel 2008 auf einen Tiefststand von 6,4¬†% und bewegte sich dann um die 8¬†%. Die Arbeitslosenquote lag im Juni 2018 bei 7,6¬†% und liegt damit leicht √ľber dem EU-Durchschnitt. Im Jahr 2017 betrug die Jugendarbeitslosigkeit 19,9¬†%. Seit 1999 geh√∂rt Finnland zur Eurozone. Bis 2001 hatte es mit der Finnmark eine eigene W√§hrung, seit 2002 gibt es eigene Euro-M√ľnzen heraus.

Energie

Die wichtigsten Energiequellen Finnlands waren 2020 Holz (28¬†%), √Ėl (21¬†%), Kernenergie (19¬†%) sowie Erdgas und Kohle (je 9¬†%).

Im Jahr 1990 betrug der Stromverbrauch Finnlands 62,3 TWh, 2016 waren es 82,2 TWh. Die Stromerzeugung setzte sich 2016 wie folgt zusammen: 26,2¬†% Kernenergie, 22,3¬†% Importe, 18,4¬†% Wasserkraft, 12¬†% Holz, 7,7¬†% Kohle, 4,3¬†% Erdgas, 3,6¬†% Wind und 3,2¬†% Torf. Der Rest wird durch √Ėl und gemischte Verbrennung fossiler und erneuerbarer Brennstoffe gedeckt. Davon wurden 47,1¬†% von der Industrie und Bauwirtschaft verbraucht, 28,3¬†% von der Landwirtschaft und Privathaushalten sowie 21,4¬†% vom Dienstleistungs- und √∂ffentlichen Sektor.

Finnland verf√ľgt √ľber zwei Kernkraftwerke in Olkiluoto und Loviisa mit je zwei Reaktorbl√∂cken. Ein weiterer Reaktor in Olkiluoto wurde fertiggestellt, wird nun mit Brennstoff beladen und soll ab Oktober 2021 Elektrizit√§t liefern. Seit M√§rz 2007 befinden sich zwei neue Kernkraftwerke in Planung. Die Genehmigung dazu wurde vom Finnischen Parlament im Juli 2010 erteilt. An diesen Planungen wurde auch nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im M√§rz 2011 festgehalten, die Staaten wie Deutschland und die Schweiz zu einem Austritt aus der Atomenergie bewog. Schwach- und mittelradioaktive Abf√§lle werden seit 1992 im Endlager Olkiluoto und seit 1998 zus√§tzlich im Endlager Loviisa entsorgt. In Olkiluoto soll zudem 2018 ein Endlager f√ľr hochradioaktive Abf√§lle in Betrieb gehen. Finnland √ľbernimmt damit eine Vorreiterrolle, da zwischen dem Einsetzen der Brennelemente in den Reaktor und ihrem endlagerungsf√§higen Zustand etwa ein halbes Jahrhundert vergeht (etwa 4¬†Jahre im Reaktor, 5¬†Jahre im Abklingbecken und 40 Jahre Trockenlagerung). Da die meisten Leistungsreaktoren der Welt in den 1970er Jahren errichtet wurden, kann eine Endlagerung fr√ľhestens in den 2020er Jahren erfolgen.

Software-Industrie

Einige Software-Unternehmen und bekannte Persönlichkeiten aus eben dieser Branche haben einen Bezug zu Finnland. So sind unter anderem die Erfinder von Linux und SSH Finnen. Des Weiteren kommt ein weitverbreitetes Softwareframework namens Qt aus Finnland.

Industrie

Die finnischen W√§lder stellen den wichtigsten Rohstoff des Landes dar. Dementsprechend war die Holz- und Papierindustrie bis in die j√ľngste Vergangenheit der pr√§gende Industriezweig des Landes. Schon im 17. Jahrhundert war Finnland der weltweit gr√∂√üte Exporteur von Teer, S√§gewerke waren im 19. Jahrhundert vielerorts die ersten Industriebetriebe. Noch in den 1970er Jahren machte die Holz- und Papierwirtschaft √ľber die H√§lfte des finnischen Exportes aus. Heute stellt sie noch rund 12¬†% der industriellen Produktion Finnlands und verarbeitet j√§hrlich insgesamt √ľber 75 Millionen Kubikmeter Rohholz. Rund ein Drittel des Rohholzes wird mechanisch zu Schnitt- und Spanholz verarbeitet, zwei Drittel chemisch zu Zellstoff. Die Konzerne Stora Enso, UPM-Kymmene und Mets√§ Board haben in den vergangenen Jahren verst√§rkt auch im Ausland investiert und z√§hlen zu den Weltmarktf√ľhrern der Papierindustrie.

In den letzten Jahren ist die Papierindustrie in ihrer Bedeutung jedoch von der Metall- und besonders der Elektronikbranche √ľberholt worden. Beide machen heute jeweils rund 20¬†% der Produktion aus, die Elektronikindustrie hat ihre Produktion von 1995 bis 2006 mehr als vervierfacht. Den L√∂wenanteil der Branche machen der Telekommunikationskonzern Nokia und seine Zulieferer aus. In der Metallindustrie machen Zulieferprodukte f√ľr die Forstindustrie gut 20¬†% der Produktion aus. Zu den bekannten Exporteuren der Branche geh√∂ren Fiskars, einer der √§ltesten metallverarbeitenden Betriebe Finnlands, der Aufzughersteller Kone sowie die Fahrzeughersteller Valmet und Sisu Auto.

Land- und Forstwirtschaft

Die Landwirtschaft spielt nach wie vor eine bedeutende Rolle in der finnischen Wirtschaft und Gesellschaft. Rund 300.000 Menschen sind in der Landwirtschaft und den Folgeindustrien besch√§ftigt. Dabei sind die klimatischen Bedingungen f√ľr den Ackerbau ung√ľnstig: die kurze Vegetationsperiode, unregelm√§√üige Niederschl√§ge und saure Moorb√∂den stellen Hindernisse f√ľr eine intensive Landnutzung dar. Nur 2,2 Millionen Hektar, also kaum 6,5¬†% der Landesfl√§che, werden landwirtschaftlich genutzt. Getreideanbau (Gerste, Hafer, Weizen) und Schweinemast dominieren in den K√ľstenregionen S√ľd- und Westfinnlands. In Mittel- und Ostfinnland liegt der Schwerpunkt auf der Rinderhaltung; Milchprodukte machen gut 40¬†% der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion aus. Im Rentierzuchtgebiet, das Lappland sowie Teile von Nord√∂sterbotten und Kainuu umfasst, gibt es rund 5500 Rentierz√ľchter, die insgesamt √ľber 200.000 Tiere besitzen. Anders als in Schweden und Norwegen ist die Rentierzucht kein Privileg der samischen Minderheit, sondern wird auch von Angeh√∂rigen der Mehrheitsbev√∂lkerung ausge√ľbt.

Der EU-Beitritt des Landes war besonders f√ľr die finnische Landwirtschaft ein folgenschwerer Einschnitt. War der finnische Agrarmarkt durch eine protektionistische Zollpolitik zuvor gut abgeschottet, so fielen die Erzeugerpreise nach 1995 schlagartig um mehr als ein Drittel. Da die Gemeinsame Agrarpolitik der Europ√§ischen Union jedoch den Erhalt der Landwirtschaft in allen Regionen und den Ausgleich struktureller und nat√ľrlicher Nachteile vorsieht, profitieren die finnischen Bauern heute in erheblichem Ma√üe von EU-F√∂rdergeldern. Unter diesen Umst√§nden hat sich die Landkonzentration in den vergangenen Jahren erh√∂ht: W√§hrend die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe von fast 80.000 im Jahr 2000 auf 69.071 im Jahr 2006 sank, stieg die Durchschnittsgr√∂√üe der Hoffl√§che von 28 auf 33 Hektar.

