Länder/Staaten
> Europa
>
Italien
>
Region Piemont
Lage, Gebirge
Informationen Region: PiemontDas Piemont ([piÌŻeËmÉnt], italienisch Piemonte [pjeËmon.te], von lateinisch ad pedem montium âam FuĂ der Bergeâ) ist eine Region im Nordwesten Italiens mit 4.255.702 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) und mit 25.399,83 kmÂČ flĂ€chenmĂ€Ăig die gröĂte Region des italienischen Festlandes.
Im Norden grenzt das Piemont an die Schweiz, im Westen an Frankreich, italienische Binnengrenzen finden sich im SĂŒden an die Region Ligurien, im SĂŒdosten an die Emilia-Romagna, im Osten an die Lombardei und im Nordwesten an das Aostatal. Die Region ist Teil der italienisch-französischen Euroregion Alpi-Mediterraneo/Alpes-MĂ©diterranĂ©e.
Hauptstadt des Piemonts ist Turin, andere bekannte StĂ€dte sind Vercelli, Novara, Biella, Alessandria, Asti und Cuneo. Ferner ist das Piemont die westlichste und hinsichtlich der Einwohnerzahl die sechstgröĂte Region Italiens.
Die ehemalige Benediktinerabtei Sacra di San Michele ist offizielles Symbol der Region.
Das Gebiet, das man heute unter dem Namen âPiemontâ versteht, entstand als Region der Italienischen Republik â infolge der Abtrennung des Aostatals als autonomer Region â erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Dieses Gebiet hieĂ nicht immer so und definiert keineswegs einen von Natur aus einheitlichen Raum, sondern ist das Ergebnis einer langen Reihe politischer Entwicklungen.
Der Begriff âPiemontâ erscheint in den Quellen erstmals 1193, als in einem Vertrag zwischen der Stadt Asti und dem Markgrafen von Saluzzo der âBurgherr des Piemontâ erwĂ€hnt wird. Der Name stammt aus dem mittellateinischen Pedemontium oder Pedemontis, d. h. ad pedem montium, was in Bezug auf die Alpen âam FuĂe der Bergeâ bedeutet. Die neue Bezeichnung verbreitete sich schnell, und man verband mit ihr meist mehr oder weniger das heute damit gemeinte Gebiet. Im Laufe der Jahrhunderte Ă€nderte sich jedoch die Bedeutung, so wurden etwa, nachdem Amadeus VIII. seinem Sohn 1424 den offiziellen Titel eines âFĂŒrsten von Piemontâ verliehen hatte, lange Zeit nur noch die der Herrschaft des Hauses Savoyen unterliegenden Gebiete diesseits der Alpen damit bezeichnet.
Das Piemont umfasst eine FlĂ€che von etwa 25.400 Quadratkilometern und ist damit nach Sizilien die flĂ€chenmĂ€Ăig gröĂte der insgesamt 20 Regionen Italiens. Das Aostatal im Nordwesten der Region zĂ€hlt historisch und naturgeographisch zum Piemont, bildet aber als autonome Region mit Sonderstatut eine eigene Verwaltungseinheit. Im Aostatal leben 122.714 Menschen auf einer FlĂ€che von 3263 Quadratkilometern.
Naturgeographisch gliedert sich die Region in drei Teile: Die Alpenregion, die Po-Ebene und die HĂŒgellandschaften im SĂŒdosten des Piemont.
Die Alpenregion zieht sich am Rande der Alpen entlang der SĂŒd-, West- und Nordgrenze des Piemont. Hier liegen die okzitanischen TĂ€ler (Stura, Maira, Varaita, Po, Pellice, Chisone), die Valle di Susa, die drei Valli di Lanzo, das Valle dellâOrco, das Aostatal, die Valsesia und die Gegend rund um das Westufer des Lago Maggiore. Der höchste Berg des Piemont ist der Monte Rosa (im Grenzgipfel 4617 m), gefolgt vom Gran Paradiso mit 4061 Metern und dem Monviso mit 3841 Metern. Die Alpenregion nimmt 43,3 % des piemontesischen Gesamtterritoriums ein. Das Piemont hat Anteil an den Seealpen, Cottischen Alpen, Grajischen Alpen und Walliser Alpen.
In der Po-Ebene befinden sich die groĂen StĂ€dte des Piemont; hier leben auch die meisten Menschen. Im Piemont gibt es zahlreiche FlĂŒsse und BĂ€che, die fast alle in den Po flieĂen, der am Pian del Re im Valle Po unterhalb des Monviso entspringt. Die Poebene ist mit 26,4 % des Gesamtgebiets die drittgröĂte geographische Teilregion.
