Länder Länder/Staaten > Europa > Deutschland Deutschland > Regionen

Land Karte: Deutschland anzeigen | Grenzen der Regionen | Nachbarstaaten auf der Karte anzeigen

Staaten Nachbarstaaten: (10)

Nachbarstaaten Info Die Nachbarstaaten werden automatisch anhand der Grenzen errechnet. Daher kann es vorkommen, dass ein Nachbarstaat fehlt oder zu viel angezeigt wird.
Wir versuchen diese im Laufe der Zeit manuell anzupassen. Bei Fehlern könnt ihr euch jederzeit an uns wenden über das Kontaktformular.

Staat Informationen : Deutschland

Informationen:


Deutschland ( [ˈdɔÉȘÌŻtÍĄÊƒlant]; Vollform des Staatennamens seit 1949: Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa. Er besteht seit 1990 aus 16 LĂ€ndern und ist als freiheitlich-demokratischer und sozialer Rechtsstaat verfasst. Die 1949 gegrĂŒndete Bundesrepublik Deutschland stellt die jĂŒngste AusprĂ€gung des deutschen Nationalstaates dar. Bundeshauptstadt und Regierungssitz ist Berlin. Deutschland grenzt an neun Staaten, es hat Anteil an der Nord- und Ostsee im Norden sowie dem Bodensee und den Alpen im SĂŒden. Es liegt in der gemĂ€ĂŸigten Klimazone und verfĂŒgt ĂŒber 16 National- und ĂŒber 100 Naturparks.

Das heutige Deutschland hat 83 Millionen Einwohner und zĂ€hlt bei einer FlĂ€che von 357.588 Quadratkilometern mit durchschnittlich 232 Einwohnern pro Quadratkilometer zu den dicht besiedelten FlĂ€chenstaaten. Die bevölkerungsreichste deutsche Stadt ist Berlin; weitere Metropolen mit mehr als einer Million Einwohnern sind Hamburg, MĂŒnchen und Köln; der grĂ¶ĂŸte Ballungsraum ist das Ruhrgebiet. Deutschlands Bevölkerung hat mit 1,57 Kindern pro Frau (2018) eine vergleichsweise niedrige Geburtenrate, die in den 2010er-Jahren leicht anstieg.

Auf dem Gebiet Deutschlands ist die Anwesenheit von Menschen vor 500.000 Jahren durch Funde des Homo heidelbergensis sowie einiger prĂ€historischer Kunstwerke aus der spĂ€teren Altsteinzeit nachgewiesen. WĂ€hrend der Jungsteinzeit, um 5600 v. Chr., wanderten die ersten Bauern mitsamt Vieh und Saatgut aus dem Nahen Osten ein. Seit der Antike ist die lateinische Bezeichnung Germania fĂŒr das Siedlungsgebiet der Germanen bekannt. Das ab dem 10. Jahrhundert bestehende römisch-deutsche Reich, das aus vielen Herrschaftsgebieten bestand, war wie der 1815 ins Leben gerufene Deutsche Bund und die demokratische Bewegung VorlĂ€ufer des spĂ€teren deutschen Nationalstaates.

Das 1871 gegrĂŒndete Deutsche Reich entwickelte sich rasch vom Agrar- zum Industriestaat. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde 1918 die Monarchie abgeschafft und die demokratische Weimarer Republik konstituiert. Ab 1933 fĂŒhrte die nationalsozialistische Diktatur zu politischer und rassistischer Verfolgung und gipfelte in der Ermordung von sechs Millionen Juden. Der vom NS-Staat 1939 begonnene Zweite Weltkrieg endete 1945 mit Deutschlands Niederlage. Das von den SiegermĂ€chten besetzte Land wurde 1949 geteilt, nachdem bereits 1945 seine Ostgebiete teils unter polnische, teils sowjetische Verwaltungshoheit gestellt worden waren. Der GrĂŒndung der Bundesrepublik als demokratischer westdeutscher Teilstaat mit Westbindung am 23. Mai 1949 folgte die GrĂŒndung der sozialistischen DDR am 7. Oktober 1949 als ostdeutscher Teilstaat unter sowjetischer Hegemonie. Die innerdeutsche Grenze war nach dem Berliner Mauerbau (ab 13. August 1961) abgeriegelt. Nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989 erfolgte die Lösung der deutschen Frage durch die Wiedervereinigung beider Landesteile am 3. Oktober 1990, womit auch die Außengrenzen Deutschlands als endgĂŒltig anerkannt wurden. Durch den Beitritt der fĂŒnf ostdeutschen LĂ€nder sowie die Wiedervereinigung von Ost- und West-Berlin zur heutigen Bundeshauptstadt zĂ€hlt die Bundesrepublik Deutschland seit 1990 16 BundeslĂ€nder.

Deutschland ist GrĂŒndungsmitglied der EuropĂ€ischen Union sowie deren bevölkerungsreichstes Land. Mit 18 anderen EU-Mitgliedstaaten bildet es eine WĂ€hrungsunion, die Eurozone. Es ist Mitglied der UN, der OECD, der OSZE, der NATO, der G7, der G20 und des Europarates. Die Vereinten Nationen unterhalten seit 1951 ihren deutschen Sitz in Bonn („UNO-Stadt“). Die Bundesrepublik Deutschland gilt als einer der politisch einflussreichsten Staaten Europas und ist ein gesuchtes Partnerland auf globaler Ebene.

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist das marktwirtschaftlich organisierte Deutschland die grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft Europas und die viertgrĂ¶ĂŸte der Welt. 2016 war es die drittgrĂ¶ĂŸte Export- und Import­nation. Aufgrund der Rohstoffarmut sowie der Automatisierung und Digitalisierung der Industrie entwickelt sich das Land, das auf die QualitĂ€t seines Bildungssystems angewiesen ist, zunehmend zur Informations- und Wissensgesellschaft. Frankfurt am Main ist als deutsches Finanzzentrum international von Bedeutung. GemĂ€ĂŸ dem Index der menschlichen Entwicklung zĂ€hlt Deutschland zu den sehr hoch entwickelten LĂ€ndern.

Muttersprache der Bevölkerungsmehrheit ist die deutsche Sprache. Daneben gibt es Regional- und Minderheitensprachen und Migranten mit anderen Muttersprachen; bedeutendste Zweitsprache ist Englisch. Die Kultur Deutschlands ist vielfĂ€ltig und wird neben zahlreichen Traditionen, Institutionen und Veranstaltungen beispielsweise in der Auszeichnung als UNESCO-Welterbe in Deutschland, in KulturdenkmĂ€lern und als immaterielles Kulturerbe erfasst und gewĂŒrdigt.

Begriffsgeschichte: Deutsch und Deutschland

Die etymologischen Vorformen von deutsch bedeuteten ursprĂŒnglich „zum Volk gehörig“, wobei das Adjektiv zunĂ€chst die Dialekte des kontinental-westgermanischen Dialektkontinuums bezeichnete. Die Bezeichnung Deutschland wird seit dem 15. Jahrhundert verwendet, ist in einzelnen SchriftstĂŒcken aber schon frĂŒher bezeugt; in der Frankfurter Übersetzung der Goldenen Bulle (um 1365) heißt es Dutschelant. Davor sind nur WortfĂŒgungen des Attributs deutsch mit Land belegt, beispielsweise in der unbestimmten Singularform „ein deutsches Land“ oder der bestimmten Pluralform „die deutschen LĂ€nder“, nicht aber in der bestimmten Singularform „das deutsche Land“. Gemeint waren LĂ€nder mit einer FĂŒhrungsschicht, die sich auf den politischen Herrschaftsanspruch des (Ost-)FrĂ€nkischen, ab dem 10. Jahrhundert des Heiligen Römischen Reiches (962–1806) bezog. Die Bezeichnung wurde damit vor allem fĂŒr (vor-)staatliche Gebilde im deutschen Sprach- oder Herrschaftsgebiet verwendet, das ĂŒber Jahrhunderte große VerĂ€nderungen erlebte.

Das Heilige Römische Reich, ursprĂŒnglich nur als „Reich“ (lateinisch Imperium) bezeichnet, erhielt mehrere NamenszusĂ€tze: „Heilig“ seit Mitte des 12. Jahrhunderts, „Römisch“ seit Mitte des 13. Jahrhunderts und seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert „Deutscher Nation“ (Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation). Erst im 16. Jahrhundert kam die Bezeichnung „Teutschland“ fĂŒr die vorher so bezeichneten „deutschen Lande“ auf. Bald bĂŒrgerte sich in der zeitgenössischen Literatur eine Gleichsetzung von Reich und Teutschland ein, die schließlich als Synonyma verwendet wurden (etwa durch den Hallenser Juristen Johann Peter von Ludewig 1735).

Ein Bewusstsein, dass nicht der jeweilige Territorialstaat, sondern Deutschland als Ganzes als Vaterland anzusehen sei, begann sich erst in den napoleonischen Kriegen auszubreiten. Vorher hatte etwa Friedrich Schiller 1797 in den Xenien streng zwischen einem geistigen und einem politischen Deutschland unterschieden, die keine Schnittmenge hĂ€tten: „Deutschland, aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden. Wo das gelehrte beginnt, hört das politische auf.“ Der Möglichkeit eines letzteren erteilte er eine Absage: „Zur Nation euch zu bilden, ihr hoffet es, Deutsche, vergebens.“ Deutsche GrĂ¶ĂŸe (so der Titel eines unvollendet gebliebenen Gedichts aus dem Jahr 1801) sah er allein im Geistigen. Noch 1813 sprach Achim von Arnim von Deutschland als einem „hohlen Wortideale“, dem er „alles Herrliche der einzelnen deutschen Völker“ (im Plural) gegenĂŒberstellte.

Ein politisches VerstĂ€ndnis des Namens Deutschland ging zunĂ€chst nur von einer kleinen Gruppe von Intellektuellen und Politikern wie Ernst Moritz Arndt, Friedrich Ludwig Jahn, Johann Gottlieb Fichte oder Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein aus, entfaltete aber bereits wĂ€hrend der Befreiungskriege eine erhebliche Mobilisierungswirkung. Auch das Kaisertum Österreich und das Königreich Preußen bezogen sich nun positiv auf Deutschland: Erzherzog Karl von Österreich-Teschen erließ 1809 zu Beginn des FĂŒnften Koalitionskriegs einen Aufruf An die deutsche Nation, in dem er versicherte: „Unsere Sache ist die Sache Deutschlands“. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. kĂŒndigte in der Proklamation von Kalisch am 19. MĂ€rz 1813 „den FĂŒrsten und Völkern Deutschlands die RĂŒckkehr der Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit“ an. Dieses Deutschland wurde als der deutsche Sprachraum definiert (Arndt: Des Deutschen Vaterland, 1813; Ă€hnlich noch 1841 Hoffmann von Fallerslebens Lied der Deutschen). Es wurde nicht mehr als Reich, sondern als Nation verstanden; die deutsche Nationalbewegung setzte sich in den folgenden Jahrzehnten dafĂŒr ein, alle deutschen Territorien in einem Nationalstaat zusammenzufassen. Dies misslang zunĂ€chst, auf dem Wiener Kongress 1814/15 wurden stattdessen die Territorialstaaten wiederhergestellt und in einem Staatenbund zusammengefasst, dem Deutschen Bund. Dieser wurde ebenfalls als Deutschland bezeichnet, umfasste aber einige mehrheitlich nicht-deutschsprachige Territorien wie Böhmen und MĂ€hren, wĂ€hrend andere, mehrheitlich deutschsprachige Gebiete wie Ostpreußen nicht dazugehörten. Gleichwohl blieb die Nationalbewegung zunĂ€chst ein Elitenprojekt. Massenwirksamkeit entfaltete sie erst in der Rheinkrise 1840.

Ab der ReichsgrĂŒndung 1871 setzte ein Bedeutungswandel ein, von Deutschland als Kulturnation hin zur Staatsbezeichnung, unter geografischer EinschrĂ€nkung auf das heutige Gebiet:

Das Kaisertum Österreich wurde 1871 nicht Teil des Deutschen Reichs. Die deutschsprachigen Bewohner Österreichs empfanden sich aber auch weiterhin als Deutsche. Als am Ende des Ersten Weltkriegs der Vielvölkerstaat zerfiel, wollten die Deutschösterreicher sich dem Deutschen Reich anschließen. Das untersagte jedoch der Friedensvertrag. So begannen sich unterschiedliche nationale IdentitĂ€ten zu entwickeln. Die Begriffe deutsch und Deutschland wurden zunehmend nur mit dem Deutschen Reich identifiziert. Dieser Prozess wurde zunĂ€chst unterbrochen, als 1938 unter nationalsozialistischer Herrschaft der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich erfolgte. Die Distanzierung vom Nationalsozialismus nach dem Zweiten Weltkrieg fĂŒhrte in Österreich zur Distanzierung vom Begriff Deutschland und zur Festigung einer eigenen nationalen IdentitĂ€t der Österreicher. Im Zuge der politischen Neuorganisation des fortbestehenden Gesamtstaates lehnte der Parlamentarische Rat in Westdeutschland eine FortfĂŒhrung des Staatsnamens Deutsches Reich wegen seines „aggressiven Akzents“ ab und verwendete erstmals Deutschland als Staatsbezeichnung in der damals konstituierten „Bundesrepublik Deutschland“. In den Beratungen sagte Theodor Heuss 1948: „Mit dem Wort Deutschland geben wir dem Ganzen ein gewisses Pathos 
 sentimentaler und nicht machtpolitischer Art.“ Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) nutzte Deutschland nicht im Staatsnamen, aber als synonyme Bezeichnung fĂŒr DDR in Art. 1 der Verfassung von 1949. SpĂ€ter verwendete die DDR fast nur noch das Attribut deutsch beziehungsweise den Namenszusatz „
 der DDR“ fĂŒr staatliche Hoheitsbezeichnungen. Mit der deutschen Einheit 1990 konnte Deutschland zur amtlichen Kurzform der Staatsbezeichnung werden.

Geographie

Physische Geographie

Die naturrĂ€umlichen Großregionen sind von Nord nach SĂŒd: das Norddeutsche Tiefland, die Mittelgebirgszone und das Alpenvorland mit den Alpen.

Geologie

Deutschland gehört geologisch zu Westeuropa, das heißt zu jenem Teil des Kontinents, der dem prĂ€kambrisch konsolidierten „Ur-Europa“ (Osteuropa einschließlich eines Großteils Skandinaviens, vgl. Baltica) erst im Verlauf des Phanerozoikums sukzessive durch Kontinent-Kontinent-Kollisionen (Gebirgsbildungen) angegliedert wurde. Die entsprechenden Krustenprovinzen (Grundgebirgsprovinzen) werden klassisch vereinfachend (Ost-)Avalonia (vgl. kaledonische Gebirgsbildung) und Armorica (vgl. variszische Gebirgsbildung) genannt. Die jĂŒngste Krustenprovinz ist das Alpen-Karpaten-Orogen (vgl. alpidische Gebirgsbildung), an dem Deutschland nur mit dem Ă€ußersten SĂŒden Bayerns Anteil hat und das im Gegensatz zu den beiden anderen tektonischen Provinzen ein aktives Orogen darstellt.

Die heutige OberflĂ€chengeologie Deutschlands, das heißt das Muster aus verschieden alten und verschieden aufgebauten Gesteinskomplexen, wie es in geologischen Karten vielfach abgebildet ist, entstand erst im Verlauf der letzten 30 bis 20 Millionen Jahre im jĂŒngeren KĂ€nozoikum und wurde von zwei Ereignissen maßgeblich geprĂ€gt: der Alpidischen Gebirgsbildung und dem QuartĂ€ren Eiszeitalter.

Das QuartĂ€re Eiszeitalter formte die vergleichsweise eintönige OberflĂ€chengeologie Norddeutschlands und des Alpenvorlandes mit ihren MorĂ€nen­ablagerungen und sonstigen Begleiterscheinungen großflĂ€chiger Vergletscherungen (vgl. glaziale Serie).

Die OberflĂ€chengeologie der Mitte und des ĂŒberwiegenden Teils des SĂŒdens Deutschlands ist das Ergebnis bedeutender bruchtektonischer Hebungen und Senkungen, die auf die Fernwirkung der Alpidischen Gebirgsbildung zurĂŒckgehen. Hierbei wurden teils alte (ĂŒberwiegend PalĂ€ozoikum), variszisch gefaltete Grundgebirgskomplexe (Schiefergebirge und Kristallin) aus dem Untergrund herausgehoben und großflĂ€chig freigelegt (u. a. Rheinisches Schiefergebirge, Harz, Erzgebirge), teils sank die Erdkruste ein und bildete SedimentationsrĂ€ume, die mehr oder weniger mĂ€chtige kĂ€nozoische Sedimentabfolgen aufnahmen (Oberrheingraben, Niederrheingraben, Hessische Senke, Molassebecken). Eine tektonische Zwischenstellung nehmen die TafellĂ€nder mit ihren ungefalteten mesozoischen Schichtenfolgen ein, dominiert von Trias und Jura (ThĂŒringer Becken, SĂŒddeutsches Schichtstufenland).

Relief

Das geologisch junge Faltengebirge der Alpen ist das einzige Hochgebirge, an dem Deutschland Anteil hat. Die deutschen Alpen, die sich fast zur GĂ€nze im Bundesland Bayern befinden – ein kleiner Teil des Ă€ußersten Nordwestens der AllgĂ€uer Alpen liegt in Baden-WĂŒrttemberg –, weisen die einzigen Gebirgsgipfel mit mehr als 2000 mÂ ĂŒ. NHN auf. Der Gipfel der Zugspitze (2962 mÂ ĂŒ. NHN), den sich Deutschland mit Österreich teilt, ist der höchstgelegene Punkt des Landes.

Die deutschen Mittelgebirge erstrecken sich vom Nordrand der Mittelgebirgsschwelle bis zum Alpenrand und zum Oberrhein mit dem Bodensee. Sie nehmen tendenziell von Nord nach SĂŒd an Höhe und Ausdehnung zu. Höchster Mittelgebirgsgipfel ist der Feldberg im Schwarzwald (1493 mÂ ĂŒ. NHN), gefolgt vom Großen Arber im Bayerischen Wald (1456 mÂ ĂŒ. NHN). Gipfel ĂŒber 1000 mÂ ĂŒ. NHN besitzen außerdem das Erzgebirge, das Fichtelgebirge, die SchwĂ€bische Alb und der Harz, der sich recht isoliert als nördlichstes unter den höchsten deutschen Mittelgebirgen mit dem Brocken auf 1141 mÂ ĂŒ. NHN erhebt. Nördlich der Mittelgebirgsschwelle erreichen nur noch einige Berge innerhalb der eiszeitlichen EndmorĂ€nenzĂŒge mehr als 100 mÂ ĂŒ. NHN, von denen die Heidehöhe in Schraden (SĂŒdlicher LandrĂŒcken im brandenburgisch-sĂ€chsischen Grenzgebiet) mit 201 mÂ ĂŒ. NN der höchste ist.

Die tiefste allgemein zugĂ€ngliche Landesstelle Deutschlands liegt bei 3,54 m unter NN in einer Senke bei Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch (Schleswig-Holstein). Ebenfalls in diesem Bundesland befindet sich die tiefste Kryptodepression: Sie liegt mit 39,6 m unter NN am Grund des Hemmelsdorfer Sees nordöstlich von LĂŒbeck. Der tiefste kĂŒnstlich geschaffene GelĂ€ndepunkt liegt bei 267 m unter NHN am Grund des Tagebaus Hambach östlich von JĂŒlich in Nordrhein-Westfalen.

Klima

Deutschland gehört vollstĂ€ndig zur gemĂ€ĂŸigten Klimazone Mitteleuropas im Bereich der Westwindzone und befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem Seeklima in Westeuropa und dem Kontinentalklima in Osteuropa. Das Klima in Deutschland wird unter anderem vom Golfstrom beeinflusst, durch den das durchschnittliche Temperaturniveau fĂŒr die Breitenlage ungewöhnlich hoch ist.

Die mittlere Jahresdurchschnittstemperatur, bezogen auf die Normalperiode 1961–1990, betrĂ€gt im bundesweiten Gebietsmittel 8,2 °C, die mittleren Monatsdurchschnittstemperaturen liegen zwischen −0,5 °C im Januar und 16,9 °C im Juli. Der mittlere jĂ€hrliche Niederschlag betrĂ€gt 789 Millimeter. Die mittlere monatliche Niederschlagshöhe liegt zwischen 49 Millimeter im Februar und 85 Millimeter im Juni.

Die tiefste offiziell anerkannte in Deutschland gemessene Temperatur betrug −37,8 °C; sie wurde 1929 in Wolnzach registriert. Die bisher höchste Temperatur betrug 41,2 °C und wurde am 25. Juli 2019 in Duisburg-Baerl und in Tönisvorst am Niederrhein gemessen.

GewÀsser

Von den sechs Strömen mit den grĂ¶ĂŸten Einzugsgebieten entwĂ€ssern Rhein, Elbe, Weser und Ems ĂŒber die Nordsee und die Oder ĂŒber die Ostsee in den Atlantik, wĂ€hrend die Donau ins Schwarze Meer fließt und somit hydrographisch dem Mittelmeer zuzurechnen ist. Die Einzugsgebiete dieser beiden Systeme werden durch die europĂ€ische Hauptwasserscheide voneinander getrennt.

Der in der Schweiz entspringende Rhein dominiert den SĂŒdwesten und Westen. Auf 865 Kilometern fließt er durch bzw. an der Grenze zu Deutschland, bevor er ĂŒber die Niederlande in die Nordsee mĂŒndet. Seine wichtigsten deutschen ZuflĂŒsse sind Neckar, Main, Mosel und Ruhr. Der Rhein hat eine große wirtschaftliche Bedeutung und ist eine der am stĂ€rksten befahrenen Wasserstraßen Europas. Die Donau entwĂ€ssert im SĂŒden auf 647 Kilometern fast das gesamte deutsche Alpenvorland und fließt weiter nach Österreich und SĂŒdosteuropa. Ihre wichtigsten deutschen ZuflĂŒsse sind Iller, Lech, Isar und Inn. Den Osten Deutschlands durchfließt auf 725 Kilometern die in Tschechien entspringende Elbe. Ihre wichtigsten deutschen NebenflĂŒsse sind Saale und Havel. Auf 179 Kilometern ist die Oder, wie im weiteren Verlauf auch ihr wichtigster Zufluss, die Neiße, der Grenzfluss zu Polen. Einzig das Einzugsgebiet der 452 Kilometer langen Weser liegt vollstĂ€ndig in Deutschland. Sie speist sich aus den FlĂŒssen Werra und Fulda und entwĂ€ssert den mittleren Norden. Die Ems durchfließt auf 371 Kilometern den Ă€ußersten Nordwesten des Landes. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich auch auf Teile der Niederlande.

Die natĂŒrlichen Seen sind ĂŒberwiegend glazialen Ursprungs. Daher finden sich die meisten der großen Seen im Alpenvorland, in der Holsteinischen Schweiz und in Mecklenburg. Der grĂ¶ĂŸte vollstĂ€ndig zum deutschen Staatsgebiet gehörende See ist die MĂŒritz, die Teil der mecklenburgischen Seenplatte ist. Der grĂ¶ĂŸte See mit deutschem Anteil ist der Bodensee, an den auch Österreich und die Schweiz grenzen. Im Westen und Osten Deutschlands gibt es viele durch die Rekultivierung von Braunkohletagebauen oder Industriebrachen entstandene kĂŒnstliche Seen, so das Leipziger Neuseenland oder den Dortmunder Phoenix-See.

