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Staat Informationen : Algerien

Informationen:


Algerien (arabisch¬†√ė¬ß√ô‚Äě√ė¬¨√ė¬≤√ė¬ß√ė¬¶√ė¬Ī¬†al-Dschaz√Ą¬Ā’ir, DMG al-√ᬶaz√Ą¬Ā√ä¬ĺir¬†‚die Inseln‘; berberisch √ʬī¬∑√ʬĶ¬£√ʬī¬į√ʬĶ¬Ę√ʬī¬Ľ√ʬĶ‚ÄĚ Dzayer oder √ʬĶ¬ć√ʬĶ¬£√ʬī¬į√ʬĶ¬Ę√ʬī¬Ľ√ʬĶ‚ÄĚ Ldzayer; amtlich al-Dschumh√Ö¬ęr√Ą¬ęya al-Dschaz√Ą¬Ā’ir√Ą¬ęya ad-D√Ą¬ęm√Ö¬ęqr√Ą¬Āt√Ą¬ęya asch-Scha√ä¬Ņb√Ą¬ęya¬†/ √ė¬ß√ô‚Äě√ė¬¨√ô‚Ķ√ô‚Ä°√ôňÜ√ė¬Ī√ô҆√ė¬© √ė¬ß√ô‚Äě√ė¬¨√ôŇĹ√ė¬≤√ė¬ß√ė¬¶√ė¬Ī√ô҆√ė¬© √ė¬ß√ô‚Äě√ė¬Į√ô҆√ô‚Ķ√ô‚Äö√ė¬Ī√ė¬ß√ė¬∑√ô҆√ė¬© √ė¬ß√ô‚Äě√ė¬ī√ė¬Ļ√ė¬®√ô҆√ė¬©¬†/ ‚Demokratische Volksrepublik Algerien‘, auf berberisch √ʬĶŇď√ʬī¬į√ʬī¬≥√ʬī¬∑√ʬĶ‚Äú√ʬī¬∑√ʬī¬į √ʬĶŇď√ʬī¬į√ʬĶ¬£√ʬĶ¬£√ʬī¬į√ʬĶ¬Ę√ʬĶ‚ÄĚ√ʬĶ‚Äį√ʬĶŇď √ʬĶŇď√ʬī¬į√ʬĶŇĹ√ʬī¬į√ʬī¬≥√ʬī¬∑√ʬī¬į√ʬĶ¬Ę√ʬĶŇď √ʬĶŇď√ʬī¬į√ʬĶ‚Äď√ʬī¬Ľ√ʬĶ‚ÄĚ√ʬī¬ľ√ʬī¬į√ʬĶ¬Ź√ʬĶŇď Tagduda tazzayrit tamagdayt ta√Ȭ£erfant) ist ein Staat im Nordwesten Afrikas.

Algerien, als mittleres der Maghrebl√§nder, ist der Fl√§che nach der gr√∂√üte Staat des afrikanischen Kontinents und der zehntgr√∂√üte Staat der Welt. Nach Einwohnern lag Algerien im Jahr 2017 innerhalb Afrikas mit gut 41¬†Millionen an achter Stelle. Es grenzt im Norden an das Mittelmeer, im Westen an Mauretanien, Marokko und die von Marokko beanspruchte Westsahara, im S√ľden an Mali und Niger und im Osten an Libyen sowie Tunesien. Das Land ist nach seiner Hauptstadt Algier (franz√∂sisch Alger) benannt. Weitere bedeutende Gro√üst√§dte sind Oran, Constantine, Annaba und Batna. Das Land wurde nach Ende des Algerienkriegs (1954–1962) unabh√§ngig. Mit der Verfassung von 1996 trat ein semipr√§sidientielles Regierungssystem in Kraft.

Geographie

Im Nordteil Algeriens, an der S√ľdk√ľste des Mittelmeers und im Atlasgebirge, lebt der Hauptteil der Bev√∂lkerung. Der weitaus gr√∂√üere S√ľdteil, in Algerien Le Grand Sud genannt, ist nur d√ľnn besiedelt und wird von den W√ľstenregionen der Sahara dominiert.

Hinter dem nur schmalen, buchtenreichen Saum der Mittelmeerk√ľste erhebt sich der steil ansteigende Tellatlas. Der durch Becken, L√§ngs- und Quert√§ler gegliederte Gebirgszug erreicht √∂stlich von Algier in der wild zerschluchteten Kabylei 2308¬†m H√∂he und s√ľdwestlich von Algier steigt das Ouarsenis-Gebirge bis 1963¬†m an. Die S√ľdseite des Tellatlas f√§llt zum Hochland der Schotts auf 1000¬†m bis 391¬†m ab. Hier liegen zahlreiche abflusslose, versumpfte Salzseen, die sogenannten Schotts. S√ľdlich an dieses bis zu 150¬†km breite Hochland schlie√üt sich der Saharaatlas an; er verl√§uft parallel zur K√ľste und zum Tellatlas. Sein h√∂chster Berg ist 2328¬†m hoch.

Jenseits der markanten S√ľdabdachung des Atlasgebirges, die am Schott Melghir im √∂stlichen Tiefland bis 35¬†m unter Meeresniveau abf√§llt, breitet sich die algerische Sahara aus; sie nimmt mit gut zwei Millionen Quadratkilometern 85¬†% der Landesfl√§che ein. An einen Streifen W√ľstensteppe im Norden schlie√üen sich die ausgedehnten, fast vegetationslosen Sandd√ľnengebiete des √Ėstlichen Gro√üen Erg, des Westlichen Gro√üen Erg, des Erg Iguidi und des Erg Chech an. Zu einem gr√∂√üeren Teil wird die Sahara Algeriens von den steinigen Plateaus wie der Hammada du Draa oder der Hammada du Guir im Westen und von Stufenlandschaften (Tassili n’Ajjer im S√ľdosten) eingenommen. Im S√ľden erhebt sich das im Tahat (h√∂chster Berg Algeriens) 2908¬†m hohe Ahaggar-Massiv, ein w√ľstenhaftes Hochgebirge vulkanischen Ursprungs, das bis heute erdbebengef√§hrdet ist. S√ľdlich des Tassili n’Ajjer liegen die gro√üen D√ľnengebiete des Tschadbeckens.

Als l√§ngster unter den sonst meist kurzen Dauerfl√ľssen in der K√ľstenregion des Tellatlas ist der Cheliff zu erw√§hnen. Weiter im S√ľden sind die Flusst√§ler Algeriens meist trocken (Wadis) und mitunter von Oasen ges√§umt; durch heftige Regenf√§lle – auch in entfernteren Gebieten – kann ein Wadi unvermittelt zum rei√üenden Strom werden. Eines der l√§ngsten dieser Trockent√§ler hat der Wadi Igharghar geschaffen.

Klima

Algerien hat im Norden mediterranes Klima, im S√ľden extrem trockenes W√ľstenklima. An der Mittelmeerk√ľste und den Nordh√§ngen des Tellatlas betr√§gt die Mitteltemperatur im August 25¬†¬įC, im Januar 12¬†¬įC; die Niederschl√§ge (durchschnittlich 500 bis 1000¬†mm) fallen vorwiegend im Winter. Im Hochland der Schotts herrscht winterfeuchtes Steppenklima mit ausgepr√§gten saisonalen Temperaturschwankungen (Januarmittel kaum √ľber 0¬†¬įC, Augustmittel 30¬†¬įC). Die Niederschl√§ge, meist in Form von kurzen Platzregen, betragen hier nur noch 350¬†mm. Der Nordhang des Saharaatlas wird st√§rker beregnet; an der S√ľdseite aber vollzieht sich rasch der √úbergang zum hei√üen, trockenen W√ľstenklima der Sahara mit t√§glichen Temperaturschwankungen bis 20¬†¬įC und mehr. Die Temperaturen erreichen im Sommer √ľber 40¬†¬įC, im Winter k√∂nnen sie unter 0¬†¬įC sinken. In manchen Gegenden liegt das langj√§hrige Niederschlagsmittel bei nur 10¬†mm. Aus der Sahara weht in den Sommermonaten h√§ufig der Scirocco, ein trockener, staubbeladener Wind.

Flora und Fauna

Algerien hat heute einen Waldanteil von nur 2¬†%, etwa 80¬†% des Landes sind nahezu vegetationslos. Gezielte Aufforstungsma√ünahmen wie der Barrage vert haben das Ziel, die Ausbreitung der W√ľste zu bremsen. Zwischen 1990 und 2000 hat der Waldbestand um 1,3¬†% zugenommen. An der ausreichend beregneten Nordseite des Tellatlas wachsen mediterrane Str√§ucher wie Macchie, Aleppo-Kiefern, Korkeichen und Steineichen sowie (√ľber 1600¬†m) Atlas-Zedern; in der Kabylei gibt es noch zusammenh√§ngende Waldgebiete.

Im Hochland der Schotts dominieren Steppen mit Halfagras und Wermutgew√§chsen. Die Gebirgssteppe des Saharaatlas geht nach S√ľden in die weitgehend vegetationslose W√ľste √ľber; Pflanzen (v.¬†a. Dattelpalmen) wachsen nur in Randzonen und grundwasserbeg√ľnstigten Gebieten (Oasen). Das Ahaggar-Gebirge ist waldlos; stellenweise gibt es mediterrane Vegetation.

An wildlebenden Tieren kommen Gazellen, W√ľstenf√ľchse (Fenneks), M√§hnenschafe, Berberaffen, vereinzelt Geparde, Springmaus, Schlangen, Echsen, Skorpione und verschiedene Vogelarten (darunter gro√üe Greifv√∂gel) vor. Urspr√ľnglich waren auch Berberl√∂wen und Atlasb√§ren in Algerien heimisch. Die wildlebenden Best√§nde sind allerdings ausgestorben.

Im Nationalpark Tassili n’Ajjer, der Weltnatur- und Weltkulturerbest√§tte der UNESCO, gibt es noch Best√§nde von M√§hnenschafen und D√ľnengazellen sowie einige wenige Geparde.

Bevölkerung

Die Bevölkerung Algeriens ist von 6,1 Millionen im Jahre 1926 auf 42,2 Millionen im Jahr 2018 gewachsen. Infolge des starken Bevölkerungswachstums lag im Jahr 2010 der Anteil der unter 15-Jährigen bei 25,4 %. Die Geburtenrate lag 2016 bei 2,7 Kindern pro Frau.

Fast alle Algerier sind berberischer Herkunft; nur etwa 40¬†% bekennen sich zu ihrer berberischen Identit√§t. Algerien widerfuhr im Zuge der Islamisierung im 7. und 8. Jahrhundert eine umfassende Arabisierung hinsichtlich Kultur, Sprache und Religion. Vorwiegend sich als Araber bezeichnende Menschen (70¬†%) und verschiedene Berberst√§mme (30¬†%), die zum Teil arabisiert sind, bev√∂lkern Algerien. Da sich die Volksgruppen ab dem 20.¬†Jahrhundert zunehmend vermischt haben, ist es bisweilen schwierig, einen Algerier einem bestimmten Stamm zuzuordnen. Immer mehr haben sowohl arabische als auch berberische Wurzeln. Die Zahl der Europ√§er, die unter franz√∂sischer Herrschaft im Jahre 1960 noch 10¬†% der Bev√∂lkerung ausmachten, sank nach Erlangung der Unabh√§ngigkeit bis auf etwa 20.000. Nach Jahrhunderten osmanischer Herrschaft wird die Anzahl der Kulughli genannten osmanischst√§mmigen Bev√∂lkerung (mit t√ľrkischen, kurdischen und teils armenischen Wurzeln) auf 600.000 bis 2 Millionen gesch√§tzt.

Die Bev√∂lkerung in Algerien ist sehr ungleich verteilt. 96¬†% der Einwohner leben im Norden auf einem F√ľnftel der Staatsfl√§che. √úber die H√§lfte (2008 65¬†%) – mit steigender Tendenz – wohnt bereits in den St√§dten, die vornehmlich im K√ľstenbereich liegen. Sch√§tzungsweise 2,3 Millionen Algerier leben im Ausland, davon √ľber 1,5 Millionen in Frankreich, wo sie die Hauptvertreter des Islam in Frankreich sind. Ursachen der hohen Auswanderungsquote sind haupts√§chlich der wachsende Bev√∂lkerungsdruck und fehlende Arbeitsm√∂glichkeiten. In Algerien waren 2017 nur 0,6¬†% der Bev√∂lkerung Ausl√§nder. Das Land hat damit einen sehr niedrigen Migrantenanteil.

Sprachen

Die Amtssprachen Algeriens sind Arabisch und verschiedene Tamazight. Franz√∂sisch spielt eine wichtige Rolle als Bildungs-, Handels- und Verkehrssprache. Algerien gilt als das Land mit den meisten Franz√∂sischsprechenden au√üerhalb Frankreichs; aus politischen Gr√ľnden bekennt es sich jedoch nicht zur Frankophonie. Staatliche Fernsehsender strahlen Nachrichten und Dokumentationen auch auf Franz√∂sisch aus; im staatlichen H√∂rfunk ist eines der drei Hauptprogramme auf Franz√∂sisch. Seit 2002 hat auch Tamazight den Status einer Nationalsprache, seit 2016 ist es Amtssprache, in der auch Radioprogramme sowie vereinzelt Fernsehsendungen ausgestrahlt werden.