Das HĂŒgelland im SĂŒdosten der Region (Monferrato, Langhe, Roero) wird in erster Linie landwirtschaftlich und touristisch genutzt und nimmt 30,3 % der FlĂ€che des Piemont ein; hier wachsen die berĂŒhmten Weine (Barolo, Barbera, Barbaresco) des Piemont. Das HĂŒgelland befindet sich in einer Höhe zwischen 150 m und 750 m.
Haupt- und Amtssprache ist Italienisch. Weiterhin wird von vielen Einwohnern die Regionalsprache Piemontesisch verwendet. In den abgelegeneren Winkeln der WestalpentĂ€ler spricht man auĂerdem Okzitanisch und Frankoprovenzalisch. Eine weitere Minderheitensprache des Piemont ist Walserdeutsch â ein alemannischer Dialekt, der im oberen Tal der Sesia, im Anzascatal und im Pomatt gesprochen wird.
Im nordwestlich angrenzenden Aostatal sind Italienisch und Französisch Amtssprachen, wobei Frankoprovenzalisch in dieser autonomen Region die einheimische VarietÀt ist. In drei Ortschaften wird auch hier Walserdeutsch gesprochen.
Die Menschheitsgeschichte im Piemont beginnt in der Altsteinzeit und unterscheidet sich in einigen Punkten, nicht zuletzt wegen der besonderen Lage der Region, von der Geschichte des ĂŒbrigen Oberitalien. So war die ZĂ€sur, die die dunklen Jahrhunderte nach dem Untergang des Römischen Reiches bedeuteten, im Piemont besonders stark ausgeprĂ€gt. Als Eingang nach Italien war die Region nicht selten von mehreren MĂ€chten besetzt und unter diesen hart umkĂ€mpft. Im Sinne einer Geschichte, die sich auch noch heute in der Architektur des Landes manifestiert, beginnt die Geschichte des Piemont jedoch erst im 10. Jahrhundert, da zuvor fast das ganze Land durch die aus Frankreich eingefallenen Sarazenen verwĂŒstet worden war.
Die ersten Spuren der Gattung Homo im Piemont gehen auf die frĂŒhe Altsteinzeit zurĂŒck. Der wichtigste Fundort von Zeugnissen, die aus dieser Zeit stammen, stellt der Hang von Montarolo in der NĂ€he Trinos dar. Auf dieser Anhöhe hielten sich als JĂ€ger und Sammler lebende Nomaden auf, bei denen es sich vermutlich um Angehörige der Spezies Homo erectus handelte.
Die frĂŒhesten archĂ€ologischen Quellen, die eine Anwesenheit des Neandertalers (Homo neanderthalensis) im Piemont bezeugen, wurden auf die Periode der WĂŒrm-Kaltzeit datiert und stammen einerseits erneut vom Hang von Montarolo, andererseits vom Monte Fenera in der NĂ€he Borgosesias. Vor etwa 30.000 bis 40.000 Jahren wurde dann der Neandertaler wie ĂŒberall in Europa auch im Piemont nach und nach durch den anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) ersetzt. In der Grotte von Boira Fusca am Eingang des Valle dellâOrco wurden die eindrucksvollsten Zeugnisse aus mittelsteinzeitlicher Zeit gefunden, darunter Feuerstellen sowie Pfeil- und Lanzenspitzen aus Stein.
Das Gebiet wurde dann in spĂ€teren Zeiten von den Ligurern bewohnt. Im fĂŒnften Jahrhundert vor Christus verdrĂ€ngten die bis in die Poebene vordringenden Etrusker die Ligurer nach Westen. Um 400 v. Chr. kam es zur groĂen Invasion keltischer StĂ€mme und die Ligurer mussten sich in die Seealpen und an die KĂŒste, ins heutige Ligurien, zurĂŒckziehen.
Die StĂ€mme, die vor Beginn der römischen Herrschaft im Piemont lebten, betrieben Landwirtschaft und Schafzucht in den Berggebieten, Fischerei in NĂ€he der groĂen FlĂŒsse und Seen, und eigneten sich nach und nach handwerkliche FĂ€higkeiten und die Kunst der Metallbearbeitung an.
In der römischen Antike gehörte das Piemont zur Provinz Gallia cisalpina. Die eigenstĂ€ndige Geschichte des Piemont beginnt mit dem RĂŒckzug der Römer beim Zerfall des Römischen Reiches. WĂ€hrend der Völkerwanderung wurde die fruchtbare Gegend mehrfach von marodierenden Völkern durchzogen.
Im 10. Jahrhundert wurde die Region von Arabern aus Fraxinetum ĂŒberfallen.
