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Staat Informationen : Afghanistan

Informationen:


Afghanistan (paschtunisch und persisch Ű§ÙŰșŰ§Ù†ŰłŰȘŰ§Ù†, DMG Afĥānistān) ist ein Binnenstaat an der Schnittstelle von SĂŒdasien, Zentralasien und Vorderasien, der an Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, die Volksrepublik China und Pakistan grenzt. Drei Viertel des Landes bestehen aus schwer zugĂ€nglichen Gebirgsregionen.

Nach dem Einmarsch der Sowjetunion 1979 besiegten – von den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien finanzierte – Mudschaheddin die von der Sowjetunion gestĂŒtzte Regierung. Die Aufteilung der Machtbereiche scheiterte jedoch an RivalitĂ€ten; die fundamentalistisch islamisch ausgerichteten Taliban-Milizen kamen an die Macht und setzten eine radikale Interpretation des Islam und insbesondere der Scharia mit aller HĂ€rte durch. Nach den TerroranschlĂ€gen am 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten wurde das Taliban-Regime, das Mitgliedern von Terrororganisationen Unterschlupf gewĂ€hrt hatte, im maßgeblich von den Vereinigten Staaten gefĂŒhrten Krieg gegen den Terror gestĂŒrzt. Seither bestimmte dieser auch in Afghanistan gefĂŒhrte Krieg das Geschehen.

Das Land konstituierte sich wĂ€hrend der internationalen Stabilisierungsmission (ISAF) durch die Verfassung von 2004 als demokratische, islamische Republik. Von 2004 bis 2014 war Hamid Karzai PrĂ€sident der Islamischen Republik Afghanistan. Nach der PrĂ€sidentschaftswahl 2014 wurde Aschraf Ghani zum Sieger erklĂ€rt und am 29. September 2014 als Staatsoberhaupt vereidigt. Nach dem fortschreitenden und am 30. August 2021 schließlich vollstĂ€ndigen Abzug der internationalen Truppen erlangten die Taliban schnell wieder Kontrolle ĂŒber das Land und proklamierten das Islamische Emirat Afghanistan.

Namensgebung

Afghanistan bedeutet wörtlich „Land der Afghanen“. Die persische Endung -stan geht auf den indoiranischen Ausdruck fĂŒr „Platz“ oder „Ort, an dem man steht“ zurĂŒck. Ein Afghane ist hierbei nicht im modernen Sinne als StaatsbĂŒrger Afghanistans zu verstehen, sondern als Angehöriger des Volkes und der StĂ€mme der Paschtunen, die im persischen Sprachraum lĂ€nderĂŒbergreifend als Afghanen und auf dem Indischen Subkontinent als Pathanen bezeichnet werden. Heute hingegen ist in der Verfassung Afghanistans ausdrĂŒcklich geregelt, dass alle StaatsbĂŒrger Afghanistans unabhĂ€ngig von ihrer EthnizitĂ€t als Afghanen verstanden werden.

1801 wurde der Name Afghanistan im anglo-persischen Friedensvertrag im Zusammenhang mit den paschtunischen Siedlungsgebieten zum ersten Mal offiziell erwĂ€hnt, nachdem er bereits in den tschagataischsprachigen Memoiren Baburs aus dem 16. Jahrhundert, in einem regional begrenzten Sinne und auf die paschtunischen StĂ€mme sĂŒdlich von Kabul bezogen, erwĂ€hnt worden war. Erst 1919, mit der vollen UnabhĂ€ngigkeit Afghanistans vom Britischen Weltreich, wurde der Name offiziell anerkannt und 1936, mit der ersten Verfassung des Landes, etabliert.

Eine andere Bezeichnung fĂŒr den Großteil des Gebietes ist Kabulistan oder Königreich von Kabul, die im 19. Jahrhundert vom schottischen Geschichtsschreiber Mountstuart Elphinstone als Landesbezeichnung bevorzugt verwendet wurde.

Der wohl bekannteste historische Name dieser Region ist Chorasan, der ĂŒber viele Jahrhunderte hinweg fĂŒr die islamische und persische BlĂŒtezeit stand. Noch zu Elphinstones Zeit war die Bezeichnung Chorasan fĂŒr den afghanischen Staat unter Einheimischen gĂ€ngig. So erwĂ€hnte er, dass er bei seinem ersten Besuch in dem Land, das fĂŒr die Außenwelt als Afghanistan bekannt war, von den Einheimischen in Chorasan willkommen geheißen wurde.

Geographie

Topografie

Afghanistan ist ein Binnenstaat mit strategischer Bedeutung in der Region. Das Land ist grĂ¶ĂŸtenteils Gebirgsland. Weniger als 10 Prozent der LandesflĂ€che liegen unterhalb von 600 m. Das zentrale Bergland besteht aus mehreren GebirgszĂŒgen, deren höchster der Koh-e Baba (bis 5048 m) ist. Der Hindukusch (bis 7500 m) liegt im Nordosten, der Safed Koh (bis 4755 m) im Osten an der Grenze zu Pakistan. An dieser 2643 Kilometer langen Demarkationslinie befindet sich die Durand-Linie.

Im SĂŒdwesten befindet sich eine abflusslose Ebene mit dem Hilmendsee an der Grenze zum Iran. Sein wichtigster Zufluss ist der Hilmend, der im Osten des Landes nahe der Hauptstadt Kabul entspringt. Afghanistan ist vor allem ein Gebirgsland im östlichen Iranischen Hochland. Nur im Norden liegen Ebenen am Amudarja und im SĂŒdwesten kleinere wĂŒstenartige Becken. Der Nordosten wird vom Hindukusch durchzogen. Zwischen dem Becken von Kabul und dem nördlichen Landesteil besteht seit 1964 eine winterfeste Straßenverbindung ĂŒber den Gebirgskamm mit einem fast 3 km langen Tunnel (Salangpass-Straße). Durch den Wachankorridor im Pamirgebirge besitzt Afghanistan auch mit der Volksrepublik China eine gemeinsame Grenze.

Der sĂŒdliche Hindukusch fĂ€llt steil in die Landschaft Nuristan ab, die teilweise noch von NadelwĂ€ldern bedeckt ist. Die Landschaften zwischen der Hauptstadt Kabul und dem Chaiber-Pass an der Grenze zu Pakistan sind der politische und wirtschaftliche Kernraum des Landes. Siedlungskern im westlichen Afghanistan ist die Stadt Herat. Das sĂŒdliche und sĂŒdwestliche Afghanistan besteht aus WĂŒsten und HalbwĂŒsten. Es wird nur vom Hilmend durchflossen, der der lĂ€ngste afghanische Fluss ist. Der Hilmend endet in den Salzseen von Sistan an der Grenze zum Iran. Östlich des Hilmend liegt die WĂŒste Rigestan („Sandland“) und westlich des Hilmend die vorwiegend aus Schotter und LehmflĂ€chen bestehende Dascht-e Margo.

Im nordöstlichen Hindukusch-Gebirgszug und in Teilen der Provinz Badachschan bebt hĂ€ufig die Erde. Solche Erdbeben verursachen Erdrutsche und im Winter Schneelawinen. In einem starken Erdbeben am 30. Mai 1998 im Gebiet der Provinz Badachschan starben ungefĂ€hr 6000 Menschen. Auch im MĂ€rz 2002 starben dort tausende Menschen. 2012 zerstörte ein Erdbeben ĂŒber 2000 HĂ€user; elf Menschen starben.

In Afghanistan gibt es Kohle, Kupfer, Eisenerz, Lithium, Uran, Metalle der Seltenen Erden, Chromit, Gold, Zink, Talk, Baryt, Schwefel, Blei, Marmor, Schmuckstein, Erdgas, Erdöl und weitere Rohstoffe. 2010 schÀtzten die US-amerikanische und die afghanische Regierung den Wert der bis 2007 gefundenen, aber noch ungenutzten Mineralvorkommen auf einen Wert zwischen 900 und 3000 Milliarden US-Dollar.

Der höchste Punkt des Landes ist der Gipfel des 7485 m hohen Noshak im Hindukusch. Der tiefstgelegene Punkt (285 m) liegt in der Flussebene des Amudarja an der Grenze zu Turkmenistan.

Die Band-e-Amir-Seen bei Bamiyan zĂ€hlen zu den in der westlichen Welt bekanntesten SehenswĂŒrdigkeiten. Sie sind seit 2009 als erster Nationalpark in Afghanistan ausgewiesen.

Klima

In Afghanistan herrscht ein kontinentales Klima mit heißen trockenen Sommern (nur im Ă€ußersten SĂŒdosten bringt der Monsun Regen) und sehr kalten Wintern. Die winterlichen Westwinde bringen meist mĂ€ĂŸige NiederschlĂ€ge. Im Winter sind wegen der großen Höhe des Landes vor allem im Norden gelegentlich auch SchneefĂ€lle bis in die TĂ€ler möglich. Klimatisch gehört der SĂŒden des Landes bereits zu den wĂ€rmeren Subtropen, in denen der Anbau von Dattelpalmen möglich ist, wĂ€hrend der Norden eher zur gemĂ€ĂŸigten Zone gehört. Im Jahr 2000 hatte die HĂ€lfte der Bevölkerung unter einer der hĂ€ufig auftretenden schweren DĂŒrren zu leiden. Solche DĂŒrren könnten sich in Zukunft hĂ€ufen; die Globale ErwĂ€rmung könnte dazu fĂŒhren, dass vor allem im Winter und FrĂŒhjahr weniger NiederschlĂ€ge fallen (→ arideres Klima). FĂŒr den vom Monsun betroffenen SĂŒd-Osten steht hingegen zu erwarten, dass die Niederschlagsmengen im Sommer stĂ€rker variieren; durch die zusĂ€tzliche ErwĂ€rmung der AtmosphĂ€re wird auch das indische Monsunsystem labiler. Besonders die Landwirtschaft (in der viele Afghanen arbeiten) könnte negativ betroffen werden.

In den diese Orte umgebenden Gebirgen und Hochgebirgen ist es kĂ€lter; die Lufttemperatur sinkt gemĂ€ĂŸ der Höhenformel um typisch 0,65 °C pro 100 m Höhe.

Natur

Afghanistan weist eine große HabitatdiversitĂ€t mit sehr unterschiedlichen ökologischen Bedingungen auf. Der Etablierung eines systematischen Naturschutzes steht die seit Jahrzehnten instabile politische Situation des Landes entgegen, erst 2009 wurde mit den Band-e-Amir-Seen bei Bamiyan der erste Nationalpark in Afghanistan ausgewiesen.

Flora

Mit bis zu 5000 vermuteten höheren Pflanzenarten weist Afghanistan eine angesichts der Trockenheit recht hohe Artenzahl aus (zum Vergleich: fĂŒr die etwa halb so große Bundesrepublik Deutschland werden um die 4000 Pflanzenarten geschĂ€tzt). Mit einem Anteil endemischer Arten von rund 30 % ist die afghanische Flora sehr reich an Pflanzen, die sonst nirgends auf der Welt vorkommen.

Weite Teile des Landes sind durch menschlichen Einfluss umgestaltet, jahrtausendelange Überweidung, Entwaldung und landwirtschaftliche Nutzung haben trotz der GrĂ¶ĂŸe des Landes dazu gefĂŒhrt, dass nur sehr wenige, insbesondere abgelegene Regionen, noch eine natĂŒrliche Vegetation aufweisen. Eine kontinuierliche floristische Erforschung Afghanistans begann erst Mitte des 20. Jahrhunderts, auch sie ist durch die politische Situation des Staates erschwert.

Bevölkerung

80 % der Bevölkerung Afghanistans leben auf dem Land, 20 % in den StĂ€dten. Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte waren im Jahr 2019 Kabul (4,273 Mill. Einwohner), Herat (556.200 Ew.), Kandahar (506.800 Ew.), Masar-e Scharif (469.200 Ew.), Dschalalabad (263.300 Ew.) und Kundus (183.300 Ew.).

Das jĂ€hrliche Bevölkerungswachstum betrĂ€gt 2,5 % (Stand 2017). Afghanistan hat eine der jĂŒngsten und am schnellsten wachsenden Bevölkerungen weltweit. Lebten noch 1950 nur 7,7 Millionen Menschen in dem Land, stieg die Bevölkerungszahl trotz mehrerer Kriege auf 33,7 Millionen Menschen im Jahr 2015 an. 2050 soll Afghanistan 61 Millionen Einwohner haben, was die begrenzten Ressourcen des Landes stark belasten wird. 2015 betrug die FertilitĂ€tsrate 5,3 Kinder pro Frau mit leicht sinkender Tendenz in den letzten Jahren. Außerhalb Afrikas ist Afghanistan das Land mit der höchsten Fruchtbarkeitsrate. Die meisten Frauen haben keinen Zugang zu VerhĂŒtungsmitteln und werden oft sehr jung schwanger.

Ethnien

Die Bevölkerung des Landes fĂŒhlt sich einer Vielzahl ethnischer Gruppen und StĂ€mme zugehörig; aus historischen GrĂŒnden sehen sich die Paschtunen, die grĂ¶ĂŸte Ethnie Afghanistans, oft als staatstragendes Volk. In vielen Gegenden leben mehrere Volksgruppen miteinander; die Zugehörigkeit zu einer der Gruppen ist statistisch nicht erfasst und kann nur geschĂ€tzt werden. Die Zuordnung des Einzelnen zu einer bestimmten ethnischen Gruppe ist zudem nicht immer eindeutig, da sich Selbstidentifikation und Fremdzuschreibung hĂ€ufig unterscheiden. Die im Folgenden angegebenen Werte basieren auf der Bevölkerungszahl des Jahres 2009.

  • Die Paschtunen, historisch als „Afghanen“ bezeichnet, sind die BegrĂŒnder und Namensgeber des Landes. Sie machen etwa 42 % der Bevölkerung aus. Die zahlenmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸten Untergruppen sind die Durrani (SĂŒden und Westen) und die Ghilzai (Osten). Den Paschtunen zugeordnet sind auch mehrere NomadenstĂ€mme, allen voran die Kutschi mit rund 5 Millionen Menschen. Die Nomaden sind durch Artikel 14 der afghanischen Verfassung besonders geschĂŒtzt („Der Staat entwickelt und implementiert wirksame Programme [
] zur Ansiedlung der Nomaden und zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen“); beispielsweise wurden den Kutschi in Artikel 84 zwei Vertreter in der Meschrano Dschirga zugesagt, die vom PrĂ€sidenten ernannt werden. Außerdem können nach dem Wahlgesetz von 2005 die Kutschi zehn Abgeordnete in die Wolesi Dschirga entsenden.
  • Tadschiken sind mit etwa 27 % die zweitgrĂ¶ĂŸte Gruppe des Landes. „Tadschik“ ist eine allgemeine Bezeichnung der persischsprachigen Bevölkerung in Afghanistan, oft wird diese auch als „Parsiwan“ („Persischsprecher“) oder, im Osten und SĂŒden, als „Dihgan“ und „Dihwar“ („Dorfbesitzer“, im Sinne von „sesshaft“) bezeichnet. Die Tadschiken sind keine von der persischstĂ€mmigen Bevölkerung der Nachbarstaaten abgegrenzte Ethnie; im Westen des Landes bilden sie die direkte Fortsetzung der persischsprachigen Bevölkerung des Irans, im Norden die der persischsprachigen Bevölkerung Zentralasiens, die ebenfalls als Tadschiken bezeichnet wird (vgl. Tadschikistan). Der Begriff „Tadschik“ wird von anderen Gruppen oft als Sammelname fĂŒr jene Bevölkerungsteile verwendet, die keiner Stammesgesellschaft angehören, Persisch sprechen und ĂŒberwiegend sunnitischen Glaubens sind. Auch andere persischsprachige Gruppen, z. B. die „Qizilbasch“ und die „Aimaken“, identifizieren sich zunehmend als Tadschiken.
  • Hazara, ebenfalls persischsprachig, jedoch grĂ¶ĂŸtenteils schiitischen Glaubens und mongolischer Abstammung, stellen etwa 9 % der Bevölkerung dar. Aufgrund ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit wurden sie in Afghanistan diskriminiert, verfolgt und zuweilen gezielt getötet.
  • Die Usbeken, eines der vielen Turkvölker Zentralasiens, stellen etwa 9 % der Bevölkerung Afghanistans.
  • Die Sayyiden, die sich von der Familie des Propheten Mohammed herleiten, nehmen in Afghanistan einen Ehrenplatz ein. Die Mehrheit der Sayyiden, die sich auf Balch und Kundus im Norden und Nangarhar im Osten konzentriert, sind sunnitische Muslime, aber es gibt auch einige, darunter in der Provinz Bamiyan, die dem schiitischen Islam angehören. Diese werden oft als Sadat bezeichnet, ein Wort, das traditionell „im nördlichen Hedschas-Gebiet und in Britisch-Indien gleichermaßen auf die Nachfahren von Hasan und Hussein [den ersten schiitischen MĂ€rtyrern], Söhnen von Ali und Enkeln von Mohammed, angewendet wurde“. Am 15. MĂ€rz 2019 beschloss PrĂ€sident Aschraf Ghani, den „Stamm der Sadat“ in den elektronisch erfassten nationalen Personaldaten zu erwĂ€hnen.
  • Daneben gibt es mehrere kleine Gruppen: die Aimaken (4 %), Turkmenen (3–4 %), Belutschen (2 %), Nuristani und zahlreiche weitere Ethnien (4 %).

