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Staat Informationen : Libyen

Informationen:


Libyen ([ˈliːbiÌŻÉ™n]/[ˈliːby̆ən]/[ˈlyːbiÌŻÉ™n]; arabisch Ù„ÙŠŰšÙŠŰ§Â LÄ«biyā [ˈliːbijaˑ] , amtlich Staat Libyen, arabisch ŰŻÙˆÙ„Ű© Ù„ÙŠŰšÙŠŰ§, DMG Dawlat LÄ«biyā; berberisch â”â”‰âŽ±â”ąâŽ° Libya) ist ein 1.759.541 kmÂČ großer Maghrebstaat in Nordafrika mit rund 7 Millionen Einwohnern. Er grenzt im Norden ans Mittelmeer, im Osten an Ägypten und Sudan, im SĂŒden an Niger und Tschad und im Westen an Tunesien und Algerien. Hauptstadt und mit rund 3 Millionen Einwohnern grĂ¶ĂŸte Stadt Libyens ist Tripolis. Weitere wichtige StĂ€dte des islamisch geprĂ€gten und bis 2011 autoritĂ€r regierten Landes sind Bengasi, Misrata und Tobruk.

In seinen heutigen Grenzen entstand Libyen, nachdem die osmanischen Provinzen Tripolitanien, Kyrenaika und Fessan infolge des Zweiten Italienisch-Libyschen Krieges zur Kolonie Libyen zusammengefasst wurden. Im Jahr 1951 erklĂ€rte das Königreich Libyen unter Idris as-Senussi seine UnabhĂ€ngigkeit. 1969 wurde der König gestĂŒrzt und die Libysche Arabische Republik unter Muammar al-Gaddafi ausgerufen. Der Diktator wurde im BĂŒrgerkrieg 2011 gestĂŒrzt. Von der Parlamentswahl 2014 bis zur Unterzeichnung des Waffenstillstands 2020 herrschte ein weiterer BĂŒrgerkrieg. 2021 wurden eine Einheitsregierung gebildet und freie Wahlen angekĂŒndigt.

Geographie

Den Nordwesten Libyens, das sogenannte Tripolitanien, nehmen die KĂŒstenebene al-Dschifara, das gebirgige Schichtstufenland Dschabal Nafusa (bis 968 m) und die anschließende SteinwĂŒste Hammada al-Hamra ein. Eine Steilstufe nach SĂŒden leitet zu den Sand-, Kies- und GeröllwĂŒsten des Fessan ĂŒber.

Der mittlere Abschnitt umfasst das kĂŒstennahe, an Erdöl- und Erdgasvorkommen reiche Syrtebecken. In seinem Hinterland erhebt sich das vulkanische Gebirgsmassiv al-Charudsch al-aswad (1200 m).

Im Nordosten liegt die Kyrenaika mit dem steil zum Meer abfallenden Karstgebirge des al-Dschabal al-Achdar (878 m). Über das Mittelmeer im Norden ist Libyen Nachbar von Italien (Sizilien und Pantelleria), Malta und Griechenland (Kreta). Die Bucht der Großen Syrte wird von Libyen als HoheitsgewĂ€sser beansprucht. Das Karstgebirge geht nach Osten in die Steppe der Marmarika ĂŒber, nach SĂŒden in das SanddĂŒnenmeer der Libyschen WĂŒste. Im Grenzgebiet zum Tschad greifen die nördlichen AuslĂ€ufer des Tibesti mit dem höchsten Berg des Landes (Bikku Bitti 2.267 m) auf Libyen ĂŒber.

Libyen ist nach Algerien, der Demokratischen Republik Kongo und dem Sudan das flĂ€chenmĂ€ĂŸig viertgrĂ¶ĂŸte Land des afrikanischen Kontinents.

TrinkwasservorrÀte

Insgesamt werden gut 85 % der libyschen LandesflĂ€che von der Sahara eingenommen. Nur rund 2 % der FlĂ€che sind derzeit landwirtschaftlich nutzbar. Libyen ist eines der wenigen LĂ€nder der Welt, in denen es keine stĂ€ndigen FlĂŒsse gibt, sondern sogenannte Wadis, die nur vorĂŒbergehend nach starken RegenfĂ€llen Wasser fĂŒhren. Allerdings befinden sich unter dem Staatsgebiet Libyens SĂŒĂŸwasservorrĂ€te von 35.000 Milliarden Kubikmetern, was weit ĂŒber den Wassermengen des Baikalsees oder der Großen Seen Nordamerikas liegt. Siehe dazu auch: Great-Man-Made-River-Projekt.

Klima und Vegetation

Im mediterran geprĂ€gten winterfeuchten KĂŒstengebiet liegen die mittleren Temperaturen im Januar bei 12 °C, im August bei 26 °C; der mittlere Jahresniederschlag betrĂ€gt hier 300 mm. Im FrĂŒhjahr und Herbst weht hĂ€ufig ein trockenheißer staubiger WĂŒstenwind, der Gibli. Das Landesinnere hat WĂŒstenklima mit betrĂ€chtlichen Temperaturschwankungen (im Winter unter 0 °C, im Sommer ĂŒber 50 °C) bei fast völliger Regenlosigkeit.

Trotz der GrĂ¶ĂŸe des Landes kennt Libyens Klima nur zwei wesentliche AusprĂ€gungen: eine subtropisch warme Klimazone entlang der KĂŒste und eine heiße, trockene WĂŒstenklimazone im Landesinneren (dem bei weitem ĂŒberwiegenden Teil).

Am schmalen KĂŒstenstreifen am Mittelmeer herrschen milde Winter vor, in denen etwas Regen fĂ€llt. Durchschnittlich erhĂ€lt man hier 250 bis 400 mm Niederschlag im Jahr, was in etwa 30–50 Regentagen entspricht, die sich fast ausschließlich von November bis Februar einstellen. Die Temperaturen betragen in dieser Zeit 8–12 °C in der Nacht und 16–20 °C am Tag. Das FrĂŒhjahr ist warm, mit Werten zwischen 12 und 16 °C bzw. 20–28 °C, fast ohne Niederschlag. Dann ist auch die Zeit heißer SandstĂŒrme (Gibli) aus dem SĂŒden, die selbst im April Spitzentemperaturen von bis zu 43 °C mit sich bringen können. Die Sommer sind lang, sehr trocken und heiß bei durchschnittlichen Tageswerten von 30–33 °C. In den NĂ€chten sinken die Temperaturen gewöhnlich auf etwa 20–22 °C ab. Der Herbst zeigt sich warm und gegen Ende hin wieder etwas feuchter mit Tages- und Nachtwerten von 22–27 bzw. 13–16 °C. Zu dieser Zeit können abermals Gibli auftreten, die dann wiederum Hitzewellen von 40 °C verursachen. Die Luftfeuchtigkeit ist mit 60–75 % ganzjĂ€hrig hoch. Das soeben beschriebene Klima trifft auch auf StĂ€dte wie Tripolis (die Hauptstadt), Misrata, Surt, al-Baida und Bengasi zu.

Die Steppen- und WĂŒstengebiete, die schon kurz hinter der KĂŒste beginnen, sind geprĂ€gt von milden Wintern und sehr heißen Sommern. Niederschlag gibt es das ganze Jahr ĂŒber so gut wie keinen (0–5 Niederschlagstage bzw. 1–35 mm Regen). Im Winter bewegen sich die Temperaturen bei warmen 18–24 °C am Tag, wĂ€hrend sie in der Nacht auf kĂŒhle Werte von 3–8 °C fallen. In manchen Gegenden ist leichter Frost durchaus möglich. Die Luftfeuchte ist bei 35–55 % mittel. FrĂŒhjahr und Herbst sind tagsĂŒber sehr warm (24–35 °C, wobei es aber auch heißer werden kann), in den NĂ€chten weiterhin kĂŒhl (10–18 °C). Des Öfteren gibt es SandstĂŒrme, die manchmal auch die KĂŒste erreichen. Die Luftfeuchte nimmt im FrĂŒhjahr ab, im Herbst wieder zu. Die Sommer sind sehr heiß mit trockener Luft (nur 20–30 % Luftfeuchte). Die Tagesdurchschnittstemperaturen betragen 38–42 °C, in den NĂ€chten zwischen 20 und 26 °C. Die libyschen WĂŒstengebiete gelten mit bis zu 58 °C als der Ort mit den weltweit höchsten je gemessenen Temperaturen. In der Stadt Ghadames an der tunesischen Grenze betragen die Höchstwerte ganzer fĂŒnf Monate (Mai bis September) 50 °C und darĂŒber. Das WĂŒstenklima trifft auf StĂ€dte wie Ghat, Ghadames, Kufra und Sabha zu, die trotz ihrer Entfernungen zueinander sehr Ă€hnliche klimatische VerhĂ€ltnisse aufweisen.

Flora und Fauna

Die kĂŒstennahen Gebirge haben Mittelmeerflora, in den KĂŒstentieflĂ€ndern gibt es Steppenvegetation. Die Tierwelt umfasst die typischen Arten der Trockengebiete, wie DĂŒnengazellen, HyĂ€nen, Schakale, WĂŒstenspringmĂ€use und WĂŒstenfĂŒchse (Fenneks), außerdem leben hier Anubispaviane, Wildesel, Hasen und Falbkatzen sowie verschiedene Greifvögel, Schlangen und Skorpione. Zwischen 1990 und 2000 hat der Bestand an Wild um 1,4 % zugenommen. 2009 zĂ€hlte man 141 Heuschreckenarten.

Bevölkerung

1960 hatte Libyen weniger als 1,5 Millionen Einwohner. Seit 1975 stieg die Bevölkerung von 2,5 Millionen auf 6,2 Millionen Menschen (2012, SchĂ€tzung). Im Jahr 2005 waren 30 % der Bevölkerung unter 15 Jahre alt. Rund 90 % der Bevölkerung leben in den KĂŒstengegenden von Tripolitanien und der Kyrenaika, davon 85 % in StĂ€dten. Etwa ein bis zwei Millionen Gastarbeiter waren bis zum Ausbruch des BĂŒrgerkrieges im Land beschĂ€ftigt. Die Lebenserwartung betrug 2010 bis 2015 im Durchschnitt 71,6 Jahre (68,8 Jahre fĂŒr MĂ€nner und 74,4 Jahre fĂŒr Frauen).

