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In seinem allgemeinsten Sinne bezieht sich der Begriff „Welt“ auf die Gesamtheit der EntitĂ€ten, auf die RealitĂ€t im Ganzen oder auf alles, was war, ist und sein wird. Die Natur der Welt wird in verschiedenen Bereichen unterschiedlich konzeptualisiert. Manche Auffassungen sehen die Welt als einzigartig an, wĂ€hrend andere von einer „Vielfalt der Welten“ sprechen. Einige betrachten die Welt als ein einfaches Objekt, wĂ€hrend andere die Welt als einen aus vielen Teilen bestehenden Komplex analysieren. In der wissenschaftlichen Kosmologie wird die Welt oder das Universum allgemein definiert als „die Gesamtheit von Raum und Zeit; alles, was ist, war und sein wird“. Theorien der ModalitĂ€t hingegen sprechen von möglichen Welten als vollstĂ€ndige und konsistente Weisen, wie die Dinge hĂ€tten sein können. Die PhĂ€nomenologie, die vom Horizont der mitgegebenen Objekte ausgeht, welche in der Peripherie jeder Erfahrung vorhanden sind, definiert die Welt als den grĂ¶ĂŸten Horizont oder den „Horizont aller Horizonte“. In der Philosophie des Geistes wird die Welt ĂŒblicherweise dem Geist gegenĂŒbergestellt als das, was durch den Geist reprĂ€sentiert wird. Die Theologie konzeptualisiert die Welt in Bezug auf Gott, zum Beispiel als Gottes Schöpfung, als identisch mit Gott oder bezĂŒglich der wechselseitigen AbhĂ€ngigkeit der beiden. In den Religionen besteht oft die Tendenz, die materielle oder sinnliche Welt zugunsten einer spirituellen Welt herabzuwerten, welche durch religiöse Praxis angestrebt werden soll. Eine umfassende Darstellung der Welt und unseres Platzes in ihr, wie sie in den Religionen hĂ€ufig anzutreffen ist, wird als Weltanschauung bezeichnet. Die Kosmogonie ist das Gebiet, das sich mit dem Ursprung oder der Schöpfung der Welt befasst, wĂ€hrend sich die Eschatologie auf die Wissenschaft oder Lehre von den letzten Dingen oder vom Ende der Welt bezieht.

In verschiedenen Kontexten nimmt der Begriff „Welt“ eine engere Bedeutung an, die beispielsweise im Zusammenhang steht mit der Erde und allem Leben auf ihr, mit der Menschheit als Ganzes oder mit einem internationalen oder interkontinentalen Rahmen. In diesem Sinne bezieht sich der Begriff „Weltgeschichte“ auf die Geschichte der Menschheit als Ganzes, wĂ€hrend „Weltpolitik“ die Disziplin der Politikwissenschaft ist, die sich mit Fragen beschĂ€ftigt, die ĂŒber Nationen und Kontinente hinausgehen. Weitere Beispiele sind Begriffe wie „Weltreligion“, „Weltsprache“, „Weltregierung“, „Weltkrieg“, „Weltbevölkerung“, „Weltwirtschaft“ oder „Weltmeisterschaft“.

Definitionsschwierigkeiten und Begriffsgeschichte

Die EinschĂ€tzung, was zu diesem Begriff im Einzelnen genau gehört, ist abhĂ€ngig von subjektiven und kulturellen Vorstellungen. Deshalb bestehen je nach individuellem Wissensumfang und besonders dem jeweiligen Kulturareal unterschiedliche Ansichten darĂŒber, was unter Welt genau zu verstehen sei. Im Laufe der Zeit haben sich sehr viele verschiedene Verwendungen des Begriffs herausgebildet.

So ist zum Beispiel im Gegensatz zum vergleichsweise exakt definierbaren Begriff der Erde im Sinne des rĂ€umlich klar definierten Planeten der Begriff Welt meist weiter gefasst und umfasst in seiner weitesten Auslegung die Gesamtheit des physikalischen Universums bzw. des Weltalls sowie alles Seiende, das sich innerhalb dieses Universums als existierend wahrnehmen oder annehmen lĂ€sst. FĂŒr die Griechen der Antike hingegen war die Welt ein Kosmos, also im Gegensatz zum Chaos ein wohlgeordnetes harmonisches Ganzes. Der Begriff Welt muss daher fĂŒr eine genaue Definition immer im Kontext kultureller, religiöser, wissenschaftlicher und philosophischer Anschauungen behandelt werden.

Geschichtlich wurde der Begriff – insbesondere vor den astronomischen und geografischen Entdeckungen der Neuzeit – meist als der jeweils bekannte Teil der ErdoberflĂ€che, des Himmels, der Natur und teilweise auch der Götter verstanden. Dieses VerstĂ€ndnis Ă€nderte sich in der Neuzeit, in deren Zuge stĂ€rker zwischen der Erde als einzelnem Planeten und der Welt als ganzem Universum unterschieden wurde. Andererseits meint man auch heute noch, wenn man von Weltgeschichte spricht, in erster Linie die Geschichte der menschlichen Gesellschaft, obgleich in der Formulierung Weltgeschichte, etwa in der Fassung des Weltgeists bei Hegel, eine universelle Dimension des philosophisch Absoluten mitschwingt.

Welt (althochdeutsch weralt, mittelhochdeutsch werlt) ist ursprĂŒnglich ein rein singulares Wort, das erst seit Ende des 16. Jahrhunderts sprachĂŒbergreifend auch im Plural Welten verwendet wird. Dabei hielt sich fĂŒr das Weltall der Singular, fĂŒr die Weltkugel hingegen ist die Pluralbildung möglich.