Von der Forstwirtschaft als Zulieferer der holzverarbeitenden Industrie profitiert ein bedeutender Teil der Bev√∂lkerung als Arbeitnehmer, aber auch als Waldbesitzer: Rund 58¬†% der finnischen W√§lder sind im Besitz von Privatpersonen, jede f√ľnfte finnische Familie besitzt Waldgrundst√ľcke. Jedes Jahr werden √ľber 100.000 Einschlagvertr√§ge zwischen Privatpersonen und der Forstindustrie geschlossen. In den finnischen W√§ldern werden j√§hrlich rund 60 Millionen Kubikmeter Holz geschlagen. Nach Berechnungen des finnischen Landwirtschaftsministeriums √ľbersteigt der j√§hrliche Nachwuchs diese Menge deutlich. Die Abholzungen in nordfinnischen Urw√§ldern sind trotzdem in den vergangenen Jahren Gegenstand heftiger und teilweise auch militant vorgetragener Kritik durch verschiedene Naturschutzorganisationen geworden.

Tourismus

Der Tourismus hat in Finnland besonders seit den 1990er Jahren an Bedeutung gewonnen. Im Jahr 2013 verzeichneten die Beherbergungsbetriebe Finnlands 20,2 Millionen Übernachtungen. Davon entfielen 14,4 Millionen Übernachtungen auf heimische Touristen und knapp 5,9 Millionen auf ausländische Gäste. Rund ein Viertel der Übernachtungen entfiel auf die Landschaft Uusimaa mit der Region Helsinki, in der sich der finnische Städtetourismus konzentriert.

Die bev√∂lkerungsarme Provinz Lappland kam auf gut 2,4 Millionen √úbernachtungen. F√ľr die strukturschwache Region stellt der Tourismus heute eine bedeutende wirtschaftliche Perspektive dar. Die meisten G√§ste kommen in den Wintermonaten und besuchen eines der 13 Wintersportzentren wie Ruka, Levi oder Yll√§s.

In den anderen ländlichen Gegenden konzentriert sich der Tourismus dagegen auf den Sommer und hat seine Spitze im Juli, wenn Gäste aus dem In- und Ausland ihren Urlaub in einem Sommerhaus (mökki) an einem der tausenden Seen Finnlands verbringen.

Rund ein Viertel der Gäste besucht Finnland aus dem Ausland. Die größte Gruppe machten 2013 mit knapp 1,62 Millionen Übernachtungen Gäste aus Russland aus. Gefolgt werden sie von Touristen aus Schweden, Deutschland und Großbritannien.

Kennzahlen

Infrastruktur und Verkehr

Straßenverkehr

Im Verh√§ltnis zur geringen Bev√∂lkerungsdichte des Landes ist das finnische Stra√üennetz gut ausgebaut. Das Landstra√üennetz umfasst insgesamt 78.189¬†km, wovon aber nur 65¬†% befestigt sind. F√ľr deren Unterhalt ist die dem Verkehrs- und Kommunikationsministerium unterstellte Stra√üenverwaltung (tiehallinto) zust√§ndig. Hinzu kommen rund 26.000 Kilometer kommunale Stra√üen und rund 350.000 Kilometer Privat- und Wirtschaftswege. Auf die Staatsstra√üen (valtatie) und Hauptstra√üen (kantatie), welche die St√§dte des Landes miteinander verbinden, entfallen zusammen 13.264¬†km. Den gr√∂√üeren Teil des Stra√üennetzes machen die kleineren Regionalstra√üen (seututie) und Verbindungsstra√üen (yhdystie) aus, auf ihnen spielt sich aber nur etwa ein Drittel des Verkehrs ab. Autobahnartig ausgebaut sind 700¬†km des Stra√üennetzes. Durchgehende Autobahnen existieren von Helsinki nach Turku, Tampere und Lahti, in der Planung befinden sich die beiden L√ľckenschlusse der Strecke zur russischen Grenze bei Vaalimaa. Von den 14.000 Br√ľcken an den finnischen Landstra√üen ist die auf die Insel Replot mit 1045¬†m die l√§ngste. In den Sch√§rengebieten vor der K√ľste Finnlands unterh√§lt die Stra√üenverwaltung 41 kostenfreie F√§hrstrecken mit L√§ngen zwischen 169¬†m und 9,5¬†km. Im Winter werden offizielle Eisstra√üen √ľber die zugefrorenen Seen eingerichtet.

Das Tempolimit liegt au√üerorts bei 80, auf Autostra√üen bei 100 und auf Autobahnen bei 120¬†km/h. Auch tags√ľber muss mit Abblendlicht gefahren werden. Im Winter sind Winterreifen Vorschrift, Reifen mit Spikes sind dabei erlaubt und werden mehrheitlich verwendet.

Fast jeder Ort kann mit dem Bus erreicht werden. In Finnland operierende Busunternehmen sind unter anderen Connex, Länsilinjat, Paunu, Pohjolan Liikenne und Savonlinja. Die Überlandlinien werden von verschiedenen im Matkahuolto-Verbund zusammenarbeitenden Busunternehmen unter der Marke Expressbus betrieben.

Schienenverkehr

Das finnische Eisenbahnnetz ist bei einer Gesamtl√§nge von 5944 in Betrieb befindlichen Schienenkilometern eher weitmaschig. Die erste Eisenbahnstrecke wurde 1862 zwischen Helsinki und H√§meenlinna er√∂ffnet. Der weitere Ausbau des Netzes fand zum gr√∂√üten Teil noch zur Zeit der russischen Herrschaft statt, so dass das finnische Schienennetz die Russische Breitspur (1524‚ÄĮmm) hat. Die Verringerung des Nennma√ües auf 1520‚ÄĮmm wurde in Finnland offiziell nicht mitvollzogen, jedoch bedeutete sie nur eine Verringerung des Spurspiels; s√§mtliche Radsatzma√üe und Toleranzen sind identisch und ein freiz√ľgiger Wagendurchlauf von und nach Russland ist m√∂glich. Die staatliche Betreibergesellschaft wurde 1995 in zwei Teile gespalten: Die VR-Yhtym√§ ist als Eisenbahnverkehrsunternehmen f√ľr den Personen- und G√ľterverkehr zust√§ndig, Liikennevirasto ist das f√ľr Netz und Bahnh√∂fe zust√§ndige Eisenbahninfrastrukturunternehmen. Der G√ľterverkehr wurde 2007 f√ľr den Wettbewerb freigegeben, f√ľr den Personenverkehr ist dasselbe geplant. Als erster privater Konkurrent von VR-Yhtym√§ wollte die Firma Proxion Train im Jahr 2013 den Betrieb aufnehmen.

Bis auf die wenigen Hauptverkehrsachsen sind die Strecken zumeist nur eingleisig ausgebaut, nur etwas √ľber die H√§lfte des Gesamtnetzes ist elektrifiziert. Die gr√∂√üten St√§dte werden mit den bis zu 220‚ÄĮkm/h schnellen Hochgeschwindigkeitsz√ľgen S220 (Pendolino) bedient. Nachtreisez√ľge und Autoreisez√ľge verbinden die gro√üen Ballungsr√§ume des S√ľdens mit den n√∂rdlichen Regionen des Landes. Internationale Reisez√ľge gibt es nur nach Russland, auf der Grenzstrecke zwischen Tornio und Haparanda in Schweden besteht seit Anfang der 1990er Jahre nur noch G√ľterverkehr. Der Eisenbahnf√§hrverkehr, der zuletzt noch zwischen Stockholm V√§rtan und Turku bestand, wurde 2011 aufgegeben. Die Strecke von Helsinki nach St.‚ÄĮPetersburg wurde von einem Joint-Venture der finnischen und russischen Staatsbahnen zu einer Hochgeschwindigkeitsstrecke ausgebaut. Als erste Stufe wurde im September 2006 die 74‚ÄĮkm lange Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Kerava und Lahti in Betrieb genommen.

In der Region Helsinki gibt es ein S-Bahn-artiges Schienennahverkehrssystem. Die einzige U-Bahn des Landes ist die Metro Helsinki. Straßenbahnnetze existieren in Helsinki und Tampere, das in Turku wurde 1972 stillgelegt.