Nach 1992 prĂ€gten ethnische Konflikte die Auseinandersetzungen zwischen den Mudschaheddin. Die traditionellen Herrscher Afghanistans waren die Paschtunen, sie bilden auch die große Mehrheit der Taliban-Bewegung. Der Sturz des Taliban-Regimes im Jahr 2001 gab einer Allianz aus Tadschiken, Hazara und Usbeken die Gelegenheit, ein Abkommen ĂŒber die Aufteilung der Macht durchzusetzen. Die Paschtunen sehen sich seitdem Vergeltungsangriffen ausgesetzt. Unter den Taliban war es darĂŒber hinaus zu Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten gekommen.

Im Jahre 2017 waren 0,4 % der Bevölkerung im Ausland geboren.

Sprachen

In Afghanistan werden etwa 49 Sprachen und ĂŒber 200 verschiedene Dialekte gesprochen. 1964 bestimmte die Große Ratsversammlung (Loja Dschirga) im Rahmen der BestĂ€tigung einer neuen Verfassung Persisch („Dari“) und Paschto als offizielle Landes- und Regierungssprachen (Amtssprachen).

Paschto

Paschto, die Sprache der Paschtunen, ist per königlichem Dekret seit 1936 Amtssprache und wird von rund 35 bis 38 % der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen; andere SchĂ€tzungen gehen bis 55 %, was jedoch weit ĂŒber dem Anteil der Paschtunen an der afghanischen Bevölkerung liegt und die dominierende Rolle des Dari als Lingua franca außer Acht lĂ€sst. Traditionell wird die Nationalhymne Afghanistans in Paschto gesungen. Auch militĂ€rische Titel sind der paschtunischen Sprache entliehen.

Persisch (Dari)

Dari (ŰŻŰ±Ù‰) ist die offizielle in Afghanistan gebrĂ€uchliche Bezeichnung fĂŒr die persische Sprache. Der Begriff ist von FārsÄ«-ye DarbārÄ«, „Persisch des königlichen Hofes“ (ÙŰ§Ű±ŰłÛŒ ŰŻŰ±ŰšŰ§Ű±ÛŒ) abgeleitet. Als Muttersprache wird es in Afghanistan insbesondere von den Tadschiken und den Hazara gesprochen, die zusammen ca. 35 bis 45 % der Bevölkerung des Landes bilden. Weitere Muttersprachler sind Teile der paschtunischen Bevölkerung und die Aimaken.

Persisch war seit dem Mittelalter die dominierende Verwaltungs- und Kultursprache der Region bis hin nach Nordindien. Die persische Schriftsprache diente seit der StaatsgrĂŒndung Afghanistans als Amts- und Verwaltungssprache. Das Farsi des Irans unterscheidet sich dabei von Dari hauptsĂ€chlich in der Phonetik, der Akzentuierung und Silbenstruktur. Das Dari der Bewohner der Hauptstadt Kabul prĂ€gt nicht nur die Regierungs- und Wirtschaftssprache Afghanistans, sondern dient auch jenen Volksgruppen, deren Muttersprache weder Paschto noch Dari ist, als Lingua franca.

Bis in die 1960er Jahre war der Titel des in afghanischen Schulen gebrĂ€uchlichen Lesebuchs Qerahate Farsi (Persisches Lesebuch). 1964 benannte das zustĂ€ndige Ministerium es in Qerahate Farsi e Dari und schließlich in Qerahate Dari um. WĂ€hrend die Bevölkerung die Landessprache hĂ€ufig noch Farsi nennt, verwenden die staatlichen Institutionen und Medien die Bezeichnung Dari.

Johann Friedrich Kleuker verwendete 1776/77 erstmals im deutschen Sprachraum die Bezeichnung Deri fĂŒr das Persische, das sich seit der Sassanidenzeit als Hofsprache aller LĂ€nder des iranischen Hochlandes entwickelt hatte. 1818 verwendete Joseph von Hammer-Purgstall dieselbe Bezeichnung bei seiner Übersetzung des Diwans des Dichters Hafis. Die Bezeichnung Dari kam im 9./10. Jahrhundert am Hof der Samaniden in Mittelasien auf, die das Persische zur Hofsprache erhoben hatten.

Das afghanische Persisch oder Dari ist eng verwandt mit dem Tadschikischen, und die grĂ¶ĂŸte persischsprachige Bevölkerungsgruppe in Afghanistan sind Tadschiken. Dennoch ist die Sprachbezeichnung Tadschikisch nur fĂŒr das Persische Tadschikistans und einiger anderer Gebiete der ehemaligen Sowjetunion ĂŒblich, in denen tadschikische Minderheiten leben. Tadschikisch wird meist in kyrillischer Schrift geschrieben, wĂ€hrend Dari ebenso wie Persisch in persisch-arabischer Schrift geschrieben wird.

Regionale Nationalsprachen

Daneben sind fĂŒnf Minderheitensprachen seit 1980 in jenen Regionen als Nationalsprachen anerkannt, in denen diese von der Mehrheit gesprochen werden; die Wichtigste ist Usbekisch. Auch Turkmenisch, Belutschisch, Paschai und Nuristani (Kati) haben unter der Regierung Hamid Karzais eine Aufwertung erfahren.

Englisch

Englisch war bereits zu Zeiten Britisch-Indiens die Handels- und GeschĂ€ftssprache in Afghanistan. Auch nach der UnabhĂ€ngigkeit vom Vereinigten Königreich im Jahr 1919 wurde in Afghanistan Englisch als internationales Kommunikationsmittel gelernt. Die afghanische Verfassung ist auch in englischer Sprache verfĂŒgbar. Auch auf Plakaten, in der Werbung und der offiziellen Beschilderung wird es verwendet. Es gab Bestrebungen, Englisch zur dritten Amtssprache Afghanistans zu erheben.

Urdu

Die Muttersprache der Hindu- und Sikh-Minderheit in Afghanistan ist Urdu. Die große Beliebtheit von indischen und pakistanischen Filmen fĂŒhrte dazu, dass auch in anderen Bevölkerungsteilen Urdukenntnisse vorkommen. Urdu wird von einigen afghanischen Dichtern als Literatursprache verwendet und zudem in manchen afghanischen Schulen als Fremdsprache unterrichtet.

Religion

Über 99,9 % der Bevölkerung sind Muslime, davon etwa vier FĂŒnftel meist hanafitische Sunniten und ein FĂŒnftel imamitische Schiiten.

Der Islam ist in Afghanistan ĂŒber die Jahrhunderte von den Afghanen sehr konservativ ausgelegt worden, wobei das Stammesrecht der Paschtunen eine Rolle spielte. Jedoch wird der Islam je nach ethnischer Gruppe, Region und Bildungsstand unterschiedlich verstanden und interpretiert. Eine wichtige Rolle spielen bis heute die vorislamischen BrĂ€uche der Bevölkerung, wie zum Beispiel das altiranische Neujahr (Nouruz) nach dem iranischen Kalender oder der Glaube an segenbringenden Weihrauch (Espand), beides zoroastrische BrĂ€uche.

Die Lage der christlichen Minderheit in Afghanistan hatte sich Anfang Juni 2010 zugespitzt, nachdem der private Fernsehsender „Noorin TV“ und andere KanĂ€le einen Film ĂŒber die Taufe von Konvertiten ausgestrahlt und ihre Gesichter gezeigt hatten. Danach riefen afghanische Regierungsvertreter dazu auf, Islam-„AbtrĂŒnnige“ mit dem Tode zu bestrafen. StaatsprĂ€sident Hamid Karzai wies Regierung und Staatsschutz an, dafĂŒr zu sorgen, dass es keine weiteren Übertritte gebe. Der stellvertretende ParlamentsprĂ€sident Abdul Satter Chowasi (Kabul) forderte die öffentliche Hinrichtung von Personen, die vom Islam zum Christentum ĂŒbertreten. Ein Abgeordneter erklĂ€rte, die Ermordung von Christen, die zuvor Muslime waren, sei kein Verbrechen. Seither sind zahlreiche christliche Familien untergetaucht oder ins Ausland geflohen. HumanitĂ€re Hilfswerke werden einer strengen staatlichen Kontrolle unterzogen. Zwei, die den Begriff „Kirche“ im Namen tragen, mussten ihre AktivitĂ€ten einstellen – die Norwegische Kirchenhilfe und die US-amerikanische Organisation World Church Services (Kirchliche Weltdienste).

Daneben gibt es noch höchstens 15.000 Hindus und einige wenige hundert Sikhs. Zebulon Simentov war der letzte bucharische Jude, der im Jahr 2021 Afghanistan verließ. Über die Zahl der Christen ist wenig bekannt.

Frauen

Unter Amanullah Khan gab es 1923 den Vorschlag einer neuen Verfassung, die Wahlrechte fĂŒr Frauen enthielt. Nadir Schah und Zahir Schah strichen die frauenfreundlichen Maßnahmen, und Frauen wurde das Wahlrecht verweigert. In der Verfassung von 1963, die 1964 in Kraft trat, erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht. Doch es war auf Frauen beschrĂ€nkt, die lesen und schreiben konnten. Diese BeschrĂ€nkung wurde spĂ€ter gestrichen.

Vor allem in StĂ€dten und grĂ¶ĂŸeren Orten gehen Frauen meist nur mit Ganzschleier (Burka) aus dem Haus. Allerdings wurde die Burka nur in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten ĂŒblich. Auf dem Land war die Burka nicht ĂŒblich, da sie etwa bei der Feldarbeit hinderlich ist. Nur in der kurzen Phase der kommunistischen Regierung 1978 und wĂ€hrend deren UnterstĂŒtzung durch sowjetische Truppen seit 1979 erhielten Frauen teilweise formale SelbststĂ€ndigkeit, Freiheit und Schulbildung.

Die Taliban verpflichteten Mitte der 1990er Jahre alle Frauen zum Tragen einer Burka. Bei den Tadschiken und den anderen Volksgruppen war diese Tradition bis dahin nicht weit verbreitet. Die Burka-Pflicht wurde 2001 offiziell wieder aufgehoben, die Burka bleibt jedoch weiterhin die gewöhnliche Kleidung fĂŒr die meisten Frauen.

Nur wenige Frauen wagen es, sich ohne mĂ€nnliche Begleitung in der Öffentlichkeit zu bewegen. Übergriffe gegen Frauen sind in Kabul und anderen grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten nicht selten.

Unter den Taliban war Frauen die BerufstĂ€tigkeit verboten, auch den MĂ€dchen war es untersagt, eine Schule zu besuchen. Da es durch den Krieg allein in Kabul etwa 30.000 Witwen gab, waren diese völlig auf sich allein gestellt. Vielen blieb nichts anderes ĂŒbrig, als zu betteln.

Der eheliche Beischlaf ist seit 2009 in Artikel 132 des Gesetzes zur Regelung des Familienlebens verpflichtend. Dort steht: „Die Frau ist verpflichtet, den sexuellen BedĂŒrfnissen ihres Mannes jederzeit nachzukommen.“ Nach Artikel 133 können EhemĂ€nner ihre Frauen von unnötiger BeschĂ€ftigung abhalten. Auch wenn Frauen das Haus verlassen wollen, mĂŒssen sie zuerst die Erlaubnis des Ehemanns einholen.

Im August 2020 bekundete PrĂ€sident Aschraf Ghani die Absicht, vor den geplanten FriedensgesprĂ€chen mit den Taliban einen Hohen Rat fĂŒr Frauen zu schaffen, mit 26 Vertretern gesellschaftlicher Gruppen, die sich fĂŒr Frauenrechte einsetzen, darunter Menschenrechtler, Aktivistinnen, Politiker und Beamte. Hunderte Frauen forderten unterdessen die Taliban in einem offenen Brief auf, ihre Rechte zu respektieren.

Im MĂ€rz 2021 verbot das afghanische Erziehungsministerium allen MĂ€dchen ĂŒber zwölf Jahren, in Anwesenheit von MĂ€nnern zu singen.

Bildung

Invasion, BĂŒrgerkrieg und die Kulturfeindlichkeit der Taliban ließen große Teile der Bevölkerung ohne jeden Zugang zu Bildung aufwachsen. Frauen sind vom Ausschluss aus dem Bildungssystem stĂ€rker betroffen als MĂ€nner. Die Analphabetenrate war 2015 mit 61,8 % im internationalen Vergleich sehr hoch (Frauen: 75,8 %; MĂ€nner: 48 %). Der Analphabetismus ist eines der grĂ¶ĂŸten Hindernisse beim Wiederaufbau des Landes. Nach dem Ende des Taliban-Regimes entstanden mit auslĂ€ndischer Hilfe zahlreiche Schulen mit zum Teil neu ausgebildetem Lehrpersonal, so dass ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen, vor allem auch MĂ€dchen, Zugang zu einer Schulbildung erlangten. Die mittlere Schulbesuchsdauer ĂŒber 25-JĂ€hriger stieg von 1,5 Jahren im Jahr 1990 auf 3,6 Jahre im Jahr 2015. Die Bildungserwartung lag 2018 bei 10,1 Jahren.

Im Jahr 2014 gab es in Afghanistan 17 UniversitĂ€ten und 17 „Institutions of Higher Education“ (IHE; vergleichbar mit einer Berufsschule) unter staatlicher Kontrolle. Daneben gibt es eine wachsende Anzahl an PrivatuniversitĂ€ten von sehr unterschiedlicher QualitĂ€t. Finanziell gefördert werden lediglich UniversitĂ€ten und Hochschulen, deren Namen aus den „bisherigen nationalen [
] FachausdrĂŒcken“ bestehen. Der Staat macht die Anerkennung und Förderung der Hochschulen und UniversitĂ€ten in den nicht-paschtunischen Gebieten von der paschtunischen Benennung der Hochschule abhĂ€ngig, was darin seine BegrĂŒndung findet, dass Paschto eine der beiden Amts- und Landessprachen ist. In den paschtunischen Gebieten kann die persische Benennung der Hochschulen jedoch fehlen, ohne dort Sanktionen zu fĂŒrchten. Der letzte Absatz des Artikels 16 der Verfassung („die bisherigen nationalen [
] und administrativen FachausdrĂŒcke werden beibehalten“ – in Anspielung auf den Status der paschtunischen Sprache als Nationalsprache in der Zeit von Mohammad Zahir Khan, 1933–1973) hebt die vorangegangenen, eigentlich demokratischen AbsĂ€tze ĂŒber Sprachenfreiheit wieder auf.

