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Staat Informationen : Mexiko

Informationen:


Mexiko (spanisch M√©xico [ňąmexiko], in Spanien auch M√©jico, nahuatl: Mexihco [meňź' Éi Ēko]), amtlich Vereinigte Mexikanische Staaten, spanisch Estados Unidos Mexicanos, ist eine Bundesrepublik in Nordamerika. Sie umfasst 32 Gliedstaaten, 31 Bundesstaaten und die Bundeshauptstadt Mexiko-Stadt. Im Norden grenzt Mexiko an die Vereinigten Staaten von Amerika, im S√ľden und Westen an den Pazifischen Ozean, im S√ľdosten an Guatemala, Belize und an das Karibische Meer, im Osten an den Golf von Mexiko. Mit einer Gesamtfl√§che von fast zwei Millionen Quadratkilometern ist Mexiko der f√ľnftgr√∂√üte Staat auf dem amerikanischen Doppelkontinent, global liegt der Staat an vierzehnter Stelle. Weltweit liegt Mexiko mit einer Bev√∂lkerungszahl von etwa 129 Millionen Menschen auf Platz zehn und ist der einwohnerreichste spanischsprachige Staat.

Staatsname

Der Staat ist nach der Hauptstadt der Azteken, Mexico-Tenochtitlan (jetzt Mexiko-Stadt), benannt. F√ľr die Herkunft der Bezeichnung Mexico (mńď/ É/ń≠'co) gibt es verschiedene, aber unbefriedigende Erkl√§rungen. Wilhelm von Humboldt gab den Hinweis, dass Mexico vom Namen der aztekischen Kriegsg√∂ttin Mexitli abgeleitet wurde. Nach einer Erkl√§rung stammt der Teil mńď von mńētl, was die Agavenpflanze (auch: Maguey) bezeichnet. Der Teil xń≠ soll von xńęctli (Nabel) abgeleitet sein und zusammen mit dem im Nahuatl h√§ufigen Ortssuffix co beziehungsweise ko die Bezeichnung ‚Äěder Platz, wo der Nabel (der Mittelpunkt) der Maguey liegt‚Äú ergeben. Diese Ableitung ist jedoch unm√∂glich, da in den ersten beiden F√§llen die im Nahuatl bedeutungsunterscheidende Vokall√§nge unterschiedlich ist. Stattdessen wird der Ortsname als regelm√§√üige Bildung von der in den Quellen gut belegten Volksbezeichnung mńď/ É/ń≠'tin (Plural) abgeleitet, deren Etymologie jedoch wie bei √§hnlichen Namen undurchsichtig ist.

Die Spanier schrieben den / É/-Laut (deutsch: sch) der Nahuatl-Sprache wie damals bei ihnen √ľblich als x. Seither hat sich die Aussprache des Spanischen allerdings gewandelt, und das alte x wird /x/ (deutsch: ch (nach a, o, u)) ausgesprochen und nun j geschrieben. Da M√©xico ein Eigenname ist, wurde die Schreibweise mit x beibehalten; daneben findet sich in spanischen Texten auch die Schreibweise M√©jico. In Mexiko selbst wird meist Wert auf die Schreibung mit x gelegt, da sie als eigene, nicht koloniale Schreibung gilt. Die k√∂niglich-spanische Akademie (Real Academia Espa√Īola), die f√ľr die Festlegung der spanischen Orthografie zust√§ndig ist, l√§sst beide Schreibweisen zu. Daneben wird das x teilweise, etwa in ‚ÄěXola‚Äú und in ‚ÄěXochimilco‚Äú, als / É/ beziehungsweise /s/ ausgesprochen (etwa: ‚ÄěSchola‚Äú beziehungsweise ‚ÄěSotschimilko‚Äú).

Geographie

Lage und Ausdehnung

Der gr√∂√üte Teil Mexikos (88¬†%) ist allein dem nordamerikanischen Kontinent zugeordnet, w√§hrend der s√ľdliche Teil bereits zur Landbr√ľcke Zentralamerikas z√§hlt (die ebenfalls dem nordamerikanischen Kontinent zugerechnet wird). Der Staat ist mit einer Fl√§che von 1.972.550¬†km¬≤ fast sechs Mal so gro√ü wie Deutschland, wobei 1.923.040¬†km¬≤ auf Land, 49.510¬†km¬≤ auf Wasser und √ľber 5000¬†km¬≤ auf unbewohnte Inseln entfallen. In Bezug auf die Fl√§che nimmt Mexiko weltweit den 14. Platz ein.

Mexiko ist √ľber 3000¬†km lang und hat eine Breite von 200¬†km bis 2000¬†km. Im Nordwesten befindet sich die Halbinsel Niederkalifornien mit einer L√§nge von 1200¬†km. Im Osten ragt die Halbinsel Yucat√°n, die sich Mexiko mit Guatemala und Belize teilt, in den Golf von Mexiko.

Die Gesamtl√§nge der Staatsgrenze betr√§gt 4538¬†Kilometer, davon entfallen 3326¬†km auf die gemeinsame Grenze mit den USA im Norden des Staates. Weiterhin grenzt Mexiko im S√ľdosten an Guatemala mit 962¬†km und an Belize (250¬†km). Es besitzt 12.540¬†km Meeresk√ľste, davon 8200¬†km am Pazifik und 3200¬†km am Atlantik. Ab der K√ľste seew√§rts besitzt Mexiko bis 200¬†Seemeilen (370¬†km) exklusive Nutzungsrechte.

Mexiko hat vier Zeitzonen, siehe hierzu Zeitzonen in Mexiko.

Der höchste Punkt Mexikos ist mit 5636 Meter der auf der Grenze zwischen den Bundesstaaten Puebla und Veracruz liegende Vulkan Citlaltépetl. Der tiefste Punkt mit ca. zehn Metern unter dem Meeresspiegel ist die Laguna Salada im Municipio Mexicali im Bundesstaat Baja California.

Klima

Mexiko ist ein klimatisch vielgestaltiger Staat, der sowohl √ľber subtropisches und alpines Klima als auch √ľber W√ľstenklima verf√ľgt. Es geh√∂rt somit in den √úbergangsbereich der sommerfeuchten √§u√üeren Tropen mit acht bis zehn humiden Monaten im S√ľdosten des Landes √ľber die ganzj√§hrig ariden Subtropen im Bereich des Wendekreises bis zum Winterregenklima Kaliforniens, das im √§u√üersten Westen (Baja California) gerade noch wirksam wird.

Geologie

Der gr√∂√üte Teil Mexikos besteht aus dem zu den amerikanischen Kordilleren geh√∂renden Hochland von Mexiko, das an markanten Bruchlinien im Osten und Westen herausgehoben wurde. Die Randgebirge sind sehr unterschiedlich gestaltet: Die Sierra Madre Oriental im Osten setzt sich aus parallel streichenden Faltenz√ľgen und steil aufragenden Schichtrippen der Jura- und Kreideformation zusammen. Dagegen baut sich die Sierra Madre Occidental im Westen aus flach lagernden vulkanischen Decken des Terti√§rs auf. Beide erscheinen von den h√ľgeligen K√ľstentiefl√§ndern aus als hohe Gebirgsmauern.

Das Hochland erreicht an der Grenze zu den USA 1200¬†m Meeresh√∂he. An die Sierra Madre Occidental schlie√üt sich s√ľdlich die Cordillera Neovolc√°nica an, die aus vulkanischen Ablagerungen aus der Zeit des Plioz√§n bis Quart√§r besteht und nicht nur durch Riesenvulkane, sondern zus√§tzlich durch eine Vielzahl von vulkanischen Kegeln und Kratern gepr√§gt ist. Sie bildet den S√ľdrand des Hochlandblocks, der in einer Bruchstufenzone rund 1000¬†m tief zur Senke des R√≠o Balsas abbricht. Im S√ľden befindet sich die Sierra Madre del Sur westlich der Sierra Madre de Chiapas. Nord√∂stlich vorgelagert ist die Halbinsel Yucat√°n, deren gr√∂√üter Teil zu Mexiko geh√∂rt. Sie besteht aus einer Kalksteintafel, die seit dem Terti√§r aus dem Meer herausgehoben wurde.

Die h√∂chsten Erhebungen des Staates findet man am Transmexikanischen Vulkang√ľrtel, auch Sierra Nevada genannt: den Citlalt√©petl (5636¬†m), auch als Pico de Orizaba bezeichnet, den h√∂chsten Berg in Mexiko, den derzeit aktiven Popocat√©petl (5462¬†m), den Iztacc√≠huatl (5230¬†m) und den Nevado de Toluca (4680¬†m).

Drei wichtige Metropolregionen von Mexiko liegen in den Tälern zwischen diesen vier Vulkanbergen: Mexiko-Stadt, Puebla und Toluca.

Natur

Mexiko beheimatet 200.000 verschiedene Spezies, das sind zehn bis zw√∂lf Prozent aller weltweit bekannten Arten. Mit 707 bekannten Arten nimmt Mexiko den ersten Platz bei der Artenvielfalt der Reptilien ein, mit 438 Arten den zweiten Platz bei den S√§ugetieren und mit 290 bekannten Arten den vierten Platz bei den Amphibien. Die Flora umfasst 26.000 verschiedene Spezies. Dar√ľber hinaus liegt Mexiko bei der Vielfalt an √Ėkosystemen weltweit an zweiter Stelle. Diese hohe Biodiversit√§t, doch vor allem die gro√üe Zahl von endemischen Arten, Gattungen und Familien macht Mexiko zu einem der Megadiversit√§tsl√§nder dieser Erde. Etwa 2500 Arten sind gesetzlich gesch√ľtzt.

Der gr√∂√üte Teil der Staatsfl√§che wird aufgrund der besonders hohen Gef√§hrdungslage f√ľr die nat√ľrliche Vielfalt international zu den Biodiversit√§ts-Hotspots der Erde gez√§hlt: Das sind die mediterranen Hartlaubgebiete im Norden Niederkaliforniens und die subtropischen Bergw√§lder Nordmexikos (beide grenz√ľbergreifend mit den USA), sowie s√§mtliche tropische √Ėkoregionen s√ľdlich des n√∂rdlichen Wendekreises (Fortsetzung in allen Nachbarstaaten Mesoamerikas).

Es gibt 68 Nationalparks in Mexiko.

Humangeographie

Die gr√∂√üten St√§dte Mexikos, allesamt Millionenst√§dte, sind Mexiko-Stadt, Guadalajara, Monterrey, Ecatepec de Morelos, Puebla, Nezahualc√≥yotl, Ju√°rez, Tijuana, Le√≥n und Zapopan. Sie befinden sich √ľberwiegend im Staatsinneren, dagegen sind die K√ľstengebiete eher d√ľnn besiedelt.

Zudem gibt es in Mexiko ein Gef√§lle zwischen Zentrum und Peripherie, in dem Mexiko-Stadt deutlich dominiert. Die Metropolregion fasst 18 Prozent der Gesamtbev√∂lkerung Mexikos. Daneben ist es das wirtschaftliche Zentrum, das etwa ein Drittel des Dienstleistungs- und Handelssektors und zwei Drittel der Verm√∂genswerte auf sich vereint. Zwei Drittel des Etats f√ľr das h√∂here Schulwesen Mexikos und drei Viertel des Forschungsetats werden in Mexiko-Stadt investiert.
Liste der Städte in Mexiko

Bevölkerung

Die Bev√∂lkerung setzt sich zusammen aus 60¬†% Mestizen, etwa 30¬†% Nachkommen der europ√§ischen Siedler (meist Spanier) und 10¬†% indigenen V√∂lkern (nach anderen Angaben 13¬†% beziehungsweise 7¬†%: unter anderem im zentralen Hochland Nahua ‚Äď Nachkommen der Azteken ‚Äď Otom√≠, Pur√©pecha, Cora, Tarahumara und Huicholen; an der Nordwestk√ľste Mayo und Yaqui; an der Golfk√ľste Totonaken und Huaxteken; im s√ľdlichen Bergland Zapoteken, Mixteken, Mazateken, Mixe und viele kleinere Ethnien; sowie in Yucatan und in den s√ľdlichsten Staatsteilen die Maya.)

Etwa ein Prozent bilden Bevölkerungsgruppen anderer Abstammung (größtenteils aus Afrika). In Bezug auf die Bevölkerungsanzahl nimmt Mexiko den 10. Platz auf der Welt ein.

Der Bev√∂lkerungsanteil der Mexikaner, die von Sklaven aus Subsahara-Afrika abstammen, ging in den letzten 200¬†Jahren in der Mestizenbev√∂lkerung auf. Im Bundesstaat Veracruz und an der Westk√ľste sind heute noch einige ‚Äěschwarze‚Äú Mexikaner zu finden. Das einzige auf mexikanischem Boden gesprochene Kreol ist das Gullah. Es wird von den Angeh√∂rigen der schwarzen Seminolen in Nacimiento (in der N√§he von M√ļzquiz, Coahuila) gesprochen. In den St√§dten gab es eine christliche arabischst√§mmige Bev√∂lkerung (vor allem mit libanesischer Abstammung). 2015 wurde ihre Zahl auf ungef√§hr 1 Million gesch√§tzt. Die christliche arabischst√§mmige Bev√∂lkerung in Mexiko gilt als wohlhabend und erfolgreich, so hatte der reichste Mann Mexikos, Carlos Slim Hel√ļ, libanesische Vorfahren.

Es gibt in Mexiko erhebliche und versteckte Diskriminierung gegen√ľber der indigenen Gemeinschaft. Innerhalb dieser ist die Kindersterblichkeit deutlich h√∂her und die Alphabetisierungsrate und der Lebensstandard sind deutlich niedriger als f√ľr die allgemeine Bev√∂lkerung, w√§hrend die Oberschicht Mexikos vor allem aus arabisch- oder europ√§ischst√§mmigen Mexikanern besteht. Der Aufstand der Zapatistas von 1994 speiste seine Unterst√ľtzung vor allem aus indianischen Gemeinden, die gegen die Vernachl√§ssigung und Diskriminierung der Zentralregierung aufbegehrten.

2016 lag das Median-Alter in Mexiko bei 28 Jahren. Auf 1000 Einwohner kamen 18,5 Geburten und 5,3 Todesfälle. Die Fertilität pro Frau betrug 2016 noch 2,2 Kinder pro Frau (1970 waren es noch 6 Kinder). Die Lebenserwartung lag bei knapp 76 Jahren. Die Bevölkerung wird in den nächsten Jahren zu altern beginnen, jedoch aufgrund des noch jungen Durchschnittsalter bis 2050 auf ca. 150 Millionen Personen anwachsen.

Im Jahre 2015 lebten 12,3 Millionen in Mexiko geborene Personen im Ausland, davon fast alle in den USA. Insgesamt gab es in den Vereinigten Staaten mehr als 30 Millionen Personen mit mexikanischer Abstammung (ohne illegale Einwohner). Mexiko hatte damit eine der größten Diasporagruppen weltweit. Ohne Auswanderung wäre Mexikos heutige Bevölkerung um etwa ein Viertel größer. In Mexiko selbst waren knapp 0,9 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Die meisten Migranten in Mexiko kamen aus zentralamerikanischen Ländern, woher die Immigration nach Mexiko aufgrund der besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten in den letzten Jahren anstieg.

Sprachen

Die Amtssprache Mexikos ist Spanisch, obwohl dies nicht gesetzlich festgeschrieben ist. Neben dem Spanischen sind in Mexiko auch 62 indigene Sprachen als offizielle Nationalsprachen anerkannt.