Schiffsverkehr

Gro√üe Bedeutung kommt der K√ľstenschifffahrt, f√ľr den Handel mit Russland auch der Binnenschifffahrt √ľber den Saimaakanal zu. √úber teils nat√ľrliche, teils k√ľnstlich geschaffene Wasserstra√üen sind die gr√∂√üten Seen miteinander verbunden, so dass die Binnenschifffahrt auch weit im Landesinneren gelegene Orte erreicht. Der gr√∂√üte Seehafen ist Helsinki, gefolgt von Turku, Kotka, Hanko, Naantali, Rauma und Porvoo. Der bedeutendste Hafen der finnischen Fischereiflotte ist Kaskinen. Die Handelsflotte besitzt 92 Schiffe mit mehr als 1000 Bruttoregistertonnen. Da im Winter die K√ľstengew√§sser zufrieren, h√§lt eine gro√üe Zahl von Eisbrechern die Hafenzufahrten frei.

Im Personen- und G√ľterverkehr werden zwischen Finnland, Schweden, Russland, Estland und Deutschland F√§hren eingesetzt. Linien der gro√üen F√§hrunternehmen Ecker√∂line, Finnlines, Viking Line, Tallink und Silja Line verbinden die westfinnische K√ľste mit schwedischen H√§fen. Reisen mit den sogenannten Schwedenschiffen (ruotsinlaiva), die an Bord Restaurants, Nachtklubs und Tax-Free-Shops bieten, nach Stockholm sind schon seit langem popul√§r. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist auch die estnische Hauptstadt Tallinn wegen ihrer malerischen Altstadt und des niedrigen Preisniveaus f√ľr Tagesausfl√ľgler aus Helsinki attraktiv geworden. Auf dieser Strecke innerhalb der Talsinki genannten Gro√üstadtregion hat sich die Fahrzeit durch den Einsatz von Motorkatamaranen auf nur knapp zwei Stunden verringert.

Flugverkehr

Dem Binnenflugverkehr kommt wegen der Ausdehnung des Landes eine große Rolle zu. Ein dichtes Inlandsflugnetz bedient die größeren Orte, aber auch abgelegene Winkel in Lappland. Von den mehr als 150 Flughäfen und Flugplätzen in Finnland werden derzeit 22 regelmäßig von Linienfluggesellschaften angeflogen.

Das mit Abstand meistfrequentierte Luftfahrt-Drehkreuz des internationalen wie des nationalen Flugverkehrs ist der Flughafen Helsinki-Vantaa. Fast alle Linienflugh√§fen sowie die Flugsicherung werden von der dem Verkehrsministerium unterstellten staatlichen Betreibergesellschaft Finavia unterhalten. Die nationale finnische Fluggesellschaft (Flagcarrier) ist die 1923 gegr√ľndete Finnair; sie ist zu rund 55¬†% in Staatsbesitz. Weitere Fluggesellschaften sind Nordic Regional Airlines (fr√ľher Flybe Nordic) und von 2012 bis 2014 die Regionallinie Air100; den Flugverkehr zum Flughafen Mariehamn auf √Öland betreiben die Air √Öland und Turku Air.

Kultur

Die finnische Kultur hat seit der vorhistorischen Zeit Einfl√ľsse aus dem westlichen Europa wie auch aus Russland aufgenommen. Gro√ü war der Einfluss Schwedens, zu dem Finnland jahrhundertelang geh√∂rte, und auch Deutschlands, mit dem stets rege Handelsbeziehungen bestanden. In Ostfinnland und Karelien, die immer wieder ganz oder teilweise unter russischer Herrschaft standen, wirkte auch der orthodoxe Kulturkreis ein. Nach den Weltkriegen fand die internationale westliche Popul√§rkultur auch in Finnland Einzug. Auch wenn heute die Urbanisierung Finnlands weit fortgeschritten ist, spielt die hergebrachte Bedeutung des Landlebens und der Naturn√§he, ebenso wie alte Traditionen wie der allt√§gliche Gebrauch der Sauna im kulturellen Selbstverst√§ndnis der Finnen weiterhin eine tragende Rolle.

K√ľche

Die finnische K√ľche ist historisch in einer b√§uerlich gepr√§gten und recht armen Gesellschaft entstanden und stellt sich daher als einfache Volksk√ľche dar. Die K√ľche Westfinnlands hat viele Einfl√ľsse der schwedischen aufgenommen, w√§hrend die ostfinnische K√ľche st√§rker russisch beeinflusst ist. Au√üerdem unterscheiden sich die Regionalk√ľchen traditionell dahingehend, dass im Westen gekochte Speisen vorherrschen, w√§hrend der Osten gebackene Speisen bevorzugt. Die Unterscheidung zwischen west- und ostfinnischer K√ľche spielt heute aber keine gro√üe Rolle mehr, da viele regionale Spezialit√§ten wie die Karelische Piroggen (karjalanpiirakka) im ganzen Land bekannt geworden sind. Ohnehin haben sich die Essgewohnheiten in Finnland weitgehend internationalisiert, so dass die Bedeutung der traditionellen Speisen zur√ľckgegangen ist. Dazu geh√∂ren zum Beispiel der Brotk√§se (leip√§juusto) oder der ostfinnische kalakukko (in Brot gebackener Fisch). An Festtagen gibt es bestimmte Traditionsspeisen, etwa das ber√ľhmt-ber√ľchtigte m√§mmi (eine Art Malzpudding) zu Ostern oder verschiedene Aufl√§ufe (laatikko) zu Weihnachten. Wie in Schweden ist es Brauch, donnerstags Erbsensuppe und anschlie√üend Eierkuchen zu essen.

Die Natur Finnlands liefert zahlreiche frische Zutaten wie Pilze und Beeren. Neben Blau- und Preiselbeeren gilt vor allem die seltene Moltebeere als Delikatesse. Au√üer Rind und Schwein wird insbesondere in l√§ndlichen Gegenden oft auch Wild, z.¬†B. Elchfleisch gegessen. Eine √§u√üerst seltene Delikatesse ist B√§renfleisch. Vor allem in Nordfinnland kommt oft Rentierfleisch auf den Tisch, meist in Form von Rentiergeschnetzeltem (poronk√§ristys). Die zahlreichen Binnen- und K√ľstengew√§sser Finnlands liefern gro√üe Mengen an Fisch wie Hering, Lachs und Mar√§ne. Beliebt, wenn auch heutzutage rar und teuer, sind auch Flusskrebse, deren Verzehr in der Krebssaison im Juli und August festlich zelebriert wird. Gem√ľse wird traditionell wenig gegessen, als Vitaminlieferant diente fr√ľher vor allem die Steckr√ľbe. Gew√ľrze waren der traditionellen K√ľche weitgehend unbekannt, hingegen wurde viel Salz benutzt. Typische Beilagen sind Kartoffeln und das landestypische dunkle Roggenbrot.

Bräuche und Feiertage

Der Nationalfeiertag Finnlands ist der 6. Dezember, das Datum der Unabh√§ngigkeitserkl√§rung im Jahr 1917. Der Unabh√§ngigkeitstag ist mit Ritualen patriotischer Natur wie etwa dem Besuch von Kriegsgr√§bern verbunden. Am Abend findet im Pr√§sidentenpalais ein festlicher Empfang statt, zu dem W√ľrdentr√§ger und Prominente aller Art eingeladen sind. Der Empfang des Pr√§sidenten wird mit gro√üem Interesse verfolgt, seine Fernseh√ľbertragung erzielt regelm√§√üig die h√∂chsten Einschaltquoten des Jahres.

Das Weihnachtsfest ist auch in Finnland das wohl wichtigste Fest des Jahres und beginnt am 24. Dezember um 12 Uhr mittags mit der Verk√ľndigung des Weihnachtsfriedens in Turku, einer jahrhundertealten, heute im Fernsehen √ľbertragenen Zeremonie. Weihnachten wird traditionell im Kreise der Familie verbracht. Bei Einbruch der D√§mmerung besucht man Familiengr√§ber, danach folgt die ‚ÄěWeihnachtssauna‚Äú und ein Festmahl, zu dem bestimmte Traditionsspeisen wie Schinken und verschiedene Aufl√§ufe geh√∂ren. Die Bescherung √ľbernimmt am Abend der Weihnachtsmann, der dem finnischen Volksglauben nach am Berg Korvatunturi in Lappland lebt. Den ersten Weihnachtsfeiertag verbringt man eher beschaulich, am 26. Dezember, dem Stephanitag, k√∂nnen Besuche abgestattet werden. Die Weihnachtszeit endet mit dem 6.¬†Januar (loppiainen).