Als Schriftsprachen finden vor allem Franz√∂sisch und Hocharabisch Verwendung; Initiativen der Regierung forcieren seit den 1970er Jahren den Gebrauch des Hocharabischen und eine Zur√ľckdr√§ngung des Franz√∂sischen. Insbesondere in der Gro√üen und Kleinen Kabylei ist Kabylisch als Schriftsprache verbreitet, doch sind dazu fast nur junge Menschen in der Lage, da die √ľber 30-J√§hrigen in der Schule noch nicht auf Kabylisch alphabetisiert wurden.

Heute (Stand 2014) ist die Muttersprache von etwa 70¬†% der Bev√∂lkerung ein algerischer Dialekt des Arabischen (Darja), das sich vom Hocharabischen, das in Medien, Politik, Verwaltung und Schulen vorherrscht, deutlich unterscheidet. Die Muttersprache weiterer ca. 30¬†% der Bev√∂lkerung ist Tamazight. Der S√ľden des Landes ist fast ausschlie√ülich von Tamascheq- sprachigen Tuareg (die zu den Amazigh z√§hlen) bewohnt.

Franz√∂sisch wird von fast allen Algeriern verstanden; der Grad der Beherrschung variiert jedoch stark. √Ąltere Menschen, deren Schulbildung vor der Umstellung des Schulsystems von Franz√∂sisch auf Hocharabisch (1976) erfolgte, akademisch Gebildete und viele Bewohner der Kabylei sprechen meist flie√üend Franz√∂sisch mit nahezu muttersprachlicher Kompetenz. J√ľngere Menschen beherrschen das Franz√∂sische dagegen in schriftlicher Form oft fehlerhaft und bedienen sich eines Fran√ßais r√©gional, einer Mischsprache aus Franz√∂sisch und Darja.

Eine kleine Minderheit im Westen von Algerien spricht Korandje, die nördlichste von den Songhai-Sprachen.

Religionen

Nach offizieller Statistik bekennen sich etwa 99¬†% der Bev√∂lkerung zum Islam. Eine Minderheit, vor allem in Algerien lebende Ausl√§nder und konvertierte Algerier, geh√∂ren dem Christentum in Algerien an, traditionellerweise der katholischen Kirche Algeriens. Im Gefolge des 1992 ausgebrochenen B√ľrgerkriegs zwischen Regierung und der Islamistischen Heilsfront (FIS), die vor Massenmorden an Landsleuten nicht zur√ľckschreckte, wandten sich einige Algerier, v.¬†a. in der Kabylei, dem protestantischen Christentum zu. Die protestantischen Gemeinden in der Kabylei existieren teilweise schon seit den 1930er Jahren. Au√üerdem gibt es noch eine geringe Zahl an Einwohnern j√ľdischen Glaubens (heute weniger als 0,1¬†% der Bev√∂lkerung). Die Mozabiten sind eine islamische Minderheit.

Algerien hat den sunnitischen Islam zur Staatsreligion erkl√§rt. In der zweiten H√§lfte des 20. Jahrhunderts gewann der Islam immer st√§rker an Einfluss im t√§glichen Leben der Algerier. Schon Algeriens Unabh√§ngigkeitsbewegung war stark vom Islam durchdrungen, weshalb die Religionsf√ľhrer nach dem Sieg √ľber Frankreich mehr Rechte einforderten. Seit 1963 gilt das Staatsb√ľrgerschaftsrecht auf islamischer Grundlage; seit 1964 wird an allen Schulen der Koran unterrichtet. Mit der Zeit wurde auch die Scharia als Grundlage des Rechtssystems eingef√ľhrt: Seit 1984 ist ein Familienrecht in Kraft, in dem die Benachteiligung bzw. Andersbehandlung von Frauen festgeschrieben wird. Ein am 28. M√§rz 2006 in Kraft getretenes Gesetz stellt die Missionierung von Muslimen durch andere Religionen unter hohe Strafen.

Soziales

F√ľr alle Arbeitnehmer besteht eine allgemeine Sozialversicherung; ab dem 60. Lebensjahr wird eine Altersrente gezahlt. Ebenso gibt es Invaliden- und Hinterbliebenenrenten. Was fehlt, ist eine Arbeitslosenunterst√ľtzung – ein Manko, das bei der hohen Arbeitslosigkeit (2016: 12,4¬†%) betr√§chtliche soziale Auswirkungen hat.

Bildung

Allgemeine Schulpflicht besteht f√ľr 6- bis 15-J√§hrige. Darauf k√∂nnen drei Jahre auf einer weiterf√ľhrenden Schule folgen. Die Unterrichtssprachen sind Franz√∂sisch und Arabisch. Die Bildungs- und Ausbildungsunterschiede zwischen M√§nnern und Frauen sowie zwischen Stadt und Land sind immer noch erheblich. In Algerien stieg die mittlere Schulbesuchsdauer von 3,6¬†Jahren im Jahr 1990 auf 7,8¬†Jahre im Jahr 2015 an. Alphabetisierungsprogramme f√ľr Erwachsene und eine h√∂here Einschulungsrate lie√üen die Analphabetenrate in den letzten Jahrzehnten langsam auf mittlerweile 13¬†% bei den M√§nnern und 27¬†% bei den Frauen sinken. Das Land hat zw√∂lf Universit√§ten; die √§lteste wurde 1879 in Algier gegr√ľndet.

Die Reform des algerischen Schulwesens mit dem Ziel einer grundlegenden Modernisierung des Schulunterrichts wird seit 2014 von der Regierung vorangetrieben. Den europ√§ischen Fremdsprachen wird – nach den Jahren der Arabisierung des Schulsystems – eine wichtige Rolle zugeschrieben. Franz√∂sisch ist erste, Englisch zweite, Deutsch, Spanisch oder Italienisch dritte Fremdsprache. In der Praxis leidet die Reform am Fachkr√§ftemangel (Abwanderung von Lehrkr√§ften ins Ausland, stagnierende Studentenzahlen/etwa 1,3 Millionen im Studienjahr 2014/15), dem Fehlen einer modernen Fremdsprachendidaktik und h√§ufigen Streiks des Lehrpersonals. Nur ein Teil der algerischen Lehrer wurde an Hochschulen ausgebildet. Im PISA-Ranking von 2015 erreichten algerische Sch√ľler Platz 71 in Mathematik, Platz 71 in den Naturwissenschaften und Platz 69 beim Leseverst√§ndnis; die Situation in insgesamt 72 Staaten wurde in der Studie untersucht.

Gesundheit

Der Standard des Gesundheitswesens ist trotz Verbesserungen noch unzureichend. Trotz allgemeiner kostenloser medizinischer Versorgung der Bevölkerung ist vor allem ein beträchtliches Stadt-Land-Gefälle zu beobachten. Die Lebenserwartung lag 2016 bei 76,8 Jahren; hier ist ein erheblicher Anstieg seit dem Ende der Kolonialzeit festzustellen. 2006 lagen die Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben der Regierung bei 146 US$ (Kaufkraftparität). Die HIV-Infektionsrate ist niedrig.

Quelle: UN

Geschichte

Berber, Phönizier, Vandalen und Oströmer

Urspr√ľnglich war das Gebiet des heutigen Algerien von berberischen Volksst√§mmen bewohnt, im Osten von Tuareg. Vom 12. Jahrhundert v. Chr. an errichteten die Ph√∂nizier an der K√ľste Handelsst√ľtzpunkte und gr√ľndeten 814¬†v.¬†Chr. die Handelsstadt Karthago im heutigen Tunesien, die sich in der Folge zur Gro√ümacht im westlichen Mittelmeer entwickelte. Um 202¬†v.¬†Chr. schlossen sich die Berber-St√§mme (Mauren) unter Massinissa zum K√∂nigreich Numidien zusammen und verb√ľndeten sich mit Rom gegen Karthago. Die Erhebung Karthagos gegen Massinissa 149¬†v.¬†Chr. lieferte Rom den erw√ľnschten Vorwand f√ľr den Dritten Punischen Krieg, in dessen Verlauf Karthago zerst√∂rt wurde. 46¬†v.¬†Chr. unterwarf Rom Numidien und vereinigte es mit Karthago zur r√∂mischen Provinz Numidia-Mauretania. Bis zum Einfall der Vandalen im Jahre 429¬†n.¬†Chr. war diese die Kornkammer Roms. Die Vandalenherrschaft endete 534 mit der Eroberung durch Truppen des ostr√∂mischen Kaisers Justinian I., wodurch Nordafrika byzantinische Provinz wurde.

Schon seit dem 3. Jahrhundert hatte das Christentum in Nordafrika an Einfluss gewonnen. In den gro√üen St√§dten waren mehrere Bist√ľmer entstanden: So war der hl. Augustinus, der einflussreichste Kirchenlehrer des fr√ľhen Christentums, Ende des 4. Jahrhunderts Bischof von Hippo Regius, dem heutigen Annaba.

Islamisierung und Arabisierung

Um die Mitte des 7. Jahrhunderts stie√üen die Araber in den Maghreb vor. 697 eroberten sie einen Gro√üteil des heutigen Algerien. Die Bev√∂lkerung wurde gr√∂√ütenteils islamisiert. Im Laufe des 8. Jahrhunderts kam es wiederholt zu Aufst√§nden der Berber gegen die arabischen Eroberer: 757 wurden die Berber-Reiche im Atlasgebirge vom Kalifat unabh√§ngig, w√§hrend die drei sich herausbildenden F√ľrstent√ľmer der Idrisiden, Aghlabiden und Ziriden unter dessen Herrschaft gerieten.

Im 11. Jahrhundert konnte sich die Berberdynastie der Almoraviden im Gebiet des heutigen Algerien durchsetzen; sie beherrschte das Land fast 100¬†Jahre, bis sie 1147 von den Almohaden abgel√∂st wurde. Diese Dynastie eroberte in der Folgezeit den Maghreb und S√ľdspanien; in der zweiten H√§lfte des 13. Jahrhunderts zerfiel das Reich dann jedoch. Ostalgerien wurde Teil eines tunesischen F√ľrstentums, im Westen bildete sich von 1269 an das K√∂nigreich der Abd-al-Wadiden mit der Hauptstadt Tlemcen (heutiges Tilimsen) heraus.

Osmanische Herrschaft

Anfang des 16. Jahrhunderts versuchten die Spanier, an der algerischen K√ľste Fu√ü zu fassen. Daraufhin unterstellte sich das Land 1519 der Oberhoheit des Osmanischen Reiches und wurde dessen Vasall; Algerien wurde das Ey√Ęlet Cezayir innerhalb des Osmanischen Reiches und sp√§ter in ein Vil√Ęyet umgewandelt. Es blieb bis 1830 unter Osmanischer Oberhoheit, war jedoch ab 1711 faktisch unabh√§ngig. Bis ins 19. Jahrhundert konnte sich Algerien gegen die Versuche der Spanier, Niederl√§nder, Briten und Franzosen zur Eind√§mmung der Seer√§uberei erfolgreich zur Wehr setzen.

Die Barbaresken-Piraten pl√ľnderten Schiffe von Christen und Nichtmuslimen im Mittelmeer. Oft raubten die Piraten auch die Seem√§nner und Passagiere, um diese in die Sklaverei weiterzuverkaufen. Sch√§tzungen des Historikers Robert Davis gehen davon aus, dass zwischen dem 16. bis 19. Jahrhundert etwa 1 Million bis 1,25 Millionen Europ√§er in der Sklaverei landeten. Durch die Sklaven-Raubz√ľge an den europ√§ischen K√ľsten entstand der heutige Begriff Razzia.

Französische Kolonialherrschaft

Erste Pl√§ne zur Eroberung Algeriens durch Frankreich wurden unter Napoleon Bonaparte erstellt. 1830 begann die franz√∂sische Invasion. Hintergrund waren innenpolitische Probleme Karls X.; als Begr√ľndung des Angriffes auf Algerien wurden aber vor allem das respektlose Verhalten des algerischen Dey (der ber√ľhmte Schlag mit dem Fliegenwedel), die von den nordafrikanischen K√ľsten ausgehende Piraterie und das Ziel der Verbreitung des Christentums angef√ľhrt. Die vom Sufismus gepr√§gten Algerier empfanden den franz√∂sischen Vorsto√ü als Angriff des Christentums auf die Welt des Islams. Der junge Abd el-Kader wurde zu ihrem F√ľhrer und rief zum Dschihad auf. Nach massiven R√ľckschl√§gen wurde Thomas Robert Bugeaud Befehlshaber der franz√∂sischen Truppen. Durch eine √§u√üerst grausame Kriegsf√ľhrung, auch gegen Zivilisten, besiegte er Abd el-Kader 1847. Die gro√üe Kabylei wurde bis 1855 erobert. In den folgenden Jahren wurden Aufst√§nde der Algerier niedergeschlagen, sodass die Franzosen 1881 die vollst√§ndige Kontrolle √ľber den Norden Algeriens erlangt hatten.

Die algerische Bevölkerung hatte massive Verluste erlitten. Die staatlichen und religiösen Strukturen Algeriens wurden zerschlagen, das Gemeineigentum an Ländereien wurde aufgehoben. Zahlreiche Siedler, Italiener, Spanier, Franzosen und Malteser, strömten in die Siedlungskolonie, während die einheimischen Bauern in weniger fruchtbare Gebiete abgedrängt wurden. Um die Jahrhundertwende eroberten die Franzosen auch die Saharagebiete Algeriens. Danach wurde Algerien in drei Départements gegliedert.

