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Staat Informationen : Serbien und Montenegro

Informationen:


Serbien und Montenegro (serbisch ĐĄŃ€Đ±ĐžŃ˜Đ° Đž ĐŠŃ€ĐœĐ° Đ“ĐŸŃ€Đ°/Srbija i Crna Gora), auch genannt „Serbien-Montenegro“ oder Serbien/Montenegro, war ein Staatenbund in SĂŒdosteuropa. Er existierte unter diesem amtlichen Namen vom 4. Februar 2003 bis zum 3. Juni 2006, bestand aus den Teilstaaten Serbien und Montenegro und löste damit die seit dem 27. April 1992 bestehende, territorial und staatsrechtlich identische Bundesrepublik Jugoslawien ab. Diese war der grĂ¶ĂŸte Nachfolgestaat der in den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre zerfallenen Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien und wurde zu ihrer Zeit in der internationalen Öffentlichkeit auch Restjugoslawien genannt. Rechtsnachfolger von Serbien und Montenegro ist die Republik Serbien, die auch die UN-Mitgliedschaft fortfĂŒhrt. Anfang Juni 2006 erklĂ€rte sich Montenegro nach einem Referendum fĂŒr unabhĂ€ngig.

Die administrative und militÀrische Kontrolle des Kosovos lag seit dem Ende des Kosovokrieges 1999 (also wÀhrend der gesamten knapp dreieinhalbjÀhrigen Existenz Serbien-Montenegros) bei den Vereinten Nationen bzw. der KFOR.

Geschichte

Im Jahre 1992 bildeten die Republiken Serbien und Montenegro die „Bundesrepublik Jugoslawien“ (Savezna Republika Jugoslavija), auch Föderative Republik Jugoslawien (FRJ oder FRY) und Rest-Jugoslawien genannt. Diese wurde am 4. Februar 2003 in den Staatenbund Serbien und Montenegro (Srbija i Crna Gora) umgewandelt.

Bundesrepublik Jugoslawien

Am 27. April 1992 wurde aus den Teilrepubliken Serbien und Montenegro die Bundesrepublik Jugoslawien gegrĂŒndet. Eine neue Verfassung wurde zuvor mit 73 Stimmen gegen eine Gegenstimme und drei Enthaltungen von den verbliebenen Abgeordneten des Bundesparlaments der SFRJ verabschiedet, die Kosovo-Albaner boykottierten die Abstimmung ĂŒber die neue Verfassung und die Proklamation der BR Jugoslawien. In der Nacht vom 23. auf den 24. April 1992 wurde die neue Verfassung von den Parlamenten Serbiens und Montenegros gebilligt. In einer Volksabstimmung am 1. MĂ€rz 1992 stimmten in Montenegro bei einer Wahlbeteiligung von 65 % rund zwei Drittel fĂŒr die neue Bundesrepublik Jugoslawien. Der StaatsprĂ€sident der Bundesrepublik Jugoslawien wurde von beiden Kammern des Bundesparlaments, der Bundesversammlung, auf 4 Jahre gewĂ€hlt, eine Wiederwahl war zulĂ€ssig. Die BĂŒrger wĂ€hlten die erste Kammer, die Kammer der BĂŒrger, wĂ€hrend sich die zweite Kammer, die Kammer der Republiken, aus von den Parlamenten der beiden Teilrepubliken entsandten Abgeordneten zusammensetzte. Der StaatsprĂ€sident durfte das Bundesparlament auflösen. Der MinisterprĂ€sident als Regierungschef wurde vom StaatsprĂ€sidenten mit der Regierungsbildung beauftragt und das Parlament musste ihm das Vertrauen aussprechen. Minister- und StaatsprĂ€sident durften dabei nicht aus derselben Republik kommen. Die Rechtsprechung lag bei einem Verfassungsgericht, einem Obersten Gerichtshof und den Gerichten der Republiken. Die bisherigen Organe der SFRJ nahmen bis zur Konstituierung der Organe der Bundesrepublik Jugoslawien ihre Funktionen weiterhin war. Am 4. Mai stellte das jugoslawische StaatsprĂ€sidium fest, dass die Angelegenheiten der Jugoslawischen Volksarmee in Bosnien und Herzegowina nicht mehr in die ZustĂ€ndigkeit der jugoslawischen Behörden fielen.

Am 31. Mai siegte die Sozialistische Partei des serbischen PrĂ€sidenten MiloĆĄević bei der Wahl zum jugoslawischen Bundesparlament und erhielt die absolute Mehrheit. Die Oppositionsparteien Serbische Erneuerungsbewegung (SPO) von Vuk DraĆĄković und Demokratische Partei (DS) boykottierten die Wahlen. Die nationalistische Serbische Radikale Partei (SRS) von Vojislav Ć eĆĄelj wurde in Serbien mit 28 % zweitstĂ€rkste Kraft und kam in Montenegro auf 10 %; eine neuformierte kommunistische Partei kam in Montenegro auf etwa 10 %. Die Kosovo-Albaner boykottierten die Parlamentswahlen. Es fanden auch Kommunalwahlen in der BR Jugoslawien statt. Wahlbeobachter der KSZE stellten fest, dass die Bedingungen fĂŒr freie und faire Wahlen nicht erfĂŒllt waren. Nach der Konstituierung beider Parlamentskammern wĂ€hlte das Parlament am 15. Juni Dobrica Ćosić zum StaatsprĂ€sidenten. Der parteilose Milan Panić wurde am 1. Juli zum MinisterprĂ€sidenten ernannt und bildete eine Regierung der Sozialisten. Der serbische PrĂ€sident MiloĆĄević blieb jedoch der mĂ€chtigste Mann in der BR Jugoslawien. In einem Referendum in den mehrheitlich serbischen Gebieten Kroatiens und Bosniens stimmte im Juni 1992 die Mehrheit fĂŒr den Verbleib bei Restjugoslawien; die bosnischen Serben riefen unter ihrem FĂŒhrer Radovan KaradĆŸić die Republika Srpska aus. MiloĆĄević und die jugoslawische Regierung unterstĂŒtzten die Serben in Kroatien und in Bosnien-Herzegowina.