Das Osterfest wird mit Br√§uchen wie dem Bemalen von Ostereiern √§hnlich begangen wie in den anderen europ√§ischen L√§ndern. Zu Ostern verkleiden sich Kinder als Hexen und sammeln mit Weidenzweigen in der Hand von T√ľr zu T√ľr gehend S√ľ√üigkeiten. In dieser noch sehr jungen Tradition verbinden sich Elemente eines als virpominen bekannten orthodoxen Palmsonntags-Rituals aus Ostfinnland mit der finnlandschwedischen Tradition der Osterhexen. Die traditionelle finnische Osterspeise ist m√§mmi, ein aus Roggenmalz hergestellter Brei.

Der 1. Mai wird in Finnland als vappu gefeiert. Er ist nicht nur der Tag der Arbeit, sondern vor allem auch der Tag der Studenten. Jeder, der einmal das Abitur gemacht hat, tr√§gt zu vappu seine wei√üe Studentenm√ľtze. Traditionell setzen die Studenten jedes Jahr um 18 Uhr am Vorabend des Ersten Mai der Statue Havis Amanda im Zentrum Helsinkis eine Studentenm√ľtze auf. Vappu ist ein ausgelassenes Fest: Man feiert, meist mit viel Alkohol, auf den Stra√üen, in den Parks finden Picknicks und Konzerte statt.

Am Samstag zwischen dem 20. und dem 26. Juni, wenn es in Finnland kaum oder gar nicht dunkel wird, feiert man das Mittsommerfest. Wenn auch juhannus, der finnische Name des Mittsommerfestes, auf Johannes den T√§ufer hinweist, sind die Riten der Feier gr√∂√ütenteils heidnischen Ursprungs. So entz√ľndet man am Vorabend Mittsommerfeuer (juhannuskokko), die H√§user werden mit Birkenzweigen geschm√ľckt. Das Mittsommerbrauchtum der schwedischsprachigen Regionen weicht von dem der finnischsprachigen ab, dort stellt man einen Mittsommerbaum (√§hnlich dem Maibaum in Mitteleuropa) auf. Viele Finnen fahren √ľber das Mittsommerwochenende aufs Land und verbringen das Fest dort in einem Ferienhaus (m√∂kki). Dabei kommt es nicht zuletzt durch √ľberm√§√üigen Alkoholkonsum regelm√§√üig zu Todesf√§llen durch Ertrinken und andere Unf√§lle: So kamen w√§hrend des Mittsommerwochenendes 2012 mindestens 19 Menschen ums Leben. Der Freitag an Mittsommer ist kein gesetzlicher Feiertag, aber viele Unternehmen geben ihren Mitarbeitern frei, und Gesch√§fte schlie√üen schon am Mittag.

Unabh√§ngig von den gesetzlichen Feiertagen gelten bestimmte Gedenktage als sogenannte Flaggentage, an denen die finnische Flagge an den meisten H√§usern des Landes gehisst wird. Dazu geh√∂ren etwa der ‚ÄěTag der finnischen Kultur‚Äú am 28. Februar, dem Erscheinungsdatum des finnischen Nationalepos Kalevala, der als ‚ÄěTag der finnischen Sprache‚Äú begangene Todestag des Reformators Mikael Agricola am 9.¬†April, der Tag des Finnentums am Geburtstag von Johan Vilhelm Snellman am 12. Mai, aber auch der Tag des Schwedentums am 6.¬†November, dem Todestag des schwedischen K√∂nigs Gustav¬†II. Adolf.

Architektur

Die √§ltesten erhaltenen Bauwerke Finnlands sind mittelalterliche Steinkirchen und -burgen. Die √§lteste Burg Finnlands ist die auf das sp√§te 13. Jahrhundert zur√ľckgehende Burg Turku. Die 73 erhaltenen mittelalterlichen Steinkirchen aus dem 13. bis 16. Jahrhundert sind fast ausnahmslos aus Feldstein erbaut, meist eher klein, turmlos und allenfalls mit schlichter Backsteinornamentik verziert. Einzig der Dom von Turku erreicht die Proportionen mitteleurop√§ischer Kathedralen. Wohn- und Zweckbauten wurden von jeher zumeist aus Holz errichtet, oft in Blockbauweise. Gr√∂√üere Holzhausviertel finden sich heute noch in den Altst√§dten von Rauma, Porvoo und Naantali. Im 17. und 18. Jahrhundert ging man auch im Kirchenbau zur Holzbauweise √ľber. Als typisches Beispiel dieser Architekturtradition wurde die Alte Kirche von Pet√§j√§vesi (1765) in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Nachdem Finnland unter russische Herrschaft gekommen war, wurde 1812 die Hauptstadt des neugeschaffenen Gro√üf√ľrstentums Finnland nach Helsinki verlegt. Die bisher unbedeutende Stadt wurde unter der √Ągide des deutschen Architekten Carl Ludwig Engel zu einer repr√§sentativen Hauptstadt im Stil des Klassizismus ausgebaut. Insbesondere das Ensemble um den Senatsplatz mit dem Dom ist hervorzuheben. Auch in anderen St√§dten des Landes entstanden klassizistische Bauten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen in der finnischen Architektur zwischenzeitlich Neogotik und Neorenaissance auf. Nachhaltigere Bedeutung erlangte indessen die vom Jugendstil beeinflusste Nationalromantik der Zeit um die Jahrhundertwende. Beispiele f√ľr die nationalromantische Architektur in Finnland sind die Wohnbauten der Helsinkier Stadtteile Katajanokka und Eira oder der von Eliel Saarinen entworfene Hauptbahnhof Helsinki (1919). Als Gegenrichtung zum Jugendstil ist der sogenannte Nordische Klassizismus f√ľr die Architektur nach Erlangung der finnischen Unabh√§ngigkeit kennzeichnend. In den 1920er Jahren entstanden zahlreiche neuklassizistische Bauten, ihren Abschluss fand diese Stilepoche 1931 mit dem monumentalen Parlamentsgeb√§ude in Helsinki. In den 1930er Jahren setzte sich dann der n√ľchterne Funktionalismus durch, dessen bekanntester Vertreter Alvar Aalto ist.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es in vielen Städten Finnlands zum Verlust prägender historischer Bausubstanz. Dieses Phänomen wird heute als Turun tauti (dt. Turkuer Seuche) bezeichnet, da Turku als erste Stadt maßgeblich davon betroffen war.

Medien

Informationsgesellschaft

Finnland z√§hlt zu den fortgeschrittensten Informationsgesellschaften weltweit. F√ľr die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen geh√∂rt Finnland seit vielen Jahren zu den Staaten mit den freiesten Medien weltweit. Im Digital Opportunity Index der Internationalen Fernmeldeunion und dem ICT Diffusion Index der Vereinten Nationen, den beiden ma√ügeblichen Indizes zum Fortschritt von Informations- und Kommunikationstechnologien, nimmt Finnland jeweils den weltweit elften Rang ein. Im Jahr 2019 nutzten 90 Prozent der Einwohner Finnlands das Internet.