Ethnisch-kulturelle Gruppen

Die Bevölkerung bestand 2011 zu 97 % aus kulturell und sprachlich arabisierten Berbern und Arabern sowie aus sprachlich nicht assimilierten Berbern. Mit der islamischen Eroberung des Landes wurde nach und nach ein Großteil der Gesellschaft arabisiert; die in ihren traditionellen Stammesgesellschaften lebenden Berber machen nur noch etwa 25 % der Bevölkerung aus.

Die arabische Bevölkerung ist wiederum in mehrere sich voneinander abgrenzende Gruppen gegliedert, die ĂŒblicherweise als „StĂ€mme“ bezeichnet werden. Nur noch 5 % der Bevölkerung sind Nomaden.

Im Westen Libyens leben Teile des berberischen Nomadenvolks der Tuareg und im SĂŒden zahlreiche Tubu. Letztere wurden unter Gaddafi teilweise aus ihren Wohngebieten vertrieben und ihnen wurde die StaatsbĂŒrgerschaft entzogen. Als Grund wurde ihre vermeintliche Herkunft aus dem Tschad genannt. Daneben gibt es Italiener, die allerdings nach 1969 grĂ¶ĂŸtenteils das Land verlassen mussten. Weitere Minderheiten sind Griechen, TĂŒrken, Kurden und Levantiner sowie Malteser, Ägypter, Tunesier, Inder und Pakistaner. Die Juden, die bereits seit Jahrtausenden an der KĂŒste ansĂ€ssig waren, wurden nach dem Pogrom von Tripolis 1945 aus dem Lande vertrieben.

Sprachen

Die Bevölkerung hat zum grĂ¶ĂŸten Teil den libysch-arabischen Dialekt als Muttersprache, daneben werden als Minderheitensprachen die Berbersprachen Nafusi (220.000 Sprecher), Ghadamsi (42.000 Sprecher) und Tamascheq (40.000 Sprecher) sowie die nilosaharanische Tubu-Sprache Tedaga (2.000 Sprecher) gesprochen.

Amtssprache ist bislang allein Hocharabisch, ab 1969 wurde unter Gaddafi eine nationalistische Kampagne zur Arabisierung gestartet, welche Italienisch als Fremdsprache und die Berbersprachen aus dem öffentlichen Leben verdrĂ€ngen sollte. Eine neue Verordnung schrieb vor, dass alle Straßenschilder, Schaufensterbezeichnungen, Firmenschilder und Verkehrsausweise auf Arabisch beschriftet werden mĂŒssen. Seit den 1980er Jahren wird fast nur Arabisch verstanden. Unter Gaddafi war Fremdsprachenunterricht an Schulen verboten, an Hochschulen durfte nur Theorie und Geschichte von Fremdsprachen gelehrt werden.

Die Übergangsregierung ließ neben Hocharabisch als Amtssprache auch die jeweiligen Berbersprachen zu.

Religion

Der Islam ist Staatsreligion. Die freie ReligionsausĂŒbung war unter Gaddafi garantiert, soweit sie nicht im Widerspruch zu den Traditionen stand. Staat und Religion waren bislang getrennt, Geistliche auf das Religionswesen beschrĂ€nkt. Die volksrepublikanische Regierung gab sich in ihren programmatischen Äußerungen als frauenfreundlich: Unter ihr wurde die Koedukation betrieben, allerdings schockte die EinfĂŒhrung der Wehrpflicht fĂŒr Frauen und die Aufnahme von weiblichen Personen in MilitĂ€rakademien die islamische MĂ€nnergesellschaft. Gaddafi legte sich entsprechend mit strengglĂ€ubigen Imamen an, verfolgte radikale Prediger und versuchte, die Traditionen in seinem Sinne zu modernisieren. Sufi-Gemeinschaften, die in einigen anderen islamischen Staaten verfolgt werden, konnten offen praktizieren.

Die Senussi sind eine religiöse Bruderschaft mit weltlichem Herrschaftsanspruch in der Kyrenaika. Sie kĂ€mpfte ab 1911 gegen die Italiener, ab 1943 gegen die Briten. Von 1951 bis zur Revolution von 1969 stellte sie den König. In den letzten Jahren ist landesweit eine verstĂ€rkte Hinwendung zum orthodoxen Islam zu verzeichnen; die Verschleierung der Frau nimmt zu. Seit den 1980er Jahren werden im Untergrund operierende Gruppen wie MuslimbrĂŒder, at-Takfir wa-l-Higra, Hisbollah, al-Dschihad und ihre religiöse Tendenz zur Vereinnahmung der Politik als islamistische Gefahr fĂŒr Libyen bezeichnet. Seit der Mitte der neunziger Jahre ist auch die Libysche Islamische Kampfgruppe vor allem in der Kyrenaika aktiv.

97 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, vorwiegend malikitischer Richtung. Die traditionsbewussten BerberstĂ€mme gehören mehrheitlich der islamischen Sondergemeinschaft der Ibaditen an. Es gibt noch rund 74.000 Katholiken in Libyen, einige koptische und einige griechisch-orthodoxe Christen. Die meisten christlichen Kirchen wurden nach der MachtĂŒbernahme Gaddafis 1969 geschlossen. Die Nachfahren der nach den Pogromen von 1948 verbliebenen etwa 7000 jĂŒdischen Libyer emigrierten nach dem Sechstagekrieg.

FlĂŒchtlinge

Libyen gilt als Transitland vieler afrikanischer FlĂŒchtlinge und Migranten nach Europa. So sollen sich im Land mehrere Hunderttausend Menschen aus anderen afrikanischen Staaten aufhalten, die Verbrechen wie Mord, Körperverletzungen und Vergewaltigungen und Sklaverei ausgesetzt sind und oftmals in Konzentrationslagern Ă€hnlichen UnterkĂŒnften gefangen gehalten werden. Die Situation in libyschen FlĂŒchtlingslagern wird in den Medien als katastrophal dargestellt. Es gibt in Libyen zwölf Ausschiffungsorte fĂŒr auf See Aufgegriffene, an denen die Menschen vom UNHCR versorgt werden.

Die EuropĂ€ische Union setzt sich mittels des European Union Emergency Trust Fund for Africa gemeinsam mit IOM und UNHCR fĂŒr eine Reintegration von FlĂŒchtlingen ein, und dies in Libyen, entlang der zentralen Mittelmeerroute und in Äthiopien. Nach UNHCR-Angaben waren in Libyen im Oktober 2017 insgesamt 43.113 FlĂŒchtlinge und Asylsuchende vom UNHCR registriert.

Sozialsystem/Bildung

Libyen hatte eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen des afrikanischen Kontinents. Die Sozialversicherung der Einwohner umfasste die kostenlose medizinische Versorgung sowie Witwen-, Waisen- und Altersrenten. Allgemeine Schulpflicht besteht fĂŒr Sechs- bis FĂŒnfzehnjĂ€hrige. Dennoch liegt die Analphabetenrate der Frauen noch bei 14,4 % und die der MĂ€nner bei 3,3 %; diese Rate ist aber mit insgesamt 9 % im afrikanischen Vergleich sehr niedrig.

UniversitĂ€ten gibt es in Tripolis, Bengasi und an anderen grĂ¶ĂŸeren Orten.

Obwohl Gaddafi in markantem Gegensatz zu anderen arabischen Sozialisten konservativ-islamische Ansichten zur Rolle der Frau hatte, hatten Frauen unter seiner Herrschaft in Libyen, verglichen mit anderen arabischen LĂ€ndern, eine hohe Bildung. Bei einer Scheidung durften sie das gemeinsame Haus oder die Wohnung behalten. Es gab KindertagesstĂ€tten fĂŒr berufstĂ€tige Frauen sowie Frauen in klassischen „MĂ€nnerberufen“ wie Polizistinnen oder Pilotinnen. 1979 richtete Gaddafi eine MilitĂ€rakademie fĂŒr Frauen ein. Die meisten gebildeten Frauen waren aber im Gesundheitswesen und als Lehrerinnen tĂ€tig, und die Frauenerwerbsquote lag Mitte der 1990er Jahre unter 10 %. Polygamie blieb in Libyen, anders als im benachbarten Tunesien, erlaubt, der Mann musste fĂŒr die Heirat einer Zweitfrau lediglich die Genehmigung der anderen Ehefrau einholen. Auch wurde der Ehepartner in den meisten FĂ€llen von der Familie ausgewĂ€hlt.

FĂŒr die medizinische Behandlung von Libyern, die im Zuge des BĂŒrgerkrieges verletzt wurden, hat die libysche Regierung 140 Mio. US-Dollar an Jordanien gezahlt; Anfang Februar 2012 befanden sich dort rund 15.000 verletzte Libyer in Behandlung.

Geschichte

Überblick

Bereits in Ă€gyptischen Hieroglyphentexten taucht eine Benennung fĂŒr die westlich benachbarten StĂ€mme auf. Die Griechen nannten das Land Libyē (altgriechisch ΛÎčÎČύη), das lateinische Pendant ist Libya. Damit war in der Antike das Land beiderseits der Großen Syrte gemeint. Vom 7. Jahrhundert v. Chr. an grĂŒndeten sie an der KĂŒste Kolonien, darunter die Stadt Kyrene. Dieser Teil des Landes, die Kyrenaika, stand in den folgenden Jahrhunderten unter der Herrschaft Ägyptens. In dem sich westlich daran anschließenden Gebiet hatten die Phönizier etwa um 700 v. Chr. die drei StĂ€dte Sabratha, Oea und Leptis Magna gegrĂŒndet – der Name Tripolitanien („Drei-StĂ€dte-Land“) hat hier seinen Ursprung. Sie kamen bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. unter die Vorherrschaft Karthagos. Nach dessen Zerstörung 146 v. Chr. geriet Tripolitanien unter römische Herrschaft, 96 v. Chr. wurde auch die Kyrenaika Teil des Römischen Reiches. Bei der römischen Reichsteilung 395 n. Chr. verblieb Tripolitanien bei Westrom, wĂ€hrend die Kyrenaika Ostrom zugeschlagen wurde. Mitte des 5. Jahrhunderts fielen die Vandalen in Libyen ein; die RĂŒckeroberung gelang Byzanz ab 533 unter FĂŒhrung des Generals Belisar. Zwischen 641 und 644 besetzten die Araber das Gebiet; die dort ansĂ€ssigen Berber wurden islamisiert.