Am 1. Juli wurde der neue Dinar eingefĂŒhrt, der 10 alten Dinar entsprach und an den US-Dollar gekoppelt wurde. Im Mai 1992 wĂ€hlten die Kosovo-Albaner bei autonom organisierten PrĂ€sidentschafts- und Parlamentswahlen Ibrahim Rugova von der Demokratischen Liga des Kosovo (LDK) zum PrĂ€sidenten und die LDK zur stĂ€rksten Partei. Am 26. September 1991 stimmten 90 % der Kosovaren fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit des Kosovo. Die neue FĂŒhrung der Kosovo-Albaner erkannte die BR Jugoslawien nicht an. Das Parlament der Kosovaren und die Regierung gingen nach Albanien ins Exil. Die LDK rief zum passiven Widerstand auf.

Die EG und die USA zogen im Mai ihre Botschafter aus Jugoslawien zurĂŒck und erkannten die Bundesrepublik Jugoslawien nicht als Rechtsnachfolger der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien an. Die EG beschloss am 27. Mai 1992 die VerhĂ€ngung von Sanktionen gegen die BR Jugoslawien. Sie umfassten ein Handelsembargo, die Sperrung jugoslawischer Konten im Ausland mit der Unterbindung der meisten Überweisungen und die Aussetzung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und GewĂ€hrung von Exportkredithilfen. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete am 30. Mai die Resolution 757 zu schĂ€rferen Sanktionen gegen die BR Jugoslawien. Diese enthielten ein vollstĂ€ndiges Handelsembargo, ein Verbot von Öllieferungen und die Einstellung des Flugverkehrs in die BR Jugoslawien. Die jugoslawischen Auslandsguthaben wurden eingefroren und Finanztransaktionen unterbunden. Diese Resolution enthielt die Forderung an die BR Jugoslawien, frĂŒheren Resolutionen des UN-Sicherheitsrates nachzukommen, den Abzug der jugoslawischen Armee aus Bosnien-Herzegowina, die Entwaffnung jugoslawischer Soldaten, die in Bosnien-Herzegowina blieben, und die Beendigung der Zwangsumsiedlungen. Am 8. Juni gab der jugoslawische Generalstab den Abschluss des Abzuges der jugoslawischen Armee aus Bosnien-Herzegowina bekannt. Entgegen den Resolutionen blieben die Soldaten der jugoslawischen Armee aus Bosnien-Herzegowina und die AusrĂŒstung unter Kontrolle der serbischen Bosnier. Nach der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs wurde die BR Jugoslawien nicht direkt fĂŒr den Krieg in Bosnien-Herzegowina verantwortlich gemacht, doch habe sie nichts unternommen, um den Krieg zu verhindern, und sei in diesem Sinne mitverantwortlich gewesen.

Der UN-Sicherheitsrat beschloss am 19. September 1992 mit der Resolution 777, dass die aus Serbien und Montenegro bestehende Bundesrepublik Jugoslawien (BRJ) nicht automatisch die Rechtsnachfolge der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien als Mitgliedsstaat der UNO antreten könne, sondern sich ebenso wie die anderen Nachfolgestaaten neu um eine Mitgliedschaft bewerben mĂŒsse. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York bestĂ€tigte dies durch Mehrheitsbeschluss (Billigung von 127 LĂ€ndern bei 26 Enthaltungen und sechs Gegenstimmen). Die Bundesrepublik Jugoslawien dĂŒrfe deshalb den Sitz der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien in der UN-Vollversammlung nicht mehr wahrnehmen. Da die BRJ sich aber stets unbeirrt als völkerrechtlich identisch mit dieser angesehen hatte und sich weigerte, den kontrĂ€ren Beschluss zu akzeptieren, verlor sie ihren Sitz in der UN-Vollversammlung.

Am 20. Dezember 1992 fanden in der Bundesrepublik Jugoslawien vorgezogene Neuwahlen zur Kammer der BĂŒrger sowie in den beiden Republiken Serbien und Montenegro PrĂ€sidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Die Sozialistische Partei Serbiens blieb stĂ€rkste Partei, verlor jedoch die absolute Mehrheit, die Serbische Radikale Partei gewann stark dazu und wurde zweitstĂ€rkste Kraft. Die bĂŒrgerlichen Oppositionsparteien erhielten 40 Sitze. In beiden Teilrepubliken wurden die Sozialistischen Parteien bei den Parlamentswahlen bestĂ€tigt. Slobodan MiloĆĄević wurde im ersten Wahlgang gegen Milan Panić wiedergewĂ€hlt, Momir Bulatović wurde als montenegrinischer PrĂ€sident bei der Stichwahl am 10. Januar 1993 wiedergewĂ€hlt. Internationale Wahlbeobachter stellten UnregelmĂ€ĂŸigkeiten bei den Wahlen fest.

Die Sanktionen gegen Jugoslawien wurden ab 1. Januar 1993 ĂŒberwacht. Sie fĂŒhrten zu einer schweren Wirtschaftskrise. Der jugoslawische Dinar verlor sehr stark an Wert und es kam zu einer galoppierenden Inflation. Die Arbeitslosigkeit stieg stark an. Russland und RumĂ€nien lieferten trotz des Embargos Waffen an Restjugoslawien. Am 1. Januar 1993 wurden UN-Friedenstruppen an der Grenze zwischen Jugoslawien und Mazedonien stationiert. Nach der Konstituierung der Kammer der BĂŒrger im Januar 1993 stĂŒrzte die Bundesversammlung mit großer Mehrheit den jugoslawischen MinisterprĂ€sidenten Panić. StaatsprĂ€sident Dobrica Ćosić beauftragte den Montenegriner Radoje Kontić (DSP) am 9. Februar mit der Regierungsbildung. Am 2. MĂ€rz wurde Kontić von der Bundesversammlung zum MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt und am 3. MĂ€rz 1993 sprachen beide Kammern der Bundesversammlung der neuen Minderheitsregierung das Vertrauen aus. Die Regierung wurde durch die SRS von Ć eĆĄelj toleriert. Im Februar 1993 beschloss der UN-Sicherheitsrat in einer Resolution die Einrichtung eines UN-Kriegsverbrechertribunals fĂŒr das ehemalige Jugoslawien. Im MĂ€rz 1993 erhob Bosnien und Herzegowina gegen die BR Jugoslawien Anklage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Am 1. Juni 1993 beschloss das jugoslawische Parlament auf Antrag der SRS und unterstĂŒtzt von SPS und DPS die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen StaatsprĂ€sident Ćosić wegen Verletzung der Verfassung. Beide Kammern der Bundesversammlung setzten Ćosić ab und wĂ€hlten am 25. Juni den bisherigen ParlamentsprĂ€sidenten des serbischen Parlaments Zoran Lilić (SPS) zum neuen jugoslawischen StaatsprĂ€sidenten. Der FĂŒhrer der Serbischen Erneuerungsbewegung (SPO) Vuk DraĆĄković wurde zeitweise verhaftet und schwer misshandelt.