Im Laufe der Zeit unterwarf das Haus Savoyen die Markgrafschaften des Piemont. In wechselnden BĂŒndnissen wurde das Piemont zum Zankapfel zwischen Frankreich und Habsburg.
FĂŒr die Waldenser, eine im 12. Jahrhundert durch den Lyoner Kaufmann Petrus Valdes ins Leben gerufene religiöse Minderheitsbewegung, wurden einige TĂ€ler in den Cottischen Alpen zu wichtigen RĂŒckzugsgebieten. Obwohl sie auch hier verfolgt wurden, konnten die Waldenser durch die gĂŒnstige strategische Lage der AlpentĂ€ler mehrere Angriffe savoyischer Truppen zurĂŒckschlagen, sodass sie eine gewisse Zeit lang nur hier ĂŒberlebten, wĂ€hrend sie andernorts, wie z. B. in SĂŒditalien, grausam ausgerottet wurden. 1686 waren die Waldenser jedoch wĂ€hrend eines erneuten Religionskrieges gezwungen, auch die TĂ€ler der Westalpen zu verlassen. Aus ihrem Schweizer Exil kehrten sie erst drei Jahre spĂ€ter im Zuge des sogenannten Glorioso Rimpatrio wieder zurĂŒck. Noch heute bezeichnet man die TĂ€ler Chisone, Pellice und Germanasca als WaldensertĂ€ler.
Im Frieden von Utrecht, der 1713 den Spanischen Erbfolgekrieg beendete, musste Spanien u. a. das Königreich Sizilien an das Haus Savoyen abtreten, woraufhin der Herzog den sizilianischen Königstitel annahm. Schon 1720 tauschten die Savoyer Sizilien gegen Sardinien und nannten sich hinfort Könige von Sardinien.
Die erfolgreiche Kanonade bei Valmy erlaubte Frankreich seit dem Herbst 1792 ein offensives Vorgehen seiner Armeen im Ersten Koalitionskrieg. So rĂŒckten französische Truppen in den savoyischen Landesteil des Königreichs Sardinien-Piemont ein, um ihn zu befreien und zu annektieren, nachdem ein Nationalkonvent das Volk Savoyens fĂŒr souverĂ€n erklĂ€rt hatte. Ab 1794 drang Frankreich auch ins Piemont vor, wurde aber vorerst von Ăsterreich zurĂŒckgeschlagen. Der siegreiche oberitalienische Feldzug von General Napoleon Bonaparte (Italienfeldzug) 1796 und 1797 zwang den König von Sardinien-Piemont zur Abtretung Savoyens und der Grafschaft Nizza an Frankreich. Zwar schlossen die zwei Staaten 1797 noch eine Allianz, doch veranlassten die bleibende Kriegsgefahr in Italien und die unsichere Lage der Cisalpinischen und Römischen Tochterrepublik Frankreich zu einer Ausdehnung seiner Macht; es zwang Sardinien-Piemont im Waffenstillstand von Cherasco zur Aufgabe Piemonts, das unter französische MilitĂ€rverwaltung kam. Nach der ebenso furiosen wie ĂŒberraschenden WinterĂŒberquerung des St.-Bernhard-Passes durch Napoleon Bonaparte 1798 zog sich das Haus Savoyen auf seine Besitzung Sardinien zurĂŒck.
Am 10. Dezember 1798 wurde in der Hauptstadt Turin die Piemontesische Republik ausgerufen, die gemÀà französischem Vorbild eine Direktorialverfassung erhielt. Nach dem Beginn des Zweiten Koalitionskriegs im FrĂŒhling 1799 fĂŒhrte der französische Zusammenbruch in Italien zu einem schnellen Vormarsch österreichisch-russischer Truppen, die am 20. Juni 1799 Turin besetzten und die Piemontesische Republik auflösten. Der König von Sardinien kehrte zurĂŒck.
1800 gelang es der französischen Armee, nun wieder unter dem Oberkommando Napoleons, Italien zurĂŒckzuerobern (AlpenĂŒbergang beim Grossen St. Bernhard-Pass und Sieg bei Marengo). Am 20. Juni 1800 fiel Turin, der König von Sardinien wurde ein zweites Mal fĂŒr abgesetzt erklĂ€rt und die Republik erneut ausgerufen; diesmal unter dem Namen Subalpinische Republik, die unter französischer MilitĂ€rverwaltung stand und deren Heer in das Frankreichs eingegliedert wurde. Von April 1801 bis September 1802 regierte den Staat nur noch eine provisorische Regierung, und am 11. September 1802 annektierte Frankreich seine Tochterrepublik im Rahmen der Neuordnung Italiens (Wiederherstellung des Königreichs Neapel und des Kirchenstaats, Verwandlung des Herzogtums Toskana ins Königreich Etrurien und der Cisalpinischen in die Italienische Republik). Piemont sowie Savoyen und Nizza wurden erst 1814/1815 nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft aus Frankreich herausgelöst und mit dem restaurierten Königreich Sardinien-Piemont wiedervereinigt.
