Länder Länder/Staaten > Europa > Serbien Serbien

Land Karte: Serbien | Grenzen der Regionen auf der Karte anzeigen | Nachbarstaaten auf der Karte anzeigen

Staaten Nachbarstaaten: (11)

Nachbarstaaten Info Die Nachbarstaaten werden automatisch anhand der Grenzen errechnet. Daher kann es vorkommen, dass ein Nachbarstaat fehlt oder zu viel angezeigt wird.
Wir versuchen diese im Laufe der Zeit manuell anzupassen. Bei Fehlern könnt ihr euch jederzeit an uns wenden über das Kontaktformular.

Staat Informationen : Serbien

Informationen:


Serbien (serbisch-kyrillisch [sĆ™Ì©bija]; amtlich Republik Serbien, serbisch-kyrillisch РДпублОĐșĐ° ĐĄŃ€Đ±ĐžŃ˜Đ° [repǔblika sĆ™Ì©bija]) ist ein Binnenstaat in SĂŒdost- und Mitteleuropa. Serbien liegt im Zentrum der Balkanhalbinsel und grenzt im Norden an Ungarn, im Osten an RumĂ€nien und Bulgarien, im SĂŒden an Nordmazedonien und Albanien bzw. Kosovo, im SĂŒdwesten an Montenegro und im Westen an Bosnien und Herzegowina und Kroatien.

Nach Einwohnern liegt Serbien mit gut 7,1 Millionen vor DĂ€nemark auf Rang 22 der LĂ€nder Europas. Hauptstadt und Metropole des Landes ist Belgrad, weitere GroßstĂ€dte sind Novi Sad, NiĆĄ, Kragujevac und Subotica. Über 80 Prozent der Bevölkerung sind Serben, daneben gibt es grĂ¶ĂŸere Gruppen von Ungarn, Roma und Bosniaken.

Serbiens jĂŒngere Geschichte ist geprĂ€gt durch seine Rolle als grĂ¶ĂŸter Teilstaat Jugoslawiens. Es ist seit dem endgĂŒltigen Zerfall Jugoslawiens 2006 auch „alleiniger Rechtsnachfolger“ der im Jahr 1992 gegrĂŒndeten Bundesrepublik Jugoslawien (2003-2005 Staatenunion Serbien und Montenegro).

Serbien ist Mitglied der Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation (SMWK) und des MitteleuropĂ€ischen Freihandelsabkommens (CEFTA) und unterhĂ€lt weitere Freihandelsabkommen. Die Wirtschaftsleistung des Landes ging infolge der Jugoslawienkriege stark zurĂŒck; in den Jahren von 2003 bis 2008 erholte sie sich wieder etwas. Nachdem kurzfristig wichtige Erfolge im Rahmen des EU-Beitrittsprozess erreicht worden waren (so u. a. das Inkrafttreten eines Interimsabkommen fĂŒr Handelserleichterungen mit der EU und die Abschaffung der Visumpflicht fĂŒr serbische StaatsbĂŒrger), reichte Serbien am 22. Dezember 2009 seine Kandidatur fĂŒr eine Mitgliedschaft in der EuropĂ€ischen Union ein und erhielt am 1. MĂ€rz 2012 den Status eines Beitrittskandidaten.

Geographie

Anmerkung: Die Beschreibung der Geographie Serbiens umfasst auch das Gebiet des völkerrechtlich umstrittenen Kosovo.

Lage, Relief und geographische Gliederung

Serbien erstreckt sich ĂŒber vier Breitengrade am Rande der Subtropen zwischen 46° 11â€Č N (bei Subotica in der nordserbischen Provinz Vojvodina) und 41° 16â€Č N bei PreĆĄevo. Von Ost nach West bilden die Stara Planina bei Dimitrovgrad (23° 01â€Č E). sowie die Donau bei Bezdan (18° 51â€Č E) die Grenzpunkte. Niedrigster Punkt ist der Austritt der Donau bei Prahovo in Ostserbien mit 17 Meter ĂŒber dem Meeresspiegel. Der höchste Punkt ist die 2656 Meter hohe Đeravica im Prokletije (Kosovo) bzw. der 2169 Meter hohe MidĆŸor an der bulgarischen Grenze.

Das Gebiet Serbiens setzt sich aus zwei Landschaftstypen zusammen, die durch die Save-Donau-Linie geteilt werden. Nördlich der Save- und Donau-Ebene liegt die Vojvodina, ein Tiefland in der Pannonischen Tiefebene, wo nur das sanfte Rumpfgebirge der FruĆĄka Gora und die KarpatenauslĂ€ufer der VrĆĄačke Planine im Relief etwas hervortreten. Die ehemaligen Waldsteppen der Donauniederung sind durch die hydrologische Verknotung der wichtigsten Ströme Ostmitteleuropas gekennzeichnet und durch ehemals weite Auenlandschaften sowie die Ă€olischen Flugsande (bekannt ist die Deliblatska peơčara als „europĂ€ische Sahara“) und fruchtbare Schwarzerdeböden sowie LĂ¶ĂŸ gekennzeichnet.

SĂŒdlich von Save und Donau ist das Land in Zentralserbien und dem Kosovo ĂŒberwiegend gebirgig, stellt sich aber durch das Nebeneinander von Gebirgen, Hochebenen, Beckenlandschaften und Flussebenen als topographisch vielfĂ€ltiges und abwechslungsreiches Gebiet dar. Mit dem von SĂŒd nach Nord praktisch zentral verlaufenden Flusssystem der Morava, die in der tektonischen Leitlinie der Morava-Furche die GebirgszĂŒge der Dinariden, Karpaten und Balkangebirge in eine westliche und östliche Gruppe trennt, und den als Schluchten ausgebildeten NebenflĂŒssen der Westlichen und SĂŒdlichen Morava, Ibar sowie der Drina, dem Grenzfluss zu Bosnien, wird das zentrale Serbien vielfĂ€ltig gegliedert. In den Becken der Metohija und des Amselfeldes und den flankierenden HochgebirgszĂŒgen wie der höchsten Erhebung Serbiens, der Đeravica, findet sich sowohl durch die EntwĂ€sserung zum Mittelmeer (das Amselfeld entwĂ€ssert durch die Bifurkation der Nerodimka sowohl zum Schwarzen Meer als auch zum Mittelmeer) und dem Wechselspiel von Beckenlandschaften und Hochgebirgshorsten der Übergang zum pelargonischen („mazedonischen“) Landschaftstyp, ein.

GewÀsser

Hydrographisch befindet sich Serbien zum grĂ¶ĂŸten Teil im Einzugsbereich der Donau, die in ihrem Mittellauf das Land auf einer Strecke von 588 Kilometern durchquert. Dabei sind die Donau und ihre ZuflĂŒsse in der pannonischen Tiefebene typische NiederungsflĂŒsse mit schwachen GefĂ€lle, zahlreichen Altarmen und weiten Schwemmterrassen. Aufgrund der hĂ€ufigen HochwassergefĂ€hrdung der in einem bedeutenden hydrologischen Knoten liegenden Vojvodina wurden vielfach regulierende und wasserbautechnische Maßnahmen in Form von HochwasserdĂ€mmen, Retentionsbecken und auch Ablauf- und ÜberlaufkanĂ€len geschaffen. Die wichtigsten DonaunebenflĂŒsse sind hier als der wasserreichste Donauzufluss die Save (in die wiederum die Drina mĂŒndet), der lĂ€ngste Donauzufluss Theiß sowie die Temesch. Donau, Theiß und Save bilden auch die einzigen schiffbaren Wasserwege des Landes.

Unter den DonauzuflĂŒssen Serbiens nehmen die Einzugsgebiete von Morava und Drina die grĂ¶ĂŸten FlĂ€chen ein. Dabei stellt der longitudinal verlaufende Moravagraben die Hauptkommunikationsader des Landes zwischen Donauebene und dem Mittelmeerraum. Hier verlief schon seit der Antike die historisch bedeutende Fernverkehrsstraße (Via militaris), die mit den dazu transversalen (quer verlaufenden) TĂ€lern der Toplica, NiĆĄava und Zapadna Morava die zentrale natĂŒrliche Verbindungsroute stellt. Da das ebenfalls longitudinale Drinatal durch seine vielfachen Windungen und steilen Schluchtabschnitte selbst keine durchgehende Kommunikationsachse darstellt, konnten die transversalen TĂ€ler der DrinazuflĂŒsse dagegen zumeist erst mit der Vollendung der Bahnstrecke Belgrad–Bar in die moderne Verkehrsinfrastruktur integriert werden. Weil das Moravatal geologisch auch einen breiten tektonischen Graben bildet, dessen Sockel aus kristallinen jungprĂ€kambrisch-palĂ€ozoischen Gesteinen besteht, das Drinatal aber in mesozoischen Sedimentgesteinen verlĂ€uft, die zumeist in Form von Karbonaten nur steile und enge Canyon-TĂ€ler zulassen, sind diese geologischen PrĂ€dispositionen auch ursĂ€chlich fĂŒr die augenfĂ€lligen Hindernisse, die das Drinatal fĂŒr die kommunikative Durchdringung der SĂŒdostdinariden stellt. In Ostserbien ist das Timok-Einzugsgebiet das bedeutendste und hier dessen wichtigste Verkehrsachse.

Die grĂ¶ĂŸeren GebirgsflĂŒsse Zentralserbiens bilden zumeist DurchbruchstĂ€ler mit vereinzelten Talweitungen. Das mittlere Drina- sowie das Limtal sind teilweise durch Flussterrassen gestuft, auf denen sich daher einige grĂ¶ĂŸere Siedlungen etablieren konnten. Drina und Morava zeigen insbesondere in ihren UnterlĂ€ufen stark mĂ€andrierende LĂ€ufe; diese Talabschnitte gehören heute zu den periodisch hochwassergefĂ€hrdeten Landschaften Serbiens, nachdem die Donau und Theißsysteme im 19. und 20. Jahrhundert reguliert worden waren. Viele der kleineren FlusslĂ€ufe der Berggebiete, wie die ZulĂ€ufe der Rasina, sind als Torrente-BĂ€che durch episodische Sturzflut-Ereignisse auch fĂŒr urbane Siedlungen eine stĂ€ndige Bedrohung. Erosionsschutzmaßnahmen und AufforstungsbemĂŒhungen in Teilen der gefĂ€hrdetsten Einzugsgebiete sollen insbesondere die Sedimenttransportmengen, die bei diesen Ereignissen die grĂ¶ĂŸte Gefahr bilden, minimieren.

Ein bedeutender Teil der hydrologischen Systeme in Serbien wird von Karstaquiferen bestimmt. Diese sind im westserbisch-dinarischen Kalksteingebirge sowie im karpato-balkanischen Gebirgsbogen Ostserbiens (Serbische Karpaten) flĂ€chenmĂ€ĂŸig von Bedeutung.

Lediglich der Ă€ußerste SĂŒdwesten des Landes wird durch den Weißen Drin zur Adria, der Ă€ußerste SĂŒdosten ĂŒber die Pčinja, welcher in den Vardar mĂŒndet, zur ÄgĂ€is hin entwĂ€ssert.

GrĂ¶ĂŸere stehende GewĂ€sser finden sich heute zumeist als Altarme an Donau und Save, grĂ¶ĂŸter natĂŒrlicher See ist der Palić-See mit rund sechs Quadratkilometern FlĂ€che. Unter den kĂŒnstlichen Stauseen nimmt der Đerdapsee (Đerdapsko jezero) oberhalb des Eisernen Tores mit 163 Quadratkilometer auf serbischer Seite (gesamt: 253 kmÂČ) die grĂ¶ĂŸte FlĂ€che ein. Bekannte Stauseen sind der Vlasinasee auf einer ehemaligen HochmoorflĂ€che im sĂŒdostserbischen Bergland, der Perućacsee an der Drina sowie der Stausee im Uvac-Canyon.

Mit 71 Meter ist der Jelovarnik im Kopaonik der höchste Wasserfall des Landes. Die grĂ¶ĂŸte und lĂ€ngste, aber nicht tiefste Schlucht Serbiens und in Europa ist das Eiserne Tor.

Klima

Das in der warmgemĂ€ĂŸigten Klimazone liegende Serbien wird durch gemĂ€ĂŸigtes Kontinentalklima geprĂ€gt. Die NiederschlĂ€ge nehmen von SĂŒdwest nach Nordost ab, wĂ€hrend auch insbesondere die Niederschlagsmaxima sich im SĂŒdwesten von FrĂŒhsommer auf Herbst/Winter verlagern. Damit stellt sich ein Grundzug des Klimas Serbiens ein, der durch die Lage zu den relativ warmen Meeren (Adria, ÄgĂ€is und Schwarzes Meer) und der Gebirgsnatur bestimmt wird. Das Niederschlagsregime mit mediterranen Winterregen verliert sich mit der KĂŒstenentfernung, ist aber noch im westserbischen Bergland und im Kosovo zu verzeichnen. Erst in der kontinentaler liegenden Vojvodina stellt sich der typische Niederschlagsverlauf Ostmitteleuropas mit einem frĂŒhsommerlichen Niederschlagsmaximum, der mit dem Sonnenhöchststand zusammen fĂ€llt, ein.

Aufgrund der Kammerung des Reliefs treten vielfĂ€ltige mikro- und makroklimatische Modifikationen auf, die durch ventilatorische Bedingungen und das Relief modifiziert werden. Gebirgsklimate finden sich in den höheren Gebirgen im SĂŒden, Westen und Osten des Landes.

Die Winter in Serbien sind allgemein kalt und schneereich, die Sommer sind warm. Der kĂ€lteste Monat ist der Januar, der wĂ€rmste ist der Juli. Die tiefste bisher gemessene Temperatur in Serbien lag bei −38,0 °C (26. Januar 1954 in Sjenica), die höchste bei 45,8 °C (16. August 2006 in Paraćin). Die Jahresdurchschnittstemperatur in Serbien liegt bei 10 °C. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge bei 896 Millimeter.

Die Windsysteme werden durch die jahreszeitlichen Druckgradienten bestimmt. Herrschen im Winter trocken-kalte Nordwinde vor, die durch das Sibirische Hoch erzeugt werden, (KoĆĄava, Severac, Moravac); so bringen Adria-Tiefs, (in den Übergangsjahreszeiten durch feuchtadiabatische Föhneffekte beim Aufsteigen der Luftmassen von der Adria ĂŒber die Dinariden) warm-feuchte Winde aus SĂŒdwest (Jugozapadni vetar); auf die dann in Westserbien und der Saveniederung eine kurzzeitige Temperaturerhöhung folgt. Auf den Sommer-Etesien beruht der warme JuĆŸni vetar (SĂŒdwind) der auf der Vorderseite eines Balkanhochs von SĂŒden ĂŒber die Morava-Vardar-Furche nach Serbien einströmt. WĂ€hrend der SĂŒdwind auf der RĂŒckseite des Hochs den kĂŒhleren Meltimi in der ÄgĂ€is bedingt.

Naturschutzgebiete und landschaftliche SehenswĂŒrdigkeiten

Serbien verfĂŒgt ĂŒber fĂŒnf Nationalparks, 20 Naturparks und rund 590 Naturschutzgebiete mit einer GesamtflĂ€che von 7315,08 Quadratkilometern, womit mehr als acht Prozent der FlĂ€che Serbiens unter Naturschutz stehen. Serbien hat Anteile am GrĂŒnen Band Europas und liegt im Blauen Herz Europas.

Diese fĂŒr den Artenschutz und die Erhaltung der BiodiversitĂ€t des Landes ausgewiesenen Schutzzonen stellen fĂŒr seltene oder einmalige Tier- und Pflanzenarten, die einzigartigen Biotope sowie Landschaftselemente und Landschaftsformen auch ĂŒberregional wichtige Reservate dar. Als exemplarische Standorte gelten dabei die SteppendĂŒnenlandschaft im Reservat Deliblatska peơčara sowie der Bergurwald im Nationalpark Tara-Gebirge.

Im Tara-Gebirge bestehen im Nationalpark elf verstreute Standorte des voreiszeitlichen Relikts der schmalkronigen und „tannenĂ€hnlichen“ (aufgrund der lederartigen, weichen Nadeln) Serbischen Fichte (Picea omirka (Panč.) Purk.). Diese Standorte umfassen 2760 Hektar spezieller ReservatsflĂ€chen, die unter anderem auch die erstmals 2013 als neue Art anerkannte Akelei Aquilegia nikolicii beherbergen. Ein ungewöhnlicher reliktisch-endemischer Laubbaum, der 1856 von Josif Pančić erstmals im Jastrebica Gebirge aufgesammelt wurde, ist die nördliche Unterart des Griechischen Ahorns (Acer heldreichii ssp. visianii, serb. Planinski javor), der in Serbien in den subalpinen BergwĂ€ldern ein Verbreitungszentrum besitzt. Er ist der klimahĂ€rteste Edellaubbaum der subtropischen Gebirge des Balkans und wird aufgrund der nachgesuchten HolzqualitĂ€t auch international als bedeutendes Handelsprodukt im Tonholzsegment gehandelt (Geigenböden werden selbst in Italien hĂ€ufig in Balkan maple QualitĂ€t angeboten, dem englischen Trivial- und Handelsnamen des Griechischen Ahornholzes). Auch fĂŒr die Herstellung von Guslen stellt er in Serbien das am höchsten kotierte Ausgangsmaterial, wodurch die Vorkommen starker Nachstellung unterliegen.

Unter den Steppenpflanzen findet sich im Deliblato-DĂŒnen Naturschutzgebiet in einer 34.829 Hektar umfassenden Schutzzone wenige Standorte der aus rund 40 Einzelpflanzen bestehenden Population der Banater Pfingstrose (Paeonia officinalis ssp. banatica (Rochel) SoĂł), die gleichzeitig die weltweite Population der Waldsteppen-Pflanze ausmacht. Eine weitere Pfingstrose, zugleich die Nationalblume Serbiens – die Byzantinische Pfingstrose – wĂ€chst in den wĂ€rmeliebenden EichenwĂ€ldern Ost-Serbiens und im Kosovo. In der VolksĂŒberlieferung wird sie mit dem Blut der Amselfeld-Helden in Verbindung gebracht und heißt daher hier Amselfelder Pfingstrose (Kosovski boĆŸur). UnlĂ€ngst wurde von der auch als Heilpflanze verwendeten, tiefrot blĂŒhenden Art ein Bestand von rund 2000 Pflanzen auf 100 ha am Maljan in der Kučaj planina entdeckt.

Die Landschaftsschutzgebiete wie das Spezielle Naturreservat Suva Planina beherbergen beispielsweise tertiĂ€re tropische Relikte wie den Serbischen Felsenteller oder die endemische Pančić Akelei. Diese an Felsstandorte im Kalkstein angepasste Arten gelten als typische Vertreter der palĂ€oendemischen balkanischen Flora. Auch fĂŒr viele weitere Arten im Red Data Book Serbiens sind diese Naturschutzgebiete und Reservate RĂŒckzugsgebiete.

Die fĂŒnf Nationalparks entsprechen der Kategorie II der IUCN.

Acht Orte Serbiens wurden in der Ramsar-Konvention fĂŒr die Erhaltung von Feuchtgebieten aufgelistet.

Unter den landschaftlichen SehenswĂŒrdigkeiten befinden sich zahlreiche geomorphologische PhĂ€nomene. Darunter:

  • Đavolja varoĆĄ (dt.: „Teufelsstadt“) Erdpyramiden in SĂŒdserbien (nahe Leskovac).
  • MĂ€ander und Schlucht des Flusses Uvac (Meandri i klisura reke Uvac) in SĂŒdwestserbien (SandĆŸak).
  • MĂ€ander und Schlucht des Flusses Temska in SĂŒdostserbien (bei NiĆĄ).
  • Felsen des Babin zub Gipfels in der Stara Planina in SĂŒdostserbien.
  • Felsen Stol in Ostserbien (bei Bor).
  • UĆĄaćka pećina (Höhle von UĆĄać) in SĂŒdwestserbien.

Bevölkerung

Mit einem Durchschnittsalter von 40,7 Jahren zĂ€hlt die serbische Bevölkerung zu den Ă€lteren (vgl. Deutschland 46,2) – rund 17,4 Prozent der Bevölkerung sind Ă€lter als 65 Jahre. Die Geburtenziffer liegt bei 1,78. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrĂ€gt bei MĂ€nnern 72,6 und bei Frauen 78,5 Jahre. Eine VolkszĂ€hlung in Serbien findet alle zehn Jahre statt, die letzte ZĂ€hlung erfolgte im Jahr 2011.

Ethnien

Die Zusammensetzung der Bevölkerung ist in den verschiedenen Landesteilen sehr unterschiedlich. Laut der VolkszĂ€hlung von 2011, die im Kosovo nicht stattfand, bezeichneten sich 83,3 Prozent der Einwohner als Serben. Die bedeutendsten Minderheiten sind Ungarn (3,53 %), Roma (2,05 %) und Bosniaken (2,02 %). Kleinere Gruppen bilden die Albaner, Goranen, Bulgaren und TĂŒrken in den sĂŒdlichen Landesteilen sowie Kroaten und Slowaken im Norden. Im Jahre 2017 waren 9,1 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Ein großer Teil davon sind ethnische Serben, die aus anderen ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken stammen.

Laut offizieller Statistik leben in Serbien etwa 148.000 Roma. Inoffiziell wird ihre Zahl auf 500.000 Personen geschÀtzt.

In Zentralserbien leben zum allergrĂ¶ĂŸten Teil Serben, daneben auch Walachen im Osten und Nordosten; Bulgaren im SĂŒdosten und Nordosten; sowie verteilt auch Roma. Im SandĆŸak sind einige Gemeinden mehrheitlich von Bosniaken/Muslimen besiedelt, im PreĆĄevo-Tal im sĂŒdlichsten Zipfel von Zentralserbien leben vorwiegend Albaner. Insgesamt bezeichnen sich 89,48 Prozent der Bewohner Zentralserbiens als Serben, wobei die Bosniaken mit 2,48 Prozent die zahlenmĂ€ĂŸig zweitgrĂ¶ĂŸte Volksgruppe darstellen.

Die Vojvodina (Banat, Batschka und Syrmien) ist schon seit Jahrhunderten durch ein Völkergemisch geprĂ€gt – vor allem aus Serben (65,05 %), Ungarn (14,28 %), Slowaken (2,79 %), Kroaten (2,78 %), RumĂ€nen (1,50 %), Roma (1,43 %), Bunjewatzen und Schokatzen (etwa 1 %) und frĂŒher auch aus einigen hunderttausend Volksdeutschen (Donauschwaben, Österreicher u. a.), die nach dem Zweiten Weltkrieg mit der BegrĂŒndung der Kollaboration mit dem Feind vertrieben wurden. In die Vojvodina und das nördliche Engere Serbien siedelten sich in den letzten Jahren Hunderttausende (Binnen-)FlĂŒchtlinge aus den Kriegsgebieten in Kroatien, Bosnien und Herzegowina und dem Kosovo an. Trotzdem leidet die Vojvodina unter einem starken BevölkerungsrĂŒckgang. Charakteristisch ist die Landflucht aus den eigentlich fruchtbaren Regionen und das Anwachsen der Stadtbevölkerung.

Im Kosovo leben heute mehrheitlich Albaner (88 %). Die grĂ¶ĂŸte Minderheit bilden die Serben (7 %).

Sprachen

Die Hauptamtssprache in Serbien ist die serbische Standardsprache. Serbisch beziehungsweise Serbokroatisch wird fast ĂŒberall im Land verstanden und gesprochen. In der nordserbischen Provinz Vojvodina sind neben Serbisch auch Ungarisch, Kroatisch, Russinisch, Slowakisch und RumĂ€nisch als Amtssprachen anerkannt. Im Kosovo und Teilen SĂŒdserbiens wird Albanisch gesprochen.

Nach der im November 2006 in Kraft getretenen Verfassung wird die serbische Sprache in Serbien offiziell in kyrillischer Schrift geschrieben, wobei im Alltag und in den Medien auch die lateinische Form vielfach zur Anwendung kommt.

Religion

Die ĂŒberwiegende Mehrheit der Einwohner sind Christen, davon bekennt sich mit etwa 6,3 Millionen die Mehrheit zur serbisch-orthodoxen Kirche. Nach der VolkszĂ€hlung von 2011 bekennen sich 84,6 Prozent der BĂŒrger Serbiens (ohne den Kosovo) zum christlich-orthodoxen Glauben. Zudem gibt es noch mit 5 Prozent Katholiken, 1 Prozent Protestanten und einige wenige neuapostolische Christen. In Serbien sind auch Muslime (3,1 Prozent) ansĂ€ssig. Als konfessionslos bezeichnen sich 3,1 Prozent der Bevölkerung, als Atheisten 1,1 Prozent und als Agnostiker 0,1 Prozent der BĂŒrger Serbiens.

Zuvor gab der von der EncyclopĂŠdia Britannica unterstĂŒtzte Time Almanac fĂŒr Serbien, Montenegro und den Kosovo zusammen 56,8 % Orthodoxe, 5,1 % Katholiken, 6 % andere Christen, 16,2 % Muslime sowie 15,9 % Konfessionslose und Atheisten an. Nach der UnabhĂ€ngigkeit von Montenegro und dem Kosovo gab der New York Times World Almanac demgegenĂŒber 85 Prozent Orthodoxe, sechs Prozent Katholiken und drei Prozent Muslime an.

StÀdte und Urbanisierung

Die StĂ€dte Serbiens entwickelten sich sĂŒdlich der Save-Donau-Linie kulturhistorisch aus der osmanischen ÇarĆŸÄ±, nördlich davon aus habsburgischen MĂ€rkten und Kolonisten-Siedlungen, die in Zentralserbien großteils auch erst nach dem Zweiten Weltkrieg einer stĂ€rkeren Modernisierung unterlagen. Dabei behielten jedoch die Orte im serbischen Teil des Sandschak und Kosovo (mit Ausnahme Pristinas) zum Teil ihren orientalischen Charakter.

Die Urbanisierung nahm insbesondere nach 1945 schnell zu, was durch Industrialisierung, Landflucht aus Ă€rmeren Regionen des ehemaligen Jugoslawien und auch der Migration von KriegsflĂŒchtlingen wĂ€hrend mehrerer Wellen im Zuge der Jugoslawienkriege zu einem raschen Bevölkerungsanstieg in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten fĂŒhrte.