Seit 1835 war das Territorium Libyens als Provinz „Tripolitanien“ Teil des Osmanischen Reiches, vorher kontrollierten verschiedene Eroberer nur die KĂŒstengebiete Tripolitaniens und der Cyrenaika, nicht aber deren Hinterland und den Fessan. Von 1911 bis 1932 fĂŒhrte Italien zwei Kolonialkriege um das Gebiet, wobei das faschistische Regime Benito Mussolinis von 1929 bis 1934 den Völkermord in der Cyrenaika verĂŒbte. Anschließend wurde 1934 die Kolonie Italienisch-Libyen gegrĂŒndet, die bis 1943 unter italienischer Kontrolle blieb. 1951 wurde Libyen schließlich ein souverĂ€ner Staat und war bis 1969 ein Königreich. Im Jahr 1969 kam Muammar al-Gaddafi durch einen MilitĂ€rputsch an die Macht. Im Februar 2011 begann seine diktatorische Herrschaft zu bröckeln; ein libyscher BĂŒrgerkrieg begann. Von MĂ€rz bis Oktober 2011 fand eine internationale MilitĂ€rintervention auf der Seite der Gegner Gaddafis statt. Machthaber Gaddafi wurde am 20. Oktober 2011 von seinen Gegnern getötet.

Im Mai 2014 entstand aus dem Machtvakuum ein zweiter BĂŒrgerkrieg, in dem rivalisierende Milizen gegeneinander kĂ€mpften, was zum politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch sowie zur Spaltung des Landes in einen westlichen und in einen östlichen Machtbereich fĂŒhrte. Am 17. Dezember 2015 wurde zwischen den rivalisierenden Lagern aus Tobruk und Tripolis ein Friedensvertrag vereinbart, der bis 2018 den Neuaufbau des Staates und seiner Institutionen sowie eine Einheitsregierung unter Fayiz as-Sarradsch vorsah. Allerdings blieb Libyen auch nach dem Friedensvertrag weiterhin in einen westlichen as-Sarradsch unterstĂŒtzenden und einen östlichen Landesteil mit der Hauptstadt Tobruk gespalten, in dem Chalifa Haftar großen Einfluss besitzt. Neben dem Machtkampf der beiden LandeshĂ€lften agieren durch das hervorgerufene Machtvakuum die Terrororganisationen Islamischer Staat und Al-Qaida.

TĂŒrkische und italienische Herrschaft

Anfang des 16. Jahrhunderts wurde Tripolitanien zunĂ€chst von den Spaniern erobert, die das Gebiet dann aber an den Johanniterorden abtraten. Im Jahre 1551 eroberten die Osmanen ganz Libyen. Tripolis war dann lange Zeit StĂŒtzpunkt der Korsaren und wurde mehrmals Ziel von Angriffen europĂ€ischer und 1803 sogar amerikanischer Kriegsflotten. Im 19. Jahrhundert suchte die Senussi-Bruderschaft, ein in der Kyrenaika ansĂ€ssiger islamischer Orden, die Macht zu erlangen. Er bildete auch den Kern des Widerstandes, nachdem Italien nach dem italienisch-tĂŒrkischen Krieg (1911–1912) Libyen annektiert hatte. Die italienische Eroberung Libyens erfolgte in drei Phasen. WĂ€hrend der ersten Phase 1911 bis 1914 konnten Tripolitanien und Fessan von den Italienern erobert werden, allerdings wurden sie anschließend durch Rebellionen wieder bis an die KĂŒsten zurĂŒckgedrĂ€ngt. WĂ€hrend der zweiten Phase 1915 bis 1922 erhielten die Libyer von den Italienern Selbstverwaltungsrechte zugesprochen. Nach dem Machtantritt der Faschisten unter Benito Mussolini in Rom folgte von 1923 bis 1932 die dritte Phase, wĂ€hrend der Italien einen fast zehnjĂ€hrigen Kolonialkrieg fĂŒhrte, in dessen Verlauf – unter Einsatz von FlĂ€chenbombardements, Giftgas und Konzentrationslagern – rund 100.000 Libyer ums Leben kamen, was ca. 15 % der Gesamtbevölkerung entsprach.

1934 erklĂ€rte Italien seine libyschen Besitzungen zur Kolonie Italienisch-Libyen. Es kam bereits hier zu Grenzstreitigkeiten um den Aouzou-Streifen im SĂŒden mit Frankreich und seiner Kolonie Französisch-Äquatorialafrika. Im Zweiten Weltkrieg griffen italienische Truppen Ägypten an, wurden aber von britischen Truppen zurĂŒckgeschlagen. Von 1941 bis 1943 unterstĂŒtzten deutsche Truppen („Afrikakorps“ unter Generalfeldmarschall Erwin Rommel) die italienischen Einheiten in Libyen gegen alliierte VerbĂ€nde, bis sowohl die italienischen als auch die deutschen Einheiten im Mai 1943 bei Tunis kapitulieren mussten. Von 1943 bis 1949 war Libyen von Großbritannien und Frankreich besetzt. 1949 beschlossen die Vereinten Nationen, Libyen in die UnabhĂ€ngigkeit zu entlassen und setzten als Hochkommissar Adrian Pelt ein.

UnabhÀngigkeit als Königreich Libyen 1951

1951 wurde Libyen in die UnabhÀngigkeit entlassen. König der konstitutionellen Monarchie wurde das Oberhaupt der Senussi, Idris I. Die Entdeckung reicher Erdölvorkommen seit 1959 machte Libyen zu einem der bedeutendsten Erdöl exportierenden LÀnder der Welt.

Das aktive und passive Frauenwahlrecht wurden 1964 eingefĂŒhrt.

MilitÀrputsch 1969 und Folgen

Auf der anderen Seite verstĂ€rkten sich jedoch die sozialen Spannungen im Innern, was neben anwachsenden nationalistischen Stimmungen schließlich am 1. September 1969 (neuer Nationalfeiertag) zum Sturz der Monarchie durch das MilitĂ€r und zur Ausrufung der Arabischen Republik Libyen fĂŒhrte. König Idris und Königin Fatima gingen nach Kairo ins Exil.

Der Vorsitzende des RevolutionĂ€ren Kommandorates, Oberst Muammar al-Gaddafi, versuchte die radikale Arabisierung und Islamisierung des Landes. Unter anderem wurde Englisch- und Italienischunterricht an Grundschulen, der Import von Schweinefleisch sowie der Verkauf von alkoholischen GetrĂ€nken verboten. Des Weiteren wurde die frĂŒhere katholische Kathedrale von Tripolis in eine Moschee umgebaut. Seine PlĂ€ne zur Schaffung einer panarabischen Union mit einigen NachbarlĂ€ndern zwischen 1969 und 1974 scheiterten aber unter anderem an seinem FĂŒhrungsanspruch. Er benannte Libyen auch in Dschamahirija um.

In den folgenden Jahren wurden alle Erdölgesellschaften verstaatlicht.

Am 2. MĂ€rz 1977 wurde Libyen mit der Deklaration von Sabha, die den Charakter eines Staatsorganisationsgesetzes hat, zur sozialistischen arabischen Volksrepublik (Dschamahiriyya) mit 1200 „Volkskomitees“ erklĂ€rt. Eine formelle Staatsverfassung hatte Libyen danach nicht mehr, als solche angesehen wurden die Konstitutionelle Proklamation von 1969 bzw. 1992 und die Deklaration ĂŒber die AutoritĂ€t des Volkes von 1977. Eine neue Nationalflagge und ein neues Staatswappen wurden eingefĂŒhrt.

Dschamahirija (Volksrepublik) 1977

1977 fĂŒhrte Libyen einen kurzen Grenzkrieg gegen Ägypten und von 1978 bis 1987 einen Grenzkrieg mit dem Tschad um den Aouzou-Streifen.

Gesetzgeber wurde in Libyen der Allgemeine Volkskongress. Dem GeneralsekretĂ€r des Allgemeinen Volkskongresses, Muhammad Abu l-Qasim az-Zuwai, stand als Staatsoberhaupt ein siebenköpfiges Generalsekretariat zur Seite. Die faktische Macht lag jedoch beim Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte, Oberst Muammar al-Gaddafi. Der Allgemeine Volkskongress, dessen ca. 2.700 Delegierte von lokalen Volkskongressen (rund 6 fĂŒr je durchschnittlich 100 Einwohner), Gewerkschaften, StreitkrĂ€ften und anderen Massenorganisationen entsandt wurden, war die höchste politische Institution und besaß sowohl legislative als auch exekutive Funktionen. Einige seiner Resolutionen hatten den Charakter von Grundrechten.

Alle Libyer ab 18 Jahren waren zur politischen Partizipation verpflichtet. Parteien waren nicht zugelassen. Die wichtigsten Gewerkschaften wurden staatlich gelenkt; diese waren die Nationale Föderation der Gewerkschaften und die Union der Erdöl- und Petrochemiearbeiter.

1979 trat Muammar al-Gaddafi von den StaatsĂ€mtern zurĂŒck, blieb aber als „RevolutionsfĂŒhrer“ Machthaber im Lande.

1988 wurde ein Volksgericht geschaffen, dessen ZustÀndigkeit politische und wirtschaftliche Korruption war. 2005 wurden diese umstrittenen Volksgerichte wieder abgeschafft.

Im Jahr 2000 löste das Parlament auf Vorschlag Gaddafis die Zentralverwaltung des Landes weitgehend auf und ĂŒbergab sowohl Gesetzgebung als auch Regierungsgewalt an regionale Parlamente und AusschĂŒsse.

Aufstand und BĂŒrgerkrieg 2011

Nachdem im Februar 2011 Libyer öffentlich protestiert und staatliche SicherheitskrĂ€fte gewaltsam versucht hatten, die Proteste zu verhindern, spaltete sich die politische FĂŒhrung des Landes. In Bengasi ĂŒbernahmen bewaffnete Oppositionelle die Kontrolle. Nach einem koordinierten militĂ€rischen Eingreifen der NATO und einer Reihe arabischer Staaten zur Durchsetzung der mit der UN-Resolution 1973 eingerichteten Flugverbotszone gelang es den in der Libyschen Nationalen Befreiungsarmee zusammengeschlossenen Milizen, die Einheiten der regulĂ€ren StreitkrĂ€fte Libyens zu besiegen. Die Zahl der Kriegstoten liegt nach SchĂ€tzungen zwischen 10.000 und 50.000. 2011 gab es in Libyen umfangreiche Missionen des Internationalen Komitee vom Blauen Schild (Association of the National Committees of the Blue Shield, ANCBS) mit Sitz in Den Haag zum Schutz und Sicherung der vom BĂŒrgerkrieg, den Unruhen und von Diebstahl bedrohten KulturgĂŒter (Museen, Archive, AusgrabungsstĂ€tten, DenkmĂ€ler, Bauten etc.), denn in vielen FĂ€llen versuchen die verfeindeten Konfliktparteien bewusst, das kulturelle Erbe und GedĂ€chtnis des Gegners (begĂŒnstigt durch den Zusammenbruch staatlicher Strukturen) zu zerstören bzw. wirtschaftlich zu verwerten. Dabei wurden auch „No Strike“-Listen mit solchen KulturgĂŒtern erstellt, die vor LuftschlĂ€gen schĂŒtzen sollen.