FlĂŒchtlinge

Ab 1980 waren mehr als 6 Millionen Afghanen in die benachbarte Islamische Republik Pakistan und den Iran geflohen. Viele kamen zwar zurĂŒck, doch durch die KĂ€mpfe im Jahr 2001 entstand eine neue FlĂŒchtlingswelle; Hunderttausende wurden innerhalb des Landes vertrieben. Mit 3,2 Millionen RĂŒckkehrern aus Pakistan und 860.000 aus dem Iran hat das UNHCR von 2002 bis 2007 rund 4 Millionen Afghanen bei ihrer RĂŒckkehr ins Heimatland unterstĂŒtzt. Etwa 3 Millionen registrierte Afghanen befanden sich Ende 2007 noch im Exil, davon zirka 2 Millionen in Pakistan, insbesondere in Peschawar, und 910.000 im Iran. Die Aufnahme des Programms der freiwilligen RĂŒckkehr aus Pakistan wurde ab MĂ€rz 2008 fortgesetzt. Afghanistan hat eine wachsende Diaspora in westlichen Staaten. 2018 lebten rund 257.000 Personen afghanischer Herkunft in Deutschland. Rund 580.000 Menschen kehrten von Januar bis September 2018 auch aufgrund der wirtschaftlichen Lage aus Iran nach Afghanistan zurĂŒck.

Waisen

Stand 2021 gibt es rund 120.000 minderjÀhrige Vollwaisen. Etwa 20.000 von ihnen sind in staatlichen oder privaten Einrichtungen in Obhut.

Geschichte

Von der Antike bis zur Neuzeit

In der Antike gehörte das Gebiet des heutigen Afghanistan, das dem Osten des antiken „Aryānām XĆĄaΞra“ entspricht, zum Perserreich. SpĂ€ter entstand in Baktrien ein Griechisch-Baktrisches Königreich, das von den Nachfolgern Alexanders des Großen regiert wurde. Das Gebiet wurde seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. von verschiedenen Gruppen beherrscht und gehörte großenteils zum Parther- und Sassanidenreich. In der SpĂ€tantike siedelten dort die sogenannten iranischen Hunnen, bevor deren letztes Herrschaftsgebilde, das Hephthalitenreich, von Sassaniden und GöktĂŒrken vernichtet wurde. Nach dem Fall der persischen Sassaniden im Zuge der Invasion der muslimischen Araber (siehe Islamische Expansion) und dem langsamen Zerfall des Kalifats der Abbasiden, dominierten dort iranische Dynastien, die dem Kalifat höchstens nominell unterstanden. Der Islam setzte sich dennoch in dieser Region verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig langsam gegen den Widerstand der Turk-Schahi und der Hindu-Shahi durch. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts, mit der Eroberung der Region durch tĂŒrkische Nomaden und MilitĂ€rsklaven (unter anderem die Ghaznawiden und Seldschuken), sollen nach einer islamischen Chronik die meisten Einwohner im Raum Ghor (zwischen Herat und Kabul) Muslime gewesen sein. In dieser Zeit, unter den Ghaznawiden und Ghuriden, war das heutige Afghanistan das Kernland mĂ€chtiger Großreiche. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert stand die Region im Mittelpunkt der Konflikte zwischen den persischen Safawiden im Westen, dem indischen Mogulreich im SĂŒdosten und den usbekischen Scheibaniden im Norden.

Aufstieg der Paschtunen

Die Geschichte des modernen Afghanistan ist unzertrennlich mit der nationalen Geschichte der Paschtunen verbunden. UnzĂ€hlige paschtunische AufstĂ€nde gegen die jeweiligen Herrscher (persische Safawiden und indische Mogulen) fĂŒhrten schließlich mit dem Aufstand des Stammes Ghilzai (1719) zum Sturz der Safawiden in Persien (1722). Dieser Sieg der Paschtunen hielt aber nicht lange an. Nur sieben Jahre spĂ€ter wurden sie von Nader Schah besiegt und zurĂŒck nach Kandahar verdrĂ€ngt. Durch die folgenden Eroberungen Nader Schahs (1736–1747) erlangte das persische Reich vorĂŒbergehend wieder die Gewalt ĂŒber die Region, die heute Afghanistan heißt. Nach dessen Ermordung ĂŒbernahm der Stamm der Durranis, die mit Nader Schah gegen die Ghilzai verbĂŒndet waren und unter seinem Befehl kĂ€mpften, selbstĂ€ndig die Macht.

StaatsgrĂŒndung und Namensgebung

Der Paschtune Ahmad Schah Durrani begrĂŒndete im Jahr 1747 nach dem Tod Nader Schah Afschars, im Osten seines Reiches, ein selbststĂ€ndiges, paschtunisches Königreich, das als VorgĂ€nger des modernen Staates Afghanistan betrachtet werden kann. Damit gilt er allgemein als der BegrĂŒnder Afghanistans. Das von Ahmed Schah Durrani gegrĂŒndete Reich zerbrach spĂ€ter an inneren Streitigkeiten und Einmischungen von außen. Wenig spĂ€ter geriet Afghanistan in den Einflussbereich der expandierenden Briten. Der Name „Afghanistan“ wurde erst im 19. Jahrhundert eingefĂŒhrt und erst 1919 als Staatsname etabliert.

Einflussbereich britischer und russischer Interessen

In Afghanistan kollidierten russische und britische Kolonialinteressen (The Great Game). Seit der Aufstellung der Kaiserlich Russischen Marine durch Zar Peter den Großen war es Ziel russischer Expansionspolitik, zum Indischen Ozean vorzustoßen und dort einen eisfreien Hafen zu bauen. Um Russland zuvorzukommen, sollte Afghanistan erobert und als Teil des Britischen Weltreichs an das spĂ€tere Britisch-Indien angegliedert werden. Dazu kĂ€mpfte 1839–1842 eine große anglo-indische Armee im ersten Anglo-Afghanischen Krieg gegen einen relativ schlecht ausgerĂŒsteten afghanischen Widerstand. Die Briten konnten zwar das Land besetzen, jedoch nicht ihre Ziele durchsetzen. 1842 wurde ein Waffenstillstand vereinbart, bei dem die Briten sich bereit erklĂ€rten, ihre Truppen zurĂŒckzuziehen. Diese wurden jedoch kurz darauf am Chaiber-Pass angegriffen und alle Soldaten, darunter 690 britische und 2840 indische, aber auch 12.000 Zivilisten getötet. Als Reaktion auf diese Niederlage wurde eine Strafexpedition unter Generalmajor George Pollock entsandt, die am 15. September 1842 Kabul einnahm. Schon am 11. Oktober 1842 zogen sich die britischen Truppen aus Kabul und in der Folge aus Afghanistan vollstĂ€ndig zurĂŒck. Dieser Krieg hatte zur Folge, dass die britische Kolonialverwaltung lange Zeit keine direkten weiteren Aktionen in Afghanistan unternahm und erschwerte ihre politisch-wirtschaftlichen Bestrebungen wie die Kontrolle der Handelswege in Zentralasien und den von dort versuchten Angriff auf die chinesische Qing-Dynastie. Die Katastrophe in Afghanistan erregte auch viele Inder, da die britisch-indische Armee zu einem großen Teil aus Belutschen bestand.

Angetrieben durch die vorangegangene DemĂŒtigung erklĂ€rte 1878 die britische Regierung erneut den Krieg gegen Afghanistan. Trotz kleiner militĂ€rischer Erfolge der Afghanen im zweiten Anglo-Afghanischen Krieg, wie bei der Schlacht von Maiwand 1880, wurde der Widerstand von den Briten niedergeschlagen, die Hauptstadt Kabul aus Rache niedergebrannt und eine Marionette als König installiert. Gleichzeitig ĂŒbernahmen die Briten fĂŒr die folgenden 40 Jahre die afghanische Außenpolitik. Aufgrund vieler AufstĂ€nde in Afghanistan wurde 1893 das Land durch die Durand-Linie von den Briten geteilt und das sĂŒdöstliche Gebiet (die heutigen pakistanischen Provinzen NWFP, FATA und ein kleiner Teil Belutschistans) der indischen Kronkolonie einverleibt. Um diese Linie kontrollieren zu können, wurde das aus Afridis, einem Paschtunenstamm, bestehende Regiment Khyber Rifles im Jahr 1880 aufgestellt, da sich nur Einheimische in diesem Gebiet ungehindert bewegen können. Das Regiment besteht auch heute noch als Bestandteil der Pakistanischen Armee.

Der dritte anglo-afghanische Krieg im Mai 1919 – ein letzter Versuch Afghanistans, sich von den britischen Kolonialbestrebungen zu befreien – fĂŒhrte schließlich durch geschicktes Verhandeln der afghanischen Diplomaten unter Amanullah Khan (die Afghanen drohten den Briten, sich Russland weiter anzunĂ€hern) zum Vertrag von Rawalpindi und am 8. August 1919 zur Anerkennung Afghanistans als souverĂ€ner und unabhĂ€ngiger Staat durch Großbritannien. Somit hatte Afghanistan nach mehr als 60 Jahren britischer Vorherrschaft seine volle UnabhĂ€ngigkeit erlangt, wĂ€hrend ein großer Teil der Gebiete wie Teile der pakistanischen Nordwestprovinz als frontier area, auch als tribal area (Stammesgebiete unter Bundesverwaltung) bezeichnet, an die Briten verloren ging und spĂ€ter dem Staat Pakistan zugesprochen wurde. Das unabhĂ€ngige Afghanistan bildete einen Puffer zwischen russischen und britischen Interessen. Dies schlug sich auch in der Grenzziehung nieder und ist noch heute am Wachan-Korridor ersichtlich.

Afghanistan nach der UnabhÀngigkeit

Seit 1933 bestand mit Mohammed Zahir Schah (Mohammedzai) an der Spitze ein konstitutionelles Königreich. Zahir Schah lĂ€utete jedoch eine demokratische Wende in Afghanistan ein. Unter seiner Herrschaft wurden unter anderem Wahlen, ein Zwei-Kammern-Parlament, die Emanzipation der Frauen bis hin zum Frauenwahlrecht, eine Modernisierung der Infrastruktur und Pressefreiheit etabliert. Schahs fortschrittliche und westliche Politik war jedoch nicht unumstritten unter der afghanischen Bevölkerung. Seit 1946 ist Afghanistan Mitglied der Vereinten Nationen. 1973 stĂŒrzte der sich an die Sowjetunion anlehnende Mohammed Daoud Khan das Königshaus und rief die Republik aus. Nach Daouds Sturz 1978 in der Saurrevolution ĂŒbernahm die von Nur Muhammad Taraki gefĂŒhrte, kommunistisch geprĂ€gte Demokratische Volkspartei Afghanistans die Macht in Kabul, rief die Demokratische Republik Afghanistan aus und versuchte mit sowjetischer UnterstĂŒtzung eine gesellschaftliche Umgestaltung, zum Beispiel eine Alphabetisierung der Landbevölkerung. Diese stieß in einigen Regionen auf militĂ€rischen Widerstand, welcher unter anderem von den USA und Pakistan unterstĂŒtzt wurde. Mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen im Dezember 1979 entwickelte sich der BĂŒrgerkrieg zu einem zehnjĂ€hrigen Stellvertreterkrieg (→ Sowjetischer Einmarsch in Afghanistan) zwischen sowjetischer Besatzungsmacht und den von den Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien und Pakistan unterstĂŒtzten islamischen Guerillas (Mudschahedin), siehe dazu Operation Cyclone. 1989 erfolgte der Abzug der sowjetischen Truppen. Nach unterschiedlichen SchĂ€tzungen wurden in dem Krieg unter anderem 600 Tausend bis 2 Millionen Zivilisten getötet. Die sowjetisch gestĂŒtzte Regierung unter PrĂ€sident Mohammed Nadschibullāh konnte sich nach dem sowjetischen Abzug noch bis zur Einnahme Kabuls 1992 durch die Mudschahedin halten.

Im April 1992 wurde der Islamische Staat Afghanistan durch die Peschawar-Abkommen gegrĂŒndet. Neuer PrĂ€sident wurde Burhānuddin Rabbāni. Die Vereinten Nationen prĂ€sentierte einen Übergangsplan, jedoch kam es bereits vor Ort zu zahlreichen KĂ€mpfen verschiedener konkurrierender Mudschahedin in wechselnden Allianzen unter den neuen Warlords. Die Mudschahedin verweigerten dem zurĂŒckgetretenen PrĂ€sidenten Nadschibullāh den Gang ins Exil, welcher daraufhin in ein UN-GebĂ€ude floh. Zwei wichtige, jeweils vom pakistanischen Geheimdienst ISI trainierte, konkurrierende Warlords waren dabei Gulbuddin Hekmatyār und Ahmad Schah Massoud, der unter Rabbāni Verteidigungsminister wurde. Ebenso fĂŒhrte der zu den Mudschahedin kurz vor dem Ende der Regierung Nadschibullāh ĂŒbergelaufene General Abdul Raschid Dostum Truppen an. Als Hekmatyār Kabul einnehmen wollten, kamen ihm die Truppen von Massoud und Dostum dem zuvor und ĂŒbernahmen die meisten Ministerien. Friedensverhandlungen scheiterten und Hekmatyārs Truppen, unterstĂŒtzt von Pakistan, beschossen Kabul. FĂŒr die KĂ€mpfe machten sich die verschiedenen Fraktionen gegenseitig verantwortlich.

Es kam zu zahlreichen Menschenrechtsverbrechen bei diesen MachtkĂ€mpfen. Wie Human Rights Watch berichtete war es praktisch jederzeit möglich in Kabul getötet zu werden, sowohl der Artilleriebeschuss von Hekmatyārs Truppen als auch die konkurrierenden Mudschahedinfraktionen traf viele zivile Einrichtungen. Es kam zudem von den verschiedenen Seiten der Mudschahedin – unter Hekmatyār, Massoud, Dostum als auch weiteren Fraktionen – zu zahlreichen EntfĂŒhrungen, PlĂŒnderungen, Vergewaltigungen und Morden. 1993 kam es im Kabuler Stadtteil Afschar etwa zu einem Massaker durch die Truppen unter den Warlords Sayyaf und Massoud, bei dem geschĂ€tzt etwa 750 Menschen, hauptsĂ€chlich Angehörige der schiitischen Minderheit der Hazara, getötet oder verschleppt wurden. Bereits bis 1993 flohen mehr als eine halbe Million Menschen aus Kabul. Nach Verhandlungen wurde im Juni 1993 Hekmatyār zum afghanischen Premierminister ernannt. Der Frieden hielt jedoch nicht und es kam 1994 und 1995 wieder zu KĂ€mpfen zwischen den konkurrierenden Milizen. Die KĂ€mpfe hörten erst mit den Einmarsch der Taliban auf, welcher wiederum von vielen MenschenrechtsverstĂ¶ĂŸen begleitet wurde.

Der SĂŒden Afghanistans war ĂŒberwiegend weder unter der Kontrolle der Zentralregierung noch unter der Kontrolle der Milizen vom Norden. Lokale Milizen- oder StammesfĂŒhrer beherrschten den SĂŒden. 1994 traten die fundamentalistischen Taliban in der sĂŒdlichen Stadt Kandahar erstmals in Erscheinung. Die Taliban-Bewegung bestand aus Personen die frĂŒher als Mudschahedin kĂ€mpften und rekrutierte sich weiter aus religiösen Schulen fĂŒr afghanische FlĂŒchtlinge in Pakistan. In den Schulen wurde auch den Jihad glorifizierendes Propagandamaterial, welches von den USA hergestellt wurde, verwendet. Die KĂ€mpfe zwischen den Milizen der Mudschahedin und die Hoffnung auf Frieden durch eine neue Ordnung gaben den Taliban Auftrieb. Ihr AnfĂŒhrer und spĂ€teres Staatsoberhaupt wurde Mohammed Omar.

