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Staat Informationen : Tschad

Informationen:


Die Republik Tschad [tʃat, tʃaːt] (arabischÂ ŰŹÙ…Ù‡ÙˆŰ±ÙŠÙ‘Ű© ŰȘێۧۯ, französisch RĂ©publique du Tchad [tʃad]) ist ein Binnenstaat in Zentralafrika. Sie grenzt im Norden an Libyen, im Osten an den Sudan, im SĂŒden an die Zentralafrikanische Republik und im Westen an Niger, Nigeria und Kamerun. Das Land, dessen Norden Teil der WĂŒste Sahara ist, ist relativ dĂŒnn besiedelt. Neben der grĂ¶ĂŸten Stadt des Landes, der Hauptstadt N’Djamena, sind Moundou, AbĂ©chĂ© und Sarh grĂ¶ĂŸere StĂ€dte des Landes.

Der weitĂŒberwiegende Teil der Bewohner arbeitet in der Landwirtschaft. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt trotz der Öleinnahmen des Landes unterhalb der Armutsgrenze. Seit mehr als 20 Jahren ist der Index der menschlichen Entwicklung des Landes einer der niedrigsten der Welt.

Die ehemalige französische Kolonie ist eine prĂ€sidentielle Republik. Staats- und Regierungschef PrĂ€sident Idriss DĂ©by war seit 1990 bis zu seinem Tod 2021 an der Macht. Nach mehreren politischen Indizes ist der Staat autoritĂ€r regiert, unfrei und eines der korruptesten LĂ€nder der Welt. Der Fund for Peace sieht aufgrund seines Fragile States Index „großen Alarm“ fĂŒr die StabilitĂ€t des Landes.

Landesname

Der Landesname „Tschad“ kann im Deutschen sowohl im sĂ€chlichen grammatischen Geschlecht („das heutige Tschad“, „in, nach Tschad“) als auch im mĂ€nnlichen Genus („der Tschad, im Tschad“) gebraucht werden. Laut Duden kann fĂŒr den Staat Tschad wahlweise ein Artikel verwendet werden oder nicht. Der Gebrauch des Staatsnamens im mĂ€nnlichen Geschlecht ĂŒberwiegt im allgemeinen Sprachgebrauch. Die Staatsangehörigen werden im Deutschen Tschader bzw. Tschaderin genannt.

Geographie

Der Tschad schließt den östlichen Teil des Tschadbeckens mit dem grĂ¶ĂŸten Teil des Tschadsees ein. Das Becken (inkl. des Sees) nimmt 90 % der LandesflĂ€che ein. Über das Tschadbecken erheben sich im Osten das Hochland von Ennedi (1450 m) und das Wadai-Massiv (1320 m), im Norden erhebt sich das vulkanische Gebirge des Tibesti (3415 m Emi Koussi, höchster Punkt in der Sahara) und das Plateau Erdi-Ma. Im nördlichen Zentrum des Landes liegt der niedrigste Punkt des Landes, die BodĂ©lĂ©-Depression.

Klima

Der Tschad erstreckt sich von den trockenen WĂŒsten der Sahara im Norden, ĂŒber die Klima- und Vegetationszonen des Sahels und des Sudans (Dornstrauch- und Trockensavannen, an den FlĂŒssen auch Überschwemmungssavannen und GaleriewĂ€lder) bis zum Bereich der TrockenwĂ€lder im Ă€ußersten SĂŒden (wegen der landwirtschaftlichen Nutzbarkeit zur Kolonialzeit Tchad utile genannt).

Das Land steht generell unter dem Einfluss des Westafrikanischen Monsuns im Sommer und des Passatwindes Harmattan in den Wintermonaten. Im SĂŒden des Landes herrscht dadurch ein nahezu tropisches, wechselfeuchtes Klima mit bis ĂŒber 1100 mm Niederschlag, wĂ€hrend im Norden WĂŒstenklima mit großen tĂ€glichen Temperaturunterschieden und extrem seltenen NiederschlĂ€gen mit 20 bis 40 mm Niederschlag im Jahr vorherrscht.

Hydrologie

Das Land ist hydrologisch vom Tschadbecken dominiert. Abgesehen von kleineren Bereichen im Norden und Nordosten sowie einem kleinen StĂŒck im Ă€ußersten SĂŒdwesten, fließt aller Niederschlag des Landes dem Tschadsee im SĂŒdwesten des Landes zu. Da die nördliche HĂ€lfte WĂŒstenklima hat, befinden sich alle regelmĂ€ĂŸig wasserfĂŒhrenden GewĂ€sserlĂ€ufe im SĂŒden des Landes. Sie sind im Wesentlichen von der Hydrologie der Zentralafrikanischen Republik und den grĂ¶ĂŸten FlĂŒsse des Landes, dem Schari und dem Logone beeinflusst. Deren Einzugsgebiete erstrecken sich im SĂŒden des Landes bis zur NordĂ€quatorialschwelle und lassen ausgedehnte Feuchtgebiete innerhalb der Savannenlandschaft entstehen.

Im Norden des Landes befinden sich ansonsten nur einige Wadis. Es sind noch FlĂŒsse am Rande des Benue Einzugsgebietes im Ă€ußersten SĂŒdwesten und Wechselwirkungen mit der Hydrologie Nordkameruns zu verzeichnen. Dort befindet sich der ehemalige Abfluss des heute endorheischen Tschadsees; in frĂŒheren Zeiten waren etwa 1/3 des Tschad von dem See geflutet (Mega-Tschad) und alle WasserlĂ€ufe des Landes entwĂ€sserten ĂŒber den Benue in den Niger.

Flora und Fauna

Die Flora und Fauna des Tschads gilt allgemein als wenig erforscht und schlecht dokumentiert. Der Tschad untergliedert sich in drei bioklimatische und fĂŒnf biogeographische Zonen. Die bioklimatischen Zonen sind die Sahara, die Sahel- und die Sudansavannen. Die biogeographischen Zonen bilden die Gebirgsregion des Tibesti, die DĂŒnen- und SteinwĂŒsten der sĂŒdlichen Sahara, die Savannen rund um den Tschadsee und seiner ZuflĂŒsse, die Trockensavannen des Sahel und die Feuchtsavannen des Sudans. Aus dieser Mischung aus den verschiedenen bioklimatischen und biogeographischen Regionen entwickelte sich eine der artenreichsten Flora und Fauna innerhalb der Großregionen des Sahel und Sudans. WĂ€lder zum Beispiel bedeckten 2011 eine FlĂ€che von 11.921.000 Hektar, dies entsprach ca. neun Prozent der LandesflĂ€che; der Waldschwund ist allerdings infolge unkontrollierter bzw. illegaler Abholzung betrĂ€chtlich. Das Volumen der Stand- und FließgewĂ€sser des Tschads wird auf ĂŒber 500 Milliarden Kubikmeter geschĂ€tzt, das Volumen des Tschadsees betrug 1992 ca. 18 Milliarden Kubikmeter.