2014 formierten sich die verschiedenen Milizen um zwei konkurrierende politische Allianzen unter dem KĂŒrzel „WĂŒrde“ und „MorgendĂ€mmerung“, die seit Mai 2014 einen neuen BĂŒrgerkrieg austragen. Seit MĂ€rz 2015 sollen beide Allianzen nach Wunsch der United Nations Support Mission in Libya eine neue gemeinsame Regierung bilden.

Entwicklung seit 2011 und neuer BĂŒrgerkrieg

Nach dem Krieg und der internationalen MilitĂ€rintervention wurde das Land von KĂ€mpfen rivalisierender Milizen erschĂŒttert. ZunĂ€chst schien der demokratische Prozess in Libyen voranzukommen, denn 2012 wurden die ersten fairen und freien Wahlen der Geschichte Libyens abgehalten. Bei dieser Wahl zum libyschen Nationalkongress 2012 wurde die weltliche und sĂ€kulare Allianz der Nationalen KrĂ€fte (ANK) mit Abstand stĂ€rkste Partei. Der konkurrierenden islamistischen Partei fĂŒr Gerechtigkeit und Aufbau gelang es jedoch, eine parlamentarische Mehrheit gegen die ANK zu bilden. In der Folgezeit waren die islamistisch geprĂ€gten Regierungen weder in der Lage noch anscheinend willens, die unabhĂ€ngigen Milizen in Libyen aufzulösen oder in den Staat zu integrieren. Terroristische Gruppierungen und Milizen wie Ansar al-Scharia (Libyen) (welche fĂŒr den Mord an US-Botschafter J. Christopher Stevens verantwortlich gemacht wird) konnten sich frei im neuen Libyen bewegen. Unter der PrĂ€sidentschaft Nuri Busahmeins eskalierte die Lage endgĂŒltig, als der neue Staatschef Libyens die Regierung bei der BekĂ€mpfung von unabhĂ€ngigen Milizen nicht unterstĂŒtzte, sondern mit dem „Operationsraum Libyscher RevolutionĂ€re“ seine eigene islamistische Privatarmee grĂŒndete und förderte.

Als sowohl freie Milizen als auch radikal-islamistische Milizen in Libyen freie Hand hatten und die islamistisch geprĂ€gten Regierungen diesen Zustand nicht beenden wollten oder konnten, rief dies das weltliche Lager auf den Plan, das von diesen ZustĂ€nden genug hatte. Unter General Chalifa Haftar bildete sich eine weltlich geprĂ€gte Allianz „WĂŒrde“, welche im Mai 2014 durch einen MilitĂ€rputsch versuchte, die Macht im Land an sich zu reißen. Im Gegensatz zum MilitĂ€rputsch in Ägypten 2013 scheiterte dieser, da die MuslimbrĂŒder ein solches Vorgehen erwartet und ihrerseits ihre eigenen Milizen gegrĂŒndet hatten. Die in den beginnenden Kriegswirren im Juni 2014 durchgefĂŒhrte Parlamentswahl in Libyen 2014 sollte den beginnenden BĂŒrgerkrieg abwenden und weiter den demokratischen Prozess fördern. Nachdem die KrĂ€fte um Haftar die Wahlen bei einer Wahlbeteiligung von 18 % gewonnen hatten, putschte sich in Tripolis das islamistische Lager unter dem Namen „Morgenröte“ zurĂŒck an die Macht und vertrieb die neue offizielle Regierung in den Osten des Landes.

In diesem BĂŒrgerkrieg kĂ€mpfen die beiden Allianzen „WĂŒrde“ (welche die offizielle Regierung stellt) und „Morgenröte“ sowie die Terrororganisation „IS“ um die Macht im Land. Er geht einher mit einem dramatischen Anstieg der FlĂŒchtlingszahlen und mit schweren Menschenrechtsverletzungen. Die Vereinten Nationen sahen Libyen 2015 kurz vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. US-PrĂ€sident Barack Obama nannte in einem Interview am 11. April 2016 die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten und ihre VerbĂŒndeten es versĂ€umt hĂ€tten, fĂŒr stabile VerhĂ€ltnisse und eine geordnete Regierung in Libyen nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes zu sorgen, den insgesamt „grĂ¶ĂŸten Fehler“ seiner achtjĂ€hrigen Amtszeit 2009–2017.

Nach der Eroberung der Hauptstadt Tripolis setzte die Gegenregierung den Allgemeinen Nationalkongress wieder als Parlament ein. Der international anerkannte Abgeordnetenrat floh daraufhin nach Tobruk. Da die Armeen und Milizen beider Regierungen durch den fortlaufenden BĂŒrgerkrieg geschwĂ€cht sind, gelang es Ablegern der Terrororganisation IS, Teile des Landes wie Sirte oder Darna unter ihre Kontrolle zu bringen. Der „IS“ rief ein Emirat aus, das dem selbsternannten „Kalifen“ Abu Bakr al-Baghdadi die Treue schwor. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen strebt an, dass beide Regierungen eine Einheitsregierung bilden, die den BĂŒrgerkrieg beendet, das Land stabilisiert und die Terrororganisation IS bekĂ€mpft.

Seit Juni 2015 finden Friedensverhandlungen im marokkanischen Skhirat und Berlin zwischen den Vertretern der beiden libyschen Blöcke unter Vermittlung der „5+5“-Gruppe statt. Die „5+5“-Gruppe setzt sich aus Vertretern der fĂŒnf UN-VetomĂ€chte, sowie Deutschland, Spanien, Italien, der EU und den Vereinten Nationen zusammen. Auf Seiten der libyschen Delegationen nehmen Vertreter der beiden Regierungen sowie der beiden Parlamente, unabhĂ€ngige Gruppen und Milizen sowie Vertreter der Stadt Misrata teil. In Berlin begannen am 10. Juni 2015 Verhandlungen ĂŒber die Zukunft Libyens im AuswĂ€rtigen Amt nach Einladung des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier. Am 6. Dezember 2015 wurde ĂŒberraschend ein Abkommen geschlossen, das zur Bildung einer Einheitsregierung fĂŒhren soll.

2016 wurde eine Offensive zur RĂŒckeroberung der vom Islamischen Staat besetzten Gebiete um die Stadt Sirte gestartet. Noch im selben Jahr stĂŒrmten militĂ€rischen KrĂ€fte, die dem Kommando von Chalifa al-Ghweil unterstanden, das GebĂ€ude des Hohen Staatrats, woraufhin es zu KĂ€mpfen zwischen AnhĂ€ngern von al-Ghweil und as-Sarradsch kam.

Am 23. Oktober 2020 wurde ein Waffenstillstand geschlossen, der den Krieg in Libyen beendete. Am 10. MĂ€rz 2021 wurde eine Übergangsregierung gebildet, die bis zu den Wahlen im Dezember 2021 bestehen wird.

Politik

Politisches System

Als oberstes Organ des Staates hat der Allgemeine Nationalkongress im August 2012 den am 27. Februar 2011 von AufstĂ€ndischen gegrĂŒndeten Nationalen Übergangsrat (arabisch Ű§Ù„Ù…ŰŹÙ„Űł Ű§Ù„ÙˆŰ·Ù†ÙŠ Ű§Ù„Ű§Ù†ŰȘÙ‚Ű§Ù„ÙŠ, DMG al-maǧlis al-waáč­anÄ« al-intiqālÄ«) abgelöst. Seit dem Sturz des langjĂ€hrigen Machthabers Muammar al-Gaddafi stehen weite Teile des Landes unter Kontrolle von Milizen, die sich nicht dem Nationalen Übergangsrat unterstellten.

Noch im August 2011 wurden Wahlen zum Allgemeinen Nationalkongress angekĂŒndigt, die vom 18. Juni bis 5. Juli 2012 stattfanden. FĂŒr die 200 Sitze haben sich 2.501 Kandidaten beworben. Im Anschluss daran wurde Mohammed Yusef el-Megarief zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Am 13. September 2012 wurde Mustafa Abu Schagur zum MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt.

Laut dem am 29. Januar 2012 in Tripolis beschlossenen Wahlgesetz zur verfassungsgebenden Versammlung sollten 136 der Sitze an Kandidaten politischer Parteien und 64 Sitze an unabhÀngige Kandidaten vergeben werden. Bei der Wahl zum libyschen Nationalkongress 2012 sind ca. 60 % der Stimmen mit 120 von 200 an unabhÀngige Kandidaten vergeben worden und nicht an Parteilisten.

Dabei wurden mehrere politische Parteien gegrĂŒndet. Allerdings durften diese kein Geld aus dem Ausland annehmen. Ebenfalls war es ehemaligen Gaddafi-AnhĂ€ngern verboten, an der Kandidatur teilzunehmen. Ein am 3. Mai in Kraft getretenes Gesetz verbot die GrĂŒndung religiöser Parteien.

Bei der Wahl Ende Juni 2014 waren nur unabhĂ€ngige Kandidaten und keine Parteilisten mehr erlaubt, um politische MachtkĂ€mpfe in Zukunft zu verhindern. Dadurch erhoffen sich viele Libyer, dass dies ein weiterer Schritt zur Demokratisierung des Landes ist. Das neue 200-köpfige Parlament, der Abgeordnetenrat, ĂŒbernahm am 4. August 2014 die Legislativrechte.

Die in Libyen unter Gaddafi existierende Wehrpflicht fĂŒr Frauen und MĂ€nner im Alter zwischen 18 und 35 Jahren ist faktisch abgeschafft. Die neue Übergangs-Regierung hat noch keine Regelung zur Wehrpflicht erlassen.