Konzeptionen

Verschiedene Bereiche arbeiten oft mit ganz unterschiedlichen Konzeptionen der wesentlichen Merkmale, die mit dem Begriff „Welt“ verbunden sind. Einige Konzeptionen sehen die Welt als einzigartig an: Es kann nicht mehr als eine Welt geben. Andere sprechen von einer „Vielfalt der Welten“. Einige sehen Welten als komplexe Gebilde, die aus vielen Substanzen als ihren Teilen bestehen, wĂ€hrend andere behaupten, dass Welten in dem Sinne einfach sind, dass es nur eine Substanz gibt: die Welt als Ganzes. Einige charakterisieren Welten in Bezug auf die objektive Raumzeit, wĂ€hrend andere sie in Bezug auf den Horizont definieren, der in jeder Erfahrung vorhanden ist. Diese unterschiedlichen Charakterisierungen schließen sich nicht immer aus: Es kann möglich sein, einige zu kombinieren, ohne dass dies zu einem Widerspruch fĂŒhrt. Die meisten von ihnen stimmen darin ĂŒberein, dass Welten einheitliche TotalitĂ€ten sind.

Monismus und Pluralismus

Der Monismus ist eine These ĂŒber die Einheit: dass nur eine Sache in einem bestimmten Sinn existiert. Die Verneinung des Monismus ist der Pluralismus, die These, dass es in gewissem Sinne mehr als eine Sache gibt. Es gibt viele Formen von Monismus und Pluralismus, aber in Bezug auf die Welt als Ganzes sind zwei von besonderem Interesse: der Existenzmonismus/-pluralismus und der PrioritĂ€tsmonismus/-pluralismus. Der Existenzmonismus besagt, dass die Welt das einzige konkrete Objekt ist, das es gibt. Das bedeutet, dass alle konkreten „Objekte“, denen wir in unserem tĂ€glichen Leben begegnen, einschließlich Äpfeln, Autos und uns selbst, nicht wirklich Objekte im engeren Sinne sind. Stattdessen sind sie nur abhĂ€ngige Aspekte des Weltobjekts. Ein solches Weltobjekt ist einfach in dem Sinne, dass es keine echten Teile hat. Aus diesem Grund wurde es auch als „Blobjekt“ bezeichnet, da es wie ein Blob (englisch fĂŒr Tropfen) keine innere Struktur hat. Der PrioritĂ€tsmonismus lĂ€sst zu, dass es neben der Welt noch andere konkrete Objekte gibt. Aber er behauptet, dass diese Objekte nicht die grundlegendste Form der Existenz haben, dass sie also irgendwie von der Existenz der Welt abhĂ€ngen. Die entsprechenden Formen des Pluralismus hingegen besagen, dass die Welt komplex in dem Sinn ist, dass sie aus konkreten, unabhĂ€ngigen Objekten besteht.

Wissenschaftliche Kosmologie

Die wissenschaftliche Kosmologie kann als die Wissenschaft vom Universum als Ganzem definiert werden. Darin werden die Begriffe „Universum“ und „Kosmos“ meist als Synonyme fĂŒr den Begriff „Welt“ verwendet. Eine gĂ€ngige Definition der Welt oder des Universums in diesem Bereich lautet: „die Gesamtheit von Raum und Zeit; alles, was ist, war und sein wird“. Einige Definitionen betonen, dass das Universum neben der Raumzeit noch zwei weitere Aspekte hat: Formen von Energie oder Materie, wie Sterne und Teilchen, und Naturgesetze. Unterschiedliche Weltkonzeptionen in diesem Gebiet unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihres Begriffs der Raumzeit zum einen und der Inhalte der Raumzeit zum anderen. Die RelativitĂ€tstheorie spielt eine zentrale Rolle in der modernen Kosmologie und ihrer Auffassung von Raum und Zeit. Ein wichtiger Unterschied zu ihren VorgĂ€ngern besteht darin, dass sie Raum und Zeit nicht als verschiedene Dimensionen auffasst, sondern als eine einzige vierdimensionale Mannigfaltigkeit, die Raumzeit genannt wird. Dies zeigt sich in der speziellen RelativitĂ€tstheorie in Bezug auf die Minkowski-Metrik, die in ihrer Definition der Entfernung sowohl rĂ€umliche als auch zeitliche Komponenten einbezieht. Die allgemeine RelativitĂ€tstheorie geht noch einen Schritt weiter, indem sie den Begriff der Masse in den Begriff der Raumzeit als deren KrĂŒmmung integriert. Die Quantenkosmologie hingegen verwendet einen klassischen Begriff der Raumzeit und begreift die ganze Welt als eine einzige große Wellenfunktion, die die Wahrscheinlichkeit ausdrĂŒckt, Teilchen an einem bestimmten Ort zu finden.

Theorien der ModalitÀt

Der Weltbegriff spielt in vielen modernen Theorien der ModalitĂ€t eine wichtige Rolle, meist in Form von möglichen Welten. Eine mögliche Welt ist eine vollstĂ€ndige und konsistente Weise, wie die Dinge hĂ€tten sein können. Die wirkliche Welt ist eine mögliche Welt, da die Weise, wie die Dinge sind, eine Weise ist, wie die Dinge hĂ€tten sein können. Aber es gibt noch viele andere Weisen, wie die Dinge hĂ€tten sein können, neben der Weise wie sie wirklich sind. Hillary Clinton hat beispielsweise die US-Wahlen 2016 nicht gewonnen, aber sie hĂ€tte sie gewinnen können. Es gibt also eine mögliche Welt, in der sie gewonnen hat. Es gibt eine große Anzahl möglicher Welten, eine, die jedem solchen Unterschied entspricht, egal wie klein oder groß, solange auf diese Weise keine WidersprĂŒche eingefĂŒhrt werden.