Nachdem die bosnischen Serben den Friedensplan fĂŒr Bosnien-Herzegowina im August 1994 abgelehnt hatten, stellte die jugoslawische Regierung am 4. August die Waffenlieferungen an die Rebellen der bosnischen Serben ein und brach die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen ab. Nur die Lieferung von humanitĂ€ren GĂŒtern war hiervon ausgenommen. Die Sanktionen der UN wurden zunĂ€chst gelockert. Ab 16. September 1994 begann die Stationierung von UN-Beobachtern an der Grenze zwischen Jugoslawien und Bosnien-Herzegowina, nachdem die jugoslawische FĂŒhrung der Überwachung zugestimmt hatte. Nach der Einnahme der zuvor von Serben kontrollierten Krajina durch die kroatische Armee Anfang August 1995 flĂŒchteten zahlreiche Krajina-Serben nach Jugoslawien. Nach Abschluss der FriedensgesprĂ€che unter Vermittlung der USA, der EU, Russlands und der UN in Dayton am 21. November 1995 ĂŒber die Beendigung des Bosnienkrieges setzte der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Jugoslawien am 23. November aus und hob sie spĂ€ter vollends auf. Das Friedensabkommen von Dayton wurde am 14. Dezember 1995 in Paris unterzeichnet.

Die Beziehungen zur Republik Kroatien wurden Anfang 1996 normalisiert; am 8. April schlossen Jugoslawien und Mazedonien ein Abkommen ĂŒber die Normalisierung der Beziehungen. In der ersten JahreshĂ€lfte 1996 normalisierten die EU-Mitgliedstaaten ihre Beziehungen zu Jugoslawien. Am 16. April nahmen Großbritannien und Österreich, am 17. April Deutschland diplomatische Beziehungen auf.

Am 3. November 1996 fanden Wahlen zur Kammer der BĂŒrger sowie Kommunalwahlen in beiden Teilrepubliken statt. Die SPS kam gemeinsam mit dem BĂŒndnis Jugoslawische Linke (JUL) von MiloĆĄevićs Ehefrau Mirjana Marković und der Partei Neue Demokratie auf 64 Sitze; zusammen mit der Sozialistischen Partei Montenegros (DPS) erhielten sie eine Mehrheit. Das OppositionsbĂŒndnis Zajedno aus der SPO von Vuk DraĆĄković, DS von Zoran Đinđić, DSS von Vojislav KoĆĄtunica und der BĂŒrgerallianz (GSS) von Vesna PeĆĄić kam auf 22 Sitze; die SRS von Vojislav Ć eĆĄelj erhielt 16 Mandate. Weitere Sitze fielen an kleinere Parteien und ReprĂ€sentanten ethnischer Minderheiten. Kontić wurde als MinisterprĂ€sident bestĂ€tigt und bildete eine Koalitionsregierung aus der Allianz des Serbischen LinksbĂŒndnisses und der DPS. Im zweiten Wahlgang der Kommunalwahlen in Serbien am 17. November 1996 gewann das OppositionsbĂŒndnis Zajedno in 15 von 18 großen StĂ€dten. Daraufhin wurden zahlreiche Wahlergebnisse annulliert und am 27. November Neuwahlen durchgefĂŒhrt, die von Zajedno wegen befĂŒrchteter WahlfĂ€lschungen boykottiert wurden. Bei den Neuwahlen siegten wieder die bisherigen Amtsinhaber. Es begannen Massenproteste gegen die Kommunalwahlergebnisse. In einem Bericht der OSZE vom 27. Dezember 1996 wurde festgestellt, dass die Opposition in 13 von 18 GroßstĂ€dten und 9 von 16 Wahlbezirken in Belgrad gesiegt hatte. Am 3. Januar 1997 erkannte die serbische FĂŒhrung den Wahlsieg der Opposition nur teilweise an, darunter in der Hauptstadt Belgrad und in NiĆĄ. Erst nach weiteren Protesten verabschiedete das serbische Parlament am 11. Februar ein Sondergesetz zur Anerkennung der Kommunalwahlergebnisse vom 17. November 1996. Das OppositionsbĂŒndnis Zajedno zerbrach nach einigen Monaten aufgrund von inneren GegensĂ€tzen und Streitereien.

Anfang Juli 1997 trat der serbische RepubliksprĂ€sident MiloĆĄević zurĂŒck, wurde am 15. Juli 1997 zum StaatsprĂ€sidenten Jugoslawiens gewĂ€hlt und am 23. Juli vereidigt. Dabei war er weiterhin der mĂ€chtigste Politiker Jugoslawiens. Der bisherige jugoslawische StaatsprĂ€sident Lilić unterlag in der Stichwahl zum serbischen PrĂ€sidenten am 5. Oktober dem nationalistischen Herausforderer Vojislav Ć eĆĄelj. Da jedoch die Wahlbeteiligung zu gering war, war die Wahl ungĂŒltig. Bei der Wiederholung der Wahl am 7. Dezember trat der jugoslawische Außenminister Milan Milutinović (SPS) an, wurde in der Stichwahl am 27. Dezember gewĂ€hlt und am 29. Dezember in sein Amt eingefĂŒhrt.