Das mexikanische Kulturministerium teilt die in Mexiko gesprochenen Sprachen in elf Sprachfamilien, 68 linguistische Gruppen und 364 Dialekte ein. Die ‚ÄěKommission f√ľr die Entwicklung der indigenen V√∂lker‚Äú hat 2005 in einer Erhebung festgestellt, dass rund sechs Millionen B√ľrger eine indigene Sprache beherrschen.

Nach der Volksz√§hlung von 2010 sprechen 6,8¬†% der Bev√∂lkerung indigene Sprachen (Volksz√§hlung 2020: 6,3¬†%); 15¬†% davon sprechen kein Spanisch. Weitere 1,5¬†% der Bev√∂lkerung verstehen, sprechen aber keine indigenen Sprachen. Zu den Sprachen mit der gr√∂√üten Sprecherzahl geh√∂ren Nahuatl (etwa 1,6¬†Millionen), Mayathan (etwa 800.000), Mixtekisch (etwa 500.000), Tzeltal (etwa 470.000), Zapotekisch (etwa 460.000) und Tzotzil (etwa 430.000). Es gibt insgesamt 16 indigene Sprachen mit mehr als 100.000 Sprechern in Mexiko, mehr als in jedem anderen Staat Amerikas. Den gr√∂√üten Anteil an Sprechern gibt es im S√ľden Mexikos in den Staaten Oaxaca, Yucat√°n und Chiapas.

Da in einigen indigenen V√∂lkern nur noch √§ltere Menschen die eigene Sprache beherrschen, k√ľndigte der Leiter des ‚ÄěInstituts f√ľr indigene Sprachen‚Äú ‚Äď Javier L√≥pez S√°nchez ‚Äď 2013 ein Aktionsprogramm an, um das Aussterben dieser Sprachen zu verhindern. Insbesondere gelten Awakatekisch, Ixil, zwei Variet√§ten des Otom√≠ und f√ľnf des Zapotekisch als bedroht. Deshalb sollen Dolmetscher und √úbersetzer ausgebildet und ein linguistischer Sprachatlas geschaffen werden.

Neben dem Spanischen brachten Einwanderer auch andere Sprachen nach Mexiko, die jedoch nicht als Nationalsprachen betrachtet und auch nicht von offiziellen Statistiken erfasst werden. Dazu zählen unter anderem Englisch, Französisch und Deutsch, aber auch Mandarin, Arabisch und Quechua. Einige Einwanderer bildeten geschlossene Sprachinseln, zum Beispiel die Mennoniten in Chihuahua, die Plautdietsch (einen Dialekt des Niederdeutschen) sprechen, oder die Bewohner von Chipilo in Puebla, die sich die venetische Sprache und Kultur ihrer italienischen Vorfahren bewahrt haben.

Religion

82,7¬†% der Mexikaner sind Katholiken. Die R√∂misch-katholische Kirche in Mexiko besteht aus 18 Erzbist√ľmern, darunter als gr√∂√ütes das Erzbistum Mexiko sowie aus 73 Bist√ľmern und 4 Territorialpr√§laturen.

Es gibt eine wachsende protestantische Minderheit von 7,5¬†%, die sich jedoch auf viele verschiedene Kirchen aufteilt. Die Anglikanische Gemeinschaft von Mexiko wird von der Anglikanischen Kirche von Mexiko vertreten und umfasst sechs Bist√ľmer.

Die drittgr√∂√üte Religionsgemeinschaft Mexikos, mit mehr als 800.000 Gl√§ubigen sind die Zeugen Jehovas. Sie sind in mehr als 13.000 Versammlungen organisiert, die Zusammenk√ľnfte in Dutzenden von Sprachen abhalten. Sie unterstehen dem Zentralamerikanischen Zweigb√ľro nahe Texcoco, √∂stlich von Mexiko-Stadt, welches auch f√ľr sieben weitere L√§nder verantwortlich ist.

3,5¬†% der Bev√∂lkerung bezeichnen sich als keiner Religionsgemeinschaft zugeh√∂rig und 0,36¬†% entfallen auf andere Religionen, darunter auch auf den Islam und traditionelle mesoamerikanische Religionen (wie etwa der Huicholen), die h√§ufig synkretistisch mit christlichen Elementen vermischt sind (wie etwa bei den Tarahumara). Die Religion hat in gewissen Schichten der mexikanischen Gesellschaft eine gro√üe Bedeutung, vor allem unter der l√§ndlichen Bev√∂lkerung und weniger f√ľr die Einwohner der Gro√üst√§dte.

Soziales

F√ľr den Bereich Soziales ist das Secretar√≠a de Desarrollo Social (SEDESOL) zust√§ndig, das politische Regierungssekretariat f√ľr soziale Entwicklung in Mexiko, vergleichbar mit einem entsprechenden Staatsministerium (Sozialministerium).

√Ėffentliche F√ľrsorge

Als erster Staat in der Geschichte nennt Mexiko ab 1943 den Begriff ‚ÄěSoziale Sicherheit‚Äú in seiner Verfassung. Das mexikanische Institut f√ľr soziale Sicherheit, Instituto Mexicano del Seguro Social (IMSS), bietet der Bev√∂lkerung Kranken-, Renten- und Sozialversicherungen an. Das Institut f√ľr soziale Sicherheit und Sozialleistungen f√ľr Staatsbedienstete, Instituto de Seguridad y Servicios Sociales de los Trabajadores del Estado (ISSSTE), k√ľmmert sich um Alte, Arbeitslose und Behinderte und bietet Sozialversicherungen f√ľr Staatsbedienstete an. 1998 waren 55 bis 60¬†Prozent der Bev√∂lkerung durch beide Institutionen abgesichert. Sie finanzieren sich durch Beitr√§ge von Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Regierung. In Mexiko gibt es allerdings kein Arbeitslosengeld. 1997 stellten die Ausgaben f√ľr die soziale Sicherheit etwa 18,1¬†% der Budgetausgaben dar.

Gesundheitswesen

Das zust√§ndige Ministerium f√ľr Gesundheit in Mexiko ist das Secretar√≠a de Salud (SSA).

Das Gesundheitswesen in Mexiko hat ein zweigliedriges System, bestehend aus der Krankenkasse des Instituto Mexicano del Seguro Social (IMSS) und des Instituto de Seguridad y Servicios Sociales de los Trabajadores del Estado (ISSSTE) einerseits und verschiedener privater Krankenversicherungen andererseits. Die medizinische Versorgung des Staates ist, bis auf Ausnahmen in entlegenen, ländlichen Gegenden, sehr gut, in den Städten sogar hervorragend.

Die Ausbildung in der Medizin und in der Pflege findet √ľberwiegend an den √∂ffentlichen Hochschulen statt. Durch Verbesserungen im Gesundheitswesen wurde in Mexiko in den letzten 60¬†Jahren die durchschnittliche Lebenserwartung um 25 Jahre auf 76,5¬†Jahre (2010‚Äď2015) erh√∂ht. Die Kindersterblichkeit betr√§gt (2009) ca. 17/1000 Geburten.

Ein gro√ües Gesundheitsproblem war das hohe Ausma√ü von √úbergewicht. Laut Daten der WHO waren im Jahr 2014 28,1¬†% der Bev√∂lkerung stark √ľbergewichtig (adip√∂s).

Armut

Nach der Wirtschaftskrise 1994‚Äď1995 (Tequila-Krise) fielen rund 50¬†% der Bev√∂lkerung in Armut. Der starke Anstieg der Exporte durch das NAFTA und andere Freihandelsabkommen sowie die Neuordnung der Staatsfinanzen unter Pr√§sident Zedillo und sp√§ter unter Vicente Fox hatten signifikante Erfolge bei der Armutsbek√§mpfung zur Folge. Gem√§√ü der Weltbank nahm die Armut bis 2004 auf 17,6¬†% der Bev√∂lkerung ab. Im Jahr 2014 betrug die Armutsquote um 3¬†%.

Im Jahr 2008 profitierte ein Viertel der Haushalte Mexikos von Finanztransfers durch das staatliche Oportunidades -Programm.

Laut der Nationalen Autonomen Universit√§t von Mexiko haben (Stand 2020) etwa zehn Prozent der Einwohner Mexikos (zwischen 12,5 und 15 Millionen Menschen) keinen eigenen Trinkwasserzugang. Vor allem l√§ndliche Gegenden, aber auch etwa 1,3 Millionen Menschen in Mexiko-Stadt haben keine Trinkwasserleitungen. Au√üerdem ist die Wasserversorgung auch f√ľr die Bev√∂lkerung mit Trinkwasserleitungen schlecht. In vielen Gegenden Mexikos flie√üt das Wasser nur einmal in der Woche oder seltener, oder es ist durch rissige Leitungen verunreinigt.

Kriminalität

Die Kriminalität in Mexiko ist, vor allem in Folge des Drogenkrieges, sehr hoch.

Im Jahr 2019 starben ca. 35.000 Menschen in Folge des Krieges (bzw. der nicht davon unterscheidbaren Kriminalit√§t). Davon waren rund 3.800 Frauen (ca. 10¬†%) und 31.200 M√§nner (ca. 90¬†%). Im Jahr 2018, als ca. 33.000 infolge der Kriminalit√§t starben, befanden sich f√ľnf mexikanische St√§dte, gemessen an der Mordrate, unter den 10 gef√§hrlichsten St√§dten weltweit. Da in Mexiko nur etwa zwei bis sechs Prozent aller begangenen Straftaten aufgekl√§rt werden, herrscht faktisch Straflosigkeit. Dies liegt auch darin, dass nur etwa 12 Prozent aller Straftaten zur Anzeige gebracht werden, weil die Polizeien in manchen Gegenden selbst von Kartellmitgliedern unterwandert sind bzw. mit der organisierten Kriminalit√§t zusammenarbeiten. Dies f√ľhrt dazu, dass bspw. im Bundesstaat Guerrero von 2014 bis 2018 die Waffen √∂rtlicher Polizeien in mehr als einem Dutzend Orten (darunter in Acapulco) durch das Milit√§r eingezogen und entmachtet wurden. Die hohe Kriminalit√§t gepaart mit der Straflosigkeit f√ľhrt dazu, dass sich die Bev√∂lkerung in manchen l√§ndlichen Gebieten in B√ľrgerwehren (Autodefensas) organisiert, um auf lokaler Ebene ein wenig √∂ffentliche Ordnung zu wahren. Generell ist die Polizei den Drogenkartellen in vielen Belangen (Personal, Ausstattung) unterlegen.

Seit dem 9. Dezember 2005 ist in Mexiko die Todesstrafe offiziell abgeschafft.

Korruption

Politische Korruption ist in Mexiko auf verschiedenen Ebenen verbreitet. Nach einer Studie von Transparency International wurden 2005 1,5 Mrd. Euro Schmiergelder gezahlt, wobei die Bestechungszahlungen von Unternehmen an Gesch√§ftsleute und an ranghohe Politiker noch nicht ber√ľcksichtigt sind.

Seit 1990 ist das √ľberparteiliche Instituto Federal Electoral (IFE) f√ľr die Vorbereitung und Abhaltung von Wahlen zust√§ndig. Allerdings war Felipe Calder√≥n, Pr√§sident von 2006 bis 2012, mit dem Programmierer des IFEs √ľber seine Frau verwandt (die selber auch Miteigent√ľmerin des IT-Unternehmens ist), was zur Spekulation f√ľhrte, dass die Z√§hlung der Wahlen 2006 (jedoch betrifft das auch andere Wahlen) nicht transparent abgelaufen ist.

Drogen

Ein gro√ües Problem neben der Korruption von Polizei und Justiz stellt vor allem die Drogenkriminalit√§t dar. Mexiko ist ein wichtiges Transitstaat f√ľr den Drogenhandel von S√ľd- und Zentralamerika in die USA. Unter Staatspr√§sident Calderon gelangen der Polizei und dem Milit√§r in den letzten Jahren jedoch einige schwere Schl√§ge gegen die Drogenkartelle. Das Ausw√§rtige Amt warnt Reisende dennoch vor kriminellen Rauschgiftbanden im amerikanisch-mexikanischen Grenzgebiet, sowie in einigen K√ľstenst√§dten.

Gewalt gegen Frauen

Laut UNO-Bericht 2017 ist Mexiko f√ľr Frauen besonders gef√§hrlich. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Rate sexueller Gewalt gegen Frauen au√üerhalb von Beziehungen die h√∂chste in der Welt ist.

Bildung

Das Secretar√≠a de Educaci√≥n P√ļblica (SEP) ist das mexikanische Bildungs- und Kultusministerium, zust√§ndig f√ľr die Bildung und Kultur. Das Ministerium entwickelt die Bildungsprogramme und liefert die Lehrmittel.

W√§hrend der Kolonialzeit war die katholische Kirche f√ľr die Bildung zust√§ndig. Nach Mexikos Unabh√§ngigkeit wurden erste Grundlagen des √∂ffentlichen Bildungssystems aufgebaut.

In Mexiko besteht Schulpflicht f√ľr die Grund- (Primaria, 6¬†Jahre) und Mittelschule (Secundaria, 3¬†Jahre). Die Schulzeit in der Oberschule (Preparatoria) betr√§gt ebenfalls 3¬†Jahre. Der Schulbesuch ist kostenlos. Typisch sind Schuluniformen. 2015 betrug die Alphabetisierungsrate f√ľr 94,4¬†% bei der j√ľngeren Bev√∂lkerung kam Analphabetismus kaum noch vor. In Mexiko stieg die mittlere Schulbesuchsdauer √ľber 25-J√§hriger von 5,5 Jahren im Jahr 1990 auf 8,6 Jahre im Jahr 2015 an. Sie ist damit eine der h√∂chsten in Lateinamerika. Die aktuelle Bildungserwartung betr√§gt bereits 13,3 Jahre. Die Regierung gibt 4¬†% des BIP f√ľr Grund- und Weiterf√ľhrende Schulen, und etwa 1¬†% f√ľr die Ausbildung an Universit√§ten aus.

Es gibt im Staat zahlreiche staatliche und nichtstaatliche Universit√§ten, zum Beispiel die Mexikanische Akademie der Wissenschaften oder die Universidad Nacional Aut√≥noma de M√©xico, die gr√∂√üte Universit√§t des Staates, die 1551 in Mexiko-Stadt gegr√ľndet wurde. Im internationalen Bildungsranking der Times ist sie die beste spanischsprachige und lateinamerikanische Universit√§t. Andere bekannte Universit√§ten in Mexiko-Stadt sind: Staatliches Polytechnisches Institut (gegr√ľndet 1937), Colegio de M√©xico, Universidad Aut√≥noma Metropolitana (gegr√ľndet 1974), Iberoamerikanische Universit√§t (gegr√ľndet 1943), Autonomes Technologisches Institut (gegr√ľndet 1946). Weitere wichtige Hochschulen in anderen St√§dten sind: Universit√§t in Guadalajara (gegr√ľndet 1792), Autonome Universit√§t von Puebla (gegr√ľndet 1937), Universidad Veracruzana (gegr√ľndet 1944), Zentrum des IPN f√ľr Forschung und fortgeschrittene Studien in Monterrey (gegr√ľndet 1943).

2008 waren insgesamt 2.724.000 Studenten in Mexiko eingeschrieben, davon 66,5 % an den 1.685 staatlichen Universitäten und 33,5 % an den 2167 privaten Universitäten.