Im Laufe des Jahres 1994 ĂŒbernahmen die Taliban die Macht in verschiedenen sĂŒdlichen und westlichen Provinzen Afghanistans. Bis MĂ€rz 1995 hatten die Taliban sechs Provinzen eingenommen und Kabul erreicht. Anfang 1995 fĂŒhrten die Taliban Verhandlungen sowohl mit der Regierung Rabbānis als auch mit der schiitischen Miliz Hizb-i Wahdat, welche jedoch nicht zu einem Frieden fĂŒhrten. WĂ€hrend die Taliban zunĂ€chst den Kampf um Kabul verloren, waren sie im Westen des Landes weiter auf dem Vormarsch. Dabei kam es zu einem vorĂŒbergehenden geheimen BĂŒndnis zwischen den Taliban und dem Warlord Dostum (siehe Afghanischer BĂŒrgerkrieg (1989–2001)). Mit logistischer UnterstĂŒtzung des ISI und neuen Waffen und Fahrzeugen aus Pakistan und Saudi-Arabien reorganisierten die Taliban ihre Truppen nach einigen Niederlagen im Land und planten 1996 auch eine erneute Offensive gegen Kabul. Am 26. September 1996 befahl Verteidigungsminister Massoud einen RĂŒckzug der Truppen in den Norden Afghanistans. Am 27. September 1996 marschierten die Taliban in Kabul ein und errichteten das Islamische Emirat Afghanistan, das lediglich von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt wurde.

Der entmachtete PrĂ€sident Rabbāni, Massoud und Dostum, frĂŒhere Gegner, grĂŒndeten als Reaktion auf die Talibanoffensiven die Vereinte Front (bekannt als Nordallianz). Als mĂ€chtigster Mann im BĂŒndnis galt Massoud, der Vereinten Front trat unter anderem auch der spĂ€tere PrĂ€sident Hamid Karzai bei. Der Iran und Russland unterstĂŒtzen die Truppen Massouds, Pakistan intervenierte militĂ€risch auf Seiten der Taliban. Nach deklassifizierten Dokumente von US-Behörden (National Security Archive) hat die pakistanische Regierung die Taliban unter anderem logistisch mit Waffen, Treibstoff und Nahrung nach ihrer MachtĂŒbernahme in Kabul 1996 versorgt. Bei der Offensive von 25.000 Taliban-KĂ€mpfern gegen die nördliche Allianz waren geschĂ€tzt auch rund 10.000 islamistische MilizionĂ€re aus arabischen LĂ€ndern, Pakistan und anderen asiatischen LĂ€ndern wie Usbekistan aktiv.

Anfang 2001 wandte die Vereinte Front eine neue Strategie von lokalem militĂ€rischem Druck an. Massoud bereiste 2001 Russland und die EU, wo er sich zudem mit einem Abgesandten der CIA traf und um militĂ€rische UnterstĂŒtzung bat. Massoud bekannte sich dort in seinen Reden zu einem moderaten islamischen Staat, warnte die Staaten vor Al-Qaida und die Tour war einer PR-Erfolg., jedoch wurde er spĂ€ter 2001 durch einen Bombenanschlag getötet.

Die Taliban setzten in den von ihnen kontrollierten Gebieten ihre politische und juristische Interpretation des Islam durch. Die Frauen lebten quasi unter Hausarrest. Im Verlaufe der KĂ€mpfe radikalisierten sich die Taliban weiter und fĂŒhrten radikale gegen Nicht-Moslems gerichtete Maßnahmen durch. Am 10. MĂ€rz zerstörten sie trotz enormer Proteste auch in der islamischen Welt durch Sprengladungen und Artilleriebeschuss die Buddha-Statuen von Bamiyan. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen begingen die Taliban systematische Massaker unter der Zivilbevölkerung, wĂ€hrend sie versuchten, ihre Kontrolle im Westen und Norden Afghanistans zu konsolidieren. Dabei kam es etwa zu einem Massaker in Masar-e Scharif und den Dörfern Bedmushkin und Nayak. Sowohl die Taliban als auch die Nordallianz-Truppen nahmen unter anderem bei ihrem Beschuss Kabuls laut Amnesty und HRW keine RĂŒcksicht auf Zivilisten. In den Jahren 1999 und 2000 kam es zur DĂŒrre in Afghanistan, welche die Not im Land weiter verschĂ€rfte.

Nach den AnschlÀgen vom 11. September 2001

Am 9. September 2001 wurde Massoud ermordet. Zwei Tage danach wurden terroristische AnschlĂ€ge in den Vereinigten Staaten verĂŒbt, die zum Tod von mindestens 2993 Menschen fĂŒhrten und als terroristischer Massenmord angesehen werden. Die Vereinigten Staaten identifizierten Mitglieder des Terrornetzwerks Al-Qaida, das seine Basis in dem Emirat der Taliban hatte und mit den Taliban verbĂŒndet war, als TĂ€ter der TerroranschlĂ€ge des 11. Septembers 2001. Die Taliban verweigerten jedoch die Auslieferung der Verantwortlichen um Osama bin Laden, der sich zu den Attentaten bekannt hatte.

Daraufhin begannen die Vereinigten Staaten im Oktober 2001 eine Invasion Afghanistans mit Hilfe eines MilitĂ€rbĂŒndnisses unter ihrer FĂŒhrung. Die US-Regierung unter PrĂ€sident George W. Bush nutzte als Legitimation dieser Invasion einen Entschluss des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, der den USA das Recht zur Selbstverteidigung zusprach. Infolge dieser Invasion gelang es, die in den meisten Regionen Afghanistans herrschenden Taliban zĂŒgig von der Macht zu verdrĂ€ngen, wobei die Vereinte Front den Großteil der Bodentruppen stellte.

Im Dezember 2001 trafen sich FĂŒhrer der Vereinten Front sowie afghanischer Exilgruppen auf der Petersberger Konferenz in Bonn, wo sie sich auf das sogenannte „Petersberger Abkommen“ einigten, das einen Stufenplan zur Demokratisierung des Landes sowie die Bildung einer provisorischen Regierung mit dem Durrani-paschtunischen StammesfĂŒhrer Hamid Karzai als Vorsitzenden vorsah. Mitglieder der siegreichen Vereinten Front ĂŒbernahmen SchlĂŒsselpositionen in der neuen Regierung. Außerdem wurde um die Stationierung einer einem Mandat der Vereinten Nationen unterstellten internationalen Truppe ersucht, um die Sicherheit der provisorischen Regierung zu gewĂ€hrleisten. Diese Aufgabe ĂŒbernahm die internationale Afghanistan-Schutztruppe International Security Assistance Force (ISAF). Die Taliban zogen sich vorerst in unzugĂ€ngliche Bergregionen zurĂŒck.

Die provisorische Regierung wurde im Juni 2002 durch eine von einer landesweiten außerordentlichen Loja Dschirga bestimmten Übergangsregierung abgelöst, wiederum mit Karzai als ÜbergangsprĂ€sidenten an der Spitze. Ende 2003 wurde eine verfassungsgebende Loja Dschirga einberufen, welche die neue afghanische Verfassung im Januar 2004 ratifizierte. Die am 9. Oktober 2004 durchgefĂŒhrte PrĂ€sidentschaftswahl bestĂ€tigte Karsai als nunmehr demokratisch legitimierten PrĂ€sidenten. Den Abschluss des im Petersberger Abkommen vorgesehenen Demokratisierungsprozesses markierten die Parlamentswahlen im September 2005, aus denen sich das erste frei gewĂ€hlte afghanische Parlament seit 1973 konstituierte. Diese Wahlen sollten ursprĂŒnglich im Juni 2004 stattfinden, mussten aber aufgrund von Verzögerungen bei der Wahlregistrierung mehrmals verschoben werden.

Viele Taliban flohen ĂŒber die Durand-Linie nach Pakistan und formierten sich dort neu. 2003 traten sie erstmals wieder in Erscheinung. Ab Anfang 2006 verĂŒbten sie zusammen mit dem Haqqani-Netzwerk und der Hizb-i IslāmÄ« von Gulbuddin Hekmatyār verstĂ€rkt AnschlĂ€ge gegen afghanische Zivilisten und Soldaten der ISAF. Selbstmordattentate, die vorher in Afghanistan völlig unbekannt waren, und BombenanschlĂ€ge auf nichtmilitĂ€rische Ziele nahmen stark zu.

Babak Chalatbari beschrieb in einem Artikel fĂŒr die Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung die Motive des „Terrors der Taliban“ wie folgt: „Die terroristische Taktik hinter der massiven EinschĂŒchterung zielt darauf ab, dass kaum noch jemand wagt, sich den Auffassungen der theologisch meist nicht sonderlich ausgebildeten Masterminds der Taliban zu widersetzen.“ Die Zahl der versuchten und ausgefĂŒhrten SelbstmordanschlĂ€ge nahmen von drei im Jahr 2003 auf 106 im Jahr 2006 stark zu, zu denen sich meist die Taliban – insbesondere das Haqqani-Netzwerk – bekannten. Im SĂŒden und Osten von Afghanistan existierten Gebiete, die von auslĂ€ndischen Hilfsorganisationen und auch ISAF-Truppen gemieden wurden.

Pakistan spielt eine zentrale Rolle in Afghanistan. Eine Analyse der London School of Economics and Political Science aus dem Jahr 2010 fĂŒhrt aus, dass der pakistanische Geheimdienst (ISI) eine „offizielle Politik“ der UnterstĂŒtzung der Taliban betreibe. Der ISI finanziere und bilde die Taliban aus. Dies passiere, obwohl Pakistan sich offiziell als VerbĂŒndeter der NATO ausgebe. Als Ergebnis hĂ€lt die Analyse fest: „Pakistan scheint ein Doppelspiel erstaunlichen Ausmaßes zu spielen.“ Amrullah Saleh, der ehemalige Geheimdienstchef Afghanistans, kritisierte 2010: „Wir reden ĂŒber all diese Stellvertreter [Taliban, Haqqani, Hekmatyar], aber nicht ihren Meister: Die pakistanische Armee. Die Frage ist, was will Pakistans Armee erreichen [
]? Sie wollen an Einfluss in der Region gewinnen.“

Die Taliban und Gulbuddin Hekmatyārs Truppen richteten sich in AnschlĂ€gen gezielt gegen die afghanische Zivilbevölkerung. Im Jahr 2009 waren sie laut Angaben der Vereinten Nationen fĂŒr ĂŒber 76 % der Opfer unter afghanischen Zivilisten verantwortlich. Auch im Jahr 2010 waren die Taliban fĂŒr ĂŒber Dreiviertel der zivilen Todesopfer in Afghanistan verantwortlich. Zivilisten waren mehr als doppelt so hĂ€ufig das Ziel tödlicher AnschlĂ€ge der Taliban wie afghanische Regierungstruppen oder ISAF-Truppen. Die Afghanistan Independent Human Rights Commission (AIGRC) nannte die gezielten AnschlĂ€ge der Taliban gegen die Zivilbevölkerung ein „Kriegsverbrechen“. Religiöse FĂŒhrer verurteilten die AnschlĂ€ge der Taliban als Verstoß gegen die islamische Ethik. Menschenrechtsgruppen haben den Internationalen Gerichtshof in Den Haag dazu veranlasst, eine vorlĂ€ufige Untersuchung gegen die Taliban auf Grund von Kriegsverbrechen vorzunehmen.

In der Folgezeit kam es zu Spannungen zwischen Teilen der ehemaligen Vereinten Front und Hamid Karzai, nachdem dieser die Taliban als „BrĂŒder“ bezeichnet hatte. Akteure um den ehemaligen Geheimdienstchef Amrullah Saleh und andere befĂŒrchteten, dass Karzai ein Abkommen mit den Taliban und Gulbuddin Hekmatyār schließen könne, das eine RĂŒckkehr der Taliban abseits des demokratischen Prozesses ermögliche. Eine Abspaltung von Gulbuddin Hekmatyārs Partei Hizb-i IslāmÄ« gab ab Herbst 2009 an, mit Karzai verbĂŒndet zu sein, und stellte mit Abdul Hadi Arghandiwal von 2010 bis 2017 den Wirtschaftsminister. Diese angeblichen VerbĂŒndeten Karzais ließen 2011 jedoch in öffentlichen Stellungnahmen keinen Zweifel an ihrer LoyalitĂ€t gegenĂŒber Hekmatyār.

Der große Einfluss der Vereinten Front auf die Regierung wurde mit den Jahren reduziert. Bei der afghanischen PrĂ€sidentschaftswahl im August 2009 trat Abdullah Abdullah, ehemaliger Außenminister bis 2006 und einst einer der engsten Vertrauten Ahmad Schah Massouds, gegen Hamid Karzai an und galt als Mitfavorit. Karzai schien zunĂ€chst dennoch gewonnen zu haben. Bei der StimmauszĂ€hlung mehrten sich allerdings die VorwĂŒrfe der internationalen Beobachter, dass massiver Wahlbetrug betrieben worden sei. Eine Beschwerdekommission ermittelte mehrere Wochen und gab Mitte Oktober bekannt, dass hunderttausende Stimmen ungĂŒltig seien. Damit verlor Amtsinhaber Karzai die absolute Mehrheit, und es wurde eine Stichwahl zwischen diesem und Abdullah am 7. November 2009 vereinbart. Ende Oktober 2009, knapp eine Woche vor der Wahl, drohte Abdullah laut Medienberichten, sich von der Stichwahl zurĂŒckzuziehen. Vorausgegangen waren gescheiterte GesprĂ€che mit Karzai. Abdullah hatte unter anderem die Entlassung des Vorsitzenden der umstrittenen Wahlkommission (IEC) gefordert, um eine „freie und faire“ Stichwahl ermöglichen zu lassen. Sechs Tage vor der geplanten Stichwahl erklĂ€rte er seinen Boykott der Abstimmung. Als seine AnhĂ€nger auf die Straßen ziehen wollten, hielt Abdullah sie zurĂŒck, um die fragile StabilitĂ€t Afghanistans nicht zu gefĂ€hrden.

Nach der Tötung von Osama bin Laden durch US-EinsatzkrĂ€fte in der Operation Neptune Spear im Mai 2011 nahmen AnschlĂ€ge auf prominente afghanische Politiker stark zu, so wurden unter anderem ExprĂ€sident Burhānuddin Rabbāni, Mohammed Daud Daud, Dschan Mohammed Chan und PrĂ€sident Karzais Halbbruder Ahmad Wali Karzai ermordet. Im Oktober 2011 begannen afghanische und NATO-Truppen eine Offensive gegen das Haqqani-Netzwerk im sĂŒdöstlichen Grenzgebiet des Landes. 2014 wurde der erste demokratische Machtwechsel in Afghanistan durchgefĂŒhrt, bei dem jedoch erneut massive Korruption und FĂ€lschung vermutet wurde. PrĂ€sident Aschraf Ghani unterschrieb ein Abkommen mit der NATO, in dem die Nachfolgemission der ISAF, Resolute Support, legitimiert wurde. Diese begann am 1. Januar 2015 und unterstĂŒtzte die afghanischen SicherheitskrĂ€fte bis 2021 in der Ausbildung.

Das Land wurde seit 2015 auch vom Islamischen Staat bedroht und weiterhin von Seiten der Taliban mit Gewalt ĂŒberzogen.

Im Februar 2020 unterzeichneten die Vereinigten Staaten und die Taliban ein Friedensabkommen. Die USA und die NATO verpflichteten sich dabei, ihre StreitkrĂ€fte innerhalb von 14 Monaten aus Afghanistan abzuziehen. Im Gegenzug garantierten die Taliban, innerhalb von zwei Wochen FriedensgesprĂ€che mit der afghanischen Regierung aufzunehmen und dem Terrorismus abzuschwören bzw. diesen in Afghanistan nicht zu dulden. Die afghanische Regierung hatte als Konfliktpartei das Abkommen nicht mitunterzeichnet. Da auch die Taliban keine ReprĂ€sentanten des Staates sind, handelte es sich bei dem Abkommen formal nicht um einen völkerrechtlichen Friedensvertrag. Der Vertrag berĂŒhrte nicht die kĂŒnftige Gestaltung des politischen Systems in Afghanistan oder die Verteilung der politischen Macht. Anschließend begannen im MĂ€rz 2020 Verhandlungen ĂŒber einen Gefangenenaustausch zwischen der Taliban-FĂŒhrung und der afghanischen Regierung, durch die bis zu 5000 gefangene Taliban freigelassen werden sollten, sofern im Gegenzug die Taliban 1000 ihrer Gefangenen frei ließen. TatsĂ€chlich begann die afghanische Regierung bis einschließlich Mai 2020 mit der Freilassung von ĂŒber 1000 der 5000 gefangenen Taliban, wĂ€hrend diese Miliz einige hundert Regierungstreue freiließ. Gleichzeitig wurden aber vor allem durch terroristische AnschlĂ€ge in Afghanistan im Mai 2020 der Terror in Afghanistan fortgesetzt, so dass der afghanische PrĂ€sident Aschraf Ghani im selben Monat bekannt gab, die Taliban fortan wieder bekĂ€mpfen zu wollen. Innerhalb einer Woche im Juni, so vermeldete die afghanische Regierung, hĂ€tten die Taliban 222 Terrorattacken im Land verĂŒbt, wodurch 422 staatliche SicherheitskrĂ€fte getötet oder verwundet worden seien.

