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Staat Informationen : Georgien

Informationen:


Georgien ([ge√čňÜ√Č‚ÄĚrgi√ƬĮ√Č‚ĄĘn], georgisch √°∆í¬°√°∆í¬ź√°∆í¬•√°∆í¬ź√°∆í¬†√°∆í‚ÄĒ√°∆í‚ÄĘ√°∆í‚ÄĚ√°∆íŇ°√°∆í¬Ě, Sakartwelo, IPA: [s√Č‚Äėk√ä¬į√Č‚Äėrt√ä¬įv√Č‚Äļl√Č‚ÄĚ] ), nach der russischen Bezeichnung √ź‚Äú√Ď‚ā¨√Ď∆í√ź¬∑√ź¬ł√ϬŹ (Grusija) fr√ľher gelegentlich auch Grusien oder Grusinien genannt, ist ein eurasischer Staat im S√ľdkaukasus, √∂stlich des Schwarzen Meeres und s√ľdlich des Gro√üen Kaukasus gelegen. Im Norden wird er von Russland, im S√ľden von der T√ľrkei und Armenien, im Osten von Aserbaidschan begrenzt. Die Landesteile Abchasien und S√ľdossetien sind abtr√ľnnig (abgefallen) und werden nur von Russland und einigen weiteren Staaten als souver√§n anerkannt.

Mit rund 3,7 Millionen Einwohnern (2015) auf einer Fl√§che von 57.215¬†km¬≤ (ohne die abtr√ľnnigen Landesteile) ist Georgien eher d√ľnn besiedelt. Mehr als ein Viertel der Bev√∂lkerung lebt in der Hauptstadtregion um Tiflis, weitere gro√üe St√§dte sind Batumi, Kutaissi und Rustawi.

Geographie

Lage und Besonderheiten

Georgien liegt in Vorderasien, wird aber von seinen Bewohnern als „Balkon Europas“ bezeichnet. Seine Fl√§che entspricht mit 69.700¬†Quadratkilometern ungef√§hr der von Bayern. Gebirge und Vorgebirge bedecken 87¬†Prozent des Landes. Im Norden liegt die S√ľdabdachung des Gro√üen Kaukasus. Im S√ľden befinden sich die westlichen R√ľcken des Kleinen Kaukasus und der Rand des vulkanischen Armenischen Hochlandes. Zwischen den beiden Hochgebirgen dehnt sich im Westen die Kolchische Tiefebene (nach dem antiken Kolchis), im Osten die Transkaukasische Senke, die sich in die Innerkarteli-, die Unterkarteli- und die Alsasani-Ebene unterteilt. West- und Ostgeorgien werden durch den Lichi-Gebirgszug getrennt, der sich von Norden nach S√ľden erstreckt.

Der h√∂chste Berg ist der Schchara im Gro√üen Kaukasus mit 5201 Metern. Der l√§ngste Fluss Georgiens ist die insgesamt 1364¬†km lange Kura (georgisch Mtkwari), die das Land in ihrem Oberlauf vom S√ľden (Kleiner Kaukasus) nach Osten auf 351¬†Kilometer L√§nge durchzieht. Weitere Fl√ľsse sind der Alasani (351¬†km), der Rioni (333¬†km) und der Enguri (213¬†km). Gr√∂√üter See ist der auf 2073¬†Metern H√∂he gelegene Parawani mit einer Ausdehnung von 37,5¬†Quadratkilometern. Die Werjowkina-H√∂hle ist mit 2212¬†Metern die tiefste bekannte H√∂hle der Welt.

Größte Städte (Stand: 2016):

  • Tiflis (1.082.400 Einwohner)
  • Batumi (154.600 Einwohner)
  • Kutaissi (147.900 Einwohner)
  • Rustawi (126.000 Einwohner)
  • Sochumi (63.300 Einwohner)
  • Gori (48.300 Einwohner)
  • Sugdidi (42.700 Einwohner)
  • Poti (41.500 Einwohner)

2016 lebten 53,8 % der Bevölkerung in Städten oder städtischen Räumen.

Im S√ľdwesten Georgiens liegt die autonome Republik Adscharien, im Nordwesten Abchasien, im Norden das Gebiet S√ľdossetien. Abchasien und S√ľdossetien stehen derzeit nicht unter der Kontrolle der georgischen Regierung; die von beiden Gebieten beanspruchte staatliche Souver√§nit√§t wird von f√ľnf Staaten anerkannt und von 6.000 bis 10.000 Soldaten der Russischen Streitkr√§fte unterstrichen.

Klima, Klimawandel

Der Kaukasus sch√ľtzt Georgien vor Kaltluftwellen aus dem Norden und erlaubt dem Schwarzen Meer, das Land zu erw√§rmen. Die Klimazonen reichen von einem subtropisch-feuchten Klima im Westen bis hin zu einem trockenen und gem√§√üigten Kontinentalklima im Osten. Die durchschnittliche Lufttemperatur schwankt zwischen 15¬†¬įC im West- und 11¬†¬įC bis 13¬†¬įC im Ostteil. Der durchschnittliche Niederschlag im Westen betr√§gt 3000¬†mm, im Osten 400¬†mm. Der Fr√ľhling in Georgien ist kurz mit abrupten Klimaschwankungen, der Sommer oft sengend hei√ü. Der Herbst ist sonnig-warm, der Winter schneearm.

Auch Georgien ist vom Klimawandel betroffen. Besonders zeigt sich dies in den Gebirgsregionen des Gro√üen Kaukasus. Hier treten Hochwasser und Hanginstabilit√§ten immer h√§ufiger auf. Ursachen sind die Zunahme an Starkniederschl√§gen sowie der Gletscherschmelze in den Gebirgen. Gefahren durch Murg√§nge nehmen dadurch zu und die durch Muren verursachten Sch√§den sind entlang der Georgischen Heerstra√üe, √ľber den Kreuzpass bis in die teilweise vergletscherte Region Stepanzminda am Fu√ü des 5047 Meter hohen Kasbek betr√§chtlich. Doch auch das niederschlagsreiche Westgeorgien verzeichnet zunehmend Hochwasserereignisse.

Flora und Fauna

Georgien hat dank unterschiedlicher Klimazonen eine hohe Artenvielfalt. Abgeschlossene T√§ler beg√ľnstigten die Entwicklung endemischer (nur in dieser Region beheimateter) Pflanzen und Tierarten. Der WWF z√§hlt Georgien zu den 238 wichtigsten √Ėkoregionen der Erde. Die IUCN hat es als globales Zentrum der Pflanzenvielfalt benannt und BirdLife International als weltweites endemisches Vogelgebiet ausgewiesen.

44¬†Prozent des Landes sind mit Wald bedeckt, f√ľnf Prozent davon sind Urwald. 40¬†Prozent der W√§lder sind in ihrer urspr√ľnglichen Struktur erhalten geblieben. In den niederen Berggebieten wachsen vor allem Laubwald (Eichen, Buchen), in h√∂heren Lagen Nadelh√∂lzer (Fichten und Tannen, darunter die Nordmanntanne). Oberhalb der Baumgrenze breiten sich subalpine und alpine Wiesen aus. Das Gebirge im S√ľden, die Tiefebene und die Transkaukasische Senke waren fr√ľher Steppen. Heute sind sie √ľberwiegend kultiviert.

Das Land zählt ca. 4100 Pflanzenarten. Davon sind etwa 1000 dort endemisch und 1000 im Kaukasus. Nach einer Zählung des WWF sind in Georgien allein rund 400 Baum- und Straucharten zu Hause. 61 davon sind endemisch, 60 Arten gelten als weltweit bedroht und wurden in die Rote Liste aufgenommen.

Georgien beherbergt Hunderte verschiedene Wirbeltierarten. Darunter sind etwa 322 Vogelarten, 84 Fischarten, 52 Reptilienarten, 13 Amphibienarten und etwa 105 S√§ugetierarten. Zu den letzten geh√∂ren Raubtiere wie Braunb√§ren, W√∂lfe, Luchse, Goldschakale und die nur noch sehr seltenen Kaukasusleoparden; Asiatische L√∂wen und Kaspische Tiger sind in historischer Zeit verschwunden. Von den seit Mitte des 20. Jahrhunderts selten gewordenen Streifenhy√§nen lie√üen sich auf georgischer Seite des trockenen Grenzgebiets zu Aserbaidschan in den 1950er–70er Jahren noch ein bis zwei Tiere nachweisen. Feuchtgebiete beherbergen den selten gewordenen Fischotter. Das f√ľr den namensgebenden Gebirgszug endemische Kaukasus-Birkhuhn hat in Georgien seinen gr√∂√üten Bestand. Es gibt auch verschiedene endemische Eidechsenarten. Das Land ist sehr artenreich an wirbellosen Tieren. Bisher sind 600 Spinnenarten nachgewiesen worden.

Umwelt- und Naturschutz

Im Umweltschutz gibt es viele ungel√∂ste Probleme. Dazu z√§hlen die Luftverschmutzung, besonders im industriellen Umfeld von Rustawi, die starke Verschmutzung der Kura und des Schwarzen Meeres bei Poti und Batumi. Die Trinkwasserversorgung ist unzureichend. Viele B√∂den sind durch giftige Chemikalien kontaminiert. Im s√ľdlichen Kaukasus fehlt eine √ľbergreifende Landnutzungsplanung, die die gesch√ľtzte Natur von landwirtschaftlichen und industriellen Fl√§chen trennt. Waldgebiete werden gro√ür√§umig f√ľr illegale Exporte in die T√ľrkei abgeholzt.

Georgien hat elf staatliche Naturschutzgebiete. Das gr√∂√üte ist der Nationalpark Bordschomi-Charagauli im Kleinen Kaukasus (85.000¬†Hektar). Er wurde mit Hilfe Deutschlands sowie des World Wide Fund for Nature errichtet und 2001 er√∂ffnet. Er ist eines der gr√∂√üten zusammenh√§ngenden Naturschutzgebiete in Asien. Der Nationalpark Tuscheti umfasst 83.007¬†Hektar, der Nationalpark Waschlowani 25.112¬†Hektar und das Schutzgebiet Tuscheti 27.903¬†Hektar. √Ąltester Nationalpark Georgiens ist der Lagodechi-Nationalpark mit 17.688¬†Hektar.