Wissenschaft

Zu den bekanntesten Forschungsinitiativen der letzten Jahre in Mexiko geh√∂rt der Bau des Gro√üen Millimeterteleskopes (LMT), das zur Observation des durch kosmischen Staub gedeckten Teils des Universums dient. 1962 wurde die Staatliche Kosmische Kommission gegr√ľndet, die aber sp√§ter wieder abberufen wurde. In den letzten Jahren sind Pl√§ne f√ľr ihre Wiederberufung aufgetaucht.

Die Ausgaben f√ľr Forschung und Entwicklung betragen nur etwa 0,5¬†% des BIP und sind damit in der OECD am niedrigsten, ber√ľcksichtigt man das Einkommensniveau und die Wachstumsraten, lag Mexiko von 1996 bis 2005 durchschnittlich bei rund zehn Prozent.

Der größte Teil der wissenschaftlichen Publikationen entfällt auf die Hauptstadt. 75 % der Dissertationen finden in Mexiko-Stadt statt.

Geschichte

Präkolumbische Geschichte

Nach dem derzeitigen Forschungsstand liegt die erste Besiedlung (Tlapacoya) um etwa 20.000 bis 22.000¬†Jahre zur√ľck. Erste Spuren von Ackerbau finden sich ca. 1500 bis 900¬†v. Chr. Etwa 1500¬†v. Chr. wurde die Stadt Tlatilco im Tal von Mexiko besiedelt, die erst im 4. Jahrhundert wieder aufgegeben wurde. Tlatilco stand unter anderem unter dem kulturellen Einfluss der Olmeken. Komplexere Kulturen bildeten sich von 900 bis 300¬†v. Chr. Zwischen 100 und 900¬†n. Chr. bildeten sich die sogenannten mesoamerikanischen Zivilisationen heraus. Es entwickelten sich die Kulturen der Maya, Olmeken, Tolteken und Azteken. Um 1500¬†n. Chr. waren die Azteken das beherrschende Volk im Gebiet des heutigen Mexikos.

Spanische Kolonialzeit

In den Jahren 1517 und 1518 erreichten die ersten spanischen Expeditionen unter Francisco Hern√°ndez de C√≥rdoba und Juan de Grijalva die Halbinsel Yucat√°n. Die neu ‚Äěentdeckten‚Äú Hochkulturen und die reichlichen Goldgegenst√§nde machten die tierra firme, das Festland, f√ľr die Spanier interessant. In den Jahren 1519 bis 1521 gelang es Hern√°n Cort√©s, das sogenannte Azteken-Reich mit Hilfe zahlreicher indigener Verb√ľndeter zu st√ľrzen. Gleichzeitig eroberten Francisco de Montejo Yucat√°n und Pedro de Alvarado das heutige Guatemala, wo sie die letzten Maya-St√§dte unterwarfen. Das heutige Mexiko wurde zum Vizek√∂nigreich Neuspanien und wegen seines Gold- und Silberreichtums eine der wichtigsten Besitzungen der Spanier. In den folgenden drei Jahrhunderten verbreiteten die Spanier und ihre Missionare den katholischen Glauben und die Spanische Sprache.

19. Jahrhundert

Beg√ľnstigt durch die Schw√§chung Spaniens w√§hrend der Napoleonischen Kriege auf der Iberischen Halbinsel wurde am 16. September 1810 die Unabh√§ngigkeit von Spanien erkl√§rt, was einen langen Krieg nach sich zog, der am 27. September 1821 zur endg√ľltigen Unabh√§ngigkeit f√ľhrte.

Erstes Staatsoberhaupt der jungen Nation wurde Agustín de Iturbide, der den Staat ab 1822 als Kaiser regierte (Erstes Kaiserreich Mexiko). Bereits 1823 musste er nach einem Militäraufstand abdanken, und Mexiko wurde zur Republik. Im gleichen Jahr löste sich das Gebiet von Guatemala, woraus sich die späteren unabhängigen Staaten Guatemala, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und Honduras bildeten, von Mexiko los und wurde zur Zentralamerikanischen Konföderation.

1835 versuchten die Vereinigten Staaten von Amerika vergeblich, Mexiko die Gebiete um Texas und Kalifornien abzukaufen. 1836 riefen die in Texas lebenden Amerikaner die unabh√§ngige Republik Texas aus. 1845 wurde Texas von den USA annektiert. Dar√ľber hinaus beanspruchten die USA weitere mexikanische Gebiete bis hin zum Rio Grande. Dies f√ľhrte 1846 mit einer US-Invasion zum Mexikanisch-Amerikanischen Krieg. Nach der Niederlage Mexikos im Jahre 1848 trat der Staat mit Unterzeichnung des Vertrages von Guadalupe Hidalgo seine n√∂rdlichen Gebiete ab, darunter die sp√§teren US-Bundesstaaten Kalifornien, New Mexico, Arizona, Nevada, Utah und Colorado.

1853 wurde mit dem Gadsden-Kauf das s√ľdliche Gebiet der heutigen US-Bundesstaaten Arizona und New Mexico f√ľr 10 Millionen US-Dollar durch die USA erworben, um eine g√ľnstigere Route f√ľr eine geplante Eisenbahnlinie nach Kalifornien, die jedoch nie gebaut wurde, zu erm√∂glichen.

Eine Schuldenkrise f√ľhrte im Winter 1861/62 dazu, dass Truppen aus Frankreich, dem Vereinigten K√∂nigreich und Spanien an der Golfk√ľste des Staates landeten und Teile Mexikos besetzten. In den folgenden Jahren stand der Staat unter der Besetzung durch Frankreich, das in dieser Zeit den Habsburger Maximilian als Kaiser (10. April 1864) einsetzte (Zweites Kaiserreich Mexiko). Pr√§sident Benito Ju√°rez, der mit Hilfe der USA die Franzosen aus dem Land vertrieb, beendete endg√ľltig die √Ąra des mexikanischen Kaiserreiches durch die Hinrichtung Maximilians am 19. Juni 1867 in Quer√©taro (Abdankung am 14. Mai 1867).

20. Jahrhundert

1905 wurde die zu Frankreich geh√∂rende Clipperton-Insel besetzt, um eigene Besitzanspr√ľche zu untermauern. 1931 einigten sich beide Seiten, den italienischen K√∂nig Viktor Emanuel III. als Vermittler einzusetzen, der die Insel Frankreich zusprach.

Die lange Diktatur Porfirio D√≠az‚Äô f√ľhrte 1910 zur Mexikanischen Revolution und 1911 zu seinem R√ľcktritt. Die revolution√§ren Kr√§fte besiegten die Armee, verloren sich aber in internen Streitereien, die den Staat 20¬†Jahre lang in st√§ndiger Unruhe hielten. Am Ende der Revolution kontrollierte die Partei der institutionellen Revolution (PRI) den Staat.

Im Ersten Weltkrieg suchte das Deutsche Kaiserreich 1917 ein B√ľndnis mit Mexiko gegen die USA; im Falle eines Sieges der Mittelm√§chte sollte es die 1848 verlorenen Gebiete zur√ľckerhalten. Ein geheimes Telegramm (Zimmermann-Depesche), mit dem der mexikanischen Regierung ein entsprechender Vorschlag unterbreitet werden sollte, wurde jedoch von den Briten abgefangen und trug zum Kriegseintritt der USA gegen das Deutsche Kaiserreich bei.

W√§hrend der Revolution wurde 1917 die in gro√üen Teilen bis heute g√ľltige Verfassung verabschiedet. Ein Aufstand katholischer Bauernmilizen gegen antiklerikale Artikel der Verfassung weitete sich 1926 zur Guerra Cristera aus, die 1929 zu Vermittlungen unter US-amerikanischer F√ľhrung f√ľhrte. Die mexikanische Regierung verzichtete auf die Umsetzung der Bestimmungen, die jedoch erst 1992 aus der Verfassung gestrichen wurden.

1931 trat Mexiko dem V√∂lkerbund bei, der 1946 wieder aufgel√∂st wurde. Der Staat erlangte w√§hrend des Faschismus f√ľr Europ√§er gro√üe Bedeutung als Exilstaat. Im Spanischen B√ľrgerkrieg unterst√ľtzte der Staat gemeinsam mit Frankreich, der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten die Republikaner gegen die Nationalisten unter Francisco Franco, die vom Deutschen Reich, Italien und Portugal unterst√ľtzt wurden.

Mexiko war der einzige Staat (von 17 Mitgliedern des V√∂lkerbundrates), das am 19. M√§rz 1938 den Anschluss √Ėsterreichs durch Deutschland laut mit Protest belegte. Mexiko wies auf die Folgen f√ľr den (Welt-)Frieden hin, wenn die Pflichten aus der V√∂lkerbundsatzung und aus dem internationalen Recht nicht eingehalten werden. Aus Anerkennung f√ľr diese Tat wurde 1956 in Wien der Erzherzog-Karl-Platz in Mexikoplatz umbenannt. Im Zweiten Weltkrieg blieb Mexiko bis 1941 neutral und erkl√§rte nach der Versenkung der beiden √Ėltanker Potrero del Llano und Faja de Oro durch deutsche U-Boote den Achsenm√§chten den Krieg.

1945 wurde Mexiko Gr√ľndungsmitglied der Vereinten Nationen, des Internationalen W√§hrungsfonds sowie der Weltbank und 1948 der Organisation Amerikanischer Staaten.

In einigen Bundesstaaten durften Frauen an Lokal- und Bundesstaatenwahlen fr√ľher teilnehmen als auf nationaler Ebene. Yucat√°n and San Luis Potos√≠ waren die ersten Staaten, die 1922 und 1923 das Wahlrecht auf Frauen √ľbertrugen. 1946 erhielten Frauen √ľberall das kommunale Wahlrecht. Als Adolfo Ruiz Cortines 1952 die Wahl zum Pr√§sidenten gewonnen hatte, l√∂ste er seine Zusage ein, eine Abstimmung √ľber das aktive und passive Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene ins Parlament einzubringen. Am 22. Dezember 1952 wurde der Gesetzesvorschlag des Pr√§sidenten vom Kongress einstimmig beschlossen und wenige Tage sp√§ter vom Senat mit einer Gegenstimme ebenfalls angenommen. Die Regelungen wurden am 6. Oktober 1953 in Kraft gesetzt und verk√ľndet. 1954 konnten Frauen sich an Kongresswahlen beteiligen, am 6. Juli 1958 erstmals an Pr√§sidentschaftswahlen.

Die Partei der Institutionalisierten Revolution kontrollierte den Staat Mexiko bis zum Ende des 20.¬†Jahrhunderts. W√§hrend der Regierungszeit der PRI bestand lange Zeit keine klare Trennung zwischen den Institutionen des Staates und jenen der ‚Äěoffiziellen Partei‚Äú, das hei√üt der PRI. So unterstand etwa die Organisation von Wahlen der PRI. Dies f√ľhrte zu zahlreichen Berichten √ľber Unregelm√§√üigkeiten bei den Wahlen wie beispielsweise F√§lschung von Wahllisten, mehrfacher Stimmabgabe, Stimmenkauf, Kontrollen der Stimmabgabe, Wahlurnenraub und unkorrekter Stimmenausz√§hlung. Zwischen den 1940er und 1970er Jahren erlebte Mexiko eine Phase starken wirtschaftlichen Wachstums und wachsenden Wohlstands (Mexikanisches Wunder).

Im November 1993 trat der Staat der APEC bei und am 1. Januar 1994 gr√ľndete Mexiko zusammen mit Kanada und den Vereinigten Staaten das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA). Am gleichen Tag brach der Chiapas-Konflikt aus, in dem die Zapatistas gegen Diskriminierung und die Auswirkungen der Globalisierung k√§mpfen. Am 18. Mai 1994 wurde Mexiko der erste Lateinamerikanische Mitgliedstaat der OECD. Ende 1994/Anfang 1995 war der Staat von der Tequila-Krise betroffen, nachdem die Regierung den festen Wechselkurs des Peso gegen√ľber dem US-Dollar nicht mehr halten konnte. Nach Finanzhilfen durch die USA, des Internationalen W√§hrungsfonds und der Weltbank konnte die Krise im Laufe des Jahres 1995 beendet werden. Am 1. Januar 1995 wurde Mexiko Gr√ľndungsmitglied der Welthandelsorganisation.

Drogenkrieg

Als Drogenkrieg in Mexiko werden seit einer entsprechenden Regierungserklärung des Präsidenten Felipe Calderón am 11. Dezember 2006 die bewaffneten Konflikte in Mexiko bezeichnet, die sowohl von Polizei- und Militäreinheiten gegen die im Drogenhandel tätigen kriminellen Organisationen (sog. mexikanischen Drogenkartelle) als auch zwischen den Angehörigen der Drogenkartelle selbst ausgetragen werden.

Seit Mitte der 2000er-Jahre befindet sich Mexiko in einem Drogenkrieg, in dem (Stand: 2020) grob geschätzt 300.000 Menschen starben.

Politik

Mexiko ist eine Wahldemokratie. Das einwandfreie Funktionieren der demokratischen Institutionen des Staates wird allerdings durch Korruption und die schlechte Sicherheitslage im Staat behindert.

Verwaltungsgliederung

Mexiko ist eine f√∂derale Republik, die aus 31 Gliedstaaten und der Hauptstadt Mexiko-Stadt (bis 2016 ein Bundesdistrikt, span. Distrito Federal) besteht. Die Gliedstaaten sind in insgesamt √ľber 2400 Municipios aufgeteilt, Mexiko-Stadt in 16 Delegaciones. Die Gliedstaaten werden von Gouverneuren regiert. In der mexikanischen Verfassung sind im Artikel 73 die Befugnisse des mexikanischen Kongresses geregelt, der Artikel 124 bestimmt, dass alle nicht dem Kongress zugewiesenen Kompetenzen bei den Bundesstaaten liegen. In der Realit√§t wurde dieser F√∂deralismus aber √ľber lange Zeit nicht umgesetzt. Die Dominanz der zentralstaatlichen Exekutive wirkte auch in die Gliedstaaten und Munizipien hinein. Die f√∂deralen Einheiten agierten nicht so sehr aus den ihnen zugewiesenen Rechten und Pflichten heraus, sondern waren in ein System der Aushandlung integriert. Seit 1980 nahm der Staat infolge des Nationalen Systems f√ľr fiskalische Koordination 95 Prozent der Steuern ein und gab Teile von ihnen an die untergeordneten Einheiten weiter. Zwar war diese Verteilung formal geregelt, in der Realit√§t gab es aber immer wieder Unstimmigkeiten. Die Zentralregierung hielt oftmals die f√∂deralen Verfahren nicht ein, und √ľber ihm zustehende verfassungsm√§√üige Rechte konnte der Pr√§sident sogar Gouverneure entlassen und einsetzen.

Infolge der Wahlerfolge der Opposition auf Gliedstaatsebene und der Reduzierung der Macht der PRI kam es zu Entwicklungen im mexikanischen F√∂deralismus, die diesen st√§rkten. Unter der Regierung von Carlos Salinas de Gortari wurden 1993 den Gliedstaaten weitere Kompetenzen √ľbertragen. So erhielten sie die Zust√§ndigkeit f√ľr Gesundheitsf√ľrsorge und die Prim√§rerziehung. Diese Entwicklungen wurden auch von den nachfolgenden Pr√§sidenten fortgef√ľhrt. Vicente Fox versuchte mit dem Programm f√ľr einen authentischen F√∂deralismus 2002‚Äď2006 die Dezentralisierung voranzutreiben. Die lokalen Verwaltungen sollten professionaler werden und damit die Kommunen in ihrer Position gest√§rkt. Die unterschiedlichen f√∂deralen Ebenen sollen zudem in gemeinsamen Kommissionen zusammenarbeiten.