Unter den GroßstĂ€dten nehmen die Verwaltungszentren des Staates, die Metropole Serbiens Belgrad mit 1.154.589 Einwohnern (10. November 2011) sowie der Regierungssitz der autonomen Provinz Vojvodina, Novi Sad, mit 221.854 Einwohnern (10. November 2011) in funktionaler sowie administrativer Hinsicht eine zentrale Rolle ein. Hier konzentrieren sich daher auch Medien- und Dienstleistungsunternehmen sowie die Kulturinstitutionen des Landes. Aufgrund ihrer vergleichsweise entwickelten Infrastruktur haben sie auch die regional höchste Bedeutung fĂŒr Verkehr und Handel und zeigen die dynamischste Wirtschaftsentwicklung. Durch die zentrale Lage von Novi Sad und Belgrad auf der Entwicklungsachse im Korridor X werden sie bei Investitionen des Landes besonders bevorzugt.

Neben diesen primĂ€ren Zentren kommt NiĆĄ mit 182.208 Einwohnern (10. November 2011), nach Belgrad, eine ergĂ€nzende zentrale Rolle im sĂŒdlichen Serbien zu. Die weiteren grĂ¶ĂŸeren urbanen Kerne SĂŒdserbiens, Leskovac mit 59.610 Einwohnern (10. November 2011) und Vranje mit 54.456 Einwohnern (10. November 2011), liegen wie NiĆĄ auf dem strategischen SĂŒdteil des Morava-Korridors, der historisch bedeutenden Verkehrshauptachse des Landes und gleichfalls der zentralen Balkanhalbinsel.

Daneben fallen dem im Herzen der Region Ć umadija befindlichen Kragujevac mit 147.281 Einwohnern (10. November 2011) sowie dem am wichtigsten TransitĂŒbergang Serbiens zur EU gelegenen Subotica mit 96.483 Einwohnern (10. November 2011) zentralörtliche Funktionen zu.

Durch den im sozialistischen Jugoslawien forciert vorangetriebenen Ausbau der Schwerindustrie wurden die Standorte der Metallverarbeitung und Energiegewinnung der in der Ć umadijaregion geförderten Erz- und Lignitvorkommen zu einer der vier bedeutenden Industrieregionen im ehemaligen Jugoslawien aufgebaut. Hier konzentriert sich daher auch heute noch ein Großteil der verbliebenen serbischen Schwerindustrie, die insbesondere an sechs Standorten durch einen immer noch bedeutenden Anteil militĂ€risch-industrieller Grosskombinate geprĂ€gt wird. Zu diesem zentralserbischen IndustriegĂŒrtel gehören Valjevo mit 58.184 Einwohnern, UĆŸice mit 52.199 Einwohnern, Čačak mit 72.148 Einwohnern, Kraljevo mit 63.030 Einwohnern und KruĆĄevac mit 57.627 Einwohnern (Stand der Einwohnerzahlen jeweils zum 10. November 2011).

Die am weitesten entwickelte und urbanisierte Region Serbiens ist aber nach wie vor die Vojvodina. Hier siedelten sich daher auch die vielschichtigsten verarbeitenden Betriebe und Dienstleistungsunternehmen des Landes an. Neben Subotica und Novi Sad zeichnen sich Zrenjanin mit 75.743 Einwohnern (10. November 2011), Sombor mit 47.485 Einwohnern (10. November 2011) und VrĆĄac mit 35.701 Einwohnern (10. November 2011) sowie die weiteren grĂ¶ĂŸeren stĂ€dtischen Zentren durch eine vergleichsweise gute Verkehrs- und soziale Infrastruktur und auch einen höheren Lebensstandard der Einwohner als im ĂŒbrigen Land aus. Daneben hat sich das im Banat gelegene Pančevo mit 73.992 Einwohnern (10. November 2011) seit den 1970er Jahren zunehmend zu einer Satellitenstadt Belgrads entwickelt und wĂ€chst in die Metropolregion der sich demographisch auch weiterhin dynamisch entwickelnden Hauptstadt hinein.

Aufgrund der Daten der Bevölkerungserhebung 2011 im Vergleich zur vorangegangenen VolkszĂ€hlung 2002 haben mit Ausnahme der Hauptstadt nur noch die beiden nĂ€chstgrĂ¶ĂŸten Zentren des Landes einen positiven Bevölkerungssaldo.

Im Kosovo ĂŒbernimmt PriĆĄtina die Funktion des zentralen Ortes und primĂ€ren Wirtschaftsstandortes.

Die GroßstĂ€dte Serbiens; Einwohnerzahl: VorlĂ€ufige Ergebnisse der VolkszĂ€hlung 2011:

Die GroßstĂ€dte im Kosovo, VolkszĂ€hlung im Kosovo 2011:

Die Zahlen stammen aus der letzten VolkszÀhlung vom Juni 2011.

Politik

System

Serbien ist ein parlamentarisches Regierungssystem. Ein Einkammerparlament, die Narodna SkupĆĄtina (wörtlich ĂŒbersetzt: Volksversammlung) mit 250 Abgeordneten, ist die Legislative. Die im Parlament vertretenen serbischen Parteien gruppieren sich als Fraktionen in eine Regierungskoalition und die Opposition. Die Exekutive wird vom MinisterprĂ€sidenten (serb. Predsednik Vlade, kurz Premier) gefĂŒhrt. Amtsinhaberin ist seit 2017 Ana Brnabić als erste Frau in dieser Position. Der PrĂ€sident wird alle fĂŒnf Jahre vom Volk direkt gewĂ€hlt. Eine Wiederwahl ist möglich. Amtsinhaber von 2004 bis zu seinem vorzeitigen RĂŒcktritt am 4. April 2012 war Boris Tadić (DS). Sein Nachfolger wurde 2012 Tomislav Nikolić von der SNS. Seit der Wahl am 2. April 2017 2017 ist der vorherige Premierminister Aleksandar Vučić (SNS) serbischer PrĂ€sident. In der autonomen Provinz Vojvodina gibt es ein Regionalparlament. Die Bezirksregierungen der serbischen Okruzi werden dagegen von der Zentralregierung ernannt.

Zu den in der SkupĆĄtina vertretenen Parteien gehörten seit der Parlamentswahl am 11. Mai 2008 die westlich-orientierte Koalition „FĂŒr ein europĂ€isches Serbien“ (DS in Koalition mit G17 Plus, SPO, LSV und der SDP), die nationalistische Serbische Radikale Partei, die Mitte-rechts orientierte Demokratische Partei Serbiens in Koalition mit der rechtsgerichteten Nova Srbija. Die Sozialistische Partei Serbiens war in einer Koalition mit der Partei der vereinigten PensionĂ€re Serbiens und mit Einiges Serbien im Parlament vertreten. Der strikt prowestlich ausgerichteten Liberaldemokratischen Partei gelang ebenfalls der Einzug ins Parlament, wie auch den Parteien der albanischen (KAP), ungarischen (SVM) und bosniakischen (BLES) Minderheit, welche von der FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde ausgenommen sind.

2014 und 2016 fanden vorzeitige Neuwahlen statt, die beide von Vučićs Serbischer Fortschrittspartei (SNS) gewonnen wurden. Bei der Wahl 2016 zog die ultranationalistische Serbische Radikale Partei (SRS) mit knapp 8 Prozent wieder ins Parlament ein, bei der Wahl 2020 nicht.

Politische Indizes

Politische Gliederung

Mit der Verfassung von 2006 bekamen die autonomen Regionen Serbiens Vojvodina (im Norden) und Kosovo und Metochien (jeweils im SĂŒden) ihre von 1974 bis 1989 bestehende politische SelbstĂ€ndigkeit innerhalb Serbiens und Jugoslawiens als Provinzen Serbiens zurĂŒck. Der restliche Teil Serbiens (mehr als die HĂ€lfte des Landes), der nicht zu diesen beiden Provinzen gehört, bildet keine eigene politische Einheit, weshalb es auch keine offizielle Bezeichnung fĂŒr ihn gibt. Informell ist die Bezeichnung Zentralserbien oder „engeres Serbien“ gebrĂ€uchlich.

Unter Slobodan MiloĆĄević war der Autonomiestatus der beiden Provinzen Serbiens aufgehoben und die alte Verfassung von 1945 bis 1974 erneuert worden. Weiterhin wurde ihr Stimmenanteil innerhalb des Staates Jugoslawien auf die Republik Serbien ĂŒbertragen, was Serbiens Einfluss in politischen und finanziellen Entscheidungen auf Staatsebene stĂ€rken sollte und damit den Zerfall Jugoslawiens beschleunigte.

Nach dem Sturz MiloĆĄevićs im Oktober 2000 beschloss 2002 das serbische Parlament das so genannte Omnibus-Gesetz, das unter anderem auch regelt, dass das Regionalparlament der Vojvodina von den BĂŒrgern der Provinz direkt gewĂ€hlt wird.

Kosovo steht seit Juni 1999 unter UN-Verwaltung (UNMIK), so dass die Bestimmungen dort nicht in Kraft treten konnten. Der völkerrechtliche Status ist nach der UnabhÀngigkeitserklÀrung des Kosovo vom 17. Februar 2008 umstritten.

Zu administrativen Zwecken ist Serbien in 30 Bezirke gegliedert (einschließlich der Stadt Belgrad). 18 Bezirke liegen in Zentralserbien, sieben in der Vojvodina und fĂŒnf in Kosovo. Die örtlichen Selbstverwaltungseinheiten in Serbien sind die opĆĄtine (Singular opĆĄtina, wörtlich Gemeinde, der GrĂ¶ĂŸe nach oft eher Landkreise). Von diesen gibt es 108 in Zentralserbien, 54 in der Vojvodina und 30 in Kosovo.

Die historischen Regionen in Serbien haben heute keinen offiziellen Status. HĂ€ufig sind jedoch die Bezirke nach ihnen benannt. So ist beispielsweise die Ć umadija sowohl ein Bezirk als auch eine Region, da die Grenze der Region Ć umadija nicht klar definiert ist und sich oftmals weitrĂ€umige Gebiete außerhalb des heutigen Bezirkes zur Ć umadija rechnen. Die Regionen in der Vojvodina werden nach FlĂŒssen, andere nach Bergen bzw. Gebirgen benannt. Viele der Regionen verfĂŒgen ĂŒber einen serbischen Namen, der sich aus der folgenden Struktur ableitet: Po + (Name eines Flusses) + je. So ist die im Norden von Zentralserbien gelegene Region Podunavlje aus diesem Konzept entstanden. Sie verdankt ihren Namen der Donau (serbisch Đ”ŃƒĐœĐ°ĐČ/Dunav). Die Region Podrinje erstreckt sich entlang der Drina oder die Pomoravlje entlang der Morava. Andere hingegen tragen den Namen eines Gebirges, wie die Regionen Zlatibor oder Kopaonik.

PrÀsidentschaftswahl 2012

Herausforderer Tomislav Nikolić (SNS) und Amtsinhaber Boris Tadić (DS) lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Amt des PrĂ€sidenten, das Tadić vorerst mit knapper Mehrheit fĂŒr sich entschied. Die Stichwahl am 20. Mai 2012 gewann Nikolić knapp.

Außen- und Sicherheitspolitik

Serbien gehört bisher weder der EU noch der NATO an. WĂ€hrend eine Mitgliedschaft in der EU parteienĂŒbergreifend eine hohe PrioritĂ€t genießt, wird die Diskussion ĂŒber die Mitgliedschaft im MilitĂ€rbĂŒndnis der NATO sowohl politisch als auch gesellschaftlich kontrĂ€r gefĂŒhrt. Zwar nimmt Serbien am Programm Partnerschaft fĂŒr den Frieden teil, auch haben die StreitkrĂ€fte Serbiens ein Trainingsprogramm mit der Nationalgarde Ohios, doch ĂŒber eine Eingliederung in die Strukturen des MilitĂ€rbĂŒndnisses herrscht innerhalb der serbischen Parteien Uneinigkeit. Auch gibt es Widerstand seitens der einflussreichen Serbisch-Orthodoxen Kirche, die diese Entscheidung dem Volk anvertrauen möchte, und eine traditionelle prorussische Stimmung des Balkanstaates, die einen möglichen NATO-Beitritt des Landes in Frage stellen.

Wichtigstes Argument der NATO-Gegner ist die Bombardierung Serbiens 1999 sowie die Anerkennung der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung des Kosovos durch die Vereinigten Staaten von Amerika und zahlreiche LĂ€nder der EU. Ein verstĂ€rkter russischer Einfluss auf die wirtschaftlichen und politischen Geschehnisse im Balkan allgemein und Serbien im Speziellen ist durch die Übernahme des bis dahin staatlichen serbischen Erdölkonzern NIS durch Gazprom, die Absicht die Erdgas-Pipeline South Stream ĂŒber Serbien zu fĂŒhren sowie der Vergabe eines Milliardenkredits fĂŒr die Verbesserung der Infrastruktur Serbiens durch Russland im Jahr 2009 spĂŒrbar gewachsen.

Den russischen Interessen im Westbalkan in denen Serbien die SchlĂŒsselrolle zufĂ€llt, kommen im Zuge des zwischen den USA und Europa gegen Russland ausgetragenen Konfrontation im Ukraine-Konflikts eine fĂŒr die weitere Positionierung Serbiens, in der die anvisierte EU-Mitgliedschaft die außenpolitische Leitlinie stellt, potentiell schwer zu lösende Interessenskonflikte zu. Die von der Bundesregierung kritisch gesehenen russischen BemĂŒhungen um wirtschaftliche, militĂ€rische und politische PrĂ€senz in Serbien und dem Westbalkan hat das Berliner AuswĂ€rtige Amt in einem vertraulichen Papier unter der Überschrift „Einfluss Russlands in Serbien“ Ende 2014 im Auftrag der Bundesregierung analysiert.

Hochrangige Besuche russischer Delegationen wie im Beisein Wladimir Putins an der MilitĂ€rparade zur Befreiung Belgrads am 16. Oktober 2014, das Abhalten eines im Westen kontrovers empfundenen serbisch-russischen MilitĂ€rmanövers vom 9. bis 16. November 2014 (SREM 2014), dem grĂ¶ĂŸten MilitĂ€rmanöver Serbiens in 30 Jahren, oder der Einweihung einer 40 Tonnen schweren Großplastik des russischen Zaren Nikolaus II. in Belgrad durch den Patriarchen von Moskau und Russland Kyrill I. am 16. November 2014, betonen die ungebrochen russlandfreundliche Politik Serbiens, das ĂŒberdies den Wirtschaftsstrafmaßnahmen gegen Russland in Folge des Ukraine-Konflikts ferngeblieben ist, und ĂŒberdies die weitere Wirtschaftskooperation mit Russland durch Umsetzen der bilateralen Regierungsabkommen vom 16. Oktober 2014 zu intensivieren hofft.

Als besonders sensibel wurde auch die Unterzeichnung des Ministers fĂŒr Ausnahmesituationen der russischen Republik, Sergei Schoigu mit dem Innenminister Serbiens Ivica Dačić ĂŒber die Einrichtung eines regionalen Zentrums fĂŒr Katastrophensituationen am Flughafen NiĆĄ gewertet. Dieser zunĂ€chst symbolische empfundene Akt wurde vielfach als Anzeichen einer mittelfristigen Absicht Russlands, eine MilitĂ€rbasis auf serbischem Territorium einzurichten, gedeutet.

Im Bestreben Serbiens, in die EU aufgenommen zu werden, gibt es positive Entwicklungen. In ihrem jĂ€hrlichen Fortschrittsbericht zu den KandidatenlĂ€ndern vom 12. Oktober 2011 schlug die EU-Kommission vor, Serbien den Status eines Beitrittskandidaten zu gewĂ€hren. Wesentliche Voraussetzung dafĂŒr war die Auslieferung der beiden Kriegsverbrecher Ratko Mladić und Goran HadĆŸić an den Internationalen Strafgerichtshof fĂŒr das ehemalige Jugoslawien. Die Aufnahme der Verhandlungen fĂŒr Serbien bleibt jedoch an die Bedingung geknĂŒpft, die VermittlungsgesprĂ€che mit dem Kosovo wieder aufzunehmen.

Die Frage nach der Zukunft des Kosovo bleibt auch nach der UnabhÀngigkeitserklÀrung durch das Parlament in Priƥtina im Februar 2008, deren völkerrechtlicher Status umstritten ist, ein zentrales Problem der serbischen Politik.

Die Vojvodina im Norden und der Kosovo im SĂŒden bilden nach der Verfassung aus dem Jahr 2006 die zwei autonomen Provinzen Serbiens. Letzterer stand seit 1999 und dem Ende des Kosovokrieges unter UN-Verwaltung. Die serbische Regierung sieht in dem Vorgehen Kosovos einen Verstoß gegen die UN-Resolution 1244 und den Grundsatz der territorialen IntegritĂ€t. Am 8. Oktober 2008 stimmte die UN-Generalversammlung einem Antrag Serbiens zu, die völkerrechtliche GĂŒltigkeit der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung durch den Internationalen Gerichtshof prĂŒfen zu lassen. Im Jahr 2010 veröffentlichte der Internationale Gerichtshof sein Gutachten, wonach die UnabhĂ€ngigkeit des Kosovo nicht gegen internationales Recht verstĂ¶ĂŸt. Gleichzeitig vermied der IGH, den völkerrechtlichen Status des Kosovo zu bewerten und erkannte die GĂŒltigkeit der UN-Resolution 1244 an.

Aus Protest gegen die UnabhĂ€ngigkeit grĂŒndeten die Serben im Nordkosovo die Gemeinschaft der Gemeinden der Autonomen Provinz Kosovo und Metochien, welche sich de facto der Kontrolle der Institutionen in PriĆĄtina entzieht. Entsprechend den BemĂŒhungen der serbischen Regierung, ihre TerritorialansprĂŒche auf dem Gebiet geltend zu machen, wird in offiziellen Dokumenten stets vom Kosovo als einem besetzten Teil Serbiens gesprochen.

Nach dem Auseinanderbrechen des ehemaligen gemeinsamen jugoslawischen Staates ist heute der Grenzverlauf an der Donau zwischen Kroatien und Serbien umstritten. Da die historische Donaumittellinie durch MĂ€andrieren heute eine andere Position als noch wĂ€hrend der ursprĂŒnglichen Grenzziehung einnimmt, beansprucht Kroatien Teile des linksseitigen Ufers sowie einige der Flussinseln (darunter die Ć arengradska Ada und die Vukovarska Ada). Die GesamtflĂ€che der umstrittenen Gebiete, die jetzt unter serbischer Verwaltung stehen, betrĂ€gt 115 kmÂČ.

Im Jahr 2014 unterzeichneten Serbien und Russland einen auf 15 Jahre veranschlagten Vertrag ĂŒber den Austausch von AufklĂ€rungsinformationen und gemeinsame militĂ€rische Übungen.

Seit 2019 diskutiert Serbien mit Nordmazedonien und Albanien ĂŒber einen gemeinsamen Wirtschaftsraum, der ab 2023 unter dem Namen Open Balkan RealitĂ€t werden soll.

Die Volksrepublik China investiert seit einigen Jahren erhebliche Summen in serbischen Industrie- und Bergbau-Unternehmen.

MilitÀr

Die StreitkrÀfte Serbiens zÀhlen etwa 37.000 Mann (2005 75.000), wovon 6500 auf die Luftwaffe entfallen. Die Wehrpflicht wurde 2011 abgeschafft. Das Budget betrÀgt 2011 etwa 675 Millionen Euro, was einem Anteil von 2,08 Prozent am BIP entspricht.

Seit 2003 war in Serbien auch der Zivildienst möglich, dieser dauert jedoch 13 Monate. Nach der Auflösung der Staatenunion zwischen Serbien und Montenegro erhielt der montenegrinische Staat wieder seine eigene Armee (das Korps von Podgorica der gemeinsamen Armee wurde im Mai 2006 zur montenegrinischen Armee umfunktioniert). Die gemeinsame Marine wurde aufgelöst.

Mit einer Resolution des serbischen Parlaments im Jahr 2007 hat sich Serbien als „militĂ€risch neutraler Staat“ deklariert. Seit 2009 wurde der Umbau der Armee zu einer Berufsarmee mit rund 10.600 Berufssoldaten betrieben. Ende 2010 war dieser Umbau abgeschlossen und die Wehrpflicht abgeschafft.

Aufgrund der Bombardierung der damaligen Bundesrepublik Jugoslawien durch die LuftstreitkrĂ€fte der NATO sind die BemĂŒhungen um eine Verbesserung der Beziehungen vorrangiges Ziel in den militĂ€rischen Konsultationen zwischen den FĂŒhrungsstĂ€ben der NATO und der Serbischen Armee. Ein enger Kontakt wird ĂŒber die Partnerschaft fĂŒr den Frieden, deren Mitglied Serbien ist, sowie die regelmĂ€ĂŸigen Konsultationen zwischen dem Generalstab der Serbischen Armee sowie dem Kommandanten der KFOR gehalten. Amerikanische Soldaten weilten wie im FrĂŒhjahr 2014 im modernsten serbischen MilitĂ€rgelĂ€nde Jug, um die militĂ€rtechnische Kooperation weiterzufĂŒhren. Über eine Kooperation mit der Nationalgarde Ohios besteht zudem eine Ausbildungsvereinbarung fĂŒr serbische Offiziere in den Vereinigten Staaten.

Russland als militĂ€rischer HauptverbĂŒndeter Serbiens und wichtigster militĂ€rtechnischer Partner betreibt seit dem 25. April 2012 auf dem Flughafen NiĆĄ ein Zivilschutz-Zentrum mit einer Flugbereitschafts- sowie Einsatzstaffel im Falle von Naturgefahren und Ausnahmesituationen. Dieses hatten der damalige Minister fĂŒr Zivilschutz und jetzige Verteidigungsminister der Russischen Föderation Sergei Kuschugetowitsch Schoigu und der jetzige serbische Außenminister und damalige Innenminister Serbiens Ivica Dačić vereinbart. Am 17. Oktober 2014 wurde hier ein FĂŒhrungs- und Koordinationszentrum (Russian and Serbian Humanitarian Center) eingerichtet, das auf serbischer Seite dem Serbischen Innenministerium untersteht. WĂ€hrend des Staatsbesuchs Wladimir Putins am 16. Oktober 2014 ist ein Vertrag ĂŒber die militĂ€risch-technische Zusammenarbeit zwischen Russland und Serbien unterzeichnet worden, der auch die ImmunitĂ€t russischer Offiziere im Russisch-Serbischen Zivilschutz-Zentrum in NiĆĄ beinhaltet.

Menschenrechte

Laut Angaben von Amnesty International wurden Minderheiten weiterhin diskriminiert. Das Justizsystem wird als schwach bezeichnet.

Das Parlament besetzte die im Antidiskriminierungsgesetz von 2009 vorgesehene Position eines Beauftragten fĂŒr Chancengleichheit im Mai 2010 mit einer von der Regierungspartei favorisierten AnwĂ€ltin. Bis Ende 2010 gingen bei der Beauftragten fĂŒr Chancengleichheit etwa 119 Beschwerden ĂŒber Diskriminierung ein.

Homosexuelle werden in Serbien noch immer diskriminiert. Noch immer sind 67 Prozent der Bevölkerung laut Umfrage gegen die HomosexualitĂ€t. 20 Prozent sind laut Umfrageergebnissen sogar bereit, Gewalt gegen Homosexuelle zu unterstĂŒtzen oder diese zu rechtfertigen.

Im November 2010 Ă€ußerte sich die EuropĂ€ische Kommission besorgt ĂŒber die Straflosigkeit bei Folter von Gefangenen. Serbien hatte weder einen nationalen Mechanismus zur PrĂ€vention eingerichtet noch eine DurchfĂŒhrungsbestimmung von 2009 zur internen Aufsicht von Haftanstalten verabschiedet.

Einige Wirtschaftswissenschaftler und Institutionen sprechen von einer systematischen Korruption, da bei der Auslegung von gesetzlichen Vorschriften der große Ermessensspielraum MissbrĂ€uche begĂŒnstigt. Seit dem 1. Dezember 2013 arbeitet die deutsche Juristin Bettina Nellen, zuvor bei der Privatbank Kredietbank S.A. Luxembourgeoise (KBL) in Luxemburg als Spezialistin fĂŒr GeldwĂ€schebekĂ€mpfung und Einhaltung juristischer Normen im Bankenbereich tĂ€tig, in Belgrad als Beraterin im gleichen Schwerpunktbereich bei der Regierung des Landes. Bezahlt wird Nellen vom deutschen Bundesministerium fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit – dessen Chef Dirk Niebel Serbien UnterstĂŒtzung bei Reformen zugesagt hatte.

2016 gewĂ€hrte Serbien 16 FlĂŒchtlingen Asyl.

Geschichte

Erstmalige urkundliche ErwĂ€hnung findet ein Staat Serbien 822 bei Einhard, dem Biographen Karls des Großen. Zu dieser Zeit regierte der Ćœupan Strojimir, der Enkel ViĆĄeslavs, Serbien. Etwa seit 600 ist die Herrschaft von Ćœupanen im Gebiet Serbiens bekannt. Sie waren StammesanfĂŒhrer, die bis etwa 1000 die Regierung Serbiens innehatten. Nachdem Serbien von den Ungarn verwĂŒstet worden war, fiel es völlig unter die Herrschaft von Byzanz, die von 950 bis 1050 anhielt. Um 1040 wurde Stefan Vojislav byzantinischer Archont ĂŒber die als Dioklitien bezeichnete Region und begrĂŒndete die bis 1131 dauernde Herrschaft der Vojisavljević, die weiterhin unter der Regierung von Byzanz stand. In der Region Raszien ĂŒbernahmen um 1080 die UroĆĄević und in ihrer Nachfolge ab 1167 die Herrscherdynastie der Nemanjiden, unter deren FĂŒhrung Serbien der endgĂŒltige Aufstieg zur regionalen Großmacht gelang. Unter Zar DuĆĄan (1331–1355), dem mĂ€chtigsten aller serbischen Herrscher, erreichte das serbische Reich den Höhepunkt seines politischen Einflusses und seiner Ausdehnung, wĂ€hrend DuĆĄan selbst zum mĂ€chtigsten König in SĂŒdosteuropa aufstieg. 1345 wurde er zum „Zar der Serben und RhomĂ€er“ in Skopje erhoben. Ab 1371 ĂŒbernahm Lazarević die Herrschaft. Von 1427 bis 1459 war Raszien von Branković beherrscht.

