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Staat Informationen : Italien

Informationen:


Italien (italienisch Italia [iňątaňźlja], amtlich Italienische Republik, italienisch Repubblica Italiana [reňąpubblika itaňąljaňźna]) ist ein Staat in S√ľdeuropa; seine Hauptstadt ist Rom.

Das italienische Staatsgebiet liegt zum gr√∂√üten Teil auf der vom Mittelmeer umschlossenen Apennin¬≠halbinsel und der Po-Ebene sowie im s√ľdlichen Gebirgsteil der Alpen. Der Staat grenzt an Frankreich, die Schweiz, √Ėsterreich und Slowenien. Die Kleinstaaten Vatikanstadt und San Marino sind vollst√§ndig vom italienischen Staatsgebiet umschlossen. Neben den gro√üen Inseln Sizilien und Sardinien sind mehrere Inselgruppen vorgelagert.

Als Kreuzweg der Zivilisationen des Mittelmeerraumes ist der italienische Beitrag zum kulturellen und historischen Erbe Europas und der Welt beachtenswert, das Gebiet des heutigen Italien war in der Antike die Kernregion des Römischen Reiches, die oberitalienische Toskana war das Kernland der Renaissance, ihr folgte von Rom ausgehend die Epoche des Barock.

Mit dem Risorgimento entstand der moderne italienische Nationalstaat: Von 1861 bis 1946 bestand unter dem Haus Savoyen das K√∂nigreich Italien, das rapide industrialisiert wurde, zu einer europ√§ischen Gro√ümacht aufstieg und ab den 1880er Jahren ein Kolonialreich in Nord- und Ostafrika errichtete. Die kostspielige und verlustreiche Teilnahme am Ersten Weltkrieg von 1915 bis 1918 f√ľhrte zwar zur Vergr√∂√üerung des Staatsgebietes, aber auch zu schweren sozialen Unruhen und ebnete den italienischen Faschisten unter Benito Mussolini den Weg zur Macht. Das faschistische Regime herrschte von 1922 bis 1943/45 √ľber Italien und f√ľhrte das Land 1940 auf der Seite der Achsenm√§chte in den Zweiten Weltkrieg. Die Kriegsniederlage f√ľhrte zum Verlust der Kolonien und zu vergleichsweise geringf√ľgigen Gebietsabtretungen an den Nachbarstaat Jugoslawien. Im Juni 1946 beendete eine Volksabstimmung die Monarchie; die heutige Republik wurde ausgerufen.

Italien ist Mitinitiator der Europ√§ischen Integration und Gr√ľndungsmitglied der Europ√§ischen Union, des Europarates und der Lateinischen Union. Das Land ist Mitglied der G7, der G20, der NATO, der Vereinten Nationen (UNO), der Organisation f√ľr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Welthandelsorganisation (WTO).

Italien zählt laut Index der menschlichen Entwicklung als Industriestaat zu den höchstentwickelten Ländern der Erde und ist gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Land genießt einen hohen Lebensstandard sowie Bildungsgrad und besitzt eine der höchsten Lebenserwartungen. Italien ist das Land mit den meisten Welterbestätten der UNESCO (58) und mit rund 65 Millionen Touristen jährlich eines der meistbesuchten Länder der Welt.

Etymologie

F√ľr die Herkunft des Wortes Italia existieren zahlreiche Hypothesen. Eine davon ist, dass der Name √ľber das Griechische aus dem oskischen V√≠teli√ļ ("Land der K√§lber" von vitulus "Kalb") entlehnt ist. Der griechische Historiker Dionysius von Halikarnassos stellt diese Behauptung zusammen mit der Legende auf, dass Italien nach Italos benannt wurde, der auch von Aristoteles und Thukydides erw√§hnt wird.

Nach Antiochus von Syrakus bezeichneten die Griechen mit dem Begriff Italien zun√§chst nur den s√ľdlichen Teil der Halbinsel Bruttium, welcher der Region um die heutigen Gemeinden Reggio sowie zum Teil Catanzaro und Vibo Valentia entspricht. Zur Zeit Antiochus wurde die umfassendere Bezeichnung von Oinotria und "Italien" jedoch synonym verwendet und der Name galt auch f√ľr den gr√∂√üten Teil von Lucania. Strabons "Die Geographie" zufolge wurde der Name vor der Expansion der r√∂mischen Republik von den Griechen verwendet, um das Land zwischen der Stra√üe von Messina und der Verbindungslinie zwischen dem Golf von Salerno und dem Golf von Tarent zu bezeichnen. Diese Abgrenzung entspricht in etwa der heutigen Region Kalabrien. Nach und nach kamen die Griechen dazu, den Namen "Italia" auf eine gr√∂√üere Region anzuwenden. Zus√§tzlich zur Hypothese des "griechischen Italien" im S√ľden haben Historiker die Existenz eines "etruskischen Italiens" vorgeschlagen, das verschiedene Gebiete Mittelitaliens abdeckt.

Dagegen sind die Grenzen des r√∂mischen Italiens, Italia, besser festgelegt. Catos Origines, das erste in Latein verfasste Geschichtswerk, beschrieb Italien als die gesamte Halbinsel s√ľdlich der Alpen. Nach Cato und mehreren r√∂mischen Autoren bildeten die Alpen die "Mauern Italiens". Im Jahr 264 v. Chr. erstreckte sich das r√∂mische Italien von den Fl√ľssen Arno und Rubicon im n√∂rdlichen Zentrum der Halbinsel bis in den gesamten S√ľden. Das n√∂rdliche Gebiet des Gallia cisalpina, des Galliens diesseits der Alpen, wurde in den 220er Jahren v. Chr. von Rom besetzt und galt geographisch und de facto als Teil Italiens. Es blieb jedoch zun√§chst politisch und de jure getrennt, bis es 42 v. Chr. durch den Triumvirat Octavian als Umsetzung der unver√∂ffentlichten Akte Caesars (Acta Caesaris) rechtlich in die Verwaltungseinheit Italiens eingegliedert wurde. Die Inseln Sardinien, Korsika, Sizilien und Malta wurden 292 n. Chr. durch Diokletian zu Italien hinzugef√ľgt.

Geographie

Italien liegt auf einer von Nordwest nach S√ľdost gerichteten Halbinsel, die in ihrer Form an einen Stiefel erinnert. Die maximale Nord-S√ľd-Ausdehnung betr√§gt etwas weniger als 1200¬†km, in Ost-West-Richtung betr√§gt die maximale Ausdehnung etwa 700 km. Angrenzende Staaten sind Frankreich (L√§nge der gemeinsamen Staatsgrenze: 488¬†km), die Schweiz (734,2¬†km), √Ėsterreich (430¬†km), Slowenien (232¬†km) sowie die Enklaven San Marino (39¬†km) und die Vatikanstadt (3¬†km). Die Landesgrenzen haben eine Gesamtl√§nge von etwa 2000¬†km. Italien besitzt mit Campione d‚ÄôItalia eine von der Schweiz umgebene Exklave. Eine weitere Grenze ist die zu Kroatien (Seegrenze). Die gesamte K√ľstenl√§nge betr√§gt 7600¬†km.

Morphologie

Der Gebirgszug des Apennins durchzieht das Land entlang der Längsachse und erreicht mit 2912 m seine größte Höhe im Gran Sasso. Im Norden gehört ein großer Teil der Alpen zu Italien: Höchster Gipfel ist der Mont Blanc (Monte Bianco) mit 4810 m, welcher an der Grenze zu Frankreich liegt. (Der Grenzverlauf auf dem Mont Blanc ist allerdings umstritten. Nach französischer Auffassung ist der Mont Blanc de Courmayeur mit seinen 4748 m der höchste Gipfel Italiens.) Das höchste Bergmassiv, das vollständig auf italienischem Boden steht, ist der Gran Paradiso mit 4061 m in den Grajischen Alpen.

Entlang der Westk√ľste ziehen sich von Norden in Richtung S√ľden unter anderem die Italienische Riviera in Ligurien und der Golf von Neapel in Kampanien. Die Ostk√ľste wird von Triest bis zum Gargano im Norden Apuliens (nach anderen Darstellungen: bis zur Stra√üe von Otranto) als die italienische Adriak√ľste bezeichnet.

Die Po-Ebene (ital. Pianura Padana) im Norden ist mit einer Fläche von 50.000 km² die größte Ebene Italiens.

Gewässer

Hydrografisch geh√∂rt Italien fast ausschlie√ülich zum Mittelmeer. Einzig das Tal des Lago di Livigno und der oberste Teil des Val d‚ÄôUina entw√§ssern √ľber Inn und Donau ins Schwarze Meer. Dorthin entw√§ssert ebenfalls die Drau, die im Pustertal in S√ľdtirol entspringt, sowie die Gailitz, die das Gebiet um Tarvis durchflie√üt. Ferner entw√§ssert das Tal des Lago di Lei √ľber den Rhein in die Nordsee. Die l√§ngsten Fl√ľsse sind der Po (652¬†km), die Etsch (410¬†km) und der Tiber (405¬†km), gefolgt von der Adda und dem Oglio. Zu den gr√∂√üten italienischen Seen z√§hlen der Gardasee, der Lago Maggiore und der Comer See in Oberitalien sowie der Bolsenasee und der Trasimenische See in Mittelitalien.

Inseln

Zu Italien geh√∂ren die gro√üen Mittelmeerinseln Sizilien und Sardinien sowie die Inselgruppen der Liparischen und √Ągadischen Inseln n√∂rdlich sowie westlich von Sizilien. Rund um Sardinien liegen zahlreiche kleine Inseln, unter anderem Sant‚ÄôAntioco, Asinara, San Pietro und die Inselgruppe La Maddalena. Die Pontinischen Inseln erstrecken sich vor der K√ľste Latiums. Im Tyrrhenischen Meer befinden sich zudem der Kampanische Archipel (darunter die Inseln Capri und Ischia), der Toskanische Archipel (auch Elba) und die Liparischen Inseln. In der Adria liegen die Tremiti-Inseln. Die Pelagischen Inseln, zu denen auch Lampedusa geh√∂rt, und die Insel Pantelleria geh√∂ren geologisch bereits zu Afrika.

Geologie

Aufgrund der geologischen Verh√§ltnisse kommt es immer wieder zu Erdbeben in Italien. Das heftigste Beben des 20.¬†Jahrhunderts mit einer St√§rke von 7,2 auf der Richterskala ereignete sich im Jahr 1908 in Messina und Reggio Calabria. Es starben rund 120.000 Menschen. 1915 forderte ein Erdbeben bei Avezzano in den Abruzzen 30.000 Menschenleben. Die s√ľditalienische Region Irpinia wurde 1980 von mehreren starken Beben getroffen, deren Ausl√§ufer von Portici bei Neapel bis nach Potenza in der Basilikata reichten; dabei starben 3000 Menschen. Am 31.¬†Oktober 2002 kam es zu einem starken Beben in San Giuliano di Puglia (Region Molise): 30 Menschen, davon 27 Kinder, wurden in den Tr√ľmmern eines eingest√ľrzten Schulgeb√§udes versch√ľttet. Das Erdbeben von Friaul 1976 forderte 965 Menschenleben. Am 6.¬†April 2009 ereignete sich in L‚ÄôAquila ein schweres Erdbeben mit einer St√§rke von 5,9 auf der Richterskala, das 308 Opfer forderte, im August 2016 folgte im Gebiet von Amatrice ein √§hnlich folgenreiches Beben.

Vulkane

Neben dem 1281¬†Meter hohen Vesuv, der sich seit dem letzten Ausbruch 1944 in einer Ruhephase befindet und den Phlegr√§ischen Feldern mit ihren unz√§hlige Thermalquellen und Fumarolen, auf dem Festland stehen auf italienischen Inseln mehrere weitere Vulkane. Bekannt sind vor allem der 3323¬†Meter hohe √Ątna, der zuletzt 2018 ausbrach, sowie der 926¬†Meter hohe st√§ndig aktive Stromboli. Italien ist das Land mit den meisten aktiven Vulkanen auf dem europ√§ischen Kontinent.

Klima

Das Klima ist subtropisch mit teilweise sehr deutlichen Unterschieden in den verschiedenen Regionen.

Norditalien wird von den Alpen und dem toskanisch-emilianischen Apennin ums√§umt, wodurch der Einfluss des Mittelmeeres auf das Klima eingeschr√§nkt ist. Die Winter sind k√ľhl, in den St√§dten der Po-Ebene kommt es mitunter zu leichtem Frost, gelegentlich kann auch Schnee fallen, der √ľber Nacht oder einige wenige Tage liegen bleiben kann; in den Monaten November bis Januar gibt es in der Ebene h√§ufig langanhaltende Perioden mit dichtem Nebel. Die Sommer sind lang und hei√ü, die Luftfeuchtigkeit ist hoch.

Mittelitalien hat durch den Einfluss des Mittelmeeres mildere Winter und trockene, warme bis hei√üe Sommer. Etwa s√ľdlich des 45.¬†Breitengrades sind verbreitet auch wilde Pinienbest√§nde vorzufinden. Diese typische mediterrane Baumart vertr√§gt kaum Temperaturen unter 0¬†¬įC und f√§ngt sofort an, von unten her abzusterben, was davon zeugt, dass in diesen Gebieten so gut wie keine Fr√∂ste auftreten.

S√ľditalien und die italienischen Inseln haben ein nahezu ganzj√§hrig warmes, mediterranes Klima. Der Herbst kommt sp√§t, die Winter sind feucht und mild mit Tagestemperaturen von 10 bis 15¬†¬įC und der Fr√ľhling setzt bereits zeitig ein (Mandelbl√ľte ab Ende Januar). Im Sommer kann es sehr hei√ü werden, oftmals werden Temperaturen von √ľber 40¬†¬įC erreicht. Aufgrund von geringen Niederschlagsmengen in den Sommermonaten sind D√ľrreperioden ein h√§ufiges Problem in dieser Region.

In den Alpen und im Apennin herrscht aufgrund der H√∂henlagen ein meist kaltes Gebirgsklima, die Sommer dort sind √ľberwiegend mild.

Die mittlere j√§hrliche Sonnenscheindauer betr√§gt im Norden rund 1250¬†Stunden, in der Mitte etwa 1700¬†Stunden (Rom‚Čą1680 Std.) und steigt bis auf √ľber 2000¬†Stunden ganz im S√ľden und auf Sizilien.

Auf der Pala di San Martino im Trentino wurde im Dezember 2010 mit ‚ąí48,3¬†¬įC ein neuer italienischer K√§lterekord gemessen. Die H√∂chsttemperatur von 48,5¬†¬įC wurde am 10.¬†August 1999 an der Wetterstation Catenanuova in der Provinz Enna auf Sizilien festgestellt. Dies ist zugleich die h√∂chste bisher in Europa registrierte Temperatur.

Der in letzter Zeit beschleunigte Klimawandel hat die bestehenden Umweltprobleme im gesamten Mittelmeerraum versch√§rft, so auch in Italien. F√ľr f√ľnf weit gefasste und miteinander verbundene Wirkungsbereiche (Wasser, √Ėkosysteme, Ern√§hrung, Gesundheit und Sicherheit) weisen aktuelle Ver√§nderungen und Zukunftsszenarien konsequent auf substanzielle und zunehmende Risiken in den kommenden Jahrzehnten hin. In gro√üen Teilen Italiens nehmen die Regenmengen ab, die Temperaturen steigen hingegen und Extremwetterereignisse h√§ufen sich. Besonders sichtbar sind die Folgen der Ver√§nderungen in den Alpen. Auch in der Landwirtschaft zeigen sich die Folgen. Die Klimakrise bedroht zudem das kulturelle Erbe des Landes: So sind 13 von 15 UNESCO-Welterbest√§tten in Italien von K√ľstenerosion bedroht, da sie sich in der niedrig gelegenen K√ľstenregion befinden.

Naturschutz

2014 gab es in Italien 24 Nationalparks mit einer Gesamtfl√§che von rund 15.000¬†km¬≤. Der f√ľr seine Alpensteinbock-Population bekannte Nationalpark Gran Paradiso in den Regionen Aostatal und Piemont, wurde als erster im Jahr 1922 eingerichtet. Die gr√∂√üten Nationalparks sind der Nationalpark Pollino der sich mit √ľber 1925¬†km¬≤ in den Regionen Kalabrien und Basilikata erstreckt und den Italienischen Wolf beheimatet, der Nationalpark Cilento und Vallo di Diano mit √ľber 1810¬†km¬≤ in Kampanien und der Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga mit √ľber 1413¬†km¬≤ in Abruzzen, auf dessen Gebiet mit dem Corno Grande der h√∂chste Gipfel des Apennin liegt.

Dar√ľber hinaus sind 134 Regionalparks eingerichtet worden, mit einer Fl√§che von 13.000¬†km¬≤. Zu den gr√∂√üten Regionalparks geh√∂ren der Parco dei Nebrodi auf Sizilien mit etwa 860¬†km¬≤, der Naturpark Adamello-Brenta mit etwa 621¬†km¬≤ in der Provinz Trento in den S√ľdalpen, dessen Einrichtung auch dem Schutz des letzten italienischen Vorkommens von Alpen-Braunb√§ren dient, sowie der Parco dell‚ÄôEtna mit einer einzigartigen Flora und Fauna um den Vulkan √Ątna mit √ľber 580¬†km¬≤.

2009 listete das Umweltministerium 871 aree naturali protette auf.

Bevölkerung

Die Bevölkerung Italiens im Jahre 1861 wurde auf etwa 22 Millionen geschätzt. 1961 lag die Einwohnerzahl bei etwa 51 Millionen. Heute hat Italien etwa 60 Millionen Einwohner (Stand: Juni 2020) und rangiert damit in der Weltrangliste auf Platz 23, innerhalb der Europäischen Union liegt das Land auf dem dritten Rang hinter Deutschland und Frankreich. Mit einer Bevölkerungsdichte von knapp 200 Einwohnern pro km² zählt Italien innerhalb der Europäischen Union zu den Ländern mit einer hohen Bevölkerungsdichte. Die Bevölkerung Italiens hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts ungefähr verdoppelt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung Italiens sehr langsam.