Verfassungsentwicklung

Die Politische Verfassung der Vereinigten Mexikanischen Staaten existiert seit 1917. Sie entstand infolge der mexikanischen Revolution und wurde von einer Verfassungsgebenden Versammlung erarbeitet. Die Verfassung stellte einen Kompromiss verschiedenster Interessensgruppen dar, weshalb sie antiklerikale, nationale, antiimperialistische, republikanische, paternalistische und sozial-reformistische Elemente enth√§lt. Dazu kommen aber auch liberale Elemente wie die b√ľrgerlichen Freiheitsrechte, Rechtssicherheit, das allgemeine Wahlrecht, das bis 1953 jedoch auf M√§nner beschr√§nkt blieb, Sozialstaatlichkeit und die Garantie des Privateigentums, wobei auch weitere Eigentumsformen als verfassungsgem√§√ü anerkannt wurden. Artikel 27, der l√§ngste Artikel der mexikanischen Verfassung, schreibt dem Staat das Eigentum an Land und Wasser zu und versieht ihn mit dem Recht, die Bewirtschaftung an Privatpersonen und Kollektive zu √ľbertragen. Dieser Artikel sollte prim√§r die Macht der Gro√ügrundbesitzer limitieren. Ein √§hnliches Ziel zeigt sich in Artikel 123, in dem Arbeitnehmerrechte festgeschrieben werden. Beide Artikel zusammen bildeten f√ľr lange Zeit die ideologische Legitimationsbasis der postrevolution√§ren Regierungen f√ľr das revolution√§re Projekt und politische Kontrolle.

Die in der Verfassung formal garantierten Rechte der Bev√∂lkerung traten allerdings lange Zeit hinter die Realit√§t des mexikanischen politischen Systems zur√ľck. Im mexikanischen Korporatismus war die M√∂glichkeit der Einklagbarkeit der Rechte nicht besonders ausgepr√§gt und an ihrer Stelle stand ein System von politischen Gef√§lligkeiten, Loyalit√§ten und Beg√ľnstigungen, die sich in Verhandlungen ausdifferenzierten. Die Durchsetzung der Verfassungsrechte war damit vor allem an die Mobilisierungsf√§higkeiten verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen und ihre Bedeutung f√ľr die Aufrechterhaltung der Regierung der Partido Revolucionario Institucional gebunden. Staatliche Institutionen und Gerichte sorgten lange Zeit weniger f√ľr die Durchsetzungen der Rechte, sondern funktionalisierten diese im Rahmen der geltenden politischen Ordnung.

Die Verfassung Mexikos wurde seit ihrer Proklamation 1917 √ľber 150 Mal ge√§ndert, und in den 1990er Jahren wurden die Artikel 27 und 123 im Zuge der √∂konomischen Neuausrichtung ge√§ndert. Zudem wurde das Verh√§ltnis von Staat und Kirche neu geordnet. Daneben gab es vor allem Reformen, welche die Menschenrechtssituation in Mexiko verbessern sollten. Unter der Pr√§sidentschaft Carlos Salinas de Gortaris wurde der Artikel 102 erg√§nzt, der die Befugnisse des Generalstaatsanwalts regelt. Der mexikanische Kongress und auch die Parlamente der Bundesstaaten sind verpflichtet, Organe zu schaffen, die die Einhaltung der in der Verfassung garantierten Menschenrechte √ľberwachen sollen, aber keine Befugnisse in Bezug auf Wahlen, Gerichtsverfahren und Arbeitsverh√§ltnisse haben. Unter Ernesto Zedillo Ponce de Le√≥n wurde in der Verfassung zudem ein Recht auf √∂ffentliche Sicherheit verankert. Trotz dieser Anpassungen der Verfassung hat sich die Menschenrechtslage in Mexiko kaum verbessert, weshalb die gesellschaftliche, politische und kulturelle Einbettung der Verfassungsreformen noch fraglich ist.

Staatsrecht

Seit 1917 ist Mexiko eine pr√§sidiale Bundesrepublik. Der Pr√§sident ist Chef der Bundesregierung und zugleich oberster Repr√§sentant des Staates. Er wird direkt vom Volk f√ľr eine einzige, sechs Jahre dauernde Amtszeit, das sogenannte sexenio, gew√§hlt. Eine Wiederwahl ist (Art. 83 der Verfassung) verboten. Ein vorzeitiges Ende der Amtszeit tritt im Todesfall ein oder wenn der Pr√§sident zur√ľcktritt (Art. 86). Der Pr√§sident hat viel Macht. Er besitzt das Initiativrecht bei Gesetzgebungsverfahren und ein Vetorecht bei Gesetzesinitiativen aus dem Kongress. Dar√ľber hinaus ist der Pr√§sident Oberbefehlshaber des mexikanischen Milit√§rs und ernennt dessen h√∂chste R√§nge, eine Reihe hoher Staatsbeamter und den Generalstaatsanwalt. Bis 1996 konnte er zudem das Regierungsoberhaupt des Bundesdistrikts von Mexiko-Stadt ernennen, das seitdem direkt gew√§hlt wird. Mit Zustimmung von Kongress und Ministerrat kann der mexikanische Pr√§sident den Notstand verh√§ngen. Er hat das Recht zur Initiative f√ľr Kriegserkl√§rungen, gibt die Richtlinien der Au√üenpolitik vor und unterzeichnet internationale Vertr√§ge. Neben den verfassungsm√§√üigen Befugnissen pr√§gten √ľber die lange Zeit der Herrschaft der Partido Revolucionario Institucional weitere informelle Regeln das Pr√§sidentenamt. Der Pr√§sident dominierte die Partei, er enthielt sich der Kritik an seinem Amtsvorg√§nger und musste sich diesen Traditionen unterwerfen, da er sonst aus dem Zentrum der Macht ausgeschlossen werden konnte. Innerhalb der sechsj√§hrigen Amtszeit erreichte er im dritten und vierten Jahr die Hochphase seiner Macht und k√ľmmerte sich gegen Ende der Amtszeit um seine Nachfolge. Trotz der Wahl durch das Volk wurde die Nachfolge nicht transparent, sondern in einem informellen Prozess zwischen verschiedenen Fraktionen und Gruppierungen in der politischen Klasse Mexikos geregelt. H√∂hepunkt war der Akt der Bekanntgabe ('destape'), bei dem der Pr√§sident seinen Nachfolger per Fingerzeig ('dedazo') benannte.

Der Kongress der Union Mexiko (Congreso de la Uni√≥n) ist ein Zweikammerparlament. Das Abgeordnetenhaus umfasst 500 Mitglieder, der Senat besteht aus 128 Senatoren. Die 500 Abgeordneten werden alle drei Jahre gew√§hlt. 300 von ihnen werden in einer Direktwahl (Personenwahl) bestimmt, 200 √ľber Listenpl√§tze (Mehrheitswahl) gew√§hlt. Die Senatoren werden auf sechs Jahre gew√§hlt. In jedem der 32 Bundesstaaten werden drei Senatoren bestimmt, zwei von ihnen nach Mehrheitswahlrecht, der dritte Senatorenposten wird der jeweils st√§rksten Oppositionspartei zugesprochen. Die 32 √ľbrigen Senatorenpl√§tze werden national nach einem proportionalen Repr√§sentationssystems vergeben. Die Abgeordneten und Senatoren d√ľrfen wie auch der Pr√§sident nach ihrer Amtszeit nicht wiedergew√§hlt werden. Die wichtigste Funktion des Abgeordnetenhauses ist die j√§hrliche Untersuchung, Diskussion und Verabschiedung des Bundeshaushalts, wobei eine Ablehnung nicht vorgesehen ist. Die wichtigste Befugnisse des Senats sind hingegen die Zustimmung zu internationalen Vertr√§gen und die Autorisierung von Truppenentsendungen ins Ausland. Dar√ľber hinaus hat der Kongress das erlassen von Gesetzen und Dekreten, die √∂konomische, territoriale und politische Organisation des Staates, die Zustimmung zu Kriegserkl√§rungen, Bildungsf√∂rderung und Arbeitsgesetzgebung als Aufgabenbereiche. Die 71 Jahre andauernde Herrschaft der Partido Revolucionario Institucional schlug sich in der Dominanz im Parlament nieder. So besetzte sie von 1970 bis 1988 durchschnittlich 78 Prozent der Kongresssitze. Die zunehmende Delegitimation des Systems und ab 1989 auch die zunehmend erfolgreiche Aktivit√§t der Oppositionsparteien in den Bundesstaaten mit ihren Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Senats f√ľhrten sp√§testens ab 1997 zum Ende der Dominanz der PRI und damit zu einer St√§rkung der Bedeutung des Parlaments.

Die Zentralregierung wirkte √ľber lange Zeit stark in die Bundesstaaten hinein, dieser Einfluss ist bis heute gegeben. Die Gouverneure wurden direkt vom Volk gew√§hlt, waren aber in ihrem Handlungsspielraum stark durch ihren Kontakt zum Pr√§sidenten limitiert und auf dessen Wohlwollen angewiesen. Dies liegt in den vielf√§ltigen Abh√§ngigkeiten der Staaten von der Bundesregierung begr√ľndet, da diese den Staaten und Gemeinden einen Teil der Steuereinnahmen zuweist. Daneben haben die Ministerien Vertretungen (Delegaciones) in den Bundesstaaten, Regierungsbezirken und Gemeinden. √úber diese werden Bundesmittel insbesondere f√ľr Sozialf√ľrsorge und Entwicklungsprogramme vergeben. Insbesondere in √§rmeren Bundesstaaten k√∂nnen diese Vertretungen mehr Mittel zur Verf√ľgung haben als der Haushalt des Bundesstaates, sie konnten so teilweise mehr Macht entfalten als die Gouverneure und andere regionale und lokale Politiker. Die Pr√§sidenten versuchten, ihren Einfluss so weiter auszudehnen. Besonders Carlos Salinas de Gortari, Pr√§sident von 1988 bis 1994, tat dies mit seinem 'Nationalen Solidarit√§tsprogramm'.

Der Oberste Gerichtshof Mexikos, der Suprema Corte de Justicia de la Naci√≥n, besteht aus elf Bundesrichtern (Ministros), die vom Pr√§sidenten vorgeschlagen werden und vom Senat best√§tigt werden. Ihre Amtszeit ist auf 15 Jahre begrenzt, der Pr√§sident wird aus ihrer Mitte f√ľr vier Jahre bestimmt und darf nicht direkt anschlie√üend wiedergew√§hlt werden. In der 71 Jahre andauernden Herrschaft der PRI verlor die Judikative mehr und mehr an Einfluss. Erst mit der Verfassungsreform von 1995 erhielt der Suprema Corte de Justicia de la Naci√≥n wieder die Kompetenz, √ľber die Verfassungsm√§√üigkeit der Politik zu urteilen. Seit dem Jahr 2000 muss der Generalstaatsanwalt vom Senat best√§tigt werden.

Wahlsystem

Die Wahlen in Mexiko hatten w√§hrend der langen Zeit der Dominanz der PRI eher akklamatorischen Charakter, es gab keine Konkurrenz unter den Parteien und damit auch keinen Wahlkampf. Der Kandidat f√ľhrte im ganzen Staat eine Kampagne durch und schloss dabei B√ľndnisse mit den lokalen Parteivertretern. Seit 1946 organisierte die dem Innenministerium unterstellte F√∂derale Kommission der Wahl√ľberpr√ľfung, sp√§ter in F√∂derale Wahlkommission umbenannt, die Wahlen. In dieser Kommission stellte die PRI immer die Mehrheit. 1988 zeigte sich das Gremium bei den Konflikten nach der Wahl als nicht handlungsf√§hig, und Pr√§sident Salinas √ľbernahm die Entscheidung und setzte sie durch. Wahlsiege der Opposition waren Verhandlungsergebnisse der Parteien mit dem Pr√§sidenten, nachdem die Wahl bereits stattgefunden hatte.

Seit dem Ende der 1970er-Jahre wurde das Wahlrecht von 1917 immer wieder reformiert. 1991 wurde das Instituto Federal Electoral gegr√ľndet, das sich im Laufe der 1990er-Jahre als unabh√§ngige Wahlbeh√∂rde etablierte, in der auch nichtstaatliche Organisationen und Wahlbeobachter sitzen. Es wurde zwar vom Staat gegr√ľndet, konnte aber mehrere Pr√§sidentschaftswechsel √ľberdauern und dabei an Unabh√§ngigkeit und Einfluss gewinnen. Es erstellt und verwaltet die W√§hlerverzeichnisse und f√§lschungssichere Identifikationskarten und begleitet die Reformen des Wahlgesetzes. Das Instituto Federal Electoral stie√ü etwa Reformen an, die den Zugang zu Parteienfinanzierung und Medien f√ľr alle Parteien erleichterten. Es √ľberwacht die Wahlen, die Ausz√§hlung der Stimmen und verk√ľndet die Wahlergebnisse. Zudem geht es gegen Wahlunregelm√§√üigkeiten vor. So setzte sich das Instituto Federal Electoral zusammen mit dem Bundeswahlgericht gegen Manipulationen alter PRI-Kreise bei den Gouverneurswahlen in Yucat√°n und Tabasco in den Jahren 2000 und 2001 durch. Das Instituto Federal Electoral wird von allen mexikanischen Parteien und auch international anerkannt.

Politische Indizes

Parteienlandschaft

Die Partido Revolucionario Institucional (PRI) war lange Zeit die dominierende Partei in Mexiko, die bis in die 1990er Jahre in Bund, Bundesstaaten und Gemeinden fast uneingeschr√§nkt regierte und bis 2000 den Pr√§sidenten stellte. Sie ging aus der 1929 gegr√ľndeten Partido Nacional Revolucionario (PNR) hervor, die unter Plutarco El√≠as Calles noch territorial organisiert war und nicht sektoral inkorporiert. Als Gegensatz zu Calles mit seinem System regionaler Machteliten etablierte L√°zaro C√°rdenas del R√≠o in der Partido de la Revoluci√≥n Mexicana (PRM) eine Gliederung in funktionale Sektoren. So wurden Bauern, st√§dtische Mittel- und Unterschichten und Arbeiter √ľber nationale Organisationen in die Partei eingegliedert. Zwischen 1938 und 1940 galt dies auch f√ľr das Milit√§r. Dennoch √§nderten auch diese Umbildungen unter C√°rdenas zun√§chst nichts an der Dominanz lokaler Machteliten. Dennoch traten nun neben die traditionellen Verbindungen der Caciques neue Netzwerke, die durch Gewerkschaften, Lehrerverb√§nde und weitere nationale und soziale Organisationen gepr√§gt wurden. 1946 wurde die PRI als korporative Partei gegr√ľndet. Sie sorgte f√ľr eine weitere Verschiebung der Machtverh√§ltnisse von den peripheren Eliten hin zur metropolitanen Modernisierungskoalition und diente √ľber lange Zeit als Verbindungsscharnier zwischen diesen beiden. Die PRI profitierte vom 1946 verabschiedeten Wahlgesetz, das parteilose Kandidaten beschr√§nkte und von Parteien eine nationale Verankerung verlangte, was vom Innenministerium, das die Parteien zulie√ü, kontrolliert wurde. So nahm der Einfluss und die Macht der lokalen Caciques und der milit√§rischen Caudillos ab, w√§hrend Akteure, die sich loyal zu den staatlichen Institutionen und Regierenden stellten, ihre Position st√§rkten. Ab den 1970er-Jahren ver√§nderte sich die Lage der PRI. Ihr fiel es zunehmend schwer, die Staatsbev√∂lkerung, nationale und transnationale Migranten in die Parteistruktur zu integrieren. Selbes galt f√ľr die Studentenbewegung von 1968 und die neuen sozialen Bewegungen der 1980er mit Akteuren wie Frauen, Migranten, Unterbesch√§ftigten, Jugendlichen und Intellektuellen.