Bis 2007 konnten im Tschad bis 4318 Pflanzenarten und 722 Tierarten dokumentiert werden. Davon sind 71 Pflanzen-, 4 SĂ€ugetier-, 1 Reptilien-, 1 Vogel- und 16 Fischarten endemisch und nur aus dem Tschad bekannt. Drei im Tschad vorkommende Schildkrötenarten stehen auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten, dieses sind die Spornschildkröte (Centrochelys sulcata), die Weichschildkröte Cyclanorbis senegalensis und die Cyclanerbis elegans. 16 Tier- und Pflanzenarten werden von der IUCN als bedrohte Arten eingestuft. Informationen ĂŒber Pilze, Insekten, Flechten, Bakterien und Algen sind nicht oder nur sehr begrenzt verfĂŒgbar. Über die Algenflora sind lediglich intensive Studien ĂŒber den Tschadsee bekannt. In ihm wurden ĂŒber 1000 Algenarten dokumentiert, darunter ĂŒber 100 Phytoplanktonarten. Diese bilden die Nahrungsgrundlage fĂŒr eine reichhaltige Fischfauna, die 136 Arten umfasst. So kommen im Tschad unter anderen der Nilbarsch (Lates niloticus), Raubwelse (Clarias sp.), Afrikanische KnochenzĂŒngler (Heterotis niloticus), Tilapien (Tilapia spp.), Oreochromis niloticus und der Kugelfisch Tetraodon lineatus vor. Außerdem werden in den GewĂ€ssern des Tschad jĂ€hrlich ca. 120.000 Tonnen Fisch gefangen. Von der Avifauna sind 532 Vogelarten dokumentiert. Diese Anzahl umfasst 354 Brutvogel- und 155 Zugvogelarten, von letzteren sind 117 palĂ€arktischen Ursprungs. Die Feuchtgebiete des Tschadsees und entlang der FlĂŒsse Logone, Bahr Aouk und Salamat gehören zu den weltweit bedeutenden Rast- und Überwinterungsquartieren fĂŒr die Zugvögel der nördlichen Erdhalbkugel. Die SĂ€ugetierfauna des Tschads ist sehr reichhaltig und es kommen nahezu alle touristischen Flaggschiff-Tierarten vor. So unter anderen Löwen (Panthera leo), Geparde (Acinonyx jubatus), Giraffen (Giraffa camelopardalis). Die Population des Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana) im Tschad wird auf ca. 3000 Exemplare geschĂ€tzt. Aber auch relativ unbekannte SĂ€ugetiere wie die Riesen-Elenantilope (Taurotragus derbianus) oder das Afrikanische Manati (Trichechus senegalensis) haben im Tschad ihre Heimat. Die westafrikanische Unterart des Spitzmaulnashorns (Diceros bicornis longipes), die einst im Tschad vorkam, gilt heute als ausgestorben. Von den Reptilien sind 52 Arten dokumentiert, darunter befinden sich Steppenwarane (Varanus exanthematicus), Vertreter der Eigentlichen Pythons (Python) und der Nilwaran (Varanus niloticus). Zudem befinden sich im Ennedi-Massiv isolierte Vorkommen des Westafrikanischen Krokodils (Crocodylus suchus). Es handelt sich um Relikte einer einst geschlossenen Verbreitung dieser Art in der Sahara.

Den grĂ¶ĂŸten Teil des Tschads nehmen die hyperariden Gebiete der zentralen und sĂŒdlichen Sahara ein. Diese Gebiete nehmen mehr als 50 % der LandesflĂ€che ein und sind gering besiedelt. GrĂ¶ĂŸere Siedlungen finden sich in dieser Region nur in Gebieten mit oberflĂ€chennahen oder bis an die ErdoberflĂ€che ragenden Grundwasserleitern, den Oasen. Die Bezeichnungen der Landschaft entsprechen dem Landschaftsbild, so werden SanddĂŒnengebiete als Erg, Fels- und SteinwĂŒsten als Hammada bezeichnet. Regen fĂ€llt in dieser Region nur in ein bis zwei Monaten im Jahr. Die Niederschlagsmenge variiert dabei von 25 bis 100 mm pro Jahr. Es kommen in dieser Region weniger als 400 Pflanzenarten vor, jedoch ist die Fauna weit artenreicher als in frĂŒheren Jahrzehnten angenommen. SĂŒdlich der 100 mm Isohyte-Linie verĂ€ndert sich die Vegetation in der sĂŒdlichen Sahara fĂŒr wenige Monate im Jahr. Es handelt sich dabei um eine Übergangszone von der Sahara in die Ökoregion des Sahel, vom WWF wird diese Übergangszone als die SĂŒdsahara-Steppe bezeichnet. Sie findet sich im Tschad im sĂŒdlichen Erg Kanem, in den Regionen der Ouadi Achim-RimĂ©, Fada Archei und dem Gebirgsplateau Wadai. Sie dehnt sich von der 100 zur 200 mm Isohyte-Linie aus und ist im Durchschnitt lediglich 100–300 km breit. Bedingt durch die sommerlichen NiederschlĂ€ge kann sich eine Steppe entwickeln, deren dominante GrĂ€ser der Gattungen Eragrostis, Aristida und Stipagrostis angehören. Durchsetzt ist diese Grassteppe von den KrĂ€uter und StrĂ€uchern der Gattungen Tribulus, Heliotropium und Pulicharia. BĂ€ume finden sich in dieser Ökoregion trotzdem nur an den Wadis und den Gebieten mit oberflĂ€chennahe Grundwasserleitern, wie den Moilo-Seen im Erg Kanem und der Guelta d’Archei.

Eine biogeographische Insellage in der Sahara nimmt das Gebirge des Tibesti ein. Die Flora und Fauna des Gebirges wird allgemein als Relikt aus dem feuchteren Zeitalter des NigĂ©ro-Tschadien angesehen, wobei speziell die Flora angepasst ist an die Höhenlage und dem GefĂ€lle in diesem Gebirge. Die Landschaftsbezeichnungen im Tibesti entstammen dem Arabischen, den Tedaga- und Dazaga-Sprachen. So werden Wadis als Enneri und Berggipfel am Emi bezeichnet. BegĂŒnstigt durch die höheren NiederschlĂ€ge, von 100 bis zu 600 mm pro Jahr, können sich in dieser Ökoregion 568 Pflanzenarten entwickeln, unter anderen Vertreter aus den Gattungen der Schönmalven, Hibiscus, Rhynchosia und Tephrosia. Eine besondere ökonomische Bedeutung haben die Echte Dattelpalme (Phoenix dactylifera) und die Doumpalmen (Hyphaene). Der Endemismus ist jedoch gering, lediglich der Endemit Ficus teloukat, ein Vertreter der Feigen, ist bekannt. Er wĂ€chst an den trockenen sĂŒdlichen BerghĂ€ngen. Die SĂ€ugetierfauna aller drei Ökoregionen Ă€hneln aufgrund der AriditĂ€t einander, so kommen im Tibesti der MĂ€hnenspringer (Ammotragus lervia) und in den beiden anderen die Dorkasgazellen (Gazella dorcas), Damagazellen (Nanger dama), Kaphasen (Lepus capensis), mehrere Arten der RennmĂ€use (Gerbillinae) vor. FĂŒr die SĂ€belantilope (Oryx dammah) war das Gebiet um die Ouadi Achim-RimĂ© das letzte RĂŒckzugsgebiet, sie gilt inzwischen in freier Wildbahn als ausgestorben.

Die Sahelsavannen erstrecken sich generell von der 200 bis zur 600 mm Isohyete-Linie. Es handelt sich bei dieser Savannenform um Trocken- und Dornstrauchsavannen die mit BĂ€umen, hauptsĂ€chlich aus der Gattung der Akazien (Acacia), durchsetzt sind. Aus diesem Grund wird sie vom WWF als Sahel Akazien Savanne bezeichnet. Die Region um den Tschadsee und den firki-Ebenen bilden eigne Biome in der Region des Sahel im Tschad. Im Durchschnitt fallen 250 mm bis 500 mm Regen im Jahr. In den Sahelsavannen bilden die GrĂ€ser Cenchrus biflorus, Schoenefeldia gracilis und Aristida stipoides einen Großteil der pflanzlichen Biomasse, wĂ€hrend die meistverbreiteten Baumarten die Acacia tortilis, Acacia laeta, Commiphora africana, Balanites aegyptiaca und die Boscia senegalensis sind. Der Endemismus ist im Sahel generell gering entwickelt.