Mögliche Welten werden oft als abstrakte Objekte aufgefasst, beispielsweise in Bezug auf nicht bestehende Sachverhalte oder als maximal konsistente Mengen von Propositionen. Aus einer solchen Sichtweise können sie sogar als Teil der wirklichen Welt angesehen werden. Eine andere, durch David Kellogg Lewis berĂŒhmt gewordene Weise, sich mögliche Welten vorzustellen, ist als konkrete EntitĂ€ten. Bei dieser Konzeption gibt es keinen wichtigen Unterschied zwischen der wirklichen Welt und möglichen Welten: Beide werden als konkret, inklusiv und raumzeitlich verbunden aufgefasst. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die wirkliche Welt die Welt ist, in der wir leben, wĂ€hrend andere mögliche Welten nicht von uns, sondern von unseren GegenstĂŒcken (counterparts) bewohnt werden. Alles innerhalb einer Welt ist raumzeitlich mit allem anderen verbunden, aber die verschiedenen Welten haben keine gemeinsame Raumzeit: Sie sind raumzeitlich voneinander isoliert. Das ist es, was sie zu getrennten Welten macht.

Es wurde vorgeschlagen, dass es neben möglichen Welten auch unmögliche Welten gibt. Mögliche Welten sind Weisen, wie die Dinge hÀtten sein können, also sind unmögliche Welten Weisen, wie die Dinge nicht hÀtten sein können. Solche Welten beinhalten einen Widerspruch, wie eine Welt, in der Hillary Clinton die US-Wahl 2016 sowohl gewonnen als auch verloren hat. Sowohl mögliche als auch unmögliche Welten haben die Idee gemeinsam, dass sie TotalitÀten ihrer Bestandteile sind.

PhÀnomenologie

In der PhĂ€nomenologie werden Welten in Bezug auf Erfahrungshorizonte definiert. Wenn wir ein Objekt, wie etwa ein Haus, wahrnehmen, erleben wir nicht nur dieses Objekt im Zentrum unserer Aufmerksamkeit, sondern auch verschiedene andere Objekte, die es umgeben, die in der Peripherie liegen. Der Begriff „Horizont“ bezieht sich auf diese mitgegebenen Objekte, die meist nur auf eine vage, unbestimmte Weise erlebt werden. Die Wahrnehmung eines Hauses beinhaltet verschiedene Horizonte, die der Nachbarschaft, der Stadt, dem Land, der Erde usw. entsprechen. In diesem Zusammenhang ist die Welt der grĂ¶ĂŸte Horizont oder der „Horizont aller Horizonte“. Unter PhĂ€nomenologen ist es ĂŒblich, die Welt nicht nur als eine raumzeitliche Ansammlung von Objekten zu verstehen, sondern zusĂ€tzlich verschiedene andere Relationen zwischen diesen Objekten einzubeziehen. Zu diesen Relationen gehören zum Beispiel Anzeichenbeziehungen, die uns helfen, ein Objekt angesichts der Erscheinungen eines anderen Objekts zu antizipieren, und Mittel-Zweck-Beziehungen oder funktionale Verwicklungen, die fĂŒr praktische Belange relevant sind.

Philosophie des Geistes

In der Philosophie des Geistes wird der Begriff „Welt“ ĂŒblicherweise im Gegensatz zum Begriff „Geist“ als dasjenige verwendet, was durch den Geist reprĂ€sentiert wird. Dies wird manchmal dadurch ausgedrĂŒckt, dass es eine Kluft zwischen Geist und Welt gibt und dass diese Kluft ĂŒberwunden werden muss, damit die ReprĂ€sentation erfolgreich ist. Eines der zentralen Probleme der Philosophie des Geistes besteht darin, zu erklĂ€ren, wie der Geist diese Kluft ĂŒberbrĂŒcken und echte Geist-Welt-Beziehungen eingehen kann, beispielsweise in Form von Wahrnehmung, Wissen oder Handeln. Dies ist notwendig, damit die Welt die TĂ€tigkeit des Geistes rational einschrĂ€nken kann. Nach einer realistischen Position ist die Welt etwas, das vom Geist getrennt und unabhĂ€ngig ist. Idealisten hingegen begreifen die Welt als teilweise oder vollstĂ€ndig vom Geist bestimmt. Der transzendentale Idealismus von Immanuel Kant beispielsweise geht davon aus, dass die raumzeitliche Struktur der Welt durch den Geist der RealitĂ€t aufgezwungen wird, dass sie aber ansonsten keine eigenstĂ€ndige Existenz hat. Eine radikalere idealistische Weltauffassung findet sich in Berkeleys subjektivem Idealismus, der besagt, dass die Welt als Ganzes, einschließlich aller AlltagsgegenstĂ€nde wie Tischen, Katzen, BĂ€umen und uns selbst, „aus nichts anderem als aus Geist und Ideen besteht“.

Theologie

Verschiedene theologische Positionen vertreten unterschiedliche Auffassungen von der Welt, basierend auf ihrer Beziehung zu Gott. Der klassische Theismus besagt, dass Gott völlig verschieden von der Welt ist. Die Welt hĂ€ngt jedoch in ihrer Existenz von Gott ab, sowohl weil Gott die Welt erschaffen hat, als auch weil Er sie erhĂ€lt oder bewahrt. Dies wird manchmal in Analogie dazu verstanden, wie Menschen durch ihre Vorstellungskraft Ideen erschaffen und bewahren, mit dem Unterschied, dass der göttliche Geist weitaus mĂ€chtiger ist. In einer solchen Sichtweise hat Gott absolute, letztendliche RealitĂ€t im Gegensatz zu dem niedrigeren ontologischen Status, der der Welt zugeschrieben wird. Das Wirken Gottes in der Welt wird oft im Sinne eines persönlichen, wohlwollenden Gottes verstanden, der sich um seine Schöpfung kĂŒmmert und sie leitet. Deisten stimmen mit Theisten darin ĂŒberein, dass Gott die Welt erschaffen hat, bestreiten aber jede nachfolgende, persönliche Beteiligung an ihr. Pantheisten hingegen lehnen die Trennung zwischen Gott und Welt ab. Sie behaupten stattdessen, dass die beiden identisch sind. Das bedeutet, dass es in der Welt nichts gibt, was nicht zu Gott gehört, und dass es an Gott nichts gibt, was ĂŒber das hinausgeht, was in der Welt zu finden ist. Der Panentheismus stellt einen Mittelweg zwischen Theismus und Pantheismus dar. Im Gegensatz zum Theismus vertritt er die Auffassung, dass Gott und die Welt miteinander verbunden sind und voneinander abhĂ€ngig sind. Im Gegensatz zum Pantheismus ist er der Ansicht, dass zwischen den beiden keine vollstĂ€ndige IdentitĂ€t besteht. Atheisten hingegen leugnen die Existenz Gottes und damit auch Konzeptionen der Welt, die auf ihrer Beziehung zu Gott beruhen.