Die Partido Acci√≥n Nacional (PAN) wurde im Gegensatz zur PRI 1939 als Oppositionspartei gegr√ľndet. Sie entstand im katholischen Nordwesten Mexikos im Kontext der antiklerikalen Politik der PRI. √úber viele Jahre hinweg war die PAN die einzige zugelassene politische Kraft, die aus sich heraus lebensf√§hig war. In ihr sammelten sich verschiedene Str√∂mungen wie etwa sozial orientierte, neoliberale und katholisch konservative. Die Neoliberalen in der PAN forcierten seit der Regierung von Carlos Salinas de Gortari Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre die Zusammenarbeit mit der PRI. Viele Mitglieder der PAN setzten sich f√ľr die Durchsetzung von Freiheitsrechten ein. Ab dem Ende der 1980er Jahre begannen sie zusammen mit anderen Parteien verst√§rkt f√ľr demokratische und ordentliche Wahlen sowie f√ľr mehr Rechtssicherheit einzutreten. Auf regionaler und kommunaler Ebene konnte die PAN in dieser Seite Wahlsiege erringen, auf Bundesebene brauchte sie im Jahr 2000 die Unterst√ľtzung der Partido Verde Ecologista de M√©xico (PVEM) sowie weiter au√üer- und √ľberparteilicher B√ľndnisse, bekannt als Amigos de Fox, um Vicente Fox zum Gewinn der Pr√§sidentschaftswahl zu f√ľhren. 2006 konnte die PAN diese Position verteidigen.

Neben den beiden gro√üen Parteien gab und gibt es einige kleinere linke Parteien, die lange Zeit illegal arbeiten mussten. Die 1919 gegr√ľndete Partido Comunista Mexicano (PCM) ist eine der √§ltesten Parteien Mexikos. Bis zur Ermordung Leo Trotzkis im Jahr 1940 gab es Auseinandersetzungen zwischen Trotzkisten und Stalinisten. Die PCM war immer wieder verboten und konnte sich erst seit der Pr√§sidentschaft Jos√© L√≥pez Portillos von 1976 bis 1982 frei bet√§tigen und erhielt die Zulassung zu Wahlen. In den 1980er Jahren schloss sie sich mit weiteren kleinen linken Parteien zusammen, um bei Wahlen bessere Chancen zu haben und so langsam am Prozess der Demokratisierung mitzuwirken. 1989 ging diese Partei in der neu gegr√ľndeten Partido de la Revoluci√≥n Democr√°tica (PRD) auf, wo sie auf eine gem√§√üigtere, aus der PRI stammenden Basis traf, die den neuen wirtschaftlichen Regierungskurs nicht mittragen wollten.

Neben den drei großen Parteien gibt es noch weitere, kleinere wie die Partido Popular Socialista de México, Partido Nueva Alianza, Partido del Trabajo, die Convergencia por la Democracia und das Movimiento Regeneración Nacional.

Außen- und Sicherheitspolitik

Die Au√üenpolitik Mexikos wird von der historischen Erfahrung des 19. Jahrhunderts gepr√§gt. Infolge der ausl√§ndischen Interventionen, vor allem nach der franz√∂sischen Intervention in Mexiko und dann nach der mexikanischen Revolution bestimmte die Doctrina Ju√°rez die mexikanische Au√üenpolitik. Sie war auf das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer L√§nder und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen ausgerichtet. Die mexikanische Politik beschr√§nkte sich somit auf Einflussnahme in multilateralen Organisationen. In den 1970er Jahren ver√§nderte sich diese Position, sp√§testens mit der Schuldenkrise von 1982 war sie hinf√§llig. Anstelle der Gleichsetzung von revolution√§rem Staat mit nationaler Souver√§nit√§t trat unter der Regierung Jos√© L√≥pez Portillos nun das Verst√§ndnis, diese liege in der internationalen Partizipation. Dies f√ľhrte in der Folge zu verschiedenen Schritten der internationalen Integration. 1986 trat Mexiko dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen bei und 1993 der Asiatisch-pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft. Mexiko trat 1994 der Organisation f√ľr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bei und zugleich aus der Gruppe der 77 aus. Zudem war der Staat 1995 eines der Gr√ľndungsmitglieder der Welthandelsorganisation.

Mexiko ist Mitglied der Vereinten Nationen. Seit den 1990er Jahren tritt Mexiko f√ľr eine Reform des UN-Sicherheitsrats ein. Dabei positioniert es sich mit der Unterst√ľtzung von Kanada, Italien, Pakistan, S√ľdkorea, Spanien, Argentinien, der T√ľrkei und Malta, vereint unter dem Namen Uniting for Consensus, gegen den Vorschlag der G4-Staaten Deutschland, Brasilien, Indien und Japan, die st√§ndige Sitze im Sicherheitsrat beanspruchen. Mexiko richtet sich dabei vor allem gegen den Sitz Brasiliens, da es dadurch das Machtgef√ľge in Lateinamerika gef√§hrdet sieht. Dar√ľber hinaus ist Mexiko Mitglied der Organisation Amerikanischer Staaten, der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten, der G8+5 und der G20 Wirtschaftsm√§chte

Au√üenpolitisch dominierend ist seit dem 19. Jahrhundert die Beziehung zu den Vereinigten Staaten. Diese Dominanz erhielt 1994 mit der Unterzeichnung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens eine neue wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Dimension. Mit diesem Abkommen wurde das neue neoliberale Wirtschaftsmodell extern institutionalisiert. In der Folge kam es zu einer weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den USA und Mexiko, die weit √ľber die zunehmende √∂konomische Integration hinausging. Zunehmend trat die Frage der Sicherheit der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko in den Fokus. Dabei geht es zum einen um die Frage der illegalen Immigration von Mexikanern in die Vereinigten Staaten und den Menschenhandel, zum anderen um die der Sicherheit im Zusammenhang mit dem Schmuggel von Waffen, Drogen und Geld im Kontext des mexikanischen Drogenkrieges. Infolge der Terroranschl√§ge vom 11. September 2001 ver√§nderte sich die Beziehung der beiden Staaten. Zum einen r√ľckte der Fokus der US-Politik nun auf andere Regionen, zum anderen waren die USA von der mexikanischen Ablehnung des Irakkrieges entt√§uscht. Hinzu kam in den USA 2003 die Verabschiedung der Gesetze Agricultural Jobs, Opportunity, Benefits and Security Act, Land Border Security and Immigration Improvement Act und Border Security and Immigration Reform Act, die eine bei weitem restriktivere Grenz- und Immigrationspolitik verfolgten als Vicente Fox und damit zu Irritationen f√ľhrten.

Seit den 1960er-Jahren gewannen die Beziehungen Mexikos zu anderen Staaten Lateinamerikas neben denen zu den Vereinigten Staaten zunehmend an Gewicht. Verst√§rkt beteiligte sich Mexiko an lateinamerikanischen Kooperationen wie der lateinamerikanischen Freihandelszone, die 1981 zur lateinamerikanischen Integrationsvereinigung wurde. Der Staat unterst√ľtzte zudem diplomatisch, symbolisch und materiell die revolution√§ren Bewegungen in Lateinamerika. Entgegen den Erwartungen der USA erhielt Mexiko zudem auch nach der Revolution die diplomatischen Beziehungen zu Kuba aufrecht. Gemeinsam mit Venezuela baute Mexiko weiterhin das lateinamerikanische Wirtschaftssystem auf, das Kuba, nicht aber die USA, miteinbezog. Mit dem R√ľckbezug auf die Vereinigten Staaten in den 1980er Jahren lie√ü aber die lateinamerikanische Integration Mexikos nach. Die Idee mit Argentinien und Brasilien ein Schuldner-Kartell zu bilden und somit die Schuldenkrise zu √ľberwinden wurde in diesem Zusammenhang verworfen. In den 1990er Jahren schloss Mexiko zwar mit Chile, Kolumbien, Bolivien, Nicaragua und Venezuela Freihandelsabkommen, der Fokus der mexikanischen Au√üenpolitik wurde jedoch nicht wieder verst√§rkt auf Lateinamerika gelegt. Dennoch kam es zu einzelnen verst√§rkten Kooperationen. So wurde der Plan-Puebla-Panam√° ausgerufen und die Entwicklung der amerikanischen Freihandelszone forciert, wobei ersterer zeitweise nicht weiter verfolgt wurde und letztere bis heute nicht zustande gekommen ist. Zudem begann Mexiko damit verst√§rkt Kritik an der Menschenrechtslage auf Kuba zu √ľben, so dass trotz Ann√§herung an Argentinien, Brasilien und Uruguay keine R√ľckbesinnung auf die Lateinamerikapolitik der 1960er und 1970er Jahre gab.

Mexiko war 1975 der dritte lateinamerikanische Staat nach Uruguay und Brasilien, das ein Wirtschafts- und Handelsabkommen mit der Europ√§ischen Gemeinschaft abschloss. In den 1980er Jahren folgten weitere Abkommen und Vertr√§ge, die die Zusammenarbeit etwa bei wissenschaftlichen und sozialpolitischen Fragen, sowie bei der Drogenbek√§mpfung, Tourismusf√∂rderung, Kulturpolitik und Umweltpolitik f√∂rderten. Die Bedeutung Europas f√ľr Pr√§sident Fox wurde auch an der Zahl seiner 16 Auslandsreisen in diese Region deutlich. Auch wurden die europ√§isch-mexikanischen Beziehungen in seiner Amtszeit zunehmend institutionalisiert. Dennoch erf√ľllte Europa f√ľr Mexiko nicht die in es gesetzten Erwartungen, womit in der Au√üenpolitik zunehmend Asien und dabei vor allem die Volksrepublik China an Bedeutung gewannen.

Militär

Das mexikanische Milit√§r untersteht dem Secretar√≠a de la Defensa Nacional (SEDENA), das 1884 als Kriegs- und Marinesekretariat (Secretar√≠a de Guerra y Marina) gegr√ľndet wurde. 1937 wurde es in Secretar√≠a de la Defensa umbenannt. F√ľr die Mexikanische Kriegsmarine, die Armada de M√©xico, ist in Mexiko seither das Secretar√≠a de Marina (SEMAR) zust√§ndig. Die Streitkr√§fte stehen in der Tradition des Mexikanischen Unabh√§ngigkeitskrieges. Sie haben den Ruf, sich politisch neutral zu verhalten und weniger f√ľr Korruption anf√§llig zu sein als andere staatliche Institutionen und Beh√∂rden. Im Gegensatz zur Situation in vielen anderen lateinamerikanischen Staaten mischte sich das mexikanische Milit√§r nicht in √∂konomische und politische Transformationen ein. Es agierte nie unabh√§ngig, sondern engagierte sich nur auf Anordnung des Staatspr√§sidenten oder der Gouverneure.

Bis in die j√ľngere Geschichte hinein war es nach den milit√§rischen Auseinandersetzungen im 19. Jahrhundert vor allem infolge von Naturkatastrophen sichtbar. Es kam aber auch zu weiteren Eins√§tzen im Innern wie bei der Niederschlagung des Eisenbahnerstreiks 1959, der Niederschlagung der Studentenproteste 1968 und der Bek√§mpfung der Guerilla in den 1970er Jahren. In den 1980er Jahren und sp√§testens in den 1990er Jahren kam es auch auf Druck der Vereinigten Staaten und dem steigenden Ausma√ü der Drogenkriminalit√§t zu Eins√§tzen gegen die Kartelle. Dabei stellte sich heraus, dass das Milit√§r den Drogenhandel nicht eind√§mmen konnte, sondern vermehrt f√ľr Korruption durch die Narcos anf√§llig wurde. Unter Pr√§sident Calder√≥n wird das Milit√§r seit Anfang 2007 in dem den Drogenkartellen erkl√§rten Krieg zur Bek√§mpfung der Drogenmafia verst√§rkt eingesetzt. Im Zuge der Kooperation bei der Drogenbek√§mpfung gelang es den Vereinigten Staaten ihren Einfluss auf das mexikanische Milit√§r auszudehnen. So wurde Mexiko Teil des United States Northern Command und ist damit seit Oktober 2002 in das Area of responsibility der Vereinigten Staaten einbezogen. Die neue Einsatzsituation f√ľhrte zu Ver√§nderungen des mexikanischen Milit√§rs. Es verliert immer weiter den R√ľckbezug auf die mexikanische Revolution, nimmt immer mehr polizeiliche Aufgaben wahr, verstrickt sich zunehmend in Menschenrechtsverletzungen und ordnet sich immer weiter Sicherheitsinteressen der USA unter. Zum Teil durchlaufen mexikanische Soldaten auch die US-amerikanische Ausbildung.

Die mexikanischen Streitkr√§fte sind in die Armee, zu der auch die Luftwaffe geh√∂rt, und die Marine untergliedert. In Mexiko besteht Wehrpflicht (Servicio Militar Nacional). Alle m√§nnlichen Einwohner √ľber 18 werden zum Milit√§rdienst verpflichtet, der zw√∂lf Monate dauert. Mit 16 kann der Dienst freiwillig angetreten werden, auch Frauen k√∂nnen freiwillig dienen. Die Armee besteht aus 192.000 Soldaten, von denen 130.000 zum Heer, 37.000 zur Marine und 8000 zur Luftwaffe geh√∂ren. Hinzu kommen 300.000 Reservisten und 25.000 Angeh√∂rige paramilit√§rischer Einheiten. Mexiko gab 2017 knapp 0,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 5,8 Mrd. US-Dollar f√ľr seine Streitkr√§fte aus.

Rechtssystem

Das Rechtssystem Mexikos leidet unter Vertrauensverlust der Bev√∂lkerung und strukturellen Defiziten. Das mexikanische Rechtssystem war in das Herrschaftssystem der PRI eingebunden und wurde damit eher nicht als gesellschaftliche Regelinstanz wahrgenommen, sondern als Anrufungs- und Mobilisierungsinstanz verstanden. Dies f√ľhrt dazu, dass das System Legitimationsprobleme hat. 72 Prozent der Mexikaner halten es nicht f√ľr zwingend geboten, sich an die Gesetze zu halten, 71 Prozent sehen die Menschenrechte in ihrem Staat nicht als gesichert an und 20 Prozent bef√ľrworten Selbstjustiz. Dies h√§ngt auch damit zusammen, dass das mexikanische Rechtssystem als ein Projekt der Elite konstituiert wurde und damit von Beginn an nicht mit der Lebensrealit√§t der Bev√∂lkerungsmehrheit √ľbereinstimmte. Hinzu kommt etwa die Verwicklung der Polizei in den Drogenhandel und die organisierte Kriminalit√§t und ihre Anf√§lligkeit f√ľr Korruption. Zudem akzeptiert sie in hohem Ma√üe Gewaltanwendung au√üerhalb des gesetzlichen Rahmens und pers√∂nliche Bereicherung.