Rechtssystem

Seit dem Ende des BĂŒrgerkrieges befindet sich Libyens Rechtssystem in einem unklaren Zustand; seit 1978 hatte Libyen keine Verfassung mehr, eine neue muss erst noch beschlossen werden. Beim Aufbau eines Rechtssystems und einer rechtsstaatlichen Verwaltung soll die UNO-Mission UNSMIL Hilfe leisten. Der Aufbau eines neuen, allgemein anerkannten Justizwesens zieht sich hin. In GefĂ€ngnissen, ĂŒberwiegend jenen, die sich nicht unter der Kontrolle des Übergangsrats befinden, wird wieder gefoltert. Das bis zum BĂŒrgerkrieg geltende Zivilgesetzbuch folgte dem Ă€gyptischen und war daher wie dieses von der französischen Rechtsordnung geprĂ€gt.

Die Rechtsgrundlage der libyschen Verfassung war der Koran (Artikel 2). Im Personen-, Familien- und Erbrecht (Gesetz von 1984) sowie seit 1994 auch im Strafrecht galt das islamische Recht (Scharia). Seit 1973 war HomosexualitÀt strafbar (Gesetz Nr. 70/1973). Zinā (Ehebruch und Unzucht) wurde nach Gesetz Nr. 70/1973 mit 100 Stockhieben bestraft; Verleumdung wegen Unzucht/Ehebruch (qadhf) war ebenfalls strafbar. Als Grund wurde die EindÀmmung von Prostitution genannt.

Nach Aussage eines Verteidigers in Bengasi im Februar 2012 hatten die Milizen zu viel Macht. Von 50 Angeklagten wegen „Hochverrats gegen die Revolution“ konnten nur drei bei der Anhörung persönlich Stellung nehmen. Bei den restlichen 47 weigerte sich die Miliz, sie in den Gerichtssaal zu bringen; als Grund wurden „Sicherheitsprobleme“ genannt. Auch Folterungen von Angeklagten sind bekannt geworden.

Im Dezember 2013 stimmte die Nationalversammlung Libyens fĂŒr die EinfĂŒhrung der Scharia.

Politische Indizes

Menschenrechte

Viele Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International berichten, dass auch unter den neuen Behörden, die nach dem BĂŒrgerkrieg in Libyen an die Macht gelangten, die Menschenrechte in Libyen stark eingeschrĂ€nkt sind. Durch Folter sollen mindestens zwölf Gaddafi-AnhĂ€nger getötet worden sein. Menschen mit schwarzer Hautfarbe werden diskriminiert, da diese oft pauschal als Söldner Gaddafis denunziert werden. In der Stadt Sabha kam es zu gewalttĂ€tigen Ausschreitungen gegenĂŒber den Tubu. Es sollen bereits Dutzende Menschen gestorben sein. Auch die Organisation Open Doors erklĂ€rte, dass inzwischen in Libyen Christen verfolgt werden. Andere als islamische religiöse Versammlungen sind verboten. 2011 wurden mehrere Christen aufgrund ihres Glaubens inhaftiert. Es kam zu Übergriffen von Salafisten auf christliche Kopten. So wurden Anfang 2013 in Bengasi 100 Christen verschleppt und misshandelt.

SchĂ€tzungen zufolge wurden landesweit mehr als 6.000 Menschen verhaftet, (Stand 2012) ohne offizielle Anklage oder Aussicht auf einen Prozess. In den Internierungszentren der Stadt Misrata, die nicht dem Nationalen Übergangsrat, sondern der dortigen Revolutionsbrigade unterstanden, wurden Gefangene gefoltert. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen stellte bei insgesamt 115 Gefangenen Verletzungen durch Folter fest. Die Folterverhöre, von denen einige tödlich verliefen, wurden vom militĂ€rischen Geheimdienst NASS gefĂŒhrt. Die Behörden vor Ort ignorierten die Forderungen der Hilfsorganisation nach einem Ende der Folter. Nach Bekanntwerden des Foltertods des ehemaligen libyschen Botschafters in Frankreich in Sintan erklĂ€rte Justizminister Ali Hamida Aschur, die Verantwortlichen wĂŒrden vor Gericht gestellt; die von Folter-VorwĂŒrfen betroffenen GefĂ€ngnisse befĂ€nden sich ĂŒberwiegend nicht unter der Kontrolle des Übergangsrates.

Im Jahr 2017 war die Gefangenschaft ohne Rechtsgrundlagen Thema eines Workshops der UNSMIL. Ein offizieller Sprecher aus Bani Walid bezifferte die Zahl der ohne Verfahren inhaftierten auf 7.000 – 8.000 Personen im ganzen Land. Dazu sollen etwa 900 Frauen im Ruhaimi-GefĂ€ngnis in Ain Zara gehören, die meisten von ihnen frĂŒhere Angehörige der Revolutionsgarde. Hinzu kĂ€men Gefangene bewaffneter Banden in privaten GefĂ€ngnissen.

Im Jahr 2021 werden nach Angaben der Stiftung Wissenschaft und Politik, die Kontakte nach Libyen unterhĂ€lt, offiziell 4000 FlĂŒchtlinge in libyschen MigrationsgefĂ€ngnissen, wo gefoltert, vergewaltigt und hingerichtet wurde, festgehalten. Daneben wĂŒrden MenschenhĂ€ndler noch zahlreiche illegale GefĂ€ngnisse betreiben.

Außenpolitik

Libyen ist Mitglied der Vereinten Nationen (UN), der Afrikanischen Union (AU), der Organisation Erdöl exportierender LÀnder (OPEC), der Organisation arabischer Erdöl exportierender LÀnder (OAPEC), der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) und der Arabischen Liga, der Bewegung der Blockfreien Staaten sowie der Gemeinschaft der Sahel-Saharanischen Staaten SAD-CEN.

In den 25 Jahren zwischen 1969 und 1994 gingen von Libyen zahlreiche Vereinigungsversuche mit arabischen und afrikanischen Staaten aus.

Eine Reihe von Staaten, beispielsweise der Großteil der westeuropĂ€ischen Staaten, Australien, Kanada, Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate erkannten den Übergangsrat als einzige legitime Vertretung des libyschen Volkes an und entsandten diplomatische Vertreter nach Bengasi. Die USA beorderten bisher nur einen stĂ€ndigen Vertreter nach Bengasi, die EuropĂ€ische Union eröffnete dort ein VerbindungsbĂŒro und die Arabische Liga nahm GesprĂ€che mit dem Übergangsrat auf.

Am 3. August 2011 gab die US-Regierung bekannt, eine Botschaft des libyschen Übergangsrates in Washington D.C. einzurichten. Ferner gibt es Planungen, dass den AufstĂ€ndischen 13 Millionen US-Dollar von gesperrten Konten der bisherigen libyschen FĂŒhrung zur VerfĂŒgung gestellt werden. Zuvor war im MĂ€rz 2011 die Botschaft Libyens geschlossen worden. Auch das Vereinigte Königreich hatte die diplomatischen Vertreter Libyens ausgewiesen. Die Afrikanische Union, deren wichtigster GrĂŒnder und Spender Gaddafi war, hat eine gemeinsame Anerkennung des Rates zunĂ€chst zurĂŒckgewiesen, auch wenn die Mehrzahl dessen Mitglieder die Anerkennung bereits offiziell vollzogen hat. Als Nachfolger des geflohenen libyschen Botschafters in Deutschland, Dschamal al-Barag, nominierte der Nationale Übergangsrat Ali Masednah Idris el-Kothany, der bis dahin als Arzt in Hof (Saale) gelebt hatte.

Am 16. September 2011 entschied die UN-Vollversammlung, dass von nun an der Nationale Übergangsrat Libyen bei den Vereinten Nationen vertritt.

Beziehungen zu afrikanischen Staaten

Libyen unterstĂŒtzte seit der Revolution von 1969 afrikanische UnabhĂ€ngigkeitsbewegungen, beispielsweise in den damaligen portugiesischen Kolonien Angola und Guinea-Bissau gegen das diktatorische Estado Novo Regime. Auch unterhĂ€lt Libyen zu fast allen afrikanischen Staaten gute Beziehungen, in so gut wie allen HauptstĂ€dten existieren Botschaften und es unterstĂŒtzt viele Regierungen sehr armer LĂ€nder mit Budgethilfen, aber auch mit sozialen und technologischen Projekten, zum Beispiel einem panafrikanischen Satelliten. Gaddafi propagierte stets eine inter-afrikanische (wie auch inter-arabische) SolidaritĂ€t, so wurde schon die frĂŒhere Organisation fĂŒr Afrikanische Einheit politisch und finanziell unterstĂŒtzt. Aufgrund ihrer politischen Erfolglosigkeit regte Gaddafi die GrĂŒndung der Afrikanischen Union an, was 2002 umgesetzt wurde. Libyen finanzierte viele Institutionen der AU und Gaddafi wurde 2009 zu deren PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Der GrĂŒndungsvertrag orientiert sich an der EU, so enthĂ€lt dieser auch ErklĂ€rungen zur Einhaltung der Menschenrechte und zur SouverĂ€nitĂ€t der Mitgliedsstaaten. Diese beiden AnsprĂŒche konnten jedoch schon lange vorher nicht immer miteinander in Einklang gebracht werden, beispielsweise daran zu sehen, dass Libyen unter Gaddafi notorisch Menschenrechte verletzte. Andererseits unterstĂŒtzte Libyen Regimegegner im benachbarten Tschad im Jahr 1983, jedoch erfolglos, da französische FremdenlegionĂ€re dem Diktator HissĂšne HabrĂ© halfen (dessen Regierungszeit von erheblichen Menschenrechtsverletzungen geprĂ€gt war) und die libyschen Truppen aus fast allen besetzten Gebieten vertrieben. Auch wurde die Polisario, deren beanspruchtes Gebiet, die Westsahara, völkerrechtswidrig von Marokko besetzt ist, von Libyen politisch unterstĂŒtzt.

In Libyen erhielten Angehörige anderer afrikanischer Staaten recht problemlos eine Aufenthaltsgenehmigung, so dass der Anteil an Gastarbeitern relativ hoch war. Im September 2000 kam es allerdings zu Pogromen libyscher Arbeitsloser gegen afrikanische Gastarbeiter. Daraufhin wurden im folgenden Januar 331 mutmaßliche TĂ€ter angeklagt. Ähnliche Pogrome gab es auch zu Beginn des BĂŒrgerkrieges 2011, da Gaddafi nachweislich fremde Söldner aus vielen afrikanischen Staaten anheuerte, um den Aufstand niederzuschlagen.