Naturschutzgebiete

Im Tschad liegt eines der grĂ¶ĂŸten Naturschutzgebiete des Kontinents, das 77.950 kmÂČ große Naturschutzgebiet Ouadi Rimé–Ouadi Achim. Weitere Schutzzonen der Flora und Fauna sind das Naturschutzgebiet Fada Archei, das Wildtierreservat Binder-LĂ©rĂ©, Sena-Oura-Nationalpark, Nationalpark Manda und der rund 3000 kmÂČ große, im SĂŒdosten gelegene Nationalpark Zakouma. Der Tschad ist Unterzeichner der Ramsar-Konvention, im Zuge der Zusammenarbeit mit der Organisation, der Tschadseebecken-Kommission und dem WWF wurde bis 2008 eine FlĂ€che von 12.405.068 Hektar zu Schutzzonen in Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung erklĂ€rt. Dieses sind die Schutzareale des Fitri-Sees, Plaine de Massenya, Partie tschadienne du lac Tchad, Plaines d’inondation des Bahr Aouk et Salamat, Plaines d’inondation du Logone et les dĂ©pressions Toupouri und das Wildtierreservat Binder-LĂ©rĂ©.

Verwaltungsgliederung

Seit 2012 ist der Tschad in 23 Regionen eingeteilt. Die damals erfolgte Teilung der Nordost-Provinz Ennedi in eine West- bzw. Ost-Verwaltungseinheit (Verwaltungssitz West-Ennedi: Fada; Ost-Ennedi: Am-Djerass) ist in der nebenstehenden Karte noch nicht berĂŒcksichtigt.

StÀdte

Bei der VolkszĂ€hlung 2009 wohnten von 11.039.873 Menschen 2.404.145 (21,8 %) in stĂ€dtischen Siedlungen und 8.635.728 auf dem Land. 2016 lebten 22,6 % der Bevölkerung in StĂ€dten oder stĂ€dtischen RĂ€umen. Die 10 grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind:

Bevölkerung

Die Bevölkerungszahl des Tschad hat sich seit Ende der Kolonialisierung 1910–1912 etwa verzehnfacht. Unter französischer Herrschaft betrug sie 1930 973.600. 1961 lebten in der zu dieser Zeit Fort-Lamy genannten Hauptstadt 94.000 Menschen, im Lande 2,675 Mio. Menschen, die 4,5 Mio. Schafe und 4 Mio. Rinder hielten. Die VolkszĂ€hlung 2009 ergab eine Einwohnerzahl von 11,04 Millionen Menschen. Von den gezĂ€hlten Personen lebten noch etwa 370.000 Menschen nomadisch. Darunter rund 120.000 in der Region Barh El Gazel und in weiteren sechs Regionen jeweils zwischen 20.000 und 33.000 Personen. Unter den erfassten Personen waren ca. 275.000 AuslĂ€ndern, die Mehrzahl FlĂŒchtlinge aus den NachbarlĂ€ndern Sudan (ca. 215.000), Zentralafrikanische Republik (ca. 35.000) und Nigeria (ca. 6.000). Nur rund 3.800 Menschen stammten nicht aus Afrika. Bis 2020 stieg die Einwohnerzahl des Tschad auf knapp 16 Millionen an. Die FertilitĂ€tsrate liegt bei 5,75 Kinder pro Frau und ist seit einem Höchststand 1996 von 7,43 kontinuierlich gesunken. FĂŒr das Jahr 2050 wird laut der mittleren Bevölkerungsprognose der UN mit einer Bevölkerung von knapp 34 Millionen gerechnet.

Gesundheit

Das Gesundheitswesen im Tschad ist aufgrund der instabilen politischen Lage der letzten Jahrzehnte nur unzureichend entwickelt und die Versorgung der Bevölkerung ist insbesondere in den lĂ€ndlichen Regionen (besonders in der Region Kanem im Westen) sehr schlecht. Mit UnterstĂŒtzung des EuropĂ€ischen Entwicklungsfonds konnte die Lage in den letzten Jahren etwas verbessert werden. 2015 war ein Drittel der Bevölkerung unterernĂ€hrt. Auf jeweils etwa 50.000 Menschen kommt ein Arzt. Insbesondere die medizinische Unterversorgung ist ein Grund dafĂŒr, dass vor allem Malaria, aber auch Meningitis-, Cholera- und Masern-Epidemien jĂ€hrlich tausende Todesopfer fordern. Hilfe leisten hier zu Beginn der 2000er Jahre insbesondere die Ärzte ohne Grenzen. Die Lebenserwartung im Tschad betrug bei Geburt 2019 54,2 Jahre und war damit eine der niedrigsten der Welt.

Vor allem die MĂŒtter- und Kindersterblichkeit ist im afrikanischen Vergleich sehr hoch. Da viele MĂ€dchen schon kurz nach der Geschlechtsreife verheiratet werden, gibt es zahlreiche frĂŒhe Schwangerschaften, die in diesem Alter hĂ€ufig zu Geburtsverletzungen und Fisteln fĂŒhren. Die SĂ€uglingssterblichkeit lag 2019 bei 7,2 %, die Kindersterblichkeit bei 11,9 %.

Die KrankenhÀuser und Krankenstationen im Land sind oft nur mit dem Nötigsten ausgestattet sind und weisen gravierende hygienische MÀngel auf. Lediglich 30 % der Bevölkerung hat Zugang zu den primÀren Gesundheitseinrichtungen, wie die Daten der WHO dokumentieren.

Von vielen Tschadern werden nach wie vor sowohl aus KostengrĂŒnden als auch aus Überzeugung traditionelle Heilmethoden bevorzugt. Inzwischen gibt es auch Kooperationen zwischen Vertretern schulmedizinischer und traditioneller Heilmethoden.

Volksgruppen

Die Bevölkerung des Tschad setzt sich aus fast 200 verschiedenen Ethnien zusammen, von denen die meisten auch eigene Sprachen oder Dialekte sprechen. Nach Zahlen von 2009 bilden die im SĂŒden lebenden Sara, die traditionell Feldbau auf Rodungsinseln sowie Fischerei betreiben, mit ca. 2,8 Mio. Angehörigen (26,1 %) die grĂ¶ĂŸte Volksgruppe. Auf sie folgten mit ca. 1,4 Mio. Angehörigen die (Tschad-)Araber. Weitere bedeutende Volksgruppen mit mehr als 500.000 Angehörigen sind die Kanembou/Bornu/Buduma (ca. 900.000), Wadai/Maba/Massalit/Mimi (ca. 765.000), Gorane (ca. 740.000) und Massa/Musseje/Musgum (ca. 515.000). Im SĂŒden und SĂŒdwesten leben zudem Bagirmi-Sprecher (ca. 140.000), im Grenzgebiet zu Nigeria auch Hausa. Im dĂŒnn besiedelten Norden lebten vor allem Nomaden und Halbnomaden wie die Tubu. Im Westen auch Kanembu und die Kanuri im Nordwesten. Etwa 9 % der Gesamtbevölkerung sind Sudanaraber, die zumeist von Handel und Viehhaltung leben. Arabisierte Gruppen stellen allerdings insgesamt 38 % der Bevölkerung.

Die verschiedenen Völker des Landes lassen sich in zwei große Gruppen unterordnen: Die arabisierten und islamisierten Völker im Norden und die christlich-animistischen Gruppen im SĂŒden. Wie in vielen anderen LĂ€ndern entlang der Sudanzone gibt es einen ausgeprĂ€gten Gegensatz zwischen Nord und SĂŒd. Im Laufe der Geschichte hat sich das politische Schwergewicht verlagert. Vor der Kolonisierung des Gebiets hatten fast ein Jahrtausend lang muslimische Nomaden und Halbnomaden aus dem Norden die Dominanz ĂŒber den SĂŒden, aus dem hauptsĂ€chlich Nachschub fĂŒr den Sklavenhandel geholt wurde. In der Kolonialzeit kehrte sich das KrĂ€fteverhĂ€ltnis um: Die Eroberung des Landes durch Frankreich begann im SĂŒden und SĂŒdwesten, wodurch die sesshaft lebenden Sara als erste europĂ€ische Bildung erhielten. Dadurch entwickelte sich dort eine – teilweise christliche – Elite, der dann auch der erste PrĂ€sident N'Garta Tombalbaye entstammte. Im islamischen Norden empfand man es als Affront, dass nun schwarzafrikanische Verwaltungsbeamte wichtige regionale Posten ĂŒbernahmen. Es genĂŒgten daher wenige ZwischenfĂ€lle, welche Unruhen auslösten, die zu BĂŒrgerkriegen im Tschad fĂŒhrten.