Die COVID-19-Pandemie in Italien hat demografische Auswirkungen: 2020 starben 746.146 Menschen, gut 100.000 mehr als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 (√úbersterblichkeit). Die Auswanderung hat zugenommen und die Immigration abgenommen. Das ISTAT beziffert den Bev√∂lkerungsr√ľckgang auf 384.000 Menschen. Noch nie seit Gr√ľndung Italiens wurden so wenige Kinder geboren wie 2020.

Stadt- und Landbevölkerung

Rund 67¬†Prozent der Bev√∂lkerung, vornehmlich im Norden, leben in St√§dten. Vor allem von 1950 bis 1960 herrschte eine starke Landflucht. Seit den 1980er¬†Jahren hat sich dieser Trend zu Gunsten der Vororte und Kleinst√§dte umgekehrt (Suburbanisierung). In der Zeit von 1951 bis 1974 kam es dar√ľber hinaus zu einer starken Binnenwanderung nach Norditalien: etwa vier¬†Millionen S√ľditaliener wanderten in die Industriezentren im Norden ab.

Lebenserwartung und Gesundheit, ärztliche Versorgung

Italien hat eine der h√∂chsten Lebenserwartungen der Welt. Sie betrug im Jahr 2016 84,9 Jahre f√ľr Frauen und 80,3 Jahre f√ľr M√§nner. Ungef√§hr 19¬†Prozent der Italiener waren √§lter als 65¬†Jahre. Italien ist eine der √§ltesten Gesellschaften der Welt und wird aufgrund der niedrigen Fertilit√§tsrate von 1,4 Kindern pro Frau in Zukunft weiter altern.

Die Sterblichkeit durch Herz- und Kreislauferkrankungen lag 2006 bei 33 pro 10.000 Einwohner; sie lag bei den M√§nnern bei 40,5, bei den Frauen bei 27,7. Dies ist eine der niedrigsten Raten in ganz Europa. Knapp hinter dieser Symptomatik folgen Krebserkrankungen. 2006 lagen diese Werte bei 26,6, wobei M√§nner (37,3) deutlich h√§ufiger daran starben als Frauen (19,4). Extremwerte wiesen Vibo Valentia (19,4) und Lodi (33,6) auf. Auch liegen die Metropolen √ľber dem Durchschnitt, vor allem Neapel (29); dann folgen Mailand (28,9), Rom (27,9), Genua (27,9) und Turin (27,2). Bei den M√§nnern lag die Rate besonders hoch im Aostatal und in der Region Friaul-Julisch Venetien, bei den Frauen in der Provinz Trento.

Die Kindersterblichkeit lag in Italien 2018 bei 3,0¬†‚Äį (OECD: 6,8¬†‚Äį). Bei der Kindersterblichkeit konnte die Rate seit Mitte der 1990er¬†Jahre auf 3,4 Tote auf 1000 Geborene innerhalb des ersten Jahres halbiert werden. Der Durchschnitt in Europa lag in diesem Jahr 2006 bei 4,7. Finnland, die Schweiz, Slowenien und Luxemburg lagen zwischen 2,6 und 1,8, Rum√§nien hingegen bei 11. Innerhalb Italiens hatte die Provinz Enna (7,4) den h√∂chsten Wert, das Aostatal (0,8) den niedrigsten.

Auch in Italien l√§sst sich, wie in nahezu allen OECD-Staaten, ein Anstieg des Anteils adip√∂ser (stark √ľbergewichtiger) Menschen beobachten. So stieg dieser Wert von 7,0¬†Prozent im Jahr 1994 auf 9,9¬†Prozent im Jahr 2005 (in Deutschland lag diese Quote im selben Jahr bei 13,6¬†Prozent), um seither bei etwa 10¬†Prozent zu stagnieren.

Der Anteil t√§glicher Raucher fiel im Vergleichszeitraum 1990 bis 2005 von 27,8¬†Prozent auf 22,3¬†Prozent (OECD: 24,3¬†Prozent). Seit 10.¬†Januar 2005 gilt au√üerdem ein generelles Rauchverbot in allen √∂ffentlich zug√§nglichen Geb√§uden. Auch der Alkoholkonsum ist r√ľckl√§ufig.

Italien verzeichnet seit dem H√∂hepunkt im Jahr 2002 einen R√ľckgang der Zahl der √Ąrzte pro 100.000 Einwohner. 2004 waren es noch 416,7 √Ąrzte, 2007 waren es nur noch 363,5. Nur in Ligurien stieg ihre Zahl von 514,7 auf 581,9, womit dort die Versorgung am dichtesten war. Mit 511,1 √Ąrzten folgte Latium. Im S√ľden lag nur Sizilien mit 425 √ľber dem nationalen Durchschnitt.

Schulwesen und Bildung

Das Schulwesen Italiens ist ‚Ästwas den Aufbau und die Gliederung betrifft¬†‚Äď durch gro√üe Einheitlichkeit gekennzeichnet. Die wesentlichen Bestimmungen f√ľr Unterricht und Erziehung sind in Mailand nicht anders als in Palermo. Unterschiede gibt es lediglich im Bereich der beruflichen Bildung, die zum Kompetenzbereich der einzelnen Regionen geh√∂rt. Das Schulsystem gliedert sich in folgende Stufen: Vorschule (scuola dell‚Äôinfanzia, vormals scuola materna, drei Jahre, 3‚Äď6), Grundschule (scuola primaria, vormals scuola elementare, f√ľnf Jahre, 6‚Äď11), Mittelschule (scuola secondaria di primo grado, vormals scuola media inferiore, drei Jahre, 11‚Äď14) und Oberschulen (scuola secondaria di secondo grado, vormals scuola media superiore, f√ľnf Jahre, 14‚Äď19). Die staatlichen Oberschulen gliedern sich in Gymnasien, Fachoberschulen und Berufsfachschulen. Im Bereich der Gymnasien gibt es einen humanistischen, einen naturwissenschaftlichen und einen neusprachlichen Zweig (liceo classico, scientifico, linguistico) sowie das sogenannte Kunstgymnasium (liceo artistico). Die Fachoberschulen (istituto tecnico), die zur allgemeinen Hochschulreife und auch zu einem berufsqualifizierenden Abschluss f√ľhren, untergliedern sich in mehrere Ausbildungsrichtungen, in denen wiederum zahlreiche Spezialisierungen angeboten werden. Den Bereich der beruflichen Ausbildung decken einerseits die staatlichen Berufsfachschulen (istituto professionale) ab, an denen nach drei Jahren ein berufsqualifizierender Abschluss erlangt werden kann, nach zwei weiteren Jahren die Hochschulreife. Auf der anderen Seite stehen die von den italienischen Regionen unterhaltenen oder beaufsichtigten Berufsausbildungszentren (centro di formazione professionale).

Die Schulpflicht in Italien ist eine Bildungspflicht geworden, die schrittweise angehoben wurde. In der Vergangenheit betrug sie acht Jahre (6‚Äď14), womit die Grund- und Mittelschule zur Pflichtschule (scuola dell‚Äôobbligo) wurde. Ende der 1990er¬†Jahre erfolgte eine Anhebung auf neun Jahre. 2004 wurde dann eine zw√∂lfj√§hrige Schul- und Berufsausbildungspflicht eingef√ľhrt. Diese kann nach Abschluss der Mittelschule entweder durch den Besuch der staatlichen Oberschulen oder der regionalen Berufsschulen erf√ľllt werden. Alternativ kann auch eine betriebliche Ausbildung durchgef√ľhrt werden, wobei auch Kurse an regionalen Berufsschulen zu absolvieren sind. Werden die Ausbildungsg√§nge an regionalen Berufsausbildungszentren mit einer Staatspr√ľfung abgeschlossen, steht der Weg zum beruflichen Abitur frei. Wer vor Vollendung des 18. Lebensjahres einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss erreicht, ist von der zw√∂lfj√§hrigen Schul- und Ausbildungspflicht freigestellt.

Italien hat in der Fremdsprachenausbildung bedeutende Fortschritte gemacht: Englisch wird bereits in der Grundschule unterrichtet, eine zweite lebende Fremdsprache kann ab der Mittelschule (ab dem 6.¬†Schuljahr) zus√§tzlich erlernt werden. Die f√ľnfj√§hrigen Gymnasien sehen daneben i.¬†d.¬†R. Lateinunterricht vor, beim altsprachlichen Liceo Classico kommt noch Altgriechisch dazu.

Die PISA-Studien erteilten der italienischen Schule insgesamt ein relativ schlechtes Zeugnis. 2009 erreichte Italien in der Lesekompetenz 486 Punkte, in Mathematik 483 und in den Naturwissenschaften 489 Punkte. Allerdings besteht in Italien auch im Schulwesen ein scharfes Nord-S√ľd-Gef√§lle: So erreichte die Region Lombardei in den Naturwissenschaften 526 Punkte, Kalabrien hingegen nur 443. Im Jahr 2012 konnte sich Italien unwesentlich verbessern, die regionalen Unterschiede blieben jedoch weiterhin fast unver√§ndert. Die PISA-Ergebnisse an deutschsprachigen Schulen in S√ľdtirol in Lesekompetenz (503), Mathematik (513) und Naturwissenschaften (530) waren √ľberdurchschnittlich.

Im Hochschulbereich gibt es, anders als in den deutschsprachigen L√§ndern, keine eigenst√§ndigen Fachhochschulen. In der Folge ist die Quote der Menschen mit Hochschulabschluss geringer als anderswo in der Europ√§ischen Union und liegt bei etwa 15¬†Prozent. Mit dem Bologna-Prozess entstand auch an italienischen Universit√§ten die Unterteilung in ein dreij√§hriges Bachelorstudium (laurea triennale oder laurea breve) mit nachfolgendem zweij√§hrigem Masterstudiengang (laurea magistrale, vormals laurea specialistica). Jura wird als f√ľnfj√§hrige laurea magistrale angeboten. Was die Hochschuleinrichtungen angeht, kann man folgende Unterscheidungen treffen:

  • Universit√†: Universit√§ten im klassischen Sinn;
  • Politecnici: Technische Universit√§ten;
  • Scuole superiori: Spitzenuniversit√§ten, die begabte Studierende f√∂rdern. Die bekannteste ist die Scuola Normale Superiore in Pisa, meist nur Normale genannt, die von Napoleon gegr√ľndet wurde;
  • Istituti di alta formazione artistica e musicale: Kunst- und Musikhochschulen, die keine eigentlichen Universit√§ten sind, aber zur h√∂heren Bildung geh√∂ren;
  • Istruzione e formazione tecnica superiore: das h√∂here Berufsbildungswesen.

67 der 95 Universit√§ten in Italien sind staatlich. Bekannteste Privat-Universit√§ten sind die Bocconi in Mailand und die LUISS in Rom. Die Universit√§t Bologna ist die √§lteste Hochschule der Welt, sie wurde im Jahr 1088 gegr√ľndet. Insgesamt sind 1.809.186 Studenten an italienischen Hochschulen eingeschrieben. 1960/61 waren es nur 217.000. Die Universit√§t La Sapienza in Rom ist mit nahezu 114.000 Studierenden eine der gr√∂√üten Universit√§ten Europas.

Relativ neu ist auch der Ausbau der Alten- und Volkshochschulen (università per la terza età).

Religionen

Italien ist ein r√∂misch-katholisch gepr√§gtes Land, das eine hohe Dichte an r√∂misch-katholischen Institutionen aufweist. Im Jahr 2000 bestanden 227 Di√∂zesen, es amtierten 252 Bisch√∂fe, davon 224 Orts- und 26 Weihbisch√∂fe. Artikel 7 der Verfassung Italiens regelt das Verh√§ltnis zwischen Staat und r√∂misch-katholischer Kirche. Die r√∂misch-katholische Kirche in Italien ist traditionell einflussreich, was fr√ľher mit einer hohen Zahl an Priestern korrelierte. Neben 34.300 Di√∂zesan- z√§hlte man um das Jahr 2005 21.450 Ordenspriester. Seit langem sinkt die Zahl der Priester. Lag sie 1871 noch bei 109.688 so sank sie allein zwischen 1991 und 2004 von 57.200 auf 51.600, die der Ordensm√§nner von 5.000 auf 3.500, die der Ordensfrauen von 125.800 auf 102.300.

51¬†Millionen (85¬†Prozent) der in Italien lebenden Menschen bekannten sich 2008 zum r√∂misch-katholischen Glauben. Die zweitgr√∂√üte christliche Glaubensgemeinschaft war demnach die Orthodoxe Kirche mit 1.187.130 Anh√§ngern. Deren Anteil ist durch die Einwanderung von Rum√§nen deutlich gestiegen. Die drittgr√∂√üte christliche Religionsgemeinschaft stellen Jehovas Zeugen mit √ľber 251.000 aktiven (missionierenden, auch ‚ÄěVerk√ľndiger‚Äú genannten) Mitgliedern und knapp 2900 Versammlungen (Gemeinden) dar. Sie ist zugleich die gr√∂√üte Gemeinde Europas dieser christlichen Sondergemeinschaft. Zu protestantischen Religionsgemeinschaften (u.¬†a. Waldenser und Baptisten) f√ľhlten sich circa 550.000 Menschen zugeh√∂rig.

In Italiens Hauptstadt Rom befindet sich die Enklave des Staates Vatikanstadt, die das Zentrum der römisch-katholischen Kirche ist. Der Papst ist zugleich dessen Staatsoberhaupt, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und der Bischof von Rom. Der Heilige Stuhl als nichtstaatliches, eigenständiges, vom Staat Vatikanstadt zu unterscheidendes Völkerrechtssubjekt vertritt den Zwergstaat auf internationaler Ebene.

Unter den Nichtchristen waren Muslime, zum gro√üen Teil Einwanderer aus muslimischen L√§ndern, mit 1.293.704 die gr√∂√üte Glaubensgemeinschaft (siehe auch Islam in Italien). Zudem lebten in Italien 197.931 Buddhisten und 108.950 Hindus. Die J√ľdische Gemeinschaft z√§hlt etwa 45.000, als unmittelbare Angeh√∂rige einer Gemeinde galten 2009 allerdings nur 24.400 Mitglieder.

Vier Millionen Menschen bekannten sich 2008 zu keiner Konfession.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Eurobarometers glaubten im Jahr 2005 74 % der Menschen in Italien an Gott, 16 % glaubten an eine spirituelle Kraft. 6 % Prozent der Befragten glaubten weder an einen Gott noch an eine andere spirituelle Kraft, 3 % waren unentschlossen.

Sprachen und Dialekte

Neben der staatlichen Amtssprache Italienisch gibt es die regionalen Amtssprachen Deutsch und Ladinisch in Trentino-S√ľdtirol, Franz√∂sisch im Aostatal sowie Slowenisch in Friaul-Julisch Venetien.

Dar√ľber hinaus sieht ein staatliches Gesetz aus dem Jahr 1999 den Schutz folgender Minderheitensprachen vor:

  • Albanisch (siehe Arb√ęresh), verteilt im gesamten Mezzogiorno
  • Frankoprovenzalisch, die eigentliche Volkssprache des Aostatals sowie einiger T√§ler im Piemont mit kleinen Sprachinseln in Apulien
  • Furlanisch, die Sprache des Friaul
  • Griechisch (siehe Griko) in Apulien und Kalabrien
  • Katalanisch in Alghero auf Sardinien
  • Molisekroatisch in der Region Molise
  • Okzitanisch in den s√ľdlichen Alpent√§lern des Piemont
  • Sardisch, die Sprache Sardiniens.

Bisher ist dieses Gesetz bis auf einige Ausnahmen nicht umgesetzt worden. Die Einrichtung von mehrsprachigen √Ąmtern, der muttersprachliche Schulunterricht und die F√∂rderung von Radio- und Fernsehprogrammen, wie sie das Gesetz vorsieht, sind nicht verwirklicht worden. Nur in der Ortsnamensgebung sind einige Fortschritte gemacht worden: So tragen zahlreiche Verkehrsschilder im Friaul auch die furlanische Bezeichnung, w√§hrend auf Sardinien neben dem italienischen gegebenenfalls auch der sardische Ortsname steht. In den Schulen des Friauls ist es zudem m√∂glich, Unterricht in furlanischer Sprache zu nehmen.

Fersentalerisch und Zimbrisch sind bairische Mundarten, die in einigen Sprachinseln in Nordostitalien verbreitet sind. Im Trentino werden sie als Minderheitensprachen gesch√ľtzt. In einigen Alpent√§lern im Nordwesten wird der h√∂chstalemannische Dialekt der Walser gesprochen, der in der autonomen Region Aostatal anerkannt ist und gef√∂rdert wird.

Dar√ľber hinaus werden in Italien zahlreiche Dialekte des Italienischen gesprochen. Diese k√∂nnen in drei gro√üe Dialektgruppen unterschieden werden:

  • norditalienische Dialekte: Dazu geh√∂ren die galloitalischen Dialekte (also v.¬†a. Piemontesisch und Lombardisch) und das Venetische;
  • toskanische Dialekte;
  • mittel- und s√ľditalienische Dialekte: Dazu geh√∂ren unter anderem der r√∂mische Dialekt und das Sizilianische.

Die Anerkennung der Dialekte als eigenständige Sprachen ist in der Sprachwissenschaft umstritten, ebenso in der Politik. Die Verkehrsbeschilderung einiger Gemeinden, besonders jener, die von der Lega Nord verwaltet sind, ist zum Beispiel um die mundartliche Bezeichnung des Ortes erweitert worden.

Einwanderung

Die Anzahl der in Italien wohnhaften Ausl√§nder nimmt seit den 1990er¬†Jahren konstant zu. Laut dem nationalen Statistikinstitut ISTAT waren zum 31.¬†Dezember 2019 5.306.548 ausl√§ndische Staatsb√ľrger in Italien wohnhaft, was 8,8¬†Prozent der Gesamtbev√∂lkerung ausmacht.

Zudem leben in Italien rund 120.000 Roma, von denen 70.000 Staatsb√ľrger sind.

Die illegalen Einwanderer sind in der Statistik nicht ber√ľcksichtigt. Die OECD rechnet mit 500.000 bis 750.000, die Caritas geht davon aus, dass sich eine Million Ausl√§nder ohne Aufenthaltsberechtigung im Land befinden. Damit w√ľrden sich in Italien bis zu 6¬†Millionen Ausl√§nder aufhalten.