Rundfunk

Im Rundfunk dominiert nach wie vor das √∂ffentlich-rechtliche Yleisradio (kurz Yle) den Markt. Das 1926 gegr√ľndete Yleisradio ist zu 99,9¬†% in Besitz des finnischen Staats und untersteht dem Verkehrs- und Informationsministerium. Die beiden Fernsehprogramme Yle TV1 und Yle TV2, der Bildungskanal Yle Teema und das schwedischsprachige Vollprogramm Yle Fem sowie vier Radioprogramme werden landesweit ausgestrahlt, daneben betreibt Yle dutzende Lokalradiosender. Der Sendebetrieb von Yle wird aus einem Fonds finanziert, der sich ausschlie√ülich aus den allgemeinen Rundfunkgeb√ľhren und Einnahmen aus Lizenzen f√ľr den Sendebetrieb privater Anbieter speist; das Programm ist somit werbefrei. Schon mit der Einf√ľhrung regelm√§√üiger Fernsehsendungen durch die Yle im Jahr 1957 wurde zugleich Finnlands erster werbefinanzierter Privatsender ins Leben gerufen, aus dem sich das heutige MTV3 entwickelte, seit 1997 gibt es mit Nelonen einen weiteren landesweit empfangbaren Privatsender. Die ersten Lizenzen f√ľr private Radiosender wurden erst in den 1980er Jahren erteilt. Seit dem 1.¬†September 2007 werden s√§mtliche Fernsehkan√§le in Finnland ausschlie√ülich digital ausgestrahlt.

Buchmarkt

Die 103 Verlage, die 2013 in der Gesellschaft der finnischen Verlage (Suomen kustannusyhdistys) organisiert waren, veröffentlichten im selben Jahr etwa 10.000 Neuerscheinungen. Der Nettoumsatz der Branche lag mit 253,6 Millionen Euro um 2,3 Prozent niedriger als im vorhergehenden Jahr.

Zeitungsmarkt

Insbesondere im Printbereich hat sich mit der Deregulierung des Marktes in den vergangenen Jahren auch eine starke Medienkonzentration eingestellt; die beiden Medienkonzerne Sanoma und Alma Media nehmen eine marktbeherrschende Stellung ein. Die 53 Tageszeitungen und 153 weiteren Zeitungen erscheinen in einer Gesamtauflage von 3,3 Millionen Exemplaren, womit Finnland die h√∂chste Gesamtauflage pro Kopf in der EU erreicht. Die bei weitem auflagenst√§rkste und auch einflussreichste Zeitung ist die Helsingin Sanomat, gefolgt von den √ľberregionalen Boulevardbl√§ttern Ilta-Sanomat und Iltalehti. Die Verbreitung der weiteren Zeitungstitel ist regional begrenzt. Das Sprachrohr der schwedischsprachigen Bev√∂lkerung ist das in Helsinki erscheinende Hufvudstadsbladet.

Bibliotheken

Die Finnische Nationalbibliothek verzeichnet insgesamt 5836¬†Verlage; aber etwa ein Drittel des Umsatzes und gut die H√§lfte der Buchproduktion entf√§llt auf die zehn gr√∂√üten unter ihnen (vor allem Sanoma, Bonnier, Otava). In den 827¬†Bibliotheken leihen die Finnen im Durchschnitt 13¬†B√ľcher pro Jahr aus (in Deutschland: drei B√ľcher pro Benutzer und Jahr).

Literatur

Schon in vorchristlicher Zeit verf√ľgten die Finnen √ľber eine reiche m√ľndlich √ľberlieferte Volksdichtung, die vor allem Motive der paganischen finnischen Mythologie zum Gegenstand hatte. Die literarische Produktion begann erst mit der Christianisierung im 13. Jahrhundert, blieb aber bis zur Reformation sehr sp√§rlich und beschr√§nkte sich auf lateinische Sakraltexte. Die ersten Texte in finnischer Sprache entstanden nach der Reformation im 16. Jahrhundert, als man der lutherischen Lehre gem√§√ü begann, das Wort Gottes in der Sprache des Volkes zu verk√ľnden. Der Reformator Mikael Agricola legte mit seinem Hauptwerk, der √úbersetzung des Neuen Testaments 1548, den Grundstein f√ľr eine finnische Schriftsprache. In den folgenden Jahrhunderten gab es nur vereinzelte literarische T√§tigkeiten haupts√§chlich religi√∂sen Charakters, von einer literarischen Kultur konnte nicht die Rede sein.

Im fr√ľhen 19. Jahrhundert fasste die Romantik unter der Wirkung der Lehren des einflussreichen Humanisten Henrik Gabriel Porthan in Form der sogenannten Turkuer Romantik in Finnland Fu√ü. Ihr herausragendster Vertreter war der auf Schwedisch schreibende Dichter Frans Michael Franz√©n. Nachdem Finnland 1809 unter russische Herrschaft gekommen war, begann sich ein finnisches Nationalbewusstsein herauszubilden, zu dessen Entwicklung der Schriftsteller Johan Ludvig Runeberg ‚Äď ebenfalls auf Schwedisch ‚Äď wesentlich beitrug. Runebergs Hauptwerk war das Versepos F√§hnrich Stahl (1848/1860), aus dem unter anderem die finnische Nationalhymne entnommen ist.

Johan Vilhelm Snellman, der wichtigste finnische Denker jener Zeit, hob die Rolle der finnischen Sprache f√ľr die Entwicklung einer finnischen Nation hervor, und unter seinem Einfluss sah man es als wesentliche Aufgabe der finnischsprachigen Literatur an, zum Aufbau einer nationalen Identit√§t beizutragen. Zugleich weckte die Romantik ein Interesse an der finnischen Volksdichtung. Elias L√∂nnrot zeichnete auf mehreren Reisen in Ostkarelien m√ľndlich √ľbermittelte Lieder auf und schuf auf dieser Grundlage das finnische Nationalepos Kalevala (erste Fassung 1835, zweite Fassung 1849) und dessen lyrisches Schwesterwerk Kanteletar (1840). Das Kalevala verschuf der finnischen Identit√§t enormen Auftrieb, sah man es doch als Ausdruck eines eigenst√§ndigen Kulturerbes, und pr√§gt bis heute die finnische Kultur.

Als Begr√ľnder der modernen finnischen Literatur gilt Aleksis Kivi. Er schuf mit Die sieben Br√ľder (1871) den finnischen Roman, zudem schrieb er die ersten Dramen in finnischer Sprache. Mit Kivi begann sich die finnische Literatur an gesamteurop√§ischen Str√∂mungen zu orientieren. Die wichtigsten Vertreter des gesellschaftskritischen Realismus waren Minna Canth, Juhani Aho sowie Arvid J√§rnefelt. Die zuvor wenig entwickelte finnische Literatur erreichte nun ein Niveau, das durchaus mit dem der skandinavischen Nachbarl√§nder mithalten konnte.

Der bedeutendste Schriftsteller der Zwischenkriegszeit war Frans Eemil Sillanp√§√§. Er erfuhr in den 1930er Jahren mit Silja die Magd auch international Beachtung und erhielt im Jahr 1939 als erster und bislang einziger finnischer Literat den Nobelpreis f√ľr Literatur. Unter den Theaterautoren der Zwischenkriegszeit war Hella Wuolijoki f√ľhrend. Eines ihrer St√ľcke diente Bertolt Brecht als Vorlage f√ľr Herr Puntila und sein Knecht Matti (1940). Nach Kriegsende wusste V√§in√∂ Linna mit seinem Roman Kreuze in Karelien (1954) das in der finnischen Gesellschaft herrschende Bed√ľrfnis nach einer Auseinandersetzung mit dem verlorenen Krieg zu befriedigen. In √§hnlicher Weise verarbeitet sein zweites gro√ües Werk, Hier unter dem Polarstern (1959‚Äď1962), den Finnischen B√ľrgerkrieg. Diese Romantrilogie ist das meistverkaufte finnische Buch. Der im Ausland meistgelesene finnische Schriftsteller ist indes Mika Waltari. Sein bekanntestes Werk, der historische Roman Sinuhe der √Ągypter (1945), wurde in zahlreiche Sprachen √ľbersetzt und 1954 in Hollywood verfilmt. Zu √§hnlicher internationaler Bekanntheit gelangten die Mumin-Kinderb√ľcher der finnlandschwedischen Autorin Tove Jansson.