Am Ende des 14. Jahrhunderts drĂ€ngten die TĂŒrken mehrmals gegen Serbien vor, das sich einer militĂ€rischen Besatzung hartnĂ€ckig widersetzte und die ersten Schlachten hauptsĂ€chlich fĂŒr sich entscheiden konnte, darunter die Schlacht bei Dubravnica 1381 sowie die Schlacht bei Pločnik 1386. Wenige Jahre spĂ€ter kam es zur Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje), indem das letzte verbliebene christliche Reich SĂŒdosteuropas unterworfen werden sollte und somit das letzte Hindernis zur Übernahme des Byzantinischen Reiches mit dessen Hauptstadt Konstantinopel durch die Osmanen beseitigt gewesen wĂ€re. Die Amselfeldschlacht endete ohne eindeutigen Sieger, die AnfĂŒhrer beider StreitmĂ€chte fielen. Im Ergebnis aber war der Widerstand der serbischen FĂŒrsten gegen einen militĂ€rischen beziehungsweise zahlenmĂ€ĂŸig ĂŒberlegenen Gegner derart geschwĂ€cht, dass das serbische Heer und seine VerbĂŒndeten im Jahr 1389 vernichtend geschlagen worden waren. Sie mussten deshalb die Oberhoheit der osmanischen Sultane anerkennen, wodurch das serbische RestfĂŒrstentum tributpflichtig wurde, wenngleich allen voran Vuk Branković sich auch nach der Schlacht noch lange widersetzte. Diese Schlacht wurde spĂ€ter zum nationalen Mythos der Serben verklĂ€rt. 1459 wurde Serbien endgĂŒltig von den Osmanen erobert und blieb bis 1804 Teil des Osmanischen Reiches.

UnabhĂ€ngigkeit, FĂŒrstentum und Königreich Serbien

Trotz zahlreicher Versuche, wieder unabhĂ€ngig zu werden, wurde Serbien erst 1804 im ersten serbischen Aufstand teilweise befreit. 1813 wurde das Gebiet aber wieder von den Osmanen erobert. Erst im zweiten serbischen Aufstand 1815–1817 wurde Serbien teilweise ein autonomes FĂŒrstentum unter osmanischer Oberhoheit. 1867 zwang FĂŒrst Mihailo Obrenović die letzten osmanischen Regimenter, mit ihrem Hab und Gut das FĂŒrstentum zu verlassen, und Belgrad konnte feierlich zur freien serbischen Hauptstadt geweiht werden. 1878 wurde auf dem Berliner Kongress der europĂ€ischen GroßmĂ€chte und des Osmanischen Reiches die UnabhĂ€ngigkeit von RumĂ€nien, Serbien und Montenegro anerkannt. 1882 wurde das FĂŒrstentum Serbien zum Königreich erklĂ€rt.

Am 1. Novemberjul. / 13. November 1885greg. erklĂ€rte der serbische König Milan Obrenović Bulgarien den Krieg. Im Serbisch-Bulgarischen Krieg konnte die junge bulgarische Armee ohne jegliche UnterstĂŒtzung die Serben besiegen. Nur das Eingreifen Österreich-Ungarns bewahrte das serbische Königreich. Der Krieg endete mit dem Frieden von Bukarest vom 3. MĂ€rz 1886, in dem der status quo ante wiederhergestellt wurde.

Am 9. Oktober 1912 erklĂ€rte Montenegro der Hohen Pforte den Krieg. Die verbĂŒndeten Serben, Bulgaren und Griechen traten am 18. Oktober dem Krieg gegen das Osmanische Reich bei. Dieses verlor durch den Londoner Vertrag 1913 fast alle seine europĂ€ischen Besitzungen. Bulgarien auf der einen und Serbien und Griechenland auf der anderen Seite gerieten jedoch in heftigen Streit um die Aufteilung des von ihnen eroberten Makedonien. Daraufhin unternahm am 29. Juni Bulgarien einen Angriff auf Serbien. So kam es zum Zweiten Balkankrieg, in dem Serbien gemeinsam mit Griechenland, RumĂ€nien und dem Osmanischen Reich gegen Bulgarien kĂ€mpfte. Angesichts dieser Übermacht musste Bulgarien im August 1913 kapitulieren und im Frieden von Bukarest seine im Ersten Balkankrieg gewonnenen Territorien teilweise wieder abtreten.

Infolge der Balkankriege wurde der nördliche Teil Makedoniens serbisch (→Vardarska banovina), der östliche Teil bulgarisch, der sĂŒdliche Teil Makedoniens und der sĂŒdwestliche Teil Thrakiens griechisch.

Serbien im Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit

Im Ersten Weltkrieg stand Serbien von Anfang an auf Seiten der Entente cordiale, seine Kriegsziele sahen eine Zerschlagung Österreich-Ungarns und die Vereinigung aller sĂŒdslawischen Völker in einem gemeinsamen Staat vor. Auslöser des Krieges war das durch den großserbische Ideologien vertretenden und auch in der serbischen Regierung sehr einflussreichen Geheimbund „Schwarze Hand“ angezettelte Attentat von Sarajevo auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este. Serbien sah sich daraufhin mit einem praktisch unannehmbaren Ultimatum Österreichs konfrontiert. In Die Schlafwandler zeigt Christopher Clark, dass die entscheidenden serbischen Politiker dies sehr wohl in Betracht zogen, hingegen politische Absprachen zu dessen Ablehnung fĂŒhrten. Dieser Vorgang löste zunĂ€chst die Julikrise von 1914 aus, die den Kriegsausbruch in ganz Europa zur Folge hatte.

Die ersten Offensiven der Österreicher 1914 konnte die serbische Armee noch abwehren, erlitt aber empfindliche Verluste. Ein schwerer Schlag war der Ausbruch einer Seuche im Winter 1914/1915, Zehntausende Soldaten starben aufgrund der KĂ€mpfe und der schlechten Versorgungslage. Im Juli 1915 besetzte Serbien das benachbarte Albanien. Im Zuge einer koordinierten Offensive der MittelmĂ€chte gegen das Land im Oktober 1915 zur Bereinigung der Balkanfront griffen jedoch österreichische, bulgarische und deutsche Truppen Serbien von drei Seiten an. Die serbische Armee entging zwar der völligen Vernichtung, musste sich aber zum Meer zurĂŒckziehen und erlitt dabei Verluste von weit ĂŒber 90 Prozent der ursprĂŒnglichen StĂ€rke. WĂ€hrenddessen fĂŒhrten die MittelmĂ€chte im besetzten Land ein strenges Besatzungsregime, dem die Serben mit Partisanenaktionen hartnĂ€ckig Widerstand leisteten. Mit der Niederlage der MittelmĂ€chte 1918 ging auch Serbien trotz hoher Verluste als Siegermacht hervor.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen unter der FĂŒhrung des serbischen Königs Alexander I. Karađorđević gegrĂŒndet, das sich 1929 in Jugoslawien (SĂŒdslawien) umbenannte. Es bestand aus Serbien, dem bis dahin unabhĂ€ngigen Montenegro sowie den meisten von SĂŒdslawen besiedelten LĂ€ndern der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, wie Bosnien-Herzegowina, Dalmatien, Kroatien, Slawonien und Slowenien.

Serbien fĂŒhrte am 15.jul. / 28. Januar 1919greg. offiziell den Gregorianischen Kalender ein.

Innere Konflikte in der jugoslawischen Monarchie fĂŒhrten zu einem Erstarken nationaler Bewegungen. In Folge fielen der serbische König Alexander I. und der französische Außenminister Louis Barthou gemeinsam in Marseille am 9. Oktober 1934 einem Attentat kroatischer faschistischer Ustascha und mazedonischer VMRO-AnhĂ€nger zum Opfer. In der Folgezeit entwickelte sich ein autoritĂ€res Regime, das Historiker heute als Königsdiktatur bezeichnen und das sich weitgehend auf den serbischen Teil der Bevölkerung stĂŒtzte.

Der Zweite Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg blieb Jugoslawien zunĂ€chst neutral und weigerte sich, dem DreimĂ€chtepakt unter deutscher FĂŒhrung beizutreten. Das Abkommen wurde erst nach offenen Kriegsdrohungen am 25. MĂ€rz 1941 von der Regierung Cvetković-Maček und Prinzregent Paul unterzeichnet. In Folge kam es in Serbien zu Demonstrationen, die schließlich am 27. MĂ€rz 1941 in einem probritischen Staatsstreich in Belgrad gipfelten, der von Petar II. Karađorđević unterstĂŒtzt wurde. Die Regierung wurde gestĂŒrzt und Prinz Paul musste nach Griechenland fliehen. Kurz darauf begann der Einmarsch deutscher Truppen in Jugoslawien. Belgrad wurde am 6. April 1941 von der deutschen Luftwaffe bombardiert, was rund 20.000 zivile Opfer forderte. Innerhalb weniger Tage wurde Jugoslawien vollstĂ€ndig besetzt und von den Siegern aufgeteilt: Bosnien, die Herzegowina und Syrmien wurden dem neuen UnabhĂ€ngigen Staat Kroatien angeschlossen. Die Banovina Zeta (heute ĂŒberwiegend Montenegro und Kosovo) wurde von den mit Deutschland verbĂŒndeten italienischen Truppen besetzt. Die Batschka fiel an Ungarn, wĂ€hrend das Banat und ein „Rumpfserbien“ unter deutsche Besatzung gerieten. SĂŒd- und Zentralserbien wurden im Laufe des Krieges schließlich zur bulgarischen Okkupationszone. Unter dem deutschen „Befehlshaber Serbien“ wurde eine Marionettenregierung unter General Milan Nedić eingesetzt, die nur geringe Befugnisse besaß. Nach der deutschen Besetzung kam es in Serbien Anfang Juli 1941 zu einem Volksaufstand, der sich spĂ€ter auf Montenegro, Bosnien und Kroatien ausweitete.

Der antifaschistische Widerstand in Serbien wurde von der Kommunistischen Partei Jugoslawiens (KPJ) sowie der absolutistisch-monarchistischen Exilregierung Jugoslawiens unter dem König Peter II. organisiert. Die von der KPJ kontrollierte Partisanenbewegung begann nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 den Widerstand gegen die Wehrmacht, aber auch den offenen Kampf gegen die jugoslawische Monarchie. Der Widerstand der Monarchisten gegen die aufgezwungene Politik Hitlers begann etwas frĂŒher mit dem Sturz des Prinzregenten Paul und dessen Marionette MinisterprĂ€sident Cvetković durch General DuĆĄan Simović am 25. MĂ€rz 1941. In Serbien konnten die Partisanen im Herbst 1941 in der Gebirgsregion um UĆŸice die befreite Republik UĆŸice ausrufen und 73 Tage gegen die Wehrmacht halten. Nach dem Zusammenbruch des Aufstands, der Vertreibung der Partisaneneinheiten und ihrer Verlegung nach Bosnien wurde der Widerstand gegen die faschistischen Besatzer in Serbien nur noch von den Tschetniks aufrechterhalten.

1942, noch unter deutscher Besatzung, hatten die Kommunisten das aktive und passive Frauenwahlrecht anerkannt. Die volle rechtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Geschlechter und damit das aktive und passive Frauenwahlrecht wurden erstmals in der Verfassung von 1946 garantiert.

Die jugoslawischen Partisanen warfen den Tschetniks vor, unter dem Regierungschef Nedić kritiklos die Verbrechen an Serben durch die deutschen und kroatischen Besatzer hinzunehmen und offen mit ihnen zu kollaborieren. Die Tschetniks wurden teilweise von Benito Mussolinis faschistischem Italien, aber auch von den WestmĂ€chten unterstĂŒtzt. Sie leisteten den Ustaschas, aber auch den Tito-Partisanen in Bosnien und Kroatien Widerstand und warfen ihrerseits den Partisanen vor, die rĂŒcksichtslosen Vergeltungsmaßnahmen der deutschen Besatzer in Serbien zu provozieren und einen revolutionĂ€ren Kampf auf dem RĂŒcken der Zivilbevölkerung auszutragen. Oftmals wurde der Tod von Wehrmachtssoldaten mit der Erschießung von Hunderten serbischer Zivilisten vergolten. Einige Tschetnik-FĂŒhrer, wie Kosta Pećanac und Dimitrije Ljotić, arbeiteten mit den Besatzern eng zusammen und beteiligten sich an MilitĂ€raktionen der Wehrmacht gegen die kommunistischen Partisanen.

Im Oktober 1944 konnte die 3. Ukrainische Front der Roten Armee unter Marschall Tolbuchin in der Belgrader Operation die Heeresgruppe SĂŒdukraine schlagen und in Serbien einmarschieren. Mit dem Vormarsch der Roten Armee nach SĂŒdosteuropa und dem durch den Zusammenbruch der Heeresgruppe SĂŒdukraine erzwungenen RĂŒckzug der AchsenmĂ€chte konnte der von den Kommunisten gefĂŒhrte Volksbefreiungskampf NOB (Narodna Oslobodilačka Borba) mit Einheiten der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee koordiniert mit der sowjetischen FĂŒhrung auf das Territorium Serbiens ausgeweitet werden.

Serbien in der Sozialistischen Ära

Aus dem Zweiten Weltkrieg gingen die Partisanen Titos als Sieger hervor. Serbien wurde eine von sechs Teilrepubliken des kommunistischen Jugoslawien. Bis 1963 trug die Teilrepublik den Namen Volksrepublik Serbien (Narodna Republika Srbija), danach trug sie die Bezeichnung Sozialistische Republik Serbien (Socijalistička Republika Srbija).

Serbien erhielt Ost-Syrmien, aber Mazedonien wurde wie Montenegro eine eigenstĂ€ndige Teilrepublik. Im Jahr 1974 erfolgte auf Beschluss der Kommunistischen Partei unter Tito und Edvard Kardelj eine VerfassungsĂ€nderung und Neugliederung Serbiens in drei Teile: das „engere Serbien“ (Zentralserbien) und die weitgehend Autonomen Provinzen Vojvodina und Kosovo. Im PrĂ€sidium der SFRJ war Serbien seither mit drei (von insgesamt acht) Sitzen vertreten.

GrundsĂ€tzliches Merkmal der Entwicklung der serbischen Gesellschaft und der anderen jugoslawischen Republiken im Sozialistischen Jugoslawien war das Herauswachsen einer unterentwickelten bĂ€uerlichen Gesellschaft in die eines halbindustrialisierten europĂ€ischen Staates. In seiner von 1945 bis zum Zusammenbruch des Kommunismus 1990 dauernden Zeit bildete die Form der osteuropĂ€ischen Diktatur des Proletariats einen zivilisatorischen Sprung der Gesellschaft in eine neue Form, wie sie vorher nicht existierte. Fernand Braudel befand dabei alle osteuropĂ€ischen Diktaturen als Ă€ußerst fruchtbares Terrain fĂŒr die Formung neuer industrieller Gesellschaften. Die dafĂŒr notwendige brutale Akkumulation von Kapital stammte aus der Verstaatlichung des agrarischen Besitzstandes. In Westeuropa hatte Thomas Moore den Prozess des Übergangs einer feudalen in eine industrielle Gesellschaft mit der Metapher die Schafe fressen die Menschen belegt. In den Staaten Osteuropas aßen nach 1945 nach Milorad Ekmečić die industriellen Maschinen die Bauern, da die Kollektivierung der Dörfer den sozialen Rahmen fĂŒr den Raub der Werte der agrarischen Produktion stellte. Über diesen Fond wurde die rasante Industrialisierung der agrarischen Gesellschaften durch Pauperisierung des althergebrachten Dorfes betrieben. So lebten 1937 in Serbien noch 76,3 % der gesamten Einwohner von der Landwirtschaft, gegenĂŒber 29 % in Frankreich. In einigen Regionen Jugoslawiens, wo großteils Serben lebten, war der Prozentsatz der Agrarischen Gesellschaft noch grĂ¶ĂŸer. In Bosnien und der Herzegowina gehörten nach dem Zensus 1948 10 % zur stĂ€dtischen Bevölkerung, davon entfielen auf die Serben nur 2 %. 1946 wurde das Gesetz zur Nationalisierung verabschiedet, was die grundsĂ€tzliche Abkehr der dem Kommunismus abgeneigt stehenden Bevölkerungsschichten fundamental zementierte. Alleine dieses Gesetz bewirkte bei den 9 Millionen Einwohnern Serbiens einen Kulturschock, zudem noch 1948 auch das Handwerk nationalisiert wurde.

WĂ€hrend des Erfolges der Industrialisierung 1945–1965 verließen 9.200.000 Menschen Jugoslawiens ihr dörfliches Umfeld. Eine Million Serben siedelten so aus anderen Republiken in Serbien an. Diese Binnenwanderung warf die StĂ€dte mehr zurĂŒck, als es die Dörfer weiterentwickelte. Sowohl Stadt als auch Dorf wurden kulturelle Hybriden. Durch die millionenfache Wanderung der Agrarbevölkerung in die StĂ€dte ging der ĂŒberkommene Typus des StĂ€dters verloren, wie sich auch durch die Kollektivierung des Dorfes ein breites agrarisches Proletariat herausbildete. Als Ergebnis stand die Transformation der Stadt, in der es sich lĂ€ndlich lebte, wie des Dorfes, wo die Form der MentalitĂ€t des Gutsherren, der fĂŒr den Markt produzierte, verschwand. Die aus der Partisanenbewegung entstammenden ehemaligen Soldaten wurden zu StĂ€dtern, was Branko Čopić als „Achte Offensive auf die Seidenhosen“ beschrieb. Den Gestaltswandel Belgrads zu einer neuen Industriestadt hatte Ekmečić metaphorisch mit der Verwandlung einer „schönen Larve zu einem hĂ€ĂŸlichen Schmetterling“ belegt; auch als der Dichter MiloĆĄ Crnjanski 1965 aus seinem langen Londoner Exil nach Belgrad zurĂŒckkehrte, fand er, dass ihn das alte Belgrad nur noch „mit TrĂ€nen in den Augen empfing“.

Der erste FĂŒnfjahresplan zur Entwicklung der jugoslawischen Gesellschaft wurde 1947 verabschiedet. Die Schwerindustrie wurde aus militĂ€rstrategischen GrĂŒnden in das Landesinnere angesiedelt. Diese Schwerindustrie, die ĂŒberwiegend den Bedarf einer starken Armee deckte, wurde in Serbien und Bosnien konzentriert. Stahlwerke entstanden in Zenica (Bosnien) und Smederevo, KraftfahrzeugproduktionsstĂ€tten in Priboj und Kragujevac. In der VerhĂŒttung von Buntmetallen wuchsen die Blei-Zink Gruben bei PriĆĄtina und die von Kupfer in Bor zu wahren Giganten, die auch im europĂ€ischen Maßstab bedeutend wurden. NiĆĄ wurde das Zentrum der Elektroindustrie (Elektronska industrija – Ei). Bis zum Ende des FĂŒnfjahresplanes 1965 besaß Serbien so eine Fahrzeug- und Motoren- (Traktoren, Automobile, Lastwagen), Maschinen- (NiĆĄ und Belgrad) und Petrochemie-Industrie (Pančevo und Novi Sad). Sehr spĂ€t fand das System der Planwirtschaft Kritiker und 1965 kehrte man gĂ€nzlich davon ab. FĂŒr die zweite HĂ€lfte der 1960er Jahre wurde kein FĂŒnfjahresplan mehr verabschiedet, spĂ€tere FĂŒnfjahresplĂ€ne blieben nur mehr deklarative Absichten ohne bindende Funktion.

Trotz der nach 1965 auffĂ€lligen industriellen Stagnation bildeten die Jahre 1945–1965 einen bedeutenden zivilisatorischen Umbruch der Gesellschaft. Der Kommunismus wurde in dieser Zeit quasi als „Religion“ gesehen und war daher auch hierin so effizient. Der massenhafte Einsatz der freiwilligen Omladinske Brigade wurde schon in den von der Okkupation befreiten Gebieten 1941 praktiziert, obwohl diese Praxis in der Sowjetunion unbekannt war. Als Schwungrad konnten im Einsatz von MassenarbeitskrĂ€ften der Omladinske Brigade fĂŒr das Land bedeutende Infrastrukturprojekte beendet werden (Autoput, Donau-Theiss-Donau Kanal, sowie das Wasserkraftwerk Đerdap I). Insbesondere wurde aber so die ĂŒber die gesamten SĂŒdost-Dinariden auf 476 km LĂ€nge fĂŒhrende Gebirgsbahn Belgrad-Bar trotz massiven Erd- und Tunnelaushubs und des immensen Materialaufwands bei der Trassenlegung durch ein verkehrsfeindliches Hochgebirge zu vier FĂŒnftel in nur acht Jahren vollendet. Jugoslawien hatte so „Europas Giganten der Bergeisenbahnen“ bekommen (Ascanio Schneider). Diese neue Hauptstrecke der jugoslawischen Eisenbahnen bildete erst die vierte Hauptverkehrstransversale ĂŒber die Dinariden (die schon bestehenden waren Ljubljana-Koper, Zagreb-Rijeka, Vrpolje-(Sarajewo)-Ploče) und verband erstmals Montenegro mit Serbien in einer zeitgemĂ€ĂŸen modernen Form. Diese Verkehrsachse wurde nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gebaut, indem sie die Montenegrinische KĂŒste mit dem neugebauten Hafen in Bar als wirtschaftlich dynamischsten Teil Montenegros mit den Getreidefeldern der Vojvodina und der Großstadt Belgrad verband (in Pančevo wurde der Großteil des in Bar angelandeten ĂŒberseeischen Phosphats fĂŒr die DĂŒngemittelherstellung verarbeitet), sondern strahlte starke politische Impulse aus. Hatten Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts RivalitĂ€ten zwischen den GroßmĂ€chten und den BalkanlĂ€ndern um die konkurrierenden Eisenbahnprojekte einer Transbalkanischen-Eisenbahn zwischen Donauebene und AdriakĂŒste verhindert, so wurde diese innerhalb Jugoslawiens damit schließlich RealitĂ€t. Da es wĂ€hrend des Bahnbaus um die Finanzierung von strategischen Infrastrukturprojekten aus Bundesmitteln zwischen Slowenien und Kroatien sowie Serbien und Montenegro heftige Meinungsverschiedenheiten gab, wurden diese Fonds allgemein zum 31. Dezember 1970 eingestellt. Serbien und Montenegro mussten daher fast zwei Drittel der Kosten selbst aufbringen, die Großteils nur ĂŒber eine stark ĂŒberzeichnete Volksanleihe, sowie ĂŒber einen IBRD-Kredit der Weltbank stammten. Die Einweihung der Strecke am 28.–29. Mai 1976 geschah durch die in den nationalen und internationalen Medien stark rezipierte Fahrt Josip Broz Titos im Staatszug Plavi voz. WĂ€hrend der feierlichen Einweihung beschwor Tito vielfach die Einheit Jugoslawiens (Bratstvo i jedinstvo), die jedoch schon seit Anfang der Siebziger durch den Kroatischen FrĂŒhling in der die weitere Dezentralisierung durch Annahme der von Edvard Kardelj ausgearbeiteten neuen Verfassung von 1974 die Auflösung Jugoslawiens in separate Staaten weiter zementierte.

Hatte die VerfassungsĂ€nderung zu einem Aufruhr gefĂŒhrt, so waren die Kulturbehörden in ihrem nationalen Programmen schon in den 1960ern vorangegangen. Die Kultur wurde mit der Separierung der Sprache nach der ersten Novellierung der Verfassung von 1963 Sammelbecken nationaler Ambitionen. 1967 wurde die Schaffung der Kroatischen Schriftsprache deklarativ unter FĂŒhrung Miroslav KrleĆŸa eingefordert. Ivo Andrić reagierte erbost auf diese Haltung des bedeutendsten kroatischen Autors: Einst ein großer Jugoslawe, ist er jetzt ein provinzieller Kroate geworden, etwas gegen das er frĂŒher unglaublich stark angekĂ€mpft hatte. Auch wĂ€hrend einer Aussprache KrleĆŸas mit Andrić 1970 im vom damals in nationalistischen Euphorie schwelenden Zagreb, war die tiefe Staatskrise beherrschendes Thema. Aufgrund dieser inneren SchwĂ€chung Jugoslawiens wurde der mit 86 Jahren altersschwache und durch eine schwere Form von Alterszucker gesundheitlich schon stark angeschlagene Tito am 23. Juni 1978 in einer Sitzung der SKJ zum lebenslangen PrĂ€sidenten gewĂ€hlt, was ein Versuch war, die Einheit Jugoslawiens mit einer symbolischen Handlung zu garantieren. Nach Titos Tod 1980 setzte sich die schleichende Auflösung des jugoslawischen Gesamtstaates unvermindert fort. Politiker wie Intellektuelle aller Teilrepubliken und Autonomen Provinzen, insbesondere Sloweniens, Serbiens, Kroatiens, Bosniens sowie der Albaner des Kosovo wandten sich auch durch die Wirtschaftskrise Jugoslawiens in den 1980er begrĂŒndet, mehr und mehr nationalistischen Programmen zu. Durch die Staatskrise Jugoslawiens und die als nationale Erhebung empfundene Wiedergeburt Serbiens um den neuen starken Mann Serbiens, Slobodan MiloĆĄević, wurde die Autonomie des Kosovos seit 1987 beschnitten und 1989 gĂ€nzlich aufgehoben. Mit der von MiloĆĄević populistisch angefĂŒhrten antibĂŒrokratischen Revolution nahm der serbische Nationalismus 1988/89 fĂŒr den Zusammenhalt Jugoslawiens immer bedrohlichere ZĂŒge an. Nach mehreren Großmanifestationen in Belgrad gipfelte dieser in der 600-Jahr Feier der Schlacht auf dem Amselfeld in der Amselfeld-Rede.