Dem Königreich Sardinien-Piemont kam im Risorgimento, der Epoche des italienischen Einigungsprozesses, eine entscheidende Bedeutung zu.
Im Jahre 1815 stellte der Wiener Kongress die volle Herrschaft des Hauses Savoyen ĂŒber das Piemont, Savoyen und die Grafschaft Nizza wieder her und schloss das Gebiet der ehemals unabhĂ€ngigen Republik Genua (Ligurien) an. Das Königreich Sardinien war zunĂ€chst eng mit der Habsburgermonarchie verbĂŒndet, in der der AuĂenminister Klemens Wenzel Lothar FĂŒrst von Metternich die Richtlinien der Politik bestimmte. Als ein Jahr nach der Spanischen Revolution von 1820 im Piemont ein Aufstand ausbrach, erlieĂ Karl Albert zwar zunĂ€chst eine liberale Verfassung, aber nach der RĂŒckkehr des eigentlichen Regenten Karl Felix wurde die Revolte militĂ€risch niedergeschlagen und Karl Albert musste ins Exil gehen.
Sardinien-Piemont, welches im Gegensatz zu anderen italienischen Staaten von einer angestammten Dynastie regiert wurde, wurde aber bald von einigen Liberalen wie Massimo dâAzeglio und Cesare Balbo als FĂŒhrungsmacht im Kampf fĂŒr nationale Einheit und UnabhĂ€ngigkeit angesehen. Der Turiner Priester Vincenzo Gioberti vertrat in seinem 1843 veröffentlichten Buch Ăber den moralischen und kulturellen Vorrang der Italiener (italienischer Originaltitel: Del primato morale e civile degli Italiani) die Auffassung, der Papst mĂŒsse die FĂŒhrung in der italienischen Frage ĂŒbernehmen, und begrĂŒndete damit und mit bereits vorausgegangenen kleineren Publikationen den sogenannten Neoguelfismus. Am 24. MĂ€rz 1848 erklĂ€rte Karl Albert Ăsterreich den Krieg, seine Armee erlitt jedoch am 25. Juli bei Custozza und auch nach Wiederaufnahme des Kriegs im Folgejahr bei Novara am 23. MĂ€rz eine militĂ€rische Niederlage.
Wie in fast allen europĂ€ischen Staaten scheiterten die Revolutionen 1848/1849 zunĂ€chst auch in Italien. WĂ€hrend der 1850er-Jahre trieb der neue MinisterprĂ€sident Camillo Benso von Cavour im Piemont eine radikale SĂ€kularisierung voran. Nach der Teilnahme Piemont-Sardiniens am Krimkrieg und an der anschlieĂenden Friedenskonferenz von Paris gelang es ihm, in PlombiĂšres-les-Bains im Juli 1858 einen Vertrag mit Frankreich zu schlieĂen und im Folgejahr Ăsterreich zu einem Krieg zu provozieren. 1859 schlugen die vereinten Piemontesen und Franzosen in der Schlacht von Solferino die österreichischen Truppen.
Nach dem von Giuseppe Garibaldi angefĂŒhrten Zug der Tausend wurde der Savoyer Viktor Emanuel II. zum König von Italien erhoben und das zentralistisch organisierte Verwaltungssystem des Königreichs Sardinien auf ganz Italien ausgedehnt. Das Piemont verschwand als Verwaltungseinheit, denn ganz Italien wurde nach napoleonischem Muster in 60 Provinzen eingeteilt, in denen PrĂ€fekte im Auftrag der Zentralregierung die Herrschaft ausĂŒbten. Bis heute ist der italienische Nationalstaat in seinen Institutionen zutiefst piemontesisch geprĂ€gt. Da sich das zentralistische piemontesische System nicht fĂŒr alle Landesteile Italiens eignete, entstanden zu dieser Zeit auch zahlreiche Probleme im wirtschaftlich rĂŒckstĂ€ndigen SĂŒden Italiens. Diese kamen in einem mehrjĂ€hrigen, faktischen BĂŒrgerkrieg zum Ausdruck, der in die Geschichte als Brigantenkrieg eingegangen ist.