In der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro kam es zu einem Machtkampf innerhalb der Demokratischen Partei der Sozialisten Montenegros (DPS) zwischen dem PrĂ€sidenten, Parteivorsitzenden und engen VerbĂŒndeten MiloĆĄevićs Momir Bulatović und MinisterprĂ€sident Milo Đukanović. Am 11. Juli wurde Bulatović als Parteichef gestĂŒrzt und von Đukanović abgelöst. Bulatović trat aus der DPS aus und grĂŒndete die Sozialistische Volkspartei (SNP), die sich eng an die Sozialistische Partei Serbiens (SPS) anschloss. Bei der PrĂ€sidentenwahl in Montenegro am 5. Oktober trat Đukanović gegen Amtsinhaber Bulatović an und gewann am 19. Oktober 1997 die Stichwahl. Im Februar 1998 trat er sein Amt als PrĂ€sident der Republik Montenegro an. Er beauftragte den parteilosen Filip Vujanović als MinisterprĂ€sidenten mit der Bildung einer neuen Regierung aus DPS und Sozialdemokraten (SDP). Die neue montenegrinische FĂŒhrung strebte eine grĂ¶ĂŸere SelbststĂ€ndigkeit gegenĂŒber der Bundesregierung und Serbien an. Zum 1. Januar 1999 beschloss Montenegro die EinfĂŒhrung der Deutschen Mark als WĂ€hrung sowie die Errichtung einer eigenen Zollgrenze.

Am 28. November 1997 trat im Kosovo die UÇK bei dem BegrĂ€bnis eines von Polizisten erschossenen albanisch-kosovarischen Lehrers erstmals in der Öffentlichkeit auf. Die serbische Sonderpolizei MUP griff im Februar 1998 mehrere Dörfer in der Region Drenica an, um UÇK-AnfĂŒhrer zu töten. Dabei kam es zum Massaker von Drenica. Es kam im MĂ€rz zu weiteren Massakern mit vielen Opfern. Es brach ein bewaffneter Konflikt zwischen den jugoslawischen und serbischen SicherheitskrĂ€ften und der albanischen Widerstandsgruppe UÇK auf der anderen Seite aus (siehe Kosovokrieg). Die OSZE und die Kosovo-Kontaktgruppe riefen beide Seiten zur friedlichen Lösung des Konflikts auf. Der UN-Sicherheitsrat beschloss in der Resolution 1160 ein Embargo gegen die Bundesrepublik Jugoslawien und forderte Verhandlungen, um eine Lösung des Kosovo-Konflikts zu erreichen. In einem Referendum lehnten die serbischen BĂŒrger im April jede internationale Vermittlung ab.

Auf Betreiben des jugoslawischen StaatsprĂ€sidenten Slobodan MiloĆĄević wurde am 19. Mai der jugoslawische MinisterprĂ€sident Radoje Kontić durch das jugoslawische Parlament gestĂŒrzt. StaatsprĂ€sident MiloĆĄević berief am 21. Mai 1998 Momir Bulatović zum neuen MinisterprĂ€sidenten, dem das Parlament das Vertrauen aussprach. Die Regierung der Teilrepublik Montenegro erkannte weder das jugoslawische Parlament noch die jugoslawische Regierung Bulatović an und ging auf Distanz zur BR Jugoslawien und Serbien. Am 31. Mai gewann die DPS in einem BĂŒndnis mit den Sozialdemokraten (SDP) die vorgezogenen Parlamentswahlen in Montenegro. Die jugoslawische Bundesregierung erkannte die Parlamentswahlen in Montenegro nicht an. Die Zusammensetzung in der Kammer der Republiken verĂ€nderte sich durch die Wahlen.

Im Juni verschĂ€rfte sich der BĂŒrgerkrieg im Kosovo. Am 23. September 1998 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1199, in der er die Gewalt der jugoslawischen Armee und serbischer SicherheitskrĂ€fte verurteilte und die Kosovo-Albaner zum Verzicht auf Gewalt und zum freien Zugang von humanitĂ€ren Organisationen im Kosovo aufrief. Ein UN-Mandat zur militĂ€rischen Durchsetzung einer humanitĂ€ren Hilfsaktion lehnte er aber ab. Die NATO forderte in einem Ultimatum bis zum 13. Okt. 1998 den RĂŒckzug großer jugoslawischer Truppenkontingente und schwerer Waffen aus Kosovo unter Androhung von Luftangriffen. Der jugoslawische StaatsprĂ€sident Slobodan MiloĆĄević stimmte einer Waffenruhe und dem RĂŒckzug der Armee bis auf wenige Einheiten und serbischer SicherheitskrĂ€fte aus dem Kosovo in der Holbrook-MiloĆĄević-Vereinbarung zu. Die Armee zog schwere Waffen aus dem Kosovo zurĂŒck. Die OSZE entsandte 2.000 Beobachter zur Überwachung der Waffenruhe. Nachdem die Friedensverhandlungen in Rambouillet Februar bis MĂ€rz 1999 an der Ablehnung des Rambouillet-Abkommens durch die jugoslawische Delegation gescheitert waren, richtete die NATO am 19. MĂ€rz ein Ultimatum an die Bundesrepublik Jugoslawien zur Annahme des Rambouillet-Abkommens. Die kosovo-albanische Delegation unterschrieb am 18. MĂ€rz 1999 das Rambouillet-Abkommen, dieses sah bei Verbleib des Kosovo als Bestandteil der jugoslawischen Republik Serbien mit umfassender Autonomie, die NATO-Truppen sollten im Kosovo stationiert werden und fĂŒr die Sicherheit sorgen, die UÇK sollte entwaffnet werden. Die OSZE zog ihre Beobachter am 22. MĂ€rz aus dem Kosovo zurĂŒck. Die NATO begann am 24. MĂ€rz mit Luftangriffen gegen Jugoslawien. Die jugoslawische Armee verlegte mehr Einheiten in das Kosovo. Am 9. Juni stimmte der jugoslawische StaatsprĂ€sident Slobodan MiloĆĄević dem Friedensplan der G-8-Gruppe vom 6. Mai 1999 zu. Die jugoslawische Armee und die serbischen SicherheitskrĂ€fte sollten sich aus dem Kosovo zurĂŒckziehen. Die NATO setzte ab 10. Juni die Luftangriffe aus. Am gleichen Tag beschloss der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1244: Die UN errichtete eine zivile Übergangsverwaltung der UMNIK, die von der NATO gefĂŒhrte KFOR mit russischer Beteiligung ĂŒbernahm mit UN-Mandat die militĂ€rische Kontrolle im Kosovo, die Provinz blieb jedoch weiterhin Teil Jugoslawiens und der Republik Serbien. Am 12. Juni begann die Stationierung der KFOR, die jugoslawische Armee und die serbischen SicherheitskrĂ€fte zogen sich zurĂŒck. Die DM wurde als WĂ€hrung im Kosovo eingefĂŒhrt. Der UN-Sicherheitsrat hob das Embargo gegen Jugoslawien auf, die EU und westliche Staaten erhielten jedoch Sanktionen aufrecht, da das Regime MiloĆĄević noch an der Macht war. Jedoch wurden Lebensmittel an die Zivilbevölkerung geliefert.