Die Bev√∂lkerung Algeriens wurde durch den Code de l’indig√©nat von 1875 in B√ľrger erster und zweiter Klasse unterteilt, in franz√∂sische Staatsb√ľrger (zuerst nur Franzosen, seit 1889 auch Italiener, Malteser und Spanier) und franz√∂sische Untertanen ohne Staatsb√ľrgerschaft („Sujets“). Am 26. August 1881 wurden die drei D√©partements zum Bestandteil Frankreichs erkl√§rt. Sie waren danach keine Kolonie mehr, sondern franz√∂sisches Staatsgebiet mit denselben Rechten und Pflichten wie alle anderen D√©partements. Die Sahara-Gebiete blieben unter Milit√§rverwaltung.

Die nicht-französischen Europäer in Algerien assimilierten sich rasch an die französische Kultur. Eine Zwischenstellung hatten die fast 40.000 algerischen Juden. Seit der Dreyfus-Affäre war unter den Siedlern der Antisemitismus verbreitet; es kam zu Ausschreitungen gegen Juden, und es wurden antisemitische Zeitungen publiziert.

In der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg erwarben die Europ√§er immer mehr Ackerland, teils durch Kauf, teils durch rechtliche Tricks. 1936 hielten sie 40¬†% des fruchtbaren Landes. Dennoch lebte die Mehrheit der europ√§ischen Algerier in den St√§dten. Die Zahl der muslimischen Algerier stieg nach 1870 von zwei auf neun Millionen, die Zahl der Europ√§er auf eine Million. Die muslimischen Algerier verarmten in 100 Jahren franz√∂sischer Herrschaft, sodass Unterern√§hrung bis hin zu Hungersn√∂ten verbreitet waren. Von der Bildung, die Frankreich als seinen zivilisatorischen Auftrag verherrlichte, waren fast alle Muslime ausgeschlossen. Reformversuche der franz√∂sischen Politik, ob von konservativen oder sozialistischen Kr√§ften, scheiterten, da sie meist nationalistisch gef√§rbt waren und nicht wagten, den Anspruch Frankreichs auf die Herrschaft √ľber Algerien in Frage zu stellen.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs waren rund 30.000 Algerier als Arbeitskr√§fte in Frankreich besch√§ftigt. W√§hrend des Krieges benutzte die franz√∂sische Regierung die algerische Bev√∂lkerung als wirtschaftliche und milit√§rische Reserve. Insgesamt wurden in dieser Zeit 120.000 Algerier zur Arbeit nach Frankreich geholt. Weitere 173.000 dienten als Freiwillige oder Wehrpflichtige in den franz√∂sischen Streitkr√§ften. Bis 1939 fiel die Zahl der algerischen Arbeitsmigranten in Frankreich dann auf rund 32.000. Aus der Gruppe dieser Migranten entstand die √Čtoile Nord-Africaine, eine politische Partei der Algerier mit dem Ziel der Unabh√§ngigkeit von Frankreich.

Aufschwung erhielt die Unabh√§ngigkeitsbewegung insbesondere nach dem Massaker von S√©tif; bei Unruhen in S√©tif, Kherrata und Guelma waren zehntausende Algerier von der franz√∂sischen Armee get√∂tet worden. Als Reaktion auf das Erstarken der Unabh√§ngigkeitsbewegung wurde im September 1947 durch das Algerien-Statut allen Algeriern die franz√∂sische Staatsb√ľrgerschaft zuerkannt, doch hielt dies den Kampf um die Losl√∂sung von Frankreich nicht auf. Der 1954 beginnende Algerienkrieg (bis 1962) wurde von beiden Seiten mit √§u√üerster H√§rte gef√ľhrt. Die arabischen Algerier ver√ľbten Terroranschl√§ge gegen die europ√§ischen Soldaten und Zivilisten in Algerien. Das franz√∂sische Milit√§r wandte die Methoden der so genannten „franz√∂sischen Doktrin“ an, die summarische Hinrichtungen, Folter und das Ausl√∂schen ganzer algerischer D√∂rfer umfasste. Dies war zun√§chst milit√§risch erfolgreich, f√ľhrte aber nach Bekanntwerden der systematischen Menschenrechtsverletzungen innen- und au√üenpolitisch zu einer Schw√§chung Frankreichs. Unter der F√ľhrung der Nationalen Befreiungsfront (FLN), die konkurrierende Gruppierungen der Unabh√§ngigkeitsbewegung bek√§mpfte und ausschaltete, erlangte Algerien die Unabh√§ngigkeit, die am 18. M√§rz 1962 im Abkommen von √Čvian anerkannt und in zwei Referenden –¬†in Frankreich wie in Algerien selbst¬†– best√§tigt wurde. Am 5. Juli (Nationalfeiertag neben dem Tag der Revolution am 1. November) 1962 wurde offiziell die Unabh√§ngigkeit proklamiert. Die Gesamtzahl der in Algerien get√∂teten Muslime wurde von Frankreich sp√§ter mit 350.000, von algerischen Quellen mit bis zu 1,5 Millionen angegeben.

Die sozialistische Volksrepublik

Algerien entwickelte sich in der Folgezeit zu einer von der FLN gef√ľhrten Diktatur. Erster Staatspr√§sident wurde Ferhat Abbas. Nach dessen Absetzung folgte 1963 Muhammad Ahmed Ben Bella, bis Verteidigungsminister Oberst Houari Boumedienne durch einen Milit√§rputsch im Juni 1965 an die Macht gelangte. Seine Regierung versuchte zun√§chst durch eine verst√§rkte Sozialisierungspolitik und durch eine √Ėffnung gegen√ľber dem Ostblock Algeriens wirtschaftliche Abh√§ngigkeit von Frankreich zu √ľberwinden. Ab 1972 verfolgte sie einen Kurs der Blockfreiheit und kn√ľpfte Kontakte zum Westen. Nach dem Tod Boumediennes √ľbernahm 1978 zun√§chst Rabah Bitat kommissarisch das Pr√§sidentenamt, bis im Februar 1979 Oberst Chadli Bendjedid zum Pr√§sidenten gew√§hlt wurde. Mitte 1988 brachen schwere Unruhen aus, die zur Aufgabe des Machtmonopols der FLN f√ľhrten. Ursache waren unter anderem die hohe Arbeitslosigkeit und die Wohnungsnot. Eine Demokratisierung wurde eingeleitet und eine neue demokratische Verfassung, die die Trennung von Partei und Staat, parlamentarische Verantwortung, Pluralismus, politische Freiheiten und Garantien der Menschenrechte vorsah, geschaffen (Verfassung vom 19. November, drei Tage sp√§ter in Kraft getreten; √Ąnderungen am 3. November 1988, 23. Februar 1989 und 26. November 1996).

B√ľrgerkrieg

Der wirtschaftliche Niedergang f√ľhrte im Oktober 1988 zu spontanen Ausschreitungen in der Hauptstadt Algier, die bald auf andere St√§dte √ľbergriffen und Hunderte von Todesopfern forderten. Bei den Parlamentswahlen 1991/1992 bef√ľrchtete die Regierung einen Sieg der islamistischen Bewegung. Nach dem sich abzeichnenden Sieg der Islamischen Heilsfront (Front islamique du salut, FIS) wurden die Wahlen abgebrochen; Pr√§sident Chadli Bendjedid trat unter dem Druck des Milit√§rs zur√ľck. Als √úbergangspr√§sidenten setzte dieses zun√§chst Muhammad Boudiaf, nach dessen Ermordung Ali Kafi und schlie√ülich 1994 General Liamine Z√©roual ein. Im M√§rz 1992 wurde die Aufl√∂sung der FIS angeordnet, die daraufhin zum bewaffneten Kampf aufrief. Der B√ľrgerkrieg, der zwischen Islamisten und dem algerischen Milit√§r gef√ľhrt wurde, forderte √ľber 120.000 Todesopfer. Im Februar 1995 starben beim Massaker im Serkadji-Gef√§ngnis 95 Gefangene und vier W√§rter. Die algerische Regierung wandte Vorgehensweisen eines „Schmutzigen Krieges“ an.

Bereits im September 1998 war vom fr√ľheren GIA-F√ľhrer Hassan Hattab die „Salafistische Gruppe f√ľr Predigt und Kampf“ (franz√∂sisch: „Groupe Salafiste pour la Pr√©dication et le Combat“, GSPC) gegr√ľndet worden. Sie wurde auf Rat von Osama bin Laden gebildet, des vormaligen F√ľhrers der international t√§tigen islamistischen Terrororganisation Al-Qaida, mit dem Ziel, den „heiligen Krieg“, Dschihad, gegen die algerische Staatsmacht in seiner urspr√ľnglichen Form wieder aufzunehmen.

Wichtigstes innenpolitisches Ziel des im April 1999 mit Unterst√ľtzung des Milit√§rs zum Staatspr√§sidenten gew√§hlten Abd al-Aziz Bouteflika war die Beendigung der gewaltt√§tigen Auseinandersetzungen durch eine „Politik der nationalen Vers√∂hnung“. W√§hrend die algerische F√ľhrung zuvor die Zahl der Opfer des B√ľrgerkrieges meist mit nur rund 30.000 angegeben hatte, gestand er zu, dass sie 1999 schon bei rund 100.000 lag.

Im September 1999 wurde das von ihm vorgelegte „Gesetz zur Auss√∂hnung der B√ľrger“ (franz√∂sisch: Loi de la Concorde Civile) vom Volk in einem Referendum best√§tigt. Es sieht eine Amnestie f√ľr Terroristen vor, die ihre Waffen niederlegen und nicht schwere Verbrechen wie Mord, Vergewaltigung oder Bombenanschl√§ge begangen haben.

Wenig sp√§ter entschied sich die „Islamische Heilsarmee“ (franz√∂sisch: Arm√©e Islamique du Salut, AIS), der bewaffnete Arm der seit 1992 verbotenen Partei Islamische Heilsfront (franz√∂sisch: Front Islamique du Salut, FIS), die Waffen niederzulegen. Die „Bewaffnete Islamische Gruppe“ (franz√∂sisch: Groupe Islamique Arm√©, GIA), bestand zwar weiterhin, ihre Reste waren aber, so Der Spiegel, in eine Art Banditentum abgeglitten, bei dem religi√∂se Motive nur noch als Bem√§ntelung von Kriminalit√§t dienten.

Nach einer Phase relativer Ruhe in den Jahren 1999/2000 nahmen die gewalttätigen Auseinandersetzungen wieder zu. Im April 2001 wurden Demonstrationen in der Kabylei, einer hauptsächlich von Berbern bewohnten Bergregion im Norden Algeriens, von der staatlichen Gendarmerie niedergeschlagen (rund 60 Tote).

Befriedung des Landes

Zur Entschärfung der Forderungen der Berber nach mehr Autonomie und demokratischer Partizipation begnadigte Bouteflika im August 2002 die Mehrheit der inhaftierten Demonstranten. Den Forderungen nach Abzug der Gendarmerie aus der Kabylei kam Bouteflika nicht nach.

Wirtschaftspolitisch versuchte Bouteflika ein Privatisierungsprogramm durchzusetzen. 2003 mussten jedoch die zust√§ndigen Minister Mourad Medelci und Abdelhamid Temmar unter dem Druck des einflussreichen Gewerkschaftsdachverbands UGTA zur√ľcktreten. Er hatte im Februar 2003 – zum zweiten Mal seit Beginn des Jahrzehnts – einen dreit√§gigen Generalstreik organisiert, der sich gegen das Privatisierungsprogramm der Regierung richtete. An dem Streik nahmen √ľber 90¬†% der Arbeiter teil.

Bei den Pr√§sidentschaftswahlen am 8. April 2004 wurde Bouteflika mit 83¬†% der Stimmen als erster Pr√§sident f√ľr eine zweite Amtszeit wiedergew√§hlt. Sein wichtigster Konkurrent, der fr√ľhere Ministerpr√§sident Ali Benflis, sprach von Betrug. Wahlbeobachter der Organisation f√ľr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sprachen aber von einer fairen Wahl.

Nach seiner Wiederwahl setzte Bouteflika seine „Vers√∂hnungspolitik“ mit der Vorlage einer „Charta f√ľr Frieden und nationale Vers√∂hnung“ fort. Sie wurde im September 2005 in einem Referendum angenommen. Sie umfasst eine Generalamnestie sowohl f√ľr staatliche Sicherheitskr√§fte und vom Staat bewaffnete Milizen als auch f√ľr bewaffnete Gruppen. Sie verneint jede Verantwortung der Sicherheitskr√§fte und der Milizen f√ľr schwere Menschenrechtsverletzungen. Kritik an den Sicherheitsorganen stellt sie unter Strafe. Die Verordnung, mit der sie umgesetzt wird, verhindert eine gerichtliche Untersuchung und Aufkl√§rung des Schicksals Tausender im Verlauf des B√ľrgerkriegs „verschwundener“ Personen. Klagen gegen Mitglieder der Sicherheitskr√§fte m√ľssen von den Gerichten abgewiesen werden. Angeh√∂rige von „Verschwundenen“ k√∂nnen allerdings eine Entsch√§digung beantragen.