Inseln

Im Wattenmeer, der niederlĂ€ndischen, deutschen und dĂ€nischen NordseekĂŒste unmittelbar vorgelagert, liegen die Friesischen Inseln. WĂ€hrend die Nordfriesischen Inseln Festlandsreste sind, die durch Landsenkung und nachfolgende Überflutung von der KĂŒste getrennt wurden, handelt es sich bei den Ostfriesischen Inseln um Barriereinseln, die aus durch kĂŒstenparallele Strömungen sowie Wellen- und Gezeitendynamik angespĂŒlten Sedimenten entstanden. Das inmitten der Deutschen Bucht gelegene Helgoland ist die am weitesten vom Festland entfernt liegende bewohnte deutsche Insel. Sie geht auf den Aufstieg eines Salzstockes im Untergrund der Nordsee zurĂŒck.

Die grĂ¶ĂŸten deutschen Inseln in der Ostsee sind (von West nach Ost) Fehmarn, Poel, Hiddensee, RĂŒgen und Usedom. RĂŒgen ist zugleich die grĂ¶ĂŸte deutsche Insel. GrĂ¶ĂŸte Halbinsel ist Fischland-Darß-Zingst. Mit Ausnahme von Fehmarn sind diese LandflĂ€chen Teil einer BoddenkĂŒste, das heißt einer nacheiszeitlich gefluteten und nachfolgend durch AnlandungsvorgĂ€nge modifizierten GrundmorĂ€nenlandschaft.

Die grĂ¶ĂŸten und bekanntesten Inseln in BinnengewĂ€ssern sind Reichenau, Mainau und Lindau im Bodensee sowie die Herreninsel im Chiemsee.

Flora

Der Naturraum Deutschland liegt in der gemĂ€ĂŸigten Klimazone; von West nach Ost kennzeichnet seine natĂŒrliche Vegetation den Übergang vom Westseitenseeklima zum Kontinentalklima. Die Flora wĂ€re ohne menschlichen Einfluss hauptsĂ€chlich von Laub- und MischwĂ€ldern geprĂ€gt, ausgenommen nĂ€hrstoffarme oder trockene Standorte wie Felskuppen, Heideniederungen und Moorlandschaften sowie die alpinen und subalpinen Hochlagen, die Ă€ußerst vegetationsarm und in ihrem Klima kaltgemĂ€ĂŸigt sind.

Örtlich weist die Flora in Deutschland eine hohe Diversifikation durch Standortfaktoren des GelĂ€ndes und der mesoklimatischen Lage auf. Der Gesamtbestand der in Deutschland wild lebenden Pflanzenarten wird auf ĂŒber 9.500 Arten geschĂ€tzt, davon sind fast 3.000 Arten Samenpflanzen, 74 Farnpflanzen, ĂŒber 1.000 Moose und etwa 3.000 Kieselalgen. Dazu kommen rund 14.000 Pilz- und 373 Schleimpilzarten. Insbesondere auf Brach- und StörflĂ€chen finden sich heute eine Reihe eingefĂŒhrter Arten wie die Robinie und das DrĂŒsige Springkraut.

Derzeit bedeckt der Wald in Deutschland 32 Prozent der LandflĂ€che. Damit ist Deutschland eines der waldreichsten LĂ€nder in der EuropĂ€ischen Union. Die aktuelle Baumartenzusammensetzung entspricht nur zum geringen Teil den natĂŒrlichen Gegebenheiten und wird hauptsĂ€chlich von der Forstwirtschaft bestimmt. Die hĂ€ufigsten Baumarten sind mit 26,0 Prozent FlĂ€chenanteil die Gemeine Fichte, gefolgt von der Waldkiefer mit 22,9 Prozent, der Rotbuche mit 15,8 Prozent und den Eichen mit 10,6 Prozent.

Rund die HĂ€lfte der StaatsflĂ€che wird landwirtschaftlich genutzt; laut Statistischem Bundesamt waren es 182.637 Quadratkilometer am 31. Dezember 2016. Neben der Nutzung als DauergrĂŒnland wird auf einem Großteil Ackerbau betrieben, seit der Stein- bzw. der Bronzezeit ĂŒberwiegend mit Nutzpflanzen, die nicht natĂŒrlich in Mitteleuropa vorkommen (die meisten der Getreide aus dem Vorderen Orient, Kartoffel und Mais aus Amerika). In den FlusstĂ€lern, unter anderem von Main, Mosel, Ahr und Rhein, wurde die Landschaft vielfach fĂŒr den Weinanbau umgestaltet.

Die Bewahrung der Natur ist in Deutschland öffentliche Aufgabe und in Art. 20a Grundgesetz verankertes Staatsziel. Dem Naturschutz dienen 16 Nationalparks (siehe Nationalparks in Deutschland), 19 BiosphÀrenreservate, 105 Naturparks sowie tausende von Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten und NaturdenkmÀlern.

Fauna

In Deutschland sind etwa 48.000 Tierarten nachgewiesen, darunter 104 SĂ€ugetier-, 328 Vogel-, 13 Reptilien-, 22 Lurch- und 197 Fischarten sowie ĂŒber 33.000 Insektenarten, womit das Land „aufgrund der erdgeschichtlichen Entwicklung und der geographischen Lage zu den eher artenĂ€rmeren Gebieten“ zĂ€hlt. Zu diesen Arten kommen ĂŒber 1.000 Krebs-, fast 3.800 Spinnen-, 635 Weichtiere sowie ĂŒber 5.300 andere Wirbellose.

Zu den in Deutschland heimischen wilden SĂ€ugetieren zĂ€hlen unter anderem Rehe, Wildschweine, Rot- und Damhirsche sowie FĂŒchse, Marder und Luchse. Biber und Otter sind seltene Bewohner der Flussauen, mit teilweise wieder steigenden BestĂ€nden. In den bayerischen Alpen leben Alpensteinbock, Alpenmurmeltier und die GĂ€mse; letztere ist auch in verschiedenen Mittelgebirgen anzutreffen. Andere GroßsĂ€uger, die in frĂŒherer Zeit auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands lebten, wurden ausgerottet: Wildpferd, Auerochse (15. Jahrhundert), Wisent (16. Jahrhundert), BraunbĂ€r (19. Jahrhundert), Wolf (19. Jahrhundert), Elch (20. Jahrhundert). WĂ€hrend Elche heute gelegentlich aus NachbarlĂ€ndern zuwandern, haben sich Wölfe aus Polen kommend wieder fest in Deutschland etabliert und um die Jahrtausendwende erstmals Nachwuchs geboren. Im Jahr 2018 existierten in Deutschland 73 nachgewiesene Wolfsrudel, die grĂ¶ĂŸtenteils in den LĂ€ndern Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen leben. 2013 wurde eine Herde Wisente im Rothaargebirge ausgewildert. Im Oktober 2019 wurde im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ein vermutlich aus Italien zugewanderter BraunbĂ€r von einer Wildtierkamera fotografiert. In den darauf folgenden Monaten konnte das Tier mehrfach erneut nachgewiesen werden. Bereits im Jahr 2006 war mit dem „ProblembĂ€ren“ Bruno ein BĂ€r nach Deutschland zugewandert. Inzwischen leben auch ursprĂŒnglich hier heimische Luchse wieder in Deutschland, allerdings in geringer Bestandsdichte, weil sie immer wieder Opfer von Wilderei und Straßenverkehr werden.

Vom Seeadler, der als Vorlage fĂŒr das deutsche Wappentier gilt, gibt es wieder etwa 500 Paare, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Der Steinadler kommt nur noch in den Bayerischen Alpen vor, wo auch der dort ausgerottete Bartgeier aus der Schweiz und Österreich wieder Einzug hĂ€lt. Die hĂ€ufigsten Greifvögel sind heute MĂ€usebussard und Turmfalke, der Bestand an Wanderfalken ist deutlich geringer. Über die HĂ€lfte des Gesamtbestandes an Rotmilanen brĂŒtet in Deutschland, ist aber aufgrund der intensiven Landwirtschaft rĂŒcklĂ€ufig. Dagegen profitieren viele Vögel als Kulturfolger von der Anwesenheit des Menschen, insbesondere die in StĂ€dten lebenden Stadttauben, Amseln (frĂŒhere Waldvögel), Spatzen und Meisen, fĂŒr deren Überleben auch die WinterfĂŒtterung sorgt, sowie KrĂ€hen und Möwen auf MĂŒllkippen. Das Wattenmeer ist Rastplatz fĂŒr zehn bis zwölf Millionen Zugvögel pro Jahr.

Der frĂŒher in den FlĂŒssen hĂ€ufige Lachs wurde im Zuge der Industrialisierung weitgehend ausgerottet, aber in den 1980er-Jahren im Rhein wieder angesiedelt. In Deutschland wurde der letzte Stör 1969 gefangen. In vielen Teichen werden die von den Römern eingefĂŒhrten Karpfen gehalten. Die von Berufsfischern Mitte des 20. Jahrhunderts als Beutekonkurrenten nahezu ausgerotteten und inzwischen geschĂŒtzten Arten Seehund und Kegelrobbe – letztere das grĂ¶ĂŸte in Deutschland heimische Raubtier – sind heute wieder mit einigen tausend Exemplaren an den deutschen KĂŒsten vertreten. In Nord- und Ostsee kommen acht Walarten vor, darunter der Schweinswal, und mit dem Gemeinen Delfin auch eine Delfinart.

Zu den in Deutschland lebenden Reptilien zĂ€hlen Ringelnatter, Kreuzotter und EuropĂ€ische Sumpfschildkröte. Amphibien wie Salamander, Frösche, Kröten, Unken und Molche sind in Deutschland alle auf der Roten Liste bedrohter Tierarten gefĂŒhrt.

Zu den – teils invasiven – Neozoen in Deutschland (eingeschleppten Tierarten) gehören WaschbĂ€r, Marderhund, Bisamratte, Nutria, Halsbandsittich, Kanadagans und Nilgans.

Jagd

Die Jagd ist in Deutschland ein mit dem Grundeigentum verbundenes, subjektives Recht und in einem Revierjagdsystem organisiert. Das nach Wert des Wildbrets sowie aufgrund der im Wald und der Feldflur verursachten WildschĂ€den bedeutsamste Jagdwild sind Reh und Wildschwein. Zu den weiteren jagdlich relevanten Wildarten zĂ€hlen Rothirsch, Stockente und Feldhase. In Deutschland zĂ€hlte man 2016/17 knapp 360.000 JĂ€ger. 2019/2020 wurden ĂŒber 1,2 Millionen Rehe erlegt, im Jahr 2019 knapp 600.000 Wildschweine.

Humangeographie

Deutschland hat insgesamt neun Nachbarstaaten: Im Norden grenzt Deutschland an DĂ€nemark, im Nordosten an Polen, im Osten an Tschechien, im SĂŒdosten an Österreich, im SĂŒden an die Schweiz, im SĂŒdwesten an Frankreich, im Westen an Luxemburg und an Belgien und im Nordwesten an die Niederlande. Die GrenzlĂ€nge betrĂ€gt insgesamt 3876 Kilometer. Damit ist Deutschland das europĂ€ische Land mit den meisten Nachbarstaaten.

In Deutschland werden insgesamt 51 Prozent der LandesflĂ€che landwirtschaftlich genutzt (2016), WĂ€lder bedecken weitere 30 Prozent. 14 Prozent werden als Siedlungs- und VerkehrsflĂ€che genutzt. WasserflĂ€chen kommen auf zwei Prozent, die restlichen drei Prozent verteilen sich auf sonstige FlĂ€chen, zumeist Ödland und auch Tagebaue.

Verwaltungsgliederung

Die föderal aufgebaute Bundesrepublik besteht aus 16 Gliedstaaten, die offiziell als LÀnder (BundeslÀnder) bezeichnet werden. Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg bestehen jeweils aus gleichnamigen Einheitsgemeinden, wÀhrend die Freie Hansestadt Bremen, als dritter Stadtstaat, mit Bremen und Bremerhaven zwei separate Stadtgemeinden umfasst. Im Unterschied zu anderen Föderalstaaten gibt es in Deutschland keine bundesunmittelbaren Gebiete.

Die Gemeinden sind die kleinsten demokratisch verfassten, rechtlich selbststĂ€ndigen Gebietskörperschaften und Verwaltungseinheiten Deutschlands. Sie haben aufgrund ihrer genossenschaftlichen PrĂ€gung, die bis ins Mittelalter zurĂŒckreicht, eine lange Tradition. Heute sind die Gemeinden in Deutschland, mit Ausnahme der Stadtstaaten und der meisten kreisfreien StĂ€dte, in Landkreisen und anderen GemeindeverbĂ€nden zusammengefasst. Es existieren 401 Gebietskörperschaften auf Kreisebene, davon 294 Kreise sowie 107 kreisfreie StĂ€dte. Sie sind untergliedert in insgesamt 10.790 Gemeinden (Stand Januar 2021), Tendenz sinkend, sowie mehr als 200 grĂ¶ĂŸtenteils unbewohnte gemeindefreie Gebiete. Kreise und Gemeinden unterliegen dem Kommunalverfassungsrecht des jeweiligen Bundeslandes und sind daher bundesweit unterschiedlich organisiert. Der Landkreis ist damit sowohl ĂŒberörtliche kommunale Gebietskörperschaft als auch untere staatliche Verwaltungsbehörde, er hat eine eigene Vertretungskörperschaft, den Kreistag (Art. 28 Abs. 1 S. 2 GG), und nimmt verschiedene Aufgaben der â€žĂŒberörtlichen Gemeinschaft“ fĂŒr die kreisangehörigen Gemeinden wahr.

Die Kommunen sind staatsrechtlich Teil der LĂ€nder, womit sie deren Aufsichts- und Weisungsrecht unterliegen und demnach ĂŒber keine eigene staatliche Hoheitsmacht verfĂŒgen. Die Selbstverwaltungsgarantie des Art. 28 Abs. 2 GG – einerseits eine sogenannte institutionelle Rechtssubjektsgarantie, woraus folgt, dass es Gemeinden im Staatsaufbau ĂŒberhaupt geben muss, andererseits ein subjektiv-öffentliches Recht mit Verfassungsrang – unterscheidet zwischen StĂ€dten und Gemeinden, denen dieses Recht vollumfĂ€nglich zugesprochen wird, und den GemeindeverbĂ€nden (Landkreise), denen es in lediglich abgestufter Form zugesprochen wird. Somit besteht fĂŒr die Aufgabenabgrenzung zwischen Gemeinden und Kreisen ein klares Regel-Ausnahme-VerhĂ€ltnis zugunsten der Gemeinden (SubsidiaritĂ€tsprinzip). Das Bundesverfassungsgericht hat hinsichtlich der „Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft“, also der in Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG gewĂ€hrleisteten Befugnis, in diesem Aufgabenbereich die GeschĂ€fte eigenverantwortlich zu fĂŒhren (sogenannte objektive Rechtsinstitutionsgarantie), den Vorrang der Gemeindeebene vor der Kreisebene nach Maßgabe der Gesetze festgestellt: Hiernach gilt fĂŒr StĂ€dte und Gemeinden „als Essentiale und identitĂ€tsbestimmendes Merkmal der gemeindlichen Selbstverwaltung“ das Prinzip der „UniversalitĂ€t des gemeindlichen Wirkungskreises“, im Gegensatz zur speziellen Kompetenz der GemeindeverbĂ€nde kraft ausdrĂŒcklicher gesetzlicher Zuweisung, womit es auch keine feststehenden Gemeindeverbandshoheiten gibt.

Ballungsgebiete

In Deutschland werden Verdichtungs- und BallungsrĂ€ume (Agglomerationen) nicht statistisch genau abgegrenzt. Es gibt 81 GroßstĂ€dte (ab 100.000 Einwohner), davon 14 mit mehr als 500.000 Einwohnern, historisch bedingt ĂŒberwiegend im Westen und SĂŒdwesten Deutschlands. Diese entlang des Rheins verlaufenden BallungsrĂ€ume bilden den Mittelteil der zentralen europĂ€ischen Bevölkerungskonzentration (Blaue Banane). Die meisten Agglomerationen sind monozentrisch, das Ruhrgebiet hingegen ist eine (polyzentrische) Konurbation. Mit seinen zahlreichen Zentren hat Deutschland, anders als etwa die NachbarlĂ€nder Österreich mit seiner Hauptstadt Wien und DĂ€nemark mit Kopenhagen, keine Primatstadt.

Auf dem Gebiet Deutschlands wurden von der Ministerkonferenz fĂŒr Raumordnung elf EuropĂ€ische Metropolregionen festgelegt. Diese gehen ĂŒber die entsprechenden Agglomerationen weit hinaus. Köln/DĂŒsseldorf/Dortmund/Essen gehören zur Metropolregion Rhein-Ruhr, Leipzig/Halle/Chemnitz zur Metropolregion Mitteldeutschland. Eine weitere ist die Metropolregion Rhein-Neckar um Ludwigshafen/Mannheim/Heidelberg.

Bevölkerungsreichste Siedlungsgebiete in Deutschland

Die folgende Tabelle zeigt alle deutschen StĂ€dte mit ĂŒber 500.000 Einwohnern mitsamt der Agglomeration und Metropolregion, zu der sie gehören:

*) Stand: 31. Dezember 2019

Bevölkerung

Demografie

Nach Fortschreibung des Zensus 2011 lebten am 30. September 2020 in Deutschland 83.190.556 Einwohner auf einer FlÀche von 357.381 Quadratkilometern. Das Land gehört mit knapp 233 Menschen pro Quadratkilometer zu den dicht besiedelten FlÀchenstaaten. Im Jahr 2020 waren 50,7 Prozent der Bevölkerung Frauen und 49,3 Prozent MÀnner. Im Jahr 2019 waren 18,4 Prozent der Einwohner unter 20 Jahre, 24,6 Prozent zwischen 20 und 40 Jahre und 28,4 Prozent zwischen 40 und 60 Jahre alt. Im Alter von 60 bis 80 Jahren waren 21,7 Prozent der Bevölkerung, 6,8 Prozent waren Àlter. Im Jahr 2019 lag das Durchschnittsalter bei 44,5 Jahren. Deutschland gehört damit zu den Àltesten Gesellschaften der Welt.

Neben der Familie als der am hÀufigsten angestrebten Form des Zusammenlebens sind viele Lebensmodelle in der deutschen Gesellschaft vertreten. Die Anzahl der lebend geborenen Kinder lag im Jahr 2015 bei 737.575, das war die höchste Geburtenzahl seit 15 Jahren. Dies entspricht einer Geburtenrate von 1,50 Kindern pro Frau bzw. 9,6 Geburten pro 1.000 Einwohner. Im selben Zeitraum wurden 925.200 SterbefÀlle registriert, etwa 11,2 FÀlle pro 1.000 Einwohner. Im Jahr 2017 erhöhte sich die Geburtenrate pro Frau auf 1,57 Kinder.

Weil seit 1972 die Sterberate alljĂ€hrlich ĂŒber der Geburtenrate liegt, wird politisch die Orientierung zu einer familienfreundlichen, kinder- und nachwuchsfördernden Gesellschaft mit Mehrkindfamilien angestrebt (Pronatalismus). Als zentrale Voraussetzung dafĂŒr werten Experten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bei fortgesetzt niedrigen Geburtenraten, insbesondere in Bevölkerungsschichten mit mittleren und höheren BildungsabschlĂŒssen, werden fĂŒr Deutschland soziale, ökonomische und geopolitische Probleme vorhergesagt.

Etwa 72,650 Millionen Personen in Deutschland besaßen zum Stichtag 30. September 2020 die deutsche Staatsangehörigkeit. Dies entspricht 87,33 Prozent der Wohnbevölkerung. Im Jahr 2017 hatten rund 18,9 Millionen Personen einen Migrationshintergrund (23 %). Als Personen mit Migrationshintergrund zĂ€hlten im Zensus 2011 alle AuslĂ€nder sowie alle Deutschen, die nach 1955 auf das Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland zugewandert sind oder mindestens einen nach 1955 zugewanderten Elternteil haben. Unter ihnen bilden die Aussiedler und SpĂ€taussiedler die grĂ¶ĂŸte Gruppe, gefolgt von BĂŒrgern der TĂŒrkei, anderer Staaten der EuropĂ€ischen Union und des ehemaligen Jugoslawien. Zwischen 1950 und 2002 wurden insgesamt 4,3 Millionen Menschen, entweder im Land geboren oder lange dort lebend, auf eigenen Antrag eingebĂŒrgert.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostizierte 2017, die Bevölkerung Deutschlands werde durch Einwanderung weiter wachsen und im Jahr 2035 rund 83,1 Mio. Menschen umfassen. Im Jahr 2018 wuchs die deutsche Bevölkerung um 227.000 Einwohner, womit Deutschland die Marke von 83 Millionen Einwohnern ĂŒberschritt. Im Jahr 2019 wuchs sie um 147.000 Personen (+0,2 %) auf 83,2 Millionen. Ende September 2020 lag die Einwohnerzahl bei 83.190.556.

Deutschland gilt de facto seit Jahren als Einwanderungsland. Im Jahr 2020 zogen etwa 220.000 Menschen mehr zu als fort.

Sprachen

Die in Deutschland hauptsĂ€chlich verbreitete Sprache ist Deutsch (Hochdeutsch). Es wird als Standardsprache in den ĂŒberregionalen Medien und als Schriftsprache verwendet; als Sprache des Alltags wird es in vielen Regionen fast ausschließlich gesprochen (oft regional leicht eingefĂ€rbt). Der Übergang zu den deutschen Dialekten ist fließend. Bei den Amtssprachen innerhalb Deutschlands ist Deutsch die wichtigste Verwaltungssprache. Die ZustĂ€ndigkeit liegt im Grundsatz in der Kulturhoheit der LĂ€nder, der Gesamtstaat legt solche Sprachen nur zur ErfĂŒllung seiner eigenen Aufgaben fest. Sofern europĂ€isches Recht anwendbar ist, können vor Gericht AntrĂ€ge und SchriftstĂŒcke in jeder Amts- oder Gerichtssprache jedes Mitgliedslands der EuropĂ€ischen Union gestellt werden. Angestammte nationale Minderheiten sind DĂ€nen, Friesen, Sorben und Sinti und Roma. Einige Regional- und Minderheitensprachen dĂŒrfen als Amts-, Gesetzes- oder Gerichtssprachen verwendet werden. Grundlage ist die EuropĂ€ische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen, nach der Deutschland Niederdeutsch als Regionalsprache und folgende Minderheitensprachen anerkennt: DĂ€nisch (etwa 50.000 Sprecher, sowohl ReichsdĂ€nisch, ĂŒberwiegend in der Variante Sydslesvigdansk, als auch SĂžnderjysk), Friesisch (etwa 10.000, Nordfriesisch in Schleswig-Holstein, Saterfriesisch in Niedersachsen), Sorbisch (etwa 30.000, Obersorbisch in Sachsen, Niedersorbisch in Brandenburg), Romanes der Roma (etwa 200.000 in ganz Deutschland). Andere neue oder in Deutschland kaum noch gesprochene Minderheitensprachen wie Jiddisch oder die jenische Sprache wurden nicht in die Charta aufgenommen. Die Sprachen von Zuwanderern fallen ausdrĂŒcklich nicht unter die Charta. Die von Gehörlosen verwendete Deutsche GebĂ€rdensprache (DGS) wurde mit EinfĂŒhrung des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) im Jahr 2002 in Deutschland als eigenstĂ€ndige Sprache anerkannt. Weitere, frĂŒher verbreitete Sprachen wie Moselromanisch (im 11. Jahrhundert ausgestorben) und Polabisch (im 18. Jahrhundert ausgestorben) werden heute nicht mehr gesprochen.