Nach dem Ende des NATO-Einsatzes 2021

Ende Juli 2021 endete der NATO-Einsatz; nur US-amerikanische und tĂŒrkische Soldaten befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch unter nationalem Kommando in Afghanistan. Die Bundeswehr hatte das Land bereits im Juni verlassen.

Nach dem RĂŒckzug der internationalen Truppen hatten die Taliban innerhalb kurzer Zeit die Kontrolle ĂŒber große Teile des gesamten Landes ĂŒbernommen, da die Regierungstruppen den Widerstand weitgehend aufgegeben hatten. Nachdem schließlich nur noch die Hauptstadt Kabul als einzige grĂ¶ĂŸere Stadt unter Kontrolle der Regierung gestanden hatte, kĂŒndigte am 15. August 2021 der zu diesem Zeitpunkt amtierende Innenminister Abdul Sattar Mirzakwal eine friedliche Übergabe Kabuls, und damit fast ganz Afghanistans, an die Taliban an. PrĂ€sident Ghani floh nach Tadschikistan und die Taliban verkĂŒndeten nach der Einnahme des PrĂ€sidentenpalastes und großer Teile Kabuls noch am selben Tag ihren Sieg. Ein kleines Gebiet, das Pandschschir-Tal, war teilweise noch unter Kontrolle von Resten der afghanischen Armee und Regierung (siehe Pandschschir-Widerstand). Am 6. September 2021 gaben die Taliban an, auch diesen Teil Afghanistans erobert zu haben. Medienberichten zufolge flohen daraufhin die AnfĂŒhrer des Widerstands, VizeprĂ€sident Amrullah Saleh und Ahmad Massoud, nach Tadschikistan.

Nach dem 20-jÀhrigen NATO-Einsatz verschlechterte sich die humanitÀre Lage des Landes enorm. Nach Angaben der Welthungerhilfe sei diese "katastrophal". So sei ohne eine Verbesserung der Versorgungslage im Jahr 2022 mit einem Anstieg der Armutsrate auf 97 Prozent zu rechnen.

Politik

Politisches System des Islamischen Emirats Afghanistan

Nach der MachtĂŒbernahme der Taliban gaben diese am 7. September 2021 eine Übergangsregierung bekannt. Unter einem als Amir al-Mu'minin bezeichneten Staatsoberhaupt wurde ein Interims-Premierminister und zwei Stellvertreter ernannt. Insgesamt umfasst die Regierung 33 Mitglieder.

Im September 2021 setzten die Taliban fĂŒr die Zeit der Übergangsregierung die Verfassung des Königreichs Afghanistan aus der Amtszeit von König Sahir Schah in Kraft.

Politisches System der Islamischen Republik Afghanistan

Die PrĂ€sidialrepublik gab sich im Jahr 2004 eine Verfassung, laut der ein direkt gewĂ€hlter PrĂ€sident fĂŒr eine fĂŒnfjĂ€hrige Amtszeit gewĂ€hlt wurde. Weiterhin bestimmte sie eine aus zwei Kammern bestehende Legislative, wobei die Wolesi Dschirga nach dem System Nicht ĂŒbertragbare Einzelstimmgebung mit maximal 250 Parlamentariern besetzt wird, wĂ€hrend die Meschrano Dschirga mit lokalen WĂŒrdentrĂ€gern und Experten besetzt ist. Die letzten Wahlen fĂŒr die PrĂ€sidentschaft fanden im Jahr 2019 statt, die letzten Parlamentswahlen im Jahr 2018.

Politische Indizes

Menschenrechte

Die Lage der Menschenrechte ist nach wie vor schlecht. Amnesty International dokumentierte in zahlreichen Hafteinrichtungen in Afghanistan Folter und Misshandlungen. Journalisten wurden festgenommen, geschlagen oder getötet. Bei bestimmten Verbrechen kann die Todesstrafe verhÀngt werden. Viele Kinder werden in Afghanistan zwangsverheiratet und hÀusliche Gewalt ist weit verbreitet.

Weiterhin gibt es Kindesmisshandlungen und sexuellen Missbrauch von Kindern etwa durch die Praktik von Bacha bazi.

Verfolgung der Hazara

Ende des 19. Jahrhunderts erlitten die Hazara aufgrund ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit einen von dem paschtunischen Emir Abdur Rahman Khan zu verantwortenden Völkermord. Bis heute werden die Hazara in Afghanistan diskriminiert und verfolgt.

Am 11. Februar 1993 richtete der tiefglĂ€ubige sunnitische AnfĂŒhrer der persischsprachigen Tadschiken Nordafghanistans, sowie damaliger Verteidigungsminister, Ahmad Schah Massoud ein schweres Massaker gegen die schiitische und ethnische Minderheit der Hazaras im Kabuler Stadtteil Afschar an und ließ mit seinen AnhĂ€ngern bis zu 1000 Zivilisten ermorden. Dieses Massaker wird jedoch von vielen Tadschiken abgestritten und der ehemalige Verteidigungsminister stattdessen als Nationalheld gefeiert.

Mit der MachtĂŒbernahme der Taliban im Jahr 2021 begann die Vertreibung der Hazara in Afghanistan erneut.

Außenpolitik

Zur Zeit der Demokratischen Republik Afghanistan von 1978 bis 1992 unterhielt das Land enge Beziehungen mit den Staaten des Ostblocks, einschließlich der Sowjetunion. WĂ€hrend der spĂ€ter folgenden Herrschaft der Taliban war das Land außenpolitisch nahezu komplett isoliert. Lediglich Pakistan, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate unterhielten in dieser Zeit offizielle Beziehungen zu dem Land. Seit dem Sturz des Regimes der Taliban verfĂŒgt Afghanistan ĂŒber eine enge Westanbindung. Mit den Staaten der EuropĂ€ischen Union und den USA arbeitet das Land in politischer, militĂ€rischer und wirtschaftlicher Hinsicht eng zusammen. Afghanistan steht deshalb auf der Liste der Major non-NATO Ally der Vereinigten Staaten. Afghanistan erhofft sich dabei eine Verbesserung seiner Sicherheitslage und eine verbesserte ökonomische und soziale Lage aufgrund eines stĂ€rkeren wirtschaftlichen Austauschs.

Aufgrund seiner Binnenlage im Herzen Asiens kann es sich nicht von den regionalen Ereignissen abkoppeln. Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten sind deshalb von entscheidender Bedeutung fĂŒr Afghanistan.

Mit Pakistan fĂŒhrt Afghanistan komplizierte und gelegentlich belastete Beziehungen. Afghanistan wirft Pakistan weiterhin die UnterstĂŒtzung der Afghanischen Taliban vor. Pakistan unterstĂŒtzt seit dem Beginn der sowjetischen Invasion des Landes die Taliban massiv mit Waffen und finanziellen Mitteln, um mithilfe der Taliban Einfluss auf das politische Geschehen im Land zu gewinnen. Eine Strategie, die sich inzwischen in Form einer verstĂ€rkten PrĂ€senz der Taliban in Pakistan selbst gerĂ€cht hat. Gleichzeitig gibt es starke kulturelle Gemeinsamkeiten zwischen beiden Nationen. So lebt die Volksgruppe der Paschtunen in beiden LĂ€ndern. Pakistan hat 1,3 Millionen FlĂŒchtlinge aus Afghanistan aufgenommen.

Um dem zu starken Einfluss Pakistans zu entkommen, versucht das Land die Beziehungen mit Pakistans regionalem Rivalen Indien zu intensivieren. Indien ist einer der wichtigsten Investoren (unter anderem im Rohstoffsektor) in Afghanistan und mit rund 2 Mrd. US-Dollar seit 2001 grĂ¶ĂŸter regionaler und fĂŒnftgrĂ¶ĂŸter Geber von Entwicklungshilfe insgesamt.

Zum Iran bestehen enge sprachliche und kulturelle Verbindungen. Belastet werden die Beziehungen durch Konflikte um die Kontrolle von Wasserressourcen, dem Drogenschmuggel und afghanischen FlĂŒchtlingen im Iran.

Chinas wirtschaftlicher und politischer Einfluss in Afghanistan wÀchst. Beide LÀnder sind vor allem an einer Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen interessiert. Chinesische Direktinvestitionen im Land kommen vor allem dem Rohstoffabbau zugute.

Wichtigster Partner in der sicherheits- und wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit sind die USA. Die staatlichen und politischen Strukturen des Landes in der Post-Taliban Zeit wurden zum grĂ¶ĂŸten Teil unter Anleitung und Aufsicht der Vereinigten Staaten konzipiert. Die USA sind der mit Abstand grĂ¶ĂŸte Geber von Entwicklungshilfe im Land. In Afghanistan sind weiterhin amerikanische Truppen stationiert. Im August 2017 wurde eine Aufstockung der amerikanischen Truppen in Afghanistan von 3.000 auf 14.000 Mann angekĂŒndigt.

Afghanistan und Deutschland

Die deutsche Regierung gehörte zu den ersten Staaten, die die Regierung von Amanullah Khan und damit die UnabhÀngigkeit Afghanistans anerkannten. Zwischen deutschen Firmen und afghanischen Herrschern bestanden bereits seit 1898 Kontakte, diplomatische Beziehungen pflegten beide LÀnder jedoch erst ab 1922.

2017 lebten 252.000 Afghanen in Deutschland.

Internationale Organisationen

Afghanistan ist seit 1946 Mitglied der Vereinten Nationen. Es hat Beobachterstatus in der WTO und ist Vertragsstaat des ICC. Daneben ist es Mitglied der Organisation fĂŒr Islamische Zusammenarbeit sowie Mitglied der Bewegung der Blockfreien Staaten.

Seit 2007 ist Afghanistan zudem vollstĂ€ndiges Mitglied der SAARC (SĂŒdasiatische Vereinigung fĂŒr regionale Kooperation).

Provinzen

Afghanistan gliedert sich in 34 Provinzen (velayat), die wiederum in 329 Distrikte (woluswali) unterteilt sind. Den Provinzen steht jeweils ein Gouverneur (waali) vor, der von der Regierung in Kabul ernannt oder bestÀtigt wird.

Sicherheit

SicherheitskrÀfte

Nach dem vorĂŒbergehenden Sturz der Taliban, die Stand 2021 wieder viele Regionen Afghanistans kontrollieren, hatten die an der ISAF beteiligten Nationen großes Interesse daran, den Afghanen auch auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik wieder volle SouverĂ€nitĂ€t garantieren zu können. Deshalb bauten sie unter FĂŒhrung der Vereinigten Staaten die Polizei, MilitĂ€r und Geheimdienst auf. Afghanistan steht seit 2012 auf der Liste der Major non-NATO ally und gehört damit zu den engsten diplomatischen und strategischen Partnern der USA außerhalb der NATO.

Die Afghanische Nationalarmee (ANA) verfĂŒgte im Januar 2011 ĂŒber ca. 150.000 Mann und bis Oktober 2014 war eine TruppenstĂ€rke von etwa 260.000 Mann angestrebt. Da der Aufbau und Unterhalt einer einsatzfĂ€higen Luftwaffe teuer war, ĂŒbernahmen die Vereinigten Staaten die Sicherung des afghanischen Luftraums. Die Notwendigkeit einer afghanischen Luftwaffe wurde debattiert, aufgrund der geographischen Gegebenheiten galt diese aber als vorhanden. Die Kommandostruktur orientierte sich an der der Vereinigten Staaten. So sollte Afghanistan unter militĂ€risch sinnvollen Regionalkommandos aufgeteilt werden, vergleichbar den US-StreitkrĂ€ften. Vorrangiges Ziel blieb aber zunĂ€chst die Verbesserung von Ausbildung, Moral und AusrĂŒstung sowie die Bereinigung des MilitĂ€rs von Spionen und Saboteuren.

In Zusammenarbeit mit Deutschland und der EU bildeten die Vereinigten Staaten afghanische Polizisten aus.

Der neu gegrĂŒndete afghanische Geheimdienst, die Nationale Sicherheitsdirektion (NDS) unterstĂŒtzte die afghanische Regierung durch Informationsgewinnung und -auswertung. In ihrer jungen Geschichte fiel die NDS international durch Einsperrungen von Journalisten und durch Tötung eines Politikers auf. Die NDS genoss in Afghanistan de facto Straffreiheit.

Sicherheitslage

In den Jahren von 2014 bis 2019 sind nach Angaben der afghanischen Regierung 45.000 Soldaten der afghanischen StreitkrÀfte im Kampf gegen Gruppierungen, wie den Taliban und den islamischen Staat gefallen.

Im Sommer 2016 standen 36 von 400 Regionen oder bis zu einem Drittel Afghanistans nicht mehr unter Kontrolle der Regierung. Trotz Friedensverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban im Jahr 2020 ist das Land von Kampfhandlungen zwischen den Soldaten und Milizen dieser beiden Akteure ĂŒberzogen. In den Jahren von 2016 und 2020 töteten die Taliban laut UNAMA jĂ€hrlich zwischen etwa 1300 und 1625 Zivilisten. Außerdem wurden jĂ€hrlich zwischen etwa 2500 und 3600 Zivilisten direkt oder indirekt durch IEDs der Taliban verletzt.

Laut dem Lagebericht des AuswÀrtigen Amtes tragen organisierte KriminalitÀt und Stammeskonflikte zu einer komplexen Sicherheitslage in Afghanistan bei.

Siehe: Krieg in Afghanistan seit 2001

Siehe: Liste von TerroranschlÀgen in Afghanistan

Landminen

Afghanistan ist stark mit Landminen belastet. Nach Angaben des United Nations Mine Action Service (UNMAS) ist das Land auf 530 kmÂČ mit 10 Millionen Minen kontaminiert. Die Hauptstadt Kabul gilt als am stĂ€rksten von Landminen belastete Stadt der Welt. Die Minen stammen aus der Zeit der sowjetischen Besatzung von 1979 bis 1989 sowie von den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Iran aus der Zeit des BĂŒrgerkrieges. Die Taliban setzten pakistanische Landminen ein.

Die Minen sind eine stĂ€ndige Gefahr fĂŒr die Zivilbevölkerung. Allein im Jahr 2002 zĂ€hlte das Rote Kreuz 1286 Landminenopfer, wobei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Afghanistan trat 2002 der Ottawa-Konvention zum Verbot von Landminen bei. Es besteht jedoch der Verdacht, dass die Taliban seitdem zur BekĂ€mpfung der auslĂ€ndischen MilitĂ€rprĂ€senz weiterhin Minen eingesetzt haben.

Wirtschaft

Nach zwei Jahrzehnten Krieg war die Wirtschaft des Landes im Jahr 2001 weitgehend zerstört, ebenso ein Großteil der ViehbestĂ€nde.