Wirtschaftspolitisch wurden die Versuche, auf dem Weg von einer sozialistischen Planwirtschaft zu einer st√§rker marktwirtschaftlich orientierten Wirtschaftsordnung zu kommen, fortgesetzt. Die als wirtschaftspolitische Reformer geltenden Mourad Medelci und Abdelhamid Temmar, die 2003 zur√ľcktreten mussten, √ľbernahmen das Finanz- bzw. Investitionsf√∂rderungsministerium. Sie setzen sich f√ľr die Privatisierung √∂ffentlicher Betriebe und die √Ėffnung des Erd√∂l- und Erdgassektor f√ľr private Investitionen ein.

Anfang April 2009 gewann Bouteflika zum dritten Mal die Pr√§sidentenwahl in Algerien nach offiziellen Angaben mit 90,24¬†% der Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von 74,5¬†%. Die Wahl war von mehreren gewaltsamen Zwischenf√§llen √ľberschattet, au√üerdem war Bouteflikas f√ľnf Gegenkandidaten kaum Gelegenheit gegeben worden, sich im 19-t√§gigen Wahlkampf zu profilieren. Die wichtigsten Oppositionsparteien, die Rassemblement pour la culture et la d√©mocratie (RCD) und der Front des forces socialistes (FFS), waren erst gar nicht zur Wahl angetreten. Die Opposition zweifelte das Ergebnis an.

Bei der Wahl am 17. April 2014 wurde Bouteflika zum vierten Mal trotz der Schw√§chung durch einen Schlaganfall in seinem Amt best√§tigt; nach Angaben des Innenministeriums entfielen 81,5¬†% der Stimmen auf den Amtsinhaber, 12,18¬†% gingen an Ali Benflis. Am 2. April 2019 trat der greise Bouteflika zur√ľck, nachdem seine erneute Kandidatur zur Wahl 2019 auf heftige Proteste der Bev√∂lkerung gesto√üen war.

Politisches System

Gem√§√ü der Verfassung von 1996 ist Algerien eine semipr√§sidentielle Republik mit einem alle f√ľnf Jahre durch das Volk gew√§hlten Staatsoberhaupt an der Spitze. Er ernennt und entl√§sst den nur ihm verantwortlichen Ministerpr√§sidenten als Vorsitzenden der Exekutive. Das Parlament besteht aus der Nationalen Volksversammlung (Assembl√©e Populaire Nationale) und dem Rat der Nation (Conseil de la Nation/Majlis al-’Umma). Die 389¬†Mitglieder der Volksversammlung werden alle f√ľnf Jahre gew√§hlt. Im Rat der Nation werden 96¬†Mitglieder alle sechs Jahre voll und alle drei Jahre zur H√§lfte von den Kommunalr√§ten neu gew√§hlt und die restlichen 48¬†Mitglieder vom Staatsoberhaupt ernannt. Alle Algerier besitzen ab dem 18.¬†Lebensjahr das Wahlrecht. Die Geschichte des Frauenwahlrechtes in Nordafrika und im Nahen Osten in Algerien reicht in die Kolonialzeit zur√ľck: 1944 erhielten Christinnen und J√ľdinnen mit franz√∂sischer Staatsb√ľrgerschaft (Europ√©ennes), die im zu Frankreich geh√∂renden Algerien lebten, das Wahlrecht; Muslimas waren ausgeschlossen. Im Juli 1958 setzte Charles de Gaulle die loi-cadre Defferre, die auch Muslimas das Wahlrecht gab, f√ľr Algerien in Kraft. Bei der Proklamation der Unabh√§ngigkeit am 5. Juli 1962 wurde dieses Recht best√§tigt. Damit waren das aktive und passive Frauenwahlrecht f√ľr den neuen Staat Algerien am 5. Juli 1962 festgeschrieben worden.

Die Verfassung orientiert sich laut Artikel 9 an islamischer Ethik und den Werten der Novemberrevolution.

Im Justizwesen bestehen französisches und islamisches Recht nebeneinander. Das Gerichtswesen sieht Volkstribunale (Zivilrecht) und Strafvolksgerichte (Strafrecht) vor. Höchste Instanz ist der Oberste Gerichtshof. Homosexualität in Algerien ist gesellschaftlich geächtet und dort nach geltendem Recht illegal. In den vergangenen Jahren kam es zu mehreren tödlichen Übergriffen auf Homosexuelle und auch zu einer öffentlichen Steinigung.

Wahlen

Am 10.¬†Mai 2012 wurden in Algerien die ersten Parlamentswahlen nach dem arabischen Fr√ľhling abgehalten. Die regierende Nationale Befreiungsfront erzielte mit 17,35¬†% den h√∂chsten Stimmanteil und erhielt 221¬†Sitze im Parlament. Die Nationale Demokratische Sammlung erzielte 70, die islamistische Allianz Gr√ľnes Algerien (aus Gesellschaftsbewegung f√ľr Frieden, Ennahda und Bewegung f√ľr Nationale Reform) 47, die Front Sozialistischer Kr√§fte 21, die Unabh√§ngigen 19, die Arbeiterpartei 17 und Sonstige 78¬†Sitze. 2017 fanden erneut Wahlen statt. Die Pr√§sidentschaftswahl 2019 wurde mehrmals verschoben und fand am 12. Dezember statt. Abdelmadjid Tebboune gewann sie im ersten Wahlgang. Die Armee stellte sich nach Bekanntgabe des Ergebnisses hinter Tebboune. Das Verfassungsgericht erkl√§rte die Wahl am 16. Dezember f√ľr rechtm√§√üig.

Opposition

Durch wirtschaftliche und soziale Probleme sowie die Unzufriedenheit mit den Leistungen des politischen Systems sind islamistische Bewegungen in Algerien sehr erfolgreich. Diese fordern einen islamistischen Staat, dessen innere Struktur und Au√üenpolitik sich an den Regeln einer radikalen Interpretation des Islams orientieren soll. Sie sind gleichwohl zum √ľberwiegenden Teil verboten und stellen h√∂chstens so etwas wie eine au√üerparlamentarische Opposition dar. Nach Angaben von Amnesty International gibt es weiterhin pro Jahr mehrere hundert Tote als Folge von Attentaten. Sie werden jetzt h√§ufig der Gruppe „al-Qaida im islamischen Maghreb“ zugeschrieben, in die sich die GSPC Anfang 2007 umbenannte. 2007 gab es unter anderem im April Anschl√§ge auf den Amtssitz des algerischen Ministerpr√§sidenten und eine Polizeistation in Algier. Im Dezember wurde ein Anschlag auf das UNHCR-B√ľro in Algier ver√ľbt.

Am 23. Februar 2011 wurde der seit 19 Jahren bestehende Ausnahmezustand aufgehoben. Dies war eine Forderung der Opposition. 1992 wurde der Ausnahmezustand in Kraft gesetzt zur Bekämpfung von bewaffneten Islamisten.

Am 16. Januar 2012 griffen Islamisten einen Standort des √Ėlkonzerns BP an und nahmen offenbar zahlreiche Ausl√§nder als Geiseln. Die algerische Nachrichtenagentur APS meldete, bei dem Angriff seien zwei Menschen get√∂tet worden. Einer der Angreifer erkl√§rte, seine Gruppe komme aus dem Nachbarland Mali, wo Frankreich seit Ende vergangener Woche einen Milit√§reinsatz gegen Islamisten f√ľhrt. Nach eigenen Angaben brachte die Gruppe der Angreifer 41 westliche Ausl√§nder in ihre Gewalt, darunter 7 US-Amerikaner.

Menschenrechte und Demokratie

Freedom House sch√§tzt Algerien als „unfreies“ Land ein (Stand 2011). Im Demokratieindex von 2019 erreicht Algerien den 113. von 169 Pl√§tzen und wird als „Hybridregime“ bezeichnet.

Werner Ruf, emeritierter Professor f√ľr Internationale Politik, √ľbte in einem Interview mit der Tagesschau anl√§sslich des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juli 2008 scharfe Kritik an der politischen Entwicklung in Algerien: „De facto regiert noch das Milit√§r.“ Der Parlamentarismus sei eine Fassade. „Dahinter herrscht eine undurchsichtige Clique an der Spitze des Milit√§rs. Das sind Leute, die sich bereichern. Die Korruption ist gewaltig.“ Das Land bleibe „weit entfernt von dem, was wir einen Rechtsstaat, eine Demokratie, nennen.“

Thomas Schiller, Leiter des Auslandsb√ľros Algier der Konrad-Adenauer-Stiftung, erkl√§rte 2008 hingegen, dass Algerien in den letzten 10 Jahren hingegen trotz immer noch erheblicher politischer, wirtschaftlicher und vor allem sozialer Defizite viel erreicht – vor allem Stabilit√§t. Die politische Stabilisierung seit dem Amtsantritt Bouteflikas und eine zunehmend aktivere Zivilgesellschaft w√ľrden dem Land helfen, den Weg zur Normalit√§t zu gehen. Die Politik Bouteflikas bezeichnet er als „erfolgreich“. Sie mische hartes Durchgreifen gegen Terroristen mit einer „Auss√∂hnungspolitik“, Sicherung der algerischen Unabh√§ngigkeit mit vorsichtigen Reformen und wirtschaftlicher √Ėffnung.

In Algerien gibt es zwar die Todesstrafe, doch sie wurde seit mehr als zehn Jahren nicht mehr offiziell vollstreckt. In Algier herrscht seit 2001 ein allgemeines Demonstrationsverbot. Die Pressefreiheit ist sp√ľrbar eingeschr√§nkt. Es herrscht eine Zensur in Algerien. In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegte Algerien im Jahr 2019 Platz¬†141 von 180 L√§ndern (2018: Platz¬†136). Laut dem Bericht der NGO ist die Situation der Pressefreiheit im Land „schwierig“.

Der UN-Menschenrechtsausschuss zeigte sich in seinem Bericht zur Lage der Menschenrechte in Algerien vom November 2007 besorgt √ľber zahlreiche Hinweise auf geheime Haftzentren. Er hebt au√üerdem hervor, dass es viele Berichte √ľber Folterungen und Misshandlungen durch den Milit√§rgeheimdienst DRS gebe. Der Ausschuss kritisiert auch, dass zahlreiche Journalisten Opfer von Einsch√ľchterungen sind und Frauen in der Ehe weiterhin diskriminiert werden (s. Literatur, Amnesty International).

Von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International wird der „Vers√∂hnungspolitik“ Bouteflikas vor allem vorgeworfen, sie ziele lediglich darauf ab, die Gewalt der neunziger Jahre vergessen zu machen, anstatt die Ereignisse juristisch aufzuarbeiten. Kritik daran sowie Demonstrationen von Angeh√∂rigen der Opfer w√ľrden von der Regierung unterdr√ľckt. Im Bericht der Bertelsmann-Stiftung zur politischen und wirtschaftlichen Transformation in Algerien („Bertelsmann Transformationsindex 2003“) hei√üt es dazu: „Die Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen, die im Zusammenhang mit dem seit 1992 anhaltenden innenpolitischen Konflikt stehen, fand auf nationaler Ebene nicht statt. Weder die islamistischen Vergehen, noch die staatlichen √úbergriffe im Rahmen der Bek√§mpfungsma√ünahmen des islamistischen Terrorismus wurden thematisiert.“

Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index) von Transparency International lag Algerien 2017 von 180 Ländern zusammen mit Bolivien, El Salvador, Niger und den Malediven auf dem 112. Platz, mit 33 von maximal 100 Punkten.

Im Juni 2018 wurden Vorw√ľrfe bekannt, Algerien habe seit April 2017 mindestens 13.000 Migranten, darunter Schwangere und Kinder, mit Lastkraftwagen in die W√ľste verbracht und dort ohne Wasser und Nahrung ausgesetzt. Die Menschen seien angewiesen worden, 15 Kilometer durch die W√ľste in Richtung des Nachbarstaates Niger, etwa zum Dorf Assamaka, zu laufen. Die Polizei nahm Migranten zuvor nach Berichten Geld und Mobiltelefone ab. Laut der Internationalen Organisation f√ľr Migration (IOM) kamen nur etwa 11.276 Menschen nach oft tagelangen Irrm√§rschen im Niger an. Augenzeugen berichteten von zahlreichen Todesf√§llen, meist aufgrund von Ersch√∂pfung, und von Menschen, die sich in der W√ľste verirrten und nicht wieder gesehen wurden. Die EU soll √ľber die Zust√§nde informiert gewesen sein, jedoch mit Hinweis auf die Souver√§nit√§t Algeriens nicht eingegriffen haben. Die algerischen Beh√∂rden streiten die Vorw√ľrfe ab.

Außenpolitik

Algerien ist seit 1962 Mitglied der Vereinten Nationen und hat Beobachterstatus in der WTO. Ansonsten ist das Land Mitglied der Afrikanischen Union (AU), der Arabischen Liga, der Organisation f√ľr Islamische Zusammenarbeit, der Organisation erd√∂lexportierender Staaten (OPEC) und der Organisation arabischer erd√∂lexportierender Staaten (OAPEC). Neben den Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union und der Arabischen Liga pflegt Algerien gute Beziehungen zur Europ√§ischen Union (EU), den Vereinigten Staaten, Russland und besonders zur Volksrepublik China.