Ob die niederdeutsche Sprache eigenstÀndig ist oder eine VarietÀt des Deutschen, ist in der Sprachwissenschaft umstritten. Niederdeutsch hatte 2007 etwa 2,6 Millionen aktive Sprecher, passive Kenntnis hatten etwa drei Viertel der Bevölkerung des Sprachgebiets. 2016 war das passive Verstehen bei knapp der HÀlfte der Einwohner des Sprachgebietes gut bis sehr gut, in Mecklenburg-Vorpommern 70 Prozent, in Schleswig-Holstein knapp 60 Prozent, in Niedersachsen knapp 50 Prozent. Aktiv beherrschten die Niederdeutsche Sprache in Mecklenburg-Vorpommern knapp 21 Prozent, in Schleswig-Holstein knapp 25 Prozent, in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt jeweils knapp 12 Prozent und in Brandenburg knapp 3 Prozent.

Norddeutsche verwenden die niederdeutsche Sprache oder regionale Mundarten tendenziell weniger ausgeprÀgt, wÀhrend im mittel- und oberdeutschen Raum der Gebrauch der frÀnkischen, bairischen und alemannischen Mundarten selbst im akademischen Milieu verbreiteter ist.

Immer wieder brachten Zuwanderer ihre Sprachen mit, zum Beispiel die Ruhrpolen im 19. Jahrhundert. WĂ€hrend die Nachkommen der Ă€lteren Zuwanderungswellen sich inzwischen sprachlich weitgehend angepasst haben, verwenden Zuwanderer der vergangenen Jahrzehnte (etwa Gastarbeiter) untereinander neben dem Deutschen noch hĂ€ufig ihre Muttersprache, vor allem TĂŒrkisch (etwa zwei Millionen). Daneben ist auch die russische Sprache verbreitet, unter KontingentflĂŒchtlingen und unter Russlanddeutschen, zu denen nicht nur deutsche oder plautdietsche, sondern auch russische Muttersprachler gehören (drei bis vier Millionen). Auch die Zahl der Personen mit Polnisch als Alltagssprache wird als relativ hoch vermutet.

Die an öffentlichen Schulen vorrangig gelehrte Fremdsprache ist Englisch. Zweite Fremdsprache ist hÀufig Französisch, Latein oder Spanisch, seltener Russisch oder Italienisch (Entscheidungshoheit der LÀnder).

Religionen

Traditionen

Wie der Großteil West- und Mitteleuropas ist das heutige Deutschland bis zur SpĂ€tantike zurĂŒckreichend christlich-abendlĂ€ndisch und seit dem 18. Jahrhundert aufgeklĂ€rt-wissenschaftlich geprĂ€gt. Dem liegen EinflĂŒsse aus der antiken griechischen und römischen Kultur ebenso zugrunde wie jĂŒdische und christliche Traditionen, die sich seit Beginn der Christianisierung Nordwesteuropas, ab etwa dem 4. Jahrhundert, mit germanischen Traditionen vermischt hatten. Das Gebiet Deutschlands wurde seit dem frĂŒhen Mittelalter christianisiert. In der frĂ€nkischen Zeit wurde im Reich Karls des Großen die Missionierung, teilweise durch Zwang, abgeschlossen. Mit Martin Luthers Thesenanschlag 1517 begann die christliche Reformation und in der Folge die Bildung protestantischer Konfessionen, die in Deutschland neben der katholischen Konfession die religiöse Landschaft prĂ€gen.

VerhÀltnis von Staat und Religion

Die Religionsfreiheit in Deutschland garantiert Art. 4 des Grundgesetzes, individuell als Grundrecht und institutionell im VerhĂ€ltnis von Religion und Staat. So wird die weltanschauliche NeutralitĂ€t des Staates und das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften festgeschrieben. Auf dieser Basis ist das VerhĂ€ltnis von Religionsgemeinschaften und Staat partnerschaftlich; es gibt also keine strikte Trennung von Kirche und Staat, sondern in vielen sozialen und schulisch-kulturellen Bereichen bestehen Verflechtungen, beispielsweise ĂŒber eine kirchliche, aber staatlich mitfinanzierte TrĂ€gerschaft von KindergĂ€rten, Schulen, KrankenhĂ€usern oder Pflegeheimen. Ebenso berufen sich einige deutsche Parteien auf die christliche Tradition des Landes. Die christlichen Kirchen besitzen den Status von Amtskirchen und sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, aufgrund des geltenden Staatskirchenrechts jedoch sui generis. Als öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften sollen den Kirchen bestimmte Gestaltungsmöglichkeiten eingerĂ€umt werden, ohne dass sie dabei einer Staatsaufsicht unterliegen; stattdessen wird sowohl der kirchliche Öffentlichkeitsauftrag teilweise in KirchenvertrĂ€gen mit den LĂ€ndern oder den entsprechenden Regelungen in den Landesverfassungen anerkannt wie auch die besondere, originĂ€re Kirchengewalt rechtlich bekrĂ€ftigt. Bestimmte christliche Kirchen sowie die jĂŒdischen Gemeinden erheben eine Kirchensteuer, die der Staat gegen eine AufwandsentschĂ€digung einzieht und an die jeweiligen Kirchen beziehungsweise an den Zentralrat der Juden in Deutschland weiterleitet. Des Weiteren ist der Religionsunterricht laut Grundgesetz fakultatives, aber dennoch ordentliches Unterrichtsfach in den öffentlichen Schulen (mit Ausnahme von Bremen, Berlin und Brandenburg). Dieses Fach wird oft von einem Vertreter einer der beiden großen Kirchen unterrichtet.

Bevölkerungsanteile

Etwa 59 Prozent der Bevölkerung gehören einer christlichen Konfession an: der römisch-katholischen Kirche 28,9 Prozent (ĂŒberwiegend in West- und SĂŒddeutschland), der evangelischen Kirche (Lutheraner, Reformierte und Unierte) 27,1 Prozent (tendenziell vor allem in Norddeutschland); anderen christlichen Kirchen wie orthodoxen und altorientalischen Kirchen, den Zeugen Jehovas, der neuapostolischen Kirche und den Freikirchen insgesamt ca. 3 Prozent. Die Anzahl der Gottesdienstbesucher ist wesentlich geringer als die Anzahl der Kirchenmitglieder. An den sogenannten ZĂ€hlsonntagen (zweiter Fastensonntag und zweiter Sonntag im November) des Jahres 2016 besuchten 2,4 Millionen Menschen (2,9 % der Gesamtbevölkerung) die katholischen Gottesdienste und 0,8 Millionen (1 %) jene der evangelischen Kirche. An hohen kirchlichen Feiertagen, insbesondere zu Heiligabend, nehmen deutlich mehr Menschen an Gottesdiensten teil. Etwa 37 Prozent der Bevölkerung sind konfessionslos. In den neuen LĂ€ndern liegt deren Anteil zwischen 68 (ThĂŒringen) und 81 Prozent (Sachsen-Anhalt). Die DDR hatte eine atheistische Weltanschauung propagiert und vermittelt (siehe Jugendweihe) und den Kirchenaustritt gefördert. Aufgrund langfristiger Prozesse der SĂ€kularisierung und des Wertewandels stieg der Anteil von Konfessionslosen an der Gesamtbevölkerung auch in der alten Bundesrepublik an (1970: 3,9 %; 1987: 11,4 %). Diese Entwicklung setzte sich im vereinten Deutschland fort.

Ende 2015 lebten etwa 4,5 Millionen Muslime in Deutschland. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrĂ€gt circa 5,5 Prozent. Über die HĂ€lfte hat einen tĂŒrkischen Migrationshintergrund, gut 17 Prozent kommen aus dem weiteren Vorderasien. Zwischen 2011 und 2015 kamen 1,2 Millionen Muslime neu nach Deutschland. Als Dachverband der vielen islamischen Organisationen und Ansprechpartner fĂŒr Außenstehende wurde der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland gegrĂŒndet.

Die Deutsche Buddhistische Union geht von etwa 270.000 Buddhisten in Deutschland aus. Die HÀlfte davon sind eingewanderte Asiaten. Dies entspricht 0,3 Prozent der Bevölkerung.

Etwa 200.000 Juden leben in Deutschland, dies entspricht 0,25 Prozent der Bevölkerung. Davon sind etwa die HĂ€lfte in jĂŒdischen Gemeinden organisiert. Seit den 1990er-Jahren verzeichnen diese einen starken Zuwachs durch Zuwanderer aus den ehemaligen Ostblockstaaten, vor allem aus der Ukraine und Russland.

Das Syrische Christentum ist durch den kontinuierlichen Zuzug von Assyrern aus Mesopotamien mit ca. 130.000 Mitgliedern eine stetig wachsende christliche Konfession in Deutschland. Davon gehören rund 100.000 Assyrer der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien an.

Geschichte

Urgeschichte, Kelten, Germanen und Römer

Die Ă€ltesten Belege fĂŒr die Anwesenheit der Gattung Homo auf deutschem Gebiet sind etwa 700.000 Jahre alt, von einer dauerhaften Anwesenheit zumindest im SĂŒden geht man seit 500.000 v. Chr. aus. Nach dem Fundort in der NĂ€he der Stadt Heidelberg wurde der Homo heidelbergensis benannt. Die mindestens 300.000 Jahre alten Schöninger Speere sind die Ă€ltesten vollstĂ€ndig erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit und haben das Bild der kulturellen und sozialen Entwicklung des frĂŒhen Menschen revolutioniert.

Auf die Neandertaler, nach einem Fundort im Neandertal, östlich von DĂŒsseldorf, benannt, folgte vor etwa 40.000 Jahren der aus Afrika zugewanderte Homo sapiens, der anatomisch moderne Mensch. Die Neandertaler verschwanden zwar, doch ließ sich jĂŒngst belegen, dass beide gemeinsame Nachkommen hatten. Die jungpalĂ€olithische Kleinkunst ist die Ă€lteste bekannte Kunst der Menschheit.

Aus dem Nahen Osten kommende jungsteinzeitliche Bauern, die mit ihrem Vieh und ihren Kulturpflanzen ĂŒber Anatolien und den Balkan zuwanderten (Linearbandkeramiker), verdrĂ€ngten ab etwa 5700/5600 v. Chr. die JĂ€ger und Sammler der Mittelsteinzeit aus der SĂŒdhĂ€lfte Deutschlands. Erst um 4000 v. Chr. wurden die aneignenden Kulturen der JĂ€ger, Sammler und Fischer auch in Norddeutschland von bĂ€uerlichen, nun durchgehend sesshaften Kulturen abgelöst; als letzte Kultur der JĂ€ger in Norddeutschland gilt die ErtebĂžlle-Kultur.

Mit ĂŒber 1000 Jahren Verzögerung begann auf deutschem Gebiet die Bronzezeit um 2200 v. Chr. Zu ihren bedeutendsten Funden zĂ€hlt die Himmelsscheibe von Nebra. Mit Beginn der Hallstattzeit (1200–1000 v. Chr.) waren SĂŒd- und Mitteldeutschland von Kelten besiedelt, als bedeutendstes Metall begann sich das Eisen durchzusetzen. Um 600 v. Chr. kam es in Norddeutschland zur Herausbildung der Jastorf-Kultur, die als germanische Kultur angesehen wird. Der Begriff „Germanen“ (lateinisch Germani) wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. von antiken Autoren erstmals erwĂ€hnt. Es handelt sich hierbei um einen ethnographischen, wenig prĂ€zisen Sammelbegriff, der aus methodischen GrĂŒnden nicht als Bezeichnung fĂŒr ein einheitliches Volk missverstanden werden darf.

Von 58 v. Chr. bis etwa 455 n. Chr. gehörten die Gebiete links des Rheins und sĂŒdlich der Donau zum Römischen Reich, von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch ein Teil Hessens sowie der grĂ¶ĂŸte Teil des heutigen Baden-WĂŒrttemberg sĂŒdlich des Limes. Diese römischen Gebiete verteilten sich auf die Provinzen Gallia Belgica, Germania superior, Germania inferior, Raetia und Noricum. Dort grĂŒndeten die Römer Legionslager, eine Reihe von StĂ€dten wie Trier, Köln, Augsburg und Mainz – die Ă€ltesten StĂ€dte Deutschlands. VerbĂŒndete germanische StĂ€mme sicherten diese Provinzen, zudem wurden Siedler aus anderen Reichsteilen hier sesshaft.

Der außerhalb der römischen Provinzen Germania Inferior und Germania Superior liegende Teil des Siedlungsgebiets der Germanen wurde von den Römern in der frĂŒhen und hohen Kaiserzeit und in der SpĂ€tantike als Germania magna bezeichnet.

Versuche, den Einflussbereich weiter in dieses germanische Gebiet auszudehnen, scheiterten mit der Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. Die BemĂŒhungen der Römer zur Errichtung von Provinzen bis zur Elbe endeten schließlich. Tacitus’ frĂŒhestens im Jahr 98 entstandene Schrift Germania ist die Ă€lteste Beschreibung der germanischen StĂ€mme.

Völkerwanderung und FrĂŒhmittelalter (375–962)

Nach dem Einfall der Hunnen 375 setzte die Völkerwanderung ein, gleichzeitig bildeten sich im Übergang von der SpĂ€tantike zum FrĂŒhmittelalter mehrere GroßstĂ€mme heraus, nĂ€mlich die der Franken, Alamannen, Sachsen, Bayern und ThĂŒringer. Wichtig in der neueren Forschung ist in diesem Kontext der komplexe Vorgang der Ethnogenese der unterschiedlichen gentes (StĂ€mme). Die Entstehung von ethnischen IdentitĂ€ten (EthnizitĂ€t) in der SpĂ€tantike bzw. dem beginnenden FrĂŒhmittelalter im Zusammenhang mit der sogenannten Völkerwanderung wird heute nicht mehr als biologische Kategorie verstanden. IdentitĂ€ten entstehen vielmehr in einem wechselhaften sozialen Prozess, bei dem mehrere Faktoren eine Rolle spielen.

Das Ziel der in das Imperium eingedrungenen Gruppen war vor allem Teilhabe am Wohlstand des Imperiums, dessen Strukturen und Kultur sie keineswegs zerstören wollten. Doch die folgenden militĂ€rischen Konflikte und innerrömische MachtkĂ€mpfe fĂŒhrten zu einem politischen Erosionsprozess des Westreichs. Im Zuge des Untergangs Westroms (der letzte Kaiser in Italien wurde 476 abgesetzt) kam es zur Bildung germanisch-romanischer Nachfolgereiche auf dem Boden des westlichen Imperiums.

In die weitgehend entvölkerten Gebiete des heutigen Ostdeutschlands wanderten im 7. Jahrhundert slawische StÀmme ein. Erst im Zuge der hochmittelalterlichen Ostsiedlung wurden sie assimiliert. West- und Mitteleuropa wurde von dem am Ende des 5. Jahrhunderts entstandenen Frankenreich dominiert, das heutige Norddeutschland von den Sachsen und Slawen. Alle heute zu Deutschland gehörigen Gebiete des Frankenreichs lagen im östlichen Teilreich Austrasien. Unter den Merowingern kam es allerdings wiederholt zu dynastischen Konflikten.

Mitte des 8. Jahrhunderts trat im Frankenreich Pippin der JĂŒngere aus der Dynastie der Karolinger die Königsnachfolge der bis dahin herrschenden Merowinger an. Nach der Unterwerfung und Zwangsmissionierung der Sachsen und Eroberungen in Italien, Nordspanien und im östlichen Grenzraum unter Karl dem Großen wurde das Vielvölkerreich neu organisiert. Kirchenorganisation und Kulturförderung knĂŒpften partiell an römische Traditionen an (Karolingische Renaissance). Zu Weihnachten 800 ließ sich Karl vom Papst in Rom zum Kaiser krönen und erhob damit Anspruch auf die Nachfolge des Römischen Reiches (Translatio imperii), was zur Konkurrenz mit den byzantinischen Kaisern fĂŒhrte (Zweikaiserproblem). Nach Karls Tod 814 kam es zu KĂ€mpfen unter seinen Nachkommen, die 843 im Vertrag von Verdun zur Dreiteilung des Reiches in das Ostfrankenreich unter „Ludwig dem Deutschen“, das Westfrankenreich und Lotharingien fĂŒhrten.

Im ostfrĂ€nkischen Reich bildeten sich um 900 fĂŒnf große HerzogtĂŒmer heraus, nĂ€mlich die StammesherzogtĂŒmer Sachsen, Baiern, Schwaben, Franken und Lothringen. Im 10. Jahrhundert starb die karolingische Dynastie in West- wie auch in Ostfranken aus, beide Reichsteile blieben politisch fortan getrennt. Die Schlacht auf dem Lechfeld beendete 955 jahrzehntelange UngarneinfĂ€lle, fĂŒhrte zu einem Prestigegewinn König Ottos, der 962 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde, und zur Zuordnung des Erzengels Michael als Schutzpatron der Deutschen.

Vom Ostfrankenreich zum Heiligen Römischen Reich (962–1806)

Die Dynastie der Ottonen war fĂŒr die Ausformung des Ostfrankenreichs wesentlich, sie gilt aber nicht mehr als Beginn der eigentlichen „deutschen“ Reichsgeschichte. Der damit verbundene Prozess zog sich vielmehr mindestens bis ins 11. Jahrhundert hin. Der Begriff regnum Teutonicorum („Königreich der Deutschen“) findet sich erstmals zu Beginn des 11. Jahrhunderts in den Quellen, er war aber nie Titel des Reiches (Imperium), sondern diente den PĂ€psten zur Relativierung des Herrschaftsanspruchs der römisch-deutschen Könige.

Die 951 von Otto I. angenommene langobardische KönigswĂŒrde verband das Regnum Teutonicum mit Reichsitalien. 962 wurde Otto zum Kaiser gekrönt und vereinte damit die römisch-deutsche KönigswĂŒrde mit dem Anspruch auf das westliche „römische“ Kaisertum (Reichsidee). Dieses römisch-deutsche Reich nahm unter den Ottonen eine hegemoniale Stellung im westlichen Europa ein. 1024 traten die Salier die Königsnachfolge an, die bis zum Ende des Mittelalters stets an eine Wahl durch verschiedene Große des Reichs gekoppelt war. Die Verzahnung weltlicher und geistlicher Macht durch das Reichskirchensystem fĂŒhrte zum Investiturstreit mit dem reformierten Papsttum, zum Gang nach Canossa 1077 und zur Zwischenlösung des Wormser Konkordats 1122. Einen Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst in staufischer Zeit, insbesondere unter Friedrich II., der im deutschen Reichsteil viele Regalien aufgab. Mit seinem Tod 1250 brach die staufische Königsherrschaft zusammen; das folgende Interregnum vergrĂ¶ĂŸerte die Macht der FĂŒrsten. Das Kaisertum bestand als politischer Ordnungsfaktor fort, verlor aber auf europĂ€ischer Ebene zunehmend an Einflussmöglichkeiten.

In Form der Territorialstaaten verselbststĂ€ndigten sich zahlreiche Feudalherrschaften zu Lasten der königlich-kaiserlichen Macht, die aber nie stark ausgeprĂ€gt gewesen und deshalb auf konsensuale Herrschaft mit den Großen des Reiches angewiesen war. Kaiser Heinrich VI. war Ende des 12. Jahrhunderts mit dem Versuch gescheitert, durch den Erbreichsplan die Erbmonarchie einzufĂŒhren. WĂ€hrend sich das Westfrankenreich zum französischen Zentralstaat entwickelte, blieb das ostfrĂ€nkische oder römisch-deutsche Reich durch Landesherren und das Recht der Königswahl geprĂ€gt. Mitte des 13. Jahrhunderts setzte sich im Heiligen Römischen Reich – die Bezeichnung Sacrum Imperium (Heiliges Reich) wurde bereits 1157 gebraucht, Sacrum Imperium Romanum (Heiliges Römisches Reich) erstmals gesichert 1254 – die Auffassung durch, dass einem Kollegium von KurfĂŒrsten die Wahl des Königs zustehe, was durch die Goldene Bulle 1356 verbindlich festgeschrieben wurde. Bis zum Ende des Reiches 1806 blieb das Reich somit formal eine Wahlmonarchie. Obwohl die Kaiser wiederholt versuchten, ihre Position zu stĂ€rken, blieb das Reich ein supranationaler Verband vieler verschieden großer Territorien sowie ReichsstĂ€dte.

Das spĂ€tmittelalterliche 14. und 15. Jahrhundert war vom Wahlkönigtum geprĂ€gt: Drei große Familien – die Habsburger, die Luxemburger und die Wittelsbacher – verfĂŒgten ĂŒber den grĂ¶ĂŸten Einfluss im Reich und ĂŒber die grĂ¶ĂŸte Hausmacht. Als bedeutendster König gilt Karl IV., der eine geschickte Hausmachtpolitik betrieb. Trotz Krisen wie der Pest (Schwarzer Tod), der Agrarkrise und des abendlĂ€ndischen Schismas florierten die StĂ€dte und der Handel; es begann der Übergang in die Renaissance. Im Reich traten die Habsburger das Erbe der Luxemburger an, die 1437 in mĂ€nnlicher Linie ausstarben, und stellten bis zum Ende des Reichs fast kontinuierlich die römisch-deutschen Herrscher. Durch geschickte Politik sicherten sich die Habsburger zusĂ€tzliche Territorien im Reich und sogar die spanische Königskrone: Habsburg stieg damit zur europĂ€ischen Großmacht auf.

An der Wende zum 16. Jahrhundert scheiterte der Versuch weitgehend, durch eine umfassende Reichsreform frĂŒhneuzeitliche staatliche Strukturen herzustellen. Ab 1519 verfolgte Kaiser Karl V., zugleich spanischer König mit ĂŒberseeischem Kolonialreich, das Konzept einer Universalmonarchie. Seine Vorherrschaft in Europa begrĂŒndete den jahrhundertelangen habsburgisch-französischen Gegensatz. 1517 stieß Martin Luther durch Forderungen nach innerkirchlichen und theologischen Reformen und eine anti-pĂ€pstliche Haltung die Reformation an, was zur Herausbildung „protestantischer“ Konfessionen fĂŒhrte. Der Katholizismus reagierte mit der Gegenreformation, doch behauptete sich die evangelische Kirche in weiten Teilen des Reiches. Der Augsburger Religionsfrieden 1555 schaffte einen vorlĂ€ufigen Ausgleich; Landesherren bestimmten die Konfession ihrer Untertanen (Cuius regio, eius religio). Konfessionelle und machtpolitische GegensĂ€tze lösten den DreißigjĂ€hrigen Krieg (1618–1648) mit vielen Todesopfern und verheerten Landschaften aus, beendet durch den WestfĂ€lischen Frieden, der dem Kaiser eine geschwĂ€chte, eher auf die ReprĂ€sentation des Reichs beschrĂ€nkte Stellung zuwies (siehe JĂŒngster Reichsabschied). Die ReichsfĂŒrsten gingen gestĂ€rkt aus diesem Konflikt hervor; sie konnten mit auswĂ€rtigen MĂ€chten VertrĂ€ge abschließen. Das Reich wurde dadurch de facto zu einem Staatenbund, de jure blieb es ein monarchisch gefĂŒhrtes und stĂ€ndisch geprĂ€gtes Herrschaftsgebilde. Ab 1663 wandelte sich der Reichstag zu einem permanenten Gesandtenkongress (ImmerwĂ€hrender Reichstag), der in Regensburg tagte.