Die meisten Einwanderer sind im Norden und im Zentrum Italiens angesiedelt, dort machen sie einen Anteil von 10,1¬†Prozent bzw. 9,7¬†Prozent an der Bev√∂lkerung aus. In den s√ľditalienischen Regionen liegt der Ausl√§nderanteil bei 2,9¬†Prozent. Die St√§dte mit dem gr√∂√üten Anteil an Ausl√§ndern waren im Jahr 2009: Rom (242.725), Mailand (181.393), Turin (114.710), Genua (42.744), Florenz (40.898), Bologna (39.480), Verona (34.465), Brescia (31.512), Padua (25.596), Neapel (24.384), Reggio Emilia (24.401), Prato (24.153), Venedig (23.928) und Modena (22.857). Die Zahl der Araber in Italien wird auf 692.201 beziffert.

Italiener im Ausland

Zwischen 1876 und 1915 war Italien von einer der gr√∂√üten Auswanderungswellen betroffen. Sch√§tzungsweise 14¬†Millionen B√ľrger verlie√üen das Land, um haupts√§chlich in Amerika ‚Ästin den Vereinigten Staaten als Arbeiter, in Argentinien und Brasilien als Landwirte¬†‚Äď ihr Gl√ľck zu suchen. Bei einer Einwohnerzahl zur Jahrhundertwende von 33¬†Millionen entspricht dies fast einem Drittel der Bev√∂lkerung. 1913 war das Jahr mit der h√∂chsten aufgezeichneten Auswanderungszahl: √úber 870.000 Italiener verlie√üen ihre Heimat.

Die faschistische Diktatur versuchte der Auswanderung entgegenzuwirken, konnte aber nicht verhindern, dass weitere 2,6¬†Millionen Italiener das Land verlie√üen. Vor allem Argentinien und Frankreich waren zwischen den Weltkriegen bevorzugte Auswanderungsl√§nder, zumal die Vereinigten Staaten und Brasilien strengere Einwanderungsregeln eingef√ľhrt hatten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete sich die Auswanderung zunehmend in Richtung europ√§ischer Staaten. Viele, die vor√ľbergehend als Gastarbeiter nach Belgien, Deutschland, Frankreich, in die Schweiz gegangen waren, lie√üen sich auf unbestimmte Zeit in ihren Gastl√§ndern nieder.

Im konsularischen Personenregister sind nach wie vor 4.106.640 Auslandsitaliener registriert. Die folgende Tabelle weist jene L√§nder (au√üer Italien) aus, in denen die meisten italienischen Staatsb√ľrger wohnhaft sind.

Im Ausland wohnende italienische Staatsb√ľrger d√ľrfen bei den Parlamentswahlen in Italien w√§hlen und sind durch zw√∂lf Abgeordnete und sechs Senatoren vertreten. Zudem d√ľrfen sie an den nationalen Volksabstimmungen teilnehmen.

Quelle: Italienisches Außenministerium

Geschichte

Ur- und Fr√ľhgeschichte

Die Geschichte Italiens im Sinne einer hominiden Besiedlung der Apennin-Halbinsel und der sie umgebenden Inseln l√§sst sich 1,3 bis 1,7¬†Millionen¬†Jahre zur√ľckverfolgen, wobei der moderne Mensch vor etwa 43.000 bis 45.000¬†Jahren in Italien auftrat und noch mehrere Jahrtausende neben dem Neandertaler lebte. Bis ins 6.¬†Jahrtausend v.¬†Chr. bildeten Jagd, Fischfang und Sammeln die Grundlagen der Existenz.

Etwa 6100 v.¬†Chr. brachten erste Gruppen von au√üerhalb der Halbinsel, wohl √ľber See aus S√ľdanatolien und dem Nahen Osten, die Landwirtschaft mit, die J√§ger und Sammler verschwanden. Im 2.¬†Jahrtausend setzte eine Entwicklung ein, die aus den D√∂rfern fr√ľhe stadt√§hnliche Siedlungen machte, und die Gesellschaften wiesen erstmals deutliche Spuren von Hierarchien auf.

Die durch Schriftquellen belegte Geschichte Italiens beginnt erst nach der Besiedlung durch italische V√∂lker. Neben ihnen erlebte die Kultur der Etrusker, deren Herkunft ungekl√§rt ist, um 600 v.¬†Chr. ihre Bl√ľtezeit. Im 8.¬†Jahrhundert v.¬†Chr. hatte die griechische Kolonisation des s√ľditalienischen Festlandes und Siziliens begonnen, an der Westk√ľste der Insel siedelten Ph√∂nizier. Diese Kolonien geh√∂rten sp√§ter zu Karthago.

Antike

Schon in vorr√∂mischer Zeit war Italien, vor allem Mittel- (Etrurien) und S√ľditalien (Magna Graecia), ein wichtiges europ√§isches Kulturzentrum. Ab dem 4.¬†Jahrhundert v.¬†Chr. setzte die Expansion Roms ein, 146 v.¬†Chr. wurden Korinth und Karthago zerst√∂rt, die Eroberung des Mittelmeerraums, sp√§ter auch von Teilen Mittel- und Nordeuropas brachte kulturelle Einfl√ľsse und Menschen aus dem gesamten Reich und den angrenzenden Gebieten nach Italien. Die Halbinsel bildete das Zentrum des R√∂mischen Reiches und blieb es mit Einschr√§nkungen bis zum Untergang Westroms um 476. Dabei verwandelte sich die agrarische Wirtschaftsbasis, die anfangs aus Bauern bestanden hatte, zu einem System weitr√§umiger Latifundien auf der Basis von Sklavenarbeit. Ein dichtes Stra√üennetz verband die expandierenden St√§dte, dank dessen der Warenaustausch, aber auch die Abh√§ngigkeit von externen G√ľtern, wie Weizen und Oliven√∂l aus Nordafrika, anwuchsen.

In der Spätantike erschienen neben der Sklaverei und den freien Bauern auf dem Land Formen der Bindung an den Boden, wie das Kolonat, wenngleich noch um 500 zwischen freien und unfreien Kolonen unterschieden wurde (Kolonenedikt des Anastasius). Im 4. Jahrhundert setzte sich das Christentum als Staatsreligion durch.

Über Jahrhunderte war es schließlich der Mittelpunkt des Römischen Reiches. 41 v. Chr. wurde das italische Kernland, das zuvor bis zum Rubikon bei Rimini reichte, um die Provinz Gallia cisalpina erweitert. Sizilien und Sardinien (sowie Korsika) wurden erst im Zuge von Kaiser Diokletians Gebietsreform dem Mutterland Italien (Dioecesis Italiae) angegliedert.

Mittelalter

Nach dem Einfall der Goten und der Langobarden (410 bzw. 568) zersplitterte das Land in eine Reihe von Herrschaftsgebieten. Im 8. und 9.¬†Jahrhundert, besonders unter Pippin und Karl dem Gro√üen, dominierten die Franken, doch entwickelte sich unter den Nachfolgern Karls ein eigenes K√∂nigreich Italien. Seit Otto dem Gro√üen geh√∂rte Italien √ľberwiegend zum Heiligen R√∂mischen Reich (Reichsitalien), der S√ľden blieb dabei lange byzantinisch. Jedoch eroberten zun√§chst Araber ab dem Jahr 827 Sizilien und Teile S√ľditaliens.

Im 11.¬†Jahrhundert erfolgte √ľber einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten die normannische Eroberung S√ľditaliens. Durch den Aufschwung von Handel und Verkehr gewannen insbesondere die St√§dte Norditaliens im 11.¬†Jahrhundert zunehmende Selbstst√§ndigkeit. Die Normannen und zahlreiche St√§dte Oberitaliens unterst√ľtzten w√§hrend des Investiturstreits zwischen 1076 und 1122 den Papst.

Mit dem Untergang der Dynastie der Staufer scheiterten 1268 deren Versuche, die schwindende Reichsgewalt in Italien zu erneuern, obwohl Heinrich¬†VI. das unteritalienische Normannenreich durch Heirat gewonnen hatte. Den S√ľden beherrschte ab 1268 die franz√∂sische Dynastie der Anjou. Der Norden zerfiel in eine Reihe von formal dem Heiligen R√∂mischen Reich zugeh√∂rigen, im √úbrigen jedoch selbstst√§ndigen St√§dten mit ihrem Umland.

Renaissance

Im Italien des späten 14. Jahrhunderts liegen die Anfänge der Renaissance; als Kernzeitraum gilt das 15. und 16. Jahrhundert. Das wesentliche Charakteristikum ist die Wiedergeburt antiken Geistes, der Humanismus war die prägende Geistesbewegung. Hinzu kam eine Neuorientierung in der Wissenschaft, wo das theozentrische Weltbild des Mittelalters durch eine stärker anthropozentrische Sicht der Dinge abgelöst wurde.

Im 14. und 15.¬†Jahrhundert entstanden M√§chte mit enormem wirtschaftlichem und kulturellem Vorsprung. Dies galt vor allem f√ľr die selbstst√§ndigen M√§chte Italiens, also das Herzogtum Mailand, die Republiken Venedig und Florenz, das K√∂nigreich Neapel und den Kirchenstaat, aber auch f√ľr die H√∂fe von Ferrara oder Mantua. Die St√§dte teilten sich in wechselnden Koalitionen politische Macht und Ressourcen der italienischen Halbinsel und boten relativ gro√üe politische Freiheit, die zu neuen wissenschaftlichen und k√ľnstlerischen Wegen anregten. Die gro√üen Verm√∂gen, die durch den Handel entstanden, machten es m√∂glich, gro√üe √∂ffentliche und private Kunstprojekte in Auftrag zu geben. Zudem erlebte die Entwicklung zur pragmatischen Schriftlichkeit bereits im fr√ľhen 13. Jahrhundert einen Aufschwung, der Schriftverkehr der Kaufleute vertiefte und verbreiterte die Literalit√§t, so dass die Zahl der Alphabetisierten zunahm.

Im 15. Jahrhundert gehörte Italien zu den am stärksten urbanisierten Regionen Europas.

Neuzeit

16. bis 18. Jahrhundert

Der Niedergang Italiens begann unmittelbar nach der Entdeckung Amerikas, mit der Verlagerung des Handels in die √úberseekolonien westeurop√§ischer Staaten, auch angesichts der osmanischen Kontrolle √ľber das Mittelmeer. Politisch wurde Italien zum Spielball fremder M√§chte. Im 16.¬†Jahrhundert k√§mpften Frankreich und Spanien um die Vormachtstellung auf der Halbinsel. Die Schlacht bei Pavia (1525) besiegelte die Vorherrschaft Spaniens, das sich die unmittelbare Kontrolle S√ľditaliens und der Lombardei sichern konnte. 1797 wurde aus den Staaten der Cispadanischen Republik und der Transpadanischen Republik die Cisalpinische Republik gebildet, die bis 1805 bestand.

1796 √ľbernahmen franz√∂sische Revolutionstruppen die Macht (Italienfeldzug). 1805 kr√∂nte sich Napoleon in Mailand zum K√∂nig von Italien (K√∂nigreich Italien). Nach dem Ende seiner Herrschaft fiel Italien in den Einflussbereich des √∂sterreichischen Kaiserreiches. Vom 16. bis hinein ins 19.¬†Jahrhundert stand der Gro√üteil Italiens somit unter Fremdherrschaft.

19. Jahrhundert

Die italienische Nationalbewegung im 19.¬†Jahrhundert wird oft als Risorgimento bezeichnet. Unter F√ľhrung der Dynastie der Savoyer, K√∂nige von Sardinien-Piemont, angetrieben durch die Freiwilligenverb√§nde unter Giuseppe Garibaldi, gelang in drei Unabh√§ngigkeitskriegen (1848 bis 1870) die Vereinigung Italiens. Am 17.¬†M√§rz 1861 wurde Viktor Emanuel II. in Turin zum K√∂nig Italiens ausgerufen (K√∂nigreich Italien). 1865 wechselte die Hauptstadt nach Florenz. 1866 kamen mit dem dritten Unabh√§ngigkeitskrieg auch das bisher √∂sterreichische Venetien sowie das Friaul zum K√∂nigreich Italien.

Rom wurde im September 1870 eingenommen und 1871 zur Hauptstadt des Landes. Dar√ľber hinaus versuchte Italien als Kolonialmacht Fu√ü zu fassen, am Horn von Afrika (Kolonie Eritrea ab 1890; √Ąthiopien) und in Libyen (siehe auch Italienische Kolonien). Viele andere europ√§ische M√§chte blickten damals auf eine lange Kolonialgeschichte zur√ľck; Italien dagegen hatte (wie auch das Kaiserreich Deutschland) 1871 noch keine Kolonien.

Erster Weltkrieg, Faschismus und Zweiter Weltkrieg

Italien trat ‚Äď obwohl Mitglied des Dreibunds (mit dem Deutschen Reich und √Ėsterreich-Ungarn) ‚Äď 1915 der Triple Entente bei. Nachdem die Entente im Londoner Geheimvertrag territoriale Zugewinne zusagte (siehe Italiens Kriegsziele), konnte das K√∂nigreich auf der Seite der Siegerm√§chte Julisch Venetien, Istrien, das Trentino sowie das deutschsprachige S√ľdtirol annektieren.

Im Oktober 1922 √ľbernahmen Benito Mussolini und seine Gefolgsleute (Fascisti) nach dem Marsch auf Rom die Macht. Schritt f√ľr Schritt wandelte Mussolini das K√∂nigreich in einen totalit√§ren Staat um und setzte sich selbst als Duce (F√ľhrer) an die Spitze des Staates. Am 3. Oktober 1935 √ľberfiel Italien das Kaiserreich Abessinien (heute √Ąthiopien) und annektierte das Land. Diese v√∂lkerrechtswidrige Besetzung war Teil von Mussolinis erkl√§rtem Ziel, das antike R√∂mische Reich wieder aufleben zu lassen. Durch verschiedene Abkommen verb√ľndete Mussolini sich mit dem Deutschen Reich und Adolf Hitler, (z.¬†B. im sogen. Stahlpakt, Mai 1939). Schlie√ülich trat Italien im Juni 1940 auf der Seite Deutschlands und Japans (Achse Berlin-Rom-Tokio) in den Zweiten Weltkrieg ein.

Am 10.¬†Juli 1943 begann der Italienfeldzug der Westalliierten; unter dem Eindruck schwerer Niederlagen wurde Mussolini vom Faschistischen Gro√ürat am 25.¬†Juli 1943 mit einfacher Mehrheit abgesetzt und gefangen genommen. K√∂nig Viktor Emanuel III. √ľbernahm den Oberbefehl √ľber die Streitkr√§fte und beauftragte Marschall Pietro Badoglio, eine Milit√§rregierung zu bilden. Badoglio erkl√§rte die faschistische Partei und ihre Gliederungen per Gesetz f√ľr aufgel√∂st. Am 8.¬†September schloss die Regierung Badoglio mit den Alliierten den Waffenstillstand von Cassibile. Italien trat aus dem Dreim√§chtepakt aus. Der Krieg hatte Italien seit 1940 etwa 198.500 Menschenleben gekostet.

Der folgende Einmarsch der deutschen Wehrmacht (‚ÄěFall Achse‚Äú) stie√ü auf den Widerstand der Resistenza. Das Deutsche Reich versuchte, die Schwarzhemden wieder an die Macht zu bringen, und lie√ü dazu Mussolini am 12.¬†September 1943 im Unternehmen Eiche befreien. Norditalien wurde bis nach Rom von deutschen Truppen besetzt und in diesem Gebiet eine Regierung unter Mussolini eingesetzt, die die Italienische Sozialrepublik (Republik von Sal√≤) proklamierte. Diese Parallelregierung blieb mit Deutschland verb√ľndet, erkl√§rte ihrerseits dem von den Alliierten besetzten Teil Italiens den Krieg und f√ľhrte in Norditalien Krieg gegen italienische Partisanen.

In der Folge wurde vor allem Mittelitalien durch schwere K√§mpfe entlang der vorr√ľckenden Front verw√ľstet. Die Zivilbev√∂lkerung wurde Ziel deutscher Repressalien (‚Üí Deutsche Kriegsverbrechen in Italien). Daraufhin erkl√§rte die Regierung Badoglio Deutschland am 13.¬†Oktober 1943 den Krieg, der sich die letzten 18¬†Monate bis zum Ende des Krieges hinzog. Als sich die deutschen Verb√§nde im Juni 1944 bis zur Gotenlinie im Apennin zur√ľckzogen und italienische Partisanen ihre √úberf√§lle auf deutsche Soldaten verst√§rkten, kam es zu weiteren Massakern an der Zivilbev√∂lkerung (z.¬†B. dem Massaker von Sant‚ÄôAnna di Stazzema, dem Massaker von Marzabotto) und weiteren schweren Kriegsverbrechen durch die deutschen Besatzer und Truppen der faschistischen Sozialrepublik. Nach der alliierten Fr√ľhjahrsoffensive und dem Zusammenbruch der deutschen Front in Oberitalien kapitulierte die Heeresgruppe C am 29.¬†April 1945 vor den Westalliierten. Bereits am 25. April hatte die Resistenza zum allgemeinen Aufstand gegen die deutschen Besatzer und die faschistische Sozialrepublik aufgerufen. Drei Tage sp√§ter war der auf der Flucht befindliche Mussolini von der Resistenza verhaftet und am 29. April hingerichtet worden. Mit in Kraft treten der Kapitulation am 2.¬†Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Italien beendet.

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende verlor Italien die eigenen Kolonien ‚Äď eine Ausnahme bildete Italienisch-Somaliland insofern, als die Verwaltungskontrolle dieser ehemaligen Kolonie 1950 von der UNO noch einmal f√ľr zehn Jahre an Italien gegeben wurde. Das italienische Mutterland blieb von gr√∂√üeren Gebietsabtretungen verschont (abgetreten wurden der Gro√üteil von Julisch Venetien an Jugoslawien bzw. das heutige Slowenien und Kroatien, der italienische Dodekanes an Griechenland, die Gemeinden Tende und La Brigue an Frankreich).