Seit dem Sturz Gaddafis 2011 setzte eine leichte AbkĂŒhlung der Beziehungen zu den afrikanischen Staaten ein, da die neue Regierung Gaddafis Prestigeprojekt, der AU, nicht lĂ€nger als bedeutender Geldgeber zur VerfĂŒgung steht. Auch wenn die Mehrzahl der afrikanischen Staaten den Nationalen Übergangsrat bereits als legitime Übergangsregierung anerkannt hatte, lehnte die AU es ab, den NTC offiziell anzuerkennen.

Beziehungen zu westlichen Staaten

Das von Libyens Außenpolitik ĂŒber Jahrzehnte vertretene Streben nach arabischer Einheit stand in Zusammenhang mit einer ausgeprĂ€gten und aggressiven Feindschaft zu Israel und zu den USA, denen von den arabischen Staaten HegemonialansprĂŒche vorgeworfen werden. Gaddafi versuchte, auch andere afrikanische Regierungen zu einer ablehnenden Haltung gegenĂŒber Israel zu bringen, was ihm in den 80er Jahren teilweise auch gelang. Auch wegen der UnterstĂŒtzung Libyens fĂŒr antiisraelische und antiamerikanische Terrorgruppen verschlechterte sich das VerhĂ€ltnis zu den USA.

Nach der Versenkung zweier libyscher Kriegsschiffe durch die US-Marine in der Operation Attain Document im MĂ€rz 1986 und dem im Gegenzug von libyscher Seite organisierten Bombenanschlag auf die Berliner Diskothek La Belle am 5. April 1986 bombardierte die US-amerikanische Luftwaffe in der Nacht vom 14. zum 15. April 1986 in der Operation El Dorado Canyon die beiden grĂ¶ĂŸten libyschen StĂ€dte Tripolis und Bengasi. Nach umstrittenen Angaben der libyschen Regierung soll dabei Gaddafis Adoptivtochter Hana ums Leben gekommen sein, es wird jedoch vermutet, dass diese noch lebt.

Nach dem als Vergeltung fĂŒr diese LuftschlĂ€ge vonseiten Libyens verĂŒbten Lockerbie-Anschlag auf eine US-amerikanische Passagiermaschine im Dezember 1988 und der libyschen Weigerung, die beiden tatverdĂ€chtigen Geheimdienstagenten an die britische Justiz auszuliefern, verhĂ€ngte der UN-Sicherheitsrat 1993 eine Reihe von Sanktionen gegen das Land, die erst nach dem Einlenken Gaddafis und der Überstellung der beiden TatverdĂ€chtigen an den Internationalen Strafgerichtshof im Jahre 1999 wieder gelockert wurden.

In allen FÀllen, in denen Libyen terroristische AnschlÀge zur Last gelegt wurden, tauchten erhebliche Zweifel an seiner TÀterschaft auf. Im Fall der Diskothek La Belle deuteten Ermittlungsergebnisse auf eine Beteiligung Syriens hin, wie die West-Berliner Polizei und das State Departement 1988 mitteilten. In den FÀllen Lockerbie und UTA-Flug 772 gibt es ebenfalls Hinweise auf eine TÀterschaft Syriens, Irans oder der palÀstinensischen PFLP-GC. Libyen wurde danach belastet, weil die USA, das Vereinigte Königreich und Frankreich eine Konfrontation mit diesen beiden Staaten vor dem Zweiten Golfkrieg scheuten.

Im Zweiten Golfkrieg 1990 stellte sich Libyen auf die Seite des Irak.

Im August 2000 vermittelte Libyen bei islamischen Terroristen auf den Philippinen die Freilassung gefangener westlicher Geiseln.

Nach den TerroranschlĂ€gen am 11. September 2001 verurteilte Gaddafi die Gewaltakte und akzeptierte ausdrĂŒcklich das US-amerikanische Recht auf Selbstverteidigung.

Nach weiteren EingestĂ€ndnissen und EntschĂ€digungszahlungen fĂŒr die Angehörigen der Lockerbie-Opfer sowie der Opfer eines weiteren Bombenanschlags auf ein französisches Verkehrsflugzeug im September 1989 (UTA-Flug 772) wurden die Embargomaßnahmen im September 2003 vollstĂ€ndig aufgehoben. Außerdem erklĂ€rte sich die libysche Regierung zu EntschĂ€digungszahlungen fĂŒr die Opfer des Bombenanschlags auf die Berliner Diskothek La Belle bereit.

Gaddafi versuchte wiederholt, in den Besitz von ABC-Waffen zu gelangen. 1989 deckte die New York Times auf, dass eine westdeutsche Firma in Libyen eine Anlage zur Produktion von Senfgas baute., Unter dem Deckmantel des linksalternativen österreichischen „MOZ“-Verlags, den Gaddafi seit 1984 finanzierte, kauften libysche GeschĂ€ftsleute in Österreich große Mengen von Chemikalien, die fĂŒr die Giftgasproduktion verwendbar waren. Bei Beginn des BĂŒrgerkrieges 2011 befanden sich immer noch erhebliche Mengen Senfgas in libyschen Arsenalen. Seit Mitte der 1990er Jahre versuchte Gaddafi auch, in den Besitz von Atomwaffentechnologie zu gelangen. UnterstĂŒtzt wurde er dabei von Abdul Kadir Khan, dem „Vater des pakistanischen Atomprogramms“. Im Oktober 2003 wurde ein nach Libyen fahrendes deutsches Schiff, die „BBC China“ aufgebracht. An Bord befand sich nukleare Technologie, unter anderem 1000 Zentrifugen zur Urananreicherung. Im Dezember 2003 erklĂ€rte Gaddafi daraufhin den Verzicht Libyens auf Massenvernichtungswaffen und ließ Anfang 2004 zahlreiche Komponenten fĂŒr chemische Waffen vernichten. Am 10. MĂ€rz 2004 unterzeichnete Libyen außerdem das sogenannte Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag und rĂ€umte damit der Internationalen Atomenergie-Organisation umfassende Kontrollmöglichkeiten der Nuklearanlagen des Landes ein, woraufhin Frankreich, Großbritannien und im Mai 2006 auch die Vereinigten Staaten wieder diplomatische Beziehungen mit Libyen aufnahmen und es fortan nicht mehr der Gruppe der sogenannten Schurkenstaaten zuordneten. Stattdessen wurde Libyen in der Folgezeit ein begehrter Partner bei der BekĂ€mpfung illegaler Einwanderung vor allem nach Italien, was auch ein DrĂ€ngen der europĂ€ischen Staaten auf Aufhebung des Waffenembargos gegen Libyen nach sich zog.

Am 17. Juli 2007 endete der international kritisierte, teilweise als politisch angesehene HIV-Prozess in Libyen gegen fĂŒnf bulgarische Krankenschwestern und einen palĂ€stinensischen Arzt nach sieben Jahren mit der Ausreise der Angeklagten in ihre HeimatlĂ€nder. 2008 kam es nach der Verhaftung von Gaddafis Sohn Hannibal im Kanton Genf zu einer diplomatischen Verstimmung zwischen Libyen und der Schweiz, in dessen Verlauf Gaddafi der Schweiz den Dschihad erklĂ€rte.

Seit dem Sturz Gaddafis beginnt unter der Übergangsregierung eine außenpolitische Öffnung des Landes, insbesondere gegenĂŒber den westlichen Staaten, da diese beim Sturz des Regimes geholfen hatten.

MilitÀr und Polizei

Die StreitkrĂ€fte Libyens bestanden 2010 aus rund 119.000 Mann, wobei das Heer 50.000, die Luftwaffe 18.000 und die Marine 8.000 Mann unterhielt. 25.000 Soldaten waren zu dem Zeitpunkt Wehrpflichtige. Als Reserve dienten 40.000 Mann als Volksmiliz. Über den Einsatz entschied der Volksausschuss fĂŒr Verteidigung. 3.000 Mann gehörten der paramilitĂ€rischen Revolutionsgarde (Libysche Revolutionsgarde) an, die direkt RevolutionsfĂŒhrer Muammar al-Gaddafi unterstellt waren.

Die LuftschlĂ€ge der internationalen Koalition im Jahr 2011 zerstörten große Teile der Marine und der Luftwaffe sowie der gepanzerten Bodenfahrzeuge Libyens. Die instabile Sicherheitslage wĂ€hrend des BĂŒrgerkrieges fĂŒhrte außerdem dazu, dass der Großteil der Bevölkerung Waffen trug.

Seit dem Ende des BĂŒrgerkrieges stehen weite Teile des Landes unter der Kontrolle von Revolutionsbrigaden, die sich nicht dem Nationalen Übergangsrat unterstellen. Der neue Verteidigungsminister Usama al-Dschuwaili will diese Einheiten in die regulĂ€ren libyschen StreitkrĂ€fte, die Polizei und andere Einrichtungen der neuen Regierung integrieren. Der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abdul Dschalil, hofft, dass bis Anfang April 2012 70–80 % der RevolutionĂ€re integriert sein werden. Im November 2011 hatten Vertreter der Brigaden erklĂ€rt, sie wollten ihre Waffen so lange behalten, bis es eine neue, aus Wahlen hervorgegangene legitime Regierung gebe. Eine weitere Schwierigkeit bei der Integration der Revolutionsbrigaden stellt die desolate Lage bei den Staatsfinanzen dar. 2013 blockierten einige Milizen das Außen- und Justizministerium, da in diesen ehemalige AnhĂ€nger Gaddafis arbeiten. Die Regierung lenkte daraufhin ein und erließ ein Gesetz, welches ehemaligen AnhĂ€ngern Gaddafis verbietet, fĂŒr die Regierung zu arbeiten.

Verwaltungsgliederung

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind (Stand 2007): Tripolis 1.780.000 Einwohner, Bengasi 650.629 Einwohner, Misrata 386.120 Einwohner, al-Aziziyya 287.407 Einwohner, Tarhuna 210.697 Einwohner und al-Chums 201.943 Einwohner.

Die klassischen drei Regionen Libyens sind Tripolitanien, Fezzan und Cyrenaika. In dieser Form war Libyen bis 1963 geteilt. 1928 zĂ€hlten die italienischen Kolonisatoren in Tripolitanien 596.000 und in der Cyrenaika 195.000 Menschen, der Fessan wurde damals teilweise von Frankreich und Großbritannien verwaltet und nicht gesondert gezĂ€hlt. Nach Angaben von 2004 lebten in Tripolitanien 63,7 %, in Fezzan 7,8 % und in der Cyrenaika 28,5 % der Einwohner des Landes.