Im Rahmen seiner Reunionspolitik fĂŒhrte Ludwig XIV. den PfĂ€lzischen Erbfolgekrieg. Frankreich wirkte als Vorbild des Absolutismus, der im Reich nicht die königliche Zentralgewalt, sondern einzelne FĂŒrstentĂŒmer zu bĂŒrokratisch organisierten Staaten werden ließ. Manche Herrscher, insbesondere Friedrich II. von Preußen, öffneten sich dem philosophischen Zeitgeist und fĂŒhrten Reformen durch (AufgeklĂ€rter Absolutismus). Der politische Aufstieg Preußens im 18. Jahrhundert fĂŒhrte zum Dualismus mit dem Hause Habsburg. Nach der Französischen Revolution besetzten deren Truppen das linke Rheinufer. Nach dem Sieg Napoleon Bonapartes im Zweiten Koalitionskrieg kam es 1803 zum Reichsdeputationshauptschluss. 1806 legte der letzte Kaiser Franz II. die Krone nieder, womit das Reich erlosch.

Rheinbund, Deutscher Bund, Norddeutscher Bund (1806–1871)

Unter Napoleons Einfluss war zwischen 1801 und 1806 die Anzahl der Staaten im Gebiet des „Alten Reiches“ von etwa 300 auf etwa 60 verringert worden. Frankreich annektierte den deutschen Westen und Nordwesten und schuf deutsche Vasallenstaaten, deren Throne Napoleon mit Familienangehörigen besetzte (Großherzogtum Berg, Königreich Westphalen, Großherzogtum Frankfurt). Einige deutsche Staaten baute Napoleon zu BĂŒndnispartnern auf, vor allem das 1805 im Frieden von Pressburg neugeschaffene Königreich Bayern, WĂŒrttemberg und Baden, indem er sie um die Gebiete der sĂ€kularisierten und mediatisierten Kleinstaaten erweiterte und in dem mit Frankreich verbĂŒndeten Rheinbund vereinigte. Dieser folgte mit den von Napoleon besiegten Gegnern Preußen und Österreich dem dadurch dreigeteilten, als Machtfaktor ausgeschalteten Heiligen Römischen Reich nach. Die „Franzosenzeit“ brachte den Rheinbundstaaten erhebliche ModernisierungsanstĂ¶ĂŸe, unter anderem bĂŒrgerliche Freiheiten, durch die EinfĂŒhrung des Zivilrechtsbuchs Code NapolĂ©on. Auch in Preußen wurden ab 1806 tiefgreifende Reformen unternommen, um aus Untertanen StaatsbĂŒrger (vgl. Citoyen) und den Staat wieder handlungs- und wehrfĂ€hig zu machen.

Ab 1809 regte sich Widerstand gegen französische Besatzung und Herrschaft; diverse AufstĂ€nde, etwa von Andreas Hofer in Tirol und Ferdinand von Schill in Preußen, wurden zunĂ€chst niedergeschlagen. Nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug 1812 begannen Preußen und Österreich im BĂŒndnis mit dem Russischen Reich die Befreiungskriege (1813–1815), die das deutsche NationalgefĂŒhl stĂ€rkten, zunĂ€chst unter protestantischen Akademikern, etwa im LĂŒtzower Freikorps, das auch als Ursprung der Farben Schwarz-Rot-Gold gilt. Die meisten Rheinbundstaaten schlossen sich den VerbĂŒndeten an, die nach dem Sieg bei der Leipziger Völkerschlacht 1813 Napoleon bis 1815 endgĂŒltig besiegten.

Anschließend restaurierte der Wiener Kongress (1814–1815) weitgehend die monarchische Herrschaft. Im Deutschen Bund, einem von Österreich und Preußen dominierten Staatenbund, organisierten sich 38 Staaten (→ Drittes Deutschland) mit dem Frankfurter Bundestag als Entscheidungsgremium. 1833/1834 wurde der Deutsche Zollverein unter preußischer Vormacht geschaffen. Im VormĂ€rz unterdrĂŒckte die alte Herrschaftselite das wirtschaftlich erstarkende BĂŒrgertum (Demagogenverfolgung), das weiter politische Teilhabe und die Bildung eines Nationalstaats forderte, so 1817 beim studentischen Wartburgfest und 1832 beim Hambacher Fest mit dem Hissen von Schwarz-Rot-Gold, den spĂ€teren Nationalfarben.

Mit der bĂŒrgerlichen MĂ€rzrevolution 1848 mussten viele konservative Politiker abtreten, unter ihnen der epochenprĂ€gende österreichische Staatskanzler FĂŒrst Metternich. Unter dem Revolutionsdruck in Berlin akzeptierte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Einrichtung der Frankfurter Nationalversammlung. Deren Paulskirchenverfassung, die einen deutschen Nationalstaat als „Deutsches Reich“ mit konstitutioneller Monarchie geschaffen hĂ€tte, lehnte er jedoch ebenso ab wie die ihm angetragene Kaiserkrone, die er als bĂŒrgerliche „Lumpenkrone“ bezeichnete. Nach Niederschlagung des Maiaufstands endete die Revolution am 23. Juli 1849 mit der Einnahme der Festung Rastatt durch preußische Truppen. Das Scheitern der demokratischen Bewegung fĂŒhrte zu Flucht und Auswanderung der Forty-Eighters und zu einer ReaktionsĂ€ra in den deutschen Staaten.

Bald danach brach der Konflikt Preußens mit Österreich um die Vormacht im Deutschen Bund auf (deutscher Dualismus), der in Preußens Sieg im Deutschen Krieg 1866 endete. Der Deutsche Bund wurde aufgelöst, Preußen annektierte etliche Gebiete nord- und mitteldeutscher Kriegsgegner. 1866 wurde unter Vorherrschaft Preußens der Norddeutsche Bund zunĂ€chst als MilitĂ€rbĂŒndnis gegrĂŒndet. Seine Verfassung von 1867 machte ihn zum souverĂ€nen Bundesstaat und leitete die kleindeutsche Lösung ein – also die Bildung eines deutschen Gesamtstaats ohne Österreich.

Deutsches Kaiserreich (1871–1918)

Das Deutsche Reich als erster deutscher Nationalstaat wurde im Deutsch-Französischen Krieg am 18. Januar 1871 gegrĂŒndet, indem der preußische König Wilhelm I. in Versailles zum ersten Deutschen Kaiser ausgerufen wurde. Hierbei wurden insbesondere die sĂŒddeutschen Staaten eingegliedert.

Otto von Bismarck hatte als preußischer MinisterprĂ€sident die ReichsgrĂŒndung betrieben und wurde erster Reichskanzler. Die Bismarcksche Reichsverfassung stĂŒtzte die Macht der konstitutionellen Monarchie, war aber auch auf Modernisierung ausgelegt und ambivalent; Gesetze zur Schule und Zivilehe waren teils liberal. FĂŒr den Reichstag galt ein allgemeines Wahlrecht (fĂŒr MĂ€nner). Gegen die katholische Kirche fĂŒhrte Bismarck den Kulturkampf, gegen die Sozialdemokratie erließ er ab 1878 die Sozialistengesetze und versuchte, die Arbeiter durch eine Sozialgesetzgebung an den Staat zu binden. Die Hochindustrialisierung in Deutschland sorgte fĂŒr Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum, Landflucht und eine breite Steigerung des Lebensstandards; Deutschland stieg zur grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaft Europas auf.

Die BĂŒndnispolitik Otto von Bismarcks zielte auf die Isolierung Frankreichs mit Deutschland als halbhegemonialer Macht in der Mitte Europas. Nachdem deutsche Kaufleute und Vereine private Kolonialpolitik betrieben hatten, nahm das Reich infolge der Berliner Kongokonferenz 1884 trotz Bismarcks Skepsis am Wettlauf um Afrika teil. Deutsche Kolonien wurden von Bismarck als „Schutzgebiete“ bezeichnet. Im „Dreikaiserjahr“ 1888 kam Wilhelm II. an die Macht, forderte fĂŒr das wirtschaftlich und militĂ€risch aufgestiegene Deutsche Reich die Anerkennung der bisherigen GroßmĂ€chte („Platz an der Sonne“) und bemĂŒhte sich um Kolonienerwerb und Flottenaufbau im Imperialismus. Das herausgeforderte England schloss daraufhin in einem neuen BĂŒndnissystem (Triple Entente) statt Frankreich nun Deutschland aus. Diese Spannungen lösten 1914 den Ersten Weltkrieg aus, einen verlustreichen Mehrfrontenkrieg; mehr als zwei Millionen deutsche Soldaten starben, rund 800.000 Zivilisten verhungerten.

Weimarer Republik (1919–1933)

Mit der Novemberrevolution und der Ausrufung der Republik am 9. November 1918 endete das Deutsche Kaiserreich, das mit seiner Kapitulation die Niederlage im Ersten Weltkrieg einrĂ€umte. Nach der Wahl der verfassunggebenden Nationalversammlung – bei der erstmals Frauen aktiv und passiv wahlberechtigt waren – trat die Weimarer Verfassung am 14. August 1919 in Kraft. Im Friedensvertrag von Versailles wurden erhebliche Gebietsabtretungen, die Alliierte Rheinlandbesetzung und Reparationen auf Grundlage einer festgeschriebenen deutschen Alleinschuld am Krieg bestimmt. Diese Ausgangslage belastete das politische Klima; Rechtsextreme verbreiteten die Dolchstoßlegende gegen die „Novemberverbrecher“, was zu politischen Morden und Putschversuchen fĂŒhrte (Kapp-Putsch 1920 und Hitlerputsch 1923). Auch kommunistische AufstĂ€nde wie der Ruhraufstand 1920, die MĂ€rzkĂ€mpfe in Mitteldeutschland 1921 und der Hamburger Aufstand 1923 sorgten fĂŒr InstabilitĂ€t. Unzureichende Reparationsleistungen nahmen Belgien und Frankreich zum Anlass der Ruhrbesetzung von 1923 bis 1925.

In den kurzen „goldenen Zwanzigern“ blĂŒhte die Kultur und ab 1924 auch die Konjunktur. Berlin war mit ĂŒber vier Millionen Einwohnern die drittgrĂ¶ĂŸte und eine der dynamischsten StĂ€dte der Welt. Die ProsperitĂ€t endete 1929 mit der Weltwirtschaftskrise, auf deren Höhepunkt 1932 es in Deutschland mehr als sechs Millionen Arbeitslose gab, die grĂ¶ĂŸtenteils in Elend lebten. Radikale Parteien fanden starken Zulauf, sodass es fĂŒr die gemĂ€ĂŸigten Parteien zunehmend schwieriger wurde, stabile Regierungen zu bilden. Nach dem Erdrutschsieg der Nationalsozialisten bei der Reichstagswahl 1930 verfĂŒgten die in rascher Folge wechselnden Reichskanzler ĂŒber keine parlamentarische Mehrheit mehr; ihre PrĂ€sidialkabinette waren vom ReichsprĂ€sidenten Paul von Hindenburg und dessen Notverordnungen abhĂ€ngig. Die Deflationspolitik des Reichskanzlers Heinrich BrĂŒning verschĂ€rfte die wirtschaftliche Krise. Dessen Nachfolger Franz von Papen (Juni–November 1932) unterstellte die demokratische Regierung Preußens einem Reichskommissar (Preußenschlag) und ließ Neuwahlen abhalten, bei denen die Nationalsozialisten noch stĂ€rker wurden.

Reichskanzler Kurt von Schleicher versuchte durch eine „Querfront“ von Gewerkschaften und Teilen der Nationalsozialisten eine MachtĂŒbernahme Adolf Hitlers zu verhindern, von Papen aber ĂŒberredete den widerwilligen Hindenburg, Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler zu ernennen. Am 27. Februar kam es zum – bis heute unaufgeklĂ€rten – Reichstagsbrand, den Hitler zur „Reichstagsbrandverordnung“ nutzte, mit der auf unbestimmte Zeit die Grundrechte außer Kraft gesetzt wurden. Die folgenden Massenverhaftungen politischer Gegner, insbesondere von Kommunisten und Sozialdemokraten, prĂ€gten die Reichstagswahl 1933, bei der die NSDAP die absolute Mehrheit knapp verfehlte und mit der reaktionĂ€ren DNVP weiterregierte. Die endgĂŒltige MachtĂŒbernahme erfolgte fĂŒnf Tage spĂ€ter, als der Reichstag mit den Stimmen der bĂŒrgerlichen Parteien, allein gegen die Stimmen der SPD, das ErmĂ€chtigungsgesetz verabschiedete und damit Hitlers Regierung auch die Gesetzgebung ĂŒberließ.

Nationalsozialistische Diktatur (1933–1945)

Die NSDAP errichtete im Deutschen Reich innerhalb kĂŒrzester Zeit einen totalitĂ€ren Einparteienstaat unter FĂŒhrung Adolf Hitlers und der Gleichschaltung der Institutionen. Missliebige Personen und politische Gegner, insbesondere Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, wurden aus allen Behörden entfernt, erste Konzentrationslager wurden errichtet, BĂŒcher verbrannt und missliebige Kunst als „entartet“ diffamiert. NS-Propaganda durchdrang auch das Privatleben; bereits auf Kinder wurde Druck ausgeĂŒbt, den Parteiorganisationen beizutreten. Im Oktober 1933 verkĂŒndete Hitler den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund. Er sicherte seine Herrschaft im Inneren, indem er auch innerparteiliche Gegner und ehemalige WeggefĂ€hrten ermorden ließ, insbesondere wĂ€hrend der Röhm-Morde am 30. Juni 1934, als die SA zugunsten der ihm bedingungslos ergebenen SS entmachtet wurde. Die GeneralitĂ€t der Reichswehr legte auf ihn persönlich den FĂŒhrereid ab. Die Gestapo wurde als politische Polizei zur BekĂ€mpfung der politischen und ideologischen Gegner eingesetzt.

Von Beginn an hatte Hitler zwei Ziele, einen Angriffs- und Vernichtungskrieg zur Schaffung von „Lebensraum im Osten“ und die Verfolgung der Juden, die mit Diskriminierung, DemĂŒtigung und Ausgrenzung begann und als „Endlösung der Judenfrage“ im Holocaust endete. 1934 begann die AufrĂŒstung der Wehrmacht. Eine enthemmt expansive Geldpolitik und Schuldenwirtschaft waren auf baldige KriegsfĂŒhrung ausgerichtet. Mit dem Reinhardt-Programm wurde die Arbeitslosigkeit gesenkt; dies wurde von der Bevölkerung als Einlösung wirtschaftlicher Versprechen begrĂŒĂŸt. Die deutschen Juden wurden immer schlechter gestellt; die NĂŒrnberger Gesetze 1935 bestraften Beziehungen zwischen „Ariern“ und Juden als „Rassenschande“ schwer. Juden verloren alle öffentlichen Ämter, wurden willkĂŒrlich verfolgt, bestohlen und erpresst und schließlich mit einem völligen Berufsverbot belegt, jĂŒdische Vermögen arisiert. Immer hĂ€ufiger wurden auch Juden in Konzentrationslager eingewiesen. Viele fassten den Entschluss zur Emigration, die meisten aber blieben in Deutschland.

Die rassistische NS-Ideologie zur Schaffung einer „gesunden“ „Volksgemeinschaft“ (vgl. Herrenrasse) richtete sich gegen zwei weitere Gruppen, Roma und Slawen als „Untermenschen“. Nicht als „fremdrassig“, aber als die „Gesundheit“ des „Volkskörpers“ bedrohend, drangsalierten und ermordeten sie auch Homosexuelle, Behinderte und „Asoziale“. Zugleich feierte das Regime Propagandaerfolge; 1936 verbesserten die Olympischen Spiele das Ansehen im Ausland, das entmilitarisierte Rheinland wurde besetzt. Die Expansion begann mit dem erzwungenen Anschluss Österreichs im MĂ€rz 1938, woraufhin Deutschland als Großdeutsches Reich bezeichnet wurde. Das MĂŒnchner Abkommen im Oktober 1938 besiegelte die Annexion des Sudetenlandes. Mit der Zerschlagung der Tschecho-Slowakischen Republik im MĂ€rz 1939 brach Hitler sein Versprechen, das Sudetenland sei seine letzte territoriale Forderung. Damit wurde klar, dass die Appeasement-Politik der WestmĂ€chte gegenĂŒber Deutschland ein Fehler gewesen war.

Nachdem das Deutsche Reich am 1. September 1939 den Überfall auf Polen begonnen hatte, erklĂ€rten Großbritannien, Kanada, Australien, Indien, Neuseeland, SĂŒdafrika und Frankreich Deutschland den Krieg. Der Zweite Weltkrieg forderte in sechs Jahren etwa 55 bis 60 Millionen Tote. Deutschland gelangen zunĂ€chst einige als „Blitzkrieg“ bezeichnete militĂ€rische Erfolge. Polen wurde im Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin aufgeteilt, die Wehrmacht warf anschließend ihre Armeen nach Westen, ĂŒberfiel in der „WeserĂŒbung“ DĂ€nemark und Norwegen und im „Westfeldzug“ die neutralen Staaten Luxemburg, Belgien und Niederlande und besetzte 1940 innerhalb von sechs Wochen große Teile Frankreichs. Hitlers PopularitĂ€t erreichte ihren Höhepunkt.

Im Kriegsverlauf verschĂ€rfte das Dritte Reich die Judenverfolgung. Ihre Ausreise wurde verboten und viele starben wegen unzureichender Versorgung und Seuchen bei der Zwangsarbeit. Ab 1941 mussten sie den „Judenstern“ tragen und im gesamten deutschen Machtbereich begann ihre systematische Ermordung. Die mit der AusfĂŒhrung vor allem beauftragte SS errichtete auf ehemals polnischem oder sowjetischem Gebiet Vernichtungslager, in denen die meisten Opfer, in Viehwaggons herangebracht, sofort vergast wurden (siehe Aktion Reinhardt). Allein in den Gaskammern und Krematorien der Konzentrationslager Auschwitz wurden ĂŒber eine Million Menschen ermordet. Insgesamt belĂ€uft sich die Zahl der ermordeten Juden auf 6,3 Millionen.

Mit dem Unternehmen Barbarossa begann am 22. Juni 1941 der (Russlandfeldzug 1941–1945). Das deutsche Heer marschierte auf Moskau vor und wurde in der Schlacht um Moskau im Dezember 1941 gestoppt. Nachdem der KriegsverbĂŒndete Japan (→ AchsenmĂ€chte) im selben Monat die amerikanische Marine im Angriff auf Pearl Harbor ĂŒberfallen hatte, erklĂ€rte Deutschland auch den Vereinigten Staaten den Krieg. Mangelnde Ressourcen und die Übermacht des Gegners ließen bald die Kriegswende eintreten, die sich in der verlorenen Schlacht von Stalingrad mit der völligen Aufreibung der deutschen 6. Armee manifestierte. Je unvermeidlicher die Niederlage wurde, desto hĂ€rter wurde die Politik nach innen gefĂŒhrt. In seiner Sportpalastrede vom 18. Februar 1943 proklamierte Joseph Goebbels den „totalen Krieg“, wĂ€hrend die deutschen Armeen an fast allen Fronten zurĂŒckwichen und zahlreiche deutsche StĂ€dte durch den Bombenkrieg zerstört wurden. Als sowjetische Armeen in der Schlacht um Berlin die Hauptstadt schon eingenommen hatten, nahm sich Hitler am 30. April 1945 im FĂŒhrerbunker das Leben. Die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht folgte am 8. Mai, die letzte Reichsregierung wurde im Sonderbereich MĂŒrwik bei Flensburg am 23. Mai 1945 verhaftet. Überlebende politische, militĂ€rische und wirtschaftliche Hauptverantwortliche wurden wegen ihrer individuellen Verantwortung an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in den NĂŒrnberger Prozessen angeklagt.

Alliierte Besatzung (1945–1949)

Deutschland wurde in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 aufgeteilt; am 5. Juni 1945 legten die vier SiegermĂ€chte – USA, UdSSR, Großbritannien und schließlich auch Frankreich – Besatzungszonen fest und ĂŒbten sodann westlich der Oder-Neiße-Linie die Hoheitsgewalt in ihrer jeweiligen Zone und gemeinsam mittels einer Alliierten Kommandantur ĂŒber Groß-Berlin aus. Die deutschen Ostgebiete, ein Viertel der ReichsflĂ€che, bewohnt von einem FĂŒnftel der Reichsbevölkerung, waren bereits vor Kriegsende nach ihrer Eroberung durch die Rote Armee der Verwaltung der Volksrepublik Polen und im nördlichen Ostpreußen der der Sowjetunion unterstellt worden (Oblast Kaliningrad). Auf Betreiben Stalins billigten die WestmĂ€chte dies im Potsdamer Abkommen wie auch die begonnene Vertreibung der Deutschen aus Mittel- und Osteuropa. Die Republik Österreich wurde in den Grenzen von 1938 wiederhergestellt und ebenfalls in vier Besatzungszonen aufgeteilt. 1946/1947 wurde das Saarland aus dem Besatzungsgebiet ausgegliedert und unter direkte französische Verwaltung gestellt.

Die Vier MĂ€chte bemĂŒhten sich anfangs noch um eine gemeinsame Besatzungspolitik. Einig war man sich ĂŒber eine Demilitarisierung, Entnazifizierung und Zerschlagung der Kartelle; schon bei der Frage, was unter Demokratie zu verstehen sei, zeigten sich Differenzen zwischen der Sowjetunion und den WestmĂ€chten, die sich im beginnenden Kalten Krieg verschĂ€rften. In den drei Westzonen stellten die Westalliierten die fĂŒr den Wiederaufbau bedeutende Montanindustrie unter das Ruhrstatut. Mit der WĂ€hrungsreform im Juni 1948 und der zeitgleichen Aufhebung der Preisbindung und Bewirtschaftung setzte der Wirtschaftsdirektor der Westzonen Ludwig Erhard eine vor allem psychologisch bedeutsame wirtschaftliche ZĂ€sur; mit der wenige Tage spĂ€ter folgenden WĂ€hrungsreform in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands und der Berlin-Blockade durch die UdSSR vertiefte sich die Trennung zwischen Ost und West.