Musik

Die finnische Volksmusik speist sich aus zwei Quellen. Die √§ltere stellen die oft als Kalevala-Musik bezeichneten Weisen dar, in denen die finnische Volksdichtung rezitiert und von Generation zu Generation m√ľndlich √ľberliefert wurden. Diese Runen (finnisch runo) genannten Lieder wurden zumeist in einfachen pentatonischen Melodien gesungen, entweder von einem Solisten oder im Wechselgesang, begleitet von der Kantele, dem finnischen Nationalinstrument. Die zweite Traditionslinie ist die Spielmann-Musik (pelimanni), die sich beginnend im 17. Jahrhundert von Mittel- und Osteuropa nach Finnland verbreitete. Im Gegensatz zu den Runen sind die Spielmannlieder tonal und in den √ľblichen europ√§ischen Strophen- und Reimformen gehalten. Mit der Gr√ľndung eines Sommerfestivals in Kaustinen begann 1968 die bis heute anhaltende Renaissance der finnischen Volks- und Folkmusik. In den 1990er Jahren gelang es Folkbands wie V√§rttin√§, im Rahmen der Weltmusik auch ein internationales Publikum zu erreichen. In diesem Kontext ist mit Interpreten wie Nils-Aslak Valkeap√§√§ der gutturale Joik-Gesang der Samen einer breiteren √Ėffentlichkeit bekannt geworden.

Als Vater der klassischen Musik in Finnland gilt der aus Hamburg stammende Fredrik Pacius, der durch seine Lehrt√§tigkeit in Helsinki ab 1834 das Idiom der deutschen Romantik nach Finnland vermittelte. Pacius komponierte 1848 zu einem Text von Johan Ludvig Runeberg die heutige finnische Nationalhymne Maamme. Auch das Fr√ľhwerk Jean Sibelius‚Äô (1865‚Äď1957) ist entscheidend von der deutschen Romantik und Anleihen an der finnischen Volksmusik gepr√§gt, doch wurde er insbesondere mit seinen in die Moderne weisenden sp√§teren Orchesterwerken und seinem Violinkonzert zum international meistbeachteten finnischen Komponisten. Seine Musik ist mit ihrem nationalromantischen Pathos f√ľr die Finnen in hohem Ma√üe identit√§tsstiftend und Sibelius f√ľr die j√ľngeren finnischen Komponisten eine Art √úberfigur, mit oder gegen die sie ihr eigenes Schaffen definieren.

In j√ľngerer Zeit haben im Anschluss an die Wiederbelebung der Savonlinna-Opernfestspiele 1967 vor allem die Opern von Kalevi Aho, Aulis Sallinen und Einojuhani Rautavaara international Beachtung erfahren, unter den Operns√§ngern die B√§sse Kim Borg, Martti Talvela und Matti Salminen. Der Klassikernachwuchs wird an der renommierten Sibelius-Akademie ausgebildet, der einzigen Musikhochschule des Landes. Aus der Dirigentenschmiede der Akademie gingen Granden wie Leif Segerstam, Esa-Pekka Salonen und Jukka-Pekka Saraste hervor. Mit mehr als 30 Sinfonieorchestern hat Finnland eine au√üergew√∂hnlich hohe Orchesterdichte.

Der international weitgehend unbekannte finnische Schlager erfreut sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts einiger Beliebtheit. Waren die Kompositionen in der Vergangenheit teils noch von hohem k√ľnstlerischem Anspruch beseelt, so etwa die Lieder Georg Malmst√©ns und die Couplets von Reino Helismaa und Tapio Rautavaara, so ist der heutige finnische Schlager mit seinen Stars wie Katri Helena zumeist als seichte Unterhaltungsmusik zu bezeichnen. Eine Besonderheit stellt der finnische Tango dar, der mit dem Erfolg des ‚ÄěTangok√∂nigs‚Äú Olavi Virta seine Hochzeit in den 1940er und 1950er Jahren hatte. Insbesondere Unto Mononens Komposition Satumaa (M√§rchenland) gilt als Inbegriff finnischer Wehmut. Schlager, Tango und Humppa werden traditionell zum Paartanz in den zahlreichen zumeist au√üerhalb der St√§dte am Seeufer gelegenen Tanzpavillons aufgespielt.

Metal ist in Finnland ausgesprochen popul√§r. So kann etwa eine Metal-Band wie Children of Bodom mit einiger Regelm√§√üigkeit die Spitze der Musikcharts belegen. In zahlreichen Subgenres des Metal haben finnische Bands seit langem gro√üe Popularit√§t erreicht und auch Einfluss ausge√ľbt, so etwa Children of Bodom im Melodic Death Metal, Stratovarius und Sonata Arctica im Power Metal, Finntroll und Korpiklaani im Folk Metal oder Nightwish im Symphonic Metal. Seit Anfang der 2000er Jahre haben finnische Rock- und Metalbands wie HIM, The Rasmus, Negative, Lovex, Sunrise Avenue und Nightwish auch international Charterfolge feiern k√∂nnen. Nachdem Finnland beim im Land vielbeachteten Eurovision Song Contest seit seiner erstmaligen Teilnahme 1961 regelm√§√üig die hinteren R√§nge belegt hatte, gelang der Hardrock-Band Lordi 2006 der erste finnische Sieg in diesem Wettbewerb. Ebenfalls international erfolgreich sind die durch ihre Interpretationen bekannter Pop- und Rocksongs bekannt gewordenen Leningrad Cowboys.

Bildende Kunst

Eine eigenst√§ndige finnische Kunst entwickelte sich nach bescheidenen Anf√§ngen in der sakralen Kunst des Mittelalters, von denen Wandmalereien in den Kirchen jener Zeit zeugen, erst im 19. Jahrhundert. Anfangs standen die finnischen K√ľnstler des 19. Jahrhunderts wie Robert Wilhelm Ekman, die Br√ľder Magnus, Wilhelm und Ferdinand von Wright, Werner Holmberg oder Fanny Churberg unter deutschem Einfluss. Mit den Werken Carl Eneas Sj√∂strands und Walter Runebergs begann sich auch eine finnische Bildhauerei herauszubilden.

Die Zeit zwischen 1880 und 1910 gilt als ‚Äěgoldenes Zeitalter‚Äú der finnischen Kunst. Die K√ľnstler dieser Epoche wie die Maler Albert Edelfelt, Akseli Gallen-Kallela, Eero J√§rnefelt, Pekka Halonen und Helene Schjerfbeck oder der Bildhauer Ville Vallgren bezogen ihre Einfl√ľsse nun aus Paris und wurden erstmals auch au√üerhalb des Landes bekannt. Das sich entwickelnde finnische Nationalbewusstsein und die Russifizierungsbem√ľhungen des russischen Zaren zu jener Zeit f√ľhrten zu einer Hinwendung zu finnisch-nationalen Themen. Die nationalromantische Begeisterung f√ľr das Kalevala und dessen Ursprungsort Karelien manifestierte sich in einer als Karelianismus bekannten Str√∂mung. Vor allem Akseli Gallen-Kallelas Werke zum finnischen Nationalepos pr√§gen bis heute die visuelle Vorstellung vom Kalevala. W√§hrend Gallen-Kallelas Anfangswerk noch dem Realismus zuzurechnen ist, wandte er sich sp√§ter dem Symbolismus zu, den auch Magnus Enckell und Hugo Simberg vertraten.

Im 20. Jahrhundert waren die verschiedenen Stilrichtungen der Moderne in der finnischen Kunst vorherrschend. Nachdem sich W√§in√∂ Aaltonen in den 1920er und 1930er Jahren mit seinen monumentalen Skulpturen zum f√ľhrenden Bildhauer Finnlands entwickelt hatte, wurde in den 1960er Jahren in der Bildhauerei der konventionelle Stil von abstrakten Plastiken wie Eila Hiltunens Sibelius-Monument verdr√§ngt. Zur gleichen Zeit erlebte die Malerei mit dem Einzug der Informellen Kunst einen radikalen Umbruch.

Das finnische Design genie√üt dank der funktionalistischen Entw√ľrfe Alvar Aaltos aus den 1930er Jahren und der Erfolge von Designern wie Tapio Wirkkala, Timo Sarpaneva und Kaj Franck in den 1950er Jahren international einen guten Ruf. Bekannte finnische Designermarken sind der Keramikproduzent Arabia, die Glasfabrik Iittala, die M√∂belfirma Artek und der Textilproduzent Marimekko.