Geschichte der Philosophie

Platon

Platon ist bekannt fĂŒr seine Ideenlehre, die von der Existenz zweier verschiedener Welten ausgeht: der sinnlichen Welt und der intelligiblen Welt. Die sinnliche Welt ist die Welt, in der wir leben und die von sich verĂ€ndernden physischen Dingen erfĂŒllt ist, welche wir sehen und berĂŒhren können und mit denen wir interagieren können. Die intelligible Welt hingegen ist die Welt der unsichtbaren, ewigen, unverĂ€nderlichen Ideen wie Gutheit, Schönheit, Einheit und Gleichheit. Platon schreibt der sinnlichen Welt, die die Welt der Ideen nur nachahmt, einen niedrigeren ontologischen Status zu. Dies liegt daran, dass physische Dinge nur insoweit existieren, als sie an den Ideen teilnehmen, die sie charakterisieren, wĂ€hrend die Ideen selbst eine eigenstĂ€ndige Existenzweise haben. In diesem Sinne ist die sinnliche Welt eine bloße Nachbildung der perfekten Vorbilder aus der Welt der Ideen: Sie wird dem Original nie gerecht. Im Höhlengleichnis vergleicht Platon die uns vertrauten physischen Dinge mit bloßen Schatten der realen Dinge. Da die Gefangenen in der Höhle den Unterschied nicht kennen, verwechseln sie die Schatten mit den realen Dingen.

Immanuel Kant

FĂŒr Kant kommt dem Begriff der Welt lediglich regulative Bedeutung zu, da ihr keine Anschauung entspricht. Anschauungen haben wir nĂ€mlich stets nur von einzelnen Objekten. Die Welt kann uns aber niemals als Einzelnes, noch als Ganzes gegeben sein. Trotzdem hat der Begriff einen gewissen Wert als Orientierungshilfe, die Idee der Welt bleibt eine regulative Idee der reinen Vernunft.

Friedrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche polemisierte gegen den Anspruch, die TotalitĂ€t der Welt erfassen zu wollen, und bezeichnete sie 1874 in Vom Nutzen und Nachteil der Historie fĂŒr das Leben als „Hyperbel aller Hyperbeln“. Statt von Welt solle besser vom Menschen die Rede sein. In seinen nachgelassenen Papieren findet sich die Bemerkung, es gebe nur „eine Welt, und diese ist falsch, grausam, widersprĂŒchlich, verfĂŒhrerisch, ohne Sinn 
 Eine so beschaffene Welt ist die wahre Welt. Wir haben LĂŒge nötig, um ĂŒber diese RealitĂ€t, diese ‚Wahrheit‘ zum Sieg zu kommen, das heißt, um zu leben“.

Karl Jaspers

Das heißt, sie ist nach Karl Jaspers fĂŒr die menschliche Existenz nur in Form von Grenzsituationen erfahrbar und lĂ€sst sich gerade nicht beschreiben als die Summe alles Seienden. Die Welt ist vielmehr erst die Bedingung dafĂŒr, dass uns in ihr einzelne Dinge begegnen können. Sie geht damit jeglichem Bezug gegenĂŒber Innerweltlichem voraus.

Martin Heidegger

Martin Heidegger versuchte außerdem, die Subjekt-Objekt-Spaltung durch den Begriff des In-der-Welt-Seins zu ĂŒberwinden. WĂ€hrend der neuzeitliche Subjektivismus mit Descartes ein Auseinanderfallen von Subjekt und Objekt hervorbrachte und damit die erkenntnistheoretische Frage, wie dem weltlosen Subjekt der Zugang zur Außenwelt gelinge, ist fĂŒr Heidegger dem Menschen immer schon eine Welt mitgegeben. Hinter das PhĂ€nomen der Welt kann dabei denkerisch nicht zurĂŒckgegangen werden, da die Welt eine sinnhafte TotalitĂ€t ist. Sinn ist jedoch ein EmergenzphĂ€nomen, das nicht durch ZusammenstĂŒcken von zunĂ€chst sinnlosen (also beziehungslosen) Objekten rekonstruiert werden kann.

Eugen Fink

„Welt“ ist einer der SchlĂŒsselbegriffe in der Philosophie von Eugen Fink. Er ist der Meinung, dass es in der westlichen Philosophie eine fehlgeleitete Tendenz gibt, die Welt als ein enorm großes Ding zu verstehen, das all die kleinen alltĂ€glichen Dinge enthĂ€lt, mit denen wir vertraut sind. Er sieht in dieser Sichtweise eine Form der Weltvergessenheit und versucht, ihr das entgegenzusetzen, was er die „kosmologische Differenz“ nennt: den Unterschied zwischen der Welt und den darin enthaltenen innerweltlichen Dingen. Seiner Ansicht nach ist die Welt die Gesamtheit der innerweltlichen Dinge, welche die Dinge transzendiert. Sie ist selbst grundlos, aber sie gibt den Dingen einen Grund. Sie kann daher nicht mit einem bloßen BehĂ€lter identifiziert werden. Vielmehr ermöglicht die Welt den innerweltlichen Dingen eine Erscheinung, sie gibt ihnen einen Ort, einen Anfang und ein Ende. Eine Schwierigkeit bei der Erforschung der Welt besteht darin, dass wir ihr nie begegnen, da sie nicht einfach ein weiteres Ding ist, das uns erscheint. Aus diesem Grund verwendet Fink den Begriff des Spiels, um das Wesen der Welt zu verdeutlichen. Er sieht das Spiel als ein Symbol der Welt, das sowohl Teil der Welt ist als auch sie reprĂ€sentiert. Zum Spiel gehört in der Regel eine Art imaginĂ€re Spielwelt, die verschiedene Dinge beinhaltet, die fĂŒr das Spiel relevant sind. Aber so wie ein Spiel mehr ist als die imaginĂ€ren RealitĂ€ten, die darin vorkommen, so ist auch die Welt mehr als die tatsĂ€chlichen Dinge, die darin vorkommen.