Bundesrepublik Deutschland und DDR (1949–1990)

Die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 in den drei westlichen Besatzungszonen gegrĂŒndet und das Grundgesetz als provisorische Verfassung in Kraft gesetzt, dessen PrĂ€ambel fĂŒr eine Übergangszeit ein Wiedervereinigungsgebot enthielt; Bonn wurde Regierungssitz. In der sowjetischen Besatzungszone wurde am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegrĂŒndet. Beide Teilstaaten sahen sich jeweils in KontinuitĂ€t eines gesamtdeutschen Staates und erkannten den jeweils anderen nicht an. Beide blieben unter Kontrolle der BesatzungsmĂ€chte. Mit der Integration in die entgegengesetzten MilitĂ€rbĂŒndnisse von NATO und Warschauer Vertrag erhielten sie 1955 ihre formale UnabhĂ€ngigkeit (siehe Pariser VertrĂ€ge, SouverĂ€nitĂ€tserklĂ€rung der UdSSR fĂŒr die DDR). Voraussetzung dafĂŒr war, dass im Juli 1951 die drei WestmĂ€chte die formelle Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland beschlossen; die Sowjetunion erklĂ€rte dies erst im Januar 1955, wobei weitere Staaten im östlichen Europa folgten. Den Alliierten verblieben die Verantwortung fĂŒr Deutschland als Ganzes und ihre Rechte in Berlin.

WĂ€hrend in der DDR eine staatlich gelenkte Planwirtschaft aufgebaut wurde, entschied sich die Bundesrepublik fĂŒr die so genannte soziale Marktwirtschaft mit geringem staatlichem Einfluss. Die sowjetische Besatzungsmacht sorgte mit hohen Reparationsforderungen (vor allem Demontagen) fĂŒr schwierige Startbedingungen auf dem Gebiet der DDR, wĂ€hrend in der Bundesrepublik mit auslĂ€ndischer Hilfe (Marshallplan) ein „Wirtschaftswunder“ einsetzte, das zu anhaltend hohen Wachstumsraten, VollbeschĂ€ftigung und Wohlstand fĂŒhrte.

Der Eiserne Vorhang durch Mitteleuropa teilte auch Deutschland; die fortgesetzte Auswanderung besonders Junger und Hochqualifizierter ließ die DDR die innerdeutsche Grenze zunehmend abriegeln, bis sie 1961 unter dem langjĂ€hrigen SED-GeneralsekretĂ€r Walter Ulbricht durch den Bau der Berliner Mauer vollstĂ€ndig geschlossen wurde, was selbst familiĂ€re Kontakte zwischen West- und Ostdeutschland stark erschwerte. Wer die Republikflucht trotzdem versuchte, wurde gewaltsam aufgehalten (siehe Schießbefehl, Grenz- und Mauertote).

Außenpolitisch setzte der langjĂ€hrige Bundeskanzler Konrad Adenauer fĂŒr die teilsouverĂ€ne Bundesrepublik die Westintegration und die Beteiligung am wirtschaftlichen Zusammenschluss Westeuropas durch, der mit der Montanunion 1952 begann. Der ÉlysĂ©e-Vertrag 1963 begrĂŒndete die deutsch-französische Freundschaft als Motor der europĂ€ischen Integration. Die DDR wurde im September 1950 Vollmitglied im östlichen Rat fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW).

Im Innern der DDR wurde durch die Staatspartei SED und durch Massenorganisationen wie die FDJ der Sozialismus verbindlich festgeschrieben; freie Wahlen gab es nicht mehr, der Aufstand vom 17. Juni 1953 wurde niedergeschlagen. Abweichende Meinungen wurden durch Zensur und die umfassende Überwachung der Geheimpolizei Staatssicherheit verfolgt; dagegen bildete sich Protest in einer Dissidenten- und BĂŒrgerrechtlerbewegung, die sich durch die AusbĂŒrgerung Wolf Biermanns 1976 radikalisierte. In der sich durch Westernisierung liberalisierenden Bundesrepublik verstĂ€rkten sich Forderungen nach einem gesellschaftlichen Wandel und nach VergangenheitsbewĂ€ltigung, da die NS-Eliten weitgehend unbehelligt geblieben waren – insbesondere durch die westdeutsche Studentenbewegung der 1960er-Jahre. Gegen die 1966 gebildete Große Koalition mit ihren Notstandsgesetzen entstand eine außerparlamentarische Opposition. Die sozialliberale Koalition unter Willy Brandt baute ab 1969 den Sozialstaat und gesellschaftliche Freiheiten aus; die auf Entspannung mit Osteuropa zielende „Neue Ostpolitik“ brachte Brandt 1971 den Friedensnobelpreis und Kritik von konservativer Seite ein.

Im Jahr 1973 wurden Bundesrepublik und DDR Mitgliedstaaten der UNO. Die Planwirtschaft der DDR hatte neben zunehmenden Versorgungsproblemen (Mangelwirtschaft) mit der demographischen Entwicklung zu kĂ€mpfen, der der von 1971 bis 1989 regierende Erich Honecker durch massive Familienförderung begegnete. Die Frauen- und Familienpolitik der DDR gilt ebenso wie die erreichte soziale Gleichheit und Sicherheit als teilweise erfolgreich. Die 1970er-Jahre waren in der Bundesrepublik durch steigende Verschuldung und Arbeitslosigkeit nach der Ölkrise und dem Terror der linksradikalen Rote Armee Fraktion geprĂ€gt. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) verlor wegen seiner UnterstĂŒtzung des NATO-Doppelbeschlusses – angegriffen von der Friedensbewegung, Teil der entstehenden Neuen Sozialen Bewegungen – den RĂŒckhalt in seiner Partei und wurde 1982 von Helmut Kohl (CDU) abgelöst, der 1989 die Chance zur Wiedervereinigung Deutschlands ergriff.

Die Unzufriedenheit der DDR-Bevölkerung war im stĂ€ndigen, durch das Westfernsehen unterstĂŒtzten Systemvergleich angewachsen. Ende der 1980er Jahre bildete sich mit der Reformpolitik Michail Gorbatschows in der Sowjetunion auch in der DDR eine Protestbewegung, die in der maroden DDR im Herbst 1989 durch eine Ausreisebewegung ĂŒber den löchrig gewordenen Eisernen Vorgang und durch Massendemonstrationen die politische FĂŒhrung unter Druck setzte („Wir sind das Volk“) und zum RĂŒcktritt Honeckers fĂŒhrte. Am 9. November 1989 fĂŒhrte die GewĂ€hrung der Reisefreiheit durch die DDR-FĂŒhrung zu einem Massenansturm und zur Öffnung der GrenzĂŒbertrittsstellen der Berliner Mauer. Kohl lenkte die Entwicklung ab seinem Zehn-Punkte-Programm Ende November in Richtung nationaler Einheit („Wir sind ein Volk“) unter Erhaltung der militĂ€rischen und politischen Westbindung. Bei der ersten freien Volkskammerwahl vom 18. MĂ€rz 1990 gewann das von der Ost-CDU gefĂŒhrte ParteienbĂŒndnis „Allianz fĂŒr Deutschland“, das auf eine schnelle Wiedervereinigung setzte. Diese wurde in den nĂ€chsten Monaten im Einigungsvertrag und mit den Vertretern der Alliierten im Rahmen der „Zwei-plus-Vier-GesprĂ€che“ ausgehandelt.

Wiedervereinigtes Deutschland (seit 1990)

Die deutsche Wiedervereinigung wurde am 3. Oktober 1990 mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland vollzogen; dieser Tag der Deutschen Einheit wurde Nationalfeiertag. Der 1991 in Kraft getretene Zwei-plus-Vier-Vertrag regelte die deutsche Frage abschließend: Die Vier MĂ€chte gaben ihre Hoheitsbefugnisse auf, bis Ende 1994 verließen ihre Truppen das Land, das wiedervereinigte Deutschland erhielt seine volle staatliche SouverĂ€nitĂ€t. Es verpflichtete sich zur AbrĂŒstung auf maximal 370.000 Soldaten. Mit dem am 14. November 1990 in Warschau unterzeichneten deutsch-polnischen Grenzvertrag erkannte Deutschland die Oder-Neiße-Grenze an; das Territorium östlich davon wurde damit völkerrechtlich endgĂŒltig polnisch. Das wurde durch eine Politik der Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn ergĂ€nzt, zuerst 1991 mit Polen, dann 1997 mit Tschechien. Außenpolitisch setzte sich die Regierung unter Bundeskanzler Kohl fĂŒr eine vertiefte Integration mit Bildung der EuropĂ€ischen Union, der anschließenden EU-Osterweiterung und der Euro-EinfĂŒhrung ein.

Der Bundestag machte 1991 Berlin zur Hauptstadt, in die Regierung und Parlament 1999 zogen (siehe ReichstagsgebĂ€ude und Regierungsviertel). Nach kurzem Wiedervereinigungboom waren die 1990er Jahre von wirtschaftlicher Stagnation, Massenarbeitslosigkeit und „Reformstau“ geprĂ€gt. Insbesondere die neuen LĂ€nder entwickelten sich nach der EinfĂŒhrung der Marktwirtschaft nicht so schnell wie erhofft („blĂŒhende Landschaften“). 1991 bis 1993 kam es zu einer Welle von Ausschreitungen gegen Asylbewerber. Erst in den 2000er-Jahren stabilisierten sich die neuen LĂ€nder sozial und wirtschaftlich.

Bei der Bundestagswahl 1998 verlor Kohls schwarz-gelbe Koalition ihre Bundestagsmehrheit, die bisherigen Oppositionsparteien SPD und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen bildeten die erste rot-grĂŒne Koalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder, die tiefgreifende VerĂ€nderungen in der Sozial-, Renten- und Gesundheitspolitik durchsetzte. Ökologie erhielt stĂ€rkeres Gewicht, etwa mit dem Beginn des Atomausstiegs. Zu den gesellschaftspolitischen Liberalisierungen zĂ€hlten das Lebenspartnerschaftsgesetz und ein neues StaatsbĂŒrgerschaftsrecht. Der erste Kampfeinsatz deutscher Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg – 1999 im Kosovokrieg – markierte einen Wendepunkt der Außenpolitik. Nach 9/11 sicherte Schröder den USA die „uneingeschrĂ€nkte SolidaritĂ€t“ zu; Deutschland nahm am Krieg in Afghanistan teil, aber nicht am Irakkrieg, was den „Friedenskanzler“ Schröder populĂ€r machte.

Die zweite Amtszeit Schröders ab 2002 war von der Agenda 2010 und damit verbunden den Arbeitsmarktreformen des Hartz-Konzepts geprĂ€gt. Sozialleistungen fĂŒr Arbeitslose wurden reduziert und an individuelle Fördermaßnahmen gekoppelt, was von Betroffenen als ungerecht empfunden wurde. Dies fĂŒhrte zu deutschlandweiten Protesten und indirekt zu einer vorgezogenen Bundestagswahl 2005, worauf Angela Merkel (CDU) Bundeskanzlerin wurde. Ihre Große Koalition war mit dem Zusammenbruch von Banken wĂ€hrend der Weltfinanzkrise und der folgenden Großen Rezession konfrontiert. Nach deren Überwindung erlebte Deutschland einen andauernden Wirtschaftsboom und einen nachhaltigen RĂŒckgang der Arbeitslosigkeit. Eurokrise (ab 2010) und FlĂŒchtlingskrise in Europa ab 2015 stellen seitdem die wichtigsten Herausforderungen der Politik dar, deren BewĂ€ltigung der Wirtschaftsboom wesentlich erleichtert. Beide Ereignisse fĂŒhrten jedoch auch zu erheblichen gesellschaftlichen ZerwĂŒrfnissen und zu einem Erstarken EU-skeptischer und islamfeindlicher Bewegungen (Pegida, Alternative fĂŒr Deutschland).

Politik

StaatsgrĂŒndung

Die Bundesrepublik Deutschland ist als Staat und Völkerrechtssubjekt nach herrschender Lehre und stĂ€ndiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts identisch mit dem Deutschen Reich und seinem VorlĂ€ufer, dem Norddeutschen Bund, und steht damit seit 1867 in einer staatlichen KontinuitĂ€t (siehe Rechtslage Deutschlands nach 1945). Die historisch verschiedenen Verfassungen geben Auskunft ĂŒber das SelbstverstĂ€ndnis des jeweiligen Staates. Nachdem Deutschland 1945 von den Vier MĂ€chten, den SiegermĂ€chten des Zweiten Weltkriegs, besetzt worden war, wurde das Grundgesetz der in Westdeutschland entstandenen Bundesrepublik am 23. Mai 1949 verkĂŒndet und zum Folgetag in Kraft gesetzt. Es war durch die deutsche Teilung und bis 1955 durch das Besatzungsstatut in seinem Geltungsbereich beschrĂ€nkt. Im östlichen Teil Deutschlands wurde 1949 die DDR als eigener Staat gegrĂŒndet und erhielt eine Verfassung, die 1968 ersetzt und 1974 revidiert wurde. Den provisorischen Charakter verlor das Grundgesetz mit der Wiedervereinigung, indem die DDR seinem Geltungsbereich zum 3. Oktober 1990 beitrat. Mit dem Ende der ViermĂ€chteverantwortung erlangte das vereinte Deutschland volle SouverĂ€nitĂ€t.

Staatsgebiet

Das Staatsgebiet der Bundesrepublik (Bundesgebiet) ergibt sich aus der Gesamtheit der Staatsgebiete ihrer LĂ€nder. Das Hoheitsgebiet wurde zweimal durch Beitritt nach Artikel 23 Satz 2 Grundgesetz alter Fassung erweitert: 1957 um das Saarland, 1990 um das Beitrittsgebiet der DDR sowie Berlins (Ostteil Berlins und West-Staaken).

Nicht zum Staatsgebiet gehört die ausschließliche Wirtschaftszone in Nord- und Ostsee. Der Verlauf der Staatsgrenze ist heute bis auf Teile des Bodensees festgelegt.

Das einzige in Deutschland existierende Kondominium ist das gemeinschaftliche deutsch-luxemburgische Hoheitsgebiet, welches die FlĂŒsse Mosel, Sauer und Our an der Grenze zwischen dem Großherzogtum Luxemburg und der Bundesrepublik Deutschland (mit den LĂ€ndern Rheinland-Pfalz und Saarland) bilden. Es geht zurĂŒck auf die Wiener Kongressakte von 9. Juni 1815, deren Regelungen im Jahr 1984 in einem Grenzvertrag bestĂ€tigt wurden. Das Gebiet ist jeweils das einzige gemeindefreie Gebiet der LĂ€nder Rheinland-Pfalz und Saarland.

Noch immer umstritten ist die Deutsch-NiederlĂ€ndische Grenzfrage im Bereich des Ems-Dollart-Gebiets (→ Ems Dollart Region), weil beide Nachbarstaaten ihre unvereinbaren Rechtsstandpunkte zum Grenzverlauf aufrechterhalten. Innerhalb Deutschlands ist der Verlauf der LĂ€ndergrenzen zwischen Schleswig-Holstein, Niedersachsen und eventuell Hamburg im Bereich der Unterelbe nicht abschließend geklĂ€rt worden. FĂŒr diesen Bereich haben die LĂ€nder durch Verwaltungsabkommen und StaatsvertrĂ€ge Verwaltungs- und GerichtszustĂ€ndigkeiten geregelt, die Gebietshoheit ist damit aber nicht geklĂ€rt. Exklavische Teile des Staatsgebietes sind das baden-wĂŒrttembergische BĂŒsingen am Hochrhein, das von der Schweiz umschlossen wird und zum Schweizer Zollgebiet gehört, sowie einige kleine nordrhein-westfĂ€lische Gebiete, die durch die wenige Meter breite belgische Vennbahn-Trasse vom Hauptgebiet Deutschlands abgetrennt sind.

Politisches System

Das Grundgesetz (GG) ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Staatsoberhaupt ist der BundesprÀsident mit vor allem reprÀsentativen Aufgaben. Er wird von der Bundesversammlung gewÀhlt. Im protokollarischen Rang folgen ihm der PrÀsident des Deutschen Bundestages, der Bundeskanzler, der jeweils amtierende PrÀsident des Bundesrates, der den BundesprÀsidenten vertritt, und der PrÀsident des Bundesverfassungsgerichts. Sitz des Verfassungsorgans Bundesregierung ist die Bundeshauptstadt Berlin (§ 3 Abs. 3 Berlin-Bonn-Gesetz).

Artikel 20 GG legt – durch die Ewigkeitsklausel gesichert – fest, dass Deutschland als demokratischer, sozialer Rechtsstaat und föderativ organisiert sein muss. Regierungssystem ist eine parlamentarische Demokratie. Die Bundesstaatlichkeit ist in zwei Ebenen im politischen System gegliedert: die Bundesebene, die den Gesamtstaat Deutschland nach außen vertritt, und die LĂ€nderebene, die in jedem der 16 BundeslĂ€nder existiert. Jede Ebene besitzt eigene Staatsorgane der Exekutive (ausfĂŒhrende Gewalt), Legislative (gesetzgebende Gewalt) und Judikative (rechtsprechende Gewalt). Die LĂ€nder wiederum bestimmen die Ordnung ihrer StĂ€dte und Gemeinden; beispielsweise sind fĂŒnf LĂ€nder in insgesamt 22 Regierungsbezirke untergliedert. Die LĂ€nder haben sich eigene Verfassungen gegeben; ihnen kommt grundsĂ€tzlich StaatsqualitĂ€t zu, sie sind jedoch beschrĂ€nkte Völkerrechtssubjekte, die nur mit Einwilligung der Bundesregierung eigene VertrĂ€ge mit anderen Staaten eingehen dĂŒrfen (Art. 32 Abs. 3, Art. 24 Abs. 1 GG). Die Bundesrepublik kann als die staatsrechtliche Verbindung ihrer BundeslĂ€nder angesehen werden und erhĂ€lt erst dadurch Staatscharakter, ist also Bundesstaat im eigentlichen Sinne.

Gesetzgebungsorgane des Bundes sind der Deutsche Bundestag, der Bundesrat und im Verteidigungsfall unter weiteren Voraussetzungen der Gemeinsame Ausschuss. Bundesgesetze werden vom Bundestag mit einfacher Mehrheit beschlossen. Sie werden wirksam, wenn der Bundesrat keinen Einspruch eingelegt oder zugestimmt hat (Art. 77 GG). Eine Änderung des Grundgesetzes ist nur mit der Zweidrittelmehrheit der Mitglieder des Bundestages und des Bundesrates möglich (Art. 79 Abs. 2 GG). In den BundeslĂ€ndern entscheiden die Landesparlamente ĂŒber die Gesetze ihres Landes. Obwohl die Abgeordneten nach dem Grundgesetz nicht weisungsgebunden sind (Art. 38 GG), dominieren in der Praxis der Gesetzgebung Vorentscheidungen in den Parteien, die an der politischen Willensbildung mitwirken (Art. 21 GG).

Die ZustĂ€ndigkeit zur Gesetzgebung liegt bei den BundeslĂ€ndern, wenn nicht eine Gesetzgebungsbefugnis des Bundes besteht (Art. 70 bis 72 GG) – nĂ€mlich eine ausschließliche oder in bestimmten FĂ€llen der konkurrierenden Gesetzgebung.

Die Exekutive wird auf Bundesebene durch die Bundesregierung gebildet, die aus dem Bundeskanzler als Regierungschef und den Bundesministern besteht. Alle Bundesministerien haben einen Dienstsitz in Berlin und einen in der Bundesstadt Bonn; einige haben ihren ersten Dienstsitz in Bonn. Auf LĂ€nderebene leiten die MinisterprĂ€sidenten, in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen die PrĂ€sidenten des Senats, in Berlin der Regierende BĂŒrgermeister die Exekutive. Auch die LĂ€nder sind parlamentarische Demokratien und deren Regierungschefs durch die Landtage, BĂŒrgerschaften bzw. das Abgeordnetenhaus von Berlin gewĂ€hlt. Die Verwaltungen des Bundes und der LĂ€nder werden jeweils durch die Fachminister geleitet.

Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des BundesprĂ€sidenten vom Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder gewĂ€hlt (Art. 63 GG), seine Amtszeit endet mit der Wahlperiode des Bundestages (Art. 69 Abs. 2 GG). Vor deren Ablauf kann der Bundeskanzler gegen seinen Willen nur dadurch aus dem Amt scheiden, dass der Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wĂ€hlt (Art. 67 GG, sogenanntes konstruktives Misstrauensvotum). Die Bundesminister werden auf Vorschlag des Bundeskanzlers ernannt (Art. 64 Abs. 1 GG), sie und der Bundeskanzler bilden die Bundesregierung (Art. 62 GG), deren Richtlinienkompetenz der Bundeskanzler innehat (Art. 65 Satz 1 GG). Die FĂŒhrungsaufgabe in der deutschen „Kanzlerdemokratie“ kommt dem Bundeskanzler zu. Der Kanzler nominiert auch den deutschen Kandidaten fĂŒr das Amt eines EU-Kommissars.

Die AusĂŒbung der staatlichen Befugnisse und die AusfĂŒhrung der Bundesgesetze obliegt grundsĂ€tzlich den BundeslĂ€ndern, sofern das Grundgesetz keine abweichende Regelung trifft oder zulĂ€sst (Art. 30, Art. 83 GG).

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt wies im Jahr 2018 Einnahmen durch Steuern, steuerĂ€hnliche Abgaben und GebĂŒhren 1543,56 Milliarden Euro sowie Ausgaben von 1.485,55 Milliarden Euro auf. Dadurch konnte die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2018 Ihre Staatsschulden verringern. Von den Einnahmen waren 776,3 Milliarden Euro Steuereinnahmen von Bund, LĂ€ndern, Gemeinden und der EU. Aufgrund einer steigenden Zahl von sozialversicherungspflichtigen ErwerbstĂ€tigen und steigenden Löhnen steigen wichtige Steuereinnahmen wie die Einkommensteuer und die Umsatzsteuer stetig.

Die Staatsverschuldung Deutschlands betrug im Jahr 2018 entsprechend dem Bericht der Deutschen Bundesbank 2069 Milliarden Euro. Bei einem Bruttoinlandsprodukt von 3386 Milliarden Euro fĂŒr 2018 entsprach die Staatsschuldenquote damit etwa 61 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2005 betrugen die Staatsschulden der Bundesrepublik Deutschland 1541 Milliarden Euro.

Die Bundesrepublik, deren Staatsanleihen Bundesanleihen genannt werden, erhĂ€lt von den drei großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch die bestmögliche BonitĂ€t. Die Nachfrage nach den als sichere Anlage geltenden Wertpapieren hat in den letzten Jahren die Zinsen deutlich gesenkt und teilweise sogar zu Negativzinsen gefĂŒhrt, was einen Hauptgrund fĂŒr Deutschlands HaushaltsĂŒberschuss darstellt.

Neben verschiedenen Verkehrsteuern (zum Beispiel Umsatzsteuer) erzielt der Staat einen Großteil seiner Einnahmen aus Steuern vom Einkommen und Ertrag: Hierzu zĂ€hlen Einkommen-, Körperschaft- sowie Gewerbesteuer. Insofern Produkte oder Dienstleistungen der Umsatzsteuer unterliegen, betrĂ€gt der Steuersatz in Deutschland 19 (allgemeiner Satz) oder 7 Prozent (ermĂ€ĂŸigter Satz, zum Beispiel Lebensmittel). Umgangssprachlich und im EU-Recht wird die Umsatzsteuer auch Mehrwertsteuer genannt. Laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2014 haben Deutsche durch die hohen Steuern und weitere Abgaben wie SozialversicherungsbeitrĂ€ge die weltweit höchste Abgabenlast, noch vor den skandinavischen Sozialstaaten. Laut einer von der UNO veröffentlichten Studie gehört Deutschland zu den LĂ€ndern mit der höchsten Bereitschaft, durch Steuern öffentliche GĂŒter zu finanzieren. Der Bund kann sich teilweise Kredite ĂŒber lange Laufzeiten (bis zu zehn Jahren) zu negativen Zinsen leihen.