Im Jahre 2017 waren 3,3 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Der grĂ¶ĂŸte Teil davon waren FlĂŒchtlinge aus Darfur im Sudan und der Zentralafrikanischen Republik.

Sprachen

Gesprochen werden ĂŒber 120 Sprachen und Dialekte. Die wichtigsten Sprachen sind die beiden Amtssprachen Arabisch (Tschadisch-Arabisch und Sudanarabisch), das von mindestens 26 % der Gesamtbevölkerung als Mutter- oder Zweitsprache gesprochen wird, und Französisch, das nur von einer gebildeten Minderheit gesprochen wird – sowie Sara.

Etwa 62 % der Bevölkerung sprechen Sudansprachen (darunter 20 % Sara sowie 5 % Bagirmi und Kraish zusammen), etwa 14 % tschadische Sprachen (unter anderem Kotoko), 6,5 % Saharanische Sprachen (Dazaga, Tedaga, Zaghawa) und 1,6 % das M'óum. Weitere Sprachen sind Maba (Wadai), Wabumba, Mbum, Matuszi und andere. In den StÀdten liegt Arabisch als Erstsprache klar vor Sara (31,9 % zu 23,5 %), auf dem Land hat Sara die Oberhand (23,9 % zu 18,8 %). Insgesamt beherrschen (2009) 69,0 % der Stadtbevölkerung und 41,8 % der Landbevölkerung Tschad-Arabisch. Zweitwichtigste Sprache ist Sara, das von 30,4 % der Stadtbevölkerung und 26,5 % der Landbevölkerung gesprochen wird.

Religion

Bei der VolkszĂ€hlung 2009 waren ca. 6,4 Mio. Personen oder 58,4 % der Gesamtbevölkerung Muslime, hauptsĂ€chlich die der sunnitischen Richtung malikitischer Schule. Nur noch ca. 440.000 Menschen oder 4,0 % der Bevölkerung hĂ€ngen traditionellen afrikanischen Lokalreligionen an. Die Mehrzahl der einheimischen Volksgruppen im SĂŒden des Landes sind mittlerweile Christen, nĂ€mlich ca. 3,8 Mio. Menschen oder 34,6 % der Gesamtbevölkerung. Darunter waren ca. 2 Mio. oder 18,5 % Katholiken und ca. 1,8 Mio. oder 16,1 % Protestanten. Die Muslime leben meist im Norden und im Zentrum des Landes, die Christen und AnhĂ€nger traditioneller Religionen leben hauptsĂ€chlich im SĂŒden des Tschad. Wahrscheinlich ist die Anzahl der AnhĂ€nger der Lokalreligionen höher als in der VolkszĂ€hlung angegeben. Denn auffĂ€lligerweise ist der Anteil der Konfessionslosen genau in jenen Regionen hoch (Mandoul, Mayo Kebbi Est, Mayo Kebbi Ouest, Moyen-Chari und TandjilĂ©), in denen ĂŒberdurchschnittlich viele Angehörige der Lokalreligionen zuhause sind. Zwischen den VolkszĂ€hlungen 1993 und 2009 sind die Muslime und Protestanten anteilig gewachsen. Dagegen sank der Anteil der Katholiken, der AnhĂ€nger der Lokalreligionen und der Konfessionslosen.

Bildungswesen

Das hohe Bevölkerungswachstum mit jĂ€hrlich 2,5 Prozent bildet eine Hemmschwelle fĂŒr die Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht: Die Schulpflicht besteht nur noch formal, vor allem auf dem Land wird sie kaum eingehalten. Dementsprechend betrĂ€gt die Alphabetisierungsrate 2019 nur 22,3 %. Auf dem Land liegt die Analphatenquote gar bei ĂŒber 80 %, aber auch in den StĂ€dten können mehr als die HĂ€lfte der Personen im Alter von ĂŒber 15 Jahren weder lesen noch schreiben. Frauen sind hĂ€ufiger betroffen als MĂ€nner. So liegt die Alphabetisierungsquote von Frauen auf dem Lande bei nicht einmal 10 %. Die Alphabetisierung erfolgt zumeist in lateinischen Schrift und französischer Sprache. Nur etwa ein Achtel der Bevölkerung kann arabisch lesen und schreiben. Nur eine Minderheit kann beide Sprachen und Schriften sprechen, lesen und schreiben.

Die mittlere Schulbesuchsdauer ĂŒber 25-jĂ€hriger betrug im Jahr 2019 2,5 Jahre, wobei ein großer Unterschied zwischen den Geschlechtern zu erkennen ist, da Frauen nur 1,3 Jahre Schulbesuchsdauer aufweisen, wĂ€hrend es bei MĂ€nnern 3,8 Jahre sind. Der Tschad gehört damit zu den LĂ€ndern mit der kĂŒrzesten Schulbesuchsdauer weltweit. Die Bildungserwartung der aktuellen Generation liegt bei 7,3 Jahren.

Traditionell haben christliche Schulen vor allem im SĂŒden eine wichtige Funktion. Das staatliche Schulwesen leidet heute noch unter den Auswirkungen der jahrzehntelangen Kriegswirren. Zunehmend sind in letzter Zeit islamische Koranschulen und Madrasas, die mit auslĂ€ndischer Hilfe vor allem aus Nahost im Tschad errichtet werden.

In N’Djamena gibt es eine 1971 gegrĂŒndete UniversitĂ€t, die UniversitĂ€t N’Djamena.

Geschichte

Eine partielle Besiedlung des heutigen Tschad fand bereits in prÀhistorischer Zeit statt. Ab dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert setzte hier die Eisenzeit ein.

Zentralafrikanische Monarchien

SpĂ€ter entstanden grĂ¶ĂŸere islamische Reiche am Tschadsee, im SĂŒden zudem der Staat Baguirmi, die Logone-Stadtstaaten und das Sultanat Wadai. Besonders trat das Reich Kanem-Bornu hervor, das fast das gesamte Gebiet des heutigen Tschad umfasste und eine Konföderation der beiden Staaten Kanem und Bornu darstellte, die auch in das Gebiet der heutigen Staaten Nigeria und Niger hineinreichten.

Erste genauere Kenntnisse der Region fĂŒr EuropĂ€er ĂŒbermittelten die Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts: Friedrich Konrad Hornemann (1800), Dixon Denham (1823), Johann Heinrich Barth, Adolf Overweg (1850), Eduard Vogel und Gustav Nachtigal (1855).

Französische Kolonialzeit

Vor allem Frankreich begann mit der Penetration der einzelnen Königreiche und Sultanate. Man versuchte zunĂ€chst durch ProtektoratsvertrĂ€ge mit den jeweiligen Monarchen eine lose französische Oberherrschaft ĂŒber diese Staaten zu erreichen. SpĂ€testens ab dem Ende des 19. Jahrhunderts jedoch begann man mit der gewaltsamen militĂ€rischen Besatzung und schließlich mit der Kolonialisierung des Wadai.