Bevölkerung

Einwohner

Georgien hat rund 3,7 Millionen Einwohner (2014). Seit der staatlichen Unabh√§ngigkeit 1991 haben mehr als eine Million Menschen das Land verlassen. Zwischen 2000 und 2005 ging die georgische Bev√∂lkerung j√§hrlich um etwa ein Prozent zur√ľck. Vor allem Einwohner mit hohem Bildungsgrad, die Arbeitspl√§tze zun√§chst in anderen Staaten der GUS – sp√§ter auch in Westeuropa und den USA – finden konnten, verlie√üen Georgien. Die gr√∂√üte georgische Gemeinschaft au√üerhalb des Landes existiert in Moskau, nach russischen Angaben rund 300.000 Menschen. Bis zum Zweiten Weltkrieg war Georgien ein landwirtschaftlich gepr√§gtes Land. Der Politiker Karl Kautsky nannte Georgien 1921 eine sozialdemokratische Bauernrepublik. Mit der von Stalin verf√ľgten Industrialisierung zogen immer mehr Menschen in die gro√üen St√§dte. Heute leben 57¬†Prozent der Einwohner in den st√§dtischen Ballungsgebieten, 43¬†Prozent in D√∂rfern und l√§ndlichen Gebieten.

B√ľrgerkriege in Abchasien und S√ľdossetien f√ľhrten dazu, dass etwa 250.000 Menschen aus ihrer Heimat flohen oder vertrieben wurden. Georgien beherbergte 2004 rund 230.000 Vertriebene aus Abchasien und 12.200 aus S√ľdossetien. Hinzu kamen etwa 3000¬†Fl√ľchtlinge aus Tschetschenien.

Zudem erlitt das Land auch aus anderen Gr√ľnden einen erheblichen Bev√∂lkerungsverlust. Die sich seit 1990 verschlechternde sozio-√∂konomische Lage Georgiens hat nicht nur zu einer Zunahme von Krankheiten mit einer ebenso ansteigenden Mortalit√§tsrate gef√ľhrt, sondern auch zu einem erheblichen migrationsbedingten Verlust. Im Jahre 1994 wandten sich 62 Prozent aller georgischen Auswanderer nach Israel und 1995 hielt das Ziel Griechenland einen Anteil von 42 Prozent unter den Emigranten.

Bevölkerungsentwicklung

Quelle:UN

Volksgruppen

Auf dem Staatsgebiet von Georgien leben traditionell mehrere Ethnien. Dadurch ist Georgien ein multiethnisches Land. Es beherbergt √ľber 26¬†Volksgruppen: 83,8¬†Prozent der Einwohner sind Georgier (In Ostgeorgien stellen Georgier 74,81¬†% der Bev√∂lkerung dar, im Westen des Landes hingegen 97,33¬†%), 6,5¬†Prozent Aserbaidschaner, 5,7¬†Prozent Armenier, 1,55¬†Prozent Russen, 0,9¬†Prozent Osseten, 0,1¬†Prozent Abchasen, 0,1¬†Prozent Assyrer und 1,51¬†Prozent geh√∂ren weiteren Volksgruppen wie z.¬†B. Pontosgriechen, Lasen, Kurden, Juden (Georgische Juden und einige Aschkenasim) und anderen an (Volksz√§hlung 2002). Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der √Ėffnung der Grenzen ist ein Gro√üteil der Griechen nach Griechenland und ein gro√üer Teil der georgischen Juden nach Israel ausgewandert. Bei der Volksz√§hlung 2005 wurde die Zahl der Abchasen mit 125.000 (ca. 2,7¬†%) festgestellt.

In den Phasen des Nationalismus von 1918 bis 1921, w√§hrend des Zweiten Weltkrieges und zu Beginn der 1990er Jahre wurden viele Volksgruppen in Georgien diskriminiert. 1941 lie√ü der sowjetische Diktator Stalin 40.000 Kaukasiendeutsche deportieren und 1944 die Mescheten aus Georgien vertreiben. Georgien hat inzwischen das Rahmen√ľbereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten ratifiziert. Das Parlament beschloss jedoch (v√∂lkerrechtlich unwirksame) Einschr√§nkungen zur Anwendung der Artikel 10 und 11, in denen das Recht nationaler Minderheiten auf die Verwendung der Muttersprache anerkannt wird.

In einzelnen Regionen Georgiens bilden nicht-georgische Volksgruppen die Mehrheit. In Niederkartlien leben etwa genau so viele Aserbaidschaner wie Georgier. In der Region Samzche-Dschawachetien, die an Armenien angrenzt, sind die Armenier sogar etwas in der Mehrheit. In der zu √ľber 90¬†% armenisch besiedelten historischen Provinz Dschawachetien kam es 2005 und 2006 zu Protesten bzw. Unruhen. Die Demonstranten forderten wirtschaftliche Gleichberechtigung und politische Autonomie. Ein weiterer Punkt war die Benachteiligung im Georgisch-sprachigen h√∂heren Bildungswesen; dieses Problem sorgt auch international f√ľr Kritik.

Seit 1989 haben viele Angehörige von Minderheiten, insbesondere Russen, das Land verlassen. So sank der Anteil der russischstämmigen Bevölkerungsgruppe an der georgischen Bevölkerung innerhalb von 13 Jahren von 6,32 % auf nur noch 1,55 %. Die soziale Mobilität der russischen Diaspora und ihr hoher Bildungsgrad machte es relativ leicht, mit einem russischen Pass das wirtschaftlich besser gestellte Russland zu erreichen. Auch die Zahl der in Georgien lebenden Griechen, Armenier, Ukrainer, Juden und Osseten ist seit der Unabhängigkeit des Landes massiv gesunken. Im Jahre 2017 waren 2 % der Bevölkerung im Ausland geboren.

Sprachen

Amtssprache ist das Georgische, das von etwa 4¬†Millionen Menschen gesprochen wird. Es geh√∂rt zur s√ľdkaukasischen Sprachfamilie und besitzt ein eigenes Alphabet, das seit dem 5.¬†Jahrhundert n.¬†Chr. belegt, wahrscheinlich aber wesentlich √§lter ist.

Dar√ľber hinaus werden in Georgien 23¬†Sprachen aus sechs verschiedenen Sprachfamilien gesprochen. Zu den wichtigsten geh√∂ren Aserbaidschanisch (ca.¬†300.000 Sprecher), Armenisch (ca.¬†250.000 Sprecher), Abchasisch (ca.¬†100.000 Sprecher), Ossetisch (ca.¬†100.000 Sprecher) und Russisch.

Religionen

Georgien ist ein christlich gepr√§gtes Land, schon 337 wurde das Christentum zur Staatsreligion Iberiens erkl√§rt. Seit dem Fr√ľhmittelalter ist die Orthodoxie ein Symbol der Nation. 84¬†Prozent der Bev√∂lkerung geh√∂ren der autokephalen Georgischen Orthodoxen Apostelkirche an. Patriarch der Kirche ist Ilia¬†II. An jedem Unabh√§ngigkeitstag steht er mit der Regierung auf dem Podium und er segnet das Parlament zu Beginn einer Legislaturperiode. Ein Konkordat sorgt bei verfassungsm√§√üig garantierter Religionsfreiheit f√ľr eine herausgehobene Stellung der georgischen Orthodoxie, der als einziger Religionsgemeinschaft Steuerfreiheit sowie eine √∂ffentlich-rechtliche Organisationsform zugebilligt werden. Diese Sonderstellung wurde im Oktober 2002 in einem Verfassungsabkommen festgeschrieben, welches die christliche Orthodoxie praktisch zur Staatsreligion erkl√§rt.

In Adscharien leben rund 376.000 Georgier, deren Vorfahren unter osmanischer Herrschaft teilweise zum sunnitischen Islam konvertiert sind. 9,9 Prozent der Einwohner Georgiens sind Muslime; dazu zählt neben den zum Teil sunnitischen Adscharen die große schiitische Minderheit der Aseris.

3,9 Prozent verteilen sich auf die Religionsgemeinschaften der Armenier (200.000 Menschen Armenische Apostolische Kirche), der Katholiken (insgesamt 0,8 Prozent der Bevölkerung, davon 60.000 Menschen Armenisch-katholische Kirche, 50.050 Römischer Ritus, 3000 Chaldäisch-katholische Kirche), der Protestanten (Lutheraner, Baptisten und Pfingstler), der Jesiden, Juden (rund 10.000 im Jahr 2004) und der Zeugen Jehovas (18 619 im Jahr 2016).

In den 1990er Jahren wurden Kirchenbauten religi√∂ser Minderheiten, unter anderem der Katholiken, enteignet und der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche √ľbergeben. Immer wieder kommt es zu religi√∂s motivierten Ausschreitungen gegen Minderheiten, darunter gegen die Zeugen Jehovas und gegen die Baptisten. Georgien stand bis 2004 auf einer Liste der US-Kommission zur Religionsfreiheit in der Welt (USCIRF), die jene L√§nder nennt, in denen die Religionsfreiheit am wenigsten gew√§hrleistet ist. Erst nachdem Georgiens Strafverfolgungsbeh√∂rden gehandelt hatten, lie√ü die Zahl der √úberf√§lle nach und Georgien wurde aus der Liste entfernt. Am 7. Juli 2011 wurden per Gesetz auch die nichtorthodoxen Religionsgemeinschaften, die einen historischen Bezug zum Land haben oder einen entsprechenden Status in einem Mitgliedsland des Europarates besitzen (Katholiken, Baptisten, Juden, Moslems sowie die armenisch-apostolische Glaubensgemeinschaft), rechtlich abgesichert. Der Europarat begr√ľ√üte den dadurch gew√§hrleisteten Schutz religi√∂ser Minderheiten in Georgien ausdr√ľcklich.

Geschichte

Antike

Aus dem Gebiet des heutigen Georgien stammen fr√ľhe Hominidenfunde aus dem Pal√§olithikum (Dmanisi). Das Neolithikum beginnt bereits im 8.¬†Jahrtausend. Metallverarbeitung setzt im fr√ľhen dritten Jahrtausend v.¬†Chr. mit der fr√ľhbronzezeitlichen Kura-Araxes-Kultur ein. Man geht davon aus, dass die erste Eisenbearbeitung durch den Stamm der Chalyber erfolgte. Er wurde durch seine geschickten Schmiede bekannt.

Im sechsten Jahrhundert v. Chr. entstanden die Staaten Kolchis (West-Georgien) und Iberien (Ost-Georgien). Später unterwarfen die Römer das Land. Im Jahre 327 wurde das Christentum Staatsreligion. Auf die Römer folgten als Eroberer die Perser, die Byzantiner und die Araber.

Mittelalter (11. bis 18. Jahrhundert)

Am Ende des zehnten Jahrhunderts wurde Georgien in seinem „goldenen Zeitalter“ vereint. Die langj√§hrige Abh√§ngigkeit vom Byzantinischen Reich wurde abgesch√ľttelt. Unter Dawit dem Erbauer und K√∂nigin Tamar wurde Georgien zwischen dem elften und 13.¬†Jahrhundert die st√§rkste Macht in Transkaukasien. Es folgte eine mongolische Invasion unter Timur. Im 16.¬†Jahrhundert zerfiel Georgien in die K√∂nigreiche Imeretien, Kachetien und Kartlien sowie f√ľnf F√ľrstent√ľmer, die unter osmanischem und iranischem Einfluss standen.