Nelson Goodman

Der Weltbegriff spielt in der spĂ€ten Philosophie Nelson Goodmans eine zentrale Rolle. Er argumentiert, dass wir verschiedene Welten postulieren mĂŒssen, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass es in der RealitĂ€t verschiedene inkompatible Wahrheiten gibt. Zwei Wahrheiten sind inkompatibel, wenn sie ein und derselben Sache inkompatible Eigenschaften zuschreiben. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn wir behaupten, dass sich die Erde bewegt und dass sie ruht. Diese inkompatiblen Wahrheiten entsprechen zwei verschiedenen Arten, die Welt zu beschreiben: Heliozentrismus und Geozentrismus. Goodman bezeichnet solche Beschreibungen als „Weltversionen“. Er vertritt eine Korrespondenztheorie der Wahrheit: Eine Weltversion ist wahr, wenn sie mit einer Welt ĂŒbereinstimmt. Inkompatible wahre Weltversionen stimmen mit verschiedenen Welten ĂŒberein. Es ist ĂŒblich, dass Theorien der ModalitĂ€t von der Existenz einer Vielzahl möglicher Welten ausgehen. Goodmans Theorie ist jedoch anders, da sie nicht von einer Vielzahl möglicher, sondern wirklicher Welten ausgeht. Eine solche Position birgt die Gefahr eines Widerspruchs in sich: Es kann keine PluralitĂ€t wirklicher Welten geben, wenn Welten als maximal inklusive Ganzheiten definiert werden. Diese Gefahr kann vermieden werden, indem Goodmans Weltbegriff nicht als maximal inklusive Ganzheiten im absoluten Sinne interpretiert wird, sondern relativ auf eine entsprechende Weltversion: Eine Welt enthĂ€lt alle und nur die EntitĂ€ten, die ihre Weltversion beschreibt.

Religion

Christentum

Im Christentum bezeichnet Welt die Gesamtheit der Menschen und natĂŒrlichen wie ĂŒbernatĂŒrlichen MĂ€chte, die dem Willen Gottes entgegenstehen. In Joh 16,11  bezeichnet Jesus Satan als „Herrscher dieser Welt“. Dieses VerstĂ€ndnis fĂŒhrt daher in dem Sinne zum Bruch mit der Welt, dass Gottes Wille in allen Dingen maßgeblich wird, anderseits zu einem Eigenwert der Welt als von Gott gemachter, jedoch sĂŒndig gewordener Schöpfung. Oft wird in der Theologie auch die Formulierung weltlich gebraucht, d. h. im Sinne des zeitlich Irdischen, SĂ€kularen, Materiellen, Profanen im Unterschied zum Göttlichen, Heiligen und Ewigen. Als Erlöser der Welt von SĂŒnde, Tod und Hölle ist Jesus Christus nach biblischer Lehre das Ziel der Bestimmung jedes Menschen und der ganzen Geschichte. Alle SĂŒnden, besonders hervorgehoben der Ungehorsam gegen Gottes Weisung, die LĂŒge, die Habgier, der Götzendienst, der Okkultismus jeder Form, die fehlgeleitete SexualitĂ€t, zĂ€hlen im Christentum zum Bereich des Weltlichen, das der GlĂ€ubige durch die Hinwendung zu Jesus Christus, das Empfangen der aus verdienstloser göttlicher Gnade geschenkten Seligkeit zu ĂŒberwinden habe. Die Apokalypse ist in der christlichen Eschatologie das durch Gott wĂ€hrend des JĂŒngsten Gerichts herbeigefĂŒhrte Ende der Welt und der Anfang des vollendeten Gottesreiches.

Islam

Im Islam wird der Begriff „Dunya“ fĂŒr die Welt verwendet. Seine Bedeutung leitet sich vom Wurzelwort „dana“ ab, einem Begriff fĂŒr „nahe“. Er wird hauptsĂ€chlich mit der zeitlichen, sinnlichen Welt und irdischen Belangen in Verbindung gebracht, also mit dieser Welt im Gegensatz zur geistigen Welt. Einige religiöse Lehren warnen vor unserer Tendenz, das GlĂŒck im Diesseits zu suchen, und raten zu einer asketischeren Lebensweise, die sich auf das Leben nach dem Tod konzentriert. Andere Strömungen im Islam empfehlen jedoch einen ausgewogenen Ansatz.

Hinduismus

Der Hinduismus umfasst eine große Familie von religiös-philosophischen Ansichten. Diese Ansichten vertreten unterschiedliche Perspektiven auf das Wesen und die Rolle der Welt. Die Samkhya-Philosophie zum Beispiel ist ein metaphysischer Dualismus, der die RealitĂ€t als aus zwei Teilen bestehend versteht: Purusha und Prakriti. Der Begriff „Purusha“ steht fĂŒr das individuelle bewusste Selbst, das jeder von uns besitzt. Prakriti hingegen ist die eine Welt, die von all diesen Individuen bewohnt wird. Samkhya versteht diese Welt als eine Welt der Materie, die dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterliegt. Der Begriff „Materie“ wird in dieser Tradition in einem sehr weiten Sinn verstanden, der sowohl körperliche als auch mentale Aspekte umfasst. Dies spiegelt sich in der Tattvas-Lehre wider, nach der Prakriti aus 23 verschiedenen Prinzipien oder Elementen der RealitĂ€t besteht. Diese Prinzipien umfassen sowohl physische Elemente, wie Wasser oder Erde, als auch mentale Aspekte, wie Intelligenz oder SinneseindrĂŒcke. Die Beziehung zwischen Purusha und Prakriti wird gewöhnlich in Bezug auf reine Beobachtung aufgefasst: Purusha ist das bewusste Selbst, das sich der Welt aus Prakriti gewahr ist, aber nicht kausal mit ihr interagiert.