Obwohl das italienische Parlament bereits 1861 beschlossen hatte, Rom mĂŒsse die Hauptstadt des neuen Staates werden, war Turin bis 1865 die provisorische Hauptstadt des Königreichs Italien. Dann zogen König, Regierung und Parlament nach Florenz um; erst 1871 wurde Rom offiziell vom Königreich Italien annektiert und zur Hauptstadt auserwĂ€hlt.
In den Jahren 1919/20 war Turin Zentrum des Biennio rosso, wĂ€hrend dessen Arbeiter in zahlreichen norditalienischen StĂ€dten Fabriken besetzten und versuchten, diese selbst zu verwalten. Hier grĂŒndete Antonio Gramsci, der bis zur GrĂŒndung des Partito Comunista Italiano Mitglied in der sozialistischen Partei war, am 1. Mai 1919 die Wochenzeitung LâOrdine Nuovo.
Nach Bekanntwerden der italienischen Kapitulation am 8. September 1943 (siehe auch Waffenstillstand von Cassibile) bildete sich im westlichen Piemont eine besonders starke Partisanenbewegung heraus. In Boves in der Provinz Cuneo verĂŒbten Einheiten der SS bereits zehn Tage spĂ€ter ein Massaker an der Zivilbevölkerung. In Alba und im Ossolatal existierten zeitweise von Partisanen kontrollierte Gebiete, sogenannte Partisanenrepubliken, darunter die Partisanenrepublik Ossola.
Mit der Entscheidung fĂŒr die italienische Republik im Zuge des Referendums 1946 wurde das Haus Savoyen abgesetzt. WĂ€hrend italienweit 54,3 % der WĂ€hler fĂŒr die Republik gestimmt hatten, waren es im Piemont 57,1 %. Die italienische Verfassung von 1948 fĂŒhrte erstmals eine umfassende Dezentralisierung ein, die jedoch in den Jahren danach nur zögerlich umgesetzt wurde. 1948 wurde das Aostatal autonom und schied aus dem Piemont aus. Erst 1970 wurde die neue Region Piemont de facto geschaffen. Die 1960er- und 1970er-Jahre waren durch vielfĂ€ltige politische und soziale Spannungen gekennzeichnet. 1969 kam es in Turin zu blutigen ArbeiteraufstĂ€nden, in deren Folge die Terror-Gruppe Rote Brigaden (Brigate Rosse) entstand. Die wirtschaftliche Entwicklung verlief besonders in den 1980er-Jahren recht gut. Das Jahrzehnt danach war gekennzeichnet durch zum Teil schmerzhafte wirtschaftliche Restrukturierungen und Neuorientierungen, die das von der Industrie geprĂ€gte Piemont mehr und mehr zu einem Wirtschaftsstandort fĂŒr Dienstleistungsunternehmen machte. Auch der Tourismus hat in den letzten Jahren eine immer wichtigere Rolle eingenommen. Der Wirtschaftsboom zog wie in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern auch Einwanderer an, nachdem das Piemont im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert eher Herkunftsland von Auswanderern gewesen war; so ist Turin ein Zentrum des Islam in Norditalien.
Piemont war Vorreiter des Konstitutionalismus und des Laizismus (Trennung von Staat und Kirche) in Italien. Die Region ist traditionell eher bĂŒrgerlich und konservativ-liberal geprĂ€gt. Aus einer angestrebten weiteren Dezentralisierung Italiens könnte die Region Piemont in den nĂ€chsten Jahren politisch gestĂ€rkt hervorgehen. Im Gegensatz zur Lombardei und zu Venetien hat die zeitweise separatistische Lega Nord im Piemont nie eine besonders groĂe Rolle gespielt. Das heutige Italien ist ein piemontesischer Abkömmling, und dessen ist man sich im Piemont gröĂtenteils bewusst.
Aus der Regionalwahl am 28./29. MĂ€rz 2010 ging jedoch der PrĂ€sidentschaftskandidat des Mitte-rechts-BĂŒndnisses Roberto Cota, Mitglied der Lega, als Sieger hervor und löste die bisherige PrĂ€sidentin Mercedes Bresso (Partito Democratico) ab. Im Januar 2014 annullierte das Verwaltungsgericht in Turin jedoch die Wahl. Bei der Regionalwahl am 25. Mai 2014 siegte der ehemalige BĂŒrgermeister Turins, Sergio Chiamparino, von dem Partito Democratico.
Das Regionalparlament Consiglio Regionale del Piemonte hat 51 Sitze (50 RĂ€te und PrĂ€sident der Region). Seit den letzten Wahlen verteilen sich diese wie folgt (BĂŒndnis, Sitze insgesamt, Direktmandate/Sitze ĂŒber Regionalliste):
Sonstige = KP (5) (BĂŒrgerliste Cirio President)
Die Koalition bilden die 3 Parteien rechts der Mitte und âSonstigeâ.
