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Staat Informationen : Nigeria

Informationen:


Nigeria [niňągeňź ĀiŐĮa] (amtlich englisch Federal Republic of Nigeria [na…™ŐĮňąd í…™(…ô)…Ļ…™ŐĮ…ô], Bundesrepublik Nigeria, veraltet Nigerien) ist ein Bundesstaat in Westafrika. Es ist mit √ľber 200 Millionen Einwohnern (2018) mit Abstand das bev√∂lkerungsreichste Land Afrikas und weltweit das Land mit der siebtgr√∂√üten Bev√∂lkerung. Im Zeitraum von 1989 bis 2019 hat sich die Bev√∂lkerungszahl des Landes verdoppelt.

Nigeria grenzt an den Atlantik und die Länder Benin, Niger, Tschad und Kamerun. Hauptstadt des Landes ist Abuja, seine mit Abstand größte Stadt ist Lagos mit rund 22 Millionen Einwohnern. Weitere Millionenstädte sind Ibadan, Benin City, Kano, Port Harcourt und Kaduna.

Das Land beherbergte zahlreiche Staaten und K√∂nigreiche in vorkolonialer Zeit. Der heutige Staat basiert auf der Grenzziehung der Briten, als diese Nigeria im 19. Jahrhundert kolonialisierten. 1960 wurde Nigeria unabh√§ngig und wechselte nach einem B√ľrgerkrieg von 1967 bis 1970 jahrzehntelang zwischen demokratisch gew√§hlten Regierungen und Milit√§rregierungen. 1999 wurde Nigeria erneut demokratisiert, wobei erst die Wahlen ab den 2010er Jahren als halbwegs fair eingestuft werden.

Nigeria ist ein Land mit gro√üer kultureller Vielfalt: Zahlreiche westafrikanische Religionen werden praktiziert und es werden 514 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen. Die drei gr√∂√üten Volksgruppen sind die Igbo, Yoruba und Hausa. Englisch ist Amtssprache und weit verbreitete lingua franca. Oftmals mit Gewalt ausgetragene ethnische Konflikte herrschen zwischen dem muslimischen Norden und dem mehrheitlich christlich-animistischen S√ľden.

Seit 2014 ist Nigeria vor S√ľdafrika die gr√∂√üte Volkswirtschaft Afrikas. Es wird von der Weltbank als Schwellenmarkt angesehen.

Geographie

Nigeria liegt in Westafrika am Atlantischen Ozean und umfasst ein Gebiet von 923.768¬†Quadratkilometern mit einer Ost-West- und Nord-S√ľd-Ausdehnung von 1200 beziehungsweise 1100¬†Kilometern. Ein markantes Merkmal des Landes sind der s√ľd√∂stlich verlaufende Strom Niger und sein s√ľdwestlich verlaufender Nebenfluss Benue, die in Nigeria zusammenflie√üen und im Nigerdelta in den Golf von Guinea m√ľnden. Das Nigerdelta geh√∂rt zu den gr√∂√üten Flussdeltas der Erde und dehnt sich auf einer Fl√§che von ca. 70.000¬†km¬≤ aus. Das entspricht ungef√§hr der Gr√∂√üe Bayerns.

Der rund 850¬†km lange K√ľstenstreifen am Golf von Guinea ist gepr√§gt von Lagunen (im Westen zum Beispiel die Lagune von Lagos) und von Mangrovens√ľmpfen. Er erreicht im Nigerdelta seine gr√∂√üte Ausdehnung. Der fr√ľher fast 100¬†Kilometer breite G√ľrtel von tropischem Regenwald im Landesinneren wurde weitgehend gerodet und durch Sekund√§rwald ersetzt. Weiter n√∂rdlich erstrecken sich eine Middle Belt genannte Region, in der sich die Feuchtsavanne des Sudans ausbreitet, an der sich die Trockensavanne des Sahel anschlie√üt. Eine eigene Vegetationszone bildet das im Osten Nigerias gelegene Jos-Plateau, ein bis zu 1829¬†Meter hohes Hochland.

Die höchste Erhebung Nigerias ist mit einer Höhe von 2419 Metern der im Gebirgsland nahe der Grenze zu Kamerun gelegene Berg Chappal Waddi. Das einzige bekannte vulkanische Gebiet Nigerias bildet das Biu-Plateau.

Klima

Nigeria wird von zwei Klimazonen beeinflusst: tropisch feucht-hei√ües Klima im S√ľden mit einer ergiebigen Regenzeit, die von April bis Oktober dauert. Die Luftfeuchtigkeit liegt ganzj√§hrig hoch, zwischen 85 und 95 Prozent. Die mittleren Temperaturen im s√ľdlichen Bereich Nigerias betragen ca. 30¬†¬įC. Nachts k√ľhlt es meist nur wenig ab. In Nordnigeria herrscht W√ľstenklima mit h√∂heren Temperaturen und weniger Niederschlag als im S√ľden. Die Regenzeit des westafrikanischen Monsuns dauert von Juni bis September und die Trockenzeit mit D√ľrreperioden dauert von November bis M√§rz; der Harmattan bringt in dieser Zeit trockene hei√üe Luft aus der Sahara. Die Temperaturen k√∂nnen im Norden bis auf 50¬†Grad ansteigen. Allerdings ist hier die Luftfeuchtigkeit wesentlich niedriger und angenehmer. Die Temperaturunterschiede betragen bis zu 20¬†Grad zwischen Tag und Nacht. Die Regenzeit ist in Nordnigeria weniger ausgepr√§gt.

Hydrologie

Nigeria ist in zwei Haupteinzugsgebiete aufgeteilt ‚Äď das des Tschadsees und das des Niger. Dabei nimmt das Nigereinzugsgebiet etwa 63¬†% des Landes ein. Hauptzufluss des Niger ist der Benue, dessen Zufl√ľsse sich √ľber Kamerun hinaus bis in den Tschad und das Scharieinzusgebiet erstrecken.

Das Tschadbecken wird aus dem nord√∂stlichen Viertel Nigerias gespeist. Das Bauchiplateau bildet die Wasserscheide zwischen den Flusssystemen des Niger/Benue und des Komadugu Yobe. Die flachen Ebenen im Nordosten Nigerias geh√∂ren geographisch zum Tschadbecken, in dem der Flusslauf des El Beid die Grenze zu Kamerun, vom Mandara-Gebirge bis zum Tschadsee, bildet. Das Flusssystem des Komadugu Yobe l√§sst in der Regenzeit die international bedeutenden Hadejia-Nguru-Feuchtgebiete und Ox-bow-Lakes rund um den Nguru-See entstehen. Weitere Fl√ľsse des Nordostens sind der Ngadda und der Yedseram, die beide die Sambisa-S√ľmpfe durchflie√üen und dadurch ein Flusssystem bilden.

Daneben gibt es noch zahlreiche K√ľstenfl√ľsse.

Einzugsgebietaufteilung des Landes in Prozent

Natur

Klima- und Vegetationszonen

Nigeria umfasst f√ľnf unterschiedliche Vegetationszonen, in denen sich eine reiche Flora und Fauna entwickeln konnte. Diese reicht von den ausgedehnten Mangrovenw√§ldern in den K√ľstenregionen √ľber die tropischen Regenw√§lder der Bergregionen bis zu den Savannen des Sudans und Sahels. Dieser nat√ľrliche Reichtum ist ein Produkt der unterschiedlichen klimatischen Verh√§ltnisse, die eine Vielzahl unterschiedlicher √Ėkosysteme entstehen lie√ü. Der Niederschlag ist h√∂chst ungleich verteilt und wird durch einen scharfen meridionalen Gradienten gekennzeichnet. Im Norden des Landes fallen zwischen 400 und 600¬†mm Niederschlag, in der Regenzeit des westafrikanischen Monsuns von Juni bis September. Dieser Niederschlag unterst√ľtzt die Entwicklung der Biome in der Sahelzone im Nordosten, die ca. 10¬†% der Landesfl√§che Nigerias einnimmt. Sie wird durch ausgedehnte Grassavannen bestimmt, die mit weitst√§ndigen Trockenw√§ldern durchsetzt sind, deren dominante Baumarten der Gattung der Akazien (Acacia sp.) angeh√∂ren. Vom WWF wird diese Vegetationszone als √Ėkoregion der Sahel-Akazien-Savanne bezeichnet.

S√ľdlich der Sahelzone schlie√üt sich die Savannenlandschaft des Sudans an, in der j√§hrlich zwischen 600 und 1600¬†mm Niederschlag fallen. Diese Vegetationszone umfasst ca. 70¬†% der Landesfl√§che, diese umfasst verschiedene √Ėkosysteme, die gro√üe Teile des nigerianischen Teils der Oberguineaschwelle bis zum Hochland von Adamaua umfassen. Die Flora in dieser Vegetationszone wird von aufgelockerten und weitst√§ndigen W√§ldern charakterisiert, die mit Buschw√§ldern durchsetzt sind und mit einem Unterwuchs von langhalmigen Gr√§sern und breitbl√§ttrigen Kr√§utern unterlegt sind. Entlang der Fl√ľsse breiten sich Galeriew√§lder aus. Vom WWF wird diese Vegetationszone als √Ėkoregion der Westlichen Sudan Savanne bezeichnet. In der Westlichen Sudan Savanne lebt eine gro√üe Anzahl verschiedener Tierarten, von denen viele endemisch in dieser Savannen-landschaft sind. Gr√∂√üere Populationen des Buschbocks (Tragelaphus scriptus), des Warzenschweins (Phacochoerus africanus), des Steppenwarans (Varanus exanthematicus), des Anubispavians (Papio anubis) und des Mantelpavians (Papio hamadryas) leben in dieser √Ėkoregion. Die einstmals gro√üen Best√§nde an afrikanischen S√§ugetieren, wie dem Elefanten, √ľberleben nur in den eingerichteten Schutzzonen. Eine √úbergangszone zwischen den Savannen des Sudans und den Regenwaldgebieten bildet die Guineasavanne, sie zeichnet sich durch einen dichteren Baumbestand und durch sehr hohe Grassavannen aus. Sie beschr√§nkt sich auf die Bundesstaaten Ondo, Edo, Anambra, Oyo, Kaduna und Enugu.

S√ľdlich der Savannenlandschaft des Sudans und der Guineasavanne schlie√üen sich die Regenwaldgebiete an. Diese belegen zusammen mit den K√ľstenregionen ca. 20¬†% der Landesfl√§che Nigerias. Sie umfasst die Luvseite der Oberguineaschwelle, erstreckt sich bis zu den K√ľstenregionen und ist im Durchschnitt ca. 100¬†km breit. In dieser Region betragen die Niederschl√§ge zwischen 1600 und 2500¬†mm, wobei in einigen K√ľsten- und Hochgebirgsregionen √ľber 4000¬†mm erreicht werden k√∂nnen. In den Hochgebirgsregionen mit hohen Niederschl√§gen bildet sich ein Gebirgsregenwald aus und bildet dadurch die vierte Vegetationszone Nigerias. Die Ausdehnung des Prim√§rregenwaldes hat sich jedoch in den letzten 100 Jahren um ca. 90¬†% verringert. Unber√ľhrte Regenwaldfl√§chen finden sich nur noch auf dem Obudu- und Mambilla-Plateau sowie in den Oban-H√ľgeln.