Neuzeit (18. und 19. Jahrhundert)

1783 schloss Ostgeorgien (Kartlien-Kachetien) einen Schutzvertrag mit Russland. 1801 wurde Kartlien-Kachetien per Dekret des Zaren annektiert und sein K√∂nigshaus entthront. Die Regionen im Westen des Landes blieben noch ein Jahrzehnt lang staatlich unabh√§ngig. Erst 1810 eroberte Russland das georgische K√∂nigreich Imeretien. Russland brauchte weitere 54¬†Jahre, um die vollst√§ndige Kontrolle √ľber Westgeorgien zu gewinnen. Die Region Gurien wurde 1828 abgeschafft, Mingrelien 1857. Die Region Swanetien wurde im Kaukasuskrieg zwischen 1857 und 1859 annektiert, das F√ľrstentum Abchasien 1864. Im Russischen Kaiserreich geh√∂rte der westliche Teil Georgiens zum Gouvernement Kutaissi, der √∂stliche Teil zum Gouvernement Tiflis.

Erste und Zweite Republik (20. Jahrhundert)

Nach der Oktoberrevolution erkl√§rte sich Georgien am 26.¬†Mai 1918 unabh√§ngig und zur demokratischen Republik. Artikel 1 des Gesetzes vom 22. November 1918 √ľber die Wahlen zu gesetzgebenden Gremien, das das aktive und passive Frauenwahlrecht garantierte, wurde vom Nationalen Rat und dem Ministerrat angenommen. Am 16.¬†Februar 1921 wurde die Demokratische Republik Georgien von der Roten Armee besetzt und in die Sowjetunion eingegliedert, zun√§chst, von 1922 bis 1936, als Teilgebiet der Transkaukasischen SFSR, dann, nach deren Aufl√∂sung, als Georgische SSR, die bis zum Ende der Sowjetunion im Jahre 1991 bestand. Im Verband der Sowjetunion erlebte Georgien die Industrialisierung, die georgische Landwirtschaft spezialisierte sich auf den Export s√ľdl√§ndischer Fr√ľchte und die Republik wurde zu einer der wichtigen Tourismus- und Urlaubsregionen des Landes.

Dritte Republik

W√§hrend der sp√§ten 1980er Jahre entwickelte sich eine starke georgische Unabh√§ngigkeitsbewegung. Am 9.¬†April 1991, noch vor dem Augustputsch in Moskau, der den Zerfall der Sowjetunion beschleunigte, erkl√§rte sich Georgien erneut unabh√§ngig. In Abchasien und S√ľdossetien kam es zu Sezessionskriegen. Wegen der starken Milit√§rpr√§senz Russlands hat die georgische Regierung allerdings noch heute keine Kontrolle √ľber Teile ihres Territoriums.

Georgiens erster Pr√§sident nach der Wiedererlangung der Unabh√§ngigkeit, Swiad Gamsachurdia, wurde durch einen Putsch abgel√∂st. Sein Nachfolger wurde der fr√ľhere georgische KP-Chef und sowjetische Au√üenminister Eduard Schewardnadse. Er leitete demokratische Reformen ein. Die Wirtschaft stagnierte jedoch auf niedrigem Niveau. Hinzu kamen eine weitverzweigte Korruption und regelm√§√üige Wahlf√§lschungen.

Seit dem 21. Jahrhundert

Im November 2003 wurde Schewardnadse durch die Rosenrevolution von der Macht verdr√§ngt. Im Januar 2004 wurde Micheil Saakaschwili mit 96 Prozent der Stimmen zum neuen Pr√§sidenten gew√§hlt. Premierminister wurde Surab Schwania. F√ľr wichtige Reformfelder wurden erfolgreiche Auslandsgeorgier als Minister ins Land geholt. Als vorrangige politische Ziele w√§hlte die Regierung die Entb√ľrokratisierung (und damit die Entmachtung alter Eliten und Netzwerke) sowie die wirtschaftliche Liberalisierung aus. Durch die drastische Straffung der staatlichen Verwaltung konnte die Finanzierung des Staatsapparats auf eine stabile Basis gestellt werden. Der dadurch erm√∂glichte systematische Anstieg der Geh√§lter und eine soziale Absicherung machten den Staatsdienst f√ľr junge und qualifizierte Arbeitskr√§fte attraktiv, was zu einer St√§rkung der staatlichen Institutionen f√ľhrte. Die Privatisierung des staatlichen Sektors wurde von einer Gegenelite vorangetrieben, die aus der Diaspora zur√ľckkehrte und √ľber Kontakte zu wichtigen ausl√§ndischen Investoren verf√ľgte, sich jedoch durch diese Projekte auch extrem bereicherte. Die Staatsschulden gingen 2004 erstmals zur√ľck.

Korruption und Kriminalit√§t wurden energisch verfolgt, wenngleich sich viele Ma√ünahmen gegen Vertreter der Opposition richteten und radikale Mittel ergriffen wurden. So wurden im April 2004 alle 16.000 Verkehrspolizisten fristlos entlassen. Das f√ľhrte jedoch dazu, dass die „georgische Mafia“ in der Folge verst√§rkt in Westeuropa operierte, was 2010 zur Operation Java f√ľhrte. In dieser Zeit stieg Georgien im Korruptionswahrnehmungsindex der Transparency International vom Platz 133 im Jahr 2004 auf Platz 51 im Jahr 2012, h√∂her als Italien, Lettland und Tschechien. Dabei ist die fr√ľher allgegenw√§rtige Alltagskorruption („petty corruption“) praktisch verschwunden. Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index) von Transparency International lag Georgien 2016 von 176 L√§ndern zusammen mit Lettland auf dem 44. Platz, mit 57 von maximal 100 Punkten.

Es gelang Saakaschwili auch, den adscharischen Machthaber Aslan Abaschidse zu vertreiben und Adscharien mit Georgien wiederzuvereinen. Am 3.¬†Februar 2005 verstarb Premierminister Schwania. Das Amt √ľbernahm Finanzminister Surab Noghaideli. Die Unzufriedenheit mit der neuen Regierung nahm jedoch bald √§hnliche Formen an wie 2003. Nach Massenprotesten gegen die Regierung vom 2. bis 7.¬†November 2007 wurde Lado Gurgenidse neuer Premier. Pr√§sident Saakaschwili trat am 25.¬†November zur√ľck, um den Weg f√ľr Pr√§sidentschafts-Neuwahlen am 5. Januar 2008 frei zu machen. Das amtliche Endergebnis dieser Wahlen erkl√§rte den bisherigen Amtsinhaber Saakaschwili mit 53,47¬†Prozent der ausgez√§hlten W√§hlerstimmen zum Wahlsieger.

Im August 2008 eskalierte der S√ľdossetien-Konflikt erneut und es kam zum offenen Krieg mit Russland, gem√§√ü einem sp√§teren EU-Bericht angesto√üen durch Georgien. In der Folge erkannte Russland die Unabh√§ngigkeit Abchasiens und S√ľdossetiens an und m√∂chte die beiden Gebiete in die Eurasische Union aufnehmen. Dazu w√§re es n√∂tig, dass Wei√ürussland, Kasachstan und Armenien deren Unabh√§ngigkeit ebenfalls anerkennen, was sie in eine offene Konfrontation mit Georgien br√§chte. „Deshalb hat Moskau nun den Plan ausgeheckt, die beiden Gebiete st√§rker zu ¬ęintegrieren¬Ľ“, sagte (im Oktober 2014) Dawit Ussupaschwili, f√ľr Georgien „ein weiterer Schritt hin zur definitiven Annexion“. 10 Jahre nach dem erfolglosen Angriff georgischer Truppen auf S√ľdossetien forderten am 8. August 2018 sowohl die USA als auch Kanada √ľber die Au√üenministerien den R√ľckzug der russischen Truppen aus Abchasien und S√ľdossetien.

Nach zwei Amtszeiten durfte Saakaschwili 2013 nicht mehr zu den Präsidentschaftswahlen antreten; sein Nachfolger war von November 2013 bis Dezember 2018 Giorgi Margwelaschwili. Dieser wurde von Salome Surabischwili abgelöst.

Im Oktober 2019 erlitt Georgien einen auff√§llig umfangreichen Cyberangriff, der mehr als 2000 georgische Websites betraf. Teilweise wurden die Startseiten ersetzt durch eine Botschaft √ľber die angebliche R√ľckkehr Saakaschwilis. Auch die TV-Sender Imedia und Maestro wurden angegriffen und konnten nicht mehr senden.

Politik

Grundsätze

Georgien ist eine demokratische Republik mit einem starken Pr√§sidialsystem und zentralisierter Verwaltung. Es wird von Kritikern als defekte Demokratie angesehen. Zwar sei der Zugang zur Politik formell durch freie und geheime Wahlen gesichert, doch w√ľrden politische und b√ľrgerliche Rechte sowie die Gewaltenkontrolle oft eingeschr√§nkt. Im Herbst 2007 wurde Pr√§sident Saakaschwili von seinem fr√ľheren, zuvor in Berlin festgenommenen Verteidigungsminister Irakli Okruaschwili beschuldigt, Morde in Auftrag gegeben zu haben. Die Oppositionsparteien boykottierten aus Protest gegen die ihrer Ansicht nach gef√§lschten Wahlen vom Mai 2008 das Parlament. Internationale Wahlbeobachter stellten jedoch nur geringf√ľgige Unregelm√§√üigkeiten fest. Unter dem Druck der internationalen Gemeinschaft fanden nach einem harten Wahlkampf am 1. Oktober 2012 schlie√ülich „faire und freie Wahlen“ in Georgien statt, denen erstmals in diesem Kaukasus-Land ein friedlicher Machtwechsel folgte.

Georgien wird, √§hnlich wie Israel und einige weitere osteurop√§ische und asiatische Staaten, als ethnische Demokratie beschrieben, in der „die Dominanz einer ethnischen Gruppe institutionalisiert ist“. Im Demokratieindex 2019 der britischen Zeitung The Economist belegt Georgien Platz 89 von 167 L√§ndern und gilt damit als ein „Hybridregime“ mit sowohl demokratischen als auch autorit√§ren Elementen. In den letzten Jahren war in diesem Ranking ein Abw√§rtstrend Georgiens zu bemerken: Im Jahre 2017 wurde der Staat auf Rang 79 eingeordnet.