Im Rahmen der Euro-mediterranen Partnerschaft kooperiert Algerien mit der EU. Im Jahr 2002 unterzeichneten die EU und Algerien ein Assoziierungsabkommen. Es trat im Jahr 2005 in Kraft. Am 13. März 2017 auf der Tagung des Assoziationsrates haben Algerien und die EU ihre gemeinsamen Partnerschaftsprioritäten verabschiedet. Die Partnerschaftsprioritäten bis 2020 umfassen Folgendes:

  • „politischer Dialog, Staatsf√ľhrung, Rechtsstaatlichkeit und F√∂rderung der Grundrechte;
  • Zusammenarbeit, sozio√∂konomische Entwicklung und Handelsbeziehungen einschlie√ülich des Zugangs zum europ√§ischen Binnenmarkt
  • Energiefragen, Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung
  • strategischer und sicherheitspolitischer Dialog
  • menschliche Dimension, einschlie√ülich des kulturellen und interreligi√∂sen Dialogs, sowie Migration und Mobilit√§t.“

Die Beziehungen Algeriens zu Frankreich sind eng. Beide Seiten sprechen von einer strategischen Partnerschaft sowie einer vertrauensvollen Zusammenarbeit trotz der schwierigen gemeinsamen Kolonialvergangenheit. Die ohnehin schon intensiven Wirtschaftsbeziehungen sollen weiter ausgebaut werden.

Algerien ist aufgrund seiner Größe, seiner geographischen Lage und seines Reichtums an Bodenschätzen ein wichtiger Akteur in der Region.

Algerien sieht sich von verschiedenen Unruheherden umgeben und sorgt sich um Stabilit√§t und Sicherheit sowie wirtschaftliche Entwicklung in der Region. In den Beziehungen zu seinen internationalen Partnern spielen f√ľr Algerien neben der Bek√§mpfung des Terrorismus vor allem Wirtschaftsinteressen (√Ėl-/Gasexporte sowie Interesse an ausl√§ndischen Investitionen in Algerien) eine Rolle.

Die regionale Zusammenarbeit im Maghreb leidet anhaltend an dem gespannten Verh√§ltnis zwischen Algerien und Marokko. Die Landgrenzen zwischen beiden L√§ndern bleiben weiterhin geschlossen. Insbesondere Differenzen √ľber die Westsahara erschweren eine Ann√§herung. Algerien unterst√ľtzt die Polisario Bewegung, die f√ľr die Unabh√§ngigkeit der Westsahara k√§mpft und gew√§hrt f√ľhrenden Mitgliedern Unterschlupf.

Die Beziehungen Algeriens zu Tunesien sind partnerschaftlich. Zwischen beiden Ländern gibt es eine verstärkte und gut funktionierende Kooperation im Sicherheitsbereich, insbesondere bei der Sicherung der gemeinsamen Grenzen.

Die Situation in Libyen bereitet Algerien mit Blick auf die von dort ausgehende Instabilit√§t gro√üe Sorgen. Algerien lehnt jegliche milit√§rische Intervention ab und setzt sich f√ľr eine politische L√∂sung auf der Grundlage eines Dialogs zwischen allen libyschen Parteien ein. Algerien unterst√ľtzt die entsprechenden Vermittlungsbem√ľhungen der Vereinten Nationen.

Algerien hatte als Chef-Vermittler eine entscheidende Rolle bei den erfolgreich gef√ľhrten Friedensverhandlungen zwischen der malischen Regierung und nordmalischen Gruppen √ľbernommen, die im Juni 2015 mit der Unterzeichnung eines Friedensabkommens in Algier ihren Abschluss fanden.

Algerien h√§lt gute Beziehungen zur syrischen Regierung aufrecht und versucht eine Isolierung Syriens in der islamischen Welt zu verhindern. Ex-Au√üenminister Lakhdar Brahimi bem√ľht sich seit 2012 als UNO-Sondervermittler vergeblich um eine Beendigung des B√ľrgerkriegs in Syrien.

Militär

Streitkräfte

Die 147.000 Mann starken Streitkräfte gliedern sich in Heer (127.000), Luftwaffe (14.000) und Marine (6000). Dem algerischen Verteidigungsministerium unterstehen des Weiteren die Gendarmerie, die Grenzwache und weitere paramilitärische Verbände.

Algerien gab 2017 knapp 5,7 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 10 Mrd. US-Dollar f√ľr seine Streitkr√§fte aus. Insgesamt 16,1¬†% der Staatsausgaben kamen dem Milit√§r zugute was zu den h√∂chsten Anteilen der Welt geh√∂rt und eine gro√üe B√ľrde f√ľr den Staatshaushalt darstellt. Algerien hatte die h√∂chsten Milit√§rausgaben in Nordafrika.

Französische Atomwaffentests

Es gibt zwei ehemalige französische Atomtestgelände, auf denen Frankreich zwischen 1960 und 1966 insgesamt 17 Atombombentests vorgenommen hat:

  • bei Reggane: 1960–1961: 4 Tests, oberirdisch
  • bei In Ekker: 1961–1966: 13 Tests, unterirdisch

Am 13. Februar 1960 testete Frankreich seine erste Atombombe (mit einer Sprengkraft von 70 kt TNT-√Ąquivalent) in der N√§he von Reggane. Es war die st√§rkste Bombe, die bei einem ersten Test je zur Detonation gelangte. Zum Vergleich: Der erste US-Test (Trinity) hatte eine St√§rke von 20 kt, der erste UdSSR-Test (RDS-1) hatte 22 kt, der erste britische Test (Hurricane) hatte 25 kt. Die Hiroshima-Bombe (Little Boy) hatte 13 kt, die Nagasaki-Bombe (Fat Man) 22 kt. Die weiteren drei oberirdischen Bomben bei Reggane hatten jeweils weniger als 5 kt.

Am 7. November 1961 fand der erste von 13 unterirdischen Tests bei In Ekker im Hoggar statt. Bei dem zweiten Test (B√©ryl) am 1. Mai 1962 hielt der Verschluss des Tunnels nicht stand. Radioaktive Gase, Staub und Lava wurden ausgesto√üen. Die Beobachter des Tests wurden kontaminiert (darunter auch anwesende franz√∂sische Minister). Drei andere Tests verliefen ebenfalls nicht plangem√§√ü, jedoch nach Angaben des Verteidigungsministeriums ohne Austritt von radioaktiven Substanzen: 30. M√§rz 1963 – „Amethyst“ / 20. Oktober 1963 – „Rubin“ (St√§rke 100 kt) / und 30. Mai 1965 – „Jade“. Der st√§rkste Test in In Ekker war am 25. Februar 1965 „Saphir“ mit 150 kt.

Mit dem Test am 16. Februar 1966 endeten die Versuche in Algerien. Die Tests wurden nach Französisch-Polynesien (Mururoa und Fangataufa-Atoll) verlegt, wo oberirdisch (erst ab 1974 wieder unterirdisch) weitergetestet wurde.

Zu beachten ist, dass es zwischen Großbritannien, USA und der UdSSR ein Verbot von atmosphärischen Atomwaffentests gab (am 5. August 1963 zur Unterzeichnung freigegeben, trat am 10. Oktober 1963 in Kraft), an das sich diese hielten (letzter atmosphärischer Test: GB: 23. September 1958 / USA: 9. Juni 1963 / UdSSR: 25. Dezember 1962). Frankreich und China hielten sich nicht daran, testeten oberirdisch weiter: Frankreich: 2. Juli 1966 bis 14. September 1974: 41 Tests, China: 16. Oktober 1964 bis 16. Oktober 1980: 22 Tests.

Auf Wunsch Algeriens untersuchte die IAEA das Gel√§nde bei Reggane und stellte in ihrem Bericht von 2005 fest, dass aufgrund der sehr schwachen restlichen Radioaktivit√§t nichts zu veranlassen sei, lediglich im Fall gr√∂√üerer menschlicher Aktivit√§ten in der Gegend sollte der Zutritt zu den vier Explosionsorten untersagt werden. Der Ort des B√©ryl-Unfalls bei In Ekker scheint nach wie vor kontaminiert und zumindest in der Vergangenheit schlecht gesichert gewesen zu sein, so dass die Reststrahlung eine Gefahr f√ľr uninformierte Einheimische und Touristen darstellen kann. Die Regionen werden touristisch genutzt, wobei vermutlich nicht jeder Tourist √ľber die Vergangenheit und die Strahlensituation der Gel√§nde informiert ist.

Verwaltungsgliederung

Das Land ist in 58 Verwaltungsbezirke (Wilayat, Singular Wilaya), die jeweils nach der Hauptstadt benannt sind, unterteilt. Die Wilayat haben eigene Parlamente, unterstehen jedoch letztlich der Zentralregierung.

Unterhalb der Verwaltungsebene des Wilaya (Provinz) gibt es die Ebene Da√Įra (Kreis) und als unterste Ebene die Kommune (arabisch¬†√ė¬®√ô‚Äě√ė¬Į√ô҆√ė¬©, DMG Baladiyah, franz√∂sisch Commune alg√©rienne). Die Kommunen haben wie die Wilayat den Status von Collectivit√©s territoriales (Gebietsk√∂rperschaften).

2016 lebten 71,3 % der Bevölkerung in Städten oder städtischen Räumen. Die größten Städte sind (Stand Zensus 2008):

  1. Algier: 2.364.230 Einwohner
  2. Oran: 803.329 Einwohner
  3. Constantine: 448.028 Einwohner
  4. Annaba: 342.703 Einwohner
  5. Blida: 331.779 Einwohner

Wirtschaft

Algerien geh√∂rt vom Pro-Kopf-Einkommen her zu den reicheren L√§ndern Afrikas. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegte Algerien Platz 86 von 138 L√§ndern (Stand 2016–2017). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegt Algerien 2019 Platz 171 von 180 L√§ndern. Die Wirtschaft des Landes ist noch wenig liberalisiert.

Bestimmend f√ľr die algerische Wirtschaft sind F√∂rderung und Export von Erd√∂l und Erdgas. Die Exporterl√∂se aus dem Hydrokarbonsektor, der zu etwa 27 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitr√§gt und etwa 60 Prozent der Staatseinnahmen generiert, machen rund 94 Prozent der Exporteinnahmen aus. Der seit Jahren wachsende inl√§ndische Energiekonsum schm√§lert zus√§tzlich zu den anhaltend niedrigen Preisen die Einnahmen aus dem √Ėl- und Gasexport.

Die algerische Regierung will die industrielle Produktion in Algerien erh√∂hen und mehr Arbeitspl√§tze au√üerhalb des √Ėl- und Gassektors schaffen. Die algerische Regierung forciert den Abbau von Phosphat- und Erzvorkommen. Langfristig ist auch beabsichtigt, mit der Schiefergasproduktion zu beginnen, obgleich es gegen erste Schiefergasexplorationen Widerstand in der Bev√∂lkerung gegeben hatte. Zudem soll die Gewinnung von Energie aus erneuerbaren Quellen erheblich ausgebaut werden. Rasche Fortschritte hin zu wirtschaftlicher Diversifizierung und damit der Reduzierung der starken Abh√§ngigkeit vom √Ėl- und Gassektor sind angesichts der sich verschlechternden Haushaltslage dringend geboten.

Die Regierung will den Knowhow-Transfer und die Ausbildung von qualifiziertem Fachpersonal verbessern. In der beruflichen Bildung wird der Fokus auf die Schaffung von Bildungszentren in Partnerschaft mit Unternehmen gerichtet, die zu einer engeren Verzahnung des Bildungssektors mit der Wirtschaft und bedarfsgerechten Ausbildung beitragen sollen. Landesweit sind Industriezonen mit Clusterbildung im Aufbau begriffen.

Aufgrund sinkender Staats- und Deviseneinnahmen sieht das Haushaltsgesetz 2017 eine Reihe von Einsparma√ünahmen und Steuererh√∂hungen vor. Zus√§tzlich begrenzt die Regierung den Import ausl√§ndischer G√ľter √ľber die Vergabe von Lizenzen f√ľr bestimmte Produktgruppen wie Kfz-Neuwagen, aber auch Zement, Stahlarmierungen und weitere Produkte.

Die Arbeitslosenrate lag im Jahr 2017 bei 5,7¬†%, zudem ist Unterbesch√§ftigung weit verbreitet. Bei Jugendlichen betr√§gt die Arbeitslosenrate im selben Jahr 23,9¬†%. Die Gesamtzahl der Besch√§ftigten wird f√ľr 2017 auf 11,8 Millionen gesch√§tzt; davon sind 18,3¬†% Frauen.

Ordnung und Produktionsstruktur

Planwirtschaft

Nach Erlangung der Unabh√§ngigkeit setzte die regierende Einheitspartei Front de Lib√©ration Nationale (FLN) lange auf staatliche Planwirtschaft und einen „algerischen Sozialismus“. Dank der Einnahmen aus dem √Ėl- und Gasexport konnte sich Algerien eine ineffiziente Staatswirtschaft zun√§chst leisten. Ende der 80er Jahre f√ľhrten sinkende √Ėlpreise, hohe Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot jedoch zu sozialen Spannungen, die sich 1988 schlie√ülich in schweren Unruhen entluden und zum Ausbruch des B√ľrgerkrieges beitrugen.