Die K√ľstenregionen bilden die f√ľnfte Vegetationszone Nigerias und umfassen unter anderem das Nigerdelta und die ausgedehnten Mangrovenw√§lder, unterschiedliche Formen der Lagunen- und der K√ľstenlandschaften. Die Mangrovenw√§lder in Nigeria erstrecken sich auf einer Fl√§che von 11.134¬†km¬≤ (nach US-AID 9723¬†km¬≤) entlang einer 708¬†km langen K√ľstenlinie. Die Ausdehnung der Mangrovenw√§lder hat in den letzten 50 Jahren jedoch stark abgenommen, durch die starke Bev√∂lkerungszunahme und durch wirtschaftliche Aktivit√§ten, wie der √Ėlf√∂rderung. Trotzdem geh√∂ren die K√ľstenregionen Nigerias zu den artenreichsten √Ėkosystemen der Erde.

Artenvielfalt

In Nigeria sind mehr als 1340 an Land lebende Wirbeltierarten bekannt, darunter 274 S√§ugetier-, 885 Vogel-, 109 Amphibien- und 135 Reptilienarten. Darunter befinden sich die n√∂rdlichste Gorillaart Afrikas, der vom Aussterben bedrohte Cross-River-Gorilla (Gorilla gorilla diehli). Andere nahezu endemisch vorkommende Primatenarten sind der Nigerdelta-Stummelaffe (Piliocolobus epieni), Nigeria-Blaumaulmeerkatze (Cercopithecus sclateri) und die Rotbauchmeerkatze (Cercopithecus erythrogaster). Weiterhin sind dar√ľber hinaus ca. 20.000 Insektenarten (darunter √ľber 1000 Schmetterlingsarten allein in beiden Sektoren des Cross-River-Nationalparks), 77 Weichtier- und f√ľnf Stachelh√§uterarten in Nigeria bekannt. In den Binnengew√§ssern Nigerias sind ca. 247 Fischarten und in den marinen ozeanischen K√ľstengew√§ssern 648 Fischarten dokumentiert.

Die Flora Nigerias ist naturgem√§√ü artenreicher, so sind 848 Algen- und 5103 Gef√§√üpflanzenarten dokumentiert. Von diesen sind jedoch nur ein Bruchteil endemisch in Nigeria. Urspr√ľnglich aus Nigeria stammende Saatpflanzen sind die Sorghumhirse (Sorghum bicolor), Augenbohne (Vigna unguiculata), der westafrikanische Reis Oryza sativa, Bambara-Erdnuss (Vigna subterranea), Erdbohnen (Macrotyloma geocarpum) und die Afrikanische Yambohne (Sphenostylis stenocarpa). Die Biodiversit√§ts-Studie von 1992 listet weiterhin 3423 Pilz-, 500 Virus- und 55 Bakterienarten, jedoch ist √ľber diesen Teilaspekt der Biodiversit√§t wenig bekannt.

Naturschutzgebiete

Die Gr√∂√üe der gesch√ľtzten Gebiete in Nigeria entspricht ca. 3,22 Prozent der Landesfl√§che, deren Kernzonen die acht nationalen Naturschutzgebiete der Nationalpark Tschadbecken, der Cross-River-Nationalpark, der Gashaka-Gumti-Nationalpark, der Kainji-Nationalpark, der Kamuku-Nationalpark, der Okomu-Nationalpark, der Old-Oyo-Nationalpark und der Yankari-Nationalpark bilden. Andere Klassifikationen der Naturschutzgebiete bilden die Game Reserves (Jagdschutzgebiete), Forest Reserves und die Sacred Coves. Drei grenz√ľberschreitende Biosph√§renkorridore konnten zusammen mit Kamerun geschaffen werden, diese verbinden das Afi Mountain Wildlife Sanctuary und Mbe Mountains Community Wildlife Sanctuary mit dem Okwangwo-Sektor des Cross-River-Nationalparks und dem Takamanda-Nationalpark, sowie den Oban-Sektor des nigerianischen Nationalparks mit dem Korup-Nationalpark. Der dritte Biosph√§renkorridor verbindet den Nationalpark Tschadbecken mit dem Waza-Nationalpark. Seit 2001 geh√∂rt Nigeria zu den Unterzeichnerstaaten der Ramsar-Konvention. Es wurden 2008 insgesamt elf Schutzgebiete der Feuchtgebiete mit internationaler Bedeutung ausgewiesen, dieses sind: Apoi Creek Forest Reserve, Baturiya Wetlands Game Reserve, Dagona Sanctuary Lake, Foge Islands, Lake Chad Wetlands in Nigeria, Lower Kaduna-Middle Niger Floodplain, Maladumba-See, Nguru Lake (and Marma Channel) complex, Oguta-See, Pandam and Wase Lakes Wildlife Park und das Upper Orashi Forest Reserve.

Umweltprobleme

Schwerste Sch√§den entstanden im Nigerdelta durch die seit mehr als 50 Jahren andauernde Erd√∂lf√∂rderung. Wasser und Luft sowie Nahrungsmittel sind verseucht. Laut einer im August 2011 ver√∂ffentlichten Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) werden bis zu eine Million Menschen durch die gravierende Umweltverschmutzung bedroht. Eine Sanierung der verseuchten Gebiete allein im Siedlungsgebiet der Ogoni-Ethnie wird bis zu 30 Jahre dauern und alleine in den ersten f√ľnf Jahren der vorgeschlagenen Aufr√§umaktion Kosten in H√∂he von einer Milliarde US-Dollar verursachen.

Bei Explosionen von √Ėlpipelines sind in den letzten Jahren immer wieder zahlreiche Menschen get√∂tet worden. Bei einer Explosion einer Pipeline bei Abule Egba am 26. Dezember 2006 kamen etwa 500 Menschen ums Leben, eine Explosion der Iljegun-Pipeline am 16. Mai 2008 forderte etwa 40 Todesopfer. Im Mai 2010 traten aus einer Pipeline in Akwa Ibom binnen sieben Tagen √ľber 3000 Barrel √Ėl aus und zerst√∂rten einen der gr√∂√üten Mangrovenw√§lder der Erde.

Bevölkerung

Die letzte Volksz√§hlung fand vom 21. bis 28. M√§rz 2006 statt; sie ergab eine Gesamtbev√∂lkerung von 140 Millionen. Die vorletzte Volksz√§hlung von 1997 ergab eine Einwohnerzahl von 88,9 Millionen. F√ľr 2016 wurde die Bev√∂lkerung von der nationalen Statistikbeh√∂rde auf ca. 190 Millionen gesch√§tzt. Nigerias Bev√∂lkerung soll sich bis Mitte des Jahrhunderts noch einmal auf ca. 400 Millionen verdoppeln. 2016 lebten 48,6¬†% der Bev√∂lkerung in St√§dten.

Die Lebenserwartung betrug 2019 54,7 Jahre, was eine der niedrigsten Lebenserwartungen weltweit ist. Die Geburtenrate je 1000 Menschen ist 37,5. Die Fertilit√§t pro Frau liegt im Durchschnitt bei √ľber 5,3 Kindern. Die Zahl sinkt jedoch langsam seit Beginn der 1980er Jahren. Das Medianalter lag 2020 bei gesch√§tzten 18,1 Jahren. Dementsprechend sind 43,7¬†% der Bev√∂lkerung unter 15 Jahre alt.

Nigeria hat eine gro√üe Diaspora-Bev√∂lkerung. Gro√üe Gruppen an Auslandsnigerianern leben in den Vereinigten Staaten (280.000), dem Vereinigten K√∂nigreich (210.000) und in Italien (60.000). Das Land erlebt deshalb einen starken Brain-Drain. Aufgrund der diversen Konflikte im Land sind zudem Personen aus Nigeria in die benachbarten Staaten Kamerun, Niger und Tschad gefl√ľchtet.

46 % der Bevölkerung leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze, gemäß der Armutsgrenze der Weltbank sind es 53,5 % in absoluter Armut von unter 2 Dollar pro Tag (Stand 2009).

Volksgruppen

In Nigeria leben mehr als 250 Ethnien. Die gr√∂√üten und politisch einflussreichsten V√∂lker in Nigeria sind die im Norden lebenden Hausa und Fulbe (muslimisch), die zusammen 29 Prozent der Bev√∂lkerung ausmachen und zur Gruppe Hausa-Fulani zusammengefasst werden, die Yoruba mit 21 Prozent im S√ľdwesten und die Igbo (christlich) mit 18 Prozent im S√ľden. Hinzu kommen weitere Ethnien, unter ihnen die Ijaw (10¬†%) im S√ľden, die Kanuri (4¬†%) im Nordosten, die Ibibio (3,5¬†%) im S√ľdosten und die Tiv (2,5¬†%) im Osten, sowie zahlreiche kleinere V√∂lker wie die Umon. Im Jahre 2017 waren 0,6¬†% der Bev√∂lkerung im Ausland geboren. Die gr√∂√üten Gruppen kommen aus Benin (360.000), Ghana (230.000) und Mali (170.000).

Weil die von Hausa oder Yoruba dominierte Regierung und vor 1960 die britische Kolonialmacht ihre Forderungen nach politischer Partizipation zur√ľckwies, wehrten sich einzelne ethnische Minderheiten gegen die politische Benachteiligung oder die Zerst√∂rung ihrer Lebensgrundlagen etwa durch umweltsch√§dliche Erd√∂lf√∂rderung. So m√ľndete im Jahr 1964 die Unterdr√ľckung christlicher Tiv im von muslimischen Haussa-Fulbe dominierten Norden Nigerias, die sich unter anderem in einer f√ľr die Tiv nachteiligen Steuererhebung manifestierte, in Unruhen, die bis zu 4000 Todesopfer forderten.

Sprachen

Gesprochen werden vor allem Yoruba, Hausa, Igbo, Fulfulde und Kanuri sowie eine dreistellige Zahl anderer Sprachen ‚Äď insgesamt 514 verschiedene Sprachen und Idiome; von diesen haben Ibibio, Tiv, Ebira, Igala, Edo, Izon, Nupe, Idoma und Efik jeweils mehr als eine Million Sprecher. Amtssprache ist jedoch die Sprache der ehemaligen Kolonialmacht Gro√übritannien, Englisch. Weitere Amtssprachen sind Igbo, Yoruba und Hausa. Der Alphabetisierungsgrad betr√§gt inzwischen 59,6¬†% (bei M√§nnern 69,2¬†%, bei Frauen 49,7¬†% / Stand 2015). Analphabetismus ist vor allem im armen Norden verbreitet.