Die bedeutendste Kunstsammlung des Landes ist die Finnische Nationalgalerie. Sie geht auf die Sammlungen des 1846 gegr√ľndeten Finnischen Kunstvereins zur√ľck und wird von vier Museen in der Hauptstadt Helsinki gebildet: Dem Ateneum, dem Kiasma-Museum f√ľr zeitgen√∂ssische Kunst, dem Sinebrychoff-Kunstmuseum sowie dem Zentralarchiv der bildenden Kunst.

Film

In Finnland werden j√§hrlich durchschnittlich ein Dutzend Filme produziert. Ihr Anteil an den Zuschauerzahlen liegt im Schnitt bei 14¬†%. Aufgrund des bei einer Bev√∂lkerungszahl von 5¬†Millionen kleinen Marktes sind fast alle inl√§ndischen Produktionen auf staatliche Filmf√∂rderung angewiesen. Diese werden von der dem Bildungsministerium unterstellten Finnischen Filmstiftung (Suomen Elokuvas√§√§ti√∂) gew√§hrt. Die Stiftung wird gr√∂√ütenteils durch staatliche Sportwetten- und Spielautomaten-Einnahmen finanziert und verteilt F√∂rdermittel von rund 13¬†Millionen Euro im Jahr in erster Line f√ľr die Produktion, aber auch f√ľr den Vertrieb finnischer Filme im Ausland.

Der erste in Finnland gedrehte Film war ein kurzer Dokumentarfilm √ľber eine karelische Hochzeit aus dem Jahr 1904, der erste Spielfilm folgte 1907. Als einflussreichster Regisseur und Produzent der Stummfilm√§ra gilt Erkki Karu (1887‚Äď1935), dessen Werk wie die meisten Filme jener Zeit eine national gesinnte Linie vertritt. Seine Glanzzeit erlebte der finnische Film zwischen der Einf√ľhrung des Tonfilms in den 1930er Jahren und dem Beginn des Siegeszugs des Fernsehens in den 1950er Jahren. Damals wurde jeder finnische Film von durchschnittlich 400.000 Zuschauern gesehen, also √ľber einem Zehntel der Bev√∂lkerung. Als Reaktion auf die zur√ľckgehenden Zuschauerzahlen wurde Ende der 1950er Jahre die Filmstiftung gegr√ľndet.

Anfang der 1980er Jahre trat eine neue Generation von Filmemachern in den Vordergrund, deren bekannteste Vertreter die Br√ľder Aki und Mika Kaurism√§ki sind. Vor allem Aki Kaurism√§ki avancierte international zu einem Kultregisseur. Sein Film Leningrad Cowboys Go America (1989) ist einer der international meistbeachteten Filme aus finnischer Produktion, Der Mann ohne Vergangenheit (2002) gewann in Cannes den Gro√üen Preis der Jury und war f√ľr den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. International ausgezeichnete finnische Schauspieler sind Matti Pellonp√§√§ (1951‚Äď1995) und Kati Outinen (* 1961), die beide zur konstanten Besetzung in Kaurism√§kis Filmen geh√∂ren. Anfang der 1990er Jahre konnte sich mit Renny Harlin erstmals ein finnischer Regisseur in Hollywood durchsetzen.

Der erfolgreichste Film in Finnland √ľberhaupt war die Verfilmung des V√§in√∂-Linna-Romans Tuntematon sotilas (‚ÄěDer unbekannte Soldat‚Äú, dt. Titel: Kreuze in Karelien) von Edvin Laine aus dem Jahr 1955 mit insgesamt 2,8 Millionen Zuschauern. Der meistgesehene Film des 21. Jahrhunderts ist Aleksi M√§kel√§s Pahat pojat von 2002 mit 614.628 Zuschauern. Die Krimi-Filmkom√∂die Kommissar Palmu irrt sich (Komisario Palmun erehdys, 1960, Regie: Matti Kassila) wurde 2012 in einer von der Rundfunkanstalt Yle organisierten Umfrage von finnischen Filmkritikern und Journalisten zum ‚Äěbesten einheimischen Film aller Zeiten‚Äú gew√§hlt.

In Finnland wird allj√§hrlich ein nationaler Filmpreis vergeben: Seit 1944 werden die besten finnischen Kinoproduktionen und Filmschaffenden mit dem Preis der finnischen Filmakademie (Filmiaura) ausgezeichnet, dem Jussi. Zudem finden zwei international bekannte Filmfestivals statt. Seit 1970 wird in Tampere das Tampere International Short Film Festival, ein vom internationalen Filmproduzentenverband FIAPF akkreditiertes Kurzfilmfestival, veranstaltet. Das Midnight Sun Film Festival geh√∂rt zu den exotischeren Filmfestivals, findet es doch in Sodankyl√§ statt, fast 100 Kilometer n√∂rdlich des Polarkreises. Es wurde 1986 von den Kaurism√§ki-Br√ľdern als eine Art Gegenveranstaltung zu glamour√∂sen Filmfestspielen wie in Cannes ins Leben gerufen.

Sport

Finnland gilt als sehr sportbegeistertes Land, sowohl was den Breitensport als auch das Zuschauerinteresse angeht. Rund 1,1 Millionen Finnen (√ľber ein F√ľnftel der Bev√∂lkerung) sind Mitglieder von Sportvereinen. Popul√§re Sportveranstaltungen erreichen im finnischen Fernsehen regelm√§√üig Zuschauerzahlen von bis zu 1,4 Millionen.

Erfolge bei sportlichen Wettk√§mpfen sind f√ľr die Finnen ein wichtiger Teil ihrer nationalen Identit√§t. Erfolgreiche Sportler werden als Nationalhelden angesehen. Vor allem in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts waren finnische Leichtathleten erfolgreich. Bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris belegte Finnland gar den zweiten Platz im Medaillenspiegel. Paavo Nurmi, der ‚Äěfliegende Finne‚Äú, ist mit neun Goldmedaillen einer der erfolgreichsten Athleten der Olympia-Geschichte. Ihm wird nachgesagt, er habe ‚ÄěFinnland auf die Weltkarte gelaufen‚Äú. Bis in die heutige Zeit erfolgreich sind insbesondere Speerwerfer wie der Weltmeister von 2007 Tero Pitk√§m√§ki. Besonders ausgepr√§gt ist von jeher die sportliche Rivalit√§t zum Nachbarland Schweden, die sich im Stellenwert des j√§hrlich ausgetragenen finnisch-schwedischen L√§nderkampfes widerspiegelt.

Der Finnische Arbeitersportverband stand der Gewerkschaftsbewegung nahe und startete nicht bei b√ľrgerlichen Wettk√§mpfen. Es ist Erik von Frenckell zu verdanken, dass nach dem Zweiten Weltkrieg f√ľr die Nationalmannschaft eine Startgemeinschaft der beiden Verb√§nde entstand, so dass die Olympischen Sommerspiele 1952 in Helsinki zu einem Meilenstein der Sportgeschichte Finnlands wurden, da nun auch im Sport die nationale Einheit demonstriert werden konnte. Urspr√ľnglich sollte Helsinki bereits die Spiele 1940 austragen, die aber wegen des Zweiten Weltkrieges abgesagt werden mussten. Dieses internationale Ereignis war f√ľr das kleine Land, das sich gerade erst von den Kriegsfolgen erholte, eine M√∂glichkeit, sich der Welt√∂ffentlichkeit zu pr√§sentieren. Der Sport wird oft auch als Verk√∂rperung der sogenannten finnischen Nationaltugend sisu (etwa: Beharrlichkeit, Ausdauer) angesehen. Ein gerne genanntes Beispiel ist der viermalige Olympiasieger Lasse Vir√©n, der bei den Olympischen Spielen 1972 in M√ľnchen trotz eines Sturzes mit Weltrekordzeit die Goldmedaille √ľber 10.000 Meter gewann. Entsprechend gro√ü war der Schock nach dem Dopingskandal bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft 2001 in Lahti, als sich herausstellte, dass die finnischen Skilangl√§ufer systematisch gedopt hatten.