Eine verfassunggebende Versammlung beschloss die neue Costituzione della Repubblica Italiana am 22. Dezember 1947. Diese Verfassung trat zum 1. Januar 1948 in Kraft.

Die Nachkriegsgeschichte Italiens zeichnet sich innenpolitisch durch h√§ufige Regierungswechsel, allerdings bis 1990 vier Jahrzehnte unter F√ľhrung oder Hauptbeteiligung der Democrazia Cristiana (Christdemokraten), au√üenpolitisch durch die Gr√ľndungsmitgliedschaft in der Europ√§ischen Wirtschaftsgemeinschaft und wirtschaftlich durch ein vor√ľbergehendes Wirtschaftswunder (miracolo economico) aus.

Anfang der 1990er Jahre wurde die politische Elite des Landes vom Korruptionsskandal Tangentopoli und den Aufklärungsmaßnahmen der juristischen Untersuchungen der Mani pulite ausgetauscht.

Gegenwart

Von etwa 1994 bis Ende 2011 wurde die Politik Italiens von Parteienb√ľndnissen um Silvio Berlusconi sowie wechselnden Mitte-links-Koalitionen bestimmt. 2011 wurde Mario Monti sein Nachfolger, insbesondere infolge der seit 2009 schwelenden Eurokrise und der als zu hoch kritisierten Staatsverschuldung Italiens, und bildete ein Kabinett von parteilosen Fachleuten (Kabinett Monti). Ihm folgte das Kabinett Letta (28. April 2013 bis zum 22. Februar 2014) und diesem das Kabinett Renzi unter Matteo Renzi.

Eine von Renzi angestrebte Verfassungs√§nderung wurde am 4. Dezember 2016 durch das Volk in einem Referendum abgelehnt, infolgedessen trat Renzi zur√ľck. Neuer Ministerpr√§sident wurde Paolo Gentiloni. Nach den Wahlen 2018 wurde eine Koalitionsregierung der Parteien Movimento 5 Stelle und Lega Nord unter dem parteilosen Ministerpr√§sidenten Giuseppe Conte gebildet, die am 1. Juni 2018 ihr Amt antrat. Nachdem die Lega Nord aus der Koalition ausschied, bildete Conte sein Kabinett um, das neben dem MoVimento 5 Stelle von Partito Democratico, Liberi e Uguali, Italia Viva und dem Movimento Associativo Italiani all‚ÄôEstero unterst√ľtzt wurde. Im Januar 2021 verlie√ü Italia Viva das Regierungsb√ľndnis und Conte erkl√§rte seinen R√ľcktritt.

Staatspr√§sident Sergio Mattarella sprach sich gegen Neuwahlen w√§hrend der COVID-19-Pandemie aus, von der Italien seit Januar 2020 betroffen ist, und beauftragte Mario Draghi, den fr√ľheren Pr√§sidenten der Europ√§ischen Zentralbank und fr√ľheren Gouverneur der italienischen Zentralbank, eine Regierung zu bilden, die am 13. Februar 2021 vereidigt wurde. Diese Regierung der nationalen Einheit wird insbesondere von den Parteien Movimento 5 Stelle, Partito Democratico, Lega und Forza Italia getragen.

Politik

Staatsgr√ľndung

Am 2. Juni 1946 wurden die Italiener zum Referendum √ľber die Staatsform und zu den Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung aufgerufen.

Wahlberechtigt waren 28.005.449 italienische B√ľrger, von denen 24.946.878 zur Wahl gingen, was 89,1¬†% der Wahlberechtigten entsprach. Zum ersten Mal durften auch Frauen w√§hlen. Das amtliche Ergebnis wurde am 18. Juni 1946 vom Kassationsgerichtshof verk√ľndet: 54,27¬†% der Stimmen f√ľr die Republik, 45,73¬†% f√ľr die Monarchie, sowie 1.509.735 ung√ľltige Stimmen (davon 1.146.729 leere Stimmzettel).

Hinsichtlich der regionalen Mehrheitsverh√§ltnisse war Italien praktisch in zwei Lager gespalten: Im Norden hatte die Republik mit 66,2¬†% gewonnen, im S√ľden dagegen kam die Monarchie auf 63,8¬†%.

Politisches System

Italien ist seit 1946 eine parlamentarische Republik. Die italienische Verfassung, Originalbezeichnung La Costituzione della Repubblica Italiana, wurde am 22. Dezember 1947 beschlossen, trat am 1. Januar 1948 in Kraft und ist gepr√§gt durch einen Kompromisscharakter, der aus der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte herr√ľhrt: Aus der Erfahrung des gemeinsamen Widerstandskampfes gegen den Faschismus (Resistenza) entschlossen sich die im ‚ÄěNationalen Befreiungskomitee‚Äú zusammengeschlossenen antifaschistischen (liberale, sozialistische, kommunistische und katholisch gepr√§gte) Parteien, gemeinsam die neue Verfassung auszuarbeiten.

Besonderheiten der italienischen Verfassung sind die zentrale Rolle, die dem Parlament (Zweikammersystem, bicameralismo perfetto) zugestanden wird, die vergleichsweise geringen formalen Einflussm√∂glichkeiten des Ministerpr√§sidenten, die starke Betonung plebiszit√§rer Elemente (Verfassungs√§nderungen m√ľssen eventuell durch Referendum best√§tigt werden, au√üerdem besteht f√ľr die B√ľrger die M√∂glichkeit, von Volksabstimmungen und Gesetzesinitiative Gebrauch zu machen), der m√§chtige Verfassungsgerichtshof und die Dezentralisierung im Zuge von Reformen in den 1990er und Anfang der 2000er Jahre.

Italien ist Mitglied in mehreren √ľberstaatlichen Organisationen. Mit dem 4.¬†April 1949 erfolgte der Beitritt zur NATO. Seit dem 14.¬†Dezember 1955 geh√∂rt Italien den Vereinten Nationen an. Zudem ist das Land Gr√ľndungsmitglied der Europ√§ischen Union am 1.¬†Januar 1952.

Exekutive

Offiziell hei√üt die Regierung Ministerrat (italienisch: consiglio dei ministri oder einfach nur consiglio), der Ministerpr√§sident firmiert als Pr√§sident des Ministerrats, auf Italienisch also presidente del consiglio (dei ministri). Spricht man nur vom ‚ÄěPr√§sidenten‚Äú, kann damit also sowohl der Staatspr√§sident als auch der Ministerpr√§sident gemeint sein.

Die Minister sind gemeinsam f√ľr die Handlungen des Ministerrates und einzeln f√ľr die Handlungen ihres Gesch√§ftsbereiches verantwortlich. Die Minister werden auf Vorschlag des Ministerpr√§sidenten vom Staatspr√§sidenten ernannt. Der Ministerpr√§sident hat nicht die Befugnis, Minister selbst√§ndig zu ernennen oder zu entlassen.

Der Ministerpr√§sident bestimmt die allgemeine Politik der Regierung und √ľbernimmt daf√ľr die Verantwortung. Er wahrt die Einheitlichkeit der Ausrichtung in Politik und Verwaltung, indem er die T√§tigkeit der Minister f√∂rdert und koordiniert. Wegen der Abh√§ngigkeit von den oft instabilen politischen Mehrheitsverh√§ltnissen wird der Ministerpr√§sident als ‚ÄěVorsitzender des Ministerrates‚Äú oft nur als primus inter pares betrachtet.

Als Kollegialorgan nimmt der Ministerrat im italienischen Verfassungssystem hingegen eine herausragende Rolle insbesondere im Gesetzgebungsprozess ein:

  • er bereitet Gesetzentw√ľrfe vor,
  • er erl√§sst Gesetzesdekrete, die anschlie√üend vom Parlament in Gesetze umgewandelt werden m√ľssen, damit die Gesetzesdekrete ihre Wirksamkeit behalten,
  • er wird durch Erm√§chtigungsgesetze vom Parlament mit der Ausarbeitung von Gesetzen innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen beauftragt und kann insoweit sog. Gesetzesvertretende Dekrete erlassen.

Der Amtssitz des italienischen Ministerpr√§sidenten ist der Palazzo Chigi in Rom. Dort unterst√ľtzt ihn das Ministerratspr√§sidium. Amtierender Ministerpr√§sident von Italien ist seit dem 13. Februar 2021 Mario Draghi.

Legislative

Das italienische Parlament besteht aus zwei Kammern: dem Senat (Senato della Repubblica) und der Abgeordnetenkammer (Camera dei deputati). Beide Kammern sind im Gesetzgebungsverfahren absolut gleichberechtigt und unterscheiden sich nur hinsichtlich Anzahl, Zusammensetzung und Wahlmodus ihrer Mitglieder. Beide Kammern tagen unabh√§ngig voneinander. In jeder Kammer gibt es st√§ndige Aussch√ľsse und Sonderkommissionen, die ebenfalls unabh√§ngig voneinander sind.

Die Abgeordnetenkammer ist die gr√∂√üere Parlamentskammer, deren 630 Abgeordnete (darunter 12 Vertreter der Auslandsitaliener) alle f√ľnf Jahre gew√§hlt werden.

Dem Senat der Republik geh√∂ren 315 Senatoren an. Sie werden ebenfalls (gleichzeitig mit den Abgeordneten) auf f√ľnf Jahre gew√§hlt, allerdings nicht auf nationaler Ebene, sondern auf regionaler Basis. Jede der 20 Regionen stellt eine festgelegte Anzahl an Senatoren, die je nach Bev√∂lkerungszahl in der Region variiert.

Hinzu kommen maximal f√ľnf vom Staatspr√§sidenten ernannte Senatoren auf Lebenszeit. Zudem sind auch die Staatspr√§sidenten nach dem Ende ihrer Amtszeit von Rechts wegen Senatoren auf Lebenszeit. Zurzeit (Dezember 2020) sitzen im Parlament sechs Senatoren auf Lebenszeit, davon f√ľnf vom Staatspr√§sidenten ernannte Senatoren und ein ehemaliger Staatspr√§sident.

Infolge einer Verfassungsreform, die bei einer Volksabstimmung 2020 angenommen wurde, wird das Parlament ab der nächsten Legislaturperiode verkleinert (auf 400 Abgeordnete und 200 gewählte Senatoren).

Staatsoberhaupt

Staatsoberhaupt ist in Italien der Staatspr√§sident (eigentlich: Pr√§sident der Republik, italienisch: Presidente della Repubblica). Laut Verfassungsnorm nimmt er vorwiegend repr√§sentative Funktionen wahr, beteiligt sich an der Regierungsbildung und ist Oberbefehlshaber √ľber die Streitkr√§fte. In der Verfassungswirklichkeit kommt ihm nicht selten eine entscheidende Rolle bei der Bew√§ltigung von Regierungskrisen zu, die in der Italienischen Republik in der zweiten H√§lfte des 20. Jahrhunderts wesentlich h√§ufiger waren als in anderen europ√§ischen L√§ndern.

Seine wichtigste Befugnis ist die Aufl√∂sung des Parlaments (einer Kammer oder beider). Er darf diese aber in den letzten sechs Monaten seines Mandats nicht aus√ľben, es sei denn, sie stimmen mit den letzten sechs Monaten der Legislaturperiode zur G√§nze oder zum Teil √ľberein.

Eine weitere wichtige Funktion steht ihm in Zusammenhang mit der Gesetzgebung vor. Da jedes Gesetz vor seiner Verk√ľndung die Unterzeichnung des Staatspr√§sidenten ben√∂tigt, kann er zumindest vorl√§ufig dessen Inkrafttreten verhindern. Wenn das Parlament das Gesetz n√§mlich erneut billigt, zwingt ihn die italienische Verfassung, dieses zu unterzeichnen. Ein echtes Veto-Recht besitzt er also nicht.

Der Staatspr√§sident wird von den vereinigten Kammern des Parlaments (parlamento in seduta comune) und Vertretern der 20 Regionen gew√§hlt: drei pro Region, mit Ausnahme des Aostatals, das nur einen Vertreter entsenden darf. Die Wahl des Pr√§sidenten findet durch geheime Abstimmung mit Zweidrittelmehrheit der Versammlung statt. Nach dem dritten Wahlgang gen√ľgt die absolute Mehrheit. Gew√§hlt werden kann jeder Staatsb√ľrger, der das 50. Lebensjahr vollendet hat. Der Amtssitz des Staatspr√§sidenten ist der Quirinalspalast in Rom. Amtierender Pr√§sident der Italienischen Republik ist seit dem 3. Februar 2015 Sergio Mattarella.

Politische Indizes

Recht

Das italienische Rechtssystem wird dem r√∂misch-germanischen Rechtskreis zugeordnet und kann auf eine √ľber das Mittelalter bis ins r√∂mische Recht zur√ľckreichende Geschichte zur√ľckblicken.

Die wichtigsten Rechtsquellen neben der italienischen Verfassung (Costituzione della Repubblica Italiana, 1948) sind das Zivilgesetzbuch (Codice civile, 1942), die Zivilprozessordnung (Codice di Procedura Civile, 1940), das Strafgesetzbuch (Codice penale, 1930) und die Strafprozessordnung (Codice di Procedura Penale, 1988). Daneben bestehen zahlreiche Kodifizierungen (Codici) und Einheitstexte (Testi Unici) in einzelnen Rechtsbereichen (vom Arbeitsrecht bis zum Verwaltungsrecht).

H√∂chstes Organ der ordentlichen Gerichtsbarkeit in Italien ist der Kassationsgerichtshof (Corte Suprema di Cassazione), f√ľr die Verfassungsgerichtsbarkeit ist der Verfassungsgerichtshof (Corte Costituzionale) zust√§ndig.

Das allgemeine aktive Wahlrecht f√ľr M√§nner galt schon seit 1919. Im Geist feministischer Reformen stimmte das Unterhaus (Camera dei deputati) 1919 mit 174 zu 55 Stimmen auch f√ľr das aktive Frauenwahlrecht, aber der Senat (Senato del Regno) weigerte sich, die Ma√ünahme zu bef√ľrworten. Am 15. Mai 1925 erschien Mussolini pers√∂nlich im Parlament, um einen Gesetzentwurf zu unterst√ľtzen, der Frauen das lokale Wahlrecht verschaffen sollte. Noch im selben Jahr aber schaffte er alle Lokalwahlen ab. 1945 brachten die Christdemokraten und die Kommunisten einen Gesetzentwurf f√ľr die Einf√ľhrung des allgemeinen Wahlrechts ein. Alle anderen Parteien unterst√ľtzten ihn und er wurde am 1. Februar 1945 Gesetz. Im folgenden Jahr wurde gew√§hlt. Gem√§√ü Artikel 3 des Dekrets 23 vom 30. Januar 1945 waren aber sichtbare Sexarbeiterinnen (also die, die ihr Gewerbe au√üerhalb genehmigter Bordelle aus√ľbten) vom Wahlrecht ausgeschlossen, sodass das Wahlrecht f√ľr Frauen eingeschr√§nkt war. Das passive Frauenwahlrecht wurde ebenfalls am 1. Februar 1945 eingef√ľhrt,, es galten die Einschr√§nkungen wie beim aktiven Frauenwahlrecht. Artikel 7 des Dekrets 74 vom 10. M√§rz 1946 best√§tigt die W√§hlbarkeit von B√ľrgerinnen und B√ľrgern, die am Wahltag 25 Jahre alt sind, also ohne Beschr√§nkungen.

Gesundheitssystem

Das Gesundheitssystem in Italien ist auf regionaler Ebene strukturiert. Die lokalen Sanit√§tsbetriebe (Aziende Sanitarie Locali) unterstehen den jeweiligen Regionalregierungen. Die regionale Auspr√§gung f√ľhrt dazu, dass die Qualit√§t der Dienstleistungen von Region zu Region sehr unterschiedlich ist. Es ist ein scharfes Nord-S√ľd-Gef√§lle zu verzeichnen, das einen starken Gesundheitstourismus, vor allem in Richtung Venetien, Lombardei und Emilia-Romagna verursacht.

Die ausgezeichneten Leistungen dieser Regionen haben die WHO im Jahr 2000 dazu veranlasst, Italien nach Frankreich auf den zweiten Platz in der Weltrangliste der Gesundheitssysteme zu stellen. Als negativ werden die langen Wartezeiten (oft mehrere Monate) auf stationäre Behandlung gesehen.

Haus√§rzte erhalten in Italien eine Kopfpauschale f√ľr die Patienten, die in einer Liste registriert wurden. Zahn√§rztliche Leistungen m√ľssen √ľberdies von den B√ľrgern vollst√§ndig selbst getragen werden.

Die gesamten Gesundheitsausgaben betrugen im Jahr 2019 8,7¬†Prozent des BIP, und entsprachen damit exakt dem OECD-Durchschnitt. Der √ľberwiegende Anteil dieser Ausgaben (75¬†Prozent) wird vom √∂ffentlichen Sektor getragen (OECD: 71,7¬†Prozent).

Polizei und Nachrichtendienste

Das italienische Polizeiwesen ist mehrgliedrig und teilweise milit√§risch organisiert. Die einzelnen Polizeiorganisationen unterstehen verschiedenen Ministerien oder den unteren Gebietsk√∂rperschaften. Dieses althergebrachte System hat sich aus Gr√ľnden der Tradition erhalten, aber auch, um zu verhindern, dass zu viel polizeiliche Gewalt in einer Hand bzw. in einem Ministerium geb√ľndelt wird. Auf der nationalen Ebene gibt es die zivile Polizia di Stato (Staatspolizei), die dem Innenministerium unterstellt ist. Sie √ľbernimmt haupts√§chlich polizeiliche Aufgaben innerhalb der gro√üen St√§dte.

Die Staatspolizei wird erg√§nzt durch die Carabinieri, einer Gendarmerietruppe, die dem Verteidigungsministerium untersteht und nach Weisung des Innenministeriums Polizeidienst versieht, vor allem auch auf dem Land. Vergleichbare Strukturen finden sich auch in Frankreich (Gendarmerie nationale) und in Spanien (Guardia Civil). Daneben verf√ľgt das italienische Finanzministerium √ľber die Guardia di Finanza (Finanzwacht), eine Finanz- und Zollpolizei, die auch Grenzschutzaufgaben √ľbernimmt. Auf lokaler Ebene gibt es unter anderem die Gemeindepolizeien (Polizia Municipale), die sich vorwiegend um den √∂rtlichen Stra√üenverkehr k√ľmmern.