Regierung

Der Pr√§sident nominiert den Premierminister, der vom Parlament best√§tigt wird. Der Regierungschef steht einem Kabinett aus 14 Ministern sowie mehreren Regierungskomitees vor. Regierungschef war seit November 2003 Surab Schwania in der Funktion eines „Staatsministers“, im Februar 2004 erhielt er den Rang eines Premierministers. Anfang Februar 2005 starb er unter dubiosen Umst√§nden. Am 17. Februar 2005 wurde Surab Noghaideli auf Vorschlag des Pr√§sidenten vom Parlament zum Premierminister gew√§hlt. Noghaideli trat am 16. November 2007 „aus gesundheitlichen Gr√ľnden“ zur√ľck; Beobachter vermuteten Massenproteste als eigentlichen Grund. Der Pr√§sident schlug dem Parlament am 16. November 2007 Lado Gurgenidse als Nachfolger vor. Am 27. Oktober 2008 trat Gurgenidse, der die Bek√§mpfung der Arbeitslosigkeit und angesichts der globalen Finanzkrise die Stabilisierung der Finanzlage Georgiens versprochen hatte, vom Amt des Premierministers zur√ľck. Pr√§sident Saakaschwili nominierte Grigol Mgaloblischwili zum Premierminister; dieser trat nach wenigen Monaten von seinem Amt zur√ľck. Saakaschwili nominierte Nika Gilauri, der am 6. Februar 2009 vom georgischen Parlament best√§tigt wurde. Gilauri amtierte bis 30. Juni 2012. Nach dessen R√ľcktritt nominierte Saakaschwili den bisherigen Innenminister Wano Merabischwili als Premierminister. Auch dieser amtierte nur kurze Zeit.

Saakaschwili nominierte nach dem Wahlsieg des Georgischen Traums bei der Parlamentswahl am 1. Oktober 2012 dessen Vorsitzenden, den Milliard√§r Bidsina Iwanischwili, als Premierminister. Iwanischwili trat am 20. November 2013 zugunsten seines Innenministers Irakli Gharibaschwili vom Posten des Premierministers zur√ľck. Bei der Pr√§sidentschaftswahl am 27. Oktober 2013 erhielt Giorgi Margwelaschwili 62,1¬†% der abgegebenen Stimmen; er trat das Amt am 17. November 2013 an.

Am 23. Dezember 2015 erkl√§rte Gharibaschwili ohne Angabe von Gr√ľnden seinen R√ľcktritt. Das Parlament w√§hlte am 29. Dezember 2015 den bisherigen Au√üenminister Giorgi Kwirikaschwili zum Premierminister. Dieses Amt hatte er nach dem Wahlsieg seiner Partei bei der Parlamentswahl im Oktober 2016 weiterhin inne. Am 13. Juni 2018 erkl√§rte er seinen R√ľcktritt. Nachfolger seit dem 20. Juni 2018 bis zu seinem R√ľcktritt am 2. September 2019 war Mamuka Bachtadse. Am 8. September 2019 wurde Giorgi Gacharia im neuen Amt als Premierminister best√§tigt.

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl 2018 fand am 28. Oktober 2018 statt. In der Stichwahl am 1. Dezember 2018 konnte sich Salome Surabischwili gegen Grigol Waschadse durchsetzen.

Parlament

Bei den Parlamentswahlen am 1. Oktober 2012 errang das von dem Milliard√§r Bidsina Iwanischwili gegr√ľndete Oppositionsb√ľndnis Georgischer Traum einen Erdrutschsieg. Mit 54,85 Prozent erlangte es im Parlament 83 Sitze und hat damit die absolute Mehrheit. Die bisherige Regierungspartei Vereinte Nationale Bewegung (ENM) erlangte 40,43 Prozent und bildet mit 67 Sitzen die Opposition. Die √ľbrigen Parteien scheiterten an der Sperrklausel, die bei Parlamentswahlen bei 5 Prozent liegt. Die Organisation f√ľr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bewertete die Wahl als frei und demokratisch. Die letzten Wahlen fanden im Oktober 2016 statt; bei ihnen erreichte der Georgische Traum eine Dreiviertelmehrheit der Mandate.

Außenpolitik

Die Au√üenpolitik Georgiens ist von dem Wunsch gepr√§gt, seine Unabh√§ngigkeit von Russland unumkehrbar zu machen. Unmittelbar nach der Gr√ľndung Georgiens 1991 unterst√ľtzte Russland separatistische Bewegungen in Abchasien, S√ľdossetien und Adscharien. 1993 trat Georgien dennoch der Gemeinschaft Unabh√§ngiger Staaten (GUS) bei. Die Beziehungen zu Russland blieben auf niedrigem Niveau und verschlechterten sich vor allem nach der Rosenrevolution 2003 in Georgien, die das Ziel, die abtr√ľnnigen Regionen zur√ľckzuholen, wieder in den Vordergrund r√ľckte. Anfang 2007 schloss Russland s√§mtliche Grenz√ľberg√§nge und verst√§rkte damit die Embargopolitik. Schlie√ülich kam es im August 2008 zum milit√§rischen Konflikt mit Russland („Georgienkrieg“), in dessen Folge Georgien aus der GUS austrat.

Der Westen k√ľmmerte sich bis 1995 wenig um Georgien. Verst√§rkte √Ėlf√∂rderungen in Turkmenistan und Aserbaidschan r√ľckten den Staat im s√ľdlichen Kaukasus als Transitland zur Verschiffung des schwarzen Goldes Mitte der 1990er Jahre wieder in den Blickpunkt. Die NATO schloss mit Georgien eine strategische Partnerschaft ab. Seit 2004 ist Georgien mit der NATO durch einen Individual Partnership Action Plan (IPAP) verbunden. 2006 wechselte Georgien auf eine neue Stufe der Zusammenarbeit mit der NATO, den Intensiven Dialog (ID). Georgien plant, in der Zukunft der Europ√§ischen Union (EU) beizutreten. Es wurde Mitglied im Europarat und geh√∂rt zu den EU-Programmen Europ√§ische Nachbarschaftspolitik (ENP) sowie TRACECA. Im Mai 2009 trat Georgien der √Ėstlichen Partnerschaft bei. Ein wirtschaftliches und politisches Assoziierungsabkommen zwischen Georgien und der EU wurde am 27. Juni 2014 in Br√ľssel geschlossen.

Die USA haben sich 1999 im Silk Road Strategy Act darauf festgelegt, starke politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Bindungen zwischen den L√§ndern des S√ľdkaukasus … und dem Westen zu entwickeln. Seit 1994 erh√§lt Georgien US-amerikanische Milit√§rhilfe und seit 2002 sind US-Milit√§rausbilder f√ľr verschiedene Programme in Georgien t√§tig. Ab 2004 war das Land mit 2500 Soldaten im Irak vertreten.

Ein besonderes Verh√§ltnis pflegt Georgien neben der Ukraine und Aserbaidschan mit der Gruppe der neuen Freunde Georgiens: Estland, Lettland, Litauen, Polen und Rum√§nien. Seit 2006 baut Georgien seine Verbindungen zum Iran und zur arabischen Welt aus. Es kn√ľpft dabei an seine traditionelle Rolle als Mittler zwischen Orient und Okzident an. Die politischen Verh√§ltnisse zum Iran sind wegen der pro-westlichen Orientierung georgischer Au√üenpolitik nicht einfach. 2008 verschlechterten sich etwa die Beziehungen f√ľr eine kurze Weile, nachdem die georgische Regierung iranische Staatsb√ľrger, die unter anderem des Schmuggels und der Geldw√§sche bezichtigt worden waren, festnehmen und an die USA ausliefern lie√ü. Bei seinem Teheranbesuch im Januar 2010 entschuldigte sich der damalige Au√üenminister Georgiens Grigol Waschadse bei der iranischen F√ľhrung f√ľr diesen Fall.

Ende September 2006 verschlechterten sich die georgisch-russischen Beziehungen dramatisch, als die georgischen Beh√∂rden vier Offiziere der Spionage f√ľr die russische F√∂deration verd√§chtigten, verhafteten und einem OSZE-Vermittler √ľbergaben. Die darauf folgende massenweise Ausweisung von georgischen B√ľrgern durch Russland wurde 2014 vom Europ√§ischen Gerichtshof f√ľr Menschenrechte verurteilt. Georgien hat die Visumpflicht f√ľr Russland aufgehoben, Moskau bis Oktober 2014 noch nicht.

Georgien ist seit 1992 Mitglied der Vereinten Nationen und gehört folgenden internationalen Organisationen an: GUAM, OSZE, IWF, Weltbank, EBRD, WTO, Europarat sowie der Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation.

Seit 2014 hat das Land zudem Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP).

Verwaltungsgliederung

Georgien gliedert sich in neun Regionen (Mingrelien und Oberswanetien, Gurien, Ratscha-Letschchumi und Niederswanetien, Imeretien, Samzche-Dschawachetien, Mzcheta-Mtianeti, Innerkartlien, Niederkartlien, Kachetien), die Hauptstadtregion Tiflis sowie die zwei autonomen Republiken Abchasien und Adscharien. Das Gebiet von S√ľdossetien geh√∂rt verwaltungstechnisch √ľberwiegend zur Region Innerkartlien.

Abchasien befindet sich nicht unter Kontrolle der Zentralregierung, sondern wird von einer aus Russland unterst√ľtzten, international nicht anerkannten separatistischen Regierung kontrolliert. Auch in Adscharien gab es nach dem Zerfall der Sowjetunion separatistische Tendenzen. Es gelang der georgischen Zentralregierung jedoch, die Region wieder weitgehend in den georgischen Staat einzugliedern.

Menschenrechte

Georgien hat die UN-Konvention zur Einhaltung der Menschenrechte ratifiziert. Dennoch kommt es zu Beh√∂rdenwillk√ľr in dem Land. Mitglieder der Oppositionsparteien und Journalisten waren laut Amnesty International Schikanen und unverh√§ltnism√§√üiger Gewaltanwendung durch die Polizei ausgesetzt.

Das Recht auf freie Meinungs√§u√üerung wird immer wieder stark angegriffen. Journalisten, die √ľber die Demonstrationen der Opposition berichteten, waren 2008 laut Amnesty International Bedrohungen und Gewalt sowohl durch die Beh√∂rden als auch durch Anh√§nger der Opposition ausgesetzt.

Dem Amnesty-Bericht von 2016 zufolge versch√§rften sich im Laufe des Jahres 2015 die politischen Antagonismen zwischen den Anh√§ngern des Georgischen Traums und der Vereinten Nationalen Bewegung (VNB), der zwei f√ľhrenden Parteien Georgiens, zusehends. Die Stimmung heizte sich an, als einige kompromittierende Videos aus der Regierungszeit der VNB auftauchten. In diesen war die Vergewaltigung von H√§ftlingen in einem Gef√§ngnis zu sehen. Landesweit kam es daraufhin zu massiven √úberf√§llen auf die B√ľros der gr√∂√üten Oppositionspartei.