Daneben haben Hausa, Igbo und Yoruba halboffizielle Stellungen. Auf regionaler Ebene jedoch haben die meisten Bundesstaaten Englisch als Amtssprache. In Nordnigeria ist aus religi√∂s-kulturellen und historischen Gr√ľnden zudem die Arabische Sprache in Gebrauch. Auch die Hausa-Sprache wird in der arabischen Schrift geschrieben (dem sogenannten Adschami). Die Schriften der Igbo und der Yoruba hingegen basieren auf dem lateinischen Alphabet. Im Nigerdelta, wo vor der Ankunft der Europ√§er zahlreiche unterschiedliche Sprachen gesprochen wurden, entwickelte sich bereits fr√ľh eine neue Kreolsprache, die nigerianische Pidginsprache, welche auf dem Englischen basiert. Au√üerdem spielt die franz√∂sische Sprache durch die geographische Situation, s√§mtliche Nachbarstaaten haben das Franz√∂sische als Amtssprache, eine Rolle und ist in gebildeten Kreisen als Fremdsprache verbreitet.

Religionen

In Nigeria besteht eine kaum √ľberschaubare Vielfalt an religi√∂sen Gemeinschaften. Eine nigerianische Studie ermittelte 2003 Bev√∂lkerungsanteile von 50,5¬†% f√ľr Muslime und 48,2¬†% f√ľr Christen. Auch zahlreichen anderen Sch√§tzungen zufolge sind etwa 50¬†% der Nigerianer Muslime, zwischen 40 und 46¬†% sind Christen und der restliche Teil bekennt sich zu einer traditionellen afrikanischen Religion.

Christentum

Von den bis zu 48¬†% Christen sind 74¬†% Protestanten, 25¬†% Katholiken und 1¬†% geh√∂ren anderen Konfessionen an. Einzelnen christlichen Sch√§tzungen zufolge sollen hingegen Christen mit 50,8¬†% eine hauchd√ľnne Mehrheit im Land stellen. Als Dachverband der nigerianischen Christen, die vor allem im S√ľden des Landes leben, fungiert der Christian Council of Nigeria innerhalb des Dachverbandes der Christian Association of Nigeria.

Islam

Die Muslime leben vor allem im Norden des Landes, muslimische Mehrheiten gibt es aber auch in den √ľberwiegend von Yoruba bewohnten und an Lagos heranreichenden s√ľdwestlichen Bundesstaaten Oyo, Ogun und Osun. Traditionell ist der Islam in Nigeria sehr stark von den sufischen Bruderschaften gepr√§gt. In den 1940er und 1950er Jahren erlebten die Sufi-Orden der QńĀdirńęya und TidschńĀnńęya eine starke Popularisierung. In dem Gebiet des Zusammenflusses von Niger und Benue ist besonders die von Ibrahim Baye Niass gegr√ľndete Niass-TidschńĀnńęya verbreitet. QńĀdirńęya und TidschńĀnńęya bek√§mpften sich allerdings in den 1950er und 1960er Jahren gegenseitig, wobei es auch zu gewaltsamen Zusammenst√∂√üen kam.

Unter dem Einfluss von Abubakar Gumi, der 1962 zum Ober-Kadi von Nord-Nigeria ernannt wurde und in B√ľchern und im Radio die Praktiken und religi√∂sen Konzepte der sufischen Bruderschaften heftig kritisierte, verschob sich die islamische Identit√§t in Nigeria ab 1970 weg von der Sufik hin zu einer explizit anti-sufischen Haltung. Eine besonders wichtige Rolle spielte hierbei die im M√§rz 1978 in Jos gegr√ľndete Organisation Yan Izala, die sich zwischen 1978 und 1980 gewaltsame Auseinandersetzungen mit den beiden sufischen Bruderschaften lieferte und 1985 von staatlicher Seite als K√∂rperschaft anerkannt wurde. In St√§dten wie Kano nahm der Islamismus stark zu, und wahhabitische Klassiker aus Saudi-Arabien erlebten eine starke Verbreitung. Nach der Islamischen Revolution in Iran hielten au√üerdem schiitische-revolution√§re Lehren Einzug in Nigeria, was den Konflikt zwischen den verschiedenen islamischen Gruppen noch einmal verkomplizierte. Eine erste Initiative zur √úberwindung der Zwietracht unter den nigerianischen Muslimen war der sogenannte Sokoto Accord von 1988.

Aufgrund dieser speziellen religi√∂sen Pr√§gung ist in Nigeria Polygamie weit verbreitet. Sch√§tzungen zufolge lebt im Nordosten des Landes bei 40 Prozent der verheirateten Frauen mindestens eine weitere Ehefrau mit demselben Mann. Die meisten polygamen Ehen werden statistisch von wohlhabenden M√§nnern h√∂heren Alters gef√ľhrt, die wenigsten von mittellosen jungen M√§nnern.

Einheimische Religionen

Obwohl kaum noch ein Zehntel der Bev√∂lkerung traditionellen Religionen angeh√∂ren, sind die √úberg√§nge zwischen ihnen und dem afrikanischen Volksislam, dem Christentum westafrikanischer Kirchen und ihren lokalen Varianten flie√üend. Ahnenkult und Fetischismus spielen sowohl bei nigerianischen Christen als auch Muslimen eine gro√üe Rolle. In Nordnigeria geh√∂ren die Besessenheitskulte der Bori- und Dodo-Geister zu den von der muslimischen Mehrheit verschm√§hten Traditionen. Im S√ľden wird der Einfluss der Religion der Yoruba bei den Festlichkeiten in der heiligen Stadt Ile-Ife ersichtlich.

Interreligiöse Konflikte

Es kam in der Vergangenheit oft zu Streitigkeiten zwischen den Religionsgruppen. Seit der Demokratisierung Nigerias 1999 nehmen Islamisierungstendenzen im ganzen Land zu. So wurde auf Druck islamischer Gruppen in den Bundesstaaten im Nordteil des Landes die Scharia eingef√ľhrt. Seither fielen Tausende religi√∂sen Pogromen zum Opfer. Islamistische Gruppen wie Boko Haram setzen sich f√ľr die Einf√ľhrung der islamischen Scharia in ganz Nigeria und das Verbot westlicher Bildung ein, was immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen mit Christen oder gem√§√üigten Muslimen f√ľhrt. Von 1999 bis 2004 soll der Konflikt auf beiden Seiten etwa 10.000 Menschenleben gekostet haben. Bei wiederholten √úbergriffen wie den Anschl√§gen auf christliche Kirchen 2011 kam es zu zahlreichen Toten, bei einem Anschlag gegen eine Koranschule wurden sieben Menschen verletzt.

Soziale Lage

Gesundheit

Kranke, Arme und Alte sind auf Familienhilfe angewiesen, nur Regierungsbedienstete kommen in den Genuss √∂ffentlicher F√ľrsorge. Niedrige Einkommen, die schnell wachsende Bev√∂lkerung und die leere Staatskasse f√ľhrten zum Scheitern aller Pl√§ne, ein Gesundheits- und Rentensystem zu schaffen. Epidemien fordern unter der unterern√§hrten und schlecht versorgten Landbev√∂lkerung oft Tausende von Opfern. Der erste Ausbruch von Ebolafieber in Nigeria (in Lagos und Port Harcourt) im Zuge der Ebolafieber-Epidemie 2014 konnte jedoch recht schnell einged√§mmt werden.

Die Gesundheitsbeh√∂rde National Agency for Food and Drug Administration and Control (NAFDAC) wurde 1993 gegr√ľndet und bis 2009 unter der F√ľhrung von Dora Akunyili zu einer starken Organisation ausgebaut.

Wegen des aus religi√∂sen Gr√ľnden verh√§ngten Impfverbots in n√∂rdlichen Teilen Nigerias waren 2004 fast zwei Drittel der weltweit √ľber 1250 Polio-F√§lle (Kinderl√§hmung) in Nigeria anzutreffen. Damals hatten die Beh√∂rden die Impfungen ausgesetzt, nachdem muslimische Geistliche das Ger√ľcht verbreiteten, der Impfstoff mache unfruchtbar. Auch in die angrenzenden L√§nder wurde Polio durch dieses Verbot transportiert. Nachdem die WHO 2015 Nigeria von der Liste der L√§nder gestrichen hatte, in denen Polio endemisch ist, wurde August 2016 wieder bei zwei Kindern mit L√§hmungserscheinungen der Polio-Virus diagnostiziert.

Die Kindersterblichkeit konnte stark gesenkt werden. 1950 starben ein Drittel der Kinder vor ihrem 5. Geburtstag, im Jahr 2017 sind es noch ein Zehntel.

Die Trinkwasserversorgung im Land ist wie in den Nachbarstaaten Niger und Tschad sehr schlecht. Zugang zu sauberem Trinkwasser, seit 2010 ein offizielles Menschenrecht der UNO, besitzt laut WHO und UNICEF nicht einmal jeder zweite nigerianische B√ľrger.

Bildung

In Nigeria herrscht eine neunjährige Schulpflicht vom 6. bis zum 15. Lebensjahr. Die Einschulungsrate von 93 Prozent ist im Vergleich zu den Nachbarstaaten relativ hoch. Dennoch besuchen inzwischen nur noch etwa 50 Prozent aller Kinder im Schulalter eine Schule. Betrug der Bildungsetat 1985 noch 12,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, so sanken die Ausgaben 2003 auf 4,6 Prozent. Da deshalb der Besuch öffentlicher Schulen schon längst nicht mehr gewährleistet, Rechnen, Schreiben oder Lesen zu lernen, wächst vor allem in den Städten Lagos und Abuja die Zahl privater Bildungseinrichtungen, welche versuchen den Erwartungen der aufstrebenden Mittelschicht gerecht zu werden. Allerdings befinden sich Schulen und besonders Hochschulen in außerordentlich schlechtem Zustand. Hinzu kommt, bedingt durch ausbleibende Gehaltszahlungen, die geringe Motivation der Lehrkräfte und die enorme Zahl an Streiks, weswegen der Unterricht zuweilen vollständig unterbleibt.

Neben dem westlichen Schulsystem gibt es in Nigeria das islamische Schulsystem der Madrasas. Dieses hat seit den 1970er Jahren eine starke Expansion erfahren. Ein besonders wichtiges Zentrum islamischer Bildung ist Ilorin, wo die Ansaru 'l-Islam Society 1947 eine Schule aufbaute, die westliche und islamische Bildung miteinander kombiniert. Schon 1962 wurde außerdem ein Zweiginstitut der al-Azhar-Universität in Ilorin eröffnet.

Kriminalität

Neben den allgemeinen Kriminalitätsformen treten drei Kriminalitätsfelder immer wieder in den Fokus des öffentlichen Interesses:

  1. Kriminelle Banden zapfen √Ėl-Pipelines an und verkaufen das abgezapfte √Ėl auf dem Schwarzmarkt. Da dies sehr oft unter Billigung der Bev√∂lkerung geschieht, kommt es h√§ufig zu Menschenansammlungen an den illegalen Entnahmestellen. Ausgel√∂st durch Funkenbildung hat es schon eine Vielzahl von Explosionen gegeben, die teilweise mehrere Hundert Menschenleben gefordert haben.
  2. Eine weitere bekannte Kriminalit√§tsform ist der Vorauszahlungs- oder Vorschussbetrug, der auch als Nigerianische Betrugsmasche (in Deutschland auch unter dem Begriff ‚ÄěNigeria-Connection‚Äú) bekannt ist.
  3. In Nigeria sind Entf√ľhrungen keine Seltenheit. Dahinter stehen in der Regel kriminelle Banden oder Rebellenorganisationen. W√§hrend kriminelle Organisationen sich von der Entf√ľhrung ein L√∂segeld versprechen, k√§mpfen Rebellenorganisationen oft f√ľr politische Forderungen. Die meisten Geiseln kommen nach Zahlung eines L√∂segeldes nach einigen Tagen wieder frei.