Nachdem sich die innenpolitische Lage seit Ende der 1990er Jahre deutlich stabilisiert hat, bem√ľht sich die Regierung verst√§rkt um eine Liberalisierung und Privatisierung der Wirtschaft. Das Erbe der fr√ľheren Planwirtschaft, die exzessive B√ľrokratie, weitverbreitete Korruption, ein wenig leistungsf√§higer Bankensektor und die immer noch unsichere innere Lage bilden f√ľr eine rasche Entwicklung privater Unternehmen und ausl√§ndische Investitionen allerdings keine g√ľnstigen Bedingungen.

Staatsunternehmen

Industrie und Bankensektor werden immer noch weitgehend von Staatsunternehmen beherrscht. Bei den Privatisierungsbem√ľhungen in der Industrie stehen D√ľngemittelhersteller, petrochemische und pharmazeutische Unternehmen im Mittelpunkt.

Das Bankenwesen dominieren sechs staatliche Institute. Die f√ľr Mitte 2007 vorgesehene Privatisierung der Bank Cr√©dit Populaire d'Alg√©rie musste wegen der internationalen Finanzmarktkrise verschoben werden. Da die sechs Staatsbanken weiterhin Kredite an unrentable Staatsunternehmen vergeben, machen „faule Kredite“, die nicht zur√ľckgezahlt werden und teilweise vom Staat aufgekauft werden, √ľber 30¬†% des gesamten Kreditportfolios aus. Zudem bleibt die Wirtschaft aufgrund zu geringer Kapitalausstattung der Banken im Vergleich zu den Nachbarn Tunesien oder Marokko mit Krediten unterversorgt. Bartransaktionen dominieren.

Energiewirtschaft

Algeriens Wirtschaft ist weiterhin stark vom Energiesektor abh√§ngig, der von der staatlichen √Ėl- und Gasgesellschaft Sonatrach beherrscht wird. Die √Ėlreserven werden auf 12,2 Milliarden Barrel und die Gasreserven auf 4,5 Billionen Kubikmeter gesch√§tzt. Die Erd√∂l- und Erdgasindustrie hatte 2019 einen Anteil von etwa 20¬†% am BIP und war f√ľr 85¬†% der Exporte verantwortlich.

Geschichte der Erdöl- und Erdgasförderung

Die kommerzielle Erd√∂lf√∂rderung in Algerien begann 1958 in den √Ėlfeldern Edjeleh und Hassi Messaoud. Dabei arbeiteten franz√∂sische Erd√∂lfirmen und die franz√∂sische Kolonialregierung eng zusammen, um eine g√ľnstige, eigene Erd√∂lf√∂rderung innerhalb Frankreichs aufzubauen. Nach der Unabh√§ngigkeit wurde die T√§tigkeit der franz√∂sische √Ėlkonzerne zun√§chst nicht ber√ľhrt, wie in den Vertr√§gen von Evian vereinbart. Nach dieser √úberbeinkunft wurde aber nur ein kleiner Teil der Gewinne an den algerischen Staat abgegeben. Um mehr Geld im Land zu halten, gr√ľndete die Regierung Ben Bella 1963 die Soci√©t√© Nationale de Transport et de Commercialisation des Hydrocarbures (kurz Sonatrach). Nach weiteren Verhandlungen mit Frankreich wuchs der Einfluss des Staatskonzerns, der in den Folgejahren viele Anteile ausl√§ndischer √Ėlfirmen an Projekten in Algerien √ľbernahm. 1969 kontrollierte Sonatrach alle algerischen √Ėlfelder, und hatte Mehrheitsanteile an allen Pipelines und der einzigen Raffinerie des Landes in Algier. Im gleichen Jahr trat das Land der Organisation erd√∂lexportierender L√§nder (OPEC) bei. 1971 verstaatlichte die Regierung Boumedienne auch die Erdgasvorkommen und Pipelines, und √ľbernahm 51¬†% der Anteile aller ausl√§ndischen √Ėlkonzerne in Algerien. Diese Verstaatlichung der franz√∂sischen Erd√∂lgesellschaften in Algerien f√ľhre auch zu internationalen Verstimmungen. Das Verstaatlichungsgesetz (Loi sur les Hydrocarbures, dt. etwa Kohlenwasserstoff-Gesetz) erlaubte auch Joint-Ventures mit ausl√§ndischen Firmen, bei denen Sonatrach aber immer mindestens 51¬†% der Anteile halten musste.

In den folgenden Jahren wandte sich Sonatrach vermehrt der Petrochemie und dem Export von Erdgas zu, z.¬†B. √ľber die Transmed-Pipeline nach Italien. In den 80er-Jahren war die Gesellschaft einer der weltgr√∂√üten Exporteure von Fl√ľssigerdgas (LNG). In den n√§chstenen Jahrzehnten wurden mehrere neue Joint-Ventures mit internationalen Firmen gegr√ľndet, um mehr Erd√∂l und Erdgas zu f√∂rdern und abzusetzen. Dazu geh√∂rte auch der Bau der Meghreb-Europa-Gasleitung (MEG) nach Spanien, sp√§ter erg√§nzt durch die Medgaz-Pipeline. Seit dem neuen Jahrtausend gab es auch Bem√ľhungen, den Einfluss der Regierung auf Sonatrach zu reduzieren und den Markt zu liberalisieren.

Am 20. M√§rz 2005 verabschiedete die Regierung Bouteflika ein neues Kohlenwasserstoff-Gesetz, das die alten Regelungen ersetzte. Sonatrach verlor ihre Rolle als Regulierungsbeh√∂rde und ihr Vertriebsmonopol. Das Gesetz erlaubte au√üerdem ausl√§ndischen Unternehmen, 70¬†% der Anteile an F√∂rderst√§tten und -anlagen zu erwerben. Das Parlament protestierte gegen das Gesetz, sodass es im Juli 2006 wieder ge√§ndert wurde. Danach m√ľssen sich ausl√§ndische √Ėl- und Gasfirmen bei Beteiligungen in Algerien wieder mit Minderheitsanteilen begn√ľgen. Au√üerdem f√§llt eine Sondersteuer an, wenn der √Ėlpreis bei √ľber 30 US-Dollar pro Barrel liegt. Da in den n√§chsten Jahren, auch nach der Weltwirtschaftskrise ab 2007, immer weniger Fremdinvestitionen angezogen werden konnten, folgten drei weitere Gesetzesnovellen. Im Januar 2020 wurde schlie√ülich ein neues Kohlenwasserstoff-Gesetz beschlossen, dass unter anderem Steuern und Z√∂lle im Erdgas- und Erd√∂lsektor senkte und abschaffte.

√Ėl

2019 wurden in Algerien t√§glich 1,1 Millionen Barrel Erd√∂l gef√∂rdert, wovon etwa die H√§lfte exportiert wurde. Der fallende Weltmarktpreis f√ľr √Ėl beeintr√§chtigte die algerische Wirtschaft stark, au√üerdem sind die erschlossenen Erd√∂lfelder zunehmend ersch√∂pft. Die wichtigsten √Ėlfelder im Land waren zu diesem Zeitpunkt Hassi Messaoud und Ourhoud.

Gas

Nach einer Expansionsphase bis 2005 w√§chst die Erdgasf√∂rderung in Algerien in den letzten Jahren eher m√§√üig. Auch die Geiselnahme von In Am√©nas beeintr√§chtigte die F√∂rderung zwei Jahre lang. Geringe Auslandsinvestitionen, die zunehmend ersch√∂pften Gasfelder (darunter das gr√∂√üte Gasfeld Hassi R’Mel) und eine steigende Inlandsnachfrage f√ľhrten dazu, dass der Export von Erdgas seit 2005 r√ľckl√§ufig ist. Es wurden 2018 etwa 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas gef√∂rdert, von denen etwas mehr als die H√§lfte exportiert wurde. Hauptabnehmerl√§nder waren Italien und Spanien, die insgesamt zwei Drittel der Exportmenge ausmachten. Neben den bestehenden drei Gasleitungen (Transmed, MEG, Medgaz) in diese L√§nder gibt es in Algerien auch zwei LNG-Terminals, in B√©thioua und Skikda.

Elektrizitätsversorgung

Algerien lag bzgl. der jährlichen Erzeugung im Jahre 2011 mit 48,05 Mrd. kWh an Stelle 52 und bzgl. der installierten Leistung im Jahre 2013 mit 15,2 GW an Stelle 48 in der Welt. 2011 wurden 99,8 % des Stroms in Gaskraftwerken erzeugt. Laut Energieministerium wurden im Jahre 2011 48,87 Mrd. kWh produziert, davon 9,65 Mrd. (19,8 %) durch Dampfkraftwerke, 15,7 Mrd. (32,1 %) durch GuD-Kraftwerke, 22 Mrd. (45,1 %) durch Gasturbinen und 1,5 Mrd. (3,0 %) durch sonstige Erzeugung. Der Spitzenverbrauch stieg von 4.965 MW im Jahre 2002 auf 8.606 MW im Jahre 2011 an, was einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von 6,3 % entspricht.

Die Soci√©t√© Alg√©rienne de Production de l’Electricit√© (SPE), eine Tochter der staatlichen Sonelgaz verf√ľgte 2009 √ľber eine Erzeugungskapazit√§t von 8.445 MW und erzeugte 2010 24,24 Mrd. kWh. Sie war 2011 der mit Abstand gr√∂√üte Stromerzeuger in Algerien. 2013 schloss SPE einen Vertrag mit GE, der die Errichtung von 6 neuen GuD-Kraftwerken mit einer installierten Leistung von 8 GW vorsieht.

Algerien beabsichtigt auf l√§ngere Sicht auch die Errichtung von Kernkraftwerken. 2014 wurde eine Vereinbarung zwischen der russischen ROSATOM und Algerien unterzeichnet, die eine Zusammenarbeit auf diesem Gebiet vorsieht. Potentielle Standorte f√ľr Kernkraftwerke wurden bereits auf ihre Eignung hin untersucht.

Das Verbundnetz Algeriens ist Teil des South-Western Mediterranean Block (SWMB), der die Stromnetze von Algerien, Marokko und Tunesien umfasst. Seit 1997 ist der SWMB mit dem europäischen Verbundsystem synchronisiert, als ein erstes Drehstrom-Seekabel (400 kV, 700 MW) von Spanien aus nach Marokko verlegt wurde.

Erneuerbare Energien

Zudem sollen die Erneuerbaren Energien stark ausgebaut werden. Ein im Februar 2015 durch die Regierung verabschiedetes Programm sieht vor, bis 2030 eine regenerative Kraftwerkskapazit√§t von 22¬†GW zu errichten.Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren Davon sollen 13,5¬†GW auf die Photovoltaik entfallen, 5¬†GW auf Windenergie, 2¬†GW auf Sonnenw√§rmekraftwerke, 1¬†GW auf Bioenergie, 400¬†MW auf Kraft-W√§rme-Anlagen und 15¬†MW auf Geothermie. Bereits 2011 ging mit dem Kraftwerk Hassi R’Mel das weltweit erste ISCC-Kraftwerk ans Netz, d.¬†h. ein Solar-Hybrid-GuD-Kraftwerk, bei dem ein herk√∂mmliches gasbefeuertes GuD-Kraftwerk durch zus√§tzliche eingekoppelte Solarw√§rme unterst√ľtzt wird. Der Bau weiterer und gr√∂√üerer Anlagen dieses Typs ist geplant.

Diversifizierung

Die Diversifikation der Wirtschaft, die stärkere Entwicklung der Wirtschaft außerhalb der Energiewirtschaft, ist deswegen ein Hauptziel der Regierung. Besondere Hoffnungen werden auf die Branchen Transportwesen, Tourismus, Bauwirtschaft und Informationstechnologie gesetzt. Die Baubranche erhielt bereits einen kräftigen Wachstumsimpuls mit einem staatlichen Investitionsprogramm im Umfang von 60 Milliarden USD, das unter anderem die Errichtung einer Million Neubauwohnungen vorsieht.

Außenwirtschaftliche Liberalisierung

Mit der Umsetzung des am 1. September 2005 in Kraft getretenen Assoziierungsabkommens mit der Europ√§ischen Union (EU) steigt der Wettbewerbsdruck f√ľr algerische Unternehmen. Der Vertrag mit der EU sieht vor, dass innerhalb von zw√∂lf Jahren s√§mtliche Handelsschranken zwischen den beiden Partnern wegfallen und Algerien damit Teil der beabsichtigten Freihandelszone wird. Auch der angestrebte Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) wird Algerien zu einer st√§rkeren √Ėffnung seiner M√§rkte zwingen.

Die Bildung der Mittelmeerunion mit den EU-Staaten zeigt deutlich, welch hohe Bedeutung die rohstoffreichen Mittelmeeranrainer f√ľr die EU – insbesondere im Hinblick auf die Energieversorgung – haben. Die Bem√ľhungen der EU um eine st√§rkere Streuung ihrer Energiebezugsquellen lassen Algerien, das heute schon rund 25¬†% der Erdgasimporte der EU liefert, zu einem immer wichtigeren Handelspartner werden.