Ein ganz anderer Weltbegriff findet sich im Advaita Vedanta, der monistischen Schule unter den Vedanta-Schulen. Im Gegensatz zur realistischen Position, die in der Samkhya-Philosophie vertreten wird, sieht Advaita Vedanta die Welt der Vielheit als eine Illusion an, die als „Maya“ bezeichnet wird. Diese Illusion beinhaltet auch den eigenen Eindruck, dass man als ein getrenntes, erlebendes Selbst existiert, welches „Jiva“ genannt wird. Im Gegensatz dazu lehrt Advaita Vedanta, dass es auf der grundlegendsten Ebene der RealitĂ€t, die als „Brahman“ bezeichnet wird, keine Vielheit oder Unterschiede gibt. Alles, was es gibt, ist ein einziges, allumfassendes Selbst: Atman. Unwissenheit wird als die Quelle dieser Illusion angesehen, die zur Gefangenschaft in der Welt der bloßen Erscheinungen fĂŒhrt. Befreiung ist jedoch laut Advaita Vedanta möglich, wenn man diese Illusion ĂŒberwindet, indem man das Wissen ĂŒber Brahman erlangt.

Der Begriff Welt in weiteren Disziplinen

Geografie

Nach heutiger Betrachtungsweise wird in Bezug auf den naturwissenschaftlichen Erkenntnishorizont der Begriff „Welt“ meist deckungsgleich mit dem uns bekannten Universum und allen seinen Bestandteilen aufgefasst. Doch kann die Bezeichnung Welt in manchem Zusammenhang auch synonym zu Erde gebraucht werden, so beispielsweise bei Weltkarte als einer Karte der gesamten ErdoberflĂ€che. Auch die Bezeichnung weltweit bezieht sich meist nur auf die Erde, nicht auf das Universum.

Politik

In der Politik wird Welt zum Teil fĂŒr Abgrenzungen in geografischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht verwendet. Man spricht zum Beispiel von der Alten Welt, der Neuen Welt, von einem Weltreich, einer Ersten, Zweiten, Dritten und Vierten Welt oder auch von einer westlichen und einer islamischen Welt, allerdings auch von der gesamten Erde, z. B. wenn von Weltpolitik die Rede ist.

Soziologie

Im Sprachgebrauch gibt es viele AusdrĂŒcke, die das Wort Welt in Bezug auf menschliche Haltungen gegenĂŒber der Gesamtheit des sie Umgebenden beinhalten. Meist gehört zu einem derart auf menschliche ZusammenhĂ€nge bezogenen Weltbegriff auch die Vorstellung von bestimmten Regeln, nach denen die Welt funktioniert und gewissen GlaubenssĂ€tzen, die als Grundlagen des Weltverhaltens und der Weltdeutung gelten.

Zur Welt als sozialer Kategorie gehören zum Beispiel Begriffe wie Weltanschauung und Weltbild, also die Sicht des Menschen auf die Dinge um ihn herum und seine Deutung derselben. Attribute wie weltoffen, weltgewandt oder weltfremd beziehen sich auf Welt als Synonym fĂŒr Gesellschaft und Kultur, wobei ein Mensch als umso weltgewandter gilt, je mehr er sich in der Welt, d. h. auch in anderen Kulturkreisen, zurechtzufinden weiß.

Berufswelt oder die Welt der Politik sind stehende Begriffe fĂŒr Gesamtheiten von gesellschaftlichen Teilbereichen. Weichen Denken und Handeln eines Individuums von gesellschaftlich anerkannten Normen zu stark ab, spricht man davon, dass es ‚weltfremd‘ sei oder in einer Privatwelt, Fantasiewelt oder Scheinwelt lebe. Als ‚weltabgewandt‘ gilt zum Beispiel das Leben von Eremiten, Mystikern oder Asketen.

Medien

Um die Figuren und Geschehnisse in Serien oder Filmen von der realen Welt abzugrenzen, werden oft die AusdrĂŒcke Serienuniversum bzw. Filmuniversum verwendet. Sie beziehen sich darauf, dass die Welt, wie sie im Film oder der Serie gezeigt wird, nicht real ist, aber trotzdem als eine komplette Welt im soziologischen Sinne zu sehen ist.

Verwandte Begriffe und Probleme

Weltanschauung

Eine Weltanschauung ist eine umfassende Vorstellung der Welt und unseres Platzes in ihr. Als Vorstellung ist sie eine subjektive Perspektive der Welt und unterscheidet sich daher von der Welt, die sie reprĂ€sentiert. Alle höheren Tiere mĂŒssen ihre Umwelt auf irgendeine Weise reprĂ€sentieren, um sich darin zurechtzufinden. Es wurde jedoch argumentiert, dass nur Menschen eine ReprĂ€sentation besitzen, die umfassend genug ist, um den Begriff „Weltanschauung“ zu verdienen. Philosophen der Weltanschauung vertreten gemeinhin die Auffassung, dass das VerstĂ€ndnis jedes Objekts von einer Weltanschauung abhĂ€ngt, die den Hintergrund bildet, auf dem dieses VerstĂ€ndnis stattfinden kann. Dies kann sich nicht nur auf unser intellektuelles VerstĂ€ndnis des betreffenden Objekts auswirken, sondern auch auf die Erfahrung davon im Allgemeinen. Es ist daher unmöglich, die eigene Weltanschauung aus einer neutralen Perspektive zu beurteilen, da diese Beurteilung bereits die Weltanschauung als VerstĂ€ndnishintergrund voraussetzt. Manche sind der Meinung, dass jede Weltanschauung auf einer einzigen Hypothese beruht, die verspricht, alle Probleme unserer Existenz zu lösen, denen wir begegnen können. In dieser Auslegung ist der Begriff eng mit den Weltanschauungen verschiedener Religionen verbunden. Weltanschauungen bieten Orientierung nicht nur in theoretischen Fragen, sondern auch in praktischen Fragen. Aus diesem Grund enthalten sie in der Regel Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und andere bewertende Aspekte darĂŒber, worauf es ankommt und wie wir handeln sollen. Die Weltanschauung eines Individuum kann einzigartig sein, aber Weltanschauungen werden normalerweise von vielen Menschen innerhalb einer bestimmten Kultur oder Religion geteilt.