Geschichte

In vorkolonialer Zeit existierten auf dem Gebiet des heutigen Nigeria verschiedene Staaten, so beispielsweise die Yoruba-K√∂nigreiche Oyo und Ife im S√ľden, das K√∂nigreich Benin im S√ľdwesten, das Kalifat von Sokoto im Nordwesten und die Emirate der Hausa im Norden, aber auch Gesellschaften ohne eine zentrale politische Autorit√§t.

1861 begann die Kolonisierung Nigerias durch Großbritannien. 1960 erhielt Nigeria mit einer föderalen Verfassung die Unabhängigkeit.

Bis zum Jahre 1966 regierte Premierminister Abubakar Tafawa Balewa das Land, während der Unabhängigkeitspräsident Benjamin Nnamdi Azikiwe nur zeremonielle Funktionen innehatte.

Instabilität von 1967 bis 1970

Nach zahlreichen inneren Unruhen, Wahlmanipulationen und Gewaltausbr√ľchen √ľbernahm das Milit√§r die Macht und beendete die I. Republik. Am 30. Mai 1967 wurde im S√ľdosten Nigerias die Republik Biafra proklamiert, die mit dem Biafra-Krieg 1970 endete. Im Jahre 1975 wurde der Milit√§rdiktator Yakubu Gowon unblutig durch General Murtala Mohammed gest√ľrzt, der selbst sechs Monate sp√§ter bei einem gescheiterten Putschversuch get√∂tet wurde. Sein Nachfolger wurde General Olusegun Obasanjo, der das Demokratisierungsprogramm seines Vorg√§ngers fortsetzte und 1979 die Regierungsgewalt an den zivil gew√§hlten Pr√§sidenten Shehu Shagari √ľbergab. Die 1970er-Jahre waren √∂konomisch durch einen massiven √Ėlboom gekennzeichnet, Nigeria wurde der gr√∂√üte Erd√∂lexporteur Afrikas.

Militärdiktaturen ab 1983

Ende 1983 wurde die II. Republik unter Shagari gest√ľrzt, General Muhammadu Buhari putschte sich an die Macht, wurde aber kurz darauf 1985 durch seinen Kameraden General Ibrahim Babangida in einem Palastcoup abgel√∂st. Babangida regierte bis 1993. Korruption und Repression stiegen w√§hrend seiner Regierungszeit permanent an, ein Demokratisierungsprozess zur Gr√ľndung einer III. Republik endete als Fehlschlag, Babangida lie√ü die abschlie√üenden Pr√§sidentschaftswahlen annullieren. Nach dem Mordprozess des innenpolitischen Vertreters ‚ÄěMarcus L‚ÄôHoste‚Äú trat er daraufhin im August 1993 die Macht an eine kurzzeitige √úbergangsregierung (‚ÄěIII. Republik‚Äú) ab, die schlie√ülich noch im November desselben Jahres dem Milit√§rdiktator Sani Abacha weichen musste. Es folgte eine der brutalsten Milit√§rdiktaturen in der nigerianischen Geschichte, die unter anderem durch die Hinrichtung der ‚ÄěOgoni Nine‚Äú (unter anderem Ken Saro-Wiwa) gekennzeichnet wurde, woraufhin Nigeria im Jahr 1995 mit sofortiger Wirkung aus dem Commonwealth of Nations ausgeschlossen wurde.

Demokratisierung 1998

Abacha starb im Jahre 1998, sein Nachfolger Abdulsalami Abubakar zog innerhalb eines Jahres ein eilig zusammengestelltes Demokratisierungsprogramm durch, das vor allem zum Ziel hatte, Nigeria wieder als gleichberechtigtes Mitglied in die internationale Staatengemeinschaft zur√ľckzuf√ľhren. 1999 wurde der ehemalige Milit√§rpr√§sident Olusegun Obasanjo als erster Pr√§sident der IV. Republik vereidigt und 2003 in umstrittenen Wahlen f√ľr eine zweite Amtszeit best√§tigt. Die IV. Republik war durch eine aktive Au√üenpolitik in der Lage, die Sch√§den der Abacha-Diktatur zu beseitigen (etwa durch die Wiederaufnahme ins Commonwealth), sah sich jedoch starken innenpolitischen Unruhen ausgesetzt, die bis heute andauern.

2020 protestierten vor allem junge Nigerianer gegen die grassierende Polizeigewalt im Land. Der polizeilichen Sondereinheit SARS (Special Anti-Robbery Squad) werden Erpressung nach willk√ľrlichen Festnahmen, Korruption, Folter, Mord und Vergewaltigung vorgeworfen. Die Regierung l√∂ste die Einheit auf, versprach eine Verbesserung der Verh√§ltnisse und ging mit massiver Gewalt gegen die Proteste vor. Bei einer Demonstration im Oktober 2020 erschossen Sicherheitskr√§fte dutzende Menschen.

Politik

Politisches System

Gem√§√ü der nach amerikanischem Vorbild entworfenen Verfassung von 1989, die jedoch erst am 17. Mai 1999 in Kraft trat, verf√ľgt Nigeria √ľber ein pr√§sidiales Regierungssystem mit einem Senat (109 Abgeordnete) und einem Repr√§sentantenhaus (360 Abgeordnete). Dar√ľber hinaus gew√§hrleistet die Verfassung ein Mehrparteiensystem und alle vier Jahre stattfindende Wahlen. Der Pr√§sident verf√ľgt √ľber weitreichende Vollmachten und ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef und Oberbefehlshaber der Armee. Der Vizepr√§sident tritt im Falle des Todes oder des R√ľcktritts des Pr√§sidenten ohne Wahl an dessen Stelle.

Die vorletzten Wahlen, bei denen Umaru Yar‚ÄôAdua mit 70¬†% der Stimmen zum Pr√§sidenten gew√§hlt wurde, fanden im April 2007 statt. Im November 2009 erkrankte Umaru Yar‚ÄôAdua an Perikarditis (Herzbeutelentz√ľndung) und wurde in Saudi-Arabien behandelt. Die Amtsgesch√§fte wurden in dieser Zeit durch Vizepr√§sident Goodluck Jonathan gef√ľhrt; die Mutma√üungen √ľber die Amtsunf√§higkeit des Pr√§sidenten f√ľhrten zu einer innenpolitischen Krise. Das nigerianische Parlament ernannte Jonathan am 9. Februar 2010 zum amtierenden Pr√§sidenten und bereits am 17. M√§rz l√∂ste dieser die Regierung auf. Kurz nach dem Tod Yar‚ÄôAduas am 5. Mai 2010 wurde Jonathan als Pr√§sident vereidigt; bei den Pr√§sidentschaftswahlen 2011 wurde er f√ľr vier weitere Jahre im Amt best√§tigt. Die Pr√§sidentschaftswahl in Nigeria 2015 wurde durch den Kandidaten der Opposition, Muhammadu Buhari gewonnen. Der Nigeria-Experte Heinrich Bergstresser hatte zuvor ge√§u√üert, dass es ein politisch-kultureller Fortschritt in Nigeria w√§re, wenn es gel√§nge, einen Amtsinhaber in demokratischer Weise aus dem Amt zu w√§hlen. 2019 wurde Buhari wiedergew√§hlt.

Parteien

Seit der Aufhebung des Parteienverbots unter Sani Abacha im Jahr 1998 hat sich eine gro√üe Vielfalt an Parteien entwickelt. Bei den Wahlen 2003 ging die 1998 gegr√ľndete konservativ-liberale People‚Äôs Democratic Party (PDP) als st√§rkste Partei hervor. Weitere Parteien sind die konservative All Nigeria People‚Äôs Party (ANPP; hervorgegangen aus der All People‚Äôs Party), die liberale Alliance for Democracy (AD) und der ebenfalls liberale Action Congress (AC).

Justizwesen

Wie in vielen f√∂deralen Staaten gibt es sowohl im zivilrechtlichen als auch im strafrechtlichen Bereich ein komplexes, von Pluralismus gepr√§gtes Rechtssystem. Neben dem Bundesrecht gibt es f√ľr jeden der 36 Bundesstaaten eigene Rechtsgrundlagen. Neben dem Angels√§chsischen Recht aus dem Common Law existiert muslimisches Recht und f√ľr den zivilrechtlichen Bereich vielfach zus√§tzlich ethnisch definierte gewohnheitsrechtliche Grundlagen. Recht wird gesprochen nach Wohnort, nach ethnischer Zuschreibung und nach Religionszugeh√∂rigkeit. F√ľr das Strafrecht sieht die Verfassung seit 1999 vor, dass die Gesetze von einer gesetzgebenden Versammlung verabschiedet und in englischer Sprache schriftlich niedergelegt sein m√ľssen. Die muslimischen Strafgesetzb√ľcher des Nordens sind nicht in jedem Bundesstaat dieselben und sie unterscheiden bei Strafma√ü und Vergehen nach Religionszugeh√∂rigkeit (beispielsweise Alkoholkonsum und -vertrieb). Auf internationaler Ebene ist Nigeria an internationale Menschenrechtsstandards gebunden und war Unterzeichner der Kairoer Erkl√§rung der Menschenrechte im Islam.

Menschenrechte

Die Situation der H√§ftlinge in den Gef√§ngnissen ist nach Angaben von Amnesty International keineswegs zufriedenstellend. Unmenschliche oder erniedrigende Behandlung auf Polizeiwachen und in Gef√§ngnissen geh√∂ren demnach zur Tagesordnung. Die Gef√§ngnisse sind nach wie vor √ľberbelegt. Aufgrund der schlechten hygienischen Verh√§ltnisse und der mangelhaften Ern√§hrung erkranken die Insassen in vielen F√§llen an Tuberkulose, HIV und anderen schweren Infektionskrankheiten. Daher ist die Sterblichkeitsrate in den Anstalten sehr hoch. Die generelle medizinische Versorgung f√ľr die Gefangenen ist schlecht und politischen Gefangenen wird auch bei schweren Erkrankungen die √§rztliche Behandlung verweigert. Folter und Misshandlung von politischen Gefangenen, aber auch von Straftatverd√§chtigen, durch Soldaten oder durch die Polizei sind in Nigeria nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen eher die Regel als die Ausnahme. Die Opfer werden direkt bei der Verhaftung gefoltert oder misshandelt, auch mit dem Ziel, Gest√§ndnisse von ihnen zu erpressen.