Im Juli 1999 begannen Demonstrationen der serbischen Opposition gegen die jugoslawische sozialistische Regierung. 2000 wurde die jugoslawische Verfassung geĂ€ndert. Die Direktwahl des StaatsprĂ€sidenten durch das Volk fĂŒr eine vierjĂ€hrige Amtszeit wurde eingefĂŒhrt. Am 24. September 2000 fanden die PrĂ€sidentenwahl und die Wahl zur Kammer der BĂŒrger statt. Nach Angaben amtlicher Stellen erzielte der Kandidat des WahlbĂŒndnisses Demokratische Opposition Serbiens (DOS) Vojislav KoĆĄtunica im ersten Wahlgang mit 48,22 % die meisten Stimmen, verfehlte aber die absolute Mehrheit gegen den amtierenden PrĂ€sidenten MiloĆĄević, woraufhin eine Stichwahl nötig wurde. Wahlbeobachter der OSZE und große Teile der Bevölkerung sahen KoĆĄtunica demgegenĂŒber mit mehr als 50 % als deutlichen Wahlsieger. FĂŒr den 8. Oktober wurde eine Stichwahl zwischen KoĆĄtunica und MiloĆĄević angeordnet. Bei den Wahlen zur Kammer der BĂŒrger erreichte die DOS 59 Sitze, die vereinigte Liste der SPS und JUL 44 Sitze, die Sozialistische Volkspartei Montenegros (SNP) von Bulatović 28 und die nationalistische SRS von Vojislav Ć eĆĄelj 3 Sitze, die Serbische Volkspartei (SNS) und sonstige Vertreter erhielten jeweils 2 Sitze der 138 Sitze. Die DPS der montenegrinischen PrĂ€sidenten Đukanovic boykottierte die Wahlen. Am 2. Oktober brachen Massenproteste und ein Generalstreik in Serbien gegen die angeblichen WahlfĂ€lschungen und die Stichwahl am 8. Oktober aus. Der Kandidat KoĆĄtunica kĂŒndigte den Boykott der Stichwahl an. Am 4. Oktober wurde an amtlichen Stellen die UngĂŒltigkeit der PrĂ€sidentenwahl und das Verbleiben des amtierenden PrĂ€sidenten MiloĆĄević im Amt bis zum Ablauf der regulĂ€ren Amtszeit im Juni 2001 verkĂŒndet. Daraufhin kam es am 5. Oktober in Belgrad zu einem Volksaufstand. Serbische Polizei stand vor dem jugoslawischen ParlamentsgebĂ€ude einer großen Menge Demonstranten gegenĂŒber. Die blieben friedlich. Zahlreiche Polizisten solidarisierten sich mit den Demonstranten. Die Demonstranten stĂŒrmten das ParlamentsgebĂ€ude. Daraufhin wurde MiloĆĄević gestĂŒrzt und verzichtete auf sein Amt und erkannte den Wahlsieg Vojislav KoĆĄtunica (DOS) an. Am 7. Oktober wurde Vojislav KoĆĄtunica als jugoslawischer StaatsprĂ€sident vereidigt und trat sein Amt an.

Erst nach dem Sturz Slobodan MiloĆĄevićs im Oktober 2000 und der AmtseinfĂŒhrung seines Nachfolgers Vojislav KoĆĄtunica wurde Jugoslawien zum November 2000, nachdem es sich wie gefordert neu beworben hatte, wieder in die UNO aufgenommen. Am 4. November berief StaatsprĂ€sident KoĆĄtunica Zoran Zizic (SNP) aus Montenegro zum MinisterprĂ€sidenten. Er wurde vom Parlament bestĂ€tigt und bildete eine Koalition aus der Sozialistischen Volkspartei Montenegros (SNP) und dem WahlbĂŒndnis DOS. Die vereinigte Liste aus Serbischer Sozialistischer Partei (SPS) und JUL gingen in die Opposition. Die EU und zahlreiche westliche Staaten hoben die meisten Sanktionen gegen die BR Jugoslawien auf und nahmen wieder diplomatische Beziehungen auf. Die Bundesrepublik schloss mit der EU den Balkan-StabilitĂ€tspakt. Nach den serbischen Parlamentswahlen im Dezember 2000 wurde im Januar 2001 Zoran Đinđić zum serbischen MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt und begann mit dem Umbau des Staates. Die DOS kam auf 176 Sitze und erzielte eine Zweidrittelmehrheit. Bei dem vorgezogenen montenegrinischen Parlamentswahlen am 22. April 2001 erzielte die Regierung aus DPS und Sozialdemokraten (SDP) gemeinsam mit anderen Parteien, die fĂŒr die EigenstĂ€ndigkeit Montenegros eintraten, 36 Sitze, das BĂŒndnis Gemeinsam fĂŒr Jugoslawien aus SNP und anderen kam auf 33 Sitze, die Liberale Allianz (LS) 6 Sitze und sonstige 2 Sitze. Die EU konnte die UnabhĂ€ngigkeit Montenegros verhindern. Der ehemalige jugoslawische StaatsprĂ€sident Slobodan MiloĆĄević wurde am 1. April 2001 verhaftet. Die serbische Regierung lieferte ihn am 28. Juni 2001 an den Internationalen Strafgerichtshof fĂŒr das ehemalige Jugoslawien in Den Haag aus. Dort wurde er als Kriegsverbrecher angeklagt. Wegen der Auslieferung MiloĆĄevićs kam es zu Streit zwischen der jugoslawischen Bundesregierung und der serbischen Regierung. Der jugoslawische MinisterprĂ€sident Zizic trat am 29. Juni zurĂŒck. Zu seinem Nachfolger wurde am 24. Juli DragiĆĄa PeĆĄić (SNP) berufen und vom Parlament bestĂ€tigt. Im August 2001 trat die Demokratische Partei Serbiens DSS von StaatsprĂ€sident KoĆĄtunica aus der DOS aus. Der jugoslawische StaatsprĂ€sident KoĆĄtunica und der serbische MinisterprĂ€sident Đinđić gerieten immer mehr in Gegensatz zueinander. Am 1. Januar 2002 löste der Euro die DM als WĂ€hrung in Montenegro und im Kosovo ab. Ende 2001 fanden Wahlen zu einem Parlament im Kosovo statt. Im MĂ€rz 2002 wurde Ibrahim Rugova LDK zum PrĂ€sidenten des Kosovo gewĂ€hlt. 2002 trat die Demokratische Partei (DS) des serbischen MinisterprĂ€sidenten Đinđić aus der jugoslawischen Koalitionsregierung aus. Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen in Serbien am 29. September und 13. Oktober und am 1. Dezember und 15. Dezember war die Wahlbeteiligung unter 50 %, damit waren die Wahlen ungĂŒltig. Nach Ablauf der Amtszeit von PrĂ€sident Milutinović am 27. Dezember 2002 blieb das Amt unbesetzt. In der jugoslawischen Republik Montenegro fanden im Oktober 2002 vorgezogene Parlamentswahlen statt, bei denen die Regierungsparteien DPS und Sozialdemokraten im BĂŒndnis fĂŒr Montenegro bestĂ€tigt wurden. Der bisherige PrĂ€sident Đukanović kandidierte als Spitzenkandidat. Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen im Dezember 2002 in beiden WahlgĂ€ngen beteiligten sich weniger als 50 %, damit waren die Wahlen ungĂŒltig. Im Februar 2003 wurde Milo Đukanović zum MinisterprĂ€sidenten Montenegros berufen.