In Italien ist der Ministerpr√§sident seit 2007 unmittelbar f√ľr die Nachrichtendienste verantwortlich und legt in Zusammenarbeit mit dem interministeriellen Steuerungskomitee Comitato interministeriale per la sicurezza della Repubblica (CISR) deren operative Priorit√§ten fest. Das dem Regierungschef unterstellte Dipartimento delle Informazioni per la Sicurezza (DIS) koordiniert die Arbeit des Auslandsnachrichtendienstes Agenzia Informazioni e Sicurezza Esterna (AISE) und des Inlandsnachrichtendienstes Agenzia Informazioni e Sicurezza Interna (AISI). Daneben gibt es noch den beim Generalstab angesiedelten milit√§rischen Fachdienst Centro Intelligence Interforze (J2). Die Nachrichtendienste werden seit 1977 von einem besonderen parlamentarischen Ausschuss kontrolliert.

Militär

Die italienische Sicherheitspolitik ruht unver√§ndert auf der Einbindung in¬†NATO,¬†EU¬†und¬†UN¬†sowie auf der strategischen Partnerschaft mit den USA.¬†Italien sieht sich als der Hauptakteur in der erweiterten Mittelmeerregion (‚Äěmediterraneo allargato‚Äú). Sicherheitspolitisch stehen f√ľr Italien die Lage in Libyen und die Fl√ľchtlingskrise im Mittelpunkt. Italien setzt sich im Bereich Abr√ľstung f√ľr die weltweite Beachtung der Vertr√§ge ein, so auch f√ľr das Verbot von Streubomben. Es unterst√ľtzt die Initiative zur Schaffung einer atomwaffenfreien Welt.

Die italienischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Esercito Italiano (Heer), Marina Militare (Marine) und Aeronautica Militare (Luftwaffe) sowie aus den Carabinieri. Derzeit (2019) dienen rund 171.000 Soldaten in den Streitkräften, dazu kommen rund 110.000 Carabinieri und etwa 30.000 zivile Mitarbeiter.

Die allgemeine Wehrpflicht ist in Italien seit dem 1.¬†Juli 2005 ausgesetzt. Bei der Umstellung auf eine Berufs- und Freiwilligenarmee wurde der Personalumfang von Heer, Marine und Luftwaffe auf insgesamt 190.000 Soldaten festgelegt. Wegen der folgenden Finanz- und Wirtschaftskrise mussten auch im Bereich der Streitkr√§fte K√ľrzungen und Verkleinerungen vorgenommen werden. Im Jahr 2019 beliefen sich die Verteidigungsausgaben auf rund 21,4¬†Mrd. Euro, was 1,21¬†Prozent des Bruttoinlandsprodukts entsprach.

Bis 2024 soll die Personalstärke der Streitkräfte (ohne Carabinieri) auf 150.000 Soldaten und 20.000 zivile Mitarbeiter sinken. Die Ausrichtung der Streitkräfte auf Auslandseinsätze im Rahmen der EU, der NATO und der Vereinten Nationen wurde mit dem Verteidigungsweißbuch 2015 etwas eingeschränkt.

Der Bestand an US-amerikanischen Kernwaffen auf italienischem Territorium wurde seit dem Ende des Kalten Krieges deutlich verringert. Die Vereinigten Staaten lagern in Aviano noch Atombomben, weitere sind im Rahmen der Nuklearen Teilhabe einem italienischen Geschwader in Ghedi zugeteilt.

Außen- und Sicherheitspolitik

Italien ist sowohl Gr√ľndungsmitglied der Europ√§ischen Union als auch des Europarates. Als EU-Mitglied ist die Italienische Republik 1990 auch der Europ√§ischen W√§hrungsunion beigetreten und Teil des Europ√§ischen Binnenmarktes. Neben wirtschaftlichen Interessen ist man auch auf weiteren Politikfeldern der EU aktiv, so ist Italien Teil des Schengenraums, der justiziellen und polizeilichen Zusammenarbeit in Europa mithilfe von Europol und Eurojust. Italien geh√∂rt zu den besonders integrationsfreundlichen Mitgliedstaaten der EU. Der Prozess der EU-Erweiterung um neue Mitglieder (besonders der westlichen Balkanl√§nder und der T√ľrkei) wird von Italien aktiv unterst√ľtzt. Italien setzt sich f√ľr eine weitere Vertiefung der europ√§ischen Union ein. Ein besonderes europapolitisches Anliegen Italiens ist die Etablierung eines tragf√§higen, auf dem Solidarit√§tsprinzip beruhenden Mechanismus zur nachhaltigen Bew√§ltigung der Fl√ľchtlingskrise.

Zu den regionalen Schwerpunkten der italienischen Au√üenpolitik z√§hlen die Mittelmeerregion, der Westliche Balkan, der Nahe Osten, Afghanistan, das Horn von Afrika mit besonderem Fokus auf die ehemaligen Kolonien, daneben Lateinamerika mit seiner hohen Zahl italienischer Emigranten und deren Nachfahren (Uruguay, Argentinien, Brasilien, Venezuela). Aufgrund seiner zentralen Lage versteht sich Italien zudem als Br√ľcke zwischen Europa und den s√ľdlichen Mittelmeeranrainern, namentlich zu Libyen, √Ągypten und Tunesien. Gro√üe Sorge bereitet Italien dabei die gro√üe Zahl von Fl√ľchtlingen, die zumeist √ľber Libyen Italien und die EU erreichen. Im Verh√§ltnis zu Russland, zu dem intensive Wirtschaftsbeziehungen bestehen, setzt sich Italien auch in der aktuell angespannten Lage f√ľr eine Aufrechterhaltung des Dialogs ein.

Italien ist an vielen UN-Missionen beteiligt und einer der größten Bereitsteller von Truppen.

Politische Gliederung

Italien ist politisch in 20 Regionen (regioni) mit jeweils eigener Regierung gegliedert. Diese Regionen sind in insgesamt 88 Provinzen (province) und 14 Metropolitanstädte (città metropolitane) unterteilt. Provinzen und Metropolitanstädte untergliedern sich in insgesamt 7904 Gemeinden (comuni).

Regionen

Die italienischen Regionen verf√ľgen √ľber eine als Statut bezeichnete Landesverfassung. F√ľnf Regionen haben ein Sonderstatut (statuto speciale), das ihnen eine unterschiedlichen Grad an Autonomie gew√§hrt; diese sind in der folgenden Liste mit einem Stern (*) markiert.

Städte

Liste der zehn größten Städte nach Einwohnern.

Provinzen und Metropolitanstädte

Die Provinz Sassari ist mit 7.678¬†km¬≤ die fl√§chenm√§√üig gr√∂√üte Provinz. Die Provinzen Bozen (S√ľdtirol) und Trient (Trentino) nehmen in der Verfassung eine Sonderstellung ein. Sie sind Autonome Provinzen und den italienischen Regionen gleichgestellt.

Wirtschaft und Finanzen

Italien ist ein Industriestaat mit einer vormals stark gelenkten Volkswirtschaft: Der staatliche Konzern IRI (1933‚Äď2002) unterhielt zwischenzeitlich 1000 Tochtergesellschaften und z√§hlte bis zu 500.000 Besch√§ftigte. Im Laufe der 1990er¬†Jahre wurden die Staatsunternehmen nach und nach privatisiert, auch um die Schulden der √∂ffentlichen Hand zu bedienen, die M√§rkte wurden ge√∂ffnet und dereguliert.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Italiens betrug im Jahr 2019 (vor der COVID-19-Pandemie) insgesamt 1.787,66 Mrd. Euro. Dies entspricht rund 29.600 Euro pro Kopf. Damit war Italien hinter Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft der EU (ohne Großbritannien) und (2019) die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Das Wirtschaftswachstum Italiens hat √ľber die Jahrzehnte stetig abgenommen: Zwischen 1970 und 1979 wuchs das BIP um 40¬†%, zwischen 1980 und 1989 um 25¬†Prozent, zwischen 1990 und 1999 um 13¬†Prozent. Von 2000 bis 2009 wuchs das BIP nur noch um 1,2¬†Prozent. Die Gro√üe Rezession bzw. Eurokrise haben zu einem R√ľckgang des BIP gef√ľhrt (‚ąí5,3¬†Prozent in 2009; ‚ąí3,0¬†Prozent in 2012; ‚ąí1,8¬†Prozent in 2013), das h√∂chste Wachstum zwischen 2010 und 2019 wurde mit 1,7¬†Prozent jeweils in 2010 und 2017 erzielt. Im Rahmen der COVID-19-Pandemie ging das BIP Italiens 2020 um 8,9¬†Prozent zur√ľck.

Wichtigster Handelspartner Italiens ist Deutschland, mit einem Exportanteil von 12,7¬†Prozent und einem Importanteil von 15,9¬†Prozent, gefolgt von Frankreich, mit 11,2¬†Prozent bzw. 8,5¬†Prozent. Zu den wichtigsten Ausfuhrm√§rkten f√ľr italienische Produkte geh√∂ren auch Spanien (6,5¬†Prozent), die USA (6,2¬†Prozent) und das Vereinigte K√∂nigreich (5,2¬†Prozent). Die meisten Einfuhren bezieht Italien des Weiteren aus China (6,2¬†Prozent), den Niederlanden (5,3¬†Prozent), Libyen (4,6¬†Prozent) und Russland (4,2¬†Prozent).

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Italien Platz 30 von 141 L√§ndern (Stand 2019). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegte das Land 2020 Platz 74 von 180 L√§ndern.

Die Schattenwirtschaft ist in Italien hoch. Das Ministerium f√ľr Wirtschaft und Finanzen sch√§tzt einen Anteil von 10,7¬†Prozent des BIP (2018).

Wirtschaft

Rohstoffe

Italien verf√ľgt √ľber verschiedenste Rohstoffvorkommen. Bedeutende Bodensch√§tze des Landes sind Fluorit, Kohle, Quecksilber, Sylvin und Zink. In den Apuanischen Alpen um Carrara und Massa wird der weltbekannte Carrara-Marmor gebrochen. Es gibt gro√üe Erdgas- (Po-Ebene, Adria) und Erd√∂lvorkommen (Basilikata, Sizilien).

Energieversorgung

Die Energieversorgung Italiens ist durch eine sehr hohe Importabhängigkeit gekennzeichnet, ca. 79 Prozent des Energiebedarfs wird importiert.

Der Verbrauch an elektrischer Energie lag in Italien im Jahr 2011 bei 334,6 TWh, was einen Anstieg von 1,3¬†Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellte. Mehr als 10¬†Prozent wird durch Wasserkraft produziert, wobei im Jahr 2011 der Anteil der Energieproduktion durch erneuerbare Energien um 7,8¬†Prozent gegen√ľber dem Vorjahr gestiegen ist.

Heute produziert Italien seinen Strom vor allem in thermischen Kraftwerken, wobei 64,4 Prozent davon mit Erdgas, der Rest mit Erdöl und weiteren Brennstoffen produziert wird. Das größte Kraftwerk Alessandro Volta liegt in Montalto di Castro und hat eine Leistung von 3600 MW. Das Kraftwerk lief 2009 aber nur noch an 2000 bis 3000 Stunden (von 8760 möglichen), weil der produzierte Strom zu teuer ist.

Der Photovoltaikanteil ist im Laufe 2011 um 268¬†Prozent gestiegen und erreichte 2017 eine Jahresproduktion von 19,7 TWh, w√§hrend die Windkraftanlagen (vor allem in Apulien und dem restlichen S√ľden) rund 10¬†TWh lieferten. Geothermische Energie wird insbesondere in Mittelitalien, zum Beispiel in Larderello, gewonnen und brachte 4,3¬†TWh. Im Jahre 2011 lieferte Italien unter den Mitgliedstaaten der Europ√§ischen Union mit seiner Wasserkraft einen erheblichen Anteil zur Versorgung aus erneuerbaren Energiequellen: Es wurden 45,2¬†TWh erzeugt ‚Äď das entspricht rund 15¬†Prozent der insgesamt in den EU-L√§ndern erzeugten Energie aus Wasserkraft.

Italien hatte vor 1990 vier Kernkraftwerke. Ausgel√∂st durch die Tschernobyl-Katastrophe in der Ukraine (26. April 1986) f√ľhrte Italien ab 1987 einen schrittweisen Atomausstieg durch. 1990 wurde das letzte italienische Atomkraftwerk abgeschaltet.

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima in Japan beschloss das italienische Kabinett im März 2011, einen Wiedereinstieg in die Kernenergie ein weiteres Jahr auszusetzen; am 12. und 13. Juni 2011 lehnten bei einer Volksabstimmung mit 57 Prozent Wahlbeteiligung 94,1 Prozent der Abstimmenden den Wiedereinstieg ab.

Italien ist heute der gr√∂√üte Stromnettoimporteur der Welt, in der ersten H√§lfte 2014 wurden etwa 15¬†Prozent des Bedarfs importiert (22,3¬†TWh bei einem Gesamtbedarf von 153¬†TWh); ein Gro√üteil davon stammt aus franz√∂sischen Atomkraftwerken. Im Jahre 2012 wurden netto insgesamt 43,104 Mrd. kWh importiert, davon 24,668 Mrd. aus der Schweiz und 11,37 Mrd. aus Frankreich. Die Strompreise in Italien sind f√ľr Industriekunden mit die h√∂chsten in der EU.

Die gr√∂√üten Energieproduzenten sind Enel, Edison, ERG, A2A und Sorgenia, w√§hrend f√ľr das Verteilungsnetz Terna zust√§ndig ist.

Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen

Die Landwirtschaft spielt zwar volkswirtschaftlich nur noch eine geringe Rolle (ca. 2¬†Prozent), bringt jedoch einige wichtige Erzeugnisse hervor. Bedeutend sind der Weinbau, da das Land mit rund 49¬†Millionen Hektolitern vor Frankreich der gr√∂√üte Weinproduzent der Welt (Stand: 2015) ist, sowie die Erzeugung von Oliven√∂l: Italien ist hier der zweitgr√∂√üte Produzent (nach Spanien), mit 442.000¬†Tonnen im Jahr 2013 und die K√§seherstellung (Parmesan, Mozzarella, Pecorino oder Ricotta). Auch werden Zitrusfr√ľchte wie Orangen und Zitronen, Nachtschattengew√§chse wie Tomaten und Auberginen, K√ľrbisgew√§chse wie Zucchini, Wasser- und Honigmelonen, Salatpflanzen wie Rucola und Radicchio, sowie H√ľlsen- und Nussfr√ľchte angebaut und exportiert.

Die St√§rke der italienischen Wirtschaft liegt im verarbeitenden Gewerbe, vor allem in kleinen und mittelst√§ndischen familiengef√ľhrten Unternehmen. Laut zentralem Statistikinstitut ISTAT z√§hlen 95,2¬†Prozent zu den Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Besch√§ftigten. Von allen L√§ndern Europas hat Italien mit 2,1 Prozent (nach Deutschland mit 5,3 Prozent) den h√∂chsten Weltmarktanteil (2019) im verarbeitenden Gewerbe (Spitzenreiter sind China und die USA mit jeweils 28,7 und 16,8 Prozent).

Zu den wichtigsten Industrien z√§hlen der Maschinen-, Flugzeug- (Leonardo), Schiff- (Fincantieri) und Fahrzeugbau (Fiat-Konzern (dazugeh√∂rend: Alfa Romeo, Iveco, Lancia, Maserati), Ferrari, Piaggio und Pirelli), die Chemieindustrie und die Herstellung elektronischer Produkte (Magneti Marelli). Die Textilindustrie ist sehr stark vertreten und steht mit ihren bekannten Markennamen (Armani, Benetton, Diesel, Dolce & Gabbana, Gucci, Prada oder Versace) f√ľr den Inbegriff des made in Italy. Luxottica ist der weltgr√∂√üte Brillenhersteller. Zu den wichtigsten italienischen Exportg√ľtern z√§hlen auch die Erzeugnisse der Nahrungsmittelindustrie (Barilla, Campari, Lavazza, Parmalat): Das gr√∂√üte Unternehmen der Branche ist Ferrero. Das italienische Unternehmen mit dem h√∂chsten Umsatz ist der √Ėl- und Gaskonzern ENI.

Im Dienstleistungssektor ist Italien vor allem durch Großbanken wie Unicredit und Intesa Sanpaolo international vertreten. Die Assicurazioni Generali ist eine der größten Versicherungsgesellschaften der Welt.

Die Tourismusbranche geh√∂rt seit Jahrzehnten zu den bedeutenden Einnahmequellen Italiens. Italien geh√∂rt zu den klassischen Reisezielen der Welt. Beliebte Ziele sind die Alpen, die K√ľstengebiete am Ligurischen und Adriatischen Meer, zahlreiche historische St√§dte, Museen, arch√§ologische Ausgrabungsst√§tten und traditionelle Br√§uche wie der Karneval in Venedig, Palio di Siena oder Calcio storico.

Italien, das in den 1970er Jahren noch das meistbesuchte Land der Welt war, befindet sich heute mit seinen rund 65 Millionen Touristen (2019) an 5. Stelle (hinter Frankreich, Spanien, den Vereinigten Staaten und China).

Arbeitsmarkt

Italien verzeichnete zu Beginn des 21. Jahrhunderts gegen√ľber den 1990er¬†Jahren einen starken R√ľckgang der Arbeitslosenzahlen. Nach dem Ausbruch der Gro√üen Rezession und der darauffolgenden Eurokrise steckt das Land jedoch in der Krise. Laut ISTAT betrug die Arbeitslosenquote im Jahr 2008 noch 6,7 Prozent. In den darauffolgenden Jahren stieg die Arbeitslosenquote Italiens aufgrund der Wirtschaftskrise stetig und deutlich an. Die Arbeitslosenquote betrug im vierten Quartal 2015 nunmehr 11,9¬†Prozent. Die Besch√§ftigtenquote lag im Januar 2016 bei 56,8¬†Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit betrug im Januar 2016 hohe 39,3¬†Prozent. Im Vergleich zu 2014 stellen diese Zahlen jedoch eine Verbesserung dar. Die OECD hat dar√ľber hinaus festgestellt, dass die Erwerbseinkommen zu den niedrigsten unter den industrialisierten L√§ndern geh√∂rten. Auf nur 19.861 Dollar belief sich das durchschnittliche Nettoeinkommen der Italiener, die somit auch von Griechen und Spaniern √ľberholt werden. Der OECD-Schnitt liegt bei 24.660 Dollar.