Mit dem Austritt Sloweniens aus dem Bund der Kommunisten auf dem 14. Kongress des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens 1990 war die Lage auf Staatsebene mittlerweile zum Zerreißen gespannt. Parallel bildete sich unter den Krajina-Serben in Kroatien eine Opposition zur kroatischen UnabhĂ€ngigkeitsbewegung, die eine aktive Selbstverwaltung anstrebte und auch eine militĂ€rische Loslösung der Krajina von Kroatien einplante. Die von Serbien, Kroatien und Slowenien einkalkulierte militĂ€rische Lösung der Jugoslawienkrise war damit RealitĂ€t geworden. Das anschließende geheime Karađorđevo-Abkommen zwischen MiloĆĄević und Tuđman am 26. MĂ€rz 1991, das die Teilung Bosniens zwischen Kroatien und Serbien im anstehenden Zerfall Jugoslawiens vorsah, war der erste offensive Schritt einer Neugestaltung des jugoslawischen Territoriums.

Jugoslawienkriege 1991–1995 und Kosovokrieg 1998–1999

Die Jugoslawienkriege brachen letztlich mit der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung Sloweniens und Kroatiens und nachfolgend Bosnien-Herzegowinas aus. Anfangs waren regulĂ€re Einheiten der Jugoslawischen Volksarmee (JNA), die nach der internationalen Anerkennung Sloweniens, Kroatiens und Bosniens unter RĂŒckzugsgefechten die Republiken verließen oder sich zur Armee der bosnischen und kroatischen Serben wandelten, am Krieg beteiligt. Insbesondere kulminierte der serbisch-kroatische Krieg in Vukovar, in dem die JNA, die sich im ersten Slowenien-Krieg noch passiv verhalten hatte, nun offen auf serbischer Seite mit allen verfĂŒgbaren Mitteln eingriff. Serbien unterstĂŒtzte insbesondere zu Beginn des Krieges die Republik Serbische Krajina und die bosnischen Serben militĂ€risch und finanziell, verhĂ€ngte im Verlauf des Krieges aber ein Embargo ĂŒber die bosnische Serbenrepublik.

WĂ€hrend des Krieges in Bosnien verhĂ€ngte die UNO ein Handelsembargo gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Auslöser der Sanktionen waren unter anderem die ethnischen SĂ€uberungen, wie z. B. die Ermordung von 8000 MĂ€nnern und Jungen in Srebrenica, die sich vor allem gegen die bosnischen Muslime, aber auch andere Nichtserben in Bosnien richteten. Den kroatischen und bosnischen Serben gelang zu Kriegsbeginn die Besetzung großer Teile von Kroatien und Bosnien, insbesondere der mehrheitlich von Serben bewohnten Distrikte. Im Verlauf der kroatischen MilitĂ€roperation Oluja 1995 wurde der Großteil der serbischen Bevölkerung aus Kroatien vertrieben, was mit der militĂ€rischen Wende in Bosnien und dem Dayton-Abkommen zum Kriegsende fĂŒhrte. Etwa 700.000 Serben flohen wĂ€hrend der Kriege in Bosnien und Kroatien nach Serbien, das zu dieser Zeit „von einem Prekariat aus Kriminellen und SchlĂ€gertypen“ aus dem MiloĆĄevic-Milieu beherrscht wurde.

Nach dem Abkommen von Dayton, das den Bosnienkrieg beendete und dem Ende der „Republik Serbische Krajina“, blieb nach 1995 der Status der mehrheitlich von Albanern besiedelten Provinz Kosovo die letzte politisch brisante Frage in den Zerfallskriegen Jugoslawiens. Die zunehmend gewalttĂ€tigeren Unruhen im Kosovo versuchte die serbische FĂŒhrung unter Slobodan MiloĆĄević mit restriktiven polizeilichen und schließlich auch militĂ€rischen Mitteln zu beenden. Die mit terroristischen Mitteln operierende UÇK („Befreiungsarmee des Kosovo“) begann 1996 mit verstĂ€rkten Angriffen auf serbische SicherheitskrĂ€fte. Zudem kam es zu Gewaltaktionen gegen die serbische Zivilbevölkerung in den StĂ€dten. Mit der AufrĂŒstung der UÇK aus WaffenbestĂ€nden Albaniens, wo nach dem Lotterieaufstand die öffentliche Ordnung völlig zusammenbrach und ganze Munitions-BestĂ€nde geplĂŒndert wurden, setzte diese den Konfrontationskurs gegen serbische SicherheitskrĂ€fte verstĂ€rkt fort. Durch verstĂ€rkte AktivitĂ€t der UÇK, die im Verlauf des Jahres 1998 die Kontrolle in der Region Drenica gewinnen konnte, begannen serbische SicherheitskrĂ€fte eine koordinierte polizeiliche Gegenoffensive, die von Einheiten der Armee unterstĂŒtzt wurde. Durch schwere Menschenrechtsverletzungen wĂ€hrend der KĂ€mpfe sahen sich die westlichen Staaten unter FĂŒhrung der USA jetzt, auch im Hinblick auf ihre UntĂ€tigkeit in Srebrenica vier Jahre zuvor, in der Pflicht. Die USA gaben der serbischen FĂŒhrung die alleinige Schuld an der Eskalation. Nach neuerlichem Aufflammen der Gefechte im FrĂŒhjahr 1999 stellte der Nordatlantikrat kurze Zeit spĂ€ter ein Ultimatum an Serben und Kosovo-Albaner, in dem beide Seiten zur Aufnahme von Verhandlungen aufgefordert wurden. Die internationale Friedenskonferenz wurde fĂŒr den 6. Februar 1999 im ChĂąteau Rambouillet angesetzt (vgl. Vertrag von Rambouillet).

Die Ablehnung des Ultimatums interpretierte die NATO als Casus Belli und begann am 24. MĂ€rz 1999 mit der Luftkriegsoperation Allied Force gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Diese Operation wird von der Mehrheit der Völkerrechtler bis heute als illegal angesehen. Unter dem militĂ€rischen Druck der NATO billigte das serbische Parlament am 3. Juni den Friedensplan der G8-Staaten und die Kernforderungen der NATO. Am 9. Juni unterzeichnete die jugoslawische Regierung das Abkommen von Kumanovo, das den etappenweisen RĂŒckzug der jugoslawischen Truppen, den gleichzeitigen Einmarsch der internationalen Sicherheitstruppe KFOR sowie die Suspendierung der LuftschlĂ€ge der NATO vorsah. Nach 78 Tagen Krieg ordnete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen dann am 10. Juni 1999 mit der UN-Resolution 1244 eine internationale zivile Übergangsverwaltung (UNMIK) und eine SicherheitsprĂ€senz der NATO im Kosovo an. Noch am Abend des 10. Juni erteilte der Nordatlantikrat KFOR den Einsatzbefehl.

Diese Regelungen bestĂ€tigten die Zugehörigkeit der Provinz Kosovo zu Jugoslawien vorbehaltlich einer endgĂŒltigen Statusregelung. Mit dem RĂŒckzug der jugoslawischen Armee und Polizei verließen ĂŒber 200.000 Serben die Provinz. Ein Großteil der im Kosovo verbliebenen Serben wurde von den Albanern gewaltsam vertrieben, Hunderte wurden ermordet oder gelten als vermisst.

Demokratisierung und Auflösung des Bundes mit Montenegro

Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen am 24. September 2000 wurde Vojislav KoĆĄtunica zum jugoslawischen PrĂ€sidenten gewĂ€hlt, was das Ende der Ära MiloĆĄević einleitete. Bei den Parlamentswahlen im Dezember 2000 errang die DOS einen ĂŒberwĂ€ltigenden Sieg. Im Januar 2001 wurde Zoran Đinđić zum neuen MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt. Dies fĂŒhrte u. a. dazu, dass Slobodan MiloĆĄević am 29. Juni 2001 an den Internationalen Strafgerichtshof fĂŒr das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag ausgeliefert wurde. Am 12. MĂ€rz 2003 wurde Đinđić auf offener Straße von AttentĂ€tern aus den Reihen der ehemaligen „Roten Barette“ ermordet. Erst im Juni 2004 wurde ein neuer PrĂ€sident gewĂ€hlt, es gewann der liberale und Europa zugewandte Reformer Boris Tadić die PrĂ€sidentschaftswahl.

Serbien bemĂŒht sich seit der Demokratisierung im Jahr 2000 stĂ€rker um die Integration in die EuropĂ€ische Union. Verhandlungen ĂŒber ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) begannen im November 2005. Serbien ratifizierte im September 2008 einseitig das vorlĂ€ufige Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU, da sich die Niederlande gegen eine Ratifizierung von Seiten der EU widersetzten. Am 7. Dezember 2009 wurde von den Außenministern der EU-Staaten ein Interimsabkommen fĂŒr Handelserleichterungen mit Serbien freigegeben. Die weitreichendste VerĂ€nderung im VerhĂ€ltnis der EU mit Serbien war die vom 19. Dezember 2009 an gĂŒltige Reiseerleichterung fĂŒr serbische StaatsbĂŒrger, die seitdem visafrei in die EU reisen können. Die serbische Regierung stellte am 22. Dezember 2009 einen Antrag auf Mitgliedschaft in der EuropĂ€ischen Union. Die fĂŒr Dezember 2011 erwartete Anerkennung des Status als Beitrittskandidat der EuropĂ€ischen Union wurde hauptsĂ€chlich auf Betreiben von Deutschland wegen des schwelenden Kosovokonflikts zunĂ€chst auf MĂ€rz 2012 verschoben (vgl. Serbien und die EuropĂ€ische Union).

Trotz der Demokratisierung schritten die Zerfallsprozesse des serbischen Staates, als einem der letzten der aus Jugoslawien hervorgegangenen Staaten, fort. Nach dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ) bildeten ab 1992 zunĂ€chst nur noch Serbien und Montenegro die Bundesrepublik Jugoslawien. Diese wurde nun durch Parlamentsbeschluss des damaligen Bundesparlaments am 4. Februar 2003 aufgelöst und durch Serbien und Montenegro (Srbija i Crna Gora) abgelöst. Am 5. Juni 2006 erklĂ€rte das serbische Parlament in Belgrad die formale UnabhĂ€ngigkeit des Landes, nachdem Montenegro diesen Schritt nach der Volksabstimmung am 21. Mai 2006, die zugunsten der UnabhĂ€ngigkeit ausfiel, bereits am 3. Juni 2006 mit der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung des montenegrinischen Parlaments in Podgorica vollzogen hatte. Serbien wurde Nachfolgestaat des Staatenbundes bei den Vereinten Nationen. Am 30. September 2006 verabschiedete das Parlament in Belgrad einstimmig und nach sechsjĂ€hriger Auseinandersetzung eine Verfassungsnovelle fĂŒr Serbien. Bei einer Volksabstimmung einen Monat spĂ€ter wurde die neue Verfassung angenommen und spĂ€ter vom Parlament beschlossen. Am 17. Februar 2008 bekundete mit dem Kosovo ein Staatsgebiet Serbiens seine SouverĂ€nitĂ€t, das von der Londoner Botschafterkonferenz 1913 Serbien zugeschlagen worden war. Die serbische Regierung und das serbische Parlament halten diese Sezession fĂŒr unzulĂ€ssig, völkerrechtlich ist sie umstritten. Nach dieser UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung kam es in verschiedenen StĂ€dten zu Unruhen, bei denen besonders Botschaften der unabhĂ€ngigkeitsbefĂŒrwortenden Staaten angegriffen wurden. Zugleich erklĂ€rten die Serben im Norden des Kosovo, parallele Polizei- und Verwaltungsstrukturen aufgebaut zu haben.

Nachdem es im Mai 2008 abermals zu vorgezogenen Neuwahlen gekommen war, wurde im Juli 2008 eine Koalitionsregierung unter FĂŒhrung der bisher bereits regierenden Demokratischen Partei unter anderem zusammen mit der bisher oppositionellen Sozialistischen Partei gebildet. Wenige Tage nach der Regierungsbildung gelang es, den lange gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan KaradĆŸić in Belgrad zu verhaften, was zu kurzzeitigen, teilweise gewalttĂ€tigen Protesten nationalistischer Bevölkerungsteile fĂŒhrte. Gleichzeitig wurde der Weg zur Ratifizierung des Stabilisierungs- und Assoziationsabkommens (SAA) frei gemacht, die am 9. September 2008 vom serbischen Parlament bestĂ€tigt wurde.

Im Zuge der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 verhĂ€ngte der im Jahr 2017 zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlte Aleksandar Vučić nach zuvor getroffenen Ausgangssperren eigenhĂ€ndig, ohne Parlamentsentscheidung, den Notstand; ob er dadurch Verfassungsbruch beging, ist umstritten.

Wirtschaft

Wirtschaftsentwicklung

Die Jugoslawienkriege in der ersten HĂ€lfte der 1990er Jahre hatten Serbien wirtschaftlich schwer geschĂ€digt. Obwohl auf serbischem Boden nicht gekĂ€mpft wurde, stĂŒrzten der Wegfall des Warenaustausches mit den ĂŒbrigen Teilen Jugoslawiens, die UnterstĂŒtzung der serbischen Truppen in Kroatien und Bosnien sowie UN-Sanktionen das Land in eine verheerende wirtschaftliche Krise. Bereits 1992 hatten zwei Drittel der Betriebe geschlossen, bis 1995 kam die formelle Wirtschaft fast völlig zum Erliegen. Bei monatlichen Inflationsraten von 300.000.000 Prozent sank die Kaufkraft des durchschnittlichen Monatseinkommens auf den Gegenwert von 56 DM, der Durchschnittsrente auf einstellige DM-BetrĂ€ge, vier FĂŒnftel der Bevölkerung lebten unter der Armutsgrenze. Fast die gesamte wirtschaftliche AktivitĂ€t verlagerte sich in den informellen Bereich. Schmuggel, Tauschhandel, Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln durch Nebenerwerbslandwirtschaft, das Aufbrauchen von Devisenersparnissen und die UnterstĂŒtzung durch im Ausland lebende Serben ermöglichten der Bevölkerung das Überleben.

Noch immer sind die Spuren der Zerstörung durch das NATO-Bombardement wĂ€hrend des Kosovokrieges von 1998/99 nicht ĂŒberall beseitigt.

Seit 2000 streben die Regierungen Serbiens an, eine westlich orientierte Wirtschaft zu etablieren. In kurzer Zeit verzeichnete Serbien Erfolge bei der makroökonomischen Stabilisierung und bei Strukturreformen, etwa im Finanz- oder Energiesektor. Die Preise wurden liberalisiert, das Steuerwesen und der Zoll reformiert.

Von 2000 bis einschließlich 2008 war die von Krieg und Embargo gezeichnete Wirtschaft Serbiens, vor allem wegen erhöhter auslĂ€ndischer Investitionen, mit einer jĂ€hrlichen Wachstumsrate von ĂŒber 5 Prozent eine der am schnellsten wachsenden in Europa. Von 2001 bis 2009 wurden 12,2 Milliarden Euro direkt in Serbien investiert, was dazu fĂŒhrte, dass 2010 rund 800 Unternehmen mit auslĂ€ndischer Beteiligung in Serbien registriert waren.

Aufgrund strenger Auflagen der serbischen Nationalbank und mangelnder AttraktivitĂ€t fĂŒr spekulative Investoren ist Serbien einer der höchst kapitalisierten und stabilsten BankenmĂ€rkte. Dies hat auch dazu beigetragen, dass der RĂŒckgang der Wirtschaftsleistung in Serbien im Krisenjahr 2009 geringer als in der gesamten Region SĂŒdosteuropa ausfiel (−5,4 %). Im Jahr 2009 verringerte sich die Wirtschaftsleistung des Landes dennoch um erhebliche 3 Prozent. In den darauffolgenden Jahren konnte sich die Wirtschaft jedoch wieder erholen. Im Jahr 2015 wuchs die serbische Wirtschaft lediglich um 0,5 Prozent, die Inflation betrug gleichzeitig 2,0 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im Jahr 2015 bei rund 32,9 Mrd. Euro, das BIP pro Kopf bei 4.624 Euro. Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegt Serbien Platz 78 von 137 LĂ€ndern (Stand 2017–2018). Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 99 von 180 LĂ€ndern.

2010 waren 2,95 Millionen Menschen in Serbien beschĂ€ftigt. Der Anteil der Arbeitslosen betrug 2010 19,4 Prozent der erwerbsfĂ€higen Bevölkerung und stieg Anfang 2012 auf etwa 24 Prozent an. Der durchschnittliche Nettolohn lag 2009 bei umgerechnet 335 Euro. Der Anteil der Bevölkerung der unter der relativen Armutsgrenze lebte, welche mit 60 Prozent des Medianeinkommens definiert ist, lag 2008 bei 13,2 Prozent und somit 3,3 Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt von 16,5 Prozent. Der Anteil derer unter der absoluten Armutsgrenze, welche bei einem monatlichen Einkommen von 80 € liegt, belief sich 2008 bei 7,9 Prozent.

Hauptexportprodukte von Serbien sind Eisen, Stahl, Textilien, Gummiprodukte, Weizen, Obst, GemĂŒse und Nichteisen-Metalle. Hauptimporte sind Erdöl und Erdölderivate, Kraftfahrzeuge, Gas, ElektrogerĂ€te und Industriemaschinen. Importiert wird am meisten aus Russland gefolgt von Deutschland, Italien, China und Ungarn. Exportiert wird hauptsĂ€chlich nach Deutschland, Italien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und RumĂ€nien.

Wirtschaftskooperationen

Serbien ist Mitglied der Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation und des MitteleuropĂ€ischen Freihandelsabkommens (CEFTA). Zudem gibt es ein Abkommen der besonderen Beziehungen mit der Republika Srpska. Serbien ist das einzige europĂ€ische Land, außerhalb der GUS, welches ein Freihandelsabkommen mit Russland abgeschlossen hat. Am 7. Dezember 2009 wurde von der EU ein Wirtschaftsabkommen mit Serbien freigegeben, das bislang von den Niederlanden verhindert worden war.

GegenwĂ€rtig sind mehrere weitere Freihandelsabkommen mit den Staaten Kasachstan, Belarus und der TĂŒrkei sowie der europĂ€ischen Freihandelsassoziation in Kraft. Damit stehen der serbischen Wirtschaft MĂ€rkte, zu weitgehend liberalisierten Bedingungen, mit insgesamt etwa 800 Mio. Einwohnern offen.

China

Im Rahmen der chinesischen Wirtschaftsförderung in einem spezialisierten Entwicklungs-Fond fĂŒr Mittel und Osteuropa, werden unter den 15 beteiligten Ost-MitteleuropĂ€ischen Staaten zur Zeit die meisten Projekte in Serbien ausgefĂŒhrt.

Im Jahr 2007 betrug das Auftragsvolumen fĂŒr chinesische Firmen in Serbien 10,26 Milliarden US.-Dollar und damit in der Höhe etwa 1/4 des BIP Serbiens (41,4 Milliarden US-Dollar).

Zentrales Projekt ist neben einer schon ausgefĂŒhrten DonaubrĂŒcke bei Zemun und Teilstrecken der Autobahntransversale zur AdriakĂŒste, die Schnellfahrstrecke Budapest – Belgrad. Dieses Projekt wurde von den MinisterprĂ€sidenten Chinas, Ungarns und Serbiens am 26. November 2013 auf dem zweiten China-Mittel-Ost-Europa-Gipfel in Bukarest bekannt gegeben. Die dafĂŒr benötigten Mittel stellt China im CEE-Fond (Central-East European countries) bereit. Neben einem Infrastrukturkredit ist im Bau- und Betrieb chinesisches Know-how vorgesehen. WĂ€hrend des im Dezember 2014 in Belgrad stattgefundenen dritten China-CEE Treffens wurden die VertrĂ€ge zur Planung und am 24. November 2015 in Suzhou auf dem vierten China-CEE Gipfel die AusfĂŒhrung der Schnellfahrstrecke in Beisein von Li Keqiang beschlossen. Die in Europa erstmals von einem Konsortium chinesischer Firmen, China Railways sowie der China Railway Group auf Ungarischer und der China Communications Construction Company auf Serbischer Seite, zu errichtenden Eisenbahntrasse, gilt als AushĂ€ngeschild fĂŒr die Expertise Chinesischer Eisenbahntechnologie, die in der Bahninitiative „China speed“ weltweit werbewirksam in Szene gesetzt wird. So waren wĂ€hrend einer Promotionsfahrt des mit 486 km/h einem der weltweit schnellsten RegelzĂŒge CRH380A am 25. November 2015 die Premiers von Ungarn und Serbien auch EhrengĂ€ste Li Keqiangs.

Daneben gilt dem transitĂ€ren GĂŒtertransport SĂŒdosteuropas ein strategisches Augenmerk. Über eine intermodale Vernetzung im Containerhafen von PirĂ€us, den das chinesische Staatsunternehmen China Ocean Shipping (Group) Company (kurz: COSCO) zu 50 % fĂŒr die Dauer von 35 Jahren als Umschlagszentrum SĂŒdosteuropas fĂŒr in die EU bestimmte GĂŒter gepachtet hat, wird in der Relation China-EU die Balkanroute aufgewertet. Eine sogenannte „China-Europe Land-Sea Express Line“, in dessen Rahmen die China-CEEC Gesellschaft den Wahrenverkehr koordinieren wird, soll ĂŒber das Pilotprojekt im Ausbau der Strecke Budapest – Belgrad mittelfristig verwirklicht werden. Nach Aussagen des PrĂ€sidenten der Wirtschaftskammer Serbiens Marko ČadeĆŸ werden die Investitionen in die Eisenbahninfrastruktur auf der Balkan-Hauptachse neben einem schnelleren GĂŒterumschlag auch gesamtwirtschaftlich bedeutend sein.

In weiteren bilateralen GesprĂ€chen zwischen dem PrĂ€sidenten Chinas Xi Jinping und dem Premier Serbiens in Peking am 26. Nov. 2015 wurde das Interesse der Chinesischen Regierung am Verkauf des einzigen serbischen Stahlwerks Smederevo (Ćœelezara Smederevo), das zehn Jahre dem Konsortium US Steel angehörte, an den weltweit zweitgrĂ¶ĂŸten Stahlproduzenten – HBIS Group - Hesteel (HBIS Group core company—Han-Steel) – bekundet. Ein Memorandum of Understanding zwischen HBIS und der serbischen Regierung hierzu wurde noch am 26. Nov. 2015 in Peking unterzeichnet. Die formale Vertragsunterzeichnung fand am 18. April 2016 zwischen der Serbischen Regierung und Vertretern von Hesteel in Smederevo statt. Es ist damit die erste strategische Investition Chinas in ein serbisches Unternehmen. Aufgrund der PrĂ€senz chinesischer Zivilisten in Serbien gingen im Jahr 2019 im Rahmen der bilaterialen Kooperation erstmals chinesische Polizeibeamte in Serbien, genauer Belgrad, auf Streife.

Russland

Russland, das bis 2014 3 Milliarden Dollar in Serbien investiert hat, ist in den vergangenen Jahren als Hauptinvestor in die Energie- (2 Milliarden Dollar) und Eisenbahninfrastruktur Serbiens (800 Millionen Dollar) hervorgetreten. WĂ€hrend des Staatsbesuches von Wladimir Putin am 16. Oktober 2014 wurden in Beisein des Russischen StaatsprĂ€sidenten die offenen Anekse zur Modernisierung der Ćœeleznice Srbije durch die Russischen Staatsbahnen ratifiziert. Damit erneuert RĆœD-International wesentliche Komponenten der serbischen Hauptstrecken. Die Russischen Eisenbahnen und die Ćœeleznice Srbije haben dafĂŒr zusĂ€tzlich zum 27. Oktober 2015 ein Memorandum der strategischen Zusammenarbeit der beiden Staatsbahnen unterzeichnet, indem an die Russischen Eisenbahnen Projekte ĂŒber die Planung eines Eisenbahnbetriebszentrums als Dispatcher, als auch solche ĂŒber die Verbesserung der Ausbildung im Schienenverkehrswesen Serbiens ĂŒbergeben wurden.

Zudem hat Putin in der serbischen Abstinenz zu Russlandsanktionen durch EU und die USA eine Ausweitung der Lebensmittel- sowie Automobilexporte nach Russland befĂŒrwortet.

Wirtschaftsstruktur

Landwirtschaft

Etwa 65 Prozent der gesamten FlĂ€che Serbiens sind landwirtschaftlich nutzbar. Das fĂŒr eine intensive landwirtschaftliche Nutzung vorteilhafte Flachrelief der pannonischen Tiefebene hat die Provinz Vojvodina auch zur Kornkammer des Landes gemacht. Unter den sich auf die Erntemenge positiv auswirkenden klimatischen und ökologischen Bedingungen sind insbesondere die fruchtbaren Böden, die in der Vojvodina hĂ€ufig aus ertragreichen Optimalböden der Steppen-Schwarzerden bestehen, hervorzuheben. Industrielle Intensivkulturen auf GrossschlĂ€gen nehmen daher im Norden auch bedeutende FlĂ€chen ein. Hier sind Ölsaaten, ZuckerrĂŒben, Mais, Kartoffeln und Weizen vorherrschende FeldfrĂŒchte.

Die hĂŒgeligen bis bergigen Regionen Zentralserbiens sind dann oft von Obstplantagen geprĂ€gt. Serbien ist insbesondere ein auch im globalen Maßstab bedeutender Produzent von Pflaumen, Himbeeren und Äpfeln. Das Gebiet ist daneben schon seit Jahrhunderten Weinbauregion. Unter den 68.000 ha RebflĂ€chen sind die syrmische FruĆĄka Gora, die VrĆĄačke gore im Banat, die Timočka krajina in Ostserbien, der Toplički okrug um KruĆĄevac und allgemein die Landschaften der Großen und SĂŒdlichen Morava (mit Zentren in Smederevo und Vranje) bedeutende Weinproduzenten, das Ă€lteste serbische Weingebiet in Metochien produzierte einstmals den Amselfelder als meistimportierten Rotwein der BRD. Regionale Sorten wie der dominierende Prokupac sowie Kadarka, Tamjanika, Smederevka, Vranac und Krstač werden fĂŒr sortenreine autochthone Weine oder Verschnitte mit Riesling, SpĂ€tburgunder, Gamay, Merlot oder Cabernet Sauvignon gekeltert. FĂŒr die Tierhaltung sind Schweinemast, Rinderzucht und in den gebirgigen Regionen im SĂŒdwesten und Osten Schafhaltung typisch.