Das Bruttoinlandsprodukt lag im Jahr 2016 bei geschĂ€tzten 18,8 Milliarden US-Dollar. Damit zĂ€hlte Afghanistan zu den Ă€rmsten Staaten weltweit. Bei der Entstehung des BIP war der Landwirtschaftssektor mit geschĂ€tzten 60 % beteiligt, die Industrie mit geschĂ€tzten 15 % und Dienstleistungen mit geschĂ€tzten 25 %. Bis zum Jahr 2017 sank der Anteil des Landwirtschaftssektors auf 23 %, die Anteile der Industrie und des Dienstleistungssektors stiegen dagegen auf 21 % und 52 %. Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2017 bei 23,9 %, dazu kommt UnterbeschĂ€ftigung, die weit verbreitet ist. 2017 arbeiteten 44,3 % aller ArbeitskrĂ€fte in der Landwirtschaft, 18,1 % in der Industrie und 37,6 % im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der BeschĂ€ftigten wird fĂŒr 2017 auf 8,5 Millionen geschĂ€tzt; davon sind nur 17,3 % Frauen.

Im Wirtschaftsjahr 2008/2009 lag das Wirtschaftswachstum bei 3,6 %. Der Grund fĂŒr das niedrige Wachstum lag vor allem am fast vollstĂ€ndigen Ausfall der Getreideernte durch eine DĂŒrre. 2009/2010 stieg das Wachstum auf 15 % an. 2016 wuchs die Wirtschaft nur um 2,4 %. FĂŒr die nĂ€chsten Jahre wird ein Wachstum von 3 bis 4 Prozent erwartet, was als nicht ausreichend fĂŒr eine nachhaltige Senkung der Armut und hohen Arbeitslosigkeit bzw. UnterbeschĂ€ftigung gilt.

Im Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit belegt Afghanistan 2017 Platz 163 von 180 LĂ€ndern. Im Ease of Doing Business Index der Weltbank belegt Afghanistan 2018 Platz 183 von 190 LĂ€ndern. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zĂ€hlt das Land zu den LĂ€ndern mit geringer menschlicher Entwicklung.

Trotz bestehender Probleme wie mangelhafte Infrastruktur, teils unsicherer Sicherheitslage und Korruption haben in den letzten Jahren große Investitionen in Afghanistan stattgefunden: Verschiedene staatliche Unternehmen wurden privatisiert, durch den Krieg zerstörte Industrie wurde wieder aufgebaut. Die im Jahr 2003 gegrĂŒndete Afghanistan Investment Support Agency (kurz: AISA) registriert neue Unternehmen und betreut Investoren bei Problemen nach der UnternehmensgrĂŒndung.

Zu den wichtigsten Handelspartnern zÀhlt neben Staaten der Region, vor allem Pakistan und der Iran, auch die EuropÀische Union.

Stand 2021 beruht rund ein Zehntel der afghanischen Wirtschaftsleistung auf dem Anbau des Rauschmittels Opium.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (KaufkraftparitÀt) angeben.

Landwirtschaft

Obwohl nur etwa 6 % der StaatsflĂ€che landwirtschaftlich nutzbar sind und diese Nutzung meist von kĂŒnstlicher BewĂ€sserung abhĂ€ngt, sind 67 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft tĂ€tig (Stand 2001).

Weitreichende Waldrodungen, Überweidung der Böden und unkoordiniertes Abpumpen von Grundwasser wĂ€hrend der BĂŒrgerkriegsjahre bewirkten einen RĂŒckgang der landwirtschaftlich nutzbaren Ressourcen des Landes. Dadurch ist die Versorgung des Landes empfindlicher gegenĂŒber DĂŒrren und anderen Naturkatastrophen geworden. So sind die Ernten regelmĂ€ĂŸig durch DĂŒrren bedroht, die in ihrer HĂ€ufigkeit und IntensitĂ€t in den letzten drei Jahrzehnten zugenommen haben. Dabei trockneten in manchen FĂ€llen bestimmte FlĂŒsse und Seen völlig aus. Teile der Bevölkerung sind auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen.

Eine Reihe von Organisationen befassen sich daher mit der Erhebung, Überwachung und dem Entwickeln von Nutzungskonzepten der Wasserressourcen des Landes.

Drogenanbau

Afghanistan ist der grĂ¶ĂŸte Opiumproduzent der Welt. Im Juli 2000 wurde der Opiumanbau durch das Taliban-Regime verboten, worauf die Opiumproduktion völlig einbrach und im Jahre 2001 fast auf null sank. Nach dem US-gefĂŒhrten Krieg stieg die Produktion wieder an und ist seit 2004 höher als in den Jahren zuvor. 2006 betrug der Handel mit Opium 46 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die AnbauflĂ€che fĂŒr Schlafmohn stieg seit der Beseitigung des Taliban-Regimes kontinuierlich, im Jahr 2006 erneut um 59 Prozent auf rund 193.000 Hektar. Nach Angaben des BĂŒros der Vereinten Nationen fĂŒr Drogen- und VerbrechensbekĂ€mpfung (UNODC) wurden im Jahr 2006 ĂŒber 6000 Tonnen Opium geerntet, das entspricht 92 Prozent der gesamten Weltproduktion. Der Exportwert dieses Opiums liegt nach Angaben des Außenministeriums der Vereinigten Staaten bei 3,1 Milliarden US-Dollar, dagegen liegt der Straßenpreis bei rund 38 Milliarden US-Dollar. Im Herbst 2007 wurden in Afghanistan rund 8200 Tonnen Opium geerntet, davon mehr als die HĂ€lfte in der afghanischen Provinz Helmand. Das ĂŒbersteigt den weltweiten Verbrauch um 3000 Tonnen. Der einzelne Opiumfarmer erzielt hierbei etwa 122 US-Dollar pro Kilogramm Opium („farm gate price“). Somit ist fĂŒr diesen der Schlafmohnanbau um etwa das Zehnfache lukrativer als der Weizenanbau.

Afghanistan ist auch grĂ¶ĂŸter Ertragsproduzent von Haschisch wie 2010 von der UNODC festgestellt wurde. Nach Angaben der UNODC-Studie werden in Afghanistan pro Hektar 145 Kilogramm Cannabisharz gewonnen. In Marokko, dem grĂ¶ĂŸten Cannabisanbauland der Welt, sind es zum Vergleich pro Hektar nur 40 Kilogramm.

In der Provinz Nimrus wird Ephedrin, ein Vorstoff von Crystal Meth, hergestellt aus einer MeertrÀubel Art, einer heimischen Pflanze. Die Jahresproduktion wird auf 350.000 Kilogramm geschÀtzt.

Zur BekĂ€mpfung der DrogenkriminalitĂ€t wird in Afghanistan seit dem Jahr 2002 die „Counter Narcotics Police of Afghanistan“ (CNPA) aufgebaut. Im Rahmen von Felderzerstörungen der afghanischen Drogenvernichtungseinheit (Afghan Eradiction Force) und der nationalen Polizei wird seit 2005 in zunehmendem Umfang der Opiumanbau bekĂ€mpft. Nachteil dieser von westlichen GeberlĂ€ndern geforderten Maßnahme ist, dass zahlreiche Bauern, deren Lebensgrundlage zerstört wurde, zu AnhĂ€ngern lokaler Kriegsherren wurden, ein Grund fĂŒr die Verschlechterung der Sicherheitslage seit dieser Zeit. Ein wirtschaftlich negativer Effekt ist, dass Marktverknappung der derzeitigen Überschussproduktion den DrogenhĂ€ndlern in die HĂ€nde spielt, weil sie die Preise steigen lĂ€sst. 2003 betrug bei einer Ernte von 4000 Tonnen das von den Bauern erzielbare Bruttoeinkommen noch das 27fache des Weizenanbaus. Der erneute Anbau von Opium wird durch die Vernichtung von Feldern lukrativer, die politische Macht der Drogenbarone wird dagegen nicht angegriffen.

Bergbau und Industrie

Die bedeutendsten BodenschĂ€tze sind Eisen- und Kupfererze, Erdgas, Kohle, Schmucksteine (hauptsĂ€chlich Lapislazuli) und Erdöl. In den 1880ern fĂŒhrte der britische Geologe Karl Griesbach geologische Explorationen durch und dokumentierte reichhaltige Vorkommen an Mineralien. 1937 vergab Afghanistan eine Konzession zum Abbau der Mineral- und Ölvorkommen ĂŒber einen Zeitraum von 75 Jahren an eine US-Firma. Diese verzichtete jedoch schon bald auf die Wahrnehmung der Konzession, weil die wirtschaftliche Verwertung eine Investition von mehreren hundert Millionen US-Dollar erfordert hĂ€tte. Ab den 1950ern investierte die Sowjetunion in Explorationen, die bis in die 1980er fortgefĂŒhrt wurden. Die wichtigsten Funde waren die Kupfererz-Vorkommen bei Aynak, etwa 30 km sĂŒdlich der Hauptstadt gelegen, die Eisenerz-Vorkommen in Hajigak im zentralafghanischen Bamiyan und die Gasfelder Nahe Scheberghans. Die Sowjetunion stellte 1967 eine 101 km lange Gaspipeline nach Wachsch in der tadschikischen Sowjetrepublik fertig und von da an wurden etwa 90 Prozent der afghanischen Gasvorkommen in die Sowjetunion exportiert. 2007 nutzte der United States Geological Survey ein luftgestĂŒtztes Erkennungsverfahren, um weitere Mineralienvorkommen zu dokumentieren. Dabei wurden im Norden des Landes LagerstĂ€tten entdeckt, die das 18fache der ursprĂŒnglich geschĂ€tzten Menge an Ölvorkommen und etwa das dreifache an Gasvorkommen enthalten. Im Jahr 2010 gab es eine Reihe von Presseberichten, in denen von Funden an BodenschĂ€tzen im Wert von bis zu einer Billion US-Dollar, bei entsprechender Förderung auch bis zu vier Billionen US-Dollar, die Rede war. So soll Afghanistan zum Beispiel ĂŒber Vorkommen an Lithium verfĂŒgen wie bisher nur Bolivien. Der ĂŒberwiegende Anteil der Entdeckungen geht jedoch auf Explorationen der Sowjetunion zurĂŒck.

Zahlreiche der frĂŒher ausschließlich als Staatseigentum angesehenen Minen und LagerstĂ€tten wurden inzwischen privatisiert, was die Beteiligung auslĂ€ndischer Investoren erst ermöglicht. Bei Erhebungen des möglichen Abbaus vorhandener nicht-fossiler BodenschĂ€tze wurden 20 LagerstĂ€tten identifiziert, die das Potenzial fĂŒr einen wirtschaftlichen Abbau besitzen sollen. Voraussetzung fĂŒr einen Produktionsbeginn ist jedoch eine ausreichende Sicherheitslage, die vielerorts noch nicht gegeben ist. 2008 vergab die afghanische Regierung eine Konzession zum Abbau der mit 5,5 bis 11,3 Millionen Tonnen bedeutendsten Kupfervorkommen in Aynak an den chinesischen Staatskonzern China Metallurgical Construction Corporation (MCC), der zugesichert hatte, 2,9 Milliarden US-Dollar in das Projekt zu investieren. Das Projekt verzögerte sich jedoch aufgrund von Vertragsstreitigkeiten und der kritischen Sicherheitslage. Eine Konzession fĂŒr den Abbau der Eisenerze bei Hajigak wurde an ein Konsortium von sieben indischen Firmen und ein kleinerer Teil an eine kanadische Firma vergeben. Seit 2009 unterstĂŒtzen die USA Afghanistan beim Aufbau einer eigenen Rohstoffindustrie.

Tourismus

In Kabul sind einige Hotels und GĂ€stehĂ€user fĂŒr AuslĂ€nder geöffnet. Reisen außerhalb der Hauptstadt sind gefĂ€hrlich. Viele KulturschĂ€tze wie zum Beispiel die berĂŒhmten Buddha-Statuen von Bamiyan wurden zerstört oder geplĂŒndert. Afghanistan veröffentlicht keine offiziellen Zahlen zum Tourismus. In den 1960er und 1970er Jahren fĂŒhrte der sogenannte Hippie trail von Europa nach SĂŒdasien durch Afghanistan.

FĂŒr Afghanistan existiert eine Reisewarnung des AuswĂ€rtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland (Stand: 28. April 2016). Reisen gelten als gefĂ€hrlich, und von ihnen wird dringend abgeraten, da eine Rettung (besonders aus den Provinzen) im UnglĂŒcksfall nur unter schwersten Bedingungen möglich ist und nicht garantiert werden kann.

Telekom-Industrie

2008 wurde das Mobile-Payment mit M-Pesa von Afghanistans Telekomunternehmen Roshan und Vodafone eingefĂŒhrt. Ab 2009 nutzte dann die Afghanische Nationalpolizei M-Pesa in einigen Landesteilen zur Bezahlung, wodurch nicht vorhandene Polizisten aufgespĂŒrt werden konnten und das ĂŒbliche teilweise Einbehalten des Gehaltes, durch die oberen PolizeirĂ€nge, verhindert werden konnte.

Korruption

Afghanistan gehört zu den weltweit korruptesten LĂ€ndern. Korruption ist in allen Teilen der Wirtschaft und des Staates verbreitet. Milliarden an Hilfsgeldern fĂŒr den wirtschaftlichen Aufbau des Landes sind durch Korruption versickert.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 6,39 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1,70 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber, zusĂ€tzlich erhielt Afghanistan internationale Finanzhilfen in Höhe von 2,7 Mrd. US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 10,5 % des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2016 1,540 Mrd. US-Dollar oder 8,2 % des BIP.

2010 wurden Afghanistan von den Staaten des Pariser Clubs 441 Mio. US-Dollar erlassen, ein Erlass von weiteren 585 Mio. US-Dollar wird angestrebt. Bereits 2007 waren Afghanistan im Rahmen der HIPC-Initiative Staatsschulden in Milliardenhöhe erlassen worden, 2006 lag die externe Staatsschuld bei umgerechnet 11,6 Mrd. USD.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Bildung: k. A.
  • Gesundheit: 9,2 %
  • MilitĂ€r: 1,9 %

Infrastruktur

Das Land hat eine kaum vorhandene Infrastruktur, die zudem in diversen Kriegen stark beschÀdigt wurde. Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird, belegte Afghanistan den letzten Platz unter 160 LÀndern. Bei der QualitÀt der vorhandenen Infrastruktur belegte das Land den drittletzten Platz unter allen untersuchten Staaten.

Pipelines

Afghanistan wird bereits seit Jahrzehnten als mögliches Transitland fĂŒr fossile Brennstoffe in Betracht gezogen; dies aufgrund seiner Lage zwischen den turkmenischen Erdöl- und Erdgasfeldern des Kaspischen Meeres und dem Indischen Ozean. Der Baubeginn der seit lĂ€ngerem geplanten Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Pipeline (kurz: TAP), die Pakistan und gegebenenfalls Indien mit turkmenischem Erdgas beliefern wĂŒrde, hĂ€tte 2006 stattfinden sollen. Das Projekt wurde aber aufgrund der unsicheren Sicherheitslage und unklarer Finanzierung auf unbestimmte Zeit verschoben und kommt möglicherweise nicht mehr zustande. Der Bau der Pipeline wĂŒrde tausende ArbeitsplĂ€tze schaffen und dem Staat jĂ€hrlich etwa 100 bis 300 Millionen US-Dollar an TransitgebĂŒhren einbringen.

Energieversorgung

Nachdem die Taliban 2001 in Afghanistan von der Macht vertrieben worden waren, war die elektrische Infrastruktur in weiten Teilen des Landes zerstört: 2003 hatten nur 6–7 % der Bevölkerung Zugang zu elektrischem Strom, der jedoch nur etwa vier Stunden am Tag zur VerfĂŒgung stand. 30 % aller StromanschlĂŒsse des Landes befanden sich in Kabul, die damals vorhandenen 42 Kraftwerke leisteten nur 240 MW statt den nominellen 454 MW.