Am 22. Juli 2009 hat sich die algerische Regierung entschlossen, das Wochenende von Donnerstag/Freitag auf Freitag/Samstag zu verlegen. Diese Regelung soll ab dem 14. August 2009 gelten. Dadurch soll ein Wachstum des BIP von 1,2 Prozent erzielt werden. Da sich Algerien seit 1976 lediglich drei Wochentage mit den westlichen Industrienationen teilt, sind laut Berechnungen der Weltbank jährliche Verluste zwischen 500 und 700 Mio. US-Dollar entstanden.

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Wachstum, Inflation, Arbeitsmarkt

2016 konnte Algerien ein Wirtschaftswachstum von 3,3¬†% verzeichnen. Aufgrund des niedrigeren √Ėlpreises lag das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr niedriger, als es noch bei 3,8¬†% lag. Die Produktion au√üerhalb des √Ėl- und Gassektors steigt seit 2003 stabil um rund 4 bis 5¬†%. Staatliche Investitionsprogramme, vor allem f√ľr die Schaffung von Wohnraum und den Ausbau der Infrastruktur, tragen dazu wesentlich bei.

Der Anstieg der Verbraucherpreise beschleunigte sich 2008 bei stark steigenden Lebensmittelpreisen zwar, blieb mit 4,4¬†% aber relativ niedrig. Dabei ist zu ber√ľcksichtigen, dass etwa die Energiepreise in Algerien staatlich reguliert sind.

Eine anhaltende Herausforderung f√ľr die algerische Regierung ist die Bek√§mpfung der Arbeitslosigkeit. Nach offiziellen Angaben lag sie 2019 bei 11,7¬†%. Besonders hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit, sie wurde 2019 mit 29,1¬†% angegeben.

Exporterlöse

Beg√ľnstigt wurde die gesamtwirtschaftliche Entwicklung seit 2003 von kr√§ftig steigenden √Ėl- und Gaspreisen. Sie sorgten daf√ľr, dass sich die Exporterl√∂se von 2003 bis 2007 auf rund 60¬†Mrd. US-Dollar verdoppelten. Der √úberschuss in der Leistungsbilanz erh√∂hte sich auf knapp ein Viertel des BIP, wozu auch die √úberweisungen von im Ausland besch√§ftigten Algeriern beitrugen.

Dank der stark gestiegenen staatlichen Einnahmen aus dem √Ėl- und Gassektor hatte Algerien auch hohe √úbersch√ľsse im Staatshaushalt vorzuweisen. Sie flie√üen zum Teil als Ersparnisse in den sogenannten „Einnahmen-Regulierungs-Fonds“ (FRR). Mittel aus diesem Fonds wurden auch zur Tilgung algerischer Auslandsschulden verwendet, die von rund 58¬†% des BIP im Jahr 1999 auf rund 2,5¬†% des BIP im Jahr 2009 abgebaut wurden.

Die internationalen W√§hrungsreserven erreichten zum 31. Dezember 2009 dank hoher Einnahmen aus dem √Ėl- und Gassektor rund 150 Milliarden US-Dollar.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 66,45 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 42,69 Mrd. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 14,7¬†% des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2016 32,8 Mrd. US-Dollar oder 20,4 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit¬†: 4,2 %
  • Bildung¬†: 5,1 % (1999)
  • Milit√§r¬†: 3,3 %

Sektorale Wirtschaftsentwicklung

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft trug nach Angaben der deutschen Bundesagentur f√ľr Au√üenwirtschaft 2006 knapp 8¬†% zur gesamtwirtschaftlichen Produktion bei. Sie besch√§ftigt ca. 1,2 Mio. Erwerbst√§tige.

Eine intensive landwirtschaftliche Nutzung ist nur auf einem schmalen Streifen im Norden m√∂glich. Lediglich 3¬†% der Landesfl√§che sind Acker- und Dauerkulturland, das sich √ľberwiegend in Privatbesitz befindet. Die extensive, zum Teil nomadische Viehhaltung konzentriert sich auf das Hochland der Schotts und die n√∂rdliche Sahara. In den W√§ldern des Tellatlas wird Kork gewonnen.

Die wichtigsten Agrarprodukte sind Getreide, Zuckerr√ľben, Kartoffeln, H√ľlsenfr√ľchte, Tomaten, Oliven, Datteln, Feigen, Tabak, Wein und Zitrusfr√ľchte. In Treibh√§usern aus Kunststoff-Folie wird Fr√ľhgem√ľse f√ľr den Export kultiviert.

In Algerien gibt es etwa 15 Mio. Dattelpalmen, die meisten davon in den Oasen. Sie liefern jährlich einen Ertrag von ca. 500.000 Tonnen Datteln unterschiedlicher Qualität. Die weichen, hochwertigen Sorten werden teilweise nach Europa exportiert, die harten, widerstandsfähigen Sorten werden auch in viele Länder Schwarzafrikas verkauft, die sich dort wegen ihrer Haltbarkeit im tropischen Klima großer Beliebtheit erfreuen.

Weniger als 40¬†% des Nahrungsmittelbedarfs werden durch Eigenproduktion gedeckt. Algerien ist der wichtigste Nahrungsmittelimporteur Afrikas: Nur 20¬†% bei Getreide und Getreideprodukte, 20¬†% bei Gem√ľse, 60¬†% bei Milch und 95¬†% bei rotem Fleisch werden im Inland produziert. 95¬†% des rohen Speise√∂ls und praktisch der gesamte Rohzucker und Kaffee werden importiert.

Bergbau

Als Bodenschätze werden in Algerien außer Erdöl und Erdgas auch Eisen-, Kupfer-, Blei- und Zinkerze sowie Quecksilber und Phosphat abgebaut.

Industrie und Handel

Die Schwerpunkte im industriellen Bereich liegen bei der Erd√∂l- und Erdgasverarbeitung sowie bei der Eisen- und Stahlindustrie und den darauf basierenden metallverarbeitenden Zweigen. Hinzu kommen die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, zum Beispiel eine Speise√∂l-Raffinerie und eine Zuckerraffinerie in der Hafenstadt Oran, die D√ľngemittelproduktion und die Baustoffindustrie.

Ausgef√ľhrt wurden 2007 Waren im Wert von insgesamt 59,9 Mrd. US$, zu 98¬†% Roh√∂l, Erdgas und Erd√∂lerzeugnisse. Hauptabnehmerl√§nder waren die USA (27¬†%), Italien (15¬†%), Spanien (10¬†%), Kanada (8¬†%) und Frankreich (7,5¬†%).

Importiert wurden 2007 Waren im Wert von insgesamt 25,2 Mrd. US$, und zwar zu 37¬†% Ausr√ľstungsg√ľter, zu 31¬†% Produktionsg√ľter, zu 18¬†% Nahrungsmittel, zu 15¬†% Konsumg√ľter. Hauptlieferanten waren zu 17¬†% Frankreich, zu 9¬†% Italien, zu 8¬†% China, zu 8¬†% die USA und zu 6¬†% Deutschland.

Handelsbeschränkungen

Um unerw√ľnschte und qualitativ minderwertige Einfuhren zu vermeiden, bestimmte die Zentralbank Algeriens im Februar 2009 mit der Mitteilung N¬į16/DGC/2009, dass drei Dokumente beim Import von Waren vorgelegt werden. Die Vorlage ist mit sofortiger Wirkung obligatorisch, wenn per „remise documentaire“ (Export-Inkasso) oder „cr√©dit documentaire“ (Export-Akkreditiv) gezahlt wird. Es handelt sich hierbei um die drei folgenden Zertifikate:

  • certificat phytosanitaire
  • certificat d’origine
  • certificat de contr√īle de qualit√© de la marchandise

Die Zertifikate m√ľssen im Land des Exporteurs f√ľr jede Lieferung ausgestellt werden. Die ersten zwei Zertifikate wurden bisher bei der Einfuhr nach Algerien verlangt, neu ist die obligatorische Vorlage des „certificat de contr√īle de qualit√© de la marchandise“ f√ľr jede Lieferung, es muss von einer unabh√§ngigen Pr√ľf-Organisation wie dem T√úV Hessen ausgestellt werden. Liegen die drei Dokumente bei der Wareneinfuhr nicht vor, wird die „Domilizierung“ bei der algerischen Bank nicht akzeptiert und die Waren k√∂nnen nicht zollamtlich abgefertigt werden. Das Zertifikat muss nach Angaben der algerischen Banken die Qualit√§t des Produkts und die Normenkonformit√§t mit algerischen Standards oder den entsprechenden internationalen Standards und Normen best√§tigen.

Kennzahlen

Infrastruktur

Verkehrswesen

Das Verkehrsnetz ist auf Nordalgerien konzentriert.

Die wichtigsten Hafenst√§dte sind Algier, Annaba, Oran, Bejaia, Skikda und B√©thioua, von denen F√§hrverbindungen √ľber das Mittelmeer ausgehen.

Das Schienennetz der algerischen Eisenbahn (SNTF) hat eine L√§nge von 3810 Kilometern, wovon 386,3 Kilometer elektrifiziert sind. Die wichtigste Bahnstrecke des algerischen Schienenverkehrs verl√§uft in West-Ost-Richtung meist im Tellatlas parallel zur K√ľste und hat Anschluss an das marokkanische und tunesische Eisenbahnnetz. Von ihr gehen Stichstrecken sowohl zu den Hafenst√§dten als auch nach S√ľden an den Rand der Sahara aus. F√ľr das im Jahr 2009 in Algier er√∂ffnete, 160 km/h schnelle S-Bahn-System wurden 64 vierteilige elektrische Triebz√ľge der Bauart FLIRT bei Stadler in der Schweiz bestellt.

Die Stra√üen (insgesamt 180.000¬†Kilometer, davon rund 85¬†% asphaltiert) gehen s√ľdlich des Atlasgebirges meist in W√ľstenpisten √ľber. 2007 wurde mit dem Bau eines gro√üen Infrastrukturprojektes, der 1216¬†km langen, sechsspurigen Ost-West-Autobahn A1 (Teil der „Transmaghr√©bine“), begonnen und mit Hilfe zahlreicher internationaler Baufirmen bereits Mitte 2010 weitgehend fertiggestellt. Der Bau einer zweiten Ost-West-Autobahn wurde Anfang 2014 begonnen. Die befestigten Stra√üen im S√ľden des Landes verlaufen im Wesentlichen in Nord-S√ľd-Richtung und verbinden Algerien mit den Nachbarstaaten Niger (N¬†1) und Mali (N¬†6) sowie der Grenzregion zwischen Mauretanien und der von Marokko beanspruchten West-Sahara (N¬†50).

Internationale Flughäfen gibt es unter anderem in Algier (ALG), Oran (ORN), Annaba (AAE) und Chlef (QAS).

Da die Verkehrsinfrastruktur die wirtschaftliche Entwicklung Algeriens besonders hemmt, hat die Regierung im Jahr 2005 einen F√ľnf-Jahres-Plan ausgearbeitet, nach dem die Verkehrsinfrastruktur durch Joint Ventures mit dem privaten Sektor modernisiert werden soll. Gro√ües Aufholpotential besteht verglichen mit den Nachbarl√§ndern auch im Tourismus. 70 Prozent der heutigen Touristen sind Algerier, die Freunde oder die Familie besuchen.

Pipelines

Stand 2020 gibt ist Algerien an drei internationale Gasleitungen angeschlossen, außerdem gibt es mehrere inländische Pipelines.

  • Die 1070¬†km lange Transmed-Pipeline, auch Enrico-Mattei-Pipeline genannt, f√ľhrt vom Gasfeld Hassi R’Mel in der algerischen Sahara √ľber Tunesien nach Sizilien. Die 1978–1983 gebaute Gasleitung ist die wichtigste und √§lteste internationale Gaspipeline Algeriens. 1995 wurde die Jahreskapazit√§t auf 24¬†Mrd. Kubikmetern verdoppelt, und sp√§ter noch auf 32 Mrd. Kubikmeter pro Jahr erh√∂ht.
  • Die 1375¬†km lange Maghreb-Europa-Gasleitung (MEG), auch Pedro-Duran-Farrel-Pipeline genannt, verbindet Hassi R’Mel √ľber Marokko und die Stra√üe von Gibraltar mit C√≥rdoba. Dort ist sie mit dem spanischen und portugiesischen Gasnetz verbunden. Die im November 1996 er√∂ffnete Pipeline hatte zun√§chst eine Jahreskapazit√§t von 8,5 Mrd. Kubikmeter pro Jahr, die 2005 auf 12,5 Mrd. Kubikmeter erweitert wurde.
  • Die Medgaz-Pipeline, die zwischen dem Erdgasfeld Hassi R’Mel in Algerien und dem spanischen Festland an der K√ľste von Almer√≠a verl√§uft, wurde 2011 er√∂ffnet. Sie hat eine Kapazit√§t von 8,5 Mrd. Kubikmeter pro Jahr.

Weitere internationale Gasleitungen sind bislang nur geplant:

  • Die GALSI -Pipeline von Hassi R’Mel √ľber El Kala nach Sardinien und von dort nach Norditalien ist seit etwa 2004 in Planung. Nach mehreren Verz√∂gerungen und Ver√§nderungen im Markt wird das Projekt Stand 2020 nicht mehr weitergef√ľhrt.
  • L√§ngerfristig vorgesehen ist ein Anschluss an die geplante 4400¬†km lange Transsahara-Pipeline von Nigeria nach Algerien und Spanien. 2009 unterzeichneten Nigeria, Niger und Algerien ein Abkommen, doch bis 2018 war das Projekt laut einem Regierungsbeamten nicht √ľber eine erste Planungsphase hinausgekommen. Grund daf√ľr sollen auch die Probleme der nigerianischen Gasindustrie sein, ihre Liefervertr√§ge f√ľr Westafrika zu erf√ľllen.