Paradox vieler Welten

Die Idee, dass es viele verschiedene Welten gibt, findet sich in unterschiedlichen Bereichen. So sprechen beispielsweise Theorien der ModalitĂ€t von einer Vielzahl möglicher Welten, und die Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik trĂ€gt diesen Bezug sogar in ihrem Namen. Auch in der Alltagssprache ist die Rede von verschiedenen Welten ĂŒblich, zum Beispiel in Bezug auf die Welt der Musik, die GeschĂ€ftswelt, die Welt des Fußballs, die Erlebniswelt oder die asiatische Welt. Zugleich werden Welten aber meist als allumfassende TotalitĂ€ten definiert. Dies scheint der Idee einer Vielzahl von Welten zu widersprechen, denn wenn eine Welt total und allumfassend ist, kann sie nichts außerhalb ihrer selbst haben. So verstanden, kann eine Welt weder andere Welten neben sich selbst haben noch Teil von etwas GrĂ¶ĂŸerem sein. Eine Möglichkeit, dieses Paradox aufzulösen und gleichzeitig an der Vorstellung einer Vielzahl von Welten festzuhalten, besteht darin, den Sinn einzuschrĂ€nken, in dem Welten TotalitĂ€ten sind. Nach dieser Auffassung sind Welten keine TotalitĂ€ten im absoluten Sinne. Dies könnte sogar in dem Sinne verstanden werden, dass es streng genommen ĂŒberhaupt keine Welten gibt. Ein anderer Ansatz versteht Welten in einem schematischen Sinne: als kontextabhĂ€ngige AusdrĂŒcke, die fĂŒr das aktuelle Diskursuniversum stehen. So bezieht sich der Begriff „Welt“ im Ausdruck „In 80 Tagen um die Welt“ auf die Erde, wĂ€hrend er sich im Ausdruck „Neue Welt“ auf die Landmasse Nord- und SĂŒdamerikas bezieht.

Kosmogonie

Die Kosmogonie ist der Bereich, der sich mit dem Ursprung oder der Schöpfung der Welt beschĂ€ftigt. Dazu gehören sowohl die wissenschaftliche Kosmogonie als auch die Schöpfungsmythen in verschiedenen Religionen. Die vorherrschende Theorie in der wissenschaftlichen Kosmogonie ist die Urknalltheorie, der zufolge sowohl Raum, Zeit als auch Materie ihren Ursprung in einer anfĂ€nglichen SingularitĂ€t haben, die vor etwa 13,8 Milliarden Jahren auftrat. Auf diese SingularitĂ€t folgte eine Expansion, die es dem Universum ermöglichte, sich ausreichend abzukĂŒhlen, um subatomare Teilchen und spĂ€ter Atome zu bilden. Diese anfĂ€nglichen Elemente formten riesige Wolken, die dann zu Sternen und Galaxien zusammenwuchsen. Nicht-wissenschaftliche Schöpfungsmythen sind in vielen Kulturen zu finden und werden oft in Ritualen aufgefĂŒhrt, die ihre symbolische Bedeutung zum Ausdruck bringen. Sie können anhand ihrer Inhalte kategorisiert werden. Zu den hĂ€ufig anzutreffenden Typen gehören die Schöpfung aus dem Nichts, aus dem Chaos oder aus einem kosmischen Ei.

Eschatologie

Eschatologie bezeichnet die Wissenschaft oder Lehre von den letzten Dingen oder vom Ende der Welt. Sie wird traditionell mit der Religion in Verbindung gebracht, insbesondere mit den abrahamitischen Religionen. In dieser Form kann sie Lehren ĂŒber das Ende jedes einzelnen menschlichen Lebens als auch ĂŒber das Ende der Welt als Ganzes beinhalten. Sie wird aber auch in anderen Bereichen angewandt, zum Beispiel in Form der physikalischen Eschatologie, die wissenschaftlich fundierte Spekulationen ĂŒber die ferne Zukunft des Universums umfasst. Einigen Modellen zufolge wird es einen Big Crunch geben, bei dem das gesamte Universum wieder in eine SingularitĂ€t zusammenbricht, was möglicherweise zu einem zweiten Urknall danach fĂŒhrt. Aber aktuelle astronomische Erkenntnisse scheinen darauf hinzudeuten, dass sich unser Universum auf unbestimmte Zeit weiter ausdehnen wird.