Industrie

Der industrielle Sektor des Landes befindet sich seit einigen Jahren in stetigem Wachstum. Die meisten Firmen in Serbien waren staatliche Unternehmen. Der Industriesektor in Serbien wird durch eine hohe Anzahl von kleinen und mittelstÀndischen Unternehmen geprÀgt. Wichtigste Wirtschaftszweige sind die verarbeitende Industrie und die Bauindustrie.

Produziert werden schwerpunktmĂ€ĂŸig Nahrungsmittel, Textilprodukte, Metallprodukte, Glas, Zement, Maschinen und vereinzelt auch Technologie- und Telekommunikationsprodukte.

Mit der Unterzeichnung des Abkommens im Januar 2008 in Moskau ĂŒber den Bau der South Stream Gaspipeline, die etwa 400 Kilometer durch Serbien verlaufen soll, der Übernahme von 51 Prozent des Stammkapitals der serbischen Ölgesellschaft NIS (ĐĐ°Ń„Ń‚ĐœĐ° Đ˜ĐœĐŽŃƒŃŃ‚Ń€ĐžŃ˜Đ° ĐĄŃ€Đ±ĐžŃ˜Đ”/Naftna industrija Srbije) durch Gazprom Neft, dessen Mehrheitseigner der russische Energiekonzern Gazprom ist und der Inbetriebnahme eines Erdgasdepots mit mindestens 300 Millionen Kubikmetern Speichervermögen im ausgeschöpften Gasfeld Banatski Dvor etwa 60 Kilometer nordöstlich der Stadt Novi Sad entsteht in Serbien in nĂ€chster Zukunft einer der wichtigsten Transitknoten fĂŒr Gas in SĂŒdosteuropa.

Dienstleistungen

Der Dienstleistungssektor dominiert seit 2001 die Wirtschaft in Serbien und macht weit ĂŒber die HĂ€lfte des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Verlagerung vom PrimĂ€r- und dem niedergehenden SekundĂ€rsektor, der zumeist aus Staatsbetrieben bestand, zum Dienstleistungssektor begann mit einer Reihe grundlegender Reformen, die schon in der postsozialistischen Ära des MiloĆĄević-Regimes eingeleitet wurden. Seitdem „boomte“ die Wirtschaft in diesem Bereich.

Das grĂ¶ĂŸte Dienstleistungszentrum ist die Finanzmetropole und Hauptstadt Belgrad, wo die meisten Unternehmen aus dem tertiĂ€ren Sektor ihren Sitz haben. Auch die anderen großen StĂ€dte Novi Sad und NiĆĄ sind wichtige Dienstleistungsstandorte. An zentraler Stelle stehen hierbei die Banken, die Versicherungsbranche, der Handel und der Verkehr.

Energie

PrimĂ€re EnergietrĂ€ger sind Kohle und Wasserkraft, daneben auch Öl. Wichtigste Kraftwerke sind die Braunkohlekraftwerke in Kostolac sowie das Hydroenergiesystem der Donau mit den beiden Wasserkraftwerken Đerdap I + II. Daneben ist das wenig besiedelte Einzugsgebiet der Drina wasserwirtschaftlich bedeutend (Wasserkraftwerke bei Zvornik, Bajnina BaĆĄta wie an Uvac und Lim).

Tourismus

Durch verstÀrkte Investitionen in touristische Bereiche, in die Infrastruktur und mehr Werbung stiegen die auslÀndischen Besucherzahlen 2007 auf 700.000. Die Einnahmen durch Tourismus betrugen 2008 rund 944 Millionen Dollar.

Die touristischen Hauptziele in Serbien sind die GroßstĂ€dte Belgrad und Novi Sad, zahlreiche Kurorte, die Gebirge Kopaonik, Zlatibor und die Donau. Des Weiteren bietet Serbien zahlreiche Festungen und Klosteranlagen sowie eine Vielzahl von Seen und Schluchten, von denen das Eiserne Tor die grĂ¶ĂŸte ist. Viele dieser geographischen Besonderheiten sind als Nationalpark bzw. Naturschutzgebiet unter Schutz gestellt. Das Haus der Blumen, Titos Mausoleum im Museum der Geschichte Jugoslawiens, zieht insbesondere an Titos Todestag, dem 4. Mai, zahlreiche Besucher aus ganz Ex-Jugoslawien an.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt fĂŒr 2011, verabschiedet am 29. Dezember 2010, umfasst Ausgaben von 844,9 Milliarden Dinar und geplante Einnahmen von 724,4 Mrd. Dinar. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 4,1 Prozent des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug 2011 13,79 Milliarden Euro oder 41,7 Prozent des BIP.

Die grĂ¶ĂŸten Ausgabeposten im Budget 2011:

  • Sozialausgaben: 274,3 Mrd. Dinar – 21,8 %
  • Pensionen: 230,9 Mrd. Dinar – 18,6 %
  • GehĂ€lter öffentlicher Dienst: 156,7 Mrd. Dinar – 12,4 %

Infrastruktur

Energiesektor

Energie wird in Serbien hauptsĂ€chlich durch Kohle- und Wasserkraftwerke erzeugt, wovon etwa ein Drittel der Jahresproduktion – etwa 10 bis 12 Milliarden Kilowattstunden – auf Wasserkraftwerke entfĂ€llt. 2009 wurde ein Überschuss von 2,6 Mrd. kWh erzeugt.

Nach dem Ende des MiloĆĄević-Regimes befand sich der serbische Energiesektor durch das UN-Embargo, KriegsschĂ€den und LiquiditĂ€tsengpĂ€sse des staatlichen Stromversorgers EPS in einem desolaten Zustand. Nur ĂŒber ein internationales Nothilfeprogramm konnte die Stromversorgung so weit stabilisiert werden, dass seit 2002 keine planmĂ€ĂŸigen Stromabschaltungen mehr auftreten. In den Jahren bis etwa 2017 waren weitere Investitionen in Höhe von 14 Mrd. Euro geplant um die serbischen Erzeugungs- und Übertragungssysteme den westeuropĂ€ischen Standards nĂ€herzubringen.

Serbien verfĂŒgt nach EinschĂ€tzung von Fachleuten ĂŒber ein bedeutendes Potenzial fĂŒr die bessere Nutzung alternativer Energiequellen, welches auf mehr als 3,83 Millionen Tonnen ÖlĂ€quivalent pro Jahr geschĂ€tzt wird. Laut der serbischen Wirtschaftskammer entfallen rund 2,68 Millionen Tonnen ÖlĂ€quivalent auf Biomasse, weitere 640.000 Tonnen auf Solarenergie, 440.000 Tonnen auf kleine Wasserkraftwerke, 185.000 Tonnen auf Geothermal- und 160.000 Tonnen auf Windenergie. Das große Biomassepotenzial ergibt sich aus der 24.000 kmÂČ großen bewaldeten sowie der 45.000 kmÂČ großen landwirtschaftlich genutzten FlĂ€che und soll nach EinschĂ€tzungen rund 20 Prozent des Energiebedarfs Serbiens befriedigen können. Die Nutzung der Biomasse in Serbien findet ihre hĂ€ufigste Anwendung im Beheizen privater Haushalte in Form von Brikett- und Pelletnutzung.

Um Investitionen im Bereich erneuerbare Energiequellen attraktiver zu machen, hat die serbische Regierung Ende 2009 die Höhe der EinspeisevergĂŒtung fĂŒr so erzeugten Strom festgelegt. Die VergĂŒtungsordnung sieht garantierte Abnahmepreise fĂŒr elektrische Energie vor, die von kleinen Wasserkraftwerken, von Wind- und Solarparks und ebenso von Anlagen, die Biomasse, Deponie- oder Kanalisationsgas fĂŒr die Stromproduktion nutzen, erzeugt werden. Mit Hilfe dieser Regelung erhofft sich die serbische Regierung, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen bis 2012 um 7,4 Prozent gegenĂŒber dem Stand von 2007 zu steigern.

1968 wurde in der NĂ€he der Kleinstadt Bajina BaĆĄta das grĂ¶ĂŸte Wasserkraftwerk des Landes gebaut. Mit einer Leistung von 340 Megawatt erzeugt es bis heute einen großen Teil der in Serbien verbrauchten ElektrizitĂ€t.

Mitte Februar 2011 haben in Belgrad der serbische Stromversorger Elektroprivreda Srbije (EPS) (ЕлДĐșŃ‚Ń€ĐŸĐżŃ€ĐžĐČрДЎа ĐĄŃ€Đ±ĐžŃ˜Đ”/Elektroprivreda Srbije) und das italienische Unternehmen Seci Energia einen Vorvertrag zur Errichtung einer Reihe von Wasserkraftwerken am Lauf der mittleren Drina unterschrieben. Die geplanten Wasserkraftwerke werden eine Leistung von 300 MW haben und die Baukosten werden auf rund 820 Millionen Euro geschĂ€tzt. Der Baubeginn ist fĂŒr 2012 geplant. EPRS, der Stromkonzern der Republika Srpska, wird aufgrund eines im September 2010 von EPS und EPRS unterzeichneten Abkommens fĂŒr den Bau von Wasserkraftwerken an der mittleren Drina an diesem Vorhaben beteiligt sein. Ein Teil des in Serbien erzeugten Stroms soll ĂŒber Montenegro und dann per Unterseekabel nach Italien exportiert werden. Derzeit arbeiten EPS und Seci Energia an der Realisierung eines weiteren Projekts. das im Sommer 2010 vereinbart wurde. Dabei ist die Errichtung von zehn Wasserkraftwerken mit einer Leistung von insgesamt 103 MW und einer erwarteten jĂ€hrlichen Stromproduktion von 420 Mio. kWh am Fluss Ibar geplant. Die Kosten werden auf rund 300 Mio. Euro beziffert. Das Projekt soll vom Gemeinschaftsunternehmen Ibarske hidroelekrane realisiert werden, an dem EPS 49 Prozent und Seci 51 Prozent der Anteile halten werden.

Zudem plant der serbische staatliche Stromerzeuger EPS mit den Stromerzeugern der betreffenden NachbarlĂ€nder beginnend im Jahr 2012 die Errichtung eines dritten Wasserkraftwerks an der Donau namens Đerdap III (ЂДрЎап III) mit etwa 2,4 Gigawatt Leistung (rund 7,6 Mrd. kWh jĂ€hrlich) und einem Investitionsvolumen von etwa drei Milliarden Euro. Das Projekt wurde schon 1973 als Möglichkeit in ErwĂ€gung gezogen.

Verkehr

Serbien ist ein wichtiges Transitland im Verkehr von Ungarn bzw. Ostmitteleuropa nach Griechenland, Bulgarien, Nordmazedonien, Albanien und der TĂŒrkei.

Die serbische Regierung will in den kommenden zwei Jahrzehnten rund 22 Mrd. Euro in die Erneuerung und Erweiterung der Verkehrswege investieren. Der grĂ¶ĂŸte Teil soll in den Bau von Straßen und Autobahnen fließen, aber auch der Ausbau von Schienenwegen, HĂ€fen und FlughĂ€fen ist geplant.

Straßenverkehr

Das Straßennetz ist insgesamt 45.290 Kilometer lang. Serbien besitzt 633 mautpflichtige Autobahnkilometer. Das Straßennetz beinhaltet 2638 BrĂŒcken und 78 Tunnel, von denen jedoch nur sehr wenige beleuchtet sind. Die Infrastruktur wird sukzessive ausgebaut. Viele Autobahnen und Schnellstraßen befinden sich in Planung und Bau. In Zukunft sollen sieben Autobahnen Belgrad mit dem serbischen Kernland verbinden. Dabei sollen zwei neue Autobahnen entstehen, welche Belgrad mit Montenegro (SĂŒdwesten) und RumĂ€nien (Nordosten) verbinden. Der Ausbau der 106 km langen Strecke von HorgoĆĄ bis Novi Sad zum Autoput A1 erfolgte von 2009 bis 2011. Die Modernisierung der bestehenden 68 km langen Strecke zwischen Novi Sad und Belgrad ist in Planung, der Autoput A2 von Belgrad bis PoĆŸega in einer LĂ€nge von 148 Kilometer (vgl. Autobahnen in Serbien) befindet sich seit 2010 in Bau.

In absehbarer Zukunft soll auch die Trasse ab PoĆŸega Richtung Montenegro fortgesetzt werden. Davon erhoffen sich vor allem der Tourismus und die Wirtschaft generell einen Aufschwung fĂŒr ganz SĂŒdosteuropa und auch fĂŒr den Adriahafen Bar. Ziel ist, die geplante neue Autobahn von Belgrad an die SĂŒdadria als Teil des transeuropĂ€ischen Verkehrskorridors 10 anerkannt zu bekommen.

Der heutige Abschnitt des Autoput A1 von Belgrad bis PreĆĄevo ist die wichtigste Autobahnstrecke in Serbien. Er verlĂ€uft von Belgrad in sĂŒdöstlicher Richtung Leskovac. Im Jahr 2006 wurde zusammen mit der griechischen Regierung eine Vereinbarung getroffen, um den Bau der Autobahn bis zur mazedonischen Grenze abzuschließen. Die Kosten fĂŒr die ungefĂ€hr 96 Kilometer lange Strecke sollen etwa 380 Millionen Euro betragen, wobei die griechische Regierung davon 100 Millionen Euro investiert. Der Baubeginn erfolgte im Sommer 2008. 2008 wurde ein TeilstĂŒck der Belgrader Ringautobahn fertiggestellt, welche jedoch nur eine Halbautobahn ist. Die Fertigstellung der gesamten Ringautobahn um Belgrad stand 2021 noch aus.

Weitere Investitionen werden am Autoput A4 ausgefĂŒhrt, eine wichtige Strecke vor allem fĂŒr den Transport aus Mitteleuropa in Richtung TĂŒrkei und den Nahen Osten. Zudem wurde 2010 eine Vignettenpflicht auf serbischen Autobahnen eingefĂŒhrt.

Schienenverkehr

Serbien besitzt 3809 Kilometer Eisenbahnstrecken. 1364 Kilometer davon sind elektrifiziert. Ein Großteil des Eisenbahnnetzes genĂŒgt jedoch nicht mehr dem technischen Eisenbahnstandard entwickelter IndustrielĂ€nder. FĂŒr die erste, als moderne Schnellfahrstrecke zu errichtende Relation wurden die VertrĂ€ge fĂŒr die Strecke Belgrad-Budapest am 25. November 2015 in Suzhou auf dem vierten China-CEE-Gipfel von den Premierministern Chinas, Ungarns und Serbiens unterzeichnet. Bei geplanter zweijĂ€hriger Realisation ist der Baubeginn Ende 2015 angesetzt worden. Dem strategischen Projekt steht bei Finanzierung, Bau und im technischen Betrieb als TrĂ€ger die Regierung Chinas vor. Mittelfristig wird die fĂŒr die Exportwirtschaft Chinas interessante Relation vom Hafen PirĂ€us, der als Eisenbahn-Hub fĂŒr Warentransporte ĂŒber die Balkanrelation einen zentralen schienverkehrsgebundenen GĂŒterumschlagshafen zwischen China und Europa bilden soll, die gesamte serbische Hauptstrecke Richtung Makedonien und weiter zu den griechischen HĂ€fen ausgebaut werden.

Wichtigste Fernverkehrsbahnhöfe im paneuropĂ€ischen Eisenbahnkorridor X sind Belgrad (Hauptbahnhof, Prokop sowie Novi Beograd), Novi Sad, NiĆĄ und Subotica. Die gesamte Verbindung Budapest-Belgrad wird seit 2017 zur Schnellfahrstrecke ausgebaut. Neben den Inlandslinien betreiben die Eisenbahnen Serbiens Verbindungen nach Montenegro, die TĂŒrkei und in mehrere EU-LĂ€nder, u. a. nach Bulgarien sowie Ungarn und Österreich.

Aufgrund der heterogenen historischen Herkunft seiner Eisenbahnstrecken, die erst allmĂ€hlich zu einem zusammenhĂ€ngenden Netz gewachsen sind, war das serbisch-bosnische Eisenbahnsystem mit 760 mm Spurweite ehemals das grĂ¶ĂŸte Schmalspureisenbahnnetz Europas. Der landschaftlich reizvollste Teil dieses anfangs als Provisorium gedachten bosnisch-altserbischen Schmalspurnetzes war die 400 km lange Trasse Belgrad–Sarajevo, die bis 1974 in Verbindung mit der ehemaligen Bosnischen Ostbahn im TeilstĂŒck der Ć arganska osmica eine in Europa einmalige doppelte Bahnschleife besaß und als eine der spektakulĂ€rsten je gebauten LinienfĂŒhrungen gilt. Der als Museumsbahn wiederhergestellte Abschnitt zwischen ViĆĄegrad und Kremna ist eine der wenigen noch existenten internationalen Schmalspurstrecken in Europa.

Flugverkehr

FĂŒr den Flugverkehr spielt der internationale Flughafen „Nikola Tesla“ am westlichen Stadtrand von Belgrad die wichtigste Rolle. Daneben gibt es noch den internationalen Flughafen „Konstantin Veliki“ in NiĆĄ. Ein weiterer ziviler Flughafen entsteht seit Sommer 2006 durch den Umbau eines ehemaligen MilitĂ€rflugplatzes bei UĆŸice. Air Serbia ist die staatliche Fluggesellschaft. Der 2006 unternommene Versuch, mit der Centavia eine Billigfluggesellschaft im Land zu etablieren, scheiterte nach wenigen Monaten.

Binnenschifffahrt

An der Donau, Save und Theiß gibt es viele FlusshĂ€fen, die auch neuerdings eine touristische Route bedienen. Über die Donau gibt es eine Wasserverbindung zum Schwarzen Meer.

Gesellschaft

Medien

Bei der Rangliste der Pressefreiheit 2017, welche von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Serbien Platz 66 von 180 LĂ€ndern. Bei der Situation der Pressefreiheit im Land gibt es laut der Nichtregierungsorganisation „erkennbare Probleme“.

In Serbien gibt es 18 Tageszeitungen, darunter Politika, Blic und Večernje novosti. Unter den wöchentlich erscheinenden politischen Magazinen sind NIN und Vreme die bedeutendsten. Die tĂ€gliche Zeitungsauflage liegt bei 106 Zeitungen pro 1000 Einwohner. Des Weiteren gibt es den staatlichen Fernsehsender RTS mit zwei KanĂ€len, der sich im Übergang in ein öffentlich-rechtliches System befindet, sowie mehrere private FernsehkanĂ€le, von denen RTV Pink die höchste Einschaltquote im Land erreicht. Neben drei staatlichen gibt es eine Vielzahl privater Hörfunksender. Hier wurde in den 1990er Jahren insbesondere der Sender B92 international bekannt, als dieser aktiv die serbische Opposition gegen die MiloĆĄević-Regierung unterstĂŒtzte.

Das Internationale Radio Serbien sendet ein Programm in zwölf Sprachen, darunter auch in Deutsch, und kann auf Kurzwelle, via Satellit und im Internet als Podcast gehört werden.

Bis Anfang 2011 sendete die britische BBC ein serbischsprachiges Programm. Dieses wurde im Februar 2011 jedoch eingestellt.

Gesundheit

Die medizinische Versorgung in Serbien geht auf die Klostermedizin im 12.–16. Jh. zurĂŒck. Sava von Serbien hatte im Statut des Klosters Studenica das erste Krankenhaus eingerichtet. Über den Medizinischen Kodex Hilandars wurde die umfangreiche Gattung phytopharmakologischer Traktate lateinischer medizinischer Kodizes ins slaweno-serbische ĂŒbersetzt; Konstantin von Kostenezki berichtete im 15 Jh. ĂŒber das Krankenhaus von Belgrad, an das ein großer Heilpflanzengarten angeschlossen war. Im 14. Jahrhundert ĂŒbernahmen in den serbischen AdriastĂ€dten professionelle Ärzte aus Italien die Ă€rztliche Konsultation wie auch dort die ersten Apotheken eröffnet wurden. Leprakranke und körperlich Behinderte wurden außerhalb der Klöster in speziellen Einrichtungen u. a. beim Kloster Dečani sowie bei Srebrenica versorgt. WĂ€hrend der osmanischen Zeit konnten nur Muslime in den von diesen errichteten Hospizen behandelt werden, den serbischen Christen blieb die Versorgung in den Klostereinrichtungen oder zunehmend die von Volksheilern und KrĂ€uterkundlern betriebene Phytotherapie ĂŒbrig. Volksmedizin, Naturheilkunde und theurgisch-magische Medizin wurden erst mit der Ankunft ausgebildeter Ärzte aus dem Ausland und den ersten modernen medizinischen Einrichtungen im Laufe des 19. Jahrhunderts allmĂ€hlich abgelöst, 1835 die medizinische Versorgung der Bevölkerung verfassungsrechtlich zugesichert, 1836 das erste MilitĂ€rspital eröffnet. An der EindĂ€mmung der großen Typhusepidemie 1914/15 beteiligten sich Ärzte und Krankenpflegepersonal aus ganz Europa, wie auch die Balkankriege und der Erste Weltkrieg die weitere Entwicklung insbesondere von AnĂ€sthesiologie, Epidemiologie und Chirurgie beschleunigten.

Bildung

Im Jahre 2001 wurde in Serbien eine grundlegende Reform des Bildungssystems begonnen, durch die unter anderem die Dauer der Grundschule von acht auf neun Jahre verlĂ€ngert wurde, die LehrplĂ€ne komplett ĂŒberarbeitet und modernisiert sowie die Anforderungen an die LehrkrĂ€fte neu definiert wurden. Die ersten SchĂŒler wurden mit Beginn des Schuljahres 2003 nach den neuen Regeln unterrichtet. Die Umstellung auf das neue Schulsystem soll bis zum Schuljahr 2007/2008 abgeschlossen sein.

Nach dem seit 2003 geltenden Schulgesetz beginnt die Schulpflicht in Serbien mit dem siebten Lebensjahr, mit dem die neunjĂ€hrige Grundschule beginnt, die sich in jeweils dreijĂ€hrige Phasen mit einem unterschiedlichen Anteil von Pflicht- und WahlfĂ€chern gliedert. Danach haben die SchĂŒler die Möglichkeit, entweder fĂŒr weitere vier Jahre das Gymnasium oder eine fachbezogene Mittelschule, die je nach Fach zwei bis vier Jahre dauert, zu besuchen, oder aber mit einer zwei- bis dreijĂ€hrigen Berufsausbildung zu beginnen. Sowohl der Abschluss des Gymnasiums wie auch der Mittelschulen fĂŒhren zur Hochschulreife.

In Serbien gibt es insgesamt fĂŒnf UniversitĂ€ten:

  • UniversitĂ€t Belgrad
  • UniversitĂ€t Kragujevac
  • UniversitĂ€t NiĆĄ
  • UniversitĂ€t Novi Sad
  • UniversitĂ€t Novi Pazar

Der Alphabetisierungsgrad liegt in Serbien bei 93 Prozent. Etwa 7 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten. Dies hat verschiedene Ursachen. Einerseits hĂ€ngt es vom sozialen Status und vom Alter (mehr als die HĂ€lfte der Analphabeten ist ĂŒber 60) ab. Andererseits liegt die Analphabetenrate in bestimmten Regionen (vor allem im SĂŒden und in den entlegenen Dörfern gibt es die meisten Analphabeten) unterschiedlich hoch. Eine wichtige Rolle spielen auch die verschiedenen Ethnien und Religionen. So liegt die Analphabetenrate bei den Slowaken in Serbien (1,4 %) und den Christen (Protestanten) am niedrigsten, dahingegen weisen die Moslems bzw. Bosniaken (9,5 %), Kosovo-Albaner (12,4 %) und Roma (26,7 %) die höchsten Analphabetenraten auf.

Wissenschaft

Die AnfĂ€nge der Wissenschaft in Serbien gehen auf die Etablierung geistes- wie naturwissenschaftlicher FĂ€cher im 19. Jahrhundert zurĂŒck. Als Pionier der serbischen Sprach- und Literaturwissenschaft gilt der Autodidakt Vuk Stefanović KaradĆŸić. Aufgrund von KaradĆŸićs Korrespondenz mit Jacob Grimm und Goethe gehört sein Werk zu den Impulsgebern der Volksliedforschung der europĂ€ischen Romantik. Er kodifizierte eine moderne serbische Literatursprache auf Basis der Volkssprache und begrĂŒndete auch deren Lexikalik.

Die naturwissenschaftliche Forschung in Serbien geht auf das Wirken des Arztes Josif Pančić zurĂŒck, der sich als Botaniker auf die Flora Serbiens spezialisierte und in dessen Redaktion auch erstmals ein naturwissenschaftliches Buch auf Serbisch veröffentlicht wurde. Aus dem 1808 etablierten Belgrader Lyceum wurde 1863 die Velika ĆĄkola, deren Rektor Pančić sechs Mal war. Pančić wurde 1886 auch zum ersten PrĂ€sidenten der Serbischen Akademie der Wissenschaften und KĂŒnste (SANU) ernannt.

Mit Jovan Cvijić begann die geowissenschaftliche Erforschung der Balkanhalbinsel sowie die Etablierung der FĂ€cher der Anthropologie, Ethnologie und Ethnographie, die ĂŒber die Anthropologische Schule Cvijićs eine weltweite Rezeption erfuhr. 1904 wurde schließlich die Belgrader UniversitĂ€t begrĂŒndet, die erstmals auch eine akademische Ausbildung innerhalb des Landes ermöglichte. Auf österreichischem Gebiet institutionalisierte sich die Matica srpska in Novi Sad seit 1826 als Anlaufstelle der serbischen Intelligenz. An der Belgrader UniversitĂ€t arbeitete der Mathematiker und Astronom Milutin Milanković, der solare Konstanten langperiodischer Klimazyklen berechnete und als erster den Beweis astronomischer Ursachen fĂŒr die Eiszeiten gab. In den Geisteswissenschaften sind die Institute fĂŒr Byzantistik (durch Georg Ostrogorsky gegrĂŒndet), Balkanstudien (Direktor DuĆĄan Bataković) sowie fĂŒr Serbische Sprache (unter deren Kuratorium das monumentale dreißigbĂ€ndige Wörterbuch der serbokroatischen Sprache als – Rečnik srpskohrvatskog knjiĆŸevnog i narodnog jezika SANU – entsteht). heute die bedeutendsten. In den Naturwissenschaften sind das Institut fĂŒr Nuklearwissenschaften „Vinča“ mit dem einzigen experimentellen Kernreaktor des Landes sowie das Institut fĂŒr Physik mit dem kapazitĂ€tsstĂ€rksten Supercomputer SĂŒdosteuropas Paradox IV. fĂŒhrend.