Parteienlandschaft

Parteien wirken gemĂ€ĂŸ Art. 21 GG an der politischen Willensbildung des Volkes mit. Das Parteienspektrum wird durch die im Bundestag vertretenen Parteien geprĂ€gt, ihm gehören seit Bestehen die Volksparteien, die SPD und die Unionsparteien (in Fraktionsgemeinschaft CDU und CSU), an. Von den anderen Parteien sind dort nach der Bundestagswahl 2017 außerdem Die Linke und GrĂŒne sowie die AfD und die FDP vertreten; die beiden letztgenannten Parteien waren 2013 an der FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde gescheitert.

Alle genannten Parteien sind in den Fraktionen des EuropĂ€ischen Parlaments vertreten. Nahezu allen einflussreichen Parteien stehen Jugendorganisationen zur Seite, weitere politische Vorfeldorganisationen umfassen etwa SchĂŒlervertreter, StudentenverbĂ€nde, Frauen- und Seniorenorganisationen, Wirtschaftsvereine, Kommunalorganisationen und internationale VerbĂ€nde. Parteinahe Stiftungen bestimmen den politischen Diskurs – rechtlich unabhĂ€ngig von den Parteien – mit.

Europapolitik

Deutschland ist GrĂŒndungsmitglied des Europarates und der EuropĂ€ischen Gemeinschaften, die mittels zunĂ€chst vorwiegend wirtschaftlicher Integration in den 1990er-Jahren zur politischen EuropĂ€ischen Union (EU) zusammenwuchsen. Die Bundesrepublik Deutschland trat 1990 der EuropĂ€ischen WĂ€hrungsunion bei und ist Teil des EuropĂ€ischen Binnenmarktes. Seit 2002 ist der Euro als Zahlungsmittel eingefĂŒhrt und hat in der Bundesrepublik die Deutsche Mark abgelöst. Deutschland ist zudem Teil des Schengenraums und der justiziellen und polizeilichen Zusammenarbeit mithilfe von Europol und Eurojust. Die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU bestimmt die deutsche Außenpolitik mit. Den Rechtsrahmen der deutschen Europapolitik in der EU setzt Artikel 23 des Grundgesetzes.

In Deutschland haben das EuropĂ€ische Patentamt (MĂŒnchen) und mehrere EU-Institutionen ihren Sitz: die EuropĂ€ische Zentralbank in Frankfurt am Main, die EU-Versicherungsaufsichtsbehörde ebenfalls in Frankfurt und die EuropĂ€ische Agentur fĂŒr Flugsicherheit in Köln.

Politische Indizes

Außen- und Sicherheitspolitik

Die Leitlinien deutscher Außenpolitik sind die Westbindung und die europĂ€ische Integration. Sicherheitspolitisch zentral ist die Mitgliedschaft im transatlantischen VerteidigungsbĂŒndnis NATO seit 1955.

WĂ€hrend des Kalten Krieges war der Spielraum westdeutscher Außenpolitik begrenzt. Als eines der wichtigsten Ziele galt die Wiedervereinigung. MilitĂ€reinsĂ€tze im Ausland kamen nicht in Frage. Laut Grundgesetz darf sich die Bundeswehr an Angriffskriegen nicht beteiligen, ihre Aufgabe besteht lediglich in der Landes- und BĂŒndnisverteidigung. Die von der sozialliberalen Koalition ab 1969 initiierte „Neue Ostpolitik“ unter dem Motto Wandel durch AnnĂ€herung, die wichtige VerbĂŒndete zunĂ€chst skeptisch sahen, konnte eigenstĂ€ndige Akzente setzen und wurde von der liberalkonservativen Regierung Helmut Kohls ab 1982 fortgefĂŒhrt. Seit der Wiedervereinigung trĂ€gt Deutschland international grĂ¶ĂŸere Verantwortung; seit 1991 nimmt die Bundeswehr unter Aufsicht des Bundestages und zusammen mit verbĂŒndeten Armeen an friedenserhaltenden und -erzwingenden EinsĂ€tzen außerhalb Deutschlands und des Territoriums der NATO-VerbĂŒndeten teil (Out-Of-Area-EinsĂ€tze). Die Bundesregierung Gerhard Schröders lehnte den Irakkrieg 2003 ab und stellte sich damit gegen den wichtigen VerbĂŒndeten USA.

Traditionell spielt Deutschland zusammen mit Frankreich eine fĂŒhrende Rolle in der EuropĂ€ischen Union. Deutschland treibt die BemĂŒhungen voran, ĂŒber die Wirtschafts- und WĂ€hrungsunion hinaus eine einheitliche, wirkungsvolle europĂ€ische Außen- und Sicherheitspolitik zu schaffen. Weitere außenpolitische Ziele sind die Verwirklichung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz sowie die weltweite Anerkennung des Internationalen Strafgerichtshofs. Besonderes Interesse hat Deutschland an einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts, die es vor allem durch informelle Kontaktmöglichkeiten zwischen den beteiligten Parteien unterstĂŒtzt. Zusammen mit den VerbĂŒndeten Großbritannien und Frankreich bemĂŒht sich die Bundesrepublik, den Iran im Dialog dazu zu bewegen, auf die WeiterfĂŒhrung seines Kernenergieprogramms zu verzichten.

Am 13. Juli 2016 verabschiedete die Bundesregierung das neue Weißbuch zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr als oberstes sicherheitspolitisches Grundlagendokument Deutschlands.

MilitÀr

Nach ihrer GrĂŒndung 1949 durfte die Bundesrepublik Deutschland aufgrund des Besatzungsstatuts zunĂ€chst keine eigenen StreitkrĂ€fte aufstellen. Unter dem Eindruck des Koreakrieges und der Sowjetisierung Osteuropas wurde es der Bundesrepublik im Rahmen der Wiederbewaffnung jedoch gestattet, zunĂ€chst 1951 den paramilitĂ€rischen Bundesgrenzschutz als Grenzpolizei und ab 1955 vollwertige StreitkrĂ€fte aufzustellen, um der NATO beizutreten. Die Aufstellung dieser Bundeswehr als Voraussetzung des Beitritts war somit ein bedeutender Beitrag zur Westbindung und damit zur internationalen Anerkennung der Bundesrepublik, aber innenpolitisch unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs höchst umstritten. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden Teile der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR in diese StreitkrĂ€fte eingegliedert. Von 1956 bis 2011 kam in der Bundesrepublik gemĂ€ĂŸ Art. 12a des Grundgesetzes fĂŒr alle MĂ€nner ab dem vollendeten 18. Lebensjahr eine allgemeine Wehrpflicht zur Anwendung. Die Wehrpflicht wurde 2011 ausgesetzt und durch den freiwilligen Wehrdienst ersetzt. Seit 2001 haben auch Frauen uneingeschrĂ€nkten Zugang zum Dienst in den StreitkrĂ€ften. Ihr Anteil betrĂ€gt 12,4 Prozent der Soldaten (Stand 2020). Rund 3.100 deutsche Soldaten befanden sich Mitte 2019 im Ausland im Einsatz.

Die Bundeswehr gliedert sich in die TeilstreitkrĂ€fte Heer, Luftwaffe und Marine sowie die unterstĂŒtzenden Organisationsbereiche StreitkrĂ€ftebasis, Zentraler SanitĂ€tsdienst und Cyber- und Informationsraum. Nach Ende des Kalten Krieges wurde die GesamtstĂ€rke der Bundeswehr von rund 500.000 bis 2015 schrittweise auf unter 180.000 Soldaten reduziert, nachdem im Zwei-plus-Vier-Vertrag eine maximale FriedensstĂ€rke von 370.000 deutschen Soldaten völkerrechtlich bindend festgelegt worden war. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 war zudem eine umfassende Reform der Bundeswehr verbunden, die in erster Linie die Festsetzung einer maximalen personellen StĂ€rke von 185.000 Soldaten und 55.000 zivilen Mitarbeitern bedeutete. Zudem wurden die StĂŒckzahlen des schweren GerĂ€ts (Kampfpanzer, Artillerie) deutlich reduziert. Hintergrund dieser StrukturĂ€nderungen war die Fokussierung der Bundeswehr auf die Teilnahme an internationalen UN- und NATO-Missionen seit Mitte der 1990er Jahre, fĂŒr die weniger militĂ€risches Personal und vor allem leichteres und rascher verlegbares Material benötigt wurden. Mit der Krimkrise sowie dem bewaffneten Konflikt in der Ostukraine 2014 Ă€nderte sich der Aufgabenschwerpunkt der Bundeswehr zurĂŒck zur Landes- und BĂŒndnisverteidigung im Rahmen von NATO und EU. In diesem Zusammenhang ist ein personeller Aufwuchs auf 203.000 Soldaten und 66.000 zivile Mitarbeiter bis zum Jahr 2025 vorgesehen.

Die Bundeswehr ist als erste Armee eines deutschen Nationalstaates eine Parlamentsarmee, ĂŒber deren EinsĂ€tze ausschließlich der Bundestag auf Vorschlag der Bundesregierung entscheidet. Oberbefehlshaber („Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt“) ist in Friedenszeiten der jeweilige Bundesminister der Verteidigung; im Verteidigungsfall geht diese Funktion auf den Bundeskanzler ĂŒber. Das TraditionsverstĂ€ndnis der Bundeswehr distanziert sich sowohl von der Wehrmacht der NS-Zeit als auch von der NVA. Es bezieht sich auf die Preußische Heeresreform um 1810, die Befreiungskriege gegen Napoleon, den militĂ€rischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus und ihre eigene Geschichte (siehe Traditionserlass). FĂŒr die Soldaten gilt das Leitbild des „BĂŒrgers in Uniform“. Als bedeutendstes militĂ€risches Zeremoniell gilt der Große Zapfenstreich; öffentlichkeitswirksam sind die hĂ€ufig außerhalb militĂ€rischer Anlagen durchgefĂŒhrten Vereidigungen und Gelöbnisse der Soldaten.

Die Bundesrepublik Deutschland gibt im Jahr 2020 45,2 Milliarden Euro fĂŒr die Bundeswehr aus. Damit gehört Deutschland zu den zehn Staaten der Welt mit den höchsten Verteidigungsetats; die deutschen Ausgaben liegen dabei mit einem Anteil von etwa 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts unter dem Durchschnitt der NATO-Mitgliedstaaten (1,6 %). Eine Erhöhung des Etats in einen Bereich von 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2025 ist vorgesehen.

Polizei und Nachrichtendienste

ZustĂ€ndig fĂŒr die innere Sicherheit der Bundesrepublik sind aufgrund des Föderalismus in Deutschland grundsĂ€tzlich die BundeslĂ€nder und damit insbesondere die Landespolizeien und LandeskriminalĂ€mter. Innerhalb der Polizei wird hĂ€ufig weiter unterschieden zwischen Schutzpolizei, Bereitschaftspolizei, Kriminalpolizei, Spezialeinheiten (wie dem Spezialeinsatzkommando (SEK) oder dem Mobilen Einsatzkommando (MEK)) sowie den Ordnungsbehörden. Zur Wahrung der öffentlichen Ordnung werden diese zusĂ€tzlich in einigen Kommunen durch OrdnungsĂ€mter unterstĂŒtzt.

Dennoch existieren auch auf Bundesebene mehrere Organisationen zum Schutz der öffentlichen Sicherheit. Dazu gehört insbesondere die Bundespolizei (ehemals Bundesgrenzschutz), die etwa Aufgaben des Grenzschutzes, der Bahnpolizei und der Terrorabwehr ĂŒbernimmt und dazu auch die Spezialeinheit GSG 9 unterhĂ€lt, sowie das Bundeskriminalamt, das unter anderem besonders schwere Straftaten verfolgt. Beide sind direkt dem Bundesministerium des Innern nachgeordnet. Hinzu kommen die Vollzugsbehörden der Bundeszollverwaltung (etwa der Zollfahndungsdienst, das Zollkriminalamt und die Zentrale UnterstĂŒtzungsgruppe Zoll), die fĂŒr die Durchsetzung von fiskalischen, handels- und arbeitsrechtlichen Regeln zustĂ€ndig sind und dem Bundesministerium der Finanzen unterstehen.

In Deutschland bestehen außerdem drei Nachrichtendienste des Bundes: Der zivile Bundesnachrichtendienst (BND) als Auslandsnachrichtendienst sammelt zivile und militĂ€rische Informationen ĂŒber das Ausland und wertet diese aus. ZustĂ€ndig fĂŒr Aufgaben des Verfassungsschutzes und die Spionageabwehr sind als Inlandsnachrichtendienste das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz (BfV), der MilitĂ€rische Abschirmdienst (MAD) fĂŒr den GeschĂ€ftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) und in den BundeslĂ€ndern je eine Landesbehörde fĂŒr Verfassungsschutz. Polizeiliche Vollzugsbefugnisse haben die Nachrichtendienste in Deutschland aufgrund des Trennungsgebotes nicht.

Polizeigewalt

Deutschland wird von internationalen Organisationen wie Amnesty International fĂŒr den unbotmĂ€ĂŸigen Einsatz polizeilicher Gewalt kritisiert. Auch dem UN-Sonderberichterstatter ĂŒber Folter und andere grausame, unmenschliche oder entwĂŒrdigende Behandlung oder Bestrafung ist die Polizeigewalt in Deutschland durch zahlreiche Hinweise bereits negativ aufgefallen.

Nur wenige Strafanzeigen gegen Polizisten in Deutschland fĂŒhren letztlich zu einer Anklage. Der UN-Menschenrechtsrat rĂ€t Deutschland zur Einrichtung unabhĂ€ngiger Beschwerdestellen gegen Polizeigewalt, die es, anders als in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern, in Deutschland bisher nicht gibt.

KriminalitÀt

Deutschland gehört zu den sichersten LĂ€ndern der Welt. Wie in allen wohlhabenden LĂ€ndern der westlichen Welt gab es von Anfang der 1960er bis Anfang der 1990er Jahre einen Anstieg der KriminalitĂ€t und seither einen RĂŒckgang, vor allem bei GewaltkriminalitĂ€t und Diebstahl.

FĂŒr Vergleiche der Gewaltneigung ĂŒber lange ZeitrĂ€ume und große rĂ€umliche Distanzen hinweg wird die Rate der Tötungsdelikte pro Jahr als Index verwendet. Deutschland kam hierbei im Jahr 2017 auf einen Fall pro 100.000 Einwohner, was dem Durchschnitt in Westeuropa entspricht. Der Durchschnitt in Gesamt-Europa lag bei drei FĂ€llen pro 100.000 Einwohner, der globale Durchschnitt bei 6,1. Ostasiatische Staaten liegen durchschnittlich bei 0,6, Singapur bei nur 0,2 FĂ€llen pro 100.000 Einwohner.

Detaillierte, flĂ€chendeckende Daten werden seit 1953 (bis 1990 nur fĂŒr die AltbundeslĂ€nder) in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst. Einen Höhepunkt der Straftaten insgesamt gab es 1993. Bis 2019 ist die Rate um 21 Prozent gefallen. Die Rate der DiebstĂ€hle sank von 1993 bis 2019 um 57 Prozent. Der Höhepunkt bei angezeigten Gewaltdelikten wurde jedoch nicht in den 1990er-Jahren, sondern 2007 erreicht. Der RĂŒckgang lag hier bis 2019 bei 18 Prozent. Es wird von einer steigenden Anzeigebereitschaft beziehungsweise einer sich verringernden Dunkelziffer ausgegangen, vor allem bei Gewalt gegen Frauen.

Recht

Ursprung

Das deutsche Recht gehört dem kontinentalen Rechtskreis an und hat sich ĂŒber die meiste Zeit seines Bestehens ohne die Ordnung durch einen deutschen Nationalstaat entwickelt. Es beruht daher auf dem historisch ĂŒberlieferten deutschen Recht, das auf germanische Stammesgesetze und mittelalterliche Rechtssammlungen wie den Sachsenspiegel zurĂŒckgeht, und der Rezeption des römischen Rechts ab dem 12. Jahrhundert, das wegen seiner Exaktheit und UniversalitĂ€t als ĂŒberlegen galt. Außer wenigen Rechtssetzungen wie der Constitutio Criminalis Carolina 1532 war das Heilige Römische Reich von Partikularrechten geprĂ€gt. Erst im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde eine Rechtsvereinheitlichung begonnen und im Deutschen Bund 1861 ein Allgemeines Deutsches Handelsgesetzbuch sowie im Kaiserreich unter anderem das Reichsgericht 1877 und die Reichsjustizgesetze 1879 eingefĂŒhrt. 1900 trat das BĂŒrgerliche Gesetzbuch in Kraft.

Diktatur und Nachkriegszeit

Der Nationalsozialismus pervertierte das Recht zum Mittel der Gewaltherrschaft, wofĂŒr die Terrorurteile des Volksgerichtshofs, die NĂŒrnberger Gesetze und zahlreiche weitere Rechtsakte stehen, welche erst durch alliiertes Besatzungsrecht, eine nicht-deutsche Rechtsquelle, wieder aufgehoben wurden. Auch wenn das Besatzungsrecht seinerseits in fĂŒnf Bundesgesetzen wieder aufgehoben wurde und seine Bestimmungen weitestgehend Eingang in deutsches Recht fanden, ist die deutsche Rechtspflege bis zum heutigen Tag um die Wiederherstellung des vom nationalsozialistischen Unrechtsstaat zerschlissenen Rechts bemĂŒht. Beispielsweise ist die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammende strafrechtliche Definition von Mord unter deutschen Rechtspflegern umstritten. Die im Dritten Reich verschĂ€rfte Fassung des § 175 fĂŒhrte auch in der Bundesrepublik zu einer ausgedehnten Verfolgung von HomosexualitĂ€t; er wurde erst 1969 reformiert und 1994 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

In der DDR wurde das Recht durch die Einparteienherrschaft der SED gelenkt; die Gewaltenteilung und UnabhĂ€ngigkeit der Gerichte, die von der Verfassung vorgeschrieben waren, wurden in der Verfassungswirklichkeit umgangen. In der Rechtspflege und der Gesetzgebung bemĂŒhte sich die DDR ĂŒber die Zeit ihrer Existenz, sich von der bĂŒrgerlichen Rechtstradition, die im Kaiserreich begrĂŒndet und in der Bundesrepublik fortgesetzt wurde, zu entfernen und rechtshistorisch eigenstĂ€ndige Rechtsquellen zu schaffen. Anders als die Bundesrepublik lehnte die DDR juristisch sowohl die IdentitĂ€t mit dem, als auch die Rechtsnachfolge des Deutschen Reiches ab. Im Zivilgesetzbuch der DDR, welches 1976 in Kraft trat, standen die „Versorgungsbeziehungen“ der BĂŒrger im Vordergrund. Fragen des Eigentums wurden unter deutlichen Vorzeichen der sozialistischen Planwirtschaft geregelt, eine Definition von Besitz gab es mit der EinfĂŒhrung des Zivilgesetzbuches nicht mehr.

Durch den Beitritt der DDR endete sowohl die Entwicklung als auch der Fortbestand des DDR-Rechts. Außer bei AltfĂ€llen in der Rechtspflege ĂŒbt es auf das deutsche Recht der Gegenwart keinen Einfluss mehr aus.

Die Todesstrafe wurde in Deutschland mit Art. 102 des Grundgesetzes schon bei seiner VerkĂŒndung abgeschafft. In der DDR erfolgte die Abschaffung erst 1987, wenige Jahre vor ihrem Ende.

Gegenwart

Die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als Rechtsstaat (Art. 20, Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG), was bedeutet, dass staatliche TĂ€tigkeit nur durch das Recht begrĂŒndet werden kann und durch das Recht begrenzt wird. Inhalt deutscher Gesetze ist deshalb ĂŒblicherweise zuerst die Grenze ihres Wirkungskreises, bevor Recht begrĂŒndet wird. Beispielsweise werden im § 1 im Strafgesetzbuch alle Taten straffrei gestellt, die zum Zeitpunkt der Tat durch das Gesetz nicht strafbar waren. Wer durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt wird, hat das Recht, bei Gericht um Rechtsschutz hiergegen nachzusuchen (Art. 19 Abs. 4 GG). Die Richter unterliegen bei der Rechtsprechung keinerlei Weisungen und sind von anderen Gewalten staatlicher oder politischer Art unabhĂ€ngig.

Die Rechtsprechung wird im Wesentlichen von Gerichten der BundeslĂ€nder ausgeĂŒbt: In Zivil- und Strafsachen durch die Amtsgerichte, die Landgerichte und die Oberlandesgerichte (ordentliche Gerichtsbarkeit); an Fachgerichtsbarkeit gibt es die Arbeits-, Verwaltungs-, Sozial- und Finanzgerichtsbarkeit. FĂŒr den gewerblichen Rechtsschutz besteht das Bundespatentgericht. Als Rechtsmittelgerichte dienen die obersten Gerichtshöfe des Bundes (Art. 95 GG): Der Bundesgerichtshof als oberstes Zivil- und Strafgericht, das Bundesarbeitsgericht, das Bundesverwaltungsgericht, das Bundessozialgericht und der Bundesfinanzhof. Über verfassungsrechtliche Streitigkeiten urteilen die Verfassungsgerichte der LĂ€nder und das Bundesverfassungsgericht (Art. 93 GG), dessen Entscheidungen Gesetzeskraft entfalten können und so andere Gerichte binden (vgl. § 31 Bundesverfassungsgerichtsgesetz).

Zunehmende Bedeutung haben das Europarecht und die Rechtsprechung des Gerichtshofs der EuropÀischen Union. Infolge langjÀhriger VertrÀge Deutschlands mit der EuropÀischen Union und der darauf beruhenden RechtsaktivitÀten wird deutsches Recht erheblich durch Unionsrecht beeinflusst.

Wirtschaft

Grundlagen

Mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt von etwa 3,8 Billionen US-Dollar im Jahr 2020 ist Deutschland die grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft Europas und viertgrĂ¶ĂŸte der Welt. Gemessen am nominalen BIP pro Kopf steht Deutschland international an 18., in der EuropĂ€ischen Union an 8. Stelle (Stand 2019). Gemessen am Warenwert war das Land 2016 der drittgrĂ¶ĂŸte Importeur und Exporteur der Welt. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zĂ€hlt Deutschland zu den LĂ€ndern mit sehr hoher menschlicher Entwicklung. Im Global Competitiveness Index belegte es 2018 den 3. Platz. Deutschlands WettbewerbsfĂ€higkeit speist sich vor allem aus der hohen Zahl an kleinen und mittleren Unternehmen (Mittelstand), die gerade in spezialisierten Bereichen der Industrie zu den WeltmarktfĂŒhrern gehören.