F√ľr die innere Sicherheit ist in Mexiko das Secretar√≠a de Seguridad P√ļblica zust√§ndig, andere Aufgaben eines normalen Innenministeriums werden hingegen vom Secretar√≠a de Gobernaci√≥n wahrgenommen. Auf den Ebenen des Bundes, der Bundesstaaten und der St√§dte und Gemeinden gab es Stand 2009 √ľber 1661 Polizeibeh√∂rden mit ca. 350.000 Mitgliedern. Die so zwischen den vielen Polizeiorganisationen verteilten und √ľberlappenden Verantwortungsbereiche, eine unzureichende Koordinierung und eine schlechte Bezahlung beg√ľnstigen die oben genannten Missst√§nde. Lediglich auf der Ebene des Bundes wurde mit der Schaffung der Polic√≠a Federal eine Zusammenfassung der verschiedenen Polizeien betrieben. Die Procuradur√≠a General de la Rep√ļblica ist f√ľr die Strafverfolgung auf Bundesebene zust√§ndig, sowie f√ľr die √úberwachung und Reform des Justizwesens und der Verfassung. Ihr steht der Generalstaatsanwalt vor, der direkt vom Staatspr√§sidenten ernannt wird und damit in einem direkten Abh√§ngigkeitsverh√§ltnis zur Exekutive steht.

Dem Secretaría de Gobernación ist das Centro de Investigación y Seguridad Nacional (CISEN) unterstellt. Er ist der Nachrichtendienst Mexikos und war in seiner Geschichte immer mehr nach innen gerichtet, denn auf äußere Gegner. Er beobachtete etwa Oppositionelle und Andersdenkende in den Jahren nach der Revolution und der Zeit der Alleinherrschaft der PRI.

Wirtschaft

Mexiko hatte 2020 ein Bruttoinlandsprodukt von 1,1 Billionen USD (2,4 Billionen USD nach Kaufkraftparit√§t). Dies war das 15. h√∂chste der Welt und das zweith√∂chste in Lateinamerika. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag auf einem vergleichbaren Level mit anderen Schwellenl√§ndern wie Brasilien, Volksrepublik China oder der T√ľrkei. Mexiko belegt momentan Rang 12 der Export-Weltrangliste, die meisten Exporte gehen in die USA. Mexikos Konjunktur ist deshalb stark von den USA abh√§ngig. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Staates misst, belegt Mexiko Platz 51 von 137 Staaten (Stand: 2017‚Äď2018). Korruption ist ein gro√ües Problem in der mexikanischen Wirtschaft.

Das Bruttoinlandsprodukt (im Jahr 2016) teilt sich auf in:

  • Landwirtschaft: 3,7 Prozent des BIP werden erwirtschaftet durch 13,4¬†Prozent der Besch√§ftigten
  • Industrie: 33,1¬†Prozent des BIP werden erwirtschaftet durch 24,1¬†Prozent der Besch√§ftigten
  • Dienstleistung: 63,2¬†Prozent des BIP werden erwirtschaftet durch 62,5¬†Prozent der Besch√§ftigten

Mexikos Wirtschaft wurde seit den 1990er Jahren stark dereguliert und privatisiert. Die Dominanz privater Firmen w√§chst st√§ndig, und die Privatisierung von Eisenbahn, See- und Flugh√§fen geht ihrem Ende entgegen, ebenso wie die weitere Privatisierung der Banken. Die Liberalisierung des Energiesektors schreitet weiter voran. In den Bereichen Telekommunikation und Petrochemie stehen noch Reformen aus. Die Maquiladora-Industrie verst√§rkte ihre Position in der mexikanischen Wirtschaft und dominiert vor allem den Textilsektor. Aufgrund der fortschreitenden Industrialisierung, g√ľnstigen Demografie, steigendem Binnenkonsum und N√§he zum US-Markt verf√ľgt Mexikos Wirtschaft √ľber betr√§chtliches Potenzial.

Es existiert ein Nord-S√ľd Gef√§lle in Mexikos. N√∂rdliche Bundesstaaten die Nahe an den USA liegen wie Nuevo Le√≥n oder Sonora sind reicher und st√§rker industrialisiert als s√ľdliche Bundesstaaten wie Chiapas, Guerrero oder Oaxaca die zu den √§rmsten Regionen Mexikos z√§hlen. Wichtigstes Wirtschaftszentrum ist allerdings mit Abstand die zentrale Region rund um die Hauptstadt Mexiko-Stadt.

Mexikaner, die im Ausland leben, √ľberwiesen 2016 √ľber 26 Milliarden US-Dollar in ihren Heimatstaat zur√ľck. Der gr√∂√üte Teil dieser √úberweisungen stammt aus den Vereinigten Staaten. R√ľck√ľberweisungen sind damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, die 2,7¬†% der Wirtschaftsleistung ausmachen.

Die Arbeitslosenquote war Jahr 2017 mit 3,9¬†% relativ niedrig. Allerdings ist eine hohe Anzahl der Arbeitskr√§fte unterbesch√§ftigt. Sch√§tzungen gehen von einer Unterbesch√§ftigungsrate von √ľber 20¬†% aus.

Quellen: CIA World Factbook, Länderinformationen des Auswärtigen Amtes zu Mexiko

Energiewirtschaft

Mexikos Energieerzeugung ist heute noch bis zu 70 Prozent vom Rohöl abhängig. Schätzungen gehen bis 2020 von einer Steigerung des Stromverbrauchs von jährlich 3,2 bis 5,6 Prozent aus.

In Mexiko liegt die Abdeckung der Stromversorgung bei 97 % (2006). In den Stadtgebieten bei fast 100 % und im ländlichen Raum bei ungefähr 95 %.

Die installierte Kapazität zur Stromerzeugung beträgt 58 GW (2008). 75,3 Prozent der installierten Kapazität sind thermisch, 19,0 % Wasserkraft, 2,4 % Kernenergie und 3,3 % Erneuerbare Energie (ausg. Wasserkraft). 2007 hat Mexiko 1,3 TWh Strom in die USA exportiert und 0,6 TWh aus den USA importiert.

2009 betrug die Bruttostromerzeugung 233,4 TWh.:

Wärmekraftwerke 41,18 %
privatwirtschaftliche Stromerzeugung 32,76 %
Wasserkraft 11,33 %
Kohlekraftwerke 7,23 %
Kernenergie 4,50 %
Geothermie 2,89 %
Windkraft 0,11 %

Der gr√∂√üte Lieferant von Ausr√ľstungen zur Energieerzeugung in Mexiko ist nach eigenen Firmenaussagen Siemens.

Mexiko hat ein hohes Potenzial f√ľr die Nutzung erneuerbarer Energien, speziell Windkraft und Solarenergie. Zwischen 2006 und 2015 will Mexiko zus√§tzliche 14,8¬†GW Strom durch Erneuerbare Energiesysteme erzeugen.

Der größte Stausee in Mexiko, der Manuel-M.-Torres-Staudamm in Chiapas, staut den Río Grijalva und ist mit einer Leistung von 2400 MW, der viertproduktivste der Welt.

Auch die Produktionsausweitung von Bioethanol als Treibstoff f√ľr Autos ist eine Option, wobei zu ber√ľcksichtigen ist, dass bereits heute nicht gen√ľgend Mais aus heimischer Produktion f√ľr die Ern√§hrung der Bev√∂lkerung zur Verf√ľgung steht. Als Rohstoff f√ľr die Bioethanolherstellung wird daher Melasse aus der Zuckerindustrie bevorzugt. Das Produktionspotenzial wird auf 56¬†Millionen Liter pro Jahr gesch√§tzt, der zuk√ľnftige Verbrauch auf 164¬†Millionen Liter.

Das staatliche Monopolunternehmen Comisi√≥n Federal de Electricidad (CFE) ist f√ľr die Erzeugung und die Verteilung der elektrischen Energie zust√§ndig.

Bodenschätze

Der Erd√∂lsektor nimmt eine zentrale Rolle f√ľr die mexikanische Wirtschaft ein. Die Einnahmen aus dem Erd√∂lexport belaufen sich auf 10¬†% der mexikanischen Exporterl√∂se.

Mexiko war 2007 der sechstgr√∂√üte Produzent von Erd√∂l weltweit mit 3,7¬†Million Barrels pro Tag und die zehntgr√∂√üte √Ėl-Exportnation. Das staatliche Erd√∂lunternehmen PEMEX ist das gr√∂√üte mexikanische Unternehmen und das gr√∂√üte Unternehmen in Lateinamerika, mit knapp 140.000¬†Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp 100 Milliarden US$ (2006).

Industrie

Die Automobilindustrie (OEM- und Zulieferindustrie) in Mexiko tr√§gt mit 3¬†% zum gesamt BIP, mit 17,3¬†% zur produzierenden Industrie und mit 21,4¬†% zu den Exporten bei und besch√§ftigt 13¬†% der Arbeiter in Mexiko (davon sind 84¬†% in der Zulieferindustrie und 16¬†% in der Kfz-Herstellung t√§tig). Sie stellt heute (2012) die gr√∂√üte Branche dar und besch√§ftigt rund eine Million Menschen. Zahlreiche Freihandelsabkommen mit 43 L√§ndern erm√∂glichen hohe Exportquoten. Der Anteil der f√ľr den Export produzierten Fahrzeuge stieg im Zeitraum von 1990 bis 2016 von 34 Prozent auf 82 Prozent. Bis 2016 erreichte die Produktion 3,3 Millionen Einheiten, was dem siebent-gr√∂√üten Produzenten weltweit entsprach.

Das Unternehmen Ford investiert 2 Milliarden US$, um das Modell Ford Fiesta in Mexiko zu produzieren. Hierdurch werden ca. 30.000 Arbeitsplätze bei Zulieferern und bei Ford selbst geschaffen.

Viele der in Mexiko produzierten Fahrzeuge werden in die USA und nach Kanada verkauft. So errichtete Toyota ein Werk ab 2004 direkt an der Grenze zu den USA, in dem 50.000 Pick-ups pro Jahr produziert werden.

General Motors de Mexico, S. de R. L. de C.V. ist mit einem Umsatz von 11,8¬†Milliarden US$ der gr√∂√üte Automobilhersteller in Mexiko und das neuntgr√∂√üte Unternehmen des Staates. General Motors ist seit 1935 in Mexiko aktiv und besitzt heute Fabriken in Toluca, Silao, Guanajuato, Ramos Arizpe, Coahuila und in Mexiko-Stadt. GM montiert in Mexiko verschiedene Modelle f√ľr den einheimischen Markt und f√ľr den Export weltweit. GM Mexiko verkauft in Mexiko die Marken Chevrolet, Pontiac, Cadillac, Saab und Fiat.

Nissan Mexicana S.A. de C.V. produziert seit 1966 Fahrzeuge und Fahrzeugteile in Mexiko und importiert Nissan-Fahrzeuge aus anderen L√§ndern (z.¬†B. aus Brasilien) f√ľr den mexikanischen Markt. Die Firma wurde 1961 gegr√ľndet, die Hauptverwaltung (ca. 450 Mitarbeiter) ist in Mexiko-Stadt.

Mit 9000 Mitarbeitern rangierte das Unternehmen 2006 an Platz 16 der größten Unternehmen Mexikos. Die Ausbringung betrug 2007 496.000 Fahrzeuge, 214.000 Fahrzeuge wurden in Mexiko verkauft (Marktanteil 19,5 %).

Volkswagen de M√©xico betreibt seit 1964 ein Fertigungswerk in Puebla, in dem ca. 15.000¬†Mitarbeiter besch√§ftigt werden. Ungef√§hr 80¬†% der dort im Jahr 2008 produzierten 450.000¬†Fahrzeuge werden exportiert. Planziel f√ľr 2012 sind 600.000 Fahrzeuge. In dem Werk wurde noch bis 2003 der VW K√§fer gebaut.

Das 1906 gegr√ľndete Unternehmen Cemex ist ein global operierender Baustoffhersteller, vor allem von Transportbeton, und einer der gr√∂√üten Zementhersteller der Welt (Jahresumsatz ca. 13 Milliarden US-Dollar; Stand Ende 2017). Neben den beiden Hauptgesch√§ftsbereichen Zement und Beton betreibt die Cemex weltweit noch fast 400¬†Abbaust√§tten von mineralischen Rohstoffen wie Sand, Kies und Bruchstein. Des Weiteren werden Zementklinker und Betonfertigteile produziert. Die monopol√§hnliche Stellung des Unternehmens f√ľhrte zu einem Zementpreis, der doppelt so hoch wie in den USA ist.

Landwirtschaft

Der Beitrag der Landwirtschaft zum BIP Mexikos ist in den vergangenen Jahren stetig zur√ľckgegangen und betr√§gt jetzt (2006) 3,9¬†%, w√§hrend der Beitrag 1980 noch 7¬†% betrug und 25¬†% im Jahr 1970.

Trotzdem sind noch 18¬†% der Besch√§ftigten in der Landwirtschaft t√§tig (2003), von denen viele im Rahmen der Subsistenzwirtschaft Nahrungsmittel f√ľr den eigenen Bedarf produzieren.

Im Norden Mexikos hat sich seit der Conquista mit der Einf√ľhrung von Schafen und Ziegen eine halbsesshafte Form der Transhumanz (Fernweidewirtschaft) entwickelt, bei der je nach Regen- und Trockenzeit zwischen den Weidegr√ľnden auf dem Hochland und an den H√§ngen der Sierra gewechselt wurde. Dabei legen die Hirten oft Hunderte von Kilometern durch zum Teil kaum zug√§ngliches Gel√§nde zur√ľck.

Landwirtschaftliche Produkte

Obwohl Mais das typische Grundnahrungsmittel in Mexiko ist, liegt der Schwerpunkt der Landwirtschaft in Mexiko im Gartenbau, S√ľdfr√ľchte und Gem√ľse. Im Zuge der Realisierung des Freihandelsabkommens NAFTA wurde allgemein erwartet, dass sich viele der mexikanischen Maisanbauer arbeitsintensiveren Produkten zuwenden w√ľrden, z.¬†B. Obst, N√ľsse, Gem√ľse, Kaffee und Zuckerrohr.

Allerdings wurde Mexiko mit hochsubventionierten US-amerikanischen Landwirtschaftsprodukten und Fleisch √ľberschwemmt, dessen Preis 20 Prozent unter den Produktionskosten liegt, w√§hrend in Mexiko Subventionen gestrichen wurden. War Mexiko zu Beginn der 1990er Jahre noch weitestgehend ein Selbstversorger mit Mais, so mussten viele kleinb√§uerliche Betriebe aufgeben und die Agrarimporte stiegen. Die vielen Landlosen konnten nicht in den neu entstandenen Zulieferindustrien absorbiert werden. Mexiko muss heute 60 Prozent seines Weizen- und 70 Prozent seines Reisbedarfs importieren.

Auf circa 160.000 kleinen und mittelgro√üen Farmen wird Zuckerrohr in 15¬†Staaten Mexikos angebaut. Die Anbaufl√§che betr√§gt ca. 700.000¬†ha mit einem Zuckerrohrertrag von etwa 72¬†t/ha. Zurzeit sind 57¬†Zuckerfabriken in Betrieb. Die mexikanische Zuckerindustrie ist gekennzeichnet durch hohe Produktionskosten und einen R√ľckstand bei den Investitionen. Die Zuckerproduktion Mexikos ist gr√∂√üer als der Inlandsverbrauch. 2005 stand Mexiko mit einer Produktion von 45.127.000¬†t an Platz 6 der wichtigsten Zuckerrohr produzierenden L√§nder.