Raumfahrt

Die Agence Spatiale Alg√©rienne (ASAL) ist die Weltraumorganisation Algeriens. Sie wurde im Jahr 2002 gegr√ľndet.

Kultur

Die algerische Kultur wird durch Einfl√ľsse der fr√ľheren Kolonialmacht, berberische und arabische Traditionen bestimmt. Seit den 1980er Jahren kam es verst√§rkt zu Auseinandersetzungen zwischen Berbern und der Zentralregierung, bei denen zahlreiche Menschen von der Gendarmerie umgebracht worden sind. Im Jahre 2001 beispielsweise wurden √ľber 100 Menschen auf offener Stra√üe erschossen. Im Zuge der 2004 angestrebten Parlamentswahlen machte die Regierung Bouteflika den Berbern schlie√ülich Zugest√§ndnisse (Berberisch an Schulen). Erst seit kurzem ist die Berbersprache eine offiziell anerkannte Amtssprache.

Literatur

Mohammed Dib musste nach dem Erscheinen seiner ersten Romane in den 1950er Jahren Algerien verlassen. Die algerische Literatur stellt sich heute als Exilliteratur dar, da die Schriftsteller aufgrund der politischen Repression mit wenigen Ausnahmen den Weg ins Ausland gesucht haben. Bekannte Vertreter sind Assia Djebar, Rachid Boudjedra, Ma√Įssa Bey, Yasmina Khadra oder Boualem Sansal. Die algerische Literatur ist stark vom arabischen Kulturerbe beeinflusst. Allerdings gibt es auch ein Kulturerbe der berberischen Minderheit. Viele berberische Autoren schreiben in franz√∂sischer Sprache und Tamazight.

Rundfunk

Radio Alg√©rienne ist der nationale Rundfunk Algeriens. Sein Auslandsdienst sendet auf mehreren Kurzwellenfrequenzen Koranprogramme an, die √ľber einen Sender in Issoudun, Frankreich ausgestrahlt werden. Audio-Livestreams in arabischer Sprache sind √ľber das Internet zug√§nglich. Der Inlandsdienst von Radio Alg√©rienne sendet auf Lang- und Mittelwelle.

Sport

Olympische Spiele

Bislang konnten f√ľnf algerische Sportler bei Olympischen Spielen eine Goldmedaille gewinnen:

  1. Hassiba Boulmerka (1992 РLeichtathletik, 1500 m, Frauen)
  2. Noureddine Morceli (1996 РLeichtathletik, 1500 m, Männer)
  3. Hocine Soltani (1996 – Boxen, Mittelgewicht 71–75¬†kg, M√§nner)
  4. Nouria Mérah-Benida (2000 РLeichtathletik, 1500 m, Frauen)
  5. Taoufik Makhloufi (2012 РLeichtathletik, 1500 m, Männer)

Fußball

Schon seit den 1930er Jahren spielten algerische Fußballer eine wichtige Rolle in der französischen Profiliga (siehe auch hier).

Die algerische Fu√üballnationalmannschaft konnte sich bisher viermal f√ľr die Endrunde einer Fu√üball-Weltmeisterschaft qualifizieren: 1982, 1986, 2010 und zuletzt 2014, wo man erstmals ins Achtelfinale einziehen konnte und dort in einem umk√§mpften Spiel mit 1:2 nach Verl√§ngerung gegen Deutschland unterlag. 2019 gewann Algerien den Afrika-Cup.

Der Kabyle Rabah Madjer war der erste Fu√üballspieler aus Afrika, der den Europapokal der Landesmeister, die heutige Champions League gewinnen konnte, und zwar mit seinem portugiesischen Klub FC Porto. Legend√§r ist immer noch sein Hackentrick-Tor im Finale 1987 in Wien gegen den FC Bayern M√ľnchen. Der dreimalige Weltfu√üballer Zin√©dine Zidane wurde als Sohn algerisch-kabylischer Einwanderer geboren, spielte allerdings nur f√ľr Frankreich.

Radsport

Seit 1949 wird in unregelm√§√üigen Abst√§nden die Tour d’Alg√©rie der Radsportler ausgetragen, ein internationales Etappenrennen.

Rallyesport

Bis zum Ende der 1980er Jahre f√ľhrte die Rallye Paris-Dakar durch Algerien.

Siehe auch

  • Algerienfranzosen
  • Liste der algerischen Botschafter in Deutschland
  • Liste der algerischen Botschafter in der Deutschen Demokratischen Republik

Literatur

  • AG Friedensforschung an der Universit√§t Kassel: Algerien-Berichte; Algerien (Friedensratschlag).
  • Amnesty International: Algerien.
  • Birgit Agada: Kultur und Natur zwischen Mittelmeer und Sahara, Reisef√ľhrer, Trescher Verlag, Berlin, 2. Auflage 2015, ISBN 978-3-89794-300-1.
  • Donata Kinzelbach: Algerien – ein Land holt auf! (mit Fotos), Mainz 2015, ISBN 978-3-942490-25-2.
  • Bernhard Schmid: Das koloniale Algerien. Unrast, M√ľnster 2006, ISBN 3-89771-027-7.
  • Bernhard Schmid: Algerien – Frontstaat im globalen Krieg? Neoliberalismus, soziale Bewegungen und islamistische Ideologie in einem nordafrikanischen Land. M√ľnster 2005, ISBN 3-89771-019-6.
  • Eva Dingel: Der algerische B√ľrgerkrieg 1992–2002: Hintergr√ľnde eines Krieges ohne Namen. 2004.
  • Romain Leick: Algerien: Salafisten und GIA-K√§mpfer. In: Spiegel special. 2/2004, 29. Juni 2004. (Spiegel Online).
  • Khadija Katja W√∂hler-Khalfallah: Der islamische Fundamentalismus, der Islam und die Demokratie. Algerien und Tunesien: Das Scheitern postkolonialer „Entwicklungsmodelle“ und das Streben nach einem ethischen Leitfaden f√ľr Politik und Gesellschaft. VS Verlag f√ľr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004.
  • Bertelsmann Stiftung: Bertelsmann Transformationsindex 2003, Algerien.
  • Fabio Maniscalco (ed.): Protection of cultural property in Algerie. monographic series (= Mediterraneum. Protection and valorization of cultural heritage. vol 3). Naples 2003, ISBN 88-87835-41-1.
  • Thomas Hasel: Machtkonflikt in Algerien. (= Nahost-Studien. 3). Verlag Hans Schiler, Berlin 2002, ISBN 3-89930-190-0.
  • Habib Souaidia: Schmutziger Krieg in Algerien – Bericht eines Ex-Offiziers der Spezialkr√§fte der Armee (1992–2000). Chronos-Verlag, 2001, ISBN 3-0340-0537-7.
  • William Quandt: Soci√©t√© et pouvoir en Alg√©rie. √©dit√© par Casbah, 1999.
  • Sabine Kebir: Algerien. Zwischen Traum und Alptraum. 1998, ISBN 3-612-26194-0.
  • Werner Ruf: Die algerische Trag√∂die: vom Zerbrechen des Staates einer zerrissenen Gesellschaft. Agenda, M√ľnster 1997.
  • Severine Labat: Les islamistes algeriens: Entre les urnes et les maquis. Edition du Seuil, Paris 1995.
  • Ursula und Wolfgang Eckert: Algerische Sahara. Ein Reisehandbuch. zweite, √ľberarbeitete und erweiterte Auflage. DuMont Buchverlag, K√∂ln 1984, ISBN 3-7701-1317-9.
  • Hans Strelocke: Algerien: Kunst, Kultur und Landschaft. Von den St√§tten der R√∂mer zu den Touaregs der zentralen Sahara. DuMont Schauberg, K√∂ln 1974, ISBN 3-7701-0721-7.

Englischsprachig

  • Rachid Tlem√ßani: Algeria Under Bouteflika: Civil Strife and National Reconciliation. Carnegie Endowment Paper, March 2008.
  • Library of Congress – Federal Research Division Country Profile: Algeria, May 2008; LC (PDF; 191¬†kB)

Wirtschaft

  • Bundesagentur f√ľr Au√üenwirtschaft: Algerien. Wirtschaftsdaten kompakt. November 2019
  • Germany Trade & Invest: Die wichtigsten Wirtschaftsinformationen zu Algerien auf einen Blick, 14. April 2014
  • Bayerische Landesbank, L√§nderanalyse Algerien, Januar 2008 (Memento vom 24. M√§rz 2013 im Internet Archive)
  • Marion M√ľhlberger: Algerien: Der rohstoffreiche Mittelmeeranrainer findet zu einem Neubeginn, in: B√∂rsenzeitung, 31. M√§rz 2008
  • Hans Seidenst√ľcker: Erste Fortschritte. In: MenaBusiness. 02/2008.

Wirtschaft (Englisch- und französischsprachig)

  • International Monetary Fund: Algeria and the IMF
  • World Bank: Country Brief Algeria
  • World Bank: MENA Economic Developments and Prospects, June 2008
  • African Development Bank/OECD: African Economic Outlook: Chapter Algeria; May 2008

Weblinks

  • Pr√§sidentschaft der Republik Algerien (arabisch, franz√∂sisch)
  • Portal des Premierministers (arabisch, franz√∂sisch)
  • Library of Congress – Federal Research Division Country Profile: Algeria (PDF; 191¬†kB), May 2008
  • L√§nder√ľbersicht Algerien auf der Webpr√§senz des Ausw√§rtigen Amtes
  • Algeria country profile auf BBC News (englisch)
  • CIA World Factbook: Algeria (Abgerufen am 10. Januar 2009) (englisch)
  • Key points of draft revised Constitution. In: aps.dz. Archiviert vom Original am 5.¬†Januar 2016; abgerufen am 24.¬†Februar 2020 (englisch).¬†

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (48)

Bezeichnung der Regionen: Wilayat
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Adrar 31.659 18.976 -5.661 3.79  
A√Įn Defla 36.443 35.86 1.553 2.661  
Ain Temouchent 35.623 35.087 -1.362 -0.629  
Alger 36.815 36.65 2.966 3.23  
Annaba 37.083 36.612 7.263 7.799  
Batna 35.916 34.764 4.777 6.787  
B√©char 32.327 28.207 -6.036 0.399  
B√©ja√Įa 36.898 36.223 4.356 5.475  
Biskra 35.288 33.573 4.184 6.75  
Blida 36.713 36.353 2.476 3.51  
Bordj Bou Arr√©ridj 36.425 35.777 4.084 5.254  
Bouira 36.696 35.861 3.283 4.404  
Boumerdes 36.917 36.597 3.173 4.039  
Chlef 36.548 35.842 0.702 1.719  
Constantine 36.608 36.107 6.318 7.048  
Djelfa 35.805 32.841 2.286 5.122  
El Bayadh 34.438 30.709 -0.401 2.345  
El Meniaa 33.03 29.036 1.943 4.978  
El Oued 34.5 32 5.008 9.063  
El Tarf 36.958 36.404 7.65 8.642  
Guelma 36.726 36.043 6.938 7.988  
Illizi 30.023 24 5.816 11.71  
Jijel 36.935 36.524 5.427 6.478  
Khenchela 35.684 34.161 6.511 7.545  
Laghouat 34.693 32.696 1.336 4.176  
M'Sila 36.029 34.232 3.38 5.38  
Mascara 35.784 35.021 -0.545 0.88  
M√©d√©a 36.49 35.439 2.158 3.634  
Mila 36.624 35.893 5.737 6.525  
Mostaganem 36.338 35.682 -0.114 0.741  
Na√Ęma 34.314 32.105 -1.747 0.086  
Oran 35.907 35.295 -1.106 -0.114  
Ouargla 33.442 28.462 2.986 9.519  
Oum el Bouaghi 36.192 35.448 6.148 7.866  
Relizane 36.201 35.436 0.229 1.412  
Sa√Įda 35.161 33.915 -0.5 0.857  
S√©tif 36.591 35.632 4.785 5.983  
Sidi Bel Abb√®s 35.429 34.215 -1.12 -0.053  
Skikda 37.094 36.433 6.248 7.384  
Souk Ahras 36.492 35.831 7.325 8.359  
Tamanrasset 29.124 19.061 0.825 11.968  
T√©bessa 36.004 34.108 7.136 8.431  
Tiaret 35.69 34.069 0.492 2.62  
Tindouf 29.846 25.509 -8.683 -2.974  
Tipaza 36.816 36.367 1.648 3.035  
Tissemsilt 36.006 35.544 1.246 2.312  
Tizi Ouzou 36.912 36.466 3.734 4.648  
Tlemcen 35.32 34.092 -2.222 -0.758  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

 

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Algeria

Name englisch: Algeria
Hauptstadt: Algiers
Kfz: DZ
ISO: DZ
ISO3: DZA
Fläche: 2381740 km²
Tld: .dz
Wärung Einheit: DZD
Währung: Dinar
Vorwahl: 213

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 37.089829
südlichster Punkt: 18.968147
westlichster Punkt: -8.6666671
östlichster Punkt: 11.9999997


 
Algerien: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
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