Aktuelle Gliederung

Im Jahre 2007 fand die letzte Gebietsreform statt, in der die 32 SchaÊżbiyyat / ŰŽŰčŰšÙŠŰ§ŰȘ / ĆĄaÊżbÄ«yāt /‚Munizipien‘ (Einzahl: ŰŽŰčŰšÙŠŰ©, DMG ĆĄaÊżbÄ«ya ‚Munizip‘) durch 22 SchaÊżbiyyat ersetzt wurden.

Gliederung 2001–2007

Bis 2007 gab es in Libyen 32 Munizipien. Der arabische Begriff fĂŒr eine libysche Verwaltungseinheit ist Scha’biya (Plural: Sha’biyat, englisch: Popularate). Bis 1983 wurde Libyen in zehn Gouvernements eingeteilt, seitdem fanden sehr oft Territorialreformen statt, so

  • 1983: Gliederung in 46 Distrikte
  • 1987: Gliederung in 25 Baladiya
  • 1995: Gliederung in 13 Baladiya
  • 1999: Gliederung in 26 Schabiya
  • 2001: Gliederung in 32 Schabiya
  • 2007: Gliederung in 22 Schabiya

Wirtschaft

Die libysche Wirtschaft war stark geprĂ€gt von planwirtschaftlichen Elementen mit Importverboten, Preiskontrollen und staatlich kontrollierter Verteilung. Seit der Revolution 1969 wurden sozialpolitische Maßnahmen ergriffen; Subventionierung der Grundnahrungsmittel, von Strom, Benzin und Gas, Wohnungsbauprogramme, Erhöhung der Mindestlöhne, seit 1973 Beteiligung der Arbeitnehmer an den Unternehmensgewinnen. Seit 1992 wurden allerdings verstaatlichte Immobilien wieder privatisiert. In der Folge dieser sozialpolitischen Maßnahmen war Libyen das Land mit dem geringsten WohlstandsgefĂ€lle Afrikas. Der Bildungssektor wurde aufgebaut, es besteht Schulpflicht vom 6. bis 15. Lebensjahr, Schulbesuch ist kostenlos.

Ab 2002 verfolgte die libysche Regierung unter Muammar al-Gaddafi einen vorsichtigen Kurs der Liberalisierung, der sich in einem deutlich steigenden Wachstum bemerkbar machte. So lag das reale Wirtschaftswachstum seit 2003 regelmĂ€ĂŸig ĂŒber 5 %. 2005 betrug das reale Wachstum 6,3 %, das vorlĂ€ufige Wachstum 2006 wurde mit 5,6 % angegeben, fĂŒr 2007 wurden 9,2 % geschĂ€tzt und fĂŒr 2008 wurden 8,8 % erwartet. Nicht zuletzt die deutliche Zunahme des Ölpreises erlaubte es der Regierung, die Reformen zu beschleunigen. Ende MĂ€rz 2007 wurde in Bengasi die erste Börse Libyens eröffnet. Die Regierung privatisierte die staatliche Sahara-Bank und beschloss weitere Privatisierungsmaßnahmen in der Wirtschaft. Libyen war gegen Ende der Gaddafi-Ära das reichste Land Afrikas, seit dem Beginn der AufstĂ€nde und des darauf folgenden BĂŒrgerkrieges hat sich das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf allerdings halbiert.

Da das Land ĂŒber reiche Erdölvorkommen verfĂŒgt, entstanden 70 % des BIP im Jahr 2005 durch Erdöl und Erdgas. Alle anderen Wirtschaftszweige spielten dementsprechend eine untergeordnete Rolle: Landwirtschaft 2,9 %, Bergbau 0,8 %, verarbeitendes Gewerbe 1,4 %, ElektrizitĂ€t, Gas, Wasser 0,7 %, Bau 3,3 %, Handel, Hotellerie und GaststĂ€ttengewerbe 5,3 %, Transport, Lagerhaltung und Kommunikation 3,7 %, öffentliche Dienstleistungen 8,6 %.

Die Arbeitslosenquote wurde 2004 mit 30 % angegeben. Die Inflationsrate lag 2008 bei 10,4 %, 2009 bei 2,0 %. Mit einem Index der menschlichen Entwicklung von 0,784 gilt Libyen (auch nach Beginn des BĂŒrgerkriegs im Jahr 2011) laut den Vereinten Nationen als der höchstentwickelte Staat des afrikanischen Kontinents.

Nach der libyschen Revolution 2011 und dem Sturz des Gaddafiregimes plante die neu gewĂ€hlte Übergangsregierung die Scharia bis 2015 einzufĂŒhren. Zinsen sollten demnach verboten werden. Am 12. Oktober 2013 entfĂŒhrten regierungsnahe Milizen im Streit ĂŒber die Verteilung der finanziellen Mittel in Libyen den Premier Ali Seidan.

Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Libyen Platz 134 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018).

Landwirtschaft

In den wenigen landwirtschaftlich nutzbaren Gegenden an der KĂŒste werden vor allem Weizen, Gerste, GemĂŒse, Oliven, Mandeln, ZitrusfrĂŒchte und Datteln angebaut. Trotz der geringen landwirtschaftlichen NutzflĂ€che hat Libyens Dattelanbau an der Weltproduktion einen Anteil von 2–5 %. Auch der Olivenanbau hat an der Weltproduktion einen Anteil von 1–3 % (Stand 2006). Die Regierung forcierte zudem bereits in den 2000er-Jahren eine BewĂ€sserung von Feldern in der WĂŒste, die von vielen Umweltgruppen als umweltschĂ€dlich kritisiert wird.

Industrie

Libyen hat die grĂ¶ĂŸten Erdölreserven Afrikas. Daher basiert die weitgehend verstaatlichte Wirtschaft Libyens auf den reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen.

Die grĂ¶ĂŸten Zementfabriken Libyens sind die Werke von LCC und ACC. Nach Beendigung des US-Embargos im Jahre 2004 wurden in Libyen Niederlassungen von ABB, Siemens und von anderen internationalen Firmen wieder geöffnet. Aufgrund der Erdölförderung befinden sich vor allem an den KĂŒstengebieten zahlreiche Raffinerien. Außerdem gibt es Textil- und Nahrungsmittelindustrie.

Im August 2013 ging die Ölförderung in Libyen auf ein geschĂ€tztes Tief von 300.000 Barrel Erdöl pro Tag zurĂŒck.

Außenhandel

Exporte im Jahre 2010 wurden laut dem CIA Factbook (nach Italien 32 %, Volksrepublik China 9 %, Spanien 9 %, Deutschland 8 %, und USA 5 %) in Höhe von 41,9 Mrd. US-$ erzielt. Unter dem Markennamen Tamoil betreibt Libyen in Deutschland, Italien und der Schweiz eigene Raffinerien und gleichnamige Tankstellennetze. Die weitere Industrie ist auf den Chemie-, Textil-, Möbel- und Baustoffsektor beschrÀnkt.

EingefĂŒhrt (aus Italien 16,3 %, China 10,3 %, TĂŒrkei 10 %, Frankreich 6,8 %, Deutschland 6 %, Ägypten 6 %, Republik Korea 6 % und Tunesien 4 %) wurden Maschinen, Nahrungsmittel, Eisen und Stahl sowie Kraftfahrzeuge im Gesamtwert von 24,3 Mrd. US-$.

Tourismus

Aufgrund der politischen Isolation in der Vergangenheit ist der Tourismus unbedeutend, hat aber großes Potential. Bisher nur spĂ€rlich besuchte Touristenziele wie die antiken StĂ€dte Leptis Magna, Sabrata und Kyrene, berĂŒhmte OasenstĂ€dte wie Ghadames sowie viele mesolithische Felsmalereien in der sĂŒdlichen WĂŒste könnten von der neuerlichen politischen Öffnung des Landes profitieren.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 13,7 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 5,8 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 23,8 % des BIP. Das Haushaltsdefizit war damit in Relation zur Wirtschaftsleistung gesehen das weltweit höchste. Libyen verfĂŒgte im Dezember 2015 noch ĂŒber Devisenreserven in Höhe von 70 Milliarden Dollar.

Die Staatsverschuldung betrug 2009 4 Mrd. US-Dollar oder 6,5 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheitssystem: 2,4 %
  • Bildungssystem: 2,7 % (1999)
  • MilitĂ€r: 3,9 % (2005)

Am 30. Januar 2012 warnte der IWF, die Regierungsfinanzen seien in einem „gefĂ€hrlichen“ Zustand. Im Budget fĂŒr das Jahr 2012 gibt es ein Defizit von 10 Mrd. US-Dollar, die Regierung hat Schwierigkeiten, die GehĂ€lter zu zahlen und Energie-Rechnungen zu begleichen. Laut dem Vorsitzenden des Übergangsrates betrugen die EinkĂŒnfte aus dem ÖlgeschĂ€ft in den vorangegangenen fĂŒnf Monaten nur 5 Mrd. US-Dollar, die Kosten fĂŒr GehĂ€lter und Energie betrĂŒgen pro Jahr aber 14 Mrd. US-Dollar. Von den durch die Sanktionen eingefrorenen und wieder freigegebenen 100 Mrd. US-Dollar seien erst 6 Mrd. US-Dollar wieder im Land; man arbeite daran, auch den Rest zu erhalten. Gleichzeitig bereite man zusammen mit den lokalen RĂ€ten die organisatorischen Strukturen vor, damit öffentliche Angestellte bezahlt werden könnten, sobald das Geld da sei. Man rechne damit, dass dieser Prozess bis zum 17. Februar 2012 abgeschlossen sei.

Am 6. Februar 2012 wurde bekannt, dass mehrere Millionen Dollar aus dem eingefrorenen und mittlerweile wieder freigegebenen Vermögen der Familie Gaddafi von korrupten Offiziellen der neuen Regierung gestohlen und in Koffern ĂŒber HĂ€fen außer Landes geschmuggelt wurden. Finanzminister Hassan Siglam drohte mit seinem RĂŒcktritt, falls die Regierung nicht entweder die Kontrolle ĂŒber die HĂ€fen ĂŒbernimmt oder den RĂŒckfluss der eingefrorenen Gelder suspendiert.

Infrastruktur

Verkehr

Libyen verfĂŒgt ĂŒber HĂ€fen in Tobruk (Naturhafen), Tripolis, Bengasi, Misurata, Mersa Brega sowie ĂŒber mehrere ErdölverschiffungshĂ€fen.

Als internationale FlughÀfen gibt es den Tripoli International Airport, den Flughafen Mitiga und den Flughafen Bengasi.

