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Staat Informationen : Pakistan

Informationen:


Pakistan (Urdu ÙŸŰ§Ú©ŰłŰȘŰ§Ù†  [paːkÉȘstÌȘaːnÌȘ], amtlich: Islamische Republik Pakistan) ist ein Staat in SĂŒdasien. Er grenzt im SĂŒdwesten an Iran, im Westen an Afghanistan, im Norden an die Volksrepublik China sowie im Osten an Indien. Im SĂŒden hat Pakistan Anteil an der KĂŒste des Arabischen Meeres, eines Nebenmeeres des Indischen Ozeans.

Der Staat Pakistan entstand 1947 aus den mehrheitlich muslimischen Teilen Britisch-Indiens, wĂ€hrend die Gebiete mit hinduistischer oder sonstiger Bevölkerungsmehrheit sowie der grĂ¶ĂŸte Teil des ĂŒberwiegend muslimischen Kaschmir im heutigen Indien aufgingen. 1956 rief sich Pakistan zur ersten Islamischen Republik der Welt aus. Der ehemalige Landesteil Ostpakistan ist seit dem Bangladesch-Krieg von 1971 als Bangladesch unabhĂ€ngig. Pakistans jĂŒngere Geschichte ist vor allem von seinem Konflikt mit Indien um die Region Kaschmir geprĂ€gt (siehe Kaschmir-Konflikt).

Heute wird Pakistan von chronischer InstabilitĂ€t geplagt. Ethnisch-religiöse Konflikte, Korruption, Terrorismus und politische DysfunktionalitĂ€t sind Probleme des Landes, auch wenn in den letzten Jahren leichte Fortschritte erzielt werden konnten. Das Land ist einer der Ă€rmsten und am wenigsten entwickelten Staaten Asiens. Gleichzeitig verfĂŒgt es ĂŒber Atomwaffen und besitzt die sechstgrĂ¶ĂŸte Armee der Welt. Pakistan erbrachte 2020 die fĂŒnfundvierzigst- bzw. vierundzwanzigstgrĂ¶ĂŸte Wirtschaftsleistung (nominell bzw. kaufkraftbereinigt) und hat eine wachsende Mittelschicht.

Etymologie

Die UrsprĂŒnge des Namens „Pakistan“ sind umstritten. Auf Persisch und Urdu bedeutet er „Land der Reinen“ (pāk „rein im Geiste“; stān „Land“). Allerdings gab Choudhary Rahmat Ali, der einer der wichtigsten Verfechter der Schaffung eines unabhĂ€ngigen Muslimstaates auf dem Subkontinent war und als Schöpfer des Landesnamens gilt, dem Namen „Pak(i)stan“ am 28. Januar 1933 in seinem Aufsatz Now or Never („Jetzt oder Nie“) eine andere Deutung. Er sollte die Heimat der nordindischen Muslime bezeichnen – als Akronym fĂŒr Punjab, Afghania (das heutige Khyber Pakhtunkhwa), Kaschmir, Sindh und Belutschistan. Nach manchen Quellen steht das i fĂŒr Indus, Iran, oder wurde der einfacheren Aussprache wegen eingefĂŒgt.

Geographie

Pakistan erstreckt sich zwischen dem 24. und 37. nördlichen Breitengrad sowie zwischen dem 61. und 77. östlichen LĂ€ngengrad auf einer FlĂ€che von 796.095 Quadratkilometer und ist damit der neuntgrĂ¶ĂŸte Staat Asiens. Einschließlich Asad Kaschmir und der Gilgit-Baltistans (ehem. Nordgebiete) umfasst Pakistan 880.254 Quadratkilometer, etwa doppelt so viel wie Deutschland und Österreich zusammen. Die Nord-SĂŒd-Ausdehnung des Landes betrĂ€gt etwa 1500 Kilometer. Es grenzt an vier unabhĂ€ngige Staaten: Iran (978 Kilometer) im SĂŒdwesten, Afghanistan (2643 Kilometer) im Westen und Norden, China (523 Kilometer) im Nordosten und Indien (2912 Kilometer) im Osten. Im SĂŒden besitzt Pakistan eine 1046 Kilometer lange KĂŒste am Arabischen Meer.

Pakistan hat eine Landesgrenze von 7056 Kilometern GesamtlÀnge.

Naturraum

Im Ă€ußersten Norden Pakistans treffen mit dem Hindukusch, dem Karakorum und dem Himalaya die drei höchsten GebirgszĂŒge der Erde zusammen und schirmen das Land von Zentralasien ab. Der Hindukusch erstreckt sich von der afghanischen Grenze im Westen bis zum Oberlauf des Indus im Osten und erreicht mit dem Tirich Mir eine Höhe von knapp 7700 Metern. Im stark vergletscherten Karakorum, nördlich des Indus, liegt der K2, mit 8611 Metern Höhe die höchste Erhebung Pakistans und der zweithöchste Gipfel der Erde. SĂŒdlich des schmalen Hochtals des oberen Indus hat das Land einen kleinen Anteil am Himalaya mit dem Nanga Parbat (8125 Meter) als nordwestlichem „Eckpfeiler“ des Gebirges. FĂŒnf der weltweit 14 Achttausender liegen auf pakistanisch kontrolliertem Gebiet.

Die Ebene des Indus, die sich sĂŒdlich an die Hochgebirgsregion anschließt, nimmt mehr als ein Drittel der LandesflĂ€che ein. Nachdem der Indus die Hochgebirgsregion des Ă€ußersten Nordens verlassen und sich nach SĂŒden gewendet hat, durchquert er zunĂ€chst die Potwar-Hochebene zwischen den StĂ€dten Peschawar und Faisalabad, die sich im SĂŒden noch einmal zur ĂŒber 1100 Meter hohen Salzkette auftĂŒrmt und dann in das Tiefland des Punjab abfĂ€llt. Nur der westliche Teil des „FĂŒnfstromlandes“ Punjab mit den FlĂŒssen Satluj, Chanab, Jhelam und Ravi gehört zum Einzugsgebiet des Indus in Pakistan. Der fĂŒnfte große Fluss, der Beas, mĂŒndet bereits auf indischem Hoheitsgebiet in den Satluj. Satluj und Chenab vereinigen sich westlich von Bahawalpur zum Panjnad, der kurz darauf in den Indus mĂŒndet. Niedrige, doab genannte Erhebungen trennen die flachen SchwemmlandtĂ€ler der punjabischen FlĂŒsse voneinander. SĂŒdlich der Panjnad-MĂŒndung durchquert der stark mĂ€andrierende Indus eine breite AufschĂŒttungsebene im SĂŒdpunjab und in der Region Sindh. Schließlich mĂŒndet er in einem rund 8000 Quadratkilometer großen Delta ins Arabische Meer.

Im Westen Pakistans schirmen die jeweils bis zu 3500 Meter hohen Ketten des Suleiman- und des Brahuigebirges sowie das maximale Höhen von rund 2200 Metern erreichende Kirthargebirge das Industiefland vom durchschnittlich 600 Meter hohen, abflusslosen Hochland von Belutschistan an der Grenze zu Iran ab. Auch Belutschistan durchziehen mehrere Bergketten, die teils bis zu 3000 Meter aufragen. Den sĂŒdlichen Abschluss Belutschistans bildet das Makrangebirge, das steil zur MakrankĂŒste am Arabischen Meer abfĂ€llt.

Im Osten begrenzt die WĂŒste Thar, sĂŒdlich des Punjab, die Indusstromebene. Im Ă€ußersten SĂŒdosten hat Pakistan Anteil am Salzsumpf des Rann von Kachchh.

Klima

In Pakistan herrscht ĂŒberwiegend arides subtropisches Kontinentalklima mit erheblichen örtlichen und jahreszeitlichen Unterschieden.

Im Tiefland schwanken die Mitteltemperaturen des kĂ€ltesten Monats Januar zwischen 12 Grad Celsius im Norden und 17 °C im SĂŒden, nur an der KĂŒste liegt das Monatsmittel auch im Winter um 20 °C. In den Sommermonaten Mai bis September wird es, mit Ausnahme der höheren Lagen, ĂŒberall im Land unertrĂ€glich heiß. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen dann in der Regel ĂŒber 30 °C. Vereinzelt können im Binnenland sogar Höchstwerte von bis zu 50 °C auftreten. Auch die Verteilung der Niederschlagsmengen ist höchst ungleichmĂ€ĂŸig. Allgemein nehmen sie von Norden nach SĂŒden ab. Ergiebige RegenfĂ€lle erhĂ€lt nur das Himalayavorland im Ă€ußersten Norden des Punjab, wo teils ĂŒber 1000 mm im Jahr gemessen werden. Lahore erhĂ€lt nur rund 500 mm, der sĂŒdliche Punjab und der Sindh weniger als 200 mm. Die NiederschlĂ€ge fallen fast ausschließlich wĂ€hrend des kurzen SĂŒdwestmonsuns im Juli und August, der Rest des Jahres ist trocken.

Extreme Trockenheit herrscht auch in Belutschistan. Im westlichen Hochland betragen die Jahresniederschlagsmengen nicht einmal 100 mm. Im Winter gibt es oft Nachtfröste, die Durchschnittstemperaturen des Januars liegen nur um 10 °C. Im Sommer werden dennoch Ă€hnlich hohe Werte wie in der Indusebene erreicht. Nur in den höheren Lagen ist es entsprechend kĂŒhler, in den Randgebirgen zwischen der Hochebene von Belutschistan und dem Industiefland auch etwas feuchter mit 200 bis 300 mm Regen im Jahr. Belutschistan erhĂ€lt den Großteil seiner spĂ€rlichen NiederschlĂ€ge im Winter. Der Sommermonsun bringt Ostbelutschistan nur minimalen, dem Westen der Region gar keinen Regen.

Die HochtĂ€ler im Ă€ußersten Norden Pakistans unterscheiden sich klimatisch stark von anderen Landesteilen. Minustemperaturen sind im Winter auch tagsĂŒber keine Seltenheit. Obwohl die Sommer warm sind, fehlt die extreme Hitze der Tieflandsklimate. Die jĂ€hrlichen Regenfallmengen sind im Himalaya mit teils ĂŒber 1500 mm am höchsten und nehmen nach Norden und Westen ab.

Vegetation

In großen Teilen Pakistans lĂ€sst das wĂŒstenhafte Klima nur eine Ă€ußerst spĂ€rliche Vegetation zu. WĂ€lder gab es ursprĂŒnglich in Form von GaleriewĂ€ldern entlang des Indus und seiner dauerhaft Wasser fĂŒhrenden NebenflĂŒsse sowie in Form von NadelwĂ€ldern in den Hochgebirgen des Nordens. WĂ€hrend sich letztere zumindest zum Teil erhalten haben, sind die FlusswĂ€lder heute fast vollstĂ€ndig zerstört. In den Tiefebenen haben hohe Bevölkerungsdichte und intensive landwirtschaftliche Nutzung zur Herausbildung einer durch den Menschen geprĂ€gten Kulturlandschaft gefĂŒhrt: Nur knapp 4 % der LandesflĂ€che Pakistans sind heute noch mit Wald bedeckt.

Große, zusammenhĂ€ngende WaldbestĂ€nde finden sich noch in der Hochgebirgszone in Nordpakistan. Zwischen 1000 und 3000 Metern Höhe erstrecken sich dichte NadelwĂ€lder mit verschiedenen Kiefernarten (Pinus), Himalaya-Zedern (Cedrus deodara) und Himalaya-Fichten (Picea smithiana), gelegentlich auch MischwĂ€lder mit Eichen (Quercus). In den niederschlagsĂ€rmeren Berggegenden des Hindukusch im Ă€ußersten Nordwesten und des Karakorum im Ă€ußersten Norden und Nordosten herrschen GebirgstrockenwĂ€lder mit Trockenkiefern (Pinus gerardiana) und Steineichen (Quercus ilex) vor. Unmittelbar oberhalb der Baumgrenze gedeihen Rhododendren und andere ZwergstrĂ€ucher, darĂŒber gibt es nur noch alpine Matten. Die Schneegrenze liegt bei ĂŒber 4500 Metern, im Karakorum sogar bei 5400 bis 5800 Metern.

In den sich sĂŒdlich an den Hindukusch anschließenden Randgebirgen sowie im Sulaiman- und Brahuigebirge wachsen TrockenlaubwĂ€lder mit ÖlbĂ€umen (Olea) und Akazien (Acacia). In den tieferen Lagen sind diese durch Überweidung oft stark degradiert.

Offene DornwĂ€lder waren frĂŒher die typische Vegetationsform der Indus-Tiefebene. Heute ist diese Waldform jedoch durch die großflĂ€chige Nutzung der Ebenen als Ackerland weitestgehend zurĂŒckgedrĂ€ngt und beschrĂ€nkt sich auf kleine, verstreute Waldinseln. Charakterpflanzen sind niedrige, gut an die Trockenheit angepasste Baumarten wie der Khejribaum (Prosopis cineraria). Das Unterholz besteht vor allem aus DornbĂŒschen. Im MĂŒndungsdelta des Indus bilden salzwasserresistente Avicennia-marina-BĂ€ume MangrovenwĂ€lder.

In Belutschistan, in den unbewĂ€sserten Teilen des Sindh sowie im SĂŒdosten und Westen des Punjab dehnen sich baumfreie HalbwĂŒsten und WĂŒsten aus. Die Pflanzendecke besteht dort aus besonders ausdauernden HartgrĂ€sern und DornstrĂ€uchern. Nur in Oasen kommen auch niedrige Baumarten vor.

Tierwelt

In Pakistan leben rund 190 verschiedene SĂ€ugetierarten. Viele GroßsĂ€uger wurden jedoch im 19. und 20. Jahrhundert durch Bejagung und die Zerstörung ihrer LebensrĂ€ume ausgerottet, darunter der Indische Elefant, der Königstiger, der Asiatische Löwe und der Gepard. In den Bergen Nordpakistans leben nur noch wenige hundert Leoparden und Schneeleoparden, deren Fortbestand stark bedroht ist, außerdem Steinböcke, Schraubenziegen, Steppenschafe, Riesenwildschafe und Luchse. Das majestĂ€tische Marco-Polo-Riesenwildschaf wird zusammen mit Sibirischen Steinböcken und Schneeleoparden im Khunjerab-Nationalpark geschĂŒtzt, wĂ€hrend Schraubenziegen im Chitral-Gol-Nationalpark vorkommen. Die hĂ€ufigste Katzenart ist die in den Flussebenen heimische Rohrkatze. Der Karakal oder WĂŒstenluchs bevorzugt dagegen offene Steppen- und HalbwĂŒstenlandschaften. Zwei BĂ€renarten kommen in Pakistan vor: der KragenbĂ€r im Himalaya, Hindukusch und den Bergen Belutschistans sowie der BraunbĂ€r im Karakorum. Beide Arten sind selten. Ebenfalls bedroht ist der Schweinshirsch. Dagegen sind Wildschweine nach wie vor sehr zahlreich, ebenso viele Nagetiere. In den HalbwĂŒstengebieten leben noch Indische Gazellen, Hirschziegenantilopen werden teilweise in Nationalparks, wie dem Kirthar-Nationalpark wieder angesiedelt. UrsprĂŒnglich war auch das Panzernashorn im Industal beheimatet. Mittlerweile wurden diese Tiere zusammen mit Hirschziegen- und Nilgauantilopen sowie Schweinshirschen in einem Großgehege des Lal-Suhanra-Nationalparks angesiedelt. Im Indus lebt eine Unterart des gefĂ€hrdeten Gangesdelfins.

Sehr vielfĂ€ltig ist die Vogelwelt Pakistans mit knapp 670 einheimischen und Zugvogelarten. Viele große Greifvögel wie Adler, Bussarde, Falken und Geier sind selten geworden, aber auch der einst landestypische Blaue Pfau kommt nur noch in kleinen RestbestĂ€nden vor. Eine weite Verbreitung haben Sperlingsvögel, Schwalben, HĂŒhnervögel (darunter Pakistans Nationalvogel, das Chukarhuhn), Papageien, Kiebitze, Spechte, Tauben und Rabenvögel. Auch Wasservögel wie Enten, Reiher und Flamingos gibt es in großer Zahl, seltener sind Pelikane.

Unter den mehr als 200 heimischen Reptilienspezies sind mehr als 110 Echsen-, fast 80 Schlangen- und 15 Schildkrötenarten. Zudem leben in Pakistan das Sumpfkrokodil und der Gangesgavial. Amphibien sind in Pakistan mit 16 Arten vertreten.

Der grĂ¶ĂŸte Nationalpark des Landes ist der Hingol-Nationalpark, in dem noch stabile BestĂ€nde an Wildziegen und Wildschafen sowie einige Sumpfkrokodile leben. Die Zahl der Fischarten wird auf 500 Meeres- und 125 SĂŒĂŸwasserfische geschĂ€tzt, die der Insekten und Wirbellosen auf 20.000.

Bevölkerung

Entwicklung

Die VolkszĂ€hlung von 1998 ergab eine Einwohnerzahl von 132 Millionen Pakistanern (ohne die Teile Kaschmirs mit damals etwa vier Millionen Einwohnern), im Juli 2006 wurde die Zahl der Pakistaner auf rund 166 Millionen einschließlich der kontrollierten Gebiete von Kaschmir geschĂ€tzt. Die VolkszĂ€hlung von 2017 ergab eine Einwohnerzahl von 207,8 Millionen Pakistaner (ohne die Teile Kaschmirs). Von den Vereinten Nationen wird die Bevölkerung auf 200,8 Millionen geschĂ€tzt. Damit ist Pakistan nach China, Indien, den Vereinigten Staaten und Indonesien der fĂŒnftbevölkerungsreichste Staat der Erde.

Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte betrĂ€gt 261 Einwohner je Quadratkilometer – etwas weniger als im Vereinigten Königreich. Die Bevölkerung ist sehr ungleichmĂ€ĂŸig ĂŒber das Land verteilt: gut drei Viertel der Bevölkerung leben in den fruchtbaren Flussebenen des Punjab und des Sindh; dagegen sind die Hochgebirgsgegenden im Norden und Westen sowie die Trockengebiete relativ dĂŒnn besiedelt. Die WĂŒste Thar und die WĂŒste Belutschistans sind grĂ¶ĂŸtenteils menschenleer. Der Punjab hat gut ein FĂŒnftel der FlĂ€che Pakistans und beherbergt mehr als die HĂ€lfte der Bevölkerung; in Belutschistan dagegen leben auf 40 Prozent der FlĂ€che Pakistans weniger als fĂŒnf Prozent seiner Einwohner. 2016 wohnten nur 38 Prozent aller Pakistaner in StĂ€dten (relativ geringer VerstĂ€dterungsgrad).

Mit einer jĂ€hrlichen Bevölkerungszunahme von mehr als zwei Prozent hat Pakistan eine der höchsten Wachstumsraten in Asien. Von 1950 (rund 34 Millionen) bis 2005 (rund 160 Millionen) hat sich die Zahl der Bewohner mehr als vervierfacht. Die Geburtenrate betrug 2016 22,3 Lebendgeborene je 1000 Einwohner (1970 waren 43 Lebendgeborene), eine relativ hohe Zahl. Eine weitere Ursache fĂŒr das seit Jahrzehnten hohe Bevölkerungswachstum ist die verbesserte Gesundheitsversorgung. Dadurch stieg die Lebenserwartung von 51 Jahren (1970) auf 67,7 Jahre (2016) und damit zum RĂŒckgang der Sterberate (im gleichen Zeitraum) von 16 auf 8,23 TodesfĂ€lle je 1000 Einwohner. Die Fruchtbarkeitsrate lag 2016 bei 2,7 Kindern je Frau, das Durchschnittsalter der Bevölkerung bei 23,4 Jahren und der Anteil der unter 15-JĂ€hrigen bei 32 Prozent. Im Jahre 2017 waren 1,7 % der Bevölkerung im Ausland geboren. In Pakistan halten sich ca. 1,3 Millionen FlĂŒchtlinge auf, die meisten davon stammen aus dem benachbarten Afghanistan.

Pakistan hat eine der weltweit grĂ¶ĂŸten Diasporas. Die Zahl der Auslandspakistaner wird auf ca. 6 Millionen geschĂ€tzt. Die meisten Auswanderer leben in den Arabischen Golfstaaten, Europa, Australien, Kanada und den Vereinigten Staaten. RĂŒckĂŒberweisungen von Migranten sind eine StĂŒtze der lokalen Wirtschaft, gleichzeitig jedoch verliert das Land sehr viele qualifizierte FachkrĂ€fte.

Sprachen

In Pakistan sind mehr als 50 verschiedene Sprachen verbreitet. Das indoarische Urdu ist verfassungsmĂ€ĂŸig festgesetzte Nationalsprache. Urdu galt schon vor der StaatsgrĂŒndung Pakistans 1947 als eine Art lingua franca der Muslime auf dem indischen Subkontinent und wurde von den Vertretern der Pakistan-Idee bewusst als Staatssprache des neuen Staates propagiert, da man der Ansicht war, dass ein Staat ohne einheitliche Nationalsprache von Separatismus bedroht sei. AnhĂ€nger einer Vielsprachigkeit wurden zum Teil als Separatisten und Feinde Pakistans diffamiert. Die „Nur-Urdu“-Politik fĂŒhrte in den Anfangsjahren nach der StaatsgrĂŒndung zur Entstehung der bengalischen Sprachbewegung im damaligen Ostpakistan und zu einer Staatskrise. Von 1956 bis zur Abspaltung Ostpakistans unter dem Namen Bangladesch 1971 waren Urdu und Bengalisch offizielle Staatssprachen, seither dann wieder ausschließlich Urdu. Als Amtssprache und höhere Bildungssprache dient neben Urdu auch Englisch. WĂ€hrend letzteres vor allem von der Regierung sowie als GeschĂ€fts- und Bildungssprache verwendet wird, ist Urdu die Verkehrssprache des Großteils der Bevölkerung. Von dem in Nordindien verbreiteten Hindi unterscheidet sich Urdu im Wesentlichen nur durch einen höheren Anteil an Lehnwörtern persischen und arabischen Ursprungs sowie durch die Verwendung des im NastaÊżlÄ«q-Stil geschriebenen persischen Alphabets. Als Muttersprache wird es jedoch nur von sieben bis acht Prozent der Einwohner, den Muhajir, gesprochen. Sie sind die Nachfahren bei der Teilung Britisch-Indiens 1947 nach Pakistan geflohener nordindischer Muslime und leben ĂŒber das ganze Land verteilt, im Gegensatz zu allen anderen Volksgruppen aber fast ausschließlich in den StĂ€dten. Im Sindh stellen sie 40 Prozent, im Punjab zehn Prozent der gesamten stĂ€dtischen Bevölkerung, haben aber jeweils nur geringe Anteile an der lĂ€ndlichen Bevölkerung. Die Zahl der Urdu-Muttersprachler steigt allerdings durch die gesellschaftliche Funktion der Sprache stĂ€ndig, vor allem dadurch, dass Standard-Urdu in der ĂŒberwiegenden Mehrzahl der Schulen (auf primĂ€rem und sekundĂ€rem Niveau) als Unterrichtssprache verwendet wird. Die gezielte Förderung des Urdu als ĂŒberregionale Nationalsprache durch die pakistanische Regierung stĂ¶ĂŸt bei vielen Sprechern der grĂ¶ĂŸeren Regionalsprachen auf Widerstand, da diese ihre regionale IdentitĂ€t im Vielvölkerstaat Pakistan nur als ungenĂŒgend reprĂ€sentiert wahrnehmen.

In der VolkszĂ€hlung von 1998 wurden sechs Sprachen statistisch erfasst: Panjabi, Paschtunisch, Sindhi, Saraiki, Belutschisch und Urdu. Die mit Abstand meistgesprochene Sprache ist laut der VolkszĂ€hlung von 1998 das ebenfalls indoarische Panjabi (44 Prozent), das aber als Schriftsprache kaum von Bedeutung ist, da es im Gegensatz zu seiner im indischen Bundesstaat Punjab als Amtssprache anerkannten östlichen Variante keinerlei offiziellen Status genießt. Dagegen darf Sindhi, das von 14 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird, in der Provinz Sindh auch fĂŒr offizielle Zwecke verwendet werden. In der Region war es vor allem in den 1970er-Jahren zu lautstarken, teils gewaltsamen Protesten gegen die Benachteiligung der Sprache gegenĂŒber dem Urdu gekommen (Sindhudesh-Bewegung). Saraiki (10 Prozent Sprecheranteil) hat sein Hauptverbreitungsgebiet im sĂŒdlichen Punjab mit dem Zentrum Multan. Es wird meist als Mundart des Panjabi am Übergang zum Sindhi betrachtet. Ähnliches gilt fĂŒr Hindko, eine weitere indoarische Sprache, die die Muttersprache fĂŒr ein FĂŒnftel der Einwohner Khyber Pakhtunkhwas (ehemalige Nordwestliche Grenzprovinz) ist, und die landesweit auf einen Sprecheranteil von geschĂ€tzt etwa 2 Prozent kommt. Paschtunisch (8 Prozent) und Belutschisch (3 Prozent) gehören zu den iranischen Sprachen, das in Belutschistan gesprochene Brahui (1 Prozent) ist eine dravidische Sprache. In Karatschi leben aus dem Raum Mumbai (Bombay) stammende Bevölkerungsgruppen, die immer noch Gujarati sprechen.

Im Ă€ußersten Norden gibt es eine Vielzahl von Sprachen, von denen keine mehr als eine Million Sprecher hat. Die wichtigsten sind die dardischen Sprachen Shina, Kohistani und Khowar, das indoarische Gujari (ein Rajasthani-Dialekt) und das sinotibetische Balti. In Gilgit-Baltistan wird von ĂŒber 100.000 Menschen die isolierte Sprache Burushaski gesprochen.

Ethnien

Religionen

Laut der VolkszĂ€hlung von 1998 waren 96,3 Prozent der Einwohner Pakistans Muslime. Sie gehören verschiedenen Strömungen an, deren StĂ€rken statistisch kaum bis gar nicht erfasst werden. Der ĂŒberwiegende Teil der Pakistaner (bis zu 80 Prozent) praktiziert traditionell eine orthodoxe Form des Islam; besonders in Gebieten mit paschtunischer Mehrheit ist dies die Regel. Der Islam ist Staatsreligion. Religiöse Minderheiten, beispielsweise Hindus, werden (Stand 2016) stark unterdrĂŒckt und dĂŒrfen ihren Glauben in der Öffentlichkeit nicht zeigen. Ein kleines ZugestĂ€ndnis bei fortwĂ€hrender Entrechtung der Hindus ist, dass sie aufgrund eines Anfang 2016 verabschiedeten Gesetzes – zumindest in der Provinz Sindh – kĂŒnftig einander heiraten dĂŒrfen. Übergriffe und religiöse Verfolgung gegen Christen in Pakistan und Hindus sind nicht selten. Insgesamt ist das Land von einer AtmosphĂ€re der religiösen Intoleranz geprĂ€gt.

Die Mehrheit der Muslime in Pakistan sind Sunniten. Der sunnitische Islam prĂ€sentiert sich in Pakistan nicht als Einheit; vielmehr teilt er sich in mehrere Denkschulen auf. Die Richtung mit den meisten AnhĂ€ngern dĂŒrften die BarelwÄ«s sein. Sie vertreten einen durch den Sufismus (islamische Mystik) geprĂ€gten Islam und sind strenge AnhĂ€nger der hanafitischen Rechtsschule. Sie dominieren vor allem in den lĂ€ndlichen Teilen der Provinzen Sindh und Punjab und haben viele AnhĂ€nger in den GroßstĂ€dten Lahore, Multan und Rawalpindi. Die Deobandis sind ebenfalls Hanafiten, lehnen jedoch im Gegensatz zu den Barelwis GrĂ€ber- und Heiligenverehrung ab. Sie stehen fĂŒr eine strenge Auslegung des Islam und streben die RĂŒckkehr zu dessen „Wurzeln“ an. Die Deobandis sind in Karatschi und unter den Paschtunen Khyber Pakhtunkhwas und Belutschistans stark vertreten. Die kleinste der drei Denkschulen sind die puritanischen, an Saudi-Arabien angelehnten Ahl-i HadÄ«th, welche die vier sunnitischen Rechtsschulen sowie den Sufismus ablehnen. Ihre Zentren sind Lahore, Sialkot, Gujranwala und Faisalabad.

Unklar ist, wie hoch der Anteil der Zwölfer-Schiiten (Imamiten) an der Bevölkerung Pakistans ist. SchĂ€tzungen reichen von 10 bis 15 Prozent oder 15 bis 20 Prozent. Sie sind in Karatschi, Lahore, Sialkot und Jhang sowie in Gilgit-Baltistan stark vertreten. Daneben sind in Pakistan zwei ismailitische Gruppierungen vertreten: Die Bohras leben vor allem in Karatschi, die Nizariten sind daneben vornehmlich in den Gilgit-Baltistan (Gilgit und Hunza) sowie Chitral (Khyber Pakhtunkhwa) vertreten. Eine Sondergruppe im Ă€ußersten Norden sind die Nurbakhshis. WĂ€hrend der schiitischen Trauerzeremonien im Trauermonat Muharram kommt es in Pakistan hĂ€ufig zu blutigen Auseinandersetzungen, zuletzt in Belutschistan im Oktober 2014.

Die Ahmadis (in der pakistanischen VolkszĂ€hlung von 1998 wurde ein Bevölkerungsanteil der Ahmadis von 0,22 Prozent ermittelt.) leben vor allem in ihrem Zentrum Rabwah sowie um Sialkot. Ihnen wurde in Pakistan 1974 offiziell der Status als Muslime aberkannt; sie werden verfolgt. Vermutlich ist die tatsĂ€chliche Zahl der Ahmadis weitaus höher; unabhĂ€ngige Quellen schĂ€tzen drei bis fĂŒnf Millionen Ahmadis in Pakistan (ein bis drei Prozent der Bevölkerung). Es gibt außerdem Bestrebungen, die in Belutschistan verbreitete Gruppierung der Zikris zu Nichtmuslimen zu erklĂ€ren.

Im Zuge der Teilung von 1947 wurden fast alle Hindus und Sikhs aus dem Punjab vertrieben. Im Sindh blieb etwa ein Drittel der Hindus zurĂŒck. Dort betrĂ€gt ihr Bevölkerungsanteil 7,5 Prozent, noch höher ist er in der WĂŒste Thar. Ihr Anteil an der pakistanischen Gesamtbevölkerung liegt bei 1,8 Prozent, einschließlich der unteren Kasten, die in offiziellen Statistiken – etwa bei VolkszĂ€hlungen – gesondert aufgefĂŒhrt werden. Etwas niedriger (1,6 Prozent) ist der Anteil der Christen in Pakistan. Sie leben vor allem um Lahore herum, in Rawalpindi und Islamabad sowie in Karatschi. Meist handelt es sich um Nachfahren von UnberĂŒhrbaren, die wĂ€hrend der britischen Kolonialzeit zum Christentum konvertierten. Andere stammen jedoch von Goanern ab, die zu jener Zeit oft als Bedienstete der Kolonialherren tĂ€tig waren. Die Römisch-katholische Kirche in Pakistan und die aus mehreren britischen protestantischen Gemeinschaften entstandene Church of Pakistan sind etwa gleich stark. Hinzu kommen einige unter anderem die Zeugen Jehovas sowie von US-amerikanischen Missionen gegrĂŒndete Kirchen wie die Neuapostolische Kirche. In Karatschi leben außerdem noch mehrere Tausend Parsen genannte AnhĂ€nger des Zoroastrismus und im Ă€ußersten Nordwesten des Landes einige Tausend Kalasha, deren Götter stark den altindischen vedischen Göttern Ă€hneln.

StÀdte

2016 lebten 39,2 % der Bevölkerung in StĂ€dten oder stĂ€dtischen RĂ€umen. Die 10 grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind (Stand Zensus 2017):

  1. Karatschi: 14.910.352 Einwohner
  2. Lahore: 11.126.285 Einwohner
  3. Faisalabad: 3.203.846 Einwohner
  4. Rawalpindi: 2.098.231 Einwohner
  5. Gujranwala: 2.027.001 Einwohner
  6. Peschawar: 1.970.042 Einwohner
  7. Multan: 1.871.843 Einwohner
  8. Hyderabad: 1.732.693 Einwohner
  9. Islamabad: 1.014.825 Einwohner
  10. Quetta: 1.001.205 Einwohner

Konflikte

Seit seiner UnabhĂ€ngigkeit ist Pakistan Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Volks- und Glaubensgruppen. Problematisch aus Sicht der kleineren Volksgruppen ist die Dominanz der Punjabis. Außerdem haben innere und Ă€ußere Wanderungsbewegungen in einigen Landesteilen zu erheblichen ethnischen Verschiebungen gefĂŒhrt, die auf Unmut stoßen. Im Sindh, insbesondere in der Provinzhauptstadt Karatschi und in Hyderabad, kommt es immer wieder zu blutigen ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen den einheimischen Sindhi einerseits und zugewanderten Muhajir andererseits. Letztere haben auf Grund ihres höheren Bildungsstandes eine herausragende Rolle im öffentlichen Leben. UrsprĂŒnglich aus Nordindien zugezogen, stellen sie mittlerweile mehr als ein FĂŒnftel der Bevölkerung des Sindh, die Sindhi dagegen nur noch knapp 60 Prozent, in Karatschi weniger als 10 Prozent. Hinzu kommt die Zuwanderung von Panjabern und Paschtunen in den verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wohlhabenden Sindh. Viele Sindhi fĂŒhlen sich daher ins gesellschaftliche Abseits gedrĂ€ngt. Radikale Nationalisten fordern einen unabhĂ€ngigen Staat Sindhu Desh („Land der Sindhi“). Auch zwischen den Muhajir und den wirtschaftlich zunehmend einflussreichen Paschtunen, hĂ€ufig FlĂŒchtlinge aus Afghanistan, kommt es im Sindh immer wieder zu bewaffneten Übergriffen. Regionalistische oder separatistische Bestrebungen bestehen außer im Sindh auch in Belutschistan (Belutschische Befreiungsarmee) und in Khyber Pakhtunkhwa, wo viele Paschtunen einen unabhĂ€ngigen Staat bzw. die Vereinigung mit Afghanistan fordern.

1986 trat das „Blasphemiegesetz“ (Artikel 295c des pakistanischen Strafgesetzbuches) in Kraft, das GotteslĂ€sterung und geringschĂ€tzige Bemerkungen ĂŒber den Propheten Mohammed mit Geldstrafen, Haftstrafen oder sogar mit dem Tode bestraft. Bisher wurde keiner der auf Grund dieses Gesetzes Verurteilten tatsĂ€chlich hingerichtet; wohl sind mehrmals Angeklagte oder Verurteilte von Islamisten ermordet worden. Auch kommt es immer wieder zu FĂ€llen von Selbstjustiz und Lynchmorden gegen Angehörige religiöser Minderheiten, bspw. Christen in Pakistan (Vorwurf bzw. Vorwand der „GotteslĂ€sterung“).

Terrorismus

Seit der Islamisierungspolitik der 1980er-Jahre erlebt Pakistan einen rasanten Zuwachs an religiösem Extremismus im Land und an Koranschulen (Madrasa). Letztere werden seit der MilitĂ€rdiktatur unter General Mohammed Zia-ul-Haq finanziell gefördert. An einigen der rund 18.000 Koranschulen (Stand 2009) sind fundamentalistische Anschauungen verbreitet, die zu einer Radikalisierung des Landes beitragen. Dies Ă€ußert sich in zunehmenden gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen militanten Sunniten und Schiiten und z. B. in der andauernden Benachteiligung der zahlenmĂ€ĂŸig eher unbedeutenden nicht-muslimischen Minderheiten sowie der Ahmadiyya-Muslimgemeinde. Auch einige pakistanische Regierungen wurden wiederholt der aktiven UnterstĂŒtzung terroristischer Gruppierungen als Mittel der politischen Einflussnahme in Afghanistan (Taliban-Regime) und Kaschmir bezichtigt. Einige Islamistengruppen haben eine Eigendynamik entwickelt, die sie der Kontrolle Islamabads entzieht. Wasiristan an der afghanischen Grenze dient radikalislamischen Taliban als RĂŒckzugsgebiet. Pakistanische Regierungstruppen kĂ€mpfen seit 2004 gegen Taliban-VerbĂ€nde, um die Regierungsgewalt in diesem Landesteil wiederherzustellen.

Nach den TerroranschlÀgen vom 11. September 2001 geriet Pakistan verstÀrkt ins Spannungsfeld religiös motivierter Auseinandersetzungen, insbesondere da der damalige PrÀsident Pervez Musharraf eine enge politische und militÀrische Allianz mit den USA praktizierte und am Kampf gegen den internationalen Terrorismus teilnahm. Nach Meinung vieler Pakistaner war Musharrafs Politik prowestlich orientiert.

Im Jahr 2009 gab es mehrere TerroranschlĂ€ge, die möglicherweise in einem Zusammenhang zum Konflikt in Nordwest-Pakistan standen. Am 5. Oktober 2009 wurde das BĂŒro des WelternĂ€hrungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen im Hochsicherheitsbereich der Hauptstadt Islamabad Ziel eines Selbstmordattentates von Taliban-KĂ€mpfern. Am 12. Oktober griff eine pakistanische Taliban-Organisation namens TTP das Hauptquartier der pakistanischen Armee in der Garnisonsstadt Rawalpindi an und nahm 24 Stunden lang 40 Soldaten als Geiseln, bis ein Sonderkommando die Geiselnahme blutig beenden konnte, wobei neun Menschen starben. Die Attacke auf Pakistans Armee-Hauptquartier weckte die Sorge um die Sicherheit der Atomwaffen im Land. Die Haltung Pakistans zu den seither forcierten militĂ€rischen EinsĂ€tzen der USA im Lande ist zwiespĂ€ltig: Einerseits verschaffen pakistanische Stellen dem US-amerikanischen MilitĂ€r die fĂŒr den Angriff auf vermutliche Terrornester notwendigen Zielkoordinaten; andererseits verurteilt die pakistanische Regierung offiziell den nachfolgenden Einsatz von militĂ€rischen bewaffneten Drohnen vehement. Auch die Bevölkerung ist zwiegespalten: Im Juni 2011 sahen 38 Prozent die USA als grĂ¶ĂŸte Bedrohung fĂŒr ihr Land, den Terrorismus 22 Prozent.

Nachdem Pakistan einige Jahre lang die Todesstrafe ausgesetzt hatte, wurde diese nach dem Terroranschlag von Peschawar 2014 wieder eingefĂŒhrt, und zwar nicht nur, wie zunĂ€chst angekĂŒndigt fĂŒr Terrordelikte, sondern allgemein. Seither wurden Hunderte Todesurteile durch ErhĂ€ngen vollstreckt. Pakistan hat die weltweit höchste Zahl an zum Tode verurteilten GefĂ€ngnisinsassen, die auf ihre Hinrichtung warten. Ende 2015 waren es 6016 Personen. BĂŒrger- und Menschenrechtsaktivisten in Pakistan und weltweit beklagen, dass die zum Tode Verurteilten oft keine Chance auf ein faires rechtsstaatliches Verfahren hatten.

Im MÀrz 2017 starben bei einem Anschlag in Sehwan Sharif mindestens 88 GlÀubige in einem Sufi-Schrein.

Soziale Lage

Pakistan weist die fĂŒr ein Entwicklungsland typischen sozialen Probleme auf. Besonders stark ausgeprĂ€gt ist das PhĂ€nomen der Landflucht. Geringe Einkommen und UnterbeschĂ€ftigung in der Landwirtschaft zwingen viele Dorfbewohner aus unterentwickelten lĂ€ndlichen Gebieten zum Umzug in die StĂ€dte. Zumeist sind die stĂ€dtischen BallungsrĂ€ume jedoch nicht in der Lage, dem enormen Bevölkerungsdruck, der durch hohe Geburtenraten noch verschĂ€rft wird, standzuhalten. In den Elendsvierteln an den StadtrĂ€ndern herrscht Massenarbeitslosigkeit. Zwar betrug die offizielle Arbeitslosenquote 2017 nur 6 Prozent, doch liegt die Dunkelziffer weitaus höher, da die weit verbreitete UnterbeschĂ€ftigung nicht miterfasst wird. Gleichzeitig mĂŒssen Millionen Kinder als billige und fĂŒgsame ArbeitskrĂ€fte oft schwere körperliche Arbeit in der Industrie bzw. im Handwerk (Herstellung von FußbĂ€llen, TeppichknĂŒpfereien) oder in der Landwirtschaft leisten. Ursache ist die Armut ihrer Eltern, die ohne das Einkommen ihrer Kinder kaum ĂŒberleben könnten, denn in Pakistan leben nach Angaben der Vereinten Nationen 17 Prozent der Bevölkerung von weniger als einem US-Dollar am Tag. Diesen Problemen der Urbanisierung wurden Verwaltung und Governance in Stadt und Land noch nicht adĂ€quat angepasst.

Noch immer gravierend ist die Benachteiligung von Frauen. Sowohl das öffentliche Leben als auch Familienangelegenheiten werden weitestgehend von MĂ€nnern bestimmt. Zwangsehen sind in Pakistan ĂŒbliche Praxis, ebenso wie die Ehe zwischen Cousins und Cousinen. Ein muslimischer Mann darf zwar bis zu vier Ehefrauen haben, aber polygame Verbindungen stellen dennoch eine Ausnahme dar. Der Ehepartner wird vor allem nach sozialen Gesichtspunkten ausgewĂ€hlt. Mit der Heirat verpflichtet sich die Familie der Braut, entgegen der islamischen Praxis der Morgengabe vom Mann an die Frau, oft zur Zahlung einer Mitgift, die nicht selten die finanziellen Möglichkeiten der Familie ĂŒbersteigt. VerdĂ€chtigungen auf Untreue in der Ehe sind der Grund fĂŒr Gewalttaten gegen Frauen bis hin zu Ehrenmorden. UnterernĂ€hrung, Sterblichkeit und Analphabetismus sind daher bei MĂ€dchen höher als bei Jungen. Folge der Benachteiligung der Frauen ist ein MĂ€nnerĂŒberschuss: 1998 kamen auf 100 Frauen in Pakistan 108,5 MĂ€nner. Pakistan war 2016 beim Global Gender Gap Report zweitletzter.

Gesundheit

Die Gesundheitsversorgung ist vielerorts unzureichend. Gut funktionierende KrankenhĂ€user gibt es meist nur in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten. Dazu kommen schlechte hygienische ZustĂ€nde und der Mangel an sauberem Wasser – nicht nur in Slums, sondern auch in vielen lĂ€ndlichen Regionen –, was die Ausbreitung von Magen-Darm-Erkrankungen und Seuchen wie Tuberkulose, Malaria und Hepatitis begĂŒnstigt. Auch die Cholera war laut MSF im Jahr 2010 endemisch. UnterernĂ€hrung erhöht die AnfĂ€lligkeit fĂŒr Krankheiten noch weiter. 20 Prozent der Bevölkerung galten 2015 als unterernĂ€hrt, besonders Kinder sind davon betroffen. Entsprechend hoch ist die Kindersterblichkeit: etwa jedes zehnte Kind stirbt vor dem Erreichen des fĂŒnften Lebensjahres. Pakistan ist neben Afghanistan der einzige Staat der Welt, in dem die Poliomyelitis (KinderlĂ€hmung) noch endemisch vorkommt. Die Weltgesundheitsorganisation unternimmt Anstrengungen, die Erkrankung durch Impfprogramme zu eliminieren. Zum Teil wurden die Impfungen durch religiöse Fanatiker und islamistische Extremisten bekĂ€mpft, die der Bevölkerung z. B. suggerierten, dass die Impfungen Teil eines westlichen Plans zur Unfruchtbarmachung der Bevölkerung seien. In den Jahren 2011 bis 2015 wurden mindestens 70 Helfer im Polio-Impfprogramm in Pakistan ermordet, so dass öffentliche Impfaktionen schließlich nur noch unter schwerem Polizeischutz stattfinden konnten. Zur Diskreditierung des Impfprogramms trug allerdings auch der Umstand bei, dass die CIA bei ihrem Bestreben, den Aufenthaltsort von Osama bin Laden in Pakistan ausfindig zu machen, sich unter dem Deckmantel eines vermeintlichen Impfprogramms Informationen ĂŒber dessen Kinder besorgte, um hierĂŒber seine IdentitĂ€t sicherzustellen.

Bildung

Obwohl seit der UnabhĂ€ngigkeit Fortschritte im Aufbau des Bildungssystems erzielt werden konnten, war die Analphabetenrate Pakistans im Erhebungszeitraum 2015–2016 mit etwa 42 Prozent nach wie vor eine der höchsten Asiens. Bei MĂ€nnern liegt sie mit 30 Prozent deutlich niedriger als bei Frauen mit 52 Prozent. In den Jahren 2004 bis 2015 haben sich in dieser Hinsicht (im Gegensatz beispielsweise zum benachbarten Indien) nur geringe Fortschritte ergeben. Dennoch gab die pakistanische Regierung im Jahr 2017 nur etwa 2,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fĂŒr Bildungszwecke aus – weniger als jedes andere Land SĂŒdasiens. Auch besteht bis heute keine allgemeine Schul- oder Bildungspflicht. Lediglich in der Provinz Punjab ist der Besuch einer Grundschule seit 1994 gesetzlich vorgeschrieben, und seit 2014 auch unentgeltlich. Seit 2010 ist in der Verfassung das Ziel freier und obligatorischer Bildung erwĂ€hnt. Laut einem UNESCO-Bericht von 2014 gingen 5,5 Millionen Kinder in Pakistan nicht zur Schule; dies ist weltweit (nach Nigeria) die zweithöchste Zahl. Nach Zahlen des Bildungsministeriums zum Anfang des Jahres 2017 besuchten 22,6 Millionen Kinder in Pakistan keine Schule. Im selben Jahr beklagte Human Rights Watch die verheerenden Auswirkungen der ĂŒber 800 Attentate auf Schulen in den Jahren 2007–2015. Der Bericht wies auf militante Gruppen hin, die von den Behörden nicht genĂŒgend oder gar nicht verfolgt wĂŒrden.

Bildungssystem

Das staatliche Bildungssystem ist dreistufig. Auf die fĂŒnfjĂ€hrige Grundschule, die Kinder ab einem Alter von fĂŒnf Jahren besuchen dĂŒrfen, folgt die dreijĂ€hrige Mittelschule. Die eigentliche Sekundarbildung umfasst die zweijĂ€hrige Ausbildung an einer High School, die mit einer PrĂŒfung abgeschlossen wird, und im Anschluss daran an einer Higher Secondary School, die ebenfalls zwei Jahre dauert. Der erfolgreiche Abschluss der Higher Secondary School berechtigt zum Besuch einer staatlichen UniversitĂ€t. In Pakistan gibt es ĂŒber 110 anerkannte staatliche und private UniversitĂ€ten.

Neben den staatlichen Schulen stellen Tausende von Madaris oder Koranschulen eine wichtige StĂŒtze des Bildungswesens dar. Sie bieten in der Regel auch Kindern aus armen Familien, denen der Besuch einer staatlichen Bildungseinrichtung oft nicht möglich ist, eine kostenlose Grundbildung. Nicht selten leisten sie auch humanitĂ€re Hilfe. Allerdings unterliegen sie keinerlei staatlicher Kontrolle, sodass auch religiöse Extremisten Medresen nutzen, um extremistisches Gedankengut zu verbreiten.

Nach der pakistanischen Verfassung soll Kindern eine kostenfreie Grundbildung garantiert sein. Die RealitĂ€t sieht allerdings anders aus. Die UNESCO nannte die Rate an Lese- und SchreibfĂ€higkeiten in Pakistan „beunruhigend niedrig“ („disturbingly low“). Nach UNESCO-Statistik konnten im Jahr 2015 56,4 % der Bevölkerung lesen (69,4 % der MĂ€nner und 42,7 % der Frauen). Damit lag Pakistan deutlich unter den Werten der Nachbarstaaten Iran, Indien und Volksrepublik China, allerdings noch vor Afghanistan. Den besten Wert hinsichtlich LesefĂ€higkeit wies 2013/14 der Punjab auf (61 %), die schlechtesten Werte Khyber Pakhtunkhwa (53 %) und Belutschistan (43 %).

Bibliothekswesen

Über 6000 Bibliotheken sind in akademischen, privatwirtschaftlichen und religiösen Einrichtungen vorhanden. Das öffentliche Bibliothekswesen ist stark unterentwickelt. Die knapp 300 öffentlichen Bibliotheken befinden sich in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten. In den 1980er-Jahren wurden auf dem Land ĂŒber 4000 box libraries eingerichtet, ĂŒber deren aktuellen Zustand wenig bekannt ist. Seit 1998 fordert die nationale Bildungspolitik die Einrichtung von Bibliotheken auf dem Land – bisher jedoch ohne Konsequenzen.

Laut Aussage der PTCL (Pakistan Telecommunication Company Limited) soll fĂŒr 95 Prozent der Bevölkerung Internetzugang möglich sein. Eine relativ große Anzahl von Internet-CafĂ©s macht die Richtigkeit dieser Zahl wahrscheinlich. Eine sehr geringe Anzahl von mit internationaler Hilfe aufgebauter Cyber Community Centers stellt qualitative InternetinformationszugĂ€nge auf dem Land zur VerfĂŒgung und bietet PC- und Internetkurse an.

An sechs UniversitÀten kann ein postgraduales Diplom in Library and Information Science erworben werden.

Wissenschaft

Im Jahre 1979 erhielt der pakistanische Physiker Abdus Salam (1926–1996) den Nobelpreis in Physik und die Albert-Einstein-Medaille der UNESCO fĂŒr seinen Beitrag zur Theorie der vereinheitlichten schwachen und elektromagnetischen Wechselwirkung zwischen den Elementarteilchen. Abdus Salam war der erste Pakistaner und der erste Muslim, der den Physiknobelpreis erhielt. Abdus Salam war AnhĂ€nger der Ahmadiyya Muslim Jamaat.

Geschichte

Regionalgeschichte bis zur Entstehung Pakistans

Obwohl das Staatsgebiet des heutigen Pakistan – bis zu dessen UnabhĂ€ngigkeit im Jahre 1947 hatte es nie einen Staat dieses Namens gegeben – oft nur Durchzugsland fĂŒr die Eroberer des indischen Subkontinents oder Randgebiet indischer Großreiche gewesen war, bildete es im Altertum das Kernland der Indus-Kultur, einer der frĂŒhesten Hochkulturen der Erde mit hoch entwickelter Landwirtschaft und Handwerk, StĂ€dtebau, weit verzweigtem Handelsnetz, fortgeschrittener Wissenschaft und einer eigenen, bis heute nicht entschlĂŒsselten Schrift (Indus-Schrift). Der Beginn der Indus-Kultur wird etwa auf die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. datiert. Ihr Untergang dĂŒrfte sich um 1800 v. Chr. ereignet haben, die Ursachen dafĂŒr liegen bis heute im Dunkeln. Die Indus-Kultur erstreckte sich ĂŒber das Stromtiefland des Indus und seiner NebenflĂŒsse im Sindh und Punjab bis nach Nordwestindien und Gujarat. Hunderte antike Siedlungen und StĂ€dte wurden freigelegt, die bedeutendsten unter ihnen sind Harappa im Punjab und Mohenjo-Daro im Sindh.

Um die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. drangen die aus Zentralasien kommenden Arier nach Pakistan ein. Sie prĂ€gten die vedische Kultur und den Hinduismus. Im 4. vorchristlichen Jahrhundert verbreitete sich der Buddhismus, der sich nach dem Vorstoß Alexanders des Großen bis zum Indus 326 v. Chr. mit der griechischen Kultur zum Graeco-Buddhismus vermischte. Letzterer gelangte im 1. und 2. Jahrhundert v. Chr. im Gandhara-Reich auf dem Boden des heutigen Afghanistans und nordwestlichen Pakistans zur BlĂŒte. In der SpĂ€tantike gehörte Pakistan zum Kuschana- und Gupta-Reich.

Schon im frĂŒhen 8. Jahrhundert kam das heutige pakistanische Staatsgebiet in BerĂŒhrung mit dem Islam, als die Araber 712 unter Muhammad ibn al-Qasim das Industal eroberten. Über Jahrhunderte verlief die Grenze zwischen der islamischen Welt und dem indischen Kulturkreis östlich des Indus. Der Punjab blieb zunĂ€chst außerhalb des muslimischen Einflussbereichs. Erst um 1000 dehnte die tĂŒrkische Ghaznawiden-Dynastie ihr Reich auf ganz Pakistan und Teile Nordindiens aus. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war Pakistan Teil verschiedener islamischer Reiche, darunter die der persischen Ghuriden (12. und 13. Jahrhundert), der nordindischen Delhi-Sultane (13. und 14. Jahrhundert) und Moguln (16. bis 18. Jahrhundert) sowie der afghanischen Durrani-Dynastie (18. und 19. Jahrhundert).

1843 eroberte die Britische Ostindien-Kompanie den Sindh, sechs Jahre spĂ€ter unterwarf sie auch den von den Sikhs beherrschten Punjab. Damit begann fĂŒr Pakistan die rund 100-jĂ€hrige Zugehörigkeit zum britischen Kolonialreich. 1858 gingen die britischen Besitzungen in Indien in direkten Besitz der Krone ĂŒber.

Entstehungsgeschichte und Teilung Britisch-Indiens

Die indische UnabhĂ€ngigkeitsbewegung nahm 1885 mit der GrĂŒndung des Indischen Nationalkongresses Gestalt an. Als GegenstĂŒck zum hinduistisch dominierten Kongress entstand 1906 die Muslimliga (All-India Muslim League). Erst nachdem in den 1930er-Jahren jedoch mehrere Versuche, einen Kompromiss mit dem Kongress zu finden und den muslimischen Einfluss zu wahren, gescheitert waren, mobilisierte der FĂŒhrer der Muslimliga Ali Jinnah die Mehrheit der indischen Muslime fĂŒr einen eigenen Staat (Zwei-Nationen-Theorie). Die Auffassung, den Islam als distinktives Merkmal bei der Nationenbildung zu sehen und ihm eine stĂ€rkere politische Bedeutung zuzusprechen, entwickelte sich daher recht spĂ€t. WĂ€hrend die westlich orientierte gebildete Mittelschicht, die Großgrundbesitzer, aber auch die Landbevölkerung die Forderung nach der GrĂŒndung Pakistans unterstĂŒtzten, blieb ein Teil der konservativen Religionsgelehrten auf Distanz. Außerdem trat ein großer Teil der Paschtunen fĂŒr ein ungeteiltes Indien ein. Dennoch wurde in der 1940 verabschiedeten Lahore-Resolution endgĂŒltig die GrĂŒndung eines eigenstĂ€ndigen muslimischen Staates in Indien beschlossen. Der Diplomat Sir Muhammad Zafrullah Khan vertrat Indien beim Völkerbund und legte der „Radcliffe Grenzkommission“, kurz vor der Spaltung Indiens im Juli 1947, den Standpunkt der Muslim-Liga zugunsten Pakistans dar und plĂ€dierte fĂŒr eine gerechte Grenzziehung.

1937 erhielten Frauen zwar auf nationaler Ebene ein Wahlrecht, es war aber an die FĂ€higkeit, lesen und schreiben zu können, sowie an Einkommen und das Zahlen von Steuern geknĂŒpft. 1946, bei den ersten Wahlen auf der Grundlage des Government of India Act von 1919, durften Frauen unter bestimmten Bedingungen gewĂ€hlt werden. Die Bedingungen trafen nur auf sehr wenige Frauen zu. Shaista Suhrawardy Ikramullah war 1946 in die Vereinigte Konstituierende Versammlung Indiens gewĂ€hlt worden, bevor Pakistan sich abspaltete. Wegen der andauernden Auseinandersetzungen ordnete die moslemische Liga jedoch an, dass ihre Mitglieder die Sitze in der Versammlung nicht einnehmen sollten. 1947 wurden Shaista Suhrawardy Ikramullah und Jahanara Shah Nawaz ins nationale Parlament gewĂ€hlt.

Geschichte seit der UnabhÀngigkeit

StaatsgrĂŒndung

Der Staat Pakistan entstand am 14. August 1947 aus den ĂŒberwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Im Zuge der Teilung Indiens verließen ĂŒber vier Millionen Muslime das heutige Indien, wĂ€hrend etwa sieben Millionen Hindus und Sikhs das Staatsgebiet von Pakistan verließen. Es wird vermutet, dass bei Gewaltakten und durch die Strapazen wĂ€hrend der Flucht bis zu 750.000 Menschen ihr Leben verloren.

Nach der Teilung bestand Pakistan aus den beiden etwa 1500 Kilometer auseinander liegenden Landesteilen West- und Ostpakistan. Westpakistan ist identisch mit der heutigen Islamischen Republik Pakistan. Ostpakistan bestand aus dem östlichen, ĂŒberwiegend muslimischen Teil der frĂŒheren britisch-indischen PrĂ€sidentschaft Bengalen, der sich spĂ€ter als Bangladesch fĂŒr unabhĂ€ngig erklĂ€rte. Die Zugehörigkeit des FĂŒrstenstaates Kaschmir zu Indien oder Pakistan war dagegen umstritten. Vom mehrheitlich hinduistischen Gebiet um Jammu und dem mehrheitlich buddhistischen Ladakh abgesehen war die Bevölkerung des Staates ĂŒberwiegend muslimischen Glaubens. Die herrschende Dynastie war jedoch hinduistisch, weshalb sich der FĂŒrst zunĂ€chst nicht entscheiden wollte und sich spĂ€ter Indien anschloss. Pakistan erlangte jedoch die Herrschaft ĂŒber den westlichen und nördlichen Teil dieser Region. Beide Staaten beanspruchen ganz Kaschmir als ihr Territorium, eine von den Vereinten Nationen vorgeschlagene Volksabstimmung fand nie statt. Der Kaschmir-Konflikt prĂ€gt seither die Beziehung beider Staaten.

Nach der UnabhÀngigkeit im August 1947 wurde der Government of India Act von 1935 zur Verfassung Pakistans. Bestimmte Frauen konnten sich auf dieser Grundlage an Wahlen auf Provinzebene und auf nationaler Ebene beteiligen.

West- und Ostpakistan unter MilitÀrregimes

1948 verstarb mit Muhammad Ali Jinnah die Vaterfigur des gerade erst gegrĂŒndeten Staates Pakistan.

Bei den Beratungen fĂŒr eine neue Verfassung in den 1950ern wurde vorgeschlagen, allen MĂ€nnern das Wahlrecht zu geben, aber nur gebildeten Frauen. Am 23. MĂ€rz 1956 wurde die erste Verfassung Pakistans beschlossen, die ein allgemeines aktives und passives Wahlrecht fĂŒr Erwachsene ab 21 auf allen Ebenen vorsah, wenn diese seit sechs Monaten im Land lebten. Somit wurde 1956 das Frauenwahlrecht erstmals vollstĂ€ndig und in gleichem Umfang wie das Wahlrecht fĂŒr MĂ€nner gewĂ€hrt. Unter dieser Verfassung wurde jedoch wegen der Schwierigkeiten zwischen der zivilen und der militĂ€rischen Macht keine Wahl abgehalten.

Am 8. September 1958 ĂŒbergab der Oman die Exklave Gwadar an Pakistan, nachdem Aga Khan III. drei Millionen Pfund gezahlt hatte. UnbestĂ€ndige politische ZustĂ€nde fĂŒhrten am 27. Oktober 1958 zum ersten MilitĂ€rputsch unter General Muhammed Ayub Khan und damit zu einem Wendepunkt in der Geschichte des Landes. Seitdem bestimmten MilitĂ€rdiktaturen immer wieder die Geschicke Pakistans. Auf das Regime Ayub Khan folgte 1969 die Regierung des Generals Agha Muhammad Yahya Khan.

Zudem sah sich der junge Staat von Anfang an vor eine innere Zerreißprobe gestellt. Die große Entfernung zwischen den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan erschwerte nicht nur die staatliche und wirtschaftliche Organisation, sondern auch die Entstehung einer gemeinsamen nationalen IdentitĂ€t. Trotz der Betonung der religiösen Zusammengehörigkeit, die sich in der Verfassung von 1956 Ă€ußerte, die Pakistan zur ersten islamischen Republik der Welt machte, blieben die bengalische Sprache und Kultur ein wesentlicher Bestandteil der IdentitĂ€t Ostpakistans. Dazu kam die ungleiche Verteilung der wirtschaftlichen Ressourcen und der politischen Macht. Die Regierung im westpakistanischen Karatschi, ab 1958 in Islamabad – der eigens fĂŒr den neuen Staat gegrĂŒndeten Hauptstadt – benachteiligte das entfernte Ostpakistan sowohl bei der Verteilung staatlicher Gelder als auch bei der Vergabe fĂŒhrender Stellen in Verwaltung und StreitkrĂ€ften. Als die separatistische Awami-Liga, die schon 1954 die Muslimliga als stĂ€rkste politische Kraft Ostpakistans abgelöst hatte, zum Teil beeinflusst durch die Auswirkungen des Zyklons im November 1970 bei den Wahlen im Dezember 1970 fast alle ostpakistanischen Wahlkreise und damit die absolute Mehrheit im gesamtpakistanischen Parlament gewann, erklĂ€rte PrĂ€sident Muhammad Yahya Khan die Wahl fĂŒr ungĂŒltig, verbot die Awami-Liga und nahm deren FĂŒhrer gefangen. In der Folge kam es zu Ausschreitungen, die im Völkermord in Ostpakistan und im ostpakistanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg gipfelten. Im Dezember 1971 erklĂ€rte sich Ostpakistan als Bangladesch fĂŒr unabhĂ€ngig.

Außenpolitisch stand Pakistan stets im Schatten seines grĂ¶ĂŸeren und mĂ€chtigeren Nachbarn Indien, mit dem es seit 1947 drei Kriege fĂŒhrte, davon zwei um die von beiden Seiten beanspruchte Region Kaschmir. Weder der Erste Indisch-Pakistanische Krieg von 1947 bis 1949 noch der Zweite Indisch-Pakistanische Krieg 1965 Ă€nderten etwas am umstrittenen Status Kaschmirs. 1971 griff Indien auf der Seite der ostpakistanischen UnabhĂ€ngigkeitsbewegung in den Bangladesch-Krieg ein. 1999 kam es erneut zu einer bewaffneten Auseinandersetzung um Kaschmir, die jedoch auf einen kleinen geographischen Raum beschrĂ€nkt blieb. Offiziell befanden sich Indien und Pakistan nicht im Kriegszustand, dennoch wird der Konflikt angesichts mehrerer hundert Toter innerhalb weniger Wochen sowie des Einsatzes schweren KriegsgerĂ€ts heute als Kargil-Krieg bezeichnet.

Die Sezession von Ostpakistan unter dem Namen ‚Bangladesch‘ bedeutete eine fundamentale Staatskrise fĂŒr Pakistan: Nicht nur war erneut ein Krieg gegen den Rivalen Indien verloren worden, sondern das gesamte Staatsmodell Pakistans schien in Frage gestellt. Pakistan war ohne historische Vorbilder mit dem Anspruch gegrĂŒndet worden, der Staat fĂŒr alle Muslime auf den indischen Subkontinent zu sein. Dies war die Leitidee, die die unterschiedlichen Völker Pakistans zusammenhalten sollte. Nach 1971 konnte Pakistan diesen Anspruch nicht mehr aufrechterhalten. Die Muslime des Indischen Subkontinents verteilten sich nun zu Ă€hnlich großen Teilen auf drei Staaten: Pakistan, Indien und Bangladesch. Dementsprechend begannen sich Politiker anderer Volksgruppen in Pakistan zu fragen, warum sie weiter im verbleibenden Reststaat Pakistan verbleiben sollten. Die Autonomiebewegungen im Sindh („Sindhudesh“) und in Belutschistan erhielten Auftrieb.

Demokratische Zwischenphase und MilitÀrdiktatur

Der Verlust des östlichen Landesteiles veranlasste PrĂ€sident Yahya Khan 1971 zum RĂŒcktritt, was eine vorsichtige Demokratisierung Pakistans einleitete. Sein Nachfolger Zulfikar Ali Bhutto erließ 1973 eine neue Verfassung, in der er dem Premierminister die wichtigsten Vollmachten zuerkannte und die Rolle des PrĂ€sidenten auf rein reprĂ€sentative Aufgaben beschrĂ€nkte. 1977 scheiterte die Bildung einer demokratischen Regierung. General Mohammed Zia-ul-Haq rief das Kriegsrecht aus und begrĂŒndete damit die dritte MilitĂ€rdiktatur. Er leitete die Islamisierung Pakistans ein, unter anderem, indem er die Scharia als Rechtsgrundlage einfĂŒhrte. Belastend auf die politische und wirtschaftliche StabilitĂ€t wirkten sich der BĂŒrgerkrieg und die sowjetische Intervention im Nachbarland Afghanistan zwischen 1979 und 1989 aus.

Pakistan intervenierte massiv, nachdem eine pro-sowjetische Regierung in Afghanistan an die Macht gekommen war. Die dort gegen die Regierung operierenden Mudschahed erhielten seit 1979 finanzielle und sachliche UnterstĂŒtzung, letzteres mit Waffen, vor allem durch die USA, durch Pakistan und Saudi-Arabien. Die Waffenlieferungen und die Ausbildung vieler KĂ€mpfer wurden neben und mit der CIA vom Geheimdienst Pakistans, Inter-Services Intelligence ISI, organisiert. Die CIA investierte im Rahmen der verdeckten Operation Cyclone mehrere Milliarden US-Dollar in die KĂ€mpfe der islamistischen AufstĂ€ndischen.

Demokratie 1988–1999

Nach dem Tod Zia-ul-Haqs 1988 fanden erstmals seit 1977 wieder freie Wahlen statt, aus denen mit Benazir Bhutto zum ersten Mal in der Geschichte eines islamischen Staates eine Frau als Siegerin hervorging. Auf sie folgte 1990 die Regierung Nawaz Sharif. 1993 gelang Bhutto die RĂŒckkehr an die Macht, bis sie 1997 abermals von Sharif abgelöst wurde.

Nachdem Indien Mitte Mai 1998 zum ersten Mal seit 1974 Kernwaffentests vorgenommen hatte, reagierte Pakistan am 28. und 30. Mai 1998 seinerseits mit unterirdischen Tests und bestĂ€tigte damit endgĂŒltig den erfolgreichen Abschluss seines 1972 begonnenen Atomprogramms. Vermutlich ist Pakistan bereits seit Beginn der 1980er-Jahre im Besitz von Kernwaffen.

MilitĂ€rdiktatur 1999–2008

In einer auf die Kargil-Region Kaschmirs begrenzten militÀrischen Auseinandersetzung mit Indien im Sommer 1999 (siehe Kargil-Krieg) erlitt Pakistan eine Niederlage. Daraufhin setzte General Pervez Musharraf die gewÀhlte Regierung Sharifs in einem MilitÀrputsch ab und errichtete die vierte MilitÀrdiktatur Pakistans. 2001 trat er das PrÀsidentenamt an.

Seit 2003 ist eine behutsame AnnÀherung zwischen Indien und Pakistan zu bemerken. So fanden Gefangenenaustausche statt und wurden Verbindungen in der Kaschmirregion geöffnet. Im Jahr 2004 begann der Konflikt in Nordwest-Pakistan zwischen Islamisten in den Stammesgebieten, darunter aus Afghanistan geflohene Taliban, und der pakistanischen Zentralregierung.

Im Oktober 2005 kamen mehr als 73.000 Menschen nach einem schweren Erdbeben im Nordwesten ums Leben, drei Millionen Menschen verloren ihr Obdach.

Am 3. November 2007 erklĂ€rte General Musharraf den Ausnahmezustand und setzte die Verfassung außer Kraft. Im Vorfeld der Parlamentswahlen am 8. Januar 2008 hob General Musharraf den Ausnahmezustand am 15. Dezember wieder auf, allerdings nicht die BeschrĂ€nkungen der Pressefreiheit. Überschattet wurden die Vorbereitungen der Wahlen durch den Mord an OppositionsfĂŒhrerin Benazir Bhutto am 27. Dezember 2007 in Rawalpindi. Zumeist wurde der AnfĂŒhrer der Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP), der pakistanischen Taliban, Baitullah Mehsud fĂŒr das Attentat verantwortlich gemacht. Aufgrund der nachfolgenden Unruhen wurde die Wahl auf den 18. Februar 2008 verschoben. Die Wahl gewann die Pakistanische Volkspartei (PPP) und Yousaf Raza Gilani wurde am 24. MĂ€rz mit 264 Stimmen zum neuen Premierminister gewĂ€hlt. Einen Tag spĂ€ter wurde er von PrĂ€sident Musharraf vereidigt. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Aufhebung des Hausarrests ĂŒber den ehemaligen obersten Richter Iftikhar Mohammad Chaudhry, der im November von Musharraf abgesetzt worden war.

Machtwechsel und Demokratisierung

Gegen den Willen der Opposition verkĂŒndete die pakistanische Wahlkommission mit Verweis auf die Situation im Land am 2. Januar 2008 eine Verschiebung der Parlamentswahlen auf den 18. Februar 2008. Deren Vorfeld war von weiteren AnschlĂ€gen und Gewalttaten ĂŒberschattet.

Die Wahlen konnten die Parteien der Opposition klar fĂŒr sich entscheiden: StĂ€rkste Partei wurde die PPP, gefolgt von der durch Nawaz Sharif gefĂŒhrten PML-N. Kurz darauf einigten sich beide Parteien auf eine Koalition. Die PrĂ€sident Musharraf nahestehende PML-Q war nur noch Drittplatzierte bei den Wahlen, was Musharrafs politische Stellung erheblich schwĂ€chte und die Opposition ermunterte, seinen RĂŒcktritt zu fordern.

Am 24. MĂ€rz 2008 wĂ€hlte das Parlament den PPP-Politiker und frĂŒheren ParlamentsprĂ€sidenten Yousaf Raza Gilani zum Premierminister. Dieser ordnete umgehend die Freilassung aller bei der VerhĂ€ngung des Ausnahmezustandes im November 2007 inhaftierten oder unter Hausarrest gestellten Richter und RechtsanwĂ€lte an. Gilani, der unter Musharraf von Februar 2001 bis Oktober 2006 selbst inhaftiert war, wurde von diesem am 25. MĂ€rz 2008 als neuer Regierungschef vereidigt. Aufgrund dieser demokratischen Entwicklung vollzog das Commonwealth am 12. Mai 2008 die Wiederaufnahme Pakistans.

Der innenpolitisch schwer unter Druck geratene PrĂ€sident Musharraf erklĂ€rte am 18. August 2008 seinen RĂŒcktritt, der vor allem durch die Tatsache bedingt war, dass die neue Regierung ein Amtsenthebungsverfahren veranlassen wollte. Diesem wollte Musharraf wohl zuvorkommen.

Der sich im Vorfeld der PrĂ€sidentschaftsneuwahlen verstĂ€rkende Machtkampf zwischen der PPP und der PML-N fĂŒhrte am 25. August 2008 zum Bruch der Regierungskoalition, sodass beide Parteien mit einem eigenen PrĂ€sidentschaftskandidaten antraten, die PPP mit ihrem amtierenden Vorsitzenden und Bhutto-Witwer Asif Ali Zardari, die PML-N mit dem ehemaligen Richter Saeed uz Zaman Siddiqui. Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen am 6. September 2008 konnte Zardari die deutliche Mehrheit der Stimmen im Unterhaus, im Senat und in den vier Provinzparlamenten gewinnen und wurde so neuer PrĂ€sident.

Im Juli/August 2010 kam es im nordwestlichen Pakistan als Folge des starken Monsuns zu katastrophalen Überschwemmungen, die bis 20 Millionen Menschen betrafen. Im Oberlauf des Indus gab es mindestens 1600 Tote zu beklagen.

Bei den Parlamentswahlen 2013 vom 11. Mai gewann die Muslimliga deutlich mit 126 von 272 Sitzen.

Politik

Seit der UnabhĂ€ngigkeit ist die politische Lage Pakistans durch mangelnde StabilitĂ€t gekennzeichnet. Kurze demokratische Phasen wurden immer wieder von MilitĂ€rputschen unterbrochen. MilitĂ€rs regierten das Land von 1958 bis 1971, von 1977 bis 1988 und von 1999 bis 2008. Am 23. MĂ€rz 1956 trat die erste Verfassung in Kraft, mit der Pakistan zum ersten sich als Islamische Republik bezeichnenden Staat wurde, die aber bereits nach zwei Jahren wieder außer Kraft gesetzt wurde. Es folgten weitere Verfassungen 1973 und 1985. Seit 1993, mit Unterbrechung von 1999 bis 2002, ist wieder die Verfassung von 1973 in Kraft.

In einigen Gebieten Westpakistans mit stark ausgeprĂ€gten feudalen und clanĂ€hnlichen Stammesstrukturen ist das staatliche Gewaltmonopol eingeschrĂ€nkt. Besonders in der von Großgrundbesitzern, paschtunischen StammesfĂŒhrern und TalibanverbĂ€nden kontrollierten Grenzregion Wasiristan in den Stammesgebieten unter Bundesverwaltung ĂŒbt Islamabad praktisch keinerlei Hoheitsrechte mehr aus. Auch in einigen lĂ€ndlichen Teilen Belutschistans und Khyber Pakhtunkhwas kann sich der Staat nur leidlich gegen den Einfluss von StammesfĂŒhrern und reichen Landbesitzern durchsetzen. Selbst in den bevölkerungsreichen Kernregionen Punjab und Sindh, die eine im Ansatz funktionierende öffentliche Verwaltung haben, ist das staatliche Gewaltmonopol durch hĂ€ufig gewalttĂ€tige Ausschreitungen, eine ausufernde Korruption sowie durch den allgegenwĂ€rtigen Machtmissbrauch der SicherheitskrĂ€fte, die bis hin zu willkĂŒrlichen Tötungen reichen (extralegale Hinrichtung), in hohem Maße gefĂ€hrdet.

Der pakistanische Staat ist auf praktisch allen Verwaltungsebenen von Korruption durchzogen.

Politisches System

GemĂ€ĂŸ der 1973 erlassenen, mehrfach geĂ€nderten Verfassung ist die Islamische Republik Pakistan eine föderalistische, semiprĂ€sidentielle Demokratie. Der Islam ist Staatsreligion. 1999 wurde die Verfassung nach einem Staatsstreich außer Kraft gesetzt und das Parlament aufgelöst. Obwohl die Verfassung seit 2002 schrittweise wiederhergestellt wurde und 2002 erstmals wieder Parlamentswahlen stattfanden, regierte der MilitĂ€rmachthaber Pervez Musharraf, der seit 2001 auch formell das höchste Staatsamt innehatte, seit 1999 de facto diktatorisch. Die Parlamentswahlen 2002 verliefen zwar weitgehend regelmĂ€ĂŸig und friedlich, allerdings hatte das MilitĂ€rregime im Vorfeld die beiden ehemaligen Premierminister Benazir Bhutto und Nawaz Sharif von den Wahlen ausgeschlossen, weitere Oppositionskandidaten benachteiligt und den Wahlkampf eingeschrĂ€nkt. Die Parlamentswahlen 2008 brachten einen Sieg der Oppositionsparteien um die kurz zuvor ermordete Benazir Bhutto und Nawaz Sharif, so dass Pervez Musharraf Ende 2008 unter öffentlichem Druck zurĂŒcktrat.

Staatsoberhaupt Pakistans ist der PrĂ€sident, der laut Verfassung von einem Wahlgremium – bestehend aus den beiden Bundesparlamenten und den Regionalparlamenten der vier Provinzen – auf fĂŒnf Jahre gewĂ€hlt wird. Er muss Muslim und bei Amtsantritt mindestens 45 Jahre alt sein. Seine Aufgaben sind ĂŒberwiegend reprĂ€sentativer Natur, darĂŒber hinaus verfĂŒgt er jedoch ĂŒber einige Sonderrechte. So kann er jederzeit die Nationalversammlung auflösen und besitzt den Oberbefehl ĂŒber die StreitkrĂ€fte. Pervez Musharraf gelangte 1999 durch einen Staatsstreich an die Macht, ernannte sich 2001 selbst zum PrĂ€sidenten und ließ sich 2002 in einer von unabhĂ€ngigen Wahlbeobachtern sowie der politischen Opposition als hochgradig unfair eingestuften Volksabstimmung im Amt bestĂ€tigen. Mittels umfangreicher VerfassungsĂ€nderungen stĂ€rkte er die Machtstellung des PrĂ€sidenten. 2004 schuf er den Nationalen Sicherheitsrat unter seinem Vorsitz, der den Ausnahmezustand ĂŒber das Land verhĂ€ngen kann. De facto ist Pakistan daher ein PrĂ€sidialregime.

Die gesetzgebende Gewalt liegt nach der Verfassung beim Parlament (Majlis-e-Shoora). Es besteht aus zwei Kammern, der Nationalversammlung (Unterhaus) und dem Senat (Oberhaus). Die Nationalversammlung umfasst 342 Abgeordnete, wovon 272 fĂŒr fĂŒnf Jahre nach Mehrheitswahlrecht direkt vom Volk gewĂ€hlt werden. Wahlberechtigt sind alle StaatsbĂŒrger ab einem Alter von 18 Jahren. 60 Parlamentssitze sind Frauen, zehn weitere Vertretern religiöser Minderheiten vorbehalten. Die reservierten Sitze werden auf die in der Nationalversammlung vertretenen Parteien entsprechend ihrem Stimmenanteil verteilt. Der Senat hat 100 Abgeordnete, die von den Parlamenten der vier Provinzen sowie der Stammesgebiete unter Bundesverwaltung gewĂ€hlt werden. Obwohl der Senat in der Hierarchie ĂŒber der Nationalversammlung steht, hat letztere weiter reichende Befugnisse. So wĂ€hlt diese den Premierminister, dem laut Verfassung die eigentliche Regierungsgewalt zukommt, und hat die alleinige Entscheidungsbefugnis ĂŒber den Staatshaushalt und die Finanzgesetzgebung des Landes.

Politische Indizes

Föderale Struktur, Verwaltungsgliederung

Pakistan ist nach der Verfassung von 1973 ein föderaler Staat. Er untergliedert sich in die vier Provinzen Belutschistan, Khyber Pakhtunkhwa (ehem. Nordwestliche Grenzprovinz), Punjab und Sindh, die jeweils ĂŒber eine auf fĂŒnf Jahre direkt vom Volk gewĂ€hlte Provinzversammlung (Pronvincial Assembly) verfĂŒgen. Regierungschef ist der Chief Minister, der von der Provinzversammlung gewĂ€hlt wird und im Allgemeinen der Vorsitzende der Partei ist, welche die stĂ€rkste Fraktion bildet. Dem Chief Minister steht jedoch in jeder Provinz ein vom PrĂ€sidenten ernannter Gouverneur vor, der nach Absprache mit dem PrĂ€sidenten die Provinzversammlung auflösen und eine Übergangsregierung bilden kann.

Das Hauptstadtterritorium Islamabad wird unmittelbar von der pakistanischen Zentralregierung verwaltet, ebenso das unter pakistanischer Kontrolle stehende Gilgit-Baltistan (ehem. Nordgebiete) der von Indien beanspruchten Region Kaschmir. Zu letzterer gehört auch das teilautonome Gebiet Asad Kaschmir, das ĂŒber eine eigene gesetzgebende Versammlung (Legislative Assembly), einen Premierminister und einen PrĂ€sidenten verfĂŒgt.

Jede Verwaltungseinheit ist in Distrikte untergliedert. Das Hauptstadtterritorium bildet einen eigenen Distrikt. Insgesamt gibt es in Pakistan 119 Distrikte, davon 14 im pakistanisch kontrollierten Teil Kaschmirs. Eine Ausnahme stellen die Stammesgebiete unter Bundesverwaltung dar.

Rechtssystem

Das pakistanische Rechtswesen beruht zwar noch grĂ¶ĂŸtenteils auf britisch-indischem Recht einschließlich des Common Law und der Frontier Crimes Regulation, umfasst aber seit den 1970er-Jahren auch viele Bestandteile des islamischen Rechts auf Grundlage der Scharia. So richtet sich das Familien- und Erbrecht ausschließlich nach islamischem Recht. Unter der Diktatur General Mohammed Zia-ul-Haqs (1977 bis 1988) wurde auch das Strafrecht islamisiert.

Oberster Gerichtshof des Landes ist der Supreme Court mit Sitz in Islamabad. Den Vorsitz fĂŒhrt der vom PrĂ€sidenten ernannte Chief Justice. Die anderen Richter des Supreme Courts sowie alle Richter der ihm untergeordneten High Courts der vier Provinzen werden nach Absprache mit dem Chief Justice ebenfalls vom PrĂ€sidenten ernannt. Der Supreme Court ist das höchste Berufungsgericht Pakistans, verfĂŒgt aber auch ĂŒber Entscheidungsgewalt in Streitfragen zwischen der Zentralregierung und den Provinzen bzw. zwischen den Provinzen untereinander.

Neben der zivilen Gerichtsbarkeit gibt es einen Federal Shariat Court (Scharia-Gerichtshof des Bundes) mit acht Richtern. Drei davon sind islamische Glaubensgelehrte (Ulama). Die Aufgabe des Federal Shariat Court besteht darin, die Vereinbarkeit der Gesetzgebung mit den Geboten des Islam zu prĂŒfen. Widerspricht ein Gesetz der islamischen Rechtsauslegung, so kann das Gericht je nach ZustĂ€ndigkeit den PrĂ€sidenten oder den Gouverneur einer Provinz zur Überarbeitung des entsprechenden Gesetzes zwingen. An niedrigeren Gerichtshöfen gibt es gesonderte Kammern, in denen Ulama nach islamischem Recht urteilen.

Die frĂŒher vor allem bei den Paschtunen ĂŒblichen StammesrĂ€te (Jirgas) sind zwar verboten, genießen aber in einigen lĂ€ndlichen Landesteilen wie den Federally Administered Tribal Areas (FATA) noch immer hohes Ansehen und urteilen weitestgehend unabhĂ€ngig vom geltenden staatlichen Recht nach dem Paschtunwali.

Politische Parteien

Trotz einer vielfĂ€ltigen Parteienlandschaft ist parteipolitische Arbeit in Pakistan nur begrenzt wirksam. Ursache ist insbesondere die mangelnde AusprĂ€gung einer demokratischen Kultur infolge wiederkehrender MilitĂ€rherrschaften, einer starken Ausrichtung der Politik auf einzelne FĂŒhrungspersönlichkeiten und eines fehlenden ideologischen Unterbaus vieler Parteien. Dabei kam der Muslimliga unmittelbar nach der UnabhĂ€ngigkeit eine Ă€hnlich staatstragende Rolle zu wie der Kongresspartei in Indien. Nach dem Tod des ParteifĂŒhrers Muhammad Ali Jinnah 1948 verlor sie jedoch schnell an Bedeutung. Die heute bedeutendste Abspaltung der Muslimliga ist die dem ehemaligen MilitĂ€rmachthaber Pervez Musharraf besonders nahestehende Pakistan Muslim League Quaid-e-Azam (PML-Q). Der Namenszusatz Quaid-e-Azam bedeutet im Urdu „Großer FĂŒhrer“ und steht fĂŒr den StaatsgrĂŒnder Muhammad Ali Jinnah. Die eher linksgerichtete Pakistan People’s Party (Pakistanische Volkspartei; PPP) wurde 1967 gegrĂŒndet und war unter Zulfikar Ali Bhutto und dessen Tochter Benazir Bhutto Regierungspartei. Die beiden großen islamistischen Parteien Jamaat-e-Islami (Islamische Gemeinschaft; JI) und Jamiat Ulema-e-Islam (Gemeinschaft Islamischer Gelehrter; JUI) haben sich mit einigen weiteren Parteien der religiösen Rechten zum BĂŒndnis Muttahida Majlis-e-Amal (Vereinigte Aktionsfront; MMA) zusammengeschlossen. Die meisten AnhĂ€nger besitzt die MMA in Belutschistan sowie in der Khyber Pakhtunkhwa, wo sie seit 2002 auch die Regierung stellt. Im Rest des Landes ist sie nur mĂ€ĂŸig erfolgreich. Die Muttahida-Qaumi-Bewegung (Vereinigte Volksbewegung; MQM) ist die Interessenvertretung der Minderheit der Muhajir.

Verschiedene oppositionelle Bewegungen, wie die von Muhammad Tahir-ul-Qadri, können nur temporÀr mobilisieren. Die PTI mit ihrem Vorsitzenden Imran Khan konnte in den letzten Jahren jedoch einen Aufschwung verzeichnen, da sie Probleme des kleinen Mannes anspricht und somit einen Zuwachs an Mitgliedern erhielt und den etablierten Parteien Paroli bietet.

Außenpolitik

Pakistans außenpolitische Beziehungen sind seit der UnabhĂ€ngigkeit vor allem durch das VerhĂ€ltnis zum Nachbarland Indien gekennzeichnet, das durch den ungeklĂ€rten Status der von beiden Seiten beanspruchten, ĂŒberwiegend muslimischen Region Kaschmir stark belastet ist. Bereits dreimal fĂŒhrten Pakistan und Indien Krieg um die umstrittene Region. Im Ersten Kaschmirkrieg 1947/48 besetzte Indien das kaschmirische Kernland sowie die mehrheitlich hinduistische Gegend um Jammu und das buddhistische Ladakh. Pakistan eroberte den nördlichen Teil und ein kleines Gebiet im Westen Kaschmirs, das als „Asad Kaschmir“ („Freies Kaschmir“) einen teilautonomen Status erhielt. Die 1949 von den Vereinten Nationen ausgehandelte Waffenstillstandslinie hat unter der Bezeichnung Line of Control bis heute Bestand – daran Ă€nderten auch ein weiterer um die Region gefĂŒhrter Krieg 1965 und der bewaffnete Konflikt des Jahres 1999 nichts – wurde aber nie als endgĂŒltige Grenze anerkannt. Vielmehr besteht Pakistan auf einer ebenfalls von den Vereinten Nationen vorgeschlagenen Volksabstimmung ĂŒber den endgĂŒltigen Status Kaschmirs. Diese hat jedoch bis heute nicht stattgefunden, da sich Indien auf die im Oktober 1947 unterzeichnete BeitrittserklĂ€rung des bis dahin quasi selbststĂ€ndigen Königreiches Kaschmir zur Indischen Union beruft. Auch 1971 fĂŒhrten Pakistan und Indien Krieg gegeneinander, allerdings nicht um Kaschmir, sondern wegen des in Ostpakistan (Bangladesch) tobenden UnabhĂ€ngigkeitskrieges, in den Indien auf Seiten Ostpakistans eingriff. Seit dem Kargil-Krieg, 1999, ist das VerhĂ€ltnis von Pakistan und Indien durch deren Besitz von Atomwaffen nur noch mehr verschĂ€rft worden. 2002 standen diese beiden verfeindeten Staaten letztmals kurz vor einer bewaffneten Auseinandersetzung. Seitdem zeichnet sich ein leichter, durch wirtschaftliche Interessen begĂŒnstigter Entspannungsprozess ab. Es kam zu vertrauensbildenden Maßnahmen wie der Eröffnung mehrerer grenzĂŒberschreitender Verkehrsverbindungen. Auch treffen hochrangige Regierungsvertreter beider Staaten mittlerweile regelmĂ€ĂŸig zu GesprĂ€chen zusammen, um den Friedensprozess voranzutreiben. Eine endgĂŒltige Lösung der Kaschmir-Frage steht jedoch nach wie vor aus. Einen RĂŒckschlag fĂŒr die Entwicklung stellten die AnschlĂ€ge am 26. November 2008 in Mumbai dar, als zehn junge MĂ€nner, die in Kaschmir von der islamistischen Terrororganisation Laschkar-e Taiba ausgebildet worden waren, 174 Menschen töteten. Hardliner in Indien forderten daraufhin einen MilitĂ€rschlag gegen Pakistan und die damalige US-Außenministerin Condoleezza Rice reiste schnell nach Neu-Delhi und Islamabad, um die Lage zu beruhigen. Ein weiterer RĂŒckschlag war die Ausbreitung der afghanischen Terrororganisation Taliban und anderen radikalislamischen Gruppen im Nordwesten von Pakistan an der Grenze zu Afghanistan, da die Regierung kaum Kontrolle ĂŒber sie ausĂŒben konnte.

Zur Absicherung gegenĂŒber Indien sucht Pakistan seit seinem Bestehen starke BĂŒndnispartner, die es vor allem in den USA und der Volksrepublik China gefunden hat. BegĂŒnstigt wurden die pakistanischen BĂŒndnisbestrebungen durch die Konstellation des Kalten Krieges, in dessen Verlauf sich Indien zunehmend in Richtung der Sowjetunion orientierte und damit die USA und China verĂ€rgerte. Dementsprechend waren die pakistanisch-sowjetischen Beziehungen eher unterkĂŒhlt. Die USA dagegen ließen Pakistan seit den 1950er-Jahren nicht nur umfangreiche finanzielle UnterstĂŒtzung zukommen, sondern belieferten das Land auch mit Waffen. WĂ€hrend der MilitĂ€rdiktatur Mohammed Zia-ul-Haqs verschlechterten sich die Beziehungen zunĂ€chst. Angesichts des Ausfalls des Iran als amerikanischer VerbĂŒndeter nach der Islamischen Revolution unter Ajatollah Chomeini und der Intervention sowjetischer Truppen im afghanischen BĂŒrgerkrieg 1979 gewann Pakistan jedoch erneut eine herausragende Bedeutung fĂŒr die US-Außenpolitik. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion bĂŒĂŸte Pakistan einen Teil dieser Bedeutung wieder ein. In den 1990er-Jahren verschlechterten sich die Beziehungen zu den USA sogar zusehends, da die von Pakistan unterstĂŒtzten religiösen Extremisten im afghanischen BĂŒrgerkrieg nicht mehr der BekĂ€mpfung der Sowjets dienlich waren, sondern sich zu einem Sicherheitsproblem fĂŒr den Westen entwickelten. Seitdem sich PrĂ€sident Pervez Musharraf nach den TerroranschlĂ€gen des 11. September 2001 auf die Seite der USA stellte, spielt Pakistan aber erneut eine wichtige Rolle im außenpolitischen GefĂŒge der USA, allerdings nicht mehr in Hinblick auf Indien, das mittlerweile zu einem bedeutenden strategischen Partner der USA in der Region geworden ist, sondern vor allem im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. Pakistan steht seit 2004 auf der Liste der Major non-NATO ally und gehört damit zu den engsten diplomatischen und strategischen Partnern der USA außerhalb der NATO. Allerdings lassen die aktuellen Entwicklungen, insbesondere der immer stĂ€rker um sich greifende Terrorismus, Zweifel an der stabilisierenden Wirkung auf Afghanistan aufkommen, da der Westen Pakistans von Taliban-AnhĂ€ngern als Basis genutzt wird. Neu entstandene Untergrundorganisationen wie die aus 13 Gruppen entstandene Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) um Baitullah Mehsud und nach seinem Tod Hakimullah Mehsud fokussierten sich seit 2006 auf den Kampf gegen den pakistanischen Staat und die schiitische Minderheit. Außerdem gestaltet sich die politische Lage hinsichtlich des pakistanischen Atomwaffenarsenals und des erstarkenden Fundamentalismus zunehmend bedrohlich. Die Regierung von PrĂ€sident Donald Trump wirft Pakistan vor, die radikalislamischen Taliban und das mit ihnen verbĂŒndete Hakkani-Netzwerk zu unterstĂŒtzen und ihnen einen RĂŒckzugsort zu geben. Am 4. Januar 2018 stoppte die US-Regierung die Sicherheitshilfen fĂŒr Pakistan. Bereits im August 2017 hatte die Regierung erklĂ€rt, 255 Millionen Dollar an MilitĂ€rhilfe fĂŒr Pakistan zurĂŒckzuhalten.

Die meisten LĂ€nder der EuropĂ€ischen Union unterhalten freundschaftliche Beziehungen zu Pakistan. Obwohl die EU sowie verschiedene europĂ€ische Regierungen dem pakistanischen Regierungssystem verhalten gegenĂŒberstehen und Bedenken bezĂŒglich der Lage von Demokratie und Menschenrechten Ă€ußerten, steht die Rolle der pakistanischen Regierung als Gegner islamistischer Bewegungen sowie als möglicher Stabilisierungsfaktor fĂŒr Afghanistan, wo mehrere europĂ€ische Staaten an der Schutztruppe ISAF beteiligt sind, deutlich im Vordergrund. Zudem strebt die EU als wichtigster Außenhandelspartner Pakistans eine Ausweitung der wirtschaftlichen Beziehungen an. Die EuropĂ€ische Kommission ist seit 1985 mit einer diplomatischen Vertretung in Islamabad anwesend.

Die Beziehungen Pakistans zu seinem westlichen Nachbarn Iran sind zwiespĂ€ltig. Bis in die jĂŒngere Vergangenheit arbeiteten beide LĂ€nder eng miteinander zusammen. Der Iran unterstĂŒtzte Pakistan sogar militĂ€risch, etwa bei der Niederschlagung separatistischer AufstĂ€nde der Belutschen auf pakistanischem Hoheitsgebiet zwischen 1973 und 1977. Auch die Islamische Revolution im Jahre 1979 und die damit verbundene Abkehr des Irans von seiner bis dahin pro-amerikanischen Außenpolitik bedeutete keinen Bruch in den Beziehungen der Nachbarstaaten. Erst die zunehmende Gewalt sunnitischer Extremisten gegen die schiitische Minderheit in Pakistan seit Beginn der 1990er-Jahre zog eine AbkĂŒhlung der Beziehungen nach sich. Der schiitische Islam ist Staatsreligion im Iran. Noch schwerwiegender wirkte sich die mutmaßliche UnterstĂŒtzung des streng sunnitischen Taliban-Regimes in Afghanistan durch Pakistan aus. Seit dem Ende der Taliban 2001 und dem schĂ€rferen Vorgehen der Regierung Musharraf gegen extremistische Sunniten im eigenen Land haben sich die Beziehungen merklich entspannt. Bislang wurden sie auch durch den Streit zwischen den USA und der iranischen Regierung unter Mahmud Ahmadinedschad ĂŒber das iranische Atomprogramm kaum getrĂŒbt. Der Iran hat sich sogar wiederholt als Vermittler im indisch-pakistanischen Kaschmirstreit angeboten, da er zu beiden Seiten gute Beziehungen unterhĂ€lt.

Mitgliedschaft in internationalen Organisationen

Im UnabhĂ€ngigkeitsjahr 1947 trat Pakistan den Vereinten Nationen bei. Aus dem Commonwealth of Nations, dem es ebenfalls seit seiner UnabhĂ€ngigkeit angehörte, trat es 1972 aus Protest gegen die Abspaltung Bangladeschs und dessen Beitritt zum Commonwealth aus. Erst 1989 entschloss sich Pakistan zum Wiedereintritt, wurde aber 1999 nach dem Staatsstreich Pervez Musharrafs suspendiert und erst 2004 wieder zugelassen. Etwa 3 Wochen nach der VerhĂ€ngung des Ausnahmezustand ĂŒber ganz Pakistan suspendierte der Commonwealth am 22. November 2007 Pakistan erneut. Zudem ist der Staat Mitglied der Weltbank, des Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF), der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), der Asiatischen Entwicklungsbank, der SĂŒdasiatischen Vereinigung fĂŒr Regionale Zusammenarbeit (SAARC), der Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECO) und vieler weiterer internationaler Organisationen. 2005 erhielt Pakistan gleichzeitig mit Indien und dem Iran Beobachterstatus bei der Shanghaier Organisation fĂŒr Zusammenarbeit (SCO), seit 2017 ist Pakistan vollstĂ€ndiges Mitglied.

StreitkrÀfte und Verteidigung

MilitÀr

Die pakistanische Armee teilt sich in die drei klassischen TeilstreitkrĂ€fte auf, das Heer mit rund 550.000 Mann, die LuftstreitkrĂ€fte mit 45.000 Mann, die Marine und KĂŒstenwache mit einer MannstĂ€rke von 24.000. Eine weitere 1999 von Pervez Musharraf eingefĂŒhrte Teilstreitkraft ist das „Strategische Nuklearkommando“. Das atomare Arsenal wird auf 150 Sprengköpfe geschĂ€tzt. Offizielle Angaben dazu gibt es nicht. Ebenfalls unklar ist die Anzahl der Mittel- und Langstreckenraketen Pakistans. Die Zahl der aktiven Soldaten betrĂ€gt 915.000. Dazu kommen 513.000 Reservisten und rund 300.000 Mann in paramilitĂ€rischen Einheiten. Insgesamt umfassen die StreitkrĂ€fte damit 1,43 Millionen Mann. Es handelt sich um eine reine Freiwilligenarmee, eine Wehrpflicht besteht nicht. In der Geschichte des Landes kam es zu mehreren Staatsstreichen des MilitĂ€rs. Die StreitkrĂ€fte halten aber nicht nur die politische Macht in HĂ€nden, sie kontrollieren auch große Teile der Wirtschaft.

Pakistan gab 2017 knapp 3,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 10,8 Milliarden Dollar fĂŒr seine StreitkrĂ€fte aus. Insgesamt 16,7 % der Ausgaben im Staatshaushalt gehen an das MilitĂ€r, was im weltweiten Vergleich ein sehr hoher Wert ist.

Geheimdienste

Großen Einfluss auf die Politik haben die drei großen, verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig selbststĂ€ndig handelnden Geheimdienste. Die Inter-Services Intelligence (ISI) ist der grĂ¶ĂŸte Geheimdienst und oberste Koordinationsstelle fĂŒr alle nachrichtendienstlichen AktivitĂ€ten. Sie erfĂŒllt eine Vielzahl sowohl innerer als auch Ă€ußerer Funktionen wie die Überwachung der Medien, politischer Gruppierungen sowie von AuslĂ€ndern, insbesondere Diplomaten. Im Kriegsfall ĂŒbernimmt sie SpionageaktivitĂ€ten im feindlichen Ausland. Daneben ist sie auch fĂŒr die Sicherheit des pakistanischen Atomprogrammes verantwortlich. Der Generaldirektor der ISI muss ein Mitglied der pakistanischen Armee sein. Auf Grund mehrerer BestechungsaffĂ€ren, mit denen sie in Verbindung gebracht wird, und der UnterstĂŒtzung und AusrĂŒstung militanter Extremisten ist sie Ă€ußerst umstritten und wird als „Staat im Staat“ betrachtet.

Das zivile Intelligence Bureau (IB) untersteht dem Innenministerium. Seine vornehmliche Aufgabe besteht in der Überwachung von Politikern, politischen Aktivisten und mutmaßlichen Terroristen. Zudem ist es mit der Spionageabwehr betraut.

Pakistans dritter großer Geheimdienst ist die der pakistanischen Armee unterstellte Military Intelligence (MI). Ihre Hauptaufgaben sind die Spionageabwehr und die Überwachung potenzieller Staatsfeinde.

Menschenrechtslage

Obwohl die pakistanische Verfassung Grundrechte wie die Unantastbarkeit der MenschenwĂŒrde, Gleichheit vor dem Gesetz, FreizĂŒgigkeit, Gefangenenrechte, Versammlungs-, Vereinigungs-, Meinungs- und Religionsfreiheit garantiert, werden Menschenrechte sowohl vom Staatsapparat als auch von einzelnen Elementen der Gesellschaft immer wieder missachtet. Die Regierung veranlasst willkĂŒrliche Verhaftungen und undurchsichtige Prozesse gegen VerdĂ€chtige. Pakistan verhĂ€ngt und wendet die Todesstrafe an.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch berichten wiederholt von staatlichen WillkĂŒrakten wie Folter und Misshandlungen gegen Vertreter von Organisationen zur StĂ€rkung der Rechte ethnischer Minderheiten, regierungskritische Menschenrechtsaktivisten und Personen, denen blasphemische Äußerungen oder Handlungen zur Last gelegt werden. Das Blasphemie-Gesetz fĂŒhrt auch zu willkĂŒrlichen Anzeigen von Privatpersonen oder sogar zu Lynchjustiz wie im Falle eines LeibwĂ€chters, der im Januar 2011 „im Sinne des Gesetzes“ Salman Taseer, den damaligen Gouverneur von Punjab, erschoss und seither dafĂŒr bejubelt wird. In den Landesteilen, ĂŒber die der Staat nur eingeschrĂ€nkt Kontrolle hat, urteilen Stammesgerichte oder -fĂŒhrer unabhĂ€ngig von den politischen Institutionen und der Verfassung des Landes. DarĂŒber hinaus findet Selbstjustiz statt, etwa in Form von Ehrenmorden an Frauen. 2015 wurden rund 1000 Ehrenmorde an Frauen und MĂ€dchen zur Anzeige gebracht, das waren mehr als im Jahre 2013 (869) oder 2010 (791). Frauen und MĂ€dchen sind hĂ€ufig Opfer von hĂ€uslicher Gewalt, ohne dass der Staat Maßnahmen zur Bestrafung der TĂ€ter einleitet. Das pakistanische Recht sieht vor, dass der TĂ€ter einer strafrechtlichen Verfolgung entgeht, sofern die Angehörigen des Opfers ihm vergeben.

International bekannt wurde die Hinrichtung eines mit 14 Jahren Verhafteten, der unter Folter eine Tat gestand und wegen fahrlĂ€ssiger Tötung von einem pakistanischen Gericht zum Tode verurteilt wurde. Shafqat Hussain war auf Grundlage des pakistanischen Anti-Terrorgesesetzes fĂŒr schuldig befunden worden, obwohl ihm keine Verbindungen zu einer Terrororganisation nachgewiesen werden konnten. Im Dezember 2014 hob Pakistan das Hinrichtungsmoratorium auf. Nach elf Jahren in der Todeszelle wurde das Urteil am 4. August 2015 gegen Shafqat Hussain vollstreckt und er in einem GefĂ€ngnis erhĂ€ngt.

Shafqat Hussain, der wegen EntfĂŒhrung und fahrlĂ€ssiger Tötung im Jahr 2004 zum Tode verurteilt worden war, wurde am 4. August im ZentralgefĂ€ngnis von Karatschi gehĂ€ngt. Zum Zeitpunkt der ihm zur Last gelegten Tat war er nach Angaben seiner AnwĂ€lte noch nicht volljĂ€hrig und wurde von der Polizei durch Folter zu einem „GestĂ€ndnis“ gezwungen wurde.

Er war auf Grundlage des pakistanischen Anti-Terrorgesesetzes fĂŒr schuldig befunden worden, obwohl ihm keine Verbindungen zu einer Terrororganisation nachgewiesen werden konnten. Nachdem Pakistan im Dezember 2014 ein Hinrichtungsmoratorium aufgehoben hatte, war die Exekution von Shafqat Hussain viermal ausgesetzt worden.

Im Herbst 2016 beschloss eine Sitzung beider Kammern des Parlaments zwei Gesetze gegen Ehrenmord und Vergewaltigung. Der die Regierung beratende Council of islamic Ideology befand Ehrenmorde fĂŒr unislamisch. Die Anwendung der Gesetze unter BerĂŒcksichtigung der ebenfalls geltenden Scharia bleibt fĂŒr die Richter ein Dilemma.

Außerdem gibt es in Pakistan einen hohen Prozentsatz an Kinderarbeit: Eine Untersuchung des pakistanischen Wirtschaftsministeriums in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) fand 1996 heraus, dass 3,3 Millionen Kinder zwischen fĂŒnf und 14 Jahren – dies entsprach 8,3 Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe – regelmĂ€ĂŸig einer wirtschaftlichen TĂ€tigkeit (bezahlte oder unbezahlte Arbeit außerhalb des Haushalts) nachgingen, vor allem in der Landwirtschaft und in der handwerklichen Exportproduktion. Allerdings zĂ€hlte die Untersuchung nur solche Kinder, deren Arbeit ihre HaupttĂ€tigkeit darstellte; Kinder, die eine Schule besuchten oder hauptsĂ€chlich Arbeiten im Haushalt verrichteten und nebenbei außerhalb des Haushaltes arbeiteten, wurden nicht erfasst. Auch dĂŒrften viele Familien die Arbeit ihrer Kinder verschwiegen haben, da Kinderarbeit unter 14 Jahren in Pakistan gesetzlich verboten ist. Das tatsĂ€chliche Ausmaß der Kinderarbeit dĂŒrfte demnach noch weitaus höher liegen. Die regierungsunabhĂ€ngige pakistanische Menschenrechtskommission geht in ihrem Bericht zur Lage der Menschenrechte fĂŒr 2005 unter Berufung auf die ILO von acht bis zehn Millionen Kinderarbeitern aus; dies entspricht etwa einem FĂŒnftel aller Kinder unter 14 Jahren.

Siehe auch: Konflikte in Pakistan und Soziale Lage in Pakistan

Wirtschaft

Pakistans Wirtschaft ist marktorientiert, obwohl die wirtschaftlichen Entwicklungsziele seit 1955 in staatlichen FĂŒnfjahresplĂ€nen festgehalten werden. Die in den 1970er-Jahren verstaatlichten industriellen Großbetriebe werden seit den 1990er-Jahren schrittweise reprivatisiert. Nach einer deutlichen Abbremsung des Wirtschaftswachstums infolge des MilitĂ€rputsches von 1999 befindet sich die pakistanische Wirtschaft seit 2002 wieder im Aufschwung. Im Wirtschaftsjahr 2016 wuchs sie um 5,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2020 nach Angaben der Internationalen WĂ€hrungsfonds rund 263 Milliarden US-Dollar. Das jĂ€hrliche Pro-Kopf-Einkommen ist mit weniger als 1.260 US-Dollar aber immer noch sehr gering und entspricht dem eines Entwicklungslandes.

Gehemmt wird die wirtschaftliche Entwicklung hauptsĂ€chlich durch die weitverbreitete Korruption, die in weiten Landesteilen unzureichende Infrastruktur sowie die aus der Sicht auslĂ€ndischer Investoren entscheidende instabile politische Lage in manchen Gegenden. Als „RĂŒckgrat der gesamten pakistanischen Wirtschaft“ gilt der Schmuggel mit Drogen, Waffen und Unterhaltungselektronik, der seine Basis hauptsĂ€chlich in den Stammesgebieten hat. UngĂŒnstig wirken sich eine hohe Teuerungsrate (2005/06: 7,9 Prozent) sowie ein betrĂ€chtliches Haushaltsdefizit aus, das zwar gegenĂŒber den 1990er-Jahren erheblich gesenkt werden konnte, aber 2016 noch immer 4,5 Prozent betrug. Pakistan muss Rohstoffe, Maschinen und Fahrzeuge importieren, was fĂŒr ein konstantes Handelsdefizit sorgt. Ausgeglichen wird dieses teilweise durch Überweisungen von im Ausland lebenden Pakistanern. 2016 beliefen sich die AuslandsĂŒberweisungen auf 19,4 Milliarden US-Dollar was 7 % der Wirtschaftsleistung entsprach.

Im Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums fĂŒr 2016/17 rangiert Pakistan unter insgesamt 138 LĂ€ndern auf Rang 122 (im Vorjahr Rang 129 von 144). In dem Ease of Doing Business Index der Weltbank hat sich Pakistan von Rang 148 im Jahr 2016 auf Rang 144 im Jahr 2017 verbessert, bei insgesamt 190 bewerteten LĂ€ndern.

Pakistan erhofft sich vom China-Pakistan Economic Corridor-Projekt dringend benötigte Investitionen in seine Infrastruktur und eine engere Integration in den weltweiten Handel.

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Jagd

Trotz großer Fortschritte in der Industrialisierung und der Entwicklung des Dienstleistungsbereiches seit der UnabhĂ€ngigkeit ist Pakistans Volkswirtschaft nach wie vor stark von der Landwirtschaft geprĂ€gt. Obwohl nur ein Drittel des Landes landwirtschaftlich genutzt wird, waren 2007/08 44,7 Prozent aller ErwerbstĂ€tigen in Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Jagd beschĂ€ftigt. Der Anteil dieses Sektors am Bruttoinlandsprodukt betrug 2016 25,2 Prozent, wovon 9,9 Prozent mit FeldfrĂŒchten, 11,3 Prozent mit Viehwirtschaft, 0,2 Prozent mit Forstwirtschaft und 0,4 Prozent mit See- und SĂŒĂŸwasserfisch erwirtschaftet wurden.

Ackerbau wird auf einem FĂŒnftel der FlĂ€che Pakistans betrieben. Vier FĂŒnftel der AckerbauflĂ€chen entfallen auf die Indusebene, der Rest auf die Oasen Belutschistans und die nördlichen Randgebirge. Zur Nahrungsmittelerzeugung wird hauptsĂ€chlich Getreide angebaut, darĂŒber hinaus auch HĂŒlsenfrĂŒchte und Obstsorten wie Datteln (2017: 524.041 t, damit lag Pakistan an 6. Stelle aller LĂ€nder, in denen Datteln angebaut werden) und Bananen. 2017 wurden 135 442 t Bananen geerntet. Die mit Abstand wichtigste Getreidepflanze ist Weizen. Pakistan gehörte 2017 zu den acht grĂ¶ĂŸten Weizenproduzenten (26.674.000 t) und zu den zehn grĂ¶ĂŸten Reisproduzenten (11.714.700 t) der Erde. Reis wird hauptsĂ€chlich in Form von BewĂ€sserungsfeldbau in der Provinz Sindh angebaut. In geringerem Umfang werden auch Mais und Hirse angebaut. Bei Hirse lag Pakistan 2017 mit einer Produktion von 335.000 t weltweit an elfter Stelle. Die Haupterntezeit (kharif) ist nach der Regenzeit im SpĂ€tsommer und Herbst, in bewĂ€sserten Gebieten ist eine zweite Ernte (rabi) im FrĂŒhjahr möglich. Die ProduktivitĂ€t der Landwirtschaft ist nicht sehr hoch, da der Boden leicht versumpft und versalzt. Um dies zu vermeiden, sind teure Drainagesysteme und Pumpwerke erforderlich. Auch ist die Landwirtschaft wegen der KleinpĂ€chterstruktur praktisch nicht mechanisiert. Dennoch konnten im Rahmen der in den 1960er-Jahren begonnen „GrĂŒnen Revolution“ große Fortschritte mit DĂŒngemitteln und Hochertragssorten erzielt werden, sodass sich Pakistan mittlerweile weitestgehend selbst mit Nahrungsmitteln versorgen kann.

AllergrĂ¶ĂŸte Bedeutung fĂŒr die pakistanische Ausfuhrwirtschaft kommt dem Anbau kommerzieller Nutzpflanzen zu, allen voran der Baumwolle (Pakistan ist mit einer jĂ€hrlichen Produktion von mehr als fĂŒnf Millionen Tonnen der viertgrĂ¶ĂŸte Erzeuger von Baumwollfasern nach China, den USA und Indien), gefolgt von Zuckerrohr (47,2 Millionen Tonnen Produktion 2005, Platz 5 weltweit) und Tabak.

Die Viehzucht ist wichtig fĂŒr die Herstellung von Milch und Milchprodukten sowie Fleisch, Leder und Wolle. In den nicht bewĂ€sserten Gegenden im Norden und Westen Pakistans wird extensive Weidewirtschaft betrieben, teilweise in nomadischen VerbĂ€nden.

Die KĂŒste des Arabischen Meeres ist außerordentlich fischreich, sodass sogar Trockenfisch exportiert werden kann.

In Pakistan besteht ein System der Lizenzjagd. Zur Jagd ist fĂŒr die nicht als SchĂ€dlinge angesehenen jagdbaren Tierarten eine Erlaubnis erforderlich, die gegen geringe GebĂŒhr erteilt wird. Hatz oder Beize ist je nach Provinz gegen zusĂ€tzliche GebĂŒhren zulĂ€ssig. FĂŒr die TrophĂ€enjagd auf die teilweise bedrohten Steinböcke, Blauschafe, Steppenschafe und Schraubenziegen werden von den Provinzen einige wenige Abschussgenehmigungen pro Saison gegen Devisen versteigert, die bei Schraubenziegen ĂŒber 80.000 US-Dollar erlösen können. Die Mittel fließen zu vier FĂŒnfteln den Gemeinden vor Ort zu, wodurch ein lokales Interesse am Artenschutz besteht.

Bergbau

Pakistan verfĂŒgt ĂŒber eine Vielzahl von BodenschĂ€tzen. Die Vorkommen sind aber hĂ€ufig unbedeutend oder schlecht zugĂ€nglich. Der Bergbausektor leistete im Wirtschaftsjahr 2004/05 mit durchschnittlich 86.700 BeschĂ€ftigten (0,1 %) 2201 offiziell betriebenen Bergwerken einen Beitrag von 163 Mrd. Rupien (2,7 %) zum Bruttoinlandsprodukt. Wirtschaftlich bedeutsam war vor allem die Ausbeutung von Vorkommen der Energierohstoffe Erdgas, Erdöl und Steinkohle. Die Ă€ußerst hohe Wertschöpfung je BeschĂ€ftigtem war alleine durch Gas und Öl bedingt, jedoch lag sie auch im Rest des Sektors ungefĂ€hr um das zweieinhalbfache ĂŒber dem Durchschnitt der pakistanischen Wirtschaft. Die Erdgasvorkommen deckten 2015 48 % des Inlandsbedarfs, die Erdölverkommen Pakistans entsprachen im gleichen Jahr 25 % des nationalen Bedarfs.

Auch die gewonnenen Energierohstoffe können den Eigenbedarf bei weitem nicht decken. Metallische Rohstoffe mĂŒssen trotz teilweise vorhandener LagerstĂ€tten ebenfalls eingefĂŒhrt werden. Dies gilt insbesondere fĂŒr Eisenerz. Ausnahmen sind Chrom- und seit kurzem Kupfererze. Im belutschischen Saindak nahe der iranischen Grenze wurde 1995 eine große KupferlagerstĂ€tte erschlossen, die außerdem geringe Gold- und Silbermengen enthĂ€lt, die Förderung musste zunĂ€chst jedoch nach nur wenigen Monaten wegen fehlender finanzieller Mittel eingestellt werden. Erst 2003 konnte die Produktion mit Hilfe von Investitionen der China Metallurgical Group wieder aufgenommen werden. Bereits 2006 drohten eine unzureichende Vertragsgestaltung und mangelnde Überwachung zur vollstĂ€ndigen Erschöpfung der LagerstĂ€tte bis zum Ende der zehnjĂ€hrigen Pachtlaufzeit der Abbaurechte zu fĂŒhren statt nur zur HĂ€lfte, wie von der pakistanischen Seite erwartet. Die in staatlichem Eigentum befindliche Pakistan Mineral Development Corporation verfolgt diverse Erkundungs- und Entwicklungsprojekte, verfĂŒgt in der Regel jedoch nicht ĂŒber ausreichend Kapital, um ohne Joint Ventures mit auslĂ€ndischen Partnern vollstĂ€ndige Erschließungen durchzufĂŒhren oder die Ausbeutung zu betreiben.

Die vorhandenen Bergwerke werden hĂ€ufig mit im internationalen Vergleich einfachen Mitteln und hohem Personaleinsatz betrieben. Insbesondere in kleinen privat betriebenen Bergwerken herrschen schlechte Arbeitsbedingungen. Die Internationale Arbeitsorganisation stellte 1998 fĂŒr Pakistan jĂ€hrlich 45 bis 90 tödliche ArbeitsunfĂ€lle in Kleinbergwerken fest. Wesentlich hĂ€ufiger sind Verletzungen und Berufskrankheiten wie Silikose. Illegaler Betrieb von Bergwerken (5 % bis 20 % im Jahr 1998) sowie prekĂ€re ArbeitsverhĂ€ltnisse und illegale BeschĂ€ftigung auch in legalen Bergwerken verschĂ€rfen die Probleme.

Industrie

Mit der Erlangung seiner UnabhĂ€ngigkeit erbte Pakistan – damals noch einschließlich des heutigen Bangladesch – nur etwa fĂŒnf Prozent der britisch-indischen Großindustrie. Angesichts dieser ungĂŒnstigen Ausgangslage genoss der Aufbau einer funktionsfĂ€higen Industrie allerhöchsten Vorrang. DafĂŒr sah die pakistanische Industriepolitik sowohl staatliche als auch private Investitionen vor. Auch auslĂ€ndisches Kapital sollte die Industrialisierung des Landes vorantreiben. TatsĂ€chlich konnten durch gezielte staatliche Förderung beachtliche Fortschritte erzielt werden, sodass Pakistan heute ĂŒber eine verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig breit gefĂ€cherte Industrie verfĂŒgt. 20,0 Prozent (2007/08) der ErwerbstĂ€tigen sind im industriellen Bereich beschĂ€ftigt, davon zwei Drittel im verarbeitenden und ein Drittel im Baugewerbe. Der Anteil der Industrie an der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung Pakistans betrĂ€gt 19,2 Prozent (2016), davon produzierendes Gewerbe 18,2 Prozent, Bauindustrie 2,1 Prozent und öffentliche Versorgung 1,5 Prozent.

Der mit Abstand wichtigste Zweig der verarbeitenden Industrie – auch fĂŒr den Export – ist traditionell die Textil- und im Besonderen die Baumwollindustrie. Pakistan zĂ€hlt zu den weltgrĂ¶ĂŸten Herstellern von Baumwollgarn und -stoffen. Auch die Verarbeitung von Leder spielt eine große Rolle: Lederbekleidung, -schuhe, -handschuhe und FußbĂ€lle sind wichtige Ausfuhrerzeugnisse. Weiterhin bedeutsam sind die Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Zucker, Tabak), die chemische Industrie (petrochemische Industrie, Kunststoffe, DĂŒngemittel, Kautschuk, Seife, Kosmetika, Streichhölzer), die Eisen- und Stahlerzeugung, die Metallverarbeitung (Maschinen- und Fahrzeugbau, elektrotechnische Industrie), die pharmazeutische Industrie, die Zementherstellung und die Papierindustrie.

Dienstleistungen

Der Dienstleistungssektor beschĂ€ftigt 35,2 Prozent der erwerbstĂ€tigen Bevölkerung (2007/08) und erwirtschaftet 55,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (2016). Die Einzelbereiche sind in der Reihenfolge ihrer Wirtschaftsleistung Groß- und Einzelhandel (17,5 Prozent), Verkehrs-, Transport-, Kommunikations- und Lagerwesen (10,3 Prozent), Finanz- und Versicherungswesen (6,2 Prozent), öffentlicher Dienst und MilitĂ€r (6,1 Prozent) sowie die Wohnimmobilienbranche (2,7 Prozent). Der Rest (11,1 Prozent) entfĂ€llt auf sonstige Dienstleistungen. Die höchsten Zuwachsraten werden im Telekommunikations-, Finanz- und IT-Bereich verzeichnet.

Der Fremdenverkehr ist von untergeordneter Bedeutung. 2004 nahm Pakistan aus der Ankunft von 648.000 Touristen aus dem Ausland lediglich 186 Millionen US-Dollar ein, da mehr als die HĂ€lfte aller Besucher im Ausland lebende Pakistaner, AuslĂ€nder pakistanischer Abstammung oder indische StaatsbĂŒrger waren, die zu Verwandtschaftsbesuchen einreisten. Nicht zuletzt aufgrund der verbesserten Sicherheitslage nahm der internationale Tourismus in Pakistan zuletzt wieder etwas an Fahrt auf.

Außenhandel

2016 fĂŒhrte Pakistan Waren im Wert von 20,5 Milliarden US-Dollar aus. Die wichtigsten AusfuhrgĂŒter waren Textilien (59,7 %, vor allem Baumwollstoffe, -garn und -bekleidung, BettwĂ€sche, Strickwaren, HandtĂŒcher), Lebensmittel (9,6 %, davon allein Reis 6,9 %), Leder, Lederwaren und Schuhe (zusammen 6,7 %), Erdölprodukte (4,5 %), Chemikalien und Pharmazeutika (2,7 %), Industrieerzeugnisse (2,2 %, vor allem medizinische Instrumente), Sportartikel (2,1 %) und Teppiche (1,5 %).

Die Importe beliefen sich 2016 auf insgesamt 47,0 Milliarden US-Dollar und umfassten im Wesentlichen Maschinen und Fahrzeuge (27,5 %), Erdöl und Erdölprodukte (23,3 %), Chemikalien (14,7 %), Lebensmittel (6,7 %, davon 2,6 % Speiseöle, 1,7 % Zucker und 0,8 % Tee), Eisen und Stahl (6,0 %) sowie Textilien (1,9 %, ĂŒberwiegend Kunstfasern).

Kennzahlen

Bruttoinlandsprodukt
Inflation und Haushaltssaldo

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 54,6 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 41,7 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 4,5 % des BIP.
Die Staatsverschuldung betrug 2016 190,1 Mrd. US-Dollar oder 66,9 % des BIP. Von der Ratingagentur Standard & Poor’s werden die Staatsanleihen des Landes mit der Note B bewertet (Stand: Dezember 2018). Das Land verfĂŒgt damit ĂŒber eine niedrige KreditwĂŒrdigkeit.

2015 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 2,0 % (2014)
  • Bildung: 2,4 %
  • MilitĂ€r: 3,5 %

Infrastruktur

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die QualitÀt der Infrastruktur misst, belegte Pakistan 2018 den 122. Platz unter 160 LÀndern. Derzeit werden eine Reihe von Projekten zur Verbesserung der Infrastruktur realisiert, die meisten mit davon stehen im Zusammenhang mit dem geplanten China-Pakistan Economic Corridor.

Straßenverkehr

Obwohl das pakistanische Straßennetz bei der UnabhĂ€ngigkeit Ă€ußerst weitmaschig und fast ausschließlich unbefestigt war, entwickelte sich die Straße schnell zum wichtigsten Verkehrsweg des Landes. Heute werden 92 Prozent der gesamten Personen- und GĂŒterbeförderung ĂŒber die Straße abgewickelt. Das Straßennetz, auf dem Linksverkehr gilt, umfasst 254.000 Kilometer, wovon aber nur 60 Prozent befestigt sind (2003). Knapp 8000 Kilometer entfallen auf die zwölf National Highways, die alle Landesteile und die wichtigsten GroßstĂ€dte miteinander verbinden. Diese lediglich zweispurigen Straßen nehmen den Großteil des Fernverkehrsaufkommens auf und sind dementsprechend stark belastet. Verwaltet werden sie von der National Highway Authority (NHA). Davon ist der N-5 National Highway Pakistans Hauptstraßenachse.

Nebenstraßen verfĂŒgen meist nur ĂŒber Schotterbelag. Der NHA unterstehen auch die vier gut ausgebauten, mautpflichtigen Autobahnen (Motorways), die aber nur 700 Kilometer lang sind (2003). Weitere Autobahnen sind in Planung oder im Bau, welche die KĂŒstenstĂ€dte mit den Zentren im Norden und den NachbarlĂ€ndern verbinden sollen. Insgesamt ist das Straßennetz aber noch immer, vor allem angesichts des jĂ€hrlich um fĂŒnf Prozent wachsenden Verkehrsaufkommens, in weiten Teilen unzureichend.

Hauptverkehrsmittel sind Überlandbusse, allerdings nimmt die Zahl der privaten Pkw schnell zu. Als landestypisch gelten die mit kunstvollen Aufbauten und Bemalungen versehenen Lastwagen.

2013 kamen im Land insgesamt 14,8 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Insgesamt kamen damit ĂŒber 25.000 Personen im Straßenverkehr ums Leben. Noch höher ist die Rate im VerhĂ€ltnis zu der relativ niedrigen Anzahl an Kraftfahrzeugen.

Schienenverkehr

Die erste Eisenbahnlinie auf dem Gebiet des heutigen Pakistans nahm am 13. Mai 1861 den Betrieb zwischen Karatschi und Kotri bei Hyderabad auf. Heute beschĂ€ftigt die staatliche Eisenbahngesellschaft Pakistan Railways fast 90.000 Angestellte, befördert jĂ€hrlich ĂŒber 70 Millionen FahrgĂ€ste und verwaltet ein Schienennetz von 7791 Kilometern StreckenlĂ€nge, davon 95 Prozent Breitspurstrecken (2004). Elektrifiziert ist allerdings nur ein 293 Kilometer langer Abschnitt – weniger als vier Prozent des gesamten Streckennetzes – zwischen Lahore und Khanewal nahe Multan. Einige Nebenstrecken verfĂŒgen noch ĂŒber Meterspurweite, sollen aber zur ĂŒblichen Spurweite von 1676 Millimetern umgebaut werden. Das eher grobmaschige Schienennetz konzentriert sich auf die dicht besiedelten Provinzen Punjab und Sindh, wĂ€hrend der SĂŒdwesten des Landes mit der Hafenstadt Gwadar bislang nicht angeschlossen ist, ferner ist auch der gebirgige Norden nicht auf dem Schienenweg zu erreichen. Die Eisenbahn ist daher als Verkehrsmittel weniger bedeutend als etwa im Nachbarland Indien.

Flugverkehr

Die drei wichtigsten internationalen FlughĂ€fen Pakistans in Karatschi (Jinnah International Airport), Lahore (Allama Iqbal International Airport) und Islamabad (Benazir Bhutto International Airport) bieten Direktverbindungen in alle Welt. Verbindungen in die Golfstaaten, in denen viele Pakistaner arbeiten, bestehen auch von kleineren FlughĂ€fen wie Faisalabad, Gwadar, Multan, Peschawar, Quetta und Sialkot. Daneben gibt es zahlreiche RegionalflugplĂ€tze, auch in abgelegenen Landesteilen. Die staatliche Fluggesellschaft Pakistan International Airlines (PIA) besaß lange Zeit das Monopol auf InlandsflĂŒgen, erhĂ€lt jedoch zunehmend Konkurrenz durch private Gesellschaften.

Schiffsverkehr

Der GĂŒterumschlag im Überseeschiffsverkehr findet fast ausschließlich in Karatschi statt. Karatschi ist damit Dreh- und Angelpunkt des pakistanischen Außenhandels. Zur Entlastung des Karachi Port, des einzigen Naturhafens des Landes, wurde in den 1970er-Jahren ein zweiter Hafen, der Port Muhammad Bin Qasim, etwas außerhalb von Karatschi angelegt. Zudem begann im MĂ€rz 2002 die Volksrepublik China mit dem Bau eines gewaltigen Öl- und Containerhafens in Gwadar. Die Binnenschifffahrt ist auf Grund der stark schwankenden WasserfĂŒhrung der FlĂŒsse von nachrangiger Bedeutung.

Energie

2014 deckte Pakistan ca. 65 Prozent seines Strombedarfs durch WĂ€rmekraft. Die wichtigsten fossilen EnergietrĂ€ger sind zu mehr als 50 Prozent Erdöl, das hauptsĂ€chlich aus LĂ€ndern des Nahen Ostens importiert werden muss, sowie Erdgas, das im eigenen Land gefördert wird. Der Energiebedarf hat sich von 1988 bis 2014 fast verdreifacht, die Produktion jedoch nur etwa verdoppelt. Daher ist die Versorgungssituation angespannt; es kann stets nur ein Teil der teils veralteten KapazitĂ€ten genutzt werden. Die Energiepreise sind kaum kostendeckend, die Zahlungsmoral von Großabnehmern ist schlecht und die Stromerzeuger können wegen ihrer geringen LiquiditĂ€t nicht genĂŒgend ÖlvorrĂ€te anlegen. Im Januar 2015 kam es zu einer akuten Treibstoffkrise, in der ca. 80 Prozent der Bevölkerung von der Stromversorgung abgeschnitten waren. Die extrem bĂŒrokratische Regulation der Energieproduktion und ein anfĂ€lliges Leitungsnetz verhinderten eine schnelle Abhilfe.

Angesichts des schnell wachsenden Energiebedarfs und zahlreicher Neubauprojekte von Kraftwerken ist Pakistan in Zukunft auch auf Öl- und Gaseinfuhren angewiesen. Das Land zeigt daher reges Interesse an der geplanten Pipeline, die Erdgas aus dem rohstoffreichen Turkmenistan ĂŒber Afghanistan ins Land bringen soll (Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Pipeline). Dieses Projekt wurde jedoch auf Eis gelegt. Auch eine ĂŒber pakistanisches Territorium fĂŒhrende Gaspipeline vom Iran nach Indien (Iran-Pakistan-Indien-Pipeline) ist im GesprĂ€ch. Mit chinesischer Hilfe wird auch der Bau von neuen Kohlekraftwerken geplant.

Die preisgĂŒnstige Wasserkraft hatte 2014 einen Anteil von nur noch 30 Prozent (in den 1980er Jahren waren es noch ca. 65 Prozent), die Kernkraft von knapp 6 Prozent an der Gesamtstromerzeugung. Schon 2003 war Pakistan das einzige islamische Land der Welt, das ĂŒber Kernreaktoren verfĂŒgte: Chashma Nuclear Power Plant-I (CHASNUPP-I, Betriebsaufnahme 1971) und Chashma Nuclear Power Plant-II (CHASNUPP-II, unter chinesischer Beteiligung errichtet, Betriebsaufnahme 2000); CHASNUPP-III und CHASNUPP-IV befinden sich unter Beteiligung des Shanghai Nuclear Engineering Research and Design Institute (SNERDI: Schanghaier Institut fĂŒr Forschung und Design von Nukleartechnik: eine Tochtergesellschaft der China National Nuclear Corporation, CNNC) im fortgeschrittenen Planungsstadium.

Mit Ausnahme der Wasserkraft, gegen deren Ausbau die lĂ€ndliche Bevölkerung oft protestiert, spielen erneuerbare Energien wie Windkraft, Sonnenenergie und Biogas bislang kaum eine Rolle. Allerdings grĂŒndete die Regierung im Mai 2003 das Alternative Energy Developing Board, mit dessen Hilfe alternative Energien gefördert werden sollen. Als viertgrĂ¶ĂŸter Produzent von Milchprodukten weltweit hĂ€tte Pakistan auch ein hohes Potenzial fĂŒr den Betrieb von Biogasanlagen. In lĂ€ndlichen Regionen ohne elektrischen Strom dient traditionell Brennholz als HauptenergietrĂ€ger.

Telekommunikation

Die 1996 privatisierte Telekommunikationsgesellschaft PTCL hielt bis 2005 das Monopol fĂŒr das Telefonfestnetz. Seitdem erhĂ€lt es Konkurrenz von privaten Unternehmen, die bislang jedoch nur einen verschwindend geringen Marktanteil haben. Allerdings gab es im Jahre 2005 nur 5,3 Millionen FestnetzanschlĂŒsse im ganzen Land. Dagegen lag die Zahl der Mobilfunkteilnehmer im November 2006 bei ĂŒber 46 Millionen und betrug damit fast das Vierfache des Vorjahresstandes. Auf dem schnell expandierenden Mobiltelefonmarkt herrscht ein starker Wettbewerb zwischen mehreren privaten Unternehmen. Eine Ausnahme stellt das gesamte Telekommunikationsnetz der Regierungsbehörden dar, das der staatlichen Gesellschaft NTC vorbehalten ist.

Die Zahl der privaten InternetanschlĂŒsse ist gering. 2016 nutzten 17,8 Prozent der Bevölkerung das Internet. Allerdings erfreuen sich InternetcafĂ©s in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten wachsender Beliebtheit.

Medien

Unter den verschiedenen diktatorischen Regimen in der Geschichte des Landes haben die pakistanischen Medien zwar immer wieder schwere Repressalien hinnehmen mĂŒssen, konnten sich aber dennoch stets ein Mindestmaß an Freiheit bewahren. Heute besteht in Pakistan ein verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hohes Maß an Pressefreiheit. So spiegeln die pakistanischen Printmedien das gesamte politische und ideologische Spektrum des Landes wider. Sie unterliegen keiner Zensur und nehmen zu allen belangreichen Themen kritisch Stellung, auch Kritik an der Regierung kann offen geĂ€ußert werden. Allerdings gibt es Tabus, die vor allem die Landesverteidigung, die einflussreichen Geheimdienste und Religionskritik betreffen. Auch sehen sich liberale Journalisten gelegentlich Drohungen religiöser Extremisten gegenĂŒber. In den weitestgehend von Taliban-Milizen kontrollierten Stammesgebieten an der afghanischen Grenze ist eine freie Berichterstattung praktisch unmöglich.

Die Situation der Pressefreiheit im Land wird damit als nach wie vor als "Schwierig" eingestuft.

Druckmedien

In Pakistan erscheinen ĂŒber 300 Tageszeitungen, die wichtigsten auf Urdu und Englisch, wobei englischsprachige Publikationen zumeist internationaler und liberaler ausgerichtet sind. Aufgrund der hohen Analphabetenrate und der weit verbreiteten Armut sind die Auflagenzahlen vergleichsweise gering. Die meistgelesene Tageszeitung ist das urdusprachige Blatt Jang mit einer Auflage von 775.000, gefolgt von Khabrain (Urdu; 345.000), Nawa-i-Waqt (Urdu; 295.000), Pakistan (Urdu; 125.000), Dawn (Englisch; 125.000), Awam (Urdu; 110.000) und The News (Englisch; 105.000). Im Sindh gibt es auch eine breite sindhisprachige Presselandschaft. Der englischsprachige Business Recorder ist die wichtigste Wirtschaftszeitung Pakistans.

Fernsehen

Das Fernsehen ist heute das wichtigste Massenmedium in Pakistan. Im Land gibt es mittlerweile mehr FernsehgerÀte als Radios. Auf 1000 Einwohner kommen etwa 170 Fernseher, aber nur rund 100 RadioempfangsgerÀte.

Das pakistanische Staatsfernsehen Pakistan Television (PTV) nahm am 26. November 1964 den Betrieb im Raum Lahore auf und sendet heute auf verschiedenen KanĂ€len. PTV One in Urdu und Englisch sowie PTV National, in den Regionalsprachen Panjabi, Sindhi, Paschtunisch und Belutschisch, können landesweit empfangen werden. Daneben gibt es mehrere Regionalprogramme in verschiedenen Sprachen und das internationale Nachrichtenprogramm PTV World. PTV Global ist nur in den USA sowie in Europa ĂŒber Satellit zu empfangen.

Private Fernsehsender sind seit 2000 zugelassen, haben sich danach schnell etabliert und den grĂ¶ĂŸten Teil des Fernsehmarktes erobert.

Hörfunk

Das pakistanische Staatsradio Radio Pakistan sendet in ĂŒber 20 Sprachen und erreicht rund vier FĂŒnftel der LandesflĂ€che mit 97 Prozent der Bevölkerung. Unter General Pervez Musharraf wurde die Vergabe von Rundfunklizenzen weitreichend liberalisiert, sodass zahlreiche private, meist im UKW-Bereich sendende Programme den Betrieb aufnehmen konnten und sich heute vor allem in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten einer großen Zuhörerschaft erfreuen.

Kultur

GemĂ€ĂŸ seiner Lage am Rande des indischen Subkontinents weist Pakistan starke BezĂŒge zur indischen Kultur auf, die aber in Teilen von der persischen, afghanisch-paschtunischen und arabischen ĂŒberlagert wurde. So ĂŒbt seit dem 8. Jahrhundert der Islam maßgeblichen Einfluss aus und hat die Gesellschaft bis heute tiefgreifend durchdrungen. Eingedenk der jungen Geschichte des Staates Pakistans muss seine islamische Kultur jedoch immer im Zusammenhang mit der Tradition des Islam auf dem gesamten indischen Subkontinent betrachtet werden.

Architektur

Mit dem Beginn der Indus-Kultur um die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. entstand erstmals auf dem Gebiet des heutigen Pakistan eine stĂ€dtische Hochkultur mit großen baulichen Anlagen, von denen einige als Ruinen bis heute erhalten sind. ArchĂ€ologen haben zahlreiche altertĂŒmliche StĂ€dte, darunter Mohenjo-Daro, Harappa und Kot Diji, ausgegraben, die sich durch einen einheitlichen, zweckmĂ€ĂŸigen Aufbau mit breiten Straßen sowie durch ausgeklĂŒgelte SanitĂ€r-, Be- und EntwĂ€sserungsanlagen auszeichnen. Die Mehrzahl der erhaltenen Lehmziegelsteinbauten sind Wohn- oder öffentliche GebĂ€ude wie BadehĂ€user und WerkstĂ€tten. Monumentale ReprĂ€sentations- oder Tempelbauten, wie sie fĂŒr das Alte Ägypten und die frĂŒhen Zivilisationen Mesopotamiens kennzeichnend sind, fehlen dagegen. Die Architektur der Indus-StĂ€dte spiegelt somit das eher „bĂŒrgerliche“ Wesen der Indus-Kultur mit gering ausgeprĂ€gten Gesellschaftsschichten wider.

Mit dem Erlöschen der Indus-Kultur erlitt auch die Baukunst einen betrĂ€chtlichen Niedergang. Die vedische Epoche hinterließ keine architektonischen Zeugnisse. Vermutlich dienten vergĂ€ngliche Materialien wie Holz und Lehm als Baustoffe. Erst mit dem Aufkommen des Buddhismus entstanden herausragende BaudenkmĂ€ler, vor allem sakraler Art, die bis in die Gegenwart ĂŒberdauert haben. Dazu traten der persische und der griechische Einfluss. Letzterer fĂŒhrte zur Herausbildung des graeco-buddhistischen Stils, der ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. mit dem Gandhara-Stil seinen Höhepunkt erreichte. Bedeutende Überreste buddhistischer Stupas und anderer Bauwerke mit deutlich erkennbaren griechisch-baktrischen Stilelementen wie ionischen SĂ€ulen finden sich, neben Ruinen aus anderen Epochen, in der Gandhara-Hauptstadt Taxila im Ă€ußersten Norden des Punjab. Als besonders schönes Beispiel gelten auch die Ruinen des buddhistischen Klosters Takht-i-Bahi (etwa 1. bis 7. Jahrhundert n. Chr.) in Khyber Pakhtunkhwa.

Die Ankunft des Islam auf dem Gebiet des heutigen Pakistan – zunĂ€chst im Sindh – im 8. Jahrhundert bereitete der buddhistischen Architektur ein jĂ€hes Ende, ebnete dafĂŒr aber der ĂŒberwiegend bildlosen, vor allem mit Ornamenten arbeitenden islamischen Baukunst den Weg. FrĂŒhe Moscheen orientierten sich noch stark am arabischen Stil, so auch die als Ruine erhaltene, Mihrāblose Moschee von Banbhore aus dem Jahre 727, das erste muslimische Gotteshaus auf dem indischen Subkontinent.

Unter den Ghuriden und Delhi-Sultanen trat an die Stelle arabischer EinflĂŒsse der persisch-zentralasiatische Stil. Wichtigstes Kennzeichen dieses Stils ist der Iwan, eine dreiseitig geschlossene, nach einer Seite hin geöffnete Gewölbehalle, die vor allem im Eingangsbereich von Moscheen, PalĂ€sten und den typisch persischen Medresen zur Anwendung kam. Weitere Merkmale sind großflĂ€chige, hĂ€ufig mit Mosaiken und geometrischen Mustern verzierte Fassaden, Rund- oder Zwiebelkuppeln und die Verwendung bemalter Fliesen. Der bedeutendste der wenigen vollstĂ€ndig erhaltenen Bauten persischer PrĂ€gung ist das Grabmal des Shah Rukn-i-Alam (erbaut 1320 bis 1324) in Multan.

Zu höchster BlĂŒte gelangte die indo-islamische Baukunst ab dem 16. Jahrhundert unter den Moguln. Im Mogulstil verbanden sich die geometrischen, eher strengen Gestaltungselemente der islamisch-persischen Architektur mit den der Natur entlehnten, geschwungenen und oft verspielten Formen der hinduistischen Kunst. Zum Ausdruck kam dies insbesondere in ĂŒppigen, stilisierten Pflanzenranken als Fassadenzier sowie der Einbindung von SĂ€ulen und Konsolen als Bauteile. Lahore, zeitweise Residenz der Mogulherrscher, weist eine Vielzahl bedeutender Bauwerke im Mogulstil auf, darunter die Badshahi-Moschee (erbaut 1673/74), die Festung von Lahore (zweite HĂ€lfte 16. Jahrhundert) mit dem berĂŒhmten Alamgiri-Tor, die farbenprĂ€chtige, noch stark persisch anmutende Wasir-Khan-Moschee (1634/35) sowie zahlreiche weitere Moscheen und Mausoleen. Die Shah-Jahan-Moschee von Thatta im Sindh ließ der gleichnamige Mogulherrscher Mitte des 17. Jahrhunderts erbauen, also zur selben Zeit wie auch das Taj Mahal in Agra. Beide GebĂ€ude sind in ihrer Erscheinung Ă€hnlich feinsinnig und unterscheiden sich von den eher imperial wirkenden Bauten dieser Zeit in Lahore. Einzigartig sind die unzĂ€hligen GrabmĂ€ler auf dem Makli-HĂŒgel bei Thatta und des Chaukhandi-GrĂ€berfeldes östlich von Karatschi. Die meisten entstanden zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert und verbinden den aus Zentralasien stammenden Einfluss der Mogul-Architektur mit Elementen nordindischer Tempelbauten zum eigenstĂ€ndigen Baustil des Sindh. Besonders die lokale indische Tradition aus Gujarat hat bei den Steinmetzarbeiten zu vollplastisch aus der Wand tretenden Schmuckelementen und aufwĂ€ndigen geometrischen und floralen Reliefs gefĂŒhrt.

Die BautÀtigkeit der Moguln kam im spÀten 18. Jahrhundert zum Erliegen. Danach gingen kaum noch Impulse von der einheimischen Baukunst aus. In der britischen Kolonialzeit entstanden vorwiegend reprÀsentative GebÀude im indo-sarazenischen Stil, einer Mischung europÀischer und indisch-islamischer Bestandteile.

Nach der UnabhĂ€ngigkeit bemĂŒhte sich Pakistan, seine neu gewonnene nationale IdentitĂ€t auch in der Architektur zum Ausdruck zu bringen. Dies spiegelt sich vor allem in modernen Sakralbauwerken wie der Faisal-Moschee in der in den 1960er-Jahren neu angelegten Hauptstadt Islamabad wider. Aber auch in Monumentalbauten wie dem Minar-e-Pakistan in Lahore oder dem mit weißem Marmor errichteten Mausoleum Mazar-e-Quaid des StaatsgrĂŒnders Muhammad Ali Jinnah in Karatschi drĂŒckt sich das Selbstbewusstsein des jungen Staates aus.

Literatur

Die Literatur Pakistans umfasst die Literaturen der in Pakistan verbreiteten Schriftsprachen, das sind vor allem Urdu, Sindhi, Panjabi, Paschtunisch, Belutschisch sowie in jĂŒngerer Zeit Englisch. Bis ins 19. Jahrhundert hinein dominierte auf dem Gebiet des heutigen Pakistan die Lyrik, die sich religiösen, mystischen und volkstĂŒmlichen Stoffen widmete. WĂ€hrend der Kolonialzeit griff die einheimische Dichtung unter dem Einfluss der westlichen Literatur des Realismus zunehmend andere Themen und auch Formen des ErzĂ€hlens auf. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich heute Kurzgeschichten. Aber auch die Lyrik behielt ihren Platz mit zeitgenössischen Themen.

Als Nationaldichter Pakistans gilt Muhammad Iqbal (1877–1938), der hauptsĂ€chlich in persischer Sprache (Dari), aber auch in Urdu schrieb. Seine Werke befassen sich zumeist mit der islamischen Philosophie. Gleichzeitig war Iqbal auch eine der wichtigsten Figuren der pakistanischen Nationalbewegung. Sein bekanntestes Werk ist der persische Gedichtband Asrar-i-Khudi (dt. etwa: „Die Geheimnisse des Selbst“).

Am lebendigsten ist heute die Urdu-Literatur, deren UrsprĂŒnge bis ins 14. Jahrhundert zurĂŒckreichen. Der im Pandschab geborene Saadat Hasan Manto (1912–1955), der 1948 von Bombay nach Pakistan ĂŒbersiedelte, behandelte in seinen oft von Satire und schwarzem Humor geprĂ€gten Kurzgeschichten vor allem das Chaos der indischen Teilung. Er kĂ€mpfte auch gegen die sexuelle Ausbeutung der Frauen und betĂ€tigte sich auch als Übersetzer und Dramatiker. Noch heute gilt er als der bedeutendste indisch-pakistanische Kurzgeschichtenautor des 20. Jahrhunderts. Einige seiner Werke wurden verfilmt. Die bekannteste Vertreterin der zeitgenössischen pakistanischen Urdu-Literatur war der Kommunist Faiz Ahmed Faiz (1911–1984), der dem Widerstand gegen das MilitĂ€rregime des Muhammed Ayub Khan angehörte und jahrelang im indischen Exil leben musste. Zu ihren Themen gehört die weibliche SexualitĂ€t, was in den 1960er Jahren als unerhörte Provokation wirkte.

Rukhsana Ahmad, eine in Großbritannien lebende und in Karatschi geborene Dozentin fĂŒr englische Literatur, freischaffende Autorin und Journalistin gab mit The Women's Press 1991 eine Sammlung feministischer Gedichte, die auf Urdu verfasst und von ihr ins Englische ĂŒbersetzt wurden, heraus.

Als herausragender Sindhi-Dichter gilt der Sufi-Mystiker Shah Abdul Latif (1689/90–1752/53). Wegbereiter der modernen Sindhi-Prosa war Mirza Kalich Beg (1853–1929).

Die paschtunische Literaturtradition teilt Pakistan seit Jahrhunderten mit dem Nachbarland Afghanistan. Sie brachte eine umfangreiche Liebeslyrik und Heldengedichte hervor. Als BegrĂŒnder der klassischen Paschto-Lyrik gilt Khushal Khan Khattak (auch Hushal Han, 1613–1689), ein FĂŒhrer des Aufstands gegen die Mogulherrscher und Meister des landai, eines zweizeiligen paschtunischen Kurzgedichts. Die klassische Tradition wurde von Ghani Khan (1914–1996) gepflegt, der außerdem gelegentlich in Englisch und Urdu schrieb. Er wird als der beste Paschto-Poet des 20. Jahrhunderts angesehen. Ghani Khan, der aus den nordwestlichen Stammesgebieten stammte, saß sechs Jahre lang in Haft und wurde erst sehr spĂ€t von der pakistanischen Regierung fĂŒr sein Werk geehrt.

In neuerer Zeit wurde Jamil Ahmad (1931–2014) bekannt, dessen autobiographische Erinnerungen an seine Dienstzeit in den paschtunischen Stammesgebieten nach etwa 30 Jahren veröffentlicht wurden. In deutscher Sprache erschienen sie 2013 unter dem Titel Der Weg des Falken.

In Panjabi sind vor allem Liebes- und religiöse Lehrgedichte ĂŒberliefert. Die Panjabi-Literatur erlebte einen Höhepunkt im 17. Jahrhundert als Sprache des Sikhismus. In Belutschi entstanden besonders volkstĂŒmliche Lieder und Balladen. Kamila Shamsi (* 1973) verfasst ihre mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Romane in englischer Sprache.

Kalligrafie und Malerei

Die Kalligrafie dient im Islam der formvollendeten Wiedergabe der inhaltlichen Schönheit von Gottes Wort, also des Koran. BegĂŒnstigt durch das Bilderverbot des Islam entwickelte sie sich zur höchsten Form der bildenden Kunst. In Moscheen ist die Kalligrafie eine der wichtigsten Arten der FlĂ€chen- und Raumgestaltung. Fast ĂŒberall finden sich daher kunstvoll ausgearbeitete, mit Ornamenten verzierte SchriftzĂŒge. Besonders berĂŒhmt sind die auf glasierten Kacheln angebrachten Koranzitate in der Wasir-Khan-Moschee in Lahore.

Dagegen ist die Malerei infolge des Verbots der figĂŒrlichen Darstellung Gottes, des Propheten Mohammed und seiner Gefolgsleute weniger ausgeprĂ€gt. Oft wurde das Bilderverbot als allgemeines Verbot der Abbildung von Lebewesen ausgelegt. Allerdings bildete sich unter persischem Einfluss eine hochstehende Tradition der Miniaturmalerei heraus, die unter der Herrschaft der Moguln eine Fortsetzung und Weiterentwicklung fand. Die Miniaturen der Mogulzeit stellten vornehmlich das höfische Leben und geschichtliche Ereignisse dar.

Viele moderne KĂŒnstler Pakistans sehen sich in der Tradition der islamischen Kalligrafen. Einige wendeten sich stĂ€rker malerischen Aspekten zu und gelangten sogar, wie der international bekannteste pakistanische KĂŒnstler Sadequain (1930–1987), zur figĂŒrlichen Malerei. Gleichwohl bleibt die Kalligrafie ein fester Bestandteil der pakistanischen Kultur. So wird die Amtssprache Pakistans, Urdu, in der Nastaliq, einer kalligraphischen Abart des arabischen Alphabets, geschrieben. Bis in die spĂ€ten 1980er-Jahre ließen die meisten pakistanischen Tageszeitungen in Urdu ihren Drucksatz von ausgebildeten Schriftbildnern in Handarbeit herstellen, was nicht zuletzt auch auf die schwierige Umsetzung dieser kalligrafischen Schrift in Maschinensatz zurĂŒckzufĂŒhren war.

Musik

Pakistan verfĂŒgt ĂŒber eine reiche Musiktradition, die aus der Verschmelzung indischer Musik mit arabischen und persischen EinflĂŒssen entstand. Im Sufismus wird in ekstatischen GesĂ€ngen wie dem Qawwali die Liebe zu Gott ausgedrĂŒckt. Die Qawwali-Lieder werden oft mit einem Harmonium, dem Kesseltrommelpaar tabla und HĂ€ndeklatschen begleitet. Der in westlichen LĂ€ndern wohl bekannteste QuawwalisĂ€nger ist Nusrat Fateh Ali Khan. An Pilgerorten treten beispielsweise professionelle Straßenmusikensembles mit mehreren zweifelligen Röhrentrommeln dhol, mehreren Kegeloboen shehnai und dem Dudelsack baghalbin auf. Besonders lebendig ist die Volksmusik in der Provinz Belutschistan und bei den Paschtunen. Zu Besessenheitsritualen in Belutschistan gehört der Musikstil gwati mit der melodiefĂŒhrenden Streichlaute sorud (auch suroz, mit der sarinda verwandt) und der gezupften zwei- bis viersaitigen Langhalslaute damburag (Ă€hnlich der nordafghanischen dambura und der im Sindh gespielten tanburo). HierfĂŒr können auch die Doppel-Schnabelflöten doneli in Belutschistan und alghoza im Sindh verwendet werden. Die in Belutschistan und im Sindh verbreitete LĂ€ngsflöte narh wird zusammen mit einem gesungenen Bordunton geblasen. Weitere Volksmusikinstrumente sind das kleine Kesseltrommelpaar naghara, die ein- bis zweisaitige Langhalslaute yaktaro (entspricht der ektara) und die Tastenzither banjo.

In der klassischen Musik kommen Instrumente zum Einsatz, wie sie auch fĂŒr die in Nordindien verbreitete hindustanische Musik typisch sind. Den Rhythmus geben in der bekannten Stilrichtung Khyal die tabla oder im Dhrupad die zweifellige pakhawaj an, als Melodieinstrumente dienen hauptsĂ€chlich Saiteninstrumente wie sitar, sarangi und sarod, Blasinstrumente wie die Bambusquerflöte bansuri und das Harmonium. Persischen Ursprungs ist das Hackbrett santur.

Die moderne PopulĂ€rmusik zeichnet sich sowohl durch starke westliche EinflĂŒsse als auch durch klassische wie traditionelle Elemente aus. Sie wird besonders durch einheimische und indische Kinofilme vermittelt. Beliebte Lieder aus erfolgreichen Bollywood-Filmen werden meist auch in Pakistan zu Verkaufsschlagern.

Film

Das Kino ist eines der wichtigsten Medien im heutigen Pakistan. Mittelpunkt der pakistanischen Filmindustrie ist Lahore, wo 1924 der erste Film, ein Stummfilm, gedreht wurde. Der erste Tonfilm folgte 1932. In Anlehnung an Hollywood und Bollywood wird die urdu- und panjabisprachige pakistanische Filmindustrie in Lahore auch als „Lollywood“ bezeichnet. In Peschawar existiert eine kleinere paschtunischsprachige Filmindustrie.

Untrennbarer Bestandteil pakistanischer Filme sind heute mitreißende Musik- und Tanzszenen, sodass viele Filme einen musicalĂ€hnlichen Charakter tragen. Noch grĂ¶ĂŸerer Beliebtheit unter der Bevölkerung erfreuen sich jedoch – trotz eines Einfuhr- und AuffĂŒhrungsverbots in den Kinos – indische Bollywood-Produktionen, die im pakistanischen Fernsehen ĂŒbertragen und als DVDs oder Videos auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden. Die Hindi-Dialoge werden auch von Urdu-Sprechern problemlos verstanden, da sich gesprochenes Urdu vom Hindi lediglich durch einen höheren Anteil an persischen und arabischen Lehnwörtern unterscheidet.

Die Journalistin und Dokumentarfilmerin Sharmeen Obaid-Chinoy (* 1978) gewann mehrfach den Emmy (u. a. 2010 fĂŒr Children of the taliban) und 2012 den ersten Oscar, der nach Pakistan ging, in der Kategorie Bester Dokumentar-Kurzfilm fĂŒr Savon Face. Dieser Film handelt von der Arbeit eines plastischen Chirurgen, der weibliche Opfer von SĂ€ureattacken behandelt.

KĂŒche

Die pakistanische KĂŒche hat viele Gemeinsamkeiten mit der nordindischen KĂŒche, weist aber stĂ€rkere EinflĂŒsse aus Vorder- und Zentralasien auf. Allgemein wird im islamischen Pakistan mehr Fleisch gegessen als im Nachbarland Indien. Im Gegensatz zu den indischen Religionen Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und Sikhismus besitzt der Islam keine nennenswerte Tradition des Vegetarismus.

Sport

Die meisten und beliebtesten Sportarten Pakistans haben ihren Ursprung im Vereinigten Königreich und kamen nach der GrĂŒndung Britisch-Indiens auf den Indischen Subkontinent. Die offizielle Nationalsportart Pakistans ist Hockey, obwohl Cricket und Squash auch sehr beliebt sind. Weniger populĂ€r ist Fußball. Mit vier Titelgewinnen bei Hockey-Weltmeisterschaften (1971, 1978, 1982, 1994) sind Pakistans Herren Rekordweltmeister dieser Sportart. Ebenso gewann man bisher drei Goldmedaillen bei Olympischen Spielen: 1960, 1968 und 1984.

Cricket gilt als beliebteste Sportart in Pakistan. Die pakistanische Nationalmannschaft neben dem Asia Cup (2000, 2012) und der Asian Test Championship (1999) auch einen WM-Titel von 1992 und drei Mal die Australasiatische Meisterschaft gewonnen (1986, 1990, 1994). 2009 gewannen sie die ICC World Twenty20, die in England stattfand. 2017 gewannen sie zum ersten Mal die ICC Champions Trophy. Im MĂ€rz 2009 wurde Sri Lankas Cricket-Nationalmannschaft in Lahore von Bewaffneten angegriffen, was zur Folge hatte, dass bis Mai 2015 kein internationales Cricket mehr in Pakistan gespielt wurde. Ebenso wurde Pakistans Mitgastgeberrolle fĂŒr den Cricket World Cup 2011 entzogen. Im November 2021 wurde Pakistan zum Gastgeber der Champions Trophy 2025 ernannt.

Squash gelangte vor allem durch Jahangir Khan und Jansher Khan zu großer Beliebtheit in Pakistan. Jahangir Khan wurde bereits mit 15 Jahren der jĂŒngste Squash-Weltmeister der Amateure, mit 17 Weltmeister der World Open Championship und blieb daraufhin fĂŒnf Jahre, sechs Monate und einen Tag und ĂŒber 500 Squashmatches ungeschlagen, was bis heute einen Weltrekord im Squash darstellt. Er gewann zehn Mal die British Open nacheinander und sechs Mal die US Open. Jansher Khan wurde 1986 Junioren-Weltmeister und 1987 Weltmeister, als er den Australier Chris Dittmar im Finale bezwang. Er wurde achtmal Weltmeister, gewann sechsmal die British Open sowie 99 Profi-Titel wĂ€hrend seiner Karriere und war insgesamt sechs Jahre lang Weltranglistenerster. Die beiden gewannen zusammen 14 WM-Titel. Damit ist Pakistan das erfolgreichste Land in diesem Sport.

Pakistan war Gastgeber bzw. Mitgastgeber mehrerer internationaler Sportturniere: SĂŒdasienspiele 1989 und 2004; Squash-Weltmeisterschaften 1984, 1993, 1996 und 2003; Cricket World Cups 1987 und 1996; sowie die Feldhockey-Weltmeisterschaft der Herren 1990.

Feiertage

Nachdem Pakistan ein mehrheitlich islamisches Land ist, folgen die religiösen Feiertage dem islamischen Mondkalender. Sie verschieben sich daher im Vergleich zum gregorianischen Kalender jedes Jahr um etwa elf Tage zurĂŒck.

Literatur

  • JĂŒrgen Burkart: Pakistan – Ein Bildband. Baltic Sea Press, Rostock 2010, ISBN 978-3-942129-41-1.
  • Bernhard Chiari, Conrad Schetter (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte. Pakistan. Verlag Ferdinand Schoeningh, Paderborn u. a. 2010, ISBN 978-3-506-76908-4.
  • Jochen Hippler: Das gefĂ€hrlichste Land der Welt? Pakistan zwischen MilitĂ€rherrschaft, Extremismus und Demokratie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, ISBN 3-462-04011-1.
  • Jorge Scholz: Der Pakistan-Komplex. Ein Land zwischen Niedergang und Nuklearwaffen. Pendo Verlag, MĂŒnchen u. a. 2008, ISBN 978-3-86612-176-8.
  • Oliver ThrĂ€nert/Christian Wagner: Atommacht Pakistan. Nukleare Risiken, regionale Konflikte und die dominante Rolle des MilitĂ€rs. SWP-Studie 3/2009, Berlin 2009, ISSN 1611-6372.
  • David Arnold: SĂŒdasien (= Neue Fischer Weltgeschichte. Band 11). S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-10-010841-8. 

Weblinks

  • Offizielle Webseite der pakistanischen Regierung
  • Botschaft der Islamischen Republik Pakistan in der Bundesrepublik Deutschland
  • LĂ€nder- und Reiseinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Pakistan
  • Information ĂŒber Pakistan – Eine sehr ausfĂŒhrliche Seite ĂŒber Pakistan
  • Eine ausfĂŒhrliche Seite zur Geschichte Pakistans von Christoph S. Sprung bei suedasien.info
  • Telepolis: ProjektionsflĂ€che Pakistan Die muslimische Nation war bereits lange vor ihrer StaatsgrĂŒndung eine ProjektionsflĂ€che der Weltwirtschaft
  • Story of Pakistan The Most Comprehensive Reference on the Political History of Pakistan
  • Die „Pakistan Research Group“ forscht zu Lebensunterhaltssystemen und Nutzung natĂŒrlicher Ressourcen im Norden Pakistans
  • Flora of Pakistan – Pakistan Plant Database
  • Hina Nazli, Edward Whitney, Kristi Mahrt: Poverty trends in Pakistan (PDF; 502 kB), United Nations University (UNU), WIDER Working Paper 136/2015, December 2015

Einzelnachweise


 

Region Regionen (8)

Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Azad Kaschmir 35.130532 32.764133 73.394150 75.264143  
Belutschistan 32.075554 24.885071 60.878597 70.248871  
Islamabad 33.877911 33.393116 73.00985 73.526367  
Khyber Pakhtunkhwa 36.91346 31.219715 70.073883 74.116977  
Nordgebiete 37.084606 34.510639 72.504525 77.232079  
Punjab 34.043465 27.705111 69.328873 75.381866  
Sindh 28.529442 23.694683 66.65139 71.124405  
Stammesgebiete unter Bundesverwaltung 34.980663 31.070274 69.238777 71.864479  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Flagge: Pakistan

Name englisch: Pakistan
Hauptstadt: Islamabad
Kfz: PAK
ISO: PK
ISO3: PAK
Fläche: 803940 km²
Tld: .pk
Wärung Einheit: PKR
Währung: Rupee
Vorwahl: 92

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 37.084107
südlichster Punkt: 23.6345
westlichster Punkt: 60.872972
östlichster Punkt: 77.8344316


 
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