Feiertage

Sport

Die beliebtesten Sportarten in Serbien sind Basketball, Fußball, Handball, Wasserball, Volleyball und Tennis. Einige serbische Basketballspieler spielen in der amerikanischen Basketballliga (NBA). Im Tennis gewann Serbien 2010 den Davis Cup.

Nach dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien grĂŒndeten die beiden Teilrepubliken Serbien und Montenegro 1992 die Bundesrepublik Jugoslawien („Restjugoslawien“), welche die Basketball-Erfolgsserie des alten Jugoslawiens fortfĂŒhrte und zweimal Weltmeister (1998 und 2002) sowie dreimal Europameister (1995, 1997 und 2001) wurde.

Serbien war zusammen mit Montenegro Gastgeber der Basketball-Europameisterschaft 2005.

Auch im Volleyball verzeichneten Serbien und Montenegro bisher große Erfolge. 2000 holte die Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Sydney die Goldmedaille. 1998 wurde Serbien-Montenegro Vize-Weltmeister. Bei Europameisterschaften wurde das Team bisher dreimal Dritter (1995, 1999 und 2005) einmal Zweiter (1997) und zweimal Erster (2001 und 2011).

Serbien und Montenegro war zusammen mit Italien Gastgeber der Volleyball-Europameisterschaft 2005.

Die Wasserball-Nationalmannschaft gewann die Weltmeisterschaften 2005 und 2009, 2001 wurde sie Zweiter, 1998 und 2003 Dritter. 1991, 2001, 2003 und 2006 wurde Serbien Europameister und 1997 Vize-Europameister. Bei den Olympischen Spielen holte das Team dreimal Gold, viermal Silber und dreimal Bronze (zuletzt Bronze 2008 in Peking).

Die Wasserball-Europameisterschaft 2006 wurde in Belgrad ausgetragen.

Der erfolgreichste serbische Tennisspieler ist Novak Đoković. Nach seinem Sieg bei den Wimbledon Championships 2011 stand er von Juli 2011 bis Juli 2012 auf Rang eins der Tennisweltrangliste. 2010 konnte die Tennis-Nationalmannschaft der Herren den Davis Cup erringen. Ana Ivanović und Jelena Janković, die im Jahr 2008 jeweils fĂŒr einige Wochen an der Spitze der Tennis-Weltrangliste standen, waren auch sehr erfolgreich.

Ein Halbfinale und das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft 1976 wurden in der Hauptstadt Belgrad ausgetragen. Das Finale ging als die Nacht von Belgrad in die Geschichte ein.

Der grĂ¶ĂŸte Erfolg des serbischen Fußballs war der Sieg der U-20-Fußball-Weltmeisterschaft 2015 in Neuseeland wo sie 2:1 n. V. gegen Brasilien gewonnen haben. Die Nationalmannschaft konnte sich fĂŒr die Fußball-Weltmeisterschaften 1998 (noch als Jugoslawische Fußballnationalmannschaft), 2006 (noch als Serbisch-montenegrinische Fußballnationalmannschaft) und 2010 sowie fĂŒr die Fußball-Europameisterschaft 2000 qualifizieren.

Die serbische U-21-Nationalmannschaft erreichte 2007 das Finale der Europameisterschaft. Die serbische U-19-Nationalmannschaft holte 2013 den Titel des Europameisters. Im Juni 2015 gewann die mĂ€nnliche U20 Fußball-Nationalmannschaft den Weltmeistertitel bei der Weltmeisterschaft in Neuseeland. Dies gilt als grĂ¶ĂŸter Erfolg im serbischen Fußball, innerhalb des 21. Jahrhunderts und als einer der grĂ¶ĂŸten Erfolge ĂŒberhaupt in dieser Sportart.

Kultur

Bereits in der FrĂŒhzeit war das Gebiet des heutigen Serbien besiedelt. Hierbei spielte insbesondere die Vinča-Kultur, die eines der Ă€ltesten bekannten Schriftsysteme hervorbrachte, eine wichtige Rolle. Am archĂ€ologischen Fundort Lepenski Vir an der Donau wird die bislang Ă€lteste bekannte sesshafte Population von Ackerbauern und ViehzĂŒchtern in Europa vermutet.

In der Vergangenheit war Serbien hĂ€ufig Grenzland wichtiger Imperien. So verlief einst die Grenze zwischen Westrom und Ostrom an der Drina entlang durch serbische Gebiete. An Save, Donau und entlang der Via militaris lagen mehrere bedeutende römische Legionslager (Singidunum), GroßstĂ€dte (Sirmium, Viminatium) und Kaiserresidenzen (Sirmium, Naissus, Mediana, Felix Romuliana) der SpĂ€tantike. In byzantinischer Zeit grĂŒndete Justinian I. hier eine Bischofsstadt (Justiniana Prima), die letzte bedeutende antike StadtgrĂŒndung und zugleich erste rein christliche urbane Stiftung der Balkanhalbinsel. An der Donau verlief seit der zweiten Wiener TĂŒrkenbelagerung ebenfalls die Grenze zwischen dem Osmanischen Reich und Österreich-Ungarn. Dies hat seine Spuren hinterlassen. Der Norden Serbiens ist mitteleuropĂ€ischer als der SĂŒden des Landes geprĂ€gt.

Den grĂ¶ĂŸten Einfluss auf die serbische Kultur hatte das Byzantinische Reich ĂŒber die Vermittlung des Christentums, die EinfĂŒhrung des byzantinischen Ritus und der kyrillischen Schrift sowie ĂŒber die PrĂ€gung von Hofzeremoniell, Literatur, Malerei und Architektur. Daher bekennen sich die Serben bis heute zum grĂ¶ĂŸten Teil zur orthodoxen Kirche. Einen besonderen Stellenwert in der serbischen Kultur haben auch die vielen Klöster, von denen ein großer Teil bereits als Stiftungen der Herrscherdynastien im Mittelalter erbaut wurde. In den von den Königen in entlegenen TĂ€lern jeweils eigens errichteten Grabklöstern, in denen ihre Memorialkulte kontinuierlich – auch ĂŒber die TĂŒrkenzeit hinweg – gepflegt wurden, bewahrten sich zudem die mittelalterlichen Chroniken (letopisi), sowie insbesondere die fĂŒr die Staatsideologie der serbischen Herrscher und des serbischen Mönchstums eigens geschaffene serbische Sonderform der Heiligengeschichten und Lebensbeschreibungen (ĆŸitije) der Könige in den Klosterbibliotheken, die das historische Wissen und Weltbild des serbischen Mittelalters bewahrt haben und damit auch dessen Hauptquellen sind.

Dabei sind die Klosterkirchen oftmals aus einer Synthese sowohl romanischer als auch byzantinischer Architekturstile errichtet worden und wie in den großen KlostergrĂŒndungen (Studenica, Hilandar, Erzengelkloster, Ravanica, Resava) auch Abbilder einer ideellen spirituellen Stadtarchitektur, die als irdisches Jerusalem gedacht wurden und als Wehrklöster auch ĂŒber große Turmreiche Mauern verfĂŒgten. BerĂŒhmt sind die zahlreichen Fresken serbischer Klöster, von denen beispielsweise der antikisierende „Weiße Engel“ im Kloster MileĆĄeva sowie die großformatigen, mit ausgesprochen nuancierter Farbgebung ausgefĂŒhrten Fresken in Sopoćani zu den bedeutendsten Malereien des Hochmittelalters gehören. Ein halbes Jahrhundert vor Ă€hnlich bedeutenden Werken im italienischen Trecento entstanden, weisen sie durch ihren humanistischen Geist und Realismus weit in die Renaissance vorweg (Palaiologische Renaissance). Der byzantinischen Kunst kommt damit insgesamt auch die zentrale Position im originĂ€ren Kunstschaffen Serbiens zu. Serbien selbst hatte sich allgemein auch zu einem der großen Zentren byzantinischer Kunst entwickelt. In vielfachen BezĂŒgen hat sich diese Tradition hier bis in die Moderne erhalten, was besonders prominent fĂŒr die Errichtung sakraler Bauwerke wie beispielhaft im Tempel des Heiligen Sava gilt.

Die osmanische Eroberung Serbiens zwischen 1371 und 1459 bildete die zentrale ZĂ€sur im Kulturschaffen des Landes. Das Zentrum der serbischen Kultur verlagerte sich sukzessive in den SĂŒden des Königreichs Ungarn nach Syrmien an die HĂ€nge der FruĆĄka Gora. Als NachblĂŒte der großen mittelalterlichen serbischen Architektur entstanden die Klöster der FruĆĄka Gora seit dem 15. Jahrhundert und waren neben dem Athos-Kloster Hilandar wichtigste Bewahrer serbischer Tradition und Kultur. In den altserbischen LĂ€ndern dominierte dagegen ĂŒber die folgenden Jahrhunderte durch die verĂ€nderten politischen, kulturellen und ethnischen VerhĂ€ltnisse das Kunstschaffen der islamischen Welt. Die islamische Kunst, die sich auf dem Gebiet Serbiens verbreitete, war insbesondere durch die klassische osmanische Kultur und Kunst vertreten. Moscheen, Hamams, TĂŒrben, Konaks und insbesondere osmanische BogenbrĂŒcken sind beredtes Zeugnis des jahrhundertelangen Erbes osmanischer Kultur. Das reiche osmanische Handwerk hatte sich insbesondere im Stil der Innendekoration, Gartengestaltung, Kleidung und allgemein der Angewandten Kunst niedergeschlagen. Piroter Kelime standen im 19. Jahrhundert in besonderer BlĂŒte und genossen sogar in den Zentren des Osmanischen Reiches einen exzeptionellen Status.

Mit den serbischen Epischen GesÀngen bildete sich seit dem 15. Jahrhundert eine eigenstÀndige serbische Volksdichtung, die, oral tradiert und durch die Gusle begleitet, Erinnerung an die Amselfeldschlacht sowie die Haiduken wachhielt.

Die Serbischen AufstĂ€nde zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachten Serbien schrittweise seine EigenstĂ€ndigkeit zurĂŒck. Damit fasste die europĂ€ische Moderne sukzessive ĂŒber Wien (Dositej Obradović, Vuk KaradĆŸić) in Serbien Fuß.

Literatur

Mittelalter

Religiöse Literatur

Die AnfĂ€nge der serbischen Literatur hĂ€ngen aufs Engste mit der byzantinischen theologischen Literatur und der byzantinischen Zivilisation zusammen. Dabei bildete die Neuplatonische Schule die bestimmende Dominante fĂŒr das philosophische GrundgerĂŒst der christlichen Orthodoxie. Die Bildung wurde durch die Vermittlung religiöser Inhalte geprĂ€gt, in der Heiligenlegenden, Geschichte, Mythologie sowie Grammatik und Philosophie Bestandteile stellten. Klöster fungierten als Zentren des Literaturschaffens, insbesondere Visoki Dečani, Manasija sowie Hilandar. Aus der unter den serbischen Klöstern fĂŒhrenden Stellung Hilandars diente dieses auch als Zentrum der monastischen Ausbildung des serbischen Klerus und war gleichzeitig die AusbildungsstĂ€tte aller großen serbischen mittelalterlichen Literaten, unter anderen Domentijan, Teodosije Hilandarac und Danilo II.

Ältestes in kyrillischer Schrift und auf kirchenslawisch verfasstes Buch ist die nationale Reliquie Serbiens, das Miroslav-Evangelium von 1180. Es wurde 2005 in die UNESCO-Liste des GedĂ€chtnisses der Menschheit aufgenommen. Die serbisch-orthodoxen Evangelien des SpĂ€tmittelalters wurden wie im serbischen Psalter und Radoslav-Evangelium insbesondere zur Zeit der Morava-Schule mit humanistischen Miniaturen ausgeschmĂŒckt.

Altserbische Herrscherbiographien

Der Ursprung der Altserbischen Herrscherbiographien und der eigentliche Beginn der Serbischen Literatur ist die vom Heiligen Sava von Serbien zwischen 1208 und 1217 im Kloster Studenica verfasste, kurz gehaltene, stichpunktartige ErzÀhlung zum Leben seines Vaters Stefan Nemanja, in der insbesondere das monastische Leben Nemanjas erzÀhlt wird:

Den literarischen Höhepunkt der Viten des 13. Jh. wurde vom letzten SchĂŒler Savas, dem Hilandarmönch Domentijan (Hilandarac) in der Ćœitije Svetog Save (Vita des Heiligen Sava, 1243) und der Ćœitije svetog Simeona (Vita des Heiligen Simeon) erreicht. Im Unterschied zu Savas kurzer Vita Simeons, sind Dometijans Werke umfangreiche hagiographische Darstellung mit einer Vielzahl biographischer Details und chronologischer Daten, die dokumentarisch historische Ereignisse beschreiben. Durch die Tiefe seiner theologischen Gedanken, ethischen Reflexionen und Apotheosen zum spirituellen Leben, tragen die Werke die kirchlichen und politischen Ideologien des Mittelalters. Herkunft und Geburt Domentijans wurden nicht ĂŒberliefert, er erlangte aber durch die wahrscheinliche Begleitung Savas auf seiner zweiten PalĂ€stinafahrt bald große Kenntnisse der Theologie und Staatsideologie.

Diese Herrscherbiographien Savas und Domentijans wurden in der mittelalterlichen Literatur Serbiens als ideales Maß der Herrschaftsordnung genommen und fanden in den Herrscherbiographien des 14 Jh. durch Danilo II., Danilo III. und Grigorij Camblak eine konsequente Weiterentwicklung. Alle diese Viten bezeugen das SelbstverstĂ€ndnis der serbischen Königsherrschaft und beweisen die KontinuitĂ€t dieser Selbstinterpretation in einem unauflösbar engen Miteinander von weltlicher und geistlicher Gewalt.

Die serbische Lyrik trat erstmals durch Jefimija in Erscheinung. Als Literat betĂ€tigte sich selbst der Despot Stefan Lazarević, eine der eminenten Erscheinungen unter den slawischen Orthodoxen im 15. Jahrhundert, von dem u. a. der Text der MarmorsĂ€ule auf dem Amselfeld stammte.

Am Hofe Stefan Lazarevićs entstand auch das bei weitem bedeutendste Werk seines Genres in der mittelalterlichen slawischen Literatur SĂŒdosteuropas, die Vita des Despoten Stefan Lazarević (Жотоја ĐŽĐ”ŃĐżĐŸŃ‚Đ° ĐĄŃ‚Đ”Ń„Đ°ĐœĐ° ЛазарДĐČоћа) des bulgarischen Emigranten und Neuplatonikers Konstantin Kostenezki, die in fast moderner Form die Biographie des Despoten schildert, und gleichzeitig zu den wichtigsten historischen Quellwerken des slawischen SĂŒdens zĂ€hlt. Damit erfolgte auch eine gewisse Wende von der monastischen zur höfischen Geschichtsschreibung, in der auch eine Bezugnahme von Autoren der klassischen Antike eine Neuerung bildete. In der Vita des Despoten Stefan Lazarević wird insbesondere auch ausfĂŒhrlich ĂŒber die Schlacht auf dem Amselfeld, wie auch erstmals die im spĂ€teren Volkslied heroische Figur des „serbischen Herkules“ Marko Kraljević berichtet, aber auch die Ereignisse im osmanischen Reich, die Verheiratung Olivera Despinas in den Sultans-Harem nach Bursa, und das Auftauchen des Welteneroberers Tamerlan, wie die Teilnahme Stefan Lazarevićs in der Schlacht von Angora unter Sultan Bayezid I. gegen die Mongolen ausfĂŒhrlich behandelt. Auf Konstantin Kostenezki, als herausragenden Historiographen und Schriftreformer der drei aktiven serbischen Schreibschulen (Belgrad, Manasija und Hilandar) in der ersten HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts ging eine Redigierung der kirchenslawischen Schrift serbischer Redaktion im Zentrum der serbischen Schreibschule im Kloster Manasija (Resava) (Resava Schreibschule, rezavski pravopis dt. Resava Rechtschreibung), die auf den grammatischen Regeln des byzantinischen Philologen Manuel Moschopulos basierte, sowie u. a. die Übersetzung von Werken des Universalgelehrten Michael Psellos ins Serbische, zurĂŒck. Daneben wirkte auch Grigorij Camblak im serbischen Despotat, der im Kloster Visoki Dečani die Vita des Stefan Dečanski verfasste sowie ĂŒber seinen Lebensweg von Bulgarien, der Wallachai, Serbien und Russland, wo er Metropolit von Kiew wurde, und seiner Teilnahme am Konzil von Konstanz, sowohl im Byzantinischen „Commonwealth“, als auch im deutschen Sprachraum, als herausragende Persönlichkeit der Orthodoxie wie der Palaiologischen Renaissance wahrgenommen wird.

In der Tradierung klassischer Werke stellte die Weitervermittlung der, fĂŒr die damalige Epoche revolutionĂ€ren Erkenntnisse der antiken Naturwissenschaft, wie beispielsweise das Wissen ĂŒber die Idee der Kugelform der Erde in der Psellos-Übersetzung Konstantins im Kapitel O zemli supsanii o klubnom videni obraza jeje (dt. Beschreibung der sphĂ€rischen Form der Erde), eine wesentliche Leistung der palĂ€ologischen Renaissance fĂŒr die Wiedergeburt antiken Wissens in Europa dar.

Im SpĂ€twerk der Resava-Schule unter vollendeter osmanischer Herrschaft fand sich in der Synthese der slawo-byzantinischen Literatur unter Demetrios Kantakuzenos (Wladislaw Gramatik und andere anonymen Autoren) im letzten serbischen mittelalterlichen literarischen Zentrum Novo Brdo noch Ende des 15. Jahrhunderts die letzte AnknĂŒpfung an die byzantinische Literaturtradition (u. a. Abschriften von Pindars Olympischer Oden sowie Prometheus und Sieben gegen Theben von Aischylos).

Feudale BugarĆĄtice und serbische Volksepik

Mit dem Niedergang der serbischen Eigenstaatlichkeit erlag diese gebildete literarische Tradition der osmanischen Eroberung. Die feudalen serbischen Balladen und Epen im Genre der BugarĆĄtice wurden aber mit der Emigration des serbischen Adels im 15. Jahrhundert durch serbische Barden in die dalmatinischen KĂŒstenstĂ€dte sowie die sĂŒdungarischen LĂ€nder nördlich der Save in anderen Umgebungen weitergepflegt. Diese auf die feudale serbische Gesellschaft zurĂŒckgehende Dichtung ĂŒberlebte so eine Zeitlang den Zerfall des serbischen Staates. Unter den BugarĆĄtice konnten sich aber keine aus der Zeit des serbischen mittelalterlichen Reiches erhalten, da keine Aufzeichnungen vor dem Ende des 15. Jahrhunderts ĂŒberliefert wurden. Alle Niederschriften der BugarĆĄtice, die in den dalmatinischen StĂ€dten in Dubrovnik, Hvar, Perast und Kotor durch kroatische, slowenische, ungarische, italienische und deutsche Literaten gemacht wurden, waren zu dem Zeitpunkt schon so durch die sprachliche BlĂŒte der zehnsilbigen serbo-kroatischen Epik in den Schatten gestellt worden, so dass die BugarĆĄtice in der ĂŒberlieferten anachronistischen sprachlichen Form nicht mehr die epische, imaginative und narrative Kraft der Oral Poetry besaßen.

Die Volksdichtung ĂŒbernahm ihre Geschichten, dutzende der Motive, ihre narrativen und stilistischen Muster und hunderte ihrer formelhaften Sprachmittel aus den epischen VorgĂ€ngern der BugarĆĄtice-Barden. Über Jahrhunderte entwickelte sich daraus in der bĂ€uerlichen patriarchalen Gesellschaft des einfachen serbischen und kroatischen Landvolkes eine ĂŒberaus reiche epische Gattung, die von Mitte des 15. Jahrhunderts bis ins 19. Jahrhundert eine ungewöhnlich lange Zeit als eigenstĂ€ndige Dichtung andauerte. Damit stellt sie alle anderen europĂ€ischen Volkslieddichtungen in ihrer historischen Konstanz und der Bedeutung fĂŒr die nationale Literatur in den Schatten und stellt das weitaus bedeutendste poetische Erbe des serbischen Volkes.

Die Epen reichen bis in die Zeit vor Ankunft der osmanischen Eroberer auf dem Balkan und enthalten noch heidnische Überreste alter mythologischer Vorstellungen wie denen von Naturgeistern (u. a. die Vila, im Volksglauben ein ĂŒbernatĂŒrliches Wesen mit Pferdebeinen und dem Körper einer jungen schönen Frau, die aus einer Pflanze oder Tau geboren wurde und in Bergen, BĂ€umen, Seen oder den Wolken lebt).

Der Hauptteil stammt aber aus der Periode, als Edirne Residenz der Osmanen in Europa wurde, und schildert den Kampf der christlichen Balkanvölker gegen das Vordringen der osmanischen Eroberer. Thematisch finden sind daher hĂ€ufig Heldenlieder, insbesondere die des „serbischen Herkules“ Marko Kraljević, fĂŒr die sowohl Anachronismen wie Anatopismen charakteristisch sind. Die Epen des Kraljević Marko folgten zeitlich denen zur Amselfeldschlacht, dem historischen Fixpunkt des serbischen Volksliedschaffens als „Heroischem Zeitalter“ der Heldenlieddichtung. Die GesĂ€nge dieses Kosovo-Zyklus (nach dem Austragungsort der Schlacht auf dem 'Kosovo-Polje') besitzen hingegen auch eine bedeutende historische Dimension, da sich in ihnen vielfĂ€ltige BezĂŒge zum eigentlichen historischen Kontext finden. Nicht epischer Natur sind die lyrische Liebes- und Frauenlieder, welche meist von Frauen gedichtet und beim Reigentanz (Kolo) gesungen werden. WĂ€hrend die Heldenlieder vorwiegend zehnsilbiges trochĂ€isches Versmaß (Deseterac) besitzen, wird in den Tanzliedern trochĂ€ische und daktylische Metrik in achtsilbigen Versen (Osmerac) genutzt. Allgemeinkennzeichen der serbo-kroatischen epischen Dichtung eine Reimung grundsĂ€tzlich fehlt.

Romantik

Geburt der Literatursprache aus der Volkssprache

Aus der deutschen Übersetzung der von Alberto Fortis 1774 in Dalmatien aufgezeichneten Volksdichtung „Asan-Aginice“ durch Johann Wolfgang von Goethe 1775 und der Veröffentlichung in Johann Gottfried Herders Volkslieder wurden die im zehnsilbigen Versmaß des Deseterac verfassten serbokroatischen Lieder und Epen erstmals in Europa bekannt. Die Goethesche Übersetzung wurde bald von Walter Scott ins Englische, Prosper MĂ©rimĂ©e ins Französische und Alexander Puschkin ins Russische ĂŒbertragen.

Eine intensive europĂ€ische Rezeption erfuhren die Volkslieder aber erst aus den Aufzeichnungen und Veröffentlichungen des Volksliedsammlers Vuk KaradĆŸić (ab 1814). Dieser hatte den Hauptteil der serbischen Heldenlieder zwischen 1814 und 1815 in Syrmien von entweder blinden Frauen, die am Rande der Gesellschaft ihre Existenz fristeten (Blinde Ćœivana aus Zemun, Blinde Jeca aus Zemun, Blinde Stepanija aus Jadar, Blinde aus Grgurevci), oder von aus dem Herzland der Epischen Dichtung in patriarchalischen Bergregionen der Dinariden im heutigen Montenegro sowie Bosnien und Herzegowinas vertriebenen Outlaws aufgezeichnet (KaradĆŸić bester „Singer“, in diesem Fall Rezitator, TeĆĄan Podrugović war ein herzegowinischer Outlaw der 1813 nach Niederschlagung des serbischen Aufstandes nach Syrmien geflohen war und 1815 neuerlich dem Ruf zum Freiheitskampf folgend, nach vielen tödlichen ScharmĂŒtzeln mit den Osmanen zwischen Bosnien und Serbien letztlich ums Leben kam; ebenfalls aus der Alten Herzegowina im heutigen Montenegro stammte der Starac Milija („Weise“ Milija), durch KĂ€mpfe mit Osmanen am ganzen Kopf entstellt, wurden zwei von Milijas Epen ohne Bezugnahme zum Autor kurz nach der Veröffentlichung in Leipzig von Goethe ausfĂŒhrlicher rezipiert).

Die erste volksliedkundliche Sammlung Vuk KaradĆŸićs (1814) begleitete seine linguistischen Reformen, die die Volkssprache zur Literatursprache heben sollten. In seiner Sprachreform wurde die Orthographie weitgehend vereinfacht, dessen Hauptleistung ein Phonetischer Charakter ist. Im sozio-politischen Kontext unterstĂŒtze seine Reform das serbische Nationalprojekt und wenn auch nicht programmatisch das jugoslawische, da KaradĆŸić seine Reform auf den literarischen Standard eines Dialektes der Herzegowina – Ć tokawisch – der sowohl von Serben als auch Kroaten verstanden wurde, basierte. KaradĆŸićs Suche nach der serbische Volkspoesie und GebrĂ€uchen mit deren spĂ€teren Kodifizierung zur Nationalkultur war anfangs durch seinen Wunsch die Volkssprache gegen das „kĂŒnstliche“ Slawenoserbische Idiom der Kirche und Kaufleute durchzusetzen verbunden. In den Ethnogeographischen Literaturquellen der Volksepik ersann und legitimierte er eine politische EntitĂ€t auf der Grundlage ethnokultureller Marker. Mit diesen Sprachreformen und der Kodifizierung des volksliedsprachlichen Erbes fĂŒr die Staatenbildung wurde KaradĆŸić in einem weiten europĂ€ischen Kontext zum Vorbild und die SchlĂŒsselfigur der Serbischen Romantik, die einen großen Einfluss auf die EuropĂ€ische Romantik in der Entdeckung der Poesie der archaischen Volksliedkultur hatte.