Tourismus

Der Tourismus ist von steigender Bedeutung f√ľr Mexikos Wirtschaft. 2016 wurde der Staat von √ľber 35 Millionen Touristen besucht. Die Tourismuseinnahmen beliefen sich im selben Jahr auf 39,7 Mrd. US-Dollar. H√§ufig besuchte Touristenziele im Staat sind¬†die St√§tten von Chich√©n Itz√°, die Altstadt von Mexiko-Stadt und die extra f√ľr den Tourismus errichtete Stadt Canc√ļn. Der Staat besitzt insgesamt 35 UNESCO-Welterbest√§tten, womit es weltweit den 7. Rang einnimmt. Die gr√∂√üte Gruppe an ausl√§ndischen Touristen kommt aus den benachbarten Vereinigten Staaten.

Außenhandel

Mittlerweile hat Mexiko 32¬†Freihandelsabkommen mit √ľber 40¬†L√§ndern unterzeichnet, unter anderem mit der EU (seit 2000), Japan, Guatemala, Honduras und El Salvador. Seit dem 1. Januar 1994 ist Mexiko Mitglied des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA). In den ersten Jahren nach dessen Inkrafttreten hatte sich die wirtschaftliche Situation des Staates nur unwesentlich verbessert. Seit Beginn des Freihandels sind die Ausfuhren bis heute um das Dreifache gestiegen, und mittlerweile entfallen 90¬†Prozent der mexikanischen Exporte auf Freihandelsabkommen.

Allein die USA nehmen 80¬†Prozent der Exporte Mexikos ab. 80 Prozent der Exporte entfallen auf Industrieerzeugnisse, 15,6¬†Prozent auf Roh√∂l und Raffinerieprodukte sowie 3¬†Prozent auf landwirtschaftliche Erzeugnisse. Der h√∂chste Zuwachs wird bei den Erd√∂lausfuhren verzeichnet. Bedingt durch die stark gestiegenen √Ėlpreise konnte ein Wachstum von 27,3¬†Prozent verzeichnet werden. Jedoch gelang es, in den vergangenen Jahren, den Export zu diversifizieren. So haben die Automobilindustrie, Elektronik, der Tourismus und die Maquila-Fabriken in zollfreien Zonen an Bedeutung zugenommen.

Wirtschaftskennzahlen

Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt, Inflation, Haushaltssaldo und Außenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaßen:

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 255,9 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 224,3 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 3,0¬†% des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug 2016 607 Mrd. US-Dollar oder 58,1¬†% des BIP. Von der amerikanischen Ratingagentur Standard & Poor‚Äôs werden die Staatsanleihen des Staates mit der Note BBB+ bewertet (Stand: November 2018). Der Staat gilt damit als Schuldner mittlerer G√ľte.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 6,6¬†%
  • Bildung: 5,2¬†% (2015)
  • Milit√§r: 0,5¬†%

Verkehrswesen

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die Qualität der Infrastruktur misst, belegte Mexiko 2018 den 51. Platz unter 160 Ländern. Von allen Ländern in Lateinamerika belegt Mexiko damit den dritten Platz hinter Chile und Panama.

Straßenverkehr

Der Hauptpersonen- und G√ľterverkehr in Mexiko findet im Stra√üen- und Autobahnnetz statt. 2012 hatte das Stra√üensystem des Staates eine L√§nge von 377.660 km. Im selben Jahr betrug die L√§nge des Autobahnnetz 7176 km.

Bei der Verkehrssicherheit liegt der Staat im weltweiten Mittelfeld. 2013 kamen in Mexiko insgesamt 6,1 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Insgesamt kamen damit 15.000 Personen im Straßenverkehr ums Leben. Der Staat hat eine im weltweiten Vergleich relativ fortgeschrittene Motorisierungsrate. 2010 kamen im Staat 275 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner.

Schienenverkehr

Luftverkehr

Mexiko hat ein fl√§chendeckendes Netz von modernen Flugh√§fen im Staat. Das System gilt als sicher und zuverl√§ssig. Die Flughafen-Infrastruktur gilt als fortgeschrittenste in Lateinamerika. Jede Metropolregion mit √ľber 500.000¬†Einwohnern hat einen internationalen Flughafen. In Mexiko gibt es 1834 Flugpl√§tze, die drittgr√∂√üte Anzahl aller Staaten weltweit.

Die sieben größten Flughäfen des Staates bedienen 90 % des Verkehrsaufkommens (Reihenfolge nach Flugverkehr):

  1. Internationaler Flughafen der Stadt Mexiko 'Benito Ju√°rez'
  2. Internationaler Flughafen von Canc√ļn
  3. Internationaler Flughafen Don Miguel Hidalgo und Costilla (Guadalajara)
  4. Internationaler Flughafen General Mariano Escobedo (Monterrey)
  5. Internationaler Flughafen General Abelardo L. Rodríguez (Tijuana)
  6. Internationaler Flughafen General Juan N. √Ālvarez (Acapulco)
  7. Internationaler Flughafen General Heriberto Jara Corona (Veracruz)
  8. Internationaler Flughafen Licenciado Gustavo Díaz Ordaz (Puerto Vallarta).

Alle Flughäfen sind in Privatbesitz, mit Ausnahme des Internationalen Flughafens der Stadt Mexiko. Dieser Flughafen ist der größte in Lateinamerika (weltweit Platz 44), dabei befördert er ungefähr 26 Millionen Passagiere jährlich.

In Mexiko gibt es mehr als 70 Fluglinien. Die größte Fluggesellschaft ist Aeroméxico. Kleinere Fluggesellschaften sind Aeroméxico Connect (Aeroméxicos regionale Tochtergesellschaft), Volaris, Interjet, Aeromar, Viva Aerobus, Magnicharters und Republicair.

Einige ehemals bekannte Fluggesellschaften haben in den letzten Jahren ihren Betrieb eingestellt: Aviacsa (2009), Mexicana de Aviación samt Tochtergesellschaft Click Mexicana (2010).

Mexiko und die USA haben 2105 eine Vereinbarung der open skies getroffen. Diese erlaubt jetzt auch Billigfluggesellschaften, Direktfl√ľge zwischen mexikanischen und US-amerikanischen St√§dten herzustellen. Diese Vorgehensweise soll den Luftverkehr in Nordamerika durch Direktverbindungen kleiner St√§dte und Umgehung der Luftfahrtdrehkreuze dezentralisieren.

Schifffahrt

Mexiko hat 67 Seehäfen und 10 Binnenhäfen.

Kultur

Kunst

Die Kunst in Mexiko ist gepr√§gt vom R√ľckgriff auf pr√§kolumbianische Traditionen und den Einfluss der spanischen Eroberer. Obwohl die Spanier gewaltsam mit hohen Repr√§sentanten der indianischen Macht brachen, blieb ein starker Bezug auf die vorkoloniale Kunst vorhanden. Dar√ľber hinaus fanden in Mexiko-Stadt unter der Regierung des Vizek√∂nigs Maskenumz√ľge statt, die die Erinnerung an die aztekische Dynastie aufrechterhalten sollte. Die traditionellen Kunstformen wurden dabei auch mit neuen Motiven verkn√ľpft. So entstanden etwa Federbilder mit Marien-Darstellungen, die auf den von den Spaniern eingef√ľhrten christlichen Glauben Bezug nahmen. Die gesamte Federkunst, die zuvor nur dem Adel zustand, erlebte eine Umdeutung in das Christliche und wurde etwa f√ľr Bischofskappen und Altardecken verwandt, wobei aber traditionelle aztekische Farbbedeutungen beibehalten wurden. Bis in das 19. Jahrhundert hinein war P√°tzcuaro ein Zentrum der Federverarbeitung mit bedeutenden kunsthandwerklichen Einrichtungen. Ein weiteres Feld der Bilddarstellung mit traditionellen Grundlagen waren Karten und genealogische Darstellungen. Dabei zeigten sich in den Karten etwa Verbindungen der aus Europa stammenden Form der Kartografie mit mexikanischen Glyphen.

W√§hrend des 19. Jahrhunderts reisten europ√§ische K√ľnstler nach Mexiko und stellten den Staat in seiner Vielfalt k√ľnstlerisch dar. Der bedeutendste von ihnen war wohl Johann Moritz Rugendas, der Landschaften, Genreszenen und Studien der Natur und der Bev√∂lkerung anfertigte. Eine Bl√ľte erlebte die mexikanische Kunst in der Zeit infolge der mexikanischen Revolution. K√ľnstler wie David Alfaro Siqueiros, Jos√© Clemente Orozco und Juan O‚ÄôGorman besch√§ftigten sich in ihrem Werk mit der Revolution und sozialen Fragen sowie der mexikanischen Geschichte bis hinein in die pr√§kolumbianische Zeit. Die ber√ľhmtesten mexikanischen K√ľnstler sind bis heute Diego Rivera und Frida Kahlo. Diego Rivera begr√ľndete zusammen mit anderen den Muralismus, die Kunstform monumentaler √∂ffentlicher Wandgem√§lde, die in Mexiko weite Verbreitung fand und heute an vielen √∂ffentlichen Geb√§uden und auch in anderen Staaten Lateinamerikas und in den USA zu sehen ist. Bedeutende Murales von Rivera finden sich etwa im Palacio National und zeigen Ereignisse der mexikanischen Geschichte. Die zeitgen√∂ssische Kunst in Mexiko setzt sich vor allem mit gesellschaftlichen Themen wie Gewalt und Kriminalit√§t auseinander. Beispielhafte Vertreter sind Teresa Margolles, Daniel Guzm√°n und Eduardo Abaroa.

Architektur

Der weltweit bekannteste mexikanische Architekt der Moderne ist Luis Barrag√°n.

Literatur

Musik

Popul√§re Musik in Mexiko besteht aus einer breiten Palette von musikalischen Stilen und Genres. Sie hat ihren Ursprung in der pr√§kolumbianischen und europ√§ischen, vorwiegend spanischen Kultur. Wichtigste Stilrichtungen sind der mexikanische Son und der Corrido, die bereits im 18. Jahrhundert gespielt wurden. Elemente des Corrido finden sich auch im Narcocorrido, der seit Anfang des 21. Jahrhunderts die typische mexikanische Volksmusik verk√∂rpert. Der Ranchera entstand in der Zeit der mexikanischen Revolution zu Anfang des 20. Jahrhunderts und fand seine Auspr√§gung als Norte√Īa im Norden Mexikos. In den 1920er Jahren wurden die urspr√ľnglich aus Kuba stammenden Tanzstile Bolero und Danz√≥n zu eigenst√§ndigen Formen weiterentwickelt. Agust√≠n Lara, ein Sch√∂pfer des mexikanischen Bolero, komponierte auch den Soundtrack zum ersten mexikanischen Tonfilm Santa von 1932. Weltweit bekannte Volkslieder sind: B√©same mucho (Bolero), Cielito lindo (Ranchera), El Rey (Ranchera), Granada (Bolero), La Bamba (Volkslied), La Cucaracha (Corrido), Las ma√Īanitas (Volkslied), M√©xico Lindo y Querido (Ranchera), Solamente una vez (Bolero), Somos Novios (Bolero).

Eine Musikgruppe, welche die verschiedensten Stile der traditionellen Musik spielt, wird als Mariachi bezeichnet. Die Mariachi-Musik wurde 2011 von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Urvater der mexikanischen Rockmusik (rock nacional) ist Carlos Santana, der in den 1960er Jahren den Latin Rock kreierte. Weitere bekannte Popmusiker aus Mexiko sind: Maná, Luis Miguel, Alejandro Fernández, Thalía, Marco Antonio Solís, Pepe Aguilar, Paulina Rubio, Angelica Maria, Alejandra Guzmán, Gloria Trevi und Cristian Castro.

Im Bereich klassische Musik wurde die erste mexikanische Oper La Part√©nope, komponiert von Manuel de Sumaya, 1711 uraufgef√ľhrt. Im 19. Jahrhundert war der Walzer popul√§r und mexikanische Komponisten (Ernesto Elorduy, Juventino Rosas, Felipe Villanueva) schufen eine eigenst√§ndige mexikanische Form. Das mexikanische Symphonieorchester Orquesta Sinf√≥nica Mexicana wurde 1928 von Carlos Ch√°vez gegr√ľndet. Zu den international anerkanntesten Ten√∂ren der Gegenwart geh√∂rt der in Mexiko geborene Rolando Villaz√≥n.

Film

Die Geschichte des Films in Mexiko begann im Januar 1895 mit dem Kinetoskop und im August 1896 mit dem Cin√©matographe. In der Folge entwickelte sich eine eigene mexikanische Stummfilmproduktion. Die meisten dieser Filme sind jedoch verschollen beziehungsweise haben sich nicht erhalten. Infolge des Wandels zum Tonfilm wuchs die Filmindustrie und nahm an Bedeutung zu. Dabei gab es erstmals international bekannte Stars wie die Schauspielerin Dolores del R√≠o, die auch in den Vereinigten Staaten von Amerika drehte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis in den Anfang der 1950er Jahre erlebte der mexikanische Film sein ‚ÄěGoldenes Zeitalter‚Äú. Es drehte unter anderem Luis Bu√Īuel in dieser Zeit Filme, die international erfolgreich waren, sowohl beim Publikum als auch auf Festivals. Ein Beispiel daf√ľr ist etwa Bu√Īuels Film Die Vergessenen (Los Olvidados) aus dem Jahr 1950. √Ąhnliche Erfolge gelangen auch anderen Regisseuren und auch Schauspieler konnten internationalen Ruhm erlangen. Mit dem Ende dieser √Ąra begann ein langer Zeitraum, in dem eher billige Produktionen mit thematischen Fokus auf Action, Gewalt und Erotik dominierten und internationale Erfolge ausblieben. Dies ver√§nderte sich erst mit dem Ende der 1980er und dem Beginn der 1990er Jahre. Es kam ein neuer mexikanischer Film auf, der mit qualitativ hochwertigen Filmen wie etwa Bitters√ľ√üe Schokolade (Como aguapara chocolate) aus dem Jahr 1992, der in den USA einer der erfolgreichsten ausl√§ndischen Filme des Jahres war, wieder an erfolgreichere Zeiten ankn√ľpfen konnte. Der Trend zu hochwertigen mexikanischen Filmen, die international Interesse auf sich ziehen konnten, setzte sich fort. Nach der Jahrtausendwende konnten etwa Amores Perros und Y Tu Mam√° Tambi√©n ‚Äď Lust for Life (Y Tu Mam√° Tambi√©n) internationale Preise und ebenso fremdsprachiges Publikum f√ľr sich gewinnen. Zudem etablierten sich auch mexikanische Filmschaffende international. So konnte etwa Guillermo del Toro auch in Hollywood als Regisseur Fu√ü fassen.

Medien

Die Medienlandschaft Mexikos war lange Zeit und ist bis heute politisch dominiert. Zwar sind die Medien mehrheitlich privatisiert und eine direkte Zensur bestand nicht, dennoch gab es keine freie Berichterstattung. Die politischen Eliten und Teile der Unternehmerschaft nahmen und nehmen zum Teil gro√üen Einfluss auf die Berichterstattung. So gab es √ľber lange Zeit das staatliche Papiermonopol, Subventionen, Vermischung von Nachrichten mit Kommentaren und Werbung, bestellte Berichterstattung und platzierte Informationen und Bilder. Dabei wirkte auch die schlechte Bezahlung von Journalisten f√∂rderlich, die etwa f√ľr Korruption und Bezahlung von staatlichen Stellen und Unternehmen anf√§llig waren und sind. Firmen wie PEMEX, der Pr√§sident, staatliche Beh√∂rden sowie die der L√§nder und Gemeinden, die Partido Revolucionario Institucional und ihre Unterorganisationen sowie weitere Parteien und Organisationen unterhielten und unterhalten teils lang andauernde Beziehungen zu bestimmten Journalisten, die sie mit Informationen versorgten und deren Berichterstattung dementsprechend gesteuert ausfiel. Noch in den 1990er und 2000er Jahren wurden die Netzwerke zwischen PRI und Journalisten dazu genutzt, PAN- oder PRD-gef√ľhrte Regierungen und Gouverneure auf L√§nderebene zu diskreditieren.