Die Selbstständigenquote ist in Italien umso höher. Sie liegt bei etwa 33 Prozent der Erwerbspersonen (zum Vergleich 17 Prozent in Spanien und 10 Prozent in Deutschland).

2011 arbeiteten 3,9¬†% aller Arbeitskr√§fte in der Landwirtschaft, 28,3¬†% in der Industrie und 67,8¬†% im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der Besch√§ftigten wird f√ľr 2017 auf 25,94 Millionen gesch√§tzt; davon sind 42¬†% Frauen. Die Erwerbsquote von Frauen geh√∂rt zu den niedrigsten in der Europ√§ischen Union.

Regionale Unterschiede

Nord-S√ľd-Gef√§lle

Charakteristisch f√ľr Italien ist die wirtschaftliche Zweiteilung des Landes. Der stark industrialisierte Norden steht dem unterentwickelten S√ľden gegen√ľber.

Die gro√üen Wirtschaftszentren Mailand, Turin und Genua bilden das triangolo industriale (industrielles Dreieck). Der gesamte oberitalienische Raum verf√ľgt √ľber einen gut entwickelten Dienstleistungssektor und geh√∂rt zu den wirtschaftlich st√§rksten Gebieten Europas.

Vor der Großen Rezession herrschte im Norden weitestgehend Vollbeschäftigung (Arbeitslosenquote 2008 von 3,9 Prozent), danach ist die Arbeitslosenquote auf 6,2 Prozent gestiegen (2010).

Mittelitalien verf√ľgt √ľber eine Wirtschaft, die auf Unternehmen im Textil-, Schuh- und M√∂belsektor und besonders auf Tourismus basiert. Zudem ist Rom Sitz s√§mtlicher Verwaltungen, vieler Gro√üunternehmen (Eni, Enel, Finmeccanica, Poste Italiane, Telecom Italia, Unicredit) und Organisationen (FAO) und Herz der italienischen Filmindustrie (Cinecitt√†). Die Arbeitslosigkeit in Mittelitalien lag 2010 im Schnitt bei 8,1¬†Prozent.

Des Weiteren hat eine Untersuchung der Entwicklung der Unternehmen, Beschäftigten und der Unternehmensgrößen in den 1970er Jahren in Italien deutlich gemacht, dass sich in den Regionen der westlichen Po-Ebene und entlang der Via Emilia mit ihren traditionell stark vernetzten und verstädterten Strukturen eine spezielle Industriestruktur herausgebildet hat. So werden seit den 1970er Jahren der Nordosten und die Mitte Italiens unter dem Fachterminus Drittes Italien zusammengefasst, der die italienischen Industriedistrikte beschreibt, die sich in diesem Gebiet ballten.

Der S√ľden des Landes, auch Mezzogiorno genannt, stellt eine der strukturschw√§chsten Regionen Westeuropas dar. Die Folge daraus sind sehr hohe Arbeitslosenquoten (√ľber 13¬†Prozent), die f√ľr die Jugend Extreme annimmt ‚Äď die saisonbereinigte Jugendarbeitslosigkeit √ľberstieg 2011 in S√ľditalien die 40-Prozent-Marke. Auch eine erh√∂hte Kriminalit√§tsrate und nicht zuletzt das organisierte Verbrechen, das besonders in Kampanien, Kalabrien und auf Sizilien die Kontrolle √ľber viele Wirtschaftszweige aus√ľbt.

Soziale Unterschiede

Italien ist ein Land, das nicht nur von starken lokalen Unterschieden gepr√§gt ist, sondern auch eine relativ ungleiche Einkommensverteilung aufweist. In der Liste der L√§nder nach Einkommensverteilung liegt Italien mit einem Gini-Koeffizient von 35,9 an 97.¬†Stelle. Zum Vergleich liegt Deutschland an 139., √Ėsterreich an 149. und die Schweiz an 135.¬†Stelle (je h√∂her die Stelle, desto geringer die Ungleichheit).

Italien war, laut einer Studie der Bank Credit Suisse aus dem Jahre 2017, das Land mit dem siebt-größten nationalen Gesamtvermögen weltweit. Der Gesamtbesitz der Italiener an Immobilien, Aktien und Bargeld belief sich auf insgesamt 10.853 Milliarden US-Dollar. Das Vermögen pro erwachsene Person beträgt 223.572 Dollar im Durchschnitt und 124.636 Dollar im Median (Deutschland: 203.946 bzw. 47.091 Dollar). Der Gini-Koeffizient bei der Vermögensverteilung lag 2016 bei 71,9 was auf eine mittlere Vermögensungleichheit hindeutet.

S√ľ√üwarenfabrikant Giovanni Ferrero ist laut Forbes (2021) mit einem Verm√∂gen von 35,1¬†Milliarden Dollar reichster Italiener, gefolgt vom Brillenfabrikanten Leonardo Del Vecchio mit Familie und vom Pharmaunternehmer Stefano Pessina. Zu den reichsten Italienern geh√∂ren auch der Modedesigner Giorgio Armani, Medienunternehmer und Politiker Silvio Berlusconi sowie die Familie des Hausger√§teherstellers De‚ÄôLonghi.

Kennzahlen

Finanzen

Währungssystem

Die italienische Lira war mit der Gr√ľndung des K√∂nigreiches Italien 1861 bis Anfang 2002 die offizielle Umlaufw√§hrung Italiens.

Seit 2002 ist der Euro in Italien gesetzliches Zahlungsmittel und löste die italienische Lira ab. In der Exklave Campione d’Italia ist nicht der Euro, sondern der Schweizer Franken gesetzliches Zahlungsmittel.

Die Geld- und W√§hrungspolitik wurde bis zur Einf√ľhrung des Euros von der Bank von Italien und wird seitdem von der Europ√§ischen Zentralbank unter Mitwirkung auch der Bank von Italien bestimmt.

Staatshaushalt

W√§hrend des Zweiten Weltkriegs und unmittelbar danach konnte Italien seine Staatsschulden durch sehr hohe Inflation stark reduzieren, was 1947 zum Tiefstand der Schulden im Verh√§ltnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei 25,8¬†% f√ľhrte. Nach Inkrafttreten der republikanischen Verfassung 1948 entwickelte sich die italienische Staatsverschuldung wie folgt:

Bis Anfang der 1960er Jahre erm√∂glichte eine Kombination aus zeitweise hohem Wirtschaftswachstum im Zusammenhang mit der Kontrolle der Staatsausgaben bzw. in den 1970er Jahren eine Kombination aus Steuererh√∂hungen und hoher Inflation, die Staatsverschuldung unter Kontrolle zu behalten. In diesem Zeitraum war die Bank von Italien zudem verpflichtet, am Markt nicht gezeichnete Staatsanleihen aufzukaufen. Im Jahr 1981 wurde diese Verpflichtung aufgehoben (sog. divorzio, d.¬†h. Scheidung zwischen Notenbank und Staatshaushalt). Seitdem ist bei hohen Staatsausgaben und geringen Inflationsraten ein stetiger Anstieg der Staatsverschuldung zu verzeichnen, die nach einem Zwischenhoch von 120,1¬†% im Jahr 1994 bis zum Ausbruch der Gro√üen Rezession bzw. Eurokrise etwas zur√ľckgefahren werden konnte. Seit 2008 hat sich der prozentuale Schuldenstand auch wegen des niedrigen bzw. negativen Wirtschaftswachstums wieder erh√∂ht und erreichte im Rahmen der COVID-19-Pandemie ein neues Allzeithoch mit 155,6¬†% (2020):

Die Tragf√§higkeit der immer h√∂heren Schuldenlast wird auch durch die seit der Eurokrise betriebenen Geldpolitik der Europ√§ischen Zentralbank (EZB) sichergestellt, mit der Staatsanleihen wieder aufgekauft werden (diesmal im Rahmen des Eurosystems): So hatte die EZB gegen Ende 2018 360 Milliarden Euro italienische Staatspapiere erworben (zum Vergleich deutsche Staatsanleihen im Wert von mehr als 515 Milliarden Euro, da sich die K√§ufe nach dem Kapitalschl√ľssel richten, also dem Kapitalanteil, den die Euro-L√§nder an der EZB halten).

Der Staatshaushalt Italiens umfasste im durch die COVID-19-Pandemie gezeichneten Jahr 2020 Ausgaben von 946 Milliarden Euro und Einnahmen von 789 Milliarden Euro.

Der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) betrug in folgenden Bereichen laut Weltbank:

  • Gesundheit: 8,67 (2018)
  • Bildung: 4,3 (2018)
  • Milit√§r: 1,6 (2020)

√Ėffentliche Einnahmen, Steuern, Abgaben

Der Anteil Steuern und Beiträge zu den Sozialversicherungen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt liegt bei 42,4 Prozent (Stand 2019); zum Vergleich: Deutschland 38,8 Prozent.

Die Steuerquote liegt bei 29,2 Prozent (Stand 2019); zum Vergleich: Deutschland 24,1 Prozent.

Wichtigste Steuern sind (Stand 2021):

  • die IRPEF (Einkommensteuer f√ľr nat√ľrliche Personen), die in 5 verschiedenen S√§tzen von 23¬†Prozent bis 43¬†Prozent reicht;
  • die IRES (K√∂rperschaftssteuer), mit einem Einheitssatz von 24¬†Prozent;
  • die IRAP (die regionale Wertsch√∂pfungssteuer), deren Regelsatz bei 3,9¬†Prozent liegt und in etwa mit der deutschen Gewerbesteuer vergleichbar ist;
  • die IVA (Umsatzsteuer), die im Regelfall 22¬†Prozent, ausnahmsweise 10¬†Prozent, 5¬†Prozent oder 4¬†Prozent betr√§gt.

EU-Beitragszahlungen

Italien war 2020 nach Deutschland, Gro√übritannien und Frankreich mit √ľber vier Milliarden Euro der gr√∂√üte Nettobeitragszahler der Europ√§ischen Union.

Aus dem Wiederaufbaufonds der Europ√§ischen Union, der zur Abmilderung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie verabschiedet wurde, erh√§lt Italien voraussichtlich Zusch√ľsse in H√∂he von 68,9 Milliarden Euro, mehr als alle anderen L√§nder mit Ausnahme von Spanien.

Verkehr

Straßenverkehr

Die L√§nge des Stra√üennetzes betrug im Jahr 2009 182.136¬†km. Davon waren 6.621¬†km Autobahnen, die gr√∂√ütenteils in privater Hand und mautpflichtig sind. Alle anderen Stra√üen sind Eigentum der √∂ffentlichen Hand. Man unterscheidet zwischen Staats-, Regional-, Provinzial- und Kommunalstra√üen. Die meist befahrenen Autobahnen sind die A1 von Mailand nach Neapel, die A4 von Turin √ľber Mailand und Verona nach Venedig, die A14 von Bologna bis Tarent und auch die Brennerautobahn A22, die von Modena bis zur Grenze mit √Ėsterreich f√ľhrt. Nach vier Jahren Bauzeit wurde 2013 die A34 zwischen G√∂rz und Villesse in Slowenien fertiggestellt. Sie hat eine L√§nge von 17¬†Kilometern und ersetzt die alte R17.

Der Straßenverkehr des Landes gilt als weitestgehend sicher. 2013 kamen in Italien insgesamt 6,1 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Insgesamt kamen damit 3750 Personen im Straßenverkehr ums Leben. Das Land hat eine im weltweiten Vergleich hohe Motorisierungsrate. 2016 kamen im Land 707 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner (in Deutschland waren es 610 Fahrzeuge).

Schienenverkehr

Die L√§nge des Schienennetzes betrug im Jahr 2009 20.255¬†km, von denen etwa zwei Drittel elektrifiziert waren. Sowohl das Netz als auch der Transport sind in den H√§nden des Staates, bis auf wenige Ausnahmen (vgl. Vinschgaubahn, Ferrovia Trento‚ÄďMal√®). Im Gesch√§ftsjahr 2017 schrieb das Staatsunternehmen Ferrovie dello Stato Italiane 552¬†Millionen¬†Euro Gewinn. Seit 2012 bietet auch die private Eisenbahngesellschaft Italo - Nuovo Trasporto Viaggiatori Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen einigen Gro√üst√§dten an.

Im europ√§ischen Vergleich liegen die Preise f√ľr das Bahnfahren in Italien niedriger. Eine einfache Fahrt von Mailand nach Venedig (267¬†km) mit dem Frecciarossa kostet derzeit (2018) 45 Euro, w√§hrend man f√ľr die Strecke Paris-St. Pierre des Corps (253¬†km) mit dem TGV 57 Euro, f√ľr die Trasse Frankfurt-G√∂ttingen (240 km) mit dem ICE 66 Euro ausgeben muss.

Mit der Er√∂ffnung der letzten noch fehlenden Streckenabschnitte zwischen Novara und Mailand sowie zwischen Bologna und Florenz im Dezember 2009 verf√ľgt Italien √ľber eine gut 1000 km lange durchgehende Schnellfahrstrecke von Turin √ľber Mailand, Bologna, Florenz, Rom und Neapel bis nach Salerno. Neben der genannten Nord-S√ľd-Achse befindet sich eine West-Ost-Achse zwischen Genua, Mailand, Brescia, Verona, Venedig und Triest in Planung, wovon die Abschnitte Mailand-Brescia 2016 und Padua-Venedig 2007 fertiggestellt wurden, w√§hrend die Er√∂ffnung der Strecke Genua-Mailand f√ľr 2022 geplant ist. F√ľr S√ľditalien sind mittelfristig Neu- und Ausbaustrecken zwischen Palermo, Catania und Messina sowie zwischen Neapel und Bari vorgesehen Langfristig soll eine Verbindung zwischen Neapel und Kalabrien entstehen. Die urspr√ľngliche Planung mit einer Verbindung vom Festland nach Sizilien, wof√ľr der Bau der Br√ľcke √ľber die Stra√üe von Messina notwendig gewesen w√§re, wurde aus finanziellen Gr√ľnden verworfen, ist jedoch weiterhin Gegenstand von Diskussionen. Au√üerdem sind verschiedene internationale Verbindungen nach Frankreich (Mont-Cenis-Basistunnel mit Anschluss an das TGV-Netz, Er√∂ffnung vsl. 2030) sowie via Schweiz (NEAT) und via √Ėsterreich nach Deutschland (Brennerbasistunnel, Er√∂ffnung vsl. 2026) sowie nach Slowenien angedacht. Das Regelgleis befindet sich im Gegensatz zu Deutschland auf der linken Seite.

Die Mailänder U-Bahn bietet mit einer Streckenlänge von 98,6 km das am besten ausgebaute U-Bahn-Netz Italiens. Weitere U-Bahn-Systeme befinden sich in Rom, Neapel, Turin, Genua, Catania und Brescia.

Schifffahrt

Die Gesamtlänge der schiffbaren Wasserwege beträgt 2400 km.

Den h√∂chsten Passagierfluss verzeichnen die H√§fen von Messina und Reggio Calabria, zumal es sich um die wichtigste Verbindung zwischen Sizilien und dem Festland handelt, aber auch La Spezia. S√§mtliche Verbindungen im Mittelmeer werden von der Reederei Tirrenia di Navigazione mit Sitz in Neapel gew√§hrleistet. Italien verf√ľgt √ľber ein ausgedehntes Containerhafennetz, wobei der Hafen Gioia Tauro 2007 rund 3.445.337 Container bef√∂rderte. Neben diesen sind die H√§fen Genua, Triest und Tarent weiter wichtig, wobei letzterer sich auf den Eisenhandel spezialisiert hat.

Die wichtigsten Marinearsenale befinden sich in Augusta, Brindisi, La Spezia, und Tarent.

Von Triest, Bari und Ancona gibt es direkte Verbindungen zur albanischen Hafenstadt Durr√ęs (ital. Durazzo). Ebenfalls gibt es eine direkte Verbindung von Brindisi nach Vlor√ę (Valona) in S√ľdalbanien.

Luftfahrt

Gr√∂√üte Fluggesellschaft ist die Alitalia, im Zuge von deren Restrukturierung der Flugverkehr in Malpensa zu Gunsten von Fiumicino stark eingeschr√§nkt wurde. Auch die Lufthansa ist auf dem italienischen Flugmarkt t√§tig: Air Dolomiti, eine Tochter der deutschen Fluggesellschaft, bedient zahlreiche Fl√ľge, haupts√§chlich zwischen Norditalien, M√ľnchen und Frankfurt.

Kultur

Der italienische Beitrag zum kulturellen und historischen Erbe Europas und der Welt ist beachtenswert. Als Kreuzweg der Zivilisationen des Mittelmeerraumes, Zentrum des Römischen Reiches, Sitz des Papsttums und Wiege der Renaissance spielte Italien eine entscheidende Rolle und wurde zum Ausgangsland der europäischen Kunst, Kultur und Forschung.

Die Auswanderung zahlreicher Italiener im 19. und 20. Jahrhundert trug auch dazu bei, die italienische Kultur zu etablieren.

Italien hat insgesamt sch√§tzungsweise 100.000 Denkm√§ler jeglicher Art (Museen, Schl√∂sser, Statuen, Kirchen, Galerien, Villen, Brunnen, historische H√§user und arch√§ologische Funde). Es ist das Land mit den meisten Welterbest√§tten der UNESCO (58), darunter 53 St√§tten des Weltkulturerbes und f√ľnf St√§tten des Weltnaturerbes. Die in Italien befindlichen Welterbest√§tten reichen von einzelnen Geb√§uden √ľber ganze Kernst√§dte bis zu thematisch √ľbergreifenden Gruppen wie den Felsbildern des Valcamonica, pr√§historischen Pfahlbauten, den mit der Herrschaft der Langobarden verbundenen Orten oder einer Gruppe sp√§tbarocker St√§dte.