Die Gesamtwirtschaftsleistung wird zu 2,1 Prozent im primĂ€ren Wirtschaftssektor (Landwirtschaft), 24,4 Prozent im sekundĂ€ren (Industrie) und 73,5 Prozent im tertiĂ€ren (Dienstleistung) erbracht. 2014 verzeichnete Deutschland mit durchschnittlich etwa 42,6 Millionen sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten einen Höchststand. Die Zahl der Erwerbslosen lag im Schnitt 2014 bei 2,898 Millionen. Deutschland wies gemĂ€ĂŸ Eurostat im Juni 2019 mit 3,1 Prozent die zweitniedrigste Arbeitslosenquote in der EuropĂ€ischen Union auf. Ein wichtiger Faktor zur Schaffung neuer ArbeitsplĂ€tze ist das Unternehmer- und GrĂŒndertum, worĂŒber unter anderem der jĂ€hrliche KfW-GrĂŒndungsmonitor Auskunft gibt.

Deutschland verfĂŒgt ĂŒber verschiedenste Rohstoffvorkommen und weist eine lange Bergbautradition auf (unter anderem Kohle, Edelsalze, Industrieminerale und Baustoffe sowie Silber, Eisen und Zinn). Die Industrie ist auf globale Rohstoffimporte angewiesen.

Das Humanpotenzial mit guter Bildung und die Innovationskultur gelten als Voraussetzungen fĂŒr den Erfolg der deutschen Wirtschaft und Wissensgesellschaft. Als weltweit konkurrenzfĂ€higste Branchen der deutschen Industrie gelten die Automobil-, Nutzfahrzeug-, elektrotechnische, Maschinenbau- und Chemieindustrie. Global bedeutend sind auch die Luft- und Raumfahrttechnik, die Finanzbranche mit dem Finanzplatz Frankfurt am Main und die Versicherungswirtschaft, insbesondere die RĂŒckversicherungen. Der Stellenwert der Kultur- und Kreativwirtschaft nimmt zu.

Als Mitglied der EuropĂ€ischen Union gehört Deutschland zum grĂ¶ĂŸten Binnenmarkt der Welt mit zusammen rund 500 Millionen Einwohnern und einem nominalen BIP von 17,6 Billionen US-Dollar 2011. Deutschland ist auch Teil der Eurozone, einer WĂ€hrungsunion mit 19 MitgliedslĂ€ndern und etwa 337 Millionen Einwohnern. Deren Zahlungsmittel ist der Euro, dessen WĂ€hrungspolitik von der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) gesteuert wird und der zweitwichtigste ReservewĂ€hrung der Welt ist sowie gemessen am Bargeldwert die weltgrĂ¶ĂŸte WĂ€hrung im Umlauf.

Die Einkommensungleichheit in Deutschland lag 2005 knapp unter dem OECD-Durchschnitt. 2008 betrug ein mittleres verfĂŒgbares Einkommen 1.252 bei einem Gini-Index von 0,29. Die Vermögensverteilung in Deutschland ist mit einem Gini-Index von 0,78 deutlich stĂ€rker konzentriert als die Verteilung der Einkommen. Laut der Credit Suisse belief sich die Summe der Privatvermögen 2016 auf 12,4 Billionen Dollar. Im Durchschnitt verfĂŒgte jede erwachsene Person in Deutschland 2016 ĂŒber ein Vermögen von 185.175 US-Dollar (Median-Vermögen: 42.833 US-Dollar). Das ist weltweit Platz 27 und weniger als in den meisten NachbarlĂ€ndern Deutschlands – eine Ursache oder Folge (je nach Interpretation) ist ein niedriger Anteil an Immobilieneigentum. 2016 gab es in Deutschland 1.637.000 MillionĂ€re und 2017 insgesamt 114 MilliardĂ€re (in US-Dollar), die weltweit dritthöchste Anzahl.

Außenhandel und Wirtschaftsentwicklung

Die deutsche Volkswirtschaft verzeichnete ĂŒber Jahrzehnte mehr Exporte als jedes andere Land („Exportweltmeister“). Deutschland war in den 2010er Jahren durchgehend das Land mit dem dritthöchsten Wert an Exporten weltweit. Die Exporte erreichten im Jahr 2020 einen Gesamtwert von 1.205 Milliarden Euro, der Warenwert der Importe betrug 1.025 Milliarden Euro – ein Überschuss der Außenhandelsbilanz von 180 Milliarden Euro. Der LeistungsbilanzĂŒberschuss war 2016 der höchste weltweit und lag bei ĂŒber 7 Prozent der Wirtschaftsleistung, was teilweise auf Kritik aus dem In- und Ausland stĂ¶ĂŸt.

Die wichtigsten Handelspartner (Im- und Exporte) im Jahr 2020 waren die Volksrepublik China (213 Milliarden Euro Handelsvolumen), die Niederlande (173 Milliarden Euro), die Vereinigten Staaten (172 Milliarden Euro), Frankreich (147 Milliarden Euro), Polen (123 Milliarden Euro) und Italien (114 Milliarden Euro). Die grĂ¶ĂŸten ExportmĂ€rkte waren die USA, die VR China, Frankreich und die Niederlande. Mehr als die HĂ€lfte seines Außenhandels fĂŒhrte Deutschland mit den Staaten der EuropĂ€ischen Union. Der Wert aller Exporte von GĂŒtern und Dienstleistungen machte 2019 47 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, was unter den grĂ¶ĂŸeren Volkswirtschaften ein hoher Wert ist. Das Land ist deshalb potenziell anfĂ€llig fĂŒr Schwankungen im globalen Handel, auch wenn der Aufschwung der letzten Jahre vor allem konsumgetrieben war.

Deutschland wurde Ende 2008 und 2009 von der internationalen Finanzkrise erfasst, was zu einem RĂŒckgang des Bruttoinlandsprodukts 2009 um 5,6 Prozent fĂŒhrte. Anschließend wuchs die deutsche Volkswirtschaft wieder deutlich um 4,1 und 3,7 Prozent (2010 und 2011) und 2012 und 2013 moderater mit jeweils 0,5 Prozent. 2014 beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum wieder auf 1,9 Prozent und 2015 und 2016 weiter auf 1,7 bzw. 1,9 Prozent. FĂŒr das Jahr 2017 lag das Wachstum bei 2,2 Prozent.

Zwischen 2000 und 2011 lag die jĂ€hrliche durchschnittliche Inflationsrate bei minimal 0,3 Prozent (2009) und bei maximal 2,6 Prozent (2008). Anfang 2015 verzeichnete Deutschland durch den niedrigen Ölpreis erstmals seit 2009 eine leichte Deflation (−0,3 %).

Automobilindustrie

Deutschland ist international fĂŒr die Entwicklung und Produktion von Personenkraftwagen mit Verbrennungsmotor bekannt. Das Automobil wurde 1886 von Carl Benz in Deutschland erfunden, was den Grundstein fĂŒr die Entwicklung der gegenwĂ€rtig drittgrĂ¶ĂŸten Automobilindustrie der Welt legte. Heute sind Konzerne wie Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW ein wichtiger Bestandteil der deutschen Wirtschaft. Mehr als 400 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete die deutsche Autoindustrie 2017 mit ĂŒber 800.000 Mitarbeitern in Deutschland, etwa sieben Prozent des BIP gehen auf sie zurĂŒck.

Informationstechnik und Telekommunikation

Die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) gilt als wesentlicher Standortfaktor. Die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft wird unter dem Projektnamen Industrie 4.0 vorangetrieben. Das umsatzstÀrkste in Deutschland tÀtige Telekommunikationsunternehmen ist die Deutsche Telekom. SAP, die Software AG und DATEV zÀhlen zu den bedeutendsten Softwareherstellern der Welt mit Hauptsitz in Deutschland. Im Hardwarebereich ist vor allem die Entwicklung von Bedeutung, etwa bei Infineon und FTS. Neben angestammten Unternehmen der IKT-Branche gewinnen innovative StartUps und E-Ventures in Deutschland an Bedeutung.

2017 hatten 88 Prozent der Bevölkerung einen Internetzugang; etwa 87 Prozent konnten dabei auf einen Breitbandanschluss zurĂŒckgreifen.

Energie

Deutschland war im Jahr 2010 der viertgrĂ¶ĂŸte Produzent an PrimĂ€renergie in Europa und wurde auf Rang 24 unter den Energieproduzenten der Welt gelistet. 2012 betrug der PrimĂ€renergieverbrauch in Deutschland 13.757 PJ (2005: 14.238 PJ). Daran gemessen ist das Land der zweitgrĂ¶ĂŸte nationale Energieverbraucher in Europa und siebtgrĂ¶ĂŸte in der Welt. Die Stromversorgung wurde im Jahr 2012 von 1059 Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland gewĂ€hrleistet.

Erneuerbare Energien lieferten im Jahr 2016 29,2 Prozent der Bruttostromproduktion, 13,4 Prozent des Endenergiebedarfs im WĂ€rmesektor und 5,1 Prozent der Kraftstoffe. Im Rahmen der Energiewende ist geplant, bis 2050 den Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch auf 80 Prozent zu steigern, den PrimĂ€renergieverbrauch gegenĂŒber 2008 um 50 Prozent zu senken und den Treibhausgasausstoß in Einklang mit den EU-Zielen um 80–95 Prozent gegenĂŒber 1990 zu reduzieren. Insgesamt sollen 2050 mindestens 60 Prozent des Energieverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden.

Tourismus

Deutschland zĂ€hlte 2016 mit ĂŒber 35 Millionen auslĂ€ndischen ÜbernachtungsgĂ€sten im Jahr zu den sieben meistbesuchten LĂ€ndern der Erde.

Etwa 4.000 der 11.116 Gemeinden Deutschlands sind in TourismusverbĂ€nden organisiert, 310 davon sind als HeilbĂ€der, SeebĂ€der und Kurorte anerkannt. Es stehen 6.135 Museen, 366 Theater, 34 Freizeit- und Erlebnisparks, 45.000 TennisplĂ€tze, 648 GolfplĂ€tze, 190.000 km Wanderwegnetz, 40.000 Kilometer Radfernwege sowie Ferien- und Themenstraßen zur VerfĂŒgung.

Von herausragender Bedeutung ist der GeschĂ€fts- und Kongresstourismus; Deutschland ist der international bedeutendste Messestandort mit mehreren Weltleitmessen. Die Internationale Tourismus-Börse Berlin ist die weltweit fĂŒhrende Tourismusmesse. Zudem gibt es in Deutschland die grĂ¶ĂŸte Dichte an Festivals.

Verkehr

Der von der Weltbank erstellte Logistics Performance Index 2018 weist Deutschland als das Land mit der weltweit besten Infrastruktur aus.

Aufgrund der dichten Besiedlung und zentralen Lage in Europa besteht in Deutschland ein sehr hohes Verkehrsaufkommen. Insbesondere fĂŒr den GĂŒterverkehr stellt es ein wichtiges Transitland dar. Durch das Konzept der TranseuropĂ€ischen Netze wird Deutschland als Transferraum zwischen dem ersten europĂ€ischen Kernwirtschaftsraum, der sogenannten Blauen Banane, und dem Kernwirtschaftsraum in Ostmitteleuropa gefördert. Wichtige Projekte in diesen Netzen sind die Eisenbahnachsen Lyon/Genua–Rotterdam/Antwerpen, POS (Paris–Ostfrankreich–SĂŒdwestdeutschland), PBKA (Paris–BrĂŒssel–Köln–Amsterdam), Berlin–Palermo und die Magistrale fĂŒr Europa. Ferner ist Deutschland der westliche Ausgangspunkt einiger PaneuropĂ€ischer Verkehrskorridore.

Der GĂŒterverkehr hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig von der Schiene auf die Straße verlagert. Als Gegenmaßnahme wurde 2005 eine Autobahnmaut fĂŒr Lastkraftwagen eingefĂŒhrt. Dennoch sind die Kohlendioxid-Emissionen des StraßengĂŒterverkehrs in Deutschland von 1995 bis 2017 um 20 Prozent gestiegen. Im Schienenverkehr hat die Deutsche Bahn in den letzten Jahren unrentable Nebenstrecken, GĂŒter- und Rangierbahnhöfe stillgelegt sowie Personenfernverkehrsverbindungen eingestellt. Der Bundesverkehrswegeplan 2030 gilt fĂŒr den Zeitraum von 2016 bis 2030.

Straßenverkehr

Bereits die Römer legten gepflasterte Straßen in Deutschland an, die wieder verfielen. Die ersten Chausseen wurden im 18. Jahrhundert erbaut. Die Erfindung des Automobils gab dem Straßenbau neue Impulse. Die erste Autobahn der Welt, die AVUS, wurde 1921 in Berlin eröffnet. Der Straßenverkehr hat in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts die Eisenbahn als wichtigsten VerkehrstrĂ€ger abgelöst. Deutschland besitzt eines der dichtesten Straßennetze der Welt. Im Jahr 2012 umfasste das Bundesfernstraßennetz 12.845 Kilometer Autobahnen und 40.711 Kilometer Bundesstraßen. Weiterhin umfasste das ĂŒberörtliche Straßennetz 86.597 Kilometer Landesstraßen, 91.520 Kilometer Kreisstraßen und die Gemeindeverbindungsstraßen.

Am 1. Januar 2020 waren in Deutschland 47,7 Millionen Personenkraftwagen zugelassen. Der Fahrzeugbestand aller Kraftfahrzeuge und AnhĂ€nger betrug 65,8 Millionen. Von 1995 bis 2017 sind die absoluten Kohlendioxid-Emissionen des StraßengĂŒterverkehrs in Deutschland um 20 Prozent gestiegen.

Um die Gefahren und Belastungen durch den Straßenverkehr zu verringern, wurden in vielen deutschen StĂ€dten FußgĂ€ngerzonen, verkehrsberuhigte Zonen und Tempo-30-Zonen eingerichtet. Die Anzahl der im Straßenverkehr Getöteten nahm seither kontinuierlich ab; 2015 waren es 3.459 Menschen, 2019 noch 3.046. Der Radverkehr spielt eine zunehmende Rolle, sein Ausbau wird politisch etwa durch den Radverkehrsplan unterstĂŒtzt.

Schienenverkehr

Deutschlands Eisenbahnnetz ist etwa 38.500 Kilometer lang und wird tĂ€glich von bis zu etwa 50.000 Personen- und GĂŒterzĂŒgen befahren. Im Rahmen der Bahnreform wurden die Staatsbahnen Deutsche Bundesbahn (West) und Deutsche Reichsbahn (Ost) zum 1. Januar 1994 in das privatwirtschaftliche Unternehmen Deutsche Bahn AG ĂŒberfĂŒhrt. Es organisiert den Großteil des Eisenbahnverkehrs in Deutschland. Rund 350 weitere Eisenbahnverkehrsunternehmen befahren das deutsche Eisenbahnnetz. WĂ€hrend sich der Staat aus dem operativen Betrieb zurĂŒckgezogen hat, finanziert er den Großteil des Netzunterhalts und -ausbaus sowie (ĂŒber Regionalisierungsmittel) weitgehend den Regionalverkehr.

Regional- (Interregio-Express (IRE), Regionalbahn (RB), Regional-Express (RE) und S-Bahnen (S)) und Fernverkehr (Intercity (IC), Eurocity (EC) und Intercity-Express (ICE)) fahren weitgehend nach Taktfahrplan. FĂŒr FernzĂŒge stehen Schnellfahrstrecken in einer GesamtlĂ€nge von etwa 2000 Kilometer zur VerfĂŒgung.

Nahverkehr

1881 eröffnete Werner von Siemens in Lichterfelde bei Berlin die erste elektrische Straßenbahn der Welt. Dieses Verkehrsmittel dominierte in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts den öffentlichen Nahverkehr der grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem in Westdeutschland viele stillgelegt, andere zu Stadtbahnen mit innerstĂ€dtischen Tunnelstrecken umgebaut. Ersetzt wurden sie durch Omnibus-Verkehr, die auch auf dem Land flĂ€chendeckend vorhanden sind und nahezu jeden Ort erschließen. Allerdings wurden die Busnetze durch den BevölkerungsrĂŒckgang im lĂ€ndlichen Raum ausgedĂŒnnt und hĂ€ufig durch Rufbus-Systeme ersetzt. In den grĂ¶ĂŸten StĂ€dten wurden im 20. Jahrhundert U-Bahnen angelegt und mit S-Bahnen zu einem Schnellbahnnetz fĂŒr Stadt und Umland kombiniert. Die administrative Abwicklung erfolgt ĂŒber ÖPNV-AufgabentrĂ€ger.

Seit den 1980er-Jahren wurden Radwegnetze in den StĂ€dten und auf dem Land angelegt und ausgebaut, sodass heute das Fahrrad wieder eine zunehmende Rolle im Nahverkehr spielt. Im internationalen Vergleich ist der öffentliche Nahverkehr in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten Deutschlands durch hohe EffektivitĂ€t und FlĂ€chendeckung gekennzeichnet.

Luftverkehr

Mit rund 700 FlugplĂ€tzen verfĂŒgt Deutschland ĂŒber eine der grĂ¶ĂŸten Dichten an Start- und Landebahnen weltweit.

Der Flughafen Frankfurt am Main ist nach Passagieren (2016: 60,77 Millionen) der grĂ¶ĂŸte Deutschlands, der viertgrĂ¶ĂŸte Europas und gemessen am Frachtaufkommen (2015: 2,1 Millionen Tonnen) der grĂ¶ĂŸte Flughafen Europas. Die grĂ¶ĂŸte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa betreibt in Frankfurt und auf dem zweitgrĂ¶ĂŸten deutschen Flughafen in MĂŒnchen interkontinentale Drehkreuze. Der Bund und die LĂ€nder Berlin und Brandenburg sind alleinige Gesellschafter der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, die den Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ betreibt.

Einen eigenen Weltraumbahnhof (bzw. Raumhafen) fĂŒr den Verkehr ĂŒber die KĂĄrmĂĄn-Linie (100 km) hinaus bis in den Weltraum besitzt Deutschland nicht. Die Raumfahrt des Deutschen Zentrums fĂŒr Luft- und Raumfahrt nutzt deshalb meist den CSG-Raumhafen in Französisch-Guayana oder das russisch betriebene Kosmodrom Baikonur.

Schiffsverkehr

Aufgrund des hohen Außenhandelsanteils ist Deutschland besonders auf den Seehandel angewiesen. Es verfĂŒgt ĂŒber eine Anzahl moderner Seehafen, wickelt aber auch große Anteile seines Handels nach Übersee ĂŒber die HĂ€fen von NachbarlĂ€ndern, vor allem in den Niederlanden, ab. Die drei umschlagstĂ€rksten SeehĂ€fen in Deutschland sind Hamburg, Wilhelmshaven und die Bremer HĂ€fen. Der JadeWeserPort in Wilhelmshaven ist der einzige Tiefwasserhafen in Deutschland. Die wichtigsten OstseehĂ€fen sind Rostock, LĂŒbeck und Kiel. Rostock-WarnemĂŒnde ist der meistfrequentierte Kreuzfahrthafen Deutschlands.

Die wichtigsten Seeschifffahrtsstraßen sind Unterelbe und Unterweser. Der Nord-Ostsee-Kanal ist die meistbefahrene kĂŒnstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt, vor der deutschen OstseekĂŒste liegt mit der Kadetrinne die meistbefahrene Schiffsroute der Ostsee.

Es gibt ein gut ausgebautes Netz von Wasserstraßen fĂŒr die Binnenschifffahrt. Die wichtigsten schiffbaren FlĂŒsse sind Rhein, Main, Mosel, Weser und Elbe. Bedeutende BinnenkanĂ€le sind der Mittellandkanal, der Dortmund-Ems-Kanal, der Rhein-Herne-Kanal und der Elbe-Seitenkanal. Der Main-Donau-Kanal ĂŒberwindet die europĂ€ische Hauptwasserscheide und ermöglicht so einen direkten Schifffahrtsweg von der Nord- und Ostsee zum Schwarzen Meer. Der Komplex der Duisburg-Ruhrorter HĂ€fen ist der umschlagstĂ€rkste Binnenhafen Deutschlands und gilt als grĂ¶ĂŸter Binnenhafen Europas. Ebenfalls beginnt bzw. endet dort auch die Neue Seidenstraße, ein Infrastrukturprojekt der Volksrepublik China, die an alte Handelsrouten anknĂŒpfen will.

Kultur

Die deutsche Kunst- und Kulturgeschichte, deren Wurzeln bis in die Zeit der Kelten, Germanen und Römer zurĂŒckreichen, hat seit dem Mittelalter stil- und epochenprĂ€gende Persönlichkeiten hervorgebracht. In den verschiedensten Disziplinen wurden deutschsprachige Kulturschaffende Wegbereiter neuer geistiger Strömungen und Entwicklungen. Einige der einflussreichsten deutschen KĂŒnstler zĂ€hlen zu den Protagonisten der westlichen Zivilisation.

Die deutsche Kultur hat sich, da Deutschland lange nicht als Nationalstaat existierte, ĂŒber Jahrhunderte vor allem ĂŒber die gemeinsame Sprache definiert; auch ĂŒber die ReichsgrĂŒndung 1871 hinaus ist Deutschland hĂ€ufig als Kulturnation verstanden worden. Durch die Verbreitung von Massenmedien im 20. Jahrhundert hat die PopulĂ€rkultur in der deutschen Gesellschaft einen hohen Stellenwert erhalten. Die Verbreitung des Internets im 21. Jahrhundert hat zu einer Differenzierung der Kulturlandschaft gefĂŒhrt und die mannigfaltigen Nischenkulturen in ihren AusprĂ€gungen verĂ€ndert.

Der Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur in der Welt dienen die Goethe-Institute. Mit insgesamt 158 Standorten, inklusive VerbindungsbĂŒros, ist das Institut im Jahr 2013 in 93 LĂ€ndern vertreten. Laut einer Umfrage in 22 Staaten fĂŒr die BBC im Jahr 2013 genoss Deutschland international zum sechsten Mal in Folge seit dem Jahr 2008 das höchste Ansehen unter 16 untersuchten LĂ€ndern. Durchschnittlich bewerteten 59 Prozent der Befragten Deutschlands Einfluss und politisches Wirken als positiv, 15 Prozent hatten ein negatives Bild.

FĂŒr spezielle Bereiche der deutschen Kultur siehe

  • Deutschsprachige Literatur
  • Deutsche Philosophie
  • Musik in Deutschland
  • Deutscher Film
  • Fernsehen in Deutschland
  • Architektur in Deutschland
  • Welterbe in Deutschland
  • Museen in Deutschland
  • Feiertage in Deutschland
  • Deutsche KĂŒche
  • Modedesign in Deutschland
  • Deutsche Trachten

FĂŒr bildende Kunst, Spiele und Sport in Deutschland siehe Kultur Deutschlands.