Neben der Leichtathletik besitzen insbesondere Wintersportarten eine lange Tradition. Im Skilanglauf konnte Finnland unter anderen mit Veikko Hakulinen, Eero M√§ntyranta, Marja-Liisa Kirvesniemi und Mika Myllyl√§ immer wieder Olympiasieger und Weltmeister stellen. In den letzten Jahren konnten Skispringer wie Janne Ahonen und Matti Hautam√§ki an die Erfolge von Matti Nyk√§nen und Toni Nieminen ankn√ľpfen. Im Biathlon konnte Kaisa M√§k√§r√§inen als erste Finnin den Weltcup der Saison 2010/11 und eine Goldmedaille bei Weltmeisterschaften (2011) gewinnen.

Die populärste Mannschaftssportart ist Eishockey. Spieler wie Teemu Selänne, Saku Koivu und Jere Lehtinen waren Stars in der NHL, heute (2020) zählen Spieler wie Sebastian Aho, Patrik Laine und Tuukka Rask zu den finnischen NHL-Stars. Die finnische Liiga (bis 2013 SM-liiga) gehört zu den europäischen Spitzenligen. Die größten Erfolge der finnischen Eishockeynationalmannschaft waren die Weltmeisterschaftssiege 1995, 2011 und 2019. Als finnischer Nationalsport gilt indes das im Ausland weitgehend unbekannte Pesäpallo (Finnisches Baseball), das allerdings im Zuschauerinteresse klar hinter dem Eishockey liegt.

Fu√üball hat in Finnland weniger Popularit√§t als Eishockey. Die finnische Fu√üballnationalmannschaft nahm 2021 an der Fu√üball-Europameisterschaft teil, nachdem sie sich zum ersten Mal f√ľr eine Welt- oder Europameisterschaft qualifiziert hatte. Jedoch spielen oder spielten einige finnische Fu√üballer wie Jari Litmanen, Sami Hyypi√§ und Mikael Forssell erfolgreich im Ausland und haben damit die Beliebtheit der Sportart in Finnland gesteigert. Erfolgreicher ist die Nationalmannschaft der Frauen, die bei der Europameisterschaft 2005 √ľberraschend das Halbfinale erreichte.

Weitere beliebte Mannschaftssportarten sind Floorball, wo die finnische Nationalmannschaft sowohl bei M√§nnern als auch Frauen zur Weltspitze geh√∂rt, und Basketball, wo die finnische Nationalmannschaft der M√§nner zuletzt in aufsteigender Form war und sich 2014 erstmals f√ľr die Weltmeisterschaft qualifizierte. Lauri Markkanen schaffte es als erster Finne, sich in der NBA zu etablieren, weitere bekannte finnische Basketballer sind Hanno M√∂tt√∂l√§, Petteri Koponen, Kimmo Muurinen und Carl Lindbom.

Sehr popul√§r ist in Finnland der Motorsport. Formel-1-Rennen erreichen dank der Weltmeister Kimi R√§ikk√∂nen oder zuvor Mika H√§kkinen und Keke Rosberg regelm√§√üig hohe Einschaltquoten. Rallye gilt als finnische Dom√§ne, das Land brachte bisher fast die H√§lfte aller Rallye-Weltmeister hervor. Der finnische Speedway- und Langbahnpilot Joonas Kylm√§korpi gewann 2013 zum vierten Mal hintereinander die Langbahn-Weltmeisterschaft. Jarmo Hirvasoja gewann f√ľr Finnland die Eisspeedway-Weltmeisterschaft.

Siehe auch

  • Liste der St√§dte in Finnland

Literatur

  • Olli Alho (Hrsg.): Kulturlexikon Finnland. Finnische Literaturgesellschaft, Helsinki 1998, ISBN 951-717-032-5.
  • Ingrid Bohn: Finnland ‚Äď Von den Anf√§ngen bis zur Gegenwart. Friedrich Pustet, Regensburg 2005, ISBN 3-7917-1910-6.
  • Astrid Feltes-Peter: Baedeker Allianz-Reisef√ľhrer Finnland. 6.¬†Auflage. Karl Baedeker, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-8297-1333-7.
  • Anssi Halmesvirta (Hrsg.): Land unter dem Nordlicht. Eine Kulturgeschichte Finnlands. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-534-25920-5.
  • Edgar H√∂sch: Kleine Geschichte Finnlands. Beck, M√ľnchen 2009, ISBN 978-3-406-58455-8.
  • Matti Klinge: Geschichte Finnlands im √úberblick. 4.¬†√ľberarbeitete Auflage, Otava, Helsinki 1995, ISBN 951-1-13822-7.
  • Rasso Knoller: Finnland. Ein L√§nderportr√§t. Links, Berlin 2011, ISBN 978-3-86153-646-8
  • Rasso Knoller: Finnland. 9. Auflage, Karl Baedeker, Ostfildern 2019, ISBN 978-3-8297-4675-5.
  • Henrik Meinander: Finnlands Geschichte. Linien, Strukturen, Wendepunkte. Scoventa, Bad Vilbel 2017, ISBN 978-3-942073-45-5.
  • Ekkehard Militz: Finnland (Perthes L√§nderprofile). Klett-Perthes, Gotha/Stuttgart 2002, ISBN 3-623-00698-X.
  • Pentti Virrankoski: Suomen historia. (Geschichte Finnlands in zwei B√§nden, finnischsprachig) SKS, Helsinki 2001, ISBN 951-746-321-9.
  • OECD Territorial Reviews Finland. OECD Publishing 2005, Vollansicht bei Google Books.

Weblinks

  • finland.fi, Seite des finnischen Au√üenministeriums
  • L√§nderinformationen des deutschen Ausw√§rtigen Amtes, des √∂sterreichischen Bundesministeriums f√ľr Europa, Integration und √Ąu√üeres und des Eidgen√∂ssischen Departements f√ľr ausw√§rtige Angelegenheiten zu Finnland

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (19)

Bezeichnung der Regionen: Landschaft
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Kainuu 65.524 63.679 26.296 30.586  
Kanta-H√§me 61.322 60.553 23.138 25.288  
Kymenlaakso 61.287 60.378 26.043 28.003  
Lapland 70.076 65.592 20.623 30.009  
Mittelfinnland 63.601 61.451 24.02 26.766  
Mittel√∂sterbotten 64.168 63.119 22.991 25.029  
Nordkarelien 63.883 61.724 28.358 31.569  
Nord√∂sterbotten 66.484 63.43 23.706 30.116  
Nord√∂sterbotten 63.49 61.985 21.532 24.583  
Nordsavo 64.033 62.26 26.052 29.088  
√Ėsterbotten 63.802 61.939 21.065 23.734  
Ostuusimaa 60.755 60.196 25.117 26.553  
P√§ij√§t-H√§me 61.798 60.688 24.86 26.515  
Pirkanmaa 62.488 60.946 22.549 24.996  
Satakunta 62.304 60.886 21.317 23.001  
S√ľdkarelien 61.851 60.577 26.969 30.145  
S√ľdsavo 62.653 61.152 26.245 29.694  
Uusimaa 60.83 59.811 22.888 25.523  
Varsinais-Suomi 61.091 59.849 21.186 23.914  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Finland

Name englisch: Finland
Hauptstadt: Helsinki
Kfz: FIN
ISO: FI
ISO3: FIN
Fläche: 337030 km²
Tld: .fi
Wärung Einheit: EUR
Währung: Euro
Vorwahl: 358

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 70.0922932
südlichster Punkt: 59.7025822
westlichster Punkt: 20.5474108
östlichster Punkt: 31.5870999


 
Finnland: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Finnland. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

Twitter twitter.com/deinebergede Instagram instagram.com/deineberge.de Facebook facebook.com/DeineBerge Frage Kontakt Fragen, Fehler, Lob, Kritik?
Schreib uns eine Nachricht.