Die Zust√§ndigkeit f√ľr die staatliche Kulturf√∂rderung hat das Ministerium f√ľr Kulturg√ľter, kulturelle Aktivit√§ten und Tourismus (Ministero dei Beni e delle Attivit√† Culturali e del Turismo). Die Schwerpunkte der italienischen ausw√§rtigen Kulturpolitik sind die kulturelle Programmarbeit (geleistet durch 83 staatliche Kulturinstitute weltweit) und die F√∂rderung der italienischen Sprache (durch die weltweit 489 Zweigstellen der Dante-Alighieri-Gesellschaft, davon 401 im Ausland und 88 in Italien).

Traditionen und Folklore

In Italien gibt es zahlreiche historische und folkloristische Traditionen verschiedener Art, die auch international bekannt und ber√ľhmt sind. Erw√§hnenswert sind hier das Pferderennen Palio di Siena, der Calcio storico in Florenz und die Regata storica in Venedig. Die Karnevalsfeste in Venedig, Viareggio, Ivrea, Mamoiada, Acireale, Sciacca, Florenz und Rom. Die Riten der Heiligen Woche in einigen Gemeinden, sowie verschiedene Traditionen wie der Infiorata di Genzano, das Giostra del Saracino in Arezzo, das Festa dei Ceri in Gubbio und das Giostra della Quintana in Foligno.

Die UNESCO zählt die Prozessionen mit Schulter-Turmschreinen (Macchina di Santa Rosa in Viterbo, Varia di Palmi in Palmi, Gigli di Nola in Nola und Faradda di li Candareri in Sassari) seit 2013 und das Sizilianische Marionettentheater seit 2001 zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

K√ľche

Die italienische K√ľche (Cucina italiana) gilt als eine der einflussreichsten Landesk√ľchen der Welt.

International bekannte Produkte sind zum Beispiel italienisches Oliven√∂l, Pesto, Speiseeis, Panettone, Tiramisu, diverse K√§sesorten wie Parmesan, Mozzarella oder Gorgonzola, Wurst und Fleischerzeugnisse wie Mortadella, Salami, San-Daniele-Schinken oder Parmaschinken und nat√ľrlich Pasta und Pizza. Dazu kommt das reichhaltige einheimische Weinangebot wie Chianti und Barolo.

Das Essen ist in Italien ein wichtiger Aspekt des t√§glichen Lebens und die Pflege der K√ľche ein unverzichtbarer Bestandteil der nationalen Kultur. Die Italienische K√ľche wurde 2010 als immaterielles Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt.

1953 wurde in Mailand die Accademia Italiana della Cucina gegr√ľndet. Diese m√∂chte das Wissen um die italienische K√ľche und Tischkultur bewahren und an die folgenden Generationen weitergeben. Hierzu organisiert sie Versammlungen und Tagungen, hat das Studienzentrum Franco Marenghi eingerichtet und verleiht Preise sowie Auszeichnungen. Die Akademie gibt die monatlich erscheinende Zeitschrift Civilt√† della Tavola heraus. Ein weiteres Projekt um zun√§chst unter anderem die italienische Kochkunst zu erhalten, die Associazione Slow Food, wurde 1986 in Bra von Carlo Petrini gegr√ľndet.

Die italienische K√ľche galt bei einer 2013 durchgef√ľhrten Umfrage des Goethe-Instituts nach Ansicht von 42¬†Prozent der Teilnehmer als die beste K√ľche Europas. Die in 24 Sprachen und 30 L√§ndern durchgef√ľhrte Umfrage stand unter der √úberschrift ‚ÄěWas bedeutet Europa pers√∂nlich f√ľr Sie?‚Äú.

Gelegentlich wird die hohe Lebenserwartung auf die mediterrane Kost zur√ľckgef√ľhrt, die beispielsweise viel Fisch, Oliven√∂l, Obst und Gem√ľse enth√§lt. Die italienische K√ľche besteht aus einer Vielzahl von Regionalk√ľchen und kann auf eine Vielzahl von Zutaten und Spezialit√§ten zur√ľckgreifen.

Wissenschaft

Der vielleicht ber√ľhmteste Universalgelehrte und Humanist in der Geschichte, Leonardo da Vinci hat mehrere Beitr√§ge zu einer Vielzahl von Bereichen wie Malerei, Bildhauerei, Architektur, Anatomie, Mechanik, Ingenieurwissenschaften und Naturphilosophie geleistet. Einer der wichtigsten Begr√ľnder der neuzeitlichen exakten Naturwissenschaften, Galileo Galilei war Astronom, Physiker, Mathematiker, Ingenieur, Kosmologe, Philosoph und setzte eine wissenschaftliche Revolution in Gang.

Weitere namhafte italienische Wissenschaftler der Renaissance waren Leon Battista Alberti, Schriftsteller, Mathematiker, Kunst- und Architekturtheoretiker sowie Architekt und Medailleur. Pietro Bembo, wegweisend war seine Theorie der italienischen Literatursprache. Sie trug dazu bei, dass der ‚ÄěSprachenstreit‚Äú um die Frage, welche Variante des Italienischen sich am besten als Literatursprache eigne, zugunsten des Toskanischen entschieden wurde.

Hier ein kurzer √úberblick √ľber weitere namhafte Pers√∂nlichkeiten der Wissenschaft: der Astronom und Mathematiker Giovanni Domenico Cassini; der Physiker Alessandro Volta, Erfinder der elektrischen Batterie und Mitbegr√ľnder der Elektrizit√§tslehre, die Mathematiker Lagrange (geborener Giuseppe Lodovico Lagrangia), Fibonacci und Cardano; Guglielmo Marconi, Nobelpreistr√§ger f√ľr Physik, Miterfinder des Radios; der Physiker Enrico Fermi, ebenfalls Nobelpreistr√§ger, bekannt f√ľr die Nuklearforschung; der Seefahrer Christoph Kolumbus, der im Jahr 1492 Amerika entdeckte; Luigi Luca Cavalli-Sforza, Populationsgenetiker und Begr√ľnder des Human Genome Projects (HGP).

Medizin

Zwischen 995 und 1087 entwickelte sich mit der medizinischen Lehr- und Forschungsanstalt Schola Medica Salernitana, eine der ersten und wichtigsten medizinischen Einrichtung des Mittelalters. Mit der Sammelhandschrift Trotula wird im 12. Jahrhundert die systematische Frauenheilkunde begr√ľndet.

Erw√§hnenswerte medizinische Wissenschaftler und Entdeckungen der folgenden Jahrhunderte: im 16. Jahrhundert beschreibt Gabriele Falloppio die Struktur der Eileiter; 1665 beschreibt Marcello Malpighi, der als Begr√ľnder der Pflanzenanatomie und vergleichenden Physiologie, sowie mikroskopischen Anatomie gilt den Kapillarkreislauf, die Theorie der Funktionsweise der Lungen und der Struktur der Nierenk√∂rperchen; Giovanni Battista Morgagni, Begr√ľnder der modernen Pathologie; Giovanni Maria Lancisi, zu dessen wissenschaftlichen Leistungen Erkenntnisse zur Hygiene, Grippe, Rinderpest und vor allem Malaria z√§hlen; 1854 entdeckt Filippo Pacini das Bakterium Vibrio cholerae als Erreger der Cholera; 1893 isoliert Bartolomeo Gosio aus einem Schimmelpilz das erste Antibiotikum; sowie Lazzaro Spallanzani, dessen wegweisende Entdeckungen auf dem Gebiet der Physiologie liegen.

Im 20. und 21. Jahrhundert wurden namhafte Mediziner wie Camillo Golgi (Entdecker des nach ihm benannten Golgi-Apparats), Daniel Bovet, Salvador Luria, Renato Dulbecco, Rita Levi-Montalcini und Mario Capecchi mit dem Nobelpreis f√ľr Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

Literatur

Der Hymnus Sonnengesang von Franz von Assisi gilt als √§ltestes Zeugnis italienischer Literatur. Der Florentiner Dante Alighieri schuf mit seinem Werk die G√∂ttliche Kom√∂die die Grundlagen der modernen italienischen Sprache und eines der gr√∂√üten Werke der Weltliteratur. Der Dichter Francesco Petrarca war der eigentliche Begr√ľnder des Renaissance-Humanismus und machte das Sonett als Gedicht-Form bekannt. Er verfasste zahlreiche lateinische Werke. Sein in italienischer Sprache verfasster Gedichtzyklus Canzoniere, gilt als die bedeutendste nachantike Gedichtsammlung der europ√§ischen Literatur. Giovanni Boccaccio schrieb das Decamerone, eine Sammlung von 100 Novellen, die in eine Rahmenhandlung eingebettet sind. Diese drei, n√§mlich Dante, Petrarca und Boccaccio, wurden auch als die drei Florentiner Kronen (Le tre corone fiorentine) bezeichnet.

Die Enciclopedia Italiana di scienze, lettere ed arti (kurz Enciclopedia Italiana oder Enciclopedia Treccani genannt) wurde in erster Auflage, bestehend aus 35 Textb√§nden und einem Indexband, zwischen 1929 und 1937 vom Istituto dell‚ÄôEnciclopedia Italiana herausgegeben und ist eine mehrb√§ndige Universalenzyklop√§die in italienischer Sprache. Der 1925 gegr√ľndete Verlag ist auch Herausgeber der Nationalbiografie Dizionario Biografico degli Italiani.

Zu den großen Literaten Italiens zählen auch Ludovico Ariosto, Giambattista Basile, Umberto Eco, Carlo Goldoni, Giacomo Leopardi, Alessandro Manzoni, Giambattista Marino, Torquato Tasso und Emanuele Tesauro.

Italienische Literaturnobelpreisträger sind der Dichter Giosuè Carducci (1906), die Schriftstellerin Grazia Deledda (1926), der Theaterautor Luigi Pirandello (1936), die Dichter Salvatore Quasimodo (1959) und Eugenio Montale (1975) sowie der Satiriker, Theaterautor und -schauspieler Dario Fo (1997).

Philosophie

Niccol√≤ Machiavelli gilt aufgrund seines Werks Il Principe (Der F√ľrst) als einer der bedeutendsten Staatsphilosophen der Neuzeit. Il Principe gilt als eines der ersten ‚Äď wenn nicht als das erste ‚Äď Werk der modernen politischen Philosophie. Zusammen mit den gleichzeitig entstandenen Discorsi stellt es das Hauptwerk Macchiavellis dar. Von ihm leitet sich sowohl der Begriff des Machiavellismus als auch der des Antimachiavellismus her.

Zu den prominentesten Philosophen aus Italien gehören auch Giordano Bruno, Francesco Patrizi da Cherso, Marsilio Ficino, Cristoforo Landino, Giovanni Pico della Mirandola, Marsilius von Padua, Coluccio Salutati und Giambattista Vico.

Bildende Kunst

Die italienische Malerei genoss √ľber Jahrhunderte eine wichtige Stellung in Europa, von der romanischen zur gotischen Epoche, von der Renaissance bis zum Barock.

In der Malerei der Gotik nahm Italien eine Sonderstellung ein, da dort die Architektur gro√üe Wandfl√§chen erhielt. Den H√∂hepunkt der Fresken in der Gotik lieferte Giotto di Bondone mit seinem vorher noch nie da gewesenen Naturalismus. Sp√§ter blieb f√ľr lange Zeit die Buchmalerei vorherrschende Form der Malerei und nahm so gro√üen Einfluss auch auf die Entwicklung der Tafelmalerei. Auch hier nahm Italien wiederum eine Sonderrolle ein, da dort die Tafelmalerei schon zu Beginn der Gotik eine Vorrangstellung innehatte. Die Gotik in ihrem reinsten Stil verk√∂rperte in Italien Simone Martini mit seiner h√∂fischen Eleganz. Seit der zweiten H√§lfte des 14. Jahrhunderts nahm die Tafelmalerei durch den Einfluss der Italiener auch n√∂rdlich der Alpen eine vorrangige Stellung zu der Buchmalerei ein, nicht zuletzt durch Martini, aber auch wegen des weitgereisten Gentile da Fabriano und Pisanellos.

Die Malerei der Renaissance hat ihren Ursprung in den Arbeiten einiger ungew√∂hnlich begabter Vorl√§ufer im Italien des sp√§ten 13. Jahrhunderts und setzte in der Fr√ľhrenaissance um 1420 in Florenz ein, erreichte ihren H√∂hepunkt in der Hochrenaissance zu Anfang des 16. Jahrhunderts und wirkte in ihrer Sp√§tzeit neben dem um 1520 aufkommenden Manierismus fort. Zu den bedeutendsten Malern der Renaissance z√§hlen Fra Angelico, Bellini, Botticelli, Giotto, Mantegna, Masaccio, Michelangelo, Raffael, Tintoretto, Tizian und Leonardo da Vinci.

In der Malerei des Barocks gingen die Anregungen ebenso von Italien aus. Die Gebr√ľder Agostino und Annibale Carracci, Michelangelo Merisi da Caravaggio, Guido Reni und in der Kunst der Fresken- und Deckenmalerei u.¬†a. Pietro da Cortona, Luca Giordano, Andrea Pozzo, Giovanni Battista Piazzetta und der auch in Deutschland wirkende Giovanni Battista Tiepolo geh√∂ren zu den Hauptmeistern.

Mit dem Ende des Barock erlebte die Malerei in Italien einen empfindlichen Niedergang. Erst im 20.¬†Jahrhundert mit dem Futurismus konnte Italien wieder in die k√ľnstlerische Avantgarde vorsto√üen, vor allem durch die Werke von Giacomo Balla, Umberto Boccioni, Carlo Carr√† und Gino Severini.

Giorgio de Chiricos Pittura metafisica gilt zudem als Vorläufer des Surrealismus.

Architektur

Einige der bedeutendsten Bauwerke der westlichen Welt, wie das Kolosseum in Rom, der Mailänder Dom, die Kathedrale von Florenz, der Schiefe Turm von Pisa und die Paläste Venedigs, befinden sich in Italien.

Schon die alten R√∂mer setzten Ma√üst√§be im architektonischen Bereich und f√ľhrten den Bau von B√∂gen und Kuppeln ein. Die Renaissance wurde von italienischen Architekturtheoretikern wie Leon Battista Alberti und Architekten wie Filippo Brunelleschi gepr√§gt.

Das Werk des Venetianers Andrea Palladio inspirierte einen klassizistisch gepr√§gten Baustil. Vom sp√§ten 17. bis ins fr√ľhe 20.¬†Jahrhundert beeinflusste der Palladianismus die Architektur der ganzen Welt, insbesondere in Gro√übritannien, Australien und den USA.

Wichtige Architekten der Gegenwart sind Renzo Piano (Genua), Flavio Albanese (Vicenza) und Massimiliano Fuksas (Rom).

Bildhauerei

Bildhauer aus der italienischen Halbinsel pr√§gten die Kunst s√§mtlicher Epochen: beispielsweise die Magistri Comacini die Romanik, Arnolfo di Cambio und andere die Gotik (wo aber Frankreich f√ľhrte), Donatello die Fr√ľhrenaissance; Michelangelo die Hochrenaissance; Giovanni Lorenzo Bernini das italienische Barock; Antonio Canova den Klassizismus.

Museen

Aufgrund seines kulturellen Reichtums besitzt Italien die weltweit h√∂chste Museumsdichte. Die Museen bilden eine wichtige Grundlage f√ľr den Tourismus.

Seit 1974 besteht das Ministerium f√ľr Kulturg√ľter und -aktivit√§ten unter wechselnden Namen. Dem Ministerium sind 157 Staatsarchive, 298 arch√§ologische St√§tten, 58 Bibliotheken, 244 Museen, insgesamt 1052 staatliche Institutionen zugeordnet, hinzu kommen 2119 nicht-staatliche (Stand: 26. Februar 2012). Einige der Museen sind Nationalmuseen. Zu diesen z√§hlen das Arch√§ologische Nationalmuseum in Ferrara sowie die von Florenz, das von Rom, das von Neapel und von Tarent sowie das Museo Nazionale Alinari della Fotografia in Florenz. Hinzu kommen das Museo Nazionale della Magna Grecia in Reggio, das Museo Nazionale G. A. Sanna auf Sardinien ebenso wie das Nationalmuseum der Kunst des 21. Jahrhunderts in Rom. Allerdings ist die Bezeichnung ‚ÄěNationalmuseum‚Äú nicht genau abgegrenzt, so dass zahlreiche weitere, √ľberregional bedeutende staatliche Museen mitzurechnen sind.

Eine j√§hrlich vom italienischen Touring Club herausgegebene Studie zu den Besucherzahlen der 30 meistbesuchten Museen berechnete f√ľr diese insgesamt etwa 23¬†Millionen Besucher f√ľr das Jahr 2008. Dies entspricht rund einem Viertel aller Besucher der rund 3800 √∂ffentlichen Museen und 1800 arch√§ologischen St√§tten in Italien.

Musik

Italien zählt auch namhafte Komponisten: Palestrina und Monteverdi in der Renaissance, Scarlatti, Corelli und Vivaldi im Barock, Paganini und Rossini in der Klassik, Verdi und Puccini in der Romantik, sowie Einaudi und Albanese im Neoklassizismus.

Italien ist weithin bekannt als Geburtsort der Oper. Aus der Feder von Rossini, Bellini, Donizetti, Verdi und Puccini stammen mit die ber√ľhmtesten Opern √ľberhaupt, die heute weltweit aufgef√ľhrt werden, unter anderem an der Scala in Mailand. Klassische Interpreten wie Enrico Caruso, Alessandro Bonci, Beniamino Gigli, Luciano Pavarotti und Andrea Bocelli haben sich um die Oper verdient gemacht.

Zu den bekanntesten italienischen Sängern der populären Musik gehören Domenico Modugno, Adriano Celentano, Gigliola Cinquetti, Paolo Conte, Toto Cutugno, Lucio Dalla, Gianna Nannini und Eros Ramazzotti. Auch in weniger frequentierten Genres wie Power Metal (Rhapsody) und Punkrock (Vanilla Sky oder Evolution So Far) sind die Italiener vertreten. Das Sanremo-Festival ist Italiens größter Musikwettbewerb und wird seit 1951 jährlich in der ligurischen Stadt Sanremo abgehalten.