Im Oktober 2015 betonte der Chef des wichtigsten oppositionellen Fernsehsenders Rustawi 2, er werde von der Regierung unter Druck gesetzt. Deren Ziel sei, ihn von seinem Posten zu verdr√§ngen. Ohne das endg√ľltige Urteil des Verfassungsgerichts abzuwarten, entschied sich die Regierung in Tiflis in der Folge, das F√ľhrungspersonal des Senders zu entlassen und dessen Verwaltung mit eigenen Vertrauten zu besetzen.

Der Amnesty International Report 2017 weist auf die Unrechtm√§√üigkeit des georgischen Justizsystems hin. Angeprangert wird vor allem der parteiische Charakter gerichtlicher Entscheidungen. Demnach w√ľrden die Mitglieder der Vereinten Nationalen Bewegung in Gerichtsprozessen meist mit Freiheitsstrafen belegt, w√§hrend Anh√§nger des Georgischen Traums gegen Kaution oder Geldstrafen freik√§men.

Militär

Die Streitkräfte Georgiens umfassen knapp 37.000 Berufssoldaten in den Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Nationalgarde. Die aktive Reserve umfasst rund 120.000 Mann und kann im Ernstfall auf 250.000 Mann aufgestockt werden.

Die Marine Georgiens wurde im Jahr 2009 aufgel√∂st; die noch operierenden Boote wurden an die K√ľstenwache √ľbergeben.

Seit 2004 werden die Streitkr√§fte Georgiens beschleunigt nach NATO-Standards modernisiert. Beliefen sich noch 2003 die Verteidigungsausgaben lediglich auf 24 Millionen US-Dollar, waren es 2013 knapp 400 Millionen US-Dollar, mit 2,7¬†% des BIP √ľber dem europ√§ischen Durchschnitt. 2007 hatten sich die Ausgaben auf 22¬†% des Staatshaushalts bzw. 7¬†% des Bruttosozialprodukts, konkret auf mehr als 2,7 Milliarden US-Dollar, gesteigert.

Wirtschaft

Fr√ľhe Geschichte

In vorchristlicher Zeit bl√ľhte der Handel zwischen Georgien und der antiken Welt. √úber den Rioni verschiffte man Waren von Kutaia, dem heutigen Kutaissi, zur Hafenstadt Phasis, dem heutigen Poti. Dabei wurden nicht nur Gold, Silber, Kupfer, Mangan und Eisen aus dem Kaukasus verschifft, mindestens seit dem 6. Jahrhundert v.¬†Chr. handelte man auch mit georgischem Wein.

Seit etwa 1000 v. Chr. setzte sich die Eisenverarbeitung durch. Bereits im dritten Jahrhundert v. Chr. war Georgien die Waffenschmiede der Antike.

Die sowjetische Zeit und der √úbergang zur Marktwirtschaft

Im 20.¬†Jahrhundert konzentrierte sich die Wirtschaft Georgiens auf den Tourismus im Kaukasus und am Schwarzen Meer, den Anbau von Zitrusfr√ľchten, Weintrauben und Tee sowie den Abbau von Steinkohle, Mangan und Kupfer. Im Westen wurden Rinder, im Osten Schafe gez√ľchtet. Es gab einen kleinen industriellen Sektor, der Metalle, Maschinen, Chemikalien und Textilien produzierte.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlitt Georgien im Vergleich zu anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion einen au√üerordentlich schweren Wirtschaftskollaps. Im Dezember 1990 verh√§ngte Russland eine Wirtschaftsblockade √ľber Georgien. B√ľrgerkriege und Unabh√§ngigkeitsk√§mpfe in Abchasien, Adscharien, S√ľdossetien und Westgeorgien versch√§rften die Krise. Die Produktion in Industrie und Landwirtschaft ging zur√ľck. Das Produktionsvolumen rutschte bis 1994 auf ein Viertel des Niveaus von 1989. Die Arbeitslosigkeit in der Hauptstadt Tiflis stieg auf 40¬†Prozent.

Hilfe vom Westen kam erst 1995, als Weltbank und Internationaler W√§hrungsfonds (IWF) Georgien Kredite in H√∂he von 206¬†Millionen US-Dollar und Deutschland in H√∂he von 50¬†Millionen D-Mark gew√§hrten. Zwischen 1995 und 1997 stieg das Produktionsvolumen auf etwa 30¬†Prozent des Niveaus zu Sowjetzeiten; bis 2001 erreichte es etwa 35¬†Prozent. 32¬†Prozent der Bev√∂lkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, 13 bis 15¬†Prozent der Haushalte leben in extremer Armut (Statistik 2001). Die Geh√§lter halten mit der Inflation nicht Schritt, Alterspensionen liegen bei rund 19¬†Euro monatlich, B√ľrgerkriegsfl√ľchtlinge erhalten maximal 6¬†Euro monatliche Unterst√ľtzung. Im Oktober 1995 wurde der Lari (GEL) mit Unterst√ľtzung des IWF und der Weltbank als neue W√§hrung Georgiens eingef√ľhrt. Bis zur Abwertung 1998 war die W√§hrung stabil zum US-Dollar (1:1). Der Lari ist frei konvertierbar.

Seit der „samtenen Revolution“ von 2003

Nach der samtenen Revolution 2003 waren positive Entwicklungen in der georgischen Wirtschaft erkennbar. Insbesondere die B√ľrokratie wurde abgebaut und Georgien liegt seit Jahren auf dem Doing-Business-Index der Weltbank auf vorderen R√§ngen, beispielsweise 2015 vor der Schweiz oder Frankreich. Georgiens wirtschaftspolitische Reformen wurden auch im Beobachtungszeitraum 2007/08 im Bericht „Doing Business 2008“ der Weltbank ausdr√ľcklich gelobt. Das Land konnte sich von Rang 112 auf Rang 18 verbessern und liegt damit zwischen der Schweiz (16.) und Deutschland (20.). Die H√∂he der Direktinvestitionen in Georgien stieg 2005 auf 447,8¬†Millionen US-Dollar und 2006 auf mehr als 1¬†Milliarde USD. Das Kreditportfolio der georgischen Banken belief sich 2007 auf mehr als 1,5¬†Milliarden US-Dollar. Allerdings erbrachten die Privatisierungen bei weitem nicht die erhofften Erl√∂se. 2014 lebten 70 Prozent der Georgier kaufkraftbereinigt von weniger als f√ľnf Dollar pro Tag. Obschon die Korruption im Alltag mit Polizei, am Zoll oder bei Richtern kaum mehr auftrete, waren 70 Prozent der Landwirtschaftsfl√§chen nicht registriert, was das B√ľndeln der kleinteiligen landwirtschaftlichen Produktion verhindert und bedeutet, dass ein Landwirt im Schnitt nur einen halben Hektar bewirtschaftet; die vorherrschende Wirtschaftsform ist die Subsistenzwirtschaft. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei knapp 15¬†%, inoffizielle Sch√§tzungen belaufen sich auf 30–50¬†%. Die industrielle Produktion ist verh√§ltnism√§√üig gering ausgepr√§gt und entwickelt.

Georgiens gr√∂√üter Au√üenhandelspartner ist die T√ľrkei, gefolgt von Russland, Aserbaidschan und Deutschland (Stand 2002). Nach den USA ist Deutschland Georgiens zweitwichtigster Partner bei der Entwicklungszusammenarbeit. Anfang 2006 betrugen Georgiens Auslandsschulden 1,75¬†Milliarden US-Dollar. Ein Gro√üteil des Geldes stammte von der Weltbank, dem Internationalen W√§hrungsfonds (IWF) und der Europ√§ischen Bank f√ľr Wiederaufbau und Entwicklung. Weitere Kreditoren sind die Staaten der GUS, vor allem Turkmenistan und Russland. Die Staatsverschuldung insgesamt betrug Ende 2011 10,1¬†Mrd. US-Dollar.

Wichtig f√ľr die wirtschaftliche Entwicklung ist ein internationaler Transport-Korridor durch die Schwarzmeerh√§fen Poti und Batumi, eine gro√üe √Ėlpipeline vom aserbaidschanischen Baku √ľber Tiflis nach Ceyhan in der T√ľrkei, die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline (BTC) und eine parallel dazu verlaufende Gaspipeline, die S√ľdkaukasus-Pipeline. Diese Pipelines machen Georgien f√ľr die Europ√§ische Union und die USA geostrategisch bedeutsam, da sie das √Ėl und das Gas aus den Feldern am Kaspischen Meer an Russland vorbei in den Westen transportieren und so die europ√§ische Abh√§ngigkeit von russischen Exporten verringern.

Nach der Rezession von 2009 und einem erneuten Einbruch 2012/13 konnte sich die Wirtschaft Georgiens wieder erholen, u. a. durch die Marktöffnung Russlands. Um das Jahr 2014 reisten wieder jährlich 300.000 russische Touristen nach Georgien. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Georgiens betrug im Jahr 2015 ca. 17 Mrd. US-Dollar. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im selben Jahr 3.918 USD.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsf√§higkeit eines Landes misst, belegt Georgien Platz 67 von 137 L√§ndern (Stand 2017–2018). Im Index f√ľr wirtschaftliche Freiheit belegte Georgien 2017 Platz 13 von 180 L√§ndern.

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (Kaufkraftparität) angegeben.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 4.571 Millionen US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 4.266 Mio. US-Dollar gegen√ľber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in H√∂he von 1,9¬†% des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2016 6,38¬†Milliarden US-Dollar oder 44,9¬†% des BIP. Das Au√üenhandelsvolumen war um ein Mehrfaches gestiegen.

Der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche betrug:

  • Gesundheit: 9,4 (2013)
  • Milit√§r: 2,7 (2013)
  • Bildung: 2,0 (2012)

Infrastruktur

Straße

Wie in den meisten Nachfolgestaaten der Sowjetunion ist auch in Georgien das Straßennetz relativ gering ausgebaut. Vierspurige Abschnitte sind vornehmlich in der Metropolregion Tiflis anzutreffen. 2006 betrug die Gesamtlänge des georgischen Straßennetzes 20.329 km, davon waren rund 39 % befestigt. Die Länge der internationalen Fernstraßen beträgt 1.495 km, die der staatlichen internen Straßen 3.354 km und rund 15.480 km fallen auf die Gemeindestraßen.

Eisenbahn

Das Schienennetz der georgischen Eisenbahngesellschaft Sakartwelos Rkinigsa hat eine Gesamtl√§nge von 1612¬†km (97,7¬†% in „russischer“ Breitspur) und ist nahezu vollst√§ndig elektrifiziert. Entsprechend den geographischen Gegebenheiten verl√§uft die Hauptverkehrsachse in West-Ost-Richtung.

Die Eisenbahninfrastruktur umfasst 126 Bahnh√∂fe, 45 Tunnel und 1714 Br√ľcken. Die wichtigsten Linien verbinden die georgische Hauptstadt Tiflis mit Batumi und Poti am Schwarzen Meer, mit Baku am Kaspischen Meer und mit Armenien.