Die Anzahl der Hinrichtungen in Nigeria ist nach wie vor hoch, speziell im Norden des Landes. Seit 1983 wurden √ľber 1200 Todesurteile vollstreckt. Allein im Jahr 1997 wurden in Nigeria 33 Menschen hingerichtet und 43 zum Tode verurteilt. Etwa 800 zum Tode verurteilte Personen befanden sich 1997 noch in Haft. Im muslimisch gepr√§gten Norden Nigerias kann die Todesstrafe auch bei Minderj√§hrigen angewandt werden, da dort seit der Jahrtausendwende das islamische Recht, die Scharia, gilt. Zu den bereits Hingerichteten z√§hlte auch der 17-j√§hrige Chidiebere Onuoha, der im Juli 1997 vor Tausenden von Schaulustigen √∂ffentlich erschossen wurde. Das UN-√úbereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe hat Nigeria jedoch unterzeichnet und mittlerweile auch ratifiziert.

Das Leben vieler Kinder in Nigeria ist gezeichnet von Armut, Krankheit und Entbehrungen. Viele sind gezwungen zu arbeiten. Etwa 13 % aller Kinder unter 14 Jahren verrichten Arbeit. Darunter werden auch viele von militanten Gruppen und Banden rekrutiert oder sogar in andere Länder verschleppt, um dort als Kindersoldaten in den Krieg zu ziehen. Ein besonderes Problem stellt auch die Situation der Mädchen dar. Sie werden in den Armeen und Rebellengruppen häufig Opfer sexueller Gewalt. Viele Kinder des Landes sind AIDS-Waisen.

Die Lage der Homosexuellen in Nigeria ist besonders schwierig: Das √∂rtliche Scharia-Strafrecht sieht schon jetzt in den zw√∂lf n√∂rdlichen Bundesstaaten Nigerias f√ľr homosexuelle Menschen die Todesstrafe durch Steinigung vor. In anderen Teilen muss man lebenslang ins Gef√§ngnis.

Internationale politische Beobachter bef√ľrchten, dass das gegenw√§rtig im Gesetzgebungsverfahren befindliche schwulenfeindliche Gesetz unter dem Titel The Prohibition of Relationships Between Persons of the Same Sex, Celebration of Marriage by Them, and for Other Matters Connected Therewith, internationale Verpflichtungen und eingegangene Vertr√§ge Nigerias gegen√ľber den Vereinten Nationen, dem Commonwealth und der Afrikanischen Charta der Menschenrechte und der Rechte der V√∂lker verletzt. Bet√§tigungen in nichtstaatlichen oder zivilgesellschaftlichen Gruppen, die sich f√ľr schwule Gleichberechtigung einsetzen, sollen automatisch mit f√ľnf Jahren Gef√§ngnis bestraft werden.

Peter Tatchell von der LGBT- und Menschenrechtskampagne bezeichnete das geplante Gesetz als das weltweit repressivste Gesetz. Es versch√§rfe das aus dem 19. Jahrhundert stammende Strafgesetz, Kapitel 42, Paragraph 214, welches in der britischen Kolonialzeit eingef√ľhrt wurde. Der Gesetzesentwurf versto√üe au√üerdem gegen die nigerianische Verfassung.

Frauenbewegung

Bereits vor 150 Jahren entstand in Nigeria unter F√ľhrung der Dichterin Nana Asma‚Äôu die Yan‚ÄôTaru Bewegung, eine islamisch religi√∂se Bewegung, die sich die Weitergabe von religi√∂sem sowie allt√§glichen Wissen von Frauen an Frauen zum Ziel gesetzt hatte. Heute gibt es eine Anzahl s√§kularer sowie religi√∂ser Frauen, die sich als Aktivistinnen oder Akademikerinnen f√ľr Frauenrechte einsetzen. Zu den wichtigsten Frauenorganisationen geh√∂ren u.¬†a. Women In Nigeria, der National Council of Women‚Äôs Societies, das Women‚Äôs Aid Collective und die Federation of Muslim Women‚Äôs Association in Nigeria. Wichtige Namen der Frauenbewegung sind beispielsweise Ayesha Imam und Joy Ezeilo.

Außenpolitik

Das Verh√§ltnis zu den westafrikanischen Nachbarstaaten ist von der engen Zusammenarbeit im Rahmen der Regionalorganisation gepr√§gt. Dabei sind die Grenzen aufgrund der Niederlassungsfreiheit und des relativ freien Waren- und Personenverkehrs f√ľr ECOWAS-B√ľrger weitgehend offen. Viele Nigerianer leben in den ECOWAS-L√§ndern und viele Menschen aus den anderen ECOWAS-L√§ndern leben und arbeiten in Nigeria. Mit Niger und Tschad gibt es eine Zusammenarbeit zur Sicherung der Grenzen in der Tschadsee-Region. Zur Bek√§mpfung der islamistischen Terroristen (Boko Haram) arbeitet Nigeria mit den L√§ndern der Region eng zusammen.

Die Beziehungen zu den Nachbarn im Golf von Guinea, √Ąquatorialguinea und Sao Tom√© und Principe sind gut. Sie werden vor allem von Fragen der Nutzung der √Ėl- und Gasreserven gepr√§gt. Mit Sao Tom√© und Principe besteht eine gemeinsame Wirtschaftszone zur Erschlie√üung der Rohstoffvorkommen im Seegebiet zwischen beiden L√§ndern.

Nach der au√üenpolitischen Isolierung w√§hrend der Milit√§rherrschaft in den 1990er Jahren engagierte sich Nigeria unter der Amtszeit Obasanjos wieder st√§rker in internationalen Organisationen. Nigeria nimmt inzwischen eine F√ľhrungsrolle in ganz Afrika ein.

In der Gruppe der Entwicklungsl√§nder nimmt Nigeria eine wichtige Rolle als Sprecher f√ľr afrikanische Belange ein. Darauf gr√ľndet sich der weiterhin erhobene Anspruch auf einen st√§ndigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Zusammenhang mit dessen Reform. 2010/2011 und 2014/2015 war Nigeria nichtst√§ndiges Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, f√ľr 2018/2020 bewirbt sich Nigeria um einen Sitz im UN-Menschenrechtsrat.

Nigeria ist nach Ansicht vieler Beobachter der m√§chtigste Staat Westafrikas. Entsprechend hat es den Vorsitz der ECOMOG, des Sicherheitsapparats der ECOWAS inne. Dar√ľber hinaus ist es Mitglied zahlreicher internationaler Organisationen, darunter:

  • Afrikanische Union
  • Commonwealth
  • ECOWAS

Außerdem strebt Nigeria einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an, in dem bisher kein afrikanisches Land dauerhaft vertreten ist

  • NEPAD (welche auf Initiative Nigerias gegr√ľndet wurde)
  • OPEC (seit 1971)
  • OIC (seit 1986).

Nigeria ist Mitglied der Internationalen Kakao-Organisation.

2008 wurde ein seit 1981 bestehender, gewaltsamer Grenzkonflikt mit Kamerun endg√ľltig beigelegt.

Sicherheit

Die Sicherheitslage in Nigeria gilt trotz der politischen Stabilit√§t als nicht ausreichend. Boko Haram ist seit Mitte 2010 f√ľr zahlreiche schwere Anschl√§ge mit Tausenden von Todesopfern verantwortlich. Seitdem fielen diesem Konflikt unterschiedlichen unabh√§ngigen Sch√§tzungen zufolge zwischen 20.000 und 30.000 Menschenleben zum Opfer. Das Fl√ľchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR z√§hlt etwa 1,8 Millionen Binnenvertriebene und etwa 200.000 nigerianische Fl√ľchtlinge in den Nachbarl√§ndern, die vor den K√§mpfen im Nordosten Nigerias geflohen sind.

Die von Boko Haram betroffenen Staaten haben sich im Februar 2015 auf die Aufstellung einer 8700 Mann starken Multinational Joint Task Force zur gemeinsamen Bek√§mpfung von Boko Haram verst√§ndigt. Bis Oktober 2015 konnte Boko Haram aus allen von ihr kontrollierten St√§dten und aus fast allen Landkreisen im Nordosten Nigerias vertrieben werden, ohne dass es den nigerianischen Sicherheitsbeh√∂rden bisher gelungen ist, diese Gebiete vollst√§ndig abzusichern und vor weiteren Angriffen der Islamisten zu sch√ľtzen. Mit Selbstmordanschl√§gen in den St√§dten und Angriffen auf einzelne Orte, vor allem in l√§ndlichen Regionen, bleiben die Islamisten weiterhin aktiv.

In Zentralnigeria flammten die Konflikte zwischen muslimischen Hausa-Fulani-Hirten und einheimischen christlichen Bauern wieder st√§rker auf, besonders in den Bundesstaaten Kaduna, Plateau, Taraba und Benue. In einzelnen F√§llen forderten diese Auseinandersetzungen mehrere hundert Tote. Der Konflikt um Land und Ressourcen nimmt durch die fortschreitende W√ľstenbildung in Nordnigeria, das Bev√∂lkerungswachstum und die allgemein angespannte wirtschaftliche Lage zu.

Im Nigerdelta kam es zu heftigen Angriffen auf die √Ėlinfrastruktur seitens militanter Gruppen. Ein von der nigerianischen Regierung aufgelegtes Amnestie-Programm wurde daraufhin bis Ende 2017 verl√§ngert. Nachdem sie zuerst eher auf milit√§rische L√∂sungen zu setzen schien, zeigt sich die Regierung mittlerweile bereit, mit Interessengruppen aus dem Nigerdelta zu verhandeln. Im August 2016 konnte eine Waffenruhe vereinbart werden, die weiterhin ‚Äď mit einigen wenigen Unterbrechungen ‚Äď anh√§lt. Die Lage bleibt allerdings fragil.

Militär

Nigeria verf√ľgt √ľber eine Berufsarmee mit 77.100 Mann (Heer 80,4¬†%; Marine 7,3¬†%; Luftwaffe 12,3¬†%). Nigeria gab 2017 knapp 0,4 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 1,6 Mrd. US-Dollar f√ľr seine Streitkr√§fte aus.

Chef des Verteidigungsstabes ist seit 2008 Air Marshal Paul Dike. Dem Verteidigungsstab gehören daneben die Chefs des Armeestabes Generalmajor A. B. Dambazau, des Luftwaffenstabes Air Marshal Oluseyi Petinrin sowie des Marinestabes Konteradmiral Isaiah Iko Ibrahim an.

Bei der Luftwaffe stehen Maschinen des Typs MiG-21 (Versionen MF, UM und bis), F-7NI (chinesische Version der MiG-21), L-39, Alpha Jet als Kampfjets, ATR 42MP zur √úberwachung der K√ľste, Dornier 228, Aeritalia G.222 und eine C-130H Hercules als Transportmaschinen sowie Hubschrauber vom Typ A109 und Mil Mi-24 bzw. Mi-35 im Dienst.

Militante Bewegungen

Insbesondere seit dem Ende der Milit√§rdiktatur 1999 haben sich in Nigeria zahlreiche B√ľrgerwehren, Schutztruppen, Milizen, Geheimb√ľnde und Gangs formiert, die sich teils als ethnische, teils als religi√∂se, teils als politische Bewegungen verstehen.