Das Land hat mit etwa 47.600 km asphaltierten Straßen und etwa 35.600 km Pisten eine fĂŒr die Region vergleichsweise sehr gute Infrastruktur.

Zwei existierende Schmalspurstrecken in Tripolis und Bengasi wurden 1965 eingestellt. Aktuell wird in Libyen ein völlig neues Schienennetz in Normalspur errichtet, das langfristig kĂŒstennah die LĂŒcke im Schienennetz Nordafrikas zwischen Tunesien und Ägypten schließen soll. ZunĂ€chst wird der Abschnitt zwischen Sirte und Bengasi zweigleisig gebaut, auf dem zuerst dieselgetriebene ZĂŒge verkehren sollen; spĂ€ter soll die Strecke elektrifiziert werden. Die Strecke soll mit ETCS ausgerĂŒstet werden. Neben der KĂŒstenbahn wird eine fast 1.000 km lange Strecke in Richtung Niger gebaut.

Libyen hatte 2013 weltweit die höchste Anzahl an Verkehrstoten in Relation zur Einwohnerzahl.

BewÀsserung

1984 begann Libyen mit der systematischen Förderung der eiszeitlichen SĂŒĂŸwasservorkommen in der Sahara. Mit dem Great-Man-Made-River-Projekt startete das bisher grĂ¶ĂŸte SĂŒĂŸwasserprojekt der Welt. Damit möchte sich das Land nicht nur von Lebensmittelimporten unabhĂ€ngig machen, sondern auch zu einem Agrarexportstaat werden. Laut Gaddafi gibt es zum GMMR-Projekt fĂŒr die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung keine Alternative. Fraglich ist jedoch die mittelfristige Kostenentwicklung angesichts der enormen Bau- und Wartungskosten. Unstrittig ist, dass das GMMR-Projekt eine gewaltige Bildungs- und Infrastrukturmaßnahme darstellt und Libyens ökonomische StabilitĂ€t nach Versiegen der Ölquellen gewĂ€hrleistet, wobei bis heute ungewiss ist, wie groß die unterirdischen SĂŒĂŸwasservorkommen sind und somit die Dauer und das Funktionieren des Projekts. Durch den Sturz Gaddafis und die MachtĂŒbernahme der Rebellen 2011 ist die FortfĂŒhrung dieser Politik nun jedoch fraglich.

Atomprogramm

In den 1970er Jahren wollte Libyen einen Reaktor von der Sowjetunion kaufen und das Kernkraftwerk Sirt bauen lassen. Die Planungen wurden jedoch gestoppt.

In der Folge arbeitete auch Libyen an der Entwicklung eigener Nuklear(waffen)technik. So gestand Abdul Kadir Khan, der „Vater der islamischen Atombombe“ und Chefentwickler des pakistanischen Atomwaffenprogramms, 2004 gegenĂŒber dem pakistanischen Geheimdienst, in der Vergangenheit auch Libyen mit geheimen AtomwaffenplĂ€nen versorgt zu haben.

Nachdem der libysche Staatschef Gaddafi im Dezember 2003 den Verzicht des Landes auf Massenvernichtungswaffen erklÀrt hatte, rÀumte Libyen mit der Unterzeichnung des sogenannten Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag am 10. MÀrz 2004 der Internationalen Atomenergie-Organisation umfassende Kontrollmöglichkeiten der Nuklearanlagen des Landes ein.

Im Juli 2007 unterzeichneten Gaddafi und der damalige französische StaatsprĂ€sident Nicolas Sarkozy eine AbsichtserklĂ€rung ĂŒber den Bau eines Kernkraftwerks.

Telekommunikation

Der Telekommunikationssektor untersteht vor allem der 1984 gegrĂŒndeten staatlichen Gesellschaft General Posts and Telecommunications Company (GPTC), welche noch bis zum Ausbruch des BĂŒrgerkrieges von Gaddafis Ă€ltestem Sohn Mohammed gefĂŒhrt wurde.

Die Anzahl der FestnetzanschlĂŒsse im Land stieg von 105.000 AnschlĂŒsse im Jahr 1974 auf 1,28 Millionen im Jahr 2009 an. Die beiden grĂ¶ĂŸten StĂ€dte Tripolis und Bengasi sind seit 1971 durch ein Seekabel miteinander verbunden, 1999 wurde eine Glasfaserkabelverbindung entlang der KĂŒste zwischen Zuwara und Tobruk von Alcatel installiert. Weiterhin bestehen internationale Verbindungen nach Italien, Malta und Frankreich sowie eine direkte Telefonverbindung nach Tunesien. Ein geplantes Seekabel zwischen Libyen und Griechenland war fĂŒr 2011 geplant, die Vollendung des Projektes verzögerte sich aber aufgrund des BĂŒrgerkrieges, die Fertigstellung erfolgte dann im Januar 2013.

Seit 1997 existiert im Land ein Mobilnetzwerk. 2009 hatte das Land 10,9 Millionen Nutzer, verteilt auf die beiden Gesellschaften al-Madar und Libyana. Als die Regierung zu Beginn der AufstĂ€nde im Februar 2011 die Verbindungen zum Osten des Landes abschaltete, ĂŒbernahmen Aktivisten im April 2011 Teile des Libyana-Netzes und grĂŒndeten eine eigene Gesellschaft, welche sie Libyana al Hura (Freies Libyana) nannten.

In Libyen gibt es aktuell zahlreiche Internetprovider. Im Jahr 2017 nutzten 22 Prozent der Einwohner Libyens das Internet.

Literatur

  • Anne-BĂ©atrice Clasmann: Der arabische (Alb-)Traum. Aufstand ohne Ziel. 2. Auflage. Passagen Verlag, Wien 2016, ISBN 978-3-7092-0217-3 (Passagen Thema), S. 151–176.
  • Peter Cole, Brian McQuinn (Hrsg.): The Libyan Revolution and its Aftermath. Hurst, London 2015, ISBN 978-1-84904-309-0. (Rezension in: The New York Review of Books, 19. Februar 2015; englisch)
  • Kurt Pelda: Gaddafis VermĂ€chtnis: Waffen, Öl und die Gier des Westens. Orell FĂŒssli, ZĂŒrich 2012.
  • Paolo Sensini: Es war einmal Libyen (mit einem Vorwort von G. Martinelli, Bischof von Tripolis). Zambon Verlag, Frankfurt a. M. 2012, ISBN 978-3-88975-202-4.
  • Fritz Edlinger (Hrsg.): Libyen: HintergrĂŒnde, Analysen, Berichte. Promedia, Wien 2011, ISBN 978-3-85371-330-3.
  • Joachim Willeitner: Libyen. Tripolitanien, Syrtebogen, Fezzan und die Kyrenaika (Du-Mont-Kunst-ReisefĂŒhrer), DuMont-Reiseverlag, 4., aktualisierte Auflage, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-7701-4876-9.
  • Fritz Edlinger, Erwin Ruprechtsberger (Hrsg.): Libyen: Geschichte – Landschaft – Gesellschaft – Politik. Promedia, Wien 2010, ISBN 3-85371-307-6.
  • John Wright: A History of Libya. Hurst C & Co Publishers 2010, ISBN 1-84904-041-9.
  • Jacqueline Passon: Zwischen KulturstĂ€tten und WĂŒstensand – Libyen öffnet sich fĂŒr den Tourismus. Mensch-und-Buch-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86664-542-4.
  • Florian Harms: Libyen. Land zwischen Wasser und WĂŒste. BrandstĂ€tter, Wien 2006.
  • Ines Kohl: Tuareg in Libyen. Reimer, Berlin 2006.
  • Dirk Vandewalle: A History of Modern Libya. Cambridge University Press, 2006, ISBN 0-521-61554-2, 2. Auflage Paperback: Cambridge University Press 2012, ISBN 978-1-107-61574-8.
  • Ali Abdullatif Ahmida: The Making of Modern Libya: State Formation, Colonization, and Resistance, 1830–1932. (Suny Series in the Social and Economic History of the Middle East) State University of New York Press, 1994, ISBN 0-7914-1762-X.
  • Burchard Brentjes: Die Mauren. Der Islam in Nordafrika und Spanien (642–1800). Koehler & Amelang, Leipzig 1989, ISBN 3-7338-0088-5.
  • Burchard Brentjes: Libyens Weg durch die Jahrtausende. Urania-Verlag, Leipzig 1982, Best.-Nr.: 6537209.

Weblinks

  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Libyen
  • Libya: Cultural-Historical Zones, Michael Izady, Gulf/2000 Project, School of International and Public Affairs, Columbia University, New York City, 2015–17 (engl.)
  • Analyse der politischen und wirtschaftlichen Situation nach dem BĂŒrgerkrieg, 22. Dezember 2011.
  • Underground „Fossil Water“ Running Out von Brian Handwerk, National Geographic, 6. Mai 2010 (englisch).
  • Libya turns on the Great Man-Made River von Marcia Merry, gedruckt im Executive Intelligence Review, September 1991 (englisch).
  • Einheitskabinett in Tripolis – Libysche Regierung ringt um Kontrolle. In: Tagesschau.de, 29. April 2016.

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (0)

Abk Name O
LY.AJ Ajdabiya  
LY.BU Al Butnan  
LY.HZ Al Hizam Al Akhdar  
LY.JA Al Jabal al Akhdar  
LY.JI Al Jifarah  
LY.JU Al Jufrah  
LY.KF Al Kufrah  
LY.MB Al Marqab  
LY.QB Al Qubbah  
LY.NQ An Nuqat al Khams  
LY.SH Ash Shati'  
LY.ZA Az Zawiyah  
LY.BW Bani Walid  
LY.BA Benghazi  
LY.GD Ghadamis  
LY.GT Ghat  
LY.MI Misratah  
LY.MZ Mizdah  
LY.MQ Murzuq  
LY.SB Sabha  
LY.SR Surt  
LY.TN Tajura' wa an Nawahi al Arba  
LY.MB Tarhunah  
LY.YJ Yafran-Jadu  
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Flagge: Libya

Name englisch: Libya
Hauptstadt: Tripolis
Kfz: LAR
ISO: LY
ISO3: LBY
Fläche: 1759540 km²
Tld: .ly
Wärung Einheit: LYD
Währung: Dinar
Vorwahl: 218

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 33.1667871
südlichster Punkt: 19.5004298
westlichster Punkt: 9.3914664
östlichster Punkt: 25.146954


 
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