Mit der Annahme einer neuen Verfassung im Jahre 2003 benannte sich die Bundesrepublik Jugoslawien um in „Serbien und Montenegro“. Dies wurde unter EU-Vermittlung am 14. MĂ€rz 2002 in einem Vertrag zwischen der Regierung Jugoslawiens und den beiden Republiken Serbien und Montenegro vereinbart.

Serbien und Montenegro

Die Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro ersetzte am 4. Februar 2003 die bis dahin bestehende Bundesrepublik Jugoslawien. Diese Umwandlung trat durch Parlamentsbeschluss in Kraft.

Die Mitgliedstaaten dieser Staatenunion, eines sehr losen, staatenbundÀhnlichen Zusammenschlusses, bei dem nahezu alle Kompetenzen bei den Teilstaaten lagen, waren keine eigenstÀndigen Mitglieder der UNO, sondern hatten in der Generalversammlung den gemeinsamen Sitz der bisherigen Bundesrepublik Jugoslawien inne.

Es bestand ein gemeinsames Parlament, die sogenannte „сĐșŃƒĐżŃˆŃ‚ĐžĐœĐ°â€œ (SkupĆĄtina Srbije i Crne Gore – Versammlung von Serbien und Montenegro) mit 126 Abgeordneten und einige weitere gemeinsame Institutionen wie ein gemeinsamer PrĂ€sident und ein gemeinsamer Ministerrat, der fĂŒnf Ministerien umfasste (Verteidigung, Außenpolitik, Außenwirtschaftliche Beziehungen, Binnenwirtschaftliche Harmonisation, BĂŒrger- und Minderheitenrechte). Das serbisch-montenegrinische Parlament tagte in Belgrad; das Verfassungsgericht hatte seinen Sitz in Podgorica. Staatsflagge und Staatswappen wurden von der Bundesrepublik Jugoslawien ĂŒbernommen, die Staatshymne war weiterhin jene der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien. Am 7. MĂ€rz 2003 wĂ€hlte die Versammlung von Serbien und Montenegro den Montenegriner Svetozar Marović (DPS) zum PrĂ€sidenten des Staatenbundes Serbien-Montenegro, der auch die Funktion des Regierungschefs ĂŒbernahm.

Am 4. MĂ€rz 2005 lief das Mandat der Abgeordneten der Unionsversammlung aus. Die Teilrepubliken hatten sich zuvor nicht ĂŒber eine Neuwahl einigen können. Seitdem war der Status des Parlaments ungeklĂ€rt; jedenfalls war damit ein Teil der Verfassungscharta von 2003 faktisch außer Kraft gesetzt.

Die Teilstaaten hatten jeweils eine eigene Wirtschaftspolitik und WĂ€hrung. Im Zuge der UmgrĂŒndung wurde der ehemalige „Jugoslawische Neue Dinar“ (YUM) in Serbischer Dinar (CSD) umbenannt und von Serbien mit unverĂ€nderten Umrechnungskursen als LandeswĂ€hrung ĂŒbernommen. Montenegro fĂŒhrte nach jahrelanger Verwendung der Deutschen Mark den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel ein.

Zwischen beiden LÀndern bestanden bereits seit lÀngerem Zollkontrollen.

Am 21. Mai 2006 votierte die montenegrinische Bevölkerung in einem Referendum mit 55,5 Prozent Ja-Stimmen (Wahlbeteiligung 86,3 %) fĂŒr die Eigenstaatlichkeit des Landes. Damit wurde die von der EuropĂ€ischen Union geforderte Marke von 55 Prozent der Ja-Stimmen erreicht. Gleich am Tag nach der Abstimmung teilte der EU-Außenbeauftragte Javier Solana mit, dass die EuropĂ€ische Union die Entscheidung der Mehrheit der montenegrinischen Bevölkerung fĂŒr einen unabhĂ€ngigen Staat „voll respektieren“ werde. Am 3. Juni 2006 wurde die Entscheidung vom Parlament Montenegros offiziell bestĂ€tigt und die UnabhĂ€ngigkeit des Landes erklĂ€rt. Dies besiegelte das Ende der staatlichen Gemeinschaft Serbien und Montenegro.