Flugverkehr

Insgesamt befinden sich im Land drei wichtige Flughäfen: Tiflis, Kutaissi und Batumi.

Inlandsverbindungen bestehen zwischen Tiflis und Batumi sowie Tiflis und Kutaissi. Vom Natakhtari Airfield gibt es regelm√§√üige Fl√ľge in den Touristenort Mestia.

Häfen

Durch die g√ľnstigen Klimabedingungen und die attraktive geografische Lage haben georgische Seeh√§fen gute Entwicklungsm√∂glichkeiten. Nach Angabe der georgischen Regierung wurden 2010 insgesamt 48,4 Mio. Tonnen Seefracht in Georgien transportiert und somit 7¬†% mehr als im Vorjahr. Der mit weitem Abstand wichtigste Containerumschlagsplatz ist der Hafen Poti mit 92,8¬†%, mit einem Wachstum von 21,4¬†% p.¬†a. Auch wenn Batumi wesentlich wenig Container umschl√§gt, wuchs der Umschlag 2010 um 84,1¬†% im Jahresvergleich.

Poti
Poti am Schwarzen Meer ist ein wichtiger Transportknoten auf dem Weg von Westen nach Osten und soll k√ľnftig „das maritime Tor Georgiens“ werden. Heute hat der Hafen eine Schutzmauer und ist damit von den Wetterbedingungen unabh√§ngig.

Batumi
Der Seehafen von Batumi liegt im S√ľdosten des Schwarzen Meeres an der georgischen Seek√ľste und die gesamte Fl√§che betr√§gt 22,2¬†ha. In Zukunft sollen auf dem Hafengel√§nde der neue Hafen f√ľr den Export und Transit von √Ėl sowie drei Cargoterminals gebaut werden. Heute verf√ľgt der Hafen √ľber drei √Ėlterminals. Die G√ľter werden per Stra√üen- und Schienenverkehr antransportiert. Bis 100.000 TEU j√§hrlich k√∂nnen in Batumi umgeschlagen werden. Vier Cargoterminals und der Passagierhafen geh√∂ren ebenso zur Infrastruktur des Hafens. Die ausl√§ndischen Investoren planen auch die Erweiterung um eine Raffinerie.

Kultur

Antike, Mittelalter

Bereits in der Antike wurden auf dem Gebiet des heutigen Georgien goldene Kelche und kunstvolle Schwerter hergestellt. Das Land war reich an metallenen Bodenschätzen, verarbeitete sie seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. und trieb damit Handel. Griechische und römische Reisende beschrieben ausgebaute Straßen, mit Ziegeln gedeckte Häuser, große Städte und Festungen.

Die georgische Kultur des Mittelalters war byzantinisch gepr√§gt. Die fr√ľhen ein- und dreischiffigen Basiliken (Nekresi, Dsweli Schuamta) aus dem 4.¬†Jahrhundert stehen auf den Fundamenten antiker Tempel, sind klein und haben einen fast quadratischen Grundriss. Im 10. und 11.¬†Jahrhundert entstanden gro√üe Kreuzkuppelkirchen (Swetizochweli-, Alawerdi- und Bagrati-Kathedrale).

Literatur

Die georgische Literatur gliedert sich in eine schriftlose Epoche, eine fr√ľhfeudale Literatur im 5. bis 11.¬†Jahrhundert, eine Literatur des Hochfeudalismus im 11. bis 13.¬†Jahrhundert, eine sp√§tfeudale Literatur im 16. bis zur Mitte des 19.¬†Jahrhunderts, eine Literatur der Neuzeit von der Mitte des 19.¬†Jahrhunderts bis zum ersten Viertel des 20.¬†Jahrhunderts und eine Literatur der Gegenwart.

Mittelalter und fr√ľhe Neuzeit

Das √§lteste erhaltene Buch der georgischen Literatur ist das Martyrium der Heiligen Schuschanik, eine Hagiographie aus dem 5.¬†Jahrhundert. Ihre Bl√ľte erreichte die georgische Literatur im 11. und 12.¬†Jahrhundert zur Zeit K√∂nig Dawids IV. des Erbauers und K√∂nigin Tamars. Der letzteren Finanzminister Schota Rustaweli verfasste Der Recke im Tigerfell (Tariel, georgisch Vepchistqaosani), ein Epos auf Ritterlichkeit und Edelmut, die sich √ľber Religion und Nation erheben (gedruckt erst 1793 in Tiflis). Lyrische Gedichte aus dem Griechischen √ľbersetzte schon Giorgi Aphoni im 11. Jahrhundert.

Zu Beginn des 18.¬†Jahrhunderts erneuerte Sulchan-Saba Orbeliani Georgiens Literatur aus dem Geist des Erz√§hlens. Sein Z√∂gling, K√∂nig Wachtang¬†VI., errichtete 1709 die erste Druckerei des Landes und lie√ü La Fontaines Fabeln verlegen. Eine angeblich schon im 10. Jahrhundert begonnene Bibel√ľbersetzung erschien 1743 in Moskau.

Unter russischer Herrschaft

Die Ver√∂ffentlichung georgischer Zeitungen und B√ľcher war unter der russischen Herrschaft bis 1917 stark beschr√§nkt. Melanie Badridse verfasste 1857 den Roman Kato und Ana (Tiflis 1857), Bischof Joseb von Tiflis die Versdichtung Did-Mourawiani, die Geschichte des Mouraw Giorgi Saakadze, einer Pers√∂nlichkeit des 17. Jahrhunderts (1850). Prominente georgische Schriftsteller der zweiten H√§lfte des 19.¬†Jahrhunderts waren der Dichter, Dramatiker und Vertreter der georgischen Nationalbewegung Ilia Tschawtschawadse (Du, meine liebste Heimat, wor√ľber bist du so traurig – 1872, Der See von Basaleti – 1883, Die Mutter Georgiens – 1881, Der Einsiedler – 1883, Briefe eines Reisenden – 1863), der volkst√ľmliche Theaterautor Akaki Zereteli (Tornike Eristawi, Der kleine Kachetier, Natela, Suliko, Der Tutor) und der Verfasser popul√§rer melodramatischer Romane Aleksandre Qasbegi (Elgudscha – 1881, Eliso – 1882, Die Vaterm√∂rderin – 1882, Der Morgen nach der Hochzeit 1882).

Während der sowjetischen Zeit

Zwischen 1915 und 1921 entwickelte sich eine vom Symbolismus beeinflusste Avantgarde um die Gruppe Blaue H√∂rner (Tsisperi Kantsebi). Diese Str√∂mung wurde jedoch nach der kommunistischen Macht√ľbernahme unterdr√ľckt; die meisten Mitglieder der Gruppe wandten sich einem patriotisch gef√§rbten Realismus zu. Viele wurden jedoch in den 1930er Jahren verfolgt, wurden zu Tode gefoltert wie Tizian Tabidse (1893–1937) oder begingen Selbstmord wie Paolo Iaschwili (1894–1937).

Eine Sonderstellung nimmt der Begr√ľnder der Gruppe, Grigol Robakidse, ein, der vor dem Ersten Weltkrieg in Leipzig und Dorpat studierte und 1931 nach Deutschland auswanderte. Er schrieb auch in deutscher Sprache (Das Schlangenhemd – 1928, Die gemordete Seele – 1933) und emigrierte 1945 wegen seiner Kollaboration mit dem NS-Regime in die Schweiz. Sein heutiges Bild schwankt zwischen √ľberschw√§nglicher Bewunderung und heftigster Ablehnung.

Wichtigste Autoren des 20.¬†Jahrhunderts sind Galaktion Tabidse (Meri, Der Mond von Mtazminda, Ich und die Nacht, Pfirsichbl√ľten, Falben, Heimat), Konstantine Gamsachurdia (Das L√§cheln des Dionysos – 1925, Goethes Lebensroman – 1934, Der Raub des Mondes – 1935, Die rechte Hand des gro√üen Meisters – 1939, Rebenbl√ľte – 1956, Dawit der Erbauer – 1942–1961), Tschabua Amiredschibi (Data Tutaschchia – 1975), Otar Tschiladse (Ein Mann ging des Weges – 1973, Jeder, der mich findet… – 1976, Das eiserne Theater – 1981).

Seit der erneuten Unabhängigkeit 1992

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde Georgien zwar unabh√§ngig, wurde jedoch zu einem der √§rmsten L√§nder der postsowjetischen Staaten: Es gab keine Verlage und keine Finanzierungshilfen f√ľr die Publizierung neuer Werke.

Als bedeutende Gegenwartsautoren gelten der Bestsellerautor Aka Mortschiladse (Die Reise nach Karabach – 1992, Hunde der Paliaschwili Stra√üe – 1995, Santa Esperanza – 2006), Dawit Turaschwili (Merani – 1991, Jeans Generation – 2001) und Dawit Gogibedaschwili (Gedichtsammlung Samkauli, H√∂rbuch Fahrt mich gen Himmel – 2006). Zu den j√ľngeren Autorinnen geh√∂ren Ekaterine Togonidze, Nino Haratischwili und Tamta Melaschwili, die in Deutschland zu schreiben begann.

2018 war Georgien Gastland der Frankfurter Buchmesse. Aus Anlass der Messe wurden √ľber 100 B√ľcher aus dem Georgischen ins Deutsche √ľbersetzt.

Theater, Oper, Musik

Georgien z√§hlt 58¬†professionelle B√ľhnen, 39¬†davon widmen sich dem Drama. Bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde in Georgien Theater gespielt. Das Georgische Nationaltheater wurde 1791 in Tiflis gegr√ľndet, 1851 das Staatliche Theater f√ľr Oper und Ballett. Der Bassist Fjodor Schaljapin deb√ľtierte dort als Oberpriester in Giuseppe Verdis Aida. Der T√§nzer Georgi Balantschiwadse wurde unter dem Namen George Balanchine einer der international wichtigsten Choreografen. K√ľnstlerische Leiterin des Georgischen Nationalballetts ist seit 2004 die Primaballerina des Moskauer Bolschoi-Theaters, Nino Ananiaschwili.

Die traditionelle georgische Musik ist polyphon. Die musikalische Sprache ist vielf√§ltig und regional √§u√üerst unterschiedlich. Die Stimmf√ľhrung und Harmonik des georgischen Gesangs sind weltweit einzigartig. Die Entwicklung der georgischen Polyphonie geht der europ√§ischen um mindestens dreihundert Jahre voraus. Nach neuen Forschungen basiert sie neben dem eigenen Notensystem auf eigenst√§ndigen theoretischen Grundlagen mit eigenem Tonlagesystem. In den in Texten alter Lieder √ľberlieferten W√∂rtern vermutet man √Ąhnlichkeiten mit altsumerischen Sprachen, die f√ľr die Sprachwissenschaft von eminentem Interesse sind. Die georgische Musik wurde von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. 2018 wird Georgien beim Eurovision Song Contest von der Gruppe Iriao vertreten, deren Markenzeichen der traditionelle polyphone Gesang ist.