Zur Region Piemont gehören die folgenden sieben Provinzen sowie die Metropolitanstadt Turin:
Das Piemont zĂ€hlt zu den reichsten Gegenden Italiens. Im Jahr 2015 lag das regionale Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, ausgedrĂŒckt in Kaufkraftstandards, bei 103 % des Durchschnitts der EU-28. Mit einem Wert von 0,892 erreicht die Region Platz 11 unter den 21 Regionen und autonomen Provinzen Italiens im Index der menschlichen Entwicklung. Einige der wichtigsten italienischen Unternehmen haben hier ihren Sitz, darunter die Automobilhersteller Fiat und Lancia (beide in Turin), daneben der Nahrungsmittelhersteller Ferrero in Alba und das Elektronikunternehmen Olivetti in Ivrea. Neben moderner Industrie in und um Turin, der Wollverarbeitung in Biella und den Dienstleistungsunternehmen hat auch die Landwirtschaft eine groĂe Bedeutung: in der Po-Ebene wird neben Reis (ein Drittel der europĂ€ischen Reisproduktion stammt von hier, Piemont ist das gröĂte europĂ€ische Reisanbaugebiet), Obst und GemĂŒse angebaut, die HĂŒgelgebiete liefern Wein (siehe hierzu auch den Artikel Weinbau im Piemont) und HaselnĂŒsse, im nordwestlich angrenzenden, nicht zum Piemont gehörenden Aostatal wird Rinderzucht betrieben.
Im Jahr 2017 betrug die Arbeitslosenquote 9,1Â % und lag damit unter dem landesweiten Durchschnitt.
Im Vergleich zu anderen Gegenden Italiens ist das Piemont touristisch noch nicht sehr erschlossen. Schwerpunkte des Tourismus liegen im Norden am Lago Maggiore und in den Langhe, wo gastronomisch Begeisterte Wein (insb. Barolo und Barbaresco) und TrĂŒffel genieĂen. Die Hauptsaison beginnt mit der TrĂŒffelernte im Oktober.
Der gesamte Alpenbogen des Piemont kann auf dem 55-tĂ€gigen Weitwanderweg Grande Traversata delle Alpi (GTA) und der Via Alpina begangen werden. Daneben existieren in der Region viele Rundwege um bekannte Gipfel, wie der Giro di Viso und der Giro del Marguareis sowie Wanderwege, die bestimmte Talregionen erschlieĂen wie die Percorsi Occitani im Mairatal und die Alta Via im Susatal. DarĂŒber hinaus gibt es in vielen TĂ€lern Partisanenwege.
Ein Teil der heutigen Strecke der Via Francigena, die ehemals mittelalterlichen Pilgern aus Frankreich oder England als Weg nach Rom diente, verlĂ€uft durch das Piemont. AuĂerdem können sowohl der historische Weg der Glorioso Rimpatrio, auf dem die Waldenser von Genf in ihre HeimattĂ€ler zurĂŒckkehrten, als auch der Weg des vorangegangenen Exils beschritten werden.
Die bedeutendsten Wintersportorte des Piemonts sind Alagna Valsesia, Bardonecchia, Limone Piemonte und Sestriere.
Das Piemont ist reich an Kunst- und KulturschĂ€tzen. Vier Kategorien von SehenswĂŒrdigkeiten der Region gehören zum UNESCO-Welterbe: Die Residenzen des Hauses Savoyen, 1997 in die Liste aufgenommen, die Sacri Monti (dt. Heiligen Berge), 2003 aufgenommen, die prĂ€historischen Pfahlbauten, 2011 aufgenommen, und die Weintraubenlandschaften der Langhe-Roero und des Monferrato, 2014 aufgenommen.