  • Im Nigerdelta sind das etwa die Egbesu Boys, die Iduwini Volunteer Force (IVF), die Niger Delta People‚Äôs Volunteer Force (NDPVF), die South-South Liberation Movement (SSLM); Die Niger Delta Liberation Force (NDLF) und das Movement for the Emancipation of the Niger Delta (MEND);
  • in den n√∂rdlichen, islamischen Bundesstaaten die Hisbah Gruppen, welche als Islamische Religionspolizei fungiert; sowie die Terrorgruppe Boko Haram, die seit 2009 auch in Verb√§nden von mehr als 100 K√§mpfern Gefechte mit nigerianischen Streit- und Sicherheitskr√§ften ausgetragen hat, oder Massaker ver√ľbte.
  • im S√ľdwesten der O‚Äôodua People‚Äôs Congress (OPC);
  • im S√ľdosten die Bakassi Boys, die Bewegung f√ľr die Verwirklichung eines souver√§nen Staates Biafra (MASSOB), der Anambra Vigilance Service (AVS), die National Association of Road Transport Owners (NARTO) und die National Union of Road Transport Workers (NURTW);
  • an den Universit√§ten magische Geheimb√ľnde wie die The Black Axe Confraternity
  • sowie in den Gro√üst√§dten eine Vielzahl von Jugendbanden, die allgemein als Area Boys bezeichnet werden.

Verwaltung

Nigeria ist seit 1967 in Bundesstaaten eingeteilt. In mehreren Reformen wurde die Zahl der Bundesstaaten von zwölf auf heute 36 (seit 1996) erhöht. Vor der Neuordnung 1967 war Nigeria in Regionen, vor der Unabhängigkeit 1960 in Provinzen gegliedert.

Zu den Bundesstaaten kommt das Hauptstadtterritorium (Federal Capital Territory, FCT) um Abuja. Auf zweiter Ebene sind die Bundesstaaten in insgesamt 774 Local Government Areas (LGA) gegliedert. Besonders den S√ľden des Landes pr√§gen eine sehr starke Urbanisierung und relativ gro√üe Zahl von St√§dten. Einer Sch√§tzung von 2015 zufolge gibt es in Nigeria 20 St√§dte mit mehr als 500.000 Einwohnern, darunter zehn Millionenst√§dte. Die mit Abstand bev√∂lkerungsreichste Agglomeration ist Lagos mit 13,340 Millionen Einwohnern. Weitere St√§dte sind Kano (4.030.000 Einwohner), Ibadan (3.060.000 Einw.), Abuja (2.710.000 Einw.) und Port Harcourt (2.010.000 Einw.).

Wirtschaft

Nach einer im April 2014 erfolgten Neuberechnung des nationalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2013, die seitdem Internet- und Handyums√§tze sowie die Filmindustrie korrekt ber√ľcksichtigt, ist Nigeria mit umgerechnet 372 Milliarden Euro vor der Republik S√ľdafrika die gr√∂√üte Volkswirtschaft Afrikas. 2016 lag es nach einer Neuberechnung wieder auf dem zweiten Platz hinter S√ľdafrika. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Nigeria Platz 125 von 137 L√§ndern (Stand 2017‚Äď2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegte Nigeria 2017 Platz 115 von 180 L√§ndern.

Das Wirtschaftswachstum ist selbst f√ľr westafrikanische Verh√§ltnisse sehr hoch. Doch das mit ca. 1450 US-Dollar vergleichsweise hohe BIP pro Kopf (2011) ist √§u√üerst ungleich verteilt. Ein weiteres gravierendes Problem stellt die Korruption dar. Zudem ist die Wirtschaft wenig diversifiziert und stark von der Roh√∂lausfuhr abh√§ngig.

Zu den florierenden Gebieten z√§hlen die Millionenmetropole Lagos sowie neuerdings auch die Hauptstadt Abuja. Weitere wirtschaftliche Zentren sind die Hafenstadt Port Harcourt und Kano im Norden. Da der S√ľden des Landes besser entwickelt ist, ziehen viele Menschen aus anderen Landesteilen aus wirtschaftlichen Motiven in den s√ľdlichen Teil des Landes.

Die Arbeitslosenrate lag im Jahr 2017 bei 13,4¬†%. Insgesamt verf√ľgte das Land im Jahr 2017 √ľber arbeitende Bev√∂lkerung von 60 Millionen, der gr√∂√üte Teil davon im informellen Sektor. Unterbesch√§ftigung und Jugendarbeitslosigkeit sind Probleme. Insgesamt sind 29 Industriegewerkschaften im Dachverband Nigeria Labour Congress (NLC) zusammengeschlossen. Ferner gibt es auch Gewerkschaften leitender Angestellter sowie Gewerkschaften von Freiberuflern.

Entwicklung

1956 wurden im S√ľden des Landes die ersten Erd√∂lvorkommen entdeckt, und ab 1958 wurde vom Konzern Shell-BP Erd√∂l nach Gro√übritannien exportiert. Als Nigeria in die Unabh√§ngigkeit entlassen wurde, war der wichtigste Wirtschaftszweig noch die Landwirtschaft. Es stammten noch 80¬†% der Einkommen des Landes aus dem Agrarsektor, sp√§ter kamen noch rund 70¬†% der Exportg√ľter aus der Landwirtschaft. Bis in die 1950er-Jahre hinein waren Erdn√ľsse das Hauptanbauprodukt, in den 1970er-Jahren war f√ľr den Weltmarkt fast nur noch der Kakaoanbau wichtig. Im Gegensatz zu anderen Staaten in Afrika wurden sie nicht gro√üma√üst√§blich auf Plantagen erzeugt, sondern von Kleinbauern angebaut. Das Land konnte damals noch Lebensmittel ausf√ľhren.

In den 1970er-Jahren kam es durch die √Ėlkrise zum Einbruch des Wachstums und einer Wirtschaftskrise, das Land ist seit den 1980er-Jahren hoch verschuldet. Im Jahr 1999 wurden im S√ľden Nigerias allerdings einige bedeutende Diamantenvorkommen entdeckt. Die Regierung begann sofort mit der intensiven F√∂rderung der Edelsteine. Seit 1999 hat sich Nigeria nach S√ľdafrika, Namibia und Sierra Leone zum viertgr√∂√üten Diamantenexporteur Afrikas entwickelt. Au√üerdem hat Nigeria seit 1999 mit der National Space Research and Development Agency eine Raumfahrtorganisation. Gegen√ľber 2006 versiebenfachten sich ausl√§ndische Investitionen im Jahr 2007 auf 2 Mrd. US-Dollar. 2007 lag das Wirtschaftswachstum wieder bei 8,26¬†%, die Inflationsrate jedoch bei 7¬†%. Der NSE Index war 2007 der weltweit siebterfolgreichste B√∂rsenindex. Die Wirtschaft konnte auch in den n√§chsten Jahren ein starkes Wachstum verzeichnen bis zum Einbruch des √Ėlpreises 2014. 2016 sank die Wirtschaftsleistung erstmals seit den 1990er-Jahren wieder um ‚ąí1,5¬†%.

Korruption

Aufgrund der weiterhin grassierenden Korruption in Nigeria geht der wirtschaftliche Aufschwung an der einheimischen Bev√∂lkerung beinahe komplett vorbei. Nigeria liegt im Korruptionswahrnehmungsindex 2010 der Organisation Transparency International auf Platz 134 von 178 L√§ndern, wobei den 178. Platz der korrupteste Staat besetzt. Um gegen dieses Problem vorzugehen, wurde 2002 die Regierungsbeh√∂rde Economic and Financial Crimes Commission (Kommission f√ľr Wirtschafts- und Finanzverbrechen) gegr√ľndet, welche zur Aufgabe hat, Formen der Wirtschaftskriminalit√§t wie Vorschussbetrug und Geldw√§sche zu bek√§mpfen und zu ahnden.

Betrug und Schmiergeldzahlungen sind trotzdem bis heute weit verbreitet. Die politische F√ľhrung bereichert sich seit Jahrzehnten durch Korruption, w√§hrend die Bev√∂lkerungsmehrheit verarmt: Mehr als die H√§lfte der Bev√∂lkerung lebt in extremer Armut und muss mit weniger als einem US-Dollar am Tag auskommen. Wegen des hohen Bev√∂lkerungswachstums von 2,3¬†% bis 3¬†% j√§hrlich d√ľrfte sich dieser Trend weiter versch√§rfen.

Wirtschaftszweige

Der Hauptschwerpunkt liegt in der Roh√∂lf√∂rderung. Etwa 88¬†% der Exporterl√∂se des Landes und 80¬†% der Staatseinnahmen stammt aus der Erd√∂lf√∂rderung. Nigeria ist einer der gr√∂√üten √Ėlproduzenten innerhalb der OPEC-Staaten. Die Roh√∂lf√∂rderung begann kurz nach der Entdeckung des √Ėlfeldes im Nigerdelta. Da sich die Wirtschaft inzwischen einseitig auf die Ausfuhr von Roh√∂l ausrichtet und die Landwirtschaft sowie die Industrie vernachl√§ssigt werden, muss das Land mittlerweile Lebensmittel importieren. Des Weiteren sch√§digt die mit der intensiven √Ėlf√∂rderung einhergehende Umweltverschmutzung in Teilen des Landes zus√§tzlich massiv den traditionell wichtigen prim√§ren Wirtschaftssektor.

Angebaut werden vor allem Erdn√ľsse und Kakao. Nigeria ist zudem der weltweit gr√∂√üte Produzent von Maniok und Yams sowie der zweitgr√∂√üte von Sorghum, Ingwer und S√ľ√ükartoffeln. Die Landwirtschaft kann allerdings weder die eigene Bev√∂lkerung ern√§hren noch wesentlich zum Exportgewinn beitragen, obwohl die H√§lfte der Bev√∂lkerung von der Landwirtschaft abh√§ngig ist. Besonders der Norden ist im Landesvergleich st√§rker agrarisch gepr√§gt. Mit der Guaranty Trust Bank ist seit 2007 die erste subsaharische Bank an der Londoner und Frankfurter B√∂rse gelistet. Der Landwirtschaftssektor erwirtschaftete 2016 noch knapp 20¬†% des Bruttoinlandsprodukt.

Der Dienstleistungssektor machte 2016 60 % des Bruttoinlandsprodukt aus. Aufgrund seiner jungen und großen Bevölkerung ist Nigeria ein Konsumentenmarkt von beachtlicher Größe.

Außenhandel

Da Nigeria in erster Linie Roh√∂l exportiert, ist die Handelsbilanz stark von der Entwicklung des √Ėlpreises abh√§ngig.