Weltgeschichte

Die Weltgeschichte untersucht die Welt aus einer historischen Perspektive. Im Gegensatz zu anderen AnsĂ€tzen zur Geschichte geht sie von einem globalen Standpunkt aus. Sie beschĂ€ftigt sich weniger mit einzelnen Nationen und Zivilisationen, die sie in der Regel auf einer hohen Abstraktionsebene betrachtet. Stattdessen konzentriert sie sich auf grĂ¶ĂŸere Regionen und Interaktionszonen und untersucht, wie sich Menschen, GĂŒter und Ideen von einer Region in eine andere bewegen. Dazu gehören Vergleiche verschiedener Gesellschaften und Zivilisationen ebenso wie die Betrachtung weitreichender Entwicklungen mit langfristigen globalen Auswirkungen, wie der Prozess der Industrialisierung. Die zeitgenössische Weltgeschichte wird von drei Hauptforschungsparadigmen beherrscht, die die Periodisierung in verschiedene Epochen bestimmen. Ein Paradigma basiert auf den produktiven Beziehungen zwischen Mensch und Natur. Die beiden wichtigsten VerĂ€nderungen in der Geschichte in dieser Hinsicht waren die EinfĂŒhrung von Landwirtschaft und Viehzucht zur Nahrungsmittelproduktion, die um 10.000 bis 8.000 v. Chr. begann und manchmal als neolithische Revolution bezeichnet wird, und die industrielle Revolution, die um 1760 n. Chr. begann und den Übergang von der manuellen zur industriellen Fertigung beinhaltete. Ein anderes Paradigma, das sich stattdessen auf Kultur und Religion konzentriert, basiert auf Karl Jaspers Theorien ĂŒber die Achsenzeit, eine Zeit, in der verschiedene neue Formen religiösen und philosophischen Denkens in unterschiedlichen Teilen der Welt zwischen 800 und 200 v. Chr. auftraten. Eine dritte Periodisierung stĂŒtzt sich auf die Beziehungen zwischen Zivilisationen und Gesellschaften. Nach diesem Paradigma kann die Geschichte in Bezug auf die dominierende Region der Welt in drei Perioden eingeteilt werden: die Dominanz des Nahen Ostens vor 500 v. Chr., das eurasische kulturelle Gleichgewicht bis 1500 n. Chr. und die westliche Dominanz seit 1500 n. Chr. Big History verwendet ein noch weiteres Bezugssystem als die Weltgeschichte, indem sie die Menschheitsgeschichte in den Kontext der Geschichte des Universums als Ganzes stellt. Sie beginnt mit dem Urknall und verfolgt die Entstehung der Galaxien, des Sonnensystems, der Erde, ihre Erdzeitalter, die Evolution des Lebens und des Menschen bis in die Gegenwart.

Weltpolitik

Die Weltpolitik ist die Disziplin der Politikwissenschaft, die sich mit Fragen befasst, die fĂŒr die Welt von Interesse sind und ĂŒber Nationen und Kontinente hinausgehen. In einem engeren Sinne bezieht sich der Begriff auch auf die deutsche Außen- und Kolonialpolitik im Zeitalter des Imperialismus. Verstanden im weiten Sinne zielt die Disziplin darauf ab, komplexe Muster in der sozialen Welt zu erklĂ€ren, die oft mit dem Streben nach Macht, Ordnung und Gerechtigkeit zusammenhĂ€ngen, meist im Zusammenhang mit der Globalisierung. Sie konzentriert sich nicht nur auf die Beziehungen zwischen Nationalstaaten, sondern berĂŒcksichtigt auch andere transnationale Akteure, wie multinationale Konzerne, Terrorgruppen oder Nichtregierungsorganisationen. Sie versucht beispielsweise Ereignisse wie die TerroranschlĂ€ge am 11. September 2001, den Irakkrieg in 2003 oder die Finanzkrise in 2007–2008 zu erklĂ€ren.

Es wurden verschiedene Theorien vorgeschlagen, um mit der KomplexitĂ€t umzugehen, die mit der Formulierung solcher ErklĂ€rungen verbunden ist. Diese Theorien werden manchmal in Realismus, Liberalismus und Konstruktivismus unterteilt. Realisten sehen Nationalstaaten als die Hauptakteure der Weltpolitik. Sie bilden ein anarchisches internationales System ohne eine ĂŒbergeordnete Macht, die ihr Verhalten kontrolliert. Sie werden als souverĂ€ne Akteure betrachtet, die, bestimmt durch die menschliche Natur, ihrem nationalen Eigeninteresse gemĂ€ĂŸ handeln. MilitĂ€rische Gewalt kann eine wichtige Rolle in dem daraus resultierenden Machtkampf zwischen den Staaten spielen, aber auch Diplomatie und Zusammenarbeit sind SchlĂŒsselmechanismen fĂŒr Nationen, um ihre Ziele zu erreichen. Liberalisten erkennen die Bedeutung von Staaten an, betonen aber auch die Rolle transnationaler Akteure, wie der Vereinten Nationen oder der Welthandelsorganisation. Sie sehen den Menschen als perfektionierbar an und betonen die Rolle der Demokratie in diesem Prozess. Die sich herausbildende weltpolitische Ordnung ist aus dieser Sicht komplexer als ein bloßes Machtgleichgewicht, da mehr unterschiedliche Akteure und Interessen an ihrer Entstehung beteiligt sind. Der Konstruktivismus schreibt der HandlungsfĂ€higkeit des einzelnen Menschen mehr Bedeutung bei als der Realismus und der Liberalismus. Er begreift die soziale Welt als eine Konstruktion der in ihr lebenden Menschen. Dies fĂŒhrt zu einer Betonung der Möglichkeit der VerĂ€nderung. Wenn das internationale System eine Anarchie von Nationalstaaten ist, wie die Realisten behaupten, dann ist dies nur so, weil wir es so gemacht haben, und es kann sich durchaus Ă€ndern, da dies nach Ansicht der Konstruktivisten nicht von der menschlichen Natur vorgegeben ist.

Siehe auch

  • Timaios
  • Ontologie
  • Parallelwelt
  • Mögliche Welt
  • Liste der Staaten der Erde
  • Viele-Welten-Interpretation

Literatur

  • Christian Bermes: Welt als Thema der Philosophie. Vom metaphysischen zum natĂŒrlichen Weltbegriff. Meiner, Hamburg 2004, ISBN 3-7873-1665-5.
  • Philosophisches Wörterbuch. Hrsg. von Georgi Schischkoff. Kröner, Stuttgart 1991, S. 772.
  • Karl Löwith: Der Weltbegriff der neuzeitlichen Philosophie. Winter, Heidelberg 1960.
  • Theodor Litt: Mensch und Welt. Grundlinien einer Philosophie des Geistes. Federmann, MĂŒnchen 1948.

Weblinks

Einzelnachweise



Quelle: Wikipedia
 

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