Zu den berĂŒhmtesten Bauten zĂ€hlen die barocken ReprĂ€sentationsgebĂ€ude von Turin: Der Palazzo Reale, Palazzo Madama, das Castello del Valentino, die von Guarino Guarini entworfene Kirche San Lorenzo mit ihrer architektonisch herausragenden Kuppel sowie Filippo Juvarras auf einem HĂŒgel gelegene Basilica di Superga. Etwa 10 Kilometer sĂŒdwestlich von Turin in Stupinigi befindet sich das ebenfalls von Juvarra entworfene Lustschloss Palazzina di Caccia, etwa 20 km in sĂŒdlicher Richtung das Königsschloss von Racconigi und etwas nördlich von Turin der Palast von Venaria Reale. Ebenfalls bedeutend ist der Dom San Giovanni Battista, der einzig erhaltene Renaissance-Bau der Stadt, mit der Capella di S. Sindone, einem weiteren Meisterwerk Guarinis, das jedoch 1997 durch einen Brand beschĂ€digt wurde. Zu den wichtigsten Museen der Stadt zĂ€hlen das Museo Egizio, das nach dem Museum in Kairo die weltweit wichtigste Sammlung Ă€gyptischer AltertĂŒmer darstellt, die GemĂ€ldegalerie Galleria Sabauda, das im Palazzo Madama befindliche Museo Civico dâArte Antica mit seiner Sammlung mittelalterlicher Kunstwerke sowie das Nationale Filmmuseum in der Mole Antonelliana, einem 167,5 m hohen, pavillonartigen Bau, der im 19. Jahrhundert nach PlĂ€nen Alessandro Antonellis (ursprĂŒnglich als Synagoge geplant) entstand. Kennzeichnend fĂŒr die Hauptstadt der Region sind auĂerdem die zahlreichen Reiterstatuen, seien es die der unterschiedlichen Savoyer-Herzöge wie die Emanuele Filibertos auf der Piazza San Carlo, einem der schönsten PlĂ€tze der Stadt, oder die der Dioskuren auf der groĂen Piazza Castello. Das barocke Turin entstand im 17. und 18. Jahrhundert nach dem Vorbild Paris, als die Savoyer eine Neuplanung der Stadt â nicht zuletzt zur ReprĂ€sentation ihrer Macht â in Auftrag gaben. Daraus resultiert das bis heute einheitliche Stadtbild. Bevor Emanuele Filiberto I. 1563 Turin als neue Hauptstadt seines Herzogtums auserkor, handelte es sich jedoch um ein eher unbedeutendes LandstĂ€dtchen.
Die HĂŒgellandschaft des Monferrato nördlich von Asti und östlich von Turin beeindruckt durch zahlreiche kleinere romanische Klöster und Kirchen wie etwa die Abtei von Vezzolano oder die Kirchen in Montiglio, Montechiaro und Cortazzone. Ferner weisen die ehemaligen Stadtrepubliken Asti (mit seiner gotischen Kathedrale Ss. Maria Assunta e Gottardo) und das in den Langhe gelegene Alba eine sehenswĂŒrdige historische Altstadt auf, und Casale Monferrato verfĂŒgt als einstige Residenzstadt der Markgrafen von Saluzzo mit S. Evasio ĂŒber einen interessanten gotischen Dom.
Weiter nördlich beeindruckt Vercelli in der Poebene mit der gewaltigen Basilika SantâAndrea, einer der Ă€ltesten italienischen Kirchen mit gotischem Innenraum, und zahlreichen GeschlechtertĂŒrmen, etwa der Torre dell'Angelo bei der Piazza Cavour. In der spĂ€ten Renaissance entstand der Sacro Monte di Varallo. In dem noch etwas östlicher, nahe der Lombardei gelegenen Novara sind vor allem der mittelalterliche Broletto und die gewaltige Kuppelkirche San Gaudenzio sehenswert, letztere ebenfalls zu einem groĂen Teil ein Werk Antonellis.
Aus romanischer Zeit blieb das Kloster San Giulio auf der Insel San Giulio im Ortasee erhalten. Am Lago Maggiore zĂ€hlen die BorromĂ€ischen Inseln zu den gröĂten Attraktionen, hier vor allem die Isola Bella â ein barocker Inselpalast mit mehrstöckigen Gartenanlagen, der die Reisenden von jeher in Erstaunen versetzt.
In dem nahe der Grenze zum Aostatal gelegenen Ivrea sind der Dom S. Maria Assunta und die mit Fresken ausgestattete Kirche San Bernardino kunsthistorisch von besonderem Interesse.
In der Provinz Cuneo (sĂŒdlich von Turin) befindet sich das einst mĂ€chtige Saluzzo, das sich insbesondere durch seine Kirchen (Dom S. Maria Assunta, S. Giovanni und S. Bernardino) und sein mittelalterliches Stadtbild auszeichnet, das ebenfalls mittelalterlich geprĂ€gte Savigliano, Fossano, die Abtei Staffarda und die Burg von Manta mit ihren manieristischen Fresken. Etwa 30 km östlich von Cuneo liegt die monumentale Basilika von Vicoforte. AuĂerdem können Besucher dieser Provinz in der Pfarrkirche S. Maria Assunta von Elva, einem etwas abgeschieden gelegenen Dorf im Mairatal, die dem flĂ€mischen Maler Hans Clemer zugeschriebenen Chorfresken betrachten.