Wichtige georgische Komponisten des 20. Jahrhunderts sind Sakaria Paliaschwili, der europäische Klassik und georgische Volksmusik miteinander verband, Otar Taktakischwili, der sich ebenfalls stark an die Volksmusik anlehnte, Sulchan Zinzadse, Sulchan Nassidse und der Avantgardist Gija Kantscheli. Außerdem ist Aleksi Matschawariani zu nennen, der eine Synthese aus Elementen neuerer Musik und georgischer Folklore anstrebte.

Die junge Generation georgischer Komponisten macht mit elektronischer Musik auf sich aufmerksam. Dazu z√§hlen Nika Machaidze (K√ľnstlername: Nikakoi), TBA (geb√ľrtig Natalia Beridse) und Gogi.ge.org (geb√ľrtig Gogi Dsodsuaschwili). Seit 2004 ist die georgisch-britische Singer-Songwriterin Katie Melua vorrangig in Westeuropa erfolgreich.

Georgien konnte bereits dreimal den Junior Eurovision Song Contest gewinnen (2008 mit Bzikebi, 2011 mit CANDY und 2016 mit Mariam Mamadaschwili) und richtete ihn 2017 selbst in Tiflis aus.

Film

Georgiens Filmkunst ist international angesehen. Am 16.¬†November 1896 wurde das erste Kino in Tiflis er√∂ffnet. Der erste georgische Film entstand 1912. Die Filmindustrie konzentrierte sich in den Grusia-Film-Studios. Internationale Preise erlangten Tengis Abuladse (Magdanas Esel – Cannes 1956, Die Reue – Cannes 1987), Otar Iosseliani (Die Weinernte – Cannes 1966, Briganten – Venedig 1997), Nana Dschordschadse (1001 Rezepte eines verliebten Kochs – Karlovy Vary 1997, 27¬†Missing Kisses – Br√ľssel 2001) und Dito Tsintsadze (Schussangst – Festival Internacional de Cine de San Sebasti√°n 2003).

Mit dem Niedergang der georgischen Wirtschaft ist auch die Filmproduktion eingebrochen. Viele georgische Regisseure arbeiten inzwischen im Ausland. Seit 2001 hat ein Nationales Zentrum f√ľr Cinematografie die Filmf√∂rderung √ľbernommen. Es untersteht dem Kulturministerium. Ein unabh√§ngiges Expertengremium w√§hlt j√§hrlich zwei Spielfilmprojekte aus, die zu 75¬†Prozent vom Zentrum finanziert werden.

Bildung und Wissenschaft

In Georgien sind unter 1000¬†Einwohner statistisch 27,97¬†Studenten. Das sind mehr als in Deutschland oder in der Schweiz. Georgiens Regierung will die in den letzten Jahren r√ľckl√§ufigen Bildungsausgaben (2001: 2,3¬†Prozent des Bruttoinlandsprodukts) drastisch steigern. Pr√§sident Saakaschwili nannte Georgiens Reichtum nicht Gold und Erd√∂l, sondern unsere Begabung, unseren Intellekt, unsere F√§higkeiten, unsere Bildung und unsere gebildeten Menschen.

Die wichtigsten wissenschaftlichen Einrichtungen sind die Staatliche Universit√§t Tiflis mit rund 30.000¬†Studenten an 18¬†Fakult√§ten, die Georgische Technische Universit√§t, die Staatliche P√§dagogische Universit√§t, die Staatliche Medizinische Universit√§t und die Staatliche Universit√§t f√ľr Sprache und Kultur in Tiflis sowie die Akaki-Zereteli-Universit√§t Kutaissi. Die Georgische Nationale Akademie der Wissenschaften hat zehn wissenschaftliche Abteilungen und 63¬†Forschungsinstitute.

Georgien besitzt knapp 5000¬†Bibliotheken, rund 250¬†verschiedene Museen und ein Netzwerk von √ľber 70¬†Archiven.

Die Alphabetisierungsrate lag 2015 bei √ľber 99¬†%.

Sport

Georgien hat eine lange Tradition im Ringen, der Griechisch-R√∂mische Stil wurde vom antiken georgischen Ringstil beeinflusst. Fu√üball ist die beliebteste Sportart in Georgien. Die Nationalmannschaft wird vom georgischen Fu√üballverband (GFF) organisiert. Dieser organisiert die Herren-, Frauen- und Futsal-Nationalmannschaften sowie die Regional- und Nationalliga. Die erste georgische Liga ist die Erovnuli Liga mit zehn teilnehmenden Mannschaften. Rekordmeister ist Dinamo Tiflis mit sechs Titeln. Der Verein tr√§gt seine Heimspiele im Boris-Paitschadse-Nationalstadion in Tiflis aus. Der moderne Fu√üball in Georgien wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von englischen Matrosen eingef√ľhrt, die in Poti spielten.

Ebenfalls beliebt sind Rugby Union und das georgische Ballspiel Lelo burti (√°∆íŇ°√°∆í‚ÄĚ√°∆íŇ°√°∆í¬Ě √°∆í‚Äė√°∆í¬£√°∆í¬†√°∆í‚ÄĒ√°∆íňú), das Rugby √§hnelt.

Etwa 20 Kilometer von der Hauptstadt Tiflis entfernt liegt die Rennstrecke Rustavi International Motorpark, benannt nach der n√§chstgelegenen Stadt Rustawi. Die urspr√ľnglich 1978 er√∂ffnete Strecke wurde 2011–2012 entsprechend den FIA-Regeln wiederaufgebaut und gilt als erste professionelle Rennstrecke in der Kaukasus-Region. Der georgische Pr√§sident Micheil Saakaschwili nahm an der Er√∂ffnungszeremonie am 29. April 2012 teil und setzte sich dabei pers√∂nlich hinter das Steuer eines Formel-3-Rennwagens.

F√ľr Sport zust√§ndig ist das georgische Ministerium f√ľr Sport und Jugend.

K√ľche

Georgiens K√ľche galt als die Haute Cuisine der sowjetischen K√ľche. Sie ist f√ľr ihre Qualit√§t und regionale Vielfalt bekannt. Am Wochenende treffen die Familien mit ihren G√§sten an einer gro√üen Tafel zusammen, der sogenannten Supra. Je wichtiger der Anlass oder die G√§ste sind, desto traditioneller sind die Gerichte. Dabei wird stets im √úberfluss serviert, um Gro√üz√ľgigkeit zu demonstrieren. Obgleich es in Tiflis Hamburger-, Kebab- und Pizza-Restaurants gibt, hat ausl√§ndische K√ľche kaum Eingang in die georgische Esskultur gefunden.

Typische Vorspeisen sind gef√ľllte Auberginen mit Walnusspaste (Badridschani) und luftgetrocknetes Rindfleisch (Basturma). Hauptspeisen sind Schaschlik (georgisch Mzwadi), H√§hncheneintopf mit Tomaten-Zwiebel-So√üe (Tschachochbili) und Hammeleintopf mit Auberginen (Tschanachi). Dazu gibt es Walnussso√üe (Basche), Mirabellenso√üe (Tqemali) und verschiedene Peperonipasten (Adschika). Beliebte Desserts sind s√ľ√üe W√ľrste aus Waln√ľssen in Traubensaftp√ľree (Tschurtschkella) oder N√ľsse mit Joghurt (Matsoni) und Honig. Den kleinen Hunger stillen Teigtaschen mit Hackfleischf√ľllung (Chinkali), gebackenes K√§sebrot (Chatschapuri) oder eine Rote-Bohnen-Suppe (Lobio).

Traditionelle Getr√§nke sind georgischer Wein, Sekt, Weinbrand und Tschatscha, ein Tresterbrand. Die Festtafel wird von einem Tamada (dt. Tischmeister) geleitet, der w√§hrend der Mahlzeit kunstvolle Trinkspr√ľche ausbringt. Nach jedem Spruch wird das Glas vollst√§ndig geleert und nachgeschenkt. Wer nicht mehr trinken will, zeigt das an, indem er das volle Glas stehen l√§sst. Gegen den Kater am Morgen wird Chaschi getrunken, eine starke Br√ľhe aus Pansen mit viel Knoblauch.

Feiertage

Gesetzliche Feiertage sind:

  • 1.¬†Januar (Neujahr)
  • 7.¬†Januar (orthodoxes Weihnachtsfest)
  • 19.¬†Januar (orthodoxe Epiphanie)
  • 3.¬†M√§rz (Muttertag)
  • 8.¬†M√§rz (Internationaler Frauentag)
  • 9.¬†April (Tag der Wiederherstellung der Unabh√§ngigkeit Georgiens)
  • 9.¬†Mai (Siegestag)
  • 12.¬†Mai (St.-Andreas-Tag)
  • 26.¬†Mai (Unabh√§ngigkeitstag)
  • 28.¬†August (Mariamoba, orthodoxer Mari√§ Himmelfahrtstag)
  • 14.¬†Oktober (Mzchetoba, georgisch-orthodoxes Fest)
  • 23.¬†November (Giorgoba, St.-Georgs-Tag).

Das orthodoxe Osterfest ist beweglich und ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag (19. April 2009, 4. April 2010, 24. April 2011, 15. April 2012).

Weltkulturerbe der UNESCO in Georgien

Die UNESCO erklärte bisher drei Plätze in Georgien zum Weltkulturerbe:

  • Historische Denkm√§ler in Mzcheta (K/1994)
  • Bagrati-Kathedrale und Kloster Gelati in Kutaissi (K/1994)
  • Bergd√∂rfer von Oberswanetien (K/1996)

Medien, Publizistik

Printmedien

In Georgien werden 76¬†gedruckte Publikationen verlegt. Die Zeitungen und Zeitschriften sind unabh√§ngig. Einzelne haben noch eine staatliche Beteiligung. Die beliebtesten Tageszeitungen sind Kwiris Palitra, Alia, Achali Taoba, Asawal Dasawali, Resonansi und die Sportzeitung Sarbieli. Die Auflagen liegen jeweils bei 10.000 bis 12.000¬†Exemplaren. Daneben gibt es Tageszeitungen der verschiedenen Volksgruppen: Swobodnaja Gruzija und Vetscherny Tbilisi (beide auf Russisch), G√ľrcistan (auf Aserbaidschanisch) und Wrastan (auf Armenisch).