1900 errichtete Frankreich nach dem Sieg ĂŒber den afro-arabischen Usurpator Rabih ibn Fadlallah in der Schlacht bei Kusseri das MilitĂ€rterritorium der LĂ€nder und Protektorate des Tschad. 1908 ging dieses im Verwaltungsgebiet Französisch-Äquatorialafrika mit der Kolonie Tschad auf. 1911 wurde die Kolonie durch das deutsch-französische Marokko-Kongo-Abkommen (4. November 1911) um das Zwischenstromgebiet zwischen Schari und Ba-Ili mit dem Posten Bongor erweitert. Zwischen den Weltkriegen erhielt die Kolonie Tschad dann ihre heutigen Grenzen.

1934 wurde die Grenzziehung im Norden zur Kolonie Italienisch-Libyen von Italien nicht ratifiziert. Dies ist die Grundlage des spÀteren Libysch-Tschadischen Grenzkrieges um den Aouzou-Streifen.

Am 25. April 1946 wurde von der Konstituierenden Nationalversammlung Frankreichs die Loi Lamine GuĂšye verabschiedet, nach der ab dem 1. Juni 1946 alle Bewohner der ĂŒberseeischen Gebiete einschließlich Algeriens denselben BĂŒrgerstatus wie Franzosen in Frankreich oder den ĂŒberseeischen Gebieten hatten, die Frauen und MĂ€nner also auch wĂ€hlen durften. Das passive Wahlrecht war zwar nicht ausdrĂŒcklich im Gesetz genannt worden, aber auch nicht ausgeschlossen. Bei den Wahlen zur Französischen Nationalversammlung sowie fĂŒr alle örtlichen Wahlen in ganz Afrika außer Senegal galt bis 1956 ein Zweiklassenwahlrecht. Unter französischer Verwaltung wurde durch die loi-cadre Defferre, die am 23. Juni 1956 eingefĂŒhrt wurde, das allgemeine Wahlrecht und damit auch das Frauenwahlrecht eingefĂŒhrt. Dieses wurde bei der UnabhĂ€ngigkeit 1960 bestĂ€tigt.

1958 erhielt der Tschad seine erste Verfassung. Die Territoriale Versammlung billigte den autonomen Status des Landes als Mitglied der CommunautĂ© française. Am 11. August 1960 erhielt das Land seine UnabhĂ€ngigkeit. François Tombalbaye aus dem SĂŒden wurde erster PrĂ€sident.

Die Republik Tschad

Seit 1962 war der Tschad ein Einparteienstaat mit der Parti Progressiste Tchadien (PPT) als Einheitspartei.

1966 wurde die muslimische FROLINAT – Front national de libĂ©ration du Tchad („Nationale Befreiungsfront des Tschad“) gegen die christlich-sudistische Dominanz gegrĂŒndet und es begann ein BĂŒrgerkrieg, der bis in das Jahr 1994 hinein andauerte. 1969 intervenierte Frankreich auf Seiten Tombalbayes. Libyen, Algerien und Sudan dagegen unterstĂŒtzten die FROLINAT. 1973 besetzte Libyen den Aouzou-Streifen.

1975 stĂŒrzte General FĂ©lix Malloum Tombalbaye und wurde PrĂ€sident, Premierminister wurde HissĂšne HabrĂ©. 1976 kam es zum Bruch zwischen Muammar al-Gaddafi und HabrĂ©. Goukouni Weddeye kĂ€mpfte mit Gaddafi gegen die Zentralregierung.

1979 kam es zum Seitenwechsel HabrĂ©s zu Weddeye. N’Djamena wurde erobert und das Gouvernement d’Union Nationale de Transition (GUNT) unter Weddeye kam an die Regierung. 1980 kam es wiederum zum Bruch zwischen HabrĂ© und Weddeye („Zweite Schlacht um N’Djamena“). Daraufhin griff Libyen auf Bitten Weddeyes ein, Weddeye und Gaddafi kĂŒndigten 1981 die Vereinigung des Tschad mit Libyen an. Gaddafi zog seine Truppen auf französischen Druck hin allerdings wieder zurĂŒck. HabrĂ© konnte daraufhin mit Ă€gyptischer, sudanesischer und US-amerikanischer Hilfe Weddeye verdrĂ€ngen.

1982 wurde N’Djamena durch HabrĂ© erobert, es begann die sogenannte Zweite Republik (1982 bis 1990), wĂ€hrend derer es zu schwersten Menschenrechtsverletzungen kam. 1983 wurde der Tschad de facto am 16. Breitengrad zweigeteilt. Libysches MilitĂ€r war im Norden prĂ€sent, insbesondere im Aouzou-Streifen.

1986 bis 1987 gingen die tschadischen Regierungstruppen in die Offensive. Es begann die französische MilitĂ€roperation Épervier. Die libyschen Truppen wurden, bis auf den Aouzou-Streifen, aus allen StĂŒtzpunkten verdrĂ€ngt. 1989 wurde der Vertrag von Algier ĂŒber die friedliche Regelung des Aouzou-Grenzkonflikts unterzeichnet.

1990 begann eine Verhandlung ĂŒber den Aouzou-Konflikt vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag. HabrĂ© wurde durch die bewaffnete Opposition des Mouvement Patriotique du Salut von Idriss DĂ©by gestĂŒrzt und in die Flucht getrieben, DĂ©by nahm N’Djamena ein.

1993 verabschiedete die Nationalkonferenz Übergangsverfassung, -parlament und -regierung. 1994 wurde der Aouzou-Streifen durch den Internationalen Gerichtshof wieder dem Tschad zugesprochen.

Im Dezember 1994/Januar 1995 fand eine WĂ€hlerregistrierung statt, deren DurchfĂŒhrung und Ergebnisse beanstandet und vom Obersten Gerichtshof annulliert werden. Der bestehende Wahlkalender wurde wieder obsolet, die Transitionsphase um ein weiteres Jahr bis zum 8. April 1996 verlĂ€ngert. 1996 kam es zudem zu einem Verfassungsreferendum, woraufhin die neue Verfassung in Kraft trat.

Am 3. Juli 1996 fanden Stichwahlen zwischen DĂ©by und Wadel Abdelkader KamouguĂ© statt. Die Feststellung des offiziellen Endergebnisses durch die Cour d’Appel am 14. Juli 1996 bescheinigte DĂ©by 69 % und KamouguĂ© 31 % der Stimmen.

BĂŒrgerkrieg

Ende 1998 begannen bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Rebellen um Youssouf TogoĂŻmi (Tibesti-Konflikt).

PrÀsident Déby wurde im Mai 2001 wiedergewÀhlt. Im Dezember 2001 schlossen die Regierung und die Rebellen im Tibesti ein Friedensabkommen.

Seit 2003 fliehen sudanesische FlĂŒchtlinge vor dem Konflikt in Darfur in den Tschad. Der Konflikt greift zusehends auf den Tschad ĂŒber, die Dschandschawid-Reitermilizen aus Darfur sind mittlerweile auch in den tschadischen Grenzgebieten aktiv.

Am 23. Dezember 2005 stellte der Tschad aufgrund der Konflikte in der westsudanesischen Provinz Darfur offiziell einen „Zustand der Feindseligkeit“ („état de belligerence“) mit dem Sudan fest. Dem war ein Angriff tschadischer Rebellen auf die Grenzstadt AdrĂ© mit mehr als 100 Toten vorausgegangen. Der Tschad wirft dem Sudan vor, die Rebellen zu unterstĂŒtzen, legt jedoch Wert darauf, keine KriegserklĂ€rung abgegeben zu haben.