Die Entdeckung der in einer illiteraten Gesellschaft nur mĂŒndlich ĂŒberlieferten serbischen Epen im 19. Jahrhundert bildete das eigentliche RĂ€tsel in der Literatur des 19. Jahrhunderts, und schon 1816 wurden diese daher von Kopitar in Beziehung zu Homers Ilias und Odyssee und der Entstehung der Griechischen Epik gestellt. Bis ins 20. Jahrhundert blieben die Anschauungen zur stilistischen Methodik und formelhaften Sprachtechnik der mĂŒndlich ĂŒberlieferten Serbischen Epik grundlegend zur literaturgeschichtlichen Forschung in der Homerischen Frage. Insbesondere Milman Parry und Albert Lord sammelten dafĂŒr in den 1930er Jahren die letzten verbliebenen authentischen Belege in illiteraten Gemeinschaften Jugoslawiens. Aus den Tonaufnahmen dieser Forschungsreisen entstand in der Harvard University das „Millman Parry Archiv“ die wichtigste Tonaufnahmen-Sammlung SĂŒdslawischer Heldenlieder, die dort von BĂ©la BartĂłk 1940–1942 auch ĂŒberhaupt erstmals musikalisch transkribiert wurden.

Durch die UnterstĂŒtzung und Übersetzung von KaradĆŸićs Veröffentlichung durch Jernej Kopitar, Jacob Grimm, Clemens Brentano und insbesondere Talvj (Therese von Jacob) erlebten die Epen bei der europĂ€ischen Leserschaft der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts eine teilweise so ĂŒberschwĂ€ngliche Rezeption, dass die Talvj-Ausgabe der Volkslieder der Serben fĂŒr einige Jahre den kleineren klassischen Status im Kurzgeschichten-Kanon erreichte (es fand sich beispielsweise auch in der Hausbibliothek von Karl Marx Tochter Eleanor). Goethe, der insbesondere von der Einfachheit und Kraft der poetischen Bilder der serbischen lyrischen Lieder berĂŒhrt war, veröffentlichte in seinem spĂ€teren Schaffen 1827 lange nach seiner JugendĂŒbersetzung der Asan-Aginice eine neue eigenstĂ€ndige Version (Klaggesang von den edlen Frauen des Asan Aga).

Auch zeitgenössische Autoren erkennen die literarischen QualitÀt dieser Dichtung an, wie der Pulitzer-PreistrÀger und amerikanische Poeta laureatus Charles Simic:

sowie der Dichter, Literaturhistoriker, Kritiker und ehemalige Professor fĂŒr Dichtkunst an der UniversitĂ€t Oxford Peter Levi:

Levi beantwortete auch die Frage, was in seiner professionellen Arbeit seiner EinschĂ€tzung nach die wertvollste und vergnĂŒglichste Arbeit war, damit, dass dies die Übersetzung der Lieder des Kraljević Marko gewesen ist.

Petar II Petrović Njegoơ

1847 erschienen gleichzeitig drei Werke, die den Sieg von KaradĆŸićs Reformen begrĂŒndeten: KaradĆŸićs zweite Auflage seines Serbischen Wörterbuchs (Srbski rječnik), Đuro Daničić, der Kodifikation der serbischen Literatursprache, Rat za srpski jezik i pravopis, sowie das im Deseterac (das eigentliche Versmaß der Heldenlieder der Guslaren) verfasste Nationalepos von FĂŒrstbischof Petar II. Petrović NjegoĆĄ – Der Bergkranz.

Letzteres wurde programmatisch wesentliche Inspirationsquelle der Nationalprojekte Serbiens und Montenegros sowie in der Konstruktion der Einheit Jugoslawiens und Schaffung einer gemeinsamen IdentitÀt. Im Bergkranz setzt sich Njegoƥ im Sinne eines kosmischen Themas mit der eigenen Volksgeschichte im montenegrinischen Freiheitskampf auseinander, das durch die Legenden der Amselfeldschlacht inspiriert ist und die mythische Dimension der Legende mit der geschichtlichen Situation seiner Zeit verband.

1846 hatte NjegoĆĄ auch das lyrische Hauptwerk in der serbischen Volkssprache verfasst: Der Strahl des Mikrokosmos (Luča Mikrokosmosa). Ebenfalls im Versmaß des Desterac, stellt das kosmogonisch-religiöse Epos NjegoĆĄ Sicht auf Religion und Philosophie und die Mission des Menschen auf der Welt dar. Die religiös poetischen Gedanken in Der Strahl des Mikrokosmos in der sich Ideen der Kabbalah und anderer Inspirationen finden sind aber insbesondere durch Dante Alighieris Divina Comedia und John Miltons Paradise Lost angeregt und werden mit diesen daher oft verglichen.

NjegoĆĄ verfasste auch Liebeslyrik, die aufgrund seiner Stellung als Bischof erst ein halbes Jahrhundert nach seinem Tode veröffentlicht werden durfte. Sein Poem Noć skuplja vijeka (engl. A night worthier than a century) ist eines der anerkannten Hauptwerke erotischer und sensueller Dichtung serbischer Sprache der Romantik.

Moderne

Im 18. Jahrhundert erfolgte durch den Schriftsteller und Philosophen Dositej Obradović ein entscheidender Umbruch in der serbischen Literatur: Er forderte die Verwendung der Volkssprache in der Literatur. Dieses Ziel verfolgte auch der Philologe Vuk Stefanović KaradĆŸić, der zu den wichtigsten Vertretern der serbischen Sprachreform des 19. Jahrhunderts gehört.

Jovan Sterija Popović (1806–1856) verfasste seine Dramen im Stil des Klassizismus. Nach 1860 orientierte sich die serbische Literatur an russischen und französischen Vorbildern und vollzog eine Hinwendung zum Realismus. Vertreter der realistischen Prosa im 19. Jahrhundert waren unter anderem Milovan Đ. GliĆĄić und Simo Matavulj. Als literarischer Kritiker des Obrigkeitsstaats und BegrĂŒnder der modernen serbischen Satire wurde Radoje Domanovič (1873–1906) bekannt. Bis zum Ersten Weltkrieg war die serbische Literatur wie die vieler anderer kleiner Staaten jedoch durch eine gewisse zeitliche Verzögerung gegenĂŒber der internationalen Entwicklung gekennzeichnet.

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten sich mit Autoren wie Marko Ristić, Moni de Buli und DuĆĄan Matić insbesondere in Belgrad experimentelle und surrealistische Strömungen. FĂŒr die Generation nach dem Ersten Weltkrieg war zudem der Expressionismus prĂ€gend, wie dies bei MiloĆĄ Crnjanski 1920 beispielhaft im Poem Sumatra, in dem menschliche Erfahrung des Krieges in einem theoretisch programmatischen Stil thematisiert wurden, geschehen ist. Mit der Veröffentlichung der eigentlichen Lesart dieses als Manifest der serbischen expressionistischen Poesie erachteten Gedichts durch Crnjanski selbst, wurde die weitere expressionistische serbische Lyrik mit dem Begriff Sumatraismus belegt (Crnjanski nutzte im Titel des Gedichts die durch Silbentrennung offensichtliche Lesart S-Uma-Tras dt. Vom Sinn heruntergestiegen). Vom Surrealismus beeinflusst war auch der Lyriker Oskar Davičo, der wie andere Autoren auch nach 1941 aktiv am Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer teilnahm. Ivo Andrić schrieb einige seiner Romane im besetzten Belgrad und konnte sie erst nach 1945 veröffentlichen.

Nach 1945 war die serbische Literatur ĂŒberwiegend vom sozialistischen Realismus geprĂ€gt – eine Thematisierung der politischen UmwĂ€lzungen in Serbien wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs fand erst Jahre spĂ€ter statt. Neben Crnjanski (Roman o Londonu) entwickelten sich Ivo Andrić (Die BrĂŒcke ĂŒber die Drina) und MeĆĄa Selimović (Der Derwisch und der Tod) zu den Hauptvertretern des klassisch erachteten serbischen Romans.

Mit den historischen Ereignissen und Ergebnissen des Zweiten Weltkrieges setzte sich insbesondere Dobrica Ćosić auseinander, der daneben in umfangreichen Prosa-Zyklen soziale VerĂ€nderungen der Gesellschaft wĂ€hrend der neueren serbischen Geschichte beschrieben hat. Ćosić der auch als einflussreicher politischer Essayist zur gesellschaftlichen Situation Serbiens und der Serben im Nachgang des Zusammenbruchs Jugoslawiens und der historischen Dimension der Kosovo-Problematik hervorgetreten ist, nahm durch seine politische Dissidentenrolle innerhalb der ehemaligen jugoslawischen Kommunisten und aus dem thematisch breiten schriftstellerisches Schaffen zum historischen Schicksal der Serben ĂŒber Jahrzehnte die Rolle des fĂŒhrenden serbischen intellektuellen und politischen Vordenkers ein.

Die jĂŒngere Nachkriegsgeneration nahm moderne Romantendenzen des Westens auf. Bora Ćosić (Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution) und Milorad Pavić (Das Chasarische Wörterbuch) wurden international viel beachtet. Das Oevre Danilo KiĆĄs (Ein Grabmal fĂŒr Boris Dawidowitsch, Anatomiestunde, Enzyklopedie der Toten) wird allgemein als das bedeutendste der modernen serbischen Nachkriegsliteratur angesehen. Daneben thematisierte Aleksandar TiĆĄma in einem als sogenannten Pentateuch genannten Zyklus Holocaust und das Schicksal der Nachkriegsgeneration. Einen kritischen Blick auf Belgrad in den 1940er Jahren bietet zum Beispiel die Autorin Svetlana Velmar-Janković in ihrem Roman „Lagum“, der 1990 in Serbien veröffentlicht wurde. Themen aus der jĂŒngeren Geschichte behandelt auch der groteske ErzĂ€hler und Romanautor David Albahari, der 1994 nach Kanada ĂŒbersiedelte. – Heute werden in Serbien etwa 100 bis 150 Romane im Jahr geschrieben.

In der Lyrik finden sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin surrealistische Tendenzen, unter anderem in den Werken des Schriftstellers Vasko Popa (1922–1991), der in seinen Gedichten mit Soziolekten und Dialekten der Vojvodina spielt. DuĆĄko Novaković (* 1948) veröffentlichte etwa 15 LyrikbĂ€nde; er machte auch durch seine Übersetzungen auch die mazedonische Literatur breiteren Kreisen zugĂ€nglich.

Zu den wichtigen Dramatikern, Filmautoren und Regisseuren zĂ€hlt DuĆĄan Kovačević (* 1948), dessen Komödien auch ins Englische ĂŒbersetzt wurden. Zu den bekannten Essayisten gehört Radoslav Petković (* 1953).

Bis heute sind die Neigung zum Historischen und zur Chronik wichtige Merkmale der serbischen Prosaliteratur geblieben; doch fand sie ihren Niederschlag auch in der Lyrik und im Drama.

Musik

Die Ă€ltesten bekannten Aufzeichnung ĂŒber die Verwendung von Musikinstrumenten unter den Slawen der Balkanhalbinsel datieren aus einer byzantinischen Chronik aus der ersten HĂ€lfte des 7. Jahrhunderts. Die Nutzung der Gusle wurde spĂ€ter im 10. Jahrhundert von arabischen Reisenden vermerkt. Bis ins 12. Jahrhundert wurden selbst in Ungarn professionelle Musikanten mit dem slawischen Ausdruck ‚igici‘ benannt. Damit ist, bevor ĂŒberhaupt GesĂ€nge bei den Slawen und Serben aufgezeichnet worden wurden, deren BeschĂ€ftigung mit Musik schon ĂŒber mehrere Jahrhunderte belegt.

Von Domentijan wurden im 13. Jahrhundert erstmals auch epische GesĂ€nge zum Leben des Heiligen Sava beschrieben. In der Regierungszeit Stefan UroĆĄ III. Milutins berichtete Teodosije ĂŒber epische GesĂ€nge klassischer antiker Stoffe. Dazu schrieb er ĂŒber die instrumentale Nutzung von Trommeln und Guslen am Hofe. Die epischen VolksgesĂ€nge entfalteten sich auch in den nachfolgenden Jahrhunderten und integrierten in ihrem Kern die ErzĂ€hlungen zur Kosovoschlacht zu einem zusammenhĂ€ngenden Volksepos. Die serbischen Barden verbreiteten sich mit diesem Genre ĂŒber die zentraldinarischen LĂ€nder bis nach Ungarn und Polen aus. Serbische Guslenspieler wurden selbst namentlich bekannt und der ungarische Lautenspieler TinĂłdi berichtet darĂŒber, dass Dimitrije Karaman der beste unter ihnen war. Diese Form des Instrumentenspiels wurde auch als „Serbischer Stil“ bekannt (im 17. Jahrhundert wurde dieser noch als modi et styli Sarbaci referenziert). Die Gusle blieb bis ins 19. Jahrhundert das bekannteste Musikinstrument der Serben; Vuk KaradĆŸić schrieb 1814–1815, dass jedes Haus in Bosnien und der Herzegowina, Montenegro und dem gebirgigen Westserbien eine Gusle besaß. Als bedeutendster Guslenspieler galt der blinde Seher Filip ViĆĄnjić, einer der zentralen SĂ€nger zur Niederschrift serbischer Volkslieder in KaradĆŸićs Volksliedsammlung. Die Guslen-Spieler im Zeitalter der serbischen BefreiungskĂ€mpfe fanden sich Großteils unter der AufstĂ€ndischen und viele darunter waren selbst Outlaws.

Die Folkloretradition, die besonders im Balkan Brass deutliche EinflĂŒsse der jahrhundertelangen Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich zeigt, ist in Serbien noch sehr lebendig. EinflĂŒsse sind auch im Genre des Turbo-Folk hörbar, der in Serbien und anderen Gebieten des ehemaligen Jugoslawien die PopulĂ€rmusik mitbestimmt. Auch im FrĂŒhwerk des bedeutendsten serbischen Jazz Musikers, Dusko Goykovich (DuĆĄan „DuĆĄko“ Gojković), wurden Elemente der balkanische Volksliedtradition in den Jazz eingebunden (u. a. Swinging Macedonia). Auch der Multiinstrumentalist Slobodan Trkulja verbindet Jazzrock mit Elementen und Instrumenten der balkanischen Volksmusik, byzantinische KirchenchorĂ€le und allgemein der byzantinischen Vokalstimmtradition. In den von christlicher SpiritualitĂ€t geprĂ€gten musikalischen Arrangements Trkuljas werden Big Band, Fusion und moderne, klassische und traditionelle Instrumente mit vokalen Elementen der Volkslyrik gekonnt verbunden. Zu den verbreiteten traditionelle Instrumenten zĂ€hlen Regional unterschieden Akkordeon, die Gusle, Gajde oder Hirten-Flöten. Nationaltanz ist der „Kolo“ (Reigen), ein Gruppentanz, der von Region zu Region unterschiedlich aufgefĂŒhrt wird. Am bekanntesten ist der „UĆŸičko kolo“ (UĆŸicer Kolo).

Mit der Tradition der sĂŒdosteuropĂ€ischen Iso-polyphonen Volksliedtradition, den zweistimmigen GesĂ€ngen pevanje na glas und pevanje na bas sowie den Genres ganga, kavalj, ojkalica, groktalica und potresalica wurde die SĂ€ngerin Svetlana Spajić und ihre Gruppe Pjevačka druĆŸina Svetlane Spajić in der internationalen Kunstszene bekannt, in der sie in Arbeiten unter anderen mit Marina Abramović und Robert Wilson archaische polyphone GesĂ€nge unter anderen in der Abschlussveranstaltung von Abramovićs Performance „The Artist is Present“ im MoMA in New York vortrug. Als VorgĂ€ngerin in der „WiederauffĂŒhrung“ gilt Svetlana Stević.

Neben Pavle Aksentijević als Erforscher und Interpret auch vergessener alter byzantinischer Vokal- und Kirchenmusik ist Divna Ljubojević die international bedeutendste serbische Vertreterin einer subtilen Affirmation des geistlichen byzantinischen musikalischen Erbes, die auch in der pĂ€dagogischen Arbeit innerhalb der Ostkirchen eine herausgestellte Funktion einnimmt. Im sĂ€kularen Volkslied ist Biljana Krstić, die aus einem von der Popmusik geprĂ€gten FrĂŒhwerk zur traditionellen Volksmusik gefunden hat, als Interpretin am ursprĂŒnglichen Interpretationsstil interessiert. Die Melodien vieler Volkslieder beruhen dabei auf Tonleitern die direkt konstantinopoler Abstammung sind und kirchlichen GesĂ€ngen der orthodoxen Kirchenliturgie nahestehen. Griechischer Musiktradition direkt verwandt sind Volkslieder wie beispielsweise „Gusta mi magla padnala“, obwohl dafĂŒr oftmals fĂ€lschlich eine osmanisch-orientalische Herkunft, wie dies auch bei „Simbil cveće“, das auch von Stars der Turbo Folk Szene wie Lepa Brena oder Ceca eingespielt wurde, vermutet wird. Die Byzantinische Musik, die ausschließlich im Oktoechos komponiert wird, und der der Byzantinische Gesang kennen dabei sowohl eine eigene Notation – Neume, als auch eigene Tonskalen: Ison, Oligon, und Apostrophos. Der charakteristische Ison ist hierbei ein tragender dröhnender Ton, der die streng monophone Melodie begleitet. Als international am stĂ€rksten rezipierte Volkslied Serbiens kann Ajde Jano gelten, das beispielsweise von Kroke zusammen mit dem englischen Geigenvirtuosen Nigel Kennedy und der belgischen SĂ€ngerin Natacha Atlas in Klezmer, Kayah oder auch der amerikanischen SĂ€ngerin Talitha MacKenzie eingespielt wurde. Dem historischen Volks- und Kunstliedschaffen des Balkans hatte sich zuletzt auch einer der prominentesten Vertreter der Historischen AuffĂŒhrungspraxis und Alten Musik Jordi Savall zugewandt und die Alben „Bal-Kan – Honig und Blut“ sowie „Esprit des Balkans“ der historischen Musiktradition und dem religiösen Dialog der Balkanvölker gewidmet, was in den Ouverture spirituelle bei den Salzburger Festspielen 2014 eines der Hauptereignisse bildete.

Das traditionsreiche Orchester von Radio Belgrad, das Narodni Orkester Radio Beograda (heute Narodni Orkester RTS-a) wurde 1934 gegrĂŒndet. Insbesondere in seiner goldenen Zeit von den 1930er bis in die 1960er Jahre hatte es unter der Leitung von Vlastimir Pavlović Carevac das Genre der Starogradska muzika als Musik der BohĂšme weiter etabliert. Als Interpret der Volksmusik sowie durch seinen Violinen-Spielstil wurde Carevac prĂ€gend. Seine weit gelĂ€ufige Musikthemen – Svilen konac und Bojarka – bilden bis heute die Erkennungsmelodien der Volksmusik-Sendungen Radio Belgrads. Auch im Genre der Sevdalinka wurde er mit Interpretinnen wie Velinka Grgurević, Saveta Sudar, Vuka Ć eherović und Anđelija Milić stilbildend. Das Orchester ist heute die Nationale Institution Serbiens zur Pflege serbischer- und balkanischer Volksmusik.

Ein Pendant zur literarischen Volksliedsammlung Vuk Stevanović KaradĆŸićs erstellte der klassische Komponist Stevan Stojanović Mokranjac, der sich mit dem musikalischen Erbe des serbischen Volksliedes als Sammler und Komponist beschĂ€ftigte. Daneben gipfelte das liturgische Schaffen Mokrajnac in der fĂŒr die Ostkirchen bedeutenden Göttlichen Liturgie des Johannes Chrysostomos (Liturgija svetog jovana zlatoustog) in der die chorale Vertonung von Mokrajnac neben denen von Sergei Rachmaninoff (Liturgie des Hl. Johannes Chrysostomus op. 31) und Peter Iljitsch Tschaikowski (Die Liturgie des Hl. Johannes Chrysostomus op. 41) die bekannteste ist. Unter dem Namen Die Tage Mokranjac (Mokranjčevi dani) findet in seinem Geburtsort in Negotin seit 1966 jedes Jahr im September ein Festival, das dem Schaffen des Komponisten verpflichtet ist, statt.

Als heimliche Hymne Serbiens gilt ein StĂŒck MilitĂ€rmusik von Stanislav Binički zu Ehren des ersten Entente-Sieges in den Schlachten des Ersten Weltkrieges, der Drina-Marsch (MarĆĄ na Drinu). Dieser hatte ĂŒber ein Verbot nach dem Bironi-Plenum (1966), oder dem ausdrĂŒcklichen Wunsch Ivo Andrićs, das der Drina-Marsch wĂ€hrend der an ihm verliehenen Auszeichnung des Nobelpreises 1961 in Stockholm, im Wesentlichen fĂŒr seinen bekanntesten Roman „Die BrĂŒcke ĂŒber die Drina“, gespielt wird, eine weiterhin wechselvolle Rezeption. Auch 2013 sorgte er bei einer öffentlichen AuffĂŒhrung des Chors „Viva Vox“ in der Generalversammlung der Vereinten Nationen fĂŒr nachhaltige Irritationen. In Serbien selbst ist der Drina-Marsch auch heute weithin populĂ€r und wird hĂ€ufig in Fußballchören der beiden großen Belgrader Fußballclubs, oder von den serbischen Fans wĂ€hrend LĂ€nderspielen gegeben. Auch das Soldatenlied Tamo daleko gehört zu den besonderen identitĂ€tsstiftenden Musiken der Serben. In diesem findet die Erinnerung an den katastrophalen RĂŒckzug der serbischen Armee ĂŒber die winterlich verschneiten Hochgebirge Albaniens 1915/1916 und den daraus resultierenden Heimatverlust einen programmatischen Ausdruck.

Außerdem besteht in Serbien eine reichhaltige „Independent“-Musikszene, die an die Jugendszenen im ehemaligen Jugoslawien anknĂŒpfen kann, die zur Zeit des MiloĆĄević-Regimes zurĂŒckgedrĂ€ngt worden waren. Darunter befinden sich Electronica-Acts wie Darkwood Dub oder Indie-Rock-Combos wie die Partibrejkers. Bekannte populĂ€re serbische SĂ€nger verschiedener Genres sind Đorđe BalaĆĄević, Lepa Brena, Neda Ukraden, Ćœeljko Joksimović, Mile Kitić, Aca Lukas, Marija Ć erifović, Zdravko Čolić und Ceca.

2007 belegte Serbien den ersten Platz beim Eurovision Song Contest mit dem Lied Molitva von Marija Ć erifović. Erfolgreich war Serbien und Montenegro auch im Jahr 2004 durch das Erreichen des zweiten Platzes in diesem Wettbewerb mit dem Lied Lane Moje von Ćœeljko Joksimović.

Die grĂ¶ĂŸten jĂ€hrlich stattfindenden Musikfestivals in Serbien sind das Trompeten-Festival „Dragačevski sabor trubača“ in Guča und das Pop-Festival Exit in Novi Sad.

Tanz

Nationaltanz Serbiens, wie anderer sĂŒdslawischer Völker, ist der Kolo, ein Reigentanz im 3/4-Takt mit einer Herkunft aus dem lĂ€ndlichen Raum. Seit 1948 pflegt das Serbische Nationalensemble KOLO („Nacionalni Ansambl Kolo“) die Tradition der zahlreichen regionalen Varianten in einer professionellen Ausbildung. Der Kunsttanz in Serbien geht auf das Wirken der russischen Emigration nach dem Ersten Weltkrieg zurĂŒck. Im Belgrader Nationalballett wurde die Bolshoi-Elevin und Solistin der Ballett-Truppe Anna Pawlowas, Nina Kirsanova (1898–1989), 1924 Primaballerina und etablierte mit weiteren russischen Emigranten das klassische Repertoire des Französischen und Russischen Balletts. Als Ballett-PĂ€dagogin wirkte sie in der weiteren Ausbildung des Nationaltheaters. Die Generation um Jovanka Bjegojević (1931–2015) prĂ€gte in Serbien nach dem Zweiten Weltkrieg das „goldene Ballett-Zeitalter“ der 1950er und 1960er. Belgrad ist seit 2003 auch ein Festival-Treffpunkt internationaler Ensembles, die zeitgenössische Choreographien prĂ€sentieren (Beogradski Festival igre).

Architektur

Die Architektur in Serbien ist genauso vielfÀltig wie die Geschichte des Landes. Bedeutend ist die byzantinische Baukunst, vor allem in den zahlreichen serbischen Klöstern, von denen einige in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen wurden.

Als wichtigste MĂ€zene der Architektur traten insbesondere die Mitglieder der Nemanjiden-Herrscherdynastie auf. Seit der Errichtung der Grabeskirche des dynastischen GrĂŒnders Stefan Nemanja im Kloster Studenica wirkten alle weiteren serbischen Könige als Förderer der KĂŒnste und insbesondere der religiösen Architektur. Einen Gipfelpunkt erreichte dieses MĂ€zenatentum wurde unter Stefan Uroƥ II. Milutin. Nicht nur entwickelte sich unter Milution der Serbisch-byzantinische Stil im Hauptwerk im Kloster Gračanica zu einer ausgewogenen Synthese des Zentralbaus einer byzantinischen Kreuzkuppelkirche und vertikaler Akzentuierung und Dynamik, wie sie bis dato in der byzantinischen Kunst unbekannt war, sondern auch eine rĂ€umlich ausgreifende BautĂ€tigkeit, in der der serbische mittelalterliche Staat die kĂŒnstlerische Vorreiterschaft im byzantinischen Kulturkreis ĂŒbernahm. In rascher Folge wurden neue Klosterkirchen (Staro Nagoričane, Banjska, Königskirche Kloster Studenica, Katholikon des Klosters Hilandar sowie die Stadtkathedralen Bogorodica LjeviĆĄka, Exonarthex der Kirche der Heiligen Sofia in Ohrid u. a.) errichtet, die mit entsprechenden Malereien aufwendig ausgestattet wurden. Die bedeutendsten Bauwerke waren insbesondere den Grabkirchen der Herrscher vorbehalten, Dazu gehören das grĂ¶ĂŸte spĂ€tmittelalterliche religiöse GebĂ€ude Serbiens, das Kloster Visoki Dečani oder das Kaisergrab Stefan DuĆĄans, das Erzengelkloster.