Es gab aber auch Journalisten, die die Missst√§nde des Systems thematisierten und etwa auf Verletzungen der Menschenrechte und M√§ngel des Rechtsstaats hinwiesen. Diese wurden oftmals Opfer staatlicher Repression. In den 1990er-Jahren kam es in Nachfolge der Wochenzeitschrift Proceso, die von Julio Scherer Garc√≠a herausgegeben wurde, zu einem Aufschwung des investigativen Journalismus und zur Neugr√ľndung von Printmedien in Nordmexiko und Mexiko-Stadt. Insgesamt spielen Zeitungen in Mexiko aber nur eine untergeordnete Rolle, da sie f√ľr die Mehrheit der Menschen zu teuer sind und damit nur eine geringe Reichweite haben. Von den 300 Zeitungen, von denen 35 in Mexiko-Stadt erscheinen, ist die Reforma mit 186.000 Exemplaren die gr√∂√üte, gefolgt von El Universal mit 139.000, Ex√©lsior mit 112.000 und La Jornada mit 82.000 Exemplaren.

Das Verh√§ltnis von Staat und Medien ist in Mexiko nur schwach reglementiert. Das Ley Federal de Radio y Televisi√≥n stammt aus dem Jahr 1960, als statt Gesetze eher nicht niedergeschriebene Vereinbarungen bestimmend waren. Dieses Mediengesetz entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen, ein neues Gesetz, das den Medienmarkt regulieren, Monopole bek√§mpfen und den Einfluss der Werbeindustrie begrenzen w√ľrde, liegt seit 2002 dem Parlament vor, wurde aber noch nicht verabschiedet. Die Gesetzesinitiative geht auf Forderungen aus den 1970er Jahren zur√ľck und soll zur Einrichtung eines unabh√§ngigen Medienrates f√ľhren, zur St√§rkung von nicht-kommerziellen Kan√§len bei der Vergabe von Lizenzen und zur Legalisierung freier Radiosender. Trotz der Ver√§nderungen im politischen Machtgef√ľge konnte das Gesetz bis jetzt nicht gegen die schweigenden Mehrheiten in der PRI und der PAN durchgesetzt werden. Es sind rund 2000 Lizenzen f√ľr elektronische Medien von der mexikanischen Regierung vergeben worden. 80 Prozent von ihnen werden kommerziell betrieben. Es gibt eine erhebliche Konzentration im Fernsehmarkt. Televisa hat einen Marktanteil von rund 50 Prozent, TV Azteca rund 30 Prozent. Der Rest entf√§llt auf regionale Sender. Die beiden gro√üen Sendergruppen entfalten ihren Einfluss √ľber auch international erfolgreich vermarktete Programme wie etwa Telenovelas. Televisa gilt als einer der einflussreichsten Medienkonzerne der Welt. In letzter Zeit investierte die Regierung verst√§rkt in die √∂ffentlichen Programme. So wird die Reichweite der von der Universidad Nacional Aut√≥noma de M√©xico und dem Instituto Polit√©cnico Nacional betriebenen Radio- und Fernsehprogramme erweitert.

2017 wurden elf Journalisten in Mexiko getötet. Laut dem Bericht von Reporter ohne Grenzen steht der Tod der Opfer in direktem Zusammenhang mit deren journalistischen Tätigkeit.

2019 nutzten 70 Prozent der Einwohner Mexikos das Internet.

K√ľche

Die mexikanische K√ľche zeichnet sich durch die Synthese von aztekischen und spanisch-kolonialen, im S√ľden auch Maya-Traditionen aus. Regional gibt es in Mexiko gro√üe Unterschiede zwischen K√ľste und zentralem Hochland, chiliverliebtem S√ľden und rindfleischorientiertem Norden.

Die wichtigste Mahlzeit am Tag ist das Mittagessen, entsprechend lang ist auch die Mittagspause eines √ľblichen Arbeitstages. Abends wird dann meist nur noch ein kleiner Imbiss verzehrt, ein paar Fr√ľchte, ein Taco oder √§hnliches. In einem hei√üen, tropischen Staat mit gro√üenteils √ľppiger Vegetation spielen Fr√ľchte und bestimmte Gem√ľsesorten eine dominante Rolle.

F√ľr Mexiko typisch sind die Tortillas, die zu jedem Essen dazugeh√∂ren. Normalerweise sind auch Chilis oder Chilisaucen auf dem Tisch, deren Sch√§rfe h√∂chst unterschiedlich sein kann. Der sch√§rfste Chili ist der Chile Habanero, ein meist gr√ľner, etwa drei Zentimeter gro√üer Vertreter seiner Gattung. Weitaus milder ist der Chile Jalape√Īo, der in Scheiben geschnitten in den traditionellen Restaurants zum Essen serviert wird.

Eine in Mexiko ebenfalls beliebte Speise sind die sogenannten Churros. Es handelt sich hierbei um l√§ngliche, frittierte Teigst√ľcke, die traditionell mit Zucker oder Schokolade serviert werden.

Trinkwasser wird meist in Flaschen oder Kanistern verkauft, da Leitungswasser h√§ufig nicht zum Trinken geeignet ist. Gerne getrunken wird die von den Spaniern eingef√ľhrte Horchata, ein s√ľ√üliches Reis/Zimt-Getr√§nk, das gek√ľhlt serviert wird. Die √ľblichen alkoholischen Getr√§nke sind Bier, Tequila, Mezcal und Pulque.

Das mexikanische Essen erfreut sich in den letzten Jahrzehnten wachsender Beliebtheit und einige Gerichte z√§hlen bereits, √§hnlich der Italienischen K√ľche, zu den international bekanntesten.

Sport

Die mexikanische Nationalsportart ist Charrer√≠a und ist vor allem im Norden des Staates verbreitet. Der Sport basiert auf den T√§tigkeiten des Charro und besteht aus verschiedenen Punktwettbewerben, womit er dem Rodeo √§hnelt. Eine weitere traditionelle Sportart, die von den Spaniern in Mexiko eingef√ľhrt wurde, ist der Stierkampf. Andere popul√§re und verbreitete Sportarten in Mexiko sind Fu√üball, Boxen, Baseball und Basketball. Speziell ist auch das mexikanische Show-Wrestling, das unter dem Namen Lucha Libre bekannt ist. Der Fu√üball in Mexiko ist auf Vereinsebene in einem nationalen Ligasystem organisiert. Die oberste Spielklasse ist die 1943 gegr√ľndete Primera Divisi√≥n. Zurzeit spielen in ihr 18 Mannschaften, der Meister wird im Playoff-System aus acht Mannschaften ermittelt. Die erfolgreichste Mannschaft ist Club Am√©rica aus Mexiko-Stadt mit zw√∂lf Meistertiteln, gefolgt vom Deportivo Guadalajara mit elf und Deportivo Toluca mit zehn Titeln. Mexiko richtete die Fu√üball-Weltmeisterschaft 1970 und die Fu√üball-Weltmeisterschaft 1986 aus, wobei beide Finalspiele im Aztekenstadion, dem aktuell drittgr√∂√üten Fu√üballstadion der Welt, stattfanden. Die mexikanische Fu√üballnationalmannschaft nahm an 15 von 20 m√∂glichen WM-Endrunden teil und geh√∂rt damit neben Argentinien und Brasilien zu den erfolgreichsten amerikanischen Nationalmannschaften. Die kontinentale Meisterschaft der Fu√üballverb√§nde Nord- und Mittelamerikas und der Karibik konnte Mexiko bereits zehn Mal gewinnen. International bekannte Fu√üballer aus Mexiko sind etwa Hugo S√°nchez, Rafael M√°rquez, Ricardo Osorio, P√°vel Pardo und Javier Hernandez (Chicharito).

Die Anf√§nge des Baseball in Mexiko liegen in den 1870er Jahren. Die h√∂chste Liga ist die Liga Mexicana de B√©isbol, die 1925 gegr√ľndet wurde und die h√∂chste Klassifizierung der Major League Baseball besitzt, womit sie als eine der besten Ligen weltweit gilt. In ihr spielen derzeit 16 Mannschaften, der Rekordmeister ist Diablos Rojos del M√©xico aus Mexiko-Stadt. √úber 100 Spieler haben es in die amerikanisch-kanadische Major League Baseball geschafft, darunter Spieler wie Fernando Valenzuela, Vinny Castilla und Aurelio Rodr√≠guez. Die Nationalmannschaft konnte bei vier Panamerikanischen Spielen Bronzemedaillen gewinnen.

Die h√∂chste Basketball-Liga in Mexiko ist die Liga Nacional de Baloncesto Profesional, die im Jahr 2000 gegr√ľndet wurde und derzeit 24 Mannschaften umfasst. Boxen ist eine weitere popul√§re und erfolgreiche Sportart, da mexikanische Boxer einige Weltmeistertitel und Olympiamedaillen erk√§mpfen konnten. Zu den Boxern aus Puerto Rico besteht traditionell eine besondere Rivalit√§t. Von 1962 bis 1970, von 1986 bis 1992 und seit 2015 findet der Gro√üe Preis von Mexiko im Rahmen der Formel 1 statt. Aufgrund ihrer Erfolge ist die Golferin Lorena Ochoa ‚Äď die seit 2007 die LPGA Tour anf√ľhrt ‚Äď sehr popul√§r.

Mexiko richtete die Olympischen Sommerspiele 1968 in Mexiko-Stadt aus. Es war bis 2016 der einzige lateinamerikanische Gastgeberstaat, bis die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro stattfanden. In Mexiko-Stadt nahmen 112 Nationen mit insgesamt 5516 Sportlern teil, es gab 172 Wettbewerbe in 20 Sportarten. Herausragend waren der Weltrekord im Weitsprung von Bob Beamon und der Fosbury-Flop im Hochsprung. Insgesamt wurden bei diesen Spielen besonders viele Rekorde aufgestellt. Mexikanische Athleten gewannen bei Olympischen Spielen bisher 55 Medaillen, womit Mexiko den 39. Rang des ewigen Medaillenspiegels einnimmt. Die Medaillen konnten dabei in verschiedensten Sportarten wie Reiten, Wasserspringen, Schwimmen, Boxen, Polo und Fechten gewonnen werden.

Feiern und Feste

Literatur

B√ľcher

  • Bernecker, Braig, H√∂lz, Zimmermann (Hrsg.): Mexiko heute. Politik, Wirtschaft, Kultur. Vervuert, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-86527-140-5.¬†
  • Marianne Braig, Markus-Michael M√ľller: Das politische System Mexikos. In: Klaus St√ľwe, Stefan Rinke: Die politischen Systeme in Nord- und Lateinamerika. Eine Einf√ľhrung. VS Verlag f√ľr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-14252-4, S. 389‚Äď416.
  • Frank Jacob, Riccardo Altieri (Hrsg.): Das Moderne Mexiko. Von Unabh√§ngigkeitskampf und Revolution. ALTIJA (Eigenverlag), New York 2016.
  • J√ľrgen Neubauer: Mexiko. Ein L√§nderportr√§t. Ch. Links, Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-667-3.
  • William H. Prescott: History of the Conquest of Mexico. Continuum, London/ New York 2009, ISBN 978-1-4411-4699-1.
    • deutsch: Die Eroberung von Mexiko. Der Untergang des Aztekenreiches. Parkland, K√∂ln 2000, ISBN 3-88059-993-9.
  • John Ross: Mexiko. Geschichte-Gesellschaft-Kultur. Unrast, M√ľnster 2004, ISBN 3-89771-018-8.¬†
  • Stefan Rinke: Conquistadoren und Azteken. Cort√©s und die Eroberung Mexikos. C.H. Beck, M√ľnchen 2019, ISBN 978-3-406-73399-4.

Hörbuch

  • Antje Hinz: Mexiko h√∂ren: Reise durch die Geschichte und Kultur. Silberfuchs-Verlag, Hamburg 2012, ISBN 978-3-940665-30-0.

Weblinks

  • Offizielle Website der mexikanischen Regierung (spanisch)
  • Offizielle Website der mexikanischen Pr√§sidentschaft (spanisch)
  • L√§nderinfos des Ausw√§rtigen Amts
  • Deutsche Botschaft in Mexiko (deutsch und spanisch)
  • Karsten Bechle: Mexiko - DOSSIER Innerstaatliche Konflikte. Bundeszentrale f√ľr politische Bildung, 9.¬†Dezember 2020, abgerufen am 25.¬†Januar 2021.¬†
  • Maps of Mexico ‚Äď Online-Landkarten und -Stadtpl√§ne von Mexiko
  • L√§nderprofil des Statistischen Bundesamtes

Einzelnachweise


 

Region Regionen (32)

Bezeichnung der Regionen: Bundesstaat
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Aguascalientes 22.465 21.67 -102.856 -101.845  
Baja California 32.713 27.999 -118.407 -112.541  
Baja California Sur 28.001 22.869 -115.754 -109.407  
Campeche 20.824 17.802 -92.485 -89.014  
Chiapas 17.994 14.546 -94.125 -90.381  
Chihuahua 31.778 25.62 -109.154 -103.311  
Coahuila 29.894 24.565 -103.963 -99.807  
Colima 19.537 18.324 -114.799 -103.478  
Distrito Federal 19.571 19.058 -99.335 -98.939  
Durango 26.839 22.319 -107.126 -102.49  
Guanajuato 21.873 19.905 -102.1 -99.707  
Guerrero 18.871 16.322 -102.18 -98.002  
Hidalgo 21.399 19.586 -99.844 -98  
Jalisco 22.772 18.954 -105.683 -101.521  
Mexico 20.2845947 18.3661308 -100.612845 -98.5963151  
Michoac√°n 20.403 17.923 -103.749 -100.123  
Morelos 19.1321978 18.3315949 -99.4939423 -98.6327839  
Nayarit 23.037 20.698 -106.69 -103.945  
Nuevo Le√≥n 27.794 23.19 -101.216 -98.446  
Oaxaca 18.669 15.647 -98.553 -93.865  
Puebla 20.8394022 17.8620784 -99.0696795 -96.7245851  
Quer√©taro 21.646 19.938 -100.569 -99.042  
Quintana Roo 21.623 17.889 -89.415 -86.701  
San Luis Potos√≠ 24.565 21.174 -102.3 -98.348  
Sinaloa 27.077 22.449 -109.441 -105.389  
Sonora 32.499 26.237 -115.04 -108.466  
Tabasco 18.664 17.252 -94.137 -90.992  
Tamaulipas 27.67 22.22 -100.126 -97.139  
Tlaxcala 19.731 19.106 -98.709 -97.613  
Veracruz 22.4713574 17.1358945 -98.6800915 -93.6077423  
Yucat√°n 21.616 19.651 -90.442 -87.525  
Zacatecas 25.166 21.042 -104.33 -100.828  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

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Flagge: Mexico

Name englisch: Mexico
Hauptstadt: Mexico City
Kfz: MEX
ISO: MX
ISO3: MEX
Fläche: 1972550 km²
Tld: .mx
Wärung Einheit: MXN
Währung: Peso
Vorwahl: 52

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 32.7187631
südlichster Punkt: 14.534548
westlichster Punkt: -118.364313
östlichster Punkt: -86.7105711


 
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