Das serbische Parlament verabschiedete am 5. Juni seinerseits eine Deklaration, in der das Ende der Existenz von Serbien-Montenegro festgestellt wurde; es erklĂ€rte Serbien zum völkerrechtlichen Rechtsnachfolger der Union. Die staatlichen Institutionen Serbiens wurden aufgefordert, binnen 45 Tagen die Aufgaben der Union zu ĂŒbernehmen. GemĂ€ĂŸ der Verfassungscharta von Serbien-Montenegro ist Serbien alleiniger Rechtsnachfolger der Union, wĂ€hrend Montenegro als jener Teilstaat, der aus der Union ausgetreten ist, alle international gĂŒltigen VertrĂ€ge selbst neu abschließen muss.

Geographie

Die Union Serbien und Montenegro lag in SĂŒdosteuropa; sie wurde von den traditionellen Transitstrecken von Mitteleuropa nach Griechenland und in die TĂŒrkei durchzogen. Hinzu kamen 591 km Anteil an der Donau, die den Wasserweg zwischen dem Schwarzen Meer und Mittel- und Nordeuropa bildet.

Serbien und Montenegro grenzte an Albanien, Mazedonien, Bulgarien, RumĂ€nien, Ungarn, Bosnien und Herzegowina und Kroatien. Über die montenegrinische KĂŒste bestand außerdem ein Zugang zum Adriatischen Meer.

Naturraum

Der Norden des Landes wurde von der Provinz Vojvodina gebildet, die zum Pannonischen Becken gehört und ein fruchtbares Tiefland bildet. Die Vojvodina wurde von der Save (Sava) und einem Teil der Donau (Dunav) vom Rest des Landes abgetrennt. Die Donau und die Theiß (Tisa) spalten die Provinz in die drei Regionen Batschka (Bačka), Banat und Syrmien (Srem). In Syrmien erstreckt sich am SĂŒdufer der Donau die bis zu 539 m hohe HĂŒgelkette FruĆĄka Gora. An der Grenze zu RumĂ€nien steigen die westlichen AuslĂ€ufer des Banater Berglands bis zu 641 m an.

Die Gebiete sĂŒdlich von Donau und Save sind im Gegensatz zur Vojvodina maßgeblich durch einen HĂŒgelland- und Gebirgscharakter geprĂ€gt. Allerdings bildet das Morava-Tal in Serbien eine Schneise zwischen dem Dinarischen Gebirgssystem im Westen und dem Karpaten-Balkan-Gebirgsbogen im Osten. Somit verfĂŒgte Serbien und Montenegro ĂŒber natĂŒrliche Verkehrswege nach Griechenland ĂŒber die TĂ€ler der SĂŒdlichen Morava (JuĆŸna Morava) und des Vardar in Mazedonien sowie in die TĂŒrkei ĂŒber das NiĆĄava-Tal und die Thrakische Tiefebene in Bulgarien. Auch die damalige Provinz Kosovo war ĂŒber das Ibar-Tal mit dem Rest Serbiens verbunden.

Anders verhielt es sich mit der Verbindung zwischen den beiden Republiken Montenegro und Serbien. WĂ€hrend die Ć umadija – zwischen Belgrad, der Morava und der Westlichen Morava (Zapadna Morava) gelegen – sich noch durch sanfte HĂŒgel auszeichnet, bilden Richtung SĂŒdwesten höher werdende Gebirgsketten und tiefe TĂ€ler und Schluchten schwer ĂŒberwindbare Barrieren zwischen Serbien und Montenegro. Die Tara-Schlucht im Norden Montenegros ist mit ĂŒber 1000 Metern die tiefste Schlucht Europas. SĂŒdlich dieser Schlucht liegt die Wasserscheide zwischen Adria und Schwarzem Meer. Sie verlĂ€uft ĂŒber die mehr als 2000 m aufragenden GebirgszĂŒge Golija, Sinjajevina und Komovi. Von annĂ€hernd 1900 Metern fĂ€llt das dinarische Gebirgssystem in die fjordartige Bucht von Kotor zur Adria hin ab. Aufgrund des weit verbreiteten Kalkgesteins zeigt sich eine starke Verkarstung der Gebirgslandschaft. Die höchste Erhebung des Landes war die 2.656 m hohe Đaravica an der Grenze zwischen Albanien und der Provinz Kosovo.

Die wenigen ebenen FlĂ€chen sĂŒdlich von Donau und Save beschrĂ€nken sich auf das nördliche Morava-Tal, das Amselfeld (Kosovo polje) und die Podrima in Kosovo und die Ebene von Zeta im SĂŒden Montenegros.

Klima

An der montenegrinischen KĂŒste herrscht mediterranes Klima mit einer mittleren Temperatur von 25 °C im Sommer und 5 bis 9 °C im Winter. Das Binnenland ist dagegen von einem kontinentalen Klima mit heißen Sommern (mittlere Temperatur 22 °C) und kalten Wintern (mittlere Temperatur −1 °C) bestimmt. Der durchschnittliche Jahresniederschlag im Tiefland betrĂ€gt etwa 500 mm, in höheren Lagen 800 bis 1.600 mm.

Bevölkerung

Serbien und Montenegro war ein ethnisch vielfĂ€ltiger Staat. Allein in der Provinz Vojvodina werden ĂŒber 26 NationalitĂ€ten gezĂ€hlt. Nur 67,6 % der Bevölkerung gehörten 1991 einer der beiden staatsbezeichnenden Nationen (Serben 62,6 %; Montenegriner 5 %) an.

Die bedeutendste Minderheit im Lande bildeten die Albaner, die vor allem in der Provinz Kosovo i Metohija, aber auch in angrenzenden Gemeinden in Zentralserbien und entlang der albanisch-montenegrinischen Grenze leben. Sie stellten 16,5 % der Gesamtbevölkerung Serbien und Montenegros.

Als weitere große Minderheiten tauchten Jugoslawen (3,37 %), Ungarn (3,32 %), Bosniaken oder Muslime (3,23 %), Roma (1,38 %) und Kroaten inkl. Bunjewatzen (1,28 %) auf. Außerdem gab es Minderheiten von Slowaken, RumĂ€nen, Mazedoniern, Bulgaren, Ruthenen, Walachen, TĂŒrken, Deutschen, Tschechen, Russen u. a.