Medien

In Deutschland werden 352 Zeitungen, 27 Wochenzeitungen, 7 Sonntagszeitungen, 2450 Publikums- und 3753 Fachzeitschriften regelmĂ€ĂŸig publiziert. Einen Teil dieser Medien geben die großen Konzerne Axel Springer SE, Bauer Media Group, Bertelsmann, Hubert Burda Media und die Funke Mediengruppe heraus. Es gibt 18 Nachrichtenagenturen, von denen die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) die bedeutendsten sind. Die auflagenstĂ€rksten ĂŒberregionalen Tageszeitungen (Stand 2020) sind die Bild (Aufl. 1,27 Mio.), die SĂŒddeutsche Zeitung (Aufl. 0,3 Mio.), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Aufl. 0,2 Mio.) und das Handelsblatt (Aufl. 0,14 Mio.). Die mit Abstand auflagenstĂ€rkste Wochenzeitung ist Die Zeit (Aufl. 0,55 Mio.). Daneben gibt es politische Magazine wie Der Spiegel und auf populĂ€re Themen ausgerichtete Magazine wie Stern und Focus.

Im Fernsehen gibt es öffentlich-rechtliche Sender wie ARD und ZDF und privat finanzierte Vollprogramme, vor allem RTL, Sat.1, Pro7, RTL Zwei, Kabel eins und VOX. In den letzten Jahren sind viele regionale Sender und Spartenprogramme hinzugekommen.

Der Rundfunk in Deutschland ist dual organisiert und vor allem regional geprĂ€gt. Er teilt sich auf in öffentlich-rechtlichen Hörfunk, der sich durch den Rundfunkbeitrag finanziert, und private Radioanbieter, die ihre Erlöse ĂŒberwiegend aus Werbung erzielen. Ende 2016 waren weit ĂŒber 300 Rundfunkanbieter registriert, davon rund 290 kommerzielle und mehr als 60 öffentlich-rechtliche Programme der ARD, ĂŒberwiegend ĂŒber UKW ausgestrahlt, aber zunehmend auch ĂŒber DAB. Von großer Bedeutung fĂŒr die Entwicklung sind zwei Urteile des Bundesverfassungsgerichts von 1981 und 1986, welche die Organisation und die Rahmenbedingungen festlegten.

Als Onlinemedien werden Spiegel Online (wöchentliche Reichweite: 15 %), t-online (wöchentliche Reichweite: 14 %) und die Nachrichtenportale der ARD (wöchentliche Reichweite: 13 %) am hÀufigsten genutzt. Die aktive und passive Mediennutzung betrÀgt tÀglich rund 9 Stunden (Stand 2018).

Gesellschaft

Laut World Values Survey werden in Deutschland, das sich auf die pluralistische Tradition der AufklĂ€rung stĂŒtzt, sĂ€kular-rationale Werte und persönliche Selbstentfaltung geschĂ€tzt. Die Bevölkerung nennt in den Bereichen Bildung, Work-Life-Balance, BeschĂ€ftigung, Umwelt, Sozialbeziehungen, Wohnen, Sicherheit und subjektives Wohlbefinden Zufriedenheitswerte ĂŒber dem Durchschnitt der entwickelten Industrienationen und liegt nur bei Gesundheit darunter. Insgesamt lag Deutschland 2015 beim OECD Better Life Index mit 7 von 10 Punkten ĂŒber dem OECD-Schnitt (6,5; Griechenland 5,5, Schweiz 7,6).

Im World Happiness Report 2018 der UN belegte Deutschland Platz 15 von 156 LĂ€ndern.

Soziales

Deutschland hat eine lange Tradition des gesetzlich beförderten sozialen Ausgleichs. Laut Gini-Index gilt das Land im internationalen Vergleich als Gesellschaft mit geringer Einkommensungleichheit. Der deutsche Staat bietet seinen Bewohnern umfangreiche rechtliche AnsprĂŒche auf Familienförderung und soziale Absicherung. Die Geschichte der Sozialversicherung begann im Kaiserreich. SpĂ€tere Regierungen haben sie nach und nach erweitert und um zusĂ€tzliche soziale Transferleistungen ergĂ€nzt, wodurch heute ein großer Teil des Staatshaushalts fĂŒr Soziales aufgewendet wird.

FĂŒr Arbeitnehmer besteht eine Pflichtmitgliedschaft in der Sozialversicherung, die aus fĂŒnf SĂ€ulen besteht: Kranken-, Unfall-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Die soziale Grundsicherung wird in erster Linie durch BeitrĂ€ge der Versicherten finanziert, Defizite durch Steuergelder ausgeglichen.

Im Jahr 2010 hatten in Deutschland 830.000 Euro-MillionÀre (1 % der Bevölkerung) ein Gesamtvermögen von 2.191 Milliarden Euro, wÀhrend rund 12,4 Millionen Menschen (15,3 % der Bevölkerung) in relativer Armut lebten oder als armutsgefÀhrdet galten. 2016 waren 19,7 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht (EU: 23,5 %).

Zu den innerstaatlichen Transferleistungen zÀhlt der LÀnderfinanzausgleich, der BundeslÀnder mit hohem Steueraufkommen dazu verpflichtet, einen Teil ihrer Einnahmen an schlechter gestellte LÀnder abzugeben, damit die LebensverhÀltnisse in Deutschland nicht zu weit auseinandergehen. Der auf die Einkommensteuer erhobene SolidaritÀtszuschlag soll teilungsbedingte Lasten in den neuen LÀndern mildern.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll Benachteiligungen aufgrund von Geschlecht, Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen IdentitÀt (etwa HomosexualitÀt) verhindern.

Gesundheit

Das deutsche Gesundheitswesen ist hoch entwickelt, wie die sehr niedrige Rate der SĂ€uglingssterblichkeit von etwa 3,5 Jungen und 3,0 MĂ€dchen bei 1000 Geburten und eine hohe Lebenserwartung deutlich machen, die im Jahr 2016 bei 78,2 Jahren fĂŒr MĂ€nner und bei 83,1 fĂŒr Frauen lag. Dabei hatten 2015 arme MĂ€nner eine Lebenserwartung von 70,1, wohlhabende von 80,9 Jahren (Frauen: 76,9 und 85,3 Jahre). 2015 ergab eine Studie der OECD, Patienten in Deutschland hĂ€tten kurze Wartezeiten, geringen eigenen Finanzaufwand und viel Auswahl. Die Vorbeugung sei hingegen verbesserungswĂŒrdig, was eine hohe Zahl von Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zeige. Die QualitĂ€t zeige sich aber unter anderem dadurch, dass ein Schlaganfall hĂ€ufig ĂŒberlebt werde. Die Zahl an Krankenhausaufenthalten und Operationen liege international in der Spitzengruppe, aber auch die Kosten fĂŒr Medikamente; 2013 machten die Gesundheitsausgaben 11 Prozent des BIP aus (OECD-Schnitt: knapp 9 %).

Das Gesundheitssystem umfasst die Leistungserbringer wie Ärzte, Apotheker, Pflegepersonal, den Staat (Bund, LĂ€nder und Gemeinden), die Kranken-, Unfall-, Pflege- und Rentenversicherungen, die KassenĂ€rztlichen Vereinigungen, die Arbeitgeber- und ArbeitnehmerverbĂ€nde, weitere InteressenverbĂ€nde sowie die Patienten, zum Teil vertreten durch VerbĂ€nde und Selbsthilfeorganisationen. KrankenhĂ€user werden hĂ€ufig in gemeinnĂŒtziger TrĂ€gerschaft gefĂŒhrt, zunehmend jedoch privatisiert. Weitere Versorgungsleistungen werden weitgehend privat von Freiberuflern erbracht (niedergelassene Ärzte und Apotheker und Unternehmen, beispielsweise der pharmazeutischen und medizintechnischen Industrie). Der Staat beteiligt sich als Leistungserbringer nur nachrangig mit GesundheitsĂ€mtern, kommunalen KrankenhĂ€usern und Hochschulkliniken.

Der Großteil der Bevölkerung gehört der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) an, deren BeitrĂ€ge sich hauptsĂ€chlich an der Einkommenshöhe orientieren. Familienmitglieder ohne eigenes Einkommen sind oft beitragsfrei mitversichert. Der Leistungsanspruch ist unabhĂ€ngig von der Beitragshöhe. Etwa 10,8 Prozent der Versicherten waren 2017 privat krankenversichert.

Bildung

Das heutige deutsche Bildungswesen hat seine Wurzeln unter anderem im weltweit einstmals vorbildhaften humboldtschen Bildungsideal und den preußischen Bildungsreformen. Seine Ausgestaltung liegt in der Verantwortung der LĂ€nder („Kulturhoheit“), wird jedoch durch bundesweite Konferenzen der Kultusminister koordiniert, die auch gemeinsame Bildungsstandards setzen. Je nach Bundesland gibt es Vorschulzeiten und es besteht eine neun- bis dreizehnjĂ€hrige Schulpflicht. Der Besuch der allgemeinbildenden Schulen dauert mindestens neun Jahre. Danach können weiterfĂŒhrende Schulen bzw. berufsbildende Schulen besucht werden. Die meisten deutschen BundeslĂ€nder haben ein gegliedertes Schulsystem mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium, es gibt jedoch Tendenzen zu mehr Gesamtschulen und Ganztagsschulen. Die Hochschulreife wird – je nach Bundesland – nach zwölf oder dreizehn Schuljahren erworben.

Praktisch alle jungen Erwachsenen besuchen nach der Schule eine weiterfĂŒhrende Bildungseinrichtung. Auszubildende in Betrieben besuchen in der Regel an ein oder zwei Tagen in der Woche die Berufsschule, was als Erfolgsmodell der dualen Ausbildung weltweit bekannt ist. Die akademische Entsprechung ist das duale Studium. Studierende können zwischen universitĂ€ren und anwendungsorientierten Hochschulen (Fachhochschulen) wĂ€hlen. Die Akademikerquote stieg seit den 1970er-Jahren stetig an.

Auch die berufliche Weiterbildung spielt eine große Rolle. FĂŒr Arbeitslose stellt die Bundesagentur fĂŒr Arbeit Weiterbildungsgutscheine bereit. Vor ihrer beruflichen Ausbildung können Jugendliche außerdem sogenannte Freiwilligendienste, wie ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Freiwilliges Ökologisches Jahr, absolvieren. Weitere populĂ€re ÜbergangsaktivitĂ€ten sind der Freiwillige Wehrdienst und Auslandsaufenthalte, etwa in Form von Work & Travel oder Jugendaustausch.

Bei Schulleistungsuntersuchungen schneidet Deutschland im weltweiten Vergleich hĂ€ufig nur mittelmĂ€ĂŸig oder sogar unterdurchschnittlich ab. In den letzten PISA-Studien konnte Deutschland sich verbessern: Im PISA-Ranking von 2015 erreichten deutsche SchĂŒler Platz 16 von 72 in Mathematik, Platz 15 in Naturwissenschaften und Platz 10 beim LeseverstĂ€ndnis. Die Leistungen deutscher SchĂŒler lagen damit in allen drei Kategorien ĂŒber dem OECD-Durchschnitt. Die OECD kritisiert allerdings in den PISA-Studien die deutsche Bildungspolitik, da insbesondere die Schulerfolge von Kindern mit sozial- oder bildungsschwachem Elternhaus und mit Migrationshintergrund unter dem Durchschnitt lĂ€gen. Entgegen den ReformbemĂŒhungen der letzten Jahrzehnte ist es weiterhin statistisch signifikant unwahrscheinlicher, dass Arbeiterkinder das Abitur (Allgemeine Hochschulreife) oder einen Hochschulabschluss erreichen als Kinder aus den Mittel- oder Oberschichten. Zudem wĂŒrde es an individueller Differenzierung und Förderung sowohl bei leistungsstarken als auch -schwachen SchĂŒlern mangeln. Die Ausgaben fĂŒr Bildung (4,6 % des Bruttoinlandsprodukts) liegen im OECD-Vergleich unter dem Durchschnitt. Die schulische Förderung im Grundschulalter gilt als verbesserungswĂŒrdig, insbesondere was Betreuungsmöglichkeiten und gezielte Förderung schwĂ€cherer SchĂŒler angeht.

Von der erwerbsfÀhigen Bevölkerung galten 2011 etwa 2,3 Millionen (4 %) als vollstÀndige und 7,5 Millionen als funktionale Analphabeten.

Wissenschaft

Deutschland ist ein international bedeutender Technologie- und Wissenschaftsstandort. Seit der industriellen Revolution waren deutschsprachige Forscher bei der GrĂŒndung empirischer Wissenschaften maßgeblich beteiligt. Insbesondere die wirtschaftliche LeistungsfĂ€higkeit verschiedenster Industrien und der Wissenstransfer in die Praxis wurde durch die kreative Arbeit von Ingenieuren vorangetrieben. Rund 8 Prozent aller weltweit gemĂ€ĂŸ PCT angemeldeten Patente im Jahr 2016 kamen aus Deutschland; damit rangierte Deutschland auf Platz 4 hinter den USA, Japan und China.

In Deutschland sind UniversitĂ€ten, Technische UniversitĂ€ten und Fachhochschulen Einrichtungen der Forschung und wissenschaftlichen Lehre. Die (Technischen) UniversitĂ€ten sind zu Promotions- und Habilitationsverfahren berechtigt. Beide Verfahren sollen Bildung nachweisen und wissenschaftliche Erkenntnisse enthalten. Mit der EinfĂŒhrung internationaler Abschlussbezeichnungen im Zuge des Bologna-Prozesses wird im akademischen Bildungsbereich die bisherige Trennung der AbschlĂŒsse zwischen Fachhochschulen und UniversitĂ€ten aufgeweicht. Einzelne Hochschuleinrichtungen bilden ĂŒberhaupt nicht im tertiĂ€ren Bildungsbereich aus, sondern sind zur postgradualen Bildung oder ausschließlich zur Promotion und Habilitation eingerichtet. Die meisten deutschen Hochschulen sind in öffentlicher TrĂ€gerschaft, werden aber in ihrer Forschung ĂŒber Drittmittel finanziert (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Stiftungen, Unternehmen und andere).

Neben den UniversitĂ€ten gibt es eine grĂ¶ĂŸere Anzahl von Forschungsorganisationen, die deutschlandweit und darĂŒber hinaus tĂ€tig sind. Dabei wurde in Deutschland zum einen ein System der Arbeitsteilung der UniversitĂ€ten untereinander und zum anderen eines zwischen den UniversitĂ€ten und den außeruniversitĂ€ren Forschungseinrichtungen geschaffen. Die Max-Planck-Gesellschaft verpflichtet sich der Grundlagenforschung. Sie fĂŒhrt 79 Institute in Deutschland und besitzt ein Jahresbudget von 1,8 Milliarden Euro. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist die grĂ¶ĂŸte wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland und betreibt 15 sogenannte Großforschungszentren, die fĂ€cherĂŒbergreifend an wissenschaftlichen Komplexen arbeiten. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die grĂ¶ĂŸte Organisation der angewandten Forschung. Sie greift in ihren 56 Instituten Ergebnisse der Grundlagenforschung auf und versucht sie wirtschaftlich zu erschließen. Sie stellt der Wirtschaft die Dienstleistung der Auftragsforschung bereit. Weltweite Bekanntheit erlangte sie durch die Entwicklung des MP3-Audioformats. Sie gehört zu den wichtigsten Patentanmeldern und -besitzern in Deutschland. Die Leibniz-Gemeinschaft ist ein Verbund eigenstĂ€ndiger Forschungseinrichtungen, die sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung arbeiten.

An die UniversitĂ€ten und Hochschulen in Deutschland wurde im Jahr 2017 ein fortwĂ€hrend steigendes Budget von ĂŒber 54 Milliarden Euro an Finanzmitteln des Bundes und der LĂ€nder verteilt. Weitere 10 Milliarden Euro erhielten außeruniversitĂ€re Institute wie die Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Akademien der Wissenschaften.

Aus Deutschland stammen zahlreiche Forscher aus allen Bereichen der modernen Wissenschaften. Mehr als 100 NobelpreistrĂ€ger werden dem Land zugeordnet. Albert Einstein und Max Planck begrĂŒndeten mit ihren Theorien wichtige SĂ€ulen der theoretischen Physik, auf denen beispielsweise Werner Heisenberg und Max Born weiter aufbauen konnten. Wilhelm Conrad Röntgen, der erste Physik-NobelpreistrĂ€ger, entdeckte und untersuchte die nach ihm benannte Röntgenstrahlung, die noch heute eine wichtige Rolle unter anderem in der medizinischen Diagnostik und der WerkstoffprĂŒfung spielt. Heinrich Hertz schrieb bedeutende Arbeiten zur elektromagnetischen Strahlung, die fĂŒr die heutige Telekommunikationstechnik maßgeblich sind. Die Entwicklungen von Karl von Drais, Nikolaus Otto, Rudolf Diesel, Gottlieb Daimler und Carl Benz haben das Verkehrswesen revolutioniert, die nach ihren Erfindern benannten Bunsenbrenner und Zeppeline sind weltweit ein Begriff. Die deutsche Raumfahrt leistete entscheidende Pionierarbeit im Bereich der Raumfahrt und der Weltraumforschung und besitzt heute mit dem Deutschen Zentrum fĂŒr Luft- und Raumfahrt (DLR) eine leistungsfĂ€hige Raumfahrtagentur, zudem ist Deutschland das am meisten zur EuropĂ€ischen Weltraumorganisation (ESA) beitragende Mitgliedsland.

Die chemische Forschung wurde unter anderem von Carl Wilhelm Scheele, Otto Hahn und Justus von Liebig mitgeprĂ€gt. Mit ihren erfolgreichen Erfindungen sind Namen wie Johannes Gutenberg, Werner von Siemens, Wernher von Braun, Konrad Zuse und Philipp Reis Bestandteile der technologischen Allgemeinbildung. Auch viele bedeutende Mathematiker wurden in Deutschland geboren, so zum Beispiel Adam Ries, Friedrich Bessel, Richard Dedekind, Carl Friedrich Gauß, David Hilbert, Emmy Noether, Bernhard Riemann, Karl Weierstraß und Johannes MĂŒller (Regiomontanus). Weitere wichtige deutsche Forscher und Wissenschaftler sind der Astronom Johannes Kepler, der ArchĂ€ologe Heinrich Schliemann, die Biologin Christiane NĂŒsslein-Volhard, der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz, der Naturforscher Alexander von Humboldt, der Religionsforscher Max MĂŒller, der Historiker Theodor Mommsen, der Soziologe Max Weber und der Medizinforscher Robert Koch.

Siehe auch

  • BRD
  • Nationale Symbole fĂŒr Deutschland

Literatur

  • Uwe Andersen, Wichard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 7., aktualisierte Auflage, Springer VS, Heidelberg 2013 (Onlineabfrage der Stichwörter ĂŒber die bpb).
  • Eckart Conze: Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik von 1949 bis in die Gegenwart. Siedler, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-88680-919-6.
  • Andreas Fahrmeir (Hrsg.): Deutschland. Globalgeschichte einer Nation. C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, ISBN 978-3-406-75619-1.
  • Margarete Graf: Schnellkurs Deutschland. DuMont, Köln 2007, ISBN 978-3-8321-7760-7.
  • Marcus Höreth: Die komplexe Republik. Kohlhammer, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-17-026333-8.
  • Neil MacGregor: Deutschland. Erinnerungen einer Nation. C.H. Beck, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-406-67920-9.
  • Reinhard Mehring: Die neue Bundesrepublik. Zwischen Nationalisierung und Globalisierung. Kohlhammer, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-17-033941-5.

Weblinks

  • Literatur von und ĂŒber Deutschland im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • verwaltung.bund.de – Portal der Bundesverwaltung mit Informationen zu Verwaltungsleistungen von Bund, LĂ€ndern und Kommunen
  • service.bund.de – Portal der Bundesverwaltung als zentraler Zugang zu elektronischen Ausschreibungen und Stellenangeboten von Bund, LĂ€ndern und Kommunen
  • deutschland.de – crossmediales, mehrsprachiges Deutschland-Portal
  • LĂ€nderprofil  vom Statistischen Bundesamt
  • Deutschland in Karten und Nationalatlas aktuell – Überblick ĂŒber die gesellschaftliche Situation, Leibniz-Institut fĂŒr LĂ€nderkunde (IfL)
  • Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Deutschland
  • Linkkatalog zum Thema Deutschland bei curlie.org (ehemals DMOZ)
  • CIA World Factbook: Deutschland (englisch) – Dossier ĂŒber Deutschland
  • Handbuch Tatsachen ĂŒber Deutschland – aktuelle Informationen ĂŒber Deutschland
  • Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – Thema beim Informationsportal zur politischen Bildung
  • Gesellschaft und Zeitgeschehen – Artikelsammlung zur Gesellschaft in Deutschland beim Goethe-Institut

Anmerkungen



Quelle: Wikipedia

 

Region Regionen (16)

Bezeichnung der Regionen: Bundesland
Abk Name Lat N Lat S Lng W Lng E B O
BW Baden-WĂŒrttemberg 49.7912941 47.5324787 7.5117461 10.4955731 Baden-WĂŒrttemberg  
BY Bayern 50.5647142 47.2701114 8.9763497 13.8396373 Bayern  
B Berlin 52.6755087 52.3382448 13.088345 13.7611609 Berlin  
BB Brandenburg 53.5590907 51.359064 11.2662278 14.7658159 Brandenburg  
HB Bremen 53.6101863 53.0110367 8.4815929 8.9907318 Bremen  
HH Hamburg 54.02765 53.3951118 8.1044993 10.3252805 Hamburg  
HE Hessen 51.657817 49.3952611 7.7724063 10.2364142 Hessen  
MV Mecklenburg-Vorpommern 54.8849662 53.1102439 10.5938299 14.4122208 Mecklenburg-Vorpommern  
NI Niedersachsen 54.1387271 51.2950751 6.3459138 11.598118 Niedersachsen  
NW Nordrhein-Westfalen 52.5314923 50.3226897 5.8663153 9.4617417 Nordrhein-Westfalen  
RP Rheinland-Pfalz 50.9423256 48.9664472 6.1122494 8.5083135 Rheinland-Pfalz  
SL Saarland 49.639427 49.1119512 6.3557911 7.4048307 Saarland  
SN Sachsen 51.6851316 50.1713271 11.872254 15.0418087 Sachsen  
ST Sachsen-Anhalt 53.0416917 50.9378508 10.5607381 13.1868819 Sachsen-Anhalt  
SH Schleswig-Holstein 55.099161 53.3598106 7.5211615 11.672386 Schleswig-Holstein  
TH ThĂŒringen 51.6492842 50.2043467 9.8767193 12.6539178 ThĂŒringen  
 

Die höchsten Gipfel Die höchsten Gipfel

Die höchsten Hütten Die höchsten Hütten

Touren in diesem Staat Touren in diesem Staat

Bücher und Karten Bücher und Karten

Flagge: Germany

Name englisch: Germany
Hauptstadt: Berlin
Kfz: D
ISO: DE
ISO3: GER
Fläche: 357021 km²
Tld: .de
Wärung Einheit: EUR
Währung: Euro
Vorwahl: 49

Ausdehnung / Grenzen (nach WGS 84 dezimal):
nördlichster Punkt: 55.0815
südlichster Punkt: 47.270127
westlichster Punkt: 5.866258
östlichster Punkt: 15.041832


 
Deutschland: Große Karte mit den Grenzen und allen POIs
Deutschland. Schaue dir die Lage und viele weitere Informationen an. Höchste Gipfel und höchste Hütten.

Twitter twitter.com/deinebergede Instagram instagram.com/deineberge.de Facebook facebook.com/DeineBerge Frage Kontakt Fragen, Fehler, Lob, Kritik?
Schreib uns eine Nachricht.