Mitte April 2006 kam es erneut zum BĂŒrgerkrieg. Frankreich beteiligt sich in – vorerst – geringem Ausmaß daran auf der Seite der Regierung DĂ©by. Die Hauptstadt N’Djamena wurde von der Vorhut der Rebellen der Front fĂŒr den Wandel (FUC) erreicht. Dieser erste Angriff wurde jedoch von den regulĂ€ren Truppen mit Artillerie- und PanzerunterstĂŒtzung abgewehrt. Innerhalb weniger Tage waren Hunderte Tote zu beklagen. Am 14. April 2006 brach der Tschad seine diplomatischen Beziehungen zum Sudan ab. Zwei Tage spĂ€ter zog sich das Land aus den in Darfur unter der Leitung der Afrikanischen Union gefĂŒhrten GesprĂ€chen zurĂŒck. Gleichzeitig forderte N'Djamena, dass fĂŒr die mittlerweile rund 200.000 FlĂŒchtlinge aus Darfur im Tschad ein neues Gastland gefunden werden mĂŒsse.

Im November 2006 wurde fĂŒr weite Teile des Tschad der Ausnahmezustand ausgerufen. Zwar wurde kurz darauf ein Friedensvertrag mit der FUC erzielt, doch andere Rebellengruppen gewannen zunehmend die Kontrolle ĂŒber den Osten des Landes. Unter Vermittlung Libyens wurde am 26. Oktober 2007 ein Waffenstillstandsabkommen zwischen PrĂ€sident DĂ©by und vier Rebellengruppen unterzeichnet. Zum Schutz der Zivilbevölkerung und insbesondere der FlĂŒchtlinge aus der Darfurregion wurde die Aufstellung einer Mission der Vereinten Nationen (MINURCAT) beschlossen, deren Aufgaben zunĂ€chst durch militĂ€rische Einheiten der EuropĂ€ischen Union wahrgenommen werden sollten.

Nur wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Waffenstillstands brachen erneut KĂ€mpfe zwischen Regierungstruppen und den Rebellen in den östlichen Provinzen aus. Ende November 2007 erklĂ€rte die Rebellenorganisation UFDD den Kriegszustand gegen französische und sonstige auslĂ€ndische Einheiten. Ungeachtet dieser Warnung billigte Ende Januar 2008 die EU den Einsatz einer multinationalen MilitĂ€reinheit, der EUFOR Tchad/RCA, im Tschad. Die FederfĂŒhrung ĂŒbernahm Frankreich, das mehr als die HĂ€lfte aller Soldaten stellte; Österreich hatte ein Kontingent von 160 Soldaten zugesagt.

Kurz vor dem geplanten Beginn der EU-Mission, deren Umsetzung daraufhin erst einmal ausgesetzt wurde, starteten Rebellen eine neue Offensive, bei der sie in die Hauptstadt N'Djamena eindrangen. Die Kampfhandlungen zwangen tausende Menschen zur Flucht in das Nachbarland Kamerun. Gleichzeitig begann die Evakuierung auslĂ€ndischer BĂŒrger; die Vereinigten Staaten haben ihre Botschaft in N'Djamena gerĂ€umt. Nach einer ErklĂ€rung des UN-Sicherheitsrates erwog Frankreich 2008 ein Eingreifen zugunsten der Regierung. Die Rebellen zogen sich aus der Hauptstadt vorlĂ€ufig weitgehend wieder zurĂŒck.

Am 15. MĂ€rz 2009 endete die ÜberbrĂŒckungsmission der EUFOR Tchad/RCA und die Verantwortung wurde MINURCAT ĂŒbergeben.

Die politische Situation hat sich nach dem BĂŒrgerkrieg nicht vollstĂ€ndig entspannt. Im Mai 2013 wurde ein Putschversuch vereitelt, der Teilen des tschadischen MilitĂ€rs zugeschrieben wird.

2013 beteiligten sich Truppen des Tschad an der Opération Serval.

Die radikalislamistische Terrormiliz Boko Haram ist in Teilen des Tschad aktiv.

Bisherige PrÀsidenten

  • 1960–1975 François Tombalbaye
  • 1975–1979 FĂ©lix Malloum
  • 1979 Lol Mohammed Chawa
  • 1979–1982 Goukouni Oueddei
  • 1982–1990 HissĂšne HabrĂ©
  • 1990–2021 Idriss DĂ©by
  • seit 2021 Mahamat Idriss DĂ©by Itno

Politik

Politisches System

Der Tschad wurde am 11. August 1960 als unabhĂ€ngige Republik aus französischer Kolonialherrschaft entlassen. Nach der Verfassung vom 14. April 1996 ist der Tschad eine prĂ€sidiale Republik mit Mehrparteiensystem. 2018 verabschiedete das Parlament eine neue Verfassung, nach der der PrĂ€sident als Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Armee mit nahezu uneingeschrĂ€nkten exekutiven Vollmachten ausgestattet ist. Die Exekutive wird vom Ministerrat unter der Leitung des PrĂ€sidenten ausgeĂŒbt. Das Amt des Premierministers wurde mit der neuen Verfassung abgeschafft. Der PrĂ€sident wird auf sechs Jahre direkt gewĂ€hlt (zuvor fĂŒnf Jahre). Von 1990 bis 2021 regierte Idriss DĂ©by das Land autokratisch.

DĂ©by starb am 20. April 2021, nur wenige Tage nach seiner Wiederwahl am 11. April. Nach seinem Tod wurde ein militĂ€rischer Übergangsrat unter FĂŒhrung seines Sohnes Mahamat Idriss DĂ©by Itno installiert, der die Regierung und die Nationalversammlung auflöste (laut der Verfassung des Tschad hĂ€tte nach dem Tod des StaatsprĂ€sidenten regulĂ€r der PrĂ€sident der Nationalversammlung in dessen Amt nachrĂŒcken mĂŒssen). Eine Übergangscharta soll die bisher geltende Verfassung des Tschad ersetzen. Der Übergangsrat soll fĂŒr 18 Monate bestehen bleiben, danach soll es "neue republikanische Institutionen" und Neuwahlen geben. Der Übergangsrat ernannte am 26. April 2021 den letzten MinisterprĂ€sidenten vor Abschaffung dieses Amtes, Albert Pahimi PadackĂ©, zum Übergangs-Regierungschef.

Die Legislative lag bis dahin beim Zweikammerparlament, das aus Nationalversammlung und Senat besteht. Die Nationalversammlung hat 188 fĂŒr einen Zeitraum von vier Jahren gewĂ€hlte Abgeordnete. Die Mitglieder des Senats sind fĂŒr sechs Jahre zu wĂ€hlen, der Senat ist allerdings bisher noch nicht etabliert.

Die dominierende Partei ist die Regierungspartei Patriotische Wohlfahrtsbewegung (Mouvement Patriotique du Salut, MPS), die zusammen mit ihren VerbĂŒndeten 133 Sitze hĂ€lt. Die Opposition ist in ca. 120 Parteien zersplittert, von denen die wichtigsten die Union fĂŒr Erneuerung und Demokratie (Union pour le RĂ©nouveau et la dĂ©mocratie, URD) und die Nationale Union fĂŒr Demokratie und Erneuerung (Union nationale pour la DĂ©mocratie et le Renouveau, UNDR) sind. Die nĂ€chsten Parlamentswahlen sollten bereits 2015 stattfinden und sind mit unterschiedlichen BegrĂŒndungen immer wieder verschoben worden – der neue Termin wurde fĂŒr Oktober 2021 angesetzt.

Innenpolitik

Der Tschad gilt als ein instabiler Staat. Staatliche Einrichtungen wie Verwaltung, Bildungs- und Gesundheitswesen sind kaum entwickelt. Vor zusĂ€tzliche und fĂŒr das Land nicht ohne internationale Hilfe zu bewĂ€ltigende Probleme stellen den Tschad die seit 2003 aus der Region Darfur des östlichen Nachbarlandes Sudan kommenden FlĂŒchtlinge. Ihre Zahl betrug zu Beginn des Jahres 2004 bereits etwa 130.000.