Afghanistans Energienetz war in den folgenden Jahren in miteinander nicht verbundene Teilnetze getrennt. Im Norden gab es Teilnetze zwischen einzelnen Gebieten und den NachbarlĂ€ndern: Bei Scheberghan (Erdgasförderung und Verstromung in einem 100 MW Kraftwerk), bei Masar-e Scharif und bei Kundus, im Osten gab es unverbundene Netze bei Kabul und Dschalalabad, im Westen bei Herat und im SĂŒden ein Teilnetz zwischen Kandahar, Laschkar Gah, Musa Qala und der Kajakai-Talsperre. Nachdem in den ersten Jahren hauptsĂ€chlich lokale Wasserkraftwerke instand gesetzt worden waren, wie etwa das Sarobi Wasserkraftwerk nahe Kabul, entstand der Plan fĂŒr ein ĂŒberregionales Energiesystem, das innerhalb weniger Jahre aufgebaut werden könnte. 2009 erreichten die ersten 90 Megawatt (spĂ€ter dann bis zu 150 Megawatt) Kabul ĂŒber eine 442 Kilometer lange Stromtrasse aus Usbekistan, wobei mehrere StĂ€dte in der NĂ€he der Hochspannungsleitung zu diesem Zeitpunkt ebenfalls angeschlossen wurden, zum Beispiel Pol-e Chomri, oder die demnĂ€chst angeschlossen werden. Auch die schnell wachsende Stadt Masar-e Scharif bekam ĂŒber eine Abzweigung, zusĂ€tzlich zu einer schon bestehenden Verbindungen, aus Usbekistan Energie geliefert.

Damit stieg der Versorgungsgrad wieder an, wenn auch auf niedrigem Niveau. 2009 lag der Pro-Kopf-Verbrauch an elektrischer Energie bei 49 kWh, was einer der niedrigsten Werte weltweit war. 2011 verfĂŒgten 28 % der Bevölkerung ĂŒber einen Stromanschluss. Das Land hatte eine Installierte Leistung von rund 500 MW, verteilt auf Wasserkraftwerke und Dieselgeneratoren. Der Stromverbrauch lag bei insgesamt 3086 GWh, wovon 73 % aus dem Ausland importiert wurden. Im Jahr 2021 importierte Afghanistan knapp 80 Prozent seines Stroms aus dem Ausland (vor allem aus den zentralasiatischen NachbarlĂ€ndern). Stand 2021 hatten 35 % aller Haushalte einen Stromanschluss.

In Afghanistan wird insbesondere der Wasserkraft viel Potential eingerĂ€umt: Es ist geplant, unter anderem die Kajakai-Talsperre mit einem zusĂ€tzlichen Wasserkraftwerk Kajakai II auszubauen. Auch andere Erneuerbare Energien wie Windenergie und Solarenergie, die, von dezentralen Inselanlagen abgesehen, bisher ĂŒber keine nennenswerte Rolle spielen, verfĂŒgen ĂŒber großes Potential. GrĂŒnde fĂŒr ihren Ausbau sind u. a. geringere AbhĂ€ngigkeit von Energieimporten aus den Nachbarstaaten mit schwankenden und unvorhersehbaren Lieferbedingungen, lĂ€ngere Reichweite heimischer Energieressourcen Kohle und Erdgas sowie Reduzierung von Dieselimporten, deren Kosten ansteigen sowie UmweltschĂ€den verursachen. Als besonders erfolgversprechend gilt der Einsatz von Windkraft- und Photovoltaikanlagen in den Provinzen Herat and Balch, wo ohne grĂ¶ĂŸere Abregelung eine Wind- und Solarstromanteil von 65 bis 70 % erreicht werden könnte. In Herat blĂ€st z. B. an ca. 120 Tagen im Jahr starker Wind.

Verkehrsinfrastruktur

Das Straßennetz befindet sich im Wiederaufbau und wird zudem erweitert. Die sogenannte Ring Road, die Hauptverkehrsader des Landes, in deren Umgebung rund 60 Prozent der Bevölkerung leben, wurde wieder instand gesetzt. So wurden bis 2007 bereits 715 Kilometer von ihr erneuert. Die Fertigstellung des letzten rund 400 km langen, neu trassierten TeilstĂŒcks, welches die letzte LĂŒcke im Nordwesten des Landes schließen wĂŒrde, verzögert sich jedoch wegen der lokal prekĂ€ren Sicherheitslage. Außerdem wurden bis Mitte 2007 ĂŒber 800 km an sekundĂ€ren Straßen erneuert oder neu angelegt. Das gesamte Straßennetz umfasste 2017 etwa 34.903 km, davon 17.903 km asphaltiert.

Der Grenzfluss Amudarja beziehungsweise dessen Quellfluss Pandsch stellt ein natĂŒrliches Hindernis fĂŒr Überlandtransporte in die nördlich gelegenen NachbarlĂ€nder Usbekistan und Tadschikistan dar, da nur wenige BrĂŒcken ĂŒber diese beiden FlĂŒsse existieren. Es besteht teilweise eine hohe Minengefahr und viele Straßen sind je nach Jahreszeit oft stark unterspĂŒlt.

Um 2000 wurde die Straßenverkehrsordnung der DDR ĂŒbernommen, weil viele afghanische Soldaten in der DDR ausgebildet worden waren.

In Afghanistan gibt es ĂŒber 60 FlugplĂ€tze und FlughĂ€fen, ĂŒberwiegend handelt es sich um einfache Schotterpisten. Nur in einigen StĂ€dten sind grĂ¶ĂŸere FlughĂ€fen vorhanden, diese werden auch beziehungsweise ĂŒberwiegend von der U. S. Air Force militĂ€risch genutzt. Der grĂ¶ĂŸte Flughafen des Landes ist der Flughafen Kabul. Über ein Dutzend Fluggesellschaften fliegen Ziele in Afghanistan an. Afghanische Fluggesellschaften sind Ariana Afghan Airlines, Kam Air und Pamir Airways.

Das afghanische Schienennetz hat derzeit eine LĂ€nge von 87 Kilometer in russischer Breitspur von 1520 Millimeter. Von Turkmenistan, Usbekistan und Pakistan fĂŒhren kurze Stichstrecken auf afghanisches Gebiet, wobei die Chaiber-Pass-Bahnlinie zum pakistanisch-afghanischen Grenzort Landi Khana stillgelegt ist. Die Strecke vom usbekischen Termiz ĂŒberquert auf der BrĂŒcke der Freundschaft (kombinierte Eisenbahn-StraßenbrĂŒcke) den Amudarja und fĂŒhrt seit August 2011 bis zum 85 Kilometer entfernten Flughafen von Masar-e Scharif. Über diese BrĂŒcke wird annĂ€hernd die HĂ€lfte des afghanischen Imports abgewickelt. Aus dem turkmenischen Serhetabat fĂŒhrt eine GĂŒterverkehrsstrecke 2 Kilometer auf afghanisches Gebiet, die 2007 erneuert wurde. Diese beiden Strecken sind in der Zeit der sowjetischen Besatzung gebaut worden. Aufgrund des steigenden Außenhandels mit dem Iran gibt es Bestrebungen, eine Bahnlinie zwischen Maschhad und Herat zu bauen. Des Weiteren gibt es konkrete Bauabsichten fĂŒr eine Strecke vom pakistanischen Grenzort Chaman nach Kandahar und fĂŒr eine Verbindung von Pakistan ĂŒber Kabul nach Usbekistan. Durch diese Verbindung wird der Export von Kupfererz aus der Mine Aynak der China Metallurgical Group gefördert, welche die Strecke auch baut.

Telekommunikation

Es existieren vier Mobilfunknetze. Anfang 2008 gab es in Afghanistan 4,5 Millionen Mobilfunknutzer. Das Telekommunikationsnetz der Afghan Telecom versorgt alle 34 afghanischen ProvinzhauptstÀdte sowie 254 Orte und Dörfer. Im Jahr 2017 nutzten 11 Prozent der Einwohner Afghanistans das Internet.

Gesundheitswesen

Auf 10.000 Einwohner kommen zwei Ärzte und 4,2 Krankenhausbetten. Die lĂ€ndliche Bevölkerung hat nur zu etwa 66 Prozent Zugang zu medizinischer Versorgung. 80 Prozent der Ärzte arbeiten in Kabul. In der Hauptstadt sind auch 60 Prozent der Krankenhausbetten und 40 Prozent der Apotheken.

Afghanistan hat eine der höchsten Mutter-Kind-Sterblichkeitsraten der Welt. Nur bei 19 Prozent der Geburten steht medizinisches Fachpersonal zur VerfĂŒgung. JĂ€hrlich sterben etwa 24.000 Frauen vor, wĂ€hrend oder direkt nach einer Entbindung. Fast ein Viertel der Kinder stirbt vor dem fĂŒnften Lebensjahr. Laut Weltbank konnte die Kindersterblichkeit stark gesenkt werden. 1960 starben 36 Prozent der Kinder vor ihrem 5. Geburtstag, im Jahr 2016 waren es noch 7 Prozent.

Im Jahr 2015 waren 23 % der Bevölkerung unterernÀhrt. Im Jahr 2000 betrug die Rate noch 46,1 %.

Im Zeitraum von 2010 bis 2015 betrug die Lebenserwartung in Afghanistan 62,3 Jahre (Frauen: 63,5, MĂ€nner: 61,1). Trotz der sehr schwierigen Bedingungen im Land hat sich die Lebenserwartung seit dem Zeitraum 1950–1955 verdoppelt.

Kultur

Die Region war etwa vom 2. bis etwa zum 10. Jahrhundert buddhistisch geprĂ€gt. Aus dieser Zeit sind zahlreiche Überreste buddhistischer StĂ€tten erhalten. Der Islam, der das Gebiet im 7. Jahrhundert erreicht hatte, verbreitete sich zunĂ€chst eher langsam.

Eine der grĂ¶ĂŸten SehenswĂŒrdigkeiten waren die Buddha-Statuen von Bamiyan. Im Jahre 2001 wurden diese in eine Felswand eingearbeiteten Kunstwerke durch die Taliban zerstört. Die zahlreichen Überreste von Klöstern, ausgemalten Höhlen, Statuen und Festungsanlagen im Bamiyan-Tal stehen auf der Liste des UNESCO-Welterbes, wie auch das sich in der Provinz Ghor befindliche Minarett von Dschām mit den dortigen archĂ€ologischen Überresten.

Die Taliban zerstörten und plĂŒnderten viele Kunstwerke (unter anderem GemĂ€lde und Figuren aus buddhistischer Zeit), vor allem die, die Menschen darstellten. Mitarbeitern des örtlichen Institutes fĂŒr Kunst gelang es, Kunstwerke vor den Taliban zu retten.

Zu den kulinarischen SpezialitĂ€ten der afghanischen KĂŒche zĂ€hlen Khabilie Palau mit delikaten GemĂŒsesoßen, Borani-Badendschan und Aschak.

Literatur

Die afghanische Literatur umfasst unter anderem die Literatur in Dari und Paschto, die von Autoren auf dem Gebiet des seit dem 18. Jahrhundert existierenden afghanischen Staats verfasst wurde. Dari sprechen als Muttersprache vor allem Tadschiken und Hazara, aber auch immer mehr Paschtunen. Die Verbreitung der paschtunischen Sprache, einer ostiranischen Sprache, die sich aber stark vom Dari unterscheidet, deckt sich nicht mit dem heutigen afghanischen Staatsgebiet; sie reicht bis nach Pakistan. Umgekehrt wird auch das in Pakistan verbreitete Urdu von einer Minderheit in Afghanistan gesprochen und von einigen Autoren als Literatursprache genutzt.

Paschto

Das Paschto brachte eine nennenswerte, jedoch außerhalb des paschtunischen Sprachraums kaum beachtete bzw. wenig bekannte Literatur hervor. Die AnfĂ€nge der Paschto-Literatur gehen ins 17. Jahrhundert zurĂŒck und sind stark vom Persischen beeinflusst. Die Echtheit Ă€lterer Manuskripte aus der voriranischen Zeit, die möglicherweise von Mohammed Hotak erst 1728–1729 verfasst wurden, wird bezweifelt.

PÄ«r Roschān (1525–1581/1585), ein Krieger, Dichter und Sufi-Meister aus dem Ormur-Stamm, entwickelte eine eigene Schrift, die die Lautstruktur des Paschto besser wiedergab als die arabische Schrift. Als bekannteste Dichter und Literaten des Paschto der klassischen Epoche gelten Khushal Khan Khattak (Hushal Han, 1613–1689), ein auf dem Gebiet des heutigen Pakistan geborener Stammesherrscher, FĂŒhrer des Aufstands gegen die Mogulherrscher und Meister des landai, einer Form zweizeiliger paschtunischer Kurzgedichte, der gelegentlich auch in persischer Sprache dichtete, sowie der mystisch-erotische Dichter Abd ur-Rahman Mohmand (Rahman Baba, 1653–1709/1711) und der weltliche Liebeslyriker Abd ul-Hamid (* ~1732). Sie bedienten sich der Vorlagen und Formen der klassischen persischen Poesie, z. B. des Ghasel, deren Metrum der Paschto-Volksdichtung angepasst wurde. Rahman Babas Gedichte genossen bei den Paschtunen grĂ¶ĂŸte Verehrung. Nazo Tokhi („Nazo Ana“, „Großmutter Nazo“, ca. 1651–1717), eine Tochter des HĂ€uptlings des Tokhi-Stammes, wurde als Kriegerin ebenso bekannt wie als Dichterin. Aber auch der erste König Afghanistans, Ahmad Schah Durrani (1724–1773), ging als großer Dichter in die Geschichte des Landes ein. Der Enkel Kushal Khans, Afzal Khan Khattak, kompilierte um 1708 mit dem Tarich-e morassa eine Geschichte Afghanistans aus verschiedenen Quellen.

Daneben existiert die reiche Volksdichtung, die zuerst im 19. Jahrhundert (allerdings in der Gegend von Peschawar im heutigen Pakistan) von James Darmesteter dokumentiert wurde. Die afghanischen Barden waren jedoch meist keine Hofpoeten, sondern volksnahe HĂ€uptlinge (so bis in die Neuzeit die des Kahttak-Clans in Pakistan) oder Derwische, die in Paschto dichteten. Der Abstand zwischen Volkssprache und literarischer Sprache ist gering. In Kabul wurde 1931 eine Paschtoakademie gegrĂŒndet. Diese bemĂŒht sich ebenso um die Pflege der paschtunischen Sprache wie ihr GegenstĂŒck, die Pakhto Akedemi in Peschawar, dem literarischen Zentrum des Paschto im heutigen Pakistan.

In den dreißiger Jahren setzten sich vor allem in den Feuilletons die westlichen Gattungen wie Novelle, Kurzgeschichte, TheaterstĂŒck und (Fortsetzungs-)Roman durch. Das war nicht einfach, da auch die Prosa in Paschto an das Ideal des persischen höfischen Stils gebunden war. Es kristallisierten sich zwei große Stoffgebiete heraus: historische Themen, die mit verklĂ€rendem Patriotismus behandelt wurden, und realistische Gegenwartskritik, wobei an den religiösen und gesellschaftspolitischen Grundregeln der islamischen Gesellschaft nicht gerĂŒttelt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer Radikalisierung der Literatur. FederfĂŒhrend war die allerdings kurzlebige literarische Vereinigung Wesch zalmayan (Wache Jugend). Abdul Rauf Benawa (1913–1987) und Gul Pacha Ulfat (1909–1977) waren wichtige Autoren dieser Zeit. Beide verfassten u. a. Lehrgedichte. In Benawas Gedichtzyklus Preschana afka (Traurige Gedanken 1957) geht es um die Machtlosigkeit, Verlassenheit und Entrechtung der Menschen. Der Sozialaktivist Benawa thematisiert die Unterschiede zwischen Arm und Reich in seinem Land und die WillkĂŒrherrschaft von Beamten, der die Masse der Besitzlosen ausgesetzt ist, wĂ€hrend Ulfat der Klage der Frauen ĂŒber ihre gesellschaftliche Stellung eine Stimme verleiht. Allerdings verwendeten die jungen Radikalen Stereotype, die bis zur Karikatur verzerrt waren: der Dorfherr mit dickem Bauch und Gewehr, der Bauer barfuß unter der Peitsche des Feudalherrn, seine zwangsverheiratete Tochter, der im Ausland ausgebildete Arzt, der Mullah usw. Benawa musste emigrieren und starb 1987 im amerikanischen Exil.