Elektronische Medien

Es gibt 52 von der Nationalen Kommunikationskommission Georgiens lizenzierte Fernsehstationen. Dazu geh√∂ren sieben √∂ffentlich-rechtliche Kan√§le, einschlie√ülich des √Ėffentlichen Rundfunks Georgiens (SSM) und des adscharischen Fernsehens sowie zwei bis drei russische Programme. Sie werden vom Staat finanziert. Die wichtigsten privaten Stationen sind Imedi TV, Rustawi 2, Mse TV, Kawkasia und 202 TV. Der √Ėffentliche Rundfunk, Rustawi 2 und Mse TV sind politisch regierungsnah. Seit 2008 unterh√§lt das georgische Milit√§r einen eigenen, fl√§chendeckend ausstrahlenden Fernsehsender Sakartwelo. Seit Januar 2011 sendet der TV-Kanal PIK von Tiflis aus Nachrichten in russischer Sprache. Zielgruppe sind insbesondere die Bewohner des zur Russischen F√∂deration geh√∂renden n√∂rdlichen Kaukasus.

Neben zwei Programmen des √Ėffentlichen Rundfunks verf√ľgt das Land √ľber viele private Radio-Stationen. Sie sind zumeist regional ausgerichtet. Darunter sind nicht nur Spartensender, sondern auch Sender der verschiedenen Volksgruppen. Radio Nor in Ninozminda wendet sich an Armenier in der Region Samzche-Dschawachetien, Radio AGFM an Aserbaidschaner in der Region Niederkartlien. In Tiflis produzieren die Stationen Ewrika und Seljonaja Wolna Programme f√ľr die russischsprachige Bev√∂lkerung.

Der Internet-Dienst Civil Georgia bietet Nachrichten auf Englisch, Georgisch und Russisch. Allerdings spielte das Internet in Georgien im Jahr 2004 noch keine gro√üe Rolle. Nur f√ľnf Prozent der Bev√∂lkerung besa√üen einen Computer. Etwa acht Prozent der Bev√∂lkerung nutzte das Internet. 27¬†Prozent erkl√§rten Meinungsbefragern im Juli 2004, sie h√§tten noch nie vom Internet geh√∂rt. Auch im Jahr 2012 betrugen die festnetzbasierten Internetzug√§nge nicht mehr als 10 Prozent, jedoch gab es √ľber viereinhalb Millionen mobile Anschl√ľsse mit Internetzugang, was mehr als der Einwohnerzahl entsprach. 2016 nutzten 52,9 Prozent der Bev√∂lkerung das Internet.

Presseagenturen

Neben der staatlichen Agentur Sakinformi gibt es die privaten Agenturen Caucasus Press und Prime News. Alle wichtigen internationalen Agenturen beschäftigen Mitarbeiter im Land.

Ausländische Medien

Ausl√§ndische Fernsehsender werden meist √ľber Kabel angeboten. Dazu geh√∂ren fast alle wichtigen russischen Kan√§le (ORT, NTW, TWZ) und alle f√ľhrenden westlichen Programme (CNN, BBC, Deutsche Welle, ESPN, Eurosport). Radio France Internationale betreibt einen UKW-Sender in Tiflis (102,9¬†MHz). Das staatliche Radio strahlt den georgischen Dienst von Radio Free Europe/Radio Liberty und der Voice of America aus. Die privaten Radiosender Ewrika und Zeljonaja Wolna √ľbertragen die Programme des russischsprachigen Dienstes der BBC. Die ausl√§ndische Presse ist an den Kiosken haupts√§chlich durch russische Titel pr√§sent. Die wichtigsten russischen Tageszeitungen und Unterhaltungsbl√§tter werden nach Georgien importiert. Die russischen Bl√§tter Argumenty i Fakty und Komsomolskaja Prawda verf√ľgen in Georgien √ľber eigene Druckereien.

Pressefreiheit

Die georgische Verfassung vom 24. August 1995 garantiert die Pressefreiheit und verbietet Zensur. Sie verbietet zugleich, die Medien oder ihre Verbreitung zu monopolisieren. Das am 17. Juni 2004 novellierte Pressegesetz erschwert es Klägern, Journalisten wegen ihrer Berichterstattung zu belangen. Zuvor waren Redakteure wegen angeblicher Ehrverletzung zu hohen Schadensersatzbeträgen verurteilt worden.

In der Schewardnadse-√Ąra hatte es immer wieder staatliche Bem√ľhungen gegeben, die Medien einzusch√ľchtern. Der Journalist Giorgi Sanaia, Redakteur und Anchorman der Sendung Nachtkurier auf dem privaten Fernsehsender Rustawi-2, wurde im Juli 2001 ermordet, nachdem er von einer Videokassette erfuhr, die Beamte des Innenministeriums belastete, Rauschgift durch Georgien geschleust zu haben. Der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung Meridiani war im Februar 2001 von Unbekannten zusammengeschlagen, seine Familie telefonisch bedroht worden. Im Mai 2002 wurden die Redaktionsb√ľros von Rustawi-2 in Tiflis beschossen.

Im Sommer 2004 kam es erneut zu Einsch√ľchterungen der Presse. Die Staatsanwaltschaft von Tiflis durchsuchte die B√ľros der Zeitung Georgian Times nachdem sie mehrere Artikel √ľber die Herkunft des Verm√∂gens des damaligen Chefankl√§gers der Hauptstadt, Waleri Grigalaschwili, ver√∂ffentlicht hatte. Grigalaschwili wurde zwei Monate sp√§ter von seinem Posten abberufen.

Auf der internationalen Rangliste der Pressefreiheit stand Georgien im Oktober 2010 auf Platz 99, in der Rangliste von 2012 hat es sich auf Platz 104 verschlechtert, konnte sich aber im Jahr 2014 auf Rang 84, im Jahr 2015 auf Rang 69, im Jahr 2016 auf Rang 64 und im Jahr 2018 auf Rang 61 verbessern.

Gewerkschaften

Der Georgische Gewerkschaftsbund, engl. Georgian Trade Union Confederation (GTUC) ist Mitglied des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB). Die Zahl der Mitglieder in den zum GTUC gehörenden Einzelgewerkschaften wird mit 151.872 Mitgliedern (Stand: November 2017) angegeben.

Die größte Einzelgewerkschaft ist die Education and Science Workers Free Trade Union. Sie ist Mitglied in der Bildungsinternationale.

Weitere Mitgliedsgewerkschaften des GTUC sind u. a.:

  • Trade Union of Georgian Automobile Transport und Highways' Workers (Mitglied in der Internationalen Transportarbeiter-F√∂deration),
  • Health, Pharmaceutical and Social Care Workers' Independent Trade Union (Mitglied in der Internationale der √Ėffentlichen Dienste),
  • Artists' Trade Union.

Siehe auch

  • S√ľdgeorgien, Insel(gruppe) in der N√§he der Antarktis

Literatur

  • Zaal Andronikashvili, Emzar Jgerenaia, Franziska Thun-Hohenstein, Landna(h)me Georgien. Studien zur kulturellen Semantik, Kadmos Kulturverlag, Berlin 2018.
  • Philipp Ammon: Georgien zwischen Eigenstaatlichkeit und russischer Okkupation: Die Wurzeln des russisch-georgischen Konflikts vom 18. Jahrhundert bis zum Ende der ersten georgischen Republik (1921) . Kitab, Klagenfurt 2015, ISBN 978-3-902878-45-8.
  • Ulrich Bock: Georgien und Armenien. Zwei christliche Kulturlandschaften im S√ľden der Sowjetunion. DuMont Kunst-Reisef√ľhrer, K√∂ln 1988, ISBN 3-7701-1464-7.
  • Heinz F√§hnrich: Geschichte Georgiens. (Handbuch der Orientalistik. Section 8. Central Asia) Brill, Leiden/Boston 2010.
  • K√°roly Gink, Erzs√©bet Tompos: Georgien. Werner Dausien, Hanau/M. 1975, ISBN 3-7684-1458-2.
  • Roin Metreveli: Georgien. Ein √úberblick. Tbilisis Univ. Gamomcemloba, Tbilisi 1996.
  • Luka Nakhutsrishvili (Hrsg.): Georgien, neu buchstabiert. Politik und Kultur eines Landes auf dem Weg nach Europa. transcript, Bielefeld 2018. ISBN 978-3-8376-4533-0.
  • Peter Nasmyth: Georgia. In the Mountains of Poetry. Cruzon Press, Richmond 2001 (2. Aufl.), ISBN 0-7007-0955-X.
  • Ilma Reissner: Georgien. Herder, Freiburg im Breisgau 1989, ISBN 3-451-21454-7.
  • Ilma Reissner: Georgien: Goldenes Vlies und Weinrebenkreuz. Verlagsbuchhandlung Der Christliche Osten, W√ľrzburg 1998, ISBN 3-927894-29-X.
  • Manfred Sapper, Volker Weichsel, Zaal Andronikashvili (Hg.), Traumland Georgien. Deutungen zu Kultur und Politik, Berlin 2018 [= Osteuropa, 7/2018].
  • Bernd Schr√∂der (Hrsg.): Georgien. Gesellschaft und Religion an der Schwelle Europas. R√∂hrig Universit√§tsverlag, St. Ingbert 2005, ISBN 978-3-86110-387-5.
  • Literatur zu Georgien im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.

Weblinks

  • L√§nderinformationen des Ausw√§rtigen Amtes zu Georgien
  • Fotos, Geografie, Infokarten, Sprache, Kultur, Literatur (engl.-deutsch)
  • Historische Hintergr√ľnde und politische Motive des abchasischen Separatismus in Georgien, 2005 (PDF-Datei, deutsch)
  • Georgisches Amt f√ľr Statistik (englisch)
  • International Research Center for Traditional Polyphony of Tbilisi State Conservatory (englisch, georgisch)
  • Allgeo.org – vermittelt Informationen aus Georgien
  • Englischsprachige und russischsprachige Kurznachrichten von Kawkaski Usel aus Georgien

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (12)

Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
Abkhazia 43.576 42.406 39.985 42.155  
Adscharien 41.903 41.422 41.521 42.587  
Gurien 42.159 41.794 41.715 42.65  
Imeretien 42.524 41.806 42.206 43.773  
Innerkartlien 42.627 41.717 43.426 44.573  
Kachetien 42.56 41.044 45.021 46.694  
Mingrelien und Oberswanetien 43.236 42.059 41.551 43.175 Mingrelien und Oberswanetien  
Mzcheta-Mtianeti 42.76 41.686 44.186 45.301  
Niederkartlien 41.844 41.165 43.673 45.333  
Ratscha-Letschchumi und Niederswanetien 42.934 42.34 42.353 43.908  
Samzche-Dschawachetien 41.918 41.105 42.481 43.978  
Tiflis 41.795 41.625 44.681 45.009  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

 

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Flagge: Georgia

Name englisch: Georgia
Hauptstadt: Tbilisi
Kfz: GE
ISO: GE
ISO3: GEO
Fläche: 69700 km²
Tld: .ge
Wärung Einheit: GEL
Währung: Lari
Vorwahl: 995

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 43.586627
südlichster Punkt: 41.054942
westlichster Punkt: 40.0066113
östlichster Punkt: 46.736119


 
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