Film

Die italienische Filmindustrie nahm bereits zwischen 1903 und 1908 konkrete Formen an. W√§hrend des Faschismus wurde das Kino auch zu Zwecken der Regime-Propaganda eingesetzt. Im S√ľdosten Roms wurde sogar eine eigene Filmstadt errichtet, Cinecitt√†.

Bedeutende Regisseure der Nachkriegszeit sind Vittorio De Sica, Roberto Rossellini, Luchino Visconti, Michelangelo Antonioni, Federico Fellini, Pier Paolo Pasolini, Sergio Leone und Bernardo Bertolucci. Unter den Schauspielern haben insbesondere Anna Magnani, Sophia Loren, Claudia Cardinale, Monica Vitti, Marcello Mastroianni, Giulietta Masina und Vittorio Gassman internationale Anerkennung erlangt. Zu den bekanntesten italienischen Filmproduktionen geh√∂ren Fahrraddiebe, Rom, offene Stadt, Der Leopard, La Strada ‚Äď Das Lied der Stra√üe, Das s√ľ√üe Leben sowie die Italowestern Spiel mir das Lied vom Tod und Zwei glorreiche Halunken.

In den letzten drei Jahrzehnten haben italienische Filme nur noch vereinzelt internationale Aufmerksamkeit bekommen, etwa Cinema Paradiso von Giuseppe Tornatore, Der Postmann mit Massimo Troisi oder Das Leben ist schön von und mit Roberto Benigni.

Die 1932 begr√ľndeten Internationalen Filmfestspiele Venedig (Mostra internazionale d‚Äôarte cinematografica di Venezia) sind Teil der Biennale f√ľr zeitgen√∂ssische Kunst und finden jedes Jahr von Ende August bis Anfang September auf dem Lido in Venedig statt. Die Filmfestspiele sind das √§lteste Filmfestival der Welt und geh√∂ren bis heute zu den bedeutendsten internationalen Filmfestspielen.

Mode und Design

Italienische Mode hat eine lange Tradition. Mailand ist Italiens wichtigste Modemetropole, auch Rom, Turin, Neapel, Genua, Bologna, Venedig und Vicenza sind bedeutende Zentren. Zu den großen italienischen Mode-Labels gehören Armani, Benetton, Brioni, Dolce & Gabbana, Ermenegildo Zegna, Fendi, Ferragamo, Gucci, Max Mara, Missoni, Moschino, Prada, Valentino und Versace, um nur einige zu nennen.

Italien ist auch f√ľhrend im Bereich Design, insbesondere Innenarchitektur. Gio Ponti und Ettore Sottsass sind in diesem Zusammenhang erw√§hnenswert.

Medien

Presse

Zu den Tageszeitungen mit der größten Reichweite gehören die Corriere della Sera (RCS MediaGroup), La Repubblica (Gruppo Editoriale L’Espresso), La Stampa (Fiat S.p.A.) sowie der Il Messaggero (Caltagirone Editore). Il Sole 24 Ore ist die meistgelesene Wirtschaftszeitung und Eigentum des Arbeitgeberverbandes Confindustria. Die katholische Avvenire ist der Italienischen Bischofskonferenz zugehörig.

Eine Besonderheit der italienischen Presselandschaft stellen die t√§glichen Sportzeitungen dar. Derzeit existieren immerhin drei Tageszeitungen, die sich ausschlie√ülich mit Sport besch√§ftigen und allesamt relativ hohe Auflagen erreichen (La Gazzetta dello Sport, Tuttosport und Corriere dello Sport ‚Äď Stadio).

Daneben gibt es zahlreiche regionale Tageszeitungen, deren wichtigsten Verleger die Caltagirone-Gruppe (Il Messaggero und Il Gazzettino) sowie der Gruppo Editoriale L‚ÄôEspresso (darunter Il Tirreno, La Nuova Sardegna, Messaggero Veneto ‚Äď Giornale del Friuli) sind.

Die Bandbreite der italienischen Wochenzeitschriften ist vergleichbar mit der des deutschsprachigen Raumes. Dabei kann man auch die Unterscheidung zwischen Klatschpresse wie den Boulevardzeitungen Oggi und Gente und anspruchsvollen Magazinen erkennen. Zu den seriösen Nachrichtenmagazinen gehören der linksliberale L’Espresso und das zur Mondadori-Gruppe gehörende Panorama.

Rundfunk

Seit der Umstellung auf DVB-T und der Abschaltung der Analogsignale im Jahr 2011, verf√ľgt Italien √ľber ein vielf√§ltiges, frei empfangbares Fernsehangebot.

Neben den drei nationalen Radioprogrammen und den herkömmlichen Fernsehsendern Rai Uno, Rai Due und Rai Tre strahlt die staatlich kontrollierte Radiotelevisione Italiana siebzehn weitere Sender aus.

Daneben existiert eine Vielzahl an Privatsendern, die ihre Stationen in fast jeder größeren Stadt haben. Diese finanzieren sich durch Werbung, das Programm besteht zu großen Teilen aus Musik und Shows. Dabei gibt es große qualitative Unterschiede. Einige wenige etablierte Sender schlossen sich zu einem großen Sendernetz zusammen, andere hingegen beschränken sich auf die Ausstrahlung von Filmen. Insgesamt existieren in Italien rund 1700 Fernsehsender, die rund 30 Millionen Zuschauer erreichen.

Unter dem Namen Mediaset sind die Privatsender Canale 5, Italia 1 und Rete 4 zusammengefasst. Sie erreichen t√§glich ein Millionenpublikum und strahlen popul√§re Sendeformate wie Fernsehserien, Spielfilme, Dokumentarfilme, Reality Shows und Sport√ľbertragungen aus. Durch die Umstellung auf DVB-T sind zehn weitere frei empfangbare Mediaset-Programme hinzugekommen.

Dar√ľber hinaus gibt es mit Sky Italia ein sehr umfangreiches Bezahlfernsehen, das im Juli 2016 4.740.000 Abonnenten z√§hlte.

Internet

Etwa 74¬†Prozent der Bev√∂lkerung nutzt einen Internetanschluss; auf 100 Einwohner kommen etwa 29 Breitbandanschl√ľsse. (Stand: 2019)

Minderheitenmedien

In den von Sprachminderheiten bewohnten Gebieten sind neben italienisch- auch anderssprachige Medien verbreitet. Die Dolomiten und die Neue S√ľdtiroler Tageszeitung sind die zwei deutschsprachigen Tageszeitungen in S√ľdtirol, Primorski Dnevnik ist die slowenischsprachige Tageszeitung f√ľr Friaul-Julisch Venetien. Die lokalen Redaktionen der Rai produzieren Fernsehsendungen in den Minderheitensprachen, die Rai S√ľdtirol bietet ein Vollprogramm in deutscher Sprache. Dank internationaler Abkommen sind im Aostatal franz√∂sische und Schweizer Sender empfangbar, w√§hrend in S√ľdtirol die Rundfunk-Anstalt f√ľr die Ausstrahlung ausl√§ndischer Programme aus dem deutschen Sprachraum zust√§ndig ist.

Sport

Sport hat in Italien einen hohen Stellenwert. Das faschistische Italien nutzte diesen, um durch die Siege bei den Fu√üballweltmeisterschaften 1934 und 1938 sowie den Olympischen Sommerspielen 1932 nationales und internationales Prestige zu erlangen. Das Comitato Olimpico Nazionale Italiano, das dem deutschen DOSB entspricht, wurde 1942 gegr√ľndet.

Italien war Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaften 1934 und 1990 sowie der Fußball-Europameisterschaften 1968 und 1980.

In Italien fanden mehrmals Olympische Spiele statt: die Sommerspiele 1960 in Rom sowie die Winterspiele in Cortina d’Ampezzo 1956 und Turin 2006. Die Winterspiele 2026 sollen in Mailand und Cortina d’Ampezzo stattfinden.

Fußball

In Italien ist Fu√üball (Calcio) die popul√§rste und meistbetriebene Sportart. Die h√∂chste Spielklasse im italienischen Profifu√üball ist die Serie A, welche zu den bedeutendsten europ√§ischen Ligen z√§hlt. Die bekanntesten Vereine sind die AC Mailand, Inter Mailand und Juventus Turin, die zu den erfolgreichsten Fu√üballklubs Europas geh√∂ren. Weitere bekannte Klubs sind die AS Rom, Lazio Rom, SSC Neapel und AC Florenz. Die italienische Nationalmannschaft z√§hlt zu den erfolgreichsten Fu√üballnationalmannschaften der Welt. Bei den Weltmeisterschaften war Italien 18-mal vertreten und holte viermal den Titel (1934, 1938, 1982 und 2006). An den Europameisterschaften nahm die Auswahl zehnmal teil und gewann 1968 im eigenen Land sowie 2021 den Titel. Au√üerdem wurde die Mannschaft einmal Olympiasieger. Die Ultra-Bewegung hat ihre Wurzeln im Italien der fr√ľhen 1950er und 1960er¬†Jahre, als sich erstmals Fu√üballfans (Tifosi) in Gruppen zusammenschlossen, um ihre jeweiligen Lieblingsmannschaften gemeinsam organisiert zu unterst√ľtzen.

Motorsport

Auch Motorsport erfreut sich in Italien gro√üer Beliebtheit, schon vor dem Zweiten Weltkrieg begr√ľndeten Fahrer wie Tazio Nuvolari und die Hersteller Alfa Romeo und Fiat die italienische Rennsporttradition. Nach dem Krieg wurde Ferrari das bekannteste und erfolgreichste Team der Formel 1. Mit Giuseppe Farina (1950) und Alberto Ascari (1952 und 1953) stellte Italien zwei Formel-1-Weltmeister. Der Gro√üe Preis von Italien wird seit 1950 ohne Unterbrechung bis heute (2021) ausgetragen; bis auf einmal (1980) auf dem Autodromo Nazionale Monza ausgetragen. Auch f√ľr die Formel 1 homologiert ist das Autodromo Enzo e Dino Ferrari in Imola.

Es gibt von Nord bis S√ľd eine Vielzahl von Bergrennstrecken. Der Bergrennsport genie√üt hohes Ansehen und ist bei Streckenl√§ngen zwischen 6 und 17¬†km sportlich hoch angesiedelt. In der Europa-Bergmeisterschaft kann Italien mehrere Strecken zur Verf√ľgung stellen und eine Vielzahl von Meistern vorweisen.

Auch der Motorradrennsport ist sehr beliebt. Giacomo Agostini ist der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft; heute wird diese Tradition vor allem von Publikumsliebling Valentino Rossi fortgesetzt. Auch die Hersteller Moto Guzzi, Gilera, MV Agusta, Ducati oder Aprilia sind in aller Welt f√ľr ihre Erfolge bekannt. Zu den Formel-1- und Motorradrennen auf den Traditionsrennstrecken von Monza, Imola und Mugello str√∂men allj√§hrlich hunderttausende Zuschauer. In Lonigo, zwischen Verona und Vicenza gelegen und in Terenzano bei Udine findet allj√§hrlich im Rahmen der Speedway-Einzelweltmeisterschaft der Speedway-WM Grand Prix von Italien statt.

Radsport

Des Weiteren gilt Italien auch als Radsportland. Der Giro d‚ÄôItalia gilt nach der Tour de France als zweitbedeutendstes Radrennen der Welt. Wichtige Eintagesrennen, die zu den Klassikern gerechnet werden, sind Mailand‚ÄďSanremo und die Lombardei-Rundfahrt. Zu den wichtigsten Radsportlern geh√∂ren unter anderem Vincenzo Nibali und Mario Cipollini bzw. in der Radsportgeschichte Gino Bartali, Alfredo Binda, Ottavio Bottecchia, Giovanni Brunero, Fausto Coppi, Luigi Ganna, Carlo Galetti, Felice Gimondi, Costante Girardengo, Fiorenzo Magni, Gastone Nencini, Marco Pantani und Giovanni Valetti.

Skisport

Außer in Apulien gibt es in allen italienischen Regionen gut ausgestattete Skigebiete, wobei bei Touristen vor allem die Skigebiete Dolomiti Superski und Sellaronda beliebt sind. Zwei der bekanntesten aktiven Skifahrer sind bei den Herren der Olympiasieger 2010 im Slalom, Giuliano Razzoli und bei den Damen Manuela Mölgg. Der erfolgreichste italienische Skifahrer ist Alberto Tomba.

Rugby Union

Rugby Union ist ebenfalls eine beliebte Sportart, vor allem im Norden des Landes. Die italienische Nationalmannschaft nimmt an den j√§hrlichen Six Nations teil, zusammen mit England, Frankreich, Irland, Schottland und Wales, sowie an den vierj√§hrlichen Rugby-Union-Weltmeisterschaften. Italien qualifizierte sich bisher f√ľr alle Weltmeisterschaften. Heimatstadion der Nationalmannschaft ist seit 2011 das Olympiastadion Rom.

Sonstige

Daneben gehören in Italien Wasserball, Basketball und Volleyball zu den beliebtesten Sportarten.

Feiertage

Siehe auch

  • Italianistik
  • Deutsch-italienische Beziehungen
  • Liste deutscher Bezeichnungen italienischer Orte

Literatur

  • Helmut Dr√ľcke: Italien: Wirtschaft ‚Äď Gesellschaft ‚Äď Politik. Taschenbuch Verlag, M√ľnchen 2012, ISBN 978-3-531-18460-9.
  • Siegfried Frech, Boris K√ľhn (Hrsg.): Das politische Italien: Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur. Wochenschau-Verlag, Schwalbach am Taunus 2012, ISBN 978-3-89974-643-3.
  • dsb. mit Karoline R√∂rig, Ulrich Glassmann Hgg.: L√§nderbericht Italien. Schriftenreihe, 1240. Bundeszentrale f√ľr politische Bildung BpB, Bonn 2012 ISBN 978-3-8389-0240-1.
  • Hans Woller: Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert. C.H.Beck, M√ľnchen 2010, ISBN 978-3-40660-158-3.
  • Klaus Rother, Franz Tichy: Italien. Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik. WBG, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-534-13701-5.
  • Stefan K√∂ppl: Das politische System Italiens. Eine Einf√ľhrung. Verlag f√ľr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-14068-1.
  • Richard Br√ľtting (Hrsg.): Italien-Lexikon. Schl√ľsselbegriffe zu Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Justiz, Gesundheitswesen, Verkehr, Presse, Rundfunk, Kultur und Bildungswesen. Erich Schmidt, Berlin 1997, ISBN 3-503-03772-1.
  • Ernst Ulrich Gro√üe, G√ľnter Trautmann: Italien verstehen. Primus, Darmstadt 1997, ISBN 3-89678-052-2.

Weblinks

  • Website des italienischen Au√üenministeriums
  • L√§nderinformationen des deutschen Ausw√§rtigen Amtes zu Italien
  • L√§nderinformationen des √∂sterreichischen Ausw√§rtigen Amtes zu Italien
  • L√§nderinformationen des schweizerischen Ausw√§rtigen Amtes zu Italien
  • Website des Staatlichen Italienischen Fremdenverkehrsamtes (mehrsprachig)
  • Website der Staatlichen Italienischen Zentrale f√ľr Tourismus (mehrsprachig)
  • Italienische Botschaft in Berlin (deutsch, italienisch)
  • Italienisches Generalkonsulat in Frankfurt/M. (deutsch, italienisch)
  • Italienisches Generalkonsulat in K√∂ln (deutsch, italienisch)
  • Italienisches Generalkonsulat in M√ľnchen (deutsch, italienisch)
  • Italienische Botschaft in Wien (deutsch, italienisch)
  • Italienische Botschaft in Bern (italienisch)
  • Offizielle statistische Daten √ľber Italien des Istituto Nazionale di Statistica (ISTAT) (italienisch, englisch)
  • L√§nderprofil des Statistischen Bundesamtes
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Italien
  • Gro√ües Bildarchiv mit historischen Italien-Fotos

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (20)

Bezeichnung der Regionen: Region
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Abruzzen 42.8952075 41.6816666 13.0190573 14.7826901 Abruzzen  
AO Aostatal 45.987877 45.46711 6.80086 7.939906 Aostatal  
Apulien 42.2265572 39.7896208 14.934454 18.5203619 Apulien  
Basilikata 41.1393551 39.8943315 15.3364212 16.8676688 Basilikata  
Emilia-Romagna 45.1395245 43.7308638 9.1980988 12.7558364 Emilia-Romagna  
Friaul-Julisch Venetien 46.647921 45.580861 12.321134 13.918827 Friaul-Julisch Venetien  
Kalabrien 40.143865 37.9157694 15.6298713 17.2062384 Kalabrien  
Kampanien 41.5070666 39.9905767 13.7618964 15.8064262 Kampanien  
Latium 42.8396541 40.7848334 11.4482283 14.0288013 Latium  
Ligurien 44.6769373 43.7757115 7.4948414 10.071559 Ligurien  
Lombardei 46.635388 44.679776 8.497747 11.429455 Lombardei  
Marken 43.9707029 42.687319 12.1856565 13.9168082 Marken  
Molise 42.0701391 41.3638686 13.9421455 15.1613261 Molise  
Piemont 46.464303 44.059797 6.62664 9.213932 Piemont  
Sardinien 41.3126294 38.8591785 8.1308411 9.8287953 Sardinien  
Sizilien 38.811895 35.492877 11.925692 15.652936 Sizilien  
Toskana 44.4725475 42.2376428 9.6867915 12.3723258 Toskana  
Trentino-S√ľdtirol 47.092425 45.672885 10.38443 12.478083 Trentino-S√ľdtirol  
Umbrien 43.6174178 42.3648525 11.8921582 13.2645543 Umbrien  
Venetien 46.680627 44.790963 10.623161 13.100416 Venetien  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

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Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Italy

Name englisch: Italy
Hauptstadt: Rom
Kfz: I
ISO: IT
ISO3: ITA
Fläche: 301230 km²
Tld: .it
Wärung Einheit: EUR
Währung: Euro
Vorwahl: 39

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 47.092425
südlichster Punkt: 36.4699
westlichster Punkt: 6.62664
östlichster Punkt: 18.7976


 
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