Zu den wichtigsten Handelspartnern z√§hlen China, die USA, Indien, die Mitgliedsstaaten der Europ√§ischen Union (vor allem Frankreich, die Niederlande, Spanien, Deutschland), Gro√übritannien, Brasilien und S√ľdafrika. China bleibt an der Spitze der Herkunftsl√§nder von Importen nach Nigeria. Inzwischen hat Indien die USA als Hauptabnehmer des nigerianischen Erd√∂ls abgel√∂st. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Nigeria betrug 2015 ca. 2,9 Milliarden EUR (2014: 5,4 Milliarden EUR). Damit ist Nigeria nach S√ľdafrika immer noch zweitwichtigster Handelspartner Deutschlands in Subsahara-Afrika. Exportiert wurden aus Deutschland 2015 G√ľter im Wert von rund 1,0 Milliarden EUR (2014: 1,4 Milliarden EUR), v.¬†a. Maschinen, Fahrzeuge sowie chemische Erzeugnisse. Der Wert der deutschen Importe (v.¬†a. Roh√∂l) sank 2015 auf 1,9 Milliarden EUR (2014: 3,95 Milliarden EUR), was v.¬†a. dem Preisr√ľckgang beim Roh√∂l geschuldet ist.

Kennzahlen

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 21,2 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 11,4 Milliarden US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 2,4¬†% des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Die Staatsverschuldung betrug 2016 75,5 Mrd. US-Dollar oder 18,6¬†% des BIP. Rund 70 Prozent der Steuereinnahmen kommen aus dem √Ėlsektor. Nur ein kleiner Teil der Bev√∂lkerung zahlt in Nigeria Steuern. Der Staat verliert zudem jedes Jahr Milliarden an Einnahmen durch Korruption. Von der Ratingagentur Standard & Poor‚Äôs werden die Staatsanleihen des Landes mit der Note B bewertet (Stand November 2018). Aufgrund seiner niedrigen Kreditw√ľrdigkeit muss Nigeria hohe Zinsen auf neue Schulden zahlen.

2009 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des Bruttoinlandsprodukts) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 5,8¬†%
  • Bildung: 0,9¬†% (1991)
  • Milit√§r: 1,5¬†%

Infrastruktur

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die Qualität der Infrastruktur misst, belegte Nigeria 2018 den 110. Platz unter 160 Ländern.

Straßenverkehr

Bis 1972 herrschte Linksverkehr in Nigeria.

Der √Ėlboom der 1970er Jahre erm√∂glichte einen Ausbau des Stra√üennetzes, so dass Nigeria als der f√ľr den Verkehr am besten erschlossene Staat Subsahara-Afrikas gelten kann. Zumindest alle Hauptst√§dte der Bundesstaaten sind an das Fernstra√üennetz angebunden; besonders stark frequentierte Strecken sind durch Schnellstra√üen verbunden, beispielsweise Lagos und Ibadan (Schnellstra√üe A 5), Lagos und Benin City (A 121), Onitsha und Enugu (A 232) oder Kano und Kaduna (A 2). Das Stra√üennetz hat eine L√§nge von ungef√§hr 200.000¬†km, von denen 60.000¬†km asphaltiert sind.

Dass der Autoverkehr im nigerianischen Transportwesen sehr wichtig geworden ist, beweist die Tatsache, dass im Jahr 1991 rund 90¬†% des Waren- und Personenverkehrs √ľber die Stra√üe liefen. Schlecht befestigte Stra√üen, √ľberh√∂hte Fahrgeschwindigkeiten und fehlende oder nur sp√§rlich vorhandene Verkehrszeichen f√ľhren besonders im S√ľdosten des Landes zu einer gro√üen Zahl von Verkehrsunf√§llen. Allein im Jahr 1988 verloren mehr als 9000 Menschen auf den nigerianischen Stra√üen ihr Leben. 2013 lag die Anzahl der Verkehrstoten bei 35.621 Personen. Zum Vergleich: In Deutschland gab es im selben Jahr 3540 Tote im Stra√üenverkehr.

Eisenbahn

Das von der Nigerian Railway Corporation betriebene Schienennetz beläuft sich auf 3505 km. Es ist in Kapspur (1067 mm) errichtet und befindet sich in einer allgemein guten Verfassung, nachdem es mit chinesischer Hilfe instandgesetzt wurde. Die Zahl der einsatzfähigen Eisenbahnfahrzeuge ist allerdings sehr beschränkt.

Die nigerianische Regierung will nun 8,3 Mrd. US-Dollar in die Modernisierung der Schienenwege investieren. Dazu z√§hlt auch das Vorhaben, alle Hauptstrecken auf Normalspur (1435¬†mm) umzustellen, was nicht teurer sein soll, als die Kapspur auf das entsprechende technische Niveau anzuheben. Geplant sind H√∂chstgeschwindigkeiten von 120‚Äď150¬†km/h f√ľr Personenz√ľge, 80¬†km/h f√ľr G√ľterz√ľge. Erstes Projekt ist die Strecke Lagos‚ÄďKano. Auch eine grenz√ľberschreitende Strecke in den Niger ist vorgesehen.

Mit chinesischen Investitionen wird die Bahnstrecke Lagos‚ÄďCalabar gebaut.

Flugverkehr

Es gibt in Nigeria 22 Flugh√§fen mit asphaltierten Start- und Landebahnen. 21 weitere Pisten dienen haupts√§chlich der Luftwaffe oder √Ėlfirmen. F√ľr den Betrieb der Flugh√§fen ist die Beh√∂rde Federal Airports Authority of Nigeria zust√§ndig. Steigende Kosten f√ľr Flugzeuge f√ľhrten in den letzten Jahrzehnten zu einem Abbau des Inlandflugnetzes. 2009 flogen insgesamt 12.526.464 Flugg√§ste mit insgesamt 221.272 Fl√ľgen in Nigeria. 3.012.726 der Flugg√§ste flogen von den elf internationalen Flugh√§fen ins Ausland. Insgesamt 82¬†% der Flugg√§ste flog von den vier gr√∂√üten Flugh√§fen Ikeja/Lagos, Abuja, Kano und Port Harcourt ab. Unter diesen nimmt Lagos noch einmal eine herausgehobene Stellung war. Alleine dieser Flughafen fertigte 2009 insgesamt 5.644.572 Flugg√§ste ab.

Die staatliche Fluglinie Nigeria Airways war 2003 hoffnungslos √ľberschuldet und wurde von der britischen Virgin Group aufgekauft; seit dem 28. Juni 2005 flog sie unter dem Namen Virgin Nigeria Airways. Ende 2008 k√ľndigte die Virgin Group den R√ľckzug aus der Fluggesellschaft an, so dass seit September 2009 die Fluggesellschaft als Nigerian Eagle Airlines firmiert. Zur gr√∂√üten Fluggesellschaft in Nigeria z√§hlt mittlerweile die 2004 gegr√ľndete Arik Air. Sie besitzt eine Flotte von √ľber 20 Flugzeugen und bedient nationale sowie internationale Ziele.

Am 29. Oktober 2006 forderte der Absturz einer Boeing 737-200 der Fluggesellschaft ADC Airlines in der N√§he des Flughafens von Abuja rund 100 Menschenleben. Unter den Passagieren befand sich auch Mohammadu Maccido, der Sultan von Sokoto. Bereits in den Jahren zuvor war es in Nigeria zu mehreren Flugzeugabst√ľrzen mit vielen hundert Todesopfern gekommen.

Am 3. Juni 2012 st√ľrzte der Dana-Air-Flug 9J-992 der nigerianischen Fluglinie Dana Air von Abuja nach Lagos auf einen dicht besiedelten Stadtteil Lagos. An Bord befanden sich 147 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder. Es gab keine √úberlebenden.

Häfen, Wasserwege

  • Die L√§nge der Wasserwege bel√§uft sich auf 8575¬†km.
  • Freihafen f√ľr die √Ėl- und Gas-Industrie: Onne
  • √Ėlverladung:
    • ExxonMobil: Qua-Iboe (Fluss) 4¬į¬†32‚Ä≤¬†30‚Ä≥¬†N, 7¬į¬†59‚Ä≤¬†0‚Ä≥¬†O.
    • Royal Dutch Shell: Forcados 5¬į¬†21‚Ä≤¬†N, 5¬į¬†21‚Ä≤¬†O; Bonny (Insel) 4¬į¬†25‚Ä≤¬†N, 7¬į¬†9‚Ä≤¬†O
  • √úberseeh√§fen finden sich in Lagos, Calabar, Warri und Port Harcourt

Telekommunikation

Auf 1000 Einwohner kommen im Durchschnitt:

  • im Jahr 2003 51 Fernseher,
  • im Jahr 2011 4,2 Festnetz-Telefonanschl√ľsse, 2012 nur noch 2,5 Festnetz-Telefonanschl√ľsse (wobei im gleichen Zeitraum die Anzahl der Mobiltelefonanschl√ľsse um 90 pro 1000 Einwohner gestiegen ist), und
  • im Jahr 2004 6,3 Computer.

Nach Internet World Stats gab es 2016 in Nigeria √ľber 86 Mio. Internetnutzer (46,1¬†%). Laut Weltbank nutzte 2012 etwa jeder dritte Einwohner das Internet (32,9¬†%).

Seit Mitte der 1990er-Jahre ist ein Aufschwung im Mobilfunkbereich mit einer stetig wachsenden Zahl an Mobiltelefonen zu verzeichnen. Im Jahr 2012 kamen auf 100 Einwohner etwa 68 Mobilfunkverträge. Drei Netzbetreiber haben eine zunehmende Flächendeckung und Roaming-Verträge mit allen wichtigen europäischen Netzen.

Stromversorgung

Im Jahr 2005 wurden 22,53 Milliarden kWh elektrische Energie erzeugt, davon 7,87 Milliarden aus Wasserkraftwerken und 14,66 Milliarden aus W√§rmekraftwerken. Jedoch haben nur 40¬†% der Haushalte Zugang zu elektrischer Energie; diese sind vor allem in den st√§dtischen R√§umen. Die Stromerzeugung fluktuiert stark, was an der Unzuverl√§ssigkeit der Kraftwerke und an der h√§ufig unterbrochenen Versorgung mit Prim√§renergie liegt. Im Jahr 2008 waren von insgesamt 111 installierten Generatoren in Kraftwerken 58 Generatoren in nicht funktionsf√§higem Zustand, was einer Rate von mehr als 50¬†% entspricht. Stromausf√§lle geh√∂ren zur Tagesordnung, viele Haushalte m√ľssen sich deshalb oft mit eigenen und mit Diesel angetriebenen Stromerzeugungsaggregaten behelfen, was die Energiekosten erh√∂ht. Die Ma√ünahmen der Regierung Nigerias waren bisher vor allem organisatorischer Natur: die National Electric Power Authority, das fr√ľhere staatliche Monopol, wurde in die Power Holding Company of Nigeria (PHCN) umgewandelt, die wiederum in 18 Unternehmen aufgespalten wurde, welche zur Privatisierung anstehen. Daneben wurde eine Regulierungsbeh√∂rde geschaffen, welche die privaten Unternehmungen beaufsichtigen soll. Die Privatisierung war bisher jedoch nicht besonders erfolgreich, da Nigeria von Investoren als sehr riskanter Markt eingesch√§tzt wird.