Korruption ist im Tschad verbreitet. Der Tschad zÀhlt im Ranking des Korruptionswahrnehmungsindex seit seinem Bestehen 2012 zu den rund 10 % der LÀnder mit den schlechtesten Werten.

Es dominiert auch der Nord-SĂŒd-Gegensatz die Innenpolitik: Der Norden des Landes, der von islamisch-arabisierten und berberischen Ethnien bewohnt wird, fĂŒhlt sich benachteiligt gegenĂŒber dem schwarzafrikanisch-christlich-animistischen SĂŒden, der seit der Kolonialzeit eine Vormachtstellung besitzt.

Menschenrechte

Laut Amnesty International und US-Außenministerium war auch 2009, obwohl dort eine UN-Friedensmission stationiert war, die Lage im Osten des Tschad von MenschenrechtsverstĂ¶ĂŸen und InstabilitĂ€t gekennzeichnet. Zivilpersonen und Mitarbeiter humanitĂ€rer Hilfsorganisationen wurden verschleppt und ermordet. Frauen und MĂ€dchen waren Vergewaltigungen und anderen Formen von Gewalt ausgesetzt. Die Behörden ergriffen keine geeigneten Maßnahmen, um die Zivilbevölkerung gegen Angriffe krimineller Banden und bewaffneter Gruppen zu schĂŒtzen. Vermeintliche politische Gegner wurden widerrechtlich festgenommen, willkĂŒrlich in Haft gehalten und gefoltert oder in anderer Weise misshandelt. Menschenrechtsverteidiger und Journalisten waren weiterhin EinschĂŒchterungen und Schikanen ausgesetzt. Tausende Menschen wurden obdachlos, da ihre HĂ€user abgerissen wurden.

Kinder wurden im Tschad weiterhin als Soldaten eingesetzt. UNICEF geht davon aus, dass 53 % aller 5–14-jĂ€hrigen Kinder des Landes Arbeit verrichten mĂŒssen. Der Tschad ist auch ein Ausgangsland des Kinderhandels in die Zentralafrikanische Republik, nach Nigeria, Kamerun und Saudi-Arabien.
Auch kam es immer wieder zu gewalttĂ€tigen Übergriffen und Diskriminierungen gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen IdentitĂ€t (LGBT).

Außenpolitik

Der Tschad hat weltweit nur wenig diplomatische PrĂ€senz. Diplomatische Vertretungen haben unter anderem alle Nachbarstaaten des Tschad. Das Land ist Mitglied der Vereinten Nationen (UN), der Afrikanischen Union (AU) und der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC). Die Regierungen des Tschad haben traditionell gute Beziehungen zur frĂŒheren Kolonialmacht Frankreich, das oft der jeweiligen Regierung bei bĂŒrgerkriegsĂ€hnlichen Situationen militĂ€rischen Beistand leistet.

Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten sind oft belastet, da es mit Libyen einen jahrzehntelangen Konflikt um den Aouzou-Streifen im Norden gab. Zum Sudan sind die Beziehungen seit dem offenen Ausbruch des Darfur-Konflikts belastet (siehe im Abschnitt BĂŒrgerkrieg). Als im Tschad BĂŒrgerkrieg herrschte, hat das benachbarte Kamerun zahlreiche BĂŒrgerkriegsflĂŒchtlinge aufgenommen.

Des Weiteren unterhĂ€lt der Tschad diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zu den USA. Am 10. Oktober 2003 begann die Förderung von Erdöl unter der FĂŒhrung von ExxonMobil und mit UnterstĂŒtzung der Weltbank im Doba-Becken im SĂŒden des Tschad. Über eine 1050 Kilometer lange Pipeline wird dieses an die AtlantikkĂŒste Kameruns befördert und dort verschifft. Dies wird vereinzelt als geopolitisch bedeutender Schachzug der USA gesehen und aus menschenrechtlicher und ökologischer Sicht kritisiert. Ebenfalls hat auch die Volksrepublik China aufgrund des Interesses an Erdöl die Beziehungen zum Tschad weiter ausgebaut. Die Beziehungen mit China entwickeln sich seit 2006 dynamisch. Die Volksrepublik beliefert den Tschad unter anderem mit Waffen.

Wirtschaft

Aufgrund des BĂŒrgerkriegs und wegen lĂ€ngerer DĂŒrreperioden gehört der Tschad zu den Ă€rmsten LĂ€ndern der Welt. 80 % der Bevölkerung leben in absoluter Armut. Die Bevölkerung kann nur durch Subsistenzwirtschaft ĂŒberleben – die wenigen wirtschaftlich entwickelten Elemente werden nur vom Staat organisiert. Neben Somalia und Sierra Leone gehört der Tschad zu den weltweit einzigen Volkswirtschaften in denen die Mehrheit des Bruttoinlandsprodukts noch im Landwirtschaftssektor erwirtschaftet wird (50,1 % im Jahre 2016).

Seit mehr als 20 Jahren ist der Index der menschlichen Entwicklung des Landes einer der niedrigsten der Welt. 55 Prozent der Bevölkerung in den StÀdten und 87 Prozent der Bevölkerung auf dem Land leben unter dem Existenzminimum. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt im Jahre 2016 bei 2.245 Internationale Dollar in KaufkraftparitÀt und damit höher als in den Nachbarstaaten Mali (2.266), Niger (1.107) und der Zentralafrikanischen Republik (652) was vor allem an der Erdölforderung im Land liegt, von der jedoch nur ein kleiner Teil der Bevölkerung profitiert. 2016 erlebte der Tschad eine starke Rezession aufgrund gesunkener Rohstoffpreise.

Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt der Tschad den letzten Platz von 140 LĂ€ndern (Stand 2018). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2018 Platz 162 von 180 LĂ€ndern.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (KaufkraftparitÀt) angeben.

WĂ€hrung

Der Tschad ist Mitglied der CFA-Franc-Zone und hat als WĂ€hrung den CFA-Franc (FCFA, auf Französisch: Franc de la CommunautĂ© FinanciĂšre d'Afrique), speziell den CFA-Franc BEAC. Ein Euro entspricht 655,957 FCFA, 1.000 FCFA entsprechen 1,5244 EUR. Die Inflationsrate liegt derzeit bei ĂŒber 9 %, 2007 lag sie noch bei etwa 4 %.

Landwirtschaft

Rund 90 % der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, also dem Ackerbau und der Viehzucht. Man betreibt hauptsĂ€chlich Subsistenzwirtschaft. Allerdings ist der Tschad auch auf internationale UnterstĂŒtzung (zum Beispiel in Form von Lebensmitteln) angewiesen. Es werden auch ErdnĂŒsse, Getreide und anderes GemĂŒse angebaut. Dies reicht zur Eigenversorgung kaum aus. Aufgrund der sich nach SĂŒden ausbreitenden WĂŒste und den damit verbundenen ErnteausfĂ€llen dĂŒrfte sich diese Entwicklung noch weiter verschĂ€rfen. Einige weitere Anbauprodukte sind Baumwolle, Reis und Tabak.

Rohstoffe

Das Land galt lange als arm an BodenschĂ€tzen, abgebaut wurden vor allem Steinsalz und Soda. Im Jahr 2003 konnte mit der Förderung von Erdöl aus einem erst Ende der 1990er Jahre entdeckten Ölfeld bei Doba begonnen werden. Die Einnahmen aus der Förderung des Erdöls sollen, gemĂ€ĂŸ einer Vereinbarung der Regierung mit der Weltbank, zu 80 % fĂŒr Projekte im Bereich des Sozialen und der Infrastruktur verwendet werden und somit der gesamten Bevölkerung zugutekommen. DafĂŒr wurden im Juli 2004 zum ersten Mal 31 Millionen Euro an die Weltbank ĂŒberwiesen, die diese Gelder wiederum fĂŒr konkrete Projekte im Land ausschĂŒttet. 10 % der Einnahmen sollen in einen Fonds fĂŒr zukĂŒnftige Generationen eingezahlt werden. Insgesamt werden bis 2023 (20 Jahre) Einnahmen von rund 1,6 Milliarden Euro prognostiziert. Ende 2005 löste jedoch das Parlament den Fonds auf, um ausstehende BeamtengehĂ€lter zu bezahlen, und ermöglichte durch eine GesetzesĂ€nderung, dass auch die Bereiche Sicherheit und Justiz Geld aus den Öleinnahmen erhalten können. Der Einsatz der Gelder wird durch ein eigens hierfĂŒr geschaffenes Komitee aus Parlamentariern, Juristen und Vertretern der Zivilgesellschaft ĂŒberwacht. Allerdings ist dieses Komitee nicht mit Sanktionsgewalt ausgestattet, so dass aufgrund von Korruption große Teile der Investitionsmittel versickern und eine effiziente BekĂ€mpfung der Armut bisher ausbleibt.

Außenhandel

Haupthandelspartner sind Frankreich, Kamerun und Nigeria. Wichtigste ExportgĂŒter sind Baumwolle (mit einem Exportanteil von 40 %) und seit 2003 Erdöl. ErdnĂŒsse machen etwa 1–2 % des Exports aus. ImportgĂŒter sind unter anderem Brennstoffe, Fahrzeuge, Zucker, Getreide und Textilien.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 2,163 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1,626 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,7 % des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2016 51,2 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 4,9 %
  • Bildung: 1,9 % (2005)
  • MilitĂ€r: 1,7 % (2009)

Infrastruktur

Die Infrastruktur ist nur wenig entwickelt. Bei einer GrĂ¶ĂŸe von 1.284.000 kmÂČ â€“ der GrĂ¶ĂŸe nach liegt der Tschad weltweit an 20. Stelle und ist etwa 3,5-mal so groß wie Deutschland – gab es Ende 2014 nur gut 2.000 km befestigte Straßen; geplant sind 6.000 km. Nach offiziellen Zahlen aus dem Jahr 2006 hat das Öl-Konsortium um die Firma ExxonMobil seit 2003 537 Millionen US-Dollar als Lizenzen und GebĂŒhren an die Regierung des Tschad ĂŒberwiesen. Davon wurden etwa 300 Millionen Dollar oder 55 % fĂŒr die Verbesserung der Infrastruktur ausgegeben.

Die Wasserversorgung Tschads ist nicht annÀhernd ausreichend. Zugang zu sauberem Trinkwasser, seit 2010 ein Menschenrecht der UNO, besitzen laut WHO und UNICEF mit Stand von 2014 nur 51 % der Einwohner des Landes.

Kultur und Medien

Im Großen lĂ€sst sich das Land kulturell in einen vorwiegend arabisierten islamisierten Bereich im Norden und einen schwarzafrikanisch-christlichen, teils animistischen Bereich im SĂŒden einteilen. WĂ€hrend die arabisierte Bevölkerung meist halbnomadische Viehzucht betreibt, betreiben die Bewohner des SĂŒdens ĂŒberwiegend Ackerbau.

Medien

Reporter ohne Grenzen sieht im Tschad eine schwierige Lage fĂŒr die Pressefreiheit. Der Blogger und BĂŒrgerjournalist Tadjadine Mahamat Babouria aka „Mahadine“ wurde 2016 inhaftiert, weil er auf Facebook unter anderem die Korruption und die schlechte Wirtschaftslage kritisiert hatte.

Es existiert ein staatliches nationales Radio- und Fernsehprogramm. Die staatliche Radiodiffusion Nationale Tchadienne RNT sendet aus der Hauptstadt N’Djamena in Französisch, Arabisch und lokalen Sprachen.

1998 kam mit DJA FM der erste private Hörfunksender des Landes hinzu. Er war in der Vergangenheit Repressionen der Regierung ausgesetzt. 2002 existierten zwei Mittelwellen- und 4 UKW Stationen.

Folgende Zeitungen existieren im Tschad: N'Djaména Hebdo aus N'Djaména, Tchadien, Afrik, Afrol en Espaniol und die Afrol News.

Film

Es gibt nur ein einziges kommerzielles Kino und keine professionellen Schauspieler. Aufmerksamkeit hat Mahamat-Saleh Haroun mit seinen beiden, auf mehreren internationalen Filmfestivals und in Programmkinos gezeigten, Filmen Abouna – Der Vater (2002) und Daratt (2006) erregt. Darin beschreibt er das Leben im Tschad in den 2000ern. WĂ€hrend Abouna – Der Vater von zwei Jugendlichen handelt, die ihren plötzlich verschwundenen Vater suchen, beschreibt Daratt einen Sohn, der den Mörder seines Vaters sucht.

Literatur

  • Matthias Basedau: Politische Krise und Erdöl im Tschad – ein „Modell“ am Ende? In: GIGA Focus. Nr. 3, 2006, ISSN 1862-3603 (giga-hamburg.de [PDF; 425 kB; abgerufen am 2. August 2018]). 
  • Anne-Claire Poirson: Öl im Tschad – Ein fragwĂŒrdiger Segen. In: Le Monde diplomatique. Nr. 7770, 16. September 2005, S. 19 (monde-diplomatique.de [abgerufen am 2. August 2018]). 
  • „Ich bin völlig Africaner und hier wie zu Hause 
“ – F. K. Hornemann (1772–1801) – Begegnungen mit West- und Zentralafrika im Wandel der Zeit – Hildesheimer Symposium 25.–26. 9. 1998. In: Herward Sieberg, Jos Schnurer (Hrsg.): Hildesheimer UniversitĂ€tsschriften. Band 7. UniversitĂ€t Hildesheim, 1999, ISBN 3-9805754-7-0, Gerhard Meier-Hilbert: Tschad: Historische, politische, geographische und ökonomische Strukturen eines der Ă€rmstes LĂ€nder der Welt, S. 103 ff. (nibis.ni.schule.de (Memento vom 30. Januar 2012 im Internet Archive) [PDF; 105 kB; abgerufen am 12. MĂ€rz 2020]). 

Weblinks

  • Helga Dickow: Tschad. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 26. August 2020, abgerufen am 9. Januar 2021. 
  • Website der Regierung (arabisch, französisch)
  • LĂ€nder- und Reiseinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation im Tschad
  • Ismail KĂŒpeli: AutoritĂ€re Scheindemokratie unter französischer Aufsicht – Im politischen Machtkampf um Erdöleinnahmen hat das Regime im Tschad die Oberhand – aber wie lange? (IMI-Analyse 2009/30). TĂŒbingen, Juli 2009.
  • Christoph Marischka: Kollateralkrieg zwischen Tschad und Sudan – Der Wille zur militĂ€rischen Integration hat den Konflikt im Tschad internationalisiert (IMI-Analyse 2009/025). TĂŒbingen, Juni 2009.

Einzelnachweise


 

Region Regionen (0)

Abk Name O
TD.BA Batha  
TD.BT Bet  
TD.GR Guéra  
TD.HD Hadjer-Lamis  
TD.KA Kanem  
TD.LC Lac  
TD.LO Logone Occidental  
TD.LR Logone Oriental  
TD.MA Mandoul  
TD.ME Mayo-Kebbi Est  
TD.OD Ouaddaï  
TD.SA Salamat  
TD.TA Tandjilé  
TD.BI Wadi Fira  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Chad

Name englisch: Chad
Hauptstadt: N'Djamena
Kfz: TD
ISO: TD
ISO3: TCD
Fläche: 1284000 km²
Tld: .td
Wärung Einheit: XAF
Währung: Franc
Vorwahl: 235

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 23.449235
südlichster Punkt: 7.442975
westlichster Punkt: 13.4699999
östlichster Punkt: 24.0000011


 
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