Mit der höfischen Kunst der Lazarevići etablierte sich ein durch die aufwendige Fassadengestaltung auffĂ€lliger neuer Stil innerhalb dieser Stilrichtung, die Morava-Schule, die als Epilog der serbischen mittelalterlichen Architektur im Kloster Kalenić zur Vollendung reifte.

FĂŒr die serbische Architektur des Mittelalters bis ins 18. Jahrhundert ist daneben auch die Wehrarchitektur augenfĂ€llig. Diese umfasst Burgen, Wehrklöster, Festungen und auch befestigte Ortschaften. FrĂŒhe Burganlagen wurden zumeist an strategischen Wegabschnitten und Flussengen (u. a. Burg Maglić, Burg Zvečan, Golubac), spĂ€ter auch als Kerne von Ortschaften und Residenzen der Herrscher und Befestigung von Ortschaften gebaut (Burg Kalaja Prizren, Burg KruĆĄevac, Burg von Novo Brdo, Stadtmauer von Kotor). Mit dem Vordringen der Osmanen wurden auch die wichtigen Klöster mit teilweise mehrtĂŒrmigen WĂ€llen umgeben oder als Wehrklöster konzipiert (Manasija, Ravanica, Erzengelkloster). Der Befestigungsbau wurde seit dem 14. Jahrhundert aufwendiger (Smederevo). Maßstab der spĂ€tmittelalterlichen Wehrarchitektur Serbiens wurde die Festung von Belgrad, die aus drei ineinanderliegenden Verteidigungsringen aufgebaut war und als einzige dem ersten großen osmanischen Ansturm standhielten. Typisch fĂŒr die serbischen Wehrbauten des Mittelalters waren ein Donjon als Kern der Verteidigungsanlage (bekanntester war der Donjon NebojĆĄa im Schloss von Belgrad, 1688 zerstört) sowie die auf der Innenseite offen gebauten Stockwerke der WehrtĂŒrme.

Durch österreichische Vermittlung erreichte der Barock seit dem 17. Jahrhundert den Norden des Landes. SĂŒdlich der Save und Donau wurde der orientalische Baustil beherrschend (Sandschak und Kosovo). Vor allem in der Hauptstadt Belgrad finden sich auch zahlreiche Bauten der Zwischenkriegszeit im Stile des Historismus, der Neobyzantinischen Architektur (Dom des Heiligen Sava), Moderne und des Art dĂ©co. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Novi Beograd mit seinen Blockbauten nach stĂ€dtebaulicher Ideologie Le Corbusiers konzipiert. Neben dem sozialistischen Realismus als Grundschema fĂŒr öffentliche GebĂ€ude war insbesondere in der Hauptstadt auch die Monumentalarchitektur zahlreicher Bauwerke bemerkenswert (u. a. Große Halle der Belgrader Messe, Palata Srbije, Gazela-BrĂŒcke).

Die aktuelle Architektur entspricht der internationalen Stilrichtung von BĂŒrogebĂ€uden mit anonymen Glasfassaden (Beograđanka, Uơće) die einen Umbruch von der postsozialistischen Periode zur marktwirtschaftlich geprĂ€gten Stadtarchitektur anzeigt. In stĂ€dtebaulichen Großprojekten treten in Belgrad insbesondere seit 2014 BautrĂ€ger internationaler Investitionsunternehmen hervor, deren Vorzeigeprojekte den Einzug neoliberaler Trends anzeigen. Luxusapparments und -Hotels, Shoppingmalls und HochhausgebĂ€ude die ganze Stadtteile einnehmen (Belgrade Waterfront), wurden an kapitalstarke Investoren außerhalb der Richtlinien von gĂŒltigen stĂ€dtebaulichen MasterplĂ€nen, ohne öffentliche Ausschreibung und an „anonyme“ Architekten vergeben.

Malerei

Mittelalter

Fresken

Die mittelalterliche serbische Malerei entwickelte sich seit dem 12. Jahrhundert aus dem dominierenden Einfluss der byzantinischen Malerei. Die ersten Maler der monastischen Grablagen der Nemanjiden kamen aus den griechischen Kulturbereich. Die KĂŒnstler blieben durch fehlende Signaturen aber gĂ€nzlich unbekannt, erst Anfang des 14. Jahrhunderts wurden in der sogenannten Milutinschen Malerschule erstmals einige Fresken-Autoren ĂŒberliefert. Die Monumentalmalerei erreichte schon Anfang des 13. Jahrhunderts in der Muttergotteskirche von Studenica (1207) einen ersten Höhepunkt. Es dominieren großformatige Fresken auf blauen Grund. Die Entwicklung gipfelte um die Mitte des 13. Jahrhunderts in den antikisierenden Fresken auf Goldgrund der Klöstern MileĆĄeva (Beli Anđeo, dt. Der Weiße Engel) und Sopoćani. Die großfigurigen, freien und plastischen Darstellungen in der Dreifaltigkeitskirche des Klosters Sopoćani (1263–1268) gehören zu den Höhepunkten byzantinischer Kunst und greifen mit ihrer humanistischen Darstellung weit in die Renaissance voraus. Neben den antikisierenden Stil dieser höfischen Fresken wurden mehr erzĂ€hlende Freskenprogramme von monastischen KĂŒnstlern ausgefĂŒhrt. Sie sind am reinsten in der Apostelkirche des Patriarchats von Peć (um 1250) entwickelt.

Unter dem Patronat König Milutins wurde eine dem byzantinischen Einfluss verpflichtete Zelebrierung der Frömmigkeit fĂŒr die Entwicklung der altserbischen Kunst spĂŒrbar, insbesondere da sich König Milutin in der Nemanjidendynastie auch als Fortsetzer der byzantinischen kaiserlichen Tradition verstand. Die Freskenmaler entwickelten daraus einen besonderen Stil und einen bestimmten Inhalt, der sich sowohl von der Thematik in den serbischen Kirchen des 13. Jahrhunderts als auch vom ikonographischen Gehalt jener großen Ensembles unterscheidet, die um die Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden, sichtbar abgrenzt. In der zur sogenannten Palaiologische Renaissance gehörenden Milutinschen Malerschule arbeitete ein ganzes Heer von Malern, von denen sich die Namen der griechischen Hofmaler Michail Astrapas und Eutychios ĂŒberliefert haben, an der Freskengestaltung der zahlreichen Stiftungen Milutins in Serbien, Thessaloniki, Konstantinopel, dem Heiligen Berg Athos und Jerusalem. Sie vollendeten u. a. die Fresken der Bogorodica LjeviĆĄka (1310–1313), der Königskirche in Studenica (1314), Staro Nagoričano (1317) sowie im Kloster Gračanica (1321). Die Freskenmaler sollten darin eine sehr gelehrte Frömmigkeit, die aus Konstantinopel ĂŒbernommen worden war, in die Bildprogramme der Kirchen ĂŒberfĂŒhren. Ein neuer Szenereichtum, farbige Vielfalt und figĂŒrliche Lebendigkeit sowie allgemeine Innovationen bei der erzĂ€hlerischen Darstellung traditioneller Themen wie in den Malprogrammen der MariĂ€ Entschlafen, im Urteil des Pilatus aber auch im Aufkommen der genealogischen Darstellung der Namnjiden-Dynastie in der Wurzel der Nemanjiden (Loza Nemanjiča) treten hervor.

Mit dem grĂ¶ĂŸten erhaltenen mittelalterlichen serbischen Freskenzyklus im Kloster Visoki Dečani (1335–1350) wurden dann ĂŒberwiegend KĂŒnstler der dalmatinischen KĂŒste beauftragt (wahrscheinlich der Malerschule Kotor entstammend). Es handelt sich dabei um das einzige vollstĂ€ndig erhaltene byzantinische Freskendekoration der Balkanhalbinsel im 14. Jahrhundert. Die weithin durch eine zunehmend ĂŒberladene Szenevielfalt und krĂ€ftigen, wie statischen Malstil gekennzeichnete AusfĂŒhrung der Dečani-Fresken findet sich noch bis etwa 1370. Dem Typus gehören auch noch die Fresken in Lesnovo und dem Markov Manastir (1371) bei Skopje an.

Danach begannen sich allmĂ€hlich gotische EinflĂŒsse bemerkbar zu machen, die durch langgezogene, feingliedrige Figuren, eine feinere LinienfĂŒhrung und grĂ¶ĂŸerer IntimitĂ€t gekennzeichnet sind. Die Hauptwerke entstanden nun im Morava-Serbien und der Ć umadija. Höhepunkt sind die Fresken von Kalenić (1407) und Resava (1421), die im Stifter-PortrĂ€t von Stefan Lazarević sowie den Darstellungen der Heiligen Krieger und der Hochzeit von Kanaa (Kalenić) durch intime Darstellung in differenzierter Charakterisierung und subtiler Farbgebung Hauptwerke der serbischen Malerei bilden.

Ikonen

Ähnlich wie die Freskenmalerei etabliert sich die Tafelmalerei in Form der Ikone aus dem prĂ€genden Einfluss Byzanz. Ab dem ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts wurde im Aufbau der neuen, durch den Heiligen Sava initiierten serbischen kirchlichen Organisation auf Grundlagen der Orthodoxie auch der Import byzantinischer Ikonen und Ikonenmaler sowie allgemein der Ikonenkult etabliert. Die auf dem Gebiet des mittelalterlichen serbischen Reiches zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert angefertigten Ikonen entstammen dabei zweier Provenienzen, den griechisch-byzantinischen als vorbildgebenden und den innerbalkanischen imitierenden und oft eigenen Idiomen folgenden Entwicklungen. Ikonen als bewegliche Kultbilder trugen dabei schon frĂŒher als dies Fresken vermochten neue darstellerische Tendenzen und Innovationen der byzantinischen Kunstzentren in die serbische Provinz.

Nach 1262, als das byzantinische Kaiserreich in Konstantinopel wiedererrichtet wurde, blĂŒhte der kĂŒnstlerische Impuls in der Ikonenmalerei nachhaltig auf. Aus dieser Epoche datiert die große Christusikone im Kloster Hilandar, eines der Hauptwerke der byzantinischen Tafelmalerei. Serbien selbst war aber durch seine Lage auch stĂ€rker den Strömungen der AdriakĂŒste ausgesetzt und die serbische Peter-und-Paul-Ikone aus dem Besitz der Königin Beloslava (Gemahlin König Vladislavs), die sich heute in der Schatzkammer des Petersdoms befindet, zeigt starke westliche EinflĂŒsse und wurde vermutlich in Kotor gemalt. Mit dem Bedeutungszuwachs der Ikone bekam die Ikonostase eine immer grĂ¶ĂŸere Rolle fĂŒr die AusschmĂŒckung serbischer Kirchen. Ikonen entwickelten sich ab dem 14. Jahrhundert so zum wesentlichen Element der Kirchendekoration. Der Typus der „großen Ikonen“, die jetzt links und rechts der Altarschranke angebracht wurden, entstanden nun als Brustbilder, die mit kostbaren Geweben geschmĂŒckt wurden. Als Festikonen wurden sie zudem bei den großen Feiertagen aus den Kirchen hinausgetragen. Eine vollstĂ€ndig erhaltene Ikonostase aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, die wegen ihrer authentischen Erhaltung aller ihrer stilistisch hervorragenden Ikonen auch das bedeutendste Werk der mittelalterlichen Tafelmalerei in Serbien stellt, findet sich im Kloster Dečani. Die Ikonen gehören hier schon in die NĂ€he des Typus der Maniera graeca, zeigen eigenstĂ€ndige Interpretation Konstantinopoler Vorbilder und werden durch feinste Nuancierungen der Farbgebung begleitet. Die Ikonen Dečanis wurden wohl von griechischstĂ€mmigen KĂŒnstlern aus Kotor angefertigt. Nach der osmanischen Eroberung kam es mit der Wiedererrichtung des Patriarchats von Peć (1561) zu einer kurzen BlĂŒte der Tafelmalerei. Bedeutendster Ikonen-Maler der Epoche war Zograf Longin (u. a. Ikone Stefan UroĆĄ IV. Dečanskis).

Die heute bedeutendste serbischen Ikonensammlung ist im Kloster Hilandar auf dem Athos erhalten, wo Ikonen vom 12. bis 19. Jahrhundert aufbewahrt werden.

Moderne

UrsprĂŒnglich hatte nur der Norden Serbiens im Gebiete der Vojvodina Anschluss an die kĂŒnstlerischen Strömungen Europas. Seit dem 18. Jahrhundert setzte sich hier der Barock durch. In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts ĂŒbernahmen Wien und MĂŒnchen die akademische Ausbildung von Malern aus der Region der heutigen Vojvodina in denen insbesondere UroĆĄ Predić oder Paja Jovanović den kĂŒnstlerischen Höhepunkt des Realismus in der Malerei Serbiens bestimmten. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts und nach dem Ersten Weltkrieg wurde daneben die zeitgenössischen Strömungen in Paris fĂŒr NadeĆŸda Petrović und Peter Lubardas expressionistische- und Abstrakte Malerei stilbildend. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Sozialistische Realismus zeitweise zur Leitlinie der Malerei, von dem sich nach dem politischen Bruch Jugoslawiens mit der Sowjetunion die Bildenden Kunst mit der Einzelausstellung Petar Lubardas 1951 in der Galerie Ulus in Belgrad löste. Die moderne jugoslawische Malerei wurde insbesondere nach Lubardas Auszeichnung auf der Biennale von SĂŁo Paulo 1953 international stĂ€rker rezipiert, wie auch spĂ€ter die Gruppe der jugoslawischen Naiven, die auf Basis einer spezifisch regionalen Richtung zu den bekanntesten Interpreten einer erkennbar jugoslawischen Malerei wurden.

Film

Der erste Film wurde in Serbien nur sechs Monate nach der ersten öffentlichen KinovorfĂŒhrung der GebrĂŒder LumiĂšre (28. Dezember 1895 in Paris) am 25. Mai (6. Juni) 1896 von einem französischen Filmteam in Belgrad gezeigt. Erster in Serbien aufgenommener Film war die Krönung Peters I. Karađorđević 1904 („Krunisanje kralja Petra I. u Beogradu 1904. godine“) durch den EnglĂ€nder Arnold Muir Wilson, der nach den Filmaufnahmen der Krönungszeremonie auch dokumentarisches Material aus der RaĆĄka, dem Sanđak und der AdriakĂŒste lieferte. Um 1900 wurden die ersten Kinos in Belgrad eröffnet. Nachdem zuerst dokumentarische Szenen des Alltags das Interesse der Filmemacher weckten, nahm Svezozar BoĆŸović 1911 den ersten serbischen Kunstfilm mit dramaturgischer Handlung auf (Karađorđe, 1911). Noch wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs wurde der serbischen Armee auf Korfu 1916 eine kinematographische Sektion zur Dokumentation des Kriegsgeschehens zugestellt. Aus dieser Sektion drehte Mihailo Mihailović anlĂ€sslich des Durchbruchs der Salonikifront 1918 die Filme Proboj solunskog fronta i napredovanje srpske vojske sowie Oslobođenja Beograda. Zwischen den Weltkriegen entstanden in Serbien etwa 10 Filmproduktionen, die Filmindustrie blieb auf bescheidenem Niveau. Zur 550-Jahr-Feier der Schlacht auf dem Amselfeld war ein dreiteiliger Film Kosta Novakovićs „Proslava 550. godiĆĄnjice bitke na Kosovu“ bestellt worden, der jedoch bis Ausbruch des Weltkrieges nicht mehr beendet und 1994 auf Basis des bestehenden Filmmaterials rekonstruiert wurde.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die eigentliche serbische Filmindustrie fĂŒr die mehrere Ausbildungs- als auch Archivareinrichtungen eingerichtet wurden. U.a.: Fakultet dramskih umetnosti (1948 als Akademija za pozoriĆĄnu umjetnost), Jugoslavenska kinoteka (1949) sowie Institut za film (1960).

Der bekannteste serbische Regisseur wurde der aus Bosnien stammende Emir Kusturica als Meister skurriler Komödien (Dom za veĆĄanje). In Underground thematisierte er den Zerfall Jugoslawiens in einer fiktiven ErzĂ€hlung einer von dem Weltgeschehen fern lebenden Untergrund-Gesellschaft, die zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre die gesellschaftliche VerĂ€nderung Jugoslawiens reflektierte. Seine Filme gewannen sowohl die Goldene Palme wie den Goldenen Löwen. Weitere wichtige Regisseure die sich auch mit den zeitgenössischen Ereignissen der Balkankriege beschĂ€ftigten sind Goran Paskaljević (Anđeo čuvar), LjubiĆĄa SamardĆŸić (Jesen stiĆŸe, Dunjo moja) und Zdravko Ć otra (Zona Zamfirova, Pljačka trećeg Rajha
).

UNESCO-Weltkulturerbe

4 Kultur-StÀtten Serbiens sind in der UNESCO Liste des Welterbes gelistet.

  • 1979: Stadt Stari Ras, Kloster Sopoćani, Petrova crkva (Peterskirche; Ă€lteste in ganz Serbien)
  • 1986: Kloster Studenica („Wiege des serbischen Königreiches“ im Mittelalter)
  • 2004: Mittelalterliche Klöster und Kirchen in Kosovo (Kloster Gračanica, Kloster Visoki Dečani, Patriarchenkloster Peć, Kathedrale Bogorodica LjeviĆĄka)
  • 2007: Gamzigrad-Romuliana, Palast des Galerius

Daneben zÀhlen auch die Slava und der serbische Kolo als Teil des immateriellen Kulturerbes der Menschheit zum Weltkulturerbe.

Daneben zÀhlen noch drei EintrÀge zum Memory of the World Register:

  • 2003: Nikola Tesla Archiv (Nikola Tesla Museum in Belgrad)
  • 2005: Miroslav-Evangelium (Serbisches Nationalmuseum in Belgrad)
  • 2015: Telegramm Österreich-Ungarns mit der KriegserklĂ€rung an Serbien vom 28. Juli 1914 (Serbisches Staatsarchiv in Belgrad)

KĂŒche

BrÀuche

BrauchtĂŒmer sind Teil der kulturellen Vielfalt und des immateriellen Erbes Serbiens. Regionale BrĂ€uche als Teil der Volkskultur werden von Vereinen in ganz Serbien aufrechterhalten. Zu den BrĂ€uchen gehören verschiedene tradierte Ausdrucksformen in Musik, Tanz, Volksdichtung sowie im traditionellen Handwerk. Eine große Anzahl von lokalen BrĂ€uchen und Riten steht in Zusammenhang mit den religiösen Festtagen.

Handwerk

In Serbien hatte traditionelles Handwerk eine lange Tradition. Dabei gehören einzelne Handwerksformen und -produkte zum serbischen Volksbrauchtum. Zur Zeit des Osmanischen Reiches war das Handwerk in den grĂ¶ĂŸeren serbischen ČarĆĄijen und ƞehern auch in geschlossenen ZĂŒnften, sogenannten Esnafs organisiert. Dabei haben sich durch die weite Verbreitung der ehemaligen Handwerksberufe die tĂŒrkischen Begriffe bis heute erhalten können. Noch in den 1960er Jahren existierten in einzelnen StĂ€dten Serbiens noch bis ĂŒber 60 unterschiedliche Handwerksberufe. Der in den Volkstrachten balkanischer-Frauen eingearbeiteten Filigran-Silberschmuck blieb beispielsweise fĂŒr das Handwerk Prizrens im Kosovo bis heute in einer fĂŒr das Stadtbild der Altstadt auffĂ€lligen Konzentration von sogenannten Filigran-GeschĂ€ften erhalten. Auch die traditionelle Teppichweberei in Pirot hatte sich nach der Befreiung von der osmanischen Herrschaft weiter entwickeln können.

Einzelne Handwerksprodukte besonderer kĂŒnstlerischer QualitĂ€t erreichten auch im Enterieur der Stadtbevölkerung den Rang von Statussymbolen oder waren traditionelle Brautbeigaben. Im Falle des Piroter Kelims kam diesem auch die reprĂ€sentative Funktion als „quasi“ Staatsinsignie vergleichbar französischer Tapisserie zu.

Die handwerklichen Berufe werden dabei anhand ihrer verarbeitenden Rohstoffe unterteilt: Ton, Stein, Holz, Leder, Metall, Glas oder Textilfasern. Zu den Handwerken – zanat – die eine grĂ¶ĂŸere Bedeutung in der serbischen Volkstradition erlangt haben, zĂ€hlen:

  • Grnčarski zanat (Töpferei, insbesondere Keramikzentren in tonreichen Berggebieten wie im PoniĆĄavlje um Pirot – Pirotska grnčarija)
  • Opančarski zanat (Lederhandwerk fĂŒr die Herstellung des traditionellen Opanken-Schuhwerks)
  • KazandĆŸijski zanat (Metallhandwerk fĂŒr HaushaltsgegenstĂ€nde aus Kupfer, Bronze und Zinn)
  • Ćilimarstvo (Kelim-Weberei aus Schafwolle an Vertikalen RollenwebstĂŒhlen um Pirot)
  • MutavdĆŸijski zanat (Ziegenwollweberei fĂŒr den Haushaltsbedarf der Landbevölkerung)

Einzelne typische GegenstĂ€nde der traditionellen Volkskultur wie der čutura als GefĂ€ĂŸ zur Aufbewahrung der Ć ljivovica oder der testija als GefĂ€ĂŸ fĂŒr Wasser oder Wein wurden auch aus unterschiedlichen Materialien oder einer Kombination aus Ton, Porzellan, Kupferblech oder Holz gefertigt.

Siehe auch

Literatur

  • Peter Becker: 1914 und 1999. Zwei Kriege gegen Serbien. Auf dem Weg zum demokratischen Frieden? Nomos, Baden-Baden 2014, ISBN 978-3-8487-1473-5.
  • Katrin Boeckh: Serbien und Montenegro. Geschichte und Gegenwart. (= Ost- und SĂŒdosteuropa – Geschichte der LĂ€nder und Völker). Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7917-2169-9.
  • Konstantin Jireček: Geschichte der Serben. 2 BĂ€nde. Hakkert, Amsterdam 1967 (1911).
  • Konstantin Jireček: Staat und Gesellschaft im mittelalterlichen Serbien: Studien zur Kulturgeschichte des 13.–15. Jh. Teile 1–4, Hölder, Wien 1912–1919.
  • Malte Olschewski: Der serbische Mythos: die verspĂ€tete Nation. Herbig, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-7766-2027-7.
  • Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus. Books on Demand, Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-0977-0.
  • Holm Sundhaussen: Geschichte Serbiens: 19.–21. Jahrhundert. Böhlau, Wien u. a. 2007, ISBN 978-3-205-77660-4.
  • Gordana Ilic Markovic (Hrsg.): Veliki Rat. Der Erste Weltkrieg im Spiegel der serbischen Literatur und Presse. Promedia, Wien 2014, ISBN 978-3-85371-368-6.

Weblinks

  • Offizielle Webseite der Regierung der Republik Serbien (serbisch, englisch, italienisch)
  • Statistikamt der Republik Serbien (serbisch, englisch)
  • Deutsche Botschaft in Belgrad
  • Goethe-Institut Belgrad
  • Landesinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes
  • Beschreibung Serbiens auf der InternetprĂ€senz der CIA (englisch)
  • National-Geographic: Artikel ĂŒber die Serben und Karte der ethnischen Verbreitung im Balkanraum (englisch)

Einzelnachweise


 

Region Regionen (25)

Bezeichnung der Regionen: Okrug
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Belgrad 45.082 44.24 19.961 20.839  
Borski 44.734 43.876 21.772 22.765  
Braničevo 44.827 44.065 21.037 22.036  
Jablanica 43.163 42.672 21.378 22.544  
JuĆŸna Backa 45.775 45.138 18.975 20.319  
JuĆŸni Banat 45.322 44.661 20.392 21.539  
Kolubara 44.565 44.052 19.426 20.424  
Mačva 44.942 44.091 19.107 20.01  
Moravica 44.242 43.26 19.894 20.637  
NiĆĄavski 43.803 43.055 21.466 22.352  
Pčinja 42.821 42.235 21.514 22.536  
Pirot 43.4161489 42.877834 22.1381081 23.007105  
Podunavlje 44.722 44.183 20.731 21.175  
Pomoravlje 44.289 43.687 20.908 21.818  
Pomoravlje 43.841 43.139 20.76 21.567  
RaĆĄka 43.859 42.828 20.054 20.957  
Severna Bačka 46.174 45.619 19.298 19.88  
Severni Banat 46.164 45.598 19.765 20.645  
Srednji Banat 45.795 45.065 20.063 21.017  
Sremski 45.2 44.632 18.991 20.357  
Ć umadija 44.419 43.775 20.389 21.143  
Toplica 43.387 42.841 20.913 21.815  
Zajecar 44.1892201 43.3475239 21.6663481 22.6744688  
Zapadna Bačka 46.022 45.434 18.845 19.612  
Zlatibor 44.145 43.022 19.175 20.282  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Serbia

Name englisch: Serbia
Hauptstadt: Belgrade
Kfz: SRB
ISO: RS
ISO3: SRB
Fläche: 88361 km²
Tld: .rs
Wärung Einheit: RSD
Währung: Dinar
Vorwahl: 381

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 46.1894461
südlichster Punkt: 42.2315029
westlichster Punkt: 18.8385221
östlichster Punkt: 23.0063915


 
Serbien: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Serbien. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

Twitter twitter.com/deinebergede Instagram instagram.com/deineberge.de Facebook facebook.com/DeineBerge Frage Kontakt Fragen, Fehler, Lob, Kritik?
Schreib uns eine Nachricht.