Westlich von Turin, am Eingang zum bzw. im Susatal, liegen die gotisch-romanische Abtei SantâAntonio di Ranverso mit dem Kreuztragungsfresko Giacomo Jaquerios, das mittelalterliche Avigliana und die berĂŒhmte ehemalige Benediktinerabtei Sacra di San Michele, die als Wahrzeichen des Piemonts gilt. Der kleine Ort Chianocco bietet ein Kastell, eine verfallene Kirche und ein romanisches Wehrhaus zur Besichtigung. Susa selbst weist neben einem mittelalterlichen Dom auch einige Reste aus römischer Zeit auf (Augustusbogen und Porta Savoia). In der NĂ€he des Mont Cenis-Passes liegt das romanische Kloster Novalesa. Am Ende des Tals und an der Grenze zu Frankreich steht die Festung von Exilles, die seit 2000 ein Museum beherbergt.
Im Chisone-Tal befindet sich mit der Festung Fenestrelle die gröĂte Festungsanlage Europas.
Zu den berĂŒhmten historischen Persönlichkeiten des Piemonts gehören der Feldherr des Habsburgerreichs Prinz Eugen von Savoyen, der Politiker, Maler und Schriftsteller Massimo dâAzeglio sowie Camillo Benso von Cavour, der als MinisterprĂ€sident Piemont-Sardiniens Italien in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts zur Einheit verhalf. Aus Turin stammt der neoguelfische Geistliche Vincenzo Gioberti. Auch der fĂŒnffache MinisterprĂ€sident Giovanni Giolitti, der neunte italienische StaatsprĂ€sident Oscar Luigi Scalfaro und der MilitĂ€r Luigi Cadorna, Chef des italienischen Generalstabs im Ersten Weltkrieg, sind gebĂŒrtige Piemonteser. Ebenfalls aus der Region stammen der Mathematiker Joseph-Louis Lagrange, der Priester und OrdensgrĂŒnder Don Bosco und die Unternehmerfamilie Agnelli, die unter anderem die Mehrheit an der Fiat-Gruppe hĂ€lt.
Zu den bedeutendsten piemontesischen Schriftstellern zĂ€hlen der in Asti gebĂŒrtige Vittorio Alfieri, der als Dichter und Dramatiker der AufklĂ€rung Einfluss auf das Risorgimento hatte, der Romanautor, Philosoph und Semiotiker Umberto Eco aus Alessandria, dessen wohl berĂŒhmtestes Werk das Buch Der Name der Rose darstellt, und die Turiner Autoren Primo Levi und Carlo Levi, ersterer Autor von Ist das ein Mensch?, letzterer von Christus kam nur bis Eboli. Aus Santo Stefano Belbo kommt ferner der Schriftsteller Cesare Pavese, der die italienische Nachkriegsliteratur wesentlich beeinflusst hat. Weniger populĂ€r ist der aus Alba stammende Beppe Fenoglio, dessen vielleicht bekanntestes Buch Der Partisan Johnny zu den wichtigsten literarischen Werken zĂ€hlt, die sich der Resistenza-Thematik widmen.
Weitere einflussreiche BĂŒrger des Piemonts waren der Finanzwissenschaftler und italienische StaatsprĂ€sident Luigi Einaudi sowie sein Sohn Giulio Einaudi, GrĂŒnder des berĂŒhmten Verlagshauses Einaudi. Bekannte Piemonteser sind auch der Turiner Jazzmusiker Nini Rosso, der in Asti geborene Musiker Paolo Conte, der aus Ivrea stammende Camillo Olivetti, Ingenieur und GrĂŒnder der gleichnamigen Firma, sowie die Angehörigen der Familie Ferrero, bis heute EigentĂŒmer des gleichnamigen SĂŒĂwarenherstellers. Die bekanntesten piemontesischen Sportler sind wohl der Radrennfahrer und dreimalige Weltmeister Fausto Coppi sowie der erfolgreiche Geher Maurizio Damilano.
Der im Piemont ansĂ€ssige SĂŒĂwarenhersteller Ferrero bewirbt seine Pralinen mit dem Markennamen Mon ChĂ©ri damit, dass diese eine sogenannte âPiemont-Kirscheâ enthielten. Allerdings gibt es eine solche Sorte gar nicht. Stattdessen stammt beispielsweise ein GroĂteil der in der deutschen Produktion verwendeten Kirschen aus der Ortenau (Stand 2022).
ReisefĂŒhrer Allgemein
KunstreisefĂŒhrer
WanderfĂŒhrer
Geschichte
User Meinungen und Kommentare