VolkszÀhlung 2002

Da die unter UN-Verwaltung stehende Provinz Kosovo und Metochien von der VolkszĂ€hlung von 2002 ausgeschlossen blieb, wurden vorab noch Daten von 1991 genannt. Im Vergleich mit den Ergebnissen von 1991 zeigt die VolkszĂ€hlung von 2002 einen dramatischen RĂŒckgang von Personen an, die sich bezĂŒglich ihrer EthnizitĂ€t als „Montenegriner“ bezeichnen. Es zeigt sich eine Spaltung in solche, die an der montenegrinischen NationalitĂ€t festhalten und in diejenigen, die auf diese zugunsten der serbischen NationalitĂ€t verzichten.

Eine weitere sehr augenfÀllige VerÀnderung zeigt sich in Ostserbien. Die Anzahl der sogenannten Walachen in Serbien stieg von knapp 18.000 im Jahr 1991 auf 40.000 im Jahr 2002.

Abgesehen von dieser Ausnahme sind die Zahlen bei den ethnischen Minderheiten generell rĂŒcklĂ€ufig – ein Prozess, der schon das ganze 20. Jahrhundert angedauert hat, aber sich durch nationalistischen Druck, vor allem aber durch die desolaten wirtschaftlichen VerhĂ€ltnisse der letzten Jahre, beschleunigt haben mag.

Hinzu kommt in manchen Gegenden eine Verschiebung der ethnischen MehrheitsverhĂ€ltnisse durch die Einwanderung mehrerer Hunderttausend serbischer KriegsflĂŒchtlinge aus Kroatien und Bosnien und Herzegowina zwischen 1991 und 1995 und aus der Provinz Kosovo und Metochien nach 1999.

Demnach dĂŒrfte sich auch das ethnische Bild der Provinz Kosovo und Metochien, in der die VolkszĂ€hlung nicht durchgefĂŒhrt werden konnte, stark verĂ€ndert haben. Gerade in den Gebieten, in denen schon vor 1999 die Albaner die Bevölkerungsmehrheit gestellt hatten, dĂŒrfte sich die ethnische Zusammensetzung in Richtung einer albanischen HomogenitĂ€t entwickelt haben. Vor 1999 gab es neben der serbischen Minderheit auch eine starke Minderheit von Roma, zwei Siedlungsgebiete von Kroaten bei Lipljan und Vitina, sowie eine Gruppe von TĂŒrken. Der Bevölkerungsanteil der Goranen, einer serbischsprachigen muslimischen Volksgruppe, dĂŒrfte zumindest in der Großgemeinde DragaĆĄ stabil geblieben sein.

Verwaltungsgliederung

Die beiden Republiken Montenegro und Serbien gliederten sich insgesamt in 197 Großgemeinden (opĆĄtine, Einzahl opĆĄtina). 176 davon lagen in Serbien, wĂ€hrend Montenegro aus 21 Großgemeinden bestand. Serbien war zusĂ€tzlich in 30 Bezirke (okruzi, Einzahl okrug), die jeweils mehrere Großgemeinden umfassten, eingeteilt. Zu Serbien gehörten außerdem die beiden autonomen Provinzen (autonomne pokrajine, Einzahl autonomna pokrajina) Vojvodina und Kosovo i Metohija.

Wirtschaft

Serbien und Montenegro war wirtschaftlich eines der schwÀchsten LÀnder auf dem Balkan. Das Nettodurchschnittseinkommen betrug im Juli 2005 250 Euro monatlich (3000 Euro Jahreseinkommen). Die Auslandsverschuldung betrug 2004 etwa 9,75 Mrd. Euro.

Landwirtschaft wurde dank der hohen Mechanisierung meist im Nebenerwerb betrieben. Die BodenschĂ€tze (Braunkohle, Kupfererze, Bauxit, Erdöl und -gas) waren die Basis fĂŒr die Schwerindustrie, die jedoch durch das 1996 aufgehobene Embargo empfindlich geschĂ€digt wurde. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 20 % (Stand: 2005).

Seit dem Jahr 2004 zog Serbien und Montenegro auslĂ€ndische Firmen an, wie zum Beispiel Mercator (Einzelhandel), dm-drogerie markt, Metro AG sowie zahlreiche Banken. ReprĂ€sentanten der serbischen und italienischen Autohersteller Zastava und Fiat unterzeichneten in Turin ein Abkommen ĂŒber die Lizenz und Fertigung des Punto im Zastava-Werk in Kragujevac.

Sport

Olympiamannschaften von Serbien und Montenegro nahmen an den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen und den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin teil. Im olympischen Wasserball-Turnier der MĂ€nner gewann die Auswahl des Landes in Athen die Silbermedaille. Die einzige olympische Einzelmedaille in der Geschichte von Serbien und Montenegro gewann die SportschĂŒtzin Jasna Ć ekarić, die auch schon fĂŒr die SFR und die Bundesrepublik Jugoslawien erfolgreich gewesen war.

Die serbisch-montenegrinische Fußballnationalmannschaft nahm an der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland teil, bei der sie nach der Gruppenphase ausschied. Die Teilnahme Serbien-Montenegros war insofern ein Kuriosum, als der Staat zu Beginn der WM gar nicht mehr bestand. Da sich das Team aber als „Serbien-Montenegro“ qualifiziert hatte, bestand die FIFA darauf, dass es als solches bei der WM antritt. Derselbe Fall war bei der Basketball-Weltmeisterschaft 2006 und der Volleyball-Weltmeisterschaft 2006. Dort trat auch noch einmal eine gemeinsame Mannschaft beider Staaten auf.

Literatur

  • Walter Lukan (Hrsg.): Serbien und Montenegro. Raum und Bevölkerung, Geschichte, Sprache und Literatur, Kultur, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Recht (= Osthefte. Sonderband 18). LIT, Wien 2006, ISBN 3-8258-9539-4.

Weblinks

  • Linksammlungen zu Serbien und Montenegro des Osteuropa-Netzwerks (Memento vom 21. Januar 2010 im Internet Archive)

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

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Flagge: Serbia and Montenegro

Name englisch: Serbia and Montenegro
Hauptstadt: Belgrade
Kfz:
ISO: CS
ISO3: SCG
Fläche: 102350 km²
Tld: .cs
Wärung Einheit: RSD
Währung: Dinar
Vorwahl: +381

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 46.1894461
südlichster Punkt: 42.2315029
westlichster Punkt: 18.8385221
östlichster Punkt: 23.0063915


 
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