Der Strombedarf wird mit Stand 2008 zu 39¬†% aus Gaskraftwerken, zu 35¬†% aus Wasserkraftwerken und zu 24¬†% aus √Ėlkraftwerken gedeckt. Die Netzspannung f√ľr Endkunden betr√§gt 240¬†V bei einer Netzfrequenz von 50¬†Hz. Technisch besteht das Stromnetz auf √úbertragungsnetzebene aus einem Hochspannungsnetz mit einer Nennspannung von 330¬†kV und einer Leitungsl√§nge von 2200¬†km. Als Verteilnetz, prim√§r in Ballungsr√§umen, kommt die Spannungsebene mit 132¬†kV mit einer Leitungsl√§nge von 809¬†km zur Anwendung. Die durchschnittlichen √úbertragungsverluste sind, da die Leitungen und Leistungstransformatoren meist √ľberlastet sind, mit 30¬†% bis 35¬†% sehr hoch. Stand der Technik w√§ren Verluste um 6¬†%. Da sich das Stromnetz praktisch permanent im gest√∂rten Zustand befindet, kommt es laufend zu Spannungseinbr√ľchen und Stromausf√§llen.

Wasserversorgung

Die Kontrolle der √∂ffentlichen Wasserversorgung liegt in Nigeria in der Obhut der Bundesstaaten und unterscheidet sich dadurch je nach Bundesstaat. Insbesondere im Nordosten, welcher zur Sahelzone geh√∂rt, herrscht ein hoher Wassermangel. Ein √∂ffentliches Wasserleitungsnetz wie es in Industriel√§ndern √ľblich ist, gibt es in Nigeria zudem meist nicht. Stattdessen sammeln viele Haushalte ihr Trink- und Nutzwasser in Wassertanks, welche beispielsweise mit Grundwasser vollgepumpt werden, Regenwasser sammeln oder von einem Wassertankfahrzeug aufgef√ľllt werden. √Ąrmere Menschen entnehmen das Wasser an einer zentralen Wasserentnahmestelle und tragen es in Eimern nach Hause.

Kultur

Die nigerianische Kultur ist nicht nur von Traditionen und kulturellen Einfl√ľssen der zahlreichen Ethnien durchsetzt, sondern auch durch islamisch-arabische Einfl√ľsse im Norden und europ√§ische Einfl√ľsse im S√ľden gepr√§gt.

  • Nationalfeiertag: 1. Oktober (Tag der Unabh√§ngigkeit von Gro√übritannien im Jahre 1960)
  • Sehensw√ľrdigkeiten: Reiches k√ľnstlerisches Erbe, insbesondere Skulpturen und Holzschnitzereien aus Benin und Ife
    • Die Terrakotten der eisenzeitlichen Nok-Kultur sind weltweit bekannt, jedoch bei weitem nicht die √§ltesten Hinterlassenschaften nigerianischer Vorgeschichte.
  • Film: Aus Nollywood werden Filme und Soaps nach ganz Afrika ausgestrahlt. Einige nigerianische Drehbuchautoren konnten ihre Skripte nach Hollywood verkaufen.
  • Sport: Sportlich international bekannt wurde das Land vor allem durch die Nigerianische Fu√üballnationalmannschaft.

Musik

Der vielleicht ber√ľhmteste Musiker Nigerias ist der Erfinder des Afrobeat Fela Anikulapo Kuti, der mit seiner Band ‚ÄěAfrica 70‚Äú im ‚ÄěShrine‚Äú in Lagos legend√§re Konzerte gab. Weitere charakteristische Musikstile sind etwa J√Ļj√ļ, Apala, Fuji oder Sakara.

Im Bereich Pop-Musik waren in Europa lebende nigerianische Musiker wie Sade Adu oder Dr. Alban in den 1980er und 1990er Jahren sehr erfolgreich. In Deutschland geh√∂rt Nneka zu den bekanntesten nigerianischen Popmusikerinnen. Einer der ganz wenigen nigerianischen K√ľnstler, die in Nigeria leben und in Deutschland kommerziellen Erfolg hatten ist D‚ÄôBanj. Er erreichte im Sommer 2012 mit Oliver Twist sogar die deutschen und britischen Single-Charts. Wizkid erreichte im Jahr 2016 an der Seite von Drake die Nummer 1.

Medien

Bei der Rangliste der Pressefreiheit 2017, welche von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Nigeria Platz 122 von 180 L√§ndern. Laut dem Bericht der Nichtregierungsorganisation ist Situation der Pressefreiheit im Land ‚Äěschwierig‚Äú. Journalisten sind in Nigeria Gewalt und Einsch√ľchterung ausgesetzt. Besonders schlecht ist die Lage f√ľr Journalisten in den Krisenregionen des Landes.

In Nigeria erscheinen etwa 25 √ľberregionale Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von rund 1,7 Millionen St√ľck. Die meisten von ihnen, wie Thisday, The Guardian oder Vanguard, erscheinen auf Englisch, aber es gibt auch Zeitungen in Yoruba, Hausa und Igbo. Das f√ľr Information zust√§ndige Regierungsorgan Nigeriafirst ist mit dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung vergleichbar.

Der private Rundfunk wird von der Nigerianischen Rundfunk-Kommission (Nigerian Broadcasting Commission, NBC) kontrolliert. Die Berichterstattung √ľber sensible Themen wird oft behindert.

Literatur

Nigeria war bereits in den 1960er Jahren ein bedeutendes Zentrum der englischsprachigen afrikanischen Literatur. Es besitzt eine Literaturszene, die ‚Äď anders als die vieler anderer westafrikanischer L√§nder ‚Äď √ľber die Grenzen des Landes hinweg einem internationalen Publikum bekannt gemacht und teilweise auch ins Deutsche √ľbersetzt wurde. Zu den bekanntesten Autoren geh√∂ren Wole Soyinka, der 1986 als erster Vertreter der afrikanischen Literatur den Nobelpreis f√ľr Literatur entgegennahm, und der Romancier Chinua Achebe (Things Fall Apart), Tr√§ger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Neben seiner literarischen T√§tigkeit wurde auch der Schriftsteller Ken Saro-Wiwa bekannt, der im November 1995 von der Milit√§rregierung unter Sani Abacha erh√§ngt wurde.

Weitere bedeutende Autoren oder Autorinnen sind Amos Tutuola (The Palm-Wine Drinkard), Chris Abani, Cyprian Ekwensi, Buchi Emecheta, Ben Okri, Christopher Okigbo, John Pepper Clark und Chimamanda Ngozi Adichie.

Literatur

  • Fatima L. Adamu: Women‚Äôs struggle and the politics of difference in Nigeria. 2006 (PDF)
  • Heinrich Bergstresser, Sibylle Pohly-Bergstresser: Nigeria. (= Aktuelle L√§nderkunden; Beck‚Äôsche Reihe; Bd. 839.) Beck, M√ľnchen 1991, ISBN 3-406-33185-8.
  • Heinrich Bergstresser: Nigeria: Macht und Ohnmacht am Golf von Guinea. Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-86099-672-0.
  • Tom Burgis: Der Fluch des Reichtums ‚Äď Warlords, Konzerne, Schmuggler und die Pl√ľnderung Afrikas, Westend, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-86489-148-9
  • Wolf-Ulrich Cropp: Schwarze Trommeln. (= L√§nderkunde Nigeria) Frederking & Thaler-Verlag, M√ľnchen 1989, ISBN 3-89405-008-X.
  • Eckart Diezemann: Nigeria. Land und Leute. Kunst und Kultur. Ortsbeschreibungen mit ausf√ľhrlichem Lagos-Teil. Praktische Hinweise. Goldstadt-Reisef√ľhrer, Pforzheim 1990, ISBN 3-87269-204-6.
  • Kenneth Onwuka Dike: Trade and politics in the Niger Delta, 1830‚Äď1885. An introduction to the economic and political history of Nigeria. Clarendon Press, Oxford 1956 (Inhaltsverzeichnis)
  • Hassan Tai Ejibunu: Nigeria‚Äôs Delta Crisis: Root Causes and Peacelessness (Memento vom 29. November 2007 im Internet Archive). ‚Äď EPU Research Papers: Issue 07/07, Stadtschlaining 2007.
  • Wolfgang Gieler: Nigeria zwischen Milit√§r- und Zivilherrschaft. Eine Analyse der politischen Entwicklung seit der Unabh√§ngigkeit 1960‚Äď1990. Lit, M√ľnster 1993, ISBN 3-89473-975-4 (zugl. Diss., Universit√§t M√ľnster, 1991).
  • John Iliffe: Obasanjo, Nigeria and the World. Verlag James Curry, Woodbridge, Suffolk, England 2011 ISBN 978-1-84701-027-8.
  • Sani Musa: The Nigerian Political Economy in Transition. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 2006 (PDF)
  • Nigeria-Jahrbuch. Politische und √∂konomische Entwicklungen in der Bundesrepublik Nigeria. Duehrkohp und Radicke, G√∂ttingen 2000‚Äď2003 (ISSN¬†1617-3554)
  • Eberhard Stahn: Nigeria. Reisef√ľhrer mit Landeskunde. 4. Auflage. Mai, Dreieich 1995, ISBN 3-87936-220-3.
  • Muhammad Sani Umar: ‚ÄěChanging Islamic Identity in Nigeria from the 1960s to the 1980s: From Sufism to Anti-Sufism‚Äú in Louis Brenner (Hrsg.): Muslim Identity and Social Change in Sub-Saharan Africa. Hurst&Company, London, 1993. S. 154‚Äď178.

Siehe auch

Weblinks

  • Website der Regierung (englisch)
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Nigeria
  • L√§nderinformationen bei Ausw√§rtigen Amt
  • Detaillierte Sprachenkarten von Nigeria
  • Emmanuel I. Ede: Nigeria. In: LIPortal (√úberblicke zu Geschichte & Staat, Wirtschaft & Entwicklung, Gesellschaft und Alltag)

Einzelnachweise


 

Region Regionen (0)

Abk Name O
NG.AB Abia  
NG.AD Adamawa  
NG.AK Akwa Ibom  
NG.AN Anambra  
NG.BA Bauchi  
NG.BY Bayelsa  
NG.BE Benue  
NG.BO Borno  
NG.CR Cross River  
NG.DE Delta  
NG.EB Ebonyi  
NG.ED Edo  
NG.EK Ekiti  
NG.EN Enugu  
NG.FC Federal Capital Territory  
NG.GO Gombe  
NG.IM Imo  
NG.JI Jigawa  
NG.KD Kaduna  
NG.KN Kano  
NG.KT Katsina  
NG.KE Kebbi  
NG.KO Kogi  
NG.KW Kwara  
NG.LA Lagos  
NG.NA Nassarawa  
NG.NI Niger  
NG.OG Ogun  
NG.ON Ondo  
NG.OS Osun  
NG.OY Oyo  
NG.PL Plateau  
NG.RI Rivers  
NG.SO Sokoto  
NG.TA Taraba  
Water body  
NG.YO Yobe  
NG.ZA Zamfara  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

 

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Nigeria

Name englisch: Nigeria
Hauptstadt: Abuja
Kfz: NGR
ISO: NG
ISO3: NGA
Fläche: 923768 km²
Tld: .ng
Wärung Einheit: NGN
Währung: Naira
Vorwahl: 234

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 13.8856449
südlichster Punkt: 4.2698571
westlichster Punkt: 2.676932
östlichster Punkt: 14.6779814


 
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