Auch Nur Muhammad Taraki (1917–1979), Übersetzer, Diplomat und zeitweise im Exil, veröffentlichte sozialkritische Kurzgeschichten, die nicht frei von Klischees waren. 1978 bis 1979 war er MinisterprĂ€sident und wurde vermutlich ermordet. Der Verfasser patriotischer Gedichte, Schriftsteller und Psychologe Kabir Stori (1942–2006) studierte in Deutschland. Er wurde 1983 in Pakistan verhaftet und konnte nur wegen des erfolgreichen internationalen Drucks nach Deutschland emigrieren.

Dari

Ein Wegbereiter der Modernisierung nach der UnabhĂ€ngigkeit 1919 war Mahmud Tarzi (1865/68?–1935), der die politischen Reformen unterstĂŒtzte, die erste wichtige Zeitung Seraj ul akhbar (Leuchte der Nachrichten) herausgab und 1919 Außenminister wurde. Er ĂŒbersetzte die schöngeistige Literatur aus europĂ€ischen Sprachen ins Dari und fĂŒhrte die moderne westliche Begrifflichkeit (Nation, Freiheit, Ausbeutung, Wissenschaft, Eisenbahn, Flugzeug, 
) in die Paschtuliteratur ein, wo frĂŒher Begriffe wie Liebe, Blume, Nachtigall und die Traditionen der Stammesgesellschaft dominierten.

Die ErzĂ€hltradition blieb lange Zeit lyrisch geprĂ€gt. Die ersten modernen Kurzgeschichten erschienen etwa 1933; die meisten Autoren waren zugleich Übersetzer und Journalisten. Der erste Roman Afghanistans wurde 1938 publiziert; sein Autor war Sayed Mohammed Ibrahim Alemschahi. Im gleichen Jahr erschienen weitere Romane und Fortsetzungsromane, so Chandschar (Dolch) von Dschalaluddin Choschnawa und Begom von Suleiman Ali-Dschaguri, die von der traditionellen ErzĂ€hlkunst beeinflusst waren, aber traditionelle ZustĂ€nde durchaus kritisierten. BerĂŒhmtester Dramatiker der 1940er Jahre war Aburraschid Latifi. Azizurrahman Fathi wurde bekannt durch zwei große sozialkritische Romane von 1949 (Sonnenaufgang) und 1952 (Unter der wilden Rose), durch die er neue MaßstĂ€be fĂŒr die Langprosa setzte.

Seit etwa 1953 wurden Autoren wie Balzac, Maupassant, Dickens, Jack London, Hemingway, Dostojewski, Tschechow und Maxim Gorki in Dari ĂŒbersetzt. Seither gewann die realistische, regional-volkstĂŒmliche, oft auch absurde Kurzgeschichte – auch unter dem Einfluss der iranischen Linken und der kommunistischen Bewegung in Afghanistan – an Boden. Zu erwĂ€hnen sind Abdul-Ghafur Berschna (1912–1982), der seine Stoffe aus VolkserzĂ€hlungen gewann, Babrak Arghand (* 1946), Jalal Nurani, Rahnaward Zaryab (1944–2020) und Akram Osman. Rosta Bakhtari schrieb unter dem Einfluss des Symbolismus und der Literatur des Absurden. Obwohl die Hoffnung auf Demokratisierung sich rasch zerschlug, verbesserte sich insbesondere die Lage der Frauen, was sich auch im Werk der Autorin und Übersetzerin Roqqiya Abu Bakr (1919–2004) ausdrĂŒckte. Der in Paschto und Dari schreibende, bei der Schilderung des Alltags der Eliten Klischees keineswegs meidende Lyriker und ErzĂ€hler Schafiq (1932–1979), ein studierte islamischer Theologe und Jurist, wurde 1971 Außenminister und 1972 bis 1973 MinisterprĂ€sident.

Nach dem kommunistischen Umsturz vom April 1978 wurde Schafiq 1979 ermordet. Mahbub emigrierte 1979 nach Pakistan, Indien und spĂ€ter nach Kanada. Gegen die sowjetische Okkupation regte sich literarischer Widerstand, u. a. von Layla Sarahat (1958–2004), Partov Naderi (* 1952) und Gholamschah Sarschar Schomali (1930–1981), der im GefĂ€ngnis starb. Als literarische ReprĂ€sentanten des neuen Regimes können die Romanautoren Assadullah Habib (* 1941), Babrak Arghand und Alim Eftekhar gelten. Als ErzĂ€hlerinnen traten Maga Rahmani und Marjam Mahbub (* 1955) (Das trostlose Haus 1990) hervor. Der Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und PrĂ€sident der afghanischen Schriftstellervereinigung Assadullah Habib war 1982 bis 1988 Rektor der UniversitĂ€t Kabul.

WÀhrend der Talibanherrschaft gingen viele Intellektuelle ins Exil, und zwar aufgrund der Sprachverwandtschaft meist in den Iran, aber auch in die USA, so z. B. der ErzÀhler und Verfasser klassischer Gedichte Razeq Fani. Zu den Autoren, die ihre Arbeit im westlichen Exil fortsetzten, gehörten SpÎjmaï Zariùb (* 1949), Tamim Ansary und der FriedenspÀdagoge Ahmad Jawed. Auch Marjam Mahbub publizierte in Kanada weitere Werke in Dari.

Die Erfolg versprechende Lyrikerin Nadia Anjuman wurde 2005 im Alter von 25 Jahren von ihrem Ehemann erschlagen.

Urdu

Rahbeen Khorshid und Mohammad Afsar Rahbin, der eigentlich Dari spricht, dichten (auch) in Urdu. Typisch fĂŒr die Urdu-Literatur ist das Muschaira, das Dichter-Symposion, auf dem viele Poeten ihre Gedichte rezitieren.

Medien

Laut dem Bericht der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen ist Situation der Pressefreiheit im Land „schwierig“. Die Pressefreiheit ist zwar von der Verfassung garantiert, wird jedoch in der RealitĂ€t von lokalen Machthabern und unterschiedlichen politischen Gruppen nicht respektiert. In den von Taliban beherrschten Regionen des Landes gibt es keine Medienfreiheit.

1906 erschien die erste afghanische Tageszeitung in Dari, die bereits nach einer Ausgabe wieder verboten wurde. 1911 wurde sie von Mahmud Tarzi wieder ins Leben gerufen. Nach 1919 wurde das Presse- und Zeitungswesen sehr gefördert, bereits 1921 erschien die erste Frauenzeitschrift.

Nach der MachtĂŒbernahme der Taliban 1996 gab es fĂŒnf Jahre lang keine Fernsehsender, heute sind es bereits 16 Sender, die hauptsĂ€chlich Filme und Serien aus dem Ausland wie Indien, Pakistan und dem Iran im Unterhaltungsprogramm ausstrahlen. FreizĂŒgige Kleidung in der Werbung oder in indischen Serien wird durch Bildfilter unkenntlich gemacht oder verschwommen gezeigt. Informationssendungen und Talkshows werden auch von Frauen moderiert.

Kalender

Gesetzliche oder staatliche und landwirtschaftliche Feiertage und Feste wie Nouruz, UnabhÀngigkeitsfest sowie staatliche Gedenktage werden nach dem iranischen Sonnenkalender gefeiert. Religiöse Feste werden nach dem islamischen Mondkalender gefeiert.

Der Kalender nach dem Sonnenjahr ist Staatskalender, auch wenn er im Laufe der Geschichte auf dem Boden des heutigen Landes, aber auch seit der Namensgebung „Afghanistan“ im 19. Jahrhundert wiederholt außer Kraft gesetzt worden ist. Zuletzt wurde der Solarkalender im Jahre 1996 von den Taliban fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt. Der islamische Lunarkalender war der Kalender des „Islamischen Emirats Afghanistan“.

Seit der Loja Dschirga von 2004 ist der auf dem Sonnenjahr beruhende Kalender abermals in der Verfassung verankert. Demnach basiert der Kalenderanfang auf dem Zeitpunkt der Pilgerfahrt (Hidschra) des Propheten Mohammed. Die Arbeitsgrundlage des Staatswesens ist der auf jener Pilgerfahrt beruhende Sonnenkalender. 22 Sonnenjahre entsprechen 23 Mondjahren. Die zwölf Monatsnamen des Sonnenkalenders entsprechen in Afghanistan den Tierkreiszeichen. Afghanische Kalender mit deutschen Feiertagen (GPL-Lizenz) sowie weitere Informationen zum afghanischen Kalender sind unter Afghan Kalender Projekt verfĂŒgbar.

Sport

Afghanistans traditionelle Sportart und Nationalsport ist Buzkaschi, ein Reitspiel, bei dem versucht wird, eine tote Ziege oder ein totes Kalb zu erobern. Cricket und Fußball sind die beliebtesten Sportarten in Afghanistan. Ebenfalls eine gewisse Beliebtheit haben Basketball, Volleyball, Taekwondo und Gewichtheben. Afghanistans Sportkultur wird vor allem von der der benachbarten LĂ€nder Zentral- und SĂŒdasiens beeinflusst.

Cricket war der einzige Sport, der von den Taliban geduldet wurde, und seine geografischen Lage nahe den Cricketspielenden LĂ€ndern des Indischen Subkontinents unterstĂŒtzte das Cricket in Afghanistan beim schnellen Wachstum. Die afghanische Cricket-Nationalmannschaft wurde 2001 gegrĂŒndet und zeigte seitdem einen konstanten AufwĂ€rtstrend. Afghanistan nahm an der Qualifikation fĂŒr den Cricket World Cup 2011 teil, ihnen gelang jedoch noch nicht die Qualifikation fĂŒr das Turnier; man qualifizierte sich schließlich fĂŒr die Turniere 2015 und den 2019. Am 22. Juni 2017 wurde Afghanistan zusammen mit Irland Teststatus zuerkannt, was zur Teilnahme an der angesehensten Stufe des Crickets berechtigt.

Die afghanische Fußballnationalmannschaft wurde 1933 gegrĂŒndet und nimmt seit 1941 am internationalen Sportgeschehen teil. Zwischen 1984 und 2002 bestritt sie jedoch keine Spiele mehr; heute ist die Mannschaft wieder aktiv und absolviert Pflichtspiele, ihnen gelang jedoch noch nicht die Qualifikation fĂŒr eine Fußball-Weltmeisterschaft. 2013 gewann Afghanistan bei der Fußball-SĂŒdasienmeisterschaft seinen ersten internationalen Titel. Seit 2012 gibt es die erste Fußball-Profiliga Afghanistans, die Afghan Premier League.

Am 4. November 2016 fand ein Marathonlauf in Bamiyan statt, an dem erstmals Sportlerinnen teilnahmen.

Siehe auch

Literatur

  • Hans-Georg Erhart, Sven Bernhard Gareis, Charles Pentland (Hrsg.): Afghanistan in the Balance. Counterinsurgency, Comprehensive Approach, and Political Order (= Queen’s Policy Studies Series). McGill-Queen’s University Press, Kingston 2012, ISBN 978-1-55339-353-5.
  • Jan-Heeren Grevemeyer: Afghanistan : Sozialer Wandel und Staat im 20. Jahrhundert. VWB-Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-927408-24-7.
  • Erwin Grötzbach: Afghanistan : eine geographische Landeskunde. Wissenschaftliche LĂ€nderkunden 37, Darmstadt 1990, ISBN 3-534-06886-6.
  • Conrad J. Schetter, Almut Wieland-Karimi (Hrsg.): Afghanistan in Geschichte und Gegenwart. IKO-Verlag fĂŒr interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-88939-498-1.
  • Bernhard Chiari (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte. Afghanistan. 3. durchges. und erw. Auflage. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76761-5. (PDF, 8,7 MB)
  • Claudine Nick-Miller (Hrsg.): Strategisches versus humanitĂ€res Denken: das Beispiel Afghanistan. Vdf Hochschulverlag, ZĂŒrich 2009, ISBN 978-3-7281-3230-7.
  • Peter Schwittek: In Afghanistan. Vdf Hochschulverlag, ZĂŒrich 2011, ISBN 978-3-7281-3411-0.
  • Werner Kohn: Menschen in Afghanistan 1968, Erich-Weiß-Verlag, Bamberg 2017, ISBN 978-3-940821-57-7.

Weblinks

Deutsch

  • Botschaft der Islamischen Republik Afghanistan in der Bundesrepublik Deutschland
  • AGA. Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Afghanistan Eigene BeitrĂ€ge und umfangreiche kommentierte Linkliste.
  • LĂ€nderinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes zu Afghanistan
  • Thorsten Hölzer: Afghanistan. In: LIPortal (mit Überblicken zu Geschichte & Staat, Wirtschaft & Entwicklung, Gesellschaft und Alltag).
  • Afghanistan-Seiten der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung
  • Studie zur Situation in Afghanistan von ARD, ABC News und BBC, Befragungen des afghanischen Volkes in allen Provinzen, Daten fĂŒr 2005–2008: Bericht (englisch; PDF; 94 kB), Zusammenfassung der ARD
    • Zusammenfassung einer Umfrage von Tagesschau.de im Januar 2010
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Afghanistan

Englisch

  • Topographische Karte von Afghanistan (1:300 000), cesty.in
  • Selected Internet Resources, Library of Congress
  • UNHCR: 2010 country operations profile – Afghanistan
  • Who is who in Afghanistan?

Einzelnachweise


 

Region Regionen (34)

Bezeichnung der Regionen: Provinz
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Badachschan 38.4833 35.4709 69.9006 74.8794  
Badghis 36.0396 34.5173 62.074 64.9607  
Baglan 36.4835 35.029 67.9507 69.7928  
Balch 37.3837 35.4589 66.4014 67.3921  
Bamiyan 35.4905 33.8827 66.363 68.2354  
Daikondi 34.3791 33.129134 65.248712 67.524494  
Dschuzdschan 37.5446 34.89 65.4269 66.9528  
Farah 33.9432 31.8992 60.5861 64.6693  
Faryab 37.2502 35.0187 63.926 65.7302  
Ghazni 34.1986 32.0975 66.8073 68.8281  
Ghor 35.3218 33.1784 63.2556 66.693  
Helmand 33.5179 29.3775 62.9342 65.3511  
Herat 35.6248 33.4326 60.4784 64.4452  
Kabul 34.8895 34.2146 68.7771 69.9079  
Kandahar 32.5101 29.5343 64.7815 67.3012  
Kapisa 35.8316 34.6859 69.2941 70.274  
Khost 33.72221 33.029037 69.445041 70.326591  
Kunar 36.096 34.5667 70.4484 71.6767  
Kunduz 37.3306 36.3334 68.0252 69.2287  
Laghman 35.6733 34.4085 69.7855 70.579  
Lugar 34.3903 33.6507 68.6722 69.8386  
Nangarhar 34.8737 33.9433 69.4767 71.1713  
Nimrus 32 29.389 60.8236 63.4883  
Nuristan 36.019489 34.884941 70.036229 71.614166  
Paktia 34.115 33.0905 68.8022 70.3266  
Paktika 33.4265 31.5974 67.907 69.5801  
Panjshir 35.885645 35.101752 69.392301 70.364699  
Parwan 35.8669 34.583 68.1173 70.2723  
Samangan 37.2706 35.3574 66.8883 68.4229  
Sar-i Pul 36.516567 34.793225 65.354109 67.382014  
Tachar 37.6172 35.6757 68.9754 70.4205  
Uruzgan 34.3783 32.2756 64.9583 67.5729  
Wardak 34.7278 33.7474 67.6312 68.9474  
Zabul 32.8839 31.2058 66.1412 68.2413  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Afghanistan

Name englisch: Afghanistan
Hauptstadt: Kabul
Kfz: AFG
ISO: AF
ISO3: AFG
Fläche: 647500 km²
Tld: .af
Wärung Einheit: AFN
Währung: Afghani
Vorwahl: 93

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 38.4908767
südlichster Punkt: 29.3772
westlichster Punkt: 60.5170005
östlichster